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Mentales Training: Lernen durch Bewegungsvorstellung und -imitation

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Mit unserer Vorstellung sehen wir etwas vor unserem geistigen Auge und rufen diese Wahrnehmung aus unserem Gedachtnis ab. Sportler steigern sich mithilfe des mentalen Trainings, und auch Musiker verwenden die Methode der Bewegungsvorstellung zur Verbesserung ihres Spiels. Doch was genau bedeutet Bewegungsvorstellung, wo ist der Unterschied zwischen den Begriffen Bewegungsvorstellung und mentalem Training, welche Fahigkeiten muss eine Person besitzen, um mit dieser Methode zu arbeiten? Zusatzlich gehen Christian Dettmers und Violetta Nedelko auf die Kombination neurologische Rehabilitation – mentales Training ein und geben Tipps fur die praktische Umsetzung im Therapiealltag. Dieser Artikel bietet einen umfangreichen Uberblick zu diesem hochaktuellen Thema.
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Mentales Training: Lernen durch
Bewegungsvorstellung und -imitation
Mit unserer Vorstellung sehen wir etwas vor unserem geistigen Auge und
rufen diese Wahrnehmung aus unserem Gedächtnis ab. Sportler steigern sich
mithilfe des mentalen Trainings, und auch Musiker verwenden die Methode
der Bewegungsvorstellung zur Verbesserung ihres Spiels. Doch was genau
bedeutet Bewegungsvorstellung, wo ist der Unterschied zwischen den Begriffen
Bewegungsvorstellung und mentalem Training, welche Fähigkeiten muss eine Person
besitzen, um mit dieser Methode zu arbeiten? Zusätzlich gehen Christian Dettmers und
Violetta Nedelko auf die Kombination neurologische Rehabilitation – mentales Training
ein und geben Tipps für die praktische Umsetzung im Therapiealltag. Dieser Artikel
bietet einen umfangreichen Überblick zu diesem hochaktuellen Thema.
Christian Dettmers und Violetta Nedelko
Einführung:
Begriffsbestimmung
Vorstellung kann sich auf alle Sinnesquali-
täten beziehen und umfasst zumindest vi-
suelle, auditorische und motorische oder
(synonym) Bewegungsvorstellung. Visuel-
le Vorstellung lässt sich weiter unterteilen
in objektbezogene und räumliche Vorstel-
lung, die jeweils unterschiedliche Netzwerke
nutzen. Vorstellung ist eng an die Wahrneh-
mung gekoppelt. Es handelt sich quasi um
eine Wahrnehmung ohne äußeren Stimulus:
Sehen vor dem geistigen Auge [46]. Vorstel-
lung entspricht dem Abruf von Wahrneh-
mung aus dem Gedächtnis. Dabei involviert
Vorstellung meist den primär visuellen Kor-
tex [47]. Vorstellung ist kein einfacher, klar
definierter kognitiver Prozess, sondern setzt
sich aus verschiedenen Tätigkeiten zusam-
men, die auch einzeln betroffen sein können,
wie sich im Rahmen von Läsionsstudien zei-
gen ließ (a Tab. 1) [25].
Bewegungsvorstellung (Motor Imagery,
MI) bedeutet der Abruf der mentalen mo-
torischen Repräsentationen im Arbeits-
speicher, ohne dass es zu einer Bewegung
kommt. Jeannerod hat verschiedene men-
tale Prozesse bei der Bewegung unterschie-
den: die Simulation, Vorstellung, Planung
und Vorbereitung [42]. Das individuelle Be-
wegungsvorstellungsvermögen ist sehr un-
terschiedlich ausgeprägt und verbessert sich
durch Übung [38, 53]. Ferner lässt sich im
weiteren Sinne auch das Bewegungsbeob-
achten (Motor Observation, MO) zum men-
talen Training rechnen, wobei es hier meis-
tens um Bewegungsimitation durch Beob-
achten geht.
Mentales Training wird häufig synonym
mit Bewegungsvorstellung (Motor
Imagery, MI) benutzt. Dies ist nicht
ganz korrekt. Bewegungsvorstellung
wird erst durch das regelmäßige Üben
mit dem Ziel der Verbesserung der
Bewegung zum mentalen Training.
Grundlagen
Abgrenzung zwischen mentaler
und manueller Rotation
Zahlreiche Studien haben mentale Rotati-
onsaufgaben mit manuellen Rotationsauf-
gaben, die einer mentalen Aufgabe mittels
motorischer Vorstellung entsprechen, ver-
glichen [74]. Häufig nutzten die Wissen-
schaftler für die mentale Rotation dreidi-
Foto: Studio Nordbahnhof
2424 Schwerpunkt Willkürmotorik und Kognition
Dettmers C., Nedelka V. Mentales Training. neuroreha 2011; 1: 24–31
mensionale Figuren, die sich aus Würfeln
zusammensetzen [78]. Die Probanden müs-
sen entscheiden, ob sich Figuren ineinander
überführen lassen bzw. identisch sind oder
spiegelbildlich organisiert sind. Dabei wer-
den vor allem der bilaterale superiore pari-
etale Kortex aktiviert, der bilaterale prämo-
torische Kortex, der supplementäre motori-
sche Kortex und der linke primärmotorische
Kortex [71].
Bei der Handidentifizierungsaufgabe
zeigen Untersucher den Probanden Hän-
de auf dem Bildschirm eines PCs. Die Pro-
banden müssen entscheiden, ob es sich um
eine linke oder rechte Hand handelt. Dies
löst die Testperson üblicherweise dadurch,
dass sie ihre linke oder rechte Hand in die
dargebotene Hand hineindreht. Solche Auf-
gaben setzen implizit die Bewegungsvorstel-
lung voraus. Dabei werden beidseits die sup-
plementärmotorische Area (SMA) aktiviert,
präfrontale Areale, insulärer prämotorischer
Kortex, frontaler und parietaler Kortex, Ba-
salganglien, Kleinhirn und primär visueller
Kortex [43, 68]. Der Unterschied zwischen
mentaler Rotation und manueller Rotation
(Bewegungsvorstellung) hängt allerdings
von der individuell gewählten Strategie und
Übung ab und ist auch vom einzelnen Pro-
banden bewusst variierbar [46].
Bewegungsvorstellung nutzt Strukturen,
die auch bei der Bewegungsausführung
tätig sind
Psychologen hatten bereits Ende des 19.
Jahrhunderts festgestellt, dass sich Vorstel-
lung in verschiedene Modalitäten untertei-
len lässt (visuell, sensorisch, motorisch).
Ferner hatten sie erkannt, dass motorische
Vorstellung mit Einschränkungen bei der
simultanen Ausführung von Bewegung ein-
hergeht, und sie schlossen daraus, dass bei-
de Prozesse (Vorstellung und Ausführung)
auf dieselben Hirnstrukturen zurückgrei-
fen, was sich 100 Jahre später durch funkti-
onelle Bildgebung anschaulich belegen ließ.
Kinästhetische und visuelle Bewegungsvor-
stellung
Kinästhetische Bewegungsvorstellung be-
deutet, dass der Proband sich vorstellt bzw.
aus der Erinnerung abruft, wie sich die Be-
wegung anfühlt. Bei der visuellen Bewe-
gungsvorstellung wird der Bewegungsab-
lauf vor dem geistigen Auge abgerufen, wie
der Bewegungsablauf aussieht, wenn man
sich dies von außen ansieht. Dies ist sowohl
für eine dritte Person möglich als auch für
die eigene Person.
Die kinästhetische Vorstellung wird
meist mit der Perspektive aus der ersten
Person gleichgesetzt. Es ist nicht ganz klar,
ob sich die kinästhetische Vorstellung auch
für die Perspektive der dritten Person ent-
wickeln lässt (d. h., ich stelle mir vor, wie
sich die Bewegung für diese Person anfühlt).
Für Schmerz zum Beispiel ist diese Perspek-
tive bekannt und üblich. Dies soll möglich
sein, wenn es sich bei der beobachteten Per-
son um sich selbst handelt und um eine er-
fahrene Bewegung [12, 33]. 2009 fanden Pel-
grims und seine Kollegen heraus, dass die
visuelle Vorstellung den SPL stärker aktiviert
und motorische Bewegungsvorstellung stär-
ker den Gyrus supramarginalis [69].
Kinästhetische Bewegungsvorstellung
scheint eher einen Effekt auf Fazilitierung
im primärmotorischen Kortex zu haben als
die visuelle Bewegungsvorstellung [87]. In
ähnlicher Weise gibt es Hinweise, dass die
Perspektive relevant ist für das Ausmaß
der Aktivierung im primär sensomotori-
schen Kortex: Die Aktivität ist höher, wenn
die Beobachtung aus der Perspektive der 1.
Person anstelle der 3. Person erfolgt [40].
Ähnliches ist für das Ausmaß der Fazilitie-
rung zu vermuten. Dies würde für die An-
wendung von Videos in der Neurorehabi-
litation sprechen, die aus der 1. Perspekti-
ve aufgenommen sind. Dies ist bisher aber
nicht systematisch untersucht. Für die Trai-
ningsinstruktion bedeutet dies: Im Bereich
der Neurorehabilitation sollten Therapeu-
ten mit ihren Patienten eher mit kinästhe-
tischem Vorstellungstraining arbeiten (a S.
33 „Klienten mit Armparese“). Ob Patienten
hierzu genauso gut in der Lage sind oder ob
es einen Wirksamkeitsunterschied gibt, ist
bisher nicht bekannt.
Sport
Im Leistungssport ist das mentale Training
bzw. Training mittels Bewegungsvorstellung
seit langem bekannt und akzeptiert [33, 63].
Vandell wies 1943 in einer wegweisenden
Studie nach, dass mentales Training beim
Korbwurf zu einer ähnlichen Leistungsstei-
gerung (23%) führt wie reales Training (24%)
[92]. Die meisten Studien legten kinästhe-
tische Vorstellung zugrunde. Erstaunlicher-
weise hat das mentale Training sogar einen
Effekt auf die grobe Kraft [93]. Dies lässt
sich möglicherweise dadurch erklären, dass
der Abruf und die Koordination der zent-
ralen Motorneurone effizienter erfolgen.
Die meisten Autoren gehen davon aus, dass
mentales Training gerade in der Kombinati-
on mit realem Training wirksam ist [51, 92].
Zum optimalen Verhältnis zwischen menta-
lem und physischem Training sowie zur op-
timalen Dosis an mentalem Training gibt es
nicht viele systematischen Untersuchungen.
Hohe Dosen mentalen Trainings scheinen
effektiver zu sein als niedrige und erschei-
nen in einer Studie ähnlich wirksam wie die
Durchführung des physischen Trainings [1].
Im Sport zeigen „gute Vorsteller“
stärkere Effekte als „schlechte“ [92].
Auch in der Musik ist mentales Training ein
probates Mittel zur Leistungsverbesserung.
Insofern lag es nahe, dieses System auch in
der neurologischen Rehabilitation zu nut-
zen. Besonders attraktiv erscheint dabei,
dass es einen anderen Ansatzpunkt hat und
„oberhalb bzw. kranial“ des exekutiven Sys-
Tab. 1 Psychophysiologische Aspekte assoziiert mit Bewegungsvorstellung
Vor dem inneren Auge sehen Perzeption/Kognition
Bewusste Wahrnehmung aus Erlebtem
Mentales Wiederholen
Generieren von Bildern, im Arbeitsspeicher halten
und verändern
Zugang zum motorischen System
Ansprechen neuronaler Repräsentationen
Bewegungsvorbereitung
Simulation
Verdeckte Bewegungsausführung
Vorhersagen zum Bewegungserfolg möglich Motorik/motorische Exekutive
Tabelle 1 soll verdeutlichen, dass Bewegungsvorstellung kein simpler, eindeutiger Prozess ist, sondern
– ähnlich wie generell bei motorischer Kontrolle – ein Kontinuum von Prozessen beteiligt ist zwischen
Perzeption und Bewegungsausführung.
25Schwerpunkt Willkürmotorik und Kognition
Dettmers C., Nedelka V. Mentales Training. neuroreha 2011; 1: 24–31
tems ein Üben erlaubt, auch wenn (zeitwei-
se) das exekutive System gestört erscheint
[77].
Das Spiegelneuronensystem
(SNS)
Das Konzept des Spiegelneuronensystems
Das Konzept der Spiegelneurone beinhal-
tet, dass es im prämotorischen und parieta-
len Kortex Neuronenverbände gibt, die so-
wohl bei der Ausführung als auch bei der
Beobachtung von Bewegung aktiv sind [72].
Dies stellte zum Zeitpunkt der Entdeckung
eine absolute Überraschung dar, da Neuro-
logen zuvor davon ausgingen, dass im mo-
torischen bzw. prämotorischen Kortex aus-
schließlich Zellen beheimatet sind, die bei
der Bewegungsausführung aktiv sind. Das
System der Spiegelneurone ist neben der
Bewegungsbeobachtung auch in die Bewe-
gungserkennung, Bewegungsplanung und
-vorbereitung sowie Bewegungsvorstellung
involviert [35, 36].
Ergänzend muss hinzugefügt werden,
dass Überlegungen zum mentalen Training
auch Gültigkeit haben, wenn man das Spie-
gelneuronensystem nicht in dieser Reinform
für existent hält. Das Spiegelneuronensystem
stellt letztendlich nur ein Konzept dar, das
einerseits sehr eingängig ist und zum Erfolg
dieses Therapieansatzes entscheidend bei-
getragen hat, auf der anderen Seite ist es si-
cherlich eine Vereinfachung. Unbestritten ist
jedoch, dass für das mentale Training, vor al-
lem Bewegungsvorstellung und Bewegungs-
beobachtung, der motorische Assoziations-
kortex, d. h. der prämotorische und parietale
Kortex, entscheidend sind. Dieses System ist
hierarchisch vermutlich dem exekutiven Sys-
tem vorgeschaltet bzw. übergeordnet.
Exzitabilitätssteigerung durch Beobachtung
und Vorstellung
Zahlreiche Arbeiten – vor allem mittels
Transkranieller Magnetstimulation (TMS)
– zeigten, dass Bewegungsbeobachten und
-vorstellen zu einer Steigerung der Erregbar-
keit im primärmotorischen Kortex führen.
Erstaunlicherweise ist dieser Effekt bei der
Beobachtung umschrieben bzw. spezifisch
für die Muskeln, die auch in der beobachte-
ten Handlung involviert sind [83, 82].
Hemisphärenspezialisierung?
Es existieren unterschiedliche Ansichten, in-
wiefern die linke Hemisphäre stärker spezi-
alisiert sein könnte auf Bewegungsvorstel-
lung als die rechte. Aziz-Zadeh hat dies in
mehreren Untersuchungen verneint [2]. An-
dere Stimmen behaupten, dass ein Überge-
wicht der linken Hemisphäre mit der Ver-
balisierung von Vorstellung zusammen-
hängen könnte. Dies erscheint jedoch nicht
einleuchtend, da Vorstellung im Allgemei-
nen nicht über Verbalisierung läuft, sondern
tatsächlich die frühen visuellen Areale invol-
viert. Andere argumentieren, dass die rechte
Hemisphäre stärker für die räumliche Vor-
stellung spezialisiert sei, die linke mehr für
die visuelle, nichträumliche. Conson griff
die Diskussion einer Spezialisierung der lin-
ken Hemisphäre für Bewegungsvorstellung,
nicht aber für Bewegungsbeobachtung, er-
neut auf [17]. Voraussetzung, um eine He-
misphärenspezialisierung nachzuweisen,
scheint zu sein, dass die Aufgabe schwer
genug ist [89].
Einfluss des SNS auf motorisches Lernen
Bei Kleinkindern und Jugendlichen ist es
offensichtlich, dass sie einen Großteil ihres
motorischen Repertoires durch Imitation
aufbauen. Insofern scheint das SNS ein uni-
verseller Mechanismus zu sein, motorisches
Lernen zu unterstützen. Mittels funktionel-
ler Kernspintomografie (fMRT) ließ sich
nachweisen, dass das SNS die Kernstruk-
tur darstellt, die zum Lernen durch Imita-
tion notwendig ist [34, 40]. Folgerichtig ist
es, diesen hoch überlernten Mechanismus
für motorisches Lernen auch im Alter bzw.
bei den Patienten nach einem Schlaganfall
zu nutzen.
Altersabhängigkeit des SNS
Voraussetzung für eine sinnvolle Nutzung
des SNS im Alter ist, dass die Leistungsfä-
higkeit dieses Systems im Alter nicht über-
proportional nachlässt [60]. Dass Kinder
eine besonders hohe Fähigkeit zur Imitati-
on haben, ist offenkundig. Viele Studien ha-
ben sich damit beschäftigt, wie das Gehirn
nachlassende Leistungsfähigkeit auch im Be-
reich der Motorik kompensieren kann [91].
Ein Kompensationsmechanismus besteht
darin, dass das alternde Gehirn mehr Neu-
rone zur Durchführung einer Aufgabe rek-
rutiert und es dadurch schafft, die Aufgabe
mit derselben Performance wie ein junger
Mensch auszuführen [11]. Wir haben diese
Frage auf die Bewegungsbeobachtung und
-vorstellung ausgedehnt und wollten wissen,
inwieweit sich die Aktivierung bei älteren
gegenüber jüngeren Probanden unterschei-
det. Bemerkenswerterweise ließ sich dabei
kein Unterscheid der Aktivität des SNS bei
gleicher Leistung nachweisen [65]. Dies deu-
ten wir als Hinweis auf die Leistungsfähig-
keit des SNS im Alter, und es spricht unseres
Erachtens dafür, dieses System auch im Alter
bzw. in der Rehabilitation zu nutzen.
Tab. 2 Aspekte, die bei Bewegungsvorstellung beteiligt sind
Thema Bemerkung
Vorerfahrung des Handelnden Motorische Experten (Musiker, Leistungssportler) profitieren vermutlich mehr vom Bewegungs-
vorstellungstraining als Neulinge (Unerfahrene).
de novo lernen? Vermutlich ist es nur möglich, vorbekannte Bewegungsabläufe neu zu kombinieren, zusammen-
zusetzen, zu verbessern oder einzuschleifen, nicht gänzlich neu zu lernen.
Bewegungsvorstellungstraining alleine? Die meisten propagieren Bewegungsvorstellung in Verbindung mit praktischem Üben.
Instruktion In Studien extrem wichtig, da die Probanden sonst Unterschiedliches machen
Modalität visuell oder kinästhetisch Fitts‘ Gesetz trifft nur für kinästhetische Vorstellung zu; ebenfalls die M1-Aktivierung.
Tests Tests versuchen, implizit oder explizit die Vorstellung zu erfassen.
Bewegungsziel Beobachtung sinnvoller, zielgerichteter Bewegungen wird anders kodiert als die sinnloser Bewegungen.
Perspektive Egozentrisch (aus der Eigenperspektive) oder allozentrisch (Beobachtung einer dritten Person)
Augenschluss Stellt meist den Beginn der Bewegungsvorstellung bei den Leistungssportlern dar
Zeitliche Ausdehnung Für die Generierung von Bildern 2 Sekunden, für den Erhalt 4 Sekunden
Bewegungsvorstellung ist sehr vielgestaltig und von vielen Komponenten abhängig.
2626 Schwerpunkt Willkürmotorik und Kognition
Dettmers C., Nedelka V. Mentales Training. neuroreha 2011; 1: 24–31
Assessments
Die Schwierigkeit bei vielen Untersuchun-
gen zur Bewegungsvorstellung ist, dass
häufig nicht offensichtlich ist, was die un-
tersuchten Probanden zum Untersuchungs-
zeitpunkt gemacht haben, inwiefern sie sich
wirklich die geforderte Aufgabe vorgestellt
haben. Auch ist bisher häufig vernachläs-
sigt worden, inwiefern Patienten überhaupt
in der Lage sind, sich Bewegung vorzustel-
len bzw. wie gut sie hierzu in der Lage sind.
Daher ist es essenziell, bei Patienten ein ge-
naues, individuelles Assessment durchzu-
führen, wie gut das Vorstellungsvermögen
ausgeprägt ist. Dies sollte zumindest für die
nächsten Jahre so im Rahmen von Studien
durchgeführt werden, bis geklärt ist, welche
Patienten besonders vom mentalen Training
profitieren.
Die Assessments lassen sich in vier Ka-
tegorien unterteilen: Tests, die die Lebhaf-
tigkeit der Bewegungsvorstellung erfassen,
chronometrische Tests, Tests, die implizit
das räumliche Vorstellungsvermögen vor-
aussetzen, und autonome Tests.
Fragebögen zur Erfassung der Lebhaf-
tigkeit des Bewegungsvorstellungsver-
mögens
Neuere Versionen unterscheiden zumindest
immer zwei Kategorien: Die kinästhetische
Bewegungsvorstellung, d. h. die Frage, wie
sich eine Bewegung anfühlt, und die visuelle
Bewegungsvorstellung, d. h. die Art, wie man
sich eine Bewegung optisch vorstellen kann.
Häufig werden diese zwei Kategorien gleich-
gesetzt mit der Bewegungsvorstellung aus
der Eigenperspektive und der Bewegungs-
vorstellung einer dritten Person, was jedoch
nicht zwangsläufig der Fall ist. Wichtig er-
scheint, dass Untersucher die Fragen einzeln
und in Ruhe mit den Patienten durchgehen.
Unter diesen Voraussetzungen konnte Ma-
louin die Testgütekriterien für den Kinaes-
thetic and Visual Imagery Questionnaire
(KVIQ-10) für Patienten mit Schlaganfall be-
stimmen [54, 55]. Untersuchungen mit dem
Vividness of Movement Imagery Question-
naire (VMIQ) waren für die Forscher eher
unbefriedigend, da die Patienten dazu nei-
gen, die Fragen nach einzelnen Tätigkeiten
wenig differenziert zu beantworten [38]. Für
beide Tests scheint gleichermaßen wichtig
zu sein, dass die Testinstruktion eindeutig
definiert und vorgelesen wird. Andere nut-
zen die revidierte Fassung des Movement
Imagery Questionnaire [32].
Chronometrische Tests
Eine zweite Kategorie von Tests beruht auf
dem Gesetz der Chronometrie. Dies besagt,
dass die Zeit, die man benötigt, um sich eine
Tätigkeit im Geist vorzustellen, gut korreliert
mit der Zeit für die tatsächliche Bewegungs-
ausführung [21].
Mentaler 9-Loch-Steck-Test
Der mentale 9-Loch-Steck-Test ist eine men-
tale Version des 9-Loch-Steck-Tests. Pati-
enten müssen sich mental vorstellen, die
neun Bolzen mit der betroffenen und mit
der nicht betroffenen Hand in die 9 Löcher
zu stecken. Anschließend wird der Test real
durchgeführt. Das Seitenverhältnis für die
mentale Durchführung sollte ähnlich sein
wie für die reale Durchführung. Dabei ist es
wichtig, die Patienten so zu instruieren, dass
sie sich die Aufgabe nicht möglichst schnell
vorstellen, sondern möglichst real, d. h. in
der Art und in der Zeit, wie sie es anschlie-
ßend mit der betroffenen und nicht betrof-
fenen Hand real machen werden. Der Test ist
nicht evaluiert.
Simmons und Kollegen schlagen einen
Test vor, bei dem Patienten Fingertapping
real und mental in der Geschwindigkeit ei-
nes Metronoms durchführen. Der Test be-
ginnt mit 40/Minute und wird alle fünf Se-
kunden um 10/Minute gesteigert. Wenn die
Patienten angeben, das Fingertapping men-
tal noch durchführen zu können, wenn sie es
real bereits nicht mehr konnten, spricht das
dafür, dass sie sich die Aufgabe nicht richtig
oder nicht gut vorstellen konnten [79]. Sim-
mons schlägt ferner vor, dass die Patienten
Fingertapping nach einer erlernten Sequenz
durchführen, parallel zum Takt eines Metro-
noms. Nach festgefügten Schlägen des Me-
tronoms wird der Patient vom Untersucher
gefragt, welches der letzte Finger war, der
das Fingertapping durchführte [79].
Ein anderer Test besteht darin, dass sich
Patienten vorstellen, langsam zu gehen und
dabei die Schritte zu zählen. In randomi-
sierter Folge werden sie zum Beispiel nach
15, 30 und 45 Sekunden gefragt, wie viele
Schritte sie zurückgelegt haben. Die Anzahl
der Schritte sollte proportional zur jeweils
gestoppten Zeit sein.
Handidentifizierungsaufgabe
Eine dritte Kategorie von Tests umfasst das
räumliche Vorstellungsvermögen. Hier-
zu zeigte Johnson in einem PC Hände in
unterschiedlicher Orientierung und Form
präsentiert [43]. Die Probanden mussten
jeweils angeben, ob es sich um eine lin-
ke oder rechte Hand handelt. Diese Aufga-
be lässt sich meist nur dadurch lösen, dass
man seine eigene Hand in die gezeigte Hand
versucht hineinzudrehen und dadurch be-
stimmt, ob es sich um eine rechte oder linke
Hand handelt. Diese Handidentifizierungs-
aufgabe setzt also implizit die Bewegungs-
vorstellung voraus. Vorteil ist, dass man die
Zahl der Treffer und der Falschantworten er-
fassen kann und auch Reaktionszeiten. Ein
ähnlicher Test präsentiert Stangen in unter-
schiedlicher Orientierung und erfragt, ob
es leichter ist, diese Stange mit der rechten
Hand mit dem Obergriff oder mit dem Un-
tergriff zu erfassen (a Abb.1).
Abb. 1 Die Untersucher
präsentieren den Probanden
eine Stange in unterschiedlicher
Orientierung. Die Aufgabe
lautet zu entscheiden, ob es
für die linke Hand bequemer
ist, mit dem Obergriff oder
Untergriff die Stange zu
erfassen. Dies lässt sich
nur dadurch lösen, dass
man mit seiner eigenen
linken Hand dies gedanklich
ausprobiert. Ferner setzt diese
Aufgabe zur Lösung implizit
Bewegungsvorstellungs-
vermögen voraus.
a b
cd
Quelle: A. Cornford
27Schwerpunkt Willkürmotorik und Kognition
Dettmers C., Nedelka V. Mentales Training. neuroreha 2011; 1: 24–31
Autonome Testungen
Autonome Veränderungen (Puls, Blutdruck,
Hautwiderstand) variieren im selben Ausmaß
wie bei realer Durchführung [20]. Auch dies
stellt eine Möglichkeit dar zu testen, ob die
Patienten sich mental ähnlich belastet haben.
Bewegungsvorstellung
bei Patienten
Inwiefern Patienten, die nicht mehr zur Be-
wegungsausführung in der Lage sind, sich
eine Bewegung noch korrekt vorstellen kön-
nen, wird unterschiedlich beantwortet [29]:
Sirigu und Kollegen hatten eine Beeinträchti-
gung bei parietalen Infarkten gefunden [80],
Malouin und Kollegen eine Verlangsamung
der Bewegungsvorstellung nach Schlaganfall
[54]. Andererseits gibt es eine Reihe von Un-
tersuchungen, die dafür sprechen, dass Pati-
enten auch mit einer hochgradigen Lähmung
oder Plegie sich Bewegung noch vorstellen
können oder entsprechende Tests richtig
lösen können [45]. Eine Untersuchung be-
schreibt sogar eine Schärfung des Vorstel-
lungsvermögens für Bewegung nach einer
Parese [44]. Möglicherweise sind essenziel-
le Voraussetzungen für ein intaktes Vorstel-
lungsvermögen intakter parietaler Kortex, in-
takter frontaler Kortex, Basalganglien, soweit
sie in die Regelkreise involviert sind, und die
entsprechenden anatomischen Bahnen, die
diese Strukturen verbinden. Simmons spricht
zum Teil von einem „chaotischen Vorstel-
lungsvermögen“ bei Patienten mit Schlagan-
fall. Darunter versteht er insbesondere, wenn
die chronometrischen Verhältnisse bei realer
und imaginativer Durchführung nicht mehr
gegeben sind. Vermutlich ist es ähnlich wie
bei dem Ausmaß der Parese: Nicht alle Pati-
enten nach Schlaganfall haben dieselbe Pare-
se. In jedem Einzelfall sollte der Untersucher
testen, inwieweit das Vorstellungsvermögen
für Bewegung oder welche Komponenten bei
Patienten nach einem Schlaganfall erhalten
sind.
Bewegungsvorstellungstraining in der
Rehabilitation
Ungeachtet dieser kritischen Vorbemerkung
gibt es gute Hinweise für eine Wirksamkeit
als Add-on-Therapie – zumindest bei selek-
tierten Patienten. Zunächst gab es einige Pi-
lotversuche, die darauf hindeuteten, dass ein
Training mittels Bewegungsvorstellungsver-
mögen möglich ist [10, 18, 22, 39, 86]. Die
Zahl der Übersichtsarbeiten, die das men-
tale Training in der Neurorehabilitation eu-
phorisch propagieren, ist deutlich größer
[5, 8, 59, 76] als die Zahl der kontrollierten
klinischen Studien. Mittlerweile gibt es vier
klinische, randomisierte und kontrollierte
Studien zu Bewegungsvorstellung, die eine
Wirksamkeit belegen [49, 50, 66, 66] (
a
Tab .
3). Unklar bleibt, wie hochgradig selektiert
die Patienten waren. Es sind mehrere ran-
domisierte kontrollierte Studien zu diesem
Thema angemeldet [75, 90].
Vom praktischen Standpunkt aus be-
trachtet haben viele Therapeuten den Ein-
druck, dass sich nur ein begrenzter Teil der
Patienten zu einem mentalen Training eig-
net, insbesondere unter den Schwerbetroffe-
nen und in der frühen Rehabilitationsphase.
In den nächsten Jahren wird man sicherlich
weiter untersuchen müssen, ob sich mittels
klinischer Tests oder mittels funktioneller
Bildgebung differenzieren lässt, welcher Pa-
tient für mentales Training geeignet sein
könnte oder welcher Patient besonders da-
von profitieren könnte. Vermutlich ist es zu
einfach, dies nur von der Infarktlokalisation
abhängig zu machen, da Vorerfahrung, Per-
sönlichkeit, Motivation, Selbstwirksamkeit
und vieles andere ebenso wichtig sind. Fer-
ner ist das mentale Training bisher immer
nur als Ergänzung oder als Add-on-Thera-
pie verwendet worden. Vermutlich wird dies
auch in Zukunft so bleiben.
Bewegungsbeobachtung
bei Gesunden
Das Wissen um den positiven Einfluss des
Bewegungsbeobachtens und -imitierens auf
das motorische Lernen nährt sich aus drei
Quellen: der Kenntnis des SNS, der funk-
tionellen Bildgebung einschließlich Trans-
Tab. 3 Randomisierte, kontrollierte Studien zur Wirksamkeit von Training mittels Bewegungsvorstellung nach Schlaganfall
Autor Jahr N Jahre nach
Infarkt
Add-on Intervention Kontrolle Ergebnis-
parameter
Ergebnis
Liu 2009 18 und
19
akut ja 5 x 1 Stunde für 3 Wochen
„Chunking, self-regulation,
video feedback, mental
rehearsal” und Ausführung
von Alltagstätigkeiten
Ergotherapie
mit Üben der
identischen
Alltagstätigkeiten
Qualität
trainierter und
untrainierter
Alltagstätigkeiten
Signifikant bessere
Durchführung von Alltags-
tätigkeiten mit Hang zur
Generalisierung (nicht
geübte Tätigkeiten, andere
Umgebung)
Page 2007 2 x 16 3,6 Ja 2 x 30 Minuten für 6
Wochen
Relaxation Action Research,
Fugl-Meyer-Score
Impairment und Armfunk-
tion signifikant besser in
Interventionsgruppe
Liu 2004 2 x 23 nein 5 x 1 Stunde für 3 Wochen Konventionelle Color Trail Test
(CTT)
Fugl-Meyer
ADL
CTT verbessert sich
signifikant
Page 2001 8 und
5
Subakut ja 5 x 10 min mentales
Training, 6 Wochen
Information Action Research,
Fugl-Meyer-Score
Verbesserung in beiden
Skalen
Gesamt 63
vs.63
Selektion
unzureichend
beschrieben
Überwiegend als Add-on
durchgeführt
Besser als keine Therapie;
weniger wirksam als Üben
Die Tabelle veranschaulicht, dass die Zahl der untersuchten Patienten bisher sehr begrenzt ist, dass die Therapien nicht standardisiert oder einheitlich
waren, dass die Kontrollinterventionen unterschiedlich waren und dass vor allem die Selektionskriterien für die Patienten nicht gut nachvollziehbar waren.
Daher muss man zurückhaltend sein, diese Effekte zu generalisieren.
2828 Schwerpunkt Willkürmotorik und Kognition
Dettmers C., Nedelka V. Mentales Training. neuroreha 2011; 1: 24–31
kranieller Magnetstimulation (TMS) und
psychologischen Verhaltens- und Entwick-
lungsstudien auch bei Neugeborenen und
Kleinkindern. Das SNS wurde bereits oben
erklärt. Es beinhaltet auch, dass man von ei-
nem Observation-Matching-System oder ei-
nem motorischen Resonanzsystem ausgeht:
Beobachtete Handlungen werden von den-
selben Neuronen erkannt, die auch für die
Ausführung zuständig sind [4, 6]. fMRT-Stu-
dien belegen, dass dieses Konzept auch auf
Menschen übertragbar ist [6]. Die Aktivie-
rungen sind weniger ausgeprägt, wenn die
gezeigten Handlungen nicht zum Repertoire
des Beobachters gehören [8] oder die Aus-
führung nicht möglich erscheint [85]. Ferner
hängt sie auch von der Expertise des Beob-
achters hinsichtlich der gezeigten Bewegung
ab [13, 14].
Verschiedene Studien mittels TMS konn-
ten zeigen, dass Bewegungsbeobachtung zu
einer Fazilitierung im primärmotorischen
Kortex führt [24]. Dieser Prozess scheint
sich spezifisch auf die Muskeln zu beschrän-
ken, die in der beobachteten Handlung in-
volviert sind [52]. Dabei kann allein die Be-
obachtung schon zu einer Neubildung von
motorischem Gedächtnis führen [82]. Dieser
Mechanismus ist auch bei älteren Proban-
den erhalten [15]. Auch bei Patienten nach
Schlaganfall ließ sich die Enkodierung neu-
er motorischer Muster durch alleiniges Be-
obachten nachweisen [16]. Dies ist ein star-
kes Argument für die Nutzung des Video-
trainings in der Neurorehabilitation.
Bewegungsbeobachtungstraining
in der Rehabilitation
Das Bewegungsbeobachten ist ein
guter Kandidat zur Unterstützung
rehabilitativer Maßnahmen in der
neurologischen Rehabilitation.
Bisher gibt es zum Bewegungsbeobach-
tungstraining jedoch nur eine Studie [23].
Die Forscher wiesen nach, dass das tägli-
che Videotraining über eine Stunde pro Tag
über vier Wochen zu einer Verbesserung der
Handmotorik führte. In einer begleitenden
Studie mittels funktioneller Kernspintomo-
grafie vermuteten die Forscher, dass hieran
auch die kortikalen Areale beteiligt sind, in
denen Spiegelneurone repräsentiert sind.
Auf diesen Ergebnissen basierend haben
die Physio- und Ergotherapeuten der Klini-
ken Schmieder 45 einfache, objektbezogene
motorische Handübungen gefilmt und so-
mit ein Repertoire von 45 Übungen unter-
schiedlichen Schwierigkeitsgrades erstellt.
In der letzten Woche der stationären Reha-
bilitation bestimmen die Ergotherapeuten
die Übungen, die für den Patienten geeignet
erscheinen. Der Patient erhält diese als DVD
mit nach Hause. Jede Übung läuft etwa vier
Minuten. Zunächst muss der Patient 30–40
Sekunden die Übung konzentriert beobach-
ten, anschließend wird er aufgefordert, sie
mit der betroffenen Hand repetitiv parallel
zum Video nachzumachen. Das Training er-
streckt sich über sechs Wochen im häusli-
chen Rahmen, jeden Tag etwa eine Stunde.
Bisher ist unser Eindruck, dass die Patienten
hierzu sehr motiviert sind und dieses Trai-
ning sehr gerne in Eigenregie durchführen.
Derzeitig läuft im Rahmen einer monozent-
rischen, prospektiven, randomisierten, kon-
trollierten Studie die Datenauswertung, in-
wiefern sich diese Gruppe gegenüber zwei
Kontrollgruppen verbessert.
Unterschied zwischen Beobachtung und
Vorstellung von Bewegung
Strukturen für die Bewegungsbeobachtung
und -vorstellung überlappen sich zum gro-
ßen Teil. Bewegungsvorstellung scheint zu
etwas stärkerer Aktivierung zu führen, ins-
besondere im Bereich der SMA, Kleinhirnhe-
misphären, Basalganglien, IPL und PMv [26,
70]. Dies könnte ein Argument dafür sein,
dass Bewegungsvorstellung zu einer stärke-
ren Aktivierung/Fazilitierung führt als Be-
wegungsbeobachtung und insofern in der
Rehabilitation Vorteile bietet.
Die Bewegungsvorstellung scheint ein
Top-down-Prozess zu sein, der von präfron-
talen und parietalen Kortexarealen ausgeht.
Die Bewegungsbeobachtung ist ein Bottom-
up-Prozess, der von den frühen visuellen Are-
alen ausgeht (a Tab. 4) [57, 88]. Da die Beob-
achtung stark vom Stimulus getrieben wird,
erfordert sie unter Umständen weniger Initi-
ative und Anstrengung als die Vorstellung, die
von der Initiative der Person abhängt. Dies
könnte erklären, warum das Training mit-
tels Bewegungsbeobachtung vermutlich für
viele Patienten leichter ist und insofern bei
geschwächten Patienten einen Vorteil bietet.
Insbesondere erscheint das Videotraining
auch in Eigenregie und zu Hause durchführ-
bar. Einen direkten Vergleich zwischen Ef-
fektivität der Beobachtung und der Vorstel-
lung in der Rehabilitation von Patienten nach
Schlaganfall gibt es bisher nicht. Auch fehlt
ein Vergleich der Effektgrößen des mentalen
Trainings z. B. im Vergleich zur Constraint In-
duced Movement Therapy.
Kritische Bemerkungen
Häufig wird der Wert des Bewegungsvor-
stellungstrainings für die Neurorehabilita-
tion darin gesehen, dass Vorstellung und
Ausführung sich zum großen Teil überlap-
pende Systeme aktivieren. Dadurch könne
man das motorische System auf einem ande-
ren Weg – quasi über die Hintertür – errei-
Tab. 4 Unterschiede zwischen AI und AO
Bewegungs vorstellung (AI) Bewegungs beobachten (AO)
Top-down-Prozess Bottom-up-Prozess
Stärker vom Bewusstsein abhängig Kann weniger bewusst erfolgen
Setzt hohe Aufmerksamkeit voraus Weniger anstrengend
Schlecht kontrollierbar Gut kontrollierbar
Vorstellung aus der 1. oder dritten Person
möglich
Ich-Perspektive vorgegeben
Ausführender: ich oder dritte Person Ausführender meist als dritte Person vorge-
geben
Augen geschlossen Augen offen
Bild wird intern generiert Bild extern vorgegeben
Kinästhetisch oder visuell Visuell
Patientenselektion in der Neuroreha
notwendig?
Breitere Anwendbarkeit in Neuroreha möglich?
Supervision empfohlen? Eigenständiges Training?
Eher institutionell? Auch als Heimtraining?
Die Tabelle zeigt Unterschiede zwischen Bewegungsvorstellung (AI) und Bewegungsbeobachten (AO).
Welche Vor- und Nachteile sie im Vergleich miteinander in der Rehabilitation haben werden, ist bisher
Spekulation (mit Fragezeichen in der Tabelle versehen).
29Schwerpunkt Willkürmotorik und Kognition
Dettmers C., Nedelka V. Mentales Training. neuroreha 2011; 1: 24–31
chen [76]. Umgekehrt lässt sich jedoch auch
argumentieren, dass bei einer Beeinträch-
tigung des motorischen Systems und einer
weitgehenden Überlappung von Vorstellung
und Ausführung auch die Bewegungsvorstel-
lung beeinträchtigt sein sollte.
Holmes führt als Advocatus Diaboli die
kritischen Argumente gegen eine allzu eu-
phorische Einführung des mentalen Trai-
nings zusammen, die bisher weitgehend
vernachlässigt wurden [33]. Vor allem
mahnt er die Teilnahme der Praktiker in der
Rehabilitationsforschung an. Er weist dar-
auf hin, dass es viele Variablen gibt, deren
Einfluss auf den Rehabilitationserfolg bisher
nicht geklärt ist: Vorstellung aus der Eigen-
perspektive oder der Perspektive der dritten
Person; kinästhetisch oder visuell; Motiva-
tion; Kontrollierbarkeit; individuelle Vorer-
fahrung mit Bewegungsvorstellung u. v. a.
mehr. Milton vermutete, dass Bewegungs-
vorstellungstraining (MI) für Experten effi-
zient sei, nicht aber für Novizen, die keine
Vorerfahrung mit MI haben [58]. In ähnli-
cher Weise hatte Mulder bereits darauf hin-
gewiesen, dass sich durch MI nur Bewegun-
gen verbessern lassen, die bereits zum Be-
wegungsrepertoire gehören, keine ganz und
gar neuen Bewegungen (a Kasten: „Training
mittels Bewegungsvorstellung“) [61].
Einige der Schwierigkeiten treffen in
ähnlicher Weise für die Bewegungsbeob-
achtung zu, andere sprechen eher für den
Gebrauch der Bewegungsbeobachtung in der
Neurorehabilitation.
Bisher gibt es keine evidenzbasierten
Empfehlungen, wie die Therapiesitzung ab-
laufen sollte. Möchte ein Therapeut oder
eine Einrichtung Erfahrungen mit Bewe-
gungsvorstellungstraining machen, emp-
fehlen wir Folgendes zu beachten:
Bisher nur als zusätzliche Therapie (Add-
on) und in Kombination mit praktischem
Üben empfohlen.
Vermutlich ist nur ein Teil der Patienten
effektiv dazu in der Lage (bisher nicht
systematisch untersucht).
Vor Beginn des Trainings ein Assessment
des Vorstellungsvermögens durchführen,
um den Erfolg oder fehlenden Erfolg des
Trainings später einordnen zu können.
Zusammenfassung
Mittels Bewegungsvorstellung und Bewe-
gungsbeobachtung werden große Teile des
motorischen Systems stimuliert und akti-
viert, insbesondere der motorische Assozia-
tionskortex bzw. der prämotorische und pa-
rietale Kortex, die in der Bewegungsplanung
der Ausführung anatomisch und funktionell
hierarchisch vorgeschaltet erscheinen. Die-
se Art des Trainings wird vermutlich keine
konventionelle Physiotherapie oder Ergothe-
rapie ersetzen, sondern eher eine komple-
mentäre Methode sein, um die Trainings-
zeiten zu vermehren und gezielt den Teil
zu beüben, der oberhalb der Exekutive liegt
bzw. dieser vorgeschaltet ist. Es wird zu klä-
ren sein, welche Patienten von welcher Form
des mentalen Trainings mehr profitieren.
Autoren
Prof. Dr. Christian Dettmers
leitet die neurologische
Abteilung der Kliniken
Schmieder Konstanz. Seine
wissenschaftlichen Schwer-
punkte sind die Nutzung der
funktionellen Bildgebung in der
Rehabilitation zur Darstellung
von Plastizität und Therapieeffekten.
Dipl.-Psych. Violetta Nedelko ist Psychologin und
hat im Rahmen ihrer Promotionsarbeit Videothe-
rapie nach Schlaganfall und korrespondierende
Veränderungen im fMRT evaluiert. Die Autoren
danken Frau A. Ruchay-Ploessl, Frau C. Rothmeier
und Herrn Dr. S. Vry für die Hilfe bei der Erstellung
der Videos für die Videotherapie, für die anre-
gende Diskussion und die Literatur.
Prof. Dr. Christian Dettmers
Kliniken Schmieder Konstanz
Eichhornstraße 68
78464 Konstanz
Tel.: 07531/986-3536
E-mail: C.Dettmers@kliniken-schmieder.de
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2. Der Patient macht dies mit der gesunden Hand zweimal nach.
3. Der Patient stellt sich dies mit der gesunden Hand zweimal vor und beschreibt, wie das
klappt.
4. Der Patient stellt sich die Bewegung zweimal mit der betroffenen Hand vor und berichtet,
inwieweit er das schafft.
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... Nach Catley können TPD-Werte über 60 mm mit 90 %iger Sicherheit als "abnormal" bezeichnet werden [3]. 5 Treffsicherheit Die Analyse beider Tests erfolgte anhand von Antwortzeit und Treffsicherheit. Berücksichtigt wurde, ob die Teilnehmer der Patientengruppe unter unioder bilateralen Rückenschmerzen litten. ...
... Mittels regelmäßig durchgeführter Motor Imagery können u. a. Qualität, Quantität und Timing einer Bewegung verbessert werden. Angewandt wird die Bewegungsvorstellung beispielsweise zur Leistungssteigerung im Sport [4,5]. In der Physiotherapie liegt der Fokus des mentalen Trainings dagegen auf der Rückführung kortikaler Veränderungen, die als Treiber für chronische Rückenschmerzen identifiziert wurden [4]. ...
... Bewegungsvorstellung stellt einen Abruf eines Bewegungsmusters oder eine Kombination von Teilen aus dem Gedächtnis ohne adäquate Sinnesreizung dar. Es ist ein multidimensionaler Prozess, der nicht durch einen einzelnen Test adäquat abgebildet werden kann [5]. Ferner stellt sich die Frage, ob im Laufe des Trainings überhaupt die Lebhaftigkeit der Vorstellung trainiert wurde. ...
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Aim: The study's aim was to investigate stroke patients' acceptance of mental imagery training. We also examined whether mental imagery improves through training. Patients and methods: Fourteen patients with a stroke and a hand paresis were included. The intervention lasted for 45 minutes sessions on 8 consecutive week days as add-on therapy during inpatient rehabilitation. Study participants were grouped with two to four patients. Mental training was conducted in four steps: 1. Therapist performed one of 25 simple, partially object-related hand or arm actions. 2. Patient sitting at a table performed the action with his intact arm. 3. Patient imagined performing the action with his intact hand. 4. Patient imagined executing the action with his affected arm. Control condition: Waiting period lasting eight week days. Outcome parameter: At the end of training patients answered thirteen non-standardized questions to evaluate the training. Changes of mental imagery were assessed through the Vividness of Movement Imagery Questionnaire (VMIQ) before and after the training and after a waiting period as a control condition. Results: The training was appraised as good (3) or very good (9) by most of the fourteen participants. Nine patients estimated their motor imagery to be improved. Twelve patients intended to continue their mental training at home after discharge. VMIQ did not reveal any significant change of mental imagery. Conclusion: Mental imagery training was highly accepted by patients. Although evidence from randomized controlled trails is not unequivocal, mental imagery appears to be suitable as additional supervised training in small groups for patients with stroke.
... Bewegungsvorstellung stellt einen Abruf eines Bewegungsmusters oder eine Kombination von Teilen aus dem Gedächtnis ohne adäquate Sinnesreizung dar. Es ist ein multidimensionaler Prozess, der nicht durch einen einzelnen Test adäquat abgebildet werden kann [5]. Ferner stellt sich die Frage, ob im Laufe des Trainings überhaupt die Lebhaftigkeit der Vorstellung trainiert wurde. ...
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Zusammenfassung Einleitung/Fragestellung: Es sollte die Akzeptanz von Seiten der Patienten hinsichtlich eines neu einge-führten Bewegungsvorstellungstrainings nach Schlaganfall untersucht werden. Gleichzeitig sollte untersucht werden, ob sich das Bewegungsvorstellungsvermögen der Patienten verbessert.
... The latter one refers to motor recovery after stroke (Liu, Chan, Lee, & Hui-Chan, 2004; Liu et al., 2009; Page, Levine, & Khoury, 2009; Page, Levine, & Leonard, 2005; Page, Levine, Sisto, & Johnston, 2001). The results of these studies, however, should be interpreted with caution because of the small sample sizes (N=65 combined for all studies) and the dissimilarities among patients (acute vs. three years after the cerebral insult) and intervention protocols (5 × 1 hr vs. 5 × 10 min; Dettmers & Nedelka, 2011;). There are still questions remaining if MI effectiveness is compromised by individual MI abilities () and how to implement MI in the rehabilitation process in an effective way (Zimmermann-Schlatter et al., 2008). ...
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The benefits of imagery use have been shown for athletes and neurological patients, but little is known about the benefits of motor and exercise imagery for older adults. Current research on movement-related imagery is reviewed in this narrative article, with a focus on methods for estimating the ability to use motor and exercise imagery and the extent of their use. Recent investigations of motor imagery and exercise imagery in healthy older adults are reviewed. Recommendations for integrating the two approaches in future research are made and the potential of imagery use to encourage physical activity in older adults is discussed.
... Das Mentale Training in Form der Bewegungsbeobachtung und -vorstellung dient in der Neurorehabilitation als Mittel zur Therapieoptimierung, und zunehmend gibt es Hinweise auf ihre Wirksamkeit [22]. Im weiteren Sinne werden auch das Spiegeltraining und das Videotraining hinzugerechnet, die aber zusätzlich sensorische und/oder visuelle und auch teilweise aktive motorische Komponenten beinhalten [7]. ...
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Die sektorale Organisation in ambulante, stationäre und teilstationäre Einrichtungen kennzeichnet das deutsche Gesundheitssystem. Im ambulanten Bereich spielen das Kostenmanagement und die Entwicklung effizienter prozessorientierter Versorgungsstrukturen vorrangig im Rahmen der Praxisbudgets eine Rolle [12]. Anreize zur Prozessintegration bestehen bisher kaum, obwohl durch den demografischen Wandel und medizinischen Fortschritt die Nachfrage nach Heilmitteln steigt. Der Artikel zeigt die Probleme der weisungsgebundenen ambulanten Physiotherapie auf: die Herausforderungen, die das deutsche Gesundheitswesen mit dem Heilmittelkatalog an die Therapeuten stellt, und die Verantwortung gegenüber den Patienten, eine adäquate und effektive Anschlussbetreuung nach der Akutversorgung zu garantieren.
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Zusammenfassung Die Vermittlung und Festigung motorischer Fertigkeiten gehören zu den grundlegenden Aufgaben sporttherapeutischen Handelns. Viel zu oft wird sich hierbei jedoch eines Universalkonzeptes bedient, ungeachtet der Struktur der Bewegungsaufgabe. Ganz nach der Idee des Maslow’schen Hammers, wonach für jemanden, der lediglich einen Hammer zur Verfügung hat, jedes Problem einem Nagel gleicht. Mit diesem praxisorientierten Tutorial möchten wir gerne eine Reihe an theoretisch begründeten Methoden anbieten, welche flexibel an Bedarfe der Fertigkeitsvermittlung und -optimierung angepasst werden können. Das Ziel soll hierbei sein, den sporttherapeutischen Werkzeugkoffer um verschiedene nützliche Werkzeuge zu ergänzen. Dabei machen wir direkt Gebrauch vom Modell der Generalisierten Motorischen Programme und dem Konzept der Koordinativen Anforderungen.
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This research has two purposes: (1) to study developmental changes and differences in visual and movement imagery in male and female children and adults; (2) to investigate whether systematic differences in imagery vividness can be measured in specialist groups. In Study 1, the V if Visual Imagery Questionnaire and the Vividness of Movement Imagery Questionnaire were administered to 547 individuals in age groups from 7-8 to 50+ years of age. Significant increases in imagery vividness were found in females at 8-9 and in males at 10-11 years. In general females report more vivid imagery than males but at about 50 females' movement imagery reduced in vividness. In Studies 2-5 imagery differences in specialist groups were examined using the same two questionnaires with a total of 655 participants. In Study 2, children aged 7-15 years with poor movement control were found to be extremely poor imagers with 42 per cent reporting no imagery at all. In Study 3, physical education students reported more vivid imagery than students specializing in physics, English, and surveying. In Study 4, significant differences were found between elite athletes' imagery and that of matched controls. In Study 5, air traffic controllers and pilots were found to have significantly more vivid imagery than matched control groups. Introspective reports of imagery experience show a systematic pattern of relationships with age, gender, and specialization requiring high-level performance of perceptual motor skills. These findings support the theory that mental imagery plays a key role in the planning and implementation of action.
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Recent studies have found age-related BOLD signal changes in several areas of the human brain. We investigated whether such changes also occur in brain areas involved in the processing of motor action observation and imagery. Functional magnetic resonance imaging with an experimental paradigm in which motor acts had to be observed and/or imagined from a first person perspective was performed in twenty-six subjects. In line with previous work action observation and imagery induced BOLD signal increases in similar areas, predominantly in the premotor and parietal cortex. In contrast to young subjects the elderly displayed a stronger activity in most activated brain areas indicative of compensatory activity for the age-related decline of neural structures. Importantly, activity in the ventrolateral premotor cortex and inferior parietal cortex, seminal areas of the mirror neuron system, did not exhibit activity changes as a function of age. These findings suggest that activity within the mirror neuron system is not age dependent and provide a neural basis for therapeutical interventions and novel rehabilitation treatments such as video therapy.
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The aim of this study was to investigate the involvement of the parietal cortex during motor imagery (MI). In experiment one, participants imagined a sequence of upper limb movements during FMRI scanning. Statistical parametric mapping revealed a network of activation consistent with previous MI research, including activation in right and left inferior and superior parietal cortex. In experiment two, participants imagined a sequence of upper limb movements while real or sham single-pulse TMS was delivered over the scalp area corresponding to each individual's left or right superior parietal cortex. At the end of each trial, participants moved their upper limbs to the position that would result from executing the sequence of movements. TMS degraded accuracy of MI compared to sham stimulation, and both accuracy and confidence decreased with real and sham stimulation later in the MI sequence. The effects of TMS were similar when delivered to either hemisphere. The results of this study provide evidence of the crucial role of SPL in MI, and may have implications for rehabilitation from brain injury.
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In area F5 of the monkey premotor cortex there are neurons that discharge both when the monkey performs an action and when he observes a similar action made by another monkey or by the experimenter. We report here some of the properties of these 'mirror' neurons and we propose that their activity 'represents' the observed action. We posit, then, that this motor representation is at the basis of the understanding of motor events. Finally, on the basis of some recent data showing that, in man, the observation of motor actions activate the posterior part of inferior frontal gyrus, we suggest that the development of the lateral verbal communication system in man derives from a more ancient communication system based on recognition of hand and face gestures.
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Biological motion perception is influenced by observers' familiarity with the observed action. Here, we used classical dance as a means to investigate how visual and motor experience modulates perceptual mechanism for configural processing of actions. Although some ballet moves are performed by only one gender, male and female dancers train together and acquire visual knowledge of all ballet moves. Twenty-four expert ballet dancers (12 female) and matched non-expert participants viewed pairs of upright and inverted point light female and common dance movements. Visual discrimination between different exemplars of the same movement presented upright was significantly better in experts than controls, whilst no differences were found when the same stimuli were presented upside down. These results suggest expertise influences configural action processing. Within the expert group, effects were stronger for female participants than for males, whilst no differences were found between movement types. This observer gender effect could suggest an additional role for motor familiarity in action perception, over and above the visual experience. Our results are consistent with a specific motor contribution to configural processing of action.