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Handbuch Wissensgesellschaft: Theorien, Themen und Probleme

Authors:

Abstract

Das Konzept der" Wissensgesellschaft"ist überaus erfolgreich und hat Eingang in politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und massenmediale Diskurse gefunden. Dieses Handbuch verschafft einen Uberblick über die zentralen Theorien und die wichtigsten Themenfelder. Mit Beiträgen renommierter Expertinnen und Experten ermöglicht das Buch ein umfassendes Verständnis sozialer Wandlungsprozesse der Gegenwart und bietet neben einer systematischen Orientierung und interdisziplinären Anknüpfungspunkten eine kritische Analyse zur Erklärungskraft dieser populären Zeitdiagnose.
Aus:
Anina Engelhardt, Laura Kajetzke (Hg.)
Handbuch Wissensgesellschaft
Theorien, Themen und Probleme
Oktober 2010, 378 Seiten, kart., 25,80 , ISBN 978-3-8376-1324-7
Das Konzept der »Wissensgesellschaft« ist überaus erfolgreich und hat Ein-
gang in politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und massenmediale
Diskurse gefunden. Dieses Handbuch verschafft einen Überblick über die
zentralen Theorien und die wichtigsten Themenfelder.
Mit Beiträgen renommierter Expertinnen und Experten ermöglicht das Buch
ein umfassendes Verständnis sozialer Wandlungsprozesse der Gegenwart
und bietet neben einer systematischen Orientierung und interdisziplinären
Anknüpfungspunkten eine kritische Analyse zur Erklärungskraft dieser popu-
lären Zeitdiagnose.
Anina Engelhardt (M.A.) und Laura Kajetzke (Dipl.-Soz.) sind wissenschaftli-
che Mitarbeiterinnen an der Philipps-Universität Marburg im Bereich der
Allgemeinen Soziologie.
Weitere Informationen und Bestellung unter:
www.transcript-verlag.de/ts1324/ts1324.php
© 2010 transcript Verlag, Bielefeld
INHALT
Einleitung: Die Wissensgesellschaft beobachten
(L
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AJETZKE
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NINA
E
NGELHARDT
) ..............................................
7
1 Von der Industrie- zur Wissensgesellschaft:
Frühe Diagnosen
1.1 Peter F. Drucker: Wissensgesellschaft, wissensbasierte
Organisation und Wissensarbeiter (J
OCHEN
S
TEINBICKER
) ..........
21
1.2 Daniel Bell: Die post-industrielle Gesellschaft
als Wissensgesellschaft (J
OCHEN
S
TEINBICKER
)...........................
27
1.3 Ulrich Beck: Die Risikogesellschaft als Wegbereiter
der Wissensgesellschaft? (J
ESSICA
W
ILDE
)...................................
35
1.4 Manuel Castells: Informationalisierung der Arbeit
(R
EINHART
K
ÖSSLER
)....................................................................
43
2 Theorien der Wissensgesellschaft
2.1 Nico Stehr: Konzeption der Wissensgesellschaft
(M
ARIAN
A
DOLF
)...........................................................................
53
2.2 Helmut Willke: Systemtheorie der Wissensgesellschaft
(T
ORSTEN
S
TRULIK
).......................................................................
65
2.3 André Gorz: Vom Wissenskapitalismus
zur Wissensgesellschaft (N
ICKLAS
B
ASCHEK
) ..............................
77
2.4 Karin Knorr Cetina: Postsozialität
(S
ABINE
M
AASEN
/M
ARIO
K
AISER
)................................................
87
3 Thematisierung des Wandels durch die Wissensgesellschaft
3.1 Wirtschaft: Die wissensbasierte Ökonomie
(S
TEFFEN
D
ÖRHÖFER
)..................................................................
101
3.2 Politik: Demokratisierung von Expertise
(R
ENATE
M
ARTINSEN
).................................................................
113
3.3 Religion: Säkularisierung oder Transformation?
(G
ERT
P
ICKEL
/A
NJA
G
LADKICH
).................................................
127
3.4 Bildung und Erziehung: Transformationsprozesse
sozialer Ungleichheiten? (H
EIKE
K
AHLERT
) ...............................
141
3.5 Wissenschaft: Epistemisches Niemandsland?
(S
TEFAN
B
ÖSCHEN
)......................................................................
159
3.6 Medien: Faktor, Reflexion und Archiv gesellschaftlichen
Wandels (H
ANS
-D
IETER
K
ÜBLER
)...............................................
171
3.7 Kunst: Objekt und Motor der Wissensgesellschaft
(G
ERHARD
P
ANZER
).....................................................................
183
3.8 Gesundheit: Innovationen für Lebensqualität und zur sozialen
Emanzipation (R
AINER
F
RETSCHNER
/J
OSEF
H
ILBERT
) ...............
195
4 Themenfelder der Wissensgesellschaft
4.1 Arbeit, Beschäftigungsverhältnisse, Sozialstaat
(S
TEPHAN
L
ESSENICH
).................................................................
207
4.2 Technik (R
OGER
H
ÄUSSLING
/K
IRSTIN
L
ENZEN
).........................
219
4.3 Professionen (M
ICHAELA
P
FADENHAUER
/
A
LEXA
M
ARIA
K
UNZ
)..................................................................
235
4.4 Beratung (J
ÜRGEN
H
OWALDT
).....................................................
247
4.5 Nichtwissen: Entstehungskontexte, Pluralisierung
und Politisierung (P
ETER
W
EHLING
) ...........................................
259
4.6 Ökologie (F
RANZ
L
EHNER
)..........................................................
271
4.7 Raum und Wissen (M
ARKUS
S
CHROER
)......................................
281
4.8 Körperwissen (T
HOMAS
A
LKEMEYER
)........................................
293
5 Kritik der Wissensgesellschaft
5.1 Geschlechterverhältnisse:
Postpatriarchale Wissensgesellschaft? (M
ARIA
F
UNDER
)...........
311
5.2 Deutungsmacht: »Wissensgesellschaft« als
self fulfilling prophecy? (R
AINER
S
CHÜTZEICHEL
).....................
325
5.3 Legitimation: Wissensgesellschaft als Mantel
des Neoliberalismus? (A
NDREA
D. B
ÜHRMANN
)........................
335
5.4 Die Wissensgesellschaft – Eine folgenschwere Fehldiagnose?
(U
WE
B
ITTLINGMAYER
/H
IDAYET
T
UNCER
) ................................
347
Resümee: Für eine Wissenssoziologie der Wissensgesellschaft
(A
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) ..........................................
361
Autorinnen und Autoren ..................................................................
371
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Einleitung: Die Wissensgesellschaft
beobachten
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Wissen begegnet uns in vielfältigen Formen: als lebensweltliches Routi-
newissen bei alltäglichen Verrichtungen, als theoretisches Wissen ver-
schiedener Wissenschaften, als so genanntes Allgemeinwissen, das in
Quizshows in bare Münze umgesetzt wird. Nicht nur die Wissenschaft,
sondern auch andere gesellschaftliche Teilsysteme – etwa Wirtschaft,
Politik und Kunst – sind mit der Erzeugung, Speicherung und Nutzung
von Wissen beschäftigt. In Organisationen entsteht unter anderem tech-
nisches und bürokratisches Wissen, die »lernende Organisation« wird
zum Erfordernis erhoben, um global konkurrenzfähig zu bleiben. Das
Potential des »Web 2.0« wird wahlweise überhöht (als egalisierender
Wissensmultiplikator) oder abqualifiziert (als Verdummungsmedium).
Weiterhin erleben wir mit, wie bestimmtes Wissen als »wissenswert«
bezeichnet und über einen Bildungskanon gestritten wird. Neben dem
Spezialwissen, das uns die Berufswelt abfordert, ist Wissen zu jeder Se-
kunde des intersubjektiv geteilten Alltags wichtig: Menschen verarbei-
ten tagtäglich die Eindrücke ihrer Umwelt im Medium Sinn, die eigenen
Handlungen und die Deutung der Handlungen unserer Mitmenschen be-
ruhen auf Annahmen, die Teil eines gesellschaftlichen Wissensvorrates
sind (Berger/Luckmann 2004). Kurz: Wissen ist ubiquitär auf Makro-,
Meso-, Mikroebene. Es ist nahezu trivial zu sagen, Wissen sei bedeutend
für soziale Strukturen – es liegt auf der Hand.
Leben wir in einer Wissensgesellschaft? Angesichts der Vielfalt kol-
lektiven und individuellen Wissens, die sich uns in diesem kurz umher-
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schweifenden vorwissenschaftlichen Blick auf die Gegenwart bietet,
spricht einiges dafür. Dagegen spricht, dass Wissen anscheinend schon
immer ein elementarer Bestandteil der conditio humana gewesen ist, be-
deutsam für das Denken und Handeln der Menschen zu allen möglichen
Zeiten und an allen möglichen Orten.
1
Als skeptische Soziologinnen nehmen wir eine für unsere Disziplin
typische Denkbewegung vor: Wir hinterfragen zunächst die Frage selbst.
Dabei sticht hervor, dass
die Frage nach der wirklichen Existenz einer Wissensgesellschaft
uns in epistemologische Schwierigkeiten verwickelt.
2
Welche Defi-
nition von ›Wissen‹ legen wir an und woher beziehen wir sie? Mei-
nen alle dasselbe, wenn sie von ›Wissensgesellschaft‹ sprechen? Fer-
ner setzt eine solche Frage voraus, dass eine Checkliste objektiver
Kriterien erstellt werden könnte, mit der wir die Phänomene der
gegenwärtigen Welt abgleichen, um dann zu dem Schluss zu kom-
men, dass wir es zweifelsohne mit einer Wissensgesellschaft zu tun
haben müssen – oder eben nicht.
die zeitdiagnostische Rede von einer Wissensgesellschaft nur dann
Sinn ergibt, wenn sich ein Wandel vollzogen hat. Wissen war schon
immer bedeutsam, aber wenn eine Gegenwartsbeschreibung wie
›Wissensgesellschaft‹ an Plausibilität gewinnt, hat sich an der Wahr-
nehmung des Verhältnisses von Wissen und sozialen Strukturen et-
was verändert. Wie kam es zu dieser gesteigerten Aufmerksamkeit
im Hinblick auf das Wissen?
3
Hat das Wissen nun Eigenschaften,
1 Dies mag einer der Gründe sein, warum die Wissenssoziologie sich so lan-
ge gegen eine Auseinandersetzung mit der Gesellschaftsbeschreibung
»Wissensgesellschaft« gesträubt hat. Hubert Knoblauch führt dafür drei
mögliche Gründe an: Die Diagnose sei erstens nicht in der Wissenssozio-
logie selbst entstanden, zweitens beruhe sie auf einem wenig reflektierten
Wissensbegriff, drittens sei der Begriff zuvor zu wenig in eine wissen-
schaftliche und zu sehr in eine politisch-normative Debatte eingebunden
gewesen (Knoblauch 2005: 255).
2 So fragen auch Uwe H. Bittlingmayer und Ullrich Bauer (2006) nach
»Mythos, Ideologie oder Realität« der sogenannten Wissensgesellschaft
und markieren damit mehrere Wirklichkeitsebenen, auf denen man die
Zeitdiagnose ansiedeln und diskutieren kann. Sie heben vor allem darauf
ab, dass es sich bei der »Wissensgesellschaft« nie um einen rein deskrip-
tiven Begriff ohne normative Implikationen handeln kann (ebd.: 12).
3 Empirisch ist seit den letzten Jahrzehnten eine Differenzierung des Wis-
sensbegriffs zu verzeichnen. Beispiele gibt u.a. Gerhard Gamm (2010:
123): »Wir lernten deklaratives von prozeduralem Wissen, begriffliches
von intuitivem, implizites von explizitem sowie normatives und deskripti-
ves von evaluativem und propositionales von nichtpropositionalem Wis-
sen zu unterscheiden. Domainspezifisches Wissen und Weltwissen waren
uns bald aus Lehre und Forschung ebenso vertraut wie Fakten-, Orientie-
E
INLEITUNG
9
die es zuvor noch nicht aufwies und die es plausibel erscheinen las-
sen, nun von einer Wissensgesellschaft zu sprechen? Wie kam es zu
der Prominenz einer Diagnose, die andere Deutungsangebote wie die
(ebenfalls lange Zeit erfolgreiche) Risikogesellschaft, die Multiop-
tionsgesellschaft, die Erlebnisgesellschaft und andere populäre Zeit-
diagnosen ausstechen konnte? Sind Prozesse zu beobachten, die auf
einer veränderten oder gesteigerten Bedeutung bestimmter Wissens-
formen basieren? Warum Wissens-Gesellschaft? Woher rührt die
Durchschlagskraft dieser Semantik?
Die in diesem Band eingenommene wissenssoziologische Perspektive
auf die Zeitdiagnose Wissensgesellschaft kann folglich wenig zu der
Beantwortung der oben gestellten Frage beitragen – zumindest in dem
Sinne, dass die Leserinnen und Leser nach der Lektüre der Beiträge wis-
sen, ob sie in einer Wissensgesellschaft beheimatet sind. Sie kann aber,
indem sie die Fragestellung durch eine gesellschaftliche Rückbindung
historisiert und kontextualisiert, die Frage nach der objektiven Existenz
der Wissensgesellschaft neu stellen. Wirklich ist die Wissensgesellschaft
für uns insofern, als dass sie als theoretisch-begriffliches Konstrukt exis-
tiert und in verschiedene Bereiche der Gesellschaft als Deutungsmuster
Eingang gefunden hat, wo sie erkennbare Auswirkungen zeigt. Auch
gibt es wirkliche Akteure, die ihre Welt als eine Wissensgesellschaft er-
leben und beschreiben; dies gilt für wissenschaftliche wie für nichtwis-
senschaftliche Akteure gleichermaßen. In ähnlicher Weise verfahren wir
mit dem Wissen: Wir stellen nicht selbst eine als gültig behauptete Defi-
nition des Wissens auf, sondern beobachten die verschiedenen Argu-
mentationsgänge der nichtwissenschaftlichen (politischen, ökonomi-
schen, religiösen, künstlerischen etc.) und wissenschaftlichen (hier vor
allem: sozialwissenschaftlichen) Diskurse.
Uns soll es in diesem Band erstens darum gehen, was mit der Dia-
gnose Wissensgesellschaft erklärt werden kann. Hierzu beobachten
4
die
rungs- und Begründungswissen, regel- und fallbasiertes Wissen, Hinter-
grund- und Schemawissen. Strategisches Wissen sollte gegen ein verstän-
digungsorientiertes, sprachspezifisches gegen ein evidenzbasiertes Wissen
abgegrenzt werden.« Auch die steigende Bedeutung von Nichtwissen im
Diskurs um die Wissensgesellschaft weist auf diesen Trend hin, vergleiche
dazu z.B. Wehling (in diesem Band) sowie ders. 2006, Böschen/Wehling
2004; für eine früher formulierte Variante vgl. Beck 1996.
4 Nichts anderes bedeutet theorein: schauen bzw. sichtbar zu machen. Bour-
dieu formuliert dies als Anspruch und Aufgabe: »Soll Sozialwissenschaft
mehr sein als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, […] dann muß
der Wissenschaftler – nicht zuletzt, um es abzuweisen – jenes Verlangen
nach schöpferischer Weltanschauung aufdecken, diese Art intuitus origi-
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Autorinnen und Autoren der Beiträge gesellschaftliche Prozesse in Poli-
tik, Wirtschaft, Bildung, Religion, Kunst etc., nehmen gegenwärtig rele-
vante Themenfelder wie z.B. Ökologie, Raum und Technik unter die
Lupe und testen die Analysefähigkeit der theoretischen Perspektive Wis-
sensgesellschaft auf Herz und Nieren.
Im Sinne der doppelten Hermeneutik nach Anthony Giddens (1997:
429f.) haben sozialwissenschaftliche Konzepte die Angewohnheit zur
Verselbstständigung – es ist nicht kontrollierbar, ob sie als terminus
technicus im Wissenschaftssystem verbleiben oder in die Gesellschaft
diffundieren, um dort als Deutungsmuster verwendet und womöglich
sogar verändert zu werden.
5
Neben der Beschreibung der gesellschaftli-
chen Sektoren und der Themenfelder der Wissensgesellschaft steht in
diesem Buch auch die Beobachtung jener Kontexte im Vordergrund, in
denen das Konzept bereits Wirkungen entfaltet. Beschreiben Wirt-
schafts-, Politik- und Medienakteure Veränderungen in ihrem Sektor in
Rekurs auf die Wissensgesellschaft? Warum ist diese Diagnose für sie
evident? Gibt es auch ablehnende Stimmen gegen eine solche Deutung?
Verfügt der jeweils untersuchte Bereich auch über ein politisch-normati-
ves Programm der Wissensgesellschaft, z.B. im Sinne einer neoliberalen
Deregulierung oder eines erhofften Wissenskommunismus? Was für
sichtbare und spürbare Folgen ergeben sich aus der Annahme einer Wis-
sensgesellschaft (vgl. Bittlingmayer 2005)?
Zusammengefasst ist es also eine doppelte Frageperspektive, derer
sich die Autorinnen und Autoren des Handbuchs Wissensgesellschaft
annehmen:
narius, der die Dinge seiner Sicht gemäß erzeugen möchte […].« (Bour-
dieu 1985: 29, Herv. im Original) Dies weist darauf hin, dass theorein
auch eine von den Akteuren selbst vorgenommene Durchsetzung der
Weltsicht im Sinne der Anwendung symbolischer Macht meinen kann. So
ist neben der Produktion eigener Theorien über die Welt auch die Beob-
achtung der Theorien in der sozialen Welt ein Forschungsziel der Soziolo-
gie. Vergleiche dazu auch die Konzepte »Denkstil« und »Weltanschauun-
gen« bei Karl Mannheim (1964, 1980).
5 Die doppelte Hermeneutik hat die Form eines Zirkels, denn auch Begriff-
lichkeiten aus dem sozialen Leben selbst können von Soziologinnen und
Soziologen aufgegriffen werden und Eingang in das wissenschaftliche
Sprechen über Gesellschaft finden – und von dort aus wieder Einfluss auf
die Alltagswelt nehmen.
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INLEITUNG
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Wissensgesellschaft
als Beobachtungsperspektive: Welche Ver-
änderungen werden in gesellschaftlichen Teilbereichen und The-
menfeldern diagnostiziert? Wie treffend können sie durch die
Rede von einer Wissensgesellschaft gedeutet werden? Stellt die
Diagnose und Prognose
Wissensgesellschaft
eine realistische
und wissenschaftlich weiterführende Perspektive zur Verfügung?
Beobachtung der Perspektive ›Wissensgesellschaft‹: In welchen
Zusammenhängen wird von den beteiligten Akteuren (in gesell-
schaftlichen Teilbereichen wie z.B. Wirtschaft, Medien, Wissen-
schaft) dieser Terminus aufgegriffen? Wie erfolgreich bzw. wie
wirkmächtig ist das Konzept der Wissensgesellschaft?
Dieser Band verschafft Studierenden sowie Absolventinnen und Absol-
venten geistes- und sozialwissenschaftlicher Fächer einen orientierenden
Überblick über die wichtigsten Themenfelder der aktuell populärsten
Zeitdiagnose. Die Wissensgesellschaft ist in aller Munde – daher ist es
umso wichtiger, ein differenziertes und wissenschaftlich reflektiertes
Verständnis dieser Gesellschaftsbeschreibung und ihres Einflusses zu er-
langen. Sie wird als Deutungsangebot verstanden, das gegenwärtige
Transformationen zu beschreiben versucht.
In den Beiträgen soll es weder darum gehen, theoretischen und em-
pirischen Apologeten dieser Zeitdiagnose affirmativ das Wort zu reden,
noch darum, per se eine ablehnend-widerständige Haltung einzunehmen.
Dass die Wissensgesellschaft als Konzept erfolgreich ist und Eingang in
politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und massenmediale Dis-
kurse findet, ist soziologisch untersuchenswert – und die Frage, warum
dies der Fall ist, ist ebenso für Forschende aus dem Bereich der Päda-
gogik, den Kulturwissenschaften, der Politikwissenschaft, der Philoso-
phie sowie für andere Interessierte und Neugierige relevant und span-
nend.
Zum Aufbau des Bandes
Diese Einführung soll für die unterschiedlichsten Disziplinen ein Nach-
schlagewerk darstellen: zu den frühen (1) und zentralen (2) Theorien der
Wissensgesellschaft, zur Erklärungskraft und Wirkung dieser Diagnose
in gesellschaftlichen Teilbereichen (3) sowie ihrer Verbindung zu gesell-
schaftlich relevanten Themen (4). Ferner wird auch ein kritischer Blick
auf jene Inhalte geworfen, die in der Diskussion um die so genannte
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Wissensgesellschaft womöglich ausgeblendet werden (5). Abschließend
sollen in einem Resümee die Argumentationslinien der einzelnen Bei-
träge diskutiert und Überlegungen angestellt werden, wie eine wissens-
soziologische Analyse der Diagnose Wissensgesellschaft zu mehr wis-
senschaftlicher Transparenz und Durchdachtheit verhelfen könnte (6).
Im ersten Kapitel Von der Industrie- zur Wissensgesellschaft versam-
meln sich unter dem Label »frühe Diagnosen«
6
Vorreiter der Wissens-
gesellschaft (Peter Drucker, Daniel Bell) (1.1;1.2), aber auch Ideen-
geber, die mit semantisch ähnlich gelagerten Diagnosen wie der »Netz-
werkgesellschaft im Informationszeitalter« (Manuel Castells) (1.3) und
der »Risikogesellschaft« (Ulrich Beck) (1.4) auf die veränderte Rolle des
Wissens in einer »postindustriellen« Gesellschaft hinweisen. Diese The-
orien stehen im Zeichen einer voll entwickelten Moderne und sind ge-
eint durch die Frage: Was folgt auf die Industriegesellschaft? Gemein
sind den Ansätzen der Blick auf den Wandel der Arbeitsverhältnisse, die
Auseinandersetzung mit einer möglichen Veränderung des Kapitalis-
mus, die Untersuchung der Auswirkungen technischer Entwicklungen
auf das Soziale sowie die angenommene gesteigerte Bedeutung wissen-
schaftlich-theoretischen Wissens. Bei aller Ähnlichkeit der behandelten
Phänomene kommen die vorgestellten Diagnostiker jedoch zu ganz
unterschiedlichen Schlüssen.
Im zweiten Kapitel steht eine Auswahl von zentralen Theorien der Wis-
sensgesellschaft im Vordergrund, also jenen Ansätzen, die der Diagnose
zu ihrer aktuellen und anhaltenden Popularität verholfen haben. Sie alle
verbindet, dass sie eine theoretische Fundierung aufweisen, die bei den
Vorgängerdiagnosen in dieser Ausführlichkeit noch nicht zu finden war
– anders gesagt: Während die »frühen« Diagnosen vor allem Zeitdia-
gnose und nicht Gesellschaftstheorie sein wollten, sind die hier vertrete-
nen Ansätze jeweils gesellschaftstheoretisch eingebettet: Nico Stehrs
Ansatz (2.1) fußt auf handlungs- und modernisierungstheoretischen An-
nahmen, Helmut Willke (2.2) verortet sich in einem von Luhmann inspi-
rierten systemtheoretischen Kontext, André Gorz (2.3) hat den Marxis-
mus als Gewährstheorie im Hintergrund, auch der Existenzialismus Sar-
tre’scher Prägung scheint durch seine Ausführungen hindurch, und Ka-
rin Knorr Cetinas Annahmen über die Postsozialität von Wis-
6 Das »Frühe« der in diesem Kapitel vertretenen Gegenwartsbeschreibun-
gen ist weniger als zeitliche Einordnung zu verstehen, sondern vielmehr
als Versuch, auf die Vorgänger-, Wegbereiter- und Unterstützerrolle dieser
Beschreibungen hinzuweisen.
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sensgesellschaften (2.4) sind vom Laborkonstruktivismus der Science
Studies geprägt, den sie maßgeblich mitgestaltet.
Im dritten Kapitel wird die Thematisierung des Wandels durch die Wis-
sensgesellschaft in verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereichen be-
handelt. In der Wirtschaft (3.1) hat sich die Selbstbeschreibung als
»Wissensökonomie« weitgehend durchgesetzt. Diskutiert wird, welche
Auswirkungen diese Sichtweise auf ökonomische Prozesse hat, aber
ebenso, inwieweit der Wandel in diesem Teilbereich durch die Entste-
hung einer wissensbasierten Ökonomie angemessen beschrieben werden
kann. Der Einfluss der Wissensgesellschaft als politisches Leitbild mit
bestimmten Implikationen wird im Aufsatz zum Teilsystem Politik (3.2)
abgewogen. Dabei wird vor allem hinterfragt, welche Funktion diese
Diagnose in den Kämpfen des politischen Feldes einnimmt und welche
Rolle dabei das Verhältnis von Wissenschaft und Politik spielt. Die
Sphäre der Religion (3.3) und des Glaubens wird häufig in einem kon-
fliktären Verhältnis zum (in der Tendenz rationalen) Wissen der Wis-
sensgesellschaft gesehen. Im hier vertretenen Aufsatz wird der These
entgegengetreten, dass mit steigendem Einfluss des wissenschaftlichen
Wissens das Religiöse automatisch an Bedeutung verliert; verschiedene
Theorien der Religionssoziologie zur Entwicklung des Religiösen wer-
den dabei in Beziehung zur Diagnose Wissensgesellschaft gesetzt.
Wer von der »Wissensgesellschaft« spricht, kann über Bildung und
Erziehung (3.4) nicht schweigen. Prozesse im Bildungs- und Erzie-
hungssystem als Ganzes, in und zwischen den Bildungsinstitutionen so-
wie die Sozialisation der (lernenden) Subjekte werden vor allem im
Hinblick auf soziale Ungleichheit und Lebenschancen in den Blick ge-
nommen. Auch die Wissenschaft (3.5) spielt nachvollziehbar eine expo-
nierte Rolle im Konzept der Wissensgesellschaft – mit teilweise über-
raschenden Folgen: Der Bedeutungsgewinn wissenschaftlichen Wissens
und die damit einhergehende Diffusion in andere Teilbereiche führt zu
einer Verschärfung von Grenzkonflikten mit benachbarten gesellschaft-
lichen Sektoren wie z.B. der Politik, der Ökonomie und den Medien.
Welches Wissen in welcher Weise in den (Massen-)Medien vermittelt,
durch die Medien erzeugt wird und was für ein Wissen Akteure über die
Medien eigentlich haben, wird daran anschließend unter die Lupe ge-
nommen (3.6). Der Bereich der Kunst blieb lange Zeit ein unbeachtetes
Stiefkind der Theorien der Wissensgesellschaft (3.7). Bei genauerer Be-
trachtung der Wissensformen, die die Kunst hervorbringt, sowie der
Wissensmodi, die mit der Kunst verbunden sind, wie z.B. »Kreativität«,
wird jedoch schnell deutlich, dass dieser Bereich das Potential hat, zu
einem »Objekt und Motor der Wissensgesellschaft« (Panzer in diesem
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Band) zu avancieren. Als prosperierender Wirtschaftsbereich und durch
technische Innovationen erlangt der Bereich der Gesundheitsversorgung
ebenfalls zunehmende Bedeutung in der Wissensgesellschaft (3.8). Wel-
ches Wissen ist hier besonders gefragt und welchen Beitrag leistet es im
Hinblick auf die Betreuung und Heilung von Menschen?
Das vierte Kapitel trägt dem Umstand Rechung, dass die Diagnose Wis-
sensgesellschaft nicht nur bestimmte Teilsysteme geentert hat, in denen
mit ihr Veränderungen untersucht werden können oder sie als Deutungs-
angebot von den Akteuren selbst weitergetrieben wird – sie dockt auch
an bestimmte Themenfelder an und verändert diese. Im Aufsatz Sozial-
staat, Beschäftigungsverhältnisse, Arbeit (4.1) wird diese Wirkung der
Wissensgesellschaft mit den Implikationen der Vorgängerdiagnose Indu-
striegesellschaft kontrastiert. Die Wissenspolitik, die in und mit dem
Diskurs der Wissensgesellschaft betrieben wird und bestimmte Lebens-
und Organisationsweisen als alternativlos darstellt, wird in dieser Dar-
stellung näher beleuchtet und als eine Strategie zur Durchsetzung des
»aktivierenden« Sozialstaates sowie der Implementierung bestimmter
Identitätsangebote wie der des »unternehmerischen Selbst« (Bröckling
2007) enthüllt.
Was passiert mit dem Wissen in der Wissensgesellschaft im Rahmen
von Technisierungsprozessen? Welche Auswirkungen haben diese Ver-
änderungen für die beteiligten Akteure? Wie ist die Verteilung von Wis-
sen auf Technik und Mensch angemessen zu beschreiben? Diesen an-
spruchsvollen Fragen widmet sich der Aufsatz zum Thema Technik
(4.2). Wie es durch die Wissensgesellschaft zu einer Abwertung von
Professionen kommt – ein auf den ersten Blick widersprüchlicher Be-
fund, geht man verbunden mit dieser Diagnose zunächst doch von einer
Aufwertung des Expertentums aus – klärt der Aufsatz zur Professio-
nalisierung (4.3). Haben die Professionen unter Deprofessionalisierung
in der Wissensgesellschaft zu leiden, gilt für den Bereich der Beratung
das Gegenteil. Die veränderte Funktion der Beratung in Zeiten ungesich-
terten Wissens steht daher im Zentrum des anschließenden Aufsatzes
(4.4).
Das Nichtwissen als »Schattenseite« (Wehling in diesem Band) der
Wissensgesellschaft stellt sich einem unreflektierten und fortschritts-
gläubigen Verständnis dieser Diagnose entgegen. In diesem Aufsatz
wird die Entstehung und differenzierte Definition des Konzeptes Nicht-
wissen, die damit verbundene veränderte Sicht auf den Bereich der Wis-
senschaft sowie die zunehmende Politisierung des Nichtwissens thema-
tisiert (4.5). Für den Bereich der Ökologie eine wissensgesellschaftliche
Forschungsperspektive anzulegen, stellt zurzeit noch ein Novum dar
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INLEITUNG
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(4.6). Dies liegt vor allem darin begründet, dass die Logik der Industrie-
gesellschaft hier nach wie vor dominant ist. In diesem Aufsatz wird da-
her die Perspektive der Wissensgesellschaft als zukünftiges Szenario mit
möglichen Wirkungen auf den gesellschaftlichen Umgang mit dem Öko-
system diskutiert.
Wird in einigen Theorien der Wissensgesellschaft – so z.B. in der
atopischen Konzeption Helmut Willkes (2001) – von einer wachsenden
Unabhängigkeit vom Raum zugunsten der Zeit ausgegangen, vertritt der
Aufsatz zum Raum die gegenläufige These, dass auch eine Wissensge-
sellschaft ohne räumliche Bezüge nicht denkbar ist (4.7). Daran anknüp-
fend wird exemplarisch beobachtet, wie Bildungsinstitutionen sich in ei-
nem »Kampf um Aufmerksamkeit« als »distinkte Orte des Wissens«
(Schroer in diesem Band) inszenieren. Wie der Raum erfuhr auch der
Körper als Wissensobjekt und Wissensträger eine Vernachlässigung in
der Moderne, indem er als uninteressanter Gegenbegriff zum rationalen
Bewusstsein aus dem Sichtfeld geriet. Doch aufgrund des durch die For-
schungsperspektive »Wissensgesellschaft« gestiegenen Gespürs für un-
terschiedliche Wissensformen neben dem wissenschaftlichen Wissen,
ist, wie im letzten Aufsatz dieses Kapitels, eine differenzierte Betrach-
tung der Eigenheiten des Körperwissens denkbar (4.8).
Im fünften Kapitel wird ein dezidiert kritischer Blick auf das Konzept
der Wissensgesellschaft eingenommen und damit der Annahme gefolgt,
dass diese Diagnose nicht nur im wissenschaftlichen Sinne einen Ist-
Zustand beschreibt, sondern auch normative Implikationen aufweisen
oder gar den Zweck einer Verschleierung gesellschaftlicher Verhältnisse
bedienen kann. Der Reigen zur Kritik der Wissensgesellschaft wird er-
öffnet durch die von der Wissensgesellschaft vernachlässigte Thematik
der Geschlechterverhältnisse (5.1). Die Forschungsperspektive Wissens-
gesellschaft erzeugt, so die hier vertretene These, einen »Egalitätsmy-
thos« (Funder in diesem Band), der eine »post-patriarchale (Wissens-)-
gesellschaft« noch immer utopisch erscheinen lässt. Gefolgt wird diese
erste kritische Auseinandersetzung von der Frage nach der Deutungs-
macht des Konzeptes der Wissensgesellschaft (5.2). Wenn verschiedene
gesellschaftliche Funktionsbereiche wie Politik, die Ökonomie und das
Bildungssystem ein solches Deutungsmuster akzeptieren und auf Grund-
lage dessen Handlungsentscheidungen treffen, ist zu untersuchen, ob die
Zeitdiagnose zu einer self-fulfilling prophecy werden kann.
Als neoliberale illusio (Bourdieu) entfaltet die Wissensgesellschaft
eine kontraintuitiv anmutende Wirkung: Anstatt, wie es der Anspruch
wissenschaftlicher Zeitdiagnosen ist, zur (Er-)Klärung gesellschaftlicher
Verhältnisse beizutragen, kann sie von verschiedenen Akteursgruppen in
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einer Weise definitorisch und legitimatorisch eingesetzt werden, in der
die eigentlichen Machtstrukturen verborgen bleiben, wie im Aufsatz zur
Legitimation der Wissensgesellschaft (5.3) argumentiert wird. Ein letzter
Aufsatz dieses Kapitels diskutiert die provokative Frage, ob es sich bei
der Wissensgesellschaft nicht schlicht um eine Fehldiagnose handelt
(5.4), die durch unklare Indikatoren und vor allem normative politische
Ziele bestimmt ist.
Der Anspruch dieses Handbuches ist kein geringer: Es soll ein Nach-
schlagewerk für all jene sein, die im akademischen Kontext mit dem
Begriff der »Wissensgesellschaft« zu tun bekommen und daraufhin ge-
nauer hinschauen wollen. Ehrgeizig gesprochen handelt es sich zudem
um den Versuch, die »Objektivierungen zu objektivieren« (Bourdieu
1985: 29), d.h. die Facetten der Wissensgesellschaft aufs genaueste zu
durchleuchten, die mit ihr verbundenen Assoziationen, Begriffe und
Konzepte ans Licht zu holen und bislang noch blinde Flecken sichtbar
zu machen (freilich mit dem Wissen, dass die Erzeugung neuer Blind-
heiten nicht zu umgehen ist).
Die Planung eines umfangreichen Bandes wie dem Vorliegenden er-
fordert immer eine Selektion. Alain Touraine, Jean-François Lyotard,
Peter Weingart und andere werden einige Leserinnen und Leser zu
Recht unter den relevanten Denkern der Wissensgesellschaft vermissen.
Die Strahlkraft der Diagnose Wissensgesellschaft reicht selbstverständ-
lich auch über die genannten Teilbereiche hinaus und wirkt auf weitaus
mehr Themen ein, als wir auswählen konnten; ein zweiter Band oder
eine weitere Auflage würde beispielsweise neben Politik und Wirtschaft
auch das Rechtssystem der Wissensgesellschaft berücksichtigen, The-
men wie Intimbeziehungen, Zeit, Natur und – als kritische Analyseper-
spektive, die nicht nur implizit zur Anwendung kommt – die Exklusion
in der und durch die Wissensgesellschaft aufnehmen. Die Liste kann
nicht geschlossen werden, solange die Diagnose erfolgreich bleibt.
Durch die gemeinsamen Anstrengungen der Autorinnen und Autoren
liegt nun ein dickes und informatives Buch vor Ihnen – ein aktuelles
Kompendium zentraler Theorien, relevanter Themen und drängender
Probleme der Wissensgesellschaft. Für die engagierte Unterstützung in
diesem Entstehungsprozess bedanken wir uns bei allen Beiträgerinnen
und Beiträgern. Die Betreuung der Artikel haben die studentischen
Hilfskräfte Wiebke Peters und Jonas Barth konstruktiv begleitet, für ihre
Begeisterung und ihren Einsatz danken wir auch ihnen. Ebenso gilt Gero
Wierichs, unserem Ansprechpartner vom transcript Verlag, unser herz-
lichster Dank für sein Vertrauen und für die gemeinsame Zusammen-
arbeit.
E
INLEITUNG
17
Literatur
Beck, Ulrich (1996): »Wissen oder Nicht-Wissen? Zwei Perspektiven
›reflexiver Modernisierung‹«. In: Beck, Ulrich/Giddens, Anthony/
Lash, Scott (Hg.): Reflexive Modernisierung. Eine Kontroverse,
Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 289-315.
Berger, Peter L./Luckmann, Thomas (2004): Die gesellschaftliche Kon-
struktion der Wirklichkeit, Frankfurt a.M.: Fischer.
Bittlingmayer, Uwe (2005): »Wissensgesellschaft« als Wille und Vor-
stellung, Konstanz: UVK.
Böschen, Stefan/Wehling, Peter (2004): Wissenschaft zwischen Folgen-
verantwortung und Nichtwissen. Aktuelle Perspektiven der Wissen-
schaftsforschung, Wiesbaden: VS Verlag.
Bourdieu, Pierre (1985): Sozialer Raum und ›Klassen‹. Leçon sur la le-
çon. Zwei Vorlesungen, Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
Bröckling, Ulrich (2007): Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer
Subjektivierungsform, Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
Gamm, Gerhard (2010): »Der kluge Kopf. Unwissenheit, Ignoranz, Ur-
teilskraft – Tabus der Wissensgesellschaft«. In: Lettre International,
89, S. 123-127.
Giddens, Anthony (1997): Die Konstitution der Gesellschaft, Frankfurt
a.M./New York: Campus.
Knoblauch, Hubert (2005): Wissenssoziologie, Konstanz: UVK.
Mannheim, Karl (1964): Das Problem einer Soziologie des Wissens. In:
ders.: Wissenssoziologie, Berlin/Neuwied: Luchterhand, S. 308-387.
Mannheim, Karl (1980): Strukturen des Denkens, Frankfurt a.M.: Suhr-
kamp.
Wehling, Peter (2006): Im Schatten des Wissens? Perspektiven der So-
ziologie des Nichtwissen, Konstanz: UVK.
Willke, Helmut (2001): Atopia. Studien zur atopischen Gesellschaft,
Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
... Besides Douglas and Wildavsky, other authors approached the sociocultural dimension of risk perception, such as Ulrich Beck and Anthony Giddens with their concepts on the "Risk Society" (Adam et al., 2000;Beck et al., 2007;Engelhardt and Kajetzke, 2010;Japp, 1996). ...
Thesis
The connection of power-to-gas (PtG) with biogas facilities to convert excess renewable electricity into biomethane represents an innovation in the biogas industry. This concept could play a role in stabilizing the German renewable energy system and make the biogas value chain and derived products more competitive and environmentally friendly. With increasing interest in this technology, potential risks, uncertainties and challenges associated with the implementation of PtG in the biogas industry need to be assessed. The biogas sector is controversial in German society mainly due to its environmental and economic impacts and its critical safety deficiencies. Against this background, this thesis aims at analyzing how the German biogas chain could be transformed with the emergence of a PtG concept and at identifying approaches to efficiently tackle potential risks, uncertainties and challenges accompanying this renewable energy concept. The investigation draws on notions of risk perception and risk governance as a theoretical framework to identify and assess influential factors determining risk management for the implementation of PtG in the biogas sector and characterize essential requirements in the process of diffusion of the technology, its acceptance and legitimation. Following a random as well as a purposive sampling strategy, 27 experts representing key interest groups of the German biogas sector, i.e., industry, politics, research and associations, were interviewed face-to-face. Their perspectives on potential environmental, safety, sociopolitical and techno-economic risks and challenges that could hinder the implementation of PtG in the biogas value chain were systematically examined with the method of qualitative content analysis. With this technique, conclusions were derived based on a thorough scrutiny of the data collected. Overall, the participants of this study perceived a low risk of accidents, such as fires, explosions and environmental pollution, from biogas installations running with a PtG concept. They identified a lack of business models, missing political incentives as well as stigmatization of the sector as the main challenges in the adoption of PtG in the biogas sector. The stakeholders emphasized a knowledge gap in the general public to explain the low popularity of the biogas sector and its biobased products. In a successful deployment of this technological concept, the interviewees envisioned a replacement of farm-based biogas plants with fully industrialized facilities. The interviewed experts strongly emphasized the existence of regulations as the principal means to avoid potential technological risks. The perception of the stakeholders corresponds with hierarchists as in the Cultural Theory of Risk. This mindset influences the way the experts recognize, manage and communicate risks. The participants prominently identified politicians as the primary accountable actors to handle risks, challenges and uncertainties of biogas associated with PtG. Although the media was broadly seen as a knowledge broker, the interviewees did not consider it as an instrument for effective risk communication to deal with distrust and stigmatization in the public and the controversies influencing the biogas sector, which could potentially affect the diffusion of PtG in the industry. The present study delivers key insights for the governance of the adoption of this technological concept in German society. In order to create a joint understanding among relevant stakeholders, facilitate informed decision-making and ultimately promote legitimacy for this technology, it is recommended to increase risk awareness among actors dealing with biogas and PtG. It is essential to foster deliberate communication among the multiple interest groups on diverging perceptions of risk and corresponding management options, so that an effective, accountable and participatory strategy to risk governance can be developed.
Book
In seinem Buch analysiert Mathias Mejeh die Schulische Integration in einem organisationssoziologischen Zusammenhang. Dabei gelingt es ihm, auf einer neuartigen netzwerktheoretischen Grundlage entscheidende, mit dieser Problematik zusammenhängende Fragen evidenzbasiert zu klären. Durch die gesetzliche Verankerung Schulischer Integration sieht sich Schule als Institution mit vielfältigen Änderungen konfrontiert. Mit der damit verbundenen Neuentwicklung entsprechender Konzepte stellt sich auch die Frage, wie und inwieweit AkteurInnen, die mit deren Umsetzung befasst sind, die entsprechenden Neuregelungen dabei respizieren. Können sich Lehrpersonen bei der Umsetzung Schulischer Integration an rechtliche Vorgaben halten bzw. können Gesetze so konsistent gestaltet sein, dass sie in der pädagogischen Praxis überhaupt umsetzbar sind? Der Inhalt • Soziale Ungleichheit, Schulische Integration & Neo-Institutionalismus • Netzwerkanalyse als Erhebungsmethode professioneller Handlungsstrukturen • Darstellung und Analyse der Ergebnisse • Zukünftige Herausforderungen schulintegrativer Prozesse Die Zielgruppen • Dozierende und Studierende der Erziehungswissenschaft, Sonderpädagogik, Psychologie, Soziologie • Lehrpersonen, Schulleitungen, Schulische HeilpädagogInnen, SchulpsychologInnen, Bildungsadministration Der Autor Mathias Mejeh ist derzeit Dozent für Integrative Pädagogik am Institut Weiterbildung und Beratung der Pädagogischen Hochschule, FHNW.
Thesis
Im Schatten des Wissens? : Perspektiven der Soziologie des Nichtwissens. - Konstanz : UVK-Verl.-Ges., 2006. - 362 S. - (Theorie und Methode ; 40). - Zugl.: München, Univ., Habil.-Schr., 2006
Urteilskraft-Tabus der Wissensgesellschaft«
  • Gerhard Gamm
Gamm, Gerhard (2010): »Der kluge Kopf. Unwissenheit, Ignoranz, Urteilskraft-Tabus der Wissensgesellschaft«. In: Lettre International, 89, S. 123-127.