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Tsmi - An open site of the Late Mesolithic and early neolithic in Northern Ossetia (North Caucasus)

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Tsmi - An open site of the Late Mesolithic and early neolithic in Northern Ossetia (North Caucasus)

Abstract and Figures

The multilayer open-air campsite below the medieval Castle of Cmi in the high mountains of North-Ossetia was partly excavated in 2007 during construction work on à water reservoir. The Site was previously known as dating to the Early Bronze Age (Kura-Arax culture), but during excavations à stratigraphy dating to the Late Mesolithic, Early Neolithic and Late Bronze Age was discovered. The limited area excavated nevertheless revealed important archaeological features in four archaeological layers and à spectrum of Late Mesolithic and Early Neolithic artefacts. Most important is the presence of undecorated, grit tempered ceramics in the uppermost Early Neolithic level. Food remains inside were dated to 7010 BP, which is among the earliest radiocarbon dates for ceramics in the Caucasus. Cmi is the first radiocarbon dated stratigraphy of à Late Mesolithic/Early Neolithic Site in the Caucasus Mountains, where samples had been taken from the archaeological layers. The Late Mesolithic dates 7570 BP, the two Early Neolithic layers date 7010-6890 BP and the Early Bronze layer is dated to 4765 BP. These dates not only confirm the repeated use of the high mountain areas. The Site of Cmi at an altitude of nearly 1700 m reflects the importance of the traverse across the nearby passes in the longe of Caucasian communication networks.
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ARCHA
¨OLOGISCHE
MITTEILUNGEN AUS
IRAN UND
TURAN
Band 41
2009
Separatum
A
M
I
T
Cmi –Eine Freilandfundstelle des Spa
¨tmesolithikums
und Fru
¨hneolithikums in Nordossetien (Nordkaukasus)
Von Vjac
˘eslav L. Rostunov y,Sergej Ljachov, Sabine Reinhold
Schlagwo
¨rter: Russische Fo
¨deration, Ossetien,Cmi, Spa
¨tmeso-/Fru
¨hneolithikum, Mesolithische Trialetikultur,
S
˘ulaveri-S
˘omutepe Kultur, Kura-Arax Kultur
Keywords: Russian Federation,Ossetia, Tsmi, Late Mesolithic/Early Neolithic, Mesolithic Trialeti culture,
Shulaveri-Shomutepe culture, Kura-Arax culture
˚º8a),ß) æºC,.:—CææŁØæŒ.' V)+)&.!Ł',˛æ)$Ł',THŁ,BCK+FŁØ H)KCºŁ$/&.FFŁØ F)CºŁ$,\&Ł.º)$æŒ.' H)-
KCºŁ$Ła)æŒ.' Œ#º;$#&.,˚#º;$#&. R#º.,)&Ł-RCH#$)B),˚#&.-W&.ŒæŒ.#º;$#&.
Einleitung –Kaukasien im
Neolithisierungsprozess Eurasiens
Ab der zweiten Ha
¨lfte des 7.Jts. v. Chr. beginnt in
weiten Regionen Eurasiens die U
¨bernahme neolithi-
scher Lebensweisen. Domestizierte Tiere und Nutz-
pflanzen, Keramikproduktion, Sesshaftigkeit in mehr
oder weniger permanenten Siedlungen und andere
neolithische Kulturerscheinungen entstehen nahezu
zeitgleich an der Peripherie der Prima
¨rzentren der
Neolithisierung im ,Fruchtbaren Halbmond‘.
1
Die In-
terpretation dieses sekunda
¨ren Neolithisierungspro-
zesses pendelt nach wie vor zwischen den Polen
,Migration‘ und ,Diffusion‘, also der Ausbreitung
neolithischer Lebensweisen im Zuge von Kolonisa-
tionsprozessen durch bereits neolithisierte Acker-
baugemeinschaften respektive der Weitergabe und
U
¨bernahme von neolithischen Kulturelementen durch
bis dato wildbeuterisch wirtschaftende, mesolithi-
sche oder epipala
¨olithische Gruppen.
2
Die eurasische Steppen- und Waldsteppenzo-
ne liegt zwischen zwei Arealen, die als potentielle
Impulsgeber der Neolithisierung zur Debatte stehen
und die zudem die verkehrsgeographische Situation
dieses Raumes widerspiegeln. Dies sind einerseits
die fru
¨hneolithischen Kulturen Su
¨dosteuropas im
Westen und das Neolithikum Transkaukasien an-
dererseits im Su
¨dosten.
3
Wa
¨hrend die erste Region
selbst zum Areal za
¨hlt, in dem die Neolithisierung
ganz offensichtlich erst in der zweiten Ha
¨lfte des
7.Jts. v. Chr. als sekunda
¨rer Prozess begann,
4
liegt
Kaukasien vergleichsweise nahe zu den Prima
¨rzen-
tren der Neolithisierung im no
¨rdlichen Mesopota-
mien und in Ostanatolien. Die Region hat Anteil an
den natu
¨rlichen Habitaten diverser fru
¨her Kultur-
pflanzen und Haustiere,
5
die dort in verschiedenen
fru
¨hneolithischen Fundsta
¨tten dokumentiert sind.
6
Transkaukasische Gruppen teilen zudem in der so
genannten ,Mesolithischen Trialeti Kultur‘ oder dem
,Trialetien‘
7
gemeinsame mesolithisch/epipala
¨olithi-
sche Wurzeln mit den Regionen des fru
¨hen akera-
mischen Neolithikums an der zentralen und o
¨stli-
chen Flanke des ,Fruchtbaren Halbmondes‘.
8
Am Beginn neolithischer Lebensweisen im
westlichen Eurasien ist Kaukasien daher eine der
beiden maßgeblichen Regionen eines Kulturtrans-
fers, u
¨ber den potentiell die Neolithisierung der
eurasischen Steppenregion erfolgt sein ko
¨nnte. In
Transkaukasien existiert mit der vollneolithischen
S
˘ulaveri-S
˘omutepe Kultur ab dem 6.Jt. v. Chr. zu-
dem ein potentieller Impulsgeber fu
¨rden Neolithi-
sierungsprozess.
9
Anders als viele Regionen der
sekunda
¨ren Neolithisierung in Mittel- und Osteuro-
pa blickt Kaukasien ferner auf eine ungebrochene
Besiedlung zuru
¨ck, die tief ins Jungpala
¨olithikum
reicht und sich besonders in der Steinbearbeitungs-
technik gut verfolgen la
¨sst.
10
Spa
¨tpala
¨olithische so-
wie mesolithische Fundstellen sind im Gebirge, den
angrenzenden Tiefla
¨ndern aber auch auf der Krim
1Fu
¨rKaukasien: ˝)ÆŁ)&Ł+K) 1986;Kiguradze 1986;WHŁ&ı.FC,
1987,158181;Kotova 2003;fu
¨
rdas zentrale Eurasien: ˆC&)ºŁŒ
1997;Timofeev/Zaitseva 1999;fu
¨
rAnatolien und Su
¨dosteuropa:
Ge
´rard/Thissen 2001;Lichter 2005.
2Exemplarisch Zvelebil 2001 fu
¨rdas zentrale und no
¨rdliche Eura-
sien oder Perle
`s2005 und ilingiroglu 2005 fu
¨rAnatolienund
Su
¨dosteuropa.
3˜.FŁº)FŒC 1969,176183;Kotova 1997;\)º)ªŁF et al. 2000;
Kotova 2003,Kap. 7.
4Lichter 2005;Weniger et al. 2005.
5¸ŁæŁ!ßF./ˇ&Łł)B)FŒC 1977;RFŁ&)º;H.F 1989,8391 Taf.
4;Korobkova 1996,62.
6RFŁ&)º;H.F 1980,229301 Taf. 10;S#ÆŁFŁł,ŁºŁ et al. 1984
Taf. 15.33;WHŁ&ı.FC, 1987,150157 Taf. 6;`M.F' 1989,
75;kritisch dazu Welcher 2001,210 214 Tab. 23.
7Dieser Komplex wird hier als ,Mesolithische Trialeti Kultur‘ be-
zeichnet, um Verwechslungen mit der ,Trialeti Kultur‘ der mitt-
leren Bronzezeit in Transkaukasien zu vermeiden. In der Origi-
nalliteraturist von ,\&Ł.º)$æŒ.' (H)KCºŁ$Ła)æŒ.')Œ#º;$#&.‘,
,\&Ł.º)$æŒ.' Œ#º;$#&.‘oder ,Trialetian‘ die Rede: ˆ.Æ#FŁ'
1975;`.+)&/T)&Ł$)ºŁ 1989;Kozlowski 1996,Kozlowski 1999,
139148;152 153;159 Taf. 73 78;Aurenche/Kozlowski
2005,41 Fig. 0.7;70 Annex 1.2.1012.
8`.+)& 1989;Gebel/Kozlowski 1996.
9Kiguradze 1984;Chataigner 1996;Kiguradze/Menabde 2004.
10 `.+)& 1984.
nicht selten. Sie zeichnen die Kommunikationsrouten
vor, die vermutlich auch spa
¨ter wa
¨hrend des Fru
¨h-
neolithikums fu
¨rden Informationsaustausch maß-
geblich waren.
11
Die Diskussion um die Prozesse,
die zum Transfer neolitischer Kulturelemente aus
dem ,Fruchtbaren Halbmond‘ heraus fu
¨hrten, weisen
immer wieder auf die Bedeutung solcher Kommuni-
kationsrouten hin. Entlang dieser Wege wurden die
entscheidenden Informationen weitergegeben und/
oder bewegten sich bereits neolithisierte Gemein-
schaften.
12
Aus diesem Blickwinkel hat die 2007 bei Cmi
in Nordossetien auf 1680 mHo
¨
he entdeckte spa
¨t-
mesolithisch bis fru
¨hneolithische Freilandfundstelle
das Potential ein Schlu
¨sselfund fu
¨rdas Versta
¨ndnis
der Vermittlung neolithischer Lebensweisen in die
Weiten der eurasischen Steppe zu werden. Der
Fundplatz liegt an einem Verkehrsknotenpunkt, der
zu drei der wichtigsten Passrouten u
¨ber den Großen
Kaukasus fu
¨hrt (Abb. 1).Diese Pa
¨sse wurden offen-
bar bereits schon wa
¨hrend des Mesolithikums be-
gangen und bilden seitdem die wichtigsten Nord-
Su
¨dPassagen u
¨ber das Gebirge.
13
Cmi ist zudem
die bislang erste radiometrisch datierte Stratigra-
phie dieser Epoche im zentralen Kaukasus.
Der Fundplatz
Die Freilandstation Cmi (Abb. 23)wurde im Rah-
men von Rettungsmaßnahmen im Zuge eines Stau-
dammbaus in der Alagir-Schlucht entdeckt.
14
Der
Fundort liegt im Hochgebirge, heute am Hang der
steilen Reste einer ehemals gro
¨ßeren und flachen
Abb. 1
NeolithischeFundstellen Kaukasiens (nach `M.FŁ' 1996,Karte 4,Menabde/Kiguradze 2004 und Gorelik/Cybrij 2007,Abb. 1mit Erga
¨nzun-
gen). 1Cmi, 2Rakus
˘ec
˘nij Jar, 3Kirpic
˘noe II, 4Fundorte bei Novyj E
˙gorlik, 5Fundorte bei Rassypnaja, 6Ovec
˘ka, 7Psekups, 8Kamenno-
mostskoe, 9Dubovka, 10 Gofitskoe, 11 Tomozlovka, 12 Atdorta, 13 Uorskena, 14 Fundorte bei Boz
˘igansk, 15 Bujnaksk, 16 Tarnir, 17 Fund-
orte in Dagestan, 18 C
˘och, 19 Niz
˘naja S
˘ilovka, 20 Kistrik, 21 Verchnjaja Lemsa, 22 C
˘chortili, 23 Gumuris
˘i, 24 Gali I, 25 Odis
˘i, 26
Paluri, 27 Urta, 28 Chors
˘i, 29 Melouri, 30 Darkveti, 31 Fundorte im Lechidari Tal, 32 Oghaskura, 33 Chucubani, 34 Chevi, 35 Anaseuli I II,
36 Mamati, 37 Gurianta, 38 Kobuleti, 39 Kvirike, 40 Machvilauri, 41 C
˘aisubani, 42 Tanditskaro I, 43 Nagunti III, 44 Zura-Acho, 45 Nichbisi,
46 Ai-Ila, 47 Tsakla-Bes
˘tas
˘eni, 48 Dmanisi, 49 Parvani See, 50 Qobustan
11 `.+)& 1965;`.+)&/T)&Ł$)ºŁ 1989,9395 Karte 8.
12 Ge
´rard/Thissen 2001;Lichter 2005.
13 Zur Bedeutung der Passrouten ab dem Neolithikum: —Cæ$#FC,
2007,5657 Tab. VII.
14 Die Grabung stand unter der nominellen Leitung von Vjac
˘eslav
L. Rostunov, der wa
¨hrend der Grabungen nach schwerer Krank-
heit verstarb. Die Leitung vor Ort lagdaher bei Sergej S. Lja-
chov. Das Fundmaterial befindet sichimNordossetischen Insti-
tut fu
¨rSozial- und Geisteswissenschaften in Vladikavkazund
wird noch restauriert und bearbeitet.
Vjac
˘eslav L. Rostunov yet al.48
Uferterrasse. Diese verschwand 1963 bei einem
starken Unwetter und hinterließ den heutigen Fluss-
verlauf.
15
Die topographische Situation war dem-
nach ehemals vermutlich ein relativ flacher, nach
Su
¨den orientierter Hang, der auch im Hochwinter
noch bis in den Nachmittag hinein von Sonne be-
schienen wird. Der Platz ist zudem durch den
Sporn, auf dem sich heute die mittelalterliche Fes-
tung von Cmi erhebt, windgeschu
¨tzt (Abb. 3).
Die Fundstelle liegt unter einer ausgedehnten
mittelalterlichen Bebauung des 8.bis 12.nach-
christlichen Jahrhunderts, auf deren ausfu
¨hrliche Be-
schreibung an dieser Stelle verzichtet wird. Das
ehemalige Dorf unterhalb der mittelalterlichen Fes-
tung nimmt eine Fla
¨che von rund 200 #50 mein
und zieht sich den Hang hinab. Die mittelalterliche
Bebauung wurde mit fu
¨nf Geba
¨uden in Schnitt Ier-
fasst, wa
¨hrend die Schnitte II und III den a
¨lteren
Besiedlungsperioden an dieser Stelle gewidmet wa-
ren.
Aus Gela
¨ndebegehungen im Staudammbereich
war die Existenz einer fru
¨hbronzezeitlichen Fund-
stelle bekannt.
16
Die Stratigraphie mit neolithischen
und mesolithischen Schichten war jedoch eine
U
¨berraschung. Sie wurden in Schnitt II erfasst, des-
sen Ausmaße von 24 #28mjedoch verha
¨ltnis-
ma
¨ßig begrenzt blieben. Dort sind neben geringen
Resten einer mittelalterlichen Brandschicht Kul-
turschichten der Fru
¨hbronzezeit, des Neolithikums
sowie des Spa
¨tmesolithikums vorhanden. Zwischen
diesen sind mehrere Horizonte begrabener Bo
¨den
eingeschoben, die von der fru
¨hholoza
¨nen Boden-
Abb. 2
Lage der Fundstellen
bei Zaramag.
1Cmi, 2C
˘idgon
(NEO?/BZ/FMA),
3Gra
¨berfeld Mamison-
don (FMA), 4Utes Ost
(FMA), 5Utes West
(FMA), 6Gra
¨berfeld
Adajdon (SBZ-EZ)
Abb. 3
Cmi. Blick u
¨ber die
Fundstelle von Su
¨d-
osten. Rechts Schnitt
III, Mitte Schnitt I,
links Schnitt II
(Foto S. Reinhold)
15 Diese Angaben sind den Dorfbewohnern zu verdanken, die bis
1963 dortnoch Felder bewirtschafteten.
16 —Cæ$#FC, 2007,194 Tab.VII, Nr. 18.
Cmi Eine Freilandfundstelle des Spa
¨tmesolithikums und Fru
¨hneolithikums in Nordossetien 49
entwicklung in diesem Talabschnitt zeugen.
17
In
Schnitt III, rund 100 mweiter westlich am Hang ge-
legen, konnten nur noch undifferenzierte Schichten
erfasst werden, deren untere Abschnitte etwas fru
¨h-
bronzezeitliche Keramik ergab. Nach Westen ist die
Ausdehnung des Fundplatzes zumindest in dem
Bereich, den der Erdrutsch von 1963 verschonte,
somit bekannt. Nach Osten erstreckt sich jedoch
ein weiterer Teil der ehemaligen Uferterrasse bis
auf das Gela
¨nde des mittelalterlichen Fundplatzes
C
˘idgom. Dort wurden zwar vergleichbare begrabene
Bo
¨den angetroffen, jedoch bislang keine explizit
steinzeitlichen Kulturschichten.
18
Die Ausdehnung
der pra
¨historischen Kulturschichten nach Osten
konnte leider nicht dokumentiert werden und das
Areal befindet sich mittlerweile im u
¨berfluteten Be-
reich des Stausees. Nach Su
¨den la
¨sst sich die Aus-
dehnung der Fundstelle nur schwer bestimmen, da
die Kulturschichten mit der Terrasse 1963 abge-
schwemmt wurden. Wichtig fu
¨rdie Interpretation
der Befunde ist dies aber insofern, als dass die nun
freigelegten Fla
¨chen ehemals vermutlich nahe zum
Zentrum der Ansiedlung lagen, auch wenn sie heute
an der Peripherie der erhaltenen Fundstelle liegen.
Bemerkenswert ist die verkehrsgeographische
Situation der Fundstelle am Zusammenfluss von
fu
¨nf Gebirgsba
¨chen, die hier den Beginn des Flus-
ses Ardon und damit der Alagir-Schlucht bilden.
Die bedeutendsten sind der Zrugdon und der Ma-
michdon, der an den Mamison-Pass fu
¨hrt. Diese
Traverse war durch alle Zeiten hinweg einer der be-
deutendsten U
¨berga
¨nge u
¨ber den Großen Kauka-
sus. U
¨ber ihn fu
¨hrt die ,Ossetische Milita
¨rstraße‘ ins
heutige Svanetien und u
¨ber den Rioni weiter nach
Westgeorgien. Ein weiterer Bach, der Zakidon er-
laubt einen U
¨bergang u
¨ber den Rok-Pass nach Su
¨-
den. Er fu
¨hrt nach Su
¨dossetien, an die Kura/Mtqari
nach Zentralgeorgien und damit in eine Region in
der wa
¨hrend des 6.und 5.Jts. v. Chr. die Ackerbau-
gemeinschaft der S
˘ulaveri-S
˘omutepe Kultur ansa
¨s-
sig war. Nach Norden ist die Alagir-Schlucht eine
zwar schmale, jedoch durchaus gangbare Verkehrs-
route. Sie fu
¨hrt in die nordkaukasische Vorgebirgs-
zone und die Vorkaukasussteppe.
Stratigraphie und Befunde
Die Stratigraphie in Schnitt II umfasst Ablagerungen
mit einer Ma
¨chtigkeit von 3,6m(Abb. 4).Davon
entfallen die oberen 1,1mauf mittelalterliche und
ju
¨ngere Schichten, 0,3bis 0,4mauf die Fru
¨h-
bronzezeit und etwa 1,8mauf Schichten des Fru
¨h-
neolithikums, des Mesolithikums sowie auf mehrere
Horizonte der holoza
¨nen Bodenbildung, in die die
pra
¨historischen Kulturschichten eingebunden sind.
An ihrer Unterkante liegt ein dilluvialer Schotterhori-
zont. U
¨ber einem kastanienbraunen Bodenhorizont
im Zentrum der Abfolge in 1,8mTiefe liegt ein bis
zu 1mma
¨
chtiges, ausgesprochen heterogenes Kol-
luvium. Es zeugt von einer Periode a
¨ußerst aktiver
Akkumulation von Gesteinsschutt und repra
¨sentiert
eine Phase katastrophaler naturra
¨umlicher Umwa
¨l-
zungen im Tal. Da oberhalb mittelalterliche und un-
terhalb fru
¨hbronzezeitliche Schichten angetroffen
wurden, ist eine Datierung in die Periode dazwi-
schen zwingend. Es muss an dieser Stelle noch ein-
mal darauf verwiesen werden, dass die bislang er-
fasste Stratigraphie am Hang liegt und das Relikt
einer gro
¨ßeren Uferterrasse ist. Die Schichten ver-
laufen im unteren Abschnitt horizontal, das Kollu-
vium hingegen kappt diese Schichten schra
¨g, was
darauf deutet, dass der Fluss zeitweise relativ nah
am Hang entlang floss.
Fla
¨che II wurde mit sechs 2#2mmessenden
Quadraten B2548 untersucht. Im Abstand von
4mwurden Kontrollprofile angelegt (Abb. 5).Der
Abtrag erfolgte nach Schichten und die Dokumen-
tation wurde im Maßstab 1:10 angefertigt. In den
Horizonten 1und 2wurden jeweils zwei Dokumen-
tationsebenen angelegt, die die Vera
¨nderungen in-
nerhalb der Kulturschichten belegen konnten. Die
Dokumentation der Befunde und Funde erfolgte
unter großem Zeitdruck und extremen Witterungs-
bedingungen im November und Dezember 2007.
Sie erschwerten die Arbeiten enorm und schra
¨nkten
auch die Dokumentationsmo
¨glichkeiten stark ein.
Der a
¨lteste erfasste Horizont 1liegt in 3,6m
Tiefe und wird durch eine nahezu horizontal ver-
laufende Kulturschicht von rund 3cm Ma
¨chtigkeit
repra
¨sentiert (Abb. 4;68).Sie wurde aufgrund der
schlechten Wetterbedingungen im Dezember 2007
nur in den Quadraten B2540 freigelegt.
Die Kulturschicht ist durch ein dunkelbraun
bis schwarzes lehmiges Substrat und sehr viel Holz-
kohle gekennzeichnet. Auffallend ist das hohe
Fundaufkommen, vor allem in der unteren Doku-
mentationsebene (Abb. 6B).Dieser Horizont wurde
in den Quadraten B25-32 in zwei Ebenen nachge-
wiesen, deren zeitliche Aufgliederung jedoch vermut-
lich nicht all zu groß ist (Abb. 5,45).Die restlichen
Quadrate wurden lediglich in der oberen Dokumen-
tationsebene erfasst.
In der oberen Dokumentationsebene wurden
acht Feuerstellen festgestellt, die in einem Abstand
von etwa 2mvoneinander entfernt liegen (Abb. 5,4).
Bemerkenswert ist die runde Feuerstelle 8Bum
die zudem eine Art Steinsetzung lokalisiert wurde
17 Die bodenkundliche Aufnahme der Fundstelle erfolgte, wie
auch die des benachbarten Fundortes C
˘idgom und des auf der
Nordseite des Tales liegenden Gra
¨berfelds Mamichdon,durch
Alexander V. Borisov, Pushino.
18 Fu
¨rdiese Information danken wir Dr. Zarina Albegova, die die
Ausgrabungen an dieser Stelle leitet.
Vjac
˘eslav L. Rostunov yet al.50
(Abb. 6A; 8,2).Diese Feuerstelle ist auch in der un-
teren Dokumentationsebene vorhanden, allerdings
ist sie dort la
¨nglich-oval (Abb. 6B; 8,1).Die Fla
¨che
zwischen den Feuerstellen ist ein dunkelbrauner
Lehm, der auf Grund der schlechten Grabungsbedin-
gungen jedoch nur teilweise fla
¨chig erfassbar war.
Die Artefaktstreuung der unteren Ebene ist in die-
sem Bereich relativ groß und sie zieht sich auch um
die benachbarte Feuerstelle 16,die nur in der unte-
ren Dokumentationsebene vorhanden ist. In der
oberen Dokumentationsebene zieht sich eine Kon-
zentration von Artefakten und Steinen als Streifen
bis zur Feuerstelle 9B. In beiden Ebenen ist ein
Platz um eine Pfostenstellung ausgespart, in der je-
doch relativ viele Steine lagen (Abb. 8,2).Anihrer
Basis lag eine flache Steinplatte zur Stabilisation
des dort stehenden Pfostens. Nordwestlich dieses
Pfostens fand sich eine Konzentration von zwanzig
Silices, fu
¨nfzehn davon aus einem dunkelroten Roh-
material (Abb. 9A).Die Homogenita
¨tdes Rohstoffes,
die dichte Lage sowie der Umstand, dass es sich
u
¨berwiegend um Kerne und nicht um Werkzeuge
handelt, legt nahe, dass diese Steine sich als Re-
serve in einem organischen Beha
¨lter befanden und
vergessen oder intentional dort deponiert wurden.
Die Zweiphasigkeit der Feuerstelle 8belegt eine ge-
wisse zeitliche Tiefe der Nutzung an dieser Stelle.
Sie, die Anordnung der Feuerstellen mit dazwischen
liegenden Lehmfla
¨chen und einem massiven Pfos-
ten, das Vorhandensein von losen Steinen und eine
deutliche Holzkohleschicht sowie die Abwesenheit
von Steinwerkzeugen in bestimmten Bereichen, las-
sen an eine Behausung mit funktional verschiede-
nen Zonen denken.
19
Momentan sind jedoch die
ausgegrabenen Fla
¨chen zu gering, um eine solche
Hypothese zu stu
¨tzen.
Die o
¨stlich in Quadrat B30/31 anschließende
Feuerstelle 10 ist ebenfalls la
¨nglich-oval und in bei-
den Dokumentationseinheiten pra
¨sent (Abb. 6A–B;
8,34).Inder unteren Ebene schließen, wie um
Feuerstelle 8,Lehmfla
¨chen an, in denen mehrere
Gruppen flacher Steine und sehr viele Artefakte
lagen. Es zeigt sich ebenfalls eine zweite, parallel
liegende Feuerstelle 17 (Abb. 6B; 8,3),die ebenfalls
in der oberen Dokumentationsebene von Sediment
u
¨berdeckt war. Dort ist mo
¨glicherweise aber ein
leicht versetzter weiterer Feuerplatz erfasst, der
durch die Erosion der Schichten abgetragen wurde
(Abb. 8,4).Die obere Schicht zeichnet sich wie im
Abb. 4
Cmi. Ausschnitt aus der
Stratigraphie in Schnitt
II mit der Positionder
Radiokarbonproben
(Foto S. Reinhold)
19 vgl. ¸)CFC,. 2003.
Cmi Eine Freilandfundstelle des Spa
¨tmesolithikums und Fru
¨hneolithikums in Nordossetien 51
Vjac
˘eslav L. Rostunov yet al.52
Nachbarquadrat durch eine schwarze Holzkohle-
schicht mit Steinen aus. In beiden Ebenen ist der
Fundanfall relativ hoch, wobei sich die Artefakte je-
weils su
¨dlich der Feuerstellen konzentrieren (Abb.
6A–B).Zwischen beiden Komplexen liegt Feuerstel-
le 9,die in beiden Dokumentationsebenen vorhan-
den und verha
¨ltnisma
¨ßig groß war.
Weiter nach Osten fanden sich in den Qua-
draten B3438 neben weiteren ovalen Feuerstellen
ebenfalls relativ viele flache Steine, von denen vor
3
Abb. 5
Cmi. Systematik der archa
¨ologischen Schichten in Schnitt II. 1Aufteilungder Quadrate, 2Horizont 3(Fru
¨hneolithikum), 3Horizont 2(Fru
¨hneolithikum), 4Horizont 1B
(Mesolithikum), 5Horizont 1A(Mesolithikum)
Abb. 6
Cmi. Ausschnitt aus
Horizont 1,Quadrate
`2532.Aobere
Dokumentationsebene,
Buntere Dokumenta-
tionsebene
Cmi Eine Freilandfundstelle des Spa
¨tmesolithikums und Fru
¨hneolithikums in Nordossetien 53
allem eine flache, große Steinplatte (Abb. 7)Beach-
tung verdient. An ihrer Westseite befinden sich zwei
Feuerstellen und in geringem Abstand ein Areal mit
flachen Steinen und zwei weitere Artefaktkonzentra-
tionen oder -deponierungen (Abb. 11A–B).Diese
Konzentrationen scheinen wie Jene in Quadrat B27/2
zusammengeho
¨rige Komplexe zu sein, die sich ver-
mutlich in organischen Beha
¨ltern befanden. Dies
wu
¨rde ihre enge Lage erkla
¨ren. Ob sie intentional
zuru
¨ckgelassen also deponiert wurden, oder
verloren gingen, la
¨sst sich aus den Fundumsta
¨nden
nicht mehr rekonstruieren.
Ein Radiokarbondatum aus Feuerstelle 15 da-
tiert diese auf 7570 (50 BP (65056345 calBC).
Die Doppelphasigkeit der Feuerstellen in den Qua-
draten B2528 und B2932 belegt eine la
¨ngere
Nutzung des Areals. Wie lange diese dauerte, mu
¨ss-
ten weitere Radiokarbondatierungen untersuchen,
denn die Verlagerung von Feuerstellen kann ver-
ha
¨ltnisma
¨ßig schnell erfolgen.
Der nach oben folgende Horizont 2liegt etwa
0,55 mho
¨
her und verla
¨uft ebenfalls nahezu horizon-
tal. Zwischen beiden Horizonten liegen rund 0,5m
Bodenbildung, darunter ein Horizont, in dem sich
offenbar eine Humusoberfla
¨che ausbilden konnte
(Abb. 4).Auch an der Unterkante der Kulturschicht
ist ein begrabener Humusboden wahrscheinlich. Hu-
mus bildet sich in dieser Ho
¨he langsam und nur bei
wa
¨rmeren, feuchten Grundbedingungen. Die eigent-
liche Kulturschicht ist nur 3cm ma
¨chtig und besteht
aus einer leicht lehmigen, hellgrau bis hellbraunen
Schicht (Abb. 5,3).Inden Quadraten B29 32 wur-
den erneut zwei Ebenen dokumentiert, da dort unter
der Kulturschicht mehrere Pfostenstellungen sicht-
bar wurden. Sie geho
¨ren zu einer Befundkonzentra-
tion in den Quadraten B2936 (Abb. 5;12A–B; 14).
An dieser Stelle lagen zwei Feuerstellen (34), zwi-
schen denen sich einerseits eine lehmige Fla
¨che mit
flachen Steinen und andererseits zwei Artefaktkon-
zentrationen erstreckten (Abb. 12A).Das Substrat in
diesem Bereich ist stark mit Holzkohle durchsetzt.
Hier wurden auch verha
¨ltnisma
¨ßig viele Tierknochen
dokumentiert. Feuerstelle 3scheint mehrphasig zu
sein, da im Profil (Abb. 4)mehrere Holzkohlelagen
erkennbar sind und im Planum sich die Negative
verschiedener Gruben zeigen (Abb. 11B; 14,1).Su
¨
d-
Abb. 7
Cmi. Ausschnitt aus
Horizont 1,Quadrate
`3340,obere
Dokumentationsebene
Vjac
˘eslav L. Rostunov yet al.54
lich von Feuerstelle 3konnten fu
¨nf flache Pfosten-
stellungen in einer Reihe erkannt werden (Abb.
12B–C; 14,1).Anihrer Unterkante lagen teilweise
Steine. Su
¨dlich der Feuerstelle wurde in beiden
Ebenen zudem die ho
¨chste Konzentration an Arte-
fakten dokumentiert. Etwas abgesondert davon lag
in der oberen Dokumentationsebene eine Gruppe
von zwanzig Silices, zu denen auch vier dicht bei-
einander liegende Kernsteine geho
¨ren (Abb. 15A).
In den o
¨stlich anschließenden Quadraten
B3740 du
¨nnt die Holzkohleschicht stark aus und
mit Ausnahme von einigen Tierknochen und Holz-
resten wurden dort keine Funde und Befunde an-
getroffen (Abb. 5,3).Erst in den Quadraten B41 48
folgt eine weitere Fla
¨che mit einer deutlichen Holz-
kohleschicht, vielen flachen Steinen und drei Feuer-
stellen (57)(Abb. 13).Der Artefaktanfall ist dort
sehr gering, auch Tierknochen scheinen seltener
als zuvor gewesen zu sein. Aus dem Bereich von
Feuerstelle 6stammt eine große Obsidianklinge
(Abb. 15B,22).Hier fanden sich mehr Steine, als im
Bereich um Feuerstelle 3.
In Quadrat B26 wurde eine Holzkohleprobe
aus dem Planum datiert. Das Radiokarbonalter liegt
Abb. 8
Cmi. Horizont 1,
Details der Feuerstel-
len. 1Quadrate `26/27,
untere Dokumentati-
onsebene (Feuerstellen
8Aund 16), 2obere
Dokumentationsebene
(Feuerstelle 8B),
3Quadrate `30/31,
untere Dokumentati-
onsebene (Feuerstellen
10 und 10A), 4obere
Dokumentationsebene
(Feuerstelle 10B)
(Fotos S. Ljachov)
Cmi Eine Freilandfundstelle des Spa
¨tmesolithikums und Fru
¨hneolithikums in Nordossetien 55
bei 6985 (50 BP (59855745 calBC). Aus Feuer-
stelle 3Bwurde eine weitere Holzkohle auf 6941 (
27 BP (58875749 calBC) datiert.
Horizont 3liegt etwa 0,2mho
¨
her als Hori-
zont 2und ist von diesem durch eine sterile, hell-
graue Bodenschicht getrennt. Es handelt sich um
eine bis zu 5cm starke Kulturschicht aus einem
hellgrauen, lehmigen Substrat. Bemerkenswert ist,
dass Befunde nur in den Quadraten B2932 erfasst
wurden (Abb. 5,2).Inden u
¨brigen Arealen fanden
sich lediglich vereinzelt Holzkohleflecke und einzel-
ne Tierknochen, jedoch keine Gruben oder Feuer-
stellen. Die Befunde von Horizont 3liegen jedoch
direkt u
¨ber Feuerstelle 3des vorigen Horizontes
(Abb. 4;5,23).Eshandelt sich um eine Gruppe
aus zwei, mo
¨glicherweise drei kleinen Feuerstellen
(12), zwischen denen ebenfalls kleinere Pfosten
standen (Abb. 16A).Diese sind in einem zweiten
Dokumentationsniveau erfasst, das die Negative
der verschiedenen Feuerstellen, Pfosten und Gru-
benniveaus zeigt (Abb. 16B).Umdie Feuerstellen
ist eine gro
¨ßere Fla
¨che mit Holzkohle zu verzeich-
nen, in denen sich jedoch keine Artefakte befan-
den. Solche stammen nur aus einer Ansammlung
o
¨stlich der Feuerstellen. Dort lagen auch die Frag-
mente eines Keramikgefa
¨ßes sowie Tierknochen.
Insgesamt ist der Fundanfall dieses Horizontes
deutlich geringer, als in den Schichten zuvor. Den-
noch kann auch hier vielleicht eine Behausung ver-
mutet werden.
Aus diesem Horizont liegen vier Radiokar-
bondaten vor. Das vermutlich korrekteste Datum
stammt von Speiseresten der Keramikscherbe. Es
liegt bei 7010 (50 BP (60005770 calBC). Aus der
Schicht im Profil stammen zwei nur wenig ju
¨n-
gere Daten, 6975 (50 BP (59305740 calBC) und
6980 (50 BP (59305740 calBC) aus Holzkohlen.
Aus der Holzkohlelage einer der Feuerstellen/Gru-
ben in Quadrat B31 stammt ein viertes Datum, das
etwas ju
¨nger ist, 6890 (50 BP (58855670 calBC).
U
¨ber dieser Kulturschicht folgen 0,9msterile,
homogene Bodenablagerungen bis zum na
¨chsten
archa
¨ologischen Horizont 4,aus dem wieder Mate-
rial vorhanden ist (Abb. 4).Dies sind die Fragmente
von vier Gefa
¨ßen der Kura-Arax Kultur sowie Tier-
knochen, jedoch ohne weitere Zusammenha
¨nge.
Die Scherben lagen in einem braunen Kastanien-
boden, unter dem sich ein etwa 0,1mma
¨
chtiger
Pseudo-C
˘ernose
¨mbefindet. Beide sind nach Aus-
kunft der Bodenkunde in warm-feuchten Perioden,
vermutlich im Klimaoptimum des Atlantikums, ent-
standen, was die Radiokarbondaten besta
¨tigen.
20
Die Stratigraphie darunter ist dagegen durch mehre-
re Stadien der Bodenbildung in einem eher kalten
und trockenen Umfeld gekennzeichnet.
Ein Holzkohlefragment neben dem Gefa
¨ßim
Profil (Abb. 4)konnte auf 4765 (50 BP (3660
3495 calBC) datiert werden.
U
¨ber Horizont 4liegt das bereits erwa
¨hnte Kol-
luvium und die ju
¨ngeren, mittelalterlichen Schich-
ten, die nach Osten ma
¨chtiger werden.
Silex- und Keramikinventar
Der u
¨berwiegende Teil der Funde umfasst Lithik aus
den unterschiedlichen Schichten.
21
Das Material des
untersten Horizonts 1unterscheidet sich dabei so-
wohl in den Rohmaterialien, wie im Artefaktspek-
trum von den ho
¨heren Niveaus. In Horizont 1fand
u
¨berwiegend ein qualita
¨tvoller dunkelroter Silex
(Abb. 9,1)als Rohmaterial Verwendung, obwohl da-
neben auch grauer, brauner und honigfarbener Silex
(Abb. 11A–B) sowie Bergkristall (Abb. 10,54)zum
Einsatz kam. In den oberen Horizonten 23hinge-
gen fanden sich nur noch Objekte aus honigfarbe-
nem und selten aus hellgrauem Silex (Abb. 15A).
Das Silexinventar in Horizont 1umfasst ins-
gesamt 447 Objekte. Darunter sind 24 Nuklei, 174
Gera
¨te sowie 242 Abschla
¨ge und Absplisse (Abb.
910).Aufschlussreich sind dabei die drei Artefakt-
deponierungen AC, die sich hauptsa
¨chlich aus
Nuklei, Kernabschla
¨gen und Kratzern zusammenset-
zen. Ihre Fundlage la
¨sst die Hypothese zu, dass die-
se Gera
¨te beim Verlassen der Lagersta
¨tte zufa
¨llig
oder intentional zuru
¨ckgelassen wurden und funk-
tional daher zusammengeho
¨ren. Artefaktdeponie-
rung Aentha
¨lt vier honigfarbene und 16 dunkelrote
Stu
¨cke (Abb. 9A),wa
¨
hrend die anderen Deponie-
rungen ausschließlich oder u
¨berwiegend aus honig-
farbenem Silex bestehen (Abb. 11A–B).Das erste
Depot setzt sich aus Kernen, Kernpra
¨parations- und
Kernbearbeitungsabschla
¨gen sowie aus Kratzern zu-
sammen (Abb. 9A),wa
¨
hrend Depot Beinen deutlich
ho
¨heren Anteil an Produktionsabfa
¨llen beinhaltet
(Abb. 11A).Depot Cschließlich ist eine Gera
¨te-
sammlung, hauptsa
¨chlich von Kratzern (Abb. 11B).
Wa
¨hrend die beiden ersten Deponierungen somit
vermutlich eher als Produktionssets anzusprechen
sind, ist das dritte eine Ansammlung funktionsberei-
ter Gera
¨te vermutlich zur Leder- oder Holzbearbei-
tung.
Die Nuklei sind durchweg klein und weisen
zumeist nur eine Abbaukante auf, deren Winkel zwi-
schen 80$und 90$liegen. Aus Deponierung Asind
vier mehrseitige Kerne belegt (Abb. 9A,12.89).
20 Zur Klimaentwicklung im Zentralen Kaukasus Kvavadze 1997
und detailliert —Cæ$#FC, 2007,2054 Taf. V VII.
21 Die funktionale Klassifizierung der Steingera
¨te u
¨bernahm A. I.
Judin, Saratov.
Vjac
˘eslav L. Rostunov yet al.56
Nur fu
¨reinige Kerne (Abb. 9A,1)und einen Restkern
mit parallelen Negativen (Abb. 9A,8)ist Presstech-
nik fu
¨rden Abbau wahrscheinlich. Die anderen Kerne
wurden vermutlich direkt geschlagen. Bemerkens-
wert ist, dass von allen Nuklei und Kernabschla
¨gen
etwa die Ha
¨lfte Indizien fu
¨rden Abbau von Mikro-
klingen zeigen (Abb. 9A,212;11B,34)obwohl Mi-
kroklingen in den Deponierungen weitgehend fehlen.
Sie fanden sich aber in den Artefaktkonzentrationen
um die Feuerstellen. Erwa
¨hnenswert ist ein Kern-
fragment aus Deponierung B (Abb. 11A,13),daes
sich hierbei vermutlich um den Rest eines soge-
nannten ,Bleistiftkerns‘ handelt, der fu
¨repipala
¨oli-
thische Zusammenha
¨nge im ,Fruchtbaren Halbmond‘
als Leitform gilt.
22
Die U
¨bersicht in Abbildung 10 gibt einen gu-
ten Eindruck vom Gera
¨tespektrum und vor allem
von der Heterogenita
¨tder Klingen und Mikroklin-
gen. Letztere wurden ab einer Klingenbreite unter
5mm getrennt. Die Klingen und Mikroklingen sind
u
¨berwiegend nicht weiterbearbeitet und nur wenige
sind seitlich retouchiert (Abb. 10,2122.30).Ha
¨
ufig
sind die Klingen in kurze Segmente zerlegt (Abb.
10,3233),die jedoch nur teilweise weiterbearbeitet
wurden. Unter den bislang geborgenen Artefakten
aus Horizont 1befinden sich zwo
¨lf geometrische
Mikrolithen. Eines der Trapeze ist breit, asymme-
trisch und besitzt einziehende Seiten (Abb. 10,47),
wa
¨hrend das andere kurz, mit zwei geraden Kanten
und Helwan-Retouche versehen ist (Abb. 10,52).
Das gro
¨ßere Trapez geho
¨rt in die Gruppe der
großen, asymmetrischen Trapeze, die Kozlowski in
Zusammenhang mit dem Trialeti Mesolithikum fu
¨r
Abb. 9
Cmi. Horizont 1A.
A116 Artefaktdepo-
nierung Aaus Quadrat
`27/2,B1736 Arte-
faktspektrum aus den
Quadraten `2932.
136 Silex, M 1:2
22 U. a. Gabunia/Tsereteli 2003,Taf. 3,45.
Cmi Eine Freilandfundstelle des Spa
¨tmesolithikums und Fru
¨hneolithikums in Nordossetien 57
Abb. 10
Cmi. Horizont 1B.
153 Artefaktspektrum
aus Quadrat `2932.
152 Silex, 53,
Bergkristall, M 1:2
Vjac
˘eslav L. Rostunov yet al.58
den no
¨rdlichen Vorderen Orient und Kaukasien kar-
tiert hat.
23
Die vier Segmente sind sehr flach, daher ist die
Abgrenzungen zu Parallelogrammen schwierig. Alle
flachen Segmente (Abb. 9B,33;10,4951)aus Hori-
zont 1weisen jedoch eine leicht asymmetrische Form
und eine steile, einseitige Endretouche auf. Nur zwei
Segmente sind auch ru
¨ckenretouchiert. Dies trifft
auch auf drei halbrunde, hohe Segmente zu (Abb. 10,
3435.37).Fu
¨
rdie Einordnung dieses Inventars sind
weiter ein rhombisch bis dreieckiges Klingen- oder
Spitzenfragment (Abb. 10,48)von Bedeutung, das
den asymmetrischen Dreiecken Typ C
˘och nahe steht
sowie ein Artefakt, das vermutlich das Fragment ei-
ner schmalen Stielspitze ist (Abb. 10,18).
Abb. 11
Cmi. Horizont 1B.
AArtefaktdeponie-
rungen B, BArtefakt-
deponierung Cbeide
Quadrat `36/3.128
Silex, M 1:2
23 Kozlowskij/Aurenche 2005,135 Annex 1.2.12.
Cmi Eine Freilandfundstelle des Spa
¨tmesolithikums und Fru
¨hneolithikums in Nordossetien 59
Die ha
¨ufigste Gera
¨teform in Horizont 1sind
Kratzer. Klingenkratzer sind in zwei Gro
¨ßenklassen
vertreten. Die meisten Kratzer sind endretouchierte
gro
¨ßerer Klingen, die mit einer fla
¨chigen Retouche
versehen wurden (Abb. 10,15).Einige der Klingen-
kratzer sind jedoch auch aus klingenfo
¨rmigen Ab-
schla
¨gen gearbeitet. Dies gilt auch fu
¨rdie Seiten-
kratzer, deren Gro
¨ßen ebenfalls variieren (Abb. 10,
69).Eine weitere Kategorie sind runde bis ovale,
kleine Kratzer (Abb. 10,1920.2728).Sie sind
ebenfalls aus Klingensegmenten oder teilweise auch
gro
¨ßeren Abschla
¨gen gefertigt aber zumeist an allen
Seiten mit einer feinen, fla
¨chigen Retouche verse-
hen. Die Ventralfla
¨chen dieser Kratzer sind nicht re-
touchiert. Die Kratzer messen durchschnittlich 1,5
2cm im Durchmesser, nur zwei Stu
¨cke sind kleiner.
Fu
¨nfzehn Kratzer sind an großen Abschla
¨gen oder
abgearbeiteten Kernen angebracht. Ihre Retouchen
sind teilweise grob, die Gera
¨te typologisch hetero-
gen (Abb. 10,1011).Auch hier gibt es zwei Gro
¨ßen-
Abb. 12
Cmi. Ausschnitt aus
Horizont 2,Quadrate
`2532.Aobere
Dokumentationsebene,
Buntere Dokumen-
tationsebene,
CQuerschnitte der
Pfostengruben
Vjac
˘eslav L. Rostunov yet al.60
klassen. Ahlen, Stichel und Bohrer sind eine weitere
in Horizont 1vorhandene Gera
¨teklasse, wobei nur
einige der mit Stichelschlag versehenen Artefakte
auch tatsa
¨chlich als Werkzeuge anzusprechen sind
(Abb. 10,1217).
In Horizont 2a
¨ndert sich das Bild der Lithik
deutlich. Nicht nur das Rohmaterial und das Arte-
faktspektrum sind anders, sondern auch die Zahl
der Silices ist insgesamt geringer. Es sind 87 Ab-
schla
¨ge und Absplisse zu verzeichnen, fu
¨nf Nuklei
und nur noch 45 Gera
¨te (Abb. 15).Daran haben die
Klingen und Mikroklingen den gro
¨ßten Anteil (Abb.
15B,518).Ihre Zahl ist auch im Vergleich zum vori-
gen Horizont nur bei den Mikroklingen zuru
¨ckge-
gangen. Etwa die Ha
¨lfte der Klingen sind in kurze
Abschnitte segmentiert (Abb. 15,10114).Segmen-
tierte und vollsta
¨ndige Klingen sind immer aus ei-
ner Richtung abgeschlagen und weisen ha
¨ufig Kern-
pra
¨parationsretouchen am proximalen Ende auf. In
Horizont 2sind immerhin sieben Klingen seitlich
retouchiert und andere weisen zudem auf den Ven-
tralseiten Gebrauchsretouchen auf. Außergewo
¨hn-
lich ist eine 5,1cm lange Obsidianklinge aus Qua-
drat B45 (Abb. 15,22).Sie ist die gro
¨ßte Klinge in
Cmi u
¨berhaupt und unterscheidet sich auch in der
Technik. Die Klinge ist von einem großen Kern ab-
gebaut und zeigt Negative mit unterschiedlichen
Schlagrichtungen auf der Dorsalseite. Am proxima-
len Ende weist sie Reste der Kernpra
¨paration auf.
Beide Seiten sind von dorsal zudem leicht oval re-
touchiert.
Vier der Nuklei stammen aus einer Artefaktkon-
zentration su
¨do
¨stlich von Feuerstelle 3(Abb. 15A).
Es handelt sich um braunen bis honigfarbenen Si-
lex. Auch die Restkerne weisen noch Reste von
Kortex auf, woraus auf die Verwendung von eher
kleinen Rohmaterialknollen zu schließen ist. Ein
Kern zeigt an einer Seite Negative von breiteren
und sehr schmalen Klingen. Die Schlagfla
¨che ist gut
pra
¨pariert und der Kern wurde auch seitlich abge-
schlagen (Abb. 15A,1).Die u
¨brigen Nuklei sind
deutlich weiter abgearbeitet und im Querschnitt
flach. Nur ein Kern zeigt noch Klingennegative (Abb.
15A,2),die restlichen tragen die Negative von Ab-
schla
¨gen.
Andere Gera
¨te, wie Kratzer sind selten. Es
sind nur drei sehr kleine Klingenkratzer (Abb. 15B,
19)vorhanden sowie eine Kratzerretouche an einem
Kernpra
¨parationsabschlag (Abb. 15B,21).Ovale Krat-
zer wurden aus Horizont 2bislang nicht geborgen.
Abb. 13
Cmi. Ausschnitt aus
Horizont 2,Quadrate
`4148,obere
Dokumentationsebene
Cmi Eine Freilandfundstelle des Spa
¨tmesolithikums und Fru
¨hneolithikums in Nordossetien 61
Allerdings wurden drei gleichschenklige, kurze Tra-
peze mit Helwan-Retouche dokumentiert, die in ih-
rer Form und Gro
¨ße sehr a
¨hnlich sind (Abb. 15B,
20).
Aus Horizont 3stammen insgesamt nur ein-
undzwanzig Silices, davon zehn Abschla
¨ge und elf
Gera
¨te. Dies ist vermutlich auf die geringere Ak-
tivita
¨tszone in dieser Schicht zuru
¨ckzufu
¨hren. Die
Artefakte sind durchweg aus honigfarbenem Silex
gefertigt. Es u
¨berwiegen Klingen und Klingenseg-
mente, die alle unretouchiert sind und auch nur ge-
legentlich Pra
¨parationsnegative aufweisen (Abb. 17,
1215).Zwei Stu
¨cke wurden zu kurzen Trapezen
verarbeitet (Abb. 17,14).Sie sind an den Seiten nur
dorsal retouchiert. Ein weiteres Gera
¨tist ein ru
¨cken-
retouchiertes Segment oder Trapez (Abb. 17,13).In
dieser Schicht wurden neben Feuerstelle 1die Frag-
mente eines dickwandigen Keramikgefa
¨ßes ange-
troffen (Abb. 17,1).Sie ließen sich zum Profil eines
ehemals wohl 2025 cm hohen, steilwandigen Top-
fes rekonstruieren. Unter dem leicht abgerundeten
Rand tragen zwei Scherben jeweils paarige runde
Eindru
¨cke. Die Farbe des Gefa
¨ßes ist ein dunkles,
schmutziges braun. Die Außenseite ist grob poliert,
die Innenseite rau. In der Magerung fand sich gro-
ber Sand. Bemerkenswert war die Pra
¨senz von
Speiseresten im Innern der Scherben. Ein Teil wur-
de zu Datierungszwecken entnommen. Die Keramik
geho
¨rt zur unverzierten fru
¨hneolithischen Waren,
die aus einigen trans- und nordkaukasischen Fund-
orten wie Niz
˘naja S
˘ilovka oder C
˘och bekannt
sind.
24
Keramikgefa
¨ße stammen auch aus Horizont 4.
Dabei handelt es sich ebenfalls um mittelgroße
To
¨pfe, nun jedoch rot bis rotorange in der Farbe,
mit polierten Oberfla
¨chen und Wandsta
¨rken um
6mm. Rostunov ordnet vergleichbare Keramikge-
fa
¨ße der Kura-Arax Kultur zu und zieht als Paralle-
len etwa Funde aus den fru
¨hbronzezeitlichen Ho
¨h-
lenstationen S
˘au-Lagat und Mys
˘tulagaty-Lagat oder
aus den Gra
¨bern von Niz
˘nij Koban und Zagli Bar-
zond heran.
25
Aus allen Schichten in Cmi wurden Tierkno-
chen geborgen, die jedoch bislang noch nicht ar-
cha
¨ozoologisch ausgewertet sind. Die Pra
¨senz von
domestizierten Tieren ist demnach in Cmi bislang
nicht belegt.
Abb. 14
Cmi. Horizont 2,Details
der Feuerstelle 3
und der darum
angeordneten Pfosten-
stellungen, Quadrat
`30/31.1untere
Dokumentationsebene,
2obere Dokumen-
tationsebene
(Fotos S. Ljachov)
24 VC&HCæC, 1962,143 Abb. 27;WHŁ&ı.FC, 1987,129134
Abb. 28;vgl. auch Wechler 2001 Taf. 53.
25 —Cæ$#FC, 2007,Abb. 5;7;9.
Vjac
˘eslav L. Rostunov yet al.62
Abb. 15
Cmi. Horizont 2.
A14Artefaktdeponie-
rung Daus Quadrat
`31/34,B521 Arte-
faktspektrum aus
Quadrat B2932,
22 Obsidianklinge aus
Quadrat `46/1.
121 Silex, 22 Obsi-
dian, M 1:2
Cmi Eine Freilandfundstelle des Spa
¨tmesolithikums und Fru
¨hneolithikums in Nordossetien 63
Der zentrale Kaukasus im Fru
¨holoza
¨n–
Die Fundstelle Cmi im Kontext
der Neolithisierung Kaukasiens
und der no
¨rdlich anschließenden Regionen
Der Fundplatz Cmi ist momentan die einzige radio-
metrisch datierte Stratigraphie einer Freilandstation
oder Ho
¨hlenstratigraphie im Zentralen Kaukasus.
26
Die Radikarbondaten (Abb. 18)verweisen die ar-
cha
¨ologischen Horizonte ins Fru
¨holoza
¨n, in einen
Abschnitt vom Boreal bis ins fru
¨he Atlantikum.
27
Diese Datierung wird durch die Bodengenese der
Fundstelle besta
¨tigt. Wa
¨hrend die unteren Schich-
ten in einem kalten und eher trockenen Umfeld
entstanden sind, weist der Pseudo-C
˘ernose
¨munter
Horizont 4auf eine Entstehung wa
¨hrend eines
feucht-warmen Abschnittes im Tal mit viel Nieder-
schlag im Winter. Diese Periode fa
¨llt vermutlich ins
Klimaoptimum des Atlantikums zwischen 3800 und
3400 calBC, was auch die palynologischen Unter-
suchungen aus den Schichten besta
¨tigen.
Abb. 16
Cmi. Ausschnitt aus
Horizont 3,
Quadrate `2532.A
obere Dokumentations-
ebene, Buntere
Dokumentationsebene
26 Aus der Ho
¨hle von Apianc
˘asind mittlerweile ebenfalls verschie-
dene Radiokarbondaten vero
¨ffentlicht, doch ist unklar, in wie
fern sie sich mit den archa
¨ologischen Schichten verbinden las-
sen: Korkia 1998.
27 —Cæ$#FC, 2007 Tab.VIauf Basis der Klimarekonstruktion von
Kvavadze 1997 und 6)&)Æ&'FFßØ et al. 1984.
Vjac
˘eslav L. Rostunov yet al.64
Die obere Grenze der uns interessierenden
Stratigraphie ist durch die Gefa
¨ße der Kura-Arax
Kultur archa
¨ologisch eingegrenzt. Auch wenn der
Charakter der Fundstelle Siedlung, saisonale Wei-
de- oder Raststation zu dieser Zeit nicht klar ist,
so geho
¨rt Cmi wie die Ho
¨hlefundstellen von S
˘au-La-
gat in der Kurtatin Schlucht und Mys
˘tulagaty-Lagat
am Giseldon an der Nordflanke des Großen Kauka-
sus beziehungsweise die Ho
¨hlen von Darkveti und
Samercchle-klde an dessen Su
¨dflanke zu einer Reihe
von fru
¨hbronzezeitlichen Hochgebirgsfundpla
¨tzen.
Rostunov ordnet sie Gemeinschaften der transkau-
kasischen Kura-Arax Kultur zu, die in der ersten Ha
¨lf-
te und der Mitte des 5.Jts. v. Chr. an den Passrouten
des zentralen Kaukasus zu finden sind und diese
offensichtlich kontrollierten.
28
Er sieht in den Fund-
stellen des Hochgebirges eine zunehmende Nutzung
der Passrouten u
¨ber den Kaukasus, die unter ande-
rem ein Resultat des milderen Klimas wa
¨hrend des
atlantischen Klimaoptimums sein ko
¨nnte.
29
Die tieferen Schichten in Cmi hingegen fallen
in einen zeitlichen Horizont, der am U
¨bergang vom
Mesolithikum zum Neolithikum steht. Die Bestim-
mung der kulturellen Zugeho
¨rigkeit der Gemein-
schaften, die die verschiedenen Kulturschichten in
Cmi hinterlassen haben, wird allerdings durch die
Tatsache erschwert, dass weder die mesolithischen
noch die neolithischen Fundstellen im zentralen
Kaukasus befriedigend vorgelegt sind.
30
Die Kartie-
rung mesolithischer Stationen (Abb. 19)etwa zeigt
eine Reihe von Pla
¨tzen in den Bergta
¨lern entlang
der Passrouten, an denen auch die Fundstelle Cmi
Abb. 17
Cmi. Horizont 3,
Quadrat `932 Funde.
1Keramikgefa
¨ß,
218 Artefaktspektrum.
1Ton, 218 Silex,
M1:2
Abb. 18
Cmi. Radiokarbondaten
nach Horizonten
28 —Cæ$#FC, 2007,5966;125 126 Abb. 31 32.
29 —Cæ$#FC, 2007,3753;125 126.30 Gabunia/Tsereteli 2003,13.
Cmi Eine Freilandfundstelle des Spa
¨tmesolithikums und Fru
¨hneolithikums in Nordossetien 65
liegt. Im Norden sind dies die Ho
¨hlenstationen von
C
˘e
¨rnij Grot,
31
S
˘au-lagat und Mys
˘tulagaty-lagat,
32
de-
ren Material leider bislang nicht vero
¨ffentlicht ist.
Weitere mesolithische Pla
¨tze, etwa in Su
¨dossetien,
werden pauschal als Jagdstationen angesprochen
und hauptsa
¨chlich deswegen ins Mesolithikum da-
tiert, weil dort eindeutig neolithische Elemente feh-
len.
33
Etwas besser ist der Publikationsstand der
Fundstellen in Imeretien. So liegt der Abri von Dark-
veti am Kvirili mit einer zu Cmi vergleichbaren Stra-
tigraphie nur rund 70 km su
¨dwestlich jenseits der
Berge. Die dortige Abfolge umfasst sechs Schichten,
von denen die unterste dem Spa
¨tmesolithikum zu-
zurechnen ist und durch eine 1mma
¨
chtige, sterile
Schicht 5von der fru
¨hneolithischen Schicht 4ge-
trennt ist.
34
Die daru
¨berliegenden Schichten sind
a
¨neolithisch und fru
¨hbronzezeitlich. Die Lithik des
Fundplatzes Darkveti unterliegt, a
¨hnlich wie Cmi, ei-
nem klaren Wandel zwischen den beiden unteren
Fundhorizonten. Fu
¨rdas Spa
¨tmesolithikum sind
große asymmetrische Dreiecke und Trapeze, ru
¨cken-
retouchierte Klingen und Mikroklingen, Klingenkrat-
zer und runde bis ovale Kratzer, gekerbte Klingen
sowie Stichel charakteristisch.
35
Dieses Spektrum
ist auch in anderen spa
¨tmesolithischen Fundstellen
Transkaukasiens wie Cholodnij Grot B2oder in Api-
anc
˘a,
36
aber auch im Nordkaukasus, wie etwa in
Komarovo
37
vorhanden. In Darkveti finden sich so-
mit gute Vergleichsmo
¨glichkeiten fu
¨rdas Artefakt-
spektrum von Horizont 1in Cmi, auch wenn betont
werden muss, dass das dortige Fundensemble bis-
lang nur einen begrenzten Einblick liefern kann.
Von den wenigen Trapezen aus Cmi geho
¨rt nur ein
Stu
¨ck (Abb. 10,47)in die Gruppe der großen asym-
metrischen Trapeze, die eine weite Verbreitung in
den Fundkomplexen des Imereti und Trialeti Meso-
lithikums haben.
38
Die Segmente aus Horizont 1in
Cmi sind breit, parallelogrammfo
¨rmig und damit fu
¨r
die mesolithischen Komplexe eher untypisch. Einige
Analogien gibt es jedoch in den mesolithischen
Fundorten Kvarcara, Dz
˘ampala oder Sagvardz
˘ile.
39
Die besten Parallelen finden die Segmente bislang
aber in der spa
¨tmesolithischen oder fru
¨hneolithi-
schen Schicht 1in Sosruko
40
und in Komarovo.
41
Mo
¨glicherweise ist ein Exemplar (Abb. 10,48)eine
Abb. 19
Mesolithische Fund-
stellen Kaukasiens
(nach `.+)&/T)&Ł$)ºŁ
1989,Karte 8und
Gabunia/Tsereteli 2003).
1Acinskij, 2Javora,
3Alabaster Ho
¨hle,
4Sosruko, 5Komarovo,
6Jas
˘tuchva, 7Kvac
˘ara,
8Apianc
˘a, 9Cholodnij
Grot, 10 Dz
˘ampala,
11 E
˙nceri, 12 Sagvard-
z
˘ile, 13 Darkveti, 14 Kve-
di, 15 Kudaro, 16 Cona,
17 S
˘au-lagat, 18 Mys
˘tu-
lagazy-Lagat/Las
˘ok
Ho
¨hle, 19 C
˘e
¨rnyj Grot,
20 Pic
˘idz
˘in, 21 Dz
˘er-
mucha, 22 Selo,
23 Gudaleti, 24 E
˙dzani,
25 Zurtaketi, 26 Fund-
stellen am Parvanisee,
27 Dz
˘amdeli, 28 Das
˘-
Salachli, 29 Koz‘ma-
Ncho, 30 C
˘och,
31 Mekegi, 32 Qobustan
31 ¸8ÆŁF 1966,155163.
32 ˆŁ+M&.$Ł 1986.
33 `.+)&/T)&Ł$)ºŁ 1989,98.
34 ˝)ÆŁ)&Ł+K) 1978;`.+)&/T)&Ł$)ºŁ 1989,98 \.ƺ.64,16;
65,113;Korobkova 1996,61 64 Abb. 34.
35 Vgl. auch Gabunia/Tsereteli 2003,Taf. 9,119.
36 `.+)&/T)&Ł$)ºŁ 1989,9698 \.ƺ.60,914;63,142;Gabu-
nia/Tsereteli 2003,Taf. 8,722.
37 ˆŁ+M&.$Ł 1986,1119 Abb. 25.
38 `.+)&/T)&)$)ºŁ 1989,\.ƺ.63,110.2235;66,16;Koz-
lowskij/Aurenche 2005,135 Annex 1.2.12.
39 `.+)&/T)&)$)ºŁ 1989,\.ƺ.61,11;63,49;65,1820.
40 `.+)&/T)&)$)ºŁ 1989,\.ƺ.67,5.10.1214;zur vermutlich
fru
¨hneolithischen Datierung von Schicht 1in Sosruko: Welcher
2001,213.
41 ˆŁ+M&.$Ł 1986,Abb. 5,24.
Vjac
˘eslav L. Rostunov yet al.66
asymmetrische, ru
¨ckenretouchierte Spitze, die den
Dreiecken des Typs C
˘och nahesteht, wie sie aus
Darkveti und anderen mesolithischen Fundpla
¨tzen
unter anderem Komarov
42
oder in C
˘och bekannt
sind.
43
Analoge Stu
¨cke stammen hauptsa
¨chlich aus
den mesolithischen Schichten DEaus C
˘och.
44
Al-
lerdings kommt ein a
¨hnliches Stu
¨ck in Darkveti
auch aus der fru
¨hneolithischen Schicht.
45
Dies gilt
auch fu
¨rdie Rundkratzer, die sowohl in Darkveti
wie anderswo in mesolithischen
46
und fru
¨hneoliti-
schen Kontext auftreten. Solche Kratzer geho
¨ren je-
doch zu einem Gera
¨teinventar, das im Kaukasus
bereits im spa
¨ten Jungpala
¨olithikum auftritt.
47
Dies
zeigt einerseits die tiefen Wurzeln der neolithischen
Lithik, andererseits sind solche Kratzer nicht datie-
rend.
In der fru
¨hneolithischen Schicht in Darkveti
finden wir dann ein vera
¨ndertes Spektrum, in dem
unbearbeitete Mikroklingen dominieren. Die Trape-
ze sind kurz und mit geraden Kanten beidseitig re-
touchiert, es finden sich kleine Klingen- und Rund-
kratzer sowie Einsa
¨tze fu
¨rErntemesser. Hier finden
wir erneut gute Parallelen fu
¨rdas Artefaktspektrum
der Horizonte 2und 3aus Cmi. Dazu za
¨hlen die
kurzen Trapeze, die unbearbeiteten Klingen und
Mikroklingen, regelma
¨ßige Mikroklingenkerne sowie
die kleinen Klingenkratzer (Abb. 15B).Vor allem die
kurzen Trapeze mit geraden Kanten haben Paralle-
len (Abb. 15B,20)auch in den fru
¨hneolithischen
Schichten aus Apianc
˘a, Anaseuli I, Verchnjaja Lemsa
und Niz
˘naja S
˘ilovka.
48
In den fru
¨hneolithischen
Fundstellen am unteren Don und im Azovgebiet wie
in Kremennaja II oder Matveev Kurgan 1und 2,die
allgemein deutliche Bezu
¨ge in den Nordkaukasus
besitzen,
49
sind sie ebenfalls vorhanden. Die chro-
nologische Abfolge der verschiedenen Trapeze im
Kaukasus entspricht zudem der Entwicklung der
Trapeze in den spa
¨tmesolithischen und fru
¨hneolithi-
schen Fundstellen der Krim, die Janevic
˘vorgestellt
hat.
50
Aufgrund dieser Parallelisierungen kann Hori-
zont 1in Cmi demnach noch dem Spa
¨tmesolithi-
kum zugerechnet werden, wa
¨hrend die Horizonte 2
und 3typologisch ein neolithisches Silexinventar
besitzen.
Die chronologische Differenzierung des kauka-
sischen Neolithikums wird momentan vor allem von
der Frage dominiert, ob im Transkaukasien eine
akeramische oder pra
¨keramische Phase und damit
ein eigensta
¨ndiges Neolithisierungszentrum im 7.Jt.
v. Chr. existierte.
51
Ihre Argumentationskraft bezieht
diese Diskussion aus der Pra
¨senz einer Vielzahl von
domestizierten Weizenformen, deren Wildformen nur
in Transkaukasien in den fru
¨hneolithischen Fund-
stellen der S
˘ulaveri-S
˘omutepe Kultur vorkommen.
52
Allerdings liegen mit Ausnahme von Darkveti zu kei-
ner der Fundstellen Transkaukasiens außerhalb des
Areals der S
˘ulaveri-S
˘omutepe Kultur Angaben zur
Wirtschaftsweise vor, sprich Tierknochenanalysen
oder botanische Makroreste. Leider konnte auch in
Cmi das Sediment nicht geschla
¨mmt werden. Indi-
katoren fu
¨rein akeramisches Neolithikum, also eine
auf Ackerbau und/oder Viehzucht beruhende O
¨ko-
nomie ohne Keramik, sind somit bislang nirgends
nachgewiesen. Nichtsdestotrotz postuliert Nebierid-
ze fu
¨rWestkaukasien, wo eine Vielzahl von Funden
entlang der Ku
¨sten und des Ku
¨stengebirges beleg-
bar sind, einen akeramischen, fru
¨hneolithischen und
einen keramischen, spa
¨tneolithischen Abschnitt.
53
Aus dieser Perspektive wa
¨re Horizont 3in Cmi auf-
grund des Vorkommens von Keramik als spa
¨tneo-
lithisch anzusprechen.
In seiner Zusammenstellung neolithischer Fund-
orte in Transkaukasien und dem Nordkaukasus
argumentiert Bz
˘anja
54
hingegen fu
¨reine Dreiteilung
des westkaukasischen Neolithikums. Zu Beginn steht
eine weitgehend keramiklose Stufe I, deren Lithik
noch weitgehend mesolithischen Charakter besitzt
(Fundstellen Anaseuli I, Darkveti, Apianc
˘a, Lemsa
u. a.). In Stufe II folgen Fundorte mit unverzierter
Keramik sowie geraden Trapezen mit Helwan-Retou-
che (Fundstellen Nis
˘naja S
˘ilovka, Kistik, Machvilauri
u. a.). Stufe III letztlich umfasst Fundorte mit ver-
zierter Keramik und flachen Trapezen mit Fla
¨chen-
retouche. Geschliffene Steingera
¨te sind ab der ers-
ten Stufe vorhanden. Die dritte Etappe wird u
¨ber
Ritzmotive auf der Keramik mit der Stufe II der
S
˘ulaveri-S
˘omutepe Kultur nach Kiguradze
55
paralle-
lisiert und damit in die Mitte des 6.Jts. v. Chr. da-
tiert.
56
Eigene, unabha
¨ngige Datierungen fehlen je-
doch fu
¨ralle Fundorte und damit entbehrt auch
dieses System einer chronologischen Fixierung.
42 ˆŁ+M&.$Ł 1986,Abb. 5,59.
43 WHŁ&ı.FC, 1987,5758 Abb. 19,13 14;Korobkova 1996,62
Abb. 4;66 Abb. 7;Wechler 2001,Taf. 55,17.
44 `.+)&/T)&)$)ºŁ 1989,\.ƺ.68,24.27.45;WHŁ&ı.FC, 1987,
5758 Abb. 19,911;Kozlowskij/Aurenche 2005,135 Annex
1.2.11.
45 Korobkova 1996,6263 Abb. 3.
46 Gabunia/Tsereteli 2003,Taf. 1,1418;4,11.17.19;7,56;
9,1618;10,4.910;11,18 19;14,19 25.
47 R)ºŁFæŒŁØ 2004,Abb. 3,28;7,67.36;27,4.
48 VC&HCæC, 1962,Abb. 18,49;`M.F' 1996,Abb. 22,24.33 38;
Korobokova 1996,5961 Abb. 2;Wechler 2001,Taf. 55,13
23.
49 ˚&ŁM),æŒ.' 1992,Abb. 24,1.2.420.26;Gorelik/Cybrij 2007,
2829 Abb. 5,10 34.
50 Janevic
˘1995,610 Abb. 23;1424;15;26.
51 ˝)ÆŁ&Ł+!) 1972,112116;Korobkova 1996,59 68;Kiguradze/
Menabde 2004,345347;353 358.
52 ¸ŁæŁ!ßF./ˇ&Łł)B)FŒC 1977,43;S#ÆŁFŁł,ŁºŁ et al. 1984;
Kiguradze/Menabde 2004,361.
53 ˝)ÆŁ&Ł+!) 1986.
54 `M.F' 1996,80.
55 Kiguradze 1986,97;`M.F' 1996,80.
56 `M.F' 1996,81;Wechler 2001,197 200 Tab. 21 22 Abb. 52.
Cmi Eine Freilandfundstelle des Spa
¨tmesolithikums und Fru
¨hneolithikums in Nordossetien 67
Fu
¨rZentral- und Su
¨dgeorgien stellen Grigolia
und Kiguradze ebenfalls einen fru
¨hneolithischen
Horizont heraus, der zeitlich noch vor den Fundorten
der S
˘ulaveri-S
˘omutepe Kultur anzusetzen sei.
57
Es
handelt sich um Fundstellen des so genannten Na-
gunti-Typs, einer im Trialetien verhafteten entweder
noch spa
¨tmesolithischen oder bereits fru
¨hneolithi-
schen Gemeinschaft. Fundstellen dieses Typs besit-
zen einige technologische Bezu
¨ge zur S
˘ulaveri-S
˘o-
mutepe Lithik, zeichnen sich aber durch sehr viel
kleinere Gera
¨temaße aus. Diese Fundstellen schei-
nen in Verbindung zu stehen mit einer Reihe von
Ljubin im zentralen Kaukasus (Su
¨d- und Nordosse-
tien) zusammengestellten Fundorten, deren Datie-
rung ins Spa
¨tmesolithikum Mangels ,neolithischer‘
Elemente erfolgt.
58
Diese Fundstellen haben aller-
dings ein Silexspektrum, das sie mit Cmi vergleich-
bar macht.
Vergleichen wir die Keramik aus Cmi (Abb. 16A)
mit den wenigen bislang bekannten Funden etwa
aus Nis
˘naja S
˘ilovka, Kistrik oder der Kamennomost
Ho
¨hle,
59
so a
¨hneln sich die Formen lediglich in ihrer
Dickwandigkeit und dem flauen Profil. Eine bessere
formale Parallele fu
¨rdie Keramik aus Cmi ist ein
Stu
¨ck aus der neolithischen Schicht Cvon C
˘och in
Dagestan.
60
Es ist dunkelgrau bis graubraun und
gut gebrannt, wie das Gefa
¨ßaus Cmi. Dessen paa-
rige Eindru
¨cke hingegen sind bislang singula
¨r. Paa-
rige Knuppen und Knubbenreihen in identischer
Anordnung unter dem Rand gelten zwar als ein cha-
rakteristisches Zierelement der S
˘ulaveri-S
˘omutepe
Kultur,
61
die Keramik aus Cmi zeigt jedoch tech-
nologisch sowie in der Farbe keinerlei A
¨hnlichkeit
zum Keramikmaterial dieser Kultur.
62
Schicht Cin
C
˘
och wird bislang durch die palynologische Ein-
bindung in die Novo-Kaspi Regression
63
datiert, die
um 8000 BP beginnt. Allgemein wird daher eine
Datierung in die erste Ha
¨lfte des 6.Jts. v. Chr. an-
genommen, die sich auch auf angebliche A
¨hnlich-
keiten zur Keramik von S
˘ulaveri-S
˘omutepe stu
¨tzt
und ein weiteres Argument in einer ritzverzierten
Schiefersichel gewinnt, die Parallelen in Tepe Sialk I
hat.
64
C
˘och ist auch die einzige Fundstelle, in der
domestiziertes Getreide und Tiere nachgewiesen
sind und die aus o
¨konomischer Perspektive daher
als neolithisch anzusprechen wa
¨re. Das Radiokar-
bondatum der Speisereste aus dem Gefa
¨ßinCmi
datiert dieses nun klar an die Wende des 7.zum
6.Jt. v. Chr., vermutlich in die ersten Jahrzehnte nach
der Jahrtausendwende. Datierungen von Keramik
fu
¨hrenden Schichten mit einem vergleichbaren Alter
stammen bislang lediglich aus Aruchlo Iund S
˘omu-
Tepe, wo sie noch ein gutes Stu
¨ck a
¨lter sein ko
¨nn-
ten.
65
Beru
¨cksichtigt man die Stratigraphie in Cmi,
die nahezu die Abfolge in Darkveti wiederholt, so
ist es bereits auf dieser Ebene wenig wahrschein-
lich, dass die Horizonte 2und 3einem spa
¨ten Ab-
schnitt des Neolithikums angeho
¨ren. Horizont 2
und 3sind nun durch insgesamt sechs sehr eng
beieinander liegende Radiokarbondaten ins erste
Viertel des 6.Jts. v. Chr. datiert und mu
¨ssen damit
fru
¨hneolithisch sein. Bemerkenswert ist dabei die
Kongruenz zwischen den Daten aus Horizont 2
6985 (50 BP (59855745 calBC) und 6941 (27 BP
(58875749 calBC) mit den drei der Daten aus
Horizont 37010 (50 (50 BP, 6975 (50 BP,
6980 (50 BP (60005740 calBC). Wie oben ge-
zeigt wurde, liegt zwischen diesen Horizonten eine
sterile Bodenschicht von gut 0,2mMa
¨
chtigkeit, in
die auch zwei gelbliche Lehmba
¨nder eingeschlossen
sind (Abb. 4).Andererseits legt die U
¨berlagerung
der Feuerstellen 1/2(Horizont 3)und 3(Horizont 2)
eine Art ,Ortskonstanz‘ oder zumindest ein Wissen
um die tiefer liegenden Siedlungsreste nahe. Die
Kalibrationsspanne beider Datenserien erlaubt es,
die stratigraphische Position der archa
¨ologischen
Horizonte 2und 3in einen chronologischen Hori-
zont einzuschließen, zumal wenn die Bodenbildung
rasch erfolgte. Mo
¨glicherweise liegt zwischen bei-
den Horizonten nur eine geringe Zeitspanne, in der
der Fundplatz vom Fluss u
¨berschwemmt wurde.
Auch das vierte, leicht ju
¨ngere Datum aus Horizont 3
6890 (50 BP (58855670 calBC) zeigt genu
¨gend
U
¨berschneidung.
Der erste Horizont, 1,1munterhalb der fru
¨h-
neolithischen Horizonte 2und 3,datiert radiome-
trisch in die Mitte des 7.Jts. v. Chr. Sein Fundspek-
trum stimmt gut mit den Fundstellen u
¨berein, die
Lubin als spa
¨tmesolithisch und Grigolja und Kigu-
radze als spa
¨tmesolithisch/proto-neolithisch erach-
ten.
66
Es ist das erste Radiokarbondatum fu
¨rdas
Mesolithikum in Kaukasien
67
und stimmt mit den
U
¨berlegungen Amirchanovs zum Ende der mesoli-
thischen Stratigraphie in C
˘och im Verlauf des 7.Jts.
57 Kiguradze/Menabde 2004,353358.
58 ¸8ÆŁF 1966,163
59 `M.F' 1996,8083 Abb. 25;27,35 36;Wechler 2001,203
204 Taf. 53;54,12.
60 WHŁ&ı.FC, 1987,129130;132 Abb. 28.
61 Kiguradze 1986,24 Abb. 13,4;2629 Abb. 19,611;37 Abb.
4750;Hansen et al. 2007,19 22 Abb. 41.
62 Katrin Bastert-Lamprichs sei an dieser Stelle fu
¨rdie Mo
¨glichkeit
gedankt, originale Keramik aus Aruchlo einsehen zu ko
¨nnen.
63 WHŁ&ı.FC, 1987,2931.
64 Wechler 2001,210 Taf. 57,12.
65 Das a
¨ltere Datum von S
˘omu-Tepe wird von Chataigner 1995,
36 aufgrund mangelnder Korrelation mit den archa
¨ologischen
Schichten in Zweifel gezogen.
66 ¸8ÆŁF 1966,163;Kiguradze/Menabde 2004,354355.
67 `.+)&/T)&)$)ºŁ 1989,93,wobei von Korkia 1998 fu
¨rdie Bo-
denhorizonte 2und 3aus Apianc
˘aDaten von 9690 (160 BP
(86009700 calBC) und 9960 (160 BP (9100 10200 calBC)
vero
¨ffentlicht wurde. Beide Horizonte enthalten mesolithische
Kulturschichten.
Vjac
˘eslav L. Rostunov yet al.68
v. Chr. gut u
¨berein.
68
Die Bodenhorizonte der steri-
len Schicht wurden nach Borisov wa
¨hrend einer kal-
ten, jedoch feuchten Periode als diluviale Schichten
abgelagert, in der sich aber ein bis zu 5cm starker
Humus ausbilden konnte. Dies sind klare Indizien
fu
¨reine noch boreale Entstehungszeit. Auch dies
belegt eine Datierung in die Mitte des 7.Jts. v. Chr.
Perspektiven
In Cmi sind bislang noch keine Elemente belegt, die
man jenseits der Keramik als genuin ,neolitisch‘
bezeichnen wu
¨rde, obwohl die Lithik der Horizonte
23nicht mehr mesolithisch ist. Es stellt sich auch
die Frage, ob in einer Hochgebirgsfundstelle mit do-
mestizierten Pflanzen oder Tieren u
¨berhaupt zu
rechnen ist. Sowohl die Fundstellen wie Darkveti in
Imeretien wie auch Sosruko im Baksan Tal, aus
denen domestizierte Tiere bekannt sind,
69
liegen
deutlich tiefer. Dennoch kann eine Fundstelle wie
Cmi ein Schlu
¨sselpunkt in der Vermittlung neolithi-
scher Kulturtechniken gewesen sein.
Einerseits werden solche Kulturtechniken, ge-
meinhin unter der Bezeichnung des ,Neolithic pack-
age‘, in den Prozessen, die im 7.Jt. v. Chr. zur
Ausbreitung neolithischer Kulturerscheinungen nach
Anatolien und Su
¨dosteuropa fu
¨hrten, mittlerweile
genauer hinterfragt und definiert.
70
Andererseits
kristallisiert sich heraus, dass der Gedanke an ein
einziges, koha
¨rentes neolithisches Lebens- und
Wirtschaftsmodell aufgegeben werden muss. Die
Komponenten der in Anatolien wirksamen ,Neolithic
packages‘wurden u
¨ber die Grundkomponenten do-
mestizierte Pflanzen und Tiere sowie Sesshaftigkeit
hinaus deutlich erweitert. Damit zeigen sich aber
offensichtlich selektive, in verschiedenen Auspra
¨gun-
gen und wohl auch u
¨ber verschiedene Kommunika-
tionsrouten weitergetragene Neolithisierungsstra
¨nge.
Versucht man in Anlehnung an solche U
¨berlegungen
Kriterien zusammenzustellen, die ein kaukasisches
,Neolithic package‘beinhalten ko
¨nnte, so kommt
man auf Einsa
¨tze fu
¨rErntemesser, Knochensicheln,
Hacken, Mahlsteine und Sto
¨ßel, geschliffene Stein-
gera
¨te sowie domestizierte Tiere (Schweine, Rinder,
Ziegen und Hunde), die Kultivierung von verschie-
denen wilden und domestizierten Getreidesorten
und vor allem auf Keramikproduktion.
71
In der kau-
kasischen Neolithforschung ist umstritten, ob sich
diese Kulturerscheinungen eigensta
¨ndig entwickelt
haben oder ob sie u
¨bernommen wurden.
72
Die si-
cher als vollneolithisch zu bezeichnende S
˘ulaveri-
S
˘omutepe Kultur mit ihrer ausgepra
¨gten Landwirt-
schaft, permanenten Tellsiedlungen und zahlreichen
anderen neolithischen Aspekten, die, bezieht man
sich auf ilingiroglus Liste des anatolischen ,Neolit-
hic pacakge‘, eine stark vorderasiatische Pra
¨gung
besitzt, wa
¨re dabei ein potentieller Impulsgeber.
Nur stellt sich die Frage, weshalb die Gemeinschaf-
ten außerhalb der S
˘ulaveri-S
˘omutepe Kultur deren
neolithische Kulturerscheinungen nahezu zeitgleich
aber selektiv u
¨bernommen haben sollten, zumal die
ra
¨umlichen Distanzen in Kaukasien verha
¨ltnisma
¨ßig
gering sind, Ackerbau oder die Errichtung von Lehm-
ziegelarchitektur in vielen Regionen mo
¨glich war.
Eine entscheidende Rolle spielt hier mo
¨glicher-
weise der Zeitpunkt der Neolithisierung, wie ein
Blick an den Westrand des sekunda
¨ren Neolithi-
sierungsprozesses im 6.Jts. v. Chr. zeigt. Im Zusam-
menhang mit der Ausbreitung des Neolithikums aus
dem ,Fruchtbaren Halbmond‘ nach Westen wird mo-
mentan u
¨ber die Rolle eines kurzfristigen Klima-
einbruchs um 63006100 calBC diskutiert. Das so
genannte 8,2ky-Ereigniss ist eine Phase sehr kurz-
fristiger und extremer Klimaschwankungen, die auf
eine Vera
¨nderung im Golfstrom zuru
¨ckzufu
¨hren
sind.
73
Wie Weniger zeigt, finden in vielen der a
¨lte-
ren neolithischen Fundpla
¨tze just zu diesem Zeit-
punkt gravierende Vera
¨nderungen statt oder sie
werden grundsa
¨tzlich aufgegeben. Andererseits sind
ab diesem Zeitpunkt vollneolithische Siedlungen
außerhalb des ,Fruchtbaren Halbmondes‘ fassbar,
etwa in Anatolien und Su
¨dosteuropa, aber auch
in Nordmesopotamien und in Transkaukasien. Ein
Charakteristikum dieses sekunda
¨ren Neolithisie-
rungsprozesses ist die Auswahl von Siedlungspla
¨t-
zen, an denen Bewa
¨sserung fu
¨rden Ackerbau not-
wendig ist.
74
Bewa
¨sserungsfeldbau wird aufgrund
der klimatischen Bedingungen auch fu
¨rdie neoli-
thischen Fundstellen der S
˘ulaveri-S
˘omutepe Kultur
in deren eher ariden Verbreitungsgebiet angenom-
men.
75
S
˘ulaveri-S
˘omutepe ko
¨nnte daher durchaus
ein an bestimmte Habitate gebundenes Pha
¨nomen
sein, dessen konkrete Auspra
¨gung durch die kultu-
relle und wirtschaftliche Adaption an ein urspru
¨ng-
lich nicht kaukasisches O
¨kosystem vorgegeben
war.
76
68 WHŁ&ı.FC, 1987,3031.
69 `M.F' 1996,75;RFŁ&)º;H.F 1980,229301 Taf. 10.
70 ilingiroglu 2005;Perle
´s2005.
71 ˝)ÆŁ)&Ł+K) 1972,110118;`M.F' 1996,75;80 81;WHŁ&-
ı.FC, 1987,143140 Taf. 5.
72 ¸ŁæŁ!ßF./ˇ&Łł)B)FŒC 1977;WHŁ&ı.FC, 1987,182203;Ko-
robkova 1996,62;Kiguradze/Menabde 2004,361362.
73 Weniger et al. 2005,77 89.
74 Weniger et al. 2005,92 104;Bischoff et al. 2006;Thissen/Bi-
schoff 2006.
75 ¸ŁæŁ!ßF./ˇ&Łł)B)FŒC 1977,3337;—Cæ$#FC, 2007,20 35.
76 Als Vergleich fu
¨ra
¨
hnliche U
¨berlegungen zu o
¨kologischpra
¨de-
terminierte Siedlergruppen in Transkaukasien und dem Nord-
kaukasus wa
¨hrend des 5./4.Jts. v. Chr. siehe Marro 2007 oder
—Cæ$#FC, 2007,2729.
Cmi Eine Freilandfundstelle des Spa
¨tmesolithikums und Fru
¨hneolithikums in Nordossetien 69
Vor diesem Hintergrund bekommen die Daten
aus Cmi eine interessante Wendung. Der spa
¨tmeso-
lithische Horizont in Cmi fa
¨llt in die Mitte des 7.Jts.
v. Chr., die fru
¨hneolithischen in einen Zeitraum nach
6000 calBC, getrennt durch einen Hiatus in dem ein
kaltes und feuchtes Klima vorauszusetzen ist. An
anderen Orten des Hochgebirges konnte Kvavadze
am Ende des Boreals einen kurzen, jedoch heftigen
Klimaeinbruch nachweisen, in dem die Waldgrenze
deutlich absank.
77
Auch in Darkveti liegt ein ver-
gleichbarer Hiatus zwischen den spa
¨tmesolithischen
und fru
¨hneolithischen Schichten und in Sosruko
scheint ebenfalls ein steriler Abschnitt zwischen
Schicht M1und M2vorzuliegen. In den Horizont
nach 6000 calBC fallen nun die bislang a
¨ltesten
Radiokarbondaten aus Aruchlo Iund S
˘ulaveris-Gora.
Nur ein Datum eines Fundplatzes der S
˘ulaveri-S
˘o-
mutepe Kultur, S
˘omu-Tepe in Azerbeidz
˘an, weist
eine Datierung in die Mitte des 7.Jts. v. Chr. auf,
das aber anzweifelbar ist.
78
Kaukasien wa
¨re also
damit ebenfalls eine Region, in der die Neolithi-
sierung vorderasiatischer Pra
¨gung im Wesentlichen
nach dem Ende des erwa
¨hnten Klimaeinbruchs be-
ginnt.
Folgt man den U
¨berlegungen Lubins oder
Menabdes und Kiguradzes, dass weite Teile vor
allem der Vorgebirgsregionen Kaukasiens besiedelt
und das Hochgebirge zumindest saisonal vor und
nach dem postulierten Ka
¨lteeinbruch identisch be-
gangen wurden, ist es durchaus mo
¨glich, dass sich
zeitgleich mit dem vollneolithischen Modell der
S
˘ulaveri-S
˘omutepe Kultur eine in vielem sta
¨rker der
mesolithischen Lebensweise verhaftete, neolithische
Kulturvariante entwickelt hat. Das Artefaktspektrum
der verschiedenen kaukasischen Regionalgruppen
befand sich offenbar bereits vor Beginn der S
˘ula-
veri-S
˘omutepe Kultur in einem Wandel. Trotz loka-
ler Traditionen wandelt sich die Steintechnologie
zwischen den Fundstellen des Nagunti-Typs und
der S
˘ulaveri-S
˘omutepe Kultur deutlich.
79
Ferner
weist Kiguradze darauf hin, dass in den westgeor-
gischen Neolithfundstellen Obsidian nach einer
kurzen Phase sehr selten ist, wohingegen in S
˘ula-
veri-S
˘omutepe Fundstellen nahezu das gesamte
Gera
¨tespektrum aus Obsidian besteht.
80
Zu unter-
suchen, ob S
˘ulaveri-S
˘omutepe Gemeinschaften als
Impulsgeber einer sich nicht vollsta
¨ndig neolithi-
sierenden Bevo
¨lkerung fungierte, oder verschiedene
neolithische Kulturvarianten parallel aus Impulsen
eines a
¨lteren Kommunikationsnetzwerks entspran-
gen, bleibt weiteren Forschungen vorbehalten. Die
Verbreitung der Informationen und Kulturtechniken
des Neolithikums verliefen aber vermutlich entlang
des bis ins Spa
¨tpala
¨olithikum zuru
¨ckreichenden
Kommunikationsnetzwerkes, das Kaukasien mit
dem Su
¨den, wie mit der su
¨drussischen Steppe und
der Krim verband.
81
Neolithische Kulturkomponen-
ten wie Keramik und domestizierte Haustiere finden
sich dort bereits ab der Mitte des 7.Jts. v. Chr. und
damit sogar noch etwas fru
¨her als im Kaukasus.
82
Dennoch entwickelte sich auch hier kein Neolithi-
kum vorderasiatischen Typs mit massiver Architek-
tur und einer Subsistenz basierend ausschließlich
auf Domestikaten.
Im transkaukasischen Fru
¨hneolithikum scheint
dieses Kommunikationsnetzwerk in der Verbreitung
der Obsidianrohmaterialien auf, die mittlerweile gut
erforscht sind.
83
Das nordkaukasisch-su
¨drussische
Kommunikationsnetzwerk ist neben den zuvor er-
wa
¨hnten konkreten Entwicklungen in der Lithik
ebenfalls in der Verbreitung von Obsidianartefakten
wiederzuerkennen. Deren Quelle liegt im Nordkau-
kasus bei Zajukovo bzw. C
˘egem am El‘brus und ihr
Funktionieren ist vom Spa
¨tpala
¨olithikum bis ins
A
¨neolithikum nachweisbar.
84
In den neolithischen
Horizont fallen unter die analysierten Stu
¨cke Arte-
fakte aus Niz
˘naja S
˘ilovka und Machmud-Mekteb,
einer vermutlich spa
¨tneolitischen Fundstelle in der
nordostkaukasischen Vorgebirgssteppe. Mackevoj
nennt Obsidianartefakte aus zwei mesolithischen
Fundstellen am Kuban sowie der mesolithischen
Ho
¨hlenstation C
˘e
¨rnij Grot in Nordossetien.
85
Wech-
ler fu
¨hrt, mit Vorbehalt, auch mesolithische Obsidia-
nartefakte der Seroglasov Kultur an der unteren
Wolga an.
86
Fru
¨hneolithische Obsidianartefakte sind
ebenfalls aus der Fundstelle an der unteren Wolga,
etwa Dz
˘angar, Schichten 1und 3und einem Sam-
melfund von Jastak-Chuduk sowie aus Frontovoe I,
77 Kvavadze 1997,475
78 Chataigner 1995,36.
79 ˆC&)ºŁ' 1982,1618.
80 Kiguradze/Menabde 2004,348.
81 Spa
¨tpala
¨olithikum: `.+)& 1984;`.+)& 1975;Mesolithikum:
`.+)&/T)&Ł$)ºŁ 1989;Kozlowski1996,Kozlowski 1999,139
148;159;Kozlowskij/Aurenche 2005,135.
82 Wie in diesem System die fru
¨hneolithischen Fundstellen am
unteren Don und dem Azov-Gebiet einzuordnen sind, bleibt
momentan allerdings offen.Aus Rakus
˘enc
˘ys Jar, Matveev Kur-
gan 1,Rassypnaja 6und Radzorskaja 2stammen Radiokarbon-
daten aus fru
¨hneolithischen Fundszusammenha
¨ngen mit Kera-
mik und domestizierten Tieren, dieteilweise im letzten Viertel
des 7.Jts. v. Chr. liegen. Selbst wenn man die an Muscheln ge-
wonnenen Daten ausschließt, bleibt eine nichtgeringe Zahl an
Fundkomplexen, die a
¨lter sind, als die bislang a
¨ltesten Belege
fu
¨rKeramikproduktion und/oder Tierdomestikation im Kauka-
sus. Zusammenfassend Kotova 2003,Wechler 2001,145 152;
Gorelik/Cybrij 2007.Radiokarbondaten bei \ŁHC")), et al.
2004,Taf. VI,19 Nr. 142.
83 Badalyan et al. 2004.
84 ˝.æ)+ŒŁF/VC&HCæC, 1965.Einschra
¨nkend ist anzumerken,
dass diese Analysen vor Einfu
¨hrung von Neutronen-Aktivie-
rungs- oder Ro
¨ntgenfloureszensmessungen durchgefu
¨hrt wur-
den und daher weniger zuverla
¨ssig sind, als die modernen Un-
tersuchungen; dazu Badalyan et al. 2004,438.
85 9.!Œ),CØ 1977,55.
86 Wechler 2001,162.
Vjac
˘eslav L. Rostunov yet al.70
Schicht II auf der Krim belegt.
87
Die Analyse legt fu
¨r
letzteren Fund ebenfalls eine Herkunft aus der
nordkaukasischen Quelle nahe und vermutlich ge-
ho
¨rt auch das Obsidianmesser aus Cmi in diesen
Kreis, obwohl es typologisch den mittelgroßen Klin-
gen der S
˘ulaveri-S
˘omutepe Kultur sehr nahe steht.
Die archa
¨ozoologische Auswertung der Kno-
chenfunde aus Cmi kann mo
¨glicherweise neben der
Keramiknutzung auch andere Elemente neolithischer
Lebensweise belegen, respektive ein Licht auf die
o
¨konomische Situation der Gemeinschaft an diesem
Ort werfen. Bedeutsam wa
¨ren in Zukunft auch Ana-
lysen der nordkaukasischen und su
¨drussischen Ob-
sidianartefakte mit modernen Methoden um Distri-
butionsnetzwerke wie in Transkaukasien genauer
bestimmen zu ko
¨nnen, denn offensichtlich existier-
ten im Kaukasus verschiedene neolithische Lebens-
modelle parallel, deren Traditionen und Kommunika-
tionsnetzwerke andere sind, die sich aber offenbar
auch kreuzten.
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Vjac
˘eslavL.Rostunov y
Nordossetisches Institut fu
¨rGeisteswissenschaftliche
und Sozialstudien der Russischen Akademie
der Wissenschaften
Prospekt Mira 10
362040 Vladikavkaz
Republik Nordossetien-Alania
Russland
Sergej Ljachov
GUP ,Nasledie‘
Prospekt Karla-Marksa 56
355000 Stavropol’
Russland
E-Mail: nasledie@nasledie.org
SabineReinhold
Deutsches Archa
¨ologisches Institut
Eurasien-Abteilung
Im Dol 2-6Haus II
14195 Berlin
E-Mail: sr@eurasien.dainst.de
Summary
The multilayer open-air campsite below the medieval
castle of Cmi in the high mountains of North-Ossetia was
partly excavatedin2007 during construction work on a
water reservoir. The site was previously known as dating
to the Early Bronze Age (Kura-Arax culture), but during
excavationsastratigraphy dating to the Late Mesolithic,
Early Neolithic and Late Bronze Age was discovered.The
limited area excavated nevertheless revealed important
archaeological features in four archaeological layers and
aspectrum of Late Mesolithic and Early Neolithic arte-
facts. Most importantisthe presence of undecorated,grit
tempered ceramics in the uppermost Early Neolithic level.
Food remains inside were dated to 7010 BP, which is
among the earliest radiocarbon dates for ceramics in the
Caucasus. Cmi is the first radiocarbon dated stratigraphy
of aLate Mesolithic/Early Neolithic site in the Caucasus
Mountains, where samples had been taken from the ar-
chaeologicallayers. The Late Mesolithic dates 7570 BP,
the two Early Neolithic layers date 7010-6890 BP and
the Early Bronze layer is dated to 4765 BP. These dates
not only confirm the repeated use of the high mountain
areas. The site of Cmi at an altitude of nearly 1700 m
reflects the importance of the traverse across the nearby
passes in the longe duree´ of Caucasian communication
networks.
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Cmi Eine Freilandfundstelle des Spa
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