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Açaí (Euterpe oleracea Mart.)

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Die Früchte der Kohlpalme Euterpe oleracea Martius (»Açaí-Beeren«) werden als Nahrungsergänzungsmittel mit einem breiten Spektrum gesundheitlicher und therapeutischer Wirkungen propagiert, die auf den hohen Gehalt an Antioxidanzien zurückzuführen sein sollen. In vielen Regionen Brasiliens hat die Palme eine lange Geschichte als Heilpflanze sowie als Nahrungslieferant. Traditionell werden die Früchte zur Behandlung von Fieber, Hauterkrankungen, Verdauungsstörungen und Parasitenbefall eingesetzt. Die Açaí-Beere besitzt einen relativ hohen Gehalt an Polyphenolen, der in verschiedenen (meist In-vitro-) Studien mit antioxidativen, entzündungshemmenden, antiproliferativen und kardioprotektiven Eigenschaften in Verbindung gebracht wird. Der vorliegende Beitrag fasst das gesicherte Wissen über die Phytochemie und Pharmakologie der Pflanze (sowie deren Grenzen) zusammen. Da es bisher nur wenige Studien gibt, sind die Ergebnisse größtenteils nicht eindeutig. Açaí besitzt ein vielversprechendes Potenzial im Bereich antiproliferativer und kardioprotektiver Wirkung, doch weitere Untersuchungen sind notwendig. Die vielfach geltend gemachten gesundheitlichen Wirkungen der Pflanze können nur in begrenztem Umfang bestätigt werden. Summary Açaí (Euterpe oleracea Mart.) - a phytochemical and pharmacological assessment of the species’ health claims The palm Euterpe oleracea Martius (açaí) has been acclaimed to have a wide range of health-promoting and therapeutic benefits due to its reportedly high levels of antioxidants. Açaí has a history of use as a medicinal plant and as a staple food in many parts of Brazil. Traditionally, it has been used to treat fevers, skin complications, digestive disorders and parasitic infections. Açaí has a relatively high content of polyphenols, which in turn has been linked to a range of reported (mostly in vitro) antioxidant, anti-inflammatory, antiproliferative and cardioprotective properties. This review highlights the scientific knowledge about its phytochemistry and pharmacology (and its limitations). Since there have been very limited studies the results are mostly inconclusive. Açaí demonstrates promising potential with regard to antiproliferative activity and cardioprotection but further studies are required. Claims about alleged health benefits can generally only be substantiated to a very limited degree.
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2Heinrich M, Dhanji T, Casselman I. Açaí (Euterpe oleracea Mart.) Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33: 000–000
Açaí (Euterpe oleracea Mart.)
Eine phytochemische und pharmakologische Beurteilung
des möglichen therapeutischen Nutzens*
Michael Heinrich1,2, Tasleem Dhanji1, Ivan Casselman1
Seit einigen Jahren werden Açaí-Beeren
[sprich assai:] als ein Nahrungsergän-
zungsmittel vermarktet, dem außerge-
wöhnliche gesundheitliche Wirkungen
nachgesagt werden: rasche Gewichtsab-
nahme, Verbesserung der Verdauung, Vor-
beugung gegen kardiovaskuläre Erkran-
kungen und Verhinderung des Alterungs-
prozesses (37, 50, 61). Mehrere Hersteller
haben Açaí-Produkte in Form von Tablet-
ten, Saft, Energiedrinks, Pulver und Smoot-
hies aggressiv vermarktet, insbesondere in
Nordamerika (v.a. USA), Europa und Japan
(11, 18). Ihre Behauptungen gründen sich
auf eine angeblich besondere phytochemi-
sche Zusammensetzung der Beeren und
der daraus hergestellten Produkte, mit ein-
zigartigen antioxidativen Eigenschaften.
Açaí ist eines der ersten Beispiele für die
wirksame Vermarktung und Verbreitung
lokaler Produkte auf einem weltweiten
Markt mit Hilfe des Internets. Die Popula-
rität der Pflanze begann zunächst in den
USA und wird mit der bekannten Showma-
sterin Oprah Winfrey in Verbindung ge-
bracht, die im November 2004 die Açaí-
Beere und ihre möglichen gesundheitli-
chen Wirkungen (wie Anti-Aging-Effekt,
Stärkung des Immunsystems und Verbes-
serung des Energieniveaus) erstmals er-
wähnte, auch wenn sie diese Behauptun-
gen nie offiziell unterstützt oder bestätigt
hat (65). Dieses Phänomen ist Teil eines
weltweiten Prozesses, bei dem lokale Pro-
dukte zu globalen Handelswaren werden
(25, 48, 58).
Zu den wichtigsten Behauptungen in den
Anzeigenkampagnen für Açaí zählen ra-
scher Gewichtsverlust, Verbesserung der
sexuellen Funktionen, Verlangsamung des
Alterungsprozesses und lebensverlängern-
de Wirkung, was zu großen Bedenken bei
den zuständigen Behörden führte (13–15).
Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass Nah-
rungsmittel mit hohem Gehalt an Antio-
xidanzien, wie Polyphenolen, Phenolsäu-
ren, Flavonoiden und Carotinoiden, das Ri-
siko für kardiovaskuläre Erkrankungen so-
wie einige Krebsarten verringern können
(66). Der vorliegende Beitrag fasst daher
ZUSAMMENFASSUNG
Die Früchte der Kohlpalme Euterpe oleracea Martius (»Açaí-Beeren«) werden als Nah-
rungsergänzungsmittel mit einem breiten Spektrum gesundheitlicher und therapeu-
tischer Wirkungen propagiert, die auf den hohen Gehalt an Antioxidanzien zurück-
zuführen sein sollen. In vielen Regionen Brasiliens hat die Palme eine lange Ge-
schichte als Heilpflanze sowie als Nahrungslieferant. Traditionell werden die Früchte
zur Behandlung von Fieber, Hauterkrankungen, Verdauungsstörungen und Parasi-
tenbefall eingesetzt. Die Açaí-Beere besitzt einen relativ hohen Gehalt an Polyphe-
nolen, der in verschiedenen (meist In-vitro-) Studien mit antioxidativen, entzün-
dungshemmenden, antiproliferativen und kardioprotektiven Eigenschaften in Ver-
bindung gebracht wird. Der vorliegende Beitrag fasst das gesicherte Wissen über die
Phytochemie und Pharmakologie der Pflanze (sowie deren Grenzen) zusammen. Da
es bisher nur wenige Studien gibt, sind die Ergebnisse größtenteils nicht eindeutig.
Açaí besitzt ein vielversprechendes Potenzial im Bereich antiproliferativer und kar-
dioprotektiver Wirkung, doch weitere Untersuchungen sind notwendig. Die vielfach
geltend gemachten gesundheitlichen Wirkungen der Pflanze können nur in begrenz-
tem Umfang bestätigt werden.
Euterpe oleracea Mart., Açaí, Arecaceae (Palmae), Gewichtsabnahme, kardiovaskuläre
Gesundheit, Nutrazeutika, traditionelle Medizin, traditionelle Nahrungsmittel
Schlüsselwörter
* Aktualisierte und gekürzte Übersetzung der
Publikation von Heinrich et al. in Phytochemistry
Letters 2011; 4: 10–21
1Center for Pharmacognosy and Phytotherapy,
The School of Pharmacy (University of London),
29–39 Brunswick Sq., London WC1N 1AX, UK
2Southern Cross Plant Science, Centre for Phyto-
chemistry and Pharmacology, Southern Cross
University, Lismore NSW 2480, Australia
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AÇAÍ
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Heinrich M, Dhanji T, Casselman I. Açaí (Euterpe oleracea Mart.) Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33: 000–000
die verfügbaren Informationen zur Anwen-
dung von Açaí in der Behandlung und Prä-
vention spezifischer Erkrankungen und
insbesondere zur Phytochemie der Pflanze
zusammen.
Botanische Beschreibung
Die Gattung Euterpe (Arecaceae, Palmae)
umfasst 8 Arten von Palmen, die in Zentral-
und Südamerika beheimatet und im nörd-
lichen Südamerika weit verbreitet sind, mit
der höchsten Dichte in den Überflutungs-
zonen der Amazonasmündung (57). Eine
andere Art dieser Gattung – Euterpe edulis
Mart. – wird häufig zur Gewinnung von
»Palmherzen« verwendet.
Die Kohlpalme (Euterpe oleracea Mart.) ist
eine mehrstämmige, einhäusige Palme mit
hohen, schlanken Stämmen, die bis zu 25
m hoch werden (34). Die Früchte bilden im
unreifen Zustand grüne Büschel und wer-
den im reifen Zustand tief purpurfarben
und etwa weintraubengroß (47, 54)
(Abb. 1). Jede Frucht enthält einen großen
Kern von ca. 7–10 mm (57). Das harte, pur-
purfarbene Epikarp bildet eine sehr dünne
Schicht, das Mesokarp ist 1–2 mm dick. Der
Samenkern macht den größten Teil der
Frucht aus (80–95%) (47, 57).
Die Kohlpalme zählt zu den häufigsten Ar-
ten im Bereich der Amazonas-Mündungs-
gebiete, und die Açaí-Produktion nimmt
infolge des Übergangs von der Entnahme
aus Naturbeständen zu intensivem kom-
merziellem Anbau immer mehr zu (40).
Lokale und traditionelle
Verwendung
Auch wenn es kaum eine dokumentierte
Geschichte zur Verwendung der Açaí-Bee-
ren gibt, war diese in den tropischen Re-
gionen Brasiliens doch weit verbreitet.
Viele Häuser sind von dichten Kohlpalmen-
beständen umgeben, die als terreiros
(Hausgarten) bezeichnet werden (40). Bei-
spielsweise basiert die Ernährung der Co-
boclos (Volksstamm mit brasilianisch-in-
dianischen und europäischen oder afrika-
nischen Wurzeln) häufig bis zu 42% (bezo-
gen auf das Trockengewicht) auf der
Açaí-Beere (20, 34). In vielen Teilen Brasi-
liens wird der Saft der Açaí-Beere mit Ma-
niok- oder Tapiokamehl gemischt und mit
Fisch oder Shrimps als Kaltschale serviert
(40). Von Bedeutung ist außerdem, dass
Surfer an der brasilianischen Küste in den
1990er-Jahren bemerkten, dass Getränke
mit Açaí ihnen sehr viel Energie gaben, und
dass dieses Energieniveau ohne weitere
Nahrungsaufnahme über einen langen
Zeitraum anhielt. Folglich wurde Açaí-Saft
in Brasilien zu einem beliebten Strandge-
tränk (34).
Açaí-Früchte werden in lauwarmem Was-
ser mazeriert und die Samenkerne ent-
fernt. Anschließend wird der Früchtebrei
püriert, mit Wasser verdünnt und schließ-
lich zu einem Saft gefiltert (47) (Abb. 2). In
zahlreichen Berichten wird eine medizini-
sche Nutzung dieses Açaí-Safts erwähnt.
Die Bewohner der ärmsten Regionen Brasi-
liens im Norden und Nordosten verwenden
den Saft traditionell gegen Grippe, Fieber
und Schmerzen (38). Das dunkelgrüne Öl
der Früchte wird als beliebtes Volksheil-
mittel gegen Diarrhö eingesetzt (59). Au-
ßerdem wird die geriebene Fruchtschale
lokal bei Hautgeschwüren aufgetragen,
und aus den zerkleinerten Samen wird
durch Einweichen und Ziehenlassen ein
Flüssigextrakt zur Behandlung von Fieber
hergestellt. Auch im peruanischen Amazo-
nasgebiet wird ein Aufguss aus den gerö-
steten und zerkleinerten Samen gegen
Fieber verwendet (24). Eingeborenenhei-
ler benutzten die Beeren zur Behandlung
von Hautkrankheiten (Ekzeme), Verdau-
ungsstörungen (Diarrhö) und parasiti-
schen Erkrankungen (z.B. Helminthenbe-
fall) (17).
Da die Früchte in der Regel mit lauwarmem
Wasser zubereitet, also nicht gekocht wer-
den, besteht ein Risiko für die Verbreitung
der Chagas-Krankheit (Infektion mit Trypa-
nosoma cruzi), die durch Raubwanzen
(Triatominae), insbesondere Rhodnius
pictipes, übertragen wird. Dieses Risiko
kann durch Verunreinigung der Früchte
mit Wanzenkot oder toten Raubwanzen
gegeben sein (41, 64).
Abb.1: Unverkennbar ein Palmengewächs: Euterpe oleracea – reichlich fruchtend.
© CostaPPPR
Abb.2: Straßenverkauf von Açaí-Beeren und -Saft
in Belém (Brasilien).
© Decio Horita Yokota
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AÇAÍ
4Heinrich M, Dhanji T, Casselman I. Açaí (Euterpe oleracea Mart.) Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33: 000–000
Açaí-Vermarktung über
das Internet
Die Entwicklung des Internets hatte starke
Auswirkungen auf den Bereich der Pflan-
zenheilmittel und Nutrazeutika. Pflanzli-
che Heilmittel aus der ganzen Welt sind
heute online erhältlich. Das Spektrum der
allgemein verfügbaren und online abrufba-
ren Informationsquellen umfasst Blogs,
Podcasts, Video-Sharing-Portale, Wikipe-
dia, Nachrichtenseiten, Webseiten von
Großhändlern, Gesundheitsministerien,
Gesundheitsdiensten, unabhängigen Pa-
tientenberatungsorganisationen und wis-
senschaftlichen Zeitschriften. Obwohl es
ganz offensichtlich wichtig wäre, den Ein-
fluss dieser Quellen auf das Nutzungsver-
halten im Bereich der Gesundheitsversor-
gung zu untersuchen, gibt es bisher noch
keine umfassenden Forschungsstrategien
in diesem Themenbereich.
Für den vorliegenden Übersichtsartikel
wurde das globale und regionale Interesse
an Açaí von 2004 bis zur Gegenwart mithil-
fe von Google Insights for Search unter-
sucht, einem Tool zur Quantifizierung von
Suchvolumina über bestimmte Regionen
und Zeiträume hinweg. Abb. 3 zeigt das
Schätzung von 63 Mio. US$ kommen Die
Exportmengen von Brasilien nach USA, Ja-
pan, Italien und Holland liegen bei schät-
zungsweise 1000 t pro Monat. Das wichtig-
ste Exportprodukt ist eine Mischung aus
Açaí-Saft und anderen Früchten wie Acero-
la (Malpighia emarginata DC.) and Guaraná
(Paullinia cupana Kunth). Acerola and Gua-
raná finden sich in erster Linie in Energy-
Drinks und enthalten große Mengen an Vit-
amin C bzw. Koffein (18). Allein im Bundes-
staat Pará werden monatlich ca. 400 t kon-
sumiert, im Staat Sao Paulo 150 t pro Monat
und im Staat Rio de Janeiro 500 t pro Monat.
Nach Angaben von de Rosso et al. (8) zeich-
net der Staat Pará für fast 95% der brasilia-
nischen Açaí-Produktion verantwortlich.
Da die globale Nachfrage in den letzten Jah-
ren so dramatisch zugenommen hat, be-
fürchten die Einheimischen, die stark auf
Açaí angewiesen sind, dass es zu Versor-
gungsengpässen für die lokale Bevölkerung
und zu Preiserhöhungen im Inland kom-
men könnte (2, 26). Während der Erntepe-
riode von Dezember bis August entstehen
dabei ca. 1000 Arbeitsplätze für die lokale
Bevölkerung, vorwiegend in Pará, aber
auch in anderen Teilen Brasiliens (18).
Biologisch wirksame Inhaltsstoffe
Die wichtigsten Inhaltsstoffe in Açaí-Bee-
ren sind Polyphenole, insbesondere Antho-
cyane und Flavonoide (29, 44, 46). Fettsäu-
ren, Aminosäuren und weitere Nährstoffe
wurden ebenfalls detailliert untersucht
(59), und vor kurzem wurden geringe
Mengen von Lignanen gefunden (6). Im All-
gemeinen enthält die phytochemische Li-
teratur keine detaillierten Angaben dar-
über, welche Teile der Frucht jeweils unter-
sucht wurden. Vielen Studien liegen ge-
friergetrocknete Beeren zugrunde, wobei
es sich um eine Mischung aus Schalen und
Fruchtfleisch handelt (44, 60), während ge-
frorenes Fruchtpüree ausschließlich
Fruchtfleisch enthält (8) (Tab. 1).
Anthocyane
Lichtenthäler et al. (35) analysierten den
Anthocyangehalt von Açaí-Püree aus
Früchten, die in verschiedenen Jahren von
denselben Bäumen geerntet worden wa-
ren. Der Anthocyangehalt lag im Bereich
Muster des globalen Interesses, mit einem
dramatischen Anstieg, der 2008 einsetzt,
und einem anschließenden Abflachen. Die-
se Kurve ist vergleichbar mit der anderer
»neu entdeckter« und inzwischen weltweit
verbreiteter Nutrazeutika wie Goji (Lycium
barbarum L.) oder Mangostan (Garcinia
mangostana L.) (Casselman et al., unveröf-
fentlicht). Produkte, die schon jahrelang
weltweit auf dem Markt sind, weisen keine
solchen Muster auf. Auch wenn es noch
weiterer Analysen bedarf, ist doch offen-
sichtlich, dass das Internet ein wichtiger
Faktor war, der Açaí zu einer globalen Han-
delsware gemacht hat. Diese Daten zeigen
also die Nützlichkeit webbasierter Tools
zur Beurteilung des »Aufstiegs« eines neu-
en Nutrazeutikums und können diesen
Verlauf insbesondere auch im Falle von
Açaí klar nachweisen.
Produktion und weltweiter
Handel
Angaben über Umsätze mit Açaí schwanken
stark. Laut W&G Global Trade werden die
brasilianischen Umsätze mit Açaí in den
letzten Jahren auf 45 Mio. US$ pro Jahr ge-
schätzt, während andere Autoren zu einer
Abb.3: Açaí wird aufgrund ihres angeblich hohen Gehalts an Antioxidanzien als Pflanze mit einem weiten
Spektrum von gesundheitlichen und therapeutischen Wirkungen vermarktet. Eine Analyse der Google-
Suchvorgänge (nach Açaí) ergab zunächst (2004–2008) einen stetigen und im Zeitraum 2008–2009 einen
dramatischen Anstieg des Interesses für Açaí sowie einen anschließenden starken Abfall (2009–2011).
Damit ist Açaí ein Paradebeispiel für die Möglichkeit, über das Internet Produkte zu vermarkten, für die
nur wenige phytochemische und pharmakologische Informationen verfügbar sind.
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AÇAÍ
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Heinrich M, Dhanji T, Casselman I. Açaí (Euterpe oleracea Mart.) Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33: 000–000
von 88–211 mg/l. Die hauptsächlich in Açaí
enthaltenen Anthocyane sind Cyanidin-3-
glucosid und Cyanidin-3-rutinosid. Der
Gehalt an Cyanidin-3-glucosid lag bei
11,1–117 mg Gallussäure-Äquivalent
(GAE)/100 g, der an Cyanidin-3-rutinosid
bei 193–241,8 mg GAE/100 g (52, 59). Es
wurden außerdem geringere Mengen wei-
terer Anthocyane gefunden. Dazu zählen
Peonidin-3-rutinosid sowie Peonidin-3-
glucosid, die in Konzentrationen von 2 mg
GAE/100 g bzw. 4 mg GAE/100 g vorlagen.
Darüber hinaus wurden in einer Studie
auch die Anthocyane Cyanidin-3-arabi-
nosylarabinosid, Cyanidin-3-arabinosid
und Cyanidin-3-acetylhexose erwähnt (8,
10, 19, 35, 44, 52, 59, 60).
Flavonoide
Die wichtigsten in Açaí enthaltenen Fla-
vonoide sind Quercetin, Orientin und seine
Derivate sowie Proanthocyane. Diese
Gruppe beläuft sich in der Summe auf 1289
mg/100 g Trockengewicht (35, 44, 59). In
monomeren Fraktionen waren Cyanidin-
3-rutinosid (58,5 ± 4,6 %) und Cyanidin-3-
glucosid (41,5 ± 1,1%) die vorherrschenden
Bestandteile sind, während in polymeren
Fraktionen eine Mischung aus Anthocya-
naddukten zu finden war (45).
Antioxidatives Potenzial
Die Daten bezüglich des antioxidativen Po-
tenzials der Früchte sind widersprüchlich.
Del Pozo-Insfran et al. (10) kamen zu dem
Schluss, dass vor allem Anthocyane zur an-
tioxidativen Wirksamkeit von Açaí beitra-
gen. Ihr Gehalt ist höher als bei Muskatel-
lertrauben sowie bei verschiedenen Bee-
renarten, wie Gartenheidelbeere, Erdbeere,
Himbeere, Brombeere und Cranberry.
Schauss et al. (60) sowie Ribeiro et al. (52)
fanden außerdem niedrige bis mittlere
Phenolgehalte in Açaí (13,9 mg GAE/g). Die-
se Werte sind sehr viel niedriger als die an-
derer dunkler Beerenarten. So haben ge-
friergetrocknete Heidelbeeren einen Ge-
samtphenolgehalt von 33 mg GAE/g (4). Da
der Gesamtphenolgehalt eines anthocyan-
reichen Açaí-Extrakts um einiges höher war
als der gefriergetrockneter Açaí-Beeren,
scheint die Extraktionsmethode bei seiner
Bestimmung eine wichtige Rolle zu spielen.
Bei einer Untersuchung 18 weniger be-
kannter brasilianischer Früchte (frisch und
getrocknet) auf bioaktive Inhaltsstoffe und
die antioxidative Wirkung der Polyphenol-
extrakte ragte Açaí nicht besonders hervor
(55). Nicht überraschend war, dass Açaí ei-
nen hohen Gehalt an Anthocyanen (111
mg/100 g) und Flavonoiden (91,3 mg/100
g), aber auch an Chlorophyll (20,8 mg/100
g) aufwies.
Mithilfe des ORAC-Tests (oxygen radical
absorbance capacity), des CAP-e-Tests
(cell-based antioxidant protection in ery-
throcytes) und des ROS-PMN-Assays [Bil-
dung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) in
polymorphkernigen neutrophilen Granu-
lozyten (PMN)] ließ sich die antioxidative
Wirkung von Açaí mit Flavonoiden (u.a.
Orientin, Homoorientin, Vitexin, Luteolin,
Chrysoeriol, Quercetin und Dihydrokämp-
ferol) in Verbindung bringen (32, 33).
Fettsäuremuster
Die wichtigsten mehrfach ungesättigten
(13,3%), einfach ungesättigten (60,6%) und
gesättigten (26,1%) Fettsäuren in Açaí sind
Linolsäure (12,5%), Ölsäure (56,2%) und
Palmitinsäure (24,1%) (59). Linolsäure und
Ölsäure verbessern vermutlich das Lipid-
profil, und Linolsäure trägt möglicherwei-
se zur kardioprotektiven Wirkung von Açaí
bei (1). Daneben wurde eine große Zahl
weiterer Fettsäuren gefunden. Schauss et
al. (59) fanden 0,48 mg/g Trockengewicht
Phytosterine, darunter 0,44 mg β-Sitoste-
rin. Der Proteinanteil besteht aus 19 Ami-
nosäuren. Daneben wurde eine Reihe von
Lignanen gefunden, u.a. (+)-Isolariciresi-
nol, (+)-5-Methoxy-Isolariciresinol, (+)-La-
riciresinol, (+)-Pinoresinol), (+)-Syringare-
sinol; davon ist Pinoresinol als Antioxidans
bekannt. Keine dieser Verbindungen konn-
te jedoch in größeren Mengen isoliert wer-
den (< 0,01% des Extrakts) (6).
Pharmakokinetik
In Untersuchungen zeigte sich, dass 3 Stun-
den nach der Aufnahme von Heidelbeerex-
trakt nur 0,002–0,003% der Anthocyangly-
koside im menschlichen Blutplasma nach-
weisbar waren (23). Die verfügbaren Daten
weisen außerdem darauf hin, dass Antho-
cyane vom menschlichen Körper rasch,
doch nur in geringem Umfang absorbiert
werden (36). Pacheco-Palencia et al. (45)
untersuchten die In-vitro-Absorption mo-
nomerer und polymerer Fraktionen sowie
Kombinationen daraus. Monomere Ant-
hocanfraktionen (0,5–100 μg Cyanidin-3-
glukosid-Äquivalente/ml) hemmten die
Zellproliferation von HT-29 Dickdarm-
krebszellen um bis zu 95,2%, polymere
Fraktionen (0,5–100 μg Cyanidin-3-
Glukosid-Äquivalente/ml) um bis zu 92,3%.
Versuche zur In-vitro-Absorption mit
CaCo-2-Zellschichten zeigten, dass Cyani-
din-3-glukosid und Cyanidin-3-rutinosid
in ähnlicher Weise von der apikalen zur ba-
solateralen Seite der Zellschichten trans-
portiert wurden (mit einem Wirkungsgrad
von 0,5–4,9%), während bis zu 2 Stunden
nach Beginn der Inkubation noch keine po-
lymeren Anthocyane transportiert worden
waren. Die Beimischung polymerer Antho-
cyanfraktionen reduzierte auch den Trans-
port monomerer Anthocyane um bis zu
40,3 ± 2,8%. Folglich könnte das Vorliegen
polymerer Anthocyane die Absorptionsei-
genschaften von Açaí-Produkten signifi-
kant beeinflussen und die biologische Ver-
fügbarkeit der monomeren Verbindungen
verringern.
Tab. 1: Nährstoffprofil gefriergetrockneter
Açaí-Beeren (59).
Gehalt an pro 100 g
Trocken-
gewicht
Kalorien 533,9
– Kalorien aus Fett 292,6
Gesamtfett 32,5 g
– % gesättigte Fettsäuren 26,1
– % einfach unges. FS 60,6
– % mehrfach unges. FS 13,3
Cholesterin [sic!] 13,5 mg
Gesamtkohlenhydrate 52,2 g
– Ballaststoffe 44,2 g
– Zucker 1,3 g
Eiweiß 8,1 g
Vitamin A (Retinol) 1002 IU
Vitamin C < 0,1 mg
Kalzium 260 mg
Natrium 30,4 mg
Eisen 4,4 mg
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AÇAÍ
6Heinrich M, Dhanji T, Casselman I. Açaí (Euterpe oleracea Mart.) Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33: 000–000
Insgesamt liegen nur in begrenztem Um-
fang In-vivo-Untersuchungen zur biologi-
schen Verfügbarkeit von Flavonoiden so-
wie Anthocyanen vor. Noch ist relativ un-
klar, in welcher Weise Proanthocyane ab-
sorbiert oder metabolisiert werden. Daher
ist ihre Wirksamkeit in vivo noch recht um-
stritten (59). Generell gilt, dass Proantho-
cyane einen großen Teil der mit der Nah-
rung aufgenommenen Flavonoide ausma-
chen (51), und die chemische Zusammen-
setzung von Açaí unterscheidet sich nicht
sehr von der unserer üblichen Nahrung.
Pharmakologische und
biologische Wirkungen
Extrakte aus Euterpe oleracea haben ein
Spektrum verschiedener pharmakologi-
scher Wirkungen aufzuweisen (meist in vi-
tro), darunter antiproliferative, entzün-
dungshemmende, antioxidative und kar-
dioprotektive Eigenschaften (s. Tab. 2).
Antiproliferative Wirkungen
Sieben verschiedene Beerenarten – Erd-
beere (Fragaria xananasa), Gartenheidel-
beere (Vaccinium corymbosum), Brombee-
re (Rubus fruticosus), Himbeere (Rubus ida-
eus), Schwarze Himbeere (Rubus occidenta-
lis), Goji (Lycium barbarum), Noni (Morinda
citrifolia) und Açaí (Euterpe oleracea) –
wurden jeweils als Bestandteil der übli-
chen Tagesration an Ratten verfüttert (5%
der täglichen Nahrungsaufnahme). Es zeig-
te sich, dass alle Beeren in etwa gleichem
Umfang in der Lage waren, das Wachstum
eines durch N-Nitrosomethylbenzylamin
induzierten Ösophagus-Tumors zu hem-
men, trotz der bekannten Unterschiede im
Gehalt an Anthocyanen und Ellagitanninen
(62). In ähnlicher Weise untersuchten Has-
simotto et al. (22) 28 brasilianische Pflan-
zenarten, darunter Früchte, Gemüsearten
und kommerziell erhältliche tiefgefrorene
Fruchtmuse, auf ihre antioxidative Kapazi-
tät. Diese variierte von 0,73 bis 19,8 mmol
Butylhydroxytoluol (BHT)-Äquiv./μg, wo-
bei Maulbeeren (Trimeria grandiflora) und
Açaí-Fruchtpüree die höchsten Werte auf-
wiesen (19,8 bzw. 18,2 mmol BHT-
Äquiv./μg).
Hogan et al. (27) untersuchten mithilfe ei-
nes MTT-Tests die Wirkung eines anthocy-
anreichen Extrakts aus Açaí-Pulver auf die
Proliferation von C6-Glioma-Zellen aus
Rattenhirn und der humanen Brustkrebs-
Zelllinie MDA-468. In Abhängigkeit von der
Dosis hemmten die Extrakte die Prolifera-
tion der C6-Glioma-Zellen, hatten jedoch
keine Wirkung auf die MDA-468-
Brustkrebszellen (s. Tab. 2). Der IC50-Wert
war vergleichsweise hoch (121 μg/ml; C6-
Zellen) und ließ eine zeitabhängige Inhibi-
tion erkennen. Zum Vergleich wurden wei-
tere Beerenextrakte mit hohen Anthocyan-
gehalten ebenfalls auf ihre antiproliferative
Wirkung auf C6-Glioma-Zellen getestet.
Die Ergebnisse zeigten, dass anthocyanrei-
che Açaí-Extrakte im Vergleich zur unbe-
handelten Kontrolle sowie zu Heidelbeere,
Guave oder Himbeere eine signifikant bes-
sere Wirkung erzielten. Leider wurden kei-
ne Angaben zur Dosis der Beeren, zur Zu-
sammensetzung der verwendeten Extrak-
te sowie zu den sonstigen experimentellen
Details gemacht, weshalb die Resultate mit
Vorsicht zu bewerten sind.
In C6-Glioma-Zellen, die mit Açaí-Extrakt
in Konzentrationen von 100 und 200 μg/ml
behandelt worden waren, wurde nach 48
Stunden im Gegensatz zu den Kontrollen
eine DNA-Fragmentierung festgestellt, je-
doch wurde kein möglicher Mechanismus
oder Pfad vorgeschlagen.
Fazit: Insgesamt lässt sich die behauptete
Wirksamkeit gegen Krebs auf Basis solcher
In-vitro-Daten nicht bestätigen, und wie
Hogan et al. (27) feststellten, tragen die in
Açaí normalerweise enthaltenen Antho-
cyane wahrscheinlich nicht zur antiprolife-
rativen Wirkung von Açaí-Extrakten gegen
C6-Krebszellen bei.
Antigenotoxische Effekte
Eine In-vivo-Studie an Mäusen untersuch-
te die Wirkung von Açaí-Fruchtpüree in
Kombination mit dem Zytostatikum Doxo-
rubicin (DXR). DXR wurde gewählt, weil
sein Einsatz in der Tumorbehandlung
durch dosisbegrenzende Nebenwirkungen
eingeschränkt ist, insbesondere eine dabei
auftretende Kardiotoxizität (52), die auf die
Bildung reaktiver Sauerstoffspezies zu-
rückzuführen ist. Der gleichzeitige Einsatz
von Antioxidanzien könnte also eine hilf-
reiche Strategie darstellen. Daher wurde
die akute (24 Std.) sowie subakute (täglich
über einen Zeitraum von 14 Tagen) Gabe
von Açaí-Fruchtpüree (jeweils 3,33, 10,0
und 16,67 g/kg Körpergewicht) experi-
mentell untersucht, wobei jeweils am letz-
ten Tag vor der Euthanasie DXR gegeben
wurde (s. Tab. 2). Die zytotoxische Wir-
kung der Behandlung wurde mit dem Mi-
krokern-Test am Knochenmark sowie mit
der Einzelzellgelelektrophorese (Comet As-
say) untersucht. Die verwendeten Konzen-
trationen von Açaí-Fruchtpüree führten in
allen Fällen zu einer signifikanten Reduzie-
rung der Häufigkeit polychromatischer
Erythrozyten (deren Bildung im Knochen-
mark sowie im peripheren Blut durch DXR-
Gaben induziert wird) im Vergleich zu den
Kontrollen. Im Comet Assay ließ sich nach-
weisen, dass die Gabe von Açaí-Fruchtpü-
ree in allen 3 verwendeten Konzentratio-
nen die durch DXR induzierte Genotoxizi-
tät im Vergleich zur Kontrolle signifikant
reduzierte. Bei beiden Testverfahren er-
wies sich die subakute Behandlung als
wirksamer (52).
Fazit: Insgesamt waren die Ergebnisse sehr
ermutigend, da alle 3 getesteten Konzen-
trationen zu einer Reduzierung der Neben-
wirkungen von DXR führten.
Wirkung auf NO- und iNOS-Bildung
Matheus et al. (38) untersuchten die inhi-
bitorische Wirkung der Ethylacetat-, n-Bu-
tanol- und Wasserfraktionen eines Etha-
nolextrakts aus Blüten, Früchten und Pal-
mentriebspitzen von Euterpe oleracea auf
die Bildung von Stickstoffmonoxid (NO)
und induzierbarer Stickstoffmonoxid-Syn-
thase (iNOS) in der murinen Makrophagen-
Zelllinie RAW 264.7 (Griess-Reaktion) nach
Stimulation mit Gamma-Interferon (IFN-γ)
und Lipopolysacchariden (LPS). Die Ergeb-
nisse zeigten, dass der Ethanolextrakt der
Früchte mit einem IC50-Wert von 0,9 μg/ml
am wirksamsten war, gefolgt vom Ethanol-
extrakt der Blüten (IC50 = 1,2 μg/ml) und
dem n-Butanolextrakt der Früchte (IC50 =
1,3 μg/ml). Dagegen zeigten die Fraktionen
aus den Palmentriebspitzen keine signifi-
kante inhibitorische Wirkung.
Fazit: Die Studie wies nach, dass die Etha-
nolextrakte der Früchte und Blüten nach
Induktion mit LPS/IFN-γ die stärkste inhi-
bitorische Wirkung auf die Bildung von NO
und iNOS aufwiesen. Allerdings fehlt eine
P O R T R Ä T E I N E R A R Z N E I P F L A N Z E
AÇAÍ
7
Heinrich M, Dhanji T, Casselman I. Açaí (Euterpe oleracea Mart.) Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33: 000–000
Tab. 2: Açaí – pharmakologische Untersuchungen und Interventionsstudien*
Extrakt
(untersuchter
Dosisbereich)
antiproliferative
Wirkung – in vitro
anthocyanreicher
Açaí-Extrakt (50,
100, 200 μg/ml)
antiproliferative
Wirkung – in vivo
Açaí-Fruchtpüree
(3,33, 10,0 und
16,67 g/kg Körper-
gewicht, akute und
subakute Behand-
lung)
entzündungshem-
mende Wirkung –
in vitro
Gesamtethanol-,
Ethylacetat- und n-
Butanolextrakt aus
Açaí-Blüten, -Früch-
ten und -Triebspit-
zen (1–300 μg/ml)
gefriergetrocknetes
Açaí (-Pulver) (keine
Angaben zur ver-
wendeten Dosis, nur
IC50-Werte)
antioxidative
Wirkung – in vitro
gefriergetrocknetes
Açaí (Pulver aus
Fruchtpüree inkl.
Epikarp), als Opti
Açai im Handel er-
hältlich (0,5 g Pulver
in 5 ml phosphatge-
pufferter Salzlösung
(pH 7,4))
anthocyanreicher
Açaí-Extrakt
verwendete
Kontrollen
nur unbe-
handelte
Kontrollen
positive und
negative Kon-
trollen (mit
DXR bzw. mit
destilliertem
Wasser)
Nitritkonzen-
tration ohne
LPS/IFN-γ-
Stimulation
keine Angaben
zu Kontrollen
keine Angaben
zu Kontrollen
keine Angaben
zu Kontrollen
Ergebnisse
C6-Glioma-Zellen aus Rattenhirn: 38%,
45%, 62% Wachstumshemmung;
MDA-468 Brustkrebszellen: keine Hinweise
auf antiproliferative Wirkung;
DNA-Fragmentierung (Induktion von
Apoptose) bei C6-Krebszellen
Schutzwirkung von Açaí-Fruchtpüree so-
wohl bei der akuten als auch bei der sub-
akuten Behandlung nachweisbar. Generell
zeigte die subakute Behandlung eine bes-
sere Schutzwirkung gegen DXR-induzierte
DNA-Schädigung von Leber- und Nieren-
zellen
Blüten- und Fruchtfraktionen hemmten
die LPS/IFN-γ-induzierte NO-Produktion,
wobei Fruchtfraktionen die stärkste inhibi-
torische Wirkung aufwiesen;
Blüten- und Fruchtfraktionen
(Gesamtethanolextrakt) hemmten die
Expression von iNOS
moderate Inhibitionswirkung mit einem
IC50-Wert von 6,96 mg/ml für COX-1 und
12,50 mg/ml für COX-2
H-ORACFL: 997 μmol TE/g
L-ORACFL: 30 μmol TE/g
TAC: 1027 μmol TE/g
NORAC: 34 μmol TE/g
HORAC: 52 μmol GAE/g
SOD: 1614 Einheiten/g
(s. auch Text)
ORACFL: 1800 μmol TE/g, d.h. zweimal so
hoch wie der von Schauss et al. (60) ge-
fundene Wert von 997 μmol TE/g
Beobach-
tungen
keine
statistische
Auswertung
keine
statistische
Auswertung
Literatur
Hogan
et al.,
2010 (27)
Ribeiro
et al.,
2010 (52)
Matheus
et al.,
2006 (38)
Schauss
et al.,
2006b
(60)
Schauss
et al.,
2006b
(60)
Hogan
et al.,
2010 (27)
Modell
MTT-Test: antiproliferative Wir-
kung auf C6-Glioma-Zellen aus
Rattenhirn sowie auf MDA-
468-Zellen
DNA-Fragmentierungstest
Sondenfütterung bei neuge-
borenen Mäusen (7–8 Wochen
alt) vor intraperitonealer Injek-
tion von Doxorubicin (DXR)
Bildung von Stickstoffmonoxid
(NO) und induzierbarer Stick-
stoffmonoxid-Synthase (iNOS)
in RAW 264,7 (Griess-Reak-
tion) nach Stimulation mit
Gamma-Interferon (IFN-γ) und
Lipopolysacchariden (LPS)
Inhibition von COX-1-
und COX-2-Enzymen
unterschiedliche In-vitro-
Modelle
ORACFL, DPPH-Test
* Stand Dezember 2010; die Bibliografie des Hauptartikels wurde für diese Übersetzung bis April 2012 ergänzt.
P O R T R Ä T E I N E R A R Z N E I P F L A N Z E
AÇAÍ
8Heinrich M, Dhanji T, Casselman I. Açaí (Euterpe oleracea Mart.) Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33: 000–000
Tab. 2: Fortsetzung
Extrakt
(untersuchter
Dosisbereich)
Açaí-Saftmischung
(MonaVieTM, Saft-
zubereitung aus
verschiedenen
Komponenten)
0,016–10 g/l
antioxidative
Wirkung –
Interventionsstudie
Açaí-Saftmischung
(MonaVieTM)
Dosis: 120 ml
kardioprotektive
Wirkung – in vivo
unterschiedliche Er-
nährungsweise: bei
der Açaí-Gruppe
wurden 20 g/kg Kör-
pergewicht Açaí-
Fruchtpüree als Teil
der normalen Ernäh-
rung gegeben
gefrorener wässriger
Extrakt (aus der gan-
zen Açaí-Frucht),
Hydroalkoholextrakt
aus Açaí-Samen so-
wie aus der Schale
(0,1–100 μg)
verwendete
Kontrollen
unbehandelte
polymorpho-
nukleäre
Zellen (PMN)
(ohne
MonaVie,
ohne H2O2)
Placebo
Kontrolldiät
mit 10 μM NE
induzierte
Kontraktion
des mesente-
rialen Gefäß-
betts
Ergebnisse
bei mit MonaVie vorbehandelten Zellen
zeigte sich eine signifikante Schutzwirkung
gegen oxidativen Stress.
Mit H2O2behandelte PMN-Zellen (ohne
MonaVie) wiesen die höchste Konzentrati-
on an reaktiven Sauerstoffspezies auf.
Die Autoren gehen davon aus, dass »Antio-
xidantien aus der Saftmischung in die Zel-
len eindrangen und sie vor oxidativer Schä-
digung schützten
(p < 0,001), während PMN-Zellen eine ver-
ringerte Bildung von reaktiven
Sauerstoffspezies (p < 0,003) und eine re-
duzierte Migration zu den 3 entzündungs-
fördernden Chemoattraktoren fmlp (p <
0,001), Leukotrien B4
(p < 0.05) und IL-8 (p < 0,03) aufwiesen«.
statistisch signifikante Unterschiede
in der antioxidativen Kapazität des
Serums nach Einnahme von MonaVie bzw.
nach Placebo nach 1 Std
(p < 0,003) sowie nach 2 Std
(p < 0,015). Einnahme von MonaVie führte
zu einer Verringerung der
Lipidperoxidation in vivo.
reduzierte Proteinoxidation (geringere
Carbonylproteinwerte) bei CA- und
HA-Diät.
Verringerung der SOD-Aktivität bei
HA-Diät.
Erhöhte PON-Werte bei CA- und HA-
im Vergleich zur C- und H-Diät.
alle 3 Extrakte zeigten eine dosisabhängi-
ge, anhaltend gefäßerweiternde Wirkung
auf das mesenteriale Gefäßbett bei der
Ratte;
die stärkste Wirkung hatte dabei der
Extrakt aus Açaí-Samen (niedrigster
ED50-Wert).
Beobach-
tungen
diese Untersu-
chung verdient
besondere
Beachtung,
da sie In-vitro-
und In-vivo-
Experimente
beinhaltet
(s.u.)
s.o.
Literatur
Jensen
et al.,
2008 (30)
Jensen
et al.,
2008 (30)
de Souza
et al.,
2010 (9)
Rocha
et al.,
2007 (53)
Modell
zellbasierter antioxidativer
Schutz in Erythrozyten
(CAP-e-Test)
randomisierte Studie mit Mo-
naVie und Placebo. Pilotstudie
mit 7 Teilnehmern sowie ran-
domisierte, placebokontrollier-
te Crossover-Studie mit 12 ge-
sunden Probanden. Der antio-
xidative Status wurde mithilfe
des CAP-e-Tests ermittelt
(s.o.), die Lipidperoxidation
mithilfe des TBARS-Assay.
Ratten erhielten entweder eine
Standarddiät (C), eine Stan-
darddiät mit zusätzlich 20 g/kg
Açaí (CA), eine hypercholesteri-
nämische Diät mit 25% Sojaöl
und 1% Cholesterin (H) oder
eine hypercholesterinämische
Diät mit zusätzlich 20 g/kg Açai
(HA).
gefäßerweiternde Wirkung auf
das mesenteriale Gefäßbett
bei Ratten nach Behandlung
mit Norepinephrin (NE) zur
Kontraktionsinduktion
P O R T R Ä T E I N E R A R Z N E I P F L A N Z E
AÇAÍ
9
Heinrich M, Dhanji T, Casselman I. Açaí (Euterpe oleracea Mart.) Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33: 000–000
detaillierte botanische Beschreibung des
verwendeten Materials, weshalb auch hier
genauere experimentelle Daten angezeigt
wären.
Entzündungshemmung
Schauss et al. (60) untersuchten die Hem-
mung von COX-1 und COX-2 durch Açaí-Ex-
trakt (gefriergetrocknet und extrahiert mit
50% Aceton). Dabei ergaben sich IC50-Wer-
te von 6,96 mg/ml für COX-1 und 12,50
mg/ml für COX-2. Die Studie zeigte eine
leichte inhibitorische Wirkung, doch um-
fasste sie weder eine statistische Auswer-
tung noch Kontrollen. Daher lässt sich da-
mit nicht eindeutig nachweisen, dass Açaí
gegen entzündliche Prozesse wirksam ist.
Eine neuere In-vitro-Untersuchung (49)
zeigt eine Vielzahl interessanter, dosisab-
hängige Wirkungen eines Açaí-Pürees und
von verschiedenen Subfraktionen in Maus-
Mikroglia-Zellen [Cyclooxygenase-2 (COX-
2), p38-Mitogen-Activated Protein Kinase
(p38-MAPK), Tumor Necrosis Factor-α
(TNF-α) und Nuclear Factor κB (NF-κB)].
Doch auch hier waren die statistisch-signi-
fikant wirksamen Dosen vergleichsweise
hoch (250 μg/ml). In einem In-vivo-
Versuch im Model der durch Tabakrauch
induzierten Entzündung wurden bei einer
Dosis von 300 mg/kg und Tag relevante an-
tientzündliche Effekte beobachtet (39).
Auch in klassischen Entzündungsmodellen
(Rattenpfotenödem, Krotonöl-Dermatitis
u.a.) wurde mit einen Açaí-Öl eine relevan-
te Wirkung in einem wiederum vergleichs-
weise hohen Dosisbereich (500, 1000 und
1500 mg/kg) erzielt (12, 28, 42).
Jensen et al. (31) ermittelten in vitro mit-
hilfe des CAP-e-Tests (cell-based antioxi-
dant protection in erythrocytes) an Ery-
throzyten und polymorphonukleären Zel-
len (PMN) die antioxidative Wirksamkeit
der Açaí-Fruchtsaftmischung MonaVieTM.
MonaVie ist eine im Handel erhältliche
Saftmischung, die neben Açaí als Hauptbe-
standteil 18 weitere Fruchtextrakte ent-
hält. Erythrozyten, die mit MonaVie vorbe-
handelt waren, zeigten bei allen Konzen-
trationen (10–0,016 g/l) eine statistisch si-
gnifikante Schutzwirkung. Bei PMNs
wurde eine dosisabhängige Schutzwirkung
festgestellt, die nur bei einer Konzentration
von 1 g/l signifikant war.
Dieselben Autoren (31) testeten außerdem
in einer randomisierten, placebokontrol-
lierten Crossover-Studie die Werte für An-
tioxidanzien und Lipidperoxidation bei 12
freiwilligen Probanden und in einer ande-
ren Studie die Wirkung auf die Beweglich-
keit in 14 bewegungseingeschränkten Pro-
banden (30). Normalerweise liefern In-
vivo-Studien neue Erkenntnisse, doch in
diesem Fall sind die Informationen in Be-
zug auf Açaí leider begrenzt, da eine kom-
plexe und nur ungenau beschriebene Saft-
mischung verwendet wurde.
Stoffwechselstörungen des
metabolischen Syndroms
De Souza et al. (9) untersuchten mithilfe
verschiedener Biomarker sowie Serumli-
pidprofilen in vivo die antioxidative Wirk-
samkeit von Açaí-Fruchtpüree bei Ratten
mit unterschiedlicher Ernährungsweise
(normal und hypercholesterinämisch),
wobei ein Teil der Gruppen jeweils eine
Nahrungsergänzung mit Açaí erhielt (s.
Tab. 2). Die Ratten mit hypercholesterin-
ämischer Ernährung wiesen erhöhte Wer-
te von Gesamt- und LDL-Cholesterin und
verringerte Werte von HDL-Cholesterin
auf. Nahrungsergänzung mit Açaí (20 g/kg
Körpergewicht) hatte eine hypocholeste-
rinämische Wirkung, wobei der Gesamt-
und LDL-Cholesterinwert sowie der athe-
rogene Index gesenkt wurden. In den Açaí-
Gruppen verringerte sich auch die Konzen-
tration an Carbonylproteinen sowie an frei-
en und proteingebundenen Thiolgruppen
im Serum. Die Nahrungsergänzung mit
Açaí führte außerdem zu einer signifikan-
ten Abnahme der Superoxiddismu-
tase(SOD)-Aktivität ausschließlich bei den
hypercholesterinämischen Ratten, was auf
einen Zusammenhang zwischen Ernäh-
rung und Açaí-Verzehr hindeutet. Jedoch
nahm die Konzentration von Triglyzeriden
bei Nahrungsergänzung mit Açaí im Ver-
gleich zu den positiven und negativen Kon-
trollen zu. Auch wenn sich also das Chole-
sterinprofil verbesserte, müssen die In-
haltsstoffe, die zu einer Erhöhung der Tri-
glyzeridwerte führen, noch genauer
untersucht werden (5). Das Ergebnis wur-
de auf den hohen Gehalt an Ölsäure zu-
rückgeführt. Wirkungen im Kontext der
Prävention diabetesbedingter Leberschä-
den werden ebenfalls diskutiert (21).
Die Studie von de Souza et al. (9) unter-
suchte auch die Höhe der Nahrungsauf-
nahme bei allen 4 Ernährungsweisen und
zeigte, dass bei Supplementierung mit Açaí
bei der hypercholesterinämischen Diät die
Nahrungsaufnahme im Vergleich zur Hy-
percholesterin-Diät ohne Supplementie-
rung reduziert war. Das deutet möglicher-
weise darauf hin, dass die in Açaí enthalte-
nen Polyphenole den Appetit zügeln kön-
nen. Doch war dieser Effekt beim Vergleich
der Kontrollgruppen (normale Ernährung
und normale Ernährung mit Açaí-Supple-
mentierung) untereinander nicht feststell-
bar, was darauf hindeuten könnte, dass
Açaí v.a. bei hohem Fettverzehr wirksam
sein könnte. Eine neuere Studie an Kanin-
chen untersuchte die Gabe von 100 g/Tag
Açaí-»Extrakt« (einem weitgehend ge-
trockneten Püree der Früchte) über einen
Zeitraum von 12 Wochen auf verschiedene
Parameter der Sterolmetabolisierung und
Atherosklerose und konnte mit dieser sehr
hohen Dosis positive Effekte zeigen (16).
Xie et al. (67) bringen eine antiatheroskle-
rotische Wirkung mit antioxidativen und
entzündungshemmenden Wirkungen in
Verbindung.
Drei Hydroalkoholextrakte von Açaí zeig-
ten eine dosisabhängige, anhaltend gefäß-
erweiternde Wirkung auf das mesenteriale
Gefäßbett in Ratten. Bemerkenswert dabei
war, dass die Açaí-Extrakte im Vergleich zu
Acetylcholin und Nitroglycerin eine län-
gerfristige Wirkung aufwiesen (53). In ei-
nem Mausmodel wurde eine Wirkung
beim durch eine fettreiche Diät verursach-
ten metabolischen Syndrom gezeigt (7).
Die Autoren weisen auf die mögliche medi-
zinische Verwendung bei der Behandlung
kardiovaskulärer Erkrankungen hin. Udani
et al. (63) erzielten bei 10 übergewichtigen
Probanden (BMI zwischen 25 und 30) mit
einer Dosis von 200 g Açaí-Püree/Tag nach
30 Tagen eine Reduktion der Nüchternglu-
kose- und Insulinspiegel. Das Gesamtcho-
lesterin sank ebenfalls.
Diskussion
Obwohl es sich bei Açaí um eines der
meistgepriesenen Nutrazeutika des ver-
gangenen Jahrzehnts handelt, gibt es bis-
her nur ungenügende und nicht überzeu-
P O R T R Ä T E I N E R A R Z N E I P F L A N Z E
AÇAÍ
10 Heinrich M, Dhanji T, Casselman I. Açaí (Euterpe oleracea Mart.) Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33: 000–000
gende wissenschaftliche Nachweise, die es
rechtfertigen würden, Açaí als herausra-
gendes Gesundheitsprodukt zu vermark-
ten. Die Förderung rascher Gewichtsab-
nahme ist die bisher am aggressivsten ver-
marktete Wirkung. Bezüglich verschiede-
ner Açaí-Produkte wurden dazu von der
FDA bereits mehrere Abmahnungsschrei-
ben an Webseitenbetreiber und Herstellfir-
men versandt (13–15).
Noch keine schlüssigen Daten
Insgesamt liegen in Bezug auf antiprolife-
rative, entzündungshemmende, antioxida-
tive und kardioprotektive Wirkungen bis-
her keine klaren und schlüssigen pharma-
kologischen Daten vor. Oft werden relevan-
te Wirkungen nur bei vergleichsweise
hohen Dosen berichtet. Die Qualität der
Studien variiert sehr stark, wobei bis vor
kurzem den antioxidativen Wirkungen am
meisten Aufmerksamkeit geschenkt wur-
de. Generell gilt, dass die In-vitro-
Untersuchungen von begrenzter Aussage-
kraft sind und In-vivo-Studien erst in den
letzen Jahren vermehrt begonnen wurden.
Insgesamt gesehen und auf Basis der aktu-
ellen Literatur scheint die Açaí-Beere kei-
nen herausragenden Gehalt an Antioxidan-
zien aufzuweisen; die Forschungsergebnis-
se deuten auf eine variable antioxidative
Kapazität hin. Eine etwas optimistischere
Einschätzung ist in Bezug auf die kardio-
protektive und die entzündungshemmen-
de Wirkung möglich. Nicht zu unterschät-
zen ist auf der anderen Seite, dass Açaí eine
vergleichsweise hochkalorische Nahrung
ist.
Hoher Ballaststoffgehalt
Doch andere Forschungsansätze könnten
ebenfalls von Interesse sein. Zum Beispiel
weisen Açaí-Beeren einen hohen Gehalt an
Ballaststoffen auf (56, 59). Ballaststoffe ha-
ben einen signifikanten Einfluss auf die
Plasmalipid- und Lipoproteinwerte, da sie
bewirken, dass Gallensäuren dem entero-
hepatischen Kreislauf entzogen werden,
sodass mehr LDL-Cholesterin für die Syn-
these von Gallensekret aus dem Plasma ab-
gezogen wird (3). Außerdem wirken einige
Bestandteile von Açaí, insbesondere Ligna-
ne, möglicherweise als Phytoöstrogene.
Eine erhöhte Aufnahme von Phytosterinen
senkt den Cholesterinwert, insbesondere
LDL-Cholesterin, ohne den Triglyzeridwert
und das HDL-Cholesterin zu beeinflussen.
Außerdem wird angenommen, dass Phyto-
sterine die Resorption biliären Choleste-
rins aus dem Darmtrakt verringern. Insge-
samt könnten aber neben den in Açaí ent-
haltenen Polyphenolen auch noch andere
Inhaltsstoffe zu den beobachteten Wirkun-
gen beitragen.
Klinische Daten und epidemiologische
Feldforschung erforderlich
Wie auch bei anderen neuen Nahrungser-
gänzungsmitteln (25, 43) gibt es bisher kei-
ne ausreichend gesicherten wissenschaft-
lichen Daten, um Açaí als pflanzliches Arz-
nei- oder als Nahrungsergänzungsmittel
mit spezifischen gesundheitlichen Wir-
kungen propagieren zu können. Weitere
Untersuchungen sind notwendig, um die
weitreichenden Behauptungen in Bezug
auf die gesundheitlichen und therapeuti-
schen Wirkungen zu bestätigen. So sollten
pharmakokinetische Studien in Angriff ge-
nommen werden, um die biologische Ver-
fügbarkeit der Polyphenole zu klären. Die
zukünftige Forschung sollte sich außerdem
schwerpunktmäßig streng kontrollierter
Interventionsstudien oder klinischer Stu-
dien bedienen, um mögliche gesundheitli-
che Wirkungen besser beurteilen zu kön-
nen. Außerdem sollten epidemiologische
Untersuchungen bei jenen Bevölkerungs-
gruppen durchgeführt werden, bei denen
Açaí zu den Hauptnahrungsmitteln zählt
(insbesondere in Brasilien), mit besonde-
rem Schwerpunkt auf der Prüfung der
Häufigkeit von koronaren Herzerkrankun-
gen, Diabetes und Adipositas. Auch die Un-
tersuchung der toxikologischen Eigen-
schaften von Açaí ist im Hinblick auf die si-
chere Anwendung dringend erforderlich.
Schließlich entwirft dieser Beitrag außer-
dem ein neues Modell zum Verständnis der
Bedeutung solcher Produkte im sich rasch
entwickelnden webbasierten Markt für
Nutrazeutika. Generell gilt, dass Strategien
entwickelt werden sollten, um die Unter-
suchung bisher wenig erforschter neuer
Phytotherapeutika oder Nutrazeutika, die
über das Internet vermarktet und popula-
risiert werden, wirksam voranzutreiben.
Nur so lassen sich die Wirkungen und Risi-
ken solcher Produkte kritisch beurteilen
und damit die propagierten Behauptungen
aus wissenschaftlicher Sicht bewerten.
Prof. Dr. Michael Heinrich
Center for Pharmacognosy and Phytotherapy,
The School of Pharmacy (University of London)
29–39 Brunswick Sq.
London WC1N 1AX
Großbritannien
michael.heinrich@pharmacy.ac.uk
Online
http://dx.doi.org/10.1055/s-0032-1309259
Übersetzung: Renate Schilling
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SUMMARY
Açaí (Euterpe oleracea Mart.) – a phytochemical and pharmacological assessment
of the species’ health claims
The palm Euterpe oleracea Martius (açaí) has been acclaimed to have a wide range
of health-promoting and therapeutic benefits due to its reportedly high levels of
antioxidants. Açaí has a history of use as a medicinal plant and as a staple food in
many parts of Brazil. Traditionally, it has been used to treat fevers, skin complica-
tions, digestive disorders and parasitic infections. Açaí has a relatively high content
of polyphenols, which in turn has been linked to a range of reported (mostly in vitro)
antioxidant, anti-inflammatory, antiproliferative and cardioprotective properties.
This review highlights the scientific knowledge about its phytochemistry and phar-
macology (and its limitations). Since there have been very limited studies the results
are mostly inconclusive. Açaí demonstrates promising potential with regard to
antiproliferative activity and cardioprotection but further studies are required.
Claims about alleged health benefits can generally only be substantiated to a very
limited degree.
Euterpe oleracea Mart., açaí, Arecaceae (Palmae), weight loss, cardiovascular health,
nutraceuticals, traditional medicine, traditional food
Key words
13 Heinrich M, Dhanji T, Casselman I. Açaí (Euterpe oleracea Mart.) Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33: 000–000
Açaí (Euterpe oleracea Mart.)
Eine phytochemische und pharmakologische Beurteilung
des möglichen therapeutischen Nutzens*
Michael Heinrich1,2, Tasleem Dhanji1, Ivan Casselman1
P O R T R Ä T E I N E R A R Z N E I P F L A N Z E
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Article
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The oil of the fruits of Euterpe oleracea Mart., Arecaceae (OEO), was evaluated in models of inflammation and hyperalgesia in vivo to study its effects on these conditions. The experimental models contained the writhing test in mice, rat paw edema, granuloma test in rats, vascular permeability in rats, cell migration to the peritoneal cavity in rats and ear erythema induced by croton oil in mice. Doses of 500, 1000 and 1500 mg/kg of OEO were administered orally. The observed number of writhes was inhibited by 33.67, 45.88 and 55.58%, respectively. OEO produced a dose-dependent effect, with linear correlation coefficient R=0.99 (y=0.0219x+23.133), and the median effective dose found was 1226.8 mg/kg. The oral administration of 1226.8 mg/kg of OEO inhibited carrageenan-induced edema by 29.18% (p<0.05) when compared to the control group. The daily administration of OEO for six days inhibited the formation of granulomatous tissue by 36.66% (p<0.01). In ear erythema induced by croton oil, OEO presented a significant inhibition (37.9%). In the vascular permeability test, treatment with OEO decreased the response to histamine, inhibiting vascular permeability by 54.16%. In carrageenan-induced peritonitis, OEO reduced the number of neutrophils migrating compared to the control group by 80.14%. These results suggested that OEO has anti-inflammatory and antinociceptive activities, probably of peripheral origin and linked to prostaglandin biosynthesis inhibition.
Article
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Five flavonoids, (2S,3S)-dihyrokaempferol 3-O-β-d-glucoside (1) and its isomer (2R,3R)-dihydrokaempferol 3-O-β-d-glucoside (2) , isovitexin (3), velutin (4) and 5,4′-dihydroxy-7,3′,5′-trimethoxyflavone (5), were isolated from acai (Euterpe oleracea Mart.) pulp. The structures of these compounds were elucidated based upon spectroscopic and chemical analyses. To our knowledge, compounds 1, 2, 4 and 5 were identified from acai pulp for the first time. The in vitro antioxidant activities of these compounds were evaluated by the oxygen radial absorbance capacity (ORAC) assay. The ORAC values varied distinctly (4458.0–22404.5 μmol Trolox equivalent (TE)/g) from 5,4′-dihydroxy-7,3′,5′-trimethoxyflavone (5) to isovitexin (3) and were affected by the numbers/positions of hydroxyl groups, substitute groups, as well as stereo configuration. The anti-inflammatory effects of these compounds were screened by the secreted embryonic alkaline phosphatase (SEAP) reporter assay, which is designed to measure NF-κB activation. Velutin (4) was found to dose-dependently inhibit SEAP secretion in RAW-blue cells induced by LPS, with an IC50 value of 2.0 μM. Velutin (4) also inhibited SEAP secretion induced by oxidised LDL, indicating potential athero-protective effects.Highlights► Five flavonoids were isolated from acai pulp; four of them were identified from this plant for the first time. ► Antioxidant activities of the five flavonoids were assessed by ORAC. ► Anti-inflammatory effects of these five flavonoids were evaluated by SEAP assay, which was designed to measure NF-κB activation. ► The uncommon flavone velutin was found to be a strong NF-κB inhibitor.
Article
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The polyphenolic composition of Euterpe oleracea Mart. (Aai palm) fruit was investigated by HPLC-DAD-UV-Vis and HPLC-MS. Aai palm is widely diffused and cultivated in Amazon regions and especially in the Par state (Brazil), because the pulp of the fruit is largely consumed as food. This study confirms the presence of cyanidin 3-O-glucoside and cyanidin 3-O-rutinoside as major anthocyanic compounds. Moreover, four main compounds were also identified for the first time, i.e. homoorientin, orientin, taxifolin deoxyhexose, and isovitexin. Traces of a methyl-derivative of homoorientin were also detected. The amount of total anthocyanins was 0.5 mg g–1 of the dried pulp weight and the amount of the other flavonoids was 3.5 mg g–1 of the dried pulp weight. No other reports on the presence of non-anthocyanic flavonoids in Euterpe oleracea Mart. have been found so far.
Article
Polyphenols are abundant micronutrients in our diet, and evidence for their role in the prevention of degenerative diseases is emerging. Bioavailability differs greatly from one polyphenol to another, so that the most abundant polyphenols in our diet are not necessarily those leading to the highest concentrations of active metabolites in target tissues. Mean values for the maximal plasma concentration, the time to reach the maximal plasma concentration, the area under the plasma concentration-time curve, the elimination half-life, and the relative urinary excretion were calculated for 18 major polyphenols. We used data from 97 studies that investigated the kinetics and extent of polyphenol absorption among adults, after ingestion of a single dose of polyphenol provided as pure compound, plant extract, or whole food/beverage. The metabolites present in blood, resulting from digestive and hepatic activity, usually differ from the native compounds. The nature of the known metabolites is described when data are available. The plasma concentrations of total metabolites ranged from 0 to 4 mumol/L with an intake of 50 mg aglycone equivalents, and the relative urinary excretion ranged from 0.3% to 43% of the ingested dose, depending on the polyphenol. Gallic acid and isoflavones are the most well-absorbed polyphenols, followed by catechins, flavanones, and quercetin glucosides, but with different kinetics. The least well-absorbed polyphenols are the proanthocyanidins, the galloylated tea catechins, and the anthocyanins. Data are still too limited for assessment of hydroxycinnamic acids and other polyphenols. These data may be useful for the design and interpretation of intervention studies investigating the health effects of polyphenols.
Article
Anthocyanins are among the most important and widely consumed natural pigments in foods, and have attracted increased attention as natural food colourants and potent bioactive agents. However, anthocyanins are generally unstable and may undergo chemical changes that include oxidative and polymerisation reactions during processing and storage. The role of anthocyanin polymerisation reactions on in vitro intestinal absorption and anti-cancer properties has not been assessed. This study investigated the chemical composition, antioxidant properties, antiproliferative activity, and in vitro absorption of monomeric and polymeric anthocyanin fractions from açai fruit (Euterpe oleracea Mart.). Cyanidin-3-rutinoside (58.5±4.6%) and cyanidin-3-glucoside (41.5±1.1%) were the predominant compounds found in monomeric fractions, while a mixture of anthocyanin adducts were found in polymeric fractions and characterised using HPLC–ESI-MSn analyses. Monomeric fractions (0.5–100μg cyanidin-3-glucoside equivalents/ml) inhibited HT-29 colon cancer cell proliferation by up to 95.2% while polymeric anthocyanin fractions (0.5–100μg cyanidin-3-glucoside equivalents/ml) induced up to 92.3% inhibition. In vitro absorption trials using Caco-2 intestinal cell monolayers demonstrated that cyanidin-3-glucoside and cyanidin-3-rutinoside were similarly transported from the apical to the basolateral side of the cell monolayers (0.5–4.9% efficiency), while no polymeric anthocyanins were transported following incubation for up to 2h. The addition of polymeric anthocyanin fractions also decreased monomeric anthocyanin transport by up to 40.3±2.8%. Results from this study provide novel information regarding the relative size, absorption, and bioactive properties of anthocyanin monomers and polymer adducts.
Article
Acai fruit (Euterpe oleracea Mart.) has been demonstrated to exhibit extremely high anti-oxidant capacity. Seven major flavonoids were isolated from freeze-dried acai pulp by various chromatographic methods. Their structures were elucidated as orientin (1), homoorientin (2), vitexin (3), luteolin (4), chrysoeriol (5), quercetin (6), and dihydrokaempferol (7) by NMR, MS and compared with the reported literature. Compounds 3 and 6 were reported from acai pulp for the first time. Anti-oxidant capacities of these flavonoids were evaluated by oxygen radical absorbance capacity (ORAC) assay, cell-based anti-oxidant protection (CAP-e) assay and reactive oxygen species (ROS) formation in polymorphonuclear (PMN) cells (ROS PMN assay). ORAC values varied distinctly (1420–14,800 μmol TE/g) among the seven compounds based on numbers and positions of hydroxyl groups and/or other substitute groups. The ORAC values of aglycones are generally higher than that of glycosides. CAP-e results indicated that only three compounds (4, 6 and 7) could enter the cytosol and contribute to the reduction of oxidative damage within the cell. The ROS PMN assay showed that five compounds (2–3 and 5–7) demonstrated exceptional effects by reducing ROS formation in PMN cells, which produced high amounts of ROS under oxidative stress. In evaluating the anti-oxidant capacity of natural products, combining both chemical and cell-based assays will provide more comprehensive understanding of anti-oxidant effects and potential biological relevance.
Article
This article reports a study of the concentrations of dietary fiber (DF) and antioxidant capacity in fruits (pulp and oil) of a new açaí (Euterpe oleraceae) cultivar—‘BRS-Pará’, with a view to determine the possibility of using it as a source of antioxidants in functional foods or dietary supplements. Results show that ‘BRS-Pará’ açaí fruits has a high content of DF (71% dry matter) and oil (20.82%) as well as a high antioxidant capacity in both defatted matter and oil. ‘BRS-Pará’ Açaí fruits can be considered as an excellent source of antioxidant dietary fiber. Antioxidant capacity of açaí ‘BRS-Pará’ oil by DPPH assay was higher (EC50=646.3g/g DPPH) than extra virgin olive oil (EC50=2057.27g/g DPPH). These features provide açaí ‘BRS-Pará’ fruits with considerable potential for nutritional and health applications.
Article
An anthocyanin-rich extract, generated from açai (AEA), was investigated for its antioxidant properties and antiproliferative activity against C-6 rat brain glioma cells and MDA-468 human breast cancer cells. AEA has an ORAC value of 2589 μmoles trolox equivalents (TE)/g dried powder and a DPPH radical-scavenging activity of 1208 μmoles TE/g, suggesting that AEA is an exceptional source of natural antioxidants. In addition, AEA remarkably suppresses proliferation of C-6 rat brain glioma cells, but has no effect on the growth of MDA-468 human breast cancer cells. Further experiments demonstrated that the AEA treatment dose-dependently inhibited the growth of C-6 rat glioma cells with an IC50 of 121 μg/ml. The DNA ladder fragmentation results indicated that AEA induced apoptosis of C-6 rat brain glioma cells. To compare açai with other anthocyanin-rich extracts, a number of berry extracts, including blueberry, strawberry, raspberry, blackberry and wolfberry, were assessed for potential antiproliferative activity against C-6 rat brain glioma cells. However, none of them showed suppressing effect. The results suggest that the active antiproliferative constituents in AEA are unlikely to be anthocyanins normally found in common berries.
Article
a b s t r a c t Açai fruit are native to the Amazon region of South America and two predominant species are commer-cially exported as fruit pulps for use in food and beverage applications. Detailed characterisation of the polyphenolic compounds present in the de-seeded fruits of Euterpe oleracea and Euterpe precatoria species were conducted by HPLC–ESI–MS n analyses and their thermal stability and overall influence on antioxidant capacity were determined. Anthocyanins were the predominant polyphenolics in both E. oler-acea (2247 ± 23 mg/kg) and E. precatoria (3,458 ± 16 mg/kg) species, and accounted for nearly 90% of the trolox equivalent antioxidant capacity in both E. oleracea (87.4 ± 4.4 lmol TE/g) and E. precatoria (114 ± 6.9 lmol TE/g) fruits. Various flavones, including homoorientin, orientin, taxifolin deoxyhexose and isovitexin; various flavanol derivatives, including (+)-catechin, (À)-epicatechin, procyanidin dimers and trimers, and phenolic acids, including protocatechuic, p-hydroxybenzoic, vanillic, syringic and ferulic acids, were also present in both species. Thermal stability of these compounds was evaluated, following a thermal holding cycle (80 °C for up to 60 min) in the presence and absence of oxygen. Both species expe-rienced only minor changes (<5%) in non-anthocyanin polyphenolic contents during all thermal processes whereas 34 ± 2.3% of anthocyanins in E. oleracea and 10.3 ± 1.1% of anthocyanins in E. precatoria were lost under these conditions, regardless of the presence of oxygen. Proportional decreases (10–25%) in antiox-idant capacity accompanied the anthocyanin changes. Results suggest that both açai species are charac-terised by similar polyphenolic profiles, comparable antioxidant capacities, yet only moderate phytochemical stability during heating.