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Management von spontanen Fehlgeburten im ersten Trimenon: Zuwartendes Verhalten versus Abortk

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Geburtshilfe / Frauen-Heilkunde / Strahlen-Heilkunde / Forschung / Konsequenzen
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Schneeberger S, Schwärzler P
Management von spontanen Fehlgeburten im ersten
Trimenon: Zuwartendes Verhalten versus
Abortkürettage - neue Kriterien zur
Patientenselektion
Speculum - Zeitschrift für Gynäkologie und Geburtshilfe 2001; 19 (2)
(Ausgabe für Schweiz), 8-8
Speculum - Zeitschrift für Gynäkologie und Geburtshilfe 2001; 19 (2)
(Ausgabe für Österreich), 8-13
Manual der chirurgischen Krebstherapie
HG: Österr. Gesellschaft für Chirurgische
Onkologie
1. Auflage 2011; ISBN 978-3-901299-60-5; 356
Seiten, brosch., Format A4; EUR 95,-
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19. Jahrgang, 2/2001
Management von sponta-
nen Fehlgeburten im ersten
Trimenon: Zuwartendes
Verhalten versus Abort-
kürettage – Neue Kriterien
zur Patientenselektion
S. Schneeberger, P. Schwärzler
B
lutungen stellen eine der häufig-
sten Schwangerschaftskomplika-
tionen im 1. Trimenon dar. Sono-
graphisch kann es sich hierbei in
etwa 50 % der Fälle um eine in-
takte intrauterine Gravidität handeln. In
ca. 20–25 % der Fälle handelt es sich um
ein Windei und in weiteren 25–30 % um
eine sog. „Missed abortion”. In 1–3 % der
Fälle kann eine extrauterine Gravidität vor-
liegen und in 1–3 % eine Blasenmole. Bis
zu 20 % aller klinisch registrierten Schwan-
gerschaften enden als spontane Fehlgebur-
ten im ersten Schwangerschaftstrimester
und seit mehr als 50 Jahren ist in den indu-
strialisierten Ländern die Abortkürettage
die Behandlung der Wahl.
In einer prospektiven Studie haben wir
die klinischen, sonographischen und bio-
chemischen Ergebnisse für 108 Schwan-
gerschaften von weniger als 12 Wochen nach
entweder abwartendem Vorgehen von ma-
ximal 28 Tagen (n = 85) oder Abortküret-
tage (n = 37) verglichen. Bei allen Patien-
tinnen waren vaginosonographisch Zei-
chen einer avitalen Fruchtanlage (intraute-
riner Fruchttod oder Windei) festgestellt
worden. In der Gruppe mit abwartendem
Vorgehen zeigten nach 7 Tagen 54 %, nach
14 Tagen 74 %, nach 21 Tagen 81 % und
nach 28 Tagen 84 % aller Patientinnen ein
leeres Uteruscavum und einen Serum-β-
HCG-Spiegel < 20 IU als Zeichen einer
kompletten spontanen Fehlgeburt. Farb-
dopplersonographische Messungen zeigten
darüber hinaus, daß bei 37 von 46 Patien-
tinnen (= 80 %) mit nachweisbarem pulsa-
tilem Blutfluß in der Plazenta eine sponta-
ne, komplette Fehlgeburt innerhalb von 7
Tagen auftrat. Bei 9 Patientinnen (= 12 %)
in der Gruppe mit abwartendem Vorgehen
traten Komplikationen auf, bei der Gruppe
mit Abortkürettage waren bei 4 Patientin-
nen (= 12 %) Komplikationen zu verzeich-
nen. Die Anzahl der Tage mit vaginaler Blu-
tung war in der Gruppe mit abwartendem
Vorgehen im Mittel um 2,3 Tage verlängert
(p < 0,02). Im Hinblick auf die Anzahl der
Tage mit Schmerzen, den Hb-Abfall sowie
die Dauer der Rekonvaleszenz war kein sta-
tistisch signifikanter Unterschied zwischen
den beiden Gruppen zu verzeichnen.
Diese Studie zeigt, daß ein abwartendes
Vorgehen bei spontanen Fehlgeburten kein
erhöhtes Risiko gegenüber der Abortküret-
tage aufweist und deshalb eine therapeuti-
sche Alternative zur Behandlung von Schwan-
gerschaftskomplikationen im ersten Trime-
non darstellt.
Einleitung
Fehlgeburt im ersten Trimenon ist die häu-
figste Schwangerschaftskomplikation über-
haupt. Neuere Daten belegen, daß etwa
50 % aller befruchteten Eizellen nicht mit
der Geburt eines lebenden Kindes enden.
15 % der befruchteten Oozyten gehen auf
dem Weg zur Einnistung verloren, weitere
20–25 %, bevor die Schwangerschaft kli-
nisch erkannt wird [1]. Die Abortrate bei
klinischen Schwangerschaften (i.e. Amenor-
rhoe > 28 Tage und pos. Schwangerschafts-
test) beträgt aber immer noch 12–19 % [2],
das heißt jede 5.–6. Frühschwangerschaft
endet in einer Fehlgeburt. Diagnose und
Behandlung dieser gestörten Schwanger-
schaften sind deshalb im klinischen Alltag
von großer Bedeutung. Eine Untersuchung
zur Auslastung der Operationsräume in
Großbritannien zeigt, daß Abortküretta-
gen für ca. 75 % aller operativen Eingriffe,
die in „out of office time”, d. h. zwischen
18.00 Uhr abends und 7.00 Uhr früh durch-
geführt werden, verantwortlich sind [3].
Vor dem 20. Jahrhundert war über die
Abortrate in der Frühschwangerschaft we-
nig bekannt, wahrscheinlich auch deshalb,
weil Frühschwangerschaften schwer zu
diagnostizieren waren. Die allererste Be-
schreibung eines Schwangerschaftstests fin-
det sich jedoch schon in einer altägyp-
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19. Jahrgang, 2/2001
tischen Überlieferung (Kahoun No. 26): die
betreffende Frau mußte über eine Mi-
schung aus Weizen- und Gerstensamen uri-
nieren. Kam es zum Keimen eines der Sa-
menkörner, war die Frau schwanger. Keim-
te der Weizen, wurde ein Knabe vorausge-
sagt, keimte hingegen die Gerste, würde die
Frau einem Mädchen das Leben schenken
[4]. Über viele Jahrtausende stellte ein ab-
wartendes Vorgehen die einzige Behand-
lungsmöglichkeit bei Fehlgeburten im er-
sten Trimenon dar, und noch 1840 heißt es
in einem renommierten geburtshilflichen
Standardwerk [5]: ... If a women in the
earlier months is labouring under a flood-
ing, the less you actively interfere the
better.
Erste valide Daten ergeben sich aus einer
Analyse von 2287 Fehlgeburten, die in Bal-
timore zwischen 1896 und 1934 aufge-
zeichnet wurden. Die durchschnittliche
Schwangerschaftsdauer war 14 Wochen
vom Datum der letzten Menstruation ge-
rechnet, die Hälfte der Patientinnen hatte
ein Gestationsalter > 16 Wochen und die
Gruppe bestand nur aus Patientinnen mit
starker vaginaler Blutung und/oder Infek-
tionen, welche stationär behandelt wurden.
Dieses Kollektiv zeigte also eine Morbidi-
tätsrate von 100 %, sowie eine Mortalitäts-
rate von 1,7 %, hauptsächlich durch Infek-
tionen bedingt; in keinem Fall wurde ein
haemorrhagischer Schock als unmittelbare
Todesursache beschrieben [6]. Die Dunkel-
ziffer an artifiziellen Schwangerschaftsab-
brüchen (kriminelle oder illegale Aborte)
in dieser Gruppe ist unbekannt, aber im-
merhin 9 % dieser Frauen bekannten sich
dazu, einen solchen Eingriff hinter sich zu
haben.
Die Einführung der Curette 1843 durch
den französischen Gynäkologen Recamier
als geburtshilflich-operatives Instrument er-
laubte es erstmals, den Uterus von vaginal
her von Schwangerschaftsgewebe zu rei-
nigen. In einem Patientenkollektiv, wel-
ches mit der Diagnose Fehlgeburt sol-
chermaßen chirurgisch behandelt worden
war, wurde die Mortalitätsrate mit 0,26 %
beschrieben [7]. Im Vergleich zu früheren
Studien erschien dies sehr niedrig, die Au-
toren hatten jedoch den Eindruck, daß
etwa 90 % dieser Fehlgeburten in der Tat
artifizielle Schwangerschaftsabbrüche wa-
ren. Alle in dieser Untersuchung beschrie-
benen Todesfälle waren durch Infektionen
verursacht, allerdings standen zu dieser
Zeit noch keine Antibiotika für die Behand-
lung dieser Patienten zur Verfügung. Eine
Verlaufsstudie aus dem Jahre 1950 berich-
tete über 727 Fälle von inkompletten Fehl-
geburten, welche aktiv durch eine Küret-
tage behandelt wurden. Die durchschnittli-
che stationäre Aufenthaltsdauer betrug 4,8
Tage und die Mortalitätsrate wurde mit 0 %
angegeben [8]. Allerdings muß diese Zahl
im Lichte der neu eingeführten Antibiotika
gesehen werden: Penicillin wurde 1928 von
Flemming entdeckt und ab 1940 in die The-
rapie eingeführt. Nichtsdestotrotz wurde
die chirurgische Entleerung der Uterus-
höhle aufgrund dieser Daten als effektive
und manchmal auch lebensrettende Form
der Behandlung bei Patientinnen mit Sym-
ptomen einer unaufhaltsamen Fehlgeburt
angesehen, insbesondere wenn Maßnah-
men mit dem Ziel eines artifiziellen Schwan-
gerschaftsabbruches in der Anamnese nicht
auszuschließen waren. Dies führte zu einer
eindeutigen Empfehlung durch Hertig und
Livingstone im New England Journal of
Medicine: ... once abortion has become
inevitable, or is in process of taking place,
treatment becomes a matter of emptying
the uterus as quickly and safely as
possible [9]. In den letzten fünf Jahrzehn-
ten beruhte daher die Behandlung der frü-
hen Fehlgeburt im wesentlichen in der
möglichst raschen und kompletten chirur-
gischen Entleerung der Uterushöhle mit-
tels Abortkürettage.
Wir präsentieren hier Daten, die an einer
großen englischen Universitätsklinik erho-
ben wurden [10]. Ziel der Studie war es, bei
gestörten Frühschwangerschaften ein ab-
wartendes Vorgehen als Alternative zur Kü-
rettage zu untersuchen, andererseits sollte
festgestellt werden, ob durch den Einsatz
des Farbdopplerultraschalls jene Patientin-
nen selektioniert werden können, die sich
besonders für die abwartende Vorgehens-
weise eignen.
Patientinnen und Methode
In einer prospektiven Studie haben wir
die klinischen, sonographischen und bio-
chemischen Ergebnisse für 108 Schwan-
gerschaften von weniger als 12 Wochen
nach entweder abwartendem Vorgehen von
maximal 28 Tagen (n = 85) oder Abortküret-
tage (n = 37) verglichen. Bei allen Patien-
tinnen waren vaginosonographisch Zeichen
einer avitalen Fruchtanlage (intrauteriner
Fruchttod oder Windei) festgestellt wor-
den. Die geschätzte Schwangerschaftsdauer
10
19. Jahrgang, 2/2001
durfte die 12. Woche nicht überschreiten,
und der intrauterine Fruchtsack mußte ei-
nen Durchmesser von 1050 mm haben.
Den Patientinnen wurden zwei Behand-
lungsmöglichkeiten angeboten: Entweder
eine Kürettage oder ein konservatives, ab-
wartendes Vorgehen mit wöchentlichen Kon-
trollen. Studienziel war der Vergleich der
beiden Behandlungsstrategien im Hinblick
auf Effektivität und Komplikationsrate:
1. Wirksamkeit eines abwartenden Vorge-
hens: Zahl (%) der Patienten, bei denen
durch abwartendes Vorgehen über maxi-
mal 4 Wochen die Fehlgeburt spontan
und komplett abgeht.
2. Komplikationsrate des abwartenden Vor-
gehens im Vergleich zur Kürettage, i.e.
Vergleich der Blutungsdauer (Tage) und
-stärke (Hb-Abfall), Infektionshäufigkeit
und Notwendigkeit von operativen (Zweit-)
Eingriffen.
Am Tag der Rekrutierung wurde bei allen
Patientinnen eine
klinische Untersuchung mit Ultraschall-
untersuchung inklusive Farbdoppler-
Ultraschalluntersuchung durchgeführt,
Blutproben zur Bestimmung von BB,
Gerinnung und Hormonanalyse (i.e. β-
HCG und Progesteron im Serum) abge-
nommen,
Patienten, die Rh-negativ sind, bekamen
125 mg Anti-D Immunglobulin.
Bei Patientinnen, die sich für eine Küret-
tage entschieden hatten, wurde innerhalb
von 48 Stunden eine chirurgische Entlee-
rung der Uterushöhle mittels Kürettage in
Allgemeinnarkose durchgeführt. Zusätzlich
erfolgte eine Sonographiekontrolle vor Ent-
lassung und eine Nachkontrolle mit Ultra-
schall und klinischer Untersuchung 46
Wochen nach dem Eingriff.
Bei Patientinnen, die sich für ein abwar-
tendes Vorgehen entschieden hatten, wurde
zur Behandlung von möglichen Schmer-
zen Paracetamol 1 g in Kombination mit
Codein 60 mg verschrieben,
nach 57 Tagen wurde eine weitere Ul-
traschalluntersuchung inkl. Farbdoppler-
Ultraschall und eine Blutentnahme durch-
geführt; wenn dabei eine leere Uterus-
höhle festgestellt wurde, wurde nach 21
Tagen eine weitere Untersuchung durch-
geführt,
war nach 57 Tagen noch Abortmaterial
nachweisbar, wurde die Patientin nach den
gleichen Untersuchungsmethoden wie
oben überwacht. Die Patientinnen konn-
ten jederzeit eine Operation verlangen.
Wenn nach 4 Wochen noch Abortma-
terial zusammen mit klinischen Sym-
ptomen vorhanden war, wurde eine chir-
urgische Methode vorgeschlagen.
Ergebnisse
In der Gruppe mit abwartendem Vorge-
hen zeigten nach 7 Tagen 54 %, nach 14
Tagen 74 %, nach 21 Tagen 81 % und nach
28 Tagen 84 % aller Patientinnen ein leeres
Uteruscavum und einen Serum-β-HCG Spie-
gel < 20 IU als Zeichen einer kompletten
spontanen Fehlgeburt (Abb. 1, Tab. 1). Farb-
dopplersonographische Messungen zeigten
darüber hinaus, daß bei 37 von 46 Patien-
tinnen (= 80 %) mit nachweisbarem pulsa-
tilem Blutfluß in der Plazenta eine sponta-
ne, komplette Fehlgeburt innerhalb von 7
Tagen auftrat (Tab. 2).
Bei 9 Patientinnen (= 12 %) in der Grup-
pe mit abwartendem Vorgehen traten Kom-
Tabelle 1: Gestationsalter und US-Befunde
Gestations- Missed Windei** Total
alter abortion*
(SSW)
7 10/10 4/5 14/15
8 11/12 1/3 12/15
9 7/7 7/8 14/15
10 8/9 8/11 16/20
11 4/5 3/4 7/9
12 3/4 5/7 8/11
Total 42/47 29/38 71/85
(89 %) (79 %) (84 %)
* Gestationssack und fetaler Anteil > 4 mm, ohne
pos. Herzaktion; ** Leerer Gestationssack > 20 mm
1:
Abwartendes
Vorgehen Ergebnisse
11
19. Jahrgang, 2/2001
plikationen auf; in 5 Fällen (= 6 %) mußte
eine Notfallkürettage wegen starker vagi-
naler Blutung und/oder starken Schmer-
zen durchgeführt werden, in 3 Fällen (= 4 %)
trat eine Blutungsanämie (= Hb < 10 g/dl)
und in einem Fall eine Infektion auf. Bei
der Gruppe mit Abortkürettage waren bei 4
Patientinnen (= 12 %) Komplikationen zu
verzeichnen; in 2 Fällen (= 6 %) mußte
eine Re-Kürettage wegen Trophoblastresi-
dua durchgeführt werden, in 1 Fall (= 2 %)
trat eine Infektion und in 1 Fall (= 2 %)
eine postoperative Blutungsanämie auf. Die
Anzahl der Tage mit vaginaler Blutung war
in der Gruppe mit abwartendem Vorgehen
im Mittel um 2,3 Tage verlängert (p < 0,02).
Im Hinblick auf die Anzahl der Tage mit
Schmerzen, den Hb-Abfall sowie die Dauer
der Rekonvaleszenz war kein statistisch si-
gnifikanter Unterschied zwischen den bei-
den Gruppen zu verzeichnen.
Diskussion
Bis zu 20 % der registrierten Schwanger-
schaften enden im ersten Trimenon als Fehl-
geburt. Die chirurgische Ausräumung des
Uterus ist noch immer der Eckpfeiler der
Behandlung eines Abortes in der westli-
chen Welt. Vorliegende Daten zeigen aber,
daß dieser Eingriff mit einer nicht zu ver-
nachlässigenden Morbiditätsrate und dar-
über hinaus auch mit einer kleinen, aber
reellen Mortalitätsrate einhergeht. Infekti-
on, sekundäre Infertilität, Dyspareunie und
chronische Unterbauchschmerzen wurden
als direkte Folge nach legalen Schwanger-
schaftsabbrüchen beschrieben [11]. Bei 111
Patientinnen, die mittels Abortkürettage
behandelt wurden, hat Farrel eine Kompli-
kationsrate von 9 % beobachtet, wobei die
Hälfte dieser Komplikationen unmittelbar
durch den chirurgischen Eingriff bedingt
war [12]. Hinshaw fand entzündliche Ver-
änderungen im Unterbauch nach Abort-
kürettage bei 13,2 % der Patientinnen, aber
nur bei 7,1 % nach medikamentöser Abort-
induktion (p < 0,001) [13]. Eine Behand-
lung mittels Abortkürettage ist aber auch
mit seltenen, aber schweren Komplikatio-
nen wie Uterusperforation, Darmverlet-
zung und Narkosezwischenfällen assozi-
iert: Nach legalen Schwangerschaftsabbrü-
chen mittels Kürettage wurde eine Inzi-
denz von schweren Komplikationen von
2,1 % und eine Mortalität von 0,5 auf
100.000 gefunden [14].
Neben einem medikamentösen Vorgehen
wurde in jüngster Zeit auch gänzlich passi-
ves, abwartendes Vorgehen bei einer spon-
tanen Fehlgeburt im ersten Trimenon vor-
geschlagen [15, 16]. Nielsen und Hahlin
präsentierten Daten einer kontrollierten
Studie, in welcher ein chirurgisches Vorge-
hen mit einer konservativen, abwartenden
Haltung bei einer Schwangerschaftsdauer
von weniger als 13 Wochen verglichen wur-
den. Am 14. Tag der Studie zeigten sich kei-
ne signifikanten Unterschiede im Hinblick
auf Komplikationen (i. e. Infektionen, Blu-
tungen, Dauer der Rekonvaleszenz oder
seelische Störungen). Bei den 103 Patien-
tinnen, die konservativ behandelt wurden,
ging innerhalb von 3 Tagen das Schwan-
gerschaftsgewebe in 81 Fällen spontan ab,
während 22 Frauen eine Kürettage benö-
tigten, da nach 3 Tagen noch immer Abort-
gewebe nachweisbar war [17]. Diese Ergeb-
nisse zeigen, daß bei einer großen Anzahl
von Patientinnen auf eine Kürettage ver-
zichtet werden kann, ohne daß dadurch
größere Risiken für die Frauen entstehen.
Die zwei Hauptkritikpunkte an dieser Stu-
die waren: 1. Als Einschlußkriterium galt
neben einem positiven Schwangerschafts-
test lediglich ein zwischen 15 und 50 mm di-
latiertes Cavum uteri; möglicherweise wurde
hier eine Anzahl bereits kompletter Aborte
inkludiert. 2. Die Wartezeit von 3 Tagen
wurde willkürlich gesetzt, und man weiß
nicht, ob eine längere Wartezeit zu mehr
Erfolg führen würde, ob Patientinnen über-
haupt eine längere Wartezeit tolerieren
würden, um damit
eine Operation ver-
hindern zu können.
In unserer Unter-
suchung wurden des-
halb nur Frauen mit
einer echten missed
abortion (i. e. sono
-
graphisch nachweis-
barer intrauteriner
Fruchtsack von min-
Tabelle 2: Pulsatiler Fluß und Auftreten einer kompletten Fehlgeburt inner-
halb von 7 Tagen
Diagnose sichtbarer pulsatiler Fluß
Positiv negativ Total
Missed abortion* 28/30 (93 %) 3/17 (18 %) 31/47 (66 %)
Windei** 9/16 (56 %) 6/22 (35 %) 15/38 (39 %)
Total 37/46 (80 %) 9/39 (23 %) 46/85 (54 %)
* Gestationssack und fetaler Anteil > 4 mm, ohne pos. Herzaktion;
** Leerer Gestationssack > 20 mm
12
19. Jahrgang, 2/2001
destens 10 mm) aufgenommen. Nach unse-
ren Ergebnissen haben diese Frauen eine
80 %ige Wahrscheinlichkeit, innerhalb von
28 Tagen die Fehlgeburt komplett auszu-
stoßen. Ein abwartendes Vorgehen kann
somit für Patientinnen ohne Zeichen der
Kreislaufinstabilität oder Infektionszeichen
eine vorteilhafte Alternative darstellen. Mit
diesem Vorgehen sind weniger Komplika-
tionen wie Uterusperforation, intrauterine
Infektionen und intrauterine Synechien zu
erwarten.
Weiters war der Nachweis von pulsatilem
Blutfluß im intervillösen Raum prädiktiv
für eine komplette spontane Ausstoßung
innerhalb einer Woche; dies könnte des-
halb verwendet werden, um jene Gruppe
von Patientinnen zu definieren, die sich am
besten für diese Art der Behandlung eignet.
Diese Ergebnisse zeigen, daß es möglich
ist, die Resultate der konservativen Metho-
de vorauszusehen, und daß die Wahrschein-
lichkeit für einen Erfolg eng mit der lnte-
grität des Trophoblasten verknüpft ist. Die
plazentare Blutzirkulation in den ersten 12
Schwangerschaftswochen zeigt einige Be-
sonderheiten: Im ersten Trimenon sind die
Spiralarterien durch Trophoblastpfropfen
klappenförmig verschlossen [18]. Während
der Organogenese braucht der menschliche
Konzeptus ein hypoxämisches Umfeld, das
den sich entwickelnden Embryo vor den
schädlichen Einflüssen hoher O2-Spiegel
mit hohen Konzentrationen an freien Radi-
kalen schützt. In perfundierten Hysterek-
tomiepräparaten erscheint der intervillöse
Raum avaskulär [19]. Der wachsende Em-
bryo ist in den ersten zwölf SSW durch ei-
nen Trophoblastwall von der maternalen
Zirkulation abgeschirmt. In der Plazenta
von gestörten Schwangerschaften findet
sich ein gegenüber normalen Schwanger-
schaften erhöhter Blutfluß. Es kommt zur
Dislokation des Trophoblastschildes und
steigender Infiltration mütterlichen Blu-
tes. Die Auflösung des materno-embryona-
len Schutzwalles ist vermutlich der auslö-
sende Mechanismus, der zur Fehlgeburt
führt [20]. Farbdopplersonographisch zei-
gen sich somit Kriterien, die benutzt wer-
den können, um jene Patientinnen zu defi-
nieren, die besonders von einem abwar-
tenden Vorgehen profitieren: bei intakter
Plazenta-Architektur ohne sichtbaren puls-
atilen Blutfluß (Abb. 2a) ist die Wahrschein-
lichkeit eines Spontanabganges deutlich ge-
ringer (ca. 20 %), verglichen mit Patientin-
nen, bei denen sich eine dysintegrierte
Plazentastruktur mit pulsatilem Fluß findet
(Abb. 2b). Hier ist die Wahrscheinlichkeit
über 80 %, daß das Schwangerschaftsge-
webe innerhalb einer Woche komplett aus-
gestoßen wird.
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S. Schneeberger
Geboren 1973 in Innsbruck. Von 1993 bis 1999 Medizinstudium an der Universität Innsbruck,
seit 03/2000 Dissertation an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde zum Thema: Abwar-
tendes Vorgehen bei spontanen Fehlgeburten ein randomisierter Vergleich zwischen Abort-
kürettage und konservativem Management.
Korrespondenzadresse:
A. Univ.-Prof. Dr. Peter Schwärzler
Universitätsklinik für Frauenheilkunde Innsbruck
A-6020 Innsbruck, Anichstraße 35
E-Mail: peter.schwarzler@uibk.ac.at
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Article
Resistance index (RI) and pulsatility index (PI) in the uterine and spiral arteries, uterine artery peak systolic velocity and intervillous blood flow were recorded by transvaginal colour Doppler imaging in 30 missed abortions and 30 normal pregnancies matched for menstrual age. Pathological examination was performed in both groups within 24 h of Doppler investigation. The mean uterine PI was significantly (P< 0.01) higher in missed abortions compared to normal controls, whereas the mean uterine RI and peak systolic velocity and spiral RI and PI did not differ. A continuous intervillous flow was found in 16 out of 23 (69.6%) of the complicated pregnancies before 12 weeks of gestation whereas it was not found in controls. In the missed abortion cases, the trophoblastic shell was fragmented or absent in 53% and trophoblastic infiltration and physiological changes in the spiral arteries were reduced or absent in 43 and 63%, respectively. These findings were not related to normal or abnormal Doppler indices. Extended dislocation of the trophoblastic shell and a massive infiltration of the intervillous space and placental bed by maternal blood was also found in cases presenting with a continuous intervillous blood flow before 12 weeks of gestation. These findings suggest that abnormal flow velocity waveforms in early pregnancies complicated by embryonic death are related to deficient placentation and dislocation of the trophoblastic shell that follows embryonic demise. The premature entry of maternal blood into the intervillous space disrupts the materno-embryonic interface and is probably the final mechanism causing abortion.
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A follow-up study was undertaken in 493 women who had participated in a clinical, controlled trial with the object of assessing the role of postabortal pelvic inflammatory disease and prophylactic antibiotics in the development of sequelae. Information about dysmenorrhea, dyspareunia, chronic pelvic pain, episodes of pelvic inflammatory disease, infertility, births, induced and spontaneous abortions, and ectopic pregnancies were obtained from 382 of the women and from 38 of 40 women who had contracted postabortal pelvic inflammatory disease during the previous study. Significantly elevated rates in women with postabortal pelvic inflammatory disease compared with women without this disease were found for spontaneous abortion (22% versus 5%, p < 0.0005), secondary infertility (10% versus 2%, p < 0.05), dyspareunia (20% versus 5%, p < 0.005), and chronic pelvic pain (14% versus 2%, p < 0.001). Nonsignificant differences were observed for ectopic pregnancy and dysmenorrhea. A new episode of pelvic inflammatory disease within the first year after abortion was observed more often in women with postabortal pelvic inflammatory disease than in women without infection (41% versus 5%, p < 0.0001). Prophylactic antibiotics decreased the rates of spontaneous abortion and dyspareunia (p < 0.05 in both instances).
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Against a background of concerns about future hospital medical staffing and the safety of unsupervised operations at night, this study examines which gynaecological operations now undertaken at night may be safely postponed until the following day. In the first phase of the study, the operations taking place at night in four hospitals were identified. In the second phase a nominal group technique was used to seek the extent of agreement among professionals about the appropriateness of postponing surgery to the following day in certain circumstances. There were considerable variations between hospitals in the volume of work and the grade of staff involved. The panel concluded that most operations now performed at night should not be postponed. This study suggests that there is limited scope for postponing gynaecological operations currently undertaken at night.
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The initiation of uteroplacental circulation was investigated in early pregnancy with the following material: contact ultrasonography, 250 cases; direct-vision chorionic biopsy, 10 cases; products from voluntary interruption of pregnancy, 60 cases; and hysterectomy with the pregnancy in situ, three cases. Using all of these techniques, we were unable to demonstrate a true intervillous blood flow during the first 12 weeks. We suggest that during this period the intervillous space is bathed by an acellular fluid that could be plasma filtered by the trophoblastic shell and its endovascular cone. If this is the case, the physiology of early pregnancy must be reconsidered.
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We studied the risk of early loss of pregnancy by collecting daily urine specimens from 221 healthy women who were attempting to conceive. Urinary concentrations of human chorionic gonadotropin (hCG) were measured for a total of 707 menstrual cycles with use of an immunoradiometric assay that is able to detect hCG levels as low as 0.01 ng per milliliter, with virtually 100 percent specificity for hCG in the presence of luteinizing hormone. Our criterion for early pregnancy--an hCG level above 0.025 ng per milliliter on three consecutive days--was determined after we compared the hCG levels in the study group with the levels in a comparable group of 28 women who had undergone sterilization by tubal ligation. We identified 198 pregnancies by an increase in the hCG level near the expected time of implantation. Of these, 22 percent ended before pregnancy was detected clinically. Most of these early pregnancy losses would not have been detectable by the less sensitive assays for hCG used in earlier studies. The total rate of pregnancy loss after implantation, including clinically recognized spontaneous abortions, was 31 percent. Most of the 40 women with unrecognized early pregnancy losses had normal fertility, since 95 percent of them subsequently became clinically pregnant within two years.
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Approximately 15% of registered pregnancies end in spontaneous abortion, and for 50 years or so dilatation and curettage (D&C) has been the usual management. In a prospective randomised trial we compared the clinical results after either expectant management or D&C, for miscarriages of less than 13 weeks' gestation in which transvaginal ultrasound examination showed intrauterine tissue and/or blood clots with a diameter 15-50 mm. 103 patients were randomised to expectant management and spontaneous resolution of pregnancy occurred within 3 days in 81 cases (79%). 52 patients were randomised to D&C. 3 infections were diagnosed among patients who underwent expectant management (3%); 5 infections and 1 case of postoperative anaemia were observed among patients randomised to D&C (11%). The duration of vaginal bleeding was a mean of 1.3 days longer in the expectant management group (p < 0.02). Convalescence time, time during which patients experienced pain, and packed-cell volume 3 and 14 days after inclusion did not differ significantly between the groups. This study shows that expectant management of selected cases of spontaneous abortion has a similar outcome to D&C.
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The aim of our study was to describe risk factors for legal abortion mortality and the characteristics of women who died of legal abortion complications for the period 1972 through 1987. We reviewed abortion mortality surveillance data collected by the Division of Reproductive Health, Centers for Disease Control and Prevention, and calculated rates by various demographic and reproductive health variables using the Center for Disease Control and Prevention's abortion surveillance data as denominators. Rates are reported as legal abortion deaths per 100,000 abortions. Between 1972 and 1987, 240 women died as a result of legal induced abortions. The case-fatality rate decreased 90% over time, from 4.1 deaths per 100,000 abortions in 1972 to 0.4 in 1987. Women > or = 40 years old had three times the risk of death as teenagers (relative risk 3.0, 95% confidence interval 1.5 to 6.0), and black women and those of other minority races had 2.5 times the risk of white women (relative risk 2.5, 95% confidence interval 1.9 to 3.2). Abortions at > or = 16 weeks were associated with a risk of death almost 15 times the risk of death from procedures at < or = 12 weeks' gestation. Women undergoing currettage procedures for abortion had a significantly lower risk of death than women undergoing other procedures. Whereas before 1977 infection and hemorrhage were the leading causes of death, during 1977 through 1982 anesthesia complications emerged as one of the leading causes of death and since 1983 have become the most frequent cause. Although legal induced abortion-related deaths are rare events, our findings suggest that more rigorous efforts are needed to increase the safety of anesthetic methods and anesthetic agents used for abortions and that efforts are still necessary to monitor serious complications of abortion aimed at further reducing risks of death associated with the procedure.