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Abstract

Guest lecture, Institut für deutsche Sprache und Linguistik, Humboldt-Universität zu Berlin, 4 June 2012.
1 Tonakzentsprachen in Europa
(Schottisch-Gälisch: Ternes 1980, 2006a; Limburgisch/Mittelfränkisch: Gussenhoven
& Peters 2004; Peters 2006; Ternes 2006b)
a. Jakobson (1962 [1931]: 137):
„Ebenso bilden die Sprachen des Baltikums einen Sprachbund, den die Polyto-
nie kennzeichnet; hierher gehören: das Schwedische, das Norwegische mit
Ausnahme der nordwestlichen Mundarten, die meisten dänischen Dialekte, ei-
nige norddeutsche Mundarten, das Nordkaschubische, das Litauische und Let-
tische, das Livische und Estnische.“
b. Riad (2009: 12):
„[…] serious discussion regarding the phonological relation between the tonal
systems of Swedish and Norwegian on the one hand, and the Danish stød sys-
tem on the other, is surprisingly hard to find. Presumably, this is due to both
the general lack of pan-Scandinavian perspective in earlier Norwegian and
Swedish work on the tonal dialectology […], and the reification of stød as a
non-tonal phonological object in the Danish research tradition […].
c. Höder (2011: 175):
1
Norwegisch,
Schwedisch
Baltisch
Südwest-
slawisch
Dänisch
Schottisch-
Gälisch
Limburgisch/
Mittelfränkisch
Niederdeutsch
[I]nterlingual areal patterns at the dialectal level […] seem to go largely un-
noticed in contact linguistics. […] [T]here is dialect contact without language
contact, but not vice versa.
d. Entsprechend:
Mögliche historische und kontaktlinguistische Zusammenhänge zwischen den
tonalen Systemen im Skandinavischen einerseits und der Entstehung von To-
nalität in westgermanischen Sprachen andererseits sind bislang nicht diskutiert
worden. Gründe dafür sind die mangelnde sprachübergreifende areale (= nord-
europäische) Perspektive und die unterschiedlichen Beschreibungstraditionen in
Nordistik und Germanistik.
e. These:
Skandinavische und niederdeutsche Tonakzentsysteme sind strukturell ähnlich
und hängen areal sowie historisch zusammen. (Work in progress.)
2 Tonakzentsysteme aus arealtypologischer Perspektive
2.1 Präliminarien
a. Tonalität (im weitesten Sinne): distinktive Funktion von suprasegmentalen Merkma-
len, abgesehen von einfacher Silbenprominenz, Quantität und Phrasen- sowie Satz-
prosodie
b. echte Tonsprachen: Silben oder Segmente als relevante phonologische Einheiten (z. B.
Vietnamesisch)
c. Tonakzentsprachen (‚pitch-accent languages‘, ‚gemäßigte Tonsprachen‘; Ternes 2010):
Wort als relevante phonologische Einheit (z. B. Schwedisch)
d. Arealität: strukturelle Gemeinsamkeiten in benachbarten Sprachen/Dialekten (≈ ‚lin-
guistic area, ‚Sprachbund‘)
e. mögliche Faktoren: genetische Verwandtschaft (inklusive ‚Drift‘), kontaktbedingte
Konvergenz/Parallelentwicklung, Zufall, …
f. räumliche Nähe: nicht immer identisch mit geographischer Nähe; multidimensionaler
Varietäten- bzw. Kommunikationsraum (Muysken 2008: 4; Höder 2011: 182f.)
2
2.2 Schwedisch, Norwegisch
a. Akzent 1 vs. Akzent 2: zwei distinktive Tonhöhenverläufe nach dem Primärakzent in
mehrsilbigen phonologischen Wörtern (schw. accent, ordaccent, akut vs. grav accent;
norw. tonelag, tonem; Riad 2005, 2006; Liberman 1982; Kristoffersen 2007)
b. phonetisch: bei Akzent 1 nur ein prominenter Ton pro Wort (auf der akzentuierten
Silbe), bei Akzent 2 ein weiterer prominenter Ton (auf einer späteren Silbe)
(1) schw. tomten  tomten
Grundstück-das Wichtel-der
(2) norw. kastet  kastet
Wurf-der geworfen
(3) schw. regel  regel
Regel Riegel
(4) schw. sommarledigheten 2
Sommer-freiheit-die (‚die Sommerferien‘)
c. Skopus: phonologisches Wort; Träger: nachtonige Silben
d. morphologische Funktion (markiert bestimmte Flexive, Derivative und Kompositi-
on)
(5) norw. -etDEF.N.SG‘ mit Akzent 1, -etPTCP.PRF‘ mit Akzent 2
(6) schw. hög  ‚hoch‘ + hus  ‚Haus‘: höghus 
stor ‚groß‘ + stad  ‚Stadt‘: storstad 
2.3 Dänisch
a. Stoßton: vorhandene (vs. fehlende) Glottalisierung in der akzentuierten Silbe eines
phonologischen Wortes (dän. stød; Grønnum 1998, 2007; Basbøll 2005)
b. phonetisch: Knarrstimme oder Glottalverschluss auf Vokal/postvokalischem Konso-
nanten
(7) hun   hund 
ie Hund
(8) mor  ! mord ! !
Mutter Mord
c. Skopus: phonologisches Wort; Träger: einzelne Segmente/Silben
d. morphologische Funktion (markiert bestimmte Flexive, Derivative, Komposition)
3
(9) hus  huset "
Haus Haus-das
(10) huse # huslig #
Häuser häuslich
(11) hus  ‚Haus‘ + mand  ‚Mann‘: husmand # ‚Kleinbauer‘
3 Der niederdeutsche Knick
a. distinktives suprasegmentales Merkmal auf Wortebene
b. Terminus ‚Knick‘: von untersuchten L1-Sprechern unabhängig voneinander verwen-
det, beschreibt bildhaft (und vortheoretisch) die phonetischen Eigenschaften
c. Notation (setzt keine bestimmte phonologische Interpretation voraus): übergesetzter
Zirkumflex (ˆ)
3.1 Beispiele
(12) Buten vör de lüürlüttje Stadt weer en olen, wildwussen Goorn. In den Goorn
stünn en ool Huus, un in dütt Huus hett Pippi Langstrump in wahnt. Se hett dor
ganz alleen wahnt, un negen Johr weer se oolt. Harr keen Mudder nich un kenen
Vadder […] Mudder weer dootbleven, do leeg Pippi noch in de Weeg un blarr so
luuthals, dat dat keeneen bi ehr utholen dee.
‚Draußen vor der klitzekleinen Stadt war ein alter, verwilderter Garten. In dem
Garten stand ein altes Haus, und in diesem Haus hat Pippi Langstrumpf (drin)
gewohnt. Sie hat dort ganz alleine gewohnt, und neun Jahre war sie alt. Hatte kei-
ne Mutter nicht und keinen Vater […] Mutter war gestorben, da lag Pippi noch in
der Wiege und schrie so laut, das es niemand bei ihr aushalten tat.‘
(13) ohne Knick mit Knick
wiet $weit‘ Wied $%Weide (bot.)‘
Tüüg &' ‚Zeug‘ Tüüg (' ‚Zeuge‘
Huus  ‚Haus‘ Fluus )* ‚Fluse‘
reet  ‚(ich) riss Reed + ‚Rede‘
laat  ‚spät‘ Laad , ‚Lade‘
Barg -' ‚Berg‘ barg -.' ‚(ich) berge
Moot /! ‚Mut‘ Mood /0! ‚Mode‘
Fööt 12! ‚Füße‘ mööd 20! ‚müde‘
al  ‚schon all . ‚alle‘
4
(14) finn 13 ‚(ich) finde n nen 13
0‚finden
3.2 Geographische Einordnung
Knick tritt im größten Teil des Nordniederdeutschen und Mecklenburgisch-Vorpommer-
schen auf (nicht im Oldenburger Münsterland, zum Teil fakultativ im Ostfriesischen, …).
(Karte: Wiesinger 1983, Karte 47.4 [Ausschnitt])
3.3 Segmentale Phoneme
Darstellung nach Höder (2010) (leicht modifiziert); gültig für die Region um Hamburg
a. Konsonanten:
labial alveolar palatal velar glottal
Plosive 4 -  
Frikative 1 $  5 6 7 '
Nasale   8
Lateral
Vibrant
5
b. Monophthonge:
vorn,
ungerundet
vorn,
gerundet
hinten
geschlossen & 
abgesenkt 3 9 :
halbgeschlossen   
halboffen / ; 2<2
offen < =
c. Diphthonge: /!/3!2 ! ! >!
d. qualitative Organisation des Vokalsystems: 14 phonemische Vokalqualitäten (mit 5
distinktiven Öffnungsgraden) + 5 Diphthonge
(15) mnd. bîten ‚beißen > nnd. bieten -
sitten ‚sitzen > sitten 53
(16) mnd. lêf ‚lieb > nnd. leev /3!1
leven ‚leben > leven -
leggen ‚legen‘ > leggen /8
e. sekundäre Vokalquantität (durch r-Vokalisierung)
(17) älter hart  ‚hart‘ > nnd. 
Borg -2' ‚Burg‘ > -2'
f. allophonische Vokallänge betonter ehemaliger Langvokale in bestimmten Kontexten
(18) vor stimmhaften Konsonanten
rieden  #‚reitenrieten  #‚reißen
Laden#‚Ladenlaten #‚lassen
(19) wortfinal
mi ‚mich, mir‘ Schü6&6&‚Soße‘
(20) bei Vokalknick
laat  ‚spät‘ Laad ,, ‚Lade‘
3.4 Phonetische Eigenschaften
a. Knick ist phonetisch komplex; mehrere Faktoren beteiligt
b. Vokale/Nasale mit Knick sind tendenziell länger, haben einen komplexen Tonhöhen-
verlauf und (möglicherweise) ein Decrescendo
6
c. Tonhöhenverläufe und Dauer (Beispiele):
wiet $weit‘, Wied $%Weide (bot.)‘ laat ‚spät‘, Laad , ‚Lade‘
kaam ‚komm!, ,‚komme‘ Barg-' ‚Berg‘, barg-.' ‚berge‘
3.5 Phonologischer Forschungsstand
Unterschiedliche phonologische Interpretationen:
a. Länge vs. Tonhöhenverlauf als distinktives Merkmal
b. quantitativ vs. qualitativ organisiertes Vokalsystem
Ansatz distinktiv Termini Literatur
Schleifton Vokalquantität
(binär) &
Tonalität
‚Stoß-/Schleifton,
Ton 1/2‘, ‚Akzent 1/2‘
($ vs. ?$
$ vs. $
Bremer 1927; Jakobson
1962 [1931]; Ternes
2001, 2006b; Prehn 2007
Überlänge Vokalquantität
(ternär)
‚lang/überlang‘,
‚zwei-/dreimorig‘
($$@$
von Essen 1958, 1964;
Ternes 1981; Auer 1991;
Chapman 1993; Prehn
2011
binäre Länge Vokalqualität &
markierte
Länge
‚unspezifisch/lang‘
($$@$
Kohler 1986, 2001
Ton Vokalqualität &
Tonalität
‚Prosodem 1/2‘,
‚ohne/mit Knick
Höder 2010, i. Vorb.
7
c. nur Vokalknick vs. Vokal- und Nasalknick (letzteres bei von Essen 1958; Prehn 2010;
Höder 2010, i. Vorb.)
3.6 Genese
a. in/um Hamburg spätestens im 17. Jh. abgeschlossen (Belege bereits zu spätmnd. Zeit;
Lasch 1918: 23f.), vermutlich wesentlich älter, besonders in ländlichen Regionen nörd-
lich und östlich von Hamburg
b. Reduktion von nachtonigen Silben, wobei Tonhöhenverlauf und Länge des ursprüng-
lich mehrsilbigen wortfinalen Fußes beibehalten werden
c. durchgehende Apokope von stammfinalem A und Apokope/Synkope von flexivi-
schem AA (außer in der Adjektivflexion, hier: A > A3)
d. nach Langvokal und stimmhaftem Konsonanten oder nach stammfinalem Langvo-
kal -BVokalknick
(21) Apokope &Vokalknick Auslautverhärtung distinktive Vokalqualität
mnd. rîde > /% > % > nnd. ried % ‚(ich) reite‘
rîte >  > riet  ‚(ich) reiße‘
sitte > 5 > sitt 53 ‚(ich) sitze
(22) Apokope & Vokalknick
mnd. meie > nnd. meih >
0! ‚(ich) mähe‘
mei > Mai >! ‚Mai‘
(23) Synkope & Vokalknick distinktive Vokalqualität
mnd. levet > /0C > nnd. leevt +C ‚(wir) leben
left > /C >leevt C ‚(er) lebt‘
e. durchgehende Synkope von AA vor A bewirkt Knick auf vorangehendem Vokal/
Nasal & Nasalassimilation
(24) Synkope & Vokalknick
mnd. meien > nnd. meihen >
0!mähen
vallen >fallen 1. ‚fallen‘
(25) Synkope & Nasalknick & Nasalassimilation
mnd. sinnen > nnd.sinnen 53
0 ‚sinnen
singen >singen 538
0 ‚singen
f. synchrone Produktivität: phonologische Integration von Lehnwörtern
8
(26) frz. garage > hd. Garage > nd. Garaasch #,6
Maschine > Maschien #6%
Phonologe >Phonoloog 1::#/0!'
g. Sonderentwicklungen (Beispiel)
(27) mnd. AD > nnd. AD
E
pêrde >Peer 4+ ‚Pferde‘
$ > Wöör $0rter‘
3.7 Distribution
a. Skopus: phonologisches Wort; Träger: Segment
b. Beschränkung 1 (Silbentyp): akzentuierte wortfinale Silben, auch in Komposita und
phonologischen Komposita (‚Pseudokomposita, mehrfüßige phonologische Wörter)
(28) Wied $%Weide‘
bewies -3#$% ‚(ich) beweise‘
Kledaasch 3#,6 ‚Kleidung‘
(29) Ünnerelv #9/01Unterelbe‘
Schuuvlaad /#61, ‚Schublade‘
arbeid #->
0! ‚(ich) arbeite‘ – Arbeit #-> ! ‚Arbeit‘
Harbarg #-.' ‚Herberge‘
c. Beschränkung 2 (segmentaler Kontext): drei Möglichkeiten:
(30) lange Monophthonge
oder ehemalige Langvokale vor Frikativ,  Nasal oder wortfinal
oder Diphthonge
(31) Vokal vor tautosyllabischem  oder 
(32) wortfinale Nasale
d. Position innerhalb der Silbe distinktiv (Vokal/postvokalischer Nasal)
(33) mien  ‚mein
Mien % ‚Mine‘
Minen 
0 ‚Minen
(34) kaam  ‚komm!
kaam , ‚(ich) komme‘
kamen 
0 ‚kommen
9
3.8 Morphologische Funktion
a. Knick in Derivativen
(35) A6 ‚-isch
vigeliensch $ F
#%6 ‚kompliziert‘
japaansch 7#4,6 ‚japanisch
b. Knick in Flexiven
(36) Knick + Vokalwechsel
Dag 'Tag‘ – Daag ,'Tage
Weg $/'Weg‘ – Weeg $+'Wege‘
Rad  ‚Rad‘ – Rööd 0 ‚Räder‘
(37) Nasalknick
Kann  ‚Kanne‘ – Kannen 
0 ‚Kannen
c. Verbklassen mit/ohne flexivischen Vokalknick (fragen ‚fragen‘ vs. snacken ‚sprechen‘)
ohne Knick mit Knick
Präsens Präteritum Präsens Präteritum
1. Sg. snack  snack  fraag 1,' fraag 1'
2. Sg. snackst  snackst  fraagst 1' fraagst 1'
3. Sg. snackt  snack  fraagt 1' fraag 1'
Pl. snackt  snacken 8 fraagt 1,' fragen 18
4 Arealität?
4.1 Niederdeutsch als Kontaktsprache
a. Niederdeutsch seit jeher im engen Kontakt mit westgermanischen (Hochdeutsch, Nie-
derländisch, Friesisch), nordgermanischen (Festlandskandinavisch, insbesondere-
nisch) und slawischen Sprachen (Polabisch, Pomoranisch, Kaschubisch, Polnisch, Rus-
sisch)
b. Schleswig-Holstein bis heute vier- bis sechssprachig (traditionell: Niederdeutsch,
Nordfriesisch, Südjütisch, Romanes; modern außerdem: Standarddeutsch, Standard-
dänisch)
c. Ostseeraum: bereits prähistorische Handelskontakte und Migration im gesamten Ost-
seeraum; strukturell: auffallende areale Züge in den Ostseeanrainersprachen (aus un-
terschiedlichen Sprachfamilien): ‚Circum-Baltic linguistic area‘ (Koptjevskaja-Tamm &
Wälchli 2001), phonologische Eigenschaften (Eliasson 2000)
10
d. Skandinavien: bedeutender Sprachkontakt zwischen Mnd. und Festlandskandinavisch
im Spätmittelalter; hansischer Handel und starke Migration aus Norddeutschland in
die skandinavischen Städte; weitreichende soziale Zweisprachigkeit; strukturell: mas-
siver Sprachwandel im Festlandskandinavischen, vor allem in den Stadtsprachen (Ein-
fluss auf die Entwicklung der Standardsprachen), in Morphologie, Syntax und Lexikon
(vgl. Braunmüller 2004); außerdem konvergente Entwicklungen in der Phonologie
(z. B. Monophthongierung alter Diphthonge)
e. Kimbrische Halbinsel: direkte Sprachgrenze zwischen Niederdeutsch und Dänisch
4.2 Vergleich: Tonalität im Skandinavischen/Niederdeutschen
a. bei tonaler Interpretation: synchron phonetisch verschiedene, aber funktional ähnli-
che Systeme
Kontrast Träger Skopus
nd. Knick Tonhöhenverlauf & Dauer Segment
(wortfinale Silbe)
Wort
dän. Stoßton Phonation Segment Wort
norw./schw. Tonakzent Tonhöhenverlauf nachtonige Silben Wort
b. aber diachroner Zusammenhang im Skandinavischen: dän. Stoßton hat sich (etwa
im 12. Jh.; Riad 2002: 907) aus einem tonalen System wie im Norw./Schw. entwickelt
(Riad 2005, 2006); bis heute typischerweise gleiche Distribution von Akzent 2 und
Stoßton
(38) mehrsilbig 
voranord. *koma ‚kommen > schw. komma 
> norw. komme  (Bokmål)
> dän. komme 
(39) einsilbig > mehrsilbig
voranord. *komʀ ‚kommt‘ > schw. kommer kom
> norw. kommer  (Bokmål)
> dän. kommer 
c. abweichende tonale Systeme in festlandskandinavischen Dialekten:
d. schwedische Dialekte mit Phonationskontrast (Eskilstuna; Riad 2009)
e. dänische Dialekte (im Inseldänischen)/Umgangssprache mit fakultativer Apokope, re-
flektiert durch vokalische oder konsonantische Länge:
11
(40) dän. komme G2 ‚kommen
gade " /"HI ‚Straße‘
f. norwegische/schwedische Dialekte mit Apokope, reflektiert durch Tonakzent auch auf
Einsilblern (etwa in Trøndelag):
(41) lån  ‚Darlehen‘ – låne  ‚leihen
g. südjütische Dialekte ohne Stoßton, aber mit Apokope und Tonakzent auf einsilbigen
Stämmen – ein missing link?
5 Südjütischer Tonakzent
5.1 Geographische Einordnung
Tonakzent tritt vor allem im östlichen Südjütischen auf, einschließlich der heute ausge-
storbenen südschleswigschen Dialekte auf inzwischen deutschem Gebiet (Andersen
1897, Bjerrum 1948, Ringgaard 1971, Ejskjær 2005).
(Karte: dialekt.dk)
5.2 Beispiele
(42) Det var jo om bagning i gamle dage, jeg ville fortælle lidt. Og det var … det var jo
en bægt rug, der blevet vejet, på en 80 til 100 pund, der blev bagt hver gang, så-
dan … af det kvantum. Og det blev malet oppe på den gamle mølle. Og så blev
det dagen før det skulle bages, blev det jo syret. Dejen blev æltet, og der kom en
syring i. Det var en syring, der var opbevaret fra sidste gang, der var blevet bagt.
Den havde stået i kælderen og været pakket ind og var jo selvfølgelig passende til
12
Ostjütisch
Südjütisch
Westjütisch
Inseldänisch
at syre med. Og så blev det … særlig på vinterdage da blev det forfærdelig godt til-
dækket da … det måtte ikke fryse jo! Og så dagen efter så skulle der jo fyres i ov-
nen. Den havde for det meste (fået) lagt noget i om aftenen, for så var det jo nem-
mere at tænde op om morgenen.
(Quelle: dialekt.dk, männlicher Sprecher, Varnæs, östliches Südjütland, *1892;
Aufnahme 1974)
(43) fortæl 1/ ‚erzählen
punj 4J ‚Pfunde‘
møll’  ‚Mühle‘
sist’  ‚(das) letzte
syr’ & ‚säuern
dav !Tag‘ – dav’ !Tage‘
frys’ 1& ‚frieren
fyr’s 1& ‚geheizt werden
mest’  ‚(das) meiste‘
lys & ‚Licht‘ – lys & ‚leuchten
hus  ‚Haus‘ – hus  ‚Häuser‘
5.3 Phonologische Eigenschaften
Kontrast Träger Skopus
sjüt. Tonakzent Tonhöhenverlauf wortfinale Silbe Wort
5.4 Genese
a. Zeit: gleichzeitig mit dem niederdeutschen Knick oder etwas früher (älteste Belege in
spätmittelalterlichen jütischen Rechtstexten; vgl. Skautrup 1944: 227)
b. Reduktion von nachtonigen Silben und durchgehende Apokope von wortfinalem
A (im gesamten Jütischen; Zusammenhang mit der mnd. Apokope bereits bei Brøn-
dum-Nielsen 1927: 75 angenommen)
c. Tonhöhenverlauf des ursprünglich mehrsilbigen wortfinalen Fußes wird beibehalten:
(44) mehrsilbig > einsilbig
aonord. *lýsa ‚leuchten‘ > adän. lysæ > sjüt. lys &
(45) einsilbig
aonord. *lýs ‚Licht‘ > adän. lys > sjüt. lys &
d. also strukturelle Parallele zur Genese des niederdeutschen (Vokal-)Knicks
13
e. übliche Interpretation: Relikt des voraltnordischen tonalen Systems (entsprechend
Notation mit hochgestellten Ziffern); die moderne skandinavische Tonalität reflektiert
(größtenteils) lautgesetzlich die voraltnordische silbische Struktur:
voraltnordisch schwedisch dänisch südjütisch
  
 



5.5 Zweisprachigkeit
a. Herzogtum Schleswig: deutsche Herzogtümer Schleswig und Holstein als Teil des dä-
nischen Gesamtstaats (bis 1864)
b. Zweisprachigkeit in ganz Schleswig vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert (Nieder-
deutsch-Südjütisch) bzw. bis heute (dänische bzw. deutsche Minderheit auf beiden Sei-
ten der Grenze (Fredsted 2003, 2009)
c. strukturell: massiver wechselseitiger Einfluss im Lexikon, Morphologie und teilweise
Syntax
d. konvergente Entwicklungen in der Phonologie (im Südjütischen nur im auch nieder-
deutschsprachigen Gebiet), zum Beispiel:
(46) Diphthongierung alter halbgeschlossener Langvokale:
mnd. hêl > nnd.heel /3! ‚ganz‘
grône  gröön 2!grün
rôt  root /! ‚rot‘
sjüt. hel  > sjüt.  ! ‚ganz‘
løf 1  !1laufen
skol  ! ‚Schule‘
(47) positionsabhängige Alternationen -<$ ~ 1 und <K~ '
nnd. schrieven 6- ‚schreiben‘ – schriev 6%1 ‚(ich) schreibe‘
fragen 18 ‚fragen‘ – fraag 1,' ‚(ich) frage
sjüt. køve $ ‚(er) kauft‘ – køf 1kaufen
søge  ‚(er) sucht‘ – søch ' ‚suchen
14
6 Konklusion
a. In jedem Fall besteht ein arealer Zusammenhang zwischen der skandinavischen und
der niederdeutschen Tonalität.
b. Das südjütische System wird aus skandinavischer Perspektive schlüssig als Tonakzent
beschrieben, ähnelt in Genese und phonologischer Struktur aber stark dem nieder-
deutschen.
c. Das niederdeutsche System ist auf den Norden des Niederdeutschen beschränkt und
wohl auch im Norden entstanden.
d. Das südjütische System ist (in seiner jetzigen Form) zeitgleich mit oder vor dem nie-
derdeutschen entstanden, in einem stark von südjütisch-niederdeutscher Zweispra-
chigkeit geprägten Gebiet.
e. Ein kontaktlinguistischer Zusammenhang liegt nahe.
f. Das bedeutet nicht, dass Tonalität im Südjütischen oder Niederdeutschen auf eine kon-
taktbedingte Entwicklung zurückgehen muss.
g. Wahrscheinlicher ist eine kontaktforcierte Entwicklung, bei der in einer stabil zwei-
sprachigen Gruppe aufgrund ähnlicher Strukturen dieselbe Veränderung in denselben
Kontexten in beiden Sprachen wirkt.
h. Sinnvolle Interpretation im Rahmen eines Modells, das Mehrsprachigkeit als glo-
bal-historischen Normalfall in den Mittelpunkt stellt: Mehrsprachige mit stabil mehr-
sprachiger Kommunikationspraxis trennen nicht stärker zwischen ihren Sprachen als
strukturell nötig (vgl. ‚Diasystematische Konstruktionsgrammatik‘, Höder i. Dr.).
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Language contact phenomena are often described with reference to their effect on the monolingual systems of the varieties involved, both in historical and in contact linguistics. This contribution argues that an essentially multilingual perspective on these phenomena is more adequate. Bilingual speakers in stable bilingual groups create a common system for all their languages, incorporating both interlingual links and language -unspecified elements along with language-specific structures. In a construction grammar analysis, such systems as well as changes within this type of system can be conceptualised as interlingual constructional networks, which are established, stored, and processed in exactly the same way as monolingual grammars.
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Recent studies in typology and historical linguistics have yielded new insights into the geographical distribution and diffusion of linguistic phenomena. Within Europe, several linguistic areas of different types and sizes have been proposed and discussed, including a European area (Standard Average European, henceforth SAE). Such claims are largely based on the grammars of the respective standard languages. In this contribution, I argue that we need (a) to focus also on intralingual variation in order to fully understand both the synchronic facts and the diachronic processes behind the formation of linguistic areas, and (b) to systematically include non-standard dialects or varieties in areal linguistic studies in order to gain a more representative empirical basis. Moreover, we have to take (c) dialect convergence across language boundaries into account, which I consider to be an important contact linguistic process in the emergence of areal phenomena. This view is supported by three case studies on areal phenomena in Northern European languages and dialects, investigating non-standard verbal constructions, dialectal phonological features, and medium-specific syntactic traits.
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This contribution claims that Modern Low German (as represented by North Low German dialects) is a rather prototypical word language according to the model provided by Auer (2001) and others. The interaction between syllable structure, stress, and phonemic alternations in different contexts is better explained as a consequence of word-related as opposed to syllable-related rules and restrictions. Apart from the relatively high complexity of possible consonant clusters at word boundaries, this view is supported by (a) the stress sensitivity of vocalic and consonantal syllable nuclei, including a highly differentiated vowel system, (b) word-level phonological processes such as word-medial obstruent voicing, and (c) the existence of a word-level suprasegmental phenomenon similar to a pitch accent. On the whole, Low German is even closer to the word language pole of the continuum between word and syllable languages than Standard German. The findings are also relevant in a wider perspective. First, it is of general importance to include dialectal or non-standard varieties in cross-linguistic typological studies and theoretical models. Second, some of the features found in Low German are also found in other non-standard varieties of (Northern) Germany as well as in neighboring languages, such as Danish (including South Jutlandic) and other Scandinavian and Circum-Baltic languages, which suggests an areal or contact-induced relation.