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Metalle und ihre Verwendung im Alten Ägypten

Authors:
  • Museo delle Antichità Egizie di Torino

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Content may be subject to copyright.
Martin Fitzenreiter, Christian E. Loeben,
Dietrich Raue und Uta Wallenstein
(Herausgeber)
Gegossene Götter
Verlag Marie Leidorf GmbH
· Rahden/Westf.
2014
GEGOSSENETTER
METALLHANDWERK UND MASSENPRODUKTION
IM ALTEN ÄGYPTEN
herausgegeben von
Martin Fitzenreiter, Christian E. Loeben, Dietrich Raue
und Uta Wallenstein
Mit Beiträgen von
Johannes Auenmüller, Christian Bayer, Martin Fitzenreiter,
Norbert Franken, Tobias Gutmann, Dietrich Klemm,
Rosemarie Klemm, Kristin Knebel, Katharina Krügel, Robert
Lehmann, Christian E. Loeben, Ludwig D. Morenz, Margarete Oppel,
Stephan Patscher, Britta Rabe, Dietrich Raue, Marie Schulze,
Anne Viola Siebert, Uta Wallenstein und Joachim Werren
???? Seiten mit ???? Abbildungen
Bibliogra sche Information der Deutschen Nationalbibliothek
Fitzenreiter, Martin ; Loeben, Christian E. ; Raue, Dietrich ; Wallenstein, Uta
(Hrsg.):
Gegossene Götter ; Metallhandwerk und Massenproduktion im Alten
Ägypten / hrsg. von Martin Fitzenreiter ... .
Rahden/Westf. : Leidorf, 2014
ISBN 978-3-86757-456-3
Alle Rechte vorbehalten
© 2014
Verlag Marie Leidorf GmbH
Geschäftsführer: Dr. Bert Wiegel
Stellerloh 65, D-32369 Rahden/Westf.
Tel.: +49/(0)5771/ 9510-74, Fax: +49/(0)5771/ 9510-75
E-Mail: info@vml.de, Internet: www.vml.de
ISBN 978-3-86757-456-3
Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, CD-ROM, DVD, Internet oder
einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages Marie Leidorf GmbH
reproduziert werden oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt
oder verbreitet werden.
Erschienen anlässlich der Ausstellung
„Gegossene Götter – Metallhandwerk und Massenproduktion im Alten Ägypten“
Ägyptisches Museum der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn
vom 23. Oktober 2014 bis 8. März 2015
Museum August Kestner, Hannover
vom 26. März 2015 bis 26. Juli 2015
Herzogliches Museum, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha
vom 16. August 2015 bis 15. November 2015
Ägyptisches Museum – Georg Steindorff – der Universität Leipzig
vom 10. Dezember 2015 bis 29. Mai 2016
Idee: Martin Fitzenreiter und Christian E. Loeben
Konzept: Johannes Auenmüller, Martin Fitzenreiter, Christian E. Loeben, Dietrich Raue,
Uta Wallenstein
Redaktion: Christian E. Loeben
Satz und Layout: Enns Schrift & Bild GmbH, Bielefeld
Druck und Produktion: druckhaus köthen GmbH & Co. KG, Köthen
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliogra e.
Detaillierte bibliogra sche Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.
Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier
Der Katalog wurde gefördert durch
5
Inhalt
Zum Geleit
Staatssekretär Joachim Werren,
Generalsekretär der Stiftung Niedersachsen ................................. 7
Vorwor t
Martin Fitzenreiter, Christian E. Loeben,
Dietrich Raue, Uta Wallenstein ............................................. 11
GRUNDLAGEN ......................................................... 17
Metall und Kultur – Eine kurze Geschichte
der thermischen Revolution ........................................... 25
Martin Fitzenreiter
Metalle und ihre Verwendung im pharaonischen Ägypten .. . ... . ... . .. 31
Johannes Auenmüller
Wertschätzung und Bedarf.
Überlegungen zum Verhältnis von Kupfer und Türkis
und dem darum gestrickten kulturellen Bedeutungsgewebe
im Südwest-Sinai ......................................................... 45
Ludwig Morenz und Tobias Gutmann
Zu Vorkommen von Zinn in Ägypten . .. . ... . ... . ... . . ... . ... . ... . ... . .. 53
Rosemarie und Dietrich Klemm
TECHNIKEN ............................................................ 57
Verfahren der Massenreproduktion im Alten Ägypten . . . . ... . ... . ... . . 59
Christian E. Loeben
Kunstguss im pharaonischen Ägypten . .. . . ... . ... . ... . ... . . ... . ... . ... . 83
Martin Fitzenreiter
Das Wachsausschmelzverfahren ......................................... 91
Martin Fitzenreiter
OBJEKTKOMPLEXE UND DEREN UNTERSUCHUNGEN .......... 99
Grabungsfunde von der Qubbet el-Hawa
im Ägyptischen Museum, Bonn
Eine Gusswerkstatt auf der Qubbet el-Hawa? . . ... . . ... . ... . ... . ... . ... . 101
Johannes Auenmüller und Martin Fitzenreiter
Die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Untersuchungen .. . ... . .. 107
Johannes Auenmüller
Die Ergebnisse der bildgebenden Verfahren . . . ... . ... . ... . ... . . ... . ... . . 113
Johannes Auenmüller
Model für Wachs guren und Bronzen im Museum August Kestner,
Hannover
Bronzeguss virtuell: 3D-Erfassung von Gipsmodeln
im Museum August Kestner ............................................. 127
Britta Rabe
Alte und neue Analyseverfahren an den Bronzen
des Museum August Kestner und was sie uns verraten .. . ... . ... . ... . .. 133
Marie Schulze und Robert Lehmann
Die Ständeruntersätze und Schalen aus Aniba (Grab S91)
im Ägyptischen Museum der Universität Leipzig
Neue Untersuchungen in Mainz ......................................... 155
Stephan Patscher und Dietrich Raue
ÄGYPTISCHE BRONZE-OBJEKTE .................................... 161
Motive ägyptischer rlicher Kleinbronzen . . ... . . ... . ... . ... . ... . . ... 163
Martin Fitzenreiter
Funktion und Kontext ägyptischer Kleinbronzen . ... . ... . ... . ... . . ... . . 169
Martin Fitzenreiter
Ägyptische Bronzen in Nubien .......................................... 177
Dietrich Raue
ÄGYPTISCHE BRONZEN – FRÜHE REZEPTION IN EUROPA ..... 181
Ägyptische Bronzen als Sammlerstücke und Studienobjekte
im neuzeitlichen Europa ................................................. 183
Uta Wallenstein
Aegyptiaca und ägyptische Bronzen am Gothaer Hof .. . . ... . ... . ... . .. 193
Uta Wallenstein
Von „egyptischen kleinen Götzenbildern“ und
Metall guren früherer und späterer Zeit“ –
Aegyptiaca und Altes Ägypten bei Johann Wolfgang von Goethe . ... . 209
Katharina Krügel
KATALOG DER OBJEKTE ............................................. 215
I. Ägyptisches Museum der Rheinischen
Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn . . ... . ... . . ... . ... . ... . ... . ... . . ... . . 217
Martin Fitzenreiter
Kat. I.1-I.61 ................................................................ 218
Johannes Auenmüller
II. Museum August Kestner, Hannover . . ... . . ... . ... . ... . ... . ... . . ... . .. 281
Christian E. Loeben
Kat. II.1-II.45 .............................................................. 283
Christian E. Loeben
mit einem Beitrag von Norbert Franken und Anne Viola Siebert
6
7
III. Stiftung Niedersachsen, Hannover – Sammlung Pelling/Zarnitz
. .. . 321
Joachim Werren
Kat. III.1-III.15 ............................................................. 323
Christian E. Loeben
IV. Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim . . ... . ... . ... . . ... . ... . . 335
Christian Bayer
Kat. IV.1-IV.6 .............................................................. 336
Christian Bayer
V. Ägyptisches Museum – Georg Steindorff – der Universität Leipzig
. .. 345
Dietrich Raue
Kat. V.1-V.8 ................................................................ 347
Dietrich Raue
VI. Stiftung Schloss Friedenstein Gotha: Herzogliches Museum . . ... . . 359
Uta Wallenstein
Kat. VI.1-VI.18 ............................................................. 360
Uta Wallenstein
VII. Klassik Stiftung Weimar: Goethe-Nationalmuseum . ... . ... . ... . ... 371
Katharina Krügel
Kat. VII.1-VII.5 ............................................................ 372
Kristin Knebel mit einem Beitrag von Margarete Oppel
31
Metalle und ihre Verwendung
im pharaonischen Ägypten
Johannes Auenmüller
Einleitung
Metalle spielten im pharaonischen Ägypten in vielen Bereichen des Lebens
eine bedeutende Rolle. Als Werkstoffe waren sie universell einsetzbar zur
Herstellung von Kosmetik, Schmuck, Waffen, Werkzeugen und weiteren Ge -
genständen, die im Alltag und im Kult Verwendung fanden. Darüber hinaus
wurden Objekte aus Metall in den verschiedensten Funktionen und Formen
den Toten als Grabbeigaben mitgegeben. Metalle konstituieren eine bestimmte
Gruppe von Elementen im Periodensystem der Elemente, welche durch beson-
dere physikalische und chemische Charakteristika de niert ist. Im pharaoni-
schen Ägypten waren folgende Metalle in Verwendung: Kupfer (Cu), Gold
(Au), Eisen (Fe), Blei (Pb) und Silber (Ag) sowie Zinn (Sn), Antimon (Sb) und
Platin (Pt).1 Daneben sind die drei wichtigsten Legierungen zu nennen: Zinn-
Bronze (Kupfer-Zinn), Blei-Bronze (Kupfer-Blei) und Elektrum (Gold-Silber).
In den ägyptischen Texten trifft man auf eine elaborierte Terminologie der
Metalle, die von einer eigenen Konzeption und Differenzierung der Rohstoffe
ausgeht. Gold – ägyptisch Nebu – wurde als Fleisch der Götter verstanden und
daher u.a. für Götterbilder verwendet. Silber wurde ägyptisch Hedj, „das Weiße
(Metall)“ genannt und mit den Knochen der Götter assoziiert. Elektrum hieß
Djam und wurde als Derivat von Gold verstanden. Bia war das ägyptische
Sammelwort für Erze und Metall jeglicher Art. Differenziert werden konnte
dann in Kupfer: Hemti, Eisen: Bia-ni-pet „Erz des Himmels“ und Bronze: Hes-
men. Blei hieß Djehti und Zinn scheint mit dem Begriff Djeh gemeint zu sein.
Charakter – Herkunft – Erstauftreten
Gediegenes Gold wurde gemeinsam mit Kupfer als eines der ersten Metalle
verarbeitet. Schmuck aus Gold ist seit prädynastischer Zeit (ca. 5300-3000
v.Chr.) bekannt. Die Gewinnung des Goldes aus in Quarzadern vorliegen-
dem Erz wurde ab dieser Zeit vor allem in der ägyptischen Ostwüste in der
Region um Koptos bis hinunter nach Aswan betrieben.2 Seit dem Mittleren
1
A. Lucas, J. R. Harris: Ancient Egyptian Materials and Industries, 4th ed., London 1962, 195-257;
B. Scheel: Egyptian Metalworking and Tools. Shire Egyptology 13. Aylesbury 1989; J. Odgen:
Metals. In: P. T. Nicholson, I. Shaw (Hrsg.): Ancient Egyptian Materials and Technology.
Cambridge 2000, 148-176; J. F. Aubert, L. Aubert: Bronzes et or égyptiens. Paris 2001.
2 Das goldführende Gestein wurde unter Hitzeeinwirkung zum Bersten gebracht, die Ge-
steinsbrocken wurden mit Hämmern immer feiner zerkleinert und dann gemahlen. Schließ-
lich wurde das Gold aus dem Pulver ausgewaschen und zu Barren, Ringen oder Rohlingen
gegossen. Entsprechende Nuggets oder Goldstaub konnten auch in Körben gesammelt und
transportiert werden.
32
Reich wird der Abbau auf die östlichen Wüsten Unternubiens (Wawat) aus-
geweitet, im Neuen Reich kommt noch das Gold von Kusch (Obernubien)
dazu.
Silber ist seit der Naqada II-Zeit (ca. 3500-3200 v.Chr.) in Ägypten in Ver-
wendung, die Gewinnung des Metalls im Land ist jedoch fraglich. Einerseits
wird von einem Import aus Kreta, Zypern und Mesopotamien ausgegangen,
andererseits gibt es Belege, dass das Silber im Kontext der Goldgewinnung in
ägyptischen Minen als ‚Nebenprodukt‘ an el oder – wenn es Spurenelemente
von Blei enthält – tatsächlich aus eigenen Silberminen stammt. Auch Bleivor-
kommen kommen als Quelle von Silber in Frage. Als eines der frühesten
Silberobjekte aus der Zeit um 3500 v.Chr. wird in der Literatur ein Deckel
eines Kästchens aus Naqada genannt, der wegen seines Goldgehalts von 15%
wohl aus dem Silber einer Goldmine gefertigt ist.
Elektrum schließlich kommt sowohl als natürliche als auch metallurgisch
erzeugte Legierung von Gold und Silber in unterschiedlichen Anteilen vor.
Seit prädynastischer Zeit bekannt, wurde es auf Grund seiner Seltenheit vor
allem für Schmuck-, Kult- und Prestigeobjekte genutzt. Ägyptischen Quellen
zufolge führte man es aus südlichen Regionen wie Nubien und Punt ein.
Kupfer ist das meistbenutzte Metall für Alltagsgegenstände wie Gefäße,
Geräte und Waffen. Es wurde im pharaonischen Ägypten aber auch medizi-
nal sowie als Pigment und Farbstoff für Glas und Glasierungen verwendet.
Kupfer liegt selten in reiner Form vor, es ist meist mit anderen Elementen in
unterschiedlichen Anteilen verunreinigt.3 Die frühesten Kupfergeräte in
Ägypten stammen aus der oberägyptischen Badari-Kultur (4400-4000 v.Chr.).
Es handelt sich um Bohrer, Nadeln und Perlen aus Naturkupfer, dessen Her-
kunft in Südostanatolien vermutet wird. Vor 3500 v.Chr. werden in Ägypten
ef zientere Schmelzverfahren entwickelt. Kupfer wird einerseits in Form von
Naturkupfer verwendet, aber vor allem auch als Arsenkupfer verhüttet, wel-
cher wegen seiner Härte technologische und praktische Vorteile für die
Metallartefakte bot. Es handelt sich jedoch nicht um eine bewusste Legierung;
ihr Ursprung ist eher in den Lagerstätten zu suchen. In der Siedlung Maadi
südlich von Kairo wurden zum Teil gegossene Kupferwerkzeuge, wie Angel-
haken, Nadeln und Beile, aus der Zeit zwischen 4000-3600 v.Chr. gefunden.
Die Masse des Kupfers wird seit dieser Zeit in den Minen und Verhüttungs-
plätzen in Timna und Jordanien (Wadi Araba / Faynan) gewonnen und in
Ägypten zu Schmuck und Geräten verarbeitet. Spätestens ab 3000 v.Chr. wird
Kupfer auch auf dem Sinai (Wadi Maghara) abgebaut. Aus Buhen in Nubien
stammen ebenfalls Belege für eine frühe Verhüttung des Metalls.
Mit den Regionen und Orten Sinai, Timna und Faynan sind die drei wich-
tigsten Stätten der Kupferproduktion des Alten Reiches genannt. Kupfer wird
kontinuierlich von dort importiert. Als dann ab der ersten Hälfte des 3. Jahr-
tausends weniger Arsenkupfer zur Verfügung steht, kommen Mischungen
mit 5-10% Zinn in Gebrauch, so dass damit Bronze im Umlauf ist. Die frühe-
sten Zinn-Bronzeartefakte Ägyptens stellen jedoch schon Angelhaken aus
3 Die Erze und Kupfermineralien wurden aus dem Berg herausgearbeitet, in kleine Brocken
zerstampft, gesiebt und ausgelesen, dann in Schmelzöfen verhüttet; die Schmelze wurde in
Tiegeln aufgefangen oder sie sank auf den Boden des Ofens und erkaltete dort zu Barren-
rohlingen.
33
Buto aus dem 4. Jahrtausend v.Chr. dar. Aus der 2. Dynastie (ca. 2890-2686
v.Chr.) lassen sich zwei bronzene Ritualgefäße aus dem Grab des Königs
Chasechemui in Abydos als frühe Artefakte nennen. Dennoch sind Bronzeob-
jekte selten. Bis zum Ende des Alten Reiches sind fast nur Kupfer- oder Arsen-
kupfergeräte in Gebrauch, wie z.B. Kupfermeißel, die in Steinbrüchen und
beim Pyramidenbau eingesetzt wurden. Dies setzt sich auch im Mittleren
Reich (2119-1793 v.Chr.) fort. Der Großteil des Kupfers stammt aus dem Sinai.
Eine Gruppe von Gerätschaften aus der Pyramidenstadt Sesostris II. in Kahun
ist typisch für das in dieser Zeit verwendete Kupfer mit weniger als 1% Arsen-
und nur 0,5% Zinnanteil. Aus dem Mittleren Reich sind dann aber auch erste
substantielle Importe von Bronze aus Syrien belegt. Die bewusste Herstellung
von Bronze als Kupfer-Zinn-Legierung ist in dieser Epoche jedoch noch sel-
ten. Zinnbronzen treten in größerer Menge erst in der Mitte der 18. Dynastie
des Neuen Reiches (1550-1295 v.Chr.) auf, als Zinn aus dem gesamten Mittel-
meerraum über Kreta und Mykene in größerem Stil importiert wird. Die Ein-
fuhr von Kupfer aus Zypern wird in den Amarna-Briefen thematisiert, im
Mittelmeerraum werden in dieser Zeit die typischen Ochsenhautbarren ver-
handelt. Der Sinai und Timna sind aber weiterhin bestimmende Kupfer-
quellen Ägyptens. In Timna endet die Kupferverhüttung dann in der späten
Ramessidenzeit. Faynan bleibt als Hauptquelle für Kupfer in der Dritten Zwi-
schenzeit (1070-664 v.Chr.) und der Spätzeit (664-332 v.Chr.) bestehen, welche
die Hochzeiten für Artefakte aus Bronze markieren,4 deren Legierung nun
aus 15% bis max. 30% Blei und nur um 5% Zinn bestehen konnte.
Zinn ist ein weiches und silbrig-weißes Metall, das in ursprünglicher Form
oder in Kasserit-Erzen und ähnlichen Verbindungen vorkommt, von denen
Lagerstätten in der Ostwüste und auf dem Sinai bekannt sind. Wie und wann
deren Ausbeutung geschah, ist noch nicht ausreichend erforscht. Daher geht
man davon aus, dass das Metall zusätzlich zum ägyptischen Zinn auch über
Importe nach Ägypten gelangte. Es ist seit der 12. Dynastie (ca. 1985-1773
v.Chr.) als Bestandteil von Bronze (Zinn-Bronze) nachgewiesen. Dabei scheint
es noch nicht bewusst eingesetzt worden zu sein, denn es kam
wie bereits
erwähnt
vornehmlich über Importe von bereits legierter Bronze aus Syrien
und der Levante nach Ägypten. Bewusstes Legieren beginnt dann in der frü-
hen 18. Dynastie (1550-1295 v.Chr.). Aus dieser Zeit stammt auch eine erste
Zinnperle, die nur geringe Anteile von Kupfer, Blei und Eisen enthält. Sonst
sind im Neuen Reich nur vereinzelte Objekte aus Zinn wie ein Fingerring aus
Gurob bekannt. Eine Flasche aus Abydos dürfte neben weiteren Artefakten
aus Zinn-Kupfer oder Zinn-Silber-Legierungen späterer Zeit angehören.
Blei ist in Reinform sehr selten, aber man konnte es leicht aus bleiführen-
den Erzen wie z.B. dem in der Ostwüste an der Küste des Roten Meeres vor-
kommenden Bleiglanz (Galena) gewinnen. Galena wurde auch als Augen-
schminke benutzt. Die erzführenden Gebiete erstrecken sich fast über die
gesamte Ostwüste, so dass die Prospektion und Gewinnung seit früher Zeit
möglich war. Das erste Artefakt aus Blei ist eine in Grab 1257 von Naqada
gefundene hohle Figur eines Falken, die in das vierte Jahrtausend v.Chr.
datiert und zu 99,99% aus dem reinen Metall besteht. Im Alten Reich wurden
4
A. Leahy: Egypt as a Bronzeworking Centre (1000-539 BC). In: J. Curtis (Hrsg.), Bronzeworking
Centres of Western Asia c. 1000-539 BC. London 1988, 297-309.
34
dann Schmuckgegenstände, kleine Figuren und Netzsinker aus Blei gefertigt;
im Neuen Reich wird Blei in größerem Stil auch aus bzw. über Syrien und
Kreta importiert und man nutzt es seit dieser Zeit u.a. als Legierungsbestand-
teil von Zinn-Bronze, um die Gusseigenschaften und die bessere Abbildung
feiner Details des Wachsmodells zu ermöglichen. Darüber hinaus sind Ringe,
Perlen und Modellgefäße aus Blei bekannt. In der Spätzeit und darüber hin-
aus ist Blei-Bronze das bestimmende Material für die Produktion von Metall-
gegenständen und gürlichen Objekten.
Eisenerze gibt es in Ägypten und auf dem Sinai in größeren Mengen, sie
wurden aber in pharaonischer Zeit nicht systematisch ausgebeutet. Eisen
kommt als reines oder Meteoreisen und in Erzen wie Hämatit oder Magnetit
vor. Schon seit prädynastischer Zeit sind Perlen aus Hämatit und ache Eisen-
bleche bekannt, doch die Mehrheit der Belege weist darauf hin, dass Artefak-
te aus diesem Metall eher metallurgische Merkwürdigkeiten sind. Sie sind
dann zumeist aus dem natürlich vorkommenden Meteoreisen gefertigt. Zwar
scheinen Eisengegenstände auch im Alten Reich in Verwendung gewesen zu
sein, doch die ersten ‚richtigen‘ Eisenartefakte sind im Neuen Reich über die
Hethiter aus Vorderasien bekannt geworden. Berühmt ist z.B. die Dolchklin-
ge aus dem Grab des Tutanchamun. Im ersten Jahrtausend nimmt die Pro-
duktion von Eisen im Mittelmeerraum zu, doch in Ägypten ist dies nicht der
Fall. Eisenwerkzeuge mit Herkunft aus dem mesopotamischen Raum wurden
in einem Depot in Theben-West gefunden und bezeugen die Nutzung solcher
Artefakte seit 650 v.Chr. in Ägypten; frühe Eisenverhüttung ist dann in Nau-
kratis, einer griechischen Handelsniederlassung im Nildelta, und in Tell
Defenneh um 600 v.Chr. belegt. In der Römerzeit (30 v.Chr.-395 n.Chr.) sind
Eisengeräte in Ägypten dann geläu ger.
Während Platin in Ägypten nur eine geringe Rolle spielt und meist mit
Gold und goldenen Artefakten assoziiert ist, ist Antimon etwas weiter ver-
breitet. Von silbrig-glänzender Farbe, ist das spröde Halbmetall in Reinform
jedoch lediglich von Perlen aus Kahun bekannt, die in die Dritte Zwischenzeit
(1070-664 v.Chr.) datieren. Da in Ägypten nur minimale Vorkommen von
Antimon-Erz bekannt sind, dürfte es sich um Importe handeln. Antimon
kommt als Verunreinigung auch in Kupferlegierungen vor (weniger als 1%),
seit der 18. Dynastie ndet es in der Herstellung von Quarzkeramik (Fayence)
oder von Glass Verwendung. Neben Bleiglanz wurden Antimon-Verbindun-
gen auch als Augenschminke benutzt.
Woher kommt die Technologie der Metallverarbeitung?
Man nimmt heutzutage an, dass die ersten Schritte auf dem Weg zur Beherr-
schung metallurgischer Fertigkeiten über Zufall und Experiment führten. Als
der Mensch die Möglichkeiten erkannte, die in der Nutzung solcher Objekte
liegen, wurden weitere Verfahren entwickelt, um das neue Material zu
be herrschen. Die Technologien der Bearbeitung haben sich zumindest am
Anfang an den Orten der Verhüttung des Metalls, d.h. in den Bergwerken
und Erzminen entwickelt. Bereits im neunten bis siebten Jahrtausend v.Chr.
wird in Anatolien gediegenes Kupfer zu Gegenständen verarbeitet, darunter
Fingerringe und Blecharmbänder. In Anatolien und im Iran entwickelten sich
35
die ersten Zentren der Kupferverhüttung. Die frühesten gegossenen Artefak-
te aus Kupfer kennt man von dort aus der Zeit zwischen 6000 und 5000 v.Chr.
Ein weiteres Zentrum der Metallverarbeitung etablierte sich im 4. Jahrtau-
send v.Chr. in Sumer im antiken Mesopotamien. Die in diesen Regionen und
in den Gebieten der Kupferverhüttung – unter denen auch der Balken zu nen-
nen ist – aufgetretenen technologischen Innovationen haben die industrielle
Entwicklung im Vorderen Orient auf lange Sicht bestimmt. Man geht daher
davon aus, dass die Kenntnis der Metallverarbeitung über die Handelskon-
takte mit den vorderasiatischen Regionen nach Ägypten gelangte. In der
Siedlung, die der ägyptischen Maadi-Kultur (ca. 4000-3200 v.Chr.) ihren
Namen gab, wurden Kupferbarren gefunden, die ihrer Form nach aus archäo-
logisch in Jordanien (Hujayrat al-Ghuzlan) bekannten Gussformen stammen.
Diese und andere Kupferartefakte in Maadi belegen somit ein überregionales
Handelsnetzwerk, in dessen Kontext Ideen und Innovationen vermittelt wor-
den sind.
Der Ein uss der sumerischen Schmiede wird ebenfalls diskutiert, da dort
die Techniken des Hämmerns, Biegens, Schneidens, Reibens und Polierens
ebenso bekannt waren wie die Verfahren des Schmiedens und Schmelzens
sowie des Gießens von Objekten in offenen oder Doppelformen. Das Wachs-
ausschmelzverfahren scheint hier ebenfalls schon bekannt gewesen zu sein.
Während in Ägypten selbst in der Kultur und Region von Badari (ca. 4400-
4000 v.Chr.) in Mittelägypten keine Metallverarbeitung bekannt ist, stammen
einige der frühesten Metallartefakte von dort. Aus dem Chalkolithikum, das
ungefähr den Stufen Naqada I-III entspricht (ca. 4000-3000 v.Chr.), sind Bele-
ge für eine Metallverarbeitung vorhanden. Man verwendet Metallwerkzeuge
zur Herstellung von Steingefäßen und man meistert den Guss von Werk-
zeugen und Waffen in offenen Formen seit Naqada II-III (ca. 3500-3000). Dies
ist auch die Zeit, in der sich ein konstantes innerägyptisches Netzwerk des
Austauschs konstituiert, so dass neue Technologien und Materialien über die
Kontakte mit dem Norden bzw. Vorderasien mit anderen elitären Gütern
importiert werden können. Mit der Staatsentstehung um 3000 v.Chr. etabliert
sich eine zentrale Organisationsstruktur des Landes, die auch Gewinnung,
Handel und Verarbeitung der Rohstoffe durch die Handwerker einschließt.
Das Monopol auf die prestigeträchtigen Rohstoffe liegt beim König, die hand-
werkliche Produktion fokussiert sich von zentraler Stelle gelenkt vornehm-
lich auf Elitegüter, während gleichzeitig die Techniken der Metallverarbei-
tung kontinuierlich verfeinert werden. Während die Herkunft der Technolo-
gie im Vorderen Orient, in Anatolien und Iran um 6500-5000 v.Chr. zu suchen
ist, hat sich spätestens seit dem dritten Jahrtausend in Ägypten eine einheimi-
sche Metallverarbeitung etabliert.
Gibt es eine Rohstoff- und/oder Objektzirkulation?
Die Rohstoffe für die Produktion von Metallartefakten wurden in den Minen-
gebieten auf dem Sinai, in Timna und Faynan, aber auch in der ägyptischen
Ostwüste abgebaut. Während deren Gewinnung in prädynastischer Zeit im
vierten Jahrtausend v.Chr. noch nicht monopolisiert war, beginnt mit der
Konstitution des ägyptischen Staates die zentral gesteuerte Ausbeutung von
36
metallurgischen (und anderen) Ressourcen. Er schickt größere Expeditionen
auf den Sinai und in die Ostwüste aus, um dort einerseits zu prospektieren
und andererseits die erwünschten Rohstoffe wie Türkis, Kupfer, Gold, Blei-
glanz etc. zu gewinnen. Je nach Erzvorkommen sind auch die Provinzen
Ägyptens unter ihren Gouverneuren gefragt, ihre Produkte an den ägypti-
schen Königshof zu liefern. Im Neuen Reich sieht man im Grab des Wesirs
Rechmire Vertreter einiger ägyptischer Städte neben Nahrungsmitteln und
Vieh auch Metalle, vor allem Gold, an die Verwaltungszentrale abführen. Das
Metall wurde in den Schatzhäusern der staatlichen Tempel registriert und
gelagert, um später für Bauprojekte sowie die Herstellung von Prestige- und
Alltagsgütern an die Handwerker ausgegeben zu werden, die in mit den
Tempeln und Palästen assoziierten Werkstätten im Auftrag des Staates arbei-
teten. Die rigide Kontrolle der Ressourcen in der redistributiven Wirtschaft
des Alten Ägypten zeigt, dass Metall mehrheitlich über staatliche Stellen in
den Produktions- und Nutzungkreislauf eingebracht wurde.
Handel und Austausch von Ideen und Rohstoffen mit den vorderasiati-
schen Nachbarstaaten und -regionen sowie dem östlichen Mittelmeerraum
spielten neben der Gewinnung von Metall auf staatliche Initiative natürlich
auch eine bedeutende Rolle. Texte wie archäologische Funde verdeutlichen
dies eindrucksvoll. Metalle gelangten als Geschenk unter den Herrscherhäu-
sern oder als politische Tributzahlungen aus dem Süden oder Norden nach
Ägypten. In Ägypten angekommen, wurden sie staatlich verteilt. Auf diesem
Weg gelangten sie in Umlauf und wurden von Spezialisten verarbeitet.
Was die Rohstoffzirkulation angeht, sind zwei Ebenen zu betrachten.
Einerseits wurden aus dem Metall Gebrauchsobjekte hergestellt, andererseits
fand Metall in der Produktion von Kult-, Ritual- und Prestigeobjekten Ver-
wendung. Werkzeuge wie z.B. Meißel oder andere metallene Arbeitsgeräte
wurden solange genutzt und in Stand gehalten, bis sie ihre Funktion nicht
mehr ausreichend erfüllen konnten. Dann wurden sie wieder eingeschmol-
zen und zu neuen Artefakten verarbeitet. Der Wert des Metalls wird auch
dadurch sichtbar, dass meist keine Funde solcher Geräte in Zonen wie Stein-
brüchen bekannt sind. Man nahm die Geräte nach Gebrauch wieder mit. Dies
lässt sich auch in der Arbeitersiedlung von Deir el-Medineh belegen, in der
die Handwerker und Künstler wohnten, welche die Gräber der Könige des
Neuen Reiches im Tal der Könige errichteten. Dabei verwendeten sie Meißel,
die ihnen von der Nekropolenverwaltung zur Verfügung gestellt wurden.
Waren diese Meißel nicht mehr funktionstüchtig oder zerbrochen, mussten
sie oder deren Einzelteile an die Verwaltung zurück gegeben werden, worüber
man minutiös Buch führte.
Eine weitere Quelle von Metall jenseits der Importe oder der Rohstoffge-
winnung lag im Alten Ägypten auch im seit frühester Zeit betriebenen Grab-
raub. Da vergleichsweise wenig Metall aus Gräbern z.B. der frühdynastischen
Zeit und des Alten Reiches erhalten ist, geht man in der Literatur davon aus,
dass Grabraub und Metallsuche Hand in Hand gingen. Am Ende des Neuen
Reiches ist so etwas tatsächlich auch inschriftlich dokumentiert. Anhand der
sog. Grabräuber-Papyri können wir zwei Diebstahlserien einer lokalen Perso-
nengruppe nachvollziehen, die Gräber von Privatleuten und Königinnen
sowie eines Königs der 17. Dynastie in Theben-West ausgeraubt hatten, um
an das Gold und die Grabausstattung zu gelangen. Das Metall konnte von
37
den Dieben eingeschmolzen und entweder zurück in den Materialkreislauf
gelangen, oder als Wert im Tauschhandel eingesetzt werden. In der 21. Dyna-
stie werden dann die Königsgräber des Neuen Reiches in Theben-West sogar
auf staatliche Initiative hin ausgeräumt!5 Das gleiche passierte auch mit einer
Vielzahl von Elitegräbern in der Region. Dabei lässt sich an einigen gut doku-
mentierten Bestattungen zeigen, dass vor allem Edelmetalle und Schmuck-
gegenstände Ziel der Aktionen waren. Damit wird eine große Menge von
Metall wieder in den Staatshaushalt gespült, womit gleichsam eine neue Ära
der Herstellung von höchst elitären und königlichen Grabbeigaben aus Metall
wie Goldmasken und Silbersärgen beginnen konnte.
Seit der ägyptischen Spätzeit wird dem Materialkreislauf eine gewaltige
Menge Metall im Kontext der Stiftung oder Deponierung von Votivobjekten
etc. entzogen. Auf der einen Seite sind intentionelle Deponierungen einzelner
Objekte z.B. in den Tierfriedhöfen belegt, andererseits kennt man auch Depo-
nierungen größerer Objektensembles in sog. Tempel-Cachettes. Wenn man
sich vor Augen hält, welche Mengen Bronze z.B. in den Cachettes von Kar-
nak6 oder dem Serapeumsfund7 stecken, wird die Dimension des aus dem
‚Verkehr‘ gezogenen Metalls deutlich. Daher dürfte ein konstanter Bedarf an
Rohstoffen bestanden haben, den man einerseits über Importe, andererseits
über das Recyceln von Geräten aus Metall, die nicht mehr verwendbar waren,
befriedigte. Während die Beschaffung von Metall, die Kontrolle der Hand-
werker und die Übersicht über die aus Metall hergestellten Gegenstände
vor allem Geräte und Waffen – in staatlicher Hand lag, muss es aber auch
einen informellen ‚Markt‘ gegeben haben, über den z.B. Bauern oder in Ägyp-
ten lebende Nomaden Zugang zu Altmetall und Schrott hatten.8
Objekte aus Metall und ihre Verwendung
Das Spektrum der Verwendung von Metall im Alten Ägypten ist ungemein
breit und reicht von in Gräbern deponierten Modellwerkzeugen aus Kupfer
und Bronze (Abb. 1) bis hin zu Särgen von Königen aus Gold und Silber.
Metalle wurden daher in den verschiedensten technologischen, handwerkli-
chen und sozialen Kontexten zu Werkzeugen, Waffen, Schmuck, Gefäßen etc.
umgeformt und genutzt. Die wohl zum Teil auf ein Metall (Gold, Silber, Kup-
fer, Eisen) spezialisierten Schmiede und Bronzegießer waren meist als Ange-
stellte des Staates – der ja das Monopol auf die Metalle, ihre Gewinnung und
5 K. Jansen-Winkeln: Die Plünderung der Königsgräber des Neuen Reiches. In: Zeitschrift für
ägyptische Sprache und Altertumskunde 122 (1995) 62-78.
6 E. Jambon: Les fouilles de Georges Legrain dans la Cachette de Karnak (1903-1907). Nou-
velles données sur la chronologie des découvertes et le destin des objets. In: Bulletin de
l’Institut francais d’Archéologie Orientale 109 (2009) 239-279.
7 C. Ziegler: Une découverte inédite de Mariette, les bronzes du Sérapéum. In: Bulletin de
l’Institut francais d’Archéologie Orientale 90 (1981) 29-45.
8 E. Pusch, T. Rehren: Alloying and resource management in New Kingdom Egypt: the bronze
industry at Qantir – Pi-Ramesse and its relationship to Egyptian copper sources. In: V. Kas-
sianidou, G. Papasavvas (Hrsg.): Eastern Mediterranean Metallurgy and Metalwork in the
Second Millenium BC. A conference in honour of James D. Muhly, Nicosia, 10th-11th October
2009. London 2012, 215-221.
38
Verarbeitung hatte – in Tempel- und Palastwerkstätten angestellt. Dort wur-
den dann die Paraphernalia für Tempel und Kult ebenso hergestellt wie die
luxuriösesten Teile der Grabausstattung für Könige und höchste Staatsfunk-
tionäre (Abb. 2). Die Edelmetalle Silber und Gold sowie deren Legierung
Elektrum waren wegen ihrer religiösen und ideologischen Bedeutung haupt-
sächlich den Göttern und Königen vorbehalten; man denke nur an den Grab-
schatz des Tutanchamun mit der goldenen Gesichtsmaske oder den Sarg des
Psusennes I. aus Silber aus der Königsnekropole von Tanis.9 Doch auch die
9 H. W. Müller: Die Schätze der Pharaonen. Augsburg 1998.
Abb. 1: Werkzeugkoffer mit Modellwerkzeugen wie Äxten, Dechseln und Sticheln, Grab-
beigabe aus Assiut, Mittleres Reich, 12. Dynastie, um 1980-1800 v.Chr. (nach: W. K. Simpson:
Papyrus Reisner II. Accounts of the Dockyard Workshop at This in the Reign of Sesostris I.
Transcription and Commentary. Boston 1965, Frontispice).
Abb. 2: Die Werkstätten des Tempels: Herstellung von Sandalen, Stühlen, Betten und verzierten
Schreinen mit verschiedenen Werkzeugen (Stichel, Glätter, Bohrer, Sägen, Dechsel etc.), Umzeich-
nung einer Wandmalerei aus dem Grab des Wesirs Rehmire, Theben, Neues Reich, 18. Dynastie,
um 1460-1400 v.Chr. (nach: P. E. Newberry, The Life of Rekhmara. Westminster 1900, Pl. 18).
39
gesellschaftliche Elite hatte Zugang zu solchen Objekten und konnte damit
ihr soziales Prestige kommunizieren.
Schmuck und Ausstattungsgegenstände für den körperlichen Nahbe-
reich sind prädestiniert für eine Herstellung aus Metall, als in ihrer Nutzung
und Präsentation sowohl die sozialen, als auch die magischen und kogniti-
ven Aspekte zum Ausdruck kommen. Eine Grundlage für die Fertigung
gürlicher Amulette, von Pektoralen, Halsketten, Armreifen und Fußketten
mit ornamentaler oder hieroglyphischer Symbolik war die Beherrschung
der Anfertigung von Metalldrähten aus Gold, Silber, Kupfer oder Bronze
(Abb. 3). Einfacher Draht aus Kupfer war seit ca. 3000 v.Chr. in Verwen-
dung. Er wurde neben seiner Nutzung in Schurzen oder Gürteln auch zur
Herstellung von Möbeln und zum Befestigen von Fayencekacheln an Tem-
pel- oder Grabwänden verwendet. Der Metallrohling wurde ach ausge-
hämmert, in dünne Streifen zerteilt und bis zur gewünschten Dicke erneut
mit dem Hammer bearbeitet. Um den so erzeugten kantigen Draht zu ver-
runden, wurde er zwischen harten Holzstücken glatt gezogen. Im Neuen
Reich wird Draht vornehmlich aus Bronze hergestellt, wobei man kantigen
Draht ineinander verdrehte, weiter mit dem Hammer bearbeitete, ihn regel-
mäßig zum Geschmeidigmachen erhitzte und ihn abschließend glättete.
Später konnte man Draht auch ziehen, indem man dünne Metallfolie durch
Löcher unterschiedlichen Durchmessers in verschiedenen Materialien hin-
durchzog.
Die Kupfer- und Bronzegefäße Ägyptens stellen neben solchen aus Gold und
Silber eine weitere Objektgruppe von großem Umfang dar.10 In der vordynasti-
schen Zeit noch selten und meist aus nativem Kupfer hergestellt, tauchen ab ca.
3000 v.Chr. vermehrt Gefäße als Beigaben in den Gräbern auf, bei denen es sich
um Schalen, Schüsseln, bauchige Gefäße, Deckel, Kessel, Becher und das typi-
sche Waschgeschirr aus Kanne und Waschschüssel handelt, die meist aus Kup-
10 A. Radwan: Die Kupfer- und Bronzegefäße Ägyptens. Von den Anfängen bis zum Beginn
der Spätzeit. Prähistorische Bronzefunde II/2. München 1983.
Abb. 3:
Pektoral mit dem Namen von Sesostris II., Gold,
Lapislazuli, Türkis und Karneol; aus Illahun, Grab der
Sit-Hathor-Iunit, Mittleres Reich, 12. Dynastie,
um 1877-1870 v.Chr., Metropolitan Museum of Art, New York,
Inv.-Nr. 16.1.3
(http://www.metmuseum.org/collection/
the-collection-online/search/544232).
40
fer oder Arsenkupfer getrieben sind (Abb. 4).11 Der Trend setzt sich im Alten
Reich fort, da das Waschgeschirr und bestimmte Kupfergefäße einen besonde-
ren Platz im Totenritual einnehmen. Bemerkenswert ist die gegenseitige formale
Beein ussung von Stein- und Metallgefäßen. Das Repertoire der Gefäße verän-
dert sich im Laufe der Zeit typologisch und funktional und es kommen neue
Objektgruppen wie Ritualvasen, Räucherständer, Opfertische und kleine Gestel-
le als Grabbeigaben dazu. Funde von Kult- oder Gebrauchsgefäßen aus Metall
aus Tempeln und Siedlungen sind dagegen seltener. Neben Modellwerkzeugen
werden schließlich Modellgefäße für die Totenrituale im Verlauf des Alten Rei-
ches in den Gräbern immer häu ger. Im Mittleren Reich sind Kupfergefäße wei-
terhin in Verwendung, allerdings tauchen jetzt auch aus Zinn- oder Bleibronze
gegossene auf. Das Spektrum konstituiert sich aus kleinen Ritualvasen, Krügen,
Schalen, Räuchergefäßen und Schminktöpfchen.
Das Neue Reich zeigt dagegen eine reiche Fülle unterschiedlicher Formen
und Funktionen, die den elitären Lebensstil und die ökonomische Potenz die-
ser Epoche repräsentieren. Darunter sind Gefäße mit reicher ornamentaler
oder inschriftlicher Verzierung, mit elaborierten Henkeln in Form von Lotus-
blüten, Becher, die Lotusblüten imitieren und Schalen mit gürlichen Auf-
sätzen, die eine Hathorkuh repräsentieren (Abb. 5) sowie höchst ligran gear-
beitete Gefäßuntersätze. Das funktionale Repertoire wird unter
anderem von
Messgefäßen, Waagschälchen und Sieben etc. bestimmt, Sonderformen
stellen
Ushebtikörbe, Räucherarme und Modellgefäße dar. Während die Mehrheit
als Treibarbeiten ausgeführt sind, kommen auch gegossene Exemplare vor. In
der Dritten Zwischenzeit sind Bronzegefäße im Allgemeinen seltener; die
Königsgräber in Tanis jedoch, die ja durch ihre Schmuckausstattung beste-
chen, enthalten neben einigen Bronzeexemplaren wie Ritualvasen vor allem
Opferständer, Nemset-Vasen, Libationsgefäße, Schalen, Lotusbecher aus
Gold und Silber. Die Blüte der gürlichen Kleinbronzen in der Folgezeit führt
nicht zu einem Abbruch der Produktion von Gefäßen und Kultgeräten aus
Metall. In den Tempeln oder Votivzonen der Tiernekropolen ndet sich ein
11
Beim Schmieden und Treiben der Gefäße aus einem Metallrohling auf besonderen Ambos-
sen musste darauf geachtet werden, die Gefäße regelmässig zu erhitzen bzw. zum Glühen zu
bringen, um das Metall geschmeidig und leichter formbar zu machen. Um Teile von Gefäßen
zusammenzufügen, wurden die Techniken des Nietens, Klammerns oder Lötens angewandt.
Abb. 4: Typisches Waschgeschirr des Alten Reiches mit Kanne und Schüssel, Museum August
Kestner, Hannover, Inv.-Nr. 1929.618a-b.
41
umfassendes Spektrum von Opferaltären und Räucherständern, Schöpfkel-
len, Libationsgefäßen, Ritualgeräten, Schüsseln, Krügen und Toilettenartikeln
aus Bronze, die entweder getrieben oder gegossen sind.12
Eine weitere Gruppe funktionaler Objekte stellen Werkzeuge und Waffen
dar. Sie wurden zuerst in offenen Formen aus Kupfer oder dem sich wegen
seiner Härte besonders für Gerätschaften eignenden Arsenkupfer gegossen;
später kamen – je nach Komplexität des Produkts – der Guss in zwei Hälften
oder das Wachsausschmelzverfahren zum Einsatz. Während Waffen wie Streit-
äxte, Dolche und Speer- und Pfeilspitzen von Militärs benutzt und ebenso wie
Teile der Ausrüstung für Streitwagen und Zaumzeug von spezialisierten
Handwerkern hergestellt wurden (Abb. 6), ist eine Vielzahl von Geräten aus
Kupfer, Bronze oder gar Eisen bekannt, die von verschiedenen Berufsgruppen
gebraucht wurden. Zur Be- und Verarbeitung von Holz kamen Äxte, Dechsel
und Sägen zum Einsatz (Abb. 7). Die in Form von verschiedenen Typen bekann-
ten Äxte wurden zunächst aus Kupfer oder Arsenkupfer geschmiedet, später
auch in offenen Formen und aus Zinnbronze gegossen. Sie wurden durch
Schmieden gehärtet und geschärft. Seit der Spätzeit kennt man auch eiserne
Axtblätter. Der Dechsel als Werkzeug für die Holzbear beitung und -glättung
war während der gesamten pharaonischen Zeit in Verwendung, ebenso wie die
Säge. Auch hier waren die Sägeblätter erst aus Kupfer, seit dem Mittleren Reich
auch aus Bronze gefertigt. Das Metall wurde ausgehämmert und die einzelnen
Zähne herausgebogen. Möbel wurden schließlich auch mit metallenen Orna-
menten oder Beschlägen versehen. Steinmetze und -bildhauer nutzten Meißel
und Gravurwerkzeuge, die in offenen oder Doppelformen gegossen, und deren
Klinge durch Hämmern und kontinuierliches Hochglühen geschärft wurde.
12 C. Insley Green: The Temple Furniture from the Sacred Animal Necropolis at North Saqqâra
1964-1976. Excavation Memoirs 35, London 1987.
Abb. 5: Bronzene Hathorschale der Nofret-her, Theben-West, Vorhof des Grabes von Rechmire,
Neues Reich, 18. Dynastie, um 1480-1425 v.Chr., Metropolitan Museum of Art, New York,
Inv.-Nr. 30.08.67 (http://www.metmuseum.org/collection/the-collection-online/search/544825).
42
Zum Spalten von Stein wurden Metallkeile benutzt, die aus Kupfer, seit der
Spätzeit auch aus Bronze und Eisen bestehen konnten. Seit der Pyramidenzeit
wurden sog. Schwalbenschwanz-Klammern aus Kupfer oder Bronze neben sol-
chen aus Holz zum Verbinden von Steinblöcken in Monumentalbauten einge-
setzt. Beim Fertigen von Steingefäßen wurden nicht nicht nur Bohreinsätze aus
Hartgestein, sondern auch solche aus Metall verwendet.
Die Verarbeitung von Leder und Stoff war ohne den Einsatz von Metall-
werkzeugen nicht denkbar. Das Leder wurde mit Schabern, Messern, Pfrie-
men und Nadeln aus Kupfer oder Bronze in Form gebracht (siehe Abb. 2 und
6), bei der Herstellung von Kleidung wurden Nadeln, Stecknadeln und Mes-
Abb. 6: Herstellung von Streitwagen, Waffen, Metall- und Steingefäßen, Ritualparaphernalia,
Möbeln und Schmuck wie Pektoralen und Ketten in einer Tempelwerkstatt, Umzeichnung eines
Wandreliefs im Grab des Puiemre, Theben, Neues Reich, 18. Dynastie, um 1480-1425 v.Chr.
(nach: N. de Garis Davies: The Tomb of Puyemre 1. The Hall of Memories. RPTMS 2. New York
1922, Pl. 23).
Abb. 7: Szene aus der Holzwerkstatt, Umzeichnung eines Wandreliefs aus dem Grab des Ti in
Saqqara, Altes Reich, 5. Dynastie, ca. 2445-2420 v.Chr. (nach: L. Epron, F. Daumas, G. Goyon:
Le tombeaux de Ti, Fasc. II.: La chapelle. Mémoire de l’Institut francais d’Archéologie Orientale
65. Kairo 1953, Pl. CLXXIV).
43
ser zum Ausschneiden von Stoff genutzt. Auch in Medizin und Körperp ege
sind verschiedene Geräte aus Metall zum Einsatz gekommen. Kupferne
Modellwerkzeuge als Beigaben in Gräbern ägyptischer Ärzte des Alten Rei-
ches werden als chirurgische Instrumente interpretiert; im Tempel von Kom
Ombo aus griechisch-römischer Zeit ist ein Instrumentarium in einem Bild-
tableau dargestellt, bei dem aber nicht alle dargestellten Objekt zweifelsfrei
als medizinische Geräte identi ziert werden können.13 Das Feld der Körper-
p ege wird von Spiegeln, Messern, Zangen, Pinzetten, Rasiermessern, Haar-
schneideinstrumenten und Lockenwicklern gebildet (Abb. 8). Unter den Ra -
siermessern sind wiederum verschiedene Typen aus den einzelnen Epochen
bekannt, die Mehrzahl besteht aus Kupfer und Bronze. Kohl-Stäbchen aus
Metall dienten neben solchen aus Holz dem Auftragen der Augenschminke.
Im Ackerbau und der Feldarbeit kam nur ein kleines Spektrum von Metall-
gerätschaften zum Einsatz, was eine gewisse soziale und funktionale Vertei-
lung von Metall impliziert. Seit dem Neuen Reich sind aus Bronze gegossene
Hacken bekannt, Sicheln mit Eisenblättern werden erst in griechisch-römi-
scher Zeit eingesetzt. Sonst bestimmen Sicheln mit Flinteinsätzen das Bild.
Zum Fischen und Angeln kamen Harpunenspitzen und Angelhaken aus
Kupfer und Bronze zum Einsatz. Auch Musikinstrumente wurden aus Metall
hergestellt. Am berühmtesten sind sicher die Trompeten aus Silber und Gold,
die zum Grabschatz des Tutanchamun gehören. Sistren aus Bronze wurden
als Begleitung ritueller Zeremonien und Feste gespielt. Schellen und Glöck-
chen aus Bronze, Gold und Silber kamen ebenfalls bei solchen Gelegenheiten
zum Einsatz.
13 J. F. Nunn: Ancient Egyptian Medicine. London 1996, 163-165.
Abb. 8: Ein Kosmetikset aus Grab CC 37 in Theben-West, bestehend aus Kohl-Gefäß mit
Applikator, Rasiermesser, Pinzette, Spiegel und Schleifstein, Neues Reich, 18. Dynastie,
ca. 1550-1458 v.Chr., Metropolitan Museum of Art, New York, Inv.-Nr. 26.7.837-group
(http://www.metmuseum.org/collection/the-collection-online/search/590954).
44
Neben einer Verwendung für Schmuck als Ausstattung des körperlichen
Nahbereichs, als Material für Gefäße, Ritualparaphernalia, Altäre und Opfer-
tische sowie Mumienschmuck waren Gold, Silber und Elektrum sowie Bron-
ze auch für die Herstellung von Königs- und Götterstatuen in Gebrauch. Da -
rüber hinaus zeichnet sie noch eine weitere, und sehr eindrucksvolle Nutzung
aus: als architektonisches Element im Tempel oder als Beschlag eines solchen.
So sind kupferne Tür ügel belegt, darüber hinaus wird Kupfer wie Bronze als
ornamentale Zierde oder als Überzug von Flaggenmasten oder Tempel toren
genannt (Abb. 9). Dies gilt ebenfalls für Gold, Silber und Elektrum, die in
Form von Blattgold einst Türen, Tempeltore, Tempelkapellen und -wände
sowie Götterbarken und Obelisken schmückten. Nach dieser allgemeinen
Durchsicht durch die Vielfalt des Spektrums der Metallgeräte und -objekte
des Alten Ägypten zeigt sich deren Bedeutung für fast allen Bereiche des täg-
lichen Lebens.
Abb. 9: Der Pylon des Amun-Tempels mit goldenem Tor und goldbeschlagenen
Flaggenmasten, Wandmalerei im Grab des Panehsy, Theben, Neues Reich, 19. Dynastie, um
1279-1213 v.Chr. (nach: http://heidicon.ub.uni-heidelberg.de/id/26533 - © Eva Hofmann,
Ägyptologisches Institut Heidelberg).
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Stiftung Schloss Friedenstein Gotha: Herzogliches Museum
  • Dietrich Raue
Dietrich Raue VI. Stiftung Schloss Friedenstein Gotha: Herzogliches Museum....... 359
Die Schätze der Pharaonen
  • H W Müller
H. W. Müller: Die Schätze der Pharaonen. Augsburg 1998.
Mittleres Reich, 12. Dynastie, um 1980-1800 v.Chr. (nach: W. K. Simpson: Papyrus Reisner II. Accounts of the Dockyard Workshop at This in the Reign of Sesostris I. Transcription and Commentary
  • Abb
Abb. 1: Werkzeugkoffer mit Modellwerkzeugen wie Äxten, Dechseln und Sticheln, Grabbeigabe aus Assiut, Mittleres Reich, 12. Dynastie, um 1980-1800 v.Chr. (nach: W. K. Simpson: Papyrus Reisner II. Accounts of the Dockyard Workshop at This in the Reign of Sesostris I. Transcription and Commentary. Boston 1965, Frontispice).
The Life of Rekhmara
  • Abbstichel
  • Glätter
  • Bohrer
  • Sägen
Abb. 2: Die Werkstätten des Tempels: Herstellung von Sandalen, Stühlen, Betten und verzierten Schreinen mit verschiedenen Werkzeugen (Stichel, Glätter, Bohrer, Sägen, Dechsel etc.), Umzeichnung einer Wandmalerei aus dem Grab des Wesirs Rehmire, Theben, Neues Reich, 18. Dynastie, um 1460-1400 v.Chr. (nach: P. E. Newberry, The Life of Rekhmara. Westminster 1900, Pl. 18).
Seit der Pyramidenzeit wurden sog. Schwalbenschwanz-Klammern aus Kupfer oder Bronze neben solchen aus Holz zum Verbinden von Steinblöcken in Monumentalbauten eingesetzt
  • Zum Spalten Von Stein Wurden Metallkeile Benutzt
Zum Spalten von Stein wurden Metallkeile benutzt, die aus Kupfer, seit der Spätzeit auch aus Bronze und Eisen bestehen konnten. Seit der Pyramidenzeit wurden sog. Schwalbenschwanz-Klammern aus Kupfer oder Bronze neben solchen aus Holz zum Verbinden von Steinblöcken in Monumentalbauten eingesetzt. Beim Fertigen von Steingefäßen wurden nicht nicht nur Bohreinsätze aus Hartgestein, sondern auch solche aus Metall verwendet. Die Verarbeitung von Leder und Stoff war ohne den Einsatz von Metallwerkzeugen nicht denkbar. Das Leder wurde mit Schabern, Messern, Pfriemen und Nadeln aus Kupfer oder Bronze in Form gebracht (siehe Abb. 2 und 6), bei der Herstellung von Kleidung wurden Nadeln, Stecknadeln und
Möbeln und Schmuck wie Pektoralen und Ketten in einer Tempelwerkstatt, Umzeichnung eines Wandreliefs im Grab des Puiemre Dynastie, um 1480-1425 v.Chr. (nach: N. de Garis Davies: The Tomb of Puyemre 1. The Hall of Memories
  • Abb Herstellung Von Streitwagen
  • Waffen
  • Ritualparaphernalia Steingefäßen
Abb. 6: Herstellung von Streitwagen, Waffen, Metall-und Steingefäßen, Ritualparaphernalia, Möbeln und Schmuck wie Pektoralen und Ketten in einer Tempelwerkstatt, Umzeichnung eines Wandreliefs im Grab des Puiemre, Theben, Neues Reich, 18. Dynastie, um 1480-1425 v.Chr. (nach: N. de Garis Davies: The Tomb of Puyemre 1. The Hall of Memories. RPTMS 2. New York 1922, Pl. 23).
Szene aus der Holzwerkstatt, Umzeichnung eines Wandreliefs aus dem Grab des Ti in Saqqara, Altes Reich, 5. Dynastie, ca. 2445-2420 v
  • G Abb
  • Goyon
Abb. 7: Szene aus der Holzwerkstatt, Umzeichnung eines Wandreliefs aus dem Grab des Ti in Saqqara, Altes Reich, 5. Dynastie, ca. 2445-2420 v.Chr. (nach: L. Epron, F. Daumas, G. Goyon:
La chapelle. Mémoire de l'Institut francais d'Archéologie Orientale 65
  • Fasc Ii Le Tombeaux De Ti
Le tombeaux de Ti, Fasc. II.: La chapelle. Mémoire de l'Institut francais d'Archéologie Orientale 65. Kairo 1953, Pl. CLXXIV).
18. Dynastie, ca. 1550-1458 v.Chr., Metropolitan Museum of Art
  • Rasiermesser Applikator
  • Pinzette
  • Neues Spiegel Und Schleifstein
  • Reich
Applikator, Rasiermesser, Pinzette, Spiegel und Schleifstein, Neues Reich, 18. Dynastie, ca. 1550-1458 v.Chr., Metropolitan Museum of Art, New York, Inv.-Nr. 26.7.837-group (http://www.metmuseum.org/collection/the-collection-online/search/590954).