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Wirtschaftskraft Erneuerbarer Energie in Österreich und Erneuerbare Energie in Zahlen

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Blue Globe Report
Erneuerbare Energien #1/2013
Raphael Bointner et al.
Wirtschaftskraft Erneuerbarer
Energie in Österreich und
Erneuerbare Energie in Zahlen
VORWORT
Die Publikationsreihe BLUE GLOBE REPORT macht die Kompetenz und Vielfalt, mit der die
österreichische Industrie und Forschung für die Lösung der zentralen Zukunftsaufgaben
arbeiten, sichtbar. Strategie des Klima- und Energiefonds ist, mit langfristig ausgerichteten
Förderprogrammen gezielt Impulse zu setzen. Impulse, die heimischen Unternehmen und
Institutionen im internationalen Wettbewerb eine ausgezeichnete Ausgangsposition
verschaffen.
Jährlich stehen dem Klima- und Energiefonds bis zu 150 Mio. Euro für die Förderung von
nachhaltigen Energie- und Verkehrsprojekten im Sinne des Klimaschutzes zur Verfügung.
Mit diesem Geld unterstützt der Klima- und Energiefonds Ideen, Konzepte und Projekte in
den Bereichen Forschung, Mobilität und Marktdurchdringung.
Mit dem BLUE GLOBE REPORT informiert der Klima- und Energiefonds über
Projektergebnisse und unterstützt so die Anwendungen von Innovation in der Praxis. Neben
technologischen Innovationen im Energie- und Verkehrsbereich werden gesellschaftliche
Fragestellung und wissenschaftliche Grundlagen für politische Planungsprozesse
präsentiert. Der BLUE GLOBE REPORT wird der interessierten Öffentlichkeit über die
Homepage www.klimafonds.gv.at zugänglich gemacht und lädt zur kritischen Diskussion ein.
Wer die nachhaltige Zukunft mitgestalten will, ist bei uns richtig: Der Klima- und
Energiefonds fördert innovative Lösungen für die Zukunft!
Theresia Vogel
Geschäftsführerin, Klima- und Energiefonds
Ingmar Höbarth
Geschäftsführer, Klima- und Energiefonds
2
Vorwort
Österreich kann auf eine lange Tradition der Nutzung erneuerbarer
Energieträger zurück blicken. Früher als in anderen europäischen
Ländern wurden Weichenstellungen hin zu einem nachhaltigen
Energiesystem getroffen. Aktuelle Diskussionen in Europa rund um
Importabhängigkeit und Preissteigerungen fossiler Rohstoffe sowie
die Sicherheit von Atomkraftwerken scheinen Österreichs Weg zu
bestärken. Heute liegt der Anteil erneuerbarer Energie am End-
energieverbrauch in Österreich bei etwa 30% und einige heimische
Unternehmen zählen im Bereich erneuerbare Energietechnologie
zur den Weltmarktführern. Somit stellt sich die Frage, was dieser erneuerbare Beitrag für
die österreichische Volkswirtschaft, den Wirtschaftsstandort und die Verbraucher bedeu-
tet. Genau diesen Gesichtspunkten der widmet sich – aktuellen Herausforderungen der
Energie- und Klimapolitik gerecht werdend - die vorliegende Studie in umfangreicher und
ausführlicher Weise. Neben Basisinformationen zum österreichischen Energiesystem bie-
tet die Arbeit u. a. Einblick in den Ausbau erneuerbarer Energie in Österreich seit 2000,
das österreichische Know-How und Auswirkungen auf Konsum und Investitionen. Die viel-
fältigen und großteils positiven Aspekte der Nutzung erneuerbarer Energieträger in Öster-
reich sind dabei aber niemals Selbstzweck sondern müssen letztlich den Bedürfnissen der
Menschen gerecht werden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen des Projekt-
teams viel Spaß beim Lesen!
Herzlichst, Ihr
Raphael Bointner
„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen,
um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und Arbeit einzuteilen,
sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“
Antoine de Saint-Exupéry
Gewidmet allen, die zum Erfolg dieser Arbeit beigetragen haben.
3
B) Proj ek tübe rsicht
Inhalt
1Executive Summary ....................................................................................................... 5
2Hintergrund und Zielsetzung ......................................................................................... 7
3Projektinhalt und Ergebnis ............................................................................................. 9
3.1Themencluster I: Klima und Energie .......................................................................... 9
3.1.1Energiebilanz und Anteil erneuerbarer Energie in Österreich ............................ 9
3.1.2Importabhängigkeit von fossilen Energieträgern .............................................. 13
3.1.3Energetische Beiträge der einzelnen Sparten Erneuerbarer ............................ 14
3.1.4Die Struktur der Stromerzeugung in Österreich ................................................ 18
3.1.5Treibhausgasemissionen und CO2-Kosteneinsparung ..................................... 22
3.2Themencluster II: Erneuerbare Energietechnologie in Österreich ........................... 27
3.2.1Feste Biomasse ................................................................................................ 27
3.2.2Biotreibstoffe ..................................................................................................... 28
3.2.3Biogas ............................................................................................................... 30
3.2.4Geothermie ....................................................................................................... 31
3.2.5Photovoltaik ...................................................................................................... 32
3.2.6Solarthermie ..................................................................................................... 33
3.2.7Wärmepumpen ................................................................................................. 34
3.2.8Wasserkraft ....................................................................................................... 35
3.2.9Windkraft ........................................................................................................... 37
3.2.10Elektromobilität ................................................................................................. 38
3.2.11Beschäftigte und Umsätze erneuerbarer Technologie in Österreich ................ 40
3.3Themencluster III: Know-How für den Wirtschaftsstandort Österreich .................... 46
3.3.1Öffentliche Energieforschungsausgaben .......................................................... 46
3.3.2Energieforschungsinduziertes Wissen .............................................................. 50
3.3.3Private Energieforschungsausgaben ................................................................ 54
3.3.4Technologisches Know-How und Patentanmeldungen .................................... 57
3.4Themencluster IV: Förderungen und Subventionen im Energiesystem ................... 64
3.4.1Internationale Energiesubventionen ................................................................. 64
4
3.4.2Energiesubventionen in Österreich ................................................................... 66
3.5Themencluster V: Volkswirtschaftliche Effekte ........................................................ 70
3.5.1Komparativ-statische Betrachtung .................................................................... 70
3.5.2Makroökonometrische Simulationsanalyse ...................................................... 82
3.5.3Zusammenfassung der volkswirtschaftlichen Ergebnisse ................................ 88
4Schlussfolgerungen und Empfehlungen für Politik und Wirtschaft .............................. 89
4.1Fazit und Schlussfolgerungen .................................................................................. 89
4.2Empfehlungen für Politik und Wirtschaft .................................................................. 92
5Methodik ...................................................................................................................... 95
5.1Berechnung des kumulieren Wissens ...................................................................... 96
5.2Zusammenstellung der Patentdaten ........................................................................ 96
5.3Berechnung der relativen Patent- und Innovationsanteile ....................................... 98
5.4Quantifizierung der volkswirtschaftlichen Effekte ..................................................... 99
5.4.1Das Simulationsmodell MOVE ......................................................................... 99
5.4.2Annahmen der Simulationsanalyse ................................................................ 105
6Arbeits- und Zeitplan ................................................................................................. 107
7Publikationen und Disseminationsaktivitäten ............................................................ 107
8Literaturverzeichnis ................................................................................................... 108
9Anhang ...................................................................................................................... 112
9.1Abbildungsverzeichnis ........................................................................................... 112
9.2Tabellenverzeichnis ............................................................................................... 115
9.3Öffentliche Energieforschungsausgaben 2011 ...................................................... 117
9.4Energieforschungsrelevante Unternehmen ........................................................... 118
9.5Berücksichtigte Y02-Patentklassen ....................................................................... 122
5
1 Execut ive Sum m ar y
Der Primärenergieverbrauch zur Bereitstellung von Energiedienstleistungen für Haushalt,
Industrie und Mobilität beruht in Österreich hauptsächlich auf fossilen Energieträgern.
Damit verbunden sind eine hohe Importabhängigkeit, eine kritische Versorgungssicher-
heit, geringe Energiesouveränität und hohe Treibhausgasemissionen. Die zunehmenden
Probleme des zentral organisierten und großteils auf dem Einsatz fossiler Energieträger
basierenden Energiesystems erfordern neue Lösungsansätze. Zur zukunftsfähigen Be-
reitstellung von Energiedienstleistungen bietet sich die Kombination von Energieeffizienz,
Energiespeicherung und der Nutzung erneuerbarer Energie an. Vor diesem Hintergrund
ist aus ökologischer, gesellschaftlicher und makroökonomischer Sicht eine breite Forcie-
rung von erneuerbaren Energieträgern anzustreben. Damit stellt sich die Frage nach den
konkreten, quantitativ messbaren Auswirkungen des Einsatzes erneuerbarer Energieträ-
ger, um fundierte Entscheidungen auf Unternehmens- und Politikebene treffen zu können.
Entsprechend dieser Fragestellung ist das Ziel dieser Studie das Erfassen des Status-
Quo der Nutzung erneuerbarer Energie in Österreich unter Anwendung einer erprobten
und bewährten Methodik in einer in sich konsistenten Arbeit.
Die makroökonometrische Simulationsanalyse zeigt eine Erhöhung des Brutto-
inlandproduktes um 1.647 Mio. € im Jahr 2011 gegenüber einer Situation ohne den Aus-
bau von erneuerbaren Energieträgern im österreichischen Energiesystem seit dem Jahr
2000. Im Zeitraum 2000 bis 2011 ist eine Erhöhung des BIP um durchschnittlich 398 Mio.
€ pro Jahr generiert worden, was einem durchschnittlichen Anteil von 0,1 % am österrei-
chischem BIP entspricht. Zudem wurden durch die Forcierung erneuerbarer Energieträger
durchschnittlich 3.300 Beschäftigungsverhältnisse geschaffen. Auslöser dieser Effekte
sind neben den Investitionsimpulsen zur Strom-, Wärme und Treibstoffproduktion auf Ba-
sis Erneuerbarer, die Installation von Raumwärme-Heiztechnologien und insbesondere
positive Leistungsbilanzeffekte infolge der Reduktion von (fossilen) Energieimporten. Se-
kundäreffekte durch das Wirtschaftswachstum und den Beschäftigungszuwachs wie Er-
höhungen der allgemeinen Investitionstätigkeiten und der Lohnsumme komplettieren die
positiven wirtschaftlichen Auswirkungen. Bei Betrachtung der Steuereinnahmen wird er-
sichtlich, dass die verstärkte Integration von Erneuerbaren in das österreichische Ener-
giesystem seit 2000 zu einer Reduktion der Energiesteuer-einnahmen um 186 Mio. € pro
Jahr geführt hat. Wird diese Reduktion der Steuerein-nahmen durch eine Senkung der öf-
fentlichen Ausgaben kompensiert, so ergibt sich mit 149 Mio. € pro Jahr ein immer noch
signifikant positiver Beitrag zum österreichischen BIP.
Die insgesamt positiven volkswirtschaftlichen Effekte erlauben auch die Feststellung einer
doppelten Dividende in Österreich durch die Implementierung eines höheren Anteils von
erneuerbaren Energieträgern am Endenergieverbrauch in Österreich: Die positiven öko-
6
nomischen Auswirkungen werden begleitet durch eine simultane Reduktion negativer öko-
logischer Auswirkungen. Dies wird vor allem geprägt durch geringere kumulierte Treib-
hausgasemissionen seit dem Jahr 2000 in der Höhe von 49 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent,
das etwa 60% des Jahresausstoßes 2010 an Treibhausgasen in Österreich entspricht.
Dadurch konnten seit 2005 je nach Berechnungsmethode 682 Mio. bis 1,45 Mrd. EUR an
CO2-Kosten eingespart werden. Bei Energiesubventionen kann festgehalten werden, dass
fossile und erneuerbare Energieträger von einer Vielzahl von Förderungen profitieren,
wobei sich das exakte Fördervolumen nicht bestimmen lässt. Erdöl und Erdgas profitieren
vor allem von nicht-budgetierten Subventionen, erneuerbare Energieträger zum Großteil
von budgetierten Subventionen, die folglich auch klarer messbar sind.
Zu den positiven volkswirtschaftlichen Effekten trägt auch österreichisches Know-How bei.
Die öffentlichen Energieforschungsausgaben sind zwar in den letzten Jahren sehr stark
gestiegen, dennoch sind Vergleichsländer wie Dänemark, Finnland, Norwegen, Schwe-
den und die Schweiz beim Know-How im Bereich erneuerbare Energie zum Teil deutlich
vor Österreich. Die privaten F&E-Ausgaben für erneuerbare Energietechnologie (143,8
Mio. EUR) waren 2009 um etwa den Faktor 3,2 höher als die öffentlichen Ausgaben (45,2
Mio. EUR), zusammen wurden im Jahr 2009 189 Mio. EUR in Energieforschung investiert.
In den einzelnen Sparten erneuerbarer Energie zeigt sich jedoch ein sehr differenziertes
Bild. Das ist auch bei Patenten in erneuerbaren Energietechnologien zu beobachten. Die
Patentanmeldungen haben sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als versechsfacht. Im
Gegensatz zum Know-How durch öffentliche Energieforschungsausgaben offenbart sich
bei Patentanmeldungen aus Österreich im Maßstab zu den Vergleichsländern eine gute
Situation. Darüber hinaus lassen sich je nach Wahl der Systemgrenze allein für die öster-
reichischen Hersteller erneuerbarer Energietechnologien die Umsätze der letzten Jahre
auf 2,2 bis 3,6 Mrd. EUR und die Beschäftigten auf 8.500 bis 21.700 Vollzeitäquivalente
schätzen, inkl. Betriebseffekten erhöhen sich im Jahr 2011 die Umsätze auf 5,5 Mrd. EUR
und die Beschäftigten auf 38.700 Vollzeitäquivalente.
Dennoch sind noch weitere Herausforderungen zu lösen, die aus makroökonomischer
Perspektive für Österreich von Bedeutung sind. Das Energiesystem steht global, in Euro-
pa und Österreich vor einer gravierenden Transformation. Dabei wird es entscheidend
sein, Änderungen im Marktumfeld und Innovationen möglichst rasch zu erkennen und
entsprechende Akzente zur Adaption zu setzen. Hier kommt einer langfristigen Ge-
samtstrategie zur nachhaltigen Energieversorgung eine entscheidende Rolle zu, die so-
wohl angebotsseitige als auch nachfrageseitige Maßnahmen setzt. In diesem Punkt sind
die Unternehmen und die politischen Entscheidungsträger gleichermaßen gefordert.
7
2 Hin te rgrun d un d Zielsetzu ng
Ausgangslage, Motivation und Aufgabenstellung
Der Primärenergieverbrauch zur Bereitstellung von Energiedienstleistungen für Haushalt,
Industrie und Mobilität beruht in Österreich hauptsächlich auf fossilen Energieträgern.
Damit verbunden sind eine hohe Importabhängigkeit, eine kritische Versorgungssicher-
heit, geringe Energiesouveränität und hohe Treibhausgasemissionen. Die zunehmenden
Probleme des zentral organisierten und großteils auf dem Einsatz fossiler Energieträger
basierenden Energiesystems erfordern neue Lösungsansätze. Zur zukunftsfähigen Be-
reitstellung von Energiedienstleistungen bietet sich die Kombination von Energieeffizienz,
Energiespeicherung und der Nutzung erneuerbarer Energie an. Vor diesem Hintergrund
ist aus ökologischer, gesellschaftlicher und makroökonomischer Sicht eine breite Forcie-
rung von erneuerbaren Energieträgern anzustreben. Damit stellt sich die Frage nach den
konkreten, quantitativ messbaren Auswirkungen des Einsatzes erneuerbarer Energieträ-
ger, um fundierte Entscheidungen auf Unternehmens- und Politikebene treffen zu können.
Dazu gibt es zahlreiche, qualitativ hochwertige Vorarbeiten, die eine spezifische erneuer-
bare Energieform (z. B. Biomasse, Photovoltaik) oder eine bestimmte Fragestellung (z. B.
Produktion von Solarkollektoren) umfangreich dokumentieren. Aufbauend auf diesen Vor-
arbeiten stellt die vorliegende Arbeit in Anwendung einer konsistenten – und damit ver-
gleichbaren – Methodik, das gesamte Spektrum der für Österreich relevanten erneuerba-
ren Energieträger detailliert dar.
Ziel der Studie
Die Studie „Wirtschaftskraft Erneuerbarer Energie in Österreich und Erneuerbare Energie
in Zahlen“ dokumentiert in anschaulicher Weise die volkswirtschaftlichen (Wertschöpfung
und CO2-Zertifikatseinsparungen) und ökologischen (CO2-Reduktion) Effekte der Nutzung
erneuerbarer Energie in Österreich. In modularem Aufbau werden die Inhalte des Unter-
suchungsgegenstandes, wie beispielsweise inländische Wertschöpfung, Beschäftigungs-
effekte, CO2-Emissionen und CO2-Preise, österreichische Produktion und technologisches
Know-How sowie statistische Energiekennzahlen dargestellt. Das Ziel der Studie ist das
Zusammenfassen des Status-Quo der Nutzung erneuerbarer Energie in Österreich unter
Anwendung erprobter und bewährter Methodik aus umfangreichen Vorarbeiten in einer
einzigen, in sich konsistenten Arbeit. Damit sollen folgende zentrale Fragestellungen
beantwortet werden:
1. Die volkswirtschaftliche und ökologische Darstellung des Status-Quo der Nutzung er-
neuerbarer Energie in Österreich; die Kosteneinsparung durch die Nutzung erneuer-
barer Energieträger in Österreich seit 2000.
2. Das Aufzeigen von zukünftigen Chancen für die heimische Wirtschaft basierend auf
heutigem technologischem Know-How im Bereich erneuerbarer Energie.
8
3. Eine Bestandsaufnahme der Wirkung von bestehenden Förderungen und Subventio-
nen für das Energiesystem
4. Die Ableitung von Empfehlungen für wirtschaftliche und politische Entscheidungsträ-
ger betreffend das österreichische Energiesystem unter Bezugnahme langfristiger, in-
ternationaler Verpflichtungen (Kyoto-Protokoll, EU 20-20-20 Ziele, EU Energy-
Roadmap 2050, EU Low-Carbon-Roadmap 2050)
Durch die Darstellung des Status-Quo lassen sich aus den zentralen Fragestellungen fol-
gende untergeordnete Fragenstellungen beantworten:
1. Rückblick im Energiesystem (Ex-Post-Analyse): Was wäre gewesen, wenn der Aus-
bau erneuerbarer Energieträger nicht stattgefunden hätte? Mit welchen Zusatzkosten
hätte die österreichische Volkswirtschaft zu rechnen gehabt?
2. Welche volkswirtschaftlichen Belastungen hätte ein rein fossiles Referenzenergiesys-
tem1 seit 2000 insgesamt zur Folge gehabt? (Stichwort Ölpreissteigerung und –
importe, Kaufkraftabfluss)
3. Welche Exporterlöse, bei gleichzeitig vermiedenen Importen, können durch die Pro-
duktion von erneuerbaren Energietechnologien in Österreich erzielt werden? Welche
sekundären volkswirtschaftlichen Effekte ergeben sich daraus?
4. Wie groß ist die Bedeutung des Heimmarktes für österreichische Unternehmen im
Bereich erneuerbarer Energie, wie wichtig ist Technologieführerschaft? (vgl. Klaas-
sen et al, 2005)
5. Steueraufkommen vs. staatlichen Förderungen: Wie viel bekommt der Staat an steu-
erlichen Rückflüssen durch die Installation und den Betrieb von erneuerbaren Ener-
gietechnologien im Vergleich zu eingesetzten Fördermitteln zurück?
6. Welche Menge an CO2-Äquivalenten an Treibhausgasreduktionen ergibt sich aus
dem Einsatz erneuerbarer Energie in Österreich im Vergleich zu einem fossilen Refe-
renzenergiesystem seit 2000? Wie viele CO2-Zertifikate zu welchen Preisen konnten
dadurch eingespart werden?
1 Das Referenzenergiesystem geht vom österreichischen Primärenergieaufkommen des Jahres
2000 aus, wobei kein weiterer Ausbau von erneuerbaren Energieträgern unterstellt wird (siehe
auch Kapitel 3.5.1).
9
3 Proj ek tinha lt u nd Er gebnis
3 .1 Them en clust er I : Klim a un d Ene rgie
3 .1 . 1 Ener giebilan z u nd Ant eil e rn eue rb ar er En er gie in Öste rre ich
Die österreichische Energiebilanz für das Jahr 2011 weist einen Rückgang des Bruttoin-
landsverbrauchs um 3,3% und einen Rückgang des energetischen Endverbrauchs um
3,9% aus. Damit ist nach dem Anstieg des Endenergieverbrauchs vom Jahr 2009 auf das
Jahr 2010 um 6,7% im Jahr 2011 wieder ein Rückgang festzustellen. Die Schwankungen
des nationalen Energieverbrauchs in der Periode 2008 bis 2011 sind vor allem auf die
Schwankungen der Konjunktur (Wirtschaftskrise), die Schwankungen des Ölpreises, so-
wie auf witterungsbedingte Schwankungen des jährlichen Heizwärmebedarfes zurückzu-
führen. Die langfristige historische Entwicklung des Bruttoinlandsverbrauchs und des An-
teils erneuerbarer Energie sind in Abbildung 1 und Abbildung 2 dargestellt. Verbrauchs-
rückgänge konnten im Jahr 2011 in allen großen Bereichen beobachtet werden. Der End-
energieverbrauch reduzierte sich dabei im produzierenden Bereich um 1,9%, im Ver-
kehrsbereich um 2,3% und bei den sonstigen Verbrauchergruppen, welche auch die
Haushalte enthalten, um 6,7%.
Abbildung 1: Anteil Erneuerbarer am österreichischen Bruttoinlandsverbrauch 1970-2011.
Datenquelle: Statistik Austria (2012b)
10
Abbildung 2: Österreichischer Bruttoinlandsverbrauch 1970-2011 erneuerbarer Energieträ-
ger; Detail aus Abbildung 1; Datenquelle: Statistik Austria (2012b)
Die inländische Erzeugung von Rohenergie in einem Umfang von 135.837 GWh oder 489
PJ konnte im Jahr 2011 einen Anteil von 34,3% des Bruttoinlandverbrauchs von insge-
samt 396.474 GWh oder 1.427 PJ abdecken. Der restliche Anteil von 65,7% wurde durch
Energieimporte bereitgestellt. Im Jahr 2011 wurden in Österreich Energieimporte im Um-
fang von 357.863 GWh oder 1.288 PJ getätigt. Hierbei wurden vor allem Erdöl (44,0% der
Gesamtimporte), Erdgas (36,1%) und Kohle (9,9%) importiert. Die Energieexporte Öster-
reichs betrugen im selben Zeitraum 82.263 GWh oder 296 PJ. Dabei wurden vor allem
Erdgas (42,5% der Gesamtexporte), Erdöl (31,3%) und Strom (20,4%) exportiert (Tabelle
1).
Tabelle 1: Energiebilanz Österreich in den Jahren 2010 und 2011. Datenquelle: Statistik Austria
(2012b)
Energiebilanz Österreich 2010
GWh
2010
PJ
2011
GWh
2011
PJ
Veränder-
ung
Inländische Erzeugung v. Rohenergie 144.242 519 135.837 489 -5,8%
Energieimporte 350.177 1.261 357.863 1.288
2,2%
Energie auf Lager (- Lagerung, +Entnahme) 11.389 41 -14.962 -54 -
Energieexporte 95.831 345 82.263 296
-14,2%
Bruttoinlandverbrauch 409.977 1.476 396.474 1.427
-3,3%
Energetischer Endverbrauch 314.862 1.134 302.551 1.089 -3,9%
11
Der anteilsmäßig stärkste Energieträger war im Jahr 2011 Erdöl und Erdölprodukte mit
35,9%, gefolgt von Erdgas und anderen Gasen fossilen Ursprungs mit 23,3%. Diese bei-
den Energieträgergruppen decken gemeinsam bereits 59,2% des gesamten Bruttoinland-
verbrauches ab (Tabelle 2 und Abbildung 3). Weitere Energieträger waren, gereiht nach
ihrem Anteil, biogene Brenn- und Treibstoffe (11,8%), Kohle und Kohleprodukte (10,2%),
Wasserkraft (8,6%), Holz und brennbare Abfälle (6,7%), andere Erneuerbare (1,5%), so-
wie der Importüberschuss des elektrischen Stroms (2,1%). Im Vergleich mit den Zahlen
der EU27 weist die österreichische Energiebilanz durchschnittliche Anteile an Erdöl und
Erdölprodukten sowie Erdgas, einen geringeren Anteil an Kohle, keine Kernenergie und
einen deutlich höheren Anteil erneuerbarer Energie auf (Abbildung 4).
Tabelle 2: Bruttoinlandverbrauch nach Energieträgern in den Jahren 2010 und 2011. Daten-
quelle: Statistik Austria (2012b)
Bruttoinlandverbrauch nach Energieträ-
gern
2010
GWh
2010
PJ
2011
GWh
2011
PJ
Veränderung
Elektrische Ener
g
ie Im
p
ortüberschuss 2.331 8 8.195 30
251,6%
Erd
as und andere fossile Gase 99.210 357 92.529 333 -6,7%
Erdöl und Erdöl
p
rodukte 151.042 544 142.181 512 -5,9%
Kohle und Kohle
p
rodukte 39.273 141 40.336 145 2,7%
Bio
g
ene Brenn- u. Treibstoffe 47.002 169 46.661 168 -0,7%
Holz und brennbare Abfälle 27.062 97 26.594 96 -1,7%
Wasserkraft 38.380 138 34.181 123 -10,9%
A
ndere Erneuerbare 5.678 20 5.797 21 2,1%
Bruttoinlandsverbrauch
(
Summe
)
409.977 1.476 396.474 1.427
Abbildung 3: Anteile der Energieträger am Bruttoinlandsverbrauch 2011 in Österreich; in
Summe 396 TWh oder 1.427 PJ. Datenquelle: Statistik Austria (2012b)
12
Abbildung 4: Anteile der Energieträger am Primärenergieverbrauch der EU27 im Jahr 2011;
in Summe 19.768 TWh oder 71.166 PJ. Datenquelle: Eurostat (2012)
Der energetische Endverbrauch Österreichs gliedert sich im Jahr 2011 in die Anteile für
den Verkehr mit 32,9%, die Sachgüterproduktion mit 28,7%, die privaten Haushalte mit
23,9%, den Dienstleistungsbereich mit 12,4% und die Landwirtschaft mit 2,1% (Abbildung
5). Im Jahr 2011 wiesen alle genannten Sektoren Verbrauchsrückgänge auf. Die bedeu-
tendsten absoluten Rückgänge waren dabei im Bereich der Haushalte (minus 7.385 GWh
oder minus 9,3%), im Bereich des Verkehrs (minus 2.321 GWh oder minus 2,3%) und im
Bereich der Sachgüterproduktion (minus 1.649 GWh oder minus 1,9%) zu verzeichnen.
Der anrechenbare Beitrag erneuerbarer Energie ist in Österreich nach der Berechnungs-
methode gemäß EU (2009) vom Jahr 2010 auf das Jahr 2011 um 2.586 GWh oder 2,5%
gesunken. Das resultiert im Wesentlichen aus den sektoralen Rückgängen des Gesamte-
nergieverbrauchs (-3,9%) im Jahr 2011. Damit ist der Anteil erneuerbarer Energie insge-
samt um 0,4% gestiegen (Tabelle 3). Der erneuerbare Anteil im österreichischen Strom-
mix sank von 2010 auf 2011 unwesentlich von 64,7% auf 64,6%. Steigende Anteile wur-
den in den Bereichen Fernwärme und Verkehr verbucht.
Tabelle 3: Anteil erneuerbarer Energie am Energieverbrauch in Österreich1. Datenquelle: Sta-
tistik Austria (2012b)
Bereich 2010 2011 Differenz
Anteil erneuerbare Energie insgesamt 30,6% 31,0% +0,4%
Anteil Erneuerbarer Strom 64,7% 64,6% -0,1%
Anteil Erneuerbare Fernwärme 43,9% 46,3% +2,4%
Anteil Erneuerbare im Verkehr 6,4% 6,6% +0,2%
Anteil restliche Erneuerbare am End-
energieverbrauch
27,7% 27,6% -0,1%
1 gemäß EU-Richtlinie erneuerbare Energie, EU (2009).
13
Abbildung 5: Sektoraler Endenergieverbrauch in Österreich im Jahr 2011; in Summe 303
TWh oder 1.089 PJ. Datenquelle: Statistik Austria (2012b)
3 .1 . 2 I mpor tabhä ngigk eit von fossilen Ene rgiet räg er n
In Österreich ist - wie in den meisten Staaten der Europäischen Union - eine starke Im-
portabhängigkeit von fossilen Energieträgern gegeben. Besonders deutlich wird dies bei
Öl und Kohle, wo im Jahr 2000 jeweils mehr als 90% importiert werden mussten. Dieser
Anteil stieg bis 2011 bei Erdöl leicht und bei Kohle sogar auf 100% an, da seit 2005 kein
heimischer Kohlebergbau mehr stattfindet. Bei Gas stieg die Importabhängigkeit von 77%
im Jahr 2000 auf 81% im Jahr 2011 an. Dagegen mussten im Jahr 2011 nur 5% der er-
neuerbaren Energieträger importiert werden (siehe Abbildung 6 und Abbildung 7; ohne
Stromimport / -export).
Abbildung 6: Bruttoinlandsverbrauch nach Energieträger in PJ im Jahr 2000; Datenquelle:
Statistik Austria (2012b)
14
In absoluten Zahlen des Bruttoinlandsverbrauches war von 2000 bis 2011 bei Öl ein leich-
ter Anstieg von 513 PJ auf 517 PJ und bei Kohle ein leichter Rückgang von 153 PJ auf
145 PJ zu beobachten. Einen starken Anstieg hatten Gas von 276 PJ auf 328 PJ und er-
neuerbare Energieträger von 277 PJ auf 373 PJ zu verzeichnen. Die Anpassungsstrategie
der laufenden Umstellung des österreichischen Energiesystems von fossilen hin zu er-
neuerbaren Energieträgern kann somit als Erfolg gewertet werden. Dennoch sind in Zu-
kunft große Anstrengungen nötig, da die immer noch hohe Importabhängigkeit aus Sicht
der Versorgungsicherheit natürlich sehr kritisch ist und man von zum Teil instabilen Ex-
portländern abhängig ist. Die beiden Ölkrisen der 1970er Jahre und der Gaskonflikt zwi-
schen Russland und der Ukraine von 2005/2006 hat dies bereits deutlich vor Augen ge-
führt. Daneben ist durch die hohe Importabhängigkeit ein starker Kaufkraftabfluss ins Aus-
land gegeben, dessen Wirkung in Kapitel 3.5.2 näher beschrieben ist.
Abbildung 7: Bruttoinlandsverbrauch nach Energieträger in PJ im Jahr 2011; Datenquelle:
Statistik Austria (2012b)
3 .1 . 3 Ener ge tische Be it ge de r e inz eln en Spart en Er neu er ba rer
Die größten Beiträge an erneuerbarer Energie2 im österreichischen Endenergieaufkom-
men des Jahres 2011 stammten von Holzbrennstoffen inklusive Fernwärme aus Holz-
brennstoffen mit 41.136 GWh und aus Wasserkraft mit 38.657 GWh. Diese beiden Ener-
gieträgergruppen machten gemeinsam einen Anteil von 80,3% des gesamten Aufkom-
mens an erneuerbarer Endenergie in Österreich aus. Weitere Sparten mit größeren Bei-
trägen waren die energetische Nutzung von Ablaugen mit 6,9% und die Biokraftstoffe mit
2 laut Statistik Austria (2012b), ermittelt nach EU (2009).
15
6,1%. Die Beiträge aller anderen Erneuerbaren betrugen jeweils weniger als 2,0%. Das
Gesamtaufkommen an erneuerbarer Endenergie betrug im Jahr 2011 99.318 GWh und
war damit um 2,5% geringer als im Vorjahr 2010. Die Beiträge der einzelnen Sparten sind
in Abbildung 8 dargestellt. In
Tabelle 4 ist eine Aufgliederung des Gesamtaufkommens erneuerbarer Endenergie in den
Jahren 2010 und 2011 in die Bereiche Strom, Wärme und Kraftstoffe dokumentiert. De-
tailinformationen zu den Technologien sind in Kapitel 3.2 dargestellt.
Unter dem Sammelbegriff Holzbrennstoffe ist die Nutzung von Brennholz, Hackschnitzel,
Holzpellets, Holzbriketts, Holzabfällen, Holzkohle, und dem biogenen Anteil von Abfällen
zusammengefasst. Die Nutzung der Holzbrennstoffe schlägt sich sowohl im Strom- als
auch im Wärmebereich nieder und trägt insgesamt mit 31,5% zum erneuerbaren End-
energieaufkommen in Österreich bei. Wird der Anteil fester Biomasse im erneuerbaren
Anteil der Fernwärme hinzugerechnet, so steigt der Anteil der Holzbrennstoffe auf 41,4%.
Traditioneller Weise kommt feste Biomasse als Energieträger im Zuge der dezentralen
Raumwärmebereitstellung zum Einsatz, aber auch die Biomasse Kraft-Wärme Kopplung
stellt eine etablierte Anwendung dar. Die Endenergie aus fester Biomasse im Energiemix
sank von 2010 auf 2011 um 5,6%, was vor allem auf den sektoralen Energieverbrauchs-
rückgang im Wärmebereich aufgrund der Witterungsverhältnisse zurückzuführen ist.
Die Nutzung der Wasserkraft trug im Jahr 2011 mit 38,9% zum gesamten erneuerbaren
Endenergieaufkommen in Österreich bei. Diese in Österreich historisch gewachsene und
etablierte Technologie bezieht vor allem in Hinblick auf die Bedeutung des besonders
hochwertigen Energieträgers Strom im heutigen Wirtschaftssystem eine wichtige Position.
Die produzierte Endenergie aus Wasserkraft ist von 2010 auf 2011 um 0,6% gesunken
und damit fast konstant geblieben.
Der erneuerbare Anteil der Fernwärme stellt mit einem Anteil von 10,3% am Gesamtauf-
kommen Erneuerbarer die drittgrößte Einzelsparte dar. Erneuerbare Fernwärme enthält
84,3% Holzbrennstoffe, 6,1% erneuerbaren Müllanteil, 5,3% sonstige feste Biomasse,
1,5% Geothermie und weitere geringe Anteile aus den Bereichen Biogas, flüssige Bio-
masse und Laugen. Die erneuerbare Endenergie aus Fernwärme ist vom Jahr 2010 auf
2011 um 2,9% gesunken. Der Anteil erneuerbarer Fernwärme an der gesamten Fern-
wärme betrug im Jahr 2011 46,3%.
Die Sparte der Ablaugen erbringt einen Beitrag von 6,9%, der den Bereichen Strom und
Wärme zugeordnet wird. Die energetische Nutzung von Ablaugen ist vom Jahr 2010 auf
das Jahr 2011 um 1,6% gesunken, was auch aus der allgemeinen Konjunkturentwicklung
resultiert.
Aufgrund der seit dem Jahr 2005 kontinuierlich ansteigenden Substitutionsverpflichtung
von fossilen Kraftstoffen wiesen die Biokraftstoffe bis zum Jahr 2009 ein starkes Wachs-
tum auf. Entsprechend der seit 2009 unveränderten Höhe der Substitutionsziele wurden
16
2010 und 2011 annähernd konstante Mengen an Biokraftstoffen eingesetzt. Die Sparte
Biokraftstoffe hatte im Jahr 2011 einen Anteil von 6,1% am Gesamtaufkommen erneuer-
barer Endenergie und war mit einem Anstieg von 0,1% bezogen auf das Vorjahr 2010
stabil. Biodiesel, Bioethanol und Pflanzenöl werden fast ausschließlich im Verkehrsbe-
reich eingesetzt, ein sehr geringer Anteil dieser Energieträger wird jedoch als Biobrenn-
stoff verstromt.
Die Nutzung der Windkraft war im Jahr 2011 mit 2,1% am erneuerbaren Endenergieauf-
kommen beteiligt. Nach den Jahren des starken Windkraftausbaues von 2003 bis 2006
konnte im Jahr 2011 nur ein geringerer weiterer Ausbau umgesetzt werden. Daraus resul-
tierte eine Steigerung des Beitrages aus Windkraft von 2010 auf 2011 von 2,5%.
Die Nutzung der Solarthermie trug im Jahr 2011 mit 1,9% zum erneuerbaren Endener-
gieaufkommen in Österreich bei. Die Steigerung des absoluten Beitrages von 2010 auf
2011 betrug 2,9%. Wärme aus solarthermischen Anlagen wird zum überwiegenden Teil
bei der Brauchwassererwärmung und Raumheizung in Wohngebäuden, aber auch in Ser-
vicegebäuden eingesetzt.
Umweltwärme wird mittels Wärmepumpen nutzbar gemacht und erbrachte im Jahr 2011
einen Beitrag von 1,1% zum erneuerbaren Endenergieaufkommen in Österreich. Die
Steigerung des energetischen Beitrages von 2010 auf 2011 betrug dabei 10,2% und war
auf die fortschreitende Verbreitung der Wärmepumpentechnologie zurückzuführen. Um-
weltwärme wird zum überwiegenden Teil im Bereich der Raumwärme und der Brauch-
wassererwärmung in Wohngebäuden, aber auch in Servicegebäuden genutzt.
Die Nutzung von Biogas trug im Jahr 2011 mit 0,8% zum erneuerbaren Endenergieauf-
kommen in Österreich bei. Der energetische Beitrag aus Biogas reduzierte sich vom Jahr
2010 auf das Jahr 2011 um 7,7% was auch auf gestiegene Rohstoffkosten für Biogasan-
lagen zurückzuführen ist.
Die Nutzung der tiefen Geothermie ist vorrangig im Bereich Wärme etabliert. Anlagen mit
zusätzlicher Stromgewinnung stellen wegen der für die Stromgewinnung geringen Tempe-
raturniveaus die Ausnahme dar. Die Geothermie trug im Jahr 2011 mit 0,1% zum erneu-
erbaren Endenergieaufkommen in Österreich bei und wies von 2010 auf 2011 eine Ab-
nahme der Produktion um 13,4% auf. Ein weiterer energetischer Beitrag der Geothermie
ist im Sektor Fernwärme enthalten, wobei damit ein Gesamtbeitrag der Geothermie von
0,24% gegeben ist.
Der mittels Photovoltaik produzierte elektrische Strom trug mit 0,2% zum erneuerbaren
Endenergieaufkommen 2011 bei. Das Wachstum der absoluten Beiträge betrug vom Jahr
2010 auf 2011 jedoch 96,0%, was das größte Wachstum einer einzelnen Sparte in die-
sem Jahr darstellt. Dieses Wachstum war vor allem aufgrund der günstigen energiepoliti-
schen Rahmenbedingungen und der steilen ökonomischen Lernkurve dieser Technologie
möglich geworden.
17
Abbildung 8: Erneuerbare Endenergie in Österreich im Jahr 2011: Anteile der Energieträger
in Summe 99.318 GWh, in Prozent. Datenquelle: Statistik Austria (2012b)
Tabelle 4: Erneuerbare Endenergie in Österreich in den Bereichen Strom, Wärme und Kraft-
stoffe; alle Werte in GWh. Quelle: Statistik Austria (2012b)
Sparte Strom Wärme Kraftstoffe Gesamt Veränderung
2010 2011 2010 2011 2010 2011 2010 2011
Biogas 649 625 187 147 836 772 -7,7%
Biokraftstoffe 30 12 6.064 6.087 6.094 6.099 0,1%
Fernwärme
(erneuerbarer Anteil)2
10.552 10.242 10.552 10.242 -2,9%
Geothermie 1,4 1,1 89 77 90 78 -13,4%
Holzbrennstoffe1 2.585 2.603 30.909 28.729 33.495 31.332 -6,5%
Laugen 1.201 1.282 5.782 5.588 6.983 6.870 -1,6%
Photovoltaik 89 174 89 174 96,0%
Solarwärme 1.858 1.913 1.858 1.913 2,9%
Umgebungswärme 992 1.092 992 1.092 10,2%
Wasserkraft 38.876 38.657 38.876 38.657 -0,6%
Windkraft 2.038 2.089 2.038 2.089 2,5%
Summen 45.470 45.444 50.370 47.787 6.064 6.087 101.904 99.318
1 Brennholz, Hackschnitzel, Holzpellets, Holzbriketts, Holzabfälle, Holzkohle, biogene Abfälle;
2 Erneuerbarer Anteil; enthält: Müll erneuerbar, Holz-basiert, Biogas, Biogene flüssig, Laugen,
sonstige feste Biogene und Geothermie;
18
3 .1 . 4 Die Str uk tu r de r St rom erz eugu ng in Öste rre ich
Die Gesamtbilanz des elektrischen Stroms in Österreich für die Datenjahre 2010 und
2011 ist in Tabelle 5 dokumentiert. Der Inlandsstromverbrauch betrug im Jahr 2011
59.644 GWh und war damit um 121 GWh oder 0,2% geringer als im Jahr 2010. Der durch
die Wirtschaftskrise verursachte Stromverbrauchsrückgang von 2008 auf 2009 um 3,6%
wurde mit einem Stromverbrauchsanstieg im Jahr 2010 beinahe kompensiert und blieb im
Jahr 2011 quasi konstant, was angesichts der stagnierenden Konjunktur in diesem Jahr
auch plausibel ist. Die in Österreich insgesamt im Jahr 2011 verwendete Strommenge (in-
klusive Pumpspeicherung und physikalische Stromexporte) betrug 81.392 GWh und war
damit um 308 GWh oder 0,4% geringer als im Jahr davor. Reduktionen sind auch im Be-
reich des Eigenbedarfs im Netz- und Erzeugungsbereich festzustellen. Alleine die Pump-
speicherung erfuhr mit einem Plus von 9,6% eine Steigerung.
Die Stromaufbringung war im Jahr 2011 vor allem durch eine um 10,4% reduzierte Pro-
duktion der Wasserkraft durch geringere Wasserstände der Flüsse gekennzeichnet. Auch
die thermische Stromproduktion verzeichnete einen Rückgang um 9,0%. Die geringere
Produktion wurde durch vermehrte Stromimporte ausgeglichen, wobei ein Anstieg der
Stromimporte um 20,3% zu verzeichnen war. Die physikalischen Stromimporte Öster-
reichs stammten im Jahr 2011 zu 55% aus Deutschland, zu 40% aus Tschechien und zu
jeweils geringen Anteilen aus Ungarn, Slowenien, Italien und Liechtenstein. Die Stromex-
porte aus Österreich ergingen im selben Jahr an die Länder Schweiz, Deutschland, Slo-
wenien, Italien sowie zu jeweils geringen Anteilen an Ungarn, Liechtenstein und Tsche-
chien. Die Struktur der Aufbringung und der Verwendung von Strom im öffentlichen Netz
ist in Tabelle 5 dargestellt.
19
Tabelle 5: Gesamtbilanz Strom des öffentlichen Netzes in Österreich. Datenquelle: E-Control
(2012b)
Gesamtbilanz Strom in Österreich
Angaben in GWh bzw. Prozent
2010 2011 Veränderung
Verwendung
Endverbrauch Strom 55.005 55.076 +0,1%
Netzverluste 3.351 3.307 -1,3%
Eigenbedarf Netz 345 296 -16,6%
Eigenbedarf Erzeugung 1.063 964 -10,2%
Inlandsstromverbrauch 59.765 59.644 -0,2%
Pumpspeicherung 4.572 5.056 +9,6%
Physikalische Stromexporte 17.363 16.693 -4,0%
Verwendung total 81.700 81.392 -0,4%
Aufbringung
Wasserkraft inkl. Kleinwasserkraft 39.864 36.111 -10,4%
Wärmekraft inkl. erneuerbarer Wärmekraft319.596 17.977 -9,0%
Windkraft, Photovoltaik und Geothermie 2.096 1.985 -5,6%
Sonstige Erzeugung 290 416 +30,3%
Physikalische Stromimporte 19.855 24.904 +20,3%
Aufbringung total 81.700 81.392 -0,4%
Im Jahr 2011 wurden in Österreich laut Statistik Austria (2012b) insgesamt 45.444 GWh
Strom aus Erneuerbaren bereitgestellt. Dies waren um 26 GWh oder 0,1% weniger als im
Jahr 2010. Somit war die Produktion erneuerbaren Stromes weitestgehend konstant, was
sich auch am Anteil erneuerbaren Stromes im Strommix zeigt (Tabelle 6).
Die von der Abwicklungsstelle für Ökostrom AG (OeMAG) registrierten Ökostrom-
Einspeisemengen haben sich vom Jahr 2010 auf das Jahr 2011 um 451 GWh oder 7,6%
verringert und anschließend im Jahr 2012 um 700 GWh oder 12,8% erhöht (Tabelle 6).
Bemerkenswert sind besonders der massive Rückgang bei flüssiger Biomasse um minus
98% und der enorme Zuwachs bei der Photovoltaik um plus 159%. Die Anzahl der aktiven
Vertragsverhältnisse mit OeMAG erhöhte sich im Bereich der Kleinwasserkraft vom 4.
Quartal 2011 auf das 4. Quartal 2012 von 1.658 auf 1.715. „Sonstige“ Ökostromanlagen
stiegen um 71% von 6.900 auf 11.797, was vor allem auf den Boom bei Photovoltaik zu-
rück zu führen ist; bei der Windkraft erhöhte sich die Anzahl der Verträge um 59% von
147 auf 234. Die Verteilung der Ökostromanteile 2011 und 2012 sind in Abbildung 9 und
Abbildung 10 dargestellt.
3 Die Datenquelle lässt keinen Rückschluss auf den Anteil erneuerbarer Wärmekraft im öffentlichen
Stromnetz zu. An der gesamten Stromversorgung (öffentliches Netz plus Eigenerzeuger) betrug
der Anteil biogener Brennstoffe 18% des Stroms aus Wärmekraftwerken.
20
Tabelle 6: Strom aus erneuerbaren Energieträgern. Datenquellen: Statistik Austria (2012b), E-
Control (2012a) und E-Control (2013)
Strom aus Erneuerbaren in Österreich 2010
in GWh
2011
in GWh
2012
in GWh
Verän-
derung
2011-12
Strom aus Erneuerbaren total 45.470 45.444 n. a.
Erneuerbarer Anteil am Gesamtstrom 64,7% 64,6% n. a.
Ökostrom - Einspeisemengen in Österreich mit Abnahmevertrag der OeMAG
Kleinwasserkraft (aus geförderten Anlagen) 1.258 988 1.095 +10,8%
Windkraft 2.019 1.883 2.386
+26,7%
Biomasse fest inkl. biogener Anteil aus Abfäl-
len
1.987 1.969 1.983
+0,7%
Biomasse gasförmig 539 520 554 +6,5%
Biomasse flüssig 30 12 0,3 -97,5%
Photovoltaik 26 39 101
+159%
Deponie- und Klärgas 43 40 31 -22,5%
Geothermie 1,4 1,1 0,7
-36,4%
Ökostrom - Einspeisung total 5.903 5.452 6.152 +12,8%
Abbildung 9: Ökostrom-Aufkommen in Österreich nach Technologien im Jahr 2011, in
Summe 5.452 GWh. Datenquelle: E-Control (2012a)
21
Abbildung 10: Ökostrom-Aufkommen in Österreich nach Technologien im Jahr 2012, in
Summe 6.152 GWh. Datenquelle: E-Control (2013)
Die Monatsbilanzen der österreichischen Stromverwendung und –aufbringung sind für
das Jahr 2011 in Abbildung 11 dargestellt. Der geringste Monatswert trat hierbei mit 6.167
GWh im August auf, der höchste Monatswert mit 7.723 GWh im Jänner. Der Beitrag der
Wasserkraft zeigt einen ausgeprägten Jahresgang mit einem Aufbringungsmaximum im
Monat Juni. Zur Deckung der jahreszeitlich gegenläufig ausgeprägten Verwendung wer-
den in den Wintermonaten vermehrt Wärmekraftwerke eingesetzt und Stromimporte getä-
tigt. Die Stromexporte zeigen hingegen eine weniger stark ausgeprägte jahreszeitliche
Charakteristik.
Abbildung 11: Jahresbilanz des elektrischen Stroms in Österreich 2011 auf Monatsbasis in
GWh. Datenquelle: E-Control (2012b)
22
3 .1 . 5 Tre ibh au sga sem ission en un d CO2- Kost en ein spar ung
Treibhausgasreduktion durch die Nutzung erneuerbarer Energie im Jahr 2011
Der Klimaschutzbericht 2012 des Umweltbundesamtes bezieht sich auf das Datenjahr
2010 und betrifft damit das dritte Jahr der fünfjährigen Kyoto-Periode 2008 bis 2012. Laut
Klimaschutzbericht betrugen die Treibhausgas-Emissionen in Österreich im Berichtsjahr
2010 84,6 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent. Die Emissionen lagen damit im Jahr 2010 um
15,8 Mio. Tonnen über dem zu erreichenden jährlichen Durchschnittswert des für 2008 bis
2012 festgelegten Kyoto-Ziels von 68,8 Mio. Tonnen. Unter Berücksichtigung des Emissi-
onshandels, der Projekte aus Joint Implementation und Clean Development Mechanism
(JI/CDM) sowie der Bilanz aus Neubewaldung und Entwaldung ist jedoch die Lücke zwi-
schen Emissionen und Kyoto-Ziel geschlossen.
Ab dem Jahr 2005 war ein abnehmender Trend der Treibhausgas-Emissionen in Öster-
reich zu verzeichnen. Wurden 2005 noch knapp 93 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent freige-
setzt, so waren es im Jahr 2010 um 8,9% weniger. Ein stärkerer Rückgang der Emissio-
nen in den Jahren 2008 und 2009 war auf die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zurück-
zuführen. Diese führte auch zu einem Rückgang der Produktion und zu einem Rückgang
des allgemeinen Energieverbrauchs. Im Jahr 2010 war jedoch wieder ein deutlicher An-
stieg der Treibhausgasemissionen zu beobachten. Dieser Trend dürfte sich nach eigenen
Berechnungen auch 2011 in abgeschwächter Form fortgesetzt haben (siehe Abbildung
12); reale Daten für 2011 liegen nicht vor (Stand Juli 2013).
Abbildung 12: Entwicklung der österreichischen Treibhausgasemissionen seit 2000 in Mio.
Tonnen CO2-Äquivalent. Datenquelle: UBA (2012), eigene Schätzung für 2011
23
Die wichtigsten Verursacher von Treibhausgas-Emissionen waren im Jahr 2010 die Sek-
toren Industrie und produzierendes Gewerbe mit einem Anteil von 29,2%, der Verkehr mit
26,6%, die Energieaufbringung mit 16,9 % und schlussendlich der Bereich Raumwärme
und sonstiger Kleinverbrauch mit 13,5%. In den Sektoren Industrie sowie Energieaufbrin-
gung werden ca. 79 % der Emissionen von Betrieben verursacht, die dem Emissionshan-
del unterliegen. Der Verkehrssektor ist mit rund 3,6 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten der
Sektor mit der größten Abweichung zum sektoralen Ziel der Klimastrategie. Von einer Er-
reichung des sektoralen Zieles der Klimastrategie ist ohne weitere, kurzfristig wirksame
Maßnahmen nicht auszugehen.
Zentrale Ansatzpunkte der Klimastrategie sind die Steigerung der Energieeffizienz und die
Forcierung der Nutzung erneuerbarer Energieträger. In diesem Zusammenhang werden
im Folgenden die in Österreich im Jahr 2011 durch den Einsatz von erneuerbarer Energie
vermiedenen CO2-Äquivalent-Emissionen dargestellt. Für die Berechnung wurden folgen-
de Annahmen getroffen:
Elektrischer Strom aus Erneuerbaren substituiert ENTSO-E-Stromimporte mit einem
Emissionskoeffizienten von 412,8 gCO2äqu/kWhel (Jahresmittelwert für 2011). Der
Emissionskoeffizient für die inländische Gesamt-Stromaufbringung beträgt im Jahr
2011 für eine Bandlast 290,5 gCO2äqu/kWhel und für eine heizgradtagskorrelierte Last
(z.B. Raumwärme) 327,2 gCO2äqu/kWhel.
Wärme aus Erneuerbaren substituiert den österreichischen Mix des gesamten Wär-
mebereichs (Raumheizung, Dampferzeugung und Industrieöfen) im Jahr 2011 mit ei-
nem Emissionskoeffizienten von 196,6 gCO2äqu/kWh.
Kraftstoffe aus Erneuerbaren substituieren den nicht erneuerbaren österreichischen
Kraftstoffmix im Jahr 2011 aus Benzin und Diesel mit einem Emissionskoeffizienten
von 263,0 gCO2äqu/kWh.
Unter diesen Voraussetzungen konnten im Jahr 2011 durch den Einsatz erneuerbarer
Energie in Österreich Emissionen im Umfang von 15,8 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent ver-
mieden werden (Tabelle 7). Wird die Großwasserkraft größer 10 MW Anlagengröße hin-
zugerechnet, so ergibt sich eine Einsparung von 29,8 Mio. Tonnen. Die errechnete Ein-
sparung war damit unter der Berücksichtigung der Großwasserkraft um 1,5% geringer wie
im Vorjahr 2010. Sektoral war der Bereich Strom als konstant zu bewerten, der Bereich
Wärme zeigte eine Abnahme von 5,1% und im Verkehrssektor war eine Steigerung der
Einsparungen um 3,4% zu beobachten.
24
Tabelle 7: Durch den Einsatz von erneuerbarer Energie in Österreich vermiedene Emissio-
nen in Mio. Tonnen CO2-Äquivalent; eigene Darstellung
Bereich 2010 2011 Veränderung
Durch erneuerbare Energie (ex-
klusive Großwasserkraft
>10MW) vermiedene CO2-
Äquivalent Emissionen
15,98 Mio. t 15,83 Mio. t -1,0%
Durch erneuerbare Energie (in-
klusive gesamte Wasserkraft)
vermiedene CO2-Äquivalent
Emissionen
30,27 Mio. t 29,80 Mio. t -1,5%
Die vermiedenen Emissionen im Jahr 2011 aus den drei Sektoren Strom, Wärme und
Treibstoffe sind zusammenfassend in Abbildung 13 in absoluten Zahlen dargestellt. Ohne
Berücksichtigung der Großwasserkraft stammen die jeweils größten Beiträge der drei
dargestellten Sektoren aus Holzbrennstoffen, Kleinwasserkraft und Biodiesel. Gemeinsam
mit dem erneuerbaren Anteil der Fernwärme macht der Anteil dieser vier größten Beiträge
69,7% der gesamten eingesparten Emissionen aus.
Abbildung 13: Vermiedene CO2-Äquivalent Emissionen durch die Nutzung erneuerbarer
Energie in den Sektoren Kraftstoffe, Wärme und Strom ohne Großwasserkraft, insgesamt
15,8 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent; eigene Darstellung
25
Treibhausgasreduktion durch den Ausbau erneuerbarer Energie seit 2000
Neben den vermiedenen Emissionen durch die Nutzung erneuerbarer Energie in Öster-
reich im Jahr 2011, werden die erzielten Einsparungen an Treibhausgasemissionen (CO2-
Äquivalent) durch den Ausbau erneuerbarer Energie seit dem Jahr 2000 berechnet. Der
Energieträgermix des Bruttoenergieverbrauchs Österreichs seit dem Jahr 2000 (vgl. Ab-
bildung 2 oben) wird mit einem Alternativszenario „Eis-Szenario“ verglichen (siehe Kapitel
3.5.1). Dem Eis-Szenario untersteht die Annahme konstant bleibender Anteile der einzel-
nen Energieträger im Bruttoenergieverbrauch Österreichs seit dem Jahr 2000 nach dem
Mengenindex von Laspeyres. Das bedeutet, der absolute Energieverbrauch im Eis-
Szenario stimmt mit der realen Entwicklung überein, die Anteile der Energieträger verhar-
ren jedoch auf dem Niveau von 2000. Die Differenz der einzelnen Energieträger aus rea-
ler Entwicklung und dem Eis-Szenario bildet die Basis für die Berechnung der Treibhaus-
gasreduktion durch den Ausbau erneuerbarer Energie. Dazu werden folgende Annahmen
getroffen:
Import und Export von elektrischem Strom wird mit den UCTE bzw. ENTSO-E-
Emissionskoeffizienten pro Jahr bewertet. Dieser sank vom Jahr 2000 von 450
gCO2äqu/kWhel auf 413 gCO2äqu/kWhel im Jahr 2011.
Erdgas und andere fossile Gase emittieren 312 gCO2äqu/kWh, Kohle und Kohle-
produkte emittieren 396 gCO2äqu/kWh. Der nicht erneuerbare österreichische
Kraftstoffmix im Jahr 2011 aus Benzin und Diesel mit einem Emissionskoeffizien-
ten von 263,0 gCO2äqu/kWh repräsentiert die Emissionen aus Erdöl und Erdölpro-
dukten.
Biogene Brenn- u. Treibstoffe sowie Holz und brennbare Abfälle emittieren 7
gCO2äqu/kWh, andere erneuerbare Energieträger wie Wasser- und Windkraft, Pho-
tovoltaik und Umgebungswärme emittieren 2 gCO2äqu/kWh.
Die Annahmen erweisen sich als sehr robust; die realen österreichischen Treibhaus-
gasemissionen können auf Basis des Modells mit einer maximalen, jährlichen Abwei-
chung von 4% aus der österreichischen Energiebilanz berechnet werden.
Durch den Ausbau erneuerbarer Energie in Österreich zeigen sich bis zum Jahr 2004
kaum nennenswerte Emissionseinsparungen, ähnlich der volkswirtschaftlichen Entwick-
lung (siehe Kapitel 3.5.2), danach steigen die jährlichen Einsparungen rasch auf über 10
Mio. Tonnen CO2-Äquivalent an. Die kumulierten Treibhausgaseinsparungen seit dem
Jahr 2000 betragen 49 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent, das etwa 60% des Jahresausstoßes
2010 an Treibhausgasen in Österreich entspricht. Unter Berücksichtigung von CO2-
Zertifikatspreisen werden die vermiedenen CO2-Kosten ermittelt. Dafür werden einerseits
der jährliche Durchschnitt der EEX-Spotmarktpreise für CO2-Zertifikate seit Beginn des
Emissionshandels im Jahr 2005 und andererseits die angepeilten Kosten für CO2-
Zertifikate in der Höhe von 30 EUR/t (siehe EU, 2013) zur Berechnung herangezogen.
Legt man die EEX-Spotmarktpreise zu Grunde, sind die jährlichen Kosteneinsparungen
26
starken Schwankungen unterworfen und belaufen sich in Summe auf 682 Mio. EUR.
Nimmt man die von der EU-Kommission angepeilten 30 EUR/t kontant seit 2005 belaufen
sich die kumulierten Kosteneinsparungen auf 1,45 Mrd. EUR (Abbildung 14).
Abbildung 14: Vermiedene, jährliche CO2-Emissionen durch den Ausbau erneuerbarer
Energie in Österreich [Mio. t. CO2-Äquivalent] und damit verbundene Kostenreduktion in Mi-
o. EUR, basierend auf EEX-Spotmarktpreisen bzw. 30 EUR/t gem. EU (2013) für CO2-
Zertifikate; eigene Berechnung
Ein Alternativszenario zur Treibhausgasreduktion durch den Ausbau erneuerbarer
Energie seit 2000 unterstellt für den Import von elektrischem Strom anstatt des UCTE
bzw. ENTSO-E-Emissionskoeffizienten den Einsatz des Grenzkraftwerkes - in der Regel
ein altes Kohlekraftwerk – mit einem CO2-Emissionsfaktor von 627 gCO2äqu/kWhel.
Die Annahmen im Alternativszenario erweisen sich geringfügig weniger robust als im Ba-
sisszenario. Die maximale, jährliche Abweichung der berechneten österreichischen Treib-
hausgasemissionen von den realen Emissionen beträgt 5,5%.
Im Alternativszenario ist der Kurvenverlauf ist völlig ident mit jenem in Abbildung 14; die
absoluten Werte sind aber unterschiedlich. Die kumulierten Treibhausgaseinsparungen
seit dem Jahr 2000 betragen im Alternativszenario 53 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent und
sind somit um 4 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent höher als im Basisszenario. Dadurch erge-
ben sich mit den EEX-Spotmarktpreisen für CO2-Zertifikate Kosteneinsparungen von 729
Mio. EUR bzw. 1,53 Mrd. EUR mit einem konstanten Wert von 30 EUR/t. Die Kostenein-
sparungen im Alternativszenario sind somit um etwa 47 bis 81 Mio. EUR höher als im Ba-
sisszenario.
27
3 .2 Them en clust er I I : Ern eue rba re Ener giet echn ologie in Öst er-
re ich
3 .2 . 1 Feste Biom asse
Die energetische Nutzung fester Biomasse ist in Österreich angesichts der großen inlän-
dischen Biomassepotenziale eine traditionelle Form der Nutzung erneuerbarer Energie. In
diesem Sinne baut die aktuelle Marktentwicklung im Bereich der Biomassefeuerungen auf
einen großen Anlagenbestand auf. Abbildung 15 veranschaulicht die Marktentwicklung
der Biomasse-Heizungen in Österreich, wobei typengeprüfte Stückholzkessel erst ab dem
Jahr 2001 statistisch erfasst wurden. Markant ist hierbei der Markteinbruch im Jahr 2007,
der auf eine Pelletsverknappung und –teuerung im Jahr 2006 zurückzuführen ist. Durch
eine Erhöhung der Produktionskapazitäten für Pellets und durch die hohen Ölpreise im
ersten Halbjahr 2008 konnte sich der Markt rasch wieder erholen. Der neuerliche Ein-
bruch im Jahr 2009 bzw. die Rückgänge im Jahr 2010 sind auf die allgemeinen Auswir-
kungen der Wirtschaftskrise, auf den im Jahr 2009 stark gesunkenen Ölpreis und auf die
Vergabe einer Förderung für Ölkessel durch die österreichische Mineralölindustrie zu-
rückzuführen.
Nach einer Stabilisierung des Marktes im Jahr 2010 konnte in den Jahren 2011 und 2012
ein neuer Aufschwung bei den Verkaufszahlen von Biomassekesseln verzeichnet werden.
2012 wurden in Österreich 6.887 typengeprüfte Stückholzkessel, 3.573 Hackgutkessel bis
100 kW, 11.971 Pelletskessel und 796 Großanlagen neu installiert. Zusätzlich wurden im
Jahr 2012 in Österreich 32.256 Biomasse-Einzelöfen installiert, wobei darin 20.244 Ka-
minöfen, 9.155 Herde und 2.857 Pelletöfen enthalten sind. Somit zeichnet sich ein ambi-
valentes Bild; die Anzahl der im Inlandsmarkt verkauften Biomassekessel ist von 2011 auf
2012 um 9,6% gestiegen, während die Anzahl der im selben Zeitraum verkauften Bio-
masseöfen ist um 17,8% gesunken ist. Inwiefern dies im Jahr 2012 mit der Ölkesselförde-
rung durch die österreichische Mineralölindustrie in Zusammenhang steht, lässt sich nicht
klären. Fest steht allerdings, dass Dänemark unbestritten eine Vorreiterrolle einnimmt und
seit 1. 1. 2013 den Einbau von Öl- und Gaskesseln in Neubauten verbietet (Dänisches
Ministerium für Klima, Energie und Gebäude, 2012). Ab 2016 wird dies unter bestimmten
Voraussetzungen auch für Bestandsgebäude gelten. Damit macht sich das Land unab-
hängiger von fossilen Energieimporten.
Die wichtigsten Exportländer für österreichische Biomassekessel sind Deutschland,
Frankreich, Italien und Spanien. Als maßgeblich für die zukünftige Entwicklung der Bio-
massebranche wurde im Rahmen von Interviews mit Branchenvertretern vor allem der
Ölpreis gesehen (siehe Bointner et. al. 2012).
28
Abbildung 15: In Österreich pro Jahr neu installierte Biomassekessel 1994-2012. Datenquel-
le: Biermayr et al. 2013, basierend auf Landwirtschaftskammer Niederösterreich (2012)
3 .2 . 2 Biot reib stoff e
Der Sektor der Biotreibstoffe ist in Österreich eine vergleichsweise junge Form der Nut-
zung erneuerbarer Energieträger und zielt auf die Reduktion der Treibhausgase aus dem
Verkehrssektor durch die Substitution fossiler Energieträger ab. Die Einführung und
Marktdurchdringung von Biotreibstoffen ist in der EU-Biokraftstoffrichtlinie 2003/30/EG,
vgl. EU (2003), für den Verkehrssektor als Teil der EU-Klimastrategie geregelt. Diese
Richtlinie, welche im Jahr 2004 in nationales Recht umgesetzt wurde, sieht eine Substitu-
tion von fossilen Kraftstoffen durch Biokraftstoffe im Umfang von 2,0% ab dem Jahr 2005
und 5,75% ab dem Jahr 2010 vor. Österreich setzte diese Ziele rascher um als in der EU
Richtlinie vorgesehen, wobei als wesentliche nationale Meilensteine 2,5% Substitutions-
verpflichtung ab 1. Oktober 2005, 4,3% ab 1. Oktober 2007 und 5,75% ab 1. Oktober
2008 definiert wurden. Der weitere Verlauf der Marktdiffusion wird nunmehr durch die Er-
neuerbare Richtlinie 2009/28/EG vgl. EU (2009) beeinflusst. In Abbildung 16 ist die Ent-
wicklung der in Österreich pro Jahr abgesetzten Biotreibstoffe veranschaulicht. Der we-
sentliche Anteil resultiert jeweils aus dem Einsatz von Biodiesel als Beimengung zum
Treibstoff aus fossilen Energieträgern sowie als reiner Biotreibstoff für entsprechende
Fahrzeuge. Bioethanol wird seit 2007 durch die Beimengung zu Benzintreibstoffen in den
Umlauf gebracht und Pflanzenöl wird in der Landwirtschaft und im Straßengüterverkehr
eingesetzt.
Nach der erfolgreichen Umsetzung der oben angeführten Zwischenziele hat Österreich im
Jahr 2009 das Substitutionsziel von 5,75%, gemessen am Energieinhalt, mit tatsächlich
29
erreichten 7,0% bereits deutlich übertroffen. Im Jahr 2010 wurde ein Anteil von 6,6% er-
reicht und im Jahr 2011 6,75%.
Im Jahr 2011 waren in Österreich 14 Anlagen zur Produktion von Biodiesel in Betrieb. Die
Gesamt-Produktionskapazität betrug dabei 645.000 Tonnen pro Jahr und die tatsächliche
Produktion belief sich auf 309.598 Tonnen Biodiesel. Die inländische Produktion machte
somit 61,1% der in Österreich insgesamt eingesetzten Biodieselmenge aus, wobei 64.524
Tonnen der inländischen Produktion exportiert wurden.
Zur großindustriellen Produktion von Bioethanol war im Jahr 2011 in Österreich eine ein-
zige Anlage im niederösterreichischen Pischelsdorf verfügbar. Die Produktionskapazität
dieser Anlage entsprach im Jahr 2011 ca. 191.000 Tonnen Bioethanol pro Jahr. Insge-
samt wurden in dieser Anlage im Jahr 2011 ca. 170.994 Tonnen Ethanol erzeugt, was ei-
ner Produktionssteigerung im Vergleich zum Jahr 2010 um ca. 9% entspricht. Von dem in
Österreich produzierten Bioethanol wurden 77.726 Tonnen in Österreich abgesetzt und
93.268 Tonnen exportiert.
Das zur energetischen Nutzung bestimmte Pflanzenöl wird in zahlreichen dezentralen
Ölmühlen aus Samen und Saaten gepresst. Für das Jahr 2011 kann davon ausgegangen
werden, dass die vorrangig im landwirtschaftlichen Bereich eingesetzten Pflanzenölmen-
gen von 1.140 Tonnen aus inländischer Produktion stammen.
Abbildung 16: Jährlich abgesetzte Biotreibstoffe in Österreich. Datenquelle: Lebensministeri-
um (2012) und gleichlautende Publikationen der Vorjahre
Neue Produktionsprozesse, insbesondere biogene Kraftstoffe der 2. Generation, „Bio-
mass to Liquid“ und die Nutzung von Algen können auf lange Sicht neue Marktchancen
eröffnen.
30
3 .2 . 3 Biog as
Die historische Entwicklung der Biogasnutzung in Österreich ist in Abbildung 17 anhand
der Zahlen für die anerkannten Biogas-Ökostromanlagen dargestellt. Die Errichtung von
Biogasanlagen wurde dabei maßgeblich von den energiepolitischen Anreizen des ersten
Ökostromgesetzes beeinflusst, siehe auch Tragner et al. 2008. Die maximale Steigerung
der neu anerkannten Biogas-Ökostromanlagen wurde im Jahr 2004 mit einem Plus von
35,5 MWel erreicht. In der darauf folgenden Phase der unsicheren Förderungssituation
kamen nur noch wenige neue Anlagen zu Stande. Weitere wirtschaftliche Faktoren wie
die Verfügbarkeit und die Kosten der benötigten pflanzlichen Rohstoffe wie z.B. Mais be-
einflussten Investitionsentscheidungen zusätzlich.
Im Jahr 2012 waren in Österreich 368 Biogasanlagen mit einer kumulierten elektrischen
Leistung von 106,8 MW als Ökostromanlagen anerkannt. Die elektrische Leistung aller
Anlagen steigerte sich dabei im Jahr 2012 im Vergleich zum Jahr 2011 um 1,4 MW. Die
bescheidmäßige Anerkennung einer Ökostromanlage bedeutet jedoch nicht, dass diese
Anlage auch bereits in Betrieb gegangen ist. Neben der Stromproduktion werden die
KWK-Anlagen auch zur Bereitstellung von Nah- und Prozesswärme genutzt.
Abbildung 17: Anerkannte Ökostrom-Biogasanlagen in Österreich 2000-2011. Datenquelle:
Biermayr (2013) und E-Control (2013a)
Zukünftiges Potential besteht in der Rohgas-Reinigung und der Aufbereitung auf Erdgas-
qualität, womit ins Erdgasnetz eingespeist werden kann. In der Errichtung von Biogas-
und KWK-Anlagen ist das Know-How einiger österreichischer Unternehmen besonders
ausgeprägt.
31
3 .2 . 4 Geot he rm ie
In Österreich waren im Jahr 2011 ca. 15 Geothermie-Anlagen für die Wärmegewinnung
und zwei Anlagen für die kombinierte Wärme- u. Stromgewinnung in Betrieb. Die instal-
lierte Gesamt-Wärmeleistung betrug ca. 93 MW, wobei die thermische Arbeit aus Ge-
othermie mit ca. 235 GWh angegeben werden kann. Dabei sind 77 GWh dem direkten
Endverbrauch (Nutzung in Thermalbädern, als Raumwärme und für die Brauchwasserer-
wärmung) und 158 GWh der Fernwärme zuzuordnen. Die Stromproduktion aus den bei-
den kombinierten Anlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von insgesamt 0,92
MWel betrug im Jahr 2011 laut OeMAG 1,1 GWhel und 2012 0,7 GWhel. Die in Betrieb be-
findlichen Anlagen sind vor allem in Oberösterreich und der Steiermark angesiedelt, wobei
sich die größte Anlage mit einer thermischen Leistung von 10,6 MW in Altheim in Oberös-
terreich befindet. Der weitere Ausbau der Geothermie in Österreich wird von den hohen
Investitionskosten der Bohrungen, der Investitionsunsicherheit im Hinblick auf die er-
schließbaren Wärmequellen und durch die erforderliche Infrastruktur der Wärmeverteilung
bzw. auch durch ein geeignetes Nachfragepotenzial eingeschränkt. Wie Stanzer et al.
(2010) zeigen, ist in Österreich Potenzial für einen Ausbau der tiefen Geothermie vorhan-
den. Dieses könnte durch österreichische Firmen mit Kompetenz im Bohrwesen und An-
lagenbau umgesetzt werden.
32
3 .2 . 5 Phot ov olt aik
Die historische Marktentwicklung der Photovoltaik in Österreich beginnt mit einem ersten
Diffusionsschub in den Jahren 2002 bis 2004, welcher durch die Anreize des ersten
Ökostromgesetzes entstanden ist (Abbildung 18). Durch die im Ökostromgesetz 2001
vorgesehene Deckelung der Tarifförderung brach der Inlandsmarkt für Photovoltaik ab
dem Jahr 2004 jedoch wieder ein. Ab dem Jahr 2008 standen neue Fördermittel auf Bun-
des- und Landesebene zur Verfügung, welche in Form von Investitionszuschüssen und
einer gedeckelten tariflichen Förderung vergeben wurden. Durch diese Anreize entwickel-
te sich ab dem Jahr 2008 ein starkes Wachstum des Inlandsmarktes, das im Jahr 2012
das historische Maximum von 175,7 MWpeak neu installierter Photovoltaikanlagen bewirk-
te. Diese Dynamik wurde dabei nicht nur durch die eingesetzten Fördermittel, sondern
auch durch eine massive Reduktion der Photovoltaikpreise ausgelöst.
Im Jahr 2011 wurden in Österreich netzgekoppelte Photovoltaikanlagen mit einer Gesamt-
leistung von 175.493 kWpeak und autarke Anlagen mit einer Gesamtleistung von 220
kWpeak installiert. Insgesamt ergibt dies einen Zuwachs von 175.712 kWpeak, der in Öster-
reich im Jahr 2012 zu einer kumulierten Gesamtleistung aller Photovoltaikanlagen von
363,9 MWpeak geführt hat. Die in Österreich in Betrieb befindlichen Photovoltaikanlagen
führten 2011 zu einer erneuerbaren Stromproduktion von 174,1 GWh. In Österreich wer-
den vor allem Photovoltaikmodule und Wechselrichter gefertigt. Die Exportquote bei Pho-
tovoltaikmodulen betrug 2012 68%. Die Produktionsbereiche Nachführsysteme und
Wechselrichter wiesen im Jahr 2012 Exportquoten von jeweils ca. 97% auf. Exportmärkte
für Module und Nachführsysteme sind vor allem in der EU ange-siedelt, Wechselrichter
werden auch auf dem Weltmarkt vertrieben. Zukünftiges Potential für heimische Unter-
nehmen bergen die Gebäudeintegration und Nischenprodukte.
Abbildung 18: Marktentwicklung der Photovoltaik in Österreich bis 2012 (netzgekoppelte
und autarke Anlagen). Datenquelle: Biermayr et al. (2013)
33
3 .2 . 6 Sola rthe rm ie
Die Marktdiffusion der Solarthermie setzte in Österreich in den 1970er Jahren ein und
wurde in den ersten Jahren von Selbstbaugruppen mit einer Kollektorfertigung im kleinen
Stil getragen. In den 1990er Jahren erfolgte die Industrialisierung der Kollektorfertigung.
Ab diesem Zeitpunkt war eine starke Steigerung der Marktdiffusion zu beobachten, wobei
die Technologie zunächst im Bereich der Brauchwassererwärmung im Einfamilienhausbe-
reich zum Einsatz kam. Die weitere Entwicklung führte vermehrt zum Einsatz der Techno-
logie im Bereich der teilsolaren Raumheizung und zum Einsatz im Mehrfamilienhaus- und
Gewerbebereich. Die im Jahr 2012 neu installierte Kollektorleistung war mit 146,8 MWth
(alle Kollektortypen) um ca. 16% geringer als im Jahr 2011 (Abbildung 19). Dieser Rück-
gang ist dabei auf die indirekten Nachwirkungen der Wirtschaftskrise und auf den auf-
kommenden Wettbewerb mit der Photovoltaik (Stichwort Flächenkonkurrenz) zurückzu-
führen.
Die im Jahr 2012 neu installierten Kollektoren waren zu 95,8% verglaste Flachkollektoren
für die Brauchwassererwärmung und für die Raumwärmebereitstellung. Dabei waren 56%
des Anlagenbestandes Kombianlagen für die Brauchwassererwärmung und Raumwär-
mebereitstellung. Unter der Berücksichtigung einer technischen Lebensdauer von 25 Jah-
ren waren im Jahr 2012 in Österreich ca. 4,9 Mio. m2 thermische Sonnenkollektoren in
Betrieb, was einer installierten Leistung von 3.451 MWth entspricht. Der Nutzwärmeertrag
dieser Anlagen liegt bei 1.853 GWhth. Der Exportanteil der in Österreich gefertigten ver-
glasten Flachkollektoren betrug im Jahr 2012 ca. 81%. Markteinbrüche im Exportbereich
waren vor allem in den wichtigen Exportdestinationen Deutschland und Spanien zu be-
obachten.
Als Antwort auf die weltweiten Entwicklungstrends im Solarthermiesektor, der von Ther-
mosiphonsystemen und Vakuumröhrenkollektoren dominiert wird, haben sich bereits eini-
ge der österreichischen Flachkollektorhersteller entschlossen, Thermosiphonsysteme in
Südeuropa und in anderen Regionen ohne Gefahr von Frosteinbrüchen anzubieten.
34
Abbildung 19: Ausbau der Solarthermie in Österreich 1975 bis 2012. Datenquelle: Biermayr et
al. (2013)
3 .2 . 7 Wä rm epu mpe n
Die Entwicklung des Wärmepumpenmarktes in Österreich ist durch ein historisches Diffu-
sionsmaximum im Jahr 1986, eine Umstrukturierung des Marktes von der Brauchwasser-
wärmepumpe zur Heizungswärmepumpe und ein deutliches Wachstum des Marktes ab
dem Jahr 2000 gekennzeichnet (Abbildung 20). Ein wesentlicher Faktor für die starke
Verbreitung von Heizungswärmepumpen in der letzten Dekade war die steigende Gebäu-
deenergieeffizienz moderner Wohngebäude. Der geringe Heizwärme-, Heizleistungs- und
Heizungsvorlauftemperaturbedarf dieser Gebäude begünstigte einen energieeffizienten
Einsatz von Heizungswärmepumpen. Das historische Maximum der in Österreich jährlich
installierten Wärmepumpen war im Jahr 2008 zu beobachten, wobei in diesem Jahr
18.705 Wärmepumpen aller Kategorien installiert wurden. In den darauf folgenden Jahren
war bis 2011 jeweils ein geringer Rückgang der im Inlandsmarkt neu installierten Anlagen
zu verzeichnen. Als Hintergründe für diese Entwicklung sind vor allem die indirekten Aus-
wirkungen der Wirtschaftskrise durch sinkende Neubau-Zahlen und die Förderung von
neuen Ölkesseln durch die österreichische Mineralölwirtschaft zu nennen.
Im österreichischen Heizungs-Wärmepumpenmarkt war im Jahr 2012 in Bezug auf das
Jahr 2011 ein Anstieg der Verkaufszahlen um 11,6% auf 13.495 Stück zu verzeichnen.
Dem gegenüber kam es zu einem Rückgang des Absatzes von Brauchwasserwärme-
pumpen um 6,2% auf 3.884 Stück. Der Exportmarkt von Heizungs-Wärmepumpen wuchs
im selben Jahr um 15,6% auf 10.260 Stück aller Kategorien und Leistungsklassen.
35
Abbildung 20: Marktentwicklung der Wärmepumpen in Österreich 1975 bis 2012; Datenquel-
le: Biermayr et al. (2013)
Besonderes Potential besteht für Wärmepumpen besteht in der weiteren Verbreitung von
Niedrigstenergie- und Nullenergiegebäuden mit äußerst geringem Heizenergiebedarf, wie
es von der EU-Richtlinie 2010/31/EU bis 2021 für sämtliche Neubauten und große Reno-
vierungen gefordert wird.
3 .2 . 8 Wa sse rkr aft
Die Nutzung der Wasserkraft kann in Österreich auf eine lange Geschichte zurückblicken
und stellt neben der energetischen Nutzung der festen Biomasse eine der tragenden Säu-
len der erneuerbaren Energiebereitstellung dar. Die Erschließung der Potenziale, vor al-
lem jene der Großwasserkraft, erfolgte hauptsächlich in den 1960er bis 1980er Jahren.
Seit der Inbetriebnahme des jüngsten großen Laufkraftwerkes Freudenau im Jahr 1998
erfolgt vor allem der Ausbau der Kleinwasserkraft bzw. die Revitalisierung von älteren An-
lagen. Durch den liberalisierten Strommarkt und den steigenden Anteil Erneuerbarer im
Strommix wurde in den vergangenen Jahren auch die Revitalisierung bzw. die Errichtung
von neuen Pumpspeicherkraftwerken immer attraktiver. Die Entwicklung der österreichi-
schen Wasserkraft ist in Abbildung 21 dargestellt, wobei ab dem Jahr 2001 die jährlich
neu installierte Leistung in Speicherkraft und Laufkraft aufgegliedert wird; Redimensionie-
rungen und Dekommissionierungen von Anlagen sind berücksichtigt.
Insgesamt waren im Jahr 2011 in Österreich 2.671 Wasserkraftwerke in Betrieb (Lauf-
kraftwerke und Speicherkraftwerke), was einer installierten Gesamtleistung von 13,2 GW
entspricht. Davon sind 2.514 Anlagen in den Bereich der Kleinwasserkraft (bis 10 MW)
einzuordnen und 157 Anlagen in den Bereich der Großwasserkraft (> 10 MW). Kleinwas-
36
serkraftwerke machen damit bezüglich ihrer Anzahl einen Anteil von 94,1% aus, repräsen-
tieren jedoch nur 12,4% der Jahreserzeugung aller Wasserkraftwerke bzw. 8,7% der in-
stallierten Leistung aller Wasserkraftwerke. Im Vergleich dazu repräsentieren die 19 größ-
ten Wasserkraftwerke Österreichs (jeweils größer als 200 MW) 47,8% der installierten
Engpassleistung.
Im Jahr 2011 wuchsen die Engpassleistung der österreichischen Laufkraftwerke im Ver-
gleich zu 2010 um 40 MW und jene der Speicherkraftwerke um 241 MW. Dies bedeutet
insgesamt einen Anstieg der installierten Engpassleistung um 281 MW. Wie schon in den
Vorjahren, war im Jahr 2011 damit vorrangig ein Ausbau der Speicherkraft zu beobach-
ten. Dies ist auch auf die aus technischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Sicht begrenz-
ten ausbaubaren Restpotenziale im Laufkraftbereich zurückzuführen, siehe auch Pöyry
(2008). Daten für 2012 lagen zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht vor.
Der Wirtschaftszweig Wasserkraft baut in Österreich auf die langjährige Erfahrung im In-
landsmarkt auf und exportiert Wasserkraftwerke, deren Komponenten und Planungs-
dienstleistungen weltweit (siehe auch Bointner et. al., 2012). Die Haupttreiber im Wasser-
kraftsektor sind die steigende Stromnachfrage insbesondere in Asien und Südamerika
sowie der Modernisierungsbedarf bestehender Kraftwerke in der EU, sowie in Nord- und
Mittelamerika.
Abbildung 21: Entwicklung der Wasserkraft in Österreich bis 2011. Datenquelle: E-Control
(2012c)
37
3 .2 . 9 Win dk raft
Die Nutzung der Windkraft setzte in Österreich in der Mitte der 1990er Jahre ein und er-
fuhr durch die attraktiven energiepolitischen Rahmenbedingungen des ersten Ökostrom-
gesetzes ab dem Jahr 2003 eine massive Steigerung, welche bis 2006 andauerte. Im
Zeitraum von 2007 bis 2010 kam der Ausbau der Windkraft in Österreich durch den Weg-
fall der Förderungen zum Erliegen (Abbildung 22). Im Jahr 2011 wurden neue Fördermög-
lichkeiten geschaffen, was die Neuerrichtung von Anlagen mit einer Gesamtleistung von
73 MW in diesem Jahr und von 296 MW im Jahr 2012 bewirkte. Für 2013 wird ein weite-
rer Zubau von 419 MW geschätzt. Der Bestand an Windkraftanlagen wies im Jahr 2012
eine installierte Gesamtleistung von 1378 MW auf. Mitte des Jahres 2013 waren in Öster-
reich 763 Windkraftanlagen in Betrieb von denen der Großteil in Niederösterreich und im
Burgenland aufgestellt ist.
Abbildung 22: Entwicklung der Windkraftnutzung in Österreich 1994 bis 2013; Daten für
2013 sind prognostiziert. Datenquelle: IG Windkraft (2013)
Der Wirtschaftszweig Windkraft besteht in Österreich hauptsächlich aus Unternehmen,
welche Anlagenkomponenten produzieren und exportieren. Weiters tragen die Planungs-
leistungen von Ingenieurbüros und die Betreiberfirmen der inländischen Windkraftanlagen
zur inländischen Wirtschaftsleistung aus Windkraft bei. Als ein vielversprechendes Anla-
genkonzept werden getriebelose oder hybridbetriebene Anlagen gesehen. Angestrebt
wird auch die Reduktion an Turbinenkosten und des Wartungsaufwandes. Ein weiterer
Trend wird in Richtung Optimierung der Turbineneffizienz und kompakte Bauformen der
Turbinen gehen (siehe Bointner et. al. 2012).
38
3 .2 . 1 0 Elekt rom obilitä t
Obwohl die ersten Elektrofahrzeuge4 bereits vor den ersten Fahrzeugen mit Verbren-
nungskraftmaschinen entwickelt wurden, befindet sich die Elektromobilität auch heute
noch im Versuchs- und Entwicklungsstadium. Die Antriebstechnik und –steuerung sowie
der Drehmomentverlauf von Elektrofahrzeugen sind Kraftfahrzeugen mit Otto- und Die-
selmotor überlegen und weit entwickelt. Größte Probleme bereiten seit Jahrzehnten aber
die Akkumulatoren der Elektrofahrzeuge, besonders deren geringe Speicherdichte, Alte-
rungsprozesse, Temperatursensitivität und die teilweise lange Ladedauer. Aus diesem
Grund ist es verständlich, dass von den heimischen Unternehmen noch sehr viel in
Grundlagenforschung und angewandte Forschung investiert wird (siehe Kapitel 3.3.3).
Darüber hinaus wurden in Österreich bisher in acht Modellregionen praktische Erfahrun-
gen mit Elektromobilität gesammelt (Abbildung 23).
Abbildung 23: E-Mobilität-Modellregionen in Österreich; Stand Jänner 2013, © Klima- und
Energiefonds
Es gilt aber eine wichtige Restriktion zu beachten: Elektromobilität ist aus Sicht der Nach-
haltigkeit jedenfalls nur dann sinnvoll, wenn sichergestellt ist, dass der Strombedarf aus
erneuerbaren Energieträgern gedeckt wird.
4 Gustave Trouvé baute in Paris im Jahr 1881 das erste Elektrofahrzeug „Trouvé Tricycle“, das ers-
te moderne Automobil mit Verbrennungskraftmotor folgte 1885 durch Carl Benz.
39
Abbildung 24: Entwicklung des Bestands an Elektro-PKWs in Österreich; Stand Juni 2013,
Datenquelle: Statistik Austria (2013b)
Abbildung 24 zeigt die Entwicklung des Bestands an Elektro-PKWs in Österreich. Die Mo-
dellregionen, steuerliche Vergünstigungen sowie die verstärkte Medienpräsenz haben in
den letzten vier Jahren zu einer Verzehnfachung des Bestands an Elektro-PWKs geführt.
Gemessen am Gesamtbestand von 4,62 Mio. PKW ist ihr an Anteil mit 0,03% jedoch ver-
schwindend gering. Zum Vergleich: Zum Stand Juni 2013 waren in Österreich 9.335
Elektro-Hybrid-PKW unterwegs, was 0,2% des PKW-Bestandes entspricht. Haslauer,
Haas et. al. (2011) argumentieren, dass ein weiterer Ausbau der Elektromobilität in Öster-
reich basierend auf erneuerbarem Strom sinnvoll ist. „Auf volkswirtschaftlicher Seite er-
folgt durch die Reduktion der fossilen Energieimporte eine Verbesserung der Außenhan-
delsbilanz bei gleichzeitiger Verminderung der Abhängigkeit von Drittstaaten. Von wesent-
licher Bedeutung ist die inländische Wertschöpfung der neu zu errichtenden erneuerbaren
Stromerzeugung. Die Wertschöpfungsverluste in der österreichischen Automobilzuliefer-
industrie und im Service-Bereich werden hierdurch weit mehr als kompensiert.“ Durch ei-
ne Umgestaltung des derzeitigen Steuersystems, besonders der Besteuerung von fossi-
len Kraftstoffen, können darüber hinaus Rückgänge des Steueraufkommens vermieden
werden (vgl. Kapitel 3.5.2).
Die Herstellung von Elektrofahrzeugen durch heimische Produktion spielt heute noch kei-
ne Rolle, weshalb bis dato von vernachlässigbaren Umsätzen und Beschäftigten in die-
sem Bereich ausgegangen werden kann. Durch den Aufbau der nötigen Infrastruktur kön-
nen aber entsprechende Umsatz- und Beschäftigungseffekte in den nächsten Jahren und
Jahrzehnten erzielt werden. Vergleiche dazu die Ausbauszenarien für Elektromobilität in
Haslauer, Haas et. al. (2011).
40
3 .2 . 1 1 Beschä ftigte un d U msät ze e rn eue rbar er Te chnolog ie in Ös-
te rre ich
Der verstärkte Einsatz von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie erhöht nicht
nur den nationalen Selbstversorgungsgrad mit Energie und reduziert die Treibhaus-
gasemissionen, sondern bringt auch eine Umstrukturierung der heimischen Wirtschaft in
Richtung eines zukunftsfähigen Wirtschaftssystems mit sich. Technologien zur Nutzung
erneuerbarer Energie haben in Österreich in vielen Bereichen eine lange Tradition. Dieser
Hintergrund eröffnete den heimischen Unternehmen auch große Chancen in zahlreichen
Exportmärkten.
Je nach Wahl der Systemgrenze5 (Beschränkung auf die Technologie- bzw. Anlagenpro-
duktion in Bointner et. al. 2012 und Köppl et. al. (2013) oder Produktion, Export, Handel
und Installation (ohne Vorleistungen und Betriebseffekte) wie in Biermayr et al. (2013) und
Biermayr (2013)) lassen sich die Umsätze österreichischer, erneuerbarer Energieunter-
nehmen der letzten Jahre auf 2,2 bis 3,6 Mrd. EUR und die Beschäftigten auf 8.500 bis
21.700 Vollzeitäquivalente schätzen (Tabelle 8). Die jeweils niedrigeren Werte ergeben
sich bei der eng gefassten Systemgrenze mit ausschließlicher Technologie- bzw. Anla-
genproduktion heimscher Unternehmen, die höheren Werte bei der oben genannten, wei-
ter gefassten Definition inklusive Handel und Installation. Da der Umsatz pro Mitarbeiter in
der Produktion höher als in den nachgelagerten Wirtschaftssektoren ist, erklärt sich die
überproportionale Zunahme der Beschäftigten im Vergleich zu den Umsätzen bei Berück-
sichtigung der weiter gefassten Systemgrenze. Wenngleich es Abweichungen der Quellen
bei einzelnen Sparten gibt, die vorwiegend auf unterschiedliche Definitionen und System-
grenzen zurück zu führen sind, erscheinen die Ergebnisse insgesamt sehr plausibel.
Köppl et. al. (2013) weisen Gesamtumsätze von 2,3 Mrd. EUR sowie 8.500 Beschäftigte
aus und Bointner et. al. (2012) 2,2 Mrd. EUR mit 9.450 Beschäftigten. Dazu passen mit
der weiter gefassten Systemgrenze auch die höheren Werte der Studien Biermayr et al.
(2013) und Biermayr (2013) mit einem entsprechend geringerem Umsatz pro Mitarbeiter.
Die Exportquote liegt - wenngleich dies auf unterschiedliche Gründe zurück zu führen ist -
im Allgemeinen sehr hoch und ist in allen Studien ähnlich. Die einzigen größeren Abwei-
chungen treten bei Köppl et. al. (2013) im Bereich der Solarthermie und bei Wasserkraft
auf, wobei sich die Abweichung bei der Wasserkraft durch die jährliche Zuordnung von
Großprojekten erklären lässt. Nur bei Wärmepumpen liegt die Exportquote unter 50%, wo-
rin alle Quellen übereinstimmen. Bei Windkraft ist die Struktur der österreichischen Bran-
che mit fast ausschließlich Zulieferbetrieben für die hohe Exportquote verantwortlich und
beim Anlagenbau zur Nutzung biogener Treibstoffe die weitgehende Sättigung des In-
landsmarktes.
5 Siehe die in Tabelle 8 genannten Studien für Details zu den Systemgrenzen
41
Tabelle 8: Umsätze, Beschäftigung und Exportquote erneuerbarer Energiesysteme in Österreich - Studienvergleich
Erneuerbarer Strom Erneuerbare Wärme Erneuerbare Mobili-
tät
Sonstige
6
Quelle
Letztes
Daten-
jahr
BHKWs;
Biogas
und feste
Biomasse
Photo-
voltaik
Wind-
kraft7
Was-
ser-
kraft8
Solar-
thermie
Wärme-
pumpe
Biomas-
se-kessel
und -öfen
Biogene
Treib-
stoffe
E-
Mobilität9
Umsatze
in Mio.
EUR
Biermayr et al. (2013), Markt-
entwicklung 2012 2012 - 38910 - - 345 212 1247 - - -
Köppl et. al. (2013) Österr.
Umwelttechnikindustrie 2011 - 630 - 456 225 118 44911 - - 467
Biermayr (2013), Erneuerbare
Energie in Zahlen12 2011 135 749 144 767 365 201 994 46 - -
Bointner et al. (2012), Wachs-
tums- und Exportpotentiale
Erneuerbarer Energiesyste-
me13
2010 144,6 417,5 111 509 155,5 97,5 751,7 45,6 - -
6 Beinhaltet Biogasanlagen, Windkraft und Biodiesel
7 Moidl et. al. (2011) geben für Zuliefer- und Dienstleistungsunternehmen im Bereich Windenergie Umsätze (2009) in der Höhe von 469 Mio. EUR und 1217
Beschäftigte an. Die Berücksichtigung von Handels- und Dienstleistungsfirmen führt mit 385.000 EUR zu einem überdurchschnittlich hohen Umsatz pro Mitar-
beiter. Aufgrund dieser weit gefassten Systemgrenze ist keine Vergleichbarkeit mit Tabelle 8 möglich.
8 Die Zuordnung von Großprojekten kann starke jährliche Schwankungen bei Umsätzen und der Exportquote verursachen, weshalb die Werte von Köppl et.
al. (2013) niedriger als jene von Bointner et. al. (2012) sind.
9 Siehe Kapitel 3.2.10
10 Umfasst nur den Umsatz durch Installation von PV-Anlagen.
11 Köppl et. al. (2013) verwenden bei Biomassekessel eine abweichende Systemgrenze; u. a. werden Biomasseöfen nicht berücksichtigt.
12 Biermayr (2013) listet die Investitionseffekte; die Systemgrenze bei BHKWs, Windkraft und biogenen Treibstoffen folgt Bointner et. al. (2012)
13 Bointner et al. (2012) umfasst ausschließlich die Umsätze und Beschäftigung durch die Technologie- bzw. Anlagenproduktion in Österreich, jedoch keinerlei
Installation und Betrieb von Anlagen. Daher liegen die Werte dieser Studie i. A. niedriger als bei den anderen genannten Quellen.
42
Erneuerbarer Strom Erneuerbare Wärme Erneuerbare Mobili-
tät
Sonstige
Quelle
Letztes
Daten-
jahr
BHKWs;
Biogas
und feste
Biomasse
Photo-
voltaik
Wind-
kraft
Was-
ser-
kraft
Solar-
thermie
Wärme-
pumpe
Biomas-
se-kessel
und -öfen
Biogene
Treib-
stoffe
E-
Mobilität
Beschäf-
tigung
in
Vollzeit-
äqui-
valenten
Biermayr et al. (2013), Markt-
entwicklung 2012 2012 - 4847 - - 3400 1127 5870 - - -
Köppl et. al. (2013) Österr.
Umwelttechnikindustrie 2011 - 2126 - 1120 1112 570 1991 - - 1584
Biermayr (2013), Erneuerbare
Energie in Zahlen 2011 470 4181 875 4914 3600 1060 4662 171 - -
Bointner et al. (2012), Wachs-
tums- und Exportpotentiale
Erneuerbarer Energiesysteme 2010 554 1489 579 2084 1188 689 2697 171 - -
Export-
quote
Biermayr et al. (2013), Markt-
entwicklung 2012 2012 -
68% /
97%14 - - 81% 37% 70% - - -
Köppl et. al. (2013) Österr.
Umwelttechnikindustrie 2011 88% 86% - ca.
40% 45% 28% 51% - - -
Biermayr (2013), Erneuerbare
Energie in Zahlen 2011 -
86% /
99%15 - - 78% 35% - - - -
Bointner et al. (2012), Wachs-
tums- und Exportpotentiale
Erneuerbarer Energiesysteme 2010 83% 89% 98% 70% 72% 38% 61% 95% - -
Fortsetzung Tabelle 8: Umsätze, Beschäftigung und Exportquote erneuerbarer Energiesysteme in Österreich - Studienvergleich
14 68% bei Modulen, 97% bei Wechselrichtern
15 86% bei Modulen, 99% bei Wechselrichtern
43
Tabelle 9: Umsätze und Beschäftigung erneuerbarer Energiesysteme in Österreich 2011 unter Berücksichtigung von Investitions- und Betriebsef-
fekten; Datenquelle: eigene Berechnungen, Biermayr (2013), für Erneuerbare Energie in Zahlen 2011
Erneuerbarer Strom Erneuerbare Wärme Erneuerbare
Mobilität
Summe
BHKWs;
Biogas und
feste Bio-
masse
Photo-
voltaik
Wind-
kraft
Was-
ser-
kraft
Solar-
thermie
Wärme-
pumpe
Biomas-
se-kessel
und -öfen
Biogene
Treibstoffe Geothermie
Umsatze in
Mio. EUR
Investitionseffek-
te16 135 749 144 767 365 201 994 46 - 3401
Betriebseffekte 35 12 36 271 68 110 1435 136 13 2115
Gesamteffekt 170 761 180 1038 433 310 2429 181 13 5515
Beschäftigung
in
Vollzeitäqui-
valenten
Investitionseffekte 470 4181 875 4914 3600 1060 4662 171 - 19933
Betriebseffekte 313 67 323 1560 521 828 14190 891 77 18770
Gesamteffekt 783 4248 1197 5475 4121 1888 18852 1062 77 38703
16 Die Investitionseffekte entsprechen Erneuerbare Energie in Zahlen in Tabelle 8.
44
In Tabelle 9 sind die primären Umsätze und die primären Arbeitsplatzeffekte durch die In-
vestitionen und den Betrieb von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie zusam-
mengefasst. Unter “Investitionen“ – die mit „Erneuerbare Energie in Zahlen“ in Tabelle 8
übereinstimmen - ist dabei der Absatz der Technologien im Inlandsmarkt, der Export der
Technologien als funktionale Einheiten und der Export einzelner ausgewählter Kompo-
nenten dieser Technologien zu verstehen. Unter “Betriebseffekte“ sind Reinvestitionen in
Anlagen in Österreich während der Anlagenlebensdauer zusammengefasst und bei der
festen Biomasse ist außerdem die Produktion der Holzbrennstoffe mit erfasst. In den Be-
triebseffekten nicht enthalten sind der laufende Betriebsaufwand und der Verkauf produ-
zierter Energie (z.B. Strom aus Wasserkraft oder Windkraft). Weiters enthalten die darge-
stellten Zahlen keine exportierten Dienstleistungen und keinen Import/Export-Handel. Die
angegebenen Werte repräsentieren jeweils Bruttoeffekte, d.h. Substitutionseffekte werden
nicht berücksichtigt. Sekundäre Effekte, die in anderen Wirtschaftsbereichen entstehen,
sind in den Werten generell nicht enthalten. Eine ausführliche Analyse der volkswirtschaft-
lichen Auswirkungen findet sich in Kapitel 3.5.
Der gesamte Wirtschaftsbereich erneuerbarer Energieträger zeigt im Jahr 2011 mit Bezug
auf 2010 einen Rückgang der Umsätze im Investitionsbereich und einen Anstieg der Um-
sätze im Betriebsbereich, was sich tendenziell auch auf die Arbeitsplätze auswirkt. Die
technologiespezifischen Entwicklungen und Einflussfaktoren sind dabei sehr unterschied-
lich. Der primäre Gesamtumsatz des Wirtschaftsbereiches der Technologien zur Nutzung
erneuerbarer Energie betrug im Jahr 2011 5,5 Mrd. EUR, der primäre Beschäftigungsef-
fekt 38.700 Vollzeitäquivalente (siehe Tabelle 9).
Der Anteil am Gesamtumsatz und die Entwicklung der Umsatzzahlen von 2010 auf 2011
sind bei den einzelnen Technologien stark unterschiedlich. Den größten Beitrag zum Ge-
samtumsatz erbringt der Sektor der festen Biomasse mit 44,0%. Die Bereitstellung der
festen biogenen Brennstoffe ist auch jener Bereich, der die größten absoluten Betriebsef-
fekte aller hier betrachteten Technologien erbringt und wird gefolgt von Wasserkraft und
Photovoltaik. Trotz des enormen Wachstums des Inlandsmarktes für Photovoltaik erfolgte
keine entsprechende Umsatzsteigerung, da einerseits die Preise von Photovoltaikanlagen
stark gesunken sind und andererseits große Teile des Marktwachstums durch importierte
Photovoltaikmodule abgedeckt werden. Die weiteren Technologien zur Nutzung biogener
Energieträger – die Sektoren Biotreibstoffe und Biogas – weisen eine geringere Größen-
ordnung auf. Ein Rückgang der Umsätze um 10,9% ist im Bereich der Solarthermie zu
verzeichnen, wobei sich dieser Rückgang sowohl auf den Rückgang des Inlands- als auch
des Exportmarktes zurückführen lässt. Eine wesentliche Ursache ist hierbei im aufkom-
menden Wettbewerb um Flächen- und Kapitalressourcen mit der Photovoltaik zu sehen.
Mit einem Umsatzrückgang von 0,4% erwies sich der Wärmepumpenmarkt als stabil. So-
mit haben sich mit Ausnahme der Solarthermie, die starke Umsatz- und Beschäftigungs-
rückgange zu verzeichnen hat, alle Branchen in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt.
45
Im Bereich der Investitionen waren im Jahr 2011 19.933 Beschäftigte, und im Bereich der
Betriebseffekte 18.770 Beschäftigte zu verzeichnen (siehe Tabelle 9). Der größte Teil der
Betriebseffekte resultiert aus dem Betrieb der Anlagen zur energetischen Nutzung fester
Biomasse, wobei der überwiegende Anteil des Beschäftigungseffektes wiederum aus der
Bereitstellung der Brennstoffe resultiert. Weitere, in absoluten Zahlen relevante Betriebs-
effekte sind dem Bereich der Wasserkraft und dem Bereich der Biotreibstoffe zuzurech-
nen. Die Betriebseffekte im Bereich Wärmepumpen entstehen durch Reinvestitionen wäh-
rend der Lebensdauer der Anlagen. Die Höhe der Betriebseffekte ist generell auch von
der Größe des in Betrieb befindlichen Bestandes abhängig, während die Investitionseffek-
te nur den jeweiligen Neubau von Anlagen bzw. den Export von Anlagen und deren Kom-
ponenten betreffen. Die dargestellte Struktur resultiert somit auch aus der historischen
Entwicklung und der Marktdiffusion der Technologien. Die Technologien mit den größten
Gesamt-Beschäftigungseffekten sind die Nutzung der festen Biomasse, die Wasserkraft,
die Photovoltaik und die Solarthermie. Insgesamt ist fast jeder zweite Arbeitsplatz der
Branche erneuerbare Energie im Bereich der Nutzung fester Biomasse angesiedelt. Der
zeitliche Verlauf der Umsatz- und Beschäftigtenentwicklung gemäß Erneuerbare Energie
in Zahlen 2008-2011 ist in Abbildung 25 dargestellt.
Abbildung 25: Entwicklung der Umsätze in Mio. EUR und der Beschäftigung (VZÄ) durch
primäre Investitions- und Betriebseffekte; Datenquelle: eigene Berechnungen für Erneuerbare
Energie in Zahlen 2008-2011
46
3 .3 Them en clust er I I I : Know -H ow fü r de n W irt scha ftsstandort
Öst erreich
Österreichische Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die in der Produktion erneu-
erbarer Energietechnologien tätig sind, weisen zahlreiche Stärkefelder und international
anerkanntes Know-How auf. Aus (potentieller) Technologieführerschaft resultieren neben
einer starken Abdeckung des Inlandsmarktes auch gute Exportmöglichkeiten. Die gute in-
ternationale Positionierung österreichischer Unternehmen ist sowohl auf die gezielte For-
schung und Technologieentwicklung, als auch auf die insgesamt steigende Nachfrage
nach erneuerbaren Energietechnologien innerhalb und außerhalb Österreichs zurückzu-
führen. Allerdings sind die Stärken in den verschiedenen Technologiebereichen nicht im
gleichen Ausmaß vertreten. Ziel dieses Kapitels ist es, das österreichische Know-How im
Bereich erneuerbare Energie im internationalen Vergleich darzustellen. Dies geschieht
anhand von Energieforschungsausgaben und dem daraus resultierenden Wissen, den
Patentanmeldungen heimischer Erfinder sowie einer Gegenüberstellung von induziertem
Wissen und Patenten.
3 .3 . 1 Öffe ntliche Ene rgief orschu ngsa usga be n
Als Basis für die Ermittlung des langfristigen, technologischen Know-Hows sind öffentliche
Energieforschungsausgaben unerlässlich. Diese werden in Österreich jährlich erhoben
(vgl. Indinger et. al. 2012) und im Zuge der österreichischen Mitgliedschaft an die IEA
gemeldet. Das ermöglicht einen internationalen Vergleich mit ausgewählten IEA-Ländern.
Abbildung 26 zeigt die Entwicklung der Energieforschungsausgaben in Österreich seit
1977. Beginnend von einem hohen Ausgabenniveau bis Mitte der 1980er Jahre als Kon-
sequenz der Ölkrisen 1973 und 1979 sanken die Ausgaben mit fallenden Ölpreisen rasch
ab und überstiegen erstmalig wieder im Jahr 2008 das Niveau von 1985. Das ist auf die
stark gestiegenen Ausgaben für Energieeffizienz (64,9 Mio. EUR) und erneuerbare Ener-
gie (33,4 Mio. EUR) zurück zu führen. Diese beiden Bereiche machen somit im Jahr 2011
80% der gesamten österreichischen Energie-forschungsausgaben in der Höhe von 123
Mio. EUR aus. Die Energieforschungs-programme des Klima- und Energiefonds (KLIEN),
wie beispielsweise Neue Energien 2020, spielen bei dieser substantiellen Steigerung eine
entscheidende Rolle (vgl. Indinger et. al. 2012).
47
Abbildung 26: Jährliche Energieforschungsausgaben Österreichs in Mio. EUR. (real) Daten-
quelle: IEA
Der Bereich der erneuerbaren Energie zeigt eine ähnliche historische Entwicklung wie die
gesamten Energieforschungsausgaben (Abbildung 27). Der Anstieg in den letzten Jahren
konzentriert sich vor allem auf Solarenergie (Photovoltaik und solares Heizen und Kühlen;
14,7 Mio. EUR) und die Nutzung von Biomasse (13,6 Mio. EUR.) Diese beiden Bereiche
umfassen somit 85% der österreichischen F&E-Ausgaben für erneuerbare Energie im
Jahr 2011.
Abbildung 27: Jährliche Forschungsausgaben für erneuerbare Energie in Österreich in Mio.
EUR. (real) Datenquelle: IEA
48
Die öffentlichen Energieforschungsausgaben der IEA-Staaten in Abbildung 28 sind eben-
falls von einem ersten Maximum zu Beginn der 1980er Jahre und einem anschließendem
Rückgang gekennzeichnet. Seit einigen Jahren stiegen sie wieder kontinuierlich an. Das
Jahr 2009 ist als Ausreißer zu betrachten, da hier einmalige Investitionen durch den
„American Recovery and Reinvestment Act“ der USA enthalten sind. Auffällig ist jedoch
die unterschiedliche Priorität der Energieforschung von Österreich im Vergleich mit den
IEA-Staaten. Während in Österreich Energieeffizienz und erneuerbare Energie eindeutig
im Vordergrund stehen, vereint international Nuklearenergie 50% der kumulierten Ener-
gieforschungsausgaben seit 1974 auf sich. Es zeichnet sich jedoch ein langsamer Wandel
ab; seit 1983 zeigt der Trend der Ausgaben für Kernenergie ausgehend von einem sehr
hohen Niveau stetig nach unten, sodass im Jahr 2012 nur mehr 26% der gesamten Ener-
gieforschungsausgaben auf Kernenergie entfielen. Im Steigen befinden sich derzeit vor al-
lem die Forschungsausgaben für Energieeffizienz mit einem Allzeit-Maximum im Jahr
2009 und erneuerbare Energie mit einem Allzeit-Maximum im Jahr 2011.
Abbildung 28: Jährliche Energieforschungsausgaben der IEA-Staaten in Mio. EUR. (real) Da-
tenquelle: IEA
Der internationale Vergleich offenbart aber auch die Schwächen der österreichischen
Energieforschung. Trotz des enormen Anstiegs der heimischen Energieforschungsausga-
ben seit 2007 hinkt Österreich historisch gesehen dem Ausgabendurchschnitt der IEA-
Länder bezogen auf das BIP hinterher. Es gelang bisher nur einmal, im Jahr 2010, den
Mittelwert der IEA-Länder zu erreichen (siehe Abbildung 29). Der internationale Vergleich
bietet daher keinen Anlass sich auf der derzeitigen Höhe der österreichischen Energiefor-
schungsausgaben auszuruhen. Das verdeutlicht auch die logarithmische Abbildung 30.
Sowohl in Höhe der gesamten Energieforschungsausgaben als auch in Höhe der F&E-
Gelder für erneuerbare Energie liegen Vergleichsländer wie Dänemark, Finnland, Norwe-
gen, Schweden und die Schweiz zum Teil deutlich vor Österreich.
49
Abbildung 29: Anteil der Energieforschungsausgaben bezogen auf das BIP. Datenquelle: IEA
Abbildung 30: Energieforschungsausgaben 2011 bezogen auf das BIP (Größe der Blasen:
Forschungsausgaben im Bereich Erneuerbare Energie), alle Werte logarithmiert. Datenquel-
le: IEA, IWF und Eurostat
50
3 .3 . 2 Ener giefor schu ng sin duziert es W issen
Durch die öffentlichen Energieforschungsausgaben wird Wissen generiert; die Methodik
der Erfassung des kumulierten Wissens wird in Kapitel 5.1 näher erläutert. Abbildung 31
zeigt das gesamte, durch öffentliche Energieforschungsausgaben induzierte Wissen im
Bereich der Energie in Österreich. Ein rascher Anstieg des Wissens innerhalb der ersten
10 Jahre bis 1989 auf einen monetären Gegenwert von über 300 Mio. EUR, gefolgt von
einem leichten Rückgang in den 1990er Jahren, der vor allem zu Lasten der Nuklearener-
gie ging, ist zu sehen. Im Jahr 2004 wurde die 300 Mio. EUR Grenze wieder überschritten
und besonders seit 2011 ist ein starker Anstieg des Wissens auf derzeit ca. 520 Mio. EUR
zu beobachten, der auf die stark gestiegenen Energieforschungsausgaben seit 2008 zu-
rück zu führen ist. Ähnlich der Gesamtentwicklung ist jene im Bereich erneuerbare Ener-
gie, wobei seit 1995 ein kontinuierlicher Anstieg auf derzeit 163 Mio. EUR zu beobachten
ist. Zum Vergleich: Das Wissen im Bereich der Energieeffizienz belief sich auf 184 Mio.
EUR, womit diese beiden Gruppen in etwa zwei Drittel des gesamten Wissens im Bereich
der Energietechnologie repräsentieren. Einen detaillierten Ausschnitt der Gruppe 3, Er-
neuerbare Energie, aus Abbildung 31 zeigt Abbildung 32. Neben dem klaren Fokus auf
Wissen im Bereich Bioenergie ist in den letzten Jahren ein starker Anstieg bei der Photo-
voltaik zu erkennen. Bemerkenswert ist die Entwicklung des Wissens im Bereich Wind-
kraft und des solaren Heizen und Kühlens. Erst 2011 konnte der Wissensstand bei Wind-
energie, der schon 1985 erreicht wurde, wieder dauerhaft übertroffen werden. Bei solarem
Heizen und Kühlen wurde der Wissenstand von 1986 erstmalig im Jahr 2013 übertroffen.
Sowohl bei Solarthermie als auch Windkraft waren die Jahre dazwischen von teils erheb-
lichen Wissensverlusten gekennzeichnet; -37% bei Solarthermie und -52% bei Windkraft.
Dies ist über die gesamte Zeitreihe hinweg ein negatives Beispiel für ineffiziente „stop and
go“ Energieforschungspolitik ohne langfristige Ausrichtung (siehe dazu u. a. Breyer et al.
(2010), Garrone und Grilli (2010), Johnstone et al. (2010), Baccini and Urpelainen (2012),
GEA (2012) und Wiesenthal et al. (2012)).
51
Abbildung 31: Durch öffentliche Energieforschung induziertes Wissen in Österreich in Mio.
EUR (real) (Zeitverzug 3 Jahre, 10 % p. a. Wissensverlust)17
Abbildung 32: Durch öffentliche Energieforschung induziertes Wissen im Bereich erneuer-
bare Energie in Österreich in Mio. EUR (Zeitverzug 3 Jahre, 10 % p. a. Wissensverlust)
Den Vergleich zu den IEA-Staaten bietet Abbildung 33, deren kumuliertes Wissen sich im
Jahr 2013 auf etwa 111,2 Mrd. EUR beläuft. Davon entfallen 13,6 Mrd. EUR auf Wissen
im Bereich erneuerbare Energie, 16,4 Mrd. auf Energieeffizienz, 15,1 Mrd. EUR auf fossi-
le Energie und 46 Mrd. EUR auf Nuklearenergie. Österreichs Anteil am energiefor-
17 Energieforschungsausgaben vor 1977 wurden in Österreich nicht erhoben (vgl. IEA).
52
schungsinduzierten Wissen der IEA-Staaten beträgt 2013 ca. 4,7% und im Bereich des
Wissens erneuerbarer Energie (Gruppe 3) 1,2%.
Abbildung 33: Durch öffentliche Energieforschung induziertes Wissen in den IEA-Staaten in
Mio. EUR (real) (Zeitverzug 3 Jahre, 10 % p. a. Wissensverlust)
Einen weiteren internationalen Vergleich bietet Tabelle 10, die das Know-How induziert
durch öffentliche Energieforschungsausgaben ausgewählter IEA-Staaten18 darstellt. Die
Schwerpunkte des Wissensstandes werden ebenso deutlich (z. B. Energieeffizienz in
Finnland, fossile Energie in Norwegen, erneuerbare Energie in Dänemark), wie die Ge-
samtsumme des Wissens, die in allen Vergleichsländern zum Teil deutlich über dem Wert
Österreichs liegt. Sogar Länder, die ein geringeres Bruttoinlandsprodukt als Österreich er-
zielen, haben einen höheren Gesamtwissensstand. So ist das Bruttoinlandsprodukt Finn-
lands im Jahr 2011 nur 63% des österreichischen, doch das Gesamtwissen um 143% hö-
her. Normiert man das Wissen der Vergleichsländer bezogen auf das österreichische
Bruttoinlandsprodukt wird der Unterschied im Falle Finnlands noch deutlicher. Bei den
normierten Werten kann Österreich nur in den Bereichen Energieeffizienz sowie „Andere
Energieformen und Speichertechnologien“ international mithalten. Im Bereich erneuerbare
Energie erzielen alle Vergleichsländer mit der Ausnahme Norwegens sowohl absolut als
auch normiert einen deutlich höheren Wissensstand als Österreich. Innerhalb des Wis-
sens im Bereich erneuerbare Energie schneidet Österreich bei „Solares Heizen und Küh-
len“ und Biomasse gut ab, bei Windenergie und „Anderen Erneuerbaren“ ist besonders
wenig Wissen vorhanden.
18 Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und die Schweiz wurden als (europäische) Ver-
gleichsländer ausgewählt, da sie vom Bruttoinlandsprodukt mit Österreich vergleichbar sind und
über eine weitgehend vollständige IEA-Zeitreihe an F&E-Daten verfügen.
53
Tabelle 10: Know-How induziert durch öffentl. Energieforschungsausgaben ausgewählter IEA-Staaten; Datenquelle: IEA, Eurostat und eigene Berechnung
Österreich Dänemark Finnland Norwegen Schweden Schweiz Summe
BIP 2011 in Mrd. EUR 300,712 1,00 240,453 0,80 189,489 0,63 352,858 1,17 387,596 1,29 476,054 1,58
Wissensstand Mio. € pro BIP Mio. € pro BIP Mio. € pro BIP Mio. € pro BIP Mio. € pro BIP Mio. € pro BIP Mio. €
Energieeffizienz 184,42 1,00 107,35 0,73 551,78 4,75 87,09 0,40 421,31 1,77 248,41 0,85 1600,37
Fossile Energie 10,66 1,00 35,00 4,11 54,07 8,05 551,08 44,07 19,60 1,43 116,97 6,93 787,38
Erneuerbare Energie
davon
162,56 1,00 340,11 2,62 233,49 2,28 159,06 0,83 365,03 1,74 375,17 1,46 1635,41
Solares Heizen
und Kühlen 17,43 1,00 12,73 0,91 5,22 0,48 5,62 0,27 23,06 1,03 62,88 2,28 126,96
Photovoltaik 22,98 1,00 31,60 1,72 0,91 0,06 45,14 1,67 29,18 0,99 121,66 3,34 251,48
Windenergie 5,84 1,00 135,51 29,04 33,66 9,15 36,91 5,39 39,84 5,30 8,70 0,94 260,45
Biomasse 100,23 1,00 126,37 1,58 166,56 2,64 32,31 0,27 242,56 1,88 63,08 0,40 731,11
Geothermie 2,34 1,00 3,51 1,88 0,00 0,00 0,84 0,31 4,65 1,54 33,25 8,98 44,59
Wasserkraft 6,94 1,00 0,05 0,01 11,22 2,57 22,37 2,75 8,75 0,98 37,95 3,46 87,28
Andere Erneuerba-
re 6,81 1,00 30,33 5,57 15,92 3,71 15,86 1,98 16,99 1,94 47,65 4,42 133,54
Nuklearenergie 36,33 1,00 27,92 0,96 110,03 4,81 119,87 2,81 92,69 1,98 496,39 8,63 883,22
H2 & Brennstoffzelle 15,04 1,00 116,62 9,70 0,00 0,00 50,36 2,85 14,50 0,75 65,97 2,77 262,48
Andere Energieformen
& Speicher 63,34 1,00 72,82 1,44 158,61 3,97 54,80 0,74 88,78 1,09 202,05 2,02 640,40
Querschnitts-
technologien 47,24 1,00 70,48 1,87 158,85 5,34 71,72 1,29 157,74 2,59 124,03 1,66 630,07
Summe 519,58 1,00 770,30 1,85 1266,83 3,87 1093,98 1,79 1159,64 1,73 1628,96 1,98 6439,29
54
3 .3 . 3 Priv at e Ene rgief orschungsausgabe n
Während die Energieforschungsausgaben der öffentlichen Hand in den IEA-Staaten
Großteils dokumentiert sind, fehlen vergleichbare Daten für den Unternehmenssektor.
Aus diesem Grund wurde in Zusammenarbeit mit der Statistik Austria eine Sonderauswer-
tung der „F&E-Erhebung 2009 im firmeneigenen Bereich“ nach Energiefeldern durchge-
führt19. Die Ergebnisse der Sonderauswertung finden sich in Tabelle 12, in Tabelle 11
werden diese nach Unternehmenssektor und öffentlichem Sektor zusammengefasst. Die
privaten F&E-Ausgaben für erneuerbare Energietechnologie (143,8 Mio. EUR) sind um
etwa den Faktor 3,2 höher als die öffentlichen Ausgaben (45,2 Mio. EUR), zusammen
wurden im Jahr 2009 189 Mio. EUR in Energieforschung investiert. In den einzelnen Spar-
ten erneuerbarer Energie zeigt sich jedoch ein sehr differenziertes Bild. Theorien zur
Energieinnovation folgend (vgl. GEA, 2012) sollte der Anteil der öffentlichen Ausgaben
umso geringer sein, umso weiter die Technologieentwicklung und der Reifegrad voran
schreitet, wie dies beispielsweise bei Biomassekesseln, Biotreibstoffen, Wasser- und
Windkraft sowie fossilen Energieträgern zu sehen ist. Andererseits sollen Technologien,
die weiter von der Marktreife entfernt sind, stärker durch staatliche Forschung unterstützt
werden, wie dies bei Speichertechnologien und Photovoltaik der Fall ist. Da in der For-
schung für E-Mobilität sehr viele österreichische Großunternehmen involviert sind, bei de-
nen der tatsächliche Anteil der relevanten Forschung schwer abzuschätzen ist, sind die
279,4 Mio. EUR an privaten F&E-Ausgaben tendenziell als Obergrenze anzusehen, wäh-
rend die 11,7 Mio. EUR der öffentlichen Hand als gesichert gelten. Unternehmen und der
öffentliche Sektor gaben 2009 zusammen für erneuerbare Energie und Elektromobilität
mehr als 480 Mio. EUR F&E-Gelder aus. Die Ausgaben für fossile Energie belaufen sich
mit 82,6 Mio. EUR auf weniger als ein Fünftel der oben genannten Ausgaben. Kritisch ist
zu den öffentlichen F&E-Ausgaben Österreichs jedoch anzumerken, dass 2009 erstmals
der IEA-Durchschnitt erreicht wurde, wie in Kapitel 3.3.1 gezeigt wird.
Die Forschungsintensität der österreichischen Umweltindustrie, unter die auch Firmen der
erneuerbaren Energie fallen, ist traditionell höher als in der Sachgüterproduktion
(Abbildung 34). Der Rückgang der Forschungsintensität lässt sich nach Köppl et. al.
(2013) mit der Finanz- und Wirtschaftskrise argumentieren, die die F&E-Ausgaben der
Unternehmen verringert hat. Es zeigt sich aber auch ein eindeutiger, positiver Zusam-
19 Im Anhang findet sich eine Liste der berücksichtigten Unternehmen. Basierend auf dieser Unter-
nehmensliste kann es zu drei möglichen Fehlern in der Datenerfassung kommen: Es können a)
nicht relevante Unternehmen in der Liste vorhanden sein, b) relevante Unternehmen unberücksich-
tigt bleiben und c) die Energieforschungsanteile der relevanten Unternehmen unter- oder über-
schätzt werden. Wiesenthal et. al (2012) bietet detaillierte Informationen zur Methodik und zum
Umgang mit derartigen Fehlerquellen. Aufgrund langjähriger Kenntnis der Branche, u. a. aus Vor-
arbeiten wie Biermayr et. al. (2013) und Bointner et. al. (2012) sowie der Gesamtzahl der berück-
sichtigten Unternehmen, kann davon ausgegangen werden, dass sich die drei Fehler zum Teil
ausgleichen und insgesamt in Grenzen halten.
55
menhang zwischen der Forschungsintensität und dem Beschäftigungswachstum in den
beiden Folgejahren.
Tabelle 11: Gegenüberstellung der privaten und öffentlichen F&E-Ausgaben im Jahr 2009;
eigene Darstellung basierend Daten der IEA und Tabelle 12
Energiefelder Unternehmens-
sektor (inkl.
Ausland und
externe F&E-
Ausgaben)20
Öffentlicher
Sektor (ins-
gesamt zu-
zügl. For-
schungs-
prämie)
Gesamtsumme
in 1.000 EUR
Biomasse fest / Biomassekessel 39.601 4.998 44.599
Biomasse flüssig (Biotreibstoffe) 26.895 6.625 33.520
Biogas und BHKWs 19.277 12.924 32.201
Thermische Solarkollektoren 4.744 3.206 7.950
Speicherproduzenten 538 3.148 3.686
Photovoltaik 11.036 6.352 17.388
Wärmepumpen 3.678 165 3.843
Wasserkraft 26.131 4.073 30.204
Windkraft 11.884 1.716 13.600
Sonstige Erneuerbare Energie n. a. 1.966 > 1.966
Summe Erneuerbare Energie 143.784 45.173 188.957
E-Mobilität 279.424 11.721 291.145
Summe inkl. E-Mobilität 423.208 56.894 480.102
Fossile Energie 79.424 3.162 82.586
Abbildung 34: Forschungsintensität (Forschungsausgaben pro Umsatz [%]) privater Unter-
nehmen in Österreich; Datenquelle: Köppl et. al. (2013)
20 In externen F&E-Ausgaben sind Mittel von internationalen Organisationen und der EU enthalten.
56
Tabelle 12: Private Energieforschungsausgaben in Österreich 2009; Quelle: Statistik Austria, Sonderauswertung der F&E-Erhebung 2009 im firmeneigenen
Bereich nach „Energiefeldern“ 1)

Energiefelder 1)
Interne
F&E-Ausgaben
"energieforschungs
relevant" 2)
davon finanziert durch Externe
F&E-Ausgaben
"energieforschungs
relevant" 2)
Unternehmens-
sektor 3)
Öffentlicher
Sektor 4)
darunter
Forschungs-
prämie
Privater
gemeinnütziger
Sektor 5)
Ausland 6)
in 1.000 EUR
Biomasse fest / Biomassekessel 35.152 18.626 2.409 1.477 0 14.119 6.856
Biomasse flüssig (Biotreibstoffe) 23.483 10.470 1.718 1.170 0 11.295 5.130
Biogas und BHKWs 16.589 6.941 1.177 748 0 8.471 3.865
Thermische Solarkollektoren 4.907 4.234 638 145 0 35 475
Speicherproduzenten 623 538 85 19 00 0
Photovoltaik 11.589 9.886 1.683 839 0 20 1.130
Wärmepumpen 3.540 1.852 426 42 0 1.261 565
Wasserkraft 29.475 9.883 4.046 2.181 0 15.546 702
Windkraft 12.076 9.479 1.090 963 0 1.508 897
E-Mobilität 253.448 71.939 21.981 12.072 0 159.534 47.951
Fossile Energie 68.502 33.758 3.200 2.639 0 31.545 14.121
1) Basis: Auswahlliste von Unternehmen gegliedert nach Energiefeldern
2) Entsprechend den in der Auswahlliste vorgegebenen prozentuellen Anteilen an den gesamten internen F&E-Ausgaben der ausgewählten Unternehmen.
3) Eigene Mittel der Unternehmen, Mittel von inländischen verbundenen Unternehmen, Mittel von anderen inländischen Unternehmen.
4) Finanzierung durch Bund, Forschungsprämie, Länder, Gemeinden, FFG, sonstige öffentliche Finanzierung (einschl. FWF, Kammern, Sozialversicherungsträger).
5) Mittel von privaten Institutionen ohne Erwerbscharakter sowie von Privatpersonen.
6) Mittel von ausländischen verbundenen Unternehmen, Mittel von anderen ausländischen Unternehmen, Mittel von internationalen Organisationen, F&E-Finanzierung
durch EU.
57
3 .3 . 4 Techn ologisch es Know -H ow un d Pa ten tan me ldu ngen
Die Patentanmeldungen im Bereich erneuerbare Energie in Österreich haben sich in den
letzten zwanzig Jahren mehr als versechsfacht, wobei etwa 42% der kumulierten Patent-
anmeldungen bis 2010 auf Solarthermie entfallen. Berücksichtig man auch die artver-
wandten Technologien thermische Speicher, Batterien, Wasserstoff und Brennstoffzelle
sowie E-Mobilität, so ist ebenfalls eine Versechsfachung zu beobachten, wobei Solar-
thermie 28,1% der Patente stellt (Abbildung 35).
Abbildung 35: Kumulierte Entwicklung österreichischer Patentanmeldungen von 1990 bis
2010 mit durchschnittlich 10-jähriger Patentdauer; Datenquelle: serv.ip
Vergleicht man die Patentanmeldungen von Unternehmen, Institutionen und natürlichen
Personen aus Österreich mit jenen der bereits in Kapitel 3.3.2 eingeführten Länder Dä-
nemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Schweiz in Tabelle 13, so offenbart sich ei-
ne gute Situation. Mit der Ausnahme von Dänemark hat Österreich sowohl in absoluten
Zahlen als auch der normierten Betrachtung bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt mehr
Patentanmeldungen als die Vergleichsländer. Besonders deutlich ist dieser Vorsprung bei
den erneuerbaren Energietechnologien Solarthermie, Wärmepumpen, Geothermie sowie
thermischen Speichern und der E-Mobilität. In einzelnen erneuerbaren Energietechnolo-
gien liegen die Vergleichsländer jedoch deutlich vor Österreich; dies trifft besonders auf
Biotreibstoffe in Dänemark und Finnland, Biogas und BHKWs in der Schweiz und Was-
serkraft in Norwegen zu. Einen bemerkenswerten Sonderfall stellt die Windenergie in Dä-
nemark dar. Die frühzeitige, gezielte staatliche Technologieentwicklung (vgl. Klaassen, G.
et al, 2005), brachte dem Land den 5. Platz im Weltvergleich ein. Lediglich die wesentlich
größeren Volkswirtschaften in der absteigenden Reihung China, Deutschland, USA und
Südkorea liegen vor Dänemark.
58
Tabelle 13: Kumulierte Patentanmeldungen von 1950 bis 2010 erneuerbarer Energie und verwandter Technologien ausgewählter IEA-Staaten mit
durchschnittlich 10-jähriger Patentdauer (Stand 2010); Datenquelle: serv.ip, Eurostat und eigene Berechnung
Österreich Dänemark Finnland Norwegen Schweden Schweiz Summe
BIP 2011 in Mrd. EUR 300,712 1,00 240,453 0,80 189,489 0,63 352,858 1,17 387,596 1,29 476,054 1,58
Patente absolut pro BIP absolut pro BIP absolut pro BIP absolut pro BIP absolut pro BIP absolut pro BIP absolut
Erneuerbare Energie
davon
463,5 1,00 894,1 2,41 224,2 0,77 253,4 0,47 308,7 0,52 462,9 0,63 2606,7
Photovoltaik 23,9 1,00 3,6 0,19 1,1 0,07 6,0 0,21 4,3 0,14 39,7 1,05 78,7
Solarthermie 194,3 1,00 64,1 0,41 26,4 0,22 24,0 0,11 68,4 0,27 171,5 0,56 548,7
Windenergie 67,3 1,00 668,4 12,42 58,0 1,37 93,0 1,18 95,7 1,10 56,7 0,53 1039,1
Wasserkraft 47,1 1,00 12,8 0,34 20,3 0,68 74,7 1,35 17,5 0,29 36,4 0,49 208,9
Wärmepumpen 37,8 1,00 13,6 0,45 8,5 0,36 6,1 0,14 18,3 0,38 21,6 0,36 106,0
Geothermie 16,4 1,00 1,2 0,09 7,1 0,68 4,3 0,22 8,4 0,40 12,7 0,49 50,1
Feste Biomasse21 3,7 1,00 4,7 1,57 8,1 3,47 3,2 0,73 3,2 0,68 6,4 1,09 29,4
Biogas und
BHKWs 45,2 1,00 46,5 1,29 32,9 1,16 25,8 0,49 57,2 0,98 102,8 1,44 310,4
Biotreibstoffe 27,8 1,00 79,2 3,57 61,6 3,52 16,2 0,50 35,6 0,99 15,1 0,34 235,5
Thermische Speicher 24,5 1,00 8,9 0,46 6,9 0,45 1,1 0,04 18,1 0,58 18,1 0,47 77,5
Batterien 88,3 1,00 19,0 0,27 33,5 0,60 9,4 0,09 68,0 0,60 100,3 0,72 318,4
Wasserstoff und
Brennstoffzelle 69,4 1,00 73,6 1,33 28,4 0,65 22,9 0,28 36,1 0,40 73,4 0,67 303,7
E-Mobilität 45,3 1,00 10,1 0,28 11,4 0,40 3,3 0,06 47,2 0,81 58,3 0,81 175,6
Gesamtsumme 690,9 1,00 1005,7 1,82 304,3 0,70 290,0 0,36 478,03 0,54 712,9 0,65 3481,9
21 Die Patentklasse “Y02B 10/60: Integration of renewable energy sources in buildings - Use of biomass for heating” beinhaltet nur sehr wenige Patentan-
meldungen, weshalb eine eingeschränkte Vergleichbarkeit gegeben ist. Es ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Anzahl der Patentanmeldungen wesent-
lich höher ist, jedoch in anderen Patentklassen gelistet wird.
59
Technologisches Know-How
Aus den Patentanmeldungen und den öffentlichen Energieforschungsausgaben lassen
sich relative Patent- und Innovationsindikatoren für die wichtigsten Länder ableiten. Die
Methodik wird in Kapitel 5.3 erläutert, wobei +100 herausragendes Know-How und -100
kein Know-How repräsentiert. Ein Wert von Null bedeutet durchschnittliche Kenntnisse im
internationalen Vergleich. Der relative Innovationsanteil basierend auf Forschungs- und
Entwicklungsausgaben wird in gleicher Art berechnet:
   tanh ln




p ist die Anzahl der jeweiligen Patente, wobei Index i das Land und j die jeweilige Erneu-
erbare-Energie-Technologie angibt.
Die nachfolgenden Grafiken, Abbildung 36 bis Abbildung 41, zeigen die relativen Patent-
und Innovationsindikatoren für erneuerbare Energietechnologien im internationalen Ver-
gleich. Es werden 25 führende Länder22 mit mehr als 88.500 Patentanmeldungen im Zeit-
raum 1950 bis 2010 miteinander verglichen. Für fünfzehn dieser Länder, die gleichzeitig
IEA-Mitgliedstaaten sind, liegen auch detaillierte Aufzeichnungen zu den kumulierten,
staatlichen Forschungs- und Entwicklungsausgaben der Jahre 1974 bis 2011 vor, die für
die Berechnung der Innovationsindikatoren heran gezogen werden.
Die Analyse der relativen Patent- und Innovationsindikatoren bestätigt die Ergebnisse von
Tabelle 13 weitgehend. Österreich schneidet sowohl bei den relativen Patent- als auch
den Innovationsindikatoren bei Solarthermie und Wasserkraft (Abbildung 37 und Abbil-
dung 39) überdurchschnittlich gut ab, bei Photovoltaik (Abbildung 36) und Windkraft
(Abbildung 38) sind beide Indikatoren deutlich negativ. Deutlich differenzierter ist das Bild
bei Geothermie (Abbildung 40) und Biomasse (Abbildung 41). Während die F&E-
Ausgaben für Geothermie respektive das energieforschungsinduzierte Wissen extrem un-
terdurchschnittlich sind, schneidet Österreich bei Patentanmeldungen außerordentlich gut
ab und erreicht den dritten Platz hinter Ungarn und Südkorea. Dieses gute Abschneiden -
trotz fehlender F&E-Unterstützung – ist vermutlich auf die Struktur der österreichischen
Technologieproduzenten im Bereich Geothermie u. a. mit Weltmarktführern in der Bohr-
technik zurück zu führen. Bei Biomassetechnologien besteht ein umgekehrtes Ungleich-
gewicht mit überdurchschnittlicher Wissensposition und unterdurchschnittlichen Patent-
meldungen. Dies deutet darauf hin, dass die eingesetzten staatlichen F&E-Mittel im Be-
22 AT: Österreich, AU: Australien, BE: Belgien, BR: Brasilien, CA: Kanada, CH: Schweiz, CN: Chi-
na, CZ: Tschechien (bis 1992 Tschechoslowakei), DE: Deutschland (bis 1990 BRD und DDR), DK:
Dänemark, ES: Spanien, FI: Finnland, FR: Frankreich, GB: Großbritannien, HU: Ungarn, IT: Italien,
JP: Japan, KR: Südkorea, NL: Niederlande, NO: Norwegen, NZ: Neuseeland, RU: Russland (bis
1991 Sowjetunion), SE: Schweden, TW: Taiwan, US: USA
60
reich Biomasse hinsichtlich schutzrechtlich relevantem Know-How ineffizient eingesetzt
werden, oder die heimischen Unternehmen im internationalen Vergleich zu wenig paten-
tieren lassen.
Abbildung 36: Relative Patent- und Innovationsindikatoren für Photovoltaik basierend auf
kumulierten Patentanmeldungen von 1950-2010 und kumuliertem energieforschungsindu-
ziertem Wissen von 1974-2011; eigene Darstellung
Abbildung 37: Relative Patent- und Innovationsindikatoren für Solarthermie basierend auf
kumulierten Patentanmeldungen von 1950-2010 und kumuliertem energieforschungsindu-
ziertem Wissen von 1974-2011; eigene Darstellung
61
International gesehen zeigt die Analyse sowohl erwartete als auch unerwartete Ergebnis-
se. Bei Photovoltaik ist die starke Patentposition von Japan wenig überraschend, sehr
wohl jedoch das deutlich positive Ergebnis von Frankreich und Italien. Bei Solarthermie
(Abbildung 37) fällt das überdurchschnittlich hohe kumulierte energieforschungsinduzierte
Wissen von Kanada, Schweden und der Schweiz auf. Andererseits gelingt es keinem die-
ser Länder sich dadurch bei den kumulierten Patentanmeldungen abzusetzen; im Gegen-
teil Kanada und Schweden sind beim relativen Patentindikator deutlich negativ. Entgegen
langläufiger Meinungen sehr überraschend ist auch die starke Position Chinas bei Solar-
thermie-Patenten. Seit 1996 hat das Land sowohl jährlich die meisten Patentanmeldun-
gen als auch insgesamt gesehen mit 35% Anteil die mit Abstand meisten Solarthermie-
Patente weltweit. Generell ist Chinas Patenttätigkeit wesentlich besser als ihr Ruf; das
Land stellt auch bei Biogas und BHKWs sowie Wind- und Wasserkraft mittlerweile die
meisten Patentanmeldungen weltweit.
Abbildung 38: Relative Patent- und Innovationsindikatoren für Windenergie basierend auf
kumulierten Patentanmeldungen von 1950-2010 und kumuliertem energieforschungsindu-
ziertem Wissen von 1974-2011; eigene Darstellung
Die internationale Top-Position Dänemarks bei der Windenergie zählt zu den erwarteten
Ergebnissen. Überraschend ist hingegen das durchschnittliche Ergebnis Deutschlands bei
Patentanmeldungen; aufgrund der überdurchschnittlich hohen Forschungsausgaben und
der starken deutschen Windkraftindustrie wäre ein besseres Ergebnis zu vermuten gewe-
sen. Bei Wasserkraft erstaunt besonders der deutlich positive Patentindikator von Brasili-
en und Russland, während beispielsweise Deutschland und die USA negativ abschnei-
den.
62
Abbildung 39: Relative Patent- und Innovationsindikatoren für Wasserkraft basierend auf
kumulierten Patentanmeldungen von 1950-2010 und kumuliertem energieforschungsindu-
ziertem Wissen von 1974-2011; eigene Darstellung
Abbildung 40: Relative Patent- und Innovationsindikatoren für Geothermie basierend auf
kumulierten Patentanmeldungen von 1950-2010 und kumuliertem energieforschungsindu-
ziertem Wissen von 1974-2011; eigene Darstellung
Bei Geothermie (Abbildung 40) gibt es so gut wie keinen Durchschnitt; die Länder liegen
mit sehr wenigen Ausnahmen entweder deutlich positiv oder deutlich negativ. Bei den
kumulierten Forschungsausgaben sind nur drei Länder, Großbritannien, Japan und die
63
USA positiv, dennoch schafft es nur die USA gleichzeitig auch bei den Patentanmeldun-
gen überdurchschnittlich zu sein. Das negative Ergebnis Italiens zeigt, dass die natürliche
Verfügbarkeit einer Energieressource (in diesem Fall Geothermie) nicht zwangsläufig zu
einer starken Positionierung bei Forschungsausgaben und Patenten führt.
Abbildung 41: Relative Patent- und Innovationsindikatoren für Biomassetechnologien basie-
rend auf kumulierten Patentanmeldungen von 1950-2010 und kumuliertem energiefor-
schungsinduziertem Wissen von 1974-2011 (beinhaltet feste Biomasse, Biogas, BHKWs und
Biotreibstoffe); eigene Darstellung
Das positive Abschneiden Ungarns bei Biomasse (Abbildung 41) liegt daran, dass das
Land 94% seiner Forschungsausgaben für erneuerbare Energie in diesen Bereich inves-
tiert. Auch Japan und Neuseeland liegen bei Patentanmeldungen überraschend weit vor-
ne, negative Überraschungen sind Deutschland und Österreich, wie bereits oben erwähnt.
Weiters fällt bei Biomassetechnologien das starke Abschneiden Finnlands auf, das sich
auch schon in Tabelle 10 und Tabelle 13 gezeigt hat.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Österreich beim Know-How induziert durch öf-
fentliche Energieforschungsausgaben im internationalen Vergleich hinterherhinkt. Hier ist
ein verstärkter Fokus der öffentlichen Hand wünschenswert. Die privaten Energiefor-
schungsausgaben waren im Jahr 2009 um den Faktor 3,2 höher als die öffentlichen, al-
lerdings fehlt hier eine aussagekräftige internationale Vergleichsbasis. Die Forschungsin-
tensität ist aber deutlich höher als in der österreichischen Sachgütererzeugung. Die Pa-
tentanmeldungen im Bereich erneuerbare Energie in Österreich haben sich in den letzten
zwanzig Jahren mehr als versechsfacht, wobei Österreich im internationalen Vergleich gut
abschneidet. Die Analyse der relativen Patent- und Innovationsindikatoren bestätigt diese
Ergebnisse weitgehend, wobei technologiespezifische Unterschiede zu beachten sind.
64
3 .4 Them en clust er I V : Förde run ge n und Su bvent ione n im Ene r-
giesyst em
3 .4 . 1 I nt ern at ion ale En ergie subv en tione n
Förderungen und Subventionen sind Maßnahmen, die a) den Energiepreis für Verbrau-
cher unter das Marktpreisniveau senken, b) für Erzeuger über den Marktpreis anheben
oder c) für Marktteilnehmer die Kosten durch eine indirekte Unterstützung senken. Nach
Badcock und Lenzen (2010) lassen sich Subventionen im Energiesystem einteilen in:
Monetäre Subventionen (siehe unten)
Staatliche Ausgaben für Forschung und Entwicklung (siehe Kapitel 3.3.1)
Externalitäten; Kosten der Energienutzung, die nicht in den Marktpreisen reprä-
sentiert sind, wie beispielsweise gesundheitliche Folgekosten oder Umweltschä-
den durch die Nutzung einer Energieressource.
Bei Externalitäten ist die Erfassung der tatsächlichen Nutzungsfolgekosten einer Energie-
technologie überaus schwierig und mit großen Unsicherheiten behaftet. Der Internationale
Währungsfonds hat auf Basis des Jahres 2011 einen Statusbericht zu fossilen Energie-
subventionen in 176 Staaten erstellt. Dabei wurden sowohl reale Steuern und Subventio-
nen als auch fiktive Aufwandssteuern für Externalitäten sowie fiktive Wertsteuern entspre-
chend vergleichbarer Konsumgüter berücksichtigt (Details zur Methodik sind in IWF, 2013
ersichtlich). Es wird besonders auf die negative Wirkung von fossilen Energiesubven-
tionen hingewiesen: “Subsidies also distort resource allocation by encouraging excessive
energy consumption, artificially promoting capital-intensive industries, reducing incentives
for investment in renewable energy, and accelerating the depletion of natural resources.”
(IWF, Seite 1, 2013). Einen Vergleich Österreichs mit ähnlichen Staaten bietet Tabelle 14.
Die am BIP gemessen Subventionen für Erdölprodukte und Erdgas der Vergleichsländer
sind laut IWF (2013) in Österreich am höchsten, bei Kohle liegen Dänemark und Finnland
deutlich vor Österreich.
Tabelle 14: Subventionen für fossile Energieträger ausgewählter Staaten in Prozent des BIP
2011 unter Berücksichtigung von Externalitäten und fiktiven Wertsteuern; Quelle: Entnom-
men aus IWF (2013)
Erdölprodukte
[% BIP]
Erdgas
[% BIP]
Kohle
[% BIP]
Österreich 0,13 0,12 0,16
Dänemark 0,00 0,08 0,18
Finnland 0,00 0,07 0,33
Norwegen 0,00 0,07 0,04
Schweden 0,09 0,01 0,07
Schweiz 0,04 0,03 0,00
65
Die oben genannten monetären, staatlichen Subventionen lassen sich nach Reidy und
Diesendorf (2003) unterteilen in:
Direkte Subventionen und Rabatte
Steuervergünstigungen
Bereitstellung von Infrastruktur und öffentlichen Einrichtungen unter dem Kosten-
niveau
Bereitstellung von Kapital unter marktüblichen Zinssätzen
Unterstützung ineffizienter privater oder staatlicher Energieversorger und / oder
Kraftwerksbetreiber
Handelsbegünstigungen (z. B. Exportförderungen) und Handelsbeschränkungen
(z. B. Zölle)
International gesehen ist die Verfügbarkeit von einheimischen Energieressourcen ent-
scheidend ob subventioniert wird. Während in OECD-Staaten meist die Produktionsseite
subventioniert wird, ist es in Nicht-OECD-Staaten meist die Verbraucherseite. Generell
sind die Energiesubventionen außerhalb der OECD insgesamt höher, aber aufgrund der
höheren Einwohnerzahl dieser Länder pro Kopf niedriger als in den OECD-Staaten (siehe
Suna, 2007). Die wichtigsten Ergebnisse von Suna (2007) lassen sich wie folgt zusam-
menfassen:
Innerhalb der OECD-Länder wird Steinkohle am stärksten in Deutschland durch
Verkaufsförderungsmittel subventioniert.
Während Kohle vor allem durch budgetierte Subventionen, die in der volkswirt-
schaftlichen Gesamtrechnung als öffentliche Ausgaben geführt werden, in der EU
gefördert wird, profitieren Erdöl und Erdgas vor allem von nicht-budgetierten
Subventionen, wie Steuerbefreiungen und -begünstigungen, bevorzugtem Markt-
zugang sowie regulierenden Unterstützungsmechanismen.
Kernenergie wird hauptsächlich durch staatliche Ausgaben für Forschung und
Entwicklung subventioniert, obwohl seit Jahren kein nennenswerter Ausbau in den
OECD-Ländern stattgefunden hat (vgl. Kapitel 3.3.1).
Erneuerbare Energieträger profitieren hauptsächlich durch direkte Vergütungen,
einerseits preisbasierte Instrumente wie Einspeisetarife, Investitionszuschüsse
und Steueranreize, sowie andererseits durch mengenbasierte Instrumente wie
Quotenregelungen. Diese direkten Vergütungen sind im Budget folglich auch kla-
rer messbar.
66
3 .4 . 2 Ener giesubve nt ion en in Öst er reich
Die nachfolgenden Informationen bieten keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da Subven-
tionen laufenden Änderungen unterworfen sind und es eine Vielzahl von Förderstellen auf
Bundes-, Landes- und Gemeindeebene gibt. Der Umweltdachverband (2012) und OECD
(2012) listen ohne Anspruch auf Vollständigkeit Subventionen für fossile Energieträger23
in Österreich auf:
Befreiung des Flugverkehrs von der Mineralölsteuer auf Kerosin und Umsatzsteu-
erbefreiung für internationale Flugtickets; die Flugticketabgabe im Rahmen des
Budgetbegleitgesetzes 2011 (BBG 2011) kompensiert diese Steuerausfälle nur
teilweise
Steuerbegünstigung für Diesel durch eine um 8,5ct/l geringere Mineralölsteuer als
bei Benzin (BBG 2011)
Steuerbegünstigung von Agrardiesel für landwirtschaftliche Betriebe (max. 50 Mio.
EUR p. a. Steuerrückvergütung im Rahmen der MÖSt 1995, endete 2012 durch
das 1. Stabilitätsgesetz 2012)
Rückvergütung der Energieabgabe (BBG 2011) und der Ökostromaufwendungen
im Rahmen des Ökostromgesetzes 2012 (ÖSG 2012)
(Geringe) Höhe der Förderzinsabgabe sowie deren Deckelung für die heimische
Förderung von Öl und Gas (Förderzinsnovelle im Rahmen des BBG 2011)
Steuerrückvergütungen für energieintensive Industriebetriebe für Kohle, Öl und
Gas
Steuerbefreiung für Diesel in ÖBB-Zügen und für Flüssiggas im öffentlichen Nah-
verkehr (endete 2012 durch das 1. StabG 2012)
Kompensationszahlungen Voitsberg III: „Durch die Strommarktliberalisierung im
Jahr 2001 wurde das Braunkohlekraftwerk Voitsberg und der dort angesiedelte
Braunkohlebergbau unrentabel.24 Zum Ausgleich wurden zwischen 2001 und
2006 insgesamt 102 Mio. EUR an die Betreiber ausbezahlt (Staatliche Beihilfe Nr.
N 34/99 – Österreich)
Nach Schätzungen des Umweltdachverbandes (2012) sowie Angaben von OECD (2012)
lässt sich die Gesamthöhe der hier genannten fossilen Energiesubventionen zwischen
2,04 - 2,24 Mrd. EUR p. a. (inkl. Rückvergütung der Energieabgabe und der Ökostrom-
aufwendungen) abschätzen. Daneben wird der Ausbau von Erdgasleitungen in einigen
österreichischen Gemeinden durch die begünstigte Bereitstellung von Gemeindegrund
gefördert. Eine grobe Abschätzung der Entwicklung von fossilen Energiesubventionen in
23 Die Ölkesselförderung „Heizen mit Öl“ ist eine private Initiative der österreichischen Öl- und Öl-
kesselindustrie und daher keine staatliche Subvention.
24 Zitiert von http://de.wikipedia.org/wiki/Dampfkraftwerk_Voitsberg, 3. 8. 2013
67
Österreich von 2005 bis 2011 zeigt Abbildung 42. Die gelisteten Subventionen belaufen
sich auf ca. 1,6 Mrd. EUR p. a.; eine Berücksichtigung der oben genannten Rückvergü-
tung der Energieabgabe und der Ökostromaufwendungen ist in der Zeitreihe aufgrund
fehlender Informationen nicht möglich.
Abbildung 42: Grobe Abschätzung der Subventionen für fossile Energieträger in Österreich;
eigene Schätzung25 basierend auf Umweltdachverband (2012) und OECD (2012); ohne Rückver-
gütung der Energieabgabe (BBG 2011) und der Ökostromaufwendungen (ÖSG 2012)
Gemäß des Vorschlags für eine Änderung der Energiesteuerrichtlinie der EU (2011) soll
zukünftig eine aufkommensneutrale und harmonisierte Besteuerung fossiler Energieträger
- basierend auf dem Energiegehalt und deren CO2-Emissionen - zum Ausbau einer ener-
gieeffizienten und CO2-reduzierten Energieerzeugung hinsichtlich der EU-
Emissionsreduktionsziele (20-20-20) beitragen. Inwiefern diese Ziele in die tatsächliche
Umsetzung der zukünftigen EU-Richtlinie Eingang finden, bleibt aufgrund zum Teil sehr
unterschiedlicher Positionen der EU-Mitgliedsstaaten abzuwarten.
Atomenergie erhält in Österreich keine nennenswerten Subventionen. Öffentliche Ausga-
ben im Rahmen nationaler Grundlagenforschung belaufen sich auf derzeit auf etwa 2,6
Mio. EUR pro Jahr (Stand 2011), wovon knapp 2,5 Mio. EUR auf die Kernfusionsfor-
schung entfallen. Die Ausgaben für die Euratom-Mitgliedschaft belaufen sich auf etwa
11,9 Mio. EUR26 pro Jahr, wovon ein Großteil für Forschung in den Bereichen Reaktorsi-
cherheit und Kernfusion aufgewendet wird. Insgesamt kann also von einer Summe von
ca. 14,5 Mio. EUR p. a. ausgegangen werden.
25 Aufgrund der wenigen verfügbaren quantitativen Daten ohne Anspruch auf Vollständigkeit
26 Vgl. http://derstandard.at/1277338530031/Euratom---Umstrittene-Gemeinschaft; abgerufen am
21. Jul. 2013
68
Subventionen für erneuerbare Energieträger in Österreich sind u. a. im Ökostromgesetz
2012, der Ökostrom-Einspeisetarifverordnung 2012, Bund-Länder-Vereinbarungen gemäß
Art. 15a B-VG, den Förderrichtlinien für die Umweltförderung im Inland von 2009 sowie
der nationalen Umsetzung der EU-Richtlinie 2003/30/EG bzw. nach deren Aufhebung
durch die Richtlinie 2009/28/EG und teilweise im KWK-Gesetz 2009 geregelt. Daneben
gibt es eine laufende Förderung für die Errichtung von Pellet- und Hackgutzentral-
heizungen sowie von Pelletskaminöfen.
Die gängigsten Subventionen für erneuerbare Energie in Österreich sind direkte Subven-
tionen wie Einspeisetarife für Ökostrom und Investitionszuschüsse (v. a. für Kleinanlagen)
sowie Steuervergünstigungen bzw. Steuerbefreiungen (z. B. für biogene Treibstoffe). Das
Volumen sämtlicher genannter Förderungen lässt sich nicht abschätzen, die Entwicklung
der Ökostrom-Vergütung durch Einspeisetarife ist durch die E-Control (2013) aber gut do-
kumentiert und in Abbildung 43 dargestellt. Im Jahr 2012 beliefen sich die Vergütungen
für 6152 GWh Ökostrom im Rahmen des ÖSG 2012 auf 657 Mio. EUR, wobei 373 Mio.
EUR (siehe E-Control, 2012d) als tatsächliche Subvention zu werten sind: „Der Unterstüt-
zungsbedarf für Ökostrom ergibt sich aus dem Vergütungsvolumen abzüglich des Markt-
werts des erzeugten Stroms zuzüglich Aufwendungen für Ausgleichsenergie, administrati-
ven und finanziellen Aufwendungen und Aufwendungen für Technologiefördermittel.“ An-
zumerken ist jedoch, dass Einspeisetarife im Gegensatz zu anderen Subventionen mittels
Umlagen direkt an die Stromkunden weitergegeben und somit messbar werden, während
nicht-budgetierte Subventionen wie beispielsweise Steuervergünstigungen (vgl. oben)
nicht unmittelbar messbar sind (siehe auch Kapitel 3.5.2).
Abbildung 43: Entwicklung der Ökostrom-Einspeisemengen und –Vergütungen sowie der
Subventionen (Unterstützungsvolumen) seit 2003; Datenquelle: E-Control, Archiv (www.e-
control.at), E-Control (2012d) und OeMAG (2013)
69
Für Kraftfahrzeuge, die ausschließlich elektrisch betrieben werden, gibt es Steuervergüns-
tigungen durch den Entfall der motorbezogenen Versicherungssteuer und der Normver-
brauchsabgabe.
Neben den oben genannten Bundesförderungen existiert noch eine Reihe von Landesför-
derungen für erneuerbare Energieträger. Diese unterschieden sich sowohl von Fördervo-
lumen, Förderkriterien und der Dauer des Förderprogrammes sehr deutlich. Eine Ab-
schätzung des gesamten Fördervolumens ist mangels verfügbarer, öffentlicher Informati-
onen nicht möglich. Die wichtigsten, derzeitigen Landesförderungen für erneuerbare
Energieträger sind:
Burgenland: Investitionszuschuss für Warmwasser- und Heizungswärmepumpen
(Erd- Luft- oder Wasser- WP), thermische Solaranlagen, Biomasse-
Hauszentralheizungen und Fernwärmeanschlüsse
Kärnten: Investitionszuschuss für thermische Solaranlagen, Holzheizungsanlagen
und Wärmepumpen zur Raumheizung
Niederösterreich: Investitionszuschuss und/oder Darlehen für Wärmepumpen
und Solaranlagen zur Warmwasserbereitung und/oder Beheizung sowie Photovol-
taikanlagen, Tausch oder die Erstaufstellung von Heizungsanlagen für alle Arten
von Brennstoffen aus Holz
Oberösterreich: Investitionszuschuss für thermische Solaranlagen und Wärme-
pumpen
Salzburg: Direktzuschuss für Biomasse, Solarthermie, Photovoltaik und Wärme-
pumpen
Steiermark: Direktförderungen für Holzheizungen, solarthermische Anlagen und
Photovoltaikanlagen sowie Elektrofahrzeuge
Tirol: Investitionszuschuss für Wärmepumpen und Solarthermie
Vorarlberg: Investitionszuschuss für Wärmepumpen, Biomasse-Heizanlagen und
Solarthermie
Wien: Investitionszuschuss für Solarthermie und Photovoltaik
Daneben gibt es auf Landes- und teilweise auf Gemeindeebene eine Reihe weiterer Best-
immungen zur Förderung erneuerbarer Energieträger und von Elektrofahrzeugen.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass fossile und erneuerbare Energieträ-
ger von einer Vielzahl von Subventionen profitieren, wobei sich das exakte Fördervolu-
men nicht bestimmen lässt. Erdöl und Erdgas profitieren vor allem von nicht-budgetierten
Subventionen (vgl. Abbildung 42), erneuerbare Energieträger zum Großteil von budgetier-
ten Subventionen, die im Budget folglich auch klarer messbar sind (vgl. Abbildung 43).
70
3 .5 Them en clust er V : Volk sw irtscha ftlich e Eff ekte
Im Folgenden werden die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Umstellung des öster-
reichischen Energiesystems von fossilen auf erneuerbare Energieträger seit dem Jahr
2000 für Österreich dargestellt. Innerhalb der Analyse werden zum einen statistische
Ausprägungen der Forcierung erneuerbarer Energieträger präsentiert (siehe Kapitel
3.5.1), zum anderen wird basierend auf diesen Werten eine makroökonometrische Simu-
lationsanalyse durchgeführt (siehe Kapitel 3.5.2), anhand welcher dynamische Effekte auf
die Volkswirtschaft für den Zeitraum 2000 bis 2011 quantifiziert werden können. Diese Ef-
fekte werden hinsichtlich ihrer Wirkung für die zentralen makro-ökonomischen Variablen
Bruttoinlandsprodukt, Beschäftigte, Leistungsbilanz, privater Konsum und Investitionen
ermittelt. Zusätzlich erfolgt eine Analyse der Auswirkungen auf ausgewählte Steuerein-
nahmen im Betrachtungszeitraum 2000 bis 2011.
3 .5 . 1 Kom pa rat iv -st at ische Be tra cht ung
Als Input für die makroökonometrische Simulationsanalyse werden im Folgenden die
komparativ-statischen Daten ermittelt bzw. dargestellt. Innerhalb der komparativ-
statischen Analyse der Umstellung des österreichischen Energiesystems von fossilen auf
erneuerbare Energieträger seit dem Jahr 2000 liegt der Fokus auf Differenzen im Ener-
gieverbrauch sowie auf Investitionen der Unternehmen und auf Ausgaben der Haushalte
für Anlagen zur Produktion und zum Verbrauch. Hierbei wird die Auswirkung der gesam-
ten Umstellung quantifiziert – es erfolgt also keine separate Simulation für einzelne Ener-
gieträger. Dabei wird die Differenz zwischen der tatsächlichen Entwicklung (erhöhter An-
teil Erneuerbarer – IST-Szenario) und der alternativen – nicht realen – Entwicklung, in
dem die Anteile der Energieträger im Jahr 2000 konstant bis zum Jahr 2011 fortgeschrie-
ben werden (höherer Anteil fossiler Energieträger – EIS-Szenario) betrachtet.
Energieverbrauch
Die Berechnung der Veränderung im Energieverbrauch erfolgt entsprechend dem Men-
genindex nach Laspeyres über der Differenz der tatsächlichen Veränderungen (IST-
Szenario) und der alternativen Entwicklung, welche die Anteile der Energieträger im Jahr
2000 einfriert (EIS-Szenario). Der absolute Energieverbrauch ist im IST-Szenario somit
gleich dem Energieverbrauch im EIS-Szenario. Da der Fokus der Studie auf der Substitu-
tion fossiler Energieträger durch erneuerbare Energieträger liegt (und durch die Betrach-
tung der Substitution fossiler Energieträger durch fossile Energieträger und erneuerbarer
Energieträger durch erneuerbare Energieträger Verzerrungen entstehen würden), werden
je nach Segment (Energieverbrauch der Haushalte und Unternehmen, Fernwärme- und
Stromproduktion sowie im Straßenverkehr) Korrekturen für den Verbrauch fossiler Ener-
gieträger vorgenommen. Es ist zudem darauf hinzuweisen, dass die dargestellten Diffe-
71
renzen in den Veränderungen der Energieträger als Konsequenz immer eine absolute
Verbrauchsveränderung von Null ergeben. Eine ebenso mögliche Definition des EIS-
Szenarios könnte alternativ auch durch die Fixierung der absoluten Werte des Endener-
gieverbrauchs durch Erneuerbare (im Jahr 2000) vorgenommen werden. Somit könnte
ausgeschlossen werden, dass im EIS-Szenario je nach betrachtetem Segment (siehe Ab-
bildung 44 bis Abbildung 48) ein Ausbau (in absoluten Werten) von Erneuerbaren erfolgt.
Hier wird jedoch der Ansatz der Fixierung der relativen Anteile Erneuerbarer am Endener-
gieverbrauch im Jahr 2000 gewählt, um einer Überschneidung in der Analyse von Effizi-
enz- und Substitutionseffekten entgegenzuwirken.
Abbildung 44: Energetischer Endverbrauch der privaten Haushalte (ohne Mobilität) - Diffe-
renz zwischen IST-Szenario und EIS-Szenario. Datenquelle: Statistik Austria (2012b)
Anmerkungen: Korrektur um Energieträger Erdgas; positive (negative) Werte induzieren einen hö-
heren (niedrigeren) Verbrauch des jeweiligen Energieträgers im IST-Szenario (tatsächliche Ent-
wicklung des Energieverbrauchs) im Vergleich zum EIS-Szenario (alternative Entwicklung des
Energieverbrauchs, welche die Anteile der Energieträger im Jahr 2000 einfriert); ein Wert gleich 0
induziert, dass durch die Umstellung des Energiesystems auf Erneuerbare keine Veränderungen
im Energieverbrauch generiert wurden; der absolute energetische Endverbrauch dieses Segments
belief sich im Jahr 2000 auf 192 PJ und im Jahr 2011 auf 174 PJ.
Die Herleitung der Differenzen zwischen dem IST- und dem EIS-Szenario impliziert, dass
es vor allem im Bereich des energetischen Endverbrauchs der Haushalte zu starken
Rückgängen des Verbrauchs von Heizöl extra leicht, Heizöl sowie Koks gekommen ist
(Abbildung 44). Diese werden zu hohem Maße durch die Nutzung biogener Brenn- und
72
Treibstoffe und Umgebungswärme kompensiert. Seit 2005 ist zudem die verstärkte Nut-
zung von Brennholz erkennbar.
Im Hinblick auf die Entwicklung des energetischen Endverbrauchs von Unternehmen ist
analog zum Bereich der Haushalte ein signifikanter Rückgang der fossilen Energieträger
Heizöl extra leicht und Heizöl zu erkennen, welcher fast zur Gänze durch einen höheren
Verbrauch biogener Brenn- und Treibstoffe ausgeglichen wird (Abbildung 45).
Abbildung 45: Energetischer Endverbrauch der Unternehmen (ohne Mobilität) - Differenz
zwischen IST-Szenario und EIS-Szenario. Datenquelle: Statistik Austria (2012b)
Anmerkungen: Korrektur um Energieträger Erdgas, brennbare Abfälle und Diesel; positive (negati-
ve) Werte induzieren einen höheren (niedrigeren) Verbrauch des jeweiligen Energieträgers im IST-
Szenario (tatsächliche Entwicklung des Energieverbrauchs) im Vergleich zum EIS-Szenario (alter-
native Entwicklung des Energieverbrauchs, welche die Anteile der Energieträger im Jahr 2000 ein-
friert); ein Wert gleich 0 induziert, dass durch die Umstellung des Energiesystems auf Erneuerbare
keine Veränderungen im Energieverbrauch generiert wurden; der absolute energetische Endver-
brauch dieses Segments belief sich im Jahr 2000 auf 214 PJ und im Jahr 2011 auf 258 PJ.
73
Innerhalb der Fernwärmeproduktion ist ebenfalls eine Steigerung des Inputs biogener
Brenn- und Treibstoffe erkennbar, welche die Reduktion des Umwandlungseinsatzes von
Erdgas und brennbaren Abfällen aufhebt (Abbildung 46).
Abbildung 46: Fernwärmeproduktion - Differenz zwischen IST-Szenario und EIS-Szenario.
Datenquelle: Statistik Austria (2012b)
Anmerkung zu Abbildung 46: positive (negative) Werte induzieren einen höheren (niedrigeren)
Verbrauch des jeweiligen Energieträgers im IST-Szenario (tatsächliche Entwicklung des Energie-
verbrauchs) im Vergleich zum EIS-Szenario (alternative Entwicklung des Energieverbrauchs, wel-
che die Anteile der Energieträger im Jahr 2000 einfriert); ein Wert gleich 0 induziert, dass durch die
Umstellung des Energiesystems auf Erneuerbare keine Veränderungen im Energieverbrauch ge-
neriert wurden; der absolute energetische Endverbrauch dieses Segments belief sich im Jahr 2000
auf 47 PJ und im Jahr 2011 auf 79 PJ.
74
Bei der Stromproduktion ist eine Erhöhung des Umwandlungseinsatzes von Erdgas und
biogenen Treibstoffen sichtbar, wobei die Konstanthaltung der Anteile der Energieträger
im Jahr 2000 zu einer signifikanten relativen Reduktion der Nutzung der Wasserkraft in
diesem Segment führt (auch bei einer zeitlichen Glättung der Produktion über drei Jahre
im Sinne einer erhöhten Berücksichtigung der Niederschlagsmengen) (Abbildung 47).
Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die Stromproduktion aus Wasserkraft bereits
im Jahr 2000 stark ausgebaut war, sodass kein Produktionswachstum in Relation zu an-
deren Energieträgern bei einer insgesamt steigenden Gesamtstromproduktion feststellbar
war.
Abbildung 47: Stromproduktion - Differenz zwischen IST-Szenario und EIS-Szenario. Daten-
quelle: Statistik Austria (2012b)
Anmerkung: Korrektur um Öl; positive (negative) Werte induzieren einen höheren (niedrigeren)
Verbrauch des jeweiligen Energieträgers im IST-Szenario (tatsächliche Entwicklung des Energie-
verbrauchs) im Vergleich zum EIS-Szenario (alternative Entwicklung des Energieverbrauchs, wel-
che die Anteile der Energieträger im Jahr 2000 einfriert); ein Wert gleich 0 induziert, dass durch die
Umstellung des Energiesystems auf Erneuerbare keine Veränderungen im Energieverbrauch ge-
neriert wurden; der absolute energetische Endverbrauch dieses Segments belief sich im Jahr
2000 auf 204 PJ und im Jahr 2011 auf 224 PJ.
75
Die Änderungen der relativen Anteile des energetischen Endverbrauchs im Straßenver-
kehr sind in Abbildung 48 dargestellt, wobei die Entwicklung vor allem auf die Beimisch-
verpflichtung von biogenen Treibstoffen zurückzuführen ist.
Abbildung 48: Energetischer Endverbrauch im Straßenverkehr - Differenz zwischen IST-
Szenario und EIS-Szenario. Datenquelle: Statistik Austria (2012b)
Anmerkung: Korrektur um Flüssiggas, Kerosin und Erdgas; positive (negative) Werte induzieren
einen höheren (niedrigeren) Verbrauch des jeweiligen Energieträgers im IST-Szenario (tatsächli-
che Entwicklung des Energieverbrauchs) im Vergleich zum EIS-Szenario (alternative Entwicklung
des Energieverbrauchs, welche die Anteile der Energieträger im Jahr 2000 einfriert); ein Wert
gleich 0 induziert, dass durch die Umstellung des Energiesystems auf Erneuerbare keine Verände-
rungen im Energieverbrauch generiert wurden; der absolute energetische Endverbrauch dieses
Segments belief sich im Jahr 2000 auf 280 PJ und im Jahr 2011 auf 348 PJ.
Die Betrachtung des gesamten energetischen Endverbrauchs Österreichs der Segmente
Wärme, Strom und Verkehr innerhalb der definierten Szenarien (IST-Szenario und EIS-
Szenario) zeigt, dass im Jahr 2011 durch die Umstellung des Energiesystems signifikante
Einsparung im Verbrauch von Öl (Heizöl sowie Heizöl extra leicht im Unternehmens- und
Haushaltssektor sowie Diesel und Benzin im Verkehrssektor) geschaffen wurden, wäh-
rend der Einsatz der erneuerbaren Energieträger um den gleichen Anteil Anstieg. Inner-
halb der Fernwärmeproduktion ist ebenfalls die Substitution fossiler durch regenerative
Energieträger erkennbar, wobei die Annahme des Rückgangs der Wasserkraft in der
Stromproduktion aufgrund der Konstanthaltung der Energieträgeranteile am Gesamtver-
brauch des Jahres 2000 im EIS-Szenario zu höheren Anteilen Erneuerbarer im Vergleich
zur Ist-Situation führt. Abbildung 49 stellt die Zusammensetzung des Endenergiever-
brauchs Österreichs in den betrachteten Szenarien dar.
76
Abbildung 49: Zusammensetzung des energetischen Endverbrauchs in Österreich im IST-Szenario und EIS-Szenario, 2000 und 2011; Berechnung
nach dem Mengenindex nach Laspeyres; Datenquelle: Statistik Austria (2012b)
Anmerkungen: das IST-Szenario spiegelt die tatsächliche Entwicklung des Endenergieverbrauchs wieder, während das EIS-Szenario eine alternative Ent-
wicklung vorsieht, welche die Anteile der Energieträger im Jahr 2000 einfriert; die absolute Verbrauchsveränderung zwischen den beiden Szenarien beläuft
sich auf null; „Öl“ umfasst den Endverbrauch von Heizöl, Heizöl EL und Diesel im Unternehmens- und Haushaltssektor sowie von Diesel, Petroleum und Ben-
zin im Verkehrssektor; „Erneuerbare“ umfassen den Endverbrauch von Brennholz, biogenen Brenn- und Treibstoffen und Umgebungswärme im Unterneh-
mens- und Haushaltssektor sowie von biogenen Treibstoffen im Verkehrssektor; „Gas“ umfasst den Endverbrauch von Erdgas und Flüssiggas im Unterneh-
mens-, Haushalts- sowie Verkehrssektor.
77
Absolut betrachtet ergibt sich durch die oben beschriebene Umstellung des Energiesys-
tems auf Erneuerbare die in Abbildung 50 dargestellte Veränderung des energetischen
Endverbrauchs erneuerbarer Energieträger innerhalb der betrachteten Segmente Wärme
und Verkehr (ohne Fernwärme und Strom). Dabei ist bis 2004 ein Rückgang des Ver-
brauchs Erneuerbarer zu verzeichnen. Im Hinblick auf den energetischen Import (siehe
Abbildung 51) impliziert dieser anfängliche Rückgang einen Anstieg der Importe fossiler
Energieträger bis 2004. Die Forcierung erneuerbarer Energieträger verdeutlicht sich letzt-
endlich von 2005 bis 2011 anhand des kontinuierlichen Anstiegs des Endverbrauchs und
der Reduktion der fossilen bzw. energetischen Importe.
Abbildung 50: Endverbrauch erneuerbarer Energieträger in Österreich (ohne Fernwärme
und Strom), 2000-2011, Differenz zwischen IST-Szenario und EIS-Szenario, Datenquelle: Sta-
tistik Austria (2012c)
Anmerkung: positive (negative) Werte induzieren einen höheren (niedrigeren) Verbrauch im IST-
Szenario (tatsächliche Entwicklung des Energieverbrauchs) im Vergleich zum EIS-Szenario (alter-
native Entwicklung des Energieverbrauchs, welche die Anteile der Energieträger im Jahr 2000 ein-
friert); ein Wert gleich 0 induziert, dass durch die Umstellung des Energiesystems auf Erneuerbare
keine Veränderungen im Energieverbrauch generiert wurden.
Die nachstehende Abbildung beinhaltet die Veränderung der energetischen Importe nach
Österreich in Form der Differenz zwischen dem IST- und dem EIS-Szenario. Hierbei sind
somit auch die Umwandlungseinsätze zur Produktion von Fernwärme und elektrischer
Energie inkludiert. Es zeigt sich eine deutliche relative Zunahme der fossilen Energieim-
porte im IST-Szenario im Zeitraum von 2001 bis 2005 in Relation zum EIS-Szenario und
somit zur Struktur des Jahres 2000.
78
Abbildung 51: Energetische Primärenergieimporte in Österreich, 2000-2011, Differenz zwi-
schen IST-Szenario und EIS-Szenario, Datenquelle: Statistik Austria (2012c)
Anmerkung: positive (negative) Werte induzieren höhere (niedrigere) Importe im IST-Szenario (tat-
sächliche Entwicklung des Energieverbrauchs) im Vergleich zum EIS-Szenario (alternative Ent-
wicklung des Energieverbrauchs, welche die Anteile der Energieträger im Jahr 2000 einfriert); ein
Wert gleich 0 induziert, dass durch die Umstellung des Energiesystems auf Erneuerbare keine
Veränderungen hinsichtlich der Importe generiert wurden; energetische Importe umfassen Importe
fossiler und erneuerbarer Energieträger.
Investitionen (sowie privater Konsum für Anlagen)
Bezüglich der komparativ-statischen Untersuchung der durch Erneuerbare induzierten In-
vestitionen von Unternehmen sowie von Ausgaben der privaten Haushalte (für Erzeu-
gungsanalagen und Heizsysteme) in den Segmenten Strom und Wärme werden im ersten
Schritt die vorhandenen Daten der IST-Situation dargestellt. Die mittelfristige Entwicklung
der Investitionen im Segment Strom zeigt, dass es nach der Liberalisierung des österrei-
chischen Strommarktes zu einem erkennbaren Rückgang der Investitionstätigkeit ge-
kommen ist. In Abbildung 52 sind die Investitionskosten in stromerzeugende Anlagen im
Zeitraum 2000 bis 2011 dargestellt.
79
Abbildung 52: Investitionen in Anlagen zur Stromerzeugung in Österreich, 2000-2011. Da-
tenquelle: Biermayr (2013), Biermayr et al. (2013), Eder und Kirchweger (2011), oesterreichs ener-
gie (2013) sowie Statistik Austria (2012c)
Anmerkung: Vergleichend zu den Bruttoinvestitionen, die in den Leistungs- und Strukturdaten der
Statistik Austria (Statistik Austria 2012c) erfasst sind, ergeben sich ab dem Jahr 2007 größere Ab-
weichungen zu den Daten von Österreichs Energie. Der Grund hierfür liegt zum einen vermutlich in
der ungleichen Berücksichtigung der Aufteilung der Investitionssummen im Bereich der thermi-
schen Großkraftwerke (v.a. Timelkam, Mellach) und ist vorwiegend auf die Fertigstellung im Neu-
bau-Bereich von Großprojekten und dem Abschluss von Erweiterungen größerer Gas- und Dampf-
turbinen-Anlagen bzw. Kombinationskraftwerke zurückzuführen; Wartungskosten der Anlagen wer-
den nicht berücksichtigt.
Im Bereich der Investitionen in Anlagen zur thermischen Energieerzeugung wurde eben-
falls eine Unterscheidung in mit erneuerbaren und mit fossilen Energieträgern betriebenen
Anlagen durchgeführt; ebenso wurde zwischen leitungsgebundenen Anlagen und Einzel-
anlagen in Haushalten und Unternehmen unterschieden. Im Bereich der leitungsgebun-
denen thermischen Energieerzeugungssysteme ist seit dem Jahr 2000 ein Anstieg der In-
vestitionen in den mit erneuerbaren Primärenergieträgern betriebenen Systemen zu ver-
zeichnen. Die höchsten Investitionen sind in den Jahren 2004 und 2005 vorhanden. Dies
liegt u.a. an der großen Anzahl von Biomasse-Nahwärmeanlagen, die in diesem Zeitraum
errichtet worden sind. In Abbildung 53 sind diese Investitionen im Zeitraum 2000 bis 2011
aggregiert dargestellt.
80
Abbildung 53: Investitionen in Nah- und Fernwärmesysteme sowie in Einzelheizungen im
Raumwärmebereich in Österreich, 2000-2011. Datenquelle: von Biermayr et al. (2013), Malik et
al. (2012) und Statistik Austria (2012c)
Anmerkung: Bei der durch KWK-Anlagen erzeugten thermischen Energie aus Wärmekraftwerken
konnte aufgrund der Datenlage keine Zuteilung der Anlagenkosten in Fernwärme bzw. Stromantei-
le erfolgen. Aufgrund fehlender Daten wurden die Investitionen in Wärmesysteme und Einzelhei-
zungen basierend auf fossilen Energieträgern für den Zeitraum 2000-2003 konstant gehalten; War-
tungskosten der Systeme bzw. Einzelheizungen werden nicht berücksichtigt.
In Bezug auf die Simulationsanalyse (siehe Kapitel 3.5.2) ist darauf hinzuweisen, dass die
generierten Daten zwar die reale Situation abbilden, jedoch keine Informationen über die
Investitionsaktivitäten im alternativen Szenario, in welchem die Anteile der Energieträger
im Jahr 2000 konstant fortgeschrieben werden, beinhalten können. Vor allem wäre die
zeitliche Zuordnung von Investitionsprojekten im Alternativszenario willkürlich und nicht
wissenschaftlich abgesichert. Somit beruhen die letztendlich in der Simulationsanalyse
verwendeten Daten bezüglich der Investitionen auf den Differenzen im Energieverbrauch
und werden anhand spezifischer Investitionskosten pro kWh basierend auf Neubarth und
Kaltschmitt (2000) und Kaltschmitt und Streicher (2009) hergeleitet. Der Verlauf der Diffe-
renz der Investitionstätigkeiten zwischen IST- und EIS-Szenario findet sich in Abbildung
54. Es ist erkennbar, dass Investitionen durch den Einsatz fossiler Energieträger ab 2006
abnehmen, während Investitionen durch den Einsatz erneuerbarer Energieträger ab 2004
stark steigen.
81
Abbildung 54: Investitionen der Unternehmen und Haushalte nach Energieträger in den
Segmenten Stromproduktion, Wärme und Treibstoff - Differenz zwischen IST-Szenario und
EIS-Szenario. Datenquelle: Neubarth und Kaltschmitt (2000), Kaltschmitt und Streicher (2009) und
Daten der Statistik Austria (2012b)
Anmerkung: zur Berechnung der Investitionen werden die Differenzen der Energieverbräuche der
Segmente Wärme, Strom und Verkehr mit Investitionskosten pro kWh monetarisiert. Ausgaben der
Haushalte zur Installation von Einzelheizungen werden berücksichtigt, während Wartungskosten
vernachlässigt werden. Positive (negative) Werte induzieren einen höhere (niedrigere) Investitio-
nen im IST-Szenario (tatsächliche Entwicklung des Energieverbrauchs) im Vergleich zum EIS-
Szenario (alternative Entwicklung des Energieverbrauchs, welche die Anteile der Energieträger im
Jahr 2000 einfriert); ein Wert gleich Null induziert, dass durch die Umstellung des Energiesystems
auf Erneuerbare keine Veränderungen innerhalb der Investitionstätigkeiten generiert wurden
82
3 .5 . 2 Mak roöko nom et rische Sim ula tionsan aly se
Im Folgenden wird analysiert und quantifiziert, welche volkswirtschaftlichen Effekte die
Umstellung des österreichischen Energiesystems von fossilen auf erneuerbare Energie-
träger seit dem Jahr 2000 für Österreich geschaffen hat. Hierfür ist es auch von Bedeu-
tung, welche Sekundär- bzw. welche Mehrrundeneffekte durch die wirtschaftlichen Tätig-
keiten der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr ausgelöst wurden. Ausgehend von den
oben dargestellten komparativ-statischen Parametern bezüglich Energieverbrauch und
Investitionen wird die makroökonomische Gesamtanalyse der Umstellung des Energie-
systems durch die Untersuchung der dynamischen, volkswirtschaftlichen Auswirkungen
anhand des makroökonometrischen Simulationsmodells MOVE komplettiert.27
Die Berechnungen zeigen einen positiven volkswirtschaftlichen Nutzen in Form einer Er-
höhung des Bruttoinlandproduktes innerhalb des Betrachtungszeitraums von 2001 bis
2011 auf. Das durchschnittlich höhere Bruttoinlandsprodukt basiert grundlegend auf:
zusätzlichen Investitionsimpulsen zur Strom-, Wärme und Treibstoffproduktion
durch erneuerbare Energieträger sowie von Installationen von Heiztechnologien
durch Raumwärme-Endverbraucher (Industrie und Haushalte) für erneuerbare
Energieträger;
der heimischen Produktion von Strom, Wärme und Treibstoff aus erneuerbaren
Energiequellen, was eine Reduktion der (fossilen) Energieimporte, eine Erhöhung
der Energieexporte und somit positive Auswirkungen auf die Leistungsbilanz im-
pliziert;
den durch das Wirtschaftswachstum induzierten Anstieg der Löhne und somit des
verfügbaren Einkommens, der Investitionen in anderen Wirtschaftssegmenten und
der nicht-energetischen Nettoexporte;
dadurch ausgelösten Beschäftigungseffekten;
Sekundäreffekten resultierend aus den aufgeführten Auswirkungen.
Allgemein zeigt die makroökonometrische Simulationsanalyse eine Erhöhung des Brutto-
inlandproduktes um 1.647 Mio. € im Jahr 2011 gegenüber einer Situation ohne die Um-
stellung des österreichischen Energiesystems von fossilen auf erneuerbare Energieträger
seit dem Jahr 2000. Dies entspricht einem um durchschnittlich 398 Mio. € höheren Brutto-
inlandsprodukt über die Beobachtungsperiode 2000 bis 2011 in Österreich, was einem
27 Eine detaillierte Beschreibung des Aufbaus und der Funktionsweise von MOVE findet sich in
Tichler (2009) sowie in Kapitel 5.4. Die für die Simulationsanalyse getroffenen Annahmen sind
ebenfalls in Kapitel 5.4 dargestellt.
83
durchschnittlichen Anteil von 0,1 % am österreichischem Bruttoinlandsprodukt für diesen
Zeitraum entspricht. Dabei ist festzuhalten, dass von 2000 bis einschließlich 2005 negati-
ve Effekte auf das Bruttoinlandsprodukt vorliegen. Diese entstehen vorwiegend aufgrund
negativer energetischer Nettoexporte – vor allem infolge hoher Importe von Heizöl EL und
Heizöl (siehe Abbildung 45). Eine wichtige Komponente der Reduktion der energetischen
Nettoexporte aufgrund des Anstiegs der Importe fossiler Energieträger stellen die Preisni-
veaus von Rohöl (siehe Abbildung 55) vor allem im Zeitraum von 2004 bis 2008, aber
auch in den Jahren 2010 und 2011 dar. Aufgrund des geringen Ölpreises bzw. geringeren
Kosten der auf fossilen Rohstoffen basierenden Energieproduktion in den Jahren bis 2004
ergaben sich vermehrt Anreize fossile Energieträger zu importieren, was wiederum zu hö-
heren Wertschöpfungsabflüssen bzw. einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes führt.
Das stark steigende Preisniveau von Rohöl ab 2005 und die daraus resultierende Verteu-
erung der energetischen (fossilen) Importe unterstützt die Umstellung des Energiesys-
tems auf erneuerbare Energie.
Abbildung 55: Rohölpreis, 2000 – 2011. Datenquelle: EIA
Diese negativen Effekte auf das Bruttoinlandsprodukt werden durch höhere Investitionstä-
tigkeiten sowie der Reduktion der fossilen Energieimporte erst vollkommen ab 2006 kom-
pensiert. In Hinsicht auf die Leistungsbilanz ergeben die signifikanten Rückgänge der Im-
porte fossiler Energieträger für den energetischen Endverbrauch der privaten Haushalte
(vor allem Heizöl, Heizöl extra leicht und Koks), der Unternehmen (vor allem Heizöl und
Heizöl extra leicht), im Straßenverkehr und für die Fernwärmeproduktion (vor allem Öl und
Erdgas) positive Auswirkungen ab 2006. Es ist ebenfalls zu erwähnen, dass trotz des in
der Studie angenommenen starken Rückgangs der Wasserkraft innerhalb der Strompro-
duktion (siehe Abbildung 47) positive Effekte durch den Rückgang der Importe fossiler
Energieträger erzielt werden.
Weiters zeigt sich, dass die Investitionstätigkeiten der Unternehmen durch Umstellung
des Energiesystems auf erneuerbare Energieträger ab 2005 kontinuierlich steigen, so-
84
dass sich das gesamte Investitionsvolumen (inkl. Sekundäreffekte) im Jahr 2011 auf ca.
550 Mio. € beziffert. Demnach sind die Investitionen in Erneuerbare als Konjunkturmotor
zu interpretieren, welche sich aufgrund der kontinuierlichen Erhöhung und der Multiplika-
toreffekte mittelfristig bezahlt machen. Letztendlich ergibt sich in Hinblick auf den privaten
Konsum der Haushalte, welcher sich aus energetischen und nicht-energetischem Konsum
definiert, ein Rückgang von durchschnittlich 89 Mio. € pro Jahr. Aufgrund der Förderung
von Erneuerbaren in Form von Investitionsförderungen in der Stromproduktion und Beimi-
schungsverpflichtungen von Biokraftstoffen im Verkehrssektor ergeben sich ab dem Jahr
2004 höhere Kosten für private Haushalte. Da diese im Vergleich zu Unternehmen nicht in
der Lage sind, Mehrbelastungen auf Güterpreise überzuwälzen, kommt es trotz des aus
dem Wirtschaftswachstum resultierenden Anstiegs der Löhne und des verfügbaren Ein-
kommens zu einem leichten Rückgang des privaten Konsums. Dieser Effekt wird jedoch
durch die Erhöhungen der Investitionen und der Nettoexporte deutlich kompensiert.
Bezüglich der Anzahl der Beschäftigten ergaben sich in Österreich durch die Umstellung
des Energiesystems inklusive Beschäftigungsverhältnisse infolge von Sekundäreffekten
ca. 5.570 Beschäftigte im Jahr 2011 im Vergleich zu einer Situation ohne Forcierung von
Erneuerbaren. Dies entspricht über die gesamte Beobachtungsdauer von 2000 bis 2011
einem um durchschnittlich etwa 3.300 Personen höheren Beschäftigungsniveau in Öster-
reich in Relation zu einer Situation ohne Umstellung des Energiesystems auf erneuerbare
Energieträger.
Zudem ändern sich durch die erzielten volkswirtschaftlichen Auswirkungen auch die
Steuereinnahmen für die öffentliche Hand. In Folge der intensiveren Nutzung von erneu-
erbaren Energieträgern kommt es infolge des geänderten Energieverbrauchs und somit
niedrigerer Energiesteuereinnahmen (-186 Mio. € pro Jahr, wobei ca. zwei Drittel auf
Rückgänge der Mineralölsteuereinnahmen zurückzuführen sind), von geringeren Mehr-
wertsteuereinnahmen durch den privaten Konsum nicht-energetischer Güter (-4 Mio. € pro
Jahr), von zusätzlichen Einnahmen aus Steuern und Abgaben für zusätzlich Beschäftigte
(67 Mio. € pro Jahr), zu einer durchschnittlichen Reduktion der öffentlichen Einnahmen
um 123 Mio. € pro Jahr. Abbildung 56 und Abbildung 57 sowie Tabelle 15 stellen die Er-
gebnisse graphisch und tabellarisch dar, wobei die Kompensation der geringeren Steuer-
einnahmen an dieser Stelle nicht berücksichtigt wird.