ArticlePDF Available

Serangeli, J., Böhner, U. 2012. Die Artefakte von Schöningen und deren zeitliche Einordnung. In: K.-E. Behre (Hrsg.), Die chronologische Einordnung der paläolithischen Fundstellen von Schöningen. The chronological setting of the Palaeolithic sites of Schöningen. Forschungen zur Urgeschichte im Tagebau von Schöningen 1 (Mainz 2012) 23-37.

Authors:
Römisch-Germanisches Zentralmuseum
Forschungsinstitut für Archäologie
Niedersächsischen Landesamt
für Denkmalpflege
Römisch-Germanischen Kommission
des Deutschen Archäologischen Instituts
DIE CHRONOLOGISCHE EINORDNUNG
DER PALÄOLITHISCHEN FUNDSTELLEN
VON SCHÖNINGEN
THE CHRONOLOGICAL SETTING
OF THE PALAEOLITHIC SITES
OF SCHÖNINGEN
Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 2012
Karl-Ernst Behre (Hrsg.)
Redaktion: Karl-Ernst Behre; Martin Schönfelder (RGZM)
Satz: Manfred Albert (RGZM);
Michael Braun (Datenshop Wiesbaden)
Umschlaggestaltung: Reinhard Köster (RGZM)
unter Verwendung eines Fotos von Utz Böhner
sowie einer Grafik von Felix Bittmann
Bibliografische Information
der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in
der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN 978-3-88467-204-4
© 2012 Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums
Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begrün -
deten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nach -
drucks, der Entnahme von Abbildungen, der Funk- und Fernseh-
sen dung, der Wiedergabe auf fotomechanischem (Fotokopie,
Mikrokopie) oder ähnlichem Wege und der Speicherung in
Datenverarbei tungs anlagen, Ton- und Bild trägern bleiben, auch
bei nur auszugsweiser Verwertung, vor be halten. Die Vergü tungs -
ansprüche des § 54, Abs. 2, UrhG. werden durch die Verwer -
tungs gesellschaft Wort wahrgenommen.
Druck: Beltz Bad Langensalza GmbH
Printed in Germany.
Gefördert durch
Johanna Wanka
Grußwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII
Stefan Winghart
Vorwort zur neuen Reihe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IX
Karl-Ernst Behre
Vorwort zum ersten Band . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XIII
Jordi Serangeli · Utz Böhner · Henning Haßmann · Nicholas J. Conard
Die pleistozänen Fundstellen in Schöningen – eine Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
Jordi Serangeli · Utz Böhner
Die Artefakte von Schöningen und deren zeitliche Einordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Jörg Lang · Jutta Winsemann
The 12II DB outcrop section at Schöningen: sedimentary facies and depositional architecture . . . . . . 39
Klaus-Dieter Meyer
Stratigraphie des Saale-Komplexes in Niedersachsen und die Schöninger Profile . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
Brigitte Urban · Melanie Sierralta
New palynological evidence and correlation of Early Palaeolithic sites Schöningen 12 B and 13 II,
Schöningen open lignite mine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
Felix Bittmann
Die Schöninger Pollendiagramme und ihre Stellung im mitteleuropäischen Mittelpleistozän . . . . . . . . 97
Thijs van Kolfschoten
The Schöningen mammalian fauna in biostratigraphical perspective . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113
Rudolf Musil
Die stratigraphische Anwendung der Evolution der Pferde im Hinblick auf die Funde
von Schöningen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125
Danielle Schreve
The Reinsdorf interglacial (Schöningen II) mammalian assemblage in its European context . . . . . . . . . 129
V
INHALT
VI
Melanie Sierralta · Manfred Frechen · Brigitte Urban
230Th/U dating results from opencast mine Schöningen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143
Mebus A. Geyh · Matthias Krbetschek
Zum radiometrischen Alter des Holstein-Interglazials . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155
Daniel Richter · Hartmut Thieme
One first chronometric date for the Lower Palaeolithic occupation at Schöningen 13 I . . . . . . . . . . . . 171
Utz Böhner · Jordi Serangeli
Literaturverzeichnis zu den pleistozänen Fundstellen und den
naturwissenschaftlichen Untersuchungen im Tagebau Schöningen bis Juli 2012 . . . . . . . . . . . . . . . . . 183
Autorenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 193
JORDI SERANGELI · UTZ BÖHNER
DIE ARTEFAKTE VON SCHÖNINGEN
UND IHRE ZEITLICHE EINORDNUNG
Eine Analyse der archäologischen Hinterlassenschaften der pleistozänen Fundstellen von Schöningen
(Lkr. Helm stedt) zeigt verschiedene Aspekte, die unter einer chronologischen Betrachtung relevant sind und
zu einer relativchronologischen Einordnung führen. Trotz möglicher Vergleiche, Parallelen und teilweisen
Übereinstimmungen, die man mit anderen paläolithischen Fundstellen führen kann, ist aber eine feine
absolutchronologische Einordnung allein anhand der archäologischen Hinterlassenschaften methodisch
nicht zu erzielen.
Die Analyse stützt sich auf publizierte Funde so wie auf Erkenntnisse, die bei den Ausgrabungen in den
Jahren 2008 und 2009 am »Deutsche-Bahn-Pfeiler« (DB-Pfeiler, Schöningen 12 II) an mehreren Fundplätzen
und seit 2010 bei der Fundstelle Schöningen 13 II gewonnen werden konnten. Die Ergebnisse sind als
vorläufig zu bezeichnen und werden durch die Aufarbeitung des Fundmaterials und durch weitere Aus -
grabungen in Schöningen in den nächsten Jahren mit Neufunden konfrontiert werden.
Schließlich muss betont werden, dass die Artefakte auf wiederholte, meist kurzfristige Aufenthalte hin -
weisen. Diese sind vorwiegend mit dem Jagen und Schlachten verbunden, also funktionsspezifische Aktivi -
täten, die den Charakter der Inventare überprägen.
DIE HOLZARTEFAKTE
Die Fundstellen im Tagebau Schöningen sind insbesondere durch ihre zahlreichen Holzartefakte bekannt
geworden, wozu in erster Linie die Klemmschäfte in der Fundstelle Schöningen 12 B, Verlandungsfolge 1,
und die Speere in der Fundstelle Schöningen 13 II, Verlandungsfolge 4, gehören.
Die vier als Klemmschäfte publizierten Holzartefakte, die aus den Ausgrabungen von Schöningen 12 B von
1992 stammen, sind jeweils aus Astansätzen der Weißtanne (Abies alba) hergestellt worden und zwischen
17 cm und 32 cm lang. Entsprechende Vergleiche sind für das Paläolithikum bis jetzt nicht bekannt. Auf -
grund des hohen Alters der Fundstelle, die nach derzeitigen Analysen (vgl. Beitrag Urban in diesem Band) in
das gleiche Interglazial wie die Speerfundstelle datiert, werden sie von Hartmut Thieme als die ältesten
Kompositwerkzeuge betrachtet (Thieme 2007, 195; Villa / d’Errico 2001, 70; McNabb 2007, 239). Ihre Stan-
dardisierung spricht für eine zweckgebundene Funktion. Weitere Klemmschäfte traten in situ im Befund-
kontext bei der Fortsetzung der Ausgrabung am DB-Pfeiler (Fundstelle Schöningen 12 II Plateau 0 und 1 von
2007 bis 2008) auf. Alle Klemmschäfte stammen aus der Phase des Klimaoptimums des Interglazials. Bei
keiner der anderen Fundstellen in Schöningen wurden bis jetzt vergleichbare Werkzeuge beobachtet.
Die acht publizierten Speere vom Fundplatz Schöningen 13 II, Verlandungsfolge 4, sind überwiegend voll-
ständig erhalten und weisen Längen zwischen 1,80 und 2,50 m und ein Gewicht von ca. 500 g (Thieme
1999; 2007) auf. Die Dimensionen heutiger Speere bei den Olympischen Spielen besitzen bei den Herren
Längen zwischen 2,60 und 2,70 m bei einem Gewicht von ca. 800 g, bei den Damen Längen zwischen 2,20
und 2,30 m, das Gewicht beträgt ca. 600 g. Die Speere sind nach vordefinierten Kriterien hergestellt wor -
23Die chronologische Einordnung der paläolithischen Fundstellen von Schöningen
den, was für eine klare Planung spricht. Von den acht Speeren sind sieben aus Fichte (Picea sp.) und einer
aus Kiefer (Pinus sylvestris) gefertigt (Schoch 2007). Der Schwerpunkt liegt auf dem vorderen Drittel. Bei
vier Exemplaren war auch die Basis des Speeres erhalten und spitz zugerichtet. Diese Merkmale könnten
für eine bessere Aerodynamik bei dem Wurf und für mehr Durchschlagskraft und Treffsicherheit gesorgt
haben (Thieme 2007, 150). Es ist interessant zu vermerken, dass die Spitzen nicht genau in der Mitte der
Achse, sondern leicht seitlich davon liegen. Vermutlich ist dieses technische Detail darauf zurückzuführen,
dass man die Schwachstelle des Markstrahls nicht an der Spitze haben wollte, weil diese Stelle beim Impakt
am meisten von Beschädigungen gefährdet ist. Ein solches Detail ist auch bei anderen vermeintlichen
Speeren bzw. Lanzen (Torralba, prov. Soria/E; Lehringen, Lkr. Verden) zu beobachten. Die paläolithischen
Speere aus Schöningen lassen sich in ihren Maßen und Details sehr gut mit heutigen Wurfspeeren verglei-
chen, was bedeutet, dass auch die Menschen, die diese Speere hergestellt und verwendet haben, mit den
heutigen Menschen kör per lich und motorisch vergleichbar waren. Experimentelle Versuche unterstützen
die Interpretation als Wurfspeere (Rieder 2007; Steguweit 1999). Auch die Denkprozesse und die Tradition,
die zur Her stellung und Nutzung eines Wurfspeers vorausgesetzt werden müssen (Haidle 2006, 289-297),
zeigen, dass die Menschen, die diese Speere hergestellt und verwendet haben, mit den heutigen Menschen
in ihrer Planungstiefe vergleichbar sind.
Die gesamte Befundsituation, in der die Speere mit den Knochenresten von über 20 Wildpferden ein -
gebettet waren, spricht laut H. Thieme für ein komplexes Jagdereignis, bei dem mehrere Menschen durch
optimale Nutzung der topografischen Situation während der Jagd zusammen als Gruppe gewirkt haben
müssen (Thieme 2007). Dies setzt eine entwickelte soziale Bindung zwischen den einzelnen Individuen
dieser Gruppe voraus. Die These einer Herdenjagd kann aber erst nach Abschluss der archäologischen
Ausgrabungen, der archäozoologischen Untersuchungen und dem Zusammenpassen aller Fragmente veri-
fiziert werden. Erste Untersuchungen (Voormolen 2008; van Asperen 2009) haben gezeigt, dass der Be -
fund komplexer ist und neben den Pferden in den Werkzonen auch weitere Tiere als Jagdbeute zerlegt
wurden. In welchem zeitlichen Verhältnis diese zu dem Wildpferdjagdlager stehen, müssen weitere Studien
zeigen.
Es gibt nur wenige Vergleichsfunde zu den Schöninger Speeren. Unter der Kategorie der paläolithischen
Speere/Lanzen seien hier zuerst die Funde aus Lehringen und Clacton-on-Sea (Essex/GB) erwähnt. Als
weitere Vergleiche wurden die Funde aus Bilzingsleben (Lkr. Sömmerda), Stuttgart-Bad Cannstatt und Tor -
ralba herangezogen. In der jungpaläolithischen Fundstelle von Krems-Hundssteig konnten vor wenigen
Jahren zahlreiche kalzifizierte Spuren von Hölzern dokumentiert werden. Aus dem Mesolithikum Nord-
deutschlands sind zudem Friesack (Lkr. Havelland) und Hohen Viecheln (Lkr. Nordwestmecklenburg) zu
erwähnen.
Die Lanze von Lehringen (Thieme / Veil 1985) wurde 1948 entdeckt. Sie besteht aus Eibenholz (Taxus)
und ist in elf Teilstücke zerbrochen. Die ursprüngliche Länge betrug 2,38 m. Der Querschnitt beträgt an
der Basis 3,1 cm und verjüngt sich bis fast zur Spitze auf 2 cm. Aufgrund dieser Formgebung wird sie als
Stoßlanze interpretiert. Da die Spitze zusätzlich abgerundet ist, wurde sie wahrscheinlich auch als Grab-
stock verwendet. Interessant ist an dieser Stelle zu vermerken, dass die Spitze wie bei den Speeren von
Schöningen nicht genau in der Mitte liegt, sondern etwas seitlich. Die Datierung der Lanze von Lehringen
in das Eem-Interglazial (OIS 5e), also vor ca.125 000 bis 115 000 Jahren, ist vegetationsgeschichtlich gut
gesichert.
Vom Speer aus Clacton-on-Sea ist nur die Spitze erhalten. Die Spitze ist aus Eibe (Taxus) gefertigt, wahr-
scheinlich ein Astfragment, und war bei der Entdeckung 38,7 cm lang (Oakley u. a. 1977). Sie wurde 1911
in Flussablagerungen ohne weiteren archäologischen Kontext entdeckt. Die Ablagerungen werden zum
Hoxnian-Interglacial (OIS 13 nach Schmitt u. a. 2003; OIS 11 nach Gibbard u.a. 2007; OIS 9 nach Roberts
24 J. Serangeli · U. Böhner · Die Artefakte von Schöningen und ihre zeitliche Einordnung
u. a. 1995, 166) gerechnet, das von zahlreichen Autoren (u. a. Mania / Mania 1998, 32) mit dem Holstein
gleich gesetzt wird.
Von den möglichen Speeren/Stoßlanzen von Bilzingsleben gibt es aufgrund der Natur der Fundstelle, einer
Travertinablagerung, nur schlecht erhaltene, kalzifizierte bzw. fossilisierte Reste von Hölzern bzw. deren
Abdrücke (Mania / Mania 1998). Anhand der publizierten Daten wurden Hinweise auf mindestens drei
mögliche Speere publiziert, die alle über 2 m lang waren. Für den Längsten wurde eine Länge von mindes -
tens 2,2 m angegeben. Weder Holzartbestimmungen, noch Hinweise auf Bearbeitungsspuren liegen vor.
Die Interpretation, als mögliche Speere hat sich bei Dietrich Mania erst aufgrund der Parallele mit den
Speeren von Schöningen aufgedrängt. Vorher hielt er diese Interpretation selbst für ungesichert (Mania /
Mania 1998, 33). Diese Funde sind als denkbare Speere/Stoßlanzen zu nennen, gleichzeitig entziehen sie
sich aber aufgrund des äußerlich schlechten Erhaltungszustands einer kritischen Überprüfung. Die Fund-
stelle von Bilzingsleben wird in das Holstein-Interglazial datiert. Eine detaillierte Analyse der taphonomi-
schen, insbesondere der natürlichen Prozesse, die zur Entstehung der Fundstelle geführt haben, wurde erst
vor wenigen Jahren angegangen (Pasda u. a. 2007).
Aus der Travertinfundstelle »Steinbruch Haas« von Bad Cannstatt (Wagner 1995, 54-58) ist aus den Gra -
bungen von 1987 ein mögliches Speerfragment bekannt, von dem jedoch nur einige Fotos, Zeichnun gen
und Holzreste existieren, die aber alle kaum die Größe eines Streichholzes überschreiten. Der mögliche
Speer ist bei der Bergung aufgrund des äußerst schlechten Erhaltungszustands auseinander ge brochen.
In seiner ursprünglichen Größe soll er ca. 2,20m Länge erreicht haben. Der Querschnitt be trägt ca. 4 cm
für die ersten 1,75 m der Lanze, die restlichen 45 cm stellen die sich verjüngende Spitze dar. Als Holz
wurde der Feldahorn (Acer campestre) verwendet. Hinweise auf Bearbeitungsspuren liegen nicht vor. Die
Fundstellen von Bad Cannstatt (Steinbruch Haas, Steinbruch Lauster und Fundstelle »Bun ker«) wurden
von Eberhard Wagner aufgrund verschiedener Datierungen und der Terrassenbildung am Neckar im
Mindel-Riß-Interglazial gesehen, wobei er eher eine Einordnung in die jüngere Phase (OIS 7, also
ca. 200000 bis 250 000 Jahre) als in die ältere Phase (OIS 9, also ca. 300 000 bis 330 000 Jahre) be vor -
zugt (Wagner 1995, 83). Leider muss hier betont werden, dass bis jetzt für die Fundstelle Bad Cannstatt
eine detaillierte und kritische Analyse der taphonomische Prozesse fehlt, die zur Entstehung der Fund-
stelle geführt haben.
In Torralba wurde, neben den zahlreichen Holzfunden und Spitzen aus Knochen und Elfenbein (die laut den
detaillierten Untersuchungen von Villa / d’Errico 2001 jedoch nicht intentionell hergestellt wurden), auch
ein Holzstück entdeckt, dass als eine Speerspitze interpretiert wurde. Diese vermeintliche Speerspitze soll
zwischen Elefantenknochen gelegen haben (Biberson 1964). Dieser Befund wird von zahlreichen Kollegen
angezweifelt und die Interpretation der Fundstelle hat sich im Laufe der Jahre und in manchen Aspekten
stark verändert (Yravedra Sainz de los Terreros 2000, 11).
In Krems-Hundssteig (Neugebauer 2008) in Niederösterreich konnten vor wenigen Jahren mehrere kalzifi-
zierte Spuren von Hölzern festgestellt werden. Die Fundstelle gehört dem Technokomplex des Gravettiens
an und wird zwischen 29 000 und 27 000 Jahren vor heute datiert. Der Erhaltungszustand der kalzifizierten
Reste war so, dass nur bei einigen Objekten diese sicher als Naldelholz (pinus) interpretiert werden konnten.
Bearbeitungsspuren ließen sich aufgrund der Erhaltungsbedingungen nicht erkennen. Zwei Objekte errei-
chen bei einer Breite von 2 bis 3 cm eine Länge von 2,30 bzw. 1,70 m. »Die gleichsam gebündelte Lage
dieser langen, unverzweigten Stücke erweckt zumindest den Eindruck bewusst hergerichteter und de -
ponierter Hölzer. Auch wenn die Proportion des längsten Stückes sehr gut mit denen bekannter Holzspeere
übereinstimmt, kann natürlich keine Bearbeitung an diesen Objekten nachgewiesen werden. Es scheint
aber dennoch, dass der Befund in Zusammenhang mit anthropogener Aktivität gesehen werden kann«
(Neugebauer-Maresch 2008, 147).
25Die chronologische Einordnung der paläolithischen Fundstellen von Schöningen
Schließlich sei hier auf zwei mesolithische Fundstellen aus Norddeutschland Friesack in Brandenburg und
Hohen Viecheln in Mecklenburg-Vorpommern hingewiesen, in denen aufgrund von hervorragenden Erhal-
tungsbedingungen unter den einmaligen organischen Resten auch Hölzer erhalten geblieben sind. In Frie-
sack sind mindestens zwei bearbeitete Fragmente aus Kiefer (Pinus sp.) belegt, die als Speere interpretiert
werden können (Gramsch 2002, 91-93). In Hohen Viecheln sind ebenfalls zahlreiche bearbeitete Holzreste
entdeckt worden (Schuldt 1961). Ein Stab aus Kiefernholz (Pinus sp.) ist ca. 2 m lang, allseitig bearbeitet
und verjüngt sich von einem zum anderen Ende. In der nähe der Spitze befinden sich einige Einkerbungen.
Dieses Objekt wird als Speer, der vielleicht mit einer Knochenspitze versehen war, interpretiert. Weitere in
Bruchstücken erhaltene Holzschäfte könnten auf weitere Speere hinweisen.
Möchte man nun aus der Kategorie der Speere Argumente für eine chronologische Einordnung suchen,
fällt dies sehr schwer. Insbesondere muss man bedenken, dass die Speere von Schöningen, obwohl sie die
ältesten vollständig erhaltenen Speere der Menschheit sind, funktional schon eine hohe Standardisierung
und zum Teil eine zweckgebundene »Perfektion« aufweisen (vgl. Thieme / Maier 1995; Steguweit 1999).
Wenn die ältesten schon »perfekt« sind, ist dies das Ende jener technologischen Evolution, deren Anfänge
uns bisher unbekannt sind. Ab dem Holstein-Interglazial scheinen Speere/Lanzen regelhaft zur Grundaus-
stattung gehört zu haben.
FEUERSPUREN
In Schöningen gibt es zahlreiche angekohlte Hölzer, die im Kontext mit Faunenmaterial und Steinarte fakten
gefunden wurden (Abb. 1). H. Thieme beschreibt in der Fundstelle Schöningen 13 II, Verlandungs folge 4,
vier in situ-Fundstellen (u. a. Thieme / Meier 1995, 106; Schiegl / Thieme 2007). Die Feuerstellen wurden
zum Teil aufgedeckt und die Reste längere Zeit verpackt stehen gelassen. Solveig Schiegl betont in ihrem
Beitrag über ihre Analysen an Sedimentproben aus »Feuerstelle 1« (Schiegl / Thieme 2007), dass »Quarz-
körner mit Rissbildungen« stark für eine Hitze einwirkung sprechen. Andererseits, erwähnt sie ebenfalls,
dass die Molluskenschalenreste in den Dünn schliffen »ein frisches Aussehen« zeigen, und dass, bei starker
Hitzeeinwirkung die feinen Mollu sken schalen zersprungen sein sollten (Schiegl / Thieme 2007, 171).
Bei der von 2010 bis 2011 durchgeführten Ausgrabung der Feuerstellen konnten keine angebrannten Höl -
zer, Knochen und thermisch veränderte Steinartefakte sowie keine makroskopische Anhäufung von Holz-
kohle beobachtet werden. H. Thieme hat auch keine Belege dieser Art aus den erwähnten Feuerstellen publi-
ziert. Derzeit werden Proben aus allen vier Feuerstellen mikromorphologisch untersucht.
Interessanterweise wurden in Schöningen bisher ausschließlich ver- oder angebrannte Hölzer, jedoch kaum
angebrannte Knochen entdeckt. Knochenkohlen konnten bislang nicht nachgewiesen werden. Ein Ver zicht
auf Knochen als Brennmaterial, sowohl in den interglazialen Fundstellen, wie auch den folgenden früh -
glazialen Abschnitten, zu denen auch der Speerhorizont gezählt wird (Urban 2007), ist auffällig. In Fund -
stellen des Neandertalers treten hingegen regelhaft Knochenkohlen in großer Anzahl auf (z. B. in der
Sesselfelsgrotte: Richter 1997; Böhner 2009). Die Beschaffung von Holz, insbesondere zur Zeit des Speer-
horizontes mit seiner offenen Vegetation (Beitrag Urban in diesem Band) stellt einen nicht zu unterschät-
zen den Arbeitsaufwand dar.
Im Hinblick auf die Datierung ist zu vermerken, dass die Beherrschung des Feuers in Mitteleuropa erst ab
der Zeit nach der Mindel- bzw. Elster-Eiszeit regelhaft nachweisbar ist (u. a. Beeches Pit, Suffolk/GB; Nizza/
Terra Amata, dép. Alpes-Maritimes/F; Plouhinec/Menez Dregan, dép. Finistère/F, und Vértesszölös, Kom.
Komárom-Esztergom/H: Gowlett 2006). Einige »Feuerstellen« aus Bilzingsleben und die Interpretation
26 J. Serangeli · U. Böhner · Die Artefakte von Schöningen und ihre zeitliche Einordnung
Daniel Richter der Meinung ist, dass diese kein Beweis für eine intentionelle Nutzung von Feuer sind (Richter
2007, 64). Auch der Nachweis von Feuer liefert somit keinen Ansatzpunkt für die Datierung der Fund-
stellen.
KNOCHEN MIT SCHNITTSPUREN
In Schöningen liegen zahlreiche Knochen mit Schnittspuren vor (Thieme / Meier 1995, 67; Thieme 2007,
124. 186. 198. 201; Voormolen 2008). Sie zeigen, dass Tiere – in erster Linie Pferde – geschlachtet wurden.
Unter den zahlreichen Funden dieser Gruppe sei auf einen Knochen mit »regelmäßigen« Schnittspuren hin -
gewiesen. Hier schließen wir uns der Argumentation von Boudewijn Voormolen (2008, 112) an: »These cut
marks point to either meticulous filleting of the medial rib side resulting from removing of organs or
complete defleshing of the inside of the trunk, or it represents some kind of creative treatment of the rib
by a stone-tool using hominid.« An dieser Stelle ist die Ähnlichkeit dieser Schnittspuren mit Strichfolgen
aus Bilzingsleben zu betonen.
Auch in den letzten Grabungskampagnen wurden zahlreiche Knochen entdeckt, die Schnittspuren auf -
weisen. Die Schnittspuren sprechen für einen bewussten Einsatz von Steinartefakten zum Zweck der Zer -
legung von Tieren. Aus den Schnittspuren lässt sich jedoch ebenso keine chronologische Information ableiten.
KNOCHEN MIT SCHLAGSPUREN
Zahlreiche Knochen weisen intentionale Schlagspuren auf. Manche sind zur Markgewinnung zerschlagen
worden (Thieme 2007, 184-185; Voormolen 2008), andere scheinen aber mehr als nur dem Zweck der
Markgewinnung gedient zu haben und können schon als Übergang zu den Knochenartefakten gesehen
werden. Einige Langknochen zeigen Spuren »probably created by hammering during stone tool production
or curation« (Voormolen 2008, 40. 73).
Das Aufschlagen der Knochen oder die Nutzung von Knochen zum Schlagen hat in allen Zeitepochen
ähnliche Spuren hinterlassen. Daher ist auch diese Fundgattung nicht in der Lage, chronologische Infor-
mation zu liefern.
27Die chronologische Einordnung der paläolithischen Fundstellen von Schöningen
Abb. 1 Schöningen 13 II-2. – Gut erhaltenes, angekohl-
tes Holzstück. – (Foto W. Mertens).
dieser Fundstelle als ein über Jahrzehnte bestehendes
»Homebase« mit permanenten Zelten werden von
manchen Autoren stark in Frage gestellt (Steguweit
2003, 39-40). In anderen Regionen wird eine Feuer -
nutzung schon viel früher postuliert, wie z. B. in Swart-
krans in Südafrika (Andre u. a. 2010) oder in Benot
Ya’aqov in Israel (Alper son-Afil u.a. 2007).
Bezüglich der Feuernutzung sei hier ergänzend erwähnt,
dass H. Thieme davon ausgeht, dass »die ge brannten
Feuersteine aus der Fundstelle Schöningen 13 I die
ältesten konkreten Nachweise der Feuernutzung durch
den Urmenschen in Deutschland« sind, und mit zu den
ältesten in Europa zählen (Thieme 2007, 214), während
KNOCHENARTEFAKTE
Zu den möglichen Knochenartefakten aus Schöningen gehören mehrere Objekte, die einerseits geschlagen,
andererseits aber danach durch Verwendung geglättet wurden. Die Art der Verwendung ist noch unklar.
Die Objekte werden derzeit in Tübingen näher untersucht. Objekte mit vom Wasser verursachten Abrun-
dungen wurden zwar von Voormolen erwähnt, die Art der Abrundung und der Einfluss vom Wasser aber
gleichzeitig als begrenzt angesehen (Voormolen 2008, 42). Bei einigen Neufunden aus den Grabungen am
DB-Pfeiler der Fundstelle Schöningen 12 II ist jeweils ein Ende so stark abgerundet, dass unserer Meinung
nach kaum natürliche Prozesse für die Entstehung in Frage kommen. Andere Kanten derselben Knochen
zeigen hingegen keinerlei Spuren von Abrundung.
In der Literatur findet man für solche Abnutzungsspuren hauptsächlich zwei Erklärungen. Die eine ist die
Verwendung dieser Knochen als Grabstöcke, z. B. um Wurzeln, Knollen, Insekten oder sonstige Nahrung
zu erreichen. Eine derartige Nutzung wird an der Fundstelle Swartkrans schon für Australopithecus robus -
tus vorgeschlagen, der damit Insekten und insbesondere Termiten ausgegraben haben soll (Backwell /
d’Errico 2001). Wir haben schon erwähnt, dass eine Verwendung des Speeres aus Lehringen als Grabstock
angenommen wird, und auch für die Speere in Schöningen ist dies nicht auszuschließen. Ebenso ist bei den
abgerundeten Knochen aus Schöningen eine Verwendung in dieser Weise ebenfalls vorstellbar. Manche
Knochen sind jedoch zu stark poliert, um nur als Grabstöcke verwendet worden zu sein. Eine Nutzung
(auch) zur Lederverarbeitung scheint uns viel überzeugender. Die Verwendung von Leder und Fellen für
Kleidung oder für die Herstellung von Zelten ist überhaupt die Voraussetzung für ein längerfristiges Über-
leben in Mitteleuropa. Felle, Häute und Leder wurden vermutlich durch die Verwendung von Schabern vom
Fleisch befreit (vgl. Thieme 2007, 144). Eine feinere Bearbeitung kann jedoch nicht mit scharfkantigen
Gegenständen wie Steinartefakten durchgeführt worden sein, sondern eher mit Holz- oder eben mit
Knochenartefakten. Leider treten Knochenartefakte in diesem Zeitraum nur selten auf, so dass kein chro-
nologischer Rahmen dafür, geschweige denn eine technische Entwicklung zu erkennen ist. Daher sind,
außer dem wieder erbrachten Beweis für vielseitige und komplexe menschliche Aktivitäten in Schöningen,
auch die Knochenartefakte keine Hilfe für eine feinere chronologische Einstufung.
DIE STEINARTEFAKTE
Bevor man über die Steinartefakte aus Schöningen als Produkt menschlicher Einwirkung spricht, muss auf
das Silex-Rohmaterial und seine Herkunft eingegangen werden.
Zahlreiche Funde aus Deutschland, die in das Mittelpleistozän datieren, stammen aus Kiesgruben bzw.
Tagebauen, wie z. B. Hundisburg (Lkr. Börde) und Wallendorf (Saalekreis) sowie Markkleeberg (Lkr. Leip -
zig). Es scheint so, als ob die mächtigen, lockeren Schotter- und Sandlagen von Flüssen bzw. Seeufern eine
starke Anziehungskraft auf den Menschen ausgeübt haben (Weber 2004). Dies ist nur verständlich, wenn
man sich vorstellt, dass die Landschaft durch zum Teil dichte Vegetation überprägt war. Man kam nur an
bestimmten Stellen leicht an das Rohmaterial, zum Beispiel dort, wo die Flüsse Schotter abgelagert hatten,
oder wo durch Erosion ältere Schichten frei zugänglich waren.
Das Silex-Rohmaterial für die Artefakte, die in den Fundstellen von Schöningen entdeckt wurden, stammt
aus den Elster-Grundmoränen vor Ort, sei es direkt von der Moräne selbst, sei es aus Kiesablagerungen, bei
dem Material aus der Moräne durch Erosion umgelagert wurde. In der Elster-Grundmoräne in Schöningen
kommen einzelne Knollen aus Baltischem Feuerstein mit einem Gewicht von über 10 kg vor. In einer Schot-
28 J. Serangeli · U. Böhner · Die Artefakte von Schöningen und ihre zeitliche Einordnung
29Die chronologische Einordnung der paläolithischen Fundstellen von Schöningen
Abb. 2 Schöningen 12 II, Plateau 6. – Messerartiges Gerät, L. 9,56 cm: aZeichnung; bFoto. – (Zeichnung S. Boos, Fotos Ch. S. Fuchs).
a
b
terschicht direkt unter der Fundstelle Schöningen 12 II, Plateau 6, und unterhalb der Fundstelle 13 II, in den
hellgrauen Beckenschluffen (Thieme 2007, 92) treten zahlreiche faustgroße Feuerstein-Gerölle auf. Es ist
also anzunehmen, dass auch in Schöningen an verschiedenen Stellen während der Anwesenheit des Men -
schen in der Altsteinzeit Silex als Rohmaterial in der unmittelbaren Umgebung zugänglich war, vor Ort ge -
sam melt und verwendet wurde. Dies kann erklären, wieso viele der Artefakte an Frostscherben gefertigt
wurden bzw. Frostnegative aufweisen. Es gab anscheinend keine Notwendigkeit ausschließlich frische
Knollen zu schlagen, um gute Abschläge zu erhalten. Manchmal reichten auch natürliche Frostscherben aus.
Dies zeigt eine klare opportunistische Handlungsweise. Wir wissen, dass die Menschen aus der Zeit zwischen
der Elster- und Saale-Eiszeit in der Lage waren, hervorragende Faustkeile herzustellen. Ein ge schickt retu-
schiertes »Messer« (Abb. 2), ein exzellenter Schaber (Abb. 3) und ein gebuchtetes Steinartefakt (Abb. 4),
die bei den Ausgrabungen am DB-Pfeiler (Fundstelle Schöningen 12 II) entdeckt wurden, belegen, dass das
Fehlen von Faustkeilen in Schöningen nicht auf eine wie auch immer zu verstehende mindere Fähigkeit der
Menschen zurückzuführen ist. In Schöningen wurden die meisten Artefakte, wenn möglich, mit wenig Auf -
wand hergestellt, und natürliche Frostscherben aus hervorragendem Material bildeten die idealen Grund-
formen. Möglicherweise wurden sogar teils völlig natürliche Feuersteine als Werkzeuge ver wendet, bei
denen man mit bloßem Auge keine Bearbeitungsspuren erkennen kann. Mehrere in ihrer Ent stehung als
natürliche Frostscherben anzusprechende Artefakte sind durch den Men schen in die Fundschicht ge bracht
worden. Aufgrund der noch heute scharfen Kanten ist ein weiter natürlicher Transport, d.h. eine Umlage-
rung auszuschließen. Die Tatsache, dass unretuschierte Kanten verwen det worden sind, zeigt ein Abschlag
(Abb. 5) aus der Grabung von 2009, bei dem eine feine Gebrauchsretusche zu erkennen ist.
30 J. Serangeli · U. Böhner · Die Artefakte von Schöningen und ihre zeitliche Einordnung
Abb. 3 Schöningen 12 II, Plateau 6. –
Schaber, L. 4,85cm: aZeichnung; bFoto. –
(Zeichnung S. Boos, Fotos Ch. S. Fuchs).
a
b
Ein weiterer Aspekt, der die Natur der Steinartefakte in Schöningen prägt, sind die Aktivitäten, die vor Ort
statt gefunden haben. Wie schon erwähnt, handelt es sich vermutlich meist um nur kurzfristige Aufenthalte,
die in erster Linie mit der Jagd und dem Schlachten von Großsäugern in Zusammenhang stehen. Frost-
scherben, die vom Menschen in der näheren Umgebung aufgelesen wurden, konnten sofort eingesetzt
werden, um z. B. Fleisch von den Knochen abzutrennen und sind daher meistens als kurzlebige Gelegen-
heitsartefakte anzusehen, die zu einem klaren Zweck aufgelesen und manchmal auch retuschiert worden
sind. Eine einfache, opportunistische Antwort auf einen unmittelbaren Bedarf ist sicher menschlich, so wie
die »einfachen« Steinartefakte aus Fundstellen des Eem-Interglazials wie Gröbern oder Lehringen zeigen.
Die Menschen haben neben einer aufwendigen und genau geplanten und genormten chaîne opératoire
für die Herstellung von einigen Artefakten, wie z. B. für die Speere so wie für manche Stein- und Knochen-
artefakte, wie auch für Kleidung und zeltartige Konstruktionen, die vorausgesetzt werden müssen, auch
eine alternative einfache Strategie mit der Anwendung zeitlich eng begrenzter Handlungen durchgeführt,
31Die chronologische Einordnung der paläolithischen Fundstellen von Schöningen
Abb. 5 Schöningen 12 II, Plateau 4. – Einfacher Abschlag, L. 2,80 cm, B. 4,60 cm: aZeichnung; bFoto. – (Zeichnung S. Boos, Fotos
Ch. S. Fuchs).
Abb. 4 Schöningen 12 II, Plateau 6. –
Gebuchtetes Steinartefakt, L. 4,00cm:
aZeichnung; bFoto. – (Zeichnung
S. Boos, Fotos Ch. S. Fuchs).
a
b
ba
die auf ein unmittelbares Ergebnis zielte. Dazu gehören nicht nur das Sammeln und die Verwendung von
Feuerstein sondern auch das Sammeln von Holz für das Feuer oder das Schöpfen des Wassers aus nahe
gelegenen Gewässern.
Betrachtet man die Steinartefakte unter diesem Blickwinkel, dann ist es klar, dass nur die zeitaufwendigere
Option die Hoffnung lässt, Handlungsketten aus den Steinartefakten zu konstruieren, die zu einer ge naue -
ren chronologischen Einordnung führen könnten. Diese sind aber bei kurzfristigen Aufenthalten eher nicht
zu erwarten. An diese Stelle sei darauf hingewiesen, dass D. Mania für Schöningen Quinson- und Tayac-
Spitzen sowie flächenretuschierte faustkeilartige Spitzen erwähnt (Mania 1995; 2010). H. Thieme nennt
diese Funde jedoch nicht, bzw. wählt eine andere Art der Beschreibung, wie »Spitze aus Abschlag« oder
»Miniatur biface mit dreikantiger Spitze« (Thieme 1999). Quinson- und Tayac-Spitzen sind in Bilzingsleben
als gut belegt publiziert worden (Laurat 2002), aber solange die taphonomischen Prozesse, insbesondere
der Ein fluss von Frost und Wasser in dieser Fundstelle nicht geklärt sind, müssen diese Ergebnisse mit
Vorsicht ange sprochen werden.
Einige Aspekte des Spektrums an Steinartefakten können aber dennoch für eine, wenn auch nur grobe
chronologische Einordnung herangezogen werden:
1. Bei einer Betrachtung der Grundformen ist festzustellen, dass in Schöningen Steinartefakte bzw. die
Reste aus der Herstellung bzw. dem Verbrauch von bifaziellen Werkzeugen kaum vorhanden sind. Eine
Ausnahme bilden ein »Abschlag mit partiell beidflächiger Bearbeitung« und ein »Miniaturbiface mit drei-
kantiger Spitze« (Thieme 1999, 459). Bei den neuen Grabungen am DB-Pfeiler und an der Fundstelle
Schöningen 13 II traten seit Juni 2008 keine derartigen Stücke auf.
2. Faustkeile fehlen.
3. Die Levallois-Methode ist bislang nicht vertreten.
4. Das Werkzeugspektrum wird durch Schaber und gekerbte bzw. gezähnte Stücke dominiert (Thieme 2007,
141-144). Das Werkzeug-Konzept gleicht in großen Teilen dem des Mittelpaläolithikums und nimmt dieses
vorweg. Auch die hohe Qualität in der Ausführung entspricht den Formen des Mittel paläo lithikums. Insbe-
sondere fallen bei den Schabern zahlreiche halbsteile sehr regelhaft retuschierte Formen auf, die in ihrer
Variabilität der Vielfalt mittelpaläolithischer Formen (einfach, transversal und konvergent) entsprechen.
Zusammenfassend kann für Schöningen festgehalten werden, dass das Fehlen des Levallois-Konzepts, das
pragmatische Grundformkonzept mit der Nutzung von Frostscherben, das Fehlen von Bifazialgeräten sowie
ein weit entwickeltes Werkzeugkonzept von Schabern die Inventare kennzeichnet. Die Autoren vermuten,
dass diese markanten Eigenheiten stark aktivitätsgesteuert und vom Rohmaterial mitbestimmt wurden.
Zum weiteren Verständnis sollen die Steinartefakte von Schöningen, sowie sie auf der bisher publizierten
Basis einzustufen sind, in einen größeren Kontext gestellt werden.
Die Fundstelle von Bilzingsleben in Thüringen weist zahlreiche Ähnlichkeiten mit den Fundstellen in Schö-
ningen auf. Topografisch hat man auch hier eine Ufersituation, auch wenn es sich bei Bilzingsleben um eine
Travertinfundstelle handelt.
Von D. Mania und H. Thieme wird Bilzingsleben II als etwa gleichzeitig mit der Verlandungsfolge 1 der
»Rinne« II von Schöningen (also Schöningen 12 II-1 und Schöningen 13 II-1) gesehen (Mania / Thieme
2007). Dabei teilen sie jedoch die Meinung von Rudolf Musil, der anhand von Untersuchungen an den
Pferden aus Schöningen und aus Bilzingsleben zum Ergebnis kam, dass diese Fundstellen zwar etwa
gleichzeitig sind, aber Bilzingsleben II etwas älter als Schöningen II sein soll (Musil 2007). Dass die beiden
Fundstellen annähernd gleich alt sein müssen, wird auch durch den Entwicklungsstand der Kleinsäuger in
Schöningen gestützt (vgl. Beitrag van Kolfschoten in diesem Band).
Anhand der zahlreich publizierten Steinartefakte von Bilzingsleben und der uns bekannten Artefakte von
Schöningen ist Folgendes zu vermerken: D. Mania berichtet in Bilzingsleben von dem vereinzelten Auf -
32 J. Serangeli · U. Böhner · Die Artefakte von Schöningen und ihre zeitliche Einordnung
treten der Levallois-Methode (vgl. z. B. Mania / Mania 1999, 37), L. Steguweit, der Teile des Materials be -
arbeitet hat, findet jedoch keine Belege hierfür (Steguweit 2003, 43). Die Steinartefakte sind oft von nur
ge ringer Größe. Unter den retuschierten Artefakten überwiegen ge buchtete und gezähnte Stücke. Weiter -
hin sind auch schaberartige Geräte, Bohrer und Spitzen gut ver treten. Einige Artefakte können wohl als
»Messer« interpretiert werden, manche sogar als Keilmesser (Mania / Mania 2008). Auffällig ist weiterhin
das Fehlen von echten Faustkeilen. Hinzuweisen ist aber auf einen faustkeilartig retuschierten Knochen
(Mania 1997). Bei all diesen Aspekten stehen sich die Fundstellen von Schöningen und Bilzingsleben II sehr
nahe.
Die nächstgelegene, gut mit Schöningen vergleichbare Fundstelle ist Hundisburg. Diese ist eine typische
Schotter-Kiesgruben Fundstelle im Westen von Sachsen-Anhalt. Während der über 100-jährigen For schungs -
ge schichte wurden hier mehrere hundert Artefakte gesammelt oder ausgegraben (Ertmer 2007; 2010). Die
ausgegrabenen Artefakte stammten meistens aus einer Schotterschicht, die mit zahlreichen Bänken aus
feinem Sand von Muscheln und Schnecken durchsetzt ist. Das geologische Alter dieser Schicht war lange
Zeit umstritten. Nach neueren Untersuchungen gehört die Fundschicht von Hundisburg zur frühen Saale-
Eiszeit (Ertmer 2010). Anhand der Steinartefakte wird Hundisburg zum Mittelpaläolithikum gerechnet. Dafür
spricht in erster Linie die Verwendung der Levallois-Methode. Dabei zeigen die Artefakte einen hohen Anteil
an facettierten Schlagflächenresten. Unter den Steinartefakten fallen weiterhin zwei Faustkeile, ein Keil-
messer sowie einige Schaber auf.
Vergleicht man diese Fundstelle mit Schöningen, wo es, zumindest bis heute, keine Hinweise auf die
Anwendung der Levallois-Methode gibt, scheint Hundisburg »moderner« zu sein und auch die geologi-
sche/zeitliche Einordnung spricht für eine jüngeren Datierungsansatz als in Schöningen.
Weitere Fundstellen, die zum Vergleich herangezogen werden können, sind die Fundstellen von Bad Cann-
statt, insbesondere die Fundstelle »Bunker«. Auch hier wurden zahlreiche Schaber und einige Chopper-
Geräte gefunden. Faustkeile traten nicht auf. Die meisten Steinartefakte sind aus Muschelkalkhornstein
und scheinen, so wie in Schöningen, schnell und entsprechend dem unmittelbaren Bedarf gefertigt worden
zu sein (Wagner 1995, 80). Aufgrund des sehr unterschiedlichen Rohmaterials sehen die Steinartefakte aus
Bad Cannstatt anders als in Schöningen aus.
Der Fundplatz Markkleeberg, 1895 entdeckt, stand lange Zeit im Zentrum der wissenschaftlichen Diskus-
sion über das Alt- und Mittelpaläolithikum. So wie in Schöningen besteht auch dieser Fundplatz aus einem
Komplex von mehreren Fundstellen, die stratigraphisch zwischen die Elster-Eiszeit und die Saale-Eiszeit zu
stellen sind. Die Steinartefakte, die das vorausplanende Konzept der Levallois-Methode belegen, wurden
lange Zeit, trotz derer stratigraphischen Lage, als deutlich jünger angesehen (Schäfer u. a. 2004).
Ohne hier in die vielseitige Diskussion über das Clactonien einsteigen zu wollen (McNabb 2007), ist jedoch
zu betonen, dass andere europäische Fundstellen, wie z. B. Biache-Saint-Vaast (dép. Pas-de-Calais; Tuff -
reau / Sommé 1988) zeigen, dass es während der Saale-Eiszeit faustkeilfreie oder zumindest weitgehend
faustkeilarme unifaziale Inventare am Beginn des Moustérien gegeben hat. Das faustkeilführende Acheu-
léen datiert in West-Europa auf ca. 500 000-300000 Jahre (Antoine u. a. 2003). Die kulturelle Entwicklung,
d. h. der Übergang vom Altpaläolithikum (Acheuléen) zum Mittelpaläolithikum (Moustérien) während der
Saale-Eiszeit ist in Mitteleuropa durch die schwierige absolute Datierung mittelpleistozäner Ablagerungen
noch weitgehend unbekannt.
Nach Gerhard Bosinski beginnt das Mittelpaläolithikum mit der Saale-Eiszeit im MIS 8 (Bosinski 2009, 106).
Dabei ist das frühe Mittelpaläolithikum gegenüber dem Altpaläolithikum durch eine Änderung und Ver -
besserung der Steinbearbeitung gekennzeichnet (Bosinski 2009, 101).
Die noch bevorstehende Analyse der Steinartefakte aus dem sogenannten »Speerhorizont«, also aus der
Fund stelle Schöningen 13 II 4, wird sicher mehr Hinweise für eine chronologische Einordnung der Fund-
33Die chronologische Einordnung der paläolithischen Fundstellen von Schöningen
stelle seitens der Archäologie ergeben. Dies insbesondere da es sich hier um einen längerfristigen Auf -
enthalt handeln soll. Bis jetzt wurden aus dieser Fundstelle ca. 1500 Artefakte geborgen, von denen
ca. 90% Absplisse darstellen sollen. Bei der Ausgrabung von ca. 20m² der Fundstelle Schöningen 13 II 4
(Speerhorizontes) in den Jahren 2010-2011 konnten ca. 30 Retuschierabfälle (Absplisse, kleine Abschläge
und Trümmer) aufgelesen werden, die auf ein intensives Überarbeiten der Steinwerkzeuge hinweisen. In
die Fundstelle Schöningen 13 II 4 scheinen die Steinwerkzeuge fertig eingebracht worden zu sein. Belege
für eine Grundformproduktion, wie es zum Beispiel Cortex-Reste, Trümmerstücke oder Restkerne indizieren
würden, fehlen weitgehend (Thieme 2007, 141).
WER HAT DIE FUNDE VON SCHÖNINGEN HINTERLASSEN?
Bis heute wurden keine Menschenreste in Schöningen gefunden bzw. unter den bereits bestimmten
Knochen identifiziert. Damit bleibt für Schöningen noch offen, welche Menschen für die Hinterlassen-
schaften verantwortlich sind. Thieme und Mania sehen starke Parallelen zwischen den Fundstellen Schö-
ningen und Bilzingsleben, gleichwohl sie für die Fundschicht Bilzingsleben II ein leicht höheres Alter als für
die Fundschichten von Schöningen II annehmen (Mania / Thieme 2007). Da in der Fundschicht Bilzings-
leben II Knochenreste des Homo erectus entdeckt wurden (Mania 2007), gehen sie auch für Schöningen
von einem Fundplatz des Homo erectus aus. Einen gegensätzlichen Standpunkt nehmen Olaf Jöris und
Michael Baales ein (Jöris / Baales 2003). Ihre Annahme, es handele sich um einem Fundplatz des frühesten
Mittelpaläolithikums impliziert, dass bereits frühe Neandertaler anwesend waren. Andererseits könnte man
aber auch den späten Homo erectus/Homo heidelbergensis als Erschaffer des frühesten Mittelpaläolithi-
kums sehen. Eine Parallelisierung zwischen Bilzingsleben und Schöningen scheint aus archäologischer Sicht,
insbesondere wegen der Vergleichbarkeit unter den Artefakten überzeugend, daher kann man die An -
nahme von D. Thieme und H. Mania teilen, dass die gleiche Menschenform, die in Bilzingsleben nach -
gewiesen wurde, wahrscheinlich auch in Schöningen lebte. Bei der Bezeichnung dieser Menschenform
innerhalb der Gattung Homo erectus/Homo heidelbergensis wählen wir in Anlehnung an die Arbeiten, die
den Beginn der Neandertalisierung schon im späten Homo heidelbergensis sehen (Bermúdez de Castro u. a.
1999), die Bezeichnung Präneandertaler. Zu dieser Gruppe gehören in Europa neben den über 30 Indivi-
duen aus der Sima de los Huesos bei Atapuerca (prov. Burgos) in Spanien, auch die Knochenreste aus der
Höhle von Aragó (Tautavel/Talteüll, dép. Pyrénées-Orientales) in Frankreich, Petralona (Chalkidiki) und
wahrscheinlich Apidima (Aropoli) in Griechenland, wahrscheinlich Vertesszölös (Kom. Komárom-Eszter -
gom) in Ungarn, Swanscombe (Kent) in Großbritannien sowie Reilingen (Rhein-Neckar-Kreis), Steinheim an
der Murr (Lkr. Ludwigsburg) und wahrscheinlich Bilzingsleben in Deutschland (vgl. Serangeli / Bolus 2008).
Gerade die Reste von Steinheim galten lange Zeit als Präsapiens bzw. als Homo steinheimensis (im Sinne
des direkten Vorfahren des homo sapiens, der sich in Europa bereits vom Neandertaler unterscheiden
würde) und wer den von wenigen Autoren noch als solche bezeichnet (zuletzt Thissen 2006). Die Morpho-
logie dieses Schädels liegt im Übergangsfeld zwischen dem Homo heidelbergensis, dem Homo neander -
talensis und dem Homo sapiens. Bei einer Altersstellung von ca. 300000 Jahren ist für Schöningen somit
vom späten Homo erectus/Homo heidelbergensis bzw. Präneandertaler auszugehen.
Wenn man zusätzlich das Spektrum an Artefakten aus Schöningen hinzuzieht, so weist dieses am ehesten
Parallelen zu Inventaren aus dem Zeitbereich nach der Elster-Vereisung bis hin zum Beginn des Mittel paläo -
lithikums auf. Die Funde lassen sich daher gut in ein spätes Altpaläolithikum einfügen. Insbesondere das
Werkzeugkonzept weist auf eine nahtlose Entwicklung zum Mittelpaläolithikum hin. Es stellt sich somit die
34 J. Serangeli · U. Böhner · Die Artefakte von Schöningen und ihre zeitliche Einordnung
Frage, ob Schöningen nicht am Anfang einer Entwicklung steht, die in das Mittelpaläolithikum im OIS 8
führt. In Folge dessen kann man von einem späten, wenn nicht sogar von einem ausgehenden Altpaläo -
lithikum sprechen. Die zum Vergleich herangezogenen Fundstellen (u. a. Lehringen, Bilzingsleben, Bad
Cann statt, Clacton-on-Sea, Torralba, Hundisburg und Markkleeberg) scheinen diese Interpretation zu
unter stützen.
35Die chronologische Einordnung der paläolithischen Fundstellen von Schöningen
LITERATUR
Alperson-Afil u. a. 2007: N. Alperson-Afil / D. Richter / N. Goren-
Inbar, Phantom hearths and the use of fire at Gesher Benot Ya’-
aqov, Israel. PaleoAnthropology 2007, 1-15.
Andre u.a. 2010: C. C. Andre / A. R. Skin ner / H. P. Schwarcz /
C. K. Brain, Further Exploration of the First Use of Fire. Paleo-
Anthropology 2010. Paleoanthropology Society Meeting Ab -
stracts, St. Louis, MO, 13-14 April 2010. www.paleoanthro. org/
pdfs/Paleo%20Abstracts%20meetings%20version%202010.pdf
(1.6.2012).
Antoine u.a. 2003: P. Antoine / N. Limondin-Lozouet / P. Augus te /
A. Lamotte / J.-J. Bahain / Ch. Falguères / M. Lau rent/P.Cou -
dret / J.-L. Locht / P. Depaepe / J.-P. Fag nart / M. Fon tug ne /
Ch. Hatté / N. Mercier / M. Frechen / A.-M. Moigne / A.-V. Mu -
naut / Ph. Ponel / D.-D. Rousseau, Paléoenvironnements pléis to -
cène et peuplements paléolithique dans le bassin de la Somme
(nord de la France). Bulletin de la Société Préhistorique Française
100, 2003, 5-28.
van Asperen 2004: E. van Asperen, The large mammal Fauna of
Schöningen 13 II-4 [unpubl. Diss. Univ. Leiden 2004].
Backwell / d’Errico 2001: L. R. Backwell / F. d’Errico, Evidence of
ter mite foraging by Swartkrans early hominids. Proceedings of
the National Academy of Sciences February 13, 2001, 98, no. 4,
1358-1363.
Bermúdez de Castro u. a. 1999: J. M. Bermúdez de Castro / J. L. 35
Ar suaga / E. Carbonell / J. Rodríguez (eds), Atapuerca. Nuestros
antecesores (León 1999).
Biberson 1964: P. Biberson, Torralba et Ambrona. Notes sur deux
stations acheuldenes de chasseurs d’elephants de la vieille Cas -
tille, in Miscelanea en homenaje al Abate H. Breuil, tomo 1 (Bar-
celona 1964) 201-248.
Böhner 2009: U. Böhner, Die Schicht E3 der Sesselfelsgrotte und
die Funde aus dem Abri I am Schulerloch. Späte Micoquien-
Inventare und ihre Stellung zum Moustérien. Forschungsprojekt
»Das Paläolithikum und Mesolithikum des Unteren Altmühltals
II«, Teil IV (Stuttgart 2009).
Bosinski 2009: G. Bosinski, Urgeschichte am Rhein (Tübingen
2009).
Diehl 2007: M. Diehl, Palynologie und Sedimentologie der Inter-
glazialprofile Döttingen, Bonstorf, Munster und Bilshausen [un -
publ. Diss. Mainz 2007].
Ertmer 2007: S. Ertmer, Der mittelpaläolithische Fundplatz Hundis-
burg, Landkreis Börde, Sachsen-Anhalt [unpubl. Magister arbeit
Univ. Tübingen 2007].
2010: S. Ertmer, Der mittelpaläolithische Fundplatz Hundisburg:
Neue Erkenntnisse der Forschungsgrabung 2009. 52. Jahres -
tagung der Hugo Obermaier-Gesellschaft in Leipzig, 6.-10. April
2010, Programmheft (Erlangen-Tennenlohe 2010) 25.
Gibbard u. a. 2007: P. L. Gibbard / S. Bore ham / K. M. Cohen / A.
Mos cariello, Global chronostratigraphical correlation table for
the last 2.7 million years v. 2007 (Cambridge 2007) www.qua
ternary.stratigraphy.org.uk/correlation/POSTERSTRAT_v2007b.
jpg (30.5.2012).
Gowelt 2006: J. A. J. Gowlett, The early settlement of northern
Europe: fire history in the context of climate change and the
social brain. Comptes Rendus Palevol 5, 2006, 299-310.
Gramsch 2002: B. Gramsch, Holz, Rinde, Bast-Werkstoffe des Me -
so lithikums. Praehistoria Thuringica 8, 2002, 89-94.
Haidle 2006: M. N. Haidle, Menschen – Denken – Objekte. Zur Pro-
blem-Lösung-Distanz als Kognitionsaspekt im Werkzeugverhal-
ten von Tieren und im Laufe der menschlichen Evolution [Unver-
öff. Habilitationsschrift, Fakultät für Geowissenschaften der
Eber hards Karls Universität Tübingen 2006].
Jöris / Baales 2003: O. Jöris / M. Baales 2003: Zur Altersstellung der
Schöninger Speere. In: J. M. Burdukiewicz / L. Fiedler / W.-D.
Hein rich / A. Justus / E. Brühl (Hrsg.), Erkenntnisjäger: Kul tur und
Umwelt des frühen Menschen. Festschrift für Dietrich Mania.
Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie Sachsen-
Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte 57 (Halle/Saale 2003)
281-288.
Laurat 2002: Th. Laurat, Spitzenartige Geräte aus Feuerstein im
Inventar von Bilzingsleben – Zu ihrer Morphologie und Morpho-
metrie. Praehistoria Thuringica 8, 2002, 125-142.
Mania 1995: D. Mania, The Earliest Occupation of Europe: Elbe-
Saale Region. In: W. Roebroeks, T. van Kolfschoten (Hrsg.), The
Earliest Occupation of Europe: Proceeding of the European Sci -
ence Foundation Workshop at Tautavel (France), 1993. Analecta
Praehistorica Leidensia 27, 1995, 85-101.
1997: D. Mania, Altpaläolithikum und frühes Mittelpaläolithi-
kum im Elbe-Saalegebiet. In: L. Fiedler (Hrsg.), Archäologie der
ältesten Kultur in Deutschland (Wiesbaden 1997) 86-194.
2007: D. Mania, Wer waren die Jäger von Schöningen? In:
Thieme 2007, 222-224.
Mania / Mania 1998: D. Mania / U. Mania, Geräte aus Holz von
der altpaläolithischen Fundstelle bei Bilzingsleben. Praehistoria
Thuringica 2, 1998, 32-72.
1999: D. Mania / U. Mania, Zur Kultur des Homo erectus von Bil-
zingsleben. Praehistoria Thuringica 3, 1999, 27-63.
2008: D. Mania / U. Mania, La stratigraphie et le Paléolithique
du complexe saalien dans la région de la Saale et de l’Elbe.
L’Anthropologie [Paris] 112, 2008, 15-47.
Mania / Thieme 2007: D. Mania / H. Thieme, Zur Einordnung der
altpaläolithischen Fundhorizonte von Schöningen in die Erd -
geschichte. In: Thieme 2007, 117-120.
Mania u. a. 2010: D. Mania / M. Alter mann / G. Böh me / T. Bött -
ger / E. Brühl / H.-J. Döhle / K. Erd / K. Fi scher / R. Fuhr mann /
W.-D. Hein rich/R.Gru be/D.Jur kenas / P.G. Ka re lin / V.
Karl / J. Koller / K. V. Kremenetski / T. Laurat / U. van der Ma de /
U. Mania / D.-H. Mai / R. Musil / T. Pfeiffer-Deml / E. Pie tr ze -
niuk / I. Rappsilber / T. Schüler / M. Seifert-Eulen / M. Thomae,
Neumark-Nord – Ein interglaziales Ökosystem des mitelpaläolithi-
schen Menschen. Veröffentlichungen des Landesamtes für Denk-
malpflege und Archäologie Sachen-An halt. Landesmuseum für
Vorgeschichte 62 (Halle [Saale] 2010).
McNabb 2007: J. McNabb, The british lower palaeolithic. Stones in
contention (London, New York 2007).
Musil 2007: R. Musil, Die Pferde von Schöningen: Skelettreste einer
ganzen Wildpferdherde. Ein Befund von Weltbedeutung: Ein
Wildpferd-Jagdlager vor 400 000 Jahren. In: Thieme 2007, 136-
140.
Neugebauer-Maresch 2008: Ch. Neugebauer-Maresch, Eine be -
son dere Fundkategorie: kalzifizierte Hölzer der gravettienzeit-
lichen Schichten von Krems-Hundssteig. Quartär 55, 143-150.
Oakley u. a. 1977: K. Oakley / P. An drews/L.H.Keeley/J.D.Kee -
ley, A reappraisal of the Clacton spear point. Proceedings of the
Prehistoric Society 43, 1977, 13-30.
Pasda 2007: C. Pasda / M. Beck / R. Gaupp / I. Kam radt / C. Lie ber -
mann, Site formation processes at a Middle Pleistocene deposit –
Preliminary results of the geoarchaeological investigations at Bil-
zingsleben in 2003-2005. Archäologisches Kor respondenzblatt
37, 2007, 1-18.
Richter 2007: D. Richter, Altersbestimmung der Fundschichten von
Schöningen mit dosimetrischen Datierungsmethoden. Das Eis-
zeitalter und seine Spuren im Tagebau Schöningen. In: Thieme
2007, 62-66.
Richter 1997: J. Richter, Sesselfelsgrotte III. Der G-Schichten-Kom-
plex der Sesselfelsgrotte. Zum Verständnis des Micoquien. For-
schungsprojekt »Das Paläolithikum und Mesolithikum des Unte-
ren Altmühltals II« Teil III. Quartär-Bibliothek 7 (Saarbrücken
1997).
Rieder 2007: H. Rieder, Zur Qualität der Schöninger Speere als
Jagdwaffen aus der Sicht der Sportwissenschaft. Ein Befund von
Weltbedeutung: Ein Wildpferd-Jagdlager vor 400 000 Jahren. In:
Thieme 2007, 159-162.
Roberts u. a. 1995: M. B. Roberts / C. Gamble / D. R. Bridgland, The
earliest occupation of Europe: the British Isles. In: W. Roe -
broeks / T. van Kolfschoten (Hrsg.), The Earliest Occupation of
Europe (Leiden 1995) 165-191.
Schäfer u. a. 2004: J. Schäfer / Th. Laurat / J. Kegler / E. Miersch,
Neue archäologische Untersuchungen in Markkleeberg, Tage-
bau Espenhain (Lkr. Leipziger Land). Praehistoria Thuringia 10,
2004, 141-170.
Schiegl / Thieme 2007: S. Schiegl / H. Thieme, Auf den Spuren von
Feuer in Schöningen 13 II-4. Ein Befund von Weltbedeutung: Ein
Wildpferd-Jagdlager vor 400 000 Jahren. In: Thieme 2007, 166-
171.
Schmitt u. a. 2003: D. Schmitt / St. E. Churchill / W. L. Hylander, Ex -
perimental Evidence Concerning Spear Use in Neandertals and
Early Modern Humans. Journal of Archaeological Science 30,
2003, 103-114.
Schoch 2007: W. H. Schoch, Holz – das Archiv aus dem Paläolithi-
kum. Die altpaläolithische Fundstelle Schöningen 12 (Reinsdorf-
Warmzeit). In: Thieme 2007, 202-210.
Schuldt 1961: E. Schuldt, Hohen Viecheln. Ein Mittelsteinzeitlicher
Wohnplatz in Mecklenburg. Deutsche Akademie der Wissen-
schaften zu Berlin, Schriften der Sektion für Vor- und Früh -
geschichte 10 (Berlin 1961).
Serangeli / Bolus 2008: J. Serangeli / M. Bolus, Out of Europe – The
dispersal of a successful European hominin form. Quartär 55,
2007 (2008), 83-98.
Steguweit 1999: L. Steguweit, Die Recken von Schöningen –
400.000 Jahre Jagd mit dem Speer. Mitteilungsblatt der Gesell-
schaft für Urgeschichte 8, 1999, 5-13.
2003: L. Steguweit, Gebrauchsspuren an Artefakten der Homi-
nidenfundstelle Bilzingsleben (Thüringen). Tübinger Arbeiten zur
Urgeschichte 2 (Rahden/Westf. 2003).
Thieme 1999: H. Thieme, Altpaläolithische Holzgeräte aus Schö-
ningen, Lkr. Helmstedt. Bedeutsame Funde zur Kulturentwick -
lung des frühen Menschen. Germania 77, 1999, 451-485.
2007: H. Thieme (Hrsg.), Die Schöninger Speere. Mensch und
Jagd vor 400 000 Jahren (Stuttgart 2007).
Thieme / Maier 1995: H. Thieme / R. Maier (Hrsg.), Archäologische
Ausgrabungen im Braunkohlentagebau Schöningen, Landkreis
Helmstedt (Hannover 1995).
Thieme / Veil 1985: H. Thieme / S. Veil, Neue Untersuchungen zum
Eemzeitlichen Elefanten Jagdplatz Lehringen, Lkr. Verden. Die
Kun de N. F. 36, 1985, 11-58.
Thissen 2006: J. Thissen, Die paläolithischen Freilandstationen von
Rheindahlen im Löss zwischen Maas und Niederrhein. Rheini-
sche Ausgrabungen 59 (Mainz 2006).
Truffeau / Sommé 1988: A. Tuffreau / J. Sommé, Le Gisement Pa -
léolithique Moyen de Biache-Saint-Vaast. Mémoires de la So cié -
té Préhistorique Française 21 (Paris 1988).
Urban 2007: B. Urban, Quartäre Vegetations- und Klimaentwick -
lung im Tagebau Schöningen. Das Eiszeitalter und seine Spuren
im Tagebau Schöningen. In: H. Thieme 2007, 66-75.
Villa / d’Errico 2001: P. Villa / F. d’Errico, Bone and ivory points in
the Lower and Middle Paleolithic of Europe. Journal of Human
Evolution 41, 2001, 69-112.
Voormolen 2008: B. Voormolen, Ancient hunters, modern but-
chers: Schöningen 13II - 4, a kill-butchery site dating from the
northwest European Lower Palaeolithic. Journal of Taphonomy
6/2, 2008, 71-247. https://openaccess.lei denuniv.nl/ handle/
1887/ 12661 (1. 6.2012).
Wagner 1995: E. Wagner, Cannstatt I. Großwildjäger im Travertin-
gebiet (Stuttgart 1995).
Weber 2004: Th. Weber, Die ältesten Spuren des Menschen in
Sachsen-Anhalt. In: H. Meller (Hrsg.), Paläolithikum und Meso -
lithikum. Kataloge der Dauerausstellung im Landesmuseums in
für Vorgeschichte 1 (Halle [Saale] 2004) 61-67.
Yravedra Sainz de los Terreros 2000: J. Yravedra Sainz de los Ter-
reros, Implicaciones Tafonómicas y Zooarqueológicas del Paleo-
lítico inferior de la Península Ibérica. Cuadernos de Prehistoria
y Arqueología Universidad Autónoma de Madrid 26, 2000, 7-
24.
36 J. Serangeli · U. Böhner · Die Artefakte von Schöningen und ihre zeitliche Einordnung
37Die chronologische Einordnung der paläolithischen Fundstellen von Schöningen
ZUSAMMENFASSUNG / ABSTRACT
Die Artefakte von Schöningen und deren zeitliche Einordnung
Im Tagebau Schöningen wurden mehrere mittelpleistozäne Fundstellen entdeckt. Die Funde belegen die Anwesenheit
des Menschen vor Ort. Besondere Funde wie Knochen mit abgerundeten Enden, hölzerne Speere und mögliche
Klemmschäfte aus Holz sind allerdings so selten oder einzigartig in der Altsteinzeit, dass sie nicht für eine chronologi-
sche Einordnung oder eine absolute Datierung herangezogen werden können. Geschlagene Knochen, Knochen mit
Schnittspuren und angebrannte Hölzer kommen in Schöningen häufig vor. Da diese Funde aber im Laufe der Ge -
schichte auf ähnlich gebliebene Aktivitäten des Menschen zurückzuführen sind, fallen auch sie für eine Datierung aus.
Nur die Steinartefakte bieten einige wenige Ansätze, die chronologisch gedeutet werden können. Die wichtigsten
Aspekte sind das Fehlen der Levallois Methode, die Abwesenheit von Faustkeilen und die zahlreichen Schaber von
guter Qualität. In Folge dessen ist es am wahrscheinlichsten, die Funde in ein spätes, wenn nicht sogar in ein ausge-
hendes Altpaläolithikum zu stellen. Die zum Vergleich herangezogenen Fundstellen (u. a. Lehringen, Bilzingsleben, Bad
Cannstatt, Clacton-on-Sea, Torralba, Hundisburg und Markkleeberg) scheinen diese Interpretation zu stützen.
The tools of Schöningen and their chronological classification
Many finds discovered in the different middle pleitocene archaeological sites in Schöningen demonstrate the presence
of man. Rounded bones, wooden spears and what may possibly be grips for holding flint tools are such rare or unique
tools that they are not available as chronological evidence. Beaten bones, bones with cut marks and burnt wood is
much more common, but they are the results of human activities that always remained similar in the course of history.
This group of objects is also not available as chronological evidence. Only the stone artefacts offer a few approaches
to a chronological interpretation of the sites. The most salient aspects are the absence of the Levallois method, the
absence of bifaces and the numerous scrapers of good quality. We can therefore infer that the sites in Schöningen
belong to a late Lower Palaeolithic or maybe even to an ending Lower Palaeolithic. The sites used as comparison
(including Lehringen, Bilzingsleben, Bad Cannstatt, Clacton-on-Sea, Torralba Hundisburg and Markkleeberg) seem to
support this interpretation.
193
VERZEICHNIS DER AUTOREN
Prof. Dr. Karl-Ernst Behre
Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung
Viktoriastraße 26/28
26382 Wilhelmshaven
behre@nihk.de
Dr. Felix Bittmann
Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung
Viktoriastraße 26/28
26382 Wilhelmshaven
bittmann@nihk.de
Dr. Utz Böhner
Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
Scharnhorststraße 1
30175 Hannover
utz.boehner@nld.niedersachsen.de
Prof. Dr. Nicholas J. Conard
Eberhard Karls Universität Tübingen
Institut für Ur- und Frühgeschichte
und Archäologie des Mittelalters
Ältere Urgeschichte und Quartärökologie
Burgsteige 11, Schloss
72070 Tübingen
nicholas.conard@uni-tuebingen.de
Prof. Dr. Manfred Frechen
Leibniz Institute for Applied Geophysics
Geochronology and Isotope Hydrology
Stilleweg 2
30655 Hannover
manfred.frechen@liag-hannover.de
Prof. Dr. Mebus A. Geyh
Rübeland 12 – OT Bannetze
29308 Winsen (Aller)
mebus.geyh@t-online.de
Dr. Henning Haßmann
Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
Scharnhorststraße 1
30175 Hannover
henning.hassmann@nld.niedersachsen.de
Dr. Matthias Krbetschek
Senckenberg Museum für Mineralogie und Geologie Dresden
Sektion Lumineszenz
Institut für Angewandte Physik/TU Freiberg
Leipziger Straße 23
09596 Freiberg/Sa
quatmi@physik.tu-freiberg.de
Dipl.-Geow. Jörg Lang
Leibniz-Universität Hannover
Institut für Geologie
Callinstraße 30
30167 Hannover
lang@geowi.uni-hannover.de
Prof. Dr. Klaus-Dieter Meyer
Engenser Weg 5
30938 Burgwedel-Oldhorst
Prof. RNDr. Rudolf Musil, DrSc
Masarykova univerzita
Přírodovědecká fakulta
Ústav geologických věd
Kotlářská 2
CZ - 61137 Brno
rudolf@sci.muni.cz
Prof. Dr. Daniel Richter
Universität Bayreuth
Lehrstuhl Geomorphologie
95440 Bayreuth
daniel.richter@uni-bayreuth.de
Dr. Danielle Schreve
University of London
Department of Geography
Royal Holloway
GB - TW20 0EX Egham, Surrey
danielle.schreve@rhul.ac.uk
194
Dr. Jordi Serangeli
Eberhard Karls Universität Tübingen
Institut für Ur- und Frühgeschichte
und Archäologie des Mittelalters
Ältere Urgeschichte und Quartärökologie
Burgsteige 11, Schloss
72070 Tübingen
jordi.serangeli@uni-tuebingen.de
Dr. Melanie Sierralta
Leibniz Institute for Applied Geophysics
Geochronology and Isotope Hydrology
Stilleweg 2
30655 Hannover
melanie.sierralta@liag-hannover.de
Prof. Dr. Brigitte Urban
Leuphana Universität Lüneburg
Institut für Ökologie
Scharnhorststraße 1 C13,117
21335 Lüneburg
b.urban@uni-lueneburg.de
Prof. Dr. Thijs van Kolfschoten
Universiteit Leiden
Faculteit der Archeologie
Reuvensplaats 4
Postbus 9515
NL - 2300 RA Leiden
t.van.kolfschoten@arch.leidenuniv.nl
Prof. Dr. Jutta Winsemann
Leibniz Universität Hannover
Institut für Geologie
Callinstraße 30
30167 Hannover
winsemann@geowi.uni-hannover.de
Chapter
Full-text available
The Schöningen 13II-4 site has produced a wealth of insight into the hunting and butchery activities of Middle Pleistocene hominins, highlighted by the famous Schöningen spears preserved with hundreds of cut-marked and broken horse bones. The bones of carnivores are rare at the site, but tooth pits, scores, and other markings that record their presence are abundant. Here we describe the carnivore remains from Schöningen 13II-4 and provide a detailed analysis of carnivore markings on different skeletal parts in the faunal assemblage and their spatial distribution. In studying carnivore activities at Schöningen, we aim to achieve a more comprehensive view of site taphonomy and, in turn, a better appreciation of the anthropogenic process that shaped the archaeological record. The placement and sequence of carnivore marks on the bones in relation to butchery marks indicates that carnivores scavenged from the remains of hominin kills. In the large horse bone assemblage, carnivore damage is more prevalent on limb bones of juveniles than adults. This pattern reveals that adult horse carcasses were fully butchered by hominins, but juvenile horse carcasses were abandoned earlier in the butchery process, leaving more consumable tissues that attracted scavenging carnivores. Tooth pits and scores on the Schöningen remains are very large and compare well with markings produced by wolves, especially those observed in a sample of modern wolf-gnawed bones we collected and analysed from Adler- und Wolfspark Kasteelburg. Clusters of carnivore-damaged bones appear around the periphery of dense concentrations of bones butchered by hominins, suggesting that wolves displaced some skeletal elements quickly after abandonment by hominins. Such a spatial pattern hints at the long-standing co-habitation of the Schöningen landscape by hominins and wolves during the Middle Pleistocene
Chapter
The evidence presented here suggests that the British Isles was first colonized at the beginning of the temperate or interglacial stage that immediately pre-dates the Anglian cold Stage. Lithostratigraphic and chronostratigraphic modelling correlates the Anglian with Oxygen Isotope Stage 12, which is dated to between 478 and 423 Kyr BP. Accordingly, the earliest occupation of Britain occurred around half a million years ago. The early colonizers are assigned, from the Boxgrove specimen, to the species Homo cf heidelbergensis. One hundred thousand years later, at Swanscombe, this group begins to exhibit some cranial skeletal characteristics usually associated with the Neanderthal lineage. Throughout the period covered by this paper there is apparent stasis in the lithic industries, which include both biface dominant assemblages and flake tool dominant assemblages. Strict division between these two types of assemblages is no longer tenable on typological or chronological grounds.