ArticlePDF Available

Pitcairnia aureobrunnea Rauh: Locus classicus und Typifizierung / Pitcairnia aureobrunnea Rauh: Locus classicus and typification

Authors:

Abstract and Figures

In the protologue to the new species Pitcairnia aureobrunnea (Rauh 1984) its discoverer Werner Rauh names as its type location “Peruvia septentrionalis, Dptm. San Martin, inter Tarapoto et Yurimaguas.“ This corresponds to a stretch of highway ca. 130 km long and is thus not a very precise specification of the locality where it was found. The Werner Rauh Heritage Project (WRHP), financed by the Klaus Tschira Foundation, made it possible to evaluate data from various sources and to determine the locus classicus more precisely. In addition the nine herbarium specimens of the gathering Rauh 53677 in HEID as well as other specimens of Pitcairnia aureobrunnea collected by Rauh were given a critical review in order to identify the types which Rauh focussed on. The individual data and results are presented in this article in appropriate brevity.
Content may be subject to copyright.
Die Bromelie 2015 (2)
W 
S
Pitcairnia aureobrunnea Rauh: Locus classicus und Typifizierung
Pitcairnia aureobrunnea Rauh: Locus classicus and typification
Christof Nikolaus Schröder
Widmung
Ich widme diesen Beitrag meinem ehemaligen Biologielehrer
Dr.Hans Reichert (Trier), der mich in die Botanik einführte und
mir das Handwerkszeug mitgab, das ich noch heute für meine
tägliche wissenschaftliche Arbeit brauche.
Im Protolog zur neuen Art Pitcairnia aureobrunnea
(Rauh 1984, Fig. 1–3) nennt ihr Entdecker Werner Rauh
als Typfundort: „Peruvia septentrionalis, Dptm. San Mar-
tin, inter Tarapoto et Yurimaguas“ bzw. in der deutschen
Übersetzung: „Zwischen Tarapoto und Yurimaguas
[...] (Dptm. San Martin, Nordperu).“ Dies entspricht
einer Fahrstrecke von ca. 130 km und ist damit für eine
Fundortangabe nicht gerade genau. Im Rahmen des von
der Klaus Tschira Stiftung finanzierten Werner Rauh
Heritage Projects (WRHP) war es nun möglich, die
Daten aus verschiedenen Quellen auszuwerten und den
locus classicus schließlich genauer festzulegen. Ferner
wurden die in HEID vorhandenen neun Herbarbelege
der Aufsammlung Rauh 53677 sowie weitere von Rauh
gesammelte Belege von Pitcairnia aureobrunnea einer
kritischen Prüfung unterzogen, um die von Rauh dedi-
zierten Typen zu identifizierten. Die einzelnen Daten
Dedication
I dedicate this paper to my former biology teacher at grammar
school, Dr. Hans Reichert (Trier), who initiated me into Botany
and handed me the tools which I use in my daily scientific work
to this day.
In the protologue to the new species Pitcairnia aure-
obrunnea (Rauh 1984, Fig. 1–3) its discoverer Werner
Rauh names as its type location “Peruvia septentrionalis,
Dptm. San Martin, inter Tarapoto et Yurimaguas“ or, in
English: “between Tarapoto and Yurimaguas [...] (Dptm.
San Martin, north Peru).“ This corresponds to a stretch
of highway ca. 130 km long and is thus not a very precise
specification of the locality where it was found. The
Werner Rauh Heritage Project (WRHP), financed by the
Klaus Tschira Foundation, made it possible to evaluate
data from various sources and to determine the locus
classicus more precisely. In addition the nine herbarium
specimens of the gathering Rauh 53677 in HEID as well
as other specimens of Pitcairnia aureobrunnea collected
by Rauh were given a critical review in order to identify
the types which Rauh focussed on. The individual data
and results are presented in this article in appropriate
brevity. The procedure followed was that presented in
detail in a case study of Deuterocohnia meziana var. car-
mineoviridiflora (Schröder et al. 2015).
Hinweis zur Zitierung: Die Feld- und Tage bücher
und die darin enthaltenen Seiten erhielten im
Rahmen des WRHP eindeutige Identifi katoren,
wodurch die gescannten Seiten zitierbar sind.
„HEID“ steht dabei für „Bot. Garten und Her ba-
rium Heidelberg“, „RAUH“ für Sammlung Rauh,
„FDB“ für Feldbuch und „FDD“ für Ex peditions-
tagebuch. Es folgen Band-Nummer und Seite (cf.
Koch et al. 2013). Die Feldbuchseiten sind durch
eine URL des folgenden Formates aufrufbar:
Die Tagebuchseiten sollen ebenfalls online
zugänglich gemacht werden.
und Ergebnisse werden in diesem
Beitrag in gebotener Kürze dar-
gestellt. Hierbei wurde vorgegan-
gen, wie es im Detail im Rahmen
einer Fallstudie zu Deuterocohnia
meziana var. carmineoviridiflora
(Schröder et al. 2015) dargestellt
wurde.
Entdeckung
Im Jahr 1984 beschrieb Rauh eine
neue Pitcairnia, die er während
seiner Reise nach Mexico, Ecua-
dor und Peru 1980 entdeckte und
als „53677 Pitcairnia, schmale,
oberseits grüne, unterseits graue
Blätter“ in sein Feldbuch notierte
Note on citation: The field books and
journals, and the pages within them, were
given clear WRHP identifiers by which the
scanned pages can be cited. “HEID“ stands
for “Heidelberg Botanical Garden and Her-
barium“, “RAUH“ for the Rauh collection,
“FDB“ for field book and “FDD“ for expe-
dition journal. Volume and page number
follow (cf. Koch et al. 2013). The field book
pages can now be viewed online:
The journal pages will likewise be made
available online.
http://scriptorium.cos.uni-heidelberg.de/page?HEIDRAUHFDB063_053
65
Die Bromelie 2015 (2)
(HEID RAUHFDB063_062) und später als Pitcairnia
aureobrunnea (Rauh 1984) publizierte. Das war nicht
die einzige neue Art, die er am 8. Juli 1980 entdeckte,
sondern er entdeckte noch Pitcairnia rectiflora (Rauh
1985a = Rauh 53673), Pitcairnia pallidiflavens (Rauh
1985 = Rauh 53675) und Pitcairnia rubro-nigriflora (Rauh
1984a = Rauh 53676) sowie Tillandsia bismarckii (Rauh
& Lehmann 1983 = Rauh 53653). Im Mai 1983 kam die
1980 gesammelte Pflanze im Botanischen Garten Hei-
delberg erstmals zur Blüte, die wegen ihrer „gelblichen
Grundfarbe, mit zahlreichen, kleinen weinrot-bräunli-
chen Flecken“ (Rauh 1984) auffiel. Drei Monate später,
am 14.August 1983, suchte Rauh den Entdeckungsort
erneut auf und sammelte unter der Nummer Rauh
63791a „Pitcairnia, Blüten blassbraun. Infl. einfach bis
50 cm lang, Schaft bis 1,2 m. Blätter schmal, unterseits
grau bereift, 600m.“ (HEIDRAUHFDB069_052) ein
weiteres Mal diese Pitcairnia, diesmal jedoch neben
Lebendmaterial auch Herbarbelege (Exsiccatæ und ein
Alkoholpräparat). Es bestätigte sich, dass es sich um
eine neue Art handelte.
Discovery
In 1984 Rauh described a new Pitcairnia, which he
discovered during his trip to Mexico, Ecuador, and Peru
in 1980 and noted in his field book as “53677 Pitcair-
nia, narrow leaves, green on top, gray underneath“
(HEIDRAUHFDB063_062) and later published as
Pitcairnia aureobrunnea (Rauh 1984). That was not the
only new species which he discovered on July 8, 1980.
He also discovered Pitcairnia rectiflora (Rauh 1985a, =
Rauh 53673), Pitcairnia pallidiflavens (Rauh 1985 = Rauh
53675), Pitcairnia rubro-nigriflora (Rauh 1984a = Rauh
53676) and Tillandsia bismarckii (Rauh & Lehmann
1983 = Rauh 53653). In May 1983 the plants collected in
1980 first came into bloom in the Heidelberg Botani-
cal Garden, which were striking with their “yellowish
color and the numerous little brownish vinicolor spots“
(Rauh 1984). Three months later, on the 14th of August,
1983, Rauh again sought out the place where he had
discovered the plants and collected a specimen now
numbered Rauh 63791a “Pitcairnia, flowers pale brown,
Fig. 1: Lebendpflanze | Living plant Rauh 53677
(Foto: W. Rauh, © W. Barthlott, Lotus-Salvinia.de)
Fig. 2: Blüte von | Flower of Pitcairnia aureobrunnea
(Foto: W. Rauh, © W. Barthlott, Lotus-Salvinia.de)
Fig. 3: Ausschnitt aus dem Blütenstand von | Part of the
inflorescence of Pitcairnia aureobrunnea
(Foto: W. Rauh, © W. Barthlott, Lotus-Salvinia.de)
66
Die Bromelie 2015 (2)
Pitcairnia aureobrunnea Rauh: Locus classicus und Typifizierung | Pitcairnia aureobrunnea Rauh: Locus classicus and typification
Locus classicus und Verbreitung
Werner Rauhs Reise nach Mexico, Ecuador und Peru
1980 ist in vier Feldbüchern dokumentiert: HEID-
RAUHFDB061, HEIDRAUHFDB062, HEIDRAUH-
FDB063 und HEIDRAUHFDB063A. Die ersten drei
sind eine Mischung aus Tagebuch und klassischem
Feldbuch, da Rauh darin sowohl den Verlauf des Tages
mit Ortsangaben (teilweise mit Kilometerangaben) und
Beobachtungen notiert sowie in täglichen Listen die
gesammelten Nummern. Buch HEIDRAUHFDB063A
ist ein reines Feldbuch, in welchem Rauh noch einmal
die gesammelten Nummern auflistet, weshalb es ein
Duplikat der Nummernlisten aus HEIDRAUHFDB063
darstellt. Die beiden ersten Hefte wurden in Heidel-
berg gekauft und auf die Expedition mitgenommen,
die beiden letzten in Südamerika. Diese Beobachtung
deutet darauf hin, dass HEIDRAUHFDB063A bereits
vor Ort angelegt wurde und nicht erst im Nachhinein
in Heidelberg. Der Verlauf der Reise wird derzeit nach
und nach beim Erfassen der Datensätze rekonstruiert
und als PDF-Dokument veröffentlicht (Schröder 2015a).
Bleibt noch zu erwähnen, dass HEIDRAUHFDB063 teil-
weise von einer anderen Hand als der Rauhs geschrie-
ben wurde, wahrscheinlich von jemandem, der nicht
Deutsch als Muttersprache hatte, denn die deutschen
Umlaute wurden als „ae“, „oe“ bzw. „ue“ geschrieben.
HEIDRAUHFDB063A dagegen wurde vollständig von
Rauh geschrieben.
Für die Tage rund um die Entdeckung der neuen
Pitcairnia Rauh 53677 konnte der Reiseverlauf aufgrund
der einzelnen Notizen recht genau ermittelt werden
(Schröder 2015a). Daraus geht hervor, dass Rauh zwei
Nächte in Tarapoto übernachtet hat und am 8. Juli 1980,
dem Entdeckungstag der neuen Pitcairnia aureobrunnea,
von dort aus in Richtung Yurimaguas gefahren ist. In
HEIDRAUHFDB063 wie auch in HEIDRAUHFDB063A
überschreibt Rauh die Nummernliste der Aufsammlun-
gen des Tages mit „Tarapoto – Yurimaguas“. Vermutlich
hatte er aber nicht die Absicht, Yurimaguas zu erreichen,
denn auf Seite HEIDRAUHFDB063_053 notiert er:
„Fahren in Richtung Yurimaguas“ [Hervorhebung Verf.].
Ferner notiert Rauh im Feldbuch den Kilometerstand
am Anfang eines jeden Tages. Daraus geht hervor, dass
er eine Tagesstrecke von 201 km gefahren ist. Das reicht
nicht, um von Tarapoto nach Yurimaguas (ca. 130 km
einfache Strecke) und zurück zu fahren. Dies deckt sich
mit einer Angabe auf Seite HEIDRAUHFDB063_057:
„bis km 30. – 500–1000m“, was bedeutet, dass Rauh alle
Aufsammlungen des Tages vor dem Kilometerstein km30
auf der PE-5NB gemacht hat. Dieser liegt nach amtlicher
Karte (MTC 2013) etwa bei -6,4158°, -76,2986°, das ist
im Tal zwischen den beiden Gebirgszügen nordöstlich
von Tarapoto auf etwa 500 m. Demnach hat Rauh die
neue Pitcairnia bei der Auffahrt zum ersten Pass oder
infl. simple up to 50 cm long, shaft up to 1.2 m long.
Leaves narrow, undersides frosty gray, 600m.“ (HEID-
RAUHFDB069_052), which is again this Pitcairnia, but
this time along with live material and also herbarium
material (Exsiccatæ and an alcohol preparation). This
confirmed that it was a new species.
Locus classicus and distribution
Werner Rauh’s trip to Mexico, Ecuador, and Peru in 1980
is documented in four field books: HEIDRAUHFDB061,
HEIDRAUHFDB062, HEIDRAUHFDB063 and HEID-
RAUHFDB063A. The first three are a mixture of diary
and conventional field book, because in them Rauh notes
events of the day with locations, sometimes with kilo-
meter specifications, and observations as well as daily
lists of the collected numbers. HEIDRAUHFDB063A
is strictly a fieldbook in which Rauh again lists the
collected numbers so that it is a duplicate of the number
lists in HEIDRAUHFDB063. The first two notebooks
were purchased in Heidelberg and taken along on the
expedition, the last two in South America. This indicates
that HEIDRAUHFDB063A was already done on location
and not in hindsight in Heidelberg. The course of the
trip is being reconstructed little by little on the basis of
the records and published as a PDF document (Schröder
2015a). It must also be mentioned that HEIDRAUH-
FDB063 was in part written in somebody else‘s hand,
somebody whose native language was probably not Ger-
man, because the German umlauts were written “ae“,
“oe“ and “ue“. HEIDRAUHFDB063A on the other hand
was written entirely by Rauh.
For the days around the discovery of the new Pit-
cairnia Rauh 53677 the course of the trip could be quite
precisely determined on the basis of the individual notes
(Schröder 2015a). They reveal that Rauh spent two nights
in Tarapoto and on the 8th of July, 1980, the day he dis-
covered the new Pitcairnia aureobrunnea, he went from
there in the direction of Yurimaguas. In HEIDRAUH-
FDB063 as also in HEIDRAUHFDB063A Rauh writes
at the top of the number list of the day‘s collections
“Tarapoto – Yurimaguas“. Presumably though he did
not intend to reach Yurimaguas because on the page
HEIDRAUHFDB063_053 he notes: “Going towards
Yurimaguas“ [emphasis by author]. In addition, at the
beginning of each day Rauh notes the mileage in the
field book. This shows that he went a distance of 201
km. That is insufficient for traveling from Tarapoto to
Yurimaguas (ca. 130 km one way) and back. This is con-
sistent with an entry on page HEIDRAUHFDB063_057:
“at km 30. – 500–1000m“, which means that Rauh made
all the collections of the day at the kilometer marker km
30 on PE-5NB. This is located according to the official
map (MTC 2013) at ca. -6.4158°, -76.2986°; that is in
the valley between the two mountain ranges northeast
67
Die Bromelie 2015 (2)
unmittelbar dahinter entdeckt, aber vor einem Tunnel,
den er auf Seite HEIDRAUHFDB063_054 nach Ent-
deckung der Pitcairnia erwähnt und der vom Verfasser
identifiziert werden konnte (http://www.openstreetmap.
org/way/328606478). Dazu passen auch die Höhenan-
gaben für die Aufsammlung, die weder in den Feldbü-
chern noch auf den Herbarbelegen einheitlich sind: Bei
der Ersterwähnung der Nummer Rauh 53677 (HEID-
RAUHFDB063_062) findet sich keine Höhenangabe,
auf Seite HEIDRAUHFDB063A_025 wird 800 m
genannt. Im Protolog und auf den meisten Herbarbele-
gen wird als Höhe 500 m angegeben, nur HEID 602339
hat 800 m. Zur Fundortökologie nennt Rauh zwar meist
„feuchte Sandsteinfelsen“, aber auf HEID 602339 steht
„Erdabrisse“. Nun gibt es etwa 18 km von Tarapoto auf
800 m die Cataratas del Ahuashiyacu, Wasserfälle, die
sich über Sandstein ergießen. Dort haben Walter Till,
S. Till und C. Lindner 1986 erneut die Art gesammelt
(Schröder 2015). Andererseits finden sich entlang der
Straße PE-5NB mehrere Stellen, an denen die Böschung
durch Erdrutsche großflächig offenerdig ist, vor allem
hinter der Passhöhe und das ebenfalls auf 800 m. Dies
ist auch mit hoher Wahrscheinlichkeit die richtige Höhe
des Typfundortes, denn südwestlich des Passes gibt es
auf 500 m nur das Stadtgebiet von Tarapoto, nordöstlich
des Passes finden sich auf dieser Höhe kaum Habitate,
die geeignet erscheinen. Ferner hat Rauh selbst die
Höhenangabe wohl falsch aus der Tagesüberschrift auf
Seite HEIDRAUHFDB063_057 übernommen, wo es
heißt: „500–1000m“. Solche Fehler finden sich bei ihm
häufiger (Schröder et al. 2015). Sicher ist, dass Pitcairnia
aureobrunnea im Bereich der Area de Conservacion Regi-
onal Cordillera Escalera an der Straße PE-5NB ca. 8–10
km (Luftlinie) nordöstlich Tarapoto entdeckt wurde.
Damit lässt sich der locus classicus auf wenige Kilome-
ter genau identifizieren.
Im Protolog gibt Rauh als Verbreitung lediglich den
locus classicus an, nämlich „Zwischen Tarapoto und
Yurimaguas, an feuchten Sandsteinfelsen, bei 500 m
(Dptm. San Martin, Nordperu)“. Im Laufe der Zeit
wurde die Art jedoch an einigen weiteren Stellen in Peru
und Ecuador gefunden und gesammelt (Schröder 2015).
Eine Aufsammlung aus Bolivien („Krömer 899“, Schrö-
der 2015) wurde von Harry Luther als Pitcairnia lanugi-
nosa R. & P. bestimmt (pers. comm. Bruce Holst (SEL)).
Es wäre auch sehr verwunderlich gewesen, so weit ent-
fernt von den bekannten Populationen in Bolivien eine
weitere, völlig isolierte Population zu finden. In den
beiden genannten Ländern ist die Art allerdings sehr
verbreitet und an vielen Orten anzutreffen (Eric Gouda,
pers. comm.), besonders in den Dept. San Martín (locus
classicus), Junín und Cuzco (Peru) sowie in den Prov.
Zamora-Chinchipe und Morona-Santiago (Ecuador).
Diese Angaben wurden aus Daten in Herbarien und Bio-
diversitäts-Datenbanken (z.B. gbif.org) gewonnen.
of Tarapoto at about 500 m. Accordingly Rauh found the
new Pitcairnia while going up to the first pass or directly
behind it, but in front of a tunnel which he mentions
on page HEIDRAUHFDB063_054 after discovering the
Pitcairnia and which could be identified by the author
(http://www.openstreetmap.org/way/328606478). The
altitude figures fit for this location whereas they are not
consistent in the fieldbooks or in the herbarium docu-
ments. At the first mention of the number Rauh 53677
(HEIDRAUHFDB063_062) there is no altitude entry,
on page HEIDRAUHFDB063A_025 800 m is given. In
the protologue and in most of the herbarium documents
500 m is given as the altitude; only HEID 602339 gives
800 m. Regarding ecology of the location Rauh indicates
mostly “moist sandstone rocks,“ but in HEID 602339
it says “Landslides“. Now about 18 km from Tarapoto at
800 m there are the Cataratas del Ahuashiyacu, water-
falls which flow over sandstone. Walter Till, S. Till, and
C. Lindner 1986 collected the species there again in
1986 (Schröder 2015). On the other hand there are sev-
eral places along highway PE-5NB where large areas of
the embankment have been laid bare by landslides, espe-
cially after the pass level and that is likewise 800 m. This
is also in all probability the correct elevation of the type
location because southwest of the pass at 500 m there is
only the urban area of Tarapoto, northeast of the pass at
this level there are hardly any habitats that appear suit-
able. Furthermore Rauh himself probably mistakenly
took the elevation figure from the daily heading on page
HEIDRAUHFDB063_057 where it says “500–1000m“.
Such mistakes crop up in his work rather frequently
(Schröder et al. 2015). One thing is certain: Pitcairnia
aureobrunnea was discovered in the region of the Area de
Conservacion Regional Cordillera Escalera on highway
PE-5NB ca. 8–10 km (as the crow flies) northeast of Tara-
poto. Thus the locus classicus can be precisely identified
down to a few kilometers.
In the protologue Rauh gives only the locus classicus
as distribution, that is, “Between Tarapoto and Yurim-
aguas, on moist sandstone rocks, at 500 m (Dptm. San
Martin, Nordperu)“. In the course of time however the
species was found and collected in some other places
in Peru and Ecuador (Schröder 2015). A collection from
Bolivia (“Krömer 899“, Schröder 2015) was identi-
fied by Harry Luther as Pitcairnia lanuginosa R. & P.
(pers. comm. Bruce Holst (SEL)). It would have been
very strange to find another fully isolated population in
Bolivia so far removed from the known populations. In
Peru and Ecuador the species is very widely distributed
to be sure and can be encountered in many places (Eric
Gouda, pers. comm.), especially in Dept. San Martín
(locus classicus), Junín and Cuzco (Peru) as well as
in the Prov. Zamora-Chinchipe and Morona-Santiago
(Ecuador). This information was gleaned from data in
herbaria and biodiversity databases (e.g. gbif.org).
68
Die Bromelie 2015 (2)
Pitcairnia aureobrunnea Rauh: Locus classicus und Typifizierung | Pitcairnia aureobrunnea Rauh: Locus classicus and typification
Typifizierung
Von der Aufsammlung Rauh 53677 sind in Heidelberg
neben einer Lebendpflanze (BG-HEID 132611) insge-
samt neun Herbarbelege vorhanden (Tab. 1). Gemäß
Gartenbank (= Datenbank des Botanischen Gartens und
Herbariums HEID) sind sechs davon Holotypen und zwei
Klonotypen. Ein Beleg, der Alkoholbeleg, ist nicht mit
Typstatus erfasst. Alle Belege, die laut Gartenbank den
Status eines Holotypus’ haben (HEID 602334–602339),
sind auch als solche etikettiert (Fig. 4). Ferner finden sich
in HEID drei Belege von Rauh 63791a (HEID 201439,
600482, 604483 & 604484), bei denen es sich aufgrund
der Qualität der Belege und des Aussehens des Materials
um Wildaufsammlungen handeln muss.
Typification
Of the Rauh Collection 53677 there are in Heidelberg,
along with a living plant (BG-HEID 132611), in all nine
herbarium specimens (Tab. 1). According to Gartenbank
(= Database of the Botanical Garden and Herbarium
HEID) six of them are holotypes and two clonotypes.
One specimen, in alcohol, is not assigned type status. All
specimens, which according to Gartenbank have the sta-
tus of holotype (HEID 602334–602339), are also labelled
as such (Fig. 4). In addition there are in HEID three
specimens from Rauh 63791a (HEID 201439, 600482,
604483 & 604484), which, on the basis of specimen
quality and the appearance of the material, must be wild
collections.
Tab. 1: Herbarbelege | herbarium specimens
HEID-Nr. Beleg-Art |
specimen type
Status laut Beleg
| status according
to specimen
Bemerkungen | Remarks
201489 ! Alkohol | alcohol Rauh 53677
Etikett innen | label inside: „Pitcairnia 53677“
602334 ! Trocken | dry „Holotypus“ |
“holotype“
Rauh 53677
ex. cult., da „gebl. Mai 1983“ | due to “flowered May 1983“, HT sheet 1
602335 ! Trocken | dry „Holotypus“ |
“holotype“
Rauh 53677
ex. cult., da „gebl. Mai 1983“ | due to “flowered May 1983“, HT sheet 2
602336 ! Trocken | dry „Holotypus“ |
“holotype“
Rauh 53677
ex. cult., da „gebl. Mai 1983“ | due to “flowered May 1983“, HT sheet 3
602337 ! Trocken | dry „Holotypus“ |
“holotype“
Rauh 53677
ex. cult., da „gebl. Mai 1983“ | due to “flowered May 1983“, HT sheet 4
602338 ! Trocken | dry „Holotypus“ |
“holotype“
Rauh 53677
ex. cult., da „gebl. Mai 1983“ | due to “flowered May 1983“, HT sheet 5
602339 ! Trocken | dry „Holotypus“ |
“holotype“
Rauh 53677
ex nat.?, vom | from locus classicus?
700194 ! Trocken | dry „Klonotypus“ |
“clonotype“
Rauh 53677
kein Original-Etikett, Höhe: 800 m | no original label, elevation 800 m
700195 ! Trocken | dry „Klonotypus“ |
“clonotype“
Rauh 53677
kein Original-Etikett, Höhe: 800 m | no original label, elevation 800 m
201439 ! Alkohol | alcohol Rauh 63791a
Handschriftliches Etikett von Rauh | label handwritten by Rauh
600482 ! Trocken | dry „Holotypus“ |
“holotype“
Rauh 63791a
Handschriftliches Etikett von Rauh, darauf Vermerk „Holotypus“ |
label handwritten by Rauh, with remark “Holotype“
604483 ! Trocken | dry „Holotypus“ |
“holotype“
Rauh 63791a
Handschriftliches Etikett von Rauh, darauf Vermerk „Holotypus“ |
label handwritten by Rauh, with remark “Holotype“
604484 ! Trocken | dry Rauh 63791a
Handschriftliches Etikett von Rauh, wahrscheinlich vom Fundort“ | label
handwritten by Rauh, probably from the location where it was found
69
Die Bromelie 2015 (2)
Pitcairnia aureobrunnea Rauh: Locus classicus und Typifizierung | Pitcairnia aureobrunnea Rauh: Locus classicus and typification
The question arises as to which of these specimens
really are holotypes within the meaning of the ICN
(McNeill et al. 2011). HEID 602334–602338 have iden-
tical labels written with an electric typewriter, with iden-
tical content and all stamped “TYPUS” (Fig. 5) as was
typical in the Rauh era in HEID.
“Flora Peruviana RAUH 53 677 | Bromeliaceae |
Pitcairnia aureobrunnea RAUH | betw. Tarapoto and
Yurimaguas, Dptm. San | Martin, North Peru, | 500 m, |
on moist sandstone rocks | rare | leg. W. Rauh 8.7.1980 |
det. W. Rauh | bloomed May 1983 | TYPUS“.
HEID 602339 has a handwritten label (Fig. 6), in
Rauh’s handwriting, which contains no indication of the
date of bloom and which specifies a different elevation
and location ecology.
“53677 from (Type plant) | Pitcairnia | aureobrun-
nea RAUH | Tarapoto–Yurimaguas) | 800m / Rockslide
Landslides | July 1980“.
The alcohol specimen HEID 201489 consists of
three flowers. The label in the glass contains very brief
information: “Pitcairnia | 53677“, no location, no date of
fixation, no indication whether prepared ex cult. or ex
nat.
The three specimens from the collection Rauh
63791a (HEID 600482, 604483 & 604484) raise
questions. These are the only specimens with labels in
Rauh‘s handwriting (Fig. 7), in addition two have the
note written by him “Holotypus“. These labels have the
following content:
HEID 600482: “Flora peruviana | 63791a Holotypus
| Pitcairnia aureobrunnea | Rauh nov. spec. | Landslides,
Tarapoto–Yuri- | maguas, | Deptm. Lloreto, N-E. Peru |
14.8.83“
HEID 604483: “Holotypus 63791a | Flora peruviana
| Pitcairnia aureo-brunnea | RAUH, nov. spec. | Land-
slides, 800 m | Tarapoto–Yurimaguas | Dep. Loreto | Coll.
Rauh 14.8.83“
HEID 604484: “Pitcairnia 63791/a | Tarapoto–
Yurimaguas | 600 m | Pitcairnia aureobrunnea | RAUH
nov. spec.“
The latter was probably first written on location (text
in black) and was later added to with the same pencil
(text in blue), which was used for the labels of the speci-
mens HEID 600482 & 604483. Originally Rauh had
mistakenly assigned the number “63791“ twice and only
when he was describing the new species also in the field
book did he add an “/a“ (HEIDRAUHFDB069_052), as
he usually did in such cases. He added the “/a“ also to
its label. What is confusing is that Rauh designates two
specimens of Rauh 63791a in handwriting as holotype,
but later cites Rauh 53677 in the protologue as holotype.
How is this to be interpreted?
Es stellt sich die Frage, bei welchem dieser Belege
es sich um Holotypen im Sinne des ICN (McNeill et al.
2011) handelt. HEID 602334–602338 haben identi-
sche Etiketten, geschrieben mit elektrischer Schreib-
maschine, mit identischem Inhalt, und alle diese sind
mit dem für die Ära Rauh in HEID typischen Stempel
TYPUS“ versehen (Fig. 5):
„Flora Peruviana RAUH 53 677 | Bromeliaceae | Pit-
cairnia aureobrunnea RAUH | zw. Tarapoto u. Yurima-
guas, Dptm. San | Martin, Nordperu, | 500 m, | an feuch-
ten Sandsteinfelsen | selten | leg. W. Rauh 8.7.1980 | det.
W. Rauh | gebl. Mai 1983 | TYPUS“.
HEID 602339 trägt ein handschriftliches Etikett
(Fig. 6), in Rauhs Handschrift, das zum einen keinen
Hinweis auf das Blühdatum enthält, zum anderen eine
andere Höhenangabe und Fundortökologie nennt:
„53677 von (Typpflanze) | Pitcairnia | aureobrun-
nea RAUH | Tarapoto–Yurimaguas) | 800m / Felsabris
Erdabrisse | Juli 1980“.
Der Alkoholbeleg HEID 201489 besteht aus drei Blü-
ten. Das Etikett im Glas enthält nur knappe Informati-
onen: „Pitcairnia | 53677“, kein Fundort, kein Fixier-
datum, kein Hinweis, ob der Beleg ex cult. oder ex nat.
angefertigt wurde.
Fragen werfen dagegen die drei Belege zur Auf-
sammlung Rauh 63791a auf (HEID 600482, 604483
& 604484). Dies sind die einzigen Belege mit Etiketten
von Rauhs Hand (Fig. 7), zwei tragen zudem den nach-
weislich von ihm geschriebenen Vermerk „Holotypus“.
Diese Etiketten haben folgenden Inhalt:
HEID 600482: „Flora peruviana | 63791a Holotypus
| Pitcairnia aureobrunnea | Rauh nov. spec. | Erdabrisse,
Tarapoto–Yuri- | maguas, | Deptm. Lloreto, N-E. Peru |
14.8.83“
HEID 604483: „Holotypus 63791a | Flora peruviana
| Pitcairnia aureo-brunnea | RAUH, nov. spec. | Erdab-
risse, 800 m | Tarapoto–Yurimaguas | Dep. Loreto | Coll.
Rauh 14.8.83“
HEID 604484: „Pitcairnia 63791/a | Tarapoto–
Yurimaguas | 600 m | Pitcairnia aureobrunnea | RAUH
nov. spec.“
Letzteres wurde wahrscheinlich zunächst am Fund-
ort geschrieben (Text in schwarzer Farbe) und später mit
dem gleichen Stift ergänzt (Text in blauer Farbe), der
für die Etiketten der Belege HEID 600482 & 604483
benutzt wurde. Ursprünglich hatte Rauh die Nummer
„63791“ irrtümlich doppelt vergeben und erst beim
Beschreiben der neuen Art auch im Feldbuch mit „/a“
ergänzt (HEIDRAUHFDB069_052), wie er es in solchen
Fällen üblicherweise tat. Das „/a“ hat er ebenfalls auf
dem zugehörigen Etikett ergänzt. Was Verwirrung stiftet
ist die Tatsache, dass Rauh zwar zwei Belege von Rauh
63791a handschriftlich als Holotypus kennzeichnet, spä-
ter aber Rauh 53677 im Protolog als Holotypus zitiert.
Wie ist dies zu deuten? Fig. 4: Beleg | Specimen HEID 602337
70
Die Bromelie 2015 (2)
71
Die Bromelie 2015 (2)
The timeline can be reconstructed as follows: In July
1980 Rauh collects Pitcairnia sp. Rauh 53677 as a live
plant without flowers at the locus classicus – on page
HEIDRAUHFDB063_062 as well as on page HEIDRAUH -
FDB063A_025 Rauh writes only about the leaves and
does not mention any flower characteristics. This plant
is then grown on in the Heidelberg Botanical Garden
and flowers for the first time in May 1983, at which point
Rauh notices that it is a new species. Rauh documents
the distinguishing characteristics by preparing HEID
602334–602338 presumably in a single procedure with
this cultivated plant. In July 1983 Rauh makes another
trip to South America (Ecuador, Peru and Argentina).
On August 14th, 1983, he again seeks out the location of
Rauh 53677 and there collects under the number Rauh
63791a not only plants but also herbarium specimens,
this time specimens of inflorescences as well. Now he
decides to publish the Pitcairnia he discovered in 1980
as a new species. He first intends to categorize the mate-
rial gathered in 1983 as holotype, but then in preparing
the description he uses the cultivated material perhaps
because the flowers were in better condition for pre-
serving in the herbarium. He cites the collection date of
the live plant imprecisely (“9.7.1980“) in the protologue
and not the collection date of the ex cult.-material (May
1983), but with the number cited, “RAUH Nr. coll 53
677“ he establishes an unambiguous connection. Thus
the material in Rauh 63791a is excluded from type sta-
tus, likewise HEID 602339, which obviously was taken
from the same plant but at a different time, which is
a violation of Art. 8.2. of the ICN, since this specimen
comes from a different “gathering“(McNeill et al. 2011).
The specimen in alcohol is not a type specimen since it
bears no evidence showing when it was preserved and
that Rauh considered it the type.
With Gross (1998) the following specimens are to be
considered holotypes: Ex cult. Mai 1983: HEID 602334
(“sheet 1“: leaves), HEID 602335 (“sheet 2“: leaves),
HEID 602336 (“sheet 3“: inflorescence and “ovules
bicaudatae“ prepared in capsule June 23, 1998 by L.B.
Smith), HEID 602337 (“sheet 4“: inflorescence and
leaves) & HEID 602338 (“sheet 5“: inflorescence and
leaves).
The locus classicus is assumed to be: Northeast
Peru, Departamento San Martín, Provincia San Martín,
Distrito La Banda de Shilcayo, Area de Conservacion
Regional Cordillera Escalera, near highway PE-5NB,
on moist sandstone rock, at an elevation of 800 m
(~S6.454°, W76.295°), July 8, 1980.
Distribution: Peru (particularly Dept. San Martín,
Junín & Cuzco) and Ecuador (particularly Prov. Zam-
ora-Chinchipe & Morona-Santiago), 500–1200 m, on
moist sandstone rock slopes and rocky (sandstone) river-
banks, frequent.
Fig. 5: Etikett | Label 602334
Fig. 6: Etikett | Label 602339
Fig. 7: Etikett | Label Rauh 63791a
72
Die Bromelie 2015 (2)
Pitcairnia aureobrunnea Rauh: Locus classicus und Typifizierung | Pitcairnia aureobrunnea Rauh: Locus classicus and typification
Der zeitliche Ablauf lässt sich folgendermaßen
rekonstruieren: Im Juli 1980 sammelt Rauh Pitcairnia
sp. Rauh 53677 als lebende Pflanze ohne Blüte am locus
classicus – sowohl auf Seite HEIDRAUHFDB063_062
als auch auf Seite HEIDRAUHFDB063A_025 geht Rauh
nur auf die Blätter ein und nennt keine Blütenmerk-
male. Diese Pflanze wird im BG Heidelberg weiterkulti-
viert und kommt im Mai 1983 erstmals zur Blüte, wobei
Rauh bemerkt, dass es sich um eine neue Art handelt.
Die besonderen Merkmale dokumentiert Rauh, indem
er HEID 602334–602338 vermutlich in einem Arbeits-
gang von dieser kultivierten Pflanze präpariert. Im Juli
1983 bricht Rauh erneut zu einer Reise nach Südame-
rika (Ecuador, Peru und Argentinien) auf. Am 14. August
1983 sucht er noch einmal den Fundort von Rauh 53677
auf und sammelt dort unter der Nummer Rauh 63791a
sowohl Pflanzen als auch Herbarbelege, diesmal auch
von Infloreszenzen. Nun beschließt er, die von ihm
1980 entdeckte Pitcairnia als neue Art zu publizieren.
Dabei hat er zunächst die Absicht, das 1983 gesam-
melte Wildmaterial als Holotypus zu dedizieren, wählt
beim Verfertigen der Erstbeschreibung dann aber das
Kultur-Material, vielleicht weil die Blüten dort in einem
besseren Zustand herbarisiert werden konnten. Er zitiert
zwar ungenauerweise das Sammeldatum der Lebend-
pflanze („9.7.1980“) im Protolog und nicht das ‹Sam-
meldatum› des ex cult.-Materials (Mai 1983), aber durch
die Nummernangabe „RAUH Nr. coll 53 677“ stellt er
einen eindeutigen Bezug her. Somit scheiden die Belege
von Rauh 63791a als Typus aus, ebenso HEID 602339,
der zwar offenbar von der gleichen Pflanze genommen
wurde, aber zu einem anderen Zeitpunkt, weshalb hier
Art. 8.2. des ICN verletzt ist, da dieser Beleg aus einer
anderen „gathering“ (McNeill et al. 2011) (=Aufsamm-
lung) stammt. Der Alkoholbeleg ist kein Typusbeleg, da
er keinerlei Kennzeichnung trägt, wann er fixiert wurde
und dass Rauh ihn als Typus dedizierte.
Mit Gross (1998) sind folgende Belege als Holotypen
zu betrachten: Ex cult. Mai 1983: HEID 602334 („sheet 1“:
Blätter), HEID 602335 („sheet 2“: Blätter), HEID 602336
(„sheet 3“: Infloreszenz und „ovules bicaudatae“ in Kap-
sel präpariert am 23. Juni 1998 durch L. B. Smith), HEID
602337 („sheet 4“: Infloreszenz und Blätter) & HEID
602338 („sheet 5“: Infloreszenz und Blätter).
Als locus classicus ist anzunehmen: Nordost-Peru,
Departamento San Martín, Provincia San Martín,
Distrito La Banda de Shilcayo, Area de Conservacion
Regional Cordillera Escalera, nahe der Straße PE-5NB,
auf feuchten Sandsteinfelsen, in 800 m Höhe (~ S6,454°,
W76,295°), 8. Juli 1980.
Verbreitung: Peru (vor allem Dept. San Martín, Junín
& Cuzco) und Ecuador (vor allem Prov. Zamora-Chin-
chipe & Morona-Santiago), 500–1200 m, an feuchten
Sandsteinfelshängen und felsigen (Sandstein) Flussufern,
häufig.
Danksagungen | Acknowledgements
Zu allererst danke ich der Klaus Tschira Stiftung gGmbH für die Förde-
rung des Werner Rauh Heritage Projects (2009–2016). Für zahlreiche
Informationen und Bilder von Herbarbelegen danke ich Marc Appelhans
(GOET), Laurie Birch (SEL), Eric Gouda (U), Bruce Holst (SEL) und Peter
Sack (HEID). Wilhelm Barthlott danke ich für die Bereitstellung und Bernd
Haeseling (beide Nees-Institut Bonn) für das Scannen der Original-Dias
von Werner Rauh und Dmitry German (COS Heidelberg) für ausführliche
Diskussionen über Fragen der Nomenklatur und Typifizierung.
I would like first of all to thank the Klaus Tschira Foundation for
supporting the Werner Rauh Heritage Project (2009–2016). For copious
information and pictures of herbarium material I thank Marc Appel-
hans (GOET), Laurie Birch (SEL), Eric Gouda (U), Bruce Holst (SEL) and
Peter Sack (HEID). I thank Wilhelm Barthlott for providing and Bernd
Haeseling (both at Nees-Institut Bonn) for scanning Werner Rauh‘s
original slides and Dmitry German (COS Heidelberg) for detailed dis-
cussions of questions of nomenclature and typification.
Literatur | References
Gross, E. A. 1998. The type specimens of Bromeliaceae in the Herbarium
of the Institute of Systematic Botany of the University of Heidelberg,
Germany. – Selbyana 19(2): 191–217.
Koch, M. A., C. N. Schröder, M. Kiefer & P. Sack. 2013. A treasure trove of
plant biodiversity from the 20th century: The Werner Rauh Heritage
Project at Heidelberg Botanical Garden and Herbarium. – Plant
Systematics and Evolution (2013) 299: 1793-1800 (online, DOI: 10.1007/
s00606-013-0835-5).
McNeill, J., F. R. Barrie, W. R. Buck et al. 2011. International Code of
Nomenclature for algae, fungi, and plants (Melbourne Code). – Reg-
num Vegetabile 154.
Rauh, W., Lehmann. 1983. Tillandsia bismarckii R et L spec.
nov. – Tropische und subtropische Pflanzenwelt 41: 22, fig. 10. (Bromeli-
enstudien I., XII. Mitteilung: 22)
Rauh, W. 1984. Pitcairnia aureobrunnea R spec. nov. – Tropische und
subtropische Pflanzenwelt 50: 512, fig. 13–14. (Bromelienstudien I., XV.
Mitteilung: 26)
Rauh, W. 1984a. Pitcairnia rubro-nigriflora R spec. nov. – Tropische
und subtropische Pflanzenwelt 50: 518–520, fig. 17–18. (Bromelienstu-
dien I., XV. Mitteilung: 32–34)
Rauh, W. 1985. Pitcairnia pallidiflavens R spec. nov. – Tropische und
subtropische Pflanzenwelt 52: 23, fig. 12–13. (Bromelienstudien I., XVI.
Mitteilung: 23)
Rauh, W. 1985a. Pitcairnia rectiflora R spec. nov. – Tropische und
subtropische Pflanzenwelt 52: 26–28, fig. 14–16. (Bromelienstudien I.,
XVI. Mitteilung: 26–28)
Schröder, C. N. 2015. Herbarbelege und Lebendakzessionen von
Pitcairnia aureobrunnea Rauh. Version 2015-04-30T13:03:06. (online:
scriptorium.cos.uni-heidelberg.de/docs/Schroeder-2015_Pitcairnia_
aureobrunnea_Belege.pdf).
Schröder, C. N. 2015a. Werner Rauh – Itinerar der Reise nach Mexico,
Ecuador & Peru 1980 • Version 2015-02-05T13:01:59. (online: http://
scriptorium.cos.uni-heidelberg.de/docs/Itinerar_1980_MX-EC-PE.pdf)
Schröder, C. N., P. Sack & M. A. Koch. 2015. Some notes on original
material and locus classicus of Deuterocohnia meziana Kuntze ex
Mex var. carmineo-viridiflora Rauh (Bromeliaceae). – Plant Diversity
and Evolution (in Druck, akzeptiert 2014-09-12), (online: DOI: 10.1127/
pde/2015/0131-0083).
Digitale Landkarten | Digital maps:
MTC (Ministero de Transportes y Comunicationes). 2013. Sistema
Nacional de Carreteras del Perú. 22 Mapa Vial San Martín. [http://
www.mtc.gob.pe/estadisticas/ESTADISTICA/MAPAS/TRANSPORTES/
VIAL/22_SANMARTIN_VIAL.pdf]
Christof Nikolaus Schröder
Botanischer Garten Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 340, 69120 Heidelberg
niko.schroeder@cos.uni-heidelberg.de
73
ResearchGate has not been able to resolve any citations for this publication.
Article
When Werner Rauh described the new variety Deuterocohnia meziana var. carmineo-viridiflora, he did not carefully check data in his own field books and field diary which later resulted in inaccurate statements about the type locality and gathering date of the type. Beyond that he preserved material of the taxon as herbarium specimens both collected in the wild and obtained from plants cultivated in Heidelberg Botanical Garden. This caused some complexity in distinguishing type from non-type specimens in the herbarium of Heidelberg University (HEID) later. Within the scope of the Werner Rauh Heritage Project, we have gained deep insights into Rauh’s field notes and his method of working which has allowed us to identify vouchers of the specimen designated as Holotype in the protologue as well as the correct type locality and gathering date of the new variety.
Article
Prof. Werner Rauh (1913–2000) was the director at Heidelberg Botanical Garden and Herbarium for several decades and until his retirement in 1994, he undertook more than 36 expeditions, mainly to South and Central America as well as to southern Africa and in particular to Madagascar. From these journeys, he brought back innumerable plants to the Botanical Garden Heidelberg, especially succulents, bromeliads and orchids, which are a valuable part of today’s living collection and of the Herbarium. During his expeditions, he wrote more than 90 booklets with detailed information not only about the plants collected, but also about the vegetation and geology of the regions he visited. The heart of the presented Werner Rauh Heritage project is a relational database to store the heterogeneous information found in these field books, as well as to link the information to actual taxonomy and to the garden’s existing database, the living collection and numerous plant type material. A number of powerful tools are being developed to enable researchers to search the database for cross-linked information including Rauh’s original field numbers and the place of collection. The central part of the Werner Rauh Heritage Project database is a look-up table with the geo-referenced itineraries of Werner Rauh’s journeys and another table with all taxa entries listed in any field book. Tables with synonyms, basionyms and protologue data are included as well as numerous images and links to other taxonomic databases such as IPNI and TROPICOS.
The type specimens of Bromeliaceae in the Herbarium of the
  • References Literatur
  • E A Gross
Literatur | References Gross, E. A. 1998. The type specimens of Bromeliaceae in the Herbarium of the Institute of Systematic Botany of the University of Heidelberg, Germany. – Selbyana 19(2): 191–217.
Tillandsia bismarckii Rauh et Lehmann spec. nov. -Tropische und subtropische Pflanzenwelt 41: 22, fig. 10. (Bromelienstudien I
  • W Rauh
  • Lehmann
Rauh, W., Lehmann. 1983. Tillandsia bismarckii Rauh et Lehmann spec. nov. -Tropische und subtropische Pflanzenwelt 41: 22, fig. 10. (Bromelienstudien I., XII. Mitteilung: 22)
Pitcairnia aureobrunnea Rauh spec. nov. – Tropische und subtropische Pflanzenwelt 50: 512, fig
  • W Rauh
Rauh, W. 1984. Pitcairnia aureobrunnea Rauh spec. nov. – Tropische und subtropische Pflanzenwelt 50: 512, fig. 13–14. (Bromelienstudien I., XV. Mitteilung: 26)
Pitcairnia pallidiflavens Rauh spec. nov. -Tropische und subtropische Pflanzenwelt 52: 23, fig
  • W Rauh
  • I Bromelienstudien
  • Xvi
  • Mitteilung
Rauh, W. 1985. Pitcairnia pallidiflavens Rauh spec. nov. -Tropische und subtropische Pflanzenwelt 52: 23, fig. 12-13. (Bromelienstudien I., XVI. Mitteilung: 23)
Herbarbelege und Lebendakzessionen von Pitcairnia aureobrunnea Rauh
  • C N Schröder
Schröder, C. N. 2015. Herbarbelege und Lebendakzessionen von Pitcairnia aureobrunnea Rauh. Version 2015-04-30T13:03:06. (online: scriptorium.cos.uni-heidelberg.de/docs/Schroeder-2015_Pitcairnia_ aureobrunnea_Belege.pdf).
Ecuador & Peru 1980 @BULLET Version 2015-02-05T13:01:59. (online: http:// scriptorium.cos.uni-heidelberg.de/docs/Itinerar_1980_MX-EC-PE.pdf) Some notes on original material and locus classicus of Deuterocohnia meziana Kuntze ex Mex var. carmineo-viridiflora Rauh (Bromeliaceae)
  • C N Schröder
  • C N Schröder
  • P Sack
  • M A Koch
Schröder, C. N. 2015a. Werner Rauh – Itinerar der Reise nach Mexico, Ecuador & Peru 1980 @BULLET Version 2015-02-05T13:01:59. (online: http:// scriptorium.cos.uni-heidelberg.de/docs/Itinerar_1980_MX-EC-PE.pdf) Schröder, C. N., P. Sack & M. A. Koch. 2015. Some notes on original material and locus classicus of Deuterocohnia meziana Kuntze ex Mex var. carmineo-viridiflora Rauh (Bromeliaceae). – Plant Diversity and Evolution (in Druck, akzeptiert 2014-09-12), (online: DOI: 10.1127/ pde/2015/0131-0083).
Digital maps: MTC (Ministero de Transportes y Comunicationes). 2013. Sistema Nacional de Carreteras del Perú. 22 Mapa Vial San Martín
  • Digitale Landkarten
Digitale Landkarten | Digital maps: MTC (Ministero de Transportes y Comunicationes). 2013. Sistema Nacional de Carreteras del Perú. 22 Mapa Vial San Martín. [http:// www.mtc.gob.pe/estadisticas/ESTADISTICA/MAPAS/TRANSPORTES/ VIAL/22_SANMARTIN_VIAL.pdf]