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The Dialectics of Marginalization. Inequality and Difference

Authors:
  • SRH Berlin University of Applied Sciences

Abstract

The “cultural turn” in the social sciences and anthropology claims the merit of recognizing “difference” as a basic concept. The subsequent overcoming of a Eurocentric point of view is of immense value, especially for heterogeneous societies such as Latin America. Nevertheless, the merely culturalistic point of view runs the risk of ignoring the causes of particular kinds of undesirable differences, such as socioeconomic marginality. Still, it is conceivably possible to overcome socioeconomic marginality without destroying cultural difference: This prospect is to be found in the concept of civil society, as it combines a political/sociological (and hence potentially socioeconomic) analysis with a cultural one.
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Bei der Bewertung der Bedeutung der Kultur für die Politik unterscheiden sich die Sozialwissenschaften in Lateinamerika deutlich von denen in den westlichen Industriestaaten: Zum einen wird in Lateinamerika ein sehr viel stärker alltagsbestimmter Kulturbegriff in der Tradition der Cultural Studies verwendet, zum anderen werden sehr viel mehr kulturelle Äußerungen als politisch begriffen, auch wenn sie nicht mit explizit politischen Anspruch auftreten. Von dieser Beobachtung ausgehend, untersucht Benjamin Schwenn die Entstehung des lateinamerikanischen Begriffs von politischer Kultur vor dem Hintergrund der politischen Demokratisierungswelle in den 1980er Jahren: Die lateinamerikanische Analyse dieser Entwicklung führte die Intellektuellen von einem orthodox marxistischen Verständnis von Gesellschaft zu einer profunden Wertschätzung der Demokratie – einschließlich ihrer kulturellen Grundlagen. Die politische Demokratisierung wie auch ihre Konsolidierung hingen nicht zuletzt von kulturellen Bewegungen ab. Diese Bewertung gründet sich – so die Kernthese der Untersuchung – auf der Tatsache, dass desto mehr gesellschaftliche und kulturelle Artikulationen als politisch begriffen werden müssen, je geringer der Grad der staatlichen Institutionalisierung einer Gesellschaft ist. Die jeweiligen Welt- und Selbstsichten der Bevölkerung (also: Kultur) werden desto stärker politisch zum Tragen kommen, wie diese Bevölkerung auf gesellschaftliche Selbstorganisation angewiesen ist. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden dann auf die westeuropäische Demokratietheorie bezogen, mit dem Ergebnis, dass ein nicht eurozentrischer Blick auf Lateinamerika den hiesigen Sozialwissenschaften fruchtbare theoretische Einsichten zum Begriff der politischen Kultur vermitteln kann: Gesellschaftliche Konflikte bewegen sich immer auch im Spannungsfeld zwischen sozialen Interessensartikulationen und kulturellen Anerkennungskämpfen. Erst die Einbeziehung dieser zweiten Dimension vermag einen Begriff von politischer Kultur zu prägen, welcher die Relevanz des Kulturellen für das Politische (und damit auch für die Demokratie) adäquat erfasst.
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