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Suchtmed 13 (2) 2011
EVALUATION UND FORSCHUNG | ARUD ZÜRICH
Suchtmed 13 (2) 69 – 77 (2011)
© ecomed Medizin, Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH, Landsberg
Snowcontrol.ch
Internetbasierte unterstützte Selbsthilfe für Kokainkonsumenten diversifiziert das
therapeutische Angebot*
Lars Stark, Luis Falcato, Magdalena Dampz und Thilo Beck
ARUD Zürich, Evaluation und Forschung, Sihlhallenstraße 30, 8026 Zürich, Schweiz
Korrespondenzadresse: lic. phil. Luis Falcato; E-Mail: l.falcato@arud-zh.ch
*Mit freundlicher Genehmigung der ARUD Zürich
1 ZUSAMMENFASSUNG
Kokain ist in Europa und in der Schweiz nach Cannabis
die am häufigsten konsumierte illegale Substanz. Der Kon-
sum von Kokain ist dabei im Vergleich zur verhältnismä-
ßig hohen Prävalenz des Cannabiskonsums deutlich weni-
ger verbreitet. Der Kokainkonsum kann mit bestimmten
Milieus und Lebensweisen in Verbindung gebracht werden,
wobei primär integrierte (z.B. Partyszenengänger) und mar-
ginalisierte Gruppen (z.B. Prostituierte, Arbeitslose, Ob-
dachlose, psychisch Kranke) unterschieden werden können.
Die Gruppe der integrierten Konsumenten präsentiert sich
in der klinischen Praxis bezüglich soziodemographischen
Eigenschaften und Konsummotiven äußerst vielschichtig.
Neben den in der Literatur relativ gut beschriebenen Party-
gängern kann zum Beispiel auch ein Typus des funktionel-
len Alltagskonsums zur Leistungssteigerung beobachtet
werden. Vor allem für die Gruppe der integrierten Konsu-
menten sind mangels entsprechender Erhebungen kaum
detaillierte Daten zur Prävalenz, den soziodemographi-
schen Merkmalen, den jeweiligen Konsummustern und der
davon abhängigen Problemlast verfügbar.
Es kann davon ausgegangen werden, dass der Kokainkon-
sum mehrheitlich unproblematisch und risikoarm erfolgt.
Ein Teil der Konsumierenden jedoch entwickelt anhaltende
medizinische, psychische oder soziale Probleme. Der Be-
darf nach entsprechenden Hilfsangeboten ist durch die
Nachfrage bei Beratungs- und Behandlungsstellen klar aus-
gewiesen. Fraglich bleibt, ob die heterogene und wenig
erforschte Gruppe der Personen mit problematischem Ko-
kainkonsum in ihrer gesamten Bandbreite und den unter-
schiedlichen Bedürfnissen und Problemstellungen mit den
bestehenden Hilfsangeboten adäquat angesprochen und
für die Inanspruchnahme therapeutischer Angebote genü-
gend erreicht wird.
Das Internet bietet insbesondere für den Bereich der unter-
stützten Selbsthilfe einige viel versprechende neue Mög-
lichkeiten, auch Konsumenten zu erreichen, die sich bisher
nicht für eines der bestehenden Hilfsangebote entschlie-
ßen konnten. Die ARUD Zürich hat daher gemeinsam mit
dem Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF
das modulare, an kognitiv-verhaltenstherapeutischen Kon-
zepten orientierte Online-Selbsthilfe-Angebot "Snow Con-
trol" entwickelt (Leitung: L. Stark ARUD, M. Schaub ISGF;
Programmierung: R. Sullivan ISGF; www.snowcontrol.ch).
Es bietet Hilfestellung, um die individuelle Kontrolle über
den eigenen Kokainkonsum zu verbessern bzw. wieder zu
erlangen. Das Programm ist seit Mai 2010 online und wird
wissenschaftlich evaluiert, der Einschluss von TeilnehmerIn-
nen in die laufende Studie ist bis September 2011 vorgese-
hen. Erste Erfahrungen zeigen, dass grundsätzlich ein solches
Angebot genutzt wird und sich die bisherigen Benutzenden
von Snow Control deutlich von den Personen unterscheiden,
die mit den etablierten Angeboten mit direktem Klientenkon-
takt erreicht werden. Bisher handelte es sich im Vergleich
um mehr männliche Personen mit guter Ausbildung und
höherem Durchschnittsalter. Dieses Profil lässt vermuten,
dass mit Snow Control tatsächlich eine mit den bisherigen
Behandlungsangeboten nicht erreichte Gruppe von Konsu-
menten angesprochen wird.
2 EINFÜHRUNG
Kokain ist ein Alkaloid der Cocapflanze (chemische Sum-
menformel C17H21NO4). Der Name geht auf den deutschen
Chemiker Albert Niemann zurück, der 1859/60 die aktiven
Komponenten des Cocastrauchs isolierte. Seit der im Zusam-
menhang mit der Isolation des Alkaloids erfolgten Entwick-
lung der lager- und transportfähigen Salzform wird Kokain
wegen seiner stimulierenden Wirkung auf das zentrale Ner-
vensystem weltweit als Rauschdroge konsumiert. Eine erste
"Kokainepidemie" trat in den 20er-Jahren des 20. Jahrhun-
derts in Kreisen der Bohème und von Intellektuellen auf, ei-
ne erneute Verbreitung des Konsums kann seit den 1980er-
Jahren beobachtet werden.
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Die psychische und physische Wirkung von Kokain ist
abhängig von der Konsumform, der Konstitution des Kon-
sumenten sowie der eingenommenen Menge und Konsum-
dauer. Als psychische Wirkungen werden eine erhöhte Auf-
merksamkeit, Wachheit, Stimmungsaufhellung, leichte bis
starke Euphorie, erhöhte körperliche Leistungsfähigkeit,
verringerte Müdigkeit, klareres Denken, gesteigerte Kon-
zentration, Rededrang, erhöhte Reizbarkeit und psychomo-
torische Unruhe beschrieben.
Die physischen Effekte umfassen eine Erhöhung der Herz
und Atemfrequenz, des Blutdrucks und der Körpertempe-
ratur. Weitere Auswirkungen sind eine Dilatation der Pu-
pillen, Schlafbedürfnis und Appetit werden vermindert.
Die Krampfschwelle kann gesenkt werden, bei empfindli-
chen Personen (z.B. Herzfehler, Hypertension, Schilddrüsen-
probleme) und bei exzessivem Konsum besteht ein erhöh-
tes Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte.
Der Konsum von Kokain kann zu einer ausgeprägten psy-
chischen Abhängigkeit führen. So können bei Absetzver-
suchen nach längerem, regelmäßigem Konsum intensives
Verlangen nach Kokain (Craving), depressive Verstimmungs-
zustände, Dysphorie und Schlaflosigkeit oder übermäßi-
ger Schlaf auftreten. Bei akuten Kokainüberdosierungen ist
mit Komplikationen wie Delir, Hyperthermie, Myokardin-
farkt, Insult, intrazerebraler Blutung oder einem durch
Rhabdomyolyse verursachten akuten Nierenversagen zu
rechnen. Chronischer Kokainkonsum kann zu anhaltender
Unruhe, Angst, Übererregbarkeit, Paranoia, Reizbarkeit,
Schlaflosigkeit, Gewichtsverlust und Impotenz führen. An-
haltender, kompulsiver Konsum kann im Weiteren psycho-
soziale Destabilisierung und Desintegration zur Folge ha-
ben. Die nasale Einnahme der Substanz führt längerfristig
zur Schädigung der Nasenschleimhäute und -scheidewand.
Intravenöser Konsum geht mit einem erhöhten Risiko für
Impetigo contagiosa, Abszessbildung, Nekrosen, Thrombo-
sen und Septikämien einher. Es besteht ein vermehrtes Risi-
ko für die Akquisition von viralen Hepatitiden, HIV-Infek-
tionen und Geschlechtskrankheiten [1-3].
Angesichts der beschriebenen Risiken ist die Bereitstellung
präventiver und therapeutischer Angebote für Konsumen-
ten mit problematischem Kokainkonsum angezeigt.
3 WIE VERBREITET IST DER GEBRAUCH VON KOKAIN
IN DER SCHWEIZ?
Laut Gesundheitsbefragung haben in der Schweiz 2007
2,8% aller über 15-jährigen Personen (3,8% Männer und
1,7% Frauen) zumindest ein Mal in ihrem Leben Kokain
konsumiert. Dieser Anteil ist in den 10 Jahren seit 1997
deutlich gestiegen [4]. Auch Datenerhebungen aus Bevöl-
kerungsbefragungen in verschiedenen EU-Ländern deuten
darauf hin, dass es seit der zweiten Hälfte der 1980er-
Jahre zu einer Ausdehnung des Kokain-Konsums in Europa
gekommen ist. Gegenwärtig liegt die geschätzte Lebenszeit-
prävalenz des Kokainkonsums unter Erwachsenen im Al-
ter von 15-64 Jahre im Durchschnitt von 23 europäischen
Berichtsländern bei 4,1%. Es gibt jedoch erhebliche Unter-
schiede: Länder mit der niedrigsten berichteten Prävalenz
waren Rumänien (0,1%), Malta (0,4%), Litauen (0,5%);
Länder mit der höchsten berichteten Prävalenz England
(9,4%), Spanien (8,3%), Italien (7,0%). Bezogen auf die
Gesamtbevölkerung liegt die Verbreitung des aktuellen Ko-
kain-Konsums jedoch weiterhin unter 1% [5].
Vorhandene Schätzungen zur Konsum-Prävalenz basieren
auf Selbstangaben aus Bevölkerungsbefragungen (ESPAD,
SGB) und Inanspruchnahmestatistiken von Hilfsangeboten
(SAMBAD, ARUD Zürich Basisevaluation), polizeilichen
Verzeigungsstatistiken sowie nicht direkt auf Personen bezo-
gene Daten wie Abwasseranalysen und konfiszierte Koka-
inmengen. Weitere wichtige Hinweise stammen aus Unter-
suchungen von "Risiko-Populationen" wie z.B. jugendlichen
Club-Besuchern.
Die Erhebung des Konsums illegaler Substanzen mittels re-
präsentativer, telefonischer Haushalts-Surveys und Schüler-
befragungen auf nationaler Ebene tendiert dazu, die Häufig-
keit zu unterschätzen bzw. zu nivellieren. Hauptsächliche
Fehlerquellen sind die geographische Ungleichverteilung
d.h. relative Konzentration insbesondere von regelmäßigen
und abhängigen Konsumenten auf gewisse Gebiete wie
z.B. bestimmte Städte, das Under-Reporting von kriminel-
lem und stigmatisierten Verhalten sowie eine systematisch
erhöhte Nichtteilnahme an Umfragen durch Personen mit
unkonventionellen Lebensstilen oder Wohnformen.
Präzise Angaben zur aktuellen Prävalenz des Kokainkon-
sums in der Schweiz und dem jeweiligen Anteil des unpro-
blematischen, des schädlichen und des abhängigen Ge-
brauchs von Kokain sind abgesehen von vereinzelten Stich-
probenuntersuchungen von Risikogruppen nicht verfügbar.
Zusammenfassend hat der Kokainkonsum in der Schweiz
im Verlauf der vergangenen 20 Jahren auf Grund der ver-
fügbaren Daten tendenziell zugenommen, die Lebenszeit-
Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung liegt jedoch wei-
terhin deutlich unter dem 5%-Niveau, wobei die Schweiz
sich im Vergleich mit anderen europäischen Staaten im
Mittelfeld bewegt.
4 WER SIND DIE KONSUMENTEN?
Bezogen auf die Gesamtbevölkerung ist Kokainkonsum
gemäss Daten aus Dänemark, Spanien, Irland, Italien und
England, unter jungen Männern (15-34 Jahre) besonders
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verbreitet (12-Monats-Prävalenzraten 4-8,4%). Das Verhält-
nis von Männern zu Frauen unter jungen Erwachsenen lag
bei mindestens 2:1 [5].
Zielgruppen gerichtete Erhebungen an bestimmten Örtlich-
keiten haben gezeigt, dass der Kokainkonsum mit bestimm-
ten Milieus und Lebensweisen in Verbindung gebracht wer-
den kann. Dabei kann grundsätzlich zwischen marginalisier-
ten und integrierten Konsumenten unterschieden werden.
Viele der marginalisierten Konsumenten ("Gassen-Szene")
finden sich unter den Benutzenden drogentherapeutischer
Einrichtungen und Angeboten der Überlebenshilfe, viele der
besser integrierten (Freizeit-)Konsumenten in Nachtclub-
und Dance Music-Szenen.
Eigene Daten ergeben folgende Einschätzung des Kokain-
konsums in der "Gassen-Szene": Unter 1.399 opioidab-
hängigen Personen, die 1992 bis 1996 in eine Substitutions-
behandlung in der Poliklinik Zokl1 der ARUD Zürich ein-
traten, liess sich eine aktuelle 30-Tage-Prävalenz des aktu-
ellen Kokainkonsums von rund 60% feststellen. Rund ein
Drittel der Eintretenden konsumierte täglich Kokain, ein
Drittel sporadisch und ein Drittel gar kein Kokain [6].
Diese Aufteilung blieb auch für die Jahre 1997 bis 2004
(Ersteintretende n = 1.012) praktisch unverändert. Frauen
und Männer unterschieden sich nicht bezüglich des An-
teils an Kokainkonsum [7].
Die Daten der Jahre 2005 bis 2009 lassen jedoch in jünge-
rer Zeit auf einen Rückgang der Prävalenz des Kokainkon-
sums unter den in eine Substitutionsbehandlung eintreten-
den Opioid-Konsumierenden schließen: Unter den Erstein-
tritten in der ARUD Zürich im Jahre 2009 (n = 196) lag die
Prävalenz des Kokainkonsums bei rund 40% und lediglich
knapp 10% konsumierten täglich Kokain, wobei dieser An-
teil unter Frauen signifikant höher war (m: 4,8%, f: 21,6%).
Zusammen mit einer Ausdehnung der Unterhaltungsindus-
trie und einer Veränderung der Ausgeh-Kultur und des Nacht-
lebens seit den 1990er-Jahren entwickelte sich eine zuneh-
mende Gruppe von sozial integrierten "Freizeit-Kokain-Kon-
sumenten". Eine in Nachtclubs durchgeführte Untersuchung
aus dem Jahr 1998 unter 300 jungen Erwachsenen in 9
europäischen Städten (Athen, Berlin, Coimbra, Manches-
ter, Modena, Nizza, Palma de Mallorca, Utrecht und Wien)
ergab, dass 28% der Befragten schon einmal Kokain pro-
biert hatten und 7,8% die Kombination von Kokain und
Alkohol kannten. Bei der Frage nach den Substanzen, die
ihrer Ansicht nach am Meisten in Mode waren, lag Canna-
bis an der Spitze, dicht gefolgt von Alkohol, Ecstasy und
Kokain. Auf die Frage nach der Lieblingssubstanz ergab
sich folgende Präferenz-Reihenfolge: Alkohol (38,1%), ge-
folgt von Cannabis (21,1%), Ecstasy (11%), Kokain (10%)
und Tabak (9,2%). Ein recht hoher Prozentsatz (29,3%)
der jungen Menschen in dieser Studie gaben an, dass der
Substanzkonsum für sie schon Probleme verursacht habe,
diese sie jedoch nicht von einem weitern Konsum abge-
halten hätten [8]. Ebenfalls auf eine hohe Prävalenz des
Kokain-Konsums in der Gruppe der "Freizeit-Konsumen-
ten" verweisen die Befragungen von Beanspruchern des
Drug-Checking in Zürich, wo ca. 80% Erfahrung mit Ko-
kain angaben [9]. Von den Party-Konsumenten unterschei-
det sich in der klinischen Praxis eine tendenziell etwas
ältere Gruppe von Kokainkonsumenten, deren Hauptmotiv
für den Konsum v.a. im Versuch einer beruflichen Leis-
tungssteigerung oder der Kompensation von beruflichem
Stress zu verstehen ist.
Die verfügbaren Zahlen des problematischen und abhängi-
gen Kokainkonsums unter marginalisierten Drogengebrau-
chenden (Gassenszenen) sprechen eher für einen Rückgang
in diesem Segment. Der beschriebene Anstieg der Präva-
lenz des Konsums in der Gesamtbevölkerung muss damit
wohl einer Zunahme des Kokainkonsums in der Gruppe
der integrierten Konsumenten zugeschrieben werden, ins-
besondere in den "Nightlife-Szenen" und möglicherweise
bei den "funktionalen Alltagskonsumenten". Dabei han-
delt es sich unserer Einschätzung nach bei ersteren tenden-
ziell um das Alterssegment der jungen Erwachsenen aus al-
len sozialen Schichten, bei letzteren wohl eher um besser in-
tegrierte männliche Benutzer in der zweiten Lebenshälfte.
5 WIE IST DER BEDARF AN HILFSANGEBOTEN?
Es kann davon ausgegangen werden, dass der Kokainkon-
sum, wie bei anderen Substanzen auch, in vielen Fällen
unproblematisch und risikoarm erfolgt [10, 11]. Nur ein
kleinerer Teil der Konsumierenden entwickelt anhaltende
medizinische, psychische oder soziale Probleme, und wie-
derum nur ein Teil dieser Personen nimmt professionelle
Hilfe zur Überwindung ihrer Probleme in Anspruch. Ge-
mäß Daten des U.S. National Comorbidity Survey 1990-92
entwickelten rund 20% der Personen, die jemals Erfahrung
mit Kokain gemacht hatten im Laufe ihres Lebens eine Ko-
kain-Abhängigkeit (Alkohol: 20%, Cannabis: 10%), wobei
die höchsten Raten in den ersten 3 Jahren des Kokainkon-
sums gefunden wurden [12].
6 WELCHE HILFSANGEBOTE GIBT ES?
Eine Übersicht des aktuellen Standes der verfügbaren An-
sätze zur Behandlung von Kokainproblemen zeigt, dass
gegenwärtig wenig Konsens besteht, was eine effektive Ko-
kainbehandlung ausmacht. Der Schwerpunkt liegt auf psy-
chotherapeutisch-psychosozialen, insbesondere kognitiv-
behavioralen und motivationalen Behandlungsansätzen,
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da der Forschung bezüglich medikamentöser Therapien
bisher kein entscheidender Durchbruch gelungen ist. Die
eingesetzten Medikamente werden im "off-label-use" ver-
ordnet, d.h. ohne behördlich geprüfte Zulassung für die
Behandlung der Kokainabhängigkeit.
Die Therapien lassen sich in den meisten Fällen im ambu-
lanten Setting durchführen. Für die differenzierte Behand-
lungsplanung sind im Einzelfall neben der Konsumformen
(oral, nasal, inhalativ, intravenös), insbesondere das Beste-
hen und Ausmaß zusätzlicher psychischer, somatischer und
sozialer Problematiken sowie des weiteren Substanzge-
brauchs zu berücksichtigen. In allen Gruppen von Kokain-
konsumenten scheint multipler Substanzgebrauch verbrei-
tet zu sein, was in den Therapiekonzepten berücksichtigt
werden sollte. Komplexe Mehrfachproblematiken erfor-
dern in der Regel ein flexibles interdisziplinäres Vorgehen
[13, 14].
7 WER NUTZT DIE BESTEHENDEN ANGEBOTE (NICHT)?
Mitte der 90er Jahre machten die Anfragen aufgrund von
kokainbedingten Störungen ca. 1,3% der Beratungen in
der ambulanten Schweizerischen Suchthilfe-Statistik aus.
Bis 2005 hatte sich diese Zahl verfünffacht [15] und in den
letzten Jahren vermutlich auf diesem Niveau stabilisiert.
So gaben 2008 schweizweit 6% aller in eine ambulante
Suchthilfeeinrichtung mit SAMBAD-Erhebung eintretenden
Klienten Kokain als Hauptproblemsubstanz an (nach Al-
kohol, Opioiden und Cannabis). Bezogen auf die Klienten
mit illegalem Konsum betrug der Anteil 18%. Von diesen
Personen gaben 16% täglichen Konsum an, 25% eine Kon-
sumhäufigkeit im vergangenen Monat von 4-6 Tagen pro
Woche oder häufiger und 38% hatte gemäß eigenen Anga-
ben in diesem Zeitraum keinen Konsum [16].
Für einen großen Teil der marginalisierten Kokainkonsu-
menten, die häufig multiplen Substanzgebrauch betreiben
und in vielen Fällen auch eine Opioidabhängigkeit auf-
weisen, scheint angesichts der breit verfügbaren und gut
genutzten Behandlungsangebote im Rahmen der opioid-
gestützten Substitutionstherapien der Zugang zum drogen-
medizinischen Hilfesystem gewährleistet.
Die Gruppe der integrierten Konsumenten, der wohl maß-
geblich die beschriebene Prävalenzzunahme des Kokain-
konsums zuzuordnen ist, scheint aufgrund der verfügba-
ren Daten und der klinischen Erfahrung ausgesprochen
heterogen zu sein. Die Daten aus der Poliklinik GAIN der
ARUD Zürich (Gesundheitsangebot und Information), de-
ren Behandlungsangebot im gesamten Spektrum der Subs-
tanzstörungen vorzugsweise von besser integrierten Patien-
ten beansprucht wird, ergaben für die Jahre 2006 bis 2009
bei etwa der Hälfte der Erstkontaktaufnahmen einen Bezug
zu Kokain. Die Prävalenz des aktuellen Kokainkonsums 30
Tage vor Behandlungsbeginn nahm in diesem Zeitraum von
55% auf 39% ab, und der Anteil (praktisch) täglich konsu-
mierender Personen ging von 8% auf 5% zurück. Es war
keine Geschlechter-Differenz festzustellen.
Die Altersstrukturen der Substanz-Konsumierenden, die am-
bulante Hilfe in Anspruch genommen haben, unterschei-
den sich deutlich nach der Problemsubstanz. Kokain hat
dabei nach Cannabis das jüngste Altersprofil. Es zeigen
sich auch Geschlechtsunterschiede, die möglicherweise auf
eine unterschiedliche Nutzung der Beratungsangebote
durch Männer bzw. Frauen verweisen (® Abb. 1).
8 IST DAS BESTEHENDE ANGEBOT
BEDÜRFNISGERECHT?
Zusammenfassend verweisen die vorhandenen Daten auf
eine offensichtlich bestehende Nachfrage nach geeigneten
Angeboten zur Unterstützung bei problematischem Kokain-
konsum. Der relativ rudimentäre Kenntnisstand zur Epide-
miologie des problematischen Kokainkonsums und dessen
Heterogenität erschweren jedoch eine differenzierte Beur-
teilung der Bedürfnisgerechtigkeit entsprechender Hilfs-
angebote. Vermutlich wird jedoch mit den bestehenden
Möglichkeiten vor allem aus der Gruppe der integrierten
Konsumenten nur ein Teil der potentiellen Nutznießer er-
reicht, was für eine weitere Diversifizierung der Hilfsange-
bote spricht.
9 NEUE MÖGLICHKEITEN IM DIGITALEN ZEITALTER
Die meisten gesellschaftlich integrierten Konsumenten von
Tabak, Alkohol oder illegalen Substanzen verfügen heutzu-
tage, in Ländern wie der Schweiz, über einen privaten
Internetanschluss. Das Internet bietet daher eine Chance,
Gruppen von Substanzgebrauchenden zu erreichen, die
vielleicht nie eine persönliche Behandlung in Anspruch
nehmen würden [17].
Online-Angebote im Gesundheitsbereich finden sich bereits
seit längerem in verschiedenen Gebieten der Medizin und
Befragungen von Internet-Benutzenden lassen solche Ange-
bote viel versprechend erscheinen. Eine neuere Befragung
in 7 europäischen Ländern hat ergeben, dass 44% aller
Befragten (n = 7.934) und 71% aller Internet-Anwender
das Internet für Gesundheitszwecke nutzte. 53% (40% der
gesamten Stichprobe) schätzten das Internet als eine wichti-
ge oder sehr wichtige Quelle für Gesundheitsinformationen
ein. Online gefundene Informationen hatten 46% der Inter-
net-Nutzer bei der Entscheidung geholfen, ob sie einen
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EVALUATION UND FORSCHUNG | ARUD ZÜRICH
Arzt persönlich kontaktieren sollten. 33% benützten Inter-
netangebote mit der Absicht, Gewohnheiten in ihrem Le-
bensstil zu verändern [18]. Es konnte eine positive Korrela-
tion zwischen der Internetbenutzung und dem subjektiven
gesundheitlichen Befinden festgestellt werden [19].
10 VORTEILE DES INTERNETS
Für Personen, die aufgrund ihres Problems Scham oder
Stigmatisierung erfahren bzw. befürchten, was bei Konsu-
menten illegaler Substanzen häufig der Fall ist, dürfte der
anonymisierte Zugang zu Informationen bzw. Hilfsangebo-
ten via Internet von besonderer Bedeutung sein.
Durch ihre interaktiven Möglichkeiten eignen sich online-
Angebote besonders für einen individualisierten Wissens-
transfer.
Die Informationen und Bearbeitungen sind rund um die Uhr
verfügbar und nach eigenem Rhythmus durchführbar.
Das Internet überwindet räumliche Distanzen und Hinder-
nisse durch Mobilitätseinschränkungen.
Internet-Angebote können heterogene und unterschiedliche
Zielgruppen erreichen.
Es ermöglicht die Bildung "virtueller Communities" und
Austausch zwischen Personen mit gemeinsamen Interessen-
lagen, auch wenn diese selten oder weit verstreut sind.
Bezogen auf ein Versorgungsmodell mit abgestuften Inter-
ventionen (stepped care) im Sinne einer möglichst optima-
len Ressourcennutzung, ermöglichen internetbasierte Ange-
bote der unterstützten Selbsthilfe eine Form der Hilfe noch
vor der ambulanten Kurzintervention im persönlichen the-
rapeutischen Kontakt (brief councelling).
11 ERFAHRUNGEN MIT ONLINE-ANGEBOTEN FÜR
SUBSTANZ-GEBRAUCHER
Webbasierte Selbsthilfeprogramme bei problematischem
Substanzkonsum sind bisher vor allem für Alkohol und
Cannabis entwickelt und getestet worden [17, 20, 21]; siehe
auch Beispiele von online-Tools: www.oasisonline.eu, www.
minderdrinken.nl, www.jellinek.nl, www.drugcom.de.
Obwohl die Effektivität der meisten dieser Online-Tools nicht
durch kontrollierte, randomisierte Studien wissenschaftlich
belegt ist, kamen die Autoren einer qualitativen Review der
publizierten Literatur zum Schluss, dass diese Art von Inter-
ventionen gleich effektiv sein können wie eine direkte Arzt-
konsultation – vor allem für weniger stark abhängige Per-
sonen [20].
Inzwischen sind einige Online-Angebote erforscht, die nebst
informativen Inhalten auch webbasierte Selbsthilfeprogram-
me bei problematischem Substanzkonsum anbieten. In ei-
ner holländischen Studie von Riper reduzierten 17% der
problematisch trinkenden Personen, die das webbasierte
Interventionstool "Drinking Less" nutzten, ihren Alkohol-
konsum. Sie tranken um 12 Standardeinheiten weniger
als eine Kontrollgruppe ohne diese Intervention [21]. Der
positive Effekt dieses auf kognitiv-behavioralen Grundsät-
zen basierten Programms war noch 12 Monate nach dem
Beginn der Intervention präsent, wobei Frauen und Perso-
nen mit einem höheren Bildungsgrad einen leicht besseren
Outcome hatten. Nach Fazit der Autoren kann diese Art
Abb. 1:
Altersverteilung ambulante Hilfe nach
Hauptproblemsubstanz 2008
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von web-basierten Hilfen bei Substanzstörungen Zielgrup-
pen erreichen, die Angst vor Stigmatisierung haben und
die sonst nur schwer für eine persönliche Behandlung er-
reichbar wären [21].
12 SNOW CONTROL: EIN NEUES ONLINE-ANGEBOT
BEI KOKAINPROBLEMEN
Ausgehend vom "Drug Checking", das sich vorwiegend
an Konsumenten aus der Party- und Raveszene richtet (z.B.
www.saferparty.ch, www.eve-rave.ch), etablieren sich mitt-
lerweile auch in der Schweiz zunehmend internetbasierte
Angebote mit Informations- und Präventionsinhalten (http://
www.blaueskreuz.ch/hilfe/selbsthilfeprogramm.html,
http://www.suchtpraevention-zh.ch/selbsttest/).
Zur Unterstützung bei problematischem Kokainkonsum hat
die ARUD Zürich gemeinsam mit dem Institut für Sucht-
und Gesundheitsforschung ISGF neu das Online-Selbsthilfe-
Angebot "Snow Control" entwickelt (www.snowcontrol.ch).
Snow Control ist ein Hilfsangebot, um die individuelle Kon-
trolle über den eigenen Kokainkonsum zu verbessern bzw.
wieder zu erlangen. Das Tool bietet strukturierte Unterstüt-
zung, um sich seiner Risikosituationen explizit bewusst
zu werden und Strategien zu entwickeln, Schwierigkeiten
zu meistern und mit dem Verlangen nach Kokain (Craving)
umzugehen.
Es richtet sich an Personen, die den Umgang mit neuen
elektronischen Medien schätzen und anonym, ortsunab-
hängig und zeitlich flexibel ein Unterstützungsangebot in
Anspruch nehmen möchten.
Snow Control wurde auf der Basis von in der Behandlung
von Substanzstörungen bewährten und erfolgreichen Me-
thoden und Programmen entwickelt. Es baut auf dem Prin-
zip der Eigenmotivation auf, orientiert sich an kognitivver-
haltenstherapeutischen Konzepten und ist modulartig auf-
gebaut, d.h. gliedert sich in entsprechende Kapitel.
Die Benutzenden werden in 6-8 Wochen durch 8 interakti-
ve Module geleitet, die gängige Prinzipien der Selbstkon-
trolle und Grundlagen aus dem Rückfall-Präventionsmo-
dell enthalten [22, 23, 24]. Snow Control ist zieloffen und
ermöglicht ein individuelles und selbstbestimmtes Vorge-
hen. Zentrales Element ist ein wöchentlich auszufüllendes
Konsumtagebuch zur Erfassung des Konsums der vergan-
genen Woche und der darauf aufbauenden Vorgabe realis-
tischer und umsetzbarer Konsumziele für die nächsten 7
Tage. Mehrfarbige Fortschrittsgrafiken erleichtern die Über-
sicht über den Grad der Konsum-Kontrolle bzw. der erreich-
ten Verhaltensveränderungen. Diese Visualisierungen wir-
ken motivierend und fördern die Selbstwirksamkeit. Die
in den Kapiteln erarbeiten personalisierten Unterlagen kön-
nen gespeichert werden und stehen dem Benutzer jederzeit
zur Einsicht oder zum Ausdrucken zur Verfügung.
13 WISSENSCHAFTLICHE BEGLEITSTUDIE
In einem wissenschaftlichen Begleitprojekt wird die Effek-
tivität von Snow Control überprüft. Nach 4, 8 und 12 Wo-
chen (Follow-up) erfolgen Datenerhebungen in Form von
den jeweiligen Kapiteln vorgeschalteten Online-Fragebö-
gen. Als primäre Outcome-Variable dient die Erfassung von
Konsum und Abhängigkeitskriterien gemäß Severity of De-
pendence Scale [25]. Sekundäre Outcome-Variablen sind
das Ausmaß von Verlangen nach Kokain, erfasst durch das
Cocaine Craving Questionnaire Brief [26] sowie die depres-
sive Begleitsymptomatik, gemessen durch die Kurzversion
des Beck Depressionsinventars [27]. Der "Verbleib in der
Behandlung" ist eine weitere Outcomegröße.
In die Begleitstudie werden Nutzer aufgenommen, die zum
Einschlusszeitpunkt keine professionelle Hilfe für ihr Koka-
inproblem in Anspruch nehmen, kein Heroin konsumieren,
zwischen 18 und 65 Jahre alt sind, mindestens einen Wo-
chenend-Kokainkonsum aufweisen und den Informed Con-
sent unterschrieben und zurück geschickt haben.
Die Teilnehmenden werden auf bestehenden Webseiten
durch entsprechende Links rekrutiert, zudem erfolgt Wer-
bung mittels Inseraten und dem Versand von Infomaterial
und Flyer. Die Datenerhebung für die Studie wird voraus-
sichtlich bis September 2011 dauern. Über die Ergebnisse
der Effektivitäts-Analyse kann erst nach diesem Zeitpunkt
berichtet werden.
Abb. 2: Snow Control Hauptmenu
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14 EIN ERSTER BLICK AUF DIE BENUTZENDEN
Snow Control befindet sich seit Mai 2010 online. Seither
haben fast 100 Personen das Tool benutzt, 72 wurden in
die wissenschaftliche Begleitstudie eingeschlossen.
Die nachfolgenden Analysen basieren auf einer prelimi-
nären Auswertung soziodemographischer Daten der bisher
erfassten Probanden und haben nur beschränkte Aussage-
kraft, da sie sich auf eine noch relativ kleine Fallzahl be-
ziehen.
Personen aus 10 Schweizer Kantonen, aber auch aus Deutsch-
land, wurden bisher in die Snow Control Begleitstudie ein-
geschlossen. Die meisten waren im Großraum Zürich wohn-
haft (® Abb. 3). Dies zeigt, dass sich Internetangebote
vom Einzugsgebiet her prinzipiell jenseits traditioneller
räumlicher und nationaler Grenzen bewegen.
Die soziodemographischen Angaben zeigen, dass das Ange-
bot bisher überwiegend von Männern (76%) genutzt wur-
de. Der Altersdurchschnitt lag bei 34,7 Jahren bei einem
Minimum von 18 und Maximum von 58 Jahren, wobei
ein Viertel der Benützenden über 40 Jahre alt war.
Vergleichen wir Altersstruktur und Bildungsstand der Be-
nutzenden von Snow Control mit den ambulanten Bera-
tungen und Behandlungen wegen Kokain in der Poliklinik
GAIN und den Klienten der SAMBAD-Statistik (ambu-
lante Einrichtungen für Personen mit Substanzproblemen),
so wird deutlich, dass sich das Kollektiv der bisherigen
Benutzenden von Snow Control klar von den Personen
unterscheidet, die mit den bestehenden Angeboten mit di-
rektem Klientenkontakt erreicht wurden. Es handelte sich
im Vergleich um mehr männliche Personen mit guter Aus-
bildung und höherem Durchschnittsalter (® Abb. 4 und
5). Dies entspricht einerseits der generell höheren Internet-
nutzung durch Männer und Personen mit besserem Bil-
dungsstand [28], andererseits lässt dieses Profil vermuten,
dass mit Snow Control tatsächlich bisher therapeutisch
wenig erreichte Kokainkonsumenten angesprochen wer-
den, die sozial gut integriert sind und speziellen Wert auf
Diskretion und Flexibilität legen.
Abb. 3:
Wohnort der Benutzer von Snow Control
Abb. 4:
Vergleich der Altersstruktur verschiedener
Behandlungsangebote
76 Suchtmed 13 (2) 2011
ARUD ZÜRICH | EVALUATION UND FORSCHUNG
15 DISKUSSION
Nach einem Überblick des aktuellen epidemiologischen
Wissensstands zur Prävalenz des Kokaingebrauchs, proble-
matischer Konsummuster und der Charakteristiken der
Konsumenten (Risikogruppen), sowie entsprechender Be-
handlungsansätze in der Schweiz, präsentierten wir die
preliminären Basisangaben zum soziodemographischen
Benutzerprofil des neunen, internetbasierten, strukturier-
ten Kokain-Selbsthilfeprogramms Snow Control.
Indem wir diese Aspekte zueinander in Beziehung setzten,
gingen wir der Frage nach, welche Bedeutung solchen In-
ternetangeboten für die Ausgestaltung eines bedürfnisge-
rechten Versorgungsangebots zukommen könnte.
Kokainkonsum stellt ein komplexes und heterogenes Phä-
nomen dar, sowohl hinsichtlich seiner gesellschaftlichen
Verbreitung, als auch auf der Ebene seiner individuellen
bio-psycho-sozialen Hintergründe und Auswirkungen. Je-
doch existiert darüber relativ wenig gesichertes, detaillier-
tes empirisches Wissen. Hier besteht weiterer Forschungsbe-
darf, um die Entwicklung zielgruppengerechter Behand-
lungsangebote zu unterstützen.
Aufgrund der ersten, mit entsprechender Vorsicht zu inter-
pretierenden Ergebnisse erscheint die Erweiterung der An-
gebotspalette um internetbasierte, unterstützte Selbsthilfe
durch Programme wie Snow Control als erfolgversprechen-
der Weg, um eine bisher nicht erreichte Zielgruppe aus
dem Segment der "integrierten Kokainbenutzer" zu erschlie-
ßen. Bezüglich der Effektivität solcher Angebote dürfen wir
auf die Endergebnisse der laufenden Studie gespannt sein.
16 LITERATUR
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Abb. 5:
Höchste abgeschlossene Ausbil-
dung
77
Suchtmed 13 (2) 2011
EVALUATION UND FORSCHUNG | ARUD ZÜRICH
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www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/16/04/key/
approche_ globale indicator 30106 301 html
VORANKÜNDIGUNG
Volker Barth
Sucht und Komorbidität
Grundlagen für die stationäre Behandlung
Reihe: Sucht-Therapie Special
ca. 250 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-609-70009-0
ca. a 29,95
Erscheinungstermin: Juli 2011
In der aktuellen Neuerscheinung der Reihe "Sucht-Thera-
pie Special" wird der von suchtpolitischer und Kostenträ-
gerseite in den Mittelpunkt der Behandlung gestellte Aspekt
"Teilhabe am Erwerbsleben" weg in Richtung "Komorbidi-
tät" gerückt. Wenn die Suchttherapie erfolgreich sein soll,
müssen auch die komorbiden Störungen und soziale Problem-
bereiche mitbehandelt werden, da sie teilweise die Ursache
der Sucht oder ein Faktor der Aufrechterhaltung sind. Das
Ziel der Erwerbsfähigkeit kann aus therapeutischer Sicht
nur nachrangig sein. Die stationäre Entwöhnungsbehandlung
hat bewiesenermaßen ihre Effektivität bewiesen. Die vorlie-
gende Publikation dient als Baustein für eine effiziente deut-
sche Suchttherapieforschung und ist damit ein Brückenschlag
zwischen Suchtkrankenhilfe und Suchtforschung.
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Article
Quintessenz Wichtigstes Therapieziel bei der Behandlung der Kokainabhängigkeit ist die Erhaltung bzw. Wiedererlangung der Gesundheit, der sozialen Interaktion und Partizipation, wobei Abstinenz, kontrollierter Konsum und die Behandlung von Begleit- und Folgekrankheiten helfen sollen, dieses umfassende Ziel zu erreichen. Der Behandlungsansatz beim Vorliegen einer Kokainabhängigkeit ist deshalb multimodal und vereinigt soziale, somatische, pharmakologische und psychotherapeutische Elemente. Psychotherapeutische Interventionen sind vor allem in der Postakutphase von Bedeutung, wobei kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden – bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen allenfalls ergänzt durch zusätzliche familientherapeutische Ansätze – am erfolgversprechendsten sind. Bisher hat sich noch kein Medikament zur Behandlung der Kokainabhängigkeit für die breite Anwendung bewährt. Medikamente mit bisher positivem Wirksamkeitsnachweis können – eingebettet in eine multimodale Behandlung – in Einzelfällen aber durchaus sinnvoll und erfolgreich sein. Diese Medikamente sind in der Schweiz für die Indikation «Behandlung der Kokainabhängigkeit» nicht zugelassen, und deren Verschreibung muss entsprechend den Vorschriften für einen «Off-label-Use» des schweizerischen Arzneimittelrechts erfolgen.
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Obwohl es nahezu unmöglich erscheint, gibt es eine Reihe von Heroin- und Kokainkonsumenten mit einem kontrollierten Gebrauch ihrer Drogen, der durch mehr oder weniger explizite Selbstkontrollregeln bestimmt ist und die Lebensanpassung nicht beeinflusst. Drei Fragen tauchen im Kontext des kontrollierten Konsums auf: 1. Wie häufig ist kontrollierter Konsum von Heroin und Kokain in der Allgemeinbevölkerung? 2. Kann die Kontrolle über „harte” Drogen nach einem Abhängigkeitsstadium durch eigene Anstrengungen zurückgewonnen werden? 3. Wie funktioniert kontrollierter Konsum? Bevölkerungsstudien in verschiedenen Ländern zeigen, dass kontrollierter Konsum „harter” Drogen nicht unüblich, aber auch nicht häufig ist. Studien an ehemals abhängigen Konsumenten zeigen, dass kontrollierter Konsum auf lange Sicht betrachtet bei ihnen kein seltenes Phänomen darstellt. Ausgehend von Zinbergs Unterscheidung zwischen „drug”, „set” und „setting” haben sich in einer Reihe von Studien Selbstkontrollregeln bei Konsumenten harter Drogen identifizieren lassen. Eine Reihe dieser Regeln wird dargestellt. In der Diskussion werden Konsequenzen aus der Häufigkeit des kontrollierten Konsums für Behandlung und Sekundärprävention gezogen.
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Our primary goal in writing this book was to increase the consciousness and knowledge of service providers about how to identify problem drinkers and about what types of treatment approaches make sense for such individuals. (PsycINFO Database Record (c) 2012 APA, all rights reserved)
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512 Coca-Blätter von einheimischen Minenarbeitern zur Bekämpfung von Hunger und Müdigkeit ge-braucht. Bald folgten die ersten medizinischen Anwendungen als Lokalanästhetikum im west-lichen Europa. Zwischen 1854 und 1862 wurde Kokain durch verschiedene Forscher aus Blättern des Kokastrauchs (Erythroxylon coca) extrahiert. Neben dem Einsatz als Lokalanästhetikum wurde in verstärktem Mass die antreibende und euphori -sierende Wirkung des Kokains geschätzt. Erste Be-richte von Abhängigkeit betrafen so berühmte Leu-te wie den Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle um 1890. 1896 wurde durch den Apotheker Pem-berton in Georgia der Coca-Cola-Sirup (eine Mix-tur mit Extrakten der afrikanischen Kolanuss und von Kokablättern) für leicht ermüdbare ältere Leute auf den Markt gebracht. Im frühen 20. Jahr-hundert nahm der Missbrauch von Kokain in Nord-amerika derart dramatische Ausmasse an, dass der amerikanische Präsident Taft 1913 Kokain zum Staatsfeind Nummer 1 erklärte [1, 2]. Zur Epidemiologie des Kokainkonsums in der Schweiz Gemäss der schweizerischen Fachstelle für Alko-hol-und andere Drogenprobleme (sfa/ispa, Stand 08/2006) wird die Zahl der Kokainkonsumenten in der Schweiz auf rund 60 000 geschätzt, rund 30 000 davon müssen als abhängig bezeichnet werden. Ein Viertel der Patienten, die im Jahr 2003 eine Suchttherapie begonnen haben, gaben Kokain als Hauptproblem an. Gemäss einer schweizerischen Studie wurde, neben anderen Sucht mitteln, der Kokainkonsum bei 16-bis 20jährigen Jugendlichen im Jahr 2002 unter sucht und mit demjenigen im Jahr 1993 verglichen. Dabei hatten 1993 3,8% der männlichen Adoles-zenten angegeben, in ihrem Leben minde stens einmal Kokain konsumiert zu haben. 2002 stieg diese Zahl auf 9,8% der befragten männlichen Jugendlichen an. Für gleichaltrige Frauen zeigte sich ein Anstieg von 2,2 auf 4,5% im unter suchten Zeitraum [3].
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Article
European citizens are increasingly being offered Internet health services. This study investigated patterns of health-related Internet use, its consequences, and citizens' expectations about their doctors' provision of e-health services. Representative samples were obtained from the general populations in Norway, Denmark, Germany, Greece, Poland, Portugal and Latvia. The total sample consisted of 7934 respondents. Interviews were conducted by telephone. 44 % of the total sample, 71 % of the Internet users, had used the Internet for health purposes. Factors that positively affected the use of Internet for health purposes were youth, higher education, white-collar or no paid job, visits to the GP during the past year, long-term illness or disabilities, and a subjective assessment of one's own health as good. Women were the most active health users among those who were online. One in four of the respondents used the Internet to prepare for or follow up doctors' appointments. Feeling reassured after using the Internet for health purposes was twice as common as experiencing anxieties. When choosing a new doctor, more than a third of the sample rated the provision of e-health services as important. The users of Internet health services differ from the general population when it comes to health and demographic variables. The most common way to use the Internet in health matters is to read information, second comes using the net to decide whether to see a doctor and to prepare for and follow up on doctors' appointments. Hence, health-related use of the Internet does affect patients' use of other health services, but it would appear to supplement rather than to replace other health services.
Article
The clinic for methadone maintenance therapy 'Zokl1' in Zurich, founded in 1992, constitutes Switzerland's first institution for low threshold substitution. The data of the first 4 years of the clinic have now been evaluated. This article discusses the admission data of the 1462 opioid- dependants treated during this period. Within the first year of operation, which ran parallel to the dispersal of one of Europe's largest open drug scenes in the 'Platzspitz' park in Zurich in 1992, a great number of socially marginalised people, often in bad physical condition, entered the program. After the dispersal of the open drug scene on the ground of the former station 'Letten' in 1995, socially well integrated people were predominant amongst those entering the program for the first time. The authors conclude that the proportion of well integrated opioid-dependants to successfully avoid registration by institutions and the extent of application of heroine as selfmedication to maintain social adjustment have, up until now, been equally underestimated. Further results are presented and discussed in the light of local and national development in drug policy.
Article
Zusammenfassung Seit anfangs dieses Jahrhunderts ist die weltweite Produktion von Kokain rückläufig, was hauptsächlich auf die sinkende Nachfrage des US-Marktes zurückgeht. Im gleichen Zeitraum stellen europäische Drogenfahnder immer grössere Mengen Kokain sicher. Eine drastische Zunahme des Kokainkonsums lässt sich jedoch damit nicht belegen: In den meisten europäischen Ländern konsumieren zwischen 0,3% und 1% der Bevölkerung gegenwärtig Kokain. Diverse Datenquellen belegen die markante Zunahme des Kokainkonsums in der Schweiz im Laufe der neunziger Jahre. Während Heroin als Hauptpro-blemsubstanz an relativer Bedeutung verliert, werden Suchtberatungsstellen vermehrt wegen Kokainproblemen aufgesucht.
Article
The focal point of this paper is the transition from drug use to drug dependence. We present new evidence on risk for starting to use marijuana, cocaine, and alcohol, as well as risks for progression from first drug use to the onset of drug dependence, separately for each of these drugs. Data from the National Comorbidity Survey (NCS) were analyzed. The NCS had a representative sample of the United States population ages 15-54 years (n = 8,098). Survival analysis techniques were used to provide age- and time-specific risk estimates of initiating use of marijuana, cocaine, and alcohol, as well as of becoming dependent on each drug. With respect to risk of initiating use, estimated peak values for alcohol and marijuana were found at age 18, about two years earlier than the later peak in risk of initiating cocaine use. With respect to risk of meeting criteria for the clinical dependence syndrome, estimated peak values for alcohol and marijuana were found at age 17-18. Peak values for cocaine dependence were found at age 23-25. Once use began, cocaine dependence emerged early and more explosively, with an estimated 5-6% of cocaine users becoming cocaine dependent in the first year of use. Most of the observed cases of cocaine dependence met criteria for dependence within three years after initial cocaine use. Whereas some 15-16% of cocaine users had developed cocaine dependence within 10 years of first cocaine use, the corresponding values were about 8% for marijuana users, and 12-13% for alcohol users. The most novel findings of this study document a noteworthy risk for quickly developing cocaine dependence after initial cocaine use, with about one in 16 to 20 cocaine users becoming dependent within the first year of cocaine use. For marijuana and alcohol, there is a more insidious onset of the drug dependence syndrome.
Article
Internet-based interventions (IBIs) for problem drinkers have been in existence for over a decade. In that time, IBIs have increased in sophistication and there is the beginning of a solid research base suggesting their efficacy. A growing number of problem drinkers are using IBIs and attempts have been made to explore how IBIs can be integrated within primary care and other health-care settings. This symposium provided an overview of IBIs for problem drinkers and highlighted some of the important issues in their development and implementation. IBIs appear to be at a 'cusp' as technology and intervention practices are merged together in an attempt to provide better health care for problem drinkers. The timing of the 2009 International Network on Brief Interventions for Alcohol Problems Conference was ideal for a presentation and discussion of the role that IBIs play now that IBIs have started to shift into the mainstream of services for problem drinkers. The presentations in this symposium covered the 'bench to bedside' aspects of the development and evaluation of IBIs. They included a systematic review of the research to-date in this field, a report on the results from a just completed randomised controlled trial, a report on an effectiveness trial of implementing IBIs in multiple university settings and a consideration of the cost-effectiveness of IBIs.[Cunningham JA, Khadjesari Z, Bewick BM, Riper H. Internet-based interventions for problem drinkers: From efficacy trials to implementation.
Article
Web-based self-help interventions for problem drinking are coming of age. They have shown promising results in terms of cost-effectiveness, and they offer opportunities to reach out on a broad scale to problem drinkers. The question now is whether certain groups of problem drinkers benefit more from such Web-based interventions than others. We sought to identify baseline, client-related predictors of the effectiveness of Drinking Less, a 24/7, free-access, interactive, Web-based self-help intervention without therapist guidance for problem drinkers who want to reduce their alcohol consumption. The intervention is based on cognitive-behavioral and self-control principles. We conducted secondary analysis of data from a pragmatic randomized trial with follow-up at 6 and 12 months. Participants (N = 261) were adult problem drinkers in the Dutch general population with a weekly alcohol consumption above 210 g of ethanol for men or 140 g for women, or consumption of at least 60 g (men) or 40 g (women) one or more days a week over the past 3 months. Six baseline participant characteristics were designated as putative predictors of treatment response: (1) gender, (2) education, (3) Internet use competence (sociodemographics), (4) mean weekly alcohol consumption, (5) prior professional help for alcohol problems (level of problem drinking), and (6) participants' expectancies of Web-based interventions for problem drinking. Intention-to-treat (ITT) analyses, using last-observation-carried-forward (LOCF) data, and regression imputation (RI) were performed to deal with loss to follow-up. Statistical tests for interaction terms were conducted and linear regression analysis was performed to investigate whether the participants' characteristics as measured at baseline predicted positive treatment responses at 6- and 12-month follow-ups. At 6 months, prior help for alcohol problems predicted a small, marginally significant positive treatment outcome in the RI model only (beta = .18, P = .05, R(2) = .11). At 12 months, females displayed modest predictive power in both imputation models (LOCF: beta = .22, P = .045, R(2) = .02; regression: beta = .27, P = .01, R(2) = .03). Those with higher levels of education exhibited modest predictive power in the LOCF model only (beta = .33, P = .01, R(2) = .03). Although female and more highly educated users appeared slightly more likely to derive benefit from the Drinking Less intervention, none of the baseline characteristics we studied persuasively predicted a favorable treatment outcome. The Web-based intervention therefore seems well suited for a heterogeneous group of problem drinkers and could hence be offered as a first-step treatment in a stepped-care approach directed at problem drinkers in the general population. International Standard Randomized Controlled Trial Number (ISRCTN): 47285230; http://www.controlled-trials.com/isrctn47285230 (Archived by WebCite at http://www.webcitation.org/5cSR2sMkp).