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Abstract

Nachwuchsförderung und Talentselektion werden in der Schweiz als eine zentrale Komponente der Spitzensportförderung angesehen. Deshalb investiert das Bundesamt für Sport (BASPO) jährlich rund elf Millionen Schweizer Franken im Rahmen der „Jugend und Sport Nachwuchsförderung“ in die leistungsorientierte Nachwuchsförderung. Zusätzliche Unterstützung erfährt der Nachwuchsleistungssport in geringerem Umfang direkt durch die Dachorganisation der Schweizer Sportverbände Swiss Olympic, die Sportverbände, Kantone, Kommunen und andere private Partner. Die begrenzten finanziellen Mittel, aber auch die Wettkampfsysteme im Nachwuchsleistungssport führen zwangsläufig zu Selektionsprozessen. In der Schweiz wurden Talentselektionen in der Vergangenheit fast ausschliesslich auf Grund von Wettkampfresultaten durchgeführt (siehe Artikel Leistungssport Ausgabe 4/2011; Fuchslocher & Romann, 2009). Wichtige Kriterien wie der biologische Entwicklungsstand, psychologische Voraussetzungen und das Entwicklungspotenzial der Nachwuchsathleten wurden nicht ausreichend beachtet (Rüdisüli et al., 2008). Seit dem Jahr 2010 wird in der Schweiz die Talentselektion mit Hilfe des neu entwickelten Instruments „Prognostische Integrative Systematische Trainer Einschätzung“ (PISTE) durchgeführt. Entsprechend der Empfehlungen aus der Literatur sieht die PISTE eine systematische, über längere Zeiträume wiederholte multidisziplinäre Beurteilung des Leistungspotenzials vor (Fuchslocher & Romann, 2013; Unnithan, White, Georgiou, Iga, & Drust, 2012; Vaeyens, Lenoir, Williams, & Philippaerts, 2008). Neben den Wettkampfresultaten werden daher auch sportmotorische und sportartspezifische Leistungstests, die Leistungsentwicklung (Hohmann, 2009), psychologische Komponenten wie Leistungsmotivation und Umgang mit Druck (Abbott & Collins, 2004; Côté & Hay, 2002), die Belastbarkeit (Fröhner, 2005), die biologische und psycho-soziale Entwicklung (Malina et al., 2005) sowie das relative Alter der Nachwuchsathleten berücksichtigt. Die Kriterien der PISTE beruhen auf sportartübergreifenden wissenschaftlichen Empfehlungen, die je nach Sportverband in Absprache mit Swiss Olympic und der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen (EHSM) sportartspezifisch angepasst werden. Dabei sollen die relevanten, leistungsbestimmenden Faktoren entwicklungsstufengerecht integriert werden, um eine Gesamteinschätzung des Leistungspotenzials des Nachwuchsathleten zu ermöglichen. Der Schweizerische Fussballverband (SFV) unterstützt durch sein Nachwuchsförderungskonzept talentierte Nachwuchsspieler in Ihrer Entwicklung (Knäbel & Prince, 2014). Der SFV nützt hierbei die Unterstützung der Universität Bern und der EHSM, die über multidisziplinäre Expertise in Trainingswissenschaft, Sportpsychologie, Sporternährung, Leistungsphysiologie, Athletiktraining, Sportmedizin, Physiotherapie und Datenmanagement verfügt. Diese Kooperation bietet die Möglichkeiten zur „breiten“ Zusammenarbeit an Talentthemen (z.B.: auf welcher Grundlage sollen zukünftige Talente selektioniert werden?), als auch zur „Vertiefung“ von spezifischen Fragestellungen (z.B.: wie kann die biologische Entwicklung von Nachwuchsathleten bestimmt werden?). Der vorliegende Artikel präsentiert am Beispiel der Nachwuchsförderung und Talentselektion im Fussball einen „breiten“ interdisziplinären Ansatz und die dazu komplementäre „vertiefte“ Forschung zur biologischen Entwicklung von Nachwuchsathleten.
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