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Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen

Authors:

Abstract

Optimality theory has adequately proved its fertility in different areas of linguistic studies, so also in the formation of phonological theory. The aim of the present study is to examine the pronunciation problems derived from the systematic comparison between the syllable structures of German and Persian within an optimality-theoretic framework. Here, the essential characteristics of the syllable structure of German and Persian are investigated in relation to the three sub-domains of the syllable, i. e. onset, nucleus and coda. The results of the study show that native speakers of Persian use two strategies, namely epenthesis and segmentation, so that the syllable structure of German is integrated into the Persian system. Despite differences between the syllable structures of the two systems, which are shaped by their different prosodic structures, it is observed in some cases that Persian speakers learning German produce the standard features of pronunciation of the words tested in this experiment without any modification of syllable structure. Optimality theory as a constraint-based approach is a potentially powerful theoretical tool to provide an explanation for Persian speakers' tendency to apply one of these strategies due to the differences between Persian and German regarding the ranking of the constraints.
Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
Silbenstruktur des Deutschen und
des Persischen
Eine optimalitätstheoretische Analyse von
Ausspracheschwierigkeiten persischer Muttersprachler
im Deutschunterricht
Abstract: Optimality theory has adequately proved its fertility in different areas of
linguistic studies, so also in the formation of phonological theory. The aim of the
present study is to examine the pronunciation problems derived from the syste-
matic comparison between the syllable structures of German and Persian within
an optimality-theoretic framework. Here, the essential characteristics of the
syllable structure of German and Persian are investigated in relation to the three
sub-domains of the syllable, i. e. onset, nucleus and coda. The results of the study
show that native speakers of Persian use two strategies, namely epenthesis and
segmentation, so that the syllable structure of German is integrated into the
Persian system. Despite differences between the syllable structures of the two
systems, which are shaped by their different prosodic structures, it is observed in
some cases that Persian speakers learning German produce the standard features
of pronunciation of the words tested in this experiment without any modification
of syllable structure. Optimality theory as a constraint-based approach is a
potentially powerful theoretical tool to provide an explanation for Persian speak-
erstendency to apply one of these strategies due to the differences between
Persian and German regarding the ranking of the constraints.
Fatemeh Bahrami: Universität Isfahan/Iran, 3rd Floor, No. 269, Block E, Ostad-Sahryar-Street,
Shahrak-Valiasr, Se- Rah Simin, Postal Code 8179637716, E-Mail: fatemeh.bahrami@fgn.ui.ac.ir
Marzieh Atai Kachoui: Institut für Deutsch als Fremdsprache (IDF), Ruprecht-Karls-Universität
Heidelberg, Plöck 55, D-69117 Heidelberg, E-Mail: Marzieh.Atai@yahoo.de
1 Einleitung
1.1 Grundannahmen der Optimalitätstheorie
1.2 Fremdsprachenerwerb in der Optimalitätstheorie
2 Silbe
2.1 Silbenstruktur und prosodische Struktur
2.2 Konstituentenmodell der Silbe
3 Problemstellung
4 Beschränkungen der Silbenstruktur in der Optimalitätstheorie
DOI 10.1515/zgl-2012-0013 ZGL 2012; 40(2): 167216
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5 Die Phonemsysteme des Deutschen und des Persischen
5.1 Konsonanten
5.2 Vokale
6 Vergleich der Silbenstrukturen im Deutschen und im Persischen
7 Vergleich der ConstraintRankings im Deutschen und im Persischen
8 Empirische Untersuchung
8.1 Beschränkungen der Silbenstruktur in der OnsetPosition
8.1.1 Silben mit drei Konsonanten im Onset
8.1.2 Silben mit zwei Konsonanten im Onset
8.1.3 Silben mit einem Konsonanten im Onset
8.2 Beschränkungen der Silbenstruktur in der KodaPosition
8.2.1 Silben mit vier Konsonanten in der Koda
8.2.2 Silben mit drei Konsonanten in der Koda
8.2.3 Silben mit zwei Konsonanten in der Koda
8.2.4 Silben mit einem Konsonanten in der Koda
8.2.5 Offene Silben
8.3 Beschränkungen der Silbenstruktur in der NukleusPosition
9 Schlussfolgerung
Danksagung
Literatur
1 Einleitung
1.1 Grundannahmen der Optimalitätstheorie
Die erstmals in PRINCE & SMOLENSKY (1993) entworfene Optimalitätstheorie
(OT) gehört sicherlich zu den erfolgreichsten der sog. Constraint-basierten The-
orien, die in den letzten Jahren v. a. unter den Generativen Grammatikern
Beachtung gefunden hat. Diese Theorie basiert auf der Annahme, dass die
Grammatik einer Sprache nicht mehrere Ebenen, sondern nur eine enthält, auf
der eine im Prinzip unendliche Menge von Oberflächenstrukturen durch eine
Reihe von universell gültigen Beschränkungen (Constraints) evaluiert werden.
Beschränkungen sind in einer sprachspezifischen Dominanzhierarchie geordnet,
wobei im Fall eines Konflikts zwischen Beschränkungen die höher gewichtete
Beschränkung den Ausschlag gibt. Im Unterschied zu Regeln traditioneller gene-
rativer Ansätze haben die Beschränkungen die Eigenschaft, verletzbar zu sein.
Eine Kontrolle über die Verletzungen wird nach FÉRY (2006: 205) durch den
Begriff der besten Erfüllung oder minimalen Verletzung erreicht.
Die Funktionsweise der Optimalitätstheorie lässt sich als Input-Output-Mecha-
nismus beschreiben. Auf der Folie dem Modell zugrunde liegender Repräsentatio-
nen (Input) wird über einen Generierungsmechanismus (Generator) eine Reihe
möglicher Kandidaten (Output) erzeugt, die dann im Hinblick auf Grammatikalität
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bewertet werden. Ein grammatisch korrekter Kandidat wird als optimalqualifi-
ziert, nicht-optimale Kandidaten hingegen sind ungrammatisch. Die Entscheidung
darüber, ob ein Kandidat akzeptabel ist, wird in Form eines Bewertungsmecha-
nismus (Evaluator) ausgedrückt, der hinsichtlich einer Beschränkungsordnung für
jedes Segment des Inputs prüft, inwieweit es in der vorliegenden Obeflächenform
repräsentiert ist. Indem die Kandidaten auf ihre Optimalität hin verglichen werden,
stehen sie quasi in einer Wettbewerbssituation (vgl. SCHLOBINSKI 2003: 111; MAAS
2006: 364). Zentral ist hierbei v. a. im Hinblick auf komplexere Wettbewerbe das
Prinzip strict domination(vgl. KAGER 1999: 22). Dieses besagt, dass die Verletzung
einer hoch geordneten Beschränkung durch die Erfüllung von tiefer geordneten
Beschränkungen nicht kompensiert werden kann. Es ist also beispielsweise mög-
lich, dass der optimale Kandidat einen tiefer geordneten Constraint mehrfach
verletzt oder mehrere tiefer geordnete Constraints verletzt. Der optimale Kandidat
nimmt jedoch die Verletzung eines Constraints in Kauf, um damit den Verstoß
gegen einen höher geordneten Constraint zu vermeiden.
Hierzu kommen hauptsächlich zwei generelle konfligierende Tendenzen, näm-
lich Markiertheits- und Treue-Constraints in Betracht.
1
Markiertheit (Markedness)
ist ein Begriff, der auf die Prager Schule (TRUBETZKOY 1939) zurückgeht und von
der generativen Transformationsgrammatik (CHOMSKY & HALLE 1968) weiterent-
wickelt wurde. Markiertheit basiert auf der allgemeinen Idee, dass manche sprach-
lichen Strukturen natürlicher und häufiger (unmarkiert) als andere (markiert)
vorkommen. Die Existenz von markierten Strukturen impliziert die Existenz ihrer
unmarkierten Gegenstücke. Durch Markiertheitsconstraints soll nur das Vorkom-
men unmarkierter Strukturen zugelassen werden. Eine wichtige Rolle spielt ferner
das Konzept der Treue(Faithfulness), das dagegen die Funktion hat, lexikalische
Kontraste zu erhalten. Mit anderen Worten verlangt Treue, dass die phonetischen
Repräsentationen (die Outputformen) mit den jeweiligen zu Grunde liegenden
Repräsentationen (die Inputformen) identisch sind(HALL 2000: 317).
1.2 Fremdsprachenerwerb in der Optimalitätstheorie
Wie eingangs erwähnt, besteht die wesentliche Aufgabe der Optimalitätstheorie
darin, einzelsprachlich unterschiedlich gewichtete Constrainthierarchien zu be-
1
Neben diesen beiden Constrain-Typen sind insbesondere Alignment-Constraints (Ausrich-
tungs-Beschränkungen) im OT-Fomalismus weit verbreitet (vgl. McCarthy & Prince 1993), die
Bündigkeit (alignment) zwischen den Rändern von prosodischen und grammatischen Konstitu-
enten verlangen. Diese Constraints werden im Rahmen des vorliegenden Beitrags nicht behandelt.
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stimmen. MAAS (2006: 367) weist darauf hin, dass diese Beschränkungen ein
universales Inventar bilden, das es erlaubt, nicht nur die Formen einer Sprache zu
untersuchen, sondern so auch Sprachen zu vergleichen: danach, welche Be-
schränkungen in ihnen genutzt werden bzw. wie sie gewichtet sind. Die Varia-
tion zwischen den verschiedenen Sprachen dieser Welt ist dann auf eine je
spezifische Anordnung der Beschränkungen zurückzuführen. Während die Be-
schränkungen also universell sind, kann das sog. Ranking der Beschränkungen
von Sprache zu Sprache variieren und dabei der Variation zwischen den einzel-
nen Sprachen Rechnung tragen(JUNGEN & LOHNSTEIN 2006: 146).
Was den Fremdsprachenerwerb anbelangt, stellt die OT eine solide theoreti-
sche Grundlage dar.
2
Die Aufgabe der Lerner einer Fremdsprache besteht aus dieser
Sicht nicht mehr darin, aus der Oberflächenstruktur (Output) die neuen Regeln der
Zielsprache (L2) zu lernen, wie es in früheren regelbasierten Ansätzen der Fall war,
sondern nur die schon in ihrer Erstsprache (L1) und in allen Sprachen der Welt
vorhandenen Constraints neu anzuordnen. Es wird davon ausgegangen, dass L2-
Lerner am Anfang den vollen Bezug auf das L1-Ranking nehmen, um eventuell zum
Ziel-Ranking zu gelangen. Das Herausfinden des L2-Rankings erfolgt aber erst
durch eine ganze Serie von Rerankings, die sich aus dem Kontakt mit dem L2-Input
ergeben. Outputformen, die von den L2-Inputformen abweichen, sind nicht nur auf
das L1-Ranking zurückzuführen, sondern auch auf die verschiedenen Rerankings
im Laufe des Erwerbprozesses, die mit dem Zielranking völlig übereinstimmen
können oder auch nicht (vgl. HANCIN-BHATT 2000: 207).
Eine besondere Strategie beim Erwerb einer Fremdsprache stellt demzufolge
die Übertragung von Strukturen der Ausgangssprache (L1) auf die Zielsprache
(L2) dar, die in Form von Interferenzen in Erscheinung treten. Hierbei können
positive Transfers stattfinden, aber auch negative Übertragungen, die dem ver-
breiteten Verständnis des Begriffs Interferenzentsprechen. Unter dieser An-
nahme lässt sich sprachliche Interferenz ganz allgemein als die gegenseitige
Einwirkung und Beeinflussung von Strukturen, die zwei verschiedenen Sprach-
systemen angehören(CZOCHRALSKI 1971: 5) bezeichnen. Interferenzen beschäf-
2Die Gültigkeit dieser Annahme wurde von TESAR & SMOLENSKY (1993) anhand eines Er-
werbsalgorithmus demonstriert. Eine der bekanntesten Studien zum Zweitspracherwerb im
Rahmen der OT bildet darüber hinaus die von BROSELOW et al. (1998). Die Studie von BROSELOW
et al. hat Fehlertypen beim Erwerb der englischen Kodastruktur im Rahmen der OT analysiert und
dabei den Bezug auf Transfer- (Epenthese, Tilgung) oder Markiertheitseffekte demonstriert.
Durch diese Untersuchung wurde eine experimentelle Evidenz dafür geliefert, dass die OT eine
mögliche Alternative zu regelbasierten Ansätzen darstellt, mit deren formaler Beschreibungs-
und Erklärungskraft einige Phänomene der Interlanguage-Phonologie erfasst und analysiert
werden können.
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tigten insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren die Sprachlehrforscher,
wobei es vorrangig darum ging, durch FehlervoraussagenSpracherwerbspro-
zesse zu systematisieren und durch vorbeugendeund bewusstmachende
Sprachvergleiche Lerner/innen einer neuen Sprache schneller und müheloser
zum Erfolg zu verhelfen (vgl. KÖNIGS 1995).
2 Silbe
2.1 Silbenstruktur und prosodische Struktur
Die systematische Auseinandersetzung mit der prosodischen Gesamtstruktur von
Äußerungen gehört zu den Hauptaufgaben der Prosodischen Phonologie.In
Anlehnung an syntaktische Bäume bzw. Konstituentenstrukturen geht die Theo-
rie der prosodischen Phonologie davon aus, dass alle phonologischen Kategorien
ein hierarchisch organisiertes System bilden, in dem eine oder mehrere Konstitu-
enten gleicher Kategorie von der Konstituente der nächsthöheren Kategorie
lizenziert werden, was bedeutet, dass eine Konstituente nicht zu zwei nächst-
höheren Konstituenten gleichzeitig gehören darf (SZCEPANIAK 2007: 28). Als
prosodisch relevant können insgesamt sechs Größenordnungen festgehalten
werden, wobei die phonologische Äußerung als Ganze an der Spitze der Hie-
rarchie steht; sie gliedert sich auf der nächstniedrigen Ebene in eine oder mehrere
Intonationsgruppen, von denen jede ihrerseits wieder den Kopf unmittelbarer
Konstituenten bildet, und so weiter bis hinunter zur Silbe als rangniedrigster
prosodischer Einheit. Das folgende Darstellungsmodell entspricht weitgehend
dem Konzept der prosodischen Hierarchie, die von SELKIRK (1984b) und NESPOR
& VOGEL (1986) zum ersten Mal aufgestellt wurde und den meisten aktuellen auf
prosodische Phänomene bezogenen Ansätzen zu Grunde liegt (vgl. z. B. HALL
2011: 319; HALL 2000: 301; GRASSEGGER 2010: 64f.).
3
NESPOR & VOGEL (1986: 11) beanspruchen den universellen Charakter der
prosodischen Hierarchie. Dadurch lehnen sie die Möglichkeit von sprachspezi-
fischen Unterschieden in der Reihenfolge und in der Zusammensetzung der Kate-
gorien ab. AUER (vgl. 1994: 60f., 76) plädiert dagegen für ein Modell mit einer für
3Den beschriebenen Ansätzen stehen wiederum solche gegenüber, die von einer ausgedehn-
teren prosodischen Hierarchie ausgehen. FÉRY (2006: 165) beispielsweise setzt unterhalb der
Silbenebene noch die Einheit Mora an. NESPOR & VOGEL (1986: 16) hingegen nehmen oberhalb
der Phrasenebebe noch die klitische Gruppean. Die vorliegende Untersuchung beschränkt sich
auf die Konstituenten in Abb. 1, weil diese Einheiten unumstritten sind.
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die Einzelsprachen spezifischen prosodischen Hierarchie, indem er postuliert, dass
diese nur aus phonetisch-phonologisch nachweisbaren Kategorien bestehen solle.
Nun ist es nicht unplausibel zu vermuten, dass für viele Sprachen die prosodische
Hauptkategorie die Silbe ist. Wo sie als Hauptkategorie auftritt, bestimmt sie einen
phonologischen Typus, nämlich den der Silbensprache, dem ein anderer phonolo-
gischer Typus, nämlich der der Akzent- oder Wortsprache, gegenüber steht. In den
Akzentsprachen steht die Silbe im Dienste der höheren Kategorien. Der Grund-
gedanke dieser sprachtypologischen Unterscheidung, die hauptsächlich auf den
Arbeiten von PIKE (1945) und ABERCROMBIE (1967) basiert und u. a. in den
Arbeiten von AUER & UHMANN (1988) sowie AUER (1994) kritisch diskutiert und
erweitert wurde, besteht darin, dass alle Sprachen eine Form von Isochronie
anstreben, d. h. es wird erwartet, dass bestimmte rhythmische Grundeinheiten
ungefähr gleiche Zeiteinheiten belegen (vgl. AUER & UHMANN 1988: 215). Für
akzentzählende Sprachen ist die Unterscheidung zwischen betonten und unbe-
tonten Silben zentral: Für sie wird die Tendenz zu einer gleichmäßigen temporalen
Aufeinanderfolge betonter Silben als konstitutiv angenommen. Ihr Rhythmus baut
damit auf dem phonologischen Fuß auf, der aus einer betonten und gegebenfalls
eine oder mehreren unbetonten Silben gebildet wird. In silbenzählenden Sprachen
wird dagegen eine Tendenz zur gleichen Dauer aller Silben angenommen, d. h.
Silben und nicht metrische Füße sollen dort im gleichen zeitlichen Abstand auf-
einanderfolgen, also isochron sein (vgl. KALTENBACHER 1998: 21).
Mittlerweile ist diese grundsätzlich akzentbasierte Rhythmusauffassung auf
eine Vielzahl von Sprachen übertragen worden (vgl. HAYES 1995 als eindrucksvolle
Gesamtschau) und dominiert die Forschung bis in die vorwiegend optimalitäts-
theoretischen Diskussionen der Gegenwart. Bezieht man die rhythmische Typolo-
gie auf den L2-Erwerb, der im Bereich der Phonologie insbesondere in frühen
Erwerbsstufen stark durch Transfer mitbestimmt ist, sind je nach Zugehörigkeit
phonologische
Ä
ußerung (P
Ä
)
Intonationsphrase (IP)
Phonologische Phrase ( )
Phonologisches Wort ( )
Fuß (F)
Silbe ( )
Abbildung 1: Prosodische Hierarchie
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der beiden Sprachen spezifische Erwerbsprobleme zu erwarten: So zeigen sich etwa
bei einer silbenzählenden L1 und einer akzentzählenden L2 Interferenzen auf der
segmentalen Ebene und bei der Vereinfachung der Silbenstruktur durch Epen-
thesen und Auslassungen (TROPF 1983: 159ff.; 198ff.; WODE 1993: 202f.), bei der Art
und Weise der Silbifizierung (BROSELOW 1984: 261) und bei der Plazierung des
Wortakzents (ARCHIBALD 1993; KALTENBACHER 1994: 261).
Im vorliegenden Beitrag wird diese Forschungstradition insofern dargestellt,
als Sprachrhythmus für den Komplexitätsgrad der Silbenstrukturen in der L1 und
L2 Konsequenzen hatte. Die Beantwortung dieser Frage setzt jedoch zuerst eine
Beschreibung der elementaren Konstituenten einer Silbe voraus.
2.2 Konstituentenmodell der Silbe
Die Silbenstruktur einer Sprache bestimmt die Möglichkeiten des Auftretens und
der Kombinationen der segmentalen Einheiten. In der einschlägigen Fachliteratur
zur Phonologie wird davon ausgegangen, dass nicht jede beliebige Kombination
von Phonemen automatisch eine akzeptierte Silbenform darstellt, sondern es gibt
sowohl sprachspezifische als auch universelle Beobachtungen darüber, wie die
Segmente im Einzelnen angeordnet sind. Für die phonotaktische Beschreibung
von Sprachen mit komplexeren Silbenmustern hat sich als vorteilhaft erwiesen,
die Silbe in untergeordnete Strukturteile oder Konstituenten zu zerlegen. Zur
Explikation der silbischen Konstituenten in ihrer hierarchischen Binnenstruktur
wird die folgende graphische Darstellung verwendet:
4
4Im Wesentlichen existieren heute vier Modelle in der suprasegmentalen Phonologie, das
Onset-Reim-Modell (= OR-Modell), das metrische Modell, das CV-Modell und das Morenmodell.
Jedes der Modelle weist verschiedene Varianten auf, die sich meist auf sprachspezifische
Besonderheiten gründen. Das hier präsentierte Modell einer Silbe ist ein Basismodell, auf
dessen Grundlage die Fragen der phonotaktischen Möglichkeiten und Einschränkungen getrennt
für Onset, Nukleus und Koda diskutiert werden können. Für einen Überblick zu verschiedenen
Theorien der Silbenstruktur vgl. BLEVINS (1995: 212214), WIESE (1988: 106108).
Ansatz Reim
(Onset)
Kern Kod
a
(Nukleus)
Abbildung 2: Konstituentenmodell der Silbe
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In Anlehnung an das oben abgebildete dreischichtige Konstituentenmodell, das
bereits in den vierziger Jahren von PIKE & PIKE (1947: 92) postuliert wurde, ist die
Struktur einer Silbe von der grundlegenden Zweiteilung in den Ansatz (Onset)
und den Reim bestimmt; Letzterer setzt sich wiederum aus den Subkonstituenten
Nukleus und Koda zusammen (vgl. RAMERS 1998: 99). VENNEMANN (1982: 283)
weist darauf hin, dass die präferierte Silbenstruktur nur einen einfach besetzten,
möglichst konsonantischen Anfangsrand (Onset), einen möglichst vokalischen
Silbenkern (Nukleus) und einen leeren Endrand (Koda) enthält.
Wichtig ist darauf hinzuweisen, dass die Verbindung eines oder mehrerer
Konsonanten mit dem vokalischen Silbenkern (Nukleus) einer Reihe von phono-
taktischen Beschränkungen unterliegt, die sich mit dem Konzept Sonorität erklä-
ren lassen (SIEVERS 1901: 182196, JESPERSEN 1904, SELKIRK 1984a). Hiernach
ist die Silbe aus den einzelnen Lauten in ihrer syntagmatischen Abfolge nach
Maßgabe der intrinsischen Sonorität der Einzellaute strukturiert: Um den voka-
lischen, die höchste Sonorität aufweisenden Silbenkern sind im Silbenkopf
(=Anfangsrand) und in der Silbencoda (= Endrand) die Konsonanten spiegelbild-
lich, d. h. mit ihrem Abstand vom Silbenkern nach abnehmender Sonorität
gruppiert (POMPINO-MARSCHALL 1995: 241). Dies bedeutet also, dass jedem
Segment ein Merkmalswert für das Merkmal Sonorität zugewiesen wird, der seine
Position auf der Sonoritätsskala bzw. seine Stellung in der Sonoritätshierarchie
bestimmt. Die Fähigkeit eines Segmentes, als Silbennukleus zu fungieren, steht
in dieser Hierarchie in Relation zu seinem Sonoritätswert(CLEMENTS 1990: 294).
Mit zunehmender Sonorität wächst demnach die Wahrscheinlichkeit, als Silben-
nukleus silbifiziert zu werden. Die hohe Sonorität [] des Nukleus kontrastiert
mit der hohen konsonantischen Stärke der Segmente in den Silbenrändern. Je
größer der Unterschied zwischen dem sonoren Nukleus und dem konsonantisch
starken Silbenonset ist, desto optimaler gestaltet sich der Sonoritätsverlauf inner-
halb der Silbe(SZCEPANIAK 2007: 32).
Grundsätzlich gilt, dass die Sonorität ebenfalls dem Grad der Verengung bei
der Artikulation eines Segments entspricht, d. h. je geringer die Verengung, desto
sonorer ist das betreffende Segment. Am vokalähnlichsten sind demzufolge jene
Segmente, bei deren Produktion der aus der Lunge ausströmende Luftstrom nicht
gehemmt wird, während die Segmente, die einen sehr niedrigen Sonoritätswert
haben, durch eine sehr starke Hemmung des Luftstroms charakterisiert sind (vgl.
HALL 2000: 224225).
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3 Problemstellung
Im vorliegenden Beitrag wird nun der Versuch unternommen, anhand einer
kontrastiven Analyse von Silbenstrukturen des Deutschen und des Persischen
Rückschlüsse auf Aussprache-schwierigkeiten persischer Muttersprachler im
Deutschunterricht zu ziehen und die Ergebnisse im Anschluss daran mit phone-
tischen Daten zu illustrieren. Eine Recherche im Vorfeld dieser Studie hat erge-
ben, dass bislang weder eine ausführliche, zusammenhängende kontrastive
Diskussion der deutschen und persischen Silbenstruktur noch eine umfassende
Ursachenbestimmung für die Ausspracheschwierigkeitenpersischer Mutter-
sprachler im Deutschunterricht existiert. Eine mögliche Erklärung wäre vielleicht
die Komplexität der deutschen Silbenstruktur und das Nicht-Vorhandensein einer
Übereinstimmung bezüglich einer einheitlichen Beschreibung der daraus resul-
tierenden Ausspracheschwierigkeiten. Die Studien zur Silbenstruktur des Deut-
schen und des Persischen sind zwar umfangreich, aber die Beschreibung der
sprachspezifischen Besonderheiten der Silbenstruktur wird in den meisten von
ihnen anhand von regelbasierten Ansätzen durchgeführt, so dass sie nicht ohne
weiteres als aktuell gelten können. Dabei existiert momentan zum Deutschen eine
größere Anzahl an Arbeiten als zum Persischen (zumindest in Bezug auf zugäng-
liche Arbeiten).
Zu den im Rahmen der vorliegenden phonologischen Untersuchung behan-
delten Themen, ja sogar zur Verbindung mancher dieser Themen und/oder
Beschreibungsaspekte stehen in der phonetisch-phonologischen Literatur zur
deutschen Sprache zahlreiche Aufsätze und Monographien zur Verfügung. Die
Silbenstruktur des Deutschen ist speziell bei HALL (1992), VENNEMANN (1982)
und WIESE (1988) behandelt worden. Eine übersichtliche Einführung in die
Gesetzmäßigkeiten des Silbenbaus im Deutschen bieten die primär phonolo-
gisch-phonetisch konzipierten Werke von RAMERS (1998), POMPINO-MAR-
SCHALL (1995), HENGARTNER & NIEDERHAUER (1993), MAAS (2006), GRASS-
EGGER (2010), WIESE (1996) und HALL (2000; 2011). Für weitere Informationen
bezüglich der Silbenstruktur des Deutschen ist auf die Studienbücher zur
Sprachwissenschaft und Grammatik u. a. SCHLOBINSKI (2003), VATER (2002)
sowie MÜLLER (2002) zu verweisen. Im Rahmen der Optimalitätstheorie bietet
FÉRY (2009) in einem Kapitel der zweiten Auflage ihrer Monographie, die eine
optimalitätstheoretische Einführung in die Phonologie des Deutschen zum
Inhalt hat, eine ausführliche Untersuchung der deutschen Silbenstruktur an,
wobei sie sich vorwiegend auf eine morige Theorie der Silbe konzentriert. Was
den Begriff Silbe als rhythmusstiftende Einheit angeht, haben SZCEPANIAK
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(2007), AUER (1991) und NÜBLING et al. (2006) eine detaillierte Untersuchung
zur Entwicklung des Deutschen von einer Silbensprache zu einer Wortsprache
geliefert.
Für das Persische gibt es keine vergleichbaren Untersuchungen, wo die
Silbenstruktur im Zentrum stünde. Die benötigte Information ist allerdings in
den Werken zur Phonetik und Phonologie zu finden. Eine systematische, wenn
auch wortkarge Einführung in die Silbenstruktur des Persischen bietet
HAGHSHENAS (1989). SAMAREH (1985) und MESHKATODDINI (1995) bieten
hingegen eine theoretisch fundierte Darstellung der persischen Silbenstruktur
sowie phonotaktischer Regularitäten in der Silbe. Desweiteren sind in den
Werken zur persischen Grammatik z. B. bei LAZARD (2005a), MAHOOTIAN
(2004) sowie WINDFUHR (1979a; 1979b) wertvolle Informationen zur Silben-
struktur zugänglich. Eine umfangreiche Untersuchung im Rahmen der Optima-
litätstheorie zur charakteristischen Aspekte der Silbenstruktur im Persischen
stammt von BIJANKHAN (2005). MOTAVALIAN (2009) beschäftigt sich ebenfalls
in ihrem Aufsatz in einem optimalitätstheoretischen Rahmen mit der Silben-
struktur des Persischen, um ein spezifisches Ranking der für die Segmenttilgung
relevanten Constraints in dieser Sprache zu entwickeln. Gelegentlich ist auch
ein Blick in die kontrastive Analyse für das Sprachpaar Persisch als L1 und
Englisch als L2 hilfreich. Die Studien von JABBARI/ARGHAVAN (2010) und
JABBARI/SAMAVARCHI (2011) haben Fehlertypen bei dem Erwerb der eng-
lischen Konsonantencluster im Rahmen der OT analysiert und dabei den Bezug
auf den Transfer des L1-Rankings in die Lernersprache demonstriert.
Der vorliegende Beitrag hat also die Rechtfertigung, ein bislang unerforsch-
tes Thema zu untersuchen. Die Unterschiede zwischen den einfachen Silben-
strukturen im Persischen und den vielfältigen und vor allem komplexeren
Silbenstrukturen im Deutschen stellen eine weitere Rechtfertigung dar, da sie
als ein klarer Grund für die Schwierigkeiten im Bereich der Aussprache bei
persischsprachigen Lernern des Deutschen gelten und damit interessante Er-
werbshypothesen formulieren lassen. In Übereinstimmung mit optimalitäts-
theoretischen Ansätzen zum Spracherwerb wird im vorliegenden Beitrag von
den Grundannahmen ausgegangen, dass das Constraint-Ranking der Ausgangs-
sprache (Persisch) beim Erwerb des Constraint-Rankings der Zielsprache
(Deutsch) die Aussprachemerkmale persischsprachiger Lerner des Deutschen
in frühen Erwerbsstufen bestimmt, und dass es auch zu inkorrekten Produktio-
nen und Interferenzerscheinungen in diesem Bereich führen kann, die aus der
Übertragung der in der Muttersprache zulässigen und wohlgeformten Silben-
strukturen resultieren.
Im weiteren Verlauf der Untersuchung werden in Kapitel 3 silbenstruktur-
bezogene universelle Beschränkungen im Rahmen der Optimalitätstheorie dar-
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gestellt. Nach der kurzen Darstellung des Phoneminventars für das Neuper-
sische und Neuhochdeutsche, die für die Einschätzung der Aussprachepro-
bleme persischsprachiger Deutschlernender, insbesondere Abweichungen im
segmentalen Bereich unentbehrlich ist, richtet sich das Hauptaugenmerk auf
die Silbentruktur des Deutschen und Persischen. So werden im sechsten Kapitel
typologische Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen beiden Sprachen
hinsichtlich der drei Hauptkonstituenten der Silbe (Onset, Nukleus und Koda)
präsentiert, was für die nachfolgende optimalitätstheoretische Analyse der
empirisch erhobenen Daten von elementarer Bedeutung ist. Im letzten Ab-
schnitt des theoretischen Hintergrundes der Arbeit wird versucht, für das
Deutsche und das Persische jeweils die entscheidenden Constraints in Bezug
auf die Silbenstruktur zu finden und sie in einem Ranking zu etablieren. Die
Überprüfung der Gültigkeit der oben formulierten Hypothesen steht im Zentrum
der empirischen Untersuchung, in der Daten einer Gruppe persischsprachiger
Deutschlerner erhoben und im Lichte eines Vergleichs der Constraint-Rankings
im Deutschen und im Persischen und aufgrund der Unterschiede zwischen
beiden Rankings analysiert werden.
4 Beschränkungen der Silbenstruktur in der
Optimalitätstheorie
Ausgehend von der oben dargestellten und erläuterten Optimalitätstheorie wird
die Annahme entwickelt, dass in Bezug auf die Silbenstruktur unsilbifizierte
Segmentketten als Inputs und verschiedene Silbifizierungen als Oberflächen-
strukturen bzw. Kandidaten dienen. Der Generator erzeugt aus den zu Grunde
liegenden Strukturen eine unendliche Anzahl von möglichen Kandidatensilben,
wobei schließlich nur eine als die optimale Silbenstruktur ausgewählt wird (vgl.
FÉRY 2009: 1, 6). Die Evaluation der Kandidaten wird stets durch das Zusammen-
spiel von unterschiedlich zueinander geordneten Markiertheits- und Treue-Con-
straints durchgeführt, die einerseits sprachspezifisch sind, d. h. je nach Einzel-
sprache unterschiedliche Geltung haben, und andererseits aus universellen
Bedingungen für die ideale Silbe resultieren(GRASSEGGER 2010: 68). Nach
PRINCE & SMOLENSKY (1993) sind folgende Markiertheits-Constraints für eine
universelle Silbenstruktur verantwortlich:
(1) ONSET: Jede Silbe muss einen Konsonanten als Silbenansatz haben.
(2) NOCODA: Silben dürfen keine Koda haben.
(3) NUC: Silben müssen einen Nukleus haben.
(4) *COMPLEX: Die Silbenkonstituenten dürfen nicht komplex sein.
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 177
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Dem Begriff der Markiertheit entsprechend lassen sich Silben in markierte und
unmarkierte unterscheiden. Die universal betrachtet unmarkierte Silbenstruktur
ist demzufolge die auch in den Sprachen der Welt am weitesten verbereitete
segmentale Abfolge eines initialen Konsonanten und eines Vokals, d. h. die CV-
Silbe(POMPINO-MARSCHALL 1995: 241). Komplexere bzw. markierte Silben-
strukturen zeichnen sich lediglich durch einen höheren Anteil von Konsonanten
gegenüber einfachen CV-Silben aus, der vokalische Anteil bleibt von Unter-
schieden in der Silbenkomplexität unberührt. Aus diesem Grund ist zu erwar-
ten, dass in Sprachen, die relativ komplexe Silben zulassen, deutlich mehr
Konsonanten als Vokale in sprachlichen Äußerungen zu finden sind. In der
Optimalitätstheorie kann das Vorkommen von Silben mit einem komplexen
Endrand durch ein hohes Ranking eines Markiertheitsconstraints, nämlich
*COMPLEX
COD
(KAGER 1999: 97) blockiert werden. Zu der Familie der oben
erwähnten Beschränkung *COMPLEX gehören darüber hinaus die Beschrän-
kungen *COMPLEX
ONS
und *COMPLEX
NUC
, die komplexe Ansätze sowie lange
oder komplexe Nuklei verbieten (vgl. FÉRY 2006: 209).
In eine beschränkungsbasierte phonologische Theorie wie die Optimalitäts-
theorie kann die im Abschnitt 2.2 beschriebene Sonoritätshierarchie als univer-
sales Prinzip leicht integriert werden. Dabei wird von der grundlegenden
Annahme ausgegangen, dass die Silbe [...] sich umso mehr dem Optimum
[nähert], je präferierter die Struktur und die Sonoritätsverhältnisse in den
einzelnen silbischen Subkonstituenten sind(SZCEPANIAK 2007: 31). Um zu
erzwingen, dass der Nukleus im Normalfall das sonorste Segment der Silbe ist,
wird in Anlehnung an PRINCE & SMOLENSKY (1993) die Beschränkung SON-
NUC formuliert. Die Beschränkung SONEDGE hingegen sorgt dafür, dass die
Generalisierung über die Sonoritäts-Abfolge in den Rändern der Silbe respek-
tiert wird:
(5) SONNUC: Der Nukleus ist das sonorste Segment der Silbe.
(6) SONEDGE: Im Ansatz und in der Koda und vom Nukleus zu den Rändern
muss die Sonorität (in den Sonoranten) abnehmen oder darf zumindest nicht
zunehmen.
Sowohl die universal betrachtet unmarkierte CV-Silbe wie auch weitere Charak-
teristika der segmentalen Silbenstruktur ergeben sich aus den oben dargestellten
und erläuterten Constraints, die sich auf die Sonoritätsanordnung der Segmente
innerhalb der Silbe beziehen. Anders ausgedrückt: SONNUC und SONEDGE als
Markiertheits-Constraints sorgen dafür, dass unmarkierteSegmente vor mar-
kiertenbevorzugt werden. Zu den Markiertheits-Beschränkungen werden nun die
178 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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folgenden Treue-Beschränkungen oder Abwandlungen davon
5
dazugesetzt,
deren Funktion die Beibehaltung von allen Input-Segmenten in dem Outputist
(KAGER 1999: 67).
(7) MAX-IO: Jedes Segment im Input korrespondiert mit einem Segment im
Output.
(8) DEP-IO: Jedes Segment des Outputs korrespondiert mit einem Segment im
Input.
Die Beschränkung DEP-IO verhindert Epenthese, da sie jeden Output verbietet,
der mehr Segmente enthält als der Input, MAX-IO schließlich verhindert Tilgung,
da sie erzwingt, dass jedes Inputsegment im Output vorkommt (vgl. McCARTHY &
PRINCE 1999: 293). Wie bereits erklärt, werden Treuebeschränkungen i. d. R. nicht
alleine zur Bewertung von Output-Kandidaten herangezogen. Sie interagieren mit
Markiertheitsbeschränkungen, die sich auf sprachstrukturelle Besonderheiten
des Outputs beziehen lassen. Mit anderen Worten, Treuebeschränkungen stellen
die Identität zwischen Input und Output soweit sicher, wie diese nicht gegen
Wohlgeformtheits- bzw. Markiertheitsbeschränkungen verstößt.
5 Die Phonemsysteme des Deutschen und des
Persischen
Das phonologische System einer Sprache basiert auf dem Inventar der Phone, d. h.
der lautlichen Einheiten, die durch die Segmentation bei der Analyse des Laut-
kontinuums einer Äußerung gewonnen werden, und auf deren Kombinations-
möglichkeiten (vgl. ALTMANN & ZIEGENHAIN 2007: 72; CLÉMENT 2000: 212). Die
einzelnen Phone werden jedoch nach systematischen Kriterien einem be-
stimmten Phonem zugeordnet: Ob zwei phonetisch mehr oder weniger ähnliche
Phone als Realisierungen von einem gemeinsamen oder von zwei verschiedenen
Phonemen betrachtet werden, hängt davon ab, ob dem phonetischen Unter-
schied, der zwischen ihnen besteht, ein Bedeutungsunterschied entspricht
(CLÉMENT 2000: 213). Ein Phonem kann dementsprechend als Bündel distinkti-
5In der Standardversion der Optimalitätstheoroe (Prince & Smolensky 1993; McCarthy & Prince
1993) waren für MAX-IO und DEP-IO noch die Constraints PARSE bzw. FILL gebräuchlich. Die hier
verwendeten Begriffe entstammen einer neueren Version der Optimalitätstheorie, der Corres-
pondence Theory (McCarthy & Prince 1999), die die Korrespondenz zwischen Input und Output
(auf segmentaler oder Merkmalebene) stärker in den Vordergrund rückt.
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 179
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ver, d. h. phonologisch relevanter Merkmale verstanden werden. Diese Merkmale
werden nach dem Vorbild des Prager Strukturalismus
6
durch Minimalpaare
ermittelt, d. h. durch Gegenüberstellung von (mindestens) zwei Wörtern bzw.
Wortformen verschiedener Bedeutung, die sich lediglich durch ein minimales
lautliches Element in gleicher Position unterscheiden lassen (vgl. ALTMANN &
ZIEGENHAIN 2007: 72f.). An ihnen zeigt sich, dass zwischen den betreffenden
lautlichen Segmenten eine phonologische Oppositionbesteht. Die distinktiven
Mekmale bewirken laut ERNST (2008) den Bedeutungsunterschied. Das Phonem,
das alle distinktiven Merkmale eines Zeichens in sich vereint, fungiert daher als
die kleinste bedeutungsdifferenzierende Einheit innerhalb einer Sprache (vgl.
ebd.: 94). Sobald das Phoneminventar einer Sprache vorliegt, können die übrigen
Phone als sog. Allophone, d.h.Variationen in der konkreten Realisierung eines
bestimmten Phonems, klassifiziert werden (vgl. GRASSEGGER 2010: 85). Das
zentrale Verfahren zur Ermittlung des Phoneminventars, die Minimalpaarana-
lyse, ist in den verschiedenen Sprachen gleich, der Phonemstatus von Lauten
kann allerdings von Einzelsprache zu Einzelsprache variieren.
Bereits durch die Zugehörigkeit des Neupersischen und Neuhochdeutschen
zu verschiedenen Sprachfamilien des indogermanischen Sprachstammes ist da-
von auszugehen, dass die phonetisch-phonologischen Systeme beider Sprachen
bedeutende Unterschiede aufweisen. Dialektologisch gehört das Neupersische zu
den westiranischen Sprachen, historisch geht es im Großen und Ganzen auf das
Mittelpersische und weiter das Altpersische zurück, das neben dem Avestischen
die Sprache der religiösen Schriften Zarathustras (ca. 1000 v. Chr.) die einzige
direkt überlieferte altiranische Sprache darstellt. Das Neupersische hat sich,
verglichen etwa mit der Entwicklung des Neuhochdeutschen aus dem Althoch-
deutschen, in seiner frühen Phase überraschend wenig gewandelt. Der Beginn
der Entstehung einer neupersischen Standardsprache, des Dari (Abkürzung für
Darbâri Sprache des königlichen Hofes), kann bereits auf das 9. Jahrhundert
datiert werden; bereits zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich die Herausbildung
einer überregionalen Schriftsprache in den kulturellen Zentren der persischen
Samaniden in Zentralasien ab. Diese Sprache war zwischen dem 9. und 16. Jh. zur
6Es ist wesentlich das Verdienst von N.S. TRUBETZKOY und der sogennaten Prager Schuleder
Linguistik, die notwendige Differenzierung von Phonetik und Phonologie herausgearbeitet und
damit zwei verschiedene Lautlehreneingeführt zu haben (HERING 2005: 123). Schon in den
20er und 30er Jahren traf sich in Prag eine Gruppe von Sprachwissenschaftlern auf dem Prager
Linguistenkongress, dessen Ziel es war, die Sprachauffassung F. de SAUSSURES weiterzuent-
wickeln. Neben TRUBETZKOY hatte vor allem R. JAKOBSON, einer der früheren Vertreter der
Prager Schule, eine entscheidende Rolle bei der Begründung und Weiterentwicklung der Phono-
logie (vgl. MESHKATODDINI 1995: 40).
180 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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herrschenden Literatursprache im islamisch-iranischen Kulturgebiet geworden,
das sich bis an die Grenze Chinas und vom Kaukasus bis nach Nordindien
erstreckte. Das Neupersische im weiteren Sinn umfasst in seiner heutigen Form
die Hochsprachen Irans (Farsi), Tajikistans (Tojiki) und Afghanistans (Dari, neben
Paschto) und bedient sich, im Gegensatz zum Mittelpersischen, der syrisch-
aramäischen (arabischen) Schrift (vgl. z. B. LAZARD 2005b: 12ff.; MAHOOTIAN
2006: 10ff.; MAJIDI 2000: 5f.).
Die nun folgenden Erläuterungen zu dem neupersischen Phonemsystem
beziehen sich auf eine an der Schrift orientierte Kodifizierung der persischen
Aussprache, welche als Standardaussprache des Schriftpersischen
7
bezeichnet
wird und in offiziellen Kommunikationssituationen, z. B. in Rundfunk- und
Fernsehsendungen, im Bildungswesen, bei wissenschaftlichen Vorträgen usw.
Verwendung findet (vgl. REZAI 2004: 26f.). Die Darstellung des neuhochdeut-
schen Lautsystems ist in dieser kontrastiven Betrachtung auf den Bereich der
reinen Hochlautungeingegrenzt, wie sie im SIEBS (1969) und fast durchweg in
den Lehrbüchern des Deutschen niedergelegt ist.
5.1 Konsonanten
Die traditionelle Artikulationsbeschreibung, die sich trotz einiger Ungenauigkei-
ten bewährt hat, verwendet teilweise unterschiedliche Kriterien für die Abgren-
zung zwischen Vokalen und Konsonanten. Konsonanten unterscheiden sich von
den vokalischen Lauten dadurch, dass bei deren Erzeugung der Luftstrom durch
bestimmte Arten der Verengung an bestimmten Stellen innerhalb des Artikulati-
onsapparates moduliert [wird](PÖRINGS & SCHMITZ 1999: 120). Die einzelnen
Konsonanten können zumindest nach den Kriterien von Artikulationsmodus
(Artikulationsart), Artikulationsstelle und Stimmbeteiligung klassifiziert werden.
Unter Artikulationsmodus oder Artikulationsart wird in der traditionellen Phone-
tik die Art des Durchströmens bzw. der Hemmung des Luftstroms bei der
Lautbildungverstanden (HALL 2000: 9). Die zweite Dimension, nach der alle
Sprachlaute klassifiziert werden müssen, ist die der Artikulationsstelle. Als Ar-
tikulationsstelle bzw. Artikulationsort können u. a. die Oberlippen, die oberen
7Dieser Variante steht das sog. gesprochene Standardpersischegegenüber, das ursprünglich
nur in Teheran als örtlicher Dialekt gesprochen wurde. Nach der Gründung der Stadt Teheran als
Hauptstadt Irans und aufgrund der Verwendung von Elementen des tehranischen Dialekts durch
berühmte iranische Schriftsteller setzte sich die Mundart der Hauptstadt jedoch als die ange-
messene Ausspracheform des gesprochenen Persischen durch (vgl. REZAI 2004).
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 181
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Schneidezähne, der Zahndamm, der harte Gaumen (das Palatum), der weiche
Gaumen (das Velum) und das Zäpfchen (die Uvula) dienen. Dies sind relativ
unbewegliche Stellen im oberen und hinteren Bereich des Mundraumes, denen
sich die beweglichen Sprechorgane (d. h. die Zunge und die untere Lippe) bei der
Bildung konsonantischer Sprachlaute annähern können (vgl. NÜBLING et al.
2006: 13; HALL 2000: 5). Laute, die durch den Kontakt der Oberlippe mit der
Unterlippe gebildet werden, werden als bilabial bezeichnet. Bei der Aussprache
von labiodentalen Lauten bewegt sich die Unterlippe zu den oberen Schneidezäh-
nen. Alveolare Laute werden am oberen Zahndamm und hinter den oberen
Schneidezähnen gebildet. Artikuliert der Zungenkranz gegen den hinteren Teil
des Zahndamms, resultieren postalveolare Konsonanten. Palatale sind Laute, die
dadurch produziert werden, dass sich das (vordere) Dorsum dem harten Gaumen
(dem Palatum) nähert. Velare Segmente entstehen, indem sich der Zungenrücken
(das Dorsum) zum weichen Gaumen (dem Velum) bewegt. Glottale Konsonanten,
auch Laryngale genannte, werden im Kehlkopf artikuliert (vgl. HALL 2000: 58;
FLOHR 2002: 5457). Das Kriterium der Stimmbeteiligung bzw. Stimmhaftigkeit
ist ein binäres Kriterium und unterscheidet finktionell stimmhafte von funktionell
stimmlosen Lauten. Die stimmlosen Laute sind eindeutig dadurch bestimmt, dass
in ihnen der Stimmklang nicht vorkommt, während die stimmhaften Laute alle
den Stimmklang enthalten. Für die linguistische Kategorisierung ist es im All-
gemeinen ausreichend, nur binär nach Vorhandensein und Abwesenheit der
Stimme zu unterscheiden (vgl. PÉTURSSON & NEPPERT 2002: 96).
Wie bereits im vorausgehenden Abschnitt angedeutet, kann der Phonem-
bestand einer Sprache durch die Bildung von Minimalpaaren, bei denen sich die
distinktiven Segmente nur in einem Merkmal unterscheiden, ermittelt werden.
Normalerweise ist ein distinktives Merkmal nicht nur in einer Opposition relevant,
sondern für alle Laute eines bestimmten Artikulationsmodus bzw. einer bestimm-
ten Artikulationsstelle (vgl. ALTMANN & ZIEGENHAIN 2007: 72f.). Aus folgender
Tabelle wird ersichtlich, dass für die Beschreibung der persischen und deutschen
Konsonanten in Bezug auf den Parameter Artikulationsart sieben distinktive Merk-
male [PLOSIV], [FRIKATIV], [AFFRIKATE], [NASAL], [VIBRANT], [LATERAL] und
[APPROXIMANT] angesetzt werden. Nach der Artikulationsstelle werden die Kon-
sonanten-Phoneme in beiden Sprachsystemen auf folgende Weise charakterisiert:
[BILABIAL], [LABIODENTAL], [ALVEOLAR], [POSTALVEOLAR], [PALATAL], [VE-
LAR] und [GLOTTAL] (vgl. z. B. ALTMANN & ZIEGENHAIN 2007: 7482; HAAL 2011:
1031; SAMAREH 1985: 3680; LAZARD 2005a: 316; MAJIDI & TERNES 1999: 124).
Die artikulatorisch relevanten distinktiven Merkmale der Konsonanten im Deut-
schen und im Persischen werden in der folgenden Tabelle zusammengefasst.
182 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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Bilabial Labio-
dent.
Alveolar Postalv. Palatal Velar Glottal
Stimm-
haftigkeit
sth stl sth stl sth stl sth stl sth stl sth stl sth stl
PLOSIV
Persisch bp dt gk Ɂ
Deutsch bp dt gk Ɂ
FRIKATIV
Persisch vf zsʒʃ ɣxh
Deutsch vf zsʒʃ çxh
AFFRIKATEN
Persisch ––dʒtʃ
Deutsch pf ts dʒtʃ
NASAL
Persisch mn ŋ
Deutsch mn ŋ
VIBRANT
Persisch r
Deutsch r
LATERAL
Persisch l
Deutsch l
APPROXI-
MANT
Persisch j
Deutsch j
Tabelle 1: Konsonantenphoneme des Persischen und Deutschen im Vergleich
Wie die obige Tabelle illustriert, haben die Konsonantensysteme des Persischen
und Deutschen in Bezug auf ihre distinktiven Merkmale Gemeinsamkeiten und
Unterschiede. Übereinstimmend in beiden Sprachen werden die Plosive und
Frikative traditionell nach stimmlosen und stimmhaften unterschieden. Plosive
(oder Verschlusslaute) werden durch einen totalen oralen Verschluss mit an-
schließender plötzlicher Lösung des Verschlusses gebildet. Das Velum bleibt in
angehobener Position, so dass die Luft durch den Mundraum und nicht durch
die Nase strömt(HALL 2000: 9). Sowohl im Deutschen als auch im Persischen
unterscheiden sich die stimmlosen Plosive [p, t, k, Ɂ] durch das kombinierte
Artikulationsstellen-/Artikulator-Merkmal, also: [LABIAL]; [ALVEOLAR]; [VE-
LAR], [GLOTTAL]. Der glottale Plosiv [Ɂ] wird dieser Konsonantengruppe zuge-
ordnet, weil es von den Merkmalen [PLOSIV] und [STIMMHAFT] her sinnvoll
ist (vgl. ALTMANN & ZIEGENHAIN 2007: 76). Der phonematische Status des
Glottalverschlusses ist allerdings in beiden Sprachen umstritten (vgl. 6.). Da es
sich aber hier um eine relevante Gemeinsamkeit zwischen dem Persischen und
Deutschen handelt, wird hier am Phonemstatus des glottalen Verschlusslauts
festgehalten. Hervorzuheben ist zudem das Phänomen der Auslautverhärtung im
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 183
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Deutschen, in der die stimmhaften Plosive [b, d, g] am Silbenende mit ihren
stimmlosen Entsprechungen [p, t, k] alternieren, sie verlieren also ihre Stimm-
haftigkeitsspezifikation infolge der Kodaposition (vgl. FÉRY 2002: 90). Im Per-
sischen dagegen behalten die stimmhaften Plosive ihre Eigenschaft in allen
Positionen der Silbe, es liegt folglich keine Auslautverhärtung vor (vgl. MAJIDI
2000: 13).
Frikative, die auch als Reibelaute bezeichnet werden, werden im Gegensatz
zu den Plosiven nicht durch einen vollständigen Verschluss gebildet. Bei ihrer
Produktion entsteht ein Spalt zwischen den beteiligten Artikulatoren, so dass
der Luftstrom austreten kann und dabei ein Reibegeräusch hervorruft (FLOHR
2002: 58). Das persische Lautsystem umfasst neun Frikative, von denen sich
acht Reibelautphoneme paarweise durch das Merkmal [+STIMMHAFT/STIMM-
HAFT] unterscheiden: labiodentale [v, f], alveolare [z, s], postalveolare [ʒ,ʃ] und
velare Frikative [ɣ, x]. Diese Konsonantengruppe wird ergänzt durch den stimm-
losen Stimmritzenlaut [h], der in beiden Sprachsystemen als [GLOTTAL] be-
zeichnet wird (vgl. MAJIDI 2000: 26; MESHKATODDINI 1995: 28ff.). Das Phonem
/x/ hat im Deutschen als Realisierungen die Allophone [ç] und [x], von denen
das velare [x] lediglich nach hinteren Vokalen (<Buch>, <hoch>, <Dach>) und
das palatale [ç] nach vorderen Vokalen (<Bücher>, <höchst>, <Dächer>) steht.
Beim Segmentieren eines hinreichend großen Korpus des Deutschen sind keine
Minimalpaare zu finden, in denen die in Frage stehenden Phone [ç] und [x] in
Opposition zueinander stehen. Eine derartige Verteilung, nach der ein Phon nur
in einer solchen lautlichen Umgebung vorkommt, in der das andere Phon nie
vorkommt (und umgekehrt), wird als komplementäre Distribution bezeichnet
(vgl. GRASSEGGER 2010: 85f.; ERNST 2008: 91). Das Fehlen des sogenannten
Ich-Lautes [ç] im Persischen führt zu Interferenzen bei Muttersprachlern des
Persischen. Dafür tritt im Persischen neben dem stimmlosen Frikativ [x] auch
sein stimmhaftes Oppositionsglied [ɣ] auf,
8
welches im Deutschen nicht vor-
handen ist.
Eine Besonderheit der beiden Sprachen besteht zudem in der Existenz von
Affrikaten. Zu den Affrikaten des Persischen sind [tʃ] und [dʒ] zu nennen, die in
dieser Sprache als selbstständige Phoneme gelten und deshalb einer separaten
Lautklasse zugerechnet werden (vgl. MAJIDI 2000: 24; SAMAREH 1985: 64). Die
8Bei den gruppenintern unterscheidenden Artikulationsstellen-/Artikulationsorten-Merkmalen
ergibt sich hier das Problem, dass /ɣ/ hinsichtlich den Aussprachenormierungen nicht velar,
sondern uvular ist, was man durch die Ansetzung einer Merkmalsdimension [UVULAR] aus-
drücken könnte. Da die Unterscheinung [VELAR/UVULAR] aber nirgends distinktiv ist, wird hier
der stimmhafte Frikativ /ɣ/ im Persischen auch einfach als [VELAR] eingestuft.
184 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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problematische Wertung der Affrikaten ist jedoch ein bisher ungelöstes Problem
der phonologischen Anaylse des Deutschen. Phonetisch stellen Affrikaten eine
besondere Form der Verschlusslösung dar, bei der ein Plosiv unmittelbar in
derselben Silbe in einen an gleicher oder fast gleicher Artikulationsstelle
folgenden Frikativ gelöst wird (vgl. GRASSEGGER 2010: 92; PÖRINGS &
SCHMITZ 1999: 120). Aus diesem Grund erkennen einige Phonetiker Affrikate
nicht als einen eigenständigen Artikulationsmodus an. Für die Anerkennung
sprechen jedoch andere sprachfunktionelle und artikulatorische Gründe, wes-
halb in der vorliegenden Untersuchung Affrikate als besonderen Artikulations-
modus betrachtet werden (vgl. Argumentationen bei ALTMANN & ZIEGENHAIN
2007: 78f.). Für das Deutsche werden einhellig die Verbindungen [pf], [ts] sowie
[tʃ] als Affrikaten angenommen, wobei alle drei Konsonantenverbindungen
ebenso wie ihre einzelnen Bestandteile mit dem Merkmal [STIMMHAFT]
gekennzeichnet sind (vgl. GRASSEGGER 2010: 92; PÖRINGS & SCHMITZ 1999:
120). Die stimmhafte postalveolare Affrikate [dʒ], die in zahlreichen neueren
Entlehnungen auch im Deutschen (wie z. B. Dschungel,Jeans, Manager) er-
scheint, wird im vorliegenden Beitrag ebenfalls der Merkmaldimension [AFFRI-
KATEN] zugeordnet.
Nasale werden wie Plosive durch einen totalen oralen Verschluss gebildet. Im
Gegensatz zu den Plosiven wird bei der Artikulation von Nasalen das Velum (d. h.
der weiche Teil des Gaumens) gesenkt, so dass der Luftstrom durch den Nasen-
raum herausfließt. Auf diese Weise werden im deutschen Lautsystem drei Nasale
[m, n, ŋ] artikuliert, die sich durch die distinktiven Merkmale [BILABIALE],
[ALVEOLAR] und [VELAR] unterscheiden. Das Merkmal [+STIMMHAFT] ist hier
redundant, da es sich automatisch aus dem Nasalitätsmerkmal ergibt (vgl. HAAL
2011: 11; NÜBLING et al. 2006: 13; ALTMANN & ZIEGENHAIN 2007: 79). Das
Persische verfügt über das gleiche Inventar an Nasalen wie das Deutsche. Der
Laut [ŋ], der in wortfinaler Position z. B. im persischen Wort /ranŋ/ (d. h. Farbe)
vorkommt, wird im Persischen als ein Allophon des Nasals /n/ bezeichnet (vgl.
SAMAREH 1985: 74). Die Darstellung des Konsonantensystems in Tabelle (1)
beinhaltet noch zusätzlich dieses kombinatorische bzw. stellungsbedingte Allo-
phon, da es bei der Aussprache deutscher Wörter durch Muttersprachler des
Persischen weit verbreitet ist.
Vibranten, die auf Englisch auch Trill genannt werden, sind durch eine
schnelle Folge oraler Verschlüsse gekennzeichnet. Wegen dieser speziellen Bil-
dungsweise sind die Artikulationsstellen für die Vibranten sehr eingeschränkt: In
der deutschen Hochlautung hat sich neben dem alveolaren Vibrant [r] (dem sog.
Zungenspitzen-r) auch das gerollte Zäpfchen-[ʀ] immer weiter verbreitet, so dass
heute beide Formen in der Hochlautung als gleichberechtigt angesehen werden
müssen. Die Zungenspitzenform des r-Lautes ist zunächst vorzuziehen, weil sie
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 185
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die Bildung der Vokale nach vorne verlegt (vgl. SIEBS 1969: 84; HAAL 2011: 13).
Für das Persische wird üblicherweise /r/ als phonematisches Standardsymbol
verwendet.
Darüber hinaus ist für die beiden Sprachsysteme lediglich ein alveolarer
Seitenlaut oder Lateral [l] sowie ein palataler Approximant [j] anzusetzen. Bei der
Produktion von Approximanten wird ähnlich wie bei den Frikativen eine Enge
im Ansatzrohr gebildet. Im Gegensatz zu den Frikativen nähert sich jedoch der
Artikulator bei den Approximanten nicht weit genug der Artikulationsstelle an,
um ein Reibegeräusch zu erzeugen. Die Approximanten bestehen aus zwei
Segmentklassen, nämlich den lateralen Approximanten (oder kurz Laterale) und
den zentralen Approximanten (HALL 2000: 12). Zentrale Approximanten werden
in der IPA-Tabelle als Approximanten bezeichnet und laterale Approximanten als
Laterale.
5.2 Vokale
Vokale, die auch als Öffnungslaute bezeichnet werden, sind im Unterschied zu
Konsonanten dadurch gekennzeichnet, dass bei ihrer Artikulation der durch
die Stimmlippen in periodische Schwingungen versetzte Luftstrom weitgehend
ungehindert durch den Mund oder die Nase ausströmt(RITTER 2005: 64f.).
Neben den einfachenVokalen (Monophthongen), deren Qualität während der
ganzen Artikulation konstant bleibt (ebd.: 73), stellen die Zwielaute bzw. Diph-
thonge eine Untergruppe von Vokalen dar. Phonetisch entstehen Diphthonge
aus einer vokalischen Gleitbewegung von einem Ausgangs- zu einem Zielvokal
innerhalb einer Silbe(GRASSEGGER 2010: 97). Diphthonge weisen im Gegen-
teil zu Monophthongen eine Veränderung der Vokalqualität während ihrer
Äußerung auf (POMPINO-MARSCHAL 1995). Die Qualität der Vokale hängt im
Wesentlichen von der Form der Mundhöhle ab. Die Form der Mundhöhle lässt
sich am besten anhand der Position ihres beweglichsten Teiles, der Zunge,
festmachen. Entsprechend werden die Vokale in erster Linie anhand der Posi-
tion der Zunge in der horizontalen und vertikalen Dimension geordnet. Die Lage
des Zungenrückens in der vertikalen Dimension korrespondiert in der Regel mit
dem Öffnungsgrad des Mundraumes. Die horizontale Zungenlage, die auch als
Artikulationsstelle bezeichnet wird, ist der Punkt auf der Zungenoberfläche, an
dem der Öffnungsgrad des Mundkanals am geringsten ist (vgl. CLÉMENT 2000:
205; RITTER 2005: 70f.; PÖRINGS & SCHMITZ 1999: 120; PÉTURSSON & NEP-
PERT 2002: 98).
186 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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Die Vokalsysteme des Persischen
9
und Deutschen weisen weniger Gemeinsam-
keiten auf, als dies bei den Konsonanten der Fall war. Die Charakteristik des
persischen und deutschen Subsystems der Vokale kann am besten anhand der
Vokalvierecke der beiden Sprachen demonstriert werden:
Aufgrund der Minimalpaaranalyse lassen sich im Persischen sechs Monoph-
thonge [i, e, æ, ɒ, o, u] als native Vokalphoneme identifizieren, die wiederum im
Hinblick auf die Artikulationsstelle in zwei Kategorien [VORNE] und [HINTEN]
eingeordnet werden. Bei der Bildung der Laute [ɒ, e, i], die häufig als Vorder-
zungenvokale bezeichnet werden, ist der vordere Zungenrücken dem Gaumen am
nächsten, während bei der Erzeugung der Hinterzungenvokale [æ, o, u] der
höchste Zungenpunkt im hinteren Teil des Mundes liegt. Neben der Lage des
Zungenrückens in der horizontalen Dimension dient die vertikale Zungenlage der
Klassifizierung von Vokalen im Persischen. Nach diesem Merkmal zerfallen alle
persischen Vokale in drei Gruppen [HOCH], [MITTEL] und [TIEF], wobei die i- und
u-Laute zu den hohen, die e- und o-Laute zu den mittleren und die beiden Laute
[æ, ɒ] zu den tiefen Vokalen des Persischen gezählt werden (vgl. MAJIDI 2000:
4460; MAJIDI & TERNES 1999: 124; SAMAREH 1985: 8696). Bei der phonema-
tischen Wertung der Diphthonge tauchen ähnliche Probleme und Lösungs-
vorschläge auf wie bei den Affrikaten. Die meisten Autoren führen für das
9
Die persische Schrift bezeichnet wie ihr arabisches Vorbild eigentlich nur Konsonanten. Die
Zeichen alef,ye und wāwsind aber zugleich Vokalträger für Langvokale. Dazu kommen optionale
Diakritika zur Bezeichnung von Kurzvokalen. Die Vokale werden in den meisten modernpersischen
Texten nicht mit geschrieben; lediglich in der Lyrik, in Lehrbüchern für Sprachanfänger, in Kinder-
büchern und manchmal bei uneindeutigen Fällen werden Vokalzeichen unterstützend gesetzt.
(a) Persisch (nach MAJIDI & TERNES 1999: 124)
i
e
ui:
e:
œ
εε:
Ø:
IY U
y: u:
c
e
o:
o
æ
(b) Deutsch (nach HALL 2000: 34)
Abbildung 3: Vokalphoneme des Persischen und Deutschen im Vergleich
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 187
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Persische sechs Diphthonge [ɒj], [uj], [oj], [æj], [ej] und [ow]
10
an, die bisweilen als
biphonematisch angesehen werden (vgl. Auseinandersetzungen bei SAMAREH
1985: 97101; MAHOOTIAN 2004: 283f.; MESHKATODDINI 1995: 77ff.).
Das deutsche Vokalinventar mit insgesamt 15 Monophthongen zeigt wesent-
lich mehr Vielfalt als das Persische auf. Neben den Vollvokalen hat das Deutsche
mindestens einen Reduktionsvokal, den sog. Schwa[ə], der nur in unbetonten
Silben vorkommt. Desweiteren sind für das Deutsche drei Diphthonge anzuset-
zen, die in Anlehnung an SIEBS (1969) mit den Phonemzeichen [ɑe], [ɑo] und [ø]
transkribiert werden. Im Gegensatz zum Persischen lassen sich im Deutschen
nach der horizontalen Zungenlage drei Vokalkategorien [VORNE], [ZENTRAL]
und [HINTEN] unterscheiden, wobei [ɪ,iː], [ʏ,yː], [ɛ,eː,ɛː], [œː] als vordere
Vokale und [ɑ,ɑː] sowie der Schwa-Laut als zentrale oder Mittelzungenvokale
gelten. Schließlich werden [,uː] neben [,oː] als Hinterzungenvokale des
Deutschen bezeichnet. Aus Vereinfachungsgründen wird in diesem Beitrag in
Bezug auf die vertikale Zungenstellung von einem dreistufigen Vokalsystem im
Deutschen ausgegangen: Die deutschen Vokale [ɪ,iː], [ʏ,yː] und [,uː] werden
durch das distinktive Merkmal [HOCH] gekennzeichnet, während sich für die
Laute [ɛ,eː,ɛː], [œː], [,oː] und [ǝ] die Merkmaldimension [MITTEL] als
distinktiv erweist. Darüber hinaus werden Vokale mit niedriger Zungenstellung
wie [ɑ,ɑː] über das Merkmal [TIEF] beschrieben (CLÉMENT 2000: 205; PÉTURS-
SON & NEPPERT 2002: 99; HALL 2000: 34; RITTER 2005: 71).
11
6 Vergleich der Silbenstrukturen im Deutschen
und im Persischen
Es wurde bereits oben erwähnt, dass einen Ansatzpunkt für Erwerbsstudien im
rhythmischen Bereich die Einteilung der Sprachen in akzentzählende und
silbenzählende bildet. In diesem Zusammenhang stellt die Silbenstruktur das
Hauptkriterium zur Beschreibung der sprach-rhythmischen Unterschiede zwi-
10 An dieser Stelle ist anzumerken, dass der zweite Bestandteil des Diphthongs [ow] aufgrund
des Sprachwandels im Phonemsystem des Neupersischen nicht vorhanden ist. Der labiovelare
Approximant [w] wird von manchen Autoren nur als Variante von /v/ und somit nicht als
eigenständiges Phon bezeichnet. Aus diesem Grund wird der Diphthong [ow] in der phonologi-
schen Transkription mit /ov/ dargestellt (vgl. SAMAREH 1985: 100f.).
11 Zur Klassifikation der deutschen Vokale werden in der Phonetik noch zusätzliche Kriterien wie
Lippenrundung, Gespanntheit und Quantität herangezogen, auf die in der vorliegenden Unter-
suchung nicht eingegangen wird.
188 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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schen dem Deutschen und dem Persischen dar. Im phonetisch-typologischen
Diskurs wird Persisch als silbenzählende Sprache gehandelt (vgl. HAGHSHE-
NAS 1989: 129; WINDFUHR 1979b: 529; BOUBAN 2007: 11), während das
Deutsche ein grundlegendes Merkmal des akzentzählendes Typs aufweist (vgl.
AUER 1994; KALTENBACHER 1998; SZCZEPANIAK 2007; NÜBLING et al. 2006).
12
Die Unterscheidung zwischen silbenzählenden und akzentzählenden Sprachen
äußert sich in einer ganzen Reihe von entgegengesetzten Eigenschaften: Für
silbenzählende Sprachen ist u. a. die Präferenz für einfache Silben (meist CV-
Silben) und der geringe Unterschied in der Struktur betonter und unbetonter
Silben wesentlich (vgl. KALTENBACHER 1998: 23; NÜBLING et al. 2006: 18). So
nehmen SZCZEPANIAK (2007: 36, 329) und NÜBLING et al. (2006: 19) an, dass
phonologische und phonetische Prozesse und Regeln in silbenzählenden Spra-
chen zur Erhaltung bzw. Herstellung der optimalen Silbenstruktur führen. Aus
diesem Grund ist die Vokalepenthese in Silbensprachen zu erwarten, weil der
eingeschobene Vokal den schwer aussprechbaren Konsonantencluster auflöst
und so die silbische Struktur verbessert.
Im Gegensatz dazu können komplexe Silbenstrukturen sowie die Reduktion
von Silben in unbetonter Position als charakteristische Merkmale der akzent-
zählenden Sprachen gelten. In Akzentsprachen wird darüber hinaus häufig der
Sonoritätsverlauf innerhalb der Silbe durch extrasilbische Elemente verformt
(vgl. KALTENBACHER 1998: 23; NÜBLING et al. 2006: 18). Hierbei werden die
Komplexität der Silbenstruktur und die Verletzungen des Sonoritätsverlaufs für
die Optimierung des phonologischen Fußes und des phonologischen Wortes
genutzt. Der phonologische Fuß besteht aus einer oder mehreren Silben: in
mehrsilbigen Füßen wird eine Silbe durch den Akzent hervorgehoben. Die Füße
werden in phonologische Wörter gebunden, wobei sie wiederum durch Pro-
minenzunterschiede hierarchisiert sind. Einer der phonologischen Füße trägt
den Hauptakzent, während die restlichen nur nebenbetont sind. So weist die
betonte Silbe im prominenten, d. h. starken Fußzweig eine komplexere segmen-
tale Besetzung der Silbenränder auf. Da das phonologische Wort in Wortsprachen
eine Tendenz zur einfüßigen Struktur aufweist, tragen die fußbezogenen Opti-
mierungsmaßnahmen automatisch zur Verbesserung der Wortstruktur bei
(SZCZEPANIAK 2007: 33f.).
12 Das Deutsche hat in seiner ca. 1500jährigen Geschichte einen grundsätzlichen Wandel von
einer Silben- zu einer Akzent- bzw. Wortsprache erfahren. Während das Ahd. (5001050) eine
klare Silbensprache ist, bildet sich im Mhd. (10501350) eine wortsprachliche Tendenz heraus.
Seitdem unterliegt das phonologische Wort einer ständigen Optimierung, während die phono-
logische Silbe nach und nach verschlechtert wird (detailliert s. SZCZEPANIAK 2007; NÜBLING
et al. 2006).
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 189
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Ausgehend von diesen Überlegungen lässt sich festhalten, dass die beiden hier zu
untersuchenden Sprachen, die entgegengesetzte rhythmische Typen aufweisen,
sowohl hinsichtlich des Komplexitätsgrades als auch hinsichtlich der Tokenfre-
quenz komplexer Silbenstrukturen divergieren. Innerhalb der europäischen Spra-
chen gehört das Deutsche zu denjenigen Sprachen mit besonders komplexer
Silbenstruktur. Die zulässigen Silbenstrukturen im Deutschen reichen von ein-
fachen, nur aus dem obligatorischen Silbenkern bestehenden Silben über (maxi-
mal) drei Konsonanten im Onset und bis zu vier Konsonanten in der Koda
13
(vgl.
GRASSEGGER 2010: 69; HENGARTNER & NIEDERHAUER 1993: 102; KELZ 2001:
156), wobei einsilbige Morpheme im Deutschen maximal die CCCVCCCC-Struktur
erreichen können.
14
Dass der Nukleus als Silbenträger der einzige obligatorische Bestandteil der
Silbe im Deutschen ist (vgl. WIESE 1996: 5; HENGARTNER & NIEDERHAUER
1993: 102), scheint universelle Gültigkeit zu haben. Eine Besonderheit des
Hochdeutschen besteht jedoch darin, dass fuß- und wortinitial der Onset jeder
Silbe ohne eigenen lexikalischen Anlautkonsonanten durch einen sogenannten
Stimmlippen- oder Glottisverschlusslaut gefüllt werden muss. Der glottale
Plosiv [ʔ] ist dadurch gekennzeichnet, dass bei deren Produktion der Luftstrom
kurz im Bereich der Glottis gestaut wird, so dass es zu einem explosionsartigen
Einsetzen des Vokals kommt (vgl. WIESE 2000: 59; KELZ 2001: 154, 160f.;
KELLER & MULAGK 1995: 538; HERING 2005: 122). An dieser Stelle ist nochmals
zu betonen, dass die Einführung des Glottisverschlusses zwar als eine silben-
optimierende Maßnahme gilt, die zur Vermeidung eines leeren Silbenanfangs-
randes dient, jedoch auf fußanlautende, d. h. prominente Silben beschränkt ist.
MAAS (2006) zufolge muss für die akzentdominante Sprache Deutsch von einer
13 In der Koda-Position deutscher Silben können bis zu 5 Konsonanten einander folgen (z. B.
des Herbsts), wenn morphologische Grenzen außer Betracht gelassen werden. An Morphem-
grenzen kann es sogar zu einem Konsonantenstaukommen, wie z. B. in Marktstrategie oder
Herbststurm mit insgesamt sechs Konsonanten (KELZ 2001: 156). Die vorliegende kontrastive
Analyse beschäftigt sich allerdings nur mit monomorphematischen Wörtern im Deutschen.
14 In der Beschreibung der deutschen Silbe wird zusätzlich der Begriff Extrasilbizität verwendet.
Hier wird in Anlehnung an VENNEMANN (1982) davon ausgegangen, dass ein Segment dann
extrasilbisch ist, wenn es den fließenden Sonoritätsverlauf an den Silbenrändern beeinträchtigt.
Im Gegensatz dazu schlägt WIESE (1996) ein anderes Konzept der Extrasilbizität vor, in dem
höchstens ein extrasilbisches Element erlaubt ist (WIESE 1996: 276). Er geht davon aus, dass
eine neuhochdeutsche Silbe unabhängig von der Akzentposition maximal zwei Reimpositionen
vor und nach der V-Position enthält, d. h. CCVCC. Aus diesem Grund bezeichnet er alle weiteren
Segmente in einer Silbe, auch wenn sie die Sonoritätskurve nicht verunstalten, als extrasilbisch
(WIESE 1996: 44). Eine solche Betrachtung der extrasilbischen Elemente ist jedoch für die
folgende Diskussion nicht von Belang.
190 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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silbentypologischen Grundunterscheidung in (a) prominente Silbe, (b) Redukti-
onssilbe und (c) nicht-prominente, nicht-reduzierte Silbe ausgegangen werden,
wobei die Reduktionssilbe bzw. die unbetonte Silbe keine Ränder verlangt und
im Kern nur einen Schwa-Vokal aufweist (vgl. MAAS 2006: 132). Die Aussprache
des Murmelvokals[ə] spielt bei der Unterscheidung zwischen reiner Hoch-
lautungund gemäßigter Hochlautungeine wesentliche Rolle. Das Schwa ist in
der reinen Hochlautung (etwa bei SIEBS 1969) noch durchgehend vorgesehen
und kann in geschlossenen, unbetonten Endsilben auf -en, -em, -el nicht unter-
drückt werden, während in der gemäßigten Hochlautung dieser Reduktions-
vokal vor Nasalen und Liquiden, die unmittelbar auf einen betonten Vokal
folgen, im allgemeinen getilgt und durch silbische Konsonanten ersetzt werden
kann (vgl. PÖRINGS & SCHMITZ 1999: 131, 133; KELLER & MULAGK 1995: 539f.).
Die vorliegende Untersuchung wird sich jedoch auf den Erwerb der reinen
deutschen Hochlautung im DaF-Unterricht beschränken und auf die speziellen
Besonderheiten der gemäßigten Hochlautung, die eine gewisse Breite von
Varianten und Zwischenformen aufweist (SIEBS 1969: 6), nicht näher eingehen.
Im Vergleich zum deutschen Silbenbau sind die im Persischen möglichen
Konsonantenfolgen im Ansatz und in der Koda sehr begrenzt. Das Persische
weist im Hinblick auf seinen silbenzählenden Rhythmus eine einfache Silben-
struktur auf, die im Onset nur einen einzigen Konsonanten zulässt. In der Koda-
Position können dagegen maximal zwei (fakultative) Konsonanten stehen und
somit eine geschlossene Silbe bilden. Wie der Nukleus ist auch der Onset ein
obligatorisches Element der Silbenkonfiguration im Persischen, d. h. weder
Onset noch Nukleus sind alleine hinreichend für die Konstitution einer voll-
ständigen Silbe. Ist die dem Silbennukleus vorausgehende Onset-Position leer,
so geht im Persischen dem Silbennukleus in diesem Fall (fast) immer ein
Glottalverschluss voraus (vgl. HAGHSHENAS 1989: 137139; SAMAREH 1985:
109; BIJANKHAN 2005: 140, 156165; MESHKATODDINI 1995: 107 und WIND-
FUHR 1979: 139f.). Darüber hinaus kann im Persischen der Silbengipfel aus-
schließlich mit den auf der Sonoritätsskala prominentesten Elementen, nämlich
Vokalen besetzt werden.
Die bestehenden silbenstrukturellen Unterschiede zwischen den beiden Spra-
chen werden durch die Auftretenshäufigkeit von bestimmten Silbentypen ver-
stärkt. HUNEKE & STEINIG (1997) verweisen darauf, dass es im Deutschen einen
quantitativ größeren Bestand an Silben mit zwei oder mehr aufeinanderfolgen-
den Konsonantengäbe, gerade oft mit finalen Konsonantenfolgen (ebd.: 41). Im
Persischen hingegen dominieren viele kurze offene Silben mit initialem Kon-
sonanten und finalem Vokal. Tokenfrequente Silben im Persischen können
maximal die CVC-Struktur erreichen. Geschlossene Silben mit Konsonantenclus-
ter (CVCC) in mehrsilbigen Wörtern des Persischen kommen jedoch nur in wort-
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 191
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finaler Position vor, d. h. es sind in dieser Sprache keine mehrsilbigen Wörter zu
finden, die eine wortinitiale bzw. -interne Silbe vom Typ CVCC aufweisen
(HAGHSHENAS 1989: 141).
Im Allgemeinen lassen sich bedeutende Unterschiede zwischen dem Per-
sischen und dem Deutschen in Bezug auf die drei silbischen Konstituenten (d. h.
Onset, Nukleus und Koda) wie folgt erläutern:
a) Onset: Das Persische erfordert immer einen Konsonanten im Ansatz, wohin-
gegen im Deutschen der Ansatz in der Regel aus maximal drei Konsonanten
bestehen kann.
b) Nukleus: Die reine deutsche Hochlautung und das Standardpersische haben
die Gemeinsamkeit, dass in der Nukleus-Position nur Segmente mit der
höchsten Sonorität, nämlich Vokale zugelassen sind.
c) Koda: Während der Onset in beiden Sprachen zur Konstitution einer Silbe
obligatorisch ist, stellt die Koda innerhalb der Silbenstrukturkonfiguration
ein fakultatives mehrdar, so dass offene Silben sowohl im Persischen als
auch im Deutschen präferierter als geschlossene Silben sind. Die geschlosse-
nen Silben im Persischen können auf einen oder zwei Konsonanten auslau-
ten, während in der Koda einer deutschen Silbe bis zu vier Konsonanten
aneinander gereiht sein können.
Die oben erwähnten Tendenzen in Bezug auf die drei Teile der Silbe werden in der
folgenden Tabelle zusammengefasst:
Onset Nukleus Koda
Persisch
C- -V-
-C
-CC
Deutsch
C-
CC-
CCC-
-V-
-C
-CC
-CCC
-CCCC
Tabelle 2: Übersicht über die Tendenzen in Bezug auf die drei Silbenkonstituenten im Persischen
und im Deutschen; Abkürzungen: C = Konsonant, V = Vokal
192 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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7 Vergleich der Constraint-Rankings im Deutschen
und im Persischen
Die Tatsache, dass der Onset den obligatorischen Konstituenten einer persischen
Silbe darstellt, ist auf den undominierten Status von Constraint ONSET im
Persischen zurückzuführen. Die Anhäufung der Konsonanten im Onset, wie
bereits oben erwähnt, stellt den auffälligsten Unterschied der deutschen Silben-
struktur im Vergleich zum Persischen dar, wo an dieser Stelle niemals ein
Konsonantencluster zugelassen ist. Dies impliziert, dass im Persischen der Con-
straint *COMPLEX
ONS
ebenfalls als undominiert gilt und die Verletzung einer von
beiden Einschränkungen zum automatischen Blockieren eines Kandidaten führt.
Aus der bereits formulierten Annahme, dass außer dem Onset noch der
Nukleus als notwendige Konstituente für die Bildung einer universell unmarkier-
ten Silbe aus einer unsilbifizierten Kette von Segmenten gilt, wird der Schluss
gezogen, dass das Persische ebenfalls eine absolute Erfüllung des Constraints
NUC erfordert. Es wird folglich erwartet, dass *COMPLEX
NUC
auf der gleichen
Stufe wie NUC angeordnet wird, um das Vorkommen von einer unmittelbaren
Folge von zwei oder drei Vokalen im Nukleus zu blockieren. Hier ist es wichtig
darauf hinzuweisen, dass innerhalb des Constraint-Rankings des Persischen NUC
auf der gleichen Stufe wie ONSET einzuordnen ist, weil die beiden Beschränkun-
gen in optimalen Outputformen nie verletzt werden.
Als Nächstes werden SONNUC und SONEDGE als gleichgerankte Constraints
in die Hierarchie aufgenommen, die dafür sorgen, dass die Sonorität der Laute in
der Silbe von den Rändern zum Kern hin zunimmt und im Kern ihr Maximum
erreicht (VENNEMANN 1982: 285). Ausgehend davon, dass Epenthese und Til-
gung zu großen Veränderungen in der Silbenstruktur der zu Grunde liegenden
Formen führen, sind sie im Standardpersischen weniger gebräuchlich. Daher
müssen in der Constrainthierarchie des Persischen zusätzlich die Beschränkun-
gen MAX-IO und DEP-IO herangezogen werden, um zu gewährleisten, dass die
lexikalischen Eigenschaften vom Input bei der Realisierung von phonetischen
Repräsentationen (Outputs) erhalten bleiben (vgl. BIJANKHAN 2005: 152). Auf
Grund der Obligatorik der Realisation des glottalen Verschlusslautes bei voka-
lisch anlautenden Silben im Persischen nimmt MOTAVALIAN (vgl. 2009: 75) an,
dass die Beschränkung DEP-IO ein niedrigeres Ranking als MAX-IO in der Hie-
rarchie haben soll, da ihre Reihenfolge für die Auswahl des optimalen Kandida-
ten relevant ist.
Im Persischen, in dem Silben mit Koda sehr wohl toleriert werden, zählt
NOCODA zu den dominierten Constraints. Das Vorkommen von markierten zwei-
stelligen Konsonantenclustern in der Kodaposition persischer Silben, das eine
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 193
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Verletzung von *COMPLEX
ONS
verursacht, führt zur Schlussfolgerung, dass dieser
Constraint für die Silbenstruktur des Persischen irrelevant ist und daher zum
niedrigsten Stratum in der Hierarchie gehört. Ausgehend von diesen Überlegun-
gen lässt sich in Bezug auf die Silbenstruktur folgende Hierarchie der Beschrän-
kungen im Standardpersischen ableiten:
(9) ONSET, *COMPLEX
ONS
, NUC, *COMPLEX
NUC
>> SONEDGE, SONNUC >> MAX-
IO >> DEP-IO >> NOCODA, *COMPLEX
COD
Ähnlich wie im Persischen stellt der Onset ein obligatorisches Element zur
Konstitution einer deutschen Silbe dar: Wo in der Schrift im Deutschen kein
Anfangsrand erscheint, entspricht ihm in der Hochlautung der sog. Glottisver-
schlusslaut. Der Reim verlangt obligatorisch eine vokalische Konstituente als
Kern, die qualitativ auch den ganzen Reim belegen kann (MAAS 2006: 124). Die
Constraints ONSET und NUC gelten daher im gesamten deutschen System als
undominiert, weil alle Outputformen sie erfüllen. Erforderlich ist darüber hinaus
der Constraint *COMPLEX
NUC
, der auf der gleichen Stufe wie ONSET und NUC
eingeordnet wird und das Blockieren der komplexen Silbenkerne bewirkt. Ande-
rerseits kann der Silbennukleus in reiner Hochlautung lediglich durch einen
Vollvokal oder einen Reduktionsvokal besetzt werden, was optimalitätstheo-
retisch bedeutet, dass es zwischen SONNUC und SONEDGE kein Ranking gibt.
Der Glottalverschluss ist der Grund dafür, dass das Deutsche den Constraint DEP-
IO niedriger als MAX-IO anordnet. Auf Grund des akzentzählenden Rhythmus der
deutschen Sprache werden die Grenzen des phonologischen Wortes zusätzlich
durch höhere Komplexität der wortinitialen und wortfinalen Silbenränder mar-
kiert. Die Häufigkeit der Konsonantencluster in der Onset- und Koda-Position legt
nahe, dass im Deutschen *COMPLEX
ONS
und *COMPLEX
COD
von anderen Con-
straints dominiert werden. Dabei ist vor allem die Komplexität der Silbenkoda zu
berücksichtigen, da sie den Constraint NOCODA, der eine leere Koda präferiert, in
hohem Maße verletzt (vgl. SZCZEPANIAK 2007: 33f.). Für die Silbenstruktur im
Deutschen wird dementsprechend folgendes Ranking etabliert:
(10) ONSET, NUC, *COMPLEX
NUC
>> SONNUC, SONEDGE >> MAXIO >> DEP-IO
>> *COMPLEX
ONS
>> NOCODA, *COMPLEX
COD
8 Empirische Untersuchung
Die Datenerhebung zielt hauptsächlich darauf ab, die Gültigkeit der aus dem
obigen Vergleich zwischen den Rankings des Deutschen und des Persischen abge-
leiteten Schwierigkeiten im Bereich der Aussprache empirisch zu überprüfen. Die
Gruppe der Versuchspersonen mit Persisch als Muttersprache bestand aus Studie-
194 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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renden des Fachbereichs Übersetzen der deutschen Sprache von der Fakultät für
Fremdsprachen und Linguistik der Universität Isfahan (13 Frauen, 2 Männer; Alter
1825 Jahre). Die Datenerhebung fand direkt zum Abschluss des ersten Studien-
semesters, d. h. in der frühen Phase des Spracherwerbs statt. Das eigentliche Ziel
des Tests wurde den Probanden nicht mitgeteilt. Ihnen wurde gesagt, dass bei
dieser Untersuchung ihre Wortschatzkenntnisse getestet werden sollten. Dadurch
wurde die Gefahr vermindert, dass sie bewusst auf ihre Aussprache achten, und so
konnten möglichst natürliche Daten erhoben werden. Die Testwörter wurden in
Form einer gemischten Liste
15
präsentiert und die Aufgabe der Probanden bestand
darin, diese Wörter laut vorzulesen und anschließend die persische Bedeutung der
bekannten Wörter aufzuschreiben. Die Reaktionen der Probanden wurden mit
einem professionellen Stereo-IC-Recorder der Marke SONY (Modell ICD-UX400F)
aufgenommen und anschließend phonetisch transkribiert.
16
Bei der nachfolgenden Analyse werden die Testwörter nach drei Subkon-
stituenten der Silbe, d. h. Onset-, Nukleus- und Codaposition klassifiziert, um alle
Komplexitätsgrade der Silbenstruktur, die im Neuhochdeutschen möglich sind,
darbieten zu können. Für die Etablierung des optimalen Kandidaten wird in
Anlehnung an die Optimalitätstheorie ein Überprüfungsverfahren entwickelt,
das die aussichtsreichsten Kandidaten in einem Tableau in der ersten Spalte
aufreiht und spaltenweise die einschlägigen Beschränkungen von links nach
rechts gemäß ihrer Dominanzhierarchie anwendet. Aufgrund der Tatsache, dass
beim Zweitspracherwerb das L1-Ranking als Ausgangspunkt gilt, das sich im
Laufe des Lernprozesses in die Richtung des L2-Rankings entwickeln soll, werden
bei der Evaluation der Kandidaten in Optimierungstableaus nur die Constraints in
Betracht gezogen, die für die Silbenstruktur im Persischen (L1-Ranking) eine
bedeutende Rolle spielen und im vorangehenden Abschnitt schon besprochen
worden sind. Um eine unnötige Überlastung der Tableaus zu vermeiden, werden
nicht all diese Constraints in jedem Tableau angeführt, das die Optimalität einer
bestimmten Outputform motivieren soll.
15 Durch Präsentation der Testwörter in randomisierter Reihenfolge sollte die Aussprache von
Wörtern mit ähnlichen Silbenstrukturen mittels Analogiebildung verhindert werden.
16 Die reine Hochlautung für die Testwörter stammt aus SIEBS (1969). Das Wörterbuch benutzt
das Symbol [|] vor Vokalen, die mit Neueninsatz gesprochen werden sollen. Dessen Gebrauch ist
jedoch auf bestimmte Wörter eingeschränkt. In der vorliegenden Untersuchung wird der glottale
Verschlusslaut mit dem Zeichen [ʔ] transkribiert, wie es in dem Internationalen Phonetischen
Alphabet (IPA) üblich ist. Die bei der phonetischen Wiedergabe der Produktionen der Lerner
gewählten Symbole entsprechen exakt den IPA-Zeichen für das Persische, da in diesem Beitrag
davon ausgegangen wird, dass das Lautsystem der Muttersprache bzw. Ausgangsprache (L1) die
Lernersprache in der Anfangsphase weitgehend bestimmt.
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 195
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8.1 Beschränkungen der Silbenstruktur in der Onset-Position
In Hinblick auf die Aufeinanderfolge und maximale Anzahl der Konsonanten im
Onset gibt es zwischen dem Persischen und dem Deutschen sehr starke Unter-
schiede, wie bereits im vierten Kapitel dieses Beitrags bemerkt wurde. Daher
sollen im Folgenden die für das Deutsche möglichen Konsonantenkombinationen
im Ansatz untersucht und die Frage nach dem Einsatz unterschiedlicher Strate-
gien bei der Aussprache dieser Onsetstrukturen durch Versuchsteilnehmer im
Rahmen der Optimalitätstheorie erklärt werden. Als Einleitung zu dieser detail-
lierten Analyse stellt die folgende Tabelle eine Übersicht über die Ergebnisse der
drei untersuchten Onsetstrukturen dar. In Tabelle 3 ist angegeben, wie viele
Wörter einer Silbenstruktur inkorrekt bzw. nicht-standardsprachlich produziert
wurden.
Silben mit drei Kon-
sonanten im Onset
Silben mit zwei Kon-
sonanten im Onset
Silben mit einem Kon-
sonanten im Onset
inkorrekt 88 % 82 % 0 %
Tabelle 3: Übersicht über die Fehlerverteilung bei der Aussprache der deutschen Onset-
Strukturen
Die Ergebnisse in dieser Tabelle zeigen eine hohe Fehlerhäufigkeit bei der
Produktion von Wörtern mit zwei oder drei Konsonanten im Onset, wobei die
Tendenz zur Veränderung der Silbenstruktur von Wörtern mit dreistelligen Kon-
sonantenclustern im Onset (88 %) relativ höher ist. Die inkorrekte Aussprache bei
Wörtern mit zwei silbeninitialen Konsonanten liegt mit 82 % an zweiter Stelle
bezüglich der Häufigkeit des Vorkommens. Alle Testwörter mit einem Konsonan-
ten im Onset wurden dagegen korrekt produziert.
8.1.1 Silben mit drei Konsonanten im Onset
Das Vorkommen von fehlerhaften Produktionen bei Wörtern mit dreikonsonanti-
gen Clustern in der Onset-Position wird in der folgenden Tabelle mit Beispielen
dargestellt:
196 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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Testwörter Lautung
Produktionen der Versuchsteilnehmer
korrekt Inkorrekt
1) Sprung [ʃprŋ][ʃpruŋ]20%[ʔeʃ.pe.
ruŋ]
47 % [ʔeʃp.ruŋ]27% [ʃpu.ruŋ]6%
2) Strahl
17
[ʃtrɑːl] [ʃtrɒːl] 7 % [ʔeʃ.te.
rɒːl]
47 % [ʃte.rɒːl] 20 % [ʔeʃt.rɒːl]
[ʃte.rɒːhl]
13 %
7%
3) Sprache [ʃprɑː.xǝ][ʃprɒː.xe] 6 % [ʔeʃ.pe.
rɒː.xe]
67 % [ʃpe.rɒː.
xe]
27 % ––
4) Straße [ʃtrɑː.sǝ][ʃtrɒː.se] 6 % [ʔeʃ.te.
rɒː.se]
67 % [ʃte.rɒː.
se]
27 % ––
5) Strom [ʃtroːm] [ʃtroːm] 13 % [ʔeʃt.
roːm]
34 % [ʔeʃ.to.
rom]
27 % [ʔeʃ.te.
roːm]
[ʃto.rom]
13 %
13 %
6) Streit
18
[ʃtrɑet] [ʃtrɒjt] 7 % [ʔeʃ.te.
rɒjt]
47 % [ʃte.rɒjt] 27 % [ʔeʃt.rɒjt] 13 %
7) Strumpf [ʃtrmpf] [ʃtrumpf] 7 % [ʔeʃ.tu.
rumpf]
47 % [ʔeʃt.
rumpf]
33 % [ʃtu.
rumpf]
13 %
8) Spruch
19
[ʃprx] [ʃprux] 7 % [ʔeʃ.pu.
rux]
47 % [ʔeʃp.rux] 20 % [ʃpu.rux]
[ʔeʃ.pe.
rux]
13 %
7%
9) Strafe [ʃtrɑː.fə][ʃtrɒː.fe] 6 % [ʔeʃ.te.
rɒː.fe]
47 % [ʃte.rɒː.fe]27 % [ʔeʃt.rɒ.
fe]
20 %
10) Streik [ʃtrɑek] [ʃtrɒjk] 13 % [ʔeʃ.te.
rɒjk]
67 % [ʃte.rɒjk] 13 % [ʔeʃt.rɒjk] 7 %
Tabelle 4: Übersicht über die Produktionen der Probanden bei Silben mit drei Konsonanten im
Onset
20
Die oben festgestellten Ausspracheschwierigkeiten sind mit Hilfe von unter-
schiedlichen Rankings der gleichen Constraints im Deutschen und im Persischen
zu erfassen, wie es anhand von folgendem Tableau für den am häufigsten
beobachteten Fehlertyp bei der Aussprache des Wortes Straße veranschaulicht
wird:
17 Bei der fehlerhaften Aussprache eines Probanden handelte es sich um einen Lesefehler, was
einen Prozentsatz von 6 % von allen registrierten Produktionen darstellt. Da dieser Fehlertyp das
vorgegebene Testwort veränderte, wurde es in der Datenanalyse nicht berücksichtigt.
18 Siehe dazu die oben aufgeführten Erklärungen.
19 Siehe dazu die oben aufgeführten Erklärungen.
20 Die Prozentzahlen werden in der folgenden Analyse abgerundet.
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 197
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/ʃtrɑː.sǝ/ ONSET *COMPLEX
ONS
MAX-IO DEP-IO
a. ʔeʃ.te.rɒː.se ***
b. ʃtrɒː.se *!
c. eʃt.rɒː.se **! *
Tableau 1
Der optimale Kandidat [a] verstößt nur gegen einen niedrig gerankten Constraint,
nämlich gegen [DEP-IO], während die anderen Kandidaten mindestens einen
höher gerankten Constraint nicht erfüllen. Anhand dieses Tableaus wird deutlich,
dass der im Deutschen eigentlich reguläre Kandidat [b] mit drei Konsonanten im
Onset nicht als optimaler Kandidat hervorgeht, was durch ein unterschiedliches
Ranking von [*COMPLEX
ONS
] im Deutschen und im Persischen zu erklären ist.
Während im Persischen [*COMPLEX
ONS
] höher angeordnet wird und dessen
Verletzung zum sofortigen Ausschluss führt, hat dieser Constraint im Deutschen
ein sehr niedriges Ranking, so dass er auf die Auswahl der optimalen Outputform
keinen Einfluss hat. Um die komplexen Konsonantencluster in Silbenonsets in
eine erlaubte L1-Struktur umzuwandeln, wird von den Lernern Segmentepen-
these eingesetzt und der silbeninitiale dreikonsonantige Cluster auf drei Silben
mit jeweils einem Konsonanten in Onset-Position verteilt (Kandidat [a]). LAZARD
(2005a: 29) zufolge ist die Wahl der Vokale, die im Persischen eingeschoben
werden, keineswegs beliebig, sondern die Aufgabe wird vornehmlich von dem
persischen Vorderzungenvokal /e/ oder dem im Prinzip sehr kurzen Vokal /ə/
übernommen. Dabei werden die eingeschobenen Vokale aufgrund der sog.
Vokalharmonie, die als eine Eigenschaft der silbenzählenden Sprachen angese-
hen wird, in nachfolgenden Silben einander angepasst (vgl. NÜBLING et al. 2006:
20), so dass die oben erwähnten Einschubvokale gelegentlich beim langsamen,
deutlichen Sprechen durch /æ/, /o/ oder /u/ ersetzt werden (LAZARD 2005a: 29).
8.1.2 Silben mit zwei Konsonanten im Onset
In der folgenden Tabelle sind einige Beispiele für die Fehlertypen bei der Aus-
sprache der deutschen Silbenstrukturen mit zwei initialen Konsonanten auf-
geführt:
198 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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Testwörter Lautung
inkorrekte Produktionen der Versuchsteilnehmer
korrekt Inkorrekt
1) Flasche
21
[flɑ.ʃǝ] [flɒ.ʃe] 7 % [fe.lɒ.ʃe] 60 % [fe.læ.ʃe] 27 % ––
2) Blatt [blɑt] [blɒt] 20 % [be.lɒt] 53 % [be.læt] 27 % ––
3) Frage [frɑː.gǝ] [frɒː.ge] 20 % [fe.rɒː.
ge]
80 % ––––
4) Kreide [krɑe.dǝ] [krɒj.de] 20 % [ke.rɒj.
de]
80 % ––––
5) schwer [ʃveːr] [ʃveːr] 53 % [ʔeʃ.veːr] 40 % [ʃe.veːr] 7 % ––
6) Knie [kniː]––[ki.niː] 73 % [ke.niː]20%[ʔek.niː]7%
7) Grill [grɪl] ––[gi.riːl] 93 % [ge.riːl] 7 % ––
8) Schnee [ʃneː][ʃniː]27%[ʔeʃ.neː]46% [ʔeʃ.niː]27% ––
9) Blick [blɪk] [blik] 7 % [bi.lik] 80 % [be.lik] 13 % ––
10) Klang [klɑŋ] [klɒŋ] 20 % [ke.lɒŋ] 67 % [ke.laŋ]13% ––
Tabelle 5: Übersicht über die Produktionen der Probanden bei Silben mit zwei Konsonanten im
Onset
Die Motivation für die oben beobachteten segmentalen Änderungen, die der
Vermeidung der Folge von zwei Konsonanten im Silbenansatz dienen, soll im
Folgenden am Beispiel des Wortes Frage verdeutlicht werden:
/frɑː.gǝ/ ONSET *COMPLEX
ONS
MAX-IO DEP-IO
a. fe.rɒː.ge *
b. ef.rɒː.ge *! *
c. ʔef.rɒː.ge *! **
d. frɒː.ge *!
Tableau 2
Für die Evaluation des optimalen Outputs spielen die Constraints [ONSET] und
[*COMPLEX
ONS
] eine Rolle. Die beiden Kandidaten [b] und [c] werden durch den
ranghöchsten Constraint [ONSET] ausgeschlossen. Obwohl der Kandidat [d] mit
21 Bei der fehlerhaften Aussprache eines Probanden handelte es sich um einen Lesefehler, was
einen Prozentsatz von 6 % von allen registrierten Produktionen darstellt. Da dieser Fehlertyp das
vorgegebene Testwort veränderte, wurde es in der Datenanalyse nicht berücksichtigt.
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 199
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zweikonsonantigem Anfangsrand im Deutschen als der beste Output zu betrach-
ten ist, muss er wegen einer zusätzlichen Verletzung des im Persischen dominier-
ten Constraints [*COMPLEX
ONS
] das Rennen verlieren. Der Kandidat [a], der nur
den am niedrigsten gerankten Constraint [DEP-IO] verletzt, wird als optimal
ausgewählt. Diese inkorrekte Produktion kann darauf zurückgeführt werden,
dass das Persische keine komplexen Konsonantencluster in der Onsetposition
zulässt. Beim Aufeinanderfolgen von zwei silbeninitialen Konsonanten werden
dementsprechend diese mit Hilfe epenthetischer Vokale auf zwei Silben verteilt,
so dass der erste Konsonant als Onset der ersten Silbe gilt und der finale
Konsonant der ersten Silbe dem Ansatz der zweiten Silbe zugeordnet wird.
8.1.3 Silben mit einem Konsonanten im Onset
Beispiele für Wörter, die einen einzigen Konsonanten im Silbenonset aufweisen,
sind in der nachfolgenden Tabelle angegeben:
Testwörter Lautung
Produktionen der Versuchsteilnehmer
korrekt Inkorrekt
1) Mund [mnt] [mund] 100 % ––––
2) Bild [bɪlt] [bild] 100 % ––––
3) Bank [bɑŋk] [bɒŋk] 100 % ––––
4) Geld [gɛlt] [geld] 100 % ––––
5) Umwelt [ʔm.vɛlt] [ʔum.velt] 100 % ––––
6) Oma [ʔoː.mɑ][ʔoː.mɒ]67%[ʔo.mɒ]33%
7) Ton [toːn] [toːn] 87 % [ton] 13 % ––
8) Ball [bɑl] [bɒl] 100 % ––––
9) Insel [ʔɪn.zəl] [ʔin.zel] 93 % [ʔin.sel] 7 % ––
10) Kurs [krs] [kurs] 100 % ––––
Tabelle 6: Übersicht über die Lerner-Produktionen bei Silben mit einem Konsonanten im Onset
Die Ergebnisse bei Wörtern mit einem einzigen Onset-Konsonanten zeigen eine
Übereinstimmung mit der Hypothese, dass die Lerner eine größere Tendenz dazu
haben, eine aus der L1 bekannten Silbenstruktur zu produzieren, ohne die Silben-
struktur der Zielwörter zu verändern, wie folgendes Tableau für das Wort Kurs
demonstriert:
200 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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/krs/ ONSET *COMPLEX
ONS
MAX-IO DEP-IO
a. kurs
b. e.kurs *! *
c. ʔe.kurs **!
Tableau 3
Der Kandidat [a] mit einem einzigen Konsonanten in Onsetposition erfüllt das
Constraint-Ranking des Persischen am besten und wird als die optimale Ober-
flächenstruktur selektiert, während die beiden schlechtenKandidaten [b] und
[c] mindestens einen hoch gerankten Constraint verletzen.
Anhand des obigen Tableaus lässt sich feststellen, dass bei allen untersuch-
ten Testwörtern mit einfachen Silbenstrukturen die Produktionen der Probanden
mit den deutschen Outputformen übereinstimmen. Dieser Prozess ist dadurch
motiviert, dass der optimale Kandidat aus den in beiden Sprachen als zulässig
geltenden Silbenanlauten besteht. Der Vergleich zwischen dem Ranking des
Persischen und dem Ranking des Deutschen zeigt eine weitere Gemeinsamkeit,
nämlich den undominierten Status von [ONSET], der in beiden Systemen keinen
leeren Onset zulässt. Eine mögliche Erklärung für die Obligatorik der Füllung der
subsilbischen Konstituente Onset in beiden Sprachen gibt das Tableau 4 für das
Beispielwort Oma an:
/ʔoːmɑ/ ONSET *COMPLEX
ONS
MAX-IO DEP-IO
a. ʔoː.mɒ
b. ʔoːm.ɒ*!
c. oːm.ɒ**!
d. oː.mɒ*!
Tableau 4
Dadurch, dass die Einfügung eines Glottalverschlusses in beiden Sprachen keine
Verletzung des Treueconstraints [DEP-IO] darstellt, kann ein Kandidat mit epen-
thetischem Glottalverschluss die Evaluierung gewinnen. Alle drei übrigen Kan-
didaten haben die fataleGemeinsamkeit, dass sie den ranghöchstens Con-
straint [ONSET], der für Silben einen Ansatz fordert, nicht erfüllen.
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 201
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8.2 Beschränkungen der Silbenstruktur in der Koda-Position
Der Vergleich zwischen den Silbenstrukturen des Deutschen und des Persischen
zeigte, dass sie in Bezug auf die Konsonantenverbindungen in der Koda einige
Gemeinsamkeiten aufweisen, nämlich dass die beiden Sprachen sowohl offene
Silben als auch markierte Silben mit einem oder zwei Konsonanten in der Koda
zulassen. Allerdings stellen komplexere Silbenstrukturen mit drei oder vier Kon-
sonanten in silbenfinaler Position eine charakteristische Eigenschaft der deut-
schen Sprache dar. Inwieweit sich diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf
die Produktionen der Probanden auswirken, steht im Zentrum der nachfolgenden
Erläuterungen. Tabelle 7 präsentiert eine allgemeine Übersicht der Ergebnisse
über die Häufigkeit inkorrekter Produktionen bei diesen Wortformen.
Silben mit
vier Kon-
sonanten in
der Koda
Silben mit
drei Kon-
sonanten in
der Koda
Silben mit
zwei Kon-
sonanten in
der Koda
Silben mit
einem Kon-
sonanten in
der Koda
offene Silben
inkorrekt 5 % 0 % 0 % 0 % 0 %
Tabelle 7: Übersicht über die Fehlerhäufigkeit bei der Aussprache der deutschen Koda-Struktu-
ren
Die niedrige Fehlerhäufigkeit bei den untersuchten Kodastrukturen belegt, dass
Muttersprachler des Persischen die wenigsten Probleme bei der Aussprache der
deutschen Wörter mit komplexen Konsonantenclustern in der Koda hatten. Bei
den Testwörtern mit vierkonsonantigen Clustern beträgt der Prozentsatz der
inkorrekten Produktionen 5 %, während bei den übrigen vier Kodastrukturen
keine fehlerhaften Produktionen festgestellt wurden.
8.2.1 Silben mit vier Konsonanten in der Koda
Eine viergliedrige Koda weisen im Deutschen nur wenige monomorphematische
Wörter auf. Beispiele für solche Kodacluster sind die Folgenden:
202 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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Testwörter Lautung
Produktionen der Versuchsteilnehmer
korrekt inkorrekt
1) ernst [ʔɛrnst] [ʔernst] 100 % ––––––
2) Herbst [hɛrpst] [herbst] 93 % ––[hebst] 7 % ––
3) selbst [zɛlpst] [zelbst] 93 % ––[zelbs] 7 % ––
Tabelle 8: Übersicht über die Produktionen der Probanden bei Silben mit vier Konsonanten in der
Koda
Wie das Ranking bestimmter Constraints im Persischen zum Auswählen des
optimalen Kandidaten führt, kann anhand von folgendem Tableau veranschau-
licht werden:
/ʔɛrnst/ MAX-IO DEP-IO *COMPLEX
COD
NO-CODA
a. ʔernst * *
b. ʔer.nest *! * **
c. ʔerns *! * *
d. ʔe.renst *! * *
Tableau 5
Vom optimalen Kandidaten [a], der einen komplexen Konsonantencluster in der
Koda enthält, werden nur die Constraints [*COMPLEX
COD
] und [NO-CODA] nicht
erfüllt. Obwohl die einfache Silbenstruktur des Persischen maximal zwei Kon-
sonanten in der Koda-Position zulässt, ist die Auswahl des Kandidaten [a] als die
optimale Outputform dadurch zu erklären, dass [*COMPLEX
COD
] und [NO-CODA]
im Persischen niedriger gerankt sind als die Treue-Constraints [MAX-IO] und
[DEP-IO], die von mindestens einem der schlechten Kandidaten in der Tabelle
verletzt werden.
8.2.2 Silben mit drei Konsonanten in der Koda
Im Folgenden wird der Versuch unternommen, einige Beispiele für dreikonsonan-
tige, silbenfinale Cluster im Deutschen darzustellen, um in einem weiteren Schritt
zu bestimmen, welche Constraints bei der Aussprache dieser Kodastrukturen eine
bedeutende Rolle spielen.
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 203
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Testwörter Lautung
Produktionen der Versuchsteilnehmer
ABCD
1) sonst [znst] [zonst] 100 % ––––––
2) Durst [drst] [durst] 93 % [durʃt] 7 % ––––
3) Herkunft [heːr.
knft]
[heːr.
kunft]
53 % [her.
kuːnft]
27 % [her.
kunft]
20 % ––
4) Kunst [knst] [kunst] 87 % [kuːnst] 13 % ––––
5) Punkt [pŋkt] [puŋkt] 100 % ––––––
6) Obst [ʔoːpst] [ʔoːbst] 80 % [ʔobst] 20 % ––––
7) abwärts [ʔɑp.
vɛrts]
[ʔɒb.
verts]
40 % [ʔɒb.
verst]
27 % [ʔob.
verst]
20 % [ʔob.
verts]
[ʔæb.
verts]
6%
6%
8) Papst [pɑːpst] [pɒːpst] 100 % ––––––
9) Furcht [frçt] [furʃt] 67 % [furxt] 27 % ––
10) Markt
22
[mɑrkt] [mɒrkt] 94 % ––––––
Tabelle 9: Übersicht über die Produktionen der Probanden bei Silben mit drei Konsonanten in
der Koda
/drst/ MAX-IO DEP-IO *COMPLEX
COD
NOCODA
a. durst * *
b. durs *! * *
c. du.rest *! * *
d. du.re.set **! *
Tableau 6
In diesem Tableau gewinnt Kandidat [a], weil er nur die niedrig gerankten
Constraints [*COMPLEX
COD
] und [NOCODA] verletzt, während die drei anderen
Kandidaten mindestens einen höher gerankten Constraint nicht erfüllen. Mit der
standardnahen Aussprache von wortfinalen dreikonsonantigen Clustern pro-
duzieren die Lerner zwar eine Silbenstruktur, die in ihrer L1 nicht existiert,
22 Bei der fehlerhaften Aussprache eines Probanden handelte es sich um einen Lesefehler, was
einen Prozentsatz von 6 % von allen registrierten Produktionen darstellt. Da dieser Fehlertyp das
vorgegebene Testwort veränderte, wurde es in der Datenanalyse nicht berücksichtigt.
204 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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verstoßen aber dadurch nicht gegen die in der L1 undominierten Treueconstraints
[MAX-IO] und [DEP-IO].
8.2.3 Silben mit zwei Konsonanten in der Koda
Unter Berücksichtigung der hohen Auftretenshäufigkeit der Silben mit zwei Koda-
Konsonanten in beiden Sprachen kann angenommen werden, dass bei der Pro-
duktion dieser Strukturen kein Bedarf für die segmentale Änderung besteht, wie
folgende Tabelle mit entsprechenden Beispielen illustriert:
Testwörter Lautung
Produktionen der Versuchsteilnehmer
AB
1) fremd [frɛmt] [fe.reːmd] 73 % [fremd] 27 %
2) Start [ʃtɑrt] [ʃtɒrt] 60 % [ʔeʃ.tɒrt] 40 %
3) Fels [fɛls] [felz] 80 % [fels] 20 %
4) Falsch
23
[fɑlʃ][fɒlʃ]87%––
5) Gast [gɑst] [gɒst] 100 % ––
6) Luft [lft] [luft] 100 % ––
7) Burg [brk] [burg] 100 % ––
8) gesamt [gə.zɑmt] [ge.zɒmt] 100 % ––
9) Geschenk
24
[gə.ʃɛŋk] [ge.ʃeŋk] 87 % ––
10) Horn [hrn] [horn] 100 % ––
Tabelle 10: Übersicht über die Produktionen der Probanden bei Silben mit zwei Konsonanten in
der Koda
Welcher optimale Output unter Annahme eines bestimmten Constraint-Rankings
im Persischen aus einem Input wie /horn/ mit zwei Konsonanten in der Koda
resultiert, wird mit Hilfe von Tableau 7 evaluiert.
23 Bei den fehlerhaften Produktionen von zwei Probanden handelte es sich um Lesefehler, was
einen Prozentsatz von 13 % von allen registrierten Produktionen darstellt. Da diese Fehlertypen
das vorgegebene Testwort veränderten, wurden sie in der Datenanalyse nicht berücksichtigt.
24 Siehe dazu die oben aufgeführten Erklärungen.
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 205
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/horn/ MAX-IO DEP-IO *COMPLEX
COD
NO-CODA
a. horn * *
b. ho.ren *! *
c. hor.ʔen **! **
d. hor.en *! **
Tableau 7
8.2.4 Silben mit einem Konsonanten in der Koda
Beispiele für deutsche Silben mit einem einzigen Koda-Konsonanten sind die
Folgenden:
Testwörter Lautung
Produktionen der Versuchsteilnehmer
ABC
1) Buch [buːx] [buːx] 100 % ––––
2) Schicksal [ʃɪk.zɑːl] [ʃik.zɒːl] 100 % ––––
3) Dom [doːm] [dom] 60 % [doːm] 40 % ––
4) Druck [drk] [du.ruk] 67 % [de.ruk] 13 % [druk] 20 %
5) Not [noːt] [noːt] 73 % [not] 27 % ––
6) Kran [krɑːn] [ke.rɒːn] 87 % [krɒːn] 13 % ––
7) Nachtigall
25
[nɑx.tɪ.gɑl] [næx.ti.gɒl] 54 % [nɒx.ti.gɒl] 33 % ––
8) fertig [fɛr.tɪç] [fer.tiʃ] 73 % [fer.tig] 27 % ––
9) Mut [muːt] [muːt] 87 % [mut] 13 % ––
10) Unsinn [ʔn.zɪn] [ʔun.zin] 60 % [ʔun.sin] 20 % [ʔon.zin] 20 %
Tabelle 11: Übersicht über die Produktionen der Probanden bei Silben mit einem Konsonanten in
der Koda
Die Evaluierung der deutschen Kandidatensilben mit einem Koda-Konsonanten
für die Auswahl der optimalen Outputform wird im folgenden Tableau am
Beispiel des Wortes Buch demonstriert.
25 Siehe dazu die oben aufgeführten Erklärungen.
206 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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/buːx/ MAX-IO DEP-IO *COMPLEX
COD
NO-CODA
a. buːx*
b. buː.xə*!
c. buː*!
d. buː.xet **! *
Tableau 8
8.2.5 Offene Silben
Sowohl das Deutsche als auch das Persische enthalten eine große Anzahl von
weniger markierten Silben, die auf einen Vokal auslauten. Es wird folglich
erwartet, dass Persisch-Sprecher bei der Aussprache dieser Silbenstrukturen auf
keine Schwierigkeiten stoßen, wie folgende Beispielwörter veranschaulichen:
Testwörter Lautung
Produktionen der Versuchsteilnehmer
ABCD
1) Folge
26
[fl.gə] [fol.ge] 93 % ––––––
2) Hose
27
[hoː.zə] [hoː.ze] 80 % [ho.ze] 13 % ––––
3) Auto [ʔɑo.to] [ʔæw.to] 53 % [ʔɒw.to] 33 % [ʔow.to] 7 % [ʔɒː.to] 7 %
4) Nase [nɑː.zə][nɒː.ze] 80 % [nɒ.ze] 20 % ––––
5) Klage [klɑː.gə] [ke.lɒ.ge] 67 % [klɒ.ge] 33 % ––––
6) Rede [reː.də] [reː.de] 53 % [re.de] 47 % ––––
7) Woche [v.xə] [vo.xe] 100 % ––––––
8) Name [nɑː.me] [nɒː.me] 100 % ––––––
9) Liste [lɪs.tə] [lis.te] 100 % ––––––
10) Lampe [lɑm.pə][lɒm.pe] 100 % ––––––
Tabelle 12: Übersicht über die Produktionen der Probanden bei Silben mit einer leeren Koda
26 Bei der fehlerhaften Aussprache eines Probanden handelte es sich um einen Lesefehler, was
einen Prozentsatz von 7 % von allen registrierten Produktionen darstellt. Da dieser Fehlertyp das
vorgegebene Testwort veränderten, wurden sie in der Datenanalyse nicht berücksichtigt.
27 Siehe dazu die oben aufgeführten Erklärungen.
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 207
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Im Folgenden ist das OT-Tableau für das Wort Rede dargestellt. An dieser Stelle
ist darauf hinzuweisen, dass das Testwort Rede zwei offene Silben enthält, wobei
die folgende OT-basierte Analyse von Produktionen der Versuchsteilnehmer
ausschließlich die erste Silbe fokussiert. Allerdings kann die Erklärung für die
Auswahl des optimalen Kandidaten ohne weiteres auf die zweite Silbe übertragen
werden.
/reː.də/ MAX-IO DEP-IO *COMPLEX
COD
NO-CODA
a. reː.de
b. r.de *! *
c. reːd.ʔe*! *
Tableau 9
Bei einer näheren Betrachtung der Ergebnisse in den Tableaus 79 lässt sich
feststellen, dass Versuchspersonen bei der Aussprache offener Silben sowie ge-
schlossener Silben mit einem oder zwei Koda-Konsonanten keine Strategien zur
Vereinfachung der Silbenstruktur der Testwörter anwenden. Dementsprechend
stimmen die als optimal ausgewählten Kandidaten mit den L2-Inputformen überein.
8.3 Beschränkungen der Silbenstruktur in der Nukleus-
Position
Im zweiten Kapitel wurde darauf hingewiesen, dass das Merkmal Sonorität als
Grundlage für die Lokalisierung des Silbengipfels dienen kann. Der Sonoritäts-
hierarchie zufolge ist dieser Silbengipfel in der Regel vokalisch. Als akzentzäh-
lende Sprache besitzt das Deutsche neben den Vollvokalen mindestens einen
Reduktionsvokal [ə], der in der Struktur unbetonter Silben in reiner Hochlautung
als Nukleus fungieren kann. Wie die inkorrekten Produktionen der Probanden auf
diese Silbentypen verteilt sind, illustriert Tabelle 13:
Silben mit Vollvokalen im
Nukleus
Silben mit Schwa-Vokal im
Nukleus
inkorrekt 0 % 0 %
Tabelle 13: Übersicht über die Fehlerhäufigkeit bei der Aussprache der deutschen Nukleus-
Strukturen
208 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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In der nachfolgenden Tabelle sind Beispiele für die verschiedenen Nukleus-
Strukturen im Deutschen angegeben:
Testwörter Lautung
Produktionen der Versuchsteilnehmer
ABC
Silben mit Vollvokalen im Nukleus
1) Telefon [te.le.
foːn]
[te.le.
foːn]
100 % ––––
2) rot [roːt] [roːt] 100 % ––––
3) Kind [kɪnt] [kind] 100 % ––––
Silben mit Schwa im Nukleus
4) Artikel [ɑr.tɪ.kǝl] [ʔɒr.ti.kel] 100 % ––––
5) Lippe [lɪpə] [li.pe] 100 % ––––
6) Käse [kɛː.zə] [keː.ze] 53 % [ke.ze] 40 % [kej.ze] 7 %
7) Polen [poː.lǝn] [po.len] 67 % [poː.len] 33 % ––
8) laden [lɑː.dǝn] [lɒː.den] 60 % [lɒ.den] 40 % ––
9) Teufel [tø.fǝl] [toj.fel] 100 % ––––
10) lesen [leː.zǝn] [leː.zen] 100 % ––––
Tabelle 14: Übersicht über die Produktionen der Probanden bei verschiedenen Nukleus-Struktu-
ren
Welche Schwierigkeiten den Lernern bei der Aussprache von Wörtern mit Schwa-
Laut in der nuklearen Position begegnen würden, soll am Beispiel des Wortes
Polen (Input: /polǝn/) gezeigt werden:
/poː.lǝn/ NUC SONEDGE SONNUC MAX-IO DEP-IO
a. poː.len
b. poː.ln̩*! *
c. poːl.n̩*! * *
Tableau 10
Der Kandidat [a], der einen Vollvokal in der Nukleus-Position aufweist, verletzt
keine Constraints und gewinnt dadurch die Evaluierung, während der Kandidat
[b] mit einem silbischen Konsonanten im Nukleus einmal den Constraint MAX-IO
verletzt und einen fatalen Verstoß gegen SONNUC zeigt, der zu seinem Ausschei-
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 209
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den führt. Der Kandidat [c] verletzt zusätzlich den hoch gerankten Constraint
SONEDGE und muss deswegen verlieren.
Das Persische als silbenzählende Sprache weist in seinem Inventar keine
reduzierten Laute auf. Der Kurzvokal [ə], der als Einschubvokal bei der Ausspra-
che europäischer Lehnwörter vorkommt, wird im persischen Phoneminventar
nicht aufgeführt. Aus diesem Grund greifen die persischsprachigen Deutschlerner
oft zu Substitutionen. Die Realisierung des Schwa-Lauts als Vollvokal führt
jedoch im Deutschen nicht zu Verständigungsschwierigkeiten, da [ə] und [e] so
gut wie nie Minimalpaare bilden. Ausgehend von der Tatsache, dass solche
Interferenzen auf der segmentalen Ebene nicht zu Veränderungen in der Silben-
struktur der zu Grunde liegenden Formen führen, werden die Produktionen der
Probanden bezüglich den Silben, in denen die Nukleus-Position von einem
Schwa belegt ist, nicht als fehlerhaft interpretiert.
9 Schlussfolgerung
Die vorliegende Untersuchung hat einen Beitrag zur Beantwortung der Frage
geleistet, inwieweit die Lernersprache in frühen Erwerbsstufen von den Unter-
schieden zwischen der L1 (Persisch) und der L2 (Deutsch) hinsichtlich der Silben-
struktur determiniert wird. Den theoretischen Rahmen dieses Beitrags bildete die
Optimalitätstheorie, die im Vergleich zu früheren, regelbasierten Ansätzen eine
explizitere Erklärung für den Einfluss der L1 beim L2-Erwerb zu bieten vermag. Im
Lichte eines Vergleichs der Silbenstrukturen im Deutschen und im Persischen
wurde für jedes von beiden Systemen ein einziges Ranking bestimmter Con-
straints etabliert, das alle zulässigen Silbenstrukturen in der jeweiligen Sprache
erfassen konnte:
Constraint-Ranking des Persischen
ONSET, *COMPLEX
ONS
, NUC, *COMPLEX
NUC
>> SONEDGE, SONNUC >> MAX-IO >>
DEP-IO >> NOCODA, *COMPLEX
COD
Constraint-Ranking des Deutschen
ONSET, NUC, *COMPLEX
NUC
>> SONNUC, SONEDGE >> MAX-IO >> DEP-IO >>
*COMPLEX
ONS
>> NOCODA, *COMPLEX
COD
Insgesamt lieferten die Ergebnisse Evidenz dafür, dass Schwierigkeiten in der
Aussprache zu erwarten sind, wenn deutsche Silbenstrukturen Constraints ver-
letzen, die im Persischen undominiert sind. Beide Strategien, Epenthese und
Segmentation, wurden von den Lernern eingesetzt, um eine unmögliche Form in
210 Fatemeh Bahrami, Marzieh Atai Kachoui
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der L1 in eine erlaubte L1-Struktur umzuwandeln.
28
Der bedeutende Kontrast
zwischen dem Persischen und dem Deutschen bestand dabei in dem unterschied-
lichen Ranking des Markiertheitsconstraints [*COMPLEX
ONS
] in der jeweiligen
Sprache. Dieser Constraint galt im gesamten persischen System als undominiert
und wurde von allen Outputformen erfüllt, während das Deutsche ihn auf der
fünften Stufe der Constrainthierarchie einordnete, so dass seine Verletzung in
dieser Sprache nicht als fatal bezeichnet wurde und bei der Evaluierung des
optimalen Outputs keine weitere Rolle spielte.
Zudem konnten sich die grundlegenden Unterschiede, die sich in Bezug auf
den Komplexitätsgrad der Silbenstrukturen in beiden Sprachen fanden, aus dem
Kontrast im Sprachrhythmus zwischen wortbezogen/akzentzählend und silben-
bezogen/silbenzählend erklären lassen. Für die silbenzählende Sprache Persisch
wurden dabei als unterstützende Eigenschaften einfache Silbenstrukturen, ge-
ringe Unterschiede zwischen betonten und unbetonten Silben sowie Verbes-
serung der silbischen Struktur durch Vokalepenthese (sog. silbenoptimierende
Prozesse) angeführt. Im Gegensatz dazu wurde für den akzentzählenden Rhyth-
mus des Deutschen eine Tendenz zum möglichst regelmäßigen Wechsel betonter
und unbetonter Silben, den eingeschränkten Gebrauch von Reduktionsvokalen in
der Nukleus-Position sowie äußerst komplexe Silbenränder als konstitutiv ange-
nommen.
Die größte Fehlerhäufigkeit der ganzen Untersuchung wurde bei der Aus-
sprache der komplexen silbeninitialen Konsonantencluster verzeichnet. Bei den
inkorrekten Produktionen der Probanden handelte es sich um die Vermeidung
der Folge mehrerer Konsonanten im Silben-Onset, was durch das höhere Ranking
von [*COMPLEX
ONS
] im Persischen im Vergleich zu deutschen Rankings zustande
kam. Um die komplexen Silben-Onsets des Deutschen an die einfache Onset-
struktur des Persischen anzupassen, wurden von persischsprachigen Deutsch-
lernern die Konsonantenfolgen im Onset mittels Segmentierung aufgelöst und
zwischen zwei Konsonanten bzw. hinter einem Konsonanten epenthetische Vo-
kale hinzugefügt.
In den Fällen, in denen die Verletzungen so gering wie möglich waren und
vor allem niedrig gerankte Constraints des Persischen betrafen, wurden bei der
Aussprache der untersuchten Wörter die typischen Eigenschaften der deutschen
Silben in der optimalen Outputform beibehalten, obwohl die untersuchten deut-
28 Unter den Produktionen der Probanden bei Wörtern mit vier Konsonanten in der Koda kam es
zusätzlich in 2 Fällen zu einer dritten Vereinfachungsstrategie, die aufgrund ihrer Seltenheit im
Testkorpus nicht in die Analyse aufgenommen wurde. Dabei ging es um die Tilgung der
auslautenden Konsonanten, was einem geringen Prozentsatz von 5 % entspricht.
Silbenstruktur des Deutschen und des Persischen 211
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schen Silbenstrukturen mit dem Constraint-Ranking des Persischen nicht über-
einstimmten. Beispiele dafür sind vor allem komplexe Kodastrukturen mit drei-
oder vierkonsonantigen Clustern, die trotz einem Verstoß gegen [*COMPLEX
COD
]
überwiegend korrekt produziert wurden, da [*COMPLEX
COD
] in beiden Rankings
vom Rest der anderen Constraints dominiert ist. Diese korrekten Produktionen
können als Hinweis darauf interpretiert werden, dass die Gemeinsamkeiten
zwischen beiden Sprachen in Bezug auf die Silbenstruktur den Lernprozess bei
L2-Lernern fördern und als Quelle für einen positiven Transfer gelten können.
Danksagung: Wir bedanken uns bei den anonymen Gutachtern sowie bei den
Herausgebern für die positiven Anmerkungen und die hilfreiche konstruktive
Kritik. Wir bedanken uns zudem bei allen Studierenden des Fachbereichs Über-
setzen der deutschen Sprachevon der Fakultät für Fremdsprachen der Univer-
sität Isfahan in der islamischen Republik Iran, die an unserer Studie teilgenom-
men haben.
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Dans cet article Tauteur demontre que les rSgles valables pour la structure syllabique dans la langue maternelle representent une source d'interference considerable dans le travail d'apprentissage d'une langue etrangSre. L'auteur a utilise comme materiaux des fautes commises par des elSves anglophones apprenant Tarabe egyptien. Ce sont surtout les fautes de production et de reception de frontifcres entre les mots qui sont attribuees á Interference des rSgles syllabiques de la langue maternelle. Une Hypothese gen6rale pour expliquer le transfert de regies syllabiques est presentee á la fin de Farticle. In diesem Artikel wird nachgewiesen, daß die Silbenstrukturregeln der Muttersprache eine bedeutende Interferenzquelle beim Erwerb einer Fremdsprache darstellen. Als Untersuchungsmaterial dienen Fehler, die englische Muttersprachler beim Erlernen des Ägyptischen Arabisch gemacht haben. Unter anderem werden Fehler, die Lernende einer Fremdsprache bei der Produktion und Rezeption von Wortgrenzen machen, auf die Interferenz muttersprachlicher Silbenstrukturregeln zurückgeführt. Am Schluß des Artikels wird eine allgemeine Hypothese für die Erklärung des Transfers von Silbenstrukturregeln aufgestellt.