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Operationalisierung von Vertrauen in Journalismus
Jörg Matthes / Matthias Kohring
Thema des Beitrags ist die Operationalisierung von Vertrauen in medial vermittelte
journalistische Kommunikation, kurz: Vertrauen in Journalismus. Zunächst erfolgt ein
Überblick zur bisherigen Konzeptionalisierung und Operationalisierung von Vertrauen
in Journalismus. Das kritische Fazit: Es liegt bislang keine theoretisch und methodisch
fundierte Skala zur Erfassung von Vertrauen in Journalismus vor. Darüber hinaus sind
Operationalisierungen von Vertrauen in Journalismus nicht konstruktvalidiert. Das Ziel
des vorliegenden Beitrags ist es, an Hand eines theoretisch abgeleiteten mehrdimensio-
nalen Modells eine Skala zur Erfassung von Vertrauen in Journalismus zu entwickeln
und empirisch zu testen. Das zentrale Ergebnis einer Befragung ist die Bestätigung der
vier postulierten Faktoren „Vertrauen in Themenselektivität“, „Vertrauen in Fakten-
selektivität“, „Vertrauen in die Richtigkeit von Beschreibungen“ (Glaubwürdigkeit)
und „Vertrauen in Bewertungen“ mittels einer konfirmatorischen Faktorenanalyse. Zu-
dem kann im Rahmen einer ersten Konstruktvalidierung gezeigt werden, dass die Per-
sönlichkeitseigenschaft „Vertrauensfähigkeit“ ein signifikanter Prädiktor von Vertrauen
in Journalismus ist.
Keywords: Vertrauen in Journalismus, Glaubwürdigkeit, Skalenentwicklung, konfir-
matorische Faktorenanalyse, Konstruktvalidierung, Vertrauensfähigkeit
1Einleitung
Seit den neunziger Jahren trifft der Vertrauensbegriff in den Sozialwissenschaften auf ein
wiedererwachtes Interesse (vgl. Giddens 21997; Earle/Cvetkovich 1995; Misztal 1996;
Sztompka 1999; Hartmann/Offe 2001; Hardin 2002). Vertrauen gilt als eine wichtige Ba-
sis sozialer Ordnung bzw. als Grundlage des sozialen Zusammenhalts und somit als ein
Schlüsselbegriff für das Funktionieren der modernen Gesellschaft mit ihrer Zukunfts-
offenheit und Betonung riskanten Entscheidens. Allerdings hat die behauptete Relevanz
des Begriffs methodologisch kaum Konsequenzen. Die empirische Beobachtung von
Vertrauensprozessen erfolgt in der Regel als eine direkte und eindimensionale Abfrage
des Vertrauens in bestimmte Akteure, wobei sehr oft nicht klar ist, was eigentlich erfasst
wird (vgl. z. B. Chanley/Rudolph/Rahn 2000).
Dies gilt auch für die Kommunikations- und Medienwissenschaft, die bislang den Be-
griff der Glaubwürdigkeit präferiert hat. Theorien des Vertrauens haben hier noch so
gut wie keinen Niederschlag gefunden (vgl. allerdings Bentele 1994b; 1998). Dies ist
umso erstaunlicher, als Journalismus ohne ein bestimmtes Maß an Vertrauen, das ihm
seine Publika Tag für Tag entgegenbringen, seine gesellschaftliche Orientierungsfunk-
tion nicht erfüllen könnte: Vertrauen kann nachgerade als entscheidende Schlüsselvaria-
ble für „Medienwirkungen“ bezeichnet werden. Daher sind die möglicherweise vielfäl-
tigen Dimensionen, auf denen das Publikum seine Bewertungen journalistischer Ver-
trauenswürdigkeit trifft, von hohem theoretischen und praktischen Interesse. Wenn es
nämlich gelingt, Vertrauen in Journalismus differenzierter als über ein globales und un-
spezifisches Glaubwürdigkeitsurteil zu erfassen, beinhaltet dies auch die Möglichkeit,
spezifische Vertrauensprobleme journalistischer Publika zu identifizieren und hierfür
konkrete Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten.
AUFSATZ
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Nachdem an anderer Stelle schon eine ausführliche theoretische Diskussion des For-
schungsstandes erfolgte (vgl. Kohring 2001; 2002a), liegt der Fokus dieses Beitrages auf
der Operationalisierung von Vertrauen in medial vermittelte journalistische Kommuni-
kation, im Folgenden kurz „Vertrauen in Journalismus“ genannt.1Hierzu werden
zunächst bisherige Operationalisierungen von Vertrauen in Journalismus kritisch dis-
kutiert. Zwei Aspekte werden als Schwachpunkte der Forschung identifiziert: Zum Er-
sten existiert kein theoretisch und methodisch fundiertes Messinstrument, das die Ana-
lyse von Vertrauen in Journalismus ermöglicht. Zum Zweiten wurde Vertrauen in Jour-
nalismus noch keiner Konstruktvalidierung unterzogen (2). Im Folgenden geht es daher
um die Konstruktion und Validierung einer Skala zur Messung von Vertrauen in Jour-
nalismus. Ausgangspunkt hierfür ist ein theoretisch abgeleitetes Vierfaktorenmodell,
das u. a. auch den in der Kommunikations- und Medienwissenschaft alternativ zu Ver-
trauen verwendeten Begriff der Glaubwürdigkeit einschließt (3). Im Anschluss wird das
methodische Vorgehen zur Operationalisierung und empirischen Überprüfung dieses
Konstrukts vorgestellt (4). Die Ergebnisse einer standardisierten Umfrage bestätigen das
vorgeschlagene Faktorenmodell (5). Der Beitrag schließt mit einer kritischen Diskussi-
on und Einordnung der vorgeschlagenen Operationalisierung von Vertrauen in Journa-
lismus (6).
2. Forschungsstand
Die Forschung zu Vertrauen in Journalismus ist fast ausschließlich unter dem Begriff der
Medienglaubwürdigkeit bekannt geworden (zum Verhältnis der beiden Begriffe vgl. 3).
Folgende drei Ansätze lassen sich unterscheiden (vgl. Kohring 2001):
(1) der Roper-Ansatz zur vergleichenden Medienglaubwürdigkeit
(2) der faktorenanalytische Ansatz der Glaubwürdigkeitsforschung
(3) der objektivitätsorientierte Ansatz
Der folgende Überblick gilt vor allem den Operationalisierungen des Konstrukts
Glaubwürdigkeit resp. Vertrauen.
Die vergleichende Medienglaubwürdigkeitsforschung findet ihren Ursprung in den
Untersuchungen von Elmo Roper zur Glaubwürdigkeit von Radio, Fernsehen, Zeit-
schrift und Zeitung. Ab 1959 wurde dem amerikanischen Publikum die so genannte Ro-
per-Frage im Abstand von zwei Jahren gestellt (in Deutschland wurde die Frage in die
Langzeitstudie Massenkommunikation übernommen; vgl. Berg/Kiefer 1996; vgl. schon
Drescher 1969): „If you got conflicting or different reports of the same story from ra-
dio, television, the magazines and the newspapers, which of the four versions would you
be most inclined to believe – the one on radio or television or magazines or newspapers?”
(Roper 1985: 5)
Diese Frage wurde in zahlreichen weiteren Umfragen eingesetzt (vgl. z. B. West-
ley/Severin 1964; Greenberg/Razinsky 1966; Drescher 1969; Shaw 1973; Mulder 1980).
Während die Tageszeitung in den USA bis 1961 noch als glaubwürdigstes Informati-
onsmedium galt, zeigen spätere Roper-Daten einen angeblichen deutlichen „Glaub-
würdigkeitsvorsprung“ des Fernsehens.
Die Roper-Frage hat von vielen Seiten eine mitunter vehemente Kritik erfahren. Ein
Manko ist die Unterscheidung und Bewertung von Informationsangeboten nach der
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1Zum hier verwendeten Journalismus- und Medienbegriff vgl. Kohring 2000.
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Art ihrer Publikation („das“ Fernsehen vs. „die“ Zeitung) und damit an Hand eines
technologischen Medienkriteriums (vgl. Robinson/Kohut 1988: 188). Hinzu kommt,
dass Rezipienten unterschiedliche Konzepte für die Bewertung von Fernsehen und
Zeitung heranziehen (vgl. Newhagen/Nass 1989: 284).2Darüber hinaus entspricht
die generelle Frage z. B. nach „der“ Zeitung nicht dem spezifischen Nutzungsverhal-
ten der Rezipienten. Neben weiteren Kritikpunkten (vgl. Kohring 2001: 15 ff; 33 f)
ist anzumerken, dass die Antworten nicht auf konkrete Themen bezogen werden
(vgl. Meyer 1974: 49). Ein messtheoretisches Problem ergibt sich daraus, dass
Glaubwürdigkeit nur an Hand eines einzigen Indikators gemessen wird, sodass nicht
nur Validitäts-, sondern auch Reliabilitätseinschätzungen nicht getroffen werden kön-
nen.
Im Unterschied zum Roper-Ansatz wird Glaubwürdigkeit im faktorenanalytischen
Ansatz als mehrdimensionales Konstrukt aufgefasst (vgl. etwa Gaziano/McGrath 1986;
Lee 1978; für einen Überblick Wirth 1999). Hierbei werden semantische Differenziale
und – nur bisweilen journalismusbezogene – Items mit Hilfe explorativer Faktorenana-
lysen ausgewertet; die gefundenen Faktoren werden sodann als Glaubwürdigkeitsdi-
mensionen interpretiert. So erfasste Jacobson (1969) Glaubwürdigkeit mit Hilfe eines
semantischen Differenzials mit 20 Adjektivpaaren. Eine explorative Faktorenanalyse er-
gab neben den zwei glaubwürdigkeitsbezogenen Faktoren Authentizität und Objekti-
vität auch zwei angeblich nicht-glaubwürdigkeitsbezogene Dimensionen, Dynamik und
Ruhe.
Ganz abgesehen von dem theoretischen Einwand, dass die verwendeten Adjektivpaa-
re zumeist nicht journalismus- und medienspezifisch sind und somit nur allgemeine
Charakteristika von Kommunikation beschreiben, verdeutlicht die methodische Kritik
am faktorenanalytischen Ansatz auch die generellen Probleme der explorativen Fakto-
renanalyse (vgl. Gorsuch 1983: 369–372). Zum Ersten ist die Annahme nicht haltbar,
dass Faktoren, die in einer explorativen Studie extrahiert werden, auch die tatsächlichen
Dimensionen des jeweils untersuchten Konstruktes sind. Die tatsächlichen Faktoren ei-
nes Konstruktes können nur dann als identifiziert gelten, wenn sie zum einen repliziert
werden und zum anderen in einen theoretischen Rahmen eingebunden sind. Zum Zwei-
ten verweist Gorsuch auf die Gefahr der unzureichenden Reflexion bei der Auswahl von
Items. Zum Dritten berichten viele Studien nicht über die Details der Analyse, z. B. die
Entscheidung über die Anzahl der Faktoren oder die Art der Rotation, was eine Repli-
kation oder Modifikation verhindert. Auch Gorsuchs Schlussfolgerung, dass derartige
Probleme auf eine mangelnde theoretische Reflexion zurückzuführen sind, gilt für die
faktorenanalytische Medienglaubwürdigkeitsforschung (vgl. auch Wirth 1999: 52): In
kaum einer Studie wird explizit der Versuch unternommen, das Konstrukt Glaubwür-
digkeit zu definieren.3Infolgedessen ist die Glaubwürdigkeitsdefinition für den Leser
erst aus der gefundenen Faktorenlösung ersichtlich (vgl. McCroskey/Young 1979;
Matthes / Kohring · Operationalisierung von Vertrauen
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2Dies führt dazu, dass Vertrauen in Journalismus auch in der Wissenschaft alltagssprachlich als
Vertrauen „in Medien“ etikettiert wird. Der Einsatz technologischer Verbreitungsmedien hat
zweifellos Einfluss auf die Vertrauenswürdigkeit journalistischer Informationsangebote – es ist
aber theoretisch ungenau, von Vertrauen in ein technologisches Medium wie z. B. „das“ Inter-
net oder „das“ Radio zu sprechen.
3Vgl. etwa Al-Makaty/Boyd/Tubergen 1994; Gantz 1981; Gaziano/McGrath 1986, Jacobson
1969; Johnson/Kaye 1998; Newhagen/Nass 1989; Wanta/Hu 1994; West 1994.
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1981).4Ein weiteres Problem ist die unzureichende Trennung von Glaubwürdigkeits-
prädiktoren und der Glaubwürdigkeit selbst (vgl. Wirth 1999: 52). Schließlich wird im
faktorenanalytischen Ansatz auch die Konstruktvalidität nicht thematisiert.
Der dritte, objektivitätsorientierte Ansatz verbindet das Glaubwürdigkeitskonzept
mit der Objektivität journalistischer Berichterstattung. Der Ansatz geht davon aus, dass
Journalisten annähernd unverzerrt über gesellschaftliche Realität berichten können und
sollen. Als Beispiel für den objektivitätsorientierten Ansatz können vor allem die Ar-
beiten von Bentele (vgl. 1988a; 1988b; 1994a; 1994b) zur „Objektivität und Glaubwür-
digkeit von Medien“ dienen (vgl. auch Nawratil 1997). Bentele zu Folge, der 1984 und
1985 in Berlin mehrere Repräsentativbefragungen durchführte, bemisst sich die journa-
listische Glaubwürdigkeit an der Entsprechung bzw. Diskrepanz von Medienrealität
und tatsächlicher Realität (die letztlich mit der Wahrnehmung der Rezipienten gleich-
gesetzt wird; vgl. Bentele 1988a: 6 f).
Abgesehen von der theoretischen Diskussion, inwiefern es einen objektiven Grad-
messer für die Entsprechung von journalistischer Selektivität („Medienrealität“) und
Rezipientenselektivität („tatsächliche Realität“) geben kann (s. u.), ist aus methodischer
Sicht die Operationalisierung des Konstrukts Glaubwürdigkeit zu kritisieren. Es wird
gefragt, wie wichtig eine „wahrheitsgemäße und objektive“ (Bentele 1988a: 222; Hvhg.
JM & MK) Berichterstattung eingeschätzt wird und für „wie glaubwürdig und objek-
tiv“ (Bentele 1988b: 415; Hvhg. JM & MK) die einzelnen Medien gehalten werden. Bei
einer solchen Fragestellung ist nicht klar, ob nur eines oder ob beide Adjektive der Ant-
wort zu Grunde liegen. Zudem spiegelt sich Benteles (1988b: 421) Feststellung, „daß
Glaubwürdigkeit nicht nur ein mehrdimensionales Konstrukt ist, sondern auch von zu-
mindest den vier Faktorenbereichen Kommunikator/Medium, Text/Medienrealität,
Rezipient und Ereignis/Realität abhängig ist“, nicht in der oben beschriebenen eindi-
mensionalen Operationalisierung wider. Positiv hervorzuheben ist, dass die Glaubwür-
digkeitseinschätzungen auf einen konkreten Themenbereich (politische Berichterstat-
tung) und auf konkrete journalistische Medien (inkl. der von den Befragten selbst ge-
nutzten) bezogen wurden (vgl. Bentele 1988b). In späteren Arbeiten spricht Bentele
(1994b, 1996, 1998) im Zusammenhang mit dem Begriff des öffentlichen Vertrauens da-
von, dass Glaubwürdigkeit als Teilphänomen von Vertrauen zu begreifen sei. Dieser
Ansatz wird allerdings nicht weiter entwickelt.
Tabelle 1 fasst die drei Ansätze an Hand ihres Hauptcharakteristikums, des unter-
suchten Konstruktes, der Begriffsdefinition, des theoretischen Zugangs, der Konstrukt-
validierung sowie der Methodik zusammen. Sowohl der vergleichende Ansatz als auch
der faktorenanalytische Ansatz legen weder eine einheitliche Definition noch einen ex-
pliziten theoretischen Zugang vor. Neben anderen methodischen Problemen ist zu kri-
tisieren, dass keine Konstruktvalidierung unternommen wird. Der objektivitätsorien-
tierte Ansatz Benteles verfügt zwar über eine Definition von Glaubwürdigkeit, aller-
dings entspricht die gewählte eindimensionale Operationalisierung nicht der theoreti-
schen Vorgabe. Die Darstellung verdeutlicht die beiden von Self (vgl. 1996: 434)
formulierten Probleme der Glaubwürdigkeitsforschung: Weder gibt es theoretisch fun-
dierte Skalen zur Messung des Konstruktes, noch werden mediierende Konstrukte be-
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4Dieses Vorgehen kommentieren Cronkhite und Liska (1976: 92) folgendermaßen: „It seems cle-
ar that the search for a generalized definition of credibility by these means is likely to be as cost-
ly and fruitless as the search for the Holy Grail, without any of the attendant pleasures and ad-
ventures.”
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achtet. Damit wird die Konstruktvalidität von Glaubwürdigkeit resp. Vertrauen außen
vor gelassen. Im nächsten Abschnitt wird ein Modell von Vertrauen in Journalismus
vorgeschlagen, dass eine theoretisch fundierte Skalenkonstruktion sowie das Ableiten
von Hypothesen zur Konstruktvalidierung ermöglichen soll.
Tab. 1: Vergleich der Ansätze in der Medienglaubwürdigkeitsforschung
Vergleichender Faktorenanalytischer Objektivitäts-
Ansatz Ansatz orientierter Ansatz
Charakteristikum Roper-Frage Methode der Objektivitätsnorm
Faktorenanalyse
Konstrukt Glaubwürdigkeit Glaubwürdigkeit Glaubwürdigkeit
(später auch Vertrauen)
Begriffsdefinition keine einheitliche keine einheitliche Definition für Glaub-
Definition vorhanden Definition vorhanden würdigkeit vorhanden
Theoretischer nicht expliziert nicht expliziert normative
Zugang Journalismustheorie
Konstruktvalidität keine Hypothesen keine Hypothesen Hypothesen ableitbar,
formuliert formuliert aber nicht überprüft
Methodik methodische Mängel methodische Mängel Operationalisierung
bei der beim Einsatz der entspricht nicht
Operationalisierung Faktorenanalyse der theoretischen
der Roper-Frage Vorgabe
3. Ein Faktorenmodell von Vertrauen in Journalismus
Die methodischen Defizite des vergleichenden und des faktorenanalytischen Ansatzes
gehen einher mit journalismus- und vertrauenstheoretischen Auslassungen: „Das zen-
trale Problem ist zweifellos die Theorielosigkeit des Vorgehens.“ (Wirth 1999: 52) Der
objektivitätsorientierte Ansatz verfügt als einziger zwar über eine ausgearbeitete Jour-
nalismustheorie, hat aber bislang noch keinen Operationalisierungsvorschlag für die
Frage, woran sich Objektivität denn bemessen soll, vorlegen können. Bentele versucht,
dieses Problem normativ mit Hilfe eines Objektivitätspostulats zu lösen (vgl. Bentele
1994: 305), das sich auch auf die journalistische Selektivität erstreckt und im Übrigen nur
für den informierenden Journalismus gelten soll. Diese Norm einer kritischen Objekti-
vität setzt allerdings die Vorstellung einer außermedialen Realität voraus, mit der die Be-
richterstattung verglichen werden kann. Sofern man nicht behaupten will, dass diese
außermediale Realität an sich vorhanden sei, kann man die journalistische Sicht der Din-
ge nur mit der anderer gesellschaftlicher Akteure vergleichen. Solche außermedialen
Realitätssichten sind aber selbst hochselektiv und können nicht zum primären Maßstab
journalistischen Handelns gemacht werden, sofern man auf dessen Autonomie Wert
legt. Ohne das Problem der normativen Bewertung journalistischer Informationsleis-
tungen damit ignorieren zu wollen, wird an dieser Stelle der theoretischen Vorstellung
der Vorzug gegeben, dass es erstens nicht möglich ist, journalistische Informationsan-
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gebote mit einer beobachterunabhängigen nicht-journalistischen Realität zu verglei-
chen, und dass zweitens gerade aus diesem Grunde die Autonomie journalistischer Se-
lektivität die Basis für dessen gesellschaftliche Funktionserfüllung darstellt. Beide Grün-
de zusammen verdeutlichen, warum es riskant ist, sich auf journalistische Informatio-
nen zu verlassen. Nur deshalb ist es aber überhaupt sinnvoll und notwendig, über Ver-
trauen in Journalismus zu reden.
Eine zweite theoretische Vorbemerkung gilt dem Vertrauens- resp. Glaubwürdig-
keitsbegriff. In der Forschungsliteratur wird Glaubwürdigkeit zum einen als Glaub-
oder Wahrhaftigkeit (believability) verstanden, was wieder auf den erkenntnistheore-
tisch als unzulänglich erkannten Vergleich von journalistischer mit außermedialer Rea-
lität hinausläuft. Zum anderen wird auf die Formel von Hovland, Janis und Kelley (vgl.
31959) zurückgegriffen, die die Glaubwürdigkeit eines Kommunikators als Produkt von
Vertrauenswürdigkeit (verstanden als Aufrichtigkeit) und Kompetenz behaupteten,
ohne diese Entscheidung weiter zu begründen. Insgesamt ist zu konstatieren, dass die
Forschung nicht über einen theoretisch ausgearbeiteten Glaubwürdigkeits- oder Ver-
trauensbegriff verfügt. Es ist daher notwendig, einen Vertrauensbegriff einzuführen, der
hinreichend abstrakt ist, um auf die oben beschriebene Problematik riskanten, da un-
weigerlich selektiven journalistischen Handelns spezifisch zugeschnitten werden zu
können. Im Folgenden wird daher der teilweise noch weiter explizierte Vertrauensbe-
griff von Niklas Luhmann zu Grunde gelegt (vgl. Luhmann 1989; Kohring 2001: 65 ff),
der hierfür als am leistungsfähigsten erachtet wird.
Der theoretische Ausgangspunkt für die Analyse von Vertrauen in (medial vermittel-
ten) Journalismus ist nicht Objektivität oder Wahrheit, sondern Selektivität, anders aus-
gedrückt: Vertrauen in Journalismus ist Vertrauen in dessen spezifische Selektivität.
Dass diese kontingent ist, macht es prinzipiell riskant, dem eigenen Handeln journali-
stische Informationsangebote zu Grunde zu legen (so wie es prinzipiell immer riskant
ist, sich in die Hände Anderer zu begeben). Diese als Risiko wahrgenommene Unge-
wissheit einer komplexen Zukunft wird durch Vertrauen kompensiert. Vertrauen
„überzieht die Informationen, die es aus der Vergangenheit besitzt, und riskiert eine Be-
stimmung der Zukunft. Im Akt des Vertrauens wird die Komplexität der zukünftigen
Welt reduziert. Der vertrauensvoll Handelnde engagiert sich so, als ob es in der Zukunft
nur bestimmte Möglichkeiten gäbe.“ (Luhmann 1989: 20) Vertrauen fungiert dabei als
Ersatz für Wissen: Im Moment der Vertrauenshandlung – „als Hypothese ein mittlerer
Zustand zwischen Wissen und Nichtwissen“ (Simmel31999: 393) – weiß der Vertrauen-
de nicht, ob sein Vertrauen berechtigt ist. Vertrauen wird daher definiert als „selektive
Verknüpfung von Fremdhandlungen mit Eigenhandlungen unter der Bedingung einer
rational nicht legitimierbaren Tolerierung von Unsicherheit.“ (Kohring 2001: 67)
Das hier zu Grunde gelegte Modell von Vertrauen in Journalismus (vgl. Kohring
2002a; 2002b) geht gesellschafts- und journalismustheoretisch davon aus, dass Journa-
lismus die in viele spezialisierte Teilbereiche ausdifferenzierte Gesellschaft stets darauf-
hin beobachtet, ob Ereignisse in einem Bereich Resonanz in anderen Bereichen der Ge-
sellschaft auszulösen vermögen. Journalismus beobachtet die Gesellschaft im Hinblick
auf die Mehrsystemzugehörigkeit von Ereignissen: Er kommuniziert ausschließlich
über solche Ereignisse, die über den gesellschaftlichen Bereich hinaus, in dem sie pas-
siert sind, Bedeutung erlangen könnten (vgl. Kohring 1997; 2000: 163 ff). Diese Beob-
achtungsleistungen des Journalismus entlasten die anderen gesellschaftlichen Systeme
von der Notwendigkeit, ihre Umwelt-Erwartungen ständig selbst zu überprüfen, um sie
gegebenenfalls zu modifizieren. Das spezifische Publikumsvertrauen in Journalismus
richtet sich also darauf, dass seine Informationsangebote tatsächlich eine solche Orien-
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tierung ermöglichen. Orientierung bedeutet, dass journalistische Selektionen in die Ab-
folge eigener Selektionen quasi eingebaut werden und sie sowohl begründen als auch
überhaupt erst ermöglichen.5Auf der Grundlage dieser Überlegungen wurden vier Di-
mensionen journalistischer Selektivität abgeleitet, deren Zusammenspiel, so die Hypo-
these, das Konstrukt Vertrauen in Journalismus ausmacht. Alle vier Faktoren leiten sich
also aus der oben skizzierten Funktion von Journalismus ab und beziehen sich in
unterschiedlicher Weise auf die damit verbundene spezifische journalistische Selekti-
vität. Wenn Rezipienten Vertrauen in Journalismus fassen, so die Annahme, treffen sie
ihre Vertrauensbewertungen auf den folgenden vier Dimensionen (vgl. ausführlicher
Kohring 2001: 85 ff):
1) Vertrauen in Themenselektivität
Die Auswahl von Themen der Berichterstattung markiert die erste Vertrauensdimensi-
on. Die Rezipienten vertrauen darauf, dass sie vom Journalismus auf diejenigen Themen
und Ereignisse aufmerksam gemacht werden, die für sie relevant sind.
2) Vertrauen in Faktenselektivität
Hier geht es um die Auswahl von Fakten oder Hintergrundinformationen zu einem be-
reits selektierten Thema, also um die Art und Weise, wie ein Ereignis kontextualisiert
wird.
3) Vertrauen in die Richtigkeit von Beschreibungen (Glaubwürdigkeit)
Hierunter fällt das Vertrauen in die nachprüfbare und somit konsentierbare Richtigkeit
der dargestellten Fakten. Zwar sind Beobachtungen hochselektiv und ihre Unterteilung
in „richtige“ oder „falsche“ nicht objektiv bestimmbar. Allerdings gibt es auch eine Rei-
he von Beobachtungen, bei denen die Unterscheidung zwischen „richtig“ und „falsch“
normiert und daher nachprüfbar ist. Glaubwürdigkeit wird damit als ein Teilkonzept
von Vertrauen in Journalismus verstanden.
4) Vertrauen in journalistische Bewertungen
Bereits die Selektion eines Ereignisses oder von Informationen stellt eine Bewertung dar.
Hinzu kommen explizit hervorgehobene Bewertungen, vor allem als Kommentare. Sie
geben Hinweise, Handlungsbewertungen und Handlungsaufforderungen.
Für die Operationalisierung des hier vorgeschlagenen Faktorenmodells erschien
es sinnvoll, ein qualitatives Vorgehen mit einem quantitativen zu verbinden (vgl. Kel-
le/Erzberger 1999; Tashakkori/Teddlie 1998). Auf diesem Wege können nicht nur die
Itemformulierung optimiert und die Hypothesenentwicklung stimuliert, sondern auch
unterschiedliche Aspekte von Vertrauen beleuchtet werden. Folglich wurden in einem
ersten Schritt im Januar/Februar 2001 mit 27 Personen qualitative Leitfadengespräche
durchgeführt, die gezielt das oben skizzierte theoretische Konzept umsetzten (vgl. Mat-
thes 2001: 64–83). Aus den Interviews wurde ein Itempool mit 50 Statements generiert.
Mittels offener Fragen wurden die Erwartungen der Befragten an die Medienberichter-
stattung sowie die Relevanz und die Einschätzung der vier Vertrauensfaktoren explo-
riert. Die inhaltsanalytische Auswertung der Interviews ergab, dass die Befragten die
vier Dimensionen von Vertrauen in Journalismus tatsächlich erwarten, wahrnehmen
und differenzieren. Die Interviews lieferten zudem Hinweise für eine neue potenzielle
Subdimension, die man als Vollständigkeit von Informationen bezeichnen könnte. Voll-
ständigkeit meint, dass alle wichtigen Informationen zu einem Thema bereitgestellt wer-
den und die Befragten sich ausreichend informiert fühlen. Die Vollständigkeit von In-
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5So z. B., wenn man die Börsenberichterstattung der FAZ zur Grundlage des eigenen Aktienge-
schäfts nimmt.
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formationen ist einerseits als Subdimension von Faktenselektivität vorstellbar. Da für
manche Befragte schon das Weglassen von wichtigen Informationen eine Verfälschung
oder Lüge darstellt, könnte die Vollständigkeit von Informationen andererseits aber
auch eine Subdimension von Glaubwürdigkeit sein.6Eine Antwort auf diese Frage soll-
te die quantitative Befragung liefern.
4. Hypothesen und methodisches Vorgehen
Auf der Basis des in Abschnitt 3 skizzierten theoretischen Modells von Vertrauen in
Journalismus sowie auf Grund der qualitativen Vorstudie werden im Folgenden Hypo-
thesen für eine standardisierte Befragung abgeleitet. Zunächst gilt es zu überprüfen, ob
die befragten Individuen ihr Vertrauen in die Medien an den vier postulierten Vertrau-
ensfaktoren ausrichten:
Hypothese 1
Vertrauen in Journalismus ist ein vierdimensionales Konstrukt, das sich aus den in-
terdependenten Faktoren „Vertrauen in Themenselektivität“, „Vertrauen in Fakten-
selektivität“, „Vertrauen in die Richtigkeit von Beschreibungen“ (Glaubwürdigkeit)
und „Vertrauen in Bewertungen“ zusammensetzt.
Die sekundäre Zielstellung besteht in einer ersten Konstruktvalidierung der Vertrau-
ensskala. Der Prozess der Validierung – als die wichtigste Herausforderung an die so-
zialwissenschaftliche Skalenentwicklung – kann allgemein als kumulative Beweisfüh-
rung zur Etablierung eines Messinstrumentes verstanden werden. Während die Fakto-
renanalyse auf eine strukturelle Validierung abzielt, erfolgt bei der Konstruktvalidie-
rung ein sukzessives Überprüfen von aus einem theoretischen Netzwerk abgeleiteten
Hypothesen (John/Benet-Martínez 2000: 351; Bryant 2000: 112). Ohne die Konstrukt-
validierung einer Skala ist nicht sichergestellt, was die Skala wirklich erfasst. Für dieses
Vorhaben wurde zunächst in einem ersten Schritt die Persönlichkeitseigenschaft Ver-
trauensfähigkeit extrahiert. Nach Luhmann (vgl. 1989: 85–94) wird der Vertrauens-
erweis durch strukturell nicht gebundene interne Ressourcen wie die generelle Vertrau-
ensfähigkeit ermöglicht und erleichtert (vgl. Kohring 2001: 63-64). Diese Fähigkeit liegt
in einer „Steigerung tragbarer Unsicherheit auf Kosten von Sicherheit“ (Luhmann 1989:
88). Vertrauensfähigkeit ist eine Persönlichkeitseigenschaft, der gemäß dem handlungs-
theoretischen Partialmodell der Persönlichkeit von Krampen (1997: 40–41) vor allem in
„subjektiv mehrdeutigen, neuartigen und kognitiv schlecht strukturierbaren Hand-
lungs- und Lebenssituationen eine hohe Bedeutung für Verhalten und Erleben zu-
kommt“. Vertrauensfähigkeit wird also in als kontingent wahrgenommenen Situationen
relevant. „Mit zunehmender Komplexität [steigt] auch der Bedarf für Vergewisserungen
der Gegenwart, zum Beispiel für Vertrauen“ (Luhmann 1989: 13). Für eine erste Kon-
struktvalidierung von Vertrauen in Journalismus können daher die folgenden Annah-
men abgeleitet werden:
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6Für Bentele (vgl. 1994a: 309) stellen Vollständigkeit und Richtigkeit die grundlegenden Merk-
male journalistischer Objektivität dar. Objektivität im Sinne Benteles wäre hier einer von vier
Faktoren journalistischer Vertrauenswürdigkeit.
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Hypothesen 2a, 2b, 2c, 2d
Je höher die Vertrauensfähigkeit einer Person ist, desto größer ist ihr Vertrauen in
die:
2a) journalistische Themenselektivität,
2b) journalistische Faktenselektivität,
2c) Richtigkeit journalistischer Beschreibungen (Glaubwürdigkeit),
2d) journalistischen Bewertungen.
Die qualitative Vorstudie lieferte Hinweise auf eine zusätzliche Subdimension, die als
Vollständigkeit von Informationen bezeichnet wurde. Offen blieb die Frage, ob diese
Subdimension dem Faktor Faktenselektivität oder dem Faktor Richtigkeit von Be-
schreibungen zuzuordnen ist. Daraus ergibt sich die folgende Fragestellung:
Fragestellung 1
Handelt es sich bei Vollständigkeit“ von Informationen um eine Subdimension von
Faktenselektivität“ oder um eine Subdimension von Richtigkeit von Beschrei-
bungen“ (Glaubwürdigkeit)?
Da vor allem Hypothese 1 eng mit dem statistischen Verfahren der Faktorenanalyse ver-
knüpft ist, und da die Handhabung dieses Verfahrens eine entscheidende Rolle im Pro-
zess der Skalenentwicklung spielt, soll an dieser Stelle kurz die faktorenanalytische Aus-
wertungsstrategie vorgestellt werden. Für die Überprüfung von Hypothese 1 ist das bis-
lang in der Forschung fast ausschließlich verwendete Verfahren der explorativen Fakto-
renanalyse (EFA) nur bedingt geeignet, da es keine Aussage über die Gültigkeit der
gefundenen Struktur erlaubt. Die Struktur des Vertrauens sollte daher mit einer konfir-
matorischen Faktorenanalyse (KFA) empirisch überprüft und gegebenenfalls modifi-
ziert werden. Sowohl die EFA als auch die KFA können als Datenreduktionstechniken
verstanden werden, die Kovarianzen zwischen mehreren beobachteten Variablen (Indi-
katoren) und wenigen zugrundeliegenden latenten Variablen (Faktoren oder Dimensio-
nen) erklären (vgl. Hoyle 2000). In der Aufdeckung noch nicht bekannter Faktorstruk-
turen liegt die Stärke der EFA. Bei der KFA hingegen (als einer Anwendungsmöglich-
keit so genannter Strukturgleichungsmodelle) werden – vereinfacht ausgedrückt – „kau-
sale“ Beziehungen zwischen latenten und manifesten Variablen überprüft. Im
Gegensatz zur EFA, bei der jedes Item auf jedem Faktor frei laden kann, wird bei der
KFA ein Messmodell spezifiziert, das die jeweiligen Indikatoren einzelnen Faktoren zu-
ordnet. Weiterhin ermöglicht die KFA die Berücksichtigung von Messfehlern und die
Schätzung von Anpassungsmaßen für verschiedene Teile des Faktorenmodells. Der
grundlegende Vorteil der KFA besteht demnach darin, dass a priori generierte Hypo-
thesen über die genaue Zuordnung der Indikatoren zu den Faktoren überprüft und fal-
sifiziert werden können (vgl. Schumaker/Lomax 1996: 45–47).
Die hier vorgestellte theoretische Unterscheidung von vier Vertrauensfaktoren legt
den Einsatz einer KFA nahe. Zusätzlich wird aus folgenden Gründen eine EFA vorge-
schaltet: Zunächst erlaubt die EFA, die am besten geeigneten Items für die postulierten
Dimensionen zu bestimmen. Die Verwendung einer EFA ermöglicht darüber hinaus
das Erkennen von neuen Gesichtspunkten oder Besonderheiten einer Skala. Gerbing
und Hamilton (1996) konnten in einer Simulationsstudie zeigen, dass sich die EFA als
Vorstufe zur KFA eignet und schlagen deshalb vor, die Stärken beider Verfahren im
Prozess der Skalenkonstruktion sinnvoll zu verbinden (vgl. ebd.: 63; Hoyle 2000: 469).
Ausgehend von diesen Überlegungen kann das faktorenanalytische Vorgehen folgen-
Matthes / Kohring · Operationalisierung von Vertrauen
13
Bredow,M&K 1-2003,U 001-104 03.05.2007 15:29 Uhr Seite 13
dermaßen beschrieben werden: Zunächst wird eine EFA durchgeführt, die vor allem
der Auswahl der besten Items dient. Im Anschluss wird eine KFA nach den vier postu-
lierten Faktoren spezifiziert. Auf Grund des somit teilweise datengeleiteten Vorgehens
besteht die Notwendigkeit, das Modell in einer zukünftigen Studie zu prüfen und zu
validieren.
5. Ergebnisse
Die durch die qualitative Vorstudie gewonnenen Items flossen in eine standardisierte
schriftliche Befragung7mit einer anfallenden Stichprobe von 303 (48% weiblich / 52%
männlich) erwachsenen Personen ein (vgl. Matthes 2001). Die Teilnehmer beantworte-
ten Fragen zu der Berichterstattung über die neue Währung „Euro“. Das Alter der Be-
fragten variierte von 15 bis 76 Jahren (Durchschnitt: 30,8). Verzerrungen können bei ei-
ner solchen Stichprobenziehung nicht ausgeschlossen werden. Allerdings sind in dieser
Studie verschiedene soziodemographische Segmente vertreten (43% Berufstätige, 37%
Studierende, 10% Arbeitslose, 6% Auszubildende, 4% Rentner). Zumindest hinsicht-
lich Alter und Bildung ist damit eine angemessene Streuung gewährleistet.
5.1 Konstruktion der Vertrauensskala
Die Items wurden zunächst mit einer EFA ausgewertet. Das Ergebnis entspricht den
postulierten vier Faktoren von Vertrauen in Journalismus.8Überdies zeigt sich, dass an-
scheinend die Vollständigkeit von Informationen unter den Faktor Richtigkeit von Be-
schreibungen resp. Glaubwürdigkeit subsumiert werden kann: Sowohl die Items, die
sich theoretisch dem Faktor Vollständigkeit von Informationen zuordnen lassen, als
auch die abgeleiteten Items zur Richtigkeit von Beschreibungen bilden einen gemeinsa-
men, sehr robusten Faktor, der sich in verschiedenen Analysen immer wieder zeigte. In
der KFA wird auf Grund dieses Ergebnisses ein hierarchischer Faktor Richtigkeit von
Beschreibungen resp. Glaubwürdigkeit spezifiziert, der die zwei Subdimensionen Kor-
rektheit von Informationen und Vollständigkeit von Informationen aufweist. Hierfür
ließen sich ja bereits in der qualitativen Vorstudie Hinweise finden.9Ziel einer KFA ist
es nun zu überprüfen, wie gut die gesamte angenommene Struktur den empirischen Da-
ten entspricht.
In einer hierarchischen KFA mit Maximum-Likelihood-Schätzung (vgl. Rinds-
kopf/Rose 1988; Bollen 1989: 313–315) wurde ein Modell mit den vier Faktoren spezi-
fiziert, wobei einer dieser Faktoren, Richtigkeit von Beschreibungen (Glaubwürdig-
M&K 51. Jahrgang 1/2003
14
7Die Befragung wurde im August 2001 in der Innenstadt von Jena durchgeführt.
8Auf Grund der postulierten Abhängigkeit der Faktoren untereinander wurde schiefwinklig ro-
tiert (Oblimin). Die Extraktion der Faktoren erfolgte über das Kaiserkriterium. Ausschlusskri-
terium für Items war eine Ladung < .3, Doppelladung oder das Aufspannen eines nicht inter-
pretierbaren Faktors. Die gewonnene Faktorlösung erklärt 57% der Gesamtvarianz. Die Er-
gebnisse können aus Platzgründen nicht gesondert berichtet werden. Die EFA führte u. a. zum
Ausschluss von mehreren negativ formulierten Items, die einen gemeinsamen Faktor bildeten.
9Es ist ausdrücklich zu betonen, dass die Subdimension „Vollständigkeit von Informationen“
von der EFA nicht erst neu entdeckt wurde, da sie gezielt in die Fragebogenkonstruktion ein-
geflossen ist. Jedes Item war schon vor der EFA eindeutig einem Faktor zugeordnet. Durch die
EFA wurden lediglich die besten Items für jeden Faktor ausgewählt.
Bredow,M&K 1-2003,U 001-104 03.05.2007 15:29 Uhr Seite 14
keit), zwei Subdimensionen bzw. Faktoren erster Ordnung umfasst: Korrektheit von
Informationen und Vollständigkeit von Informationen.10 Im Rahmen der Modellmodi-
fizierung kam es zu einem weiteren Ausschluss von sechs Items. Als Ausschlusskriteri-
um dienten hierbei korrelierte Messfehler oder ungewollte Doppelladungen eines Items
auf einem fremden Faktor (vgl. zu diesem Vorgehen Kline 1998: 216–219). Dies führte
schließlich zu dem in Abbildung 1 gezeigten Faktorenmodell. Die großen Kreise stehen
für den jeweiligen latenten Faktor, die Kästchen für das entsprechende Item und die klei-
Matthes / Kohring · Operationalisierung von Vertrauen
15
10 Um die latenten Konstrukte zu skalieren, wurden die Varianzen der vier Faktoren gemäß dem
gängigen Vorgehen auf 1 fixiert, für die beiden Subdimensionen wurde jeweils eine Indikator-
ladung auf 1 gesetzt (vgl. Kline 1998: 203-207). Ebenfalls wurde die für Strukturgleichungsmo-
delle notwendige Annahme auf Normalverteilung überprüft (vgl. Hoyle/Panter 1995: 162). Die
Stichprobengröße von n = 303 entspricht den Mindestanforderungen für eine KFA (vgl. Hoy-
le 2000: 472). Fehlende Werte wurden standardmäßig durch den Mittelwert aller Befragten er-
setzt, wobei der maximale Anteil fehlender Werte zu einem Item bei 3% lag.
Themen-
selektivität
Fakten-
selektivität
Bewertungen
Vertr01
Vertr03
Vertr02
Vertr15
Vertr17
Vertr16
Vertr04
Vertr06
Vertr05
Vertr07
e01
e02
e03
e04
e05
e06
e07
e15
e16
e17
Richtigkeit
Korrektheit
Vollständig-
keit
Vertr12
Vertr14
Vertr13
Vertr08
Vertr10
Vertr09
Vertr11
e08
e09
e10
e11
e12
e13
e14
ev
ek
Fit-Indices:
GFI: .92
AGFI: .89
RMSEA: .06
Abb. 1: Graphische Darstellung der konfirmatorischen Faktorenanalyse mit Fit-Indices
Bredow,M&K 1-2003,U 001-104 03.05.2007 15:29 Uhr Seite 15
nen Kreise für den dazugehörigen Messfehler. Die doppelseitigen Pfeile zwischen den
Faktoren bezeichnen die Interfaktorkorrelationen und einseitige Pfeile die Regressions-
gewichte bzw. die Faktorladungen. Die Fit-Indices GFI (Goodness of Fit) und AGFI
(Adjusted Goodness of Fit) genügen dem Anspruchsniveau von .9 (vgl. Hom-
burg/Pflesser 2000: 430; für einen Überblick siehe Hu/Bentler 1999). Der RMSEA-Wert
(root mean squared error of approximation) genügt ebenfalls dem Anspruchsniveau von
< .08 (vgl. Homburg/Pflesser 2000: 430). Die postulierte Faktorstruktur (Hypothese 1)
kann somit als vorläufig bestätigt gelten: Die Befragten unterscheiden die vier darge-
stellten Faktoren, wenn sie ihr Vertrauen in Journalismus äußern.
Die verhältnismäßig hohen Korrelationen (φ) zeigen, dass die Faktoren gemäß der
Hypothese nicht unabhängig voneinander sind11:
Themenselektivität Faktenselektivität: φ = .71
Themenselektivität Bewertung: φ = .65
Themenselektivität Richtigkeit: φ = .78
Richtigkeit Bewertung: φ = .75
Richtigkeit Faktenselektivität: φ = .82
Faktenselektivität Bewertung: φ = .82
Auf Grund der hohen Korrelationen zwischen den Faktoren wurden zusätzlich drei al-
ternative Modellstrukturen an den Daten überprüft. Zum Ersten wurden die beiden
Subdimensionen zu einem nicht-hierarchischen Faktor (Richtigkeit von Beschreibun-
gen mit sieben Items) zusammengefasst, d. h. es wurde nicht mehr zwischen Vollstän-
digkeit und Korrektheit unterschieden. In einer weiteren hierarchischen Analyse wur-
den die Vollständigkeit von Informationen und der zuvor allein stehende Faktor Fak-
tenselektivität als zwei Subdimensionen einer neuen latenten Variable betrachtet, die
vorherige Subdimension Korrektheit von Informationen wurde hierbei dann als eigen-
ständiger Faktor spezifiziert. Schließlich wurde ein hierarchisches Modell spezifiziert,
in dem ein einziger latenter hierarchischer Faktor (Vertrauen) alle vier Faktoren erster
Ordnung erklärt. Alle drei alternativen Modelle wurden auf der Basis der oben be-
schriebenen Anspruchsniveaus den Fit-Indices nicht gerecht.
Im Folgenden werden die Faktoren mit den dazugehörigen Items und den Faktorla-
dungen (λ) vorgestellt. In Klammern ist jeweils die Reliabilität (R) angegeben. Auf
Grund der eingeschränkten Aussagekraft des gängigen Koeffizienten Cronbach’s Alpha
(vgl. Homburg/Giering 1998: 120) wurde die Faktorreliabilität als durchschnittlich er-
fasste Varianz eines Faktors berechnet (ebd.: 124). Das Anspruchsniveau beträgt R > .60
(vgl. Homburg/Pflesser 2000: 430).
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11 Die Höhe der Korrelationen macht allerdings eine statistische Überprüfung der Diskriminanz-
validität notwendig. Homburg/Giering (vgl. 1998: 126) schlagen hierfür den χ2-Differenztest
vor. Hierbei wird der Wert der χ2-Differenz zwischen dem ursprünglichen, tatsächlich berech-
neten Modell und einem Modell, bei dem die Korrelation zwischen zwei Faktoren auf 1 fixiert
wird, berechnet. Bei einer signifikanten Verschlechterung des χ2-Wertes ist von Diskriminanz-
validität auszugehen. Dies ist bei allen hier untersuchten Faktoren der Fall.
Bredow,M&K 1-2003,U 001-104 03.05.2007 15:29 Uhr Seite 16
Faktor 1: Vertrauen in die Themenselektivität (R = .55)
Vertr01 „Dem Thema wird die Aufmerksamkeit geschenkt, die angebracht ist.“
(λ = .78)
Vertr02 „Die Häufigkeit, mit der über dieses Thema berichtet wird, ist angemessen.“
(λ = .63)
Vertr03 „Es wurde zu spät auf dieses Thema aufmerksam gemacht.“ (λ = –.38)
Dieser Faktor beschreibt das Vertrauen der Befragten in die Thematisierungsfunktion
der Medien. Hierunter fallen drei Aspekte: Zum Ersten wird gemessen, wie ausführlich
ein Thema (hier: der Euro) in der Berichterstattung berücksichtigt wird. Ein damit eng
verknüpfter zweiter Aspekt, der in der Itemformulierung berücksichtigt wurde, ist die
Häufigkeit der Berichterstattung. Der Zeitpunkt der Berichterstattung ist ein dritter
Aspekt der hier vorgenommenen Operationalisierung.12
Faktor 2: Vertrauen in die Faktenselektivität (R = .69)
Vertr04 „Es werden verschiedene Aspekte dieses Themas angesprochen.“ (λ= .72)
Vertr05 „Das Thema wird von mehreren Seiten beleuchtet.“ (λ= .72)
Vertr06 „Die Berichterstattung erfolgt nicht nur aus einem Blickwinkel, sondern es
wird immer auch die Gegenseite gezeigt.“ (λ= .64)
Vertr07 „Es stehen unwichtige Dinge im Vordergrund.“ (λ= –.44)
Dieser Faktor bezeichnet das Vertrauen in die Art und Weise, wie ein Thema dargestellt
wird. Beim Thema Euro bedeutet das, ob verschiedene Seiten des Themas – beispiels-
weise wirtschaftliche, gesellschaftliche oder soziale Aspekte – vom Journalismus ange-
sprochen werden. Hierunter fällt auch die Ausgewogenheit der Berichterstattung, also
ob ein Thema nur einseitig oder aus mehreren Perspektiven dargestellt wird.
Faktor 3: Vertrauen in Richtigkeit von Beschreibungen (Glaubwürdigkeit)
Der Faktor Richtigkeit von Beschreibungen resp. Glaubwürdigkeit (Faktor zweiter
Ordnung) wird hier als ein Konstrukt verstanden, das durch die zwei Subdimensionen
(Faktoren erster Ordnung) Korrektheit von Informationen und Vollständigkeit von In-
formationen repräsentiert wird. Dies ist bei Strukturgleichungsmodellen dann üblich,
wenn die entsprechenden Faktoren erster Ordnung eine hohe bis sehr hohe Korrelati-
on aufweisen (vgl. Byrne 2001: 120 ff; Kline 1998: 233 ff). Auch in diesem Modell wird
die sehr hohe Korrelation der beiden Faktoren erster Ordnung durch eine gemeinsame
Ursache erklärt, den Faktor Richtigkeit von Beschreibungen. Die direkten Effekte (γ)
dieses Faktors auf die beiden Subdimensionen Korrektheit von Informationen (γ= .98)
Matthes / Kohring · Operationalisierung von Vertrauen
17
12 Auffallend ist bei diesem Faktor zunächst die geringe Faktorladung des dritten Items und die
dadurch verursachte geringe Faktorreliabilität. Die schwache Faktorladung kommt möglicher-
weise durch die negative Itemformulierung zustande. Würde man dieses Item entfernen, stiege
nicht nur die Faktorreliabilität von Themenselektivität, sondern auch die gesamte Anpassungs-
güte des Modells. Es wurde aber gegen einen Ausschluss des Items entschieden, da es inhaltlich
sehr gut zu dem Faktor passt. Mit anderen Worten, die Validität bzw. die inhaltliche Komple-
xität des Faktors soll an dieser Stelle nicht der Reliabilität zum Opfer fallen.
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und Vollständigkeit von Informationen (γ = .95) sind ebenfalls sehr hoch, sodass nur ein
sehr geringer Anteil der Varianz der beiden Subdimensionen nicht erklärt ist. Im Fol-
genden werden die Items der beiden Subdimensionen mit den Faktorladungen (λ) auf-
geführt.
Subdimension 1: Vertrauen in Korrektheit von Informationen (R = .76)
Vertr08 „Die Berichte geben die Dinge so wieder, wie sie sind.“ (λ= .77)
Vertr09 „Ich kann mich auf die Informationen verlassen.“ (λ = .73)
Vertr10 „Ich erhalte korrekte Informationen, die ich an andere weitergeben kann.“
(λ = .70)
Vertr11 „Es wird die ganze Wahrheit berichtet.“ (λ = .63)
Subdimension 2: Vertrauen in Vollständigkeit von Informationen (R = .81)
Vertr12 „Es werden mir genau die Informationen geboten, die ich brauche.“ (λ = .85)
Vertr13 „Ich erhalte alle Hintergrundinformationen, die ich benötige.“ (λ = .79)
Vertr14 „Durch die Berichterstattung kann ich mir ein vollständiges Bild über das The-
ma machen.“ (λ = .77)
Der Faktor Korrektheit von Informationen spiegelt den Eindruck der Befragten wider,
inwieweit die berichteten Fakten der subjektiv empfundenen Wahrheit entsprechen.
Vollständigkeit von Informationen bezieht sich hingegen darauf, ob zu einem Thema
alle wichtigen Fakten genannt werden. Offenbar ist das Weglassen wichtiger Informa-
tionen schon mit einer (Ver-)Fälschung gleichzusetzen. Möglicherweise unterstellen die
Rezipienten hierbei ein bewusstes Unterschlagen von Informationen.
Faktor 4: Vertrauen in journalistische Bewertungen (R = .66)
Vertr15 „Die Kommentare der Journalisten sind hilfreich.“ (λ= .81)
Vertr16 „Wenn die Journalisten Kritik äußern, tun sie das in angemessener Weise.“
(λ= .59)
Vertr17 „Es ist sehr interessant, wenn die Journalisten ihre Meinung zu diesem Thema
äußern.“ (λ= .45)
Der Faktor Vertrauen in journalistische Bewertungen bezieht sich in der hier gewählten
Operationalisierung auf explizite Bewertungen der Journalisten. Hierunter fallen nicht
nur die Kritikfunktion der Medien, sondern auch Handlungsanweisungen, die dem Be-
fragten helfen, sich zu orientieren oder Entscheidungen zu treffen. Die Faktorreliabi-
litäten entsprechen – mit Abstrichen beim Faktor Themenselektivität – dem gängigen
Anspruchsniveau. Auch die Reliabilität von Vertrauensfähigkeit (Cronbach’s Alpha =
.80; 3 Items) ist zufrieden stellend. Dies ermöglicht in einem nächsten Schritt die Über-
prüfung der Hypothesen 2a – 2d.
5.2 Konstruktvalidierung
Einem Vorschlag von Krampen (vgl. 1997: 39) folgend wurden für die Erfassung von
Vertrauensfähigkeit Items aus der standardisierten H-RA-Skala zur Messung von Hoff-
nungslosigkeit (bzw. Zukunftsvertrauen) verwendet (vgl. Krampen 1994). Für jeden der
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Bredow,M&K 1-2003,U 001-104 03.05.2007 15:29 Uhr Seite 18
vier Vertrauensfaktoren wurde ein Strukturgleichungsmodell spezifiziert, in dem aus-
schließlich die Hypothesen zum Zusammenhang von Vertrauensfähigkeit und dem je-
weiligen Vertrauensfaktor getestet wurden. Vertrauensfähigkeit wurde ebenfalls mittels
eines vollständigen Messmodells erfasst.13 Abbildung 2 zeigt das Strukturgleichungs-
modell zur Erklärung von Vertrauen in Themenselektivität.
Vertrauensfähigkeit hat hypothesenkonform einen signifikant positiven Einfluss (γ=
.35; p < .001) auf das Vertrauen in die Themenselektivität. Mit anderen Worten: Eine
Person, die positiv in die Zukunft schaut, vertraut stärker darauf, dass sie alle relevanten
und interessanten Themen durch den Journalismus erfährt, als eine Person, die der ei-
genen Zukunft eher negativ gegenüber steht. Das Vertrauen in die Themenselektivität
wird zu 12% von der exogenen Variable Vertrauensfähigkeit erklärt. Diese hat ebenso
einen signifikant positiven Effekt auf das Vertrauen in die Faktenselektivität (γ= .31;
p < .001; Varianzerklärung: 9%; GFI: .98 / AGFI: .95 / RMSEA: .06), auf die Glaub-
würdigkeit (γ= .37; p < .001; Varianzerklärung: 14%; GFI: .97 / AGFI: .95 / RMSEA:
.04) und auf das Vertrauen in journalistische Bewertungen (γ= .34; p < .001; Varianzer-
klärung: 12%; GFI: .99 / AGFI: .97 / RMSEA: .04). Aus Platzgründen wird auf eine gra-
phische Darstellung dieser Strukturgleichungsmodelle verzichtet.
6. Diskussion
Das zentrale Ergebnis der Studie ist die vorläufige Bestätigung des postulierten Fakto-
renmodells zu Vertrauen in Journalismus. Wenn die befragten Personen ihr Vertrauen
in Journalismus äußern, unterscheiden sie vier Faktoren: Vertrauen in die Themense-
lektivität, Vertrauen in die Faktenselektivität, Vertrauen in die Richtigkeit von Be-
schreibungen (Glaubwürdigkeit) und Vertrauen in Bewertungen. Überdies ergab die
Analyse, dass sich der dritte Faktor, Richtigkeit von Beschreibungen resp. Glaubwür-
digkeit, in die beiden Subdimensionen Vollständigkeit von Informationen und Kor-
rektheit von Informationen aufsplittet. Interessant ist daran vor allem, dass die Voll-
ständigkeit von Informationen als eine Variante der Richtigkeit von Beschreibungen zu
Matthes / Kohring · Operationalisierung von Vertrauen
19
13 Die drei verwendeten Items (Verf1 bis Verf3) lauten: „Ich setze große Hoffnungen in die
Zukunft.“ (λ = .67) / „Das Leben wird mir noch viel mehr schöne Zeiten bringen als schlech-
te.“ (λ = .77) / „Ich blicke mit Optimismus und Begeisterung in die Zukunft.“ (λ = .83) Die Va-
rianz von Vertrauensfähigkeit wurde auf 1 fixiert.
Verf1
Verf3
Verf2
ef1
ef2
ef3
Vertrauens-
fähigkeit
Themen-
selektivität
Vertr01
Vertr03
Vertr02
e01
e02
e03
ets
.35
GFI: .99 / AGFI: .97 / RMSEA: .03
Abb. 2: Strukturgleichungsmodell zur Erklärung von Vertrauen in Themenselektivität
mit Fit-Indices
Bredow,M&K 1-2003,U 001-104 03.05.2007 15:29 Uhr Seite 19
begreifen wäre und nicht als Bestandteil der Faktenselektivität, also der angemessenen
Kontextualisierung eines Themas. Es ist zu betonen, dass hiermit erstmalig die empiri-
sche Umsetzung eines mehrdimensionalen Modells von Vertrauen in Journalismus ge-
lungen ist, das über den in bisherigen Untersuchungen fast ausschließlich fokussierten
Aspekt der Glaubwürdigkeit „von Medien“ hinaus geht. Das Modell ermöglicht eine ge-
nauere Beschreibung von Vertrauen in Journalismus, da es sich zum Ersten an konkre-
ten Erwartungen orientiert, die Rezipienten an den Journalismus richten, und zum
Zweiten eine Differenzierung in vier Vertrauensfaktoren vornimmt. Allerdings muss
einschränkend gesagt werden, dass sich die Antworten der Befragten auf die Berichter-
stattung zum Thema Euro beziehen. Man kann zwar davon ausgehen, dass die extra-
hierte Faktorenstruktur eine adäquate Beschreibung auch anderer Themen ermöglicht;
dennoch muss dies in zukünftigen Untersuchungen erst empirisch gezeigt werden. Auch
auf Grund des teilweise explorativen Vorgehens bei der konfirmatorischen Faktoren-
analyse muss die Skala an einer neuen Stichprobe überprüft und validiert werden. Über-
dies ist die spezifische Formulierung und damit Inhaltsvalidität einzelner Items zu über-
denken. Insbesondere wird sich hierbei zeigen, ob die Zuordnung der Subdimension
Vollständigkeit von Informationen zur Richtigkeit von Informationen (dem Glaub-
würdigkeitsfaktor) Bestand hat. Von Interesse sind zudem auch die hier noch nicht
berücksichtigten Konstrukte Vertrautheit und Misstrauen (vgl. Luhmann 1989).
Ein zweites Ergebnis besteht in einer ersten Konstruktvalidierung der Skala zu Medi-
envertrauen. Es konnte gezeigt werden, dass die Vertrauensfähigkeit einer Person ein
signifikanter Prädiktor aller Vertrauensfaktoren ist. Allerdings kann auch die Kon-
struktvalidierung mit diesem Ergebnis noch nicht als abgeschlossen gelten. In zukünfti-
gen Untersuchungen sollte die Beziehung eines genuin konfirmatorischen Modells zu
weiteren – bereits validierten – Konstrukten erfolgen. Überdies gilt zu fragen, welchen
Stellenwert und welche Vorhersagekraft die vier Vertrauensfaktoren bei unterschiedli-
chen Themen und zu verschiedenen Zeitpunkten im Rezeptionsprozess haben.
Die Ergebnisse lassen daher weiterführende Untersuchungen sowohl notwendig als
auch viel versprechend erscheinen: Liegt nämlich eine reliable und validierte Skala zur
Erfassung von Vertrauen in Journalismus vor, besteht zum Ersten die Möglichkeit, das
nun operationalisierte Vertrauenskonzept funktional in die Medienwirkungsforschung
einzubinden. Beispielsweise könnte gefragt werden, welche Rolle Vertrauen in Journa-
lismus für die Wirkung so genannter Medienframes hat. Vertrauen könnte somit als
Schlüsselvariable bei der Prognose und Erklärung von spezifischen Medienwirkungen
eingesetzt werden. Zum Zweiten würde ein solches Messinstrument auch einen infor-
mativeren Vergleich verschiedener redaktioneller Angebote, also z. B. zwischen Qua-
litätszeitungen und Regionalzeitungen, ermöglichen. Die Aufgliederung des Vertrauens
in mehrere Faktoren erlaubte eine weitaus differenziertere Betrachtungsweise als bislang
möglich (und üblich). Zum Dritten würde der Anwendungsbezug kommunikations-
und medienwissenschaftlicher Forschung erweitert. Dies betrifft nicht nur die Diagno-
se von Vertrauensproblemen, sondern auch die „Therapie“ in Form konkreter Vor-
schläge für journalistisches Handeln.
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Matthes / Kohring · Operationalisierung von Vertrauen
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... Finally, an important limitation is found in the simple operationalization of the trust nexus between media trust and political trust. Future research could adapt the four factors of trust in journalism (trust in topic selectivity, selectivity of facts, accuracy of descriptions and valuations) by Matthes and Kohring (2003) in order to arrive at more nuanced conclusions about where exactly mistrust or trust in media is located for the particular topic. These locations might differ by societal groups and milieus. ...
Article
Fact-checking has been granted a pivotal role in mitigating the effects of online disinformation, but its effectiveness has nonetheless been questioned (Lee and Shin 2019 Lee, E., and S. Shin. 2019. “Mediated Misinformation: Questions Answered, More Questions to Ask.” The American Behavioral Scientist 65 (2): 259–276. doi:https://doi.org/10.1177/0002764219869403.[Crossref] , [Google Scholar]). Like any persuasive communication, fact checkers depend on their recipients perceiving both their messages and them as credible (Lombardi, Seyranian, and Sinatra 2014 Lombardi, D., V. Seyranian, and G. Sinatra. 2014. “Source Effects and Plausibility Judgments When Reading About Climate Change.” Discourse Processes: Comprehension and Validation of Text Information 51 (1-2): 75–92. doi:https://doi.org/10.1080/0163853X.2013.855049.[Taylor & Francis Online], [Web of Science ®] , [Google Scholar]; Lombardi, Nussbaum, and Sinatra 2016 Lombardi, D., E. Nussbaum, and G. Sinatra. 2016. “Plausibility Judgments in Conceptual Change and Epistemic Cognition.” Educational Psychologist 51 (1): 35–56. doi:https://doi.org/10.1080/00461520.2015.1113134.[Taylor & Francis Online], [Web of Science ®] , [Google Scholar]). This study investigates the role of the perceived credibility of the fact checker as possible detriment to the effectiveness of fact-checking efforts by means of an online survey-embedded experiment. Results show that the perceived credibility of the fact checker and fact-checking messages is best explained by normative expectations of the roles of fact checkers and trust in traditional media. Some users perceive fact checkers as elite power structures in journalism or, in other words, as collaborative-facilitators for state propaganda (Hanitzsch and Vos 2018 Hanitzsch, T., and T. Vos. 2018. “Journalism Beyond Democracy: A New Look into Journalistic Roles in Political and Everyday Life.” Journalism 19 (2): 146–164. doi:https://doi.org/10.1177/1464884916673386.[Crossref], [Web of Science ®] , [Google Scholar]; see also Fawzi 2020 Fawzi, N. 2020. “Objektive Informationsquelle, Watchdog und Sprachrohr der Bürger? Die Bewertung der Gesellschaftlichen Leistungen von Medien Durch die Bevölkerung [Objective Source of Information, Watchdog and Mouthpiece for Citizens? The Evaluation of the Social Perfor].” Publizistik 65: 187–207. doi:https://doi.org/10.1007/s11616-020-00572-w.[Crossref] , [Google Scholar]). Further, low trust in media and politics predicts perceived credibility of disinformation better than political partisanship. The findings suggest that fact checkers should be more transparent and proactive in communicating their motives and identities. Further implications are discussed.
... Vertrauen dient damit als Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität, indem es die Lücke zwischen Wissen und Nichtwissen schließt und Handlungen ermöglicht (Luhmann, 2014, Simmel, 1908. In Bezug auf (journalistische) Medien bedeutet dieses "Verwundbarmachen" für Rezipient*innen, dass sie Informationen aus den Medien als Grundlage für Entscheidungen heranziehen und damit ein Risiko eingehen, etwa bei der politischen Meinungsbildung, für Wahl-oder finanzielle Entscheidungen (Hanitzsch et al., 2018, Matthes & Kohring, 2003, van Dalen, 2020. Vertrauen in Journalismus kann daher verstanden werden als "die Bereitschaft einer Person, journalistische Informationen in das eigene Meinungs-, Einstellungs-und Verhaltensspektrum zu übernehmen" (Prochazka, 2020, S. 43). ...
Chapter
Der Beitrag widmet sich der Frage, welchen Einfluss der digitale Wandel von Öffentlichkeit auf das Vertrauen in journalistische Medien hat. Er geht insbesondere auf die Rolle Sozialer Netzwerkplattformen ein und skizziert Risiken und Chancen, die aus einem Verlust der Gatekeeper-Rolle des Journalismus entstehen. Abschließend wird diskutiert, wie der Journalismus unter gewandelten Bedingungen Vertrauen gewinnen und erhalten kann und welche Möglichkeiten Soziale Netzwerkplattformen wie Instagram für einen vertrauenssensiblen Online-Journalismus bieten.
... We measured perceived message credibility using Matthes and Kohring (2003) news trust subscales focusing on truthfulness (4 items, e.g., 'The report recounts the facts truthfully') and completeness (3 items, e.g., 'the whole truth is reported'). Participants responded on a 7-point scale (1 = 'fully disagree' to 7 = "fully agree). ...
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Article
At least since 2016, distorted news published in populist alternative media outlets have raised global concerns about the effects of distorted news on democratic process such as opinion formation and voting. Not all individuals are equally susceptible to distorted news. In three experimental studies (total N = 1,024), we demon-strate that (a) distorted alternative news are seen as less credible compared to journalist news; (b) the perceived credibility of dis-torted news is greater among right-wing authoritarians and con-spiracy-minded individuals; (c) exposure to distorted news can bias these types of individuals’ attitudes about an unknown political candidate; and (d) distorted news leads people in general to develop less favorable attitudes toward the targeted candidate as compared to journalist news
... perceptions regarding the (1) (McLeod et al., 2017). Moreover, trust in news media is influenced by the generalized interpersonal trust (Granow et al., 2020;Matthes & Kohring, 2003) and by the perception that the disseminator of the information on social media is an opinion leader (Turcotte et al., 2015; for contradictory results, see Kyewski, 2018). Strömbäck et al. (2020) conceptualized media trust at different levels of analysis. ...
... (c) Trust in the accuracy of depictions relates to the notion that the depicted facts are correct and verifiable. According to the classification of Matthes and Kohring (2003), this third dimension of trust is directly related to the concept of message credibility, which can also be defined as "an individual's judgment of the veracity of the content of communication" (Appelman and Shyam Sundar 2016, 63). Hence, we understand the credibility of news content, namely message credibility, as an element of trust in the journalistic process of selecting correct and verifiable information. ...
Article
With reference to the current debate about a loss of trust in news media, journalism experts in practice and research often demand that journalists should concentrate on enhancing the quality of their reporting and hence focus on facts and evidences. Building on research on trust and credibility, we investigate how the use of different forms of evidences affects the credibility and quality evaluation of news stories, as well as the reading experience from the audience’s perspective. We conducted an online experiment to detect the influence of the presence of scientific sources, statistical information, and their visualization in an online article. Our findings indicate that these evidences increase the perceived credibility. At the same time, we found that adding scientific sources, statistical data and, visualizations to an article does not lessen its reading enjoyment but improves its perceived vividness in the view of news users. Further results and implications are discussed.
Article
Background In Germany, vaccination gaps exist mainly among adolescents and adults. Family physicians (FPs) administer adult vaccines. FPs strongly influence the vaccination behavior and attitudes of their patients, so their own vaccination-related attitudes and behaviors are critical to achieve high vaccination coverage. The aim of this study was to identify determinants of FPs’ own vaccination uptake and their recommendation behavior. Method 700 FPs participated in a random sampled telephone survey. Respondents were interviewed in both their roles as vaccine recipients and vaccine providers. Thus, participants indicated their own vaccination status and recommendation behavior as primary outcomes. Primary determinants were the 5C psychological antecedents of vaccination. In addition, participants indicated demographic data and other barriers towards vaccination. Association between outcome and determinants were examined using logistic regression models. Results Around 60% of physicians reported to be vaccinated against influenza, pertussis and hepatitis B, and the majority claimed to recommend vaccines to patients. Own vaccination status was significantly associated with the recommendation of vaccines. Of the psychological determinants confidence in the safety of vaccines was associated with own vaccination and recommendation behavior. Collective responsibility, constraints and complacency were associated with own vaccination status. Being from western Germany and being a homeopathic FP were independently associated with lower own vaccination behavior. Vaccine shortages (52.5%) and cost coverage problems (25.6%) were reported frequently as system-related barriers. There was a perception that the National Immunization Technical Advisory Group was influenced by other interests (14.8%) and that people are vaccinated against too many diseases (8%). Around 40% had implemented an office-based reminder system. Discussion FPs’ vaccination behaviors are associated with various psychological determinants and additional barriers. In particular, confidence can leverage FPs’ vaccination behaviors. Promoting office-based reminder systems, reducing system-related barriers, and building trust in official recommendations are additional measures to improve adult vaccination in Germany.
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Book
In diesem Open-Access-Buch geht es um die Frage, welche individuellen Faktoren Vertrauen bzw. Misstrauen in Journalismus erklären. In Teilen der Bevölkerung erodiert das Vertrauen in journalistische Medien. Gleichzeitig verliert der Journalismus seine Rolle als Gatekeeper und tritt in Konkurrenz zu anderen Informationsanbietern im Internet. Fabian Prochazka untersucht theoretisch und empirisch, wie diese beiden Phänomene zusammenhängen. In welchen gesellschaftlichen Milieus ist Vertrauen bzw. Misstrauen in den Journalismus besonders verbreitet und wie hängt es mit Personenmerkmalen zusammen? Welche Qualitätswahrnehmungen und Vorwürfe an den Journalismus stehen hinter einer vertrauensvollen oder misstrauischen Haltung? Beschädigt oder stärkt die gewandelte Informationsumgebung im Internet das Vertrauen in den Journalismus?
Chapter
In diesem Kapitel geht es darum, wie man einen „guten“ Fragebogen formuliert, indem man möglichst reliable und valide Fragen stellt (zu den Gütekriterien Validität und Reliabilität vgl. Kapitel 1.3), wie man Fragen also so stellt, dass man eine verwertbare Antwort erhält. Wir befassen uns dafür zunächst mit allgemeinen Kriterien sinnvoller Formulierung und wenden uns dann den unterschiedlichen Arten von Fragen, ihren Vor- und Nachteilen sowie Einsatzmöglichkeiten zu. Neben der Frage spielen dabei insbesondere Art und Inhalt der Antwortvorgaben eine Rolle sowie abschließend die Anordnung der Fragen im Fragebogen.
Thesis
This is a summary on the cumulative dissertation. Seeking health information online is a prevalent way to obtain knowledge about any medical issue, as it is low-thresholding, anonymous, and independent from medical appointments. In this sense, seeking online information also goes along with relevant decisions for people’s health. Thus, it is crucial to understand how people assess the accuracy of online information. Since health information seekers are usually incapable to assess the accuracy of information efficiently, they need to identify whom and which information to rely on. At the same time, the relationship between health information seekers and providers is mainly determined by their communicative patterns. Thus, the present dissertation examines providers’ language styles and the contexts of online communication and how both aspects impact people’s evaluations of providers and information. In particular, the dissertation investigates whether providers’ language styles and the context of online communication do not only individually but also reciprocally impact people’s evaluations, as a specific language style might be appropriate within a specific context of online communication. Accordingly, the first study focuses on the extent of medical technical jargon used by providers toward an audience of either medical professionals or laypersons in online health forums. Furthermore, the extent of self-reference used by providers in an online video was examined, and whether the context of video presentation impacts people’s evaluations. The context of video presentation was realized by YouTube’s sidebars that recommend similar or unrelated other videos (Study 2), or by the online platforms YouTube and Moodle (i.e., an academic online platform) (Study 3). Study 1 revealed that the extent of medical technical jargon and the type of online forums impacted participants’ evaluations individually and reciprocally. Participants evaluated providers in forums for medical professionals to be more trustworthy than in forums for laypersons. In addition, they judged providers who used a low instead of a high amount of medical technical jargon to be more trustworthy and ascribed to them more language adaption toward the audience. In addition, participants evaluated the information to be more credible when providers’ medical technical jargon was appropriate toward the intended audience of the online forum. The results of Study 2 and Study 3 revealed ambiguous findings regarding the individual impact of the extent of self-reference by providers, which once impacted and once did not impact participants’ evaluations of providers’ benevolence. Furthermore, both operationalized contexts (YouTube’s sidebars with similar or unrelated videos and YouTube or Moodle) did not individually impact participants’ evaluations of providers and information. However, the extent of self-reference by providers influenced participants’ evaluations of providers’ trustworthiness depending on YouTube’s sidebar (Study 2) as wells as their ascription of language accommodation depending on Moodle and YouTube (Study 3). In sum, the present dissertation gives insights into the role of an appropriate language use given specific online communication contexts. It shows that the consideration of both aspects is also crucial for seeking health information online. Future research should consider various aspects of contexts of online communication to expand the understanding of how people assess online health information. The results of the present dissertation likewise can inform health information seekers and providers.
Chapter
Die normativen Grundlagen von Public Relations sind vielfältig: auf den ersten Blick assoziiert man mit dem Begriff „normative Grundlagen“ vor allem bestimmte Berufsbilder 1 und Berufsverständnisse oder — eng damit verbunden — Berufskodizes, die die Moral eines ganzen Berufsstandes, vertreten durch nationale oder internationale Berufsorganisationen ausdrücken sollen. Im PR-Alltag existieren notwendigerweise Diskussionen um die „richtige“ PR-Strategie, gelegentlich wird auch über den „richtigen“ oder „falschen“ Einsatz bestimmter kommunikativer Mittel und Instrumente unter ethischen Gesichtspunkten in Branchenmagazinen diskutiert.2 Unstrittig sind aber auch die rechtlichen Rahmenbedingungen der PR-Arbeit zu den „normativen Grundlagen“ zu zählen.3
Article
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Article
Three decades of research involving the definition and measurement of the source credibility construct are reviewed and a new study reported. It is concluded that factor analytic research reported over the past decade has strayed from the original credibility/ethos construct and has treated that construct as virtually isomorphic with the construct of person perception. It is argued that future factor analytic studies of source credibility would serve no useful purpose, that the historical definitions of the construct should be retained, and that satisfactory measures of that construct already exist.
Article
This department is devoted to shorter reports on research in the communications field. Readers are invited to submit summaries of investigative studies interesting for content, method or implications for further research.