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Basispositionen der Wirtschaftsinformatik - ein gemäßigt-konstruktivistisches Programm.

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Basispositionen der Wirtschaftsinformatik - ein gemäßigt-konstruktivistisches Programm.

Abstract

Die Wirtschaftsinformatik hat noch kein ausgereiftes Theoriengebäude,196 welches sie als eigenständige Wissenschaftsdisziplin erscheinen läßt. Geprägt wird jede Wissenschaft durch die Erkenntnisziele, die Erkenntnisgegenstände und die Erkenntnismethoden. Seit den Anfängen ihrer Institutionalisierung in den achtziger Jahren hat sich die Wirtschaftsinformatik mit der Frage auseinandergesetzt, ob sie eine spezielle Betriebswirtschaftslehre oder eine eigenständige Wissenschaftsdisziplin ist. Exemplarisch sei auf die Diskussion in der Zeitschrift für Betriebswirtschaft hingewiesen, die mit einem Aufsatz von Wedekind eingeleitet wurde.197 Hierbei standen die Aufgaben in Forschung und Lehre und deren Abgrenzung zur Informatik und zur Betriebswirtschaftslehre im Vordergrund. Analogien zu den Diskussionen zum Verhältnis von Mathematik und Betriebswirtschaftslehre einerseits und Betriebswirtschaftslehre und Operations Research anderseits, wie sie in den sechziger Jahren stattgefunden haben, wurden allerdings nicht intensiv hergestellt.198
Literatur 213
Reinhard Schütte
Für eine gemäßigt konstruktivistische
Orientierung der Wirtschaftsinformatik
1. Motivation und thematische Entfaltung
2. Idealistische vs. realistische Positionen
3. Skizze einer gemäßigt konstruktivistischen Position
4. Ausblick
5. Literatur
Veröffentlicht in: Wirtschaftsinformatik und Wissenschaftstheorie. Bestandsaufnahm und Perspektiven. Hrsg.: Becker, J.; König, W.; Schütte, R.; Wendt, O.; Zelewski, S. Wiesbaden 1999, S. 211-245.
214 Konstruktivistische Forschung
Veröffentlicht in: Wirtschaftsinformatik und Wissenschaftstheorie. Bestandsaufnahm und Perspektiven. Hrsg.: Becker, J.; König, W.; Schütte, R.; Wendt, O.; Zelewski, S. Wiesbaden 1999, S. 211-245.
Motivation und thematische Entfaltung 215
1. Motivation und thematische Entfaltung
Die Wirtschaftsinformatik hat noch kein ausgereiftes Theoriengebäude, welches sie als
eigenständige Wissenschaftsdisziplin erscheinen läßt. Geprägt wird jede Wissenschaft
durch die Erkenntnisziele, die Erkenntnisgegenstände und die Erkenntnismethoden. Seit
den Anfängen ihrer Institutionalisierung in den achtziger Jahren hat sich die
Wirtschaftsinformatik mit der Frage auseinandergesetzt, ob sie eine spezielle
Betriebswirtschaftslehre oder eine eigenständige Wissenschaftsdisziplin ist.
Exemplarisch sei auf die Diskussion in der Zeitschrift für Betriebswirtschaft
hingewiesen, die mit einem Aufsatz von WEDEKIND eingeleitet wurde.196 Hierbei
standen die Aufgaben in Forschung und Lehre und deren Abgrenzung zur Informatik
und zur Betriebswirtschaftslehre im Vordergrund. Analogien zu den Diskussionen zum
Verhältnis von Mathematik und Betriebswirtschaftslehre einerseits und
Betriebswirtschaftslehre und Operations Research anderseits, wie sie in den sechziger
Jahren stattgefunden haben, wurden allerdings nicht intensiv hergestellt.197 Diese
Gemäß ihrer Gründungsintention versteht sich die Wirtschaftsinformatik als „(...) inter-
disziplinäre Wissenschaft zwischen den Wirtschaftswissenschaften, insbesondere der
Betriebswirtschaftslehre, und der Informatik“198. Der Erfahrungsbereich der Wirt-
schaftswissenschaften sind Wirtschaftssysteme. Die Informatik, die überwiegend als In-
genieurwissenschaft verstanden wird, befaßt sich demgegenüber mit Techniksystemen.
Sowohl Wirtschafts- als auch Techniksysteme sind von Menschen geschaffene Gebilde,
196 Vgl. Wedekind (1980), S. 1268 ff., der die Auffassung vertreten hat, daß die Betriebsinformatik eine ei-
genständige Disziplin ist. Als Begründung sieht er die Notwendigkeit der Rekonstruktion betriebswirt-
schaftlicher Objekte sowie die Katalogauswahl an. Scheer (1980), S. 1279 ff., vertrat ebenfalls die These,
daß die Betriebsinformatik eine eigene Stellung in Forschung und Lehre zukommt. Er zählt zu den Gebie-
ten der Wirtschaftsinformatik die Informationstheorie, den Inhalt sowie die Gestaltung von Informations-
systemen. STAHLKNECHT widersprach dieser Auffassung. Er sieht die Betriebsinformatik als spezielle
Betriebswirtschaftslehre, „weil man in der Praxis in langjähriger Erfahrung die Erkenntnis gewonnen hat,
daß es besser ist, einer soliden Ausbildung in einer traditionellen Wissenschaft [...] möglichst praktisch
orientierte EDV-Kenntnisse hinzuzufügen, anstatt mit zweidimensional Halbgebildeten zu arbeiten“,
Stahlknecht (1980), S. 1277. Im weiteren Verlauf der Diskussion sei auch auf die Ausführungen von Mül-
ler-Merbach (1981); Heinrich (1982); Steffens (1982); Mertens, Wedekind (1982); Heinrich (1986); Stef-
fens (1986); Kurbel (1987); Scheer (1987) hingewiesen.
197 Zur Diskussion um die Rolle der Mathematik in der Betriebswirtschaftslehre und des Operations Rese-
arch, und damit verbunden die Frage nach der Eigenständigkeit der BWL bzw. des OR als Wissen-
schaftsdisziplin, vgl. u. a. Kulhavy (1963); Kosiol (1964). In der Einleitung zur Auseinandersetzung um
die Ausrichtung der Betriebsinformatik wurde in der Zeitschrift für Betriebswirtschaft hervorgehoben,
daß die einseitige Positionierung der Wirtschaftsinformatik als angewandte Informatik (wie die OR als
angewandte Mathematik) oder als spezielle Betriebswirtschaftslehre (wie das OR als Hilfswissenschaft
der Betriebswirtschaftslehre) erspart bleiben möge. Vgl. o. V. (1982), S. 666. Aus heutiger Sicht wäre es
erfreulich gewesen, wenn diese Randbemerkung breiteres Gehör bei den Forschern in der Wirtschaftsin-
formatik gefunden hätte.
198 Kurbel, Strunz (1990), S. 3.
Veröffentlicht in: Wirtschaftsinformatik und Wissenschaftstheorie. Bestandsaufnahm und Perspektiven. Hrsg.: Becker, J.; König, W.; Schütte, R.; Wendt, O.; Zelewski, S. Wiesbaden 1999, S. 211-245.
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die in Abgrenzung zu den Natursystemen als Kultursysteme bezeichnet werden (Spezia-
lisierung der Realwissenschaften). Im Gegensatz dazu stehen die Idealwissenschaften,
deren Objekte vom Denken erschaffen werden (Formalwissenschaften, Philosophie).199
Die von der Wirtschaftsinformatik betrachteten Erkenntnisgegenstände sind reale Sys-
teme und können sowohl Techniksysteme zur Information und Kommunikation als auch
Wirtschaftssysteme sein.200 Somit ist die Wirtschaftsinformatik eine „typische“ Kultur-
wissenschaft. Mitunter werden Kulturwissenschaften weiter differenziert in normative
und nicht-normative Disziplinen.201 Inwieweit es bereits eine Selbstverständnis gibt, das
eine Charakterisierung der Disziplin als normative Wissenschaft zuließe, kann zum ak-
tuellen Zeitpunkt nicht beantwortet werden. Aufgrund der Herkunft der Forscher in der
Wirtschaftsinformatik dürfte ein Analogieschluß zur Betriebswirtschaftslehre zulässig
sein, die sich selbst vorrangig als nicht-normative Wissenschaft versteht. Die in der Be-
triebswirtschaftslehre übliche Einschätzung der Disziplin als praktisch-normativer Wis-
senschaft dürfte auch für die Wirtschaftsinformatik gültig sein. Bei einer praktisch-
normativen Einstellung wird die Relevanz von Verhaltensnormen zwar nicht geleugnet,
jedoch wird eine Bewertung der Normen abgelehnt. Die Normen gehen als Determinan-
ten in die Untersuchung menschlicher Verhaltensweisen ein.
Ungeachtet der Einordnung der Wirtschaftsinformatik in die skizzierte
Wissenschaftssystematik,202 steht jeder Forscher vor dem Problem, bestimmte
Basisentscheidungen treffen zu müssen.203 Den Basisentscheidungen haftet immer ein
normatives Element an, da die Entscheidungen nicht weiter begründet werden können.
Es handelt sich vielmehr um erste Annahmen, die ein Forscher seinen Arbeiten
zugrundelegt. Zumeist orientieren sich die denkmöglichen Basisentscheidungen an den
von einer “Scientific Community” für sinvoll erachteten Basisentscheidungen.204 Die zu
treffenden Entscheidungen beziehen sich auf ontologische, epistemologische und
methodologische Fragestellungen. Erschwerend kommt hinzu, daß derartige
Fragestellungen nicht nur auf einer, sondern auf mehreren Ebenen zu treffen sind. Es
199 Wöhe (1993), S. 24, unterscheidet Realwissenschaften und Idealwissenschaften. Analog dazu findet sich
in der Wissenschaftstheorie eine Abgrenzung von apriorischen und empirischen Wissenschaften; vgl.
Essler (1972), S. 9 ff.
200 Vgl. WKWI (1993), S. 80.
201 Vgl. Zelewski (1998), S. 7.
202 Es sei nur am Rande erwähnt, das die vorgestellte Systematik ausschließlich eine denkmögliche Struktu-
rierung darstellt. Es hat sich in den Wissenschaften noch kein einheitliches Strukturierungsmuster heraus-
gebildet.
203 In der Wirtschaftsinformatik wurden wissenschaftstheoretische Überlegungen eher angedeutet denn
diskutiert. Eine Ausnahme stellt HEINRICH dar, der auf diesen Aspekt hinweist und eben aus
wissenschaftstheoretischen Gründen die Wirtschaftsinformatik als eigene Wissenschaftsdisziplin versteht,
vgl. Heinrich (1982), S. 668 f.
204 Somit haftet allen Entscheidungen im Basisbereich ein Werturteilscharakter an, da die Entscheidungen
auf Annahmen basieren, die zwar begründet werden können, jedoch ohne eine Begründungsprüfung vor-
nehmen zu können.
Veröffentlicht in: Wirtschaftsinformatik und Wissenschaftstheorie. Bestandsaufnahm und Perspektiven. Hrsg.: Becker, J.; König, W.; Schütte, R.; Wendt, O.; Zelewski, S. Wiesbaden 1999, S. 211-245.
Motivation und thematische Entfaltung 217
kann zwischen Basisentscheidungen auf einer Meta- und einer Objektebene
unterschieden werden.
Die Festlegungen auf der Metaebene betreffen die zentralen wissenschaftstheoretischen
Annahmen, die zugrundegelegt werden. Beispielsweise dienen die ontologischen und
erkenntnistheoretischen Positionen zur Charakterisierung des Realitätsverständnisses
eines Wissenschaftlers.205 Die methodologische Basis ist mit den ontologischen und
erkenntnistheoretischen Einschätzungen eng verbunden, da erstens die Nutzbarkeit von
Erkenntnismethoden abhängig ist vom Erkenntnisverständnis, welches sich aus der
ontologischen und erkenntnistheoretischen Position ergibt. Zweitens ist eine
epistemologische Position ohne die entsprechenden Erkenntnismethoden inhaltsleer.206
Die Unterscheidung zwischen Erkenntnisposition und Erkenntnismethoden wird
aufgrund ihrer im folgenden aufgrund seiner Verbreitung in der Literatur
aufrechterhalten.
Den Entscheidungen auf einer Metaebene nachgelagert sind die Festlegungen auf
Objektebene. Auf dem Gebiet der Ontologie ist festzulegen, welche Sachverhalten
untersucht werden sollen. Dabei ist die Frage, welche Sachverhalte dieses sein können,
nicht unabhängig von den Annahmen auf der Metaebene. Bei einer realistischen
Pespektive können inhaltliche Eigenschaften der Realität als Kriterien r die
Eingrenzung eines zu untersuchenden Gegenstandsbereichs dienen. Bei einer
idealistischen Perspektive kann dem “Sein” keine Eigenschaft unabhängig vom
wahrnehmenden Subjekt zugesprochen werden, so daß derartige Einteilungkriterien
nicht genutzt werden können. Erkenntnistheoretisch gilt es, die über einen oder mehrere
Bereiche zu gewinnenden Erkenntnisse und die Erkenntnisziele zu bestimmen.
Methodologisch sind die Instrumente zur Erkenntnisgewinnung, die aus Sicht einer
wissenschaftlichen Disziplin für zulässig erachtet werden, auszuwählen.
205 Dabei wird hier die Auffassung vertreten, daß zwar zunächst Annahmen über die ontologische und er-
kenntnistheoretische Position zu treffen sind, diese jedoch zunächst aus einer erkenntnistheoretischen
„Brille“ zu betrachten sind. Die Einschätzungen zum „Sein“ setzten immer eine Annahme darüber voruas,
daß eine Erkenntnisposition vorhanden ist. Jede Aussage, wie wir etwas erkennen könne, ist selbstrefle-
xiv, so daß sich die Einstellung zum Charakter des Seins nicht unabhängig von der erkenntnistheoreti-
schen Position treffen läßt. Beispielsweise ist die bekannte Ontologie HARTMANNS nur vor dem Hinter-
grund einer realistischen Erkenntnisposition denkbar. Die Disjunktheit zwischen Ontologie und Erkennt-
nispositon scheint auf den ersten Blick vor allem bei (naiv) realistischen Erkenntnispositionen gegeben zu
sein. Allerdings wäre auch bei einer realistischen Erkenntnisposition aufgrund des Glaubens an die Er-
kenntnisfähigkeit ein Rückschluß auf den objektiven Charakter des Seins zu schließen. Die umgekehrte
Richtung, vom Sein ausgehend die Erkenntnisposition festzulegen, ist nicht denkmöglich. Erst muß etwas
erkannt werden, bevor diese Erkenntnis uns etwas über das Sein aussagt. Im folgenden soll der Zusam-
menhang zwischen Ontologie und Epistemologie nicht weiter problematisiert werden.
206 Zur Vermischung von Objekt der Untersuchung und dem wahrnehmendem Geist führt RESCHER treffend
aus „Both the object of inquiry and the inquiring min that investigates it make a contribution to the chara-
cter of the picture of nature at which our inquiries arrive, and the respective contributions of the two sides
are so intermingled that one cannot draw a clear line to separate which is which.“, Rescher (1992), S.
XIII.
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218 Konstruktivistische Forschung
Im folgenden soll aufgezeigt werden, wie eine denkmöglichen Konstellation von
Basisentscheidungen ausgestaltet sein kann. Es wird dabei ausschließlich der
Entscheidungsrahmen auf der Metaebene entfaltet, da es an derartigen Ausführungen aus
Sicht des Verfassers in der Wirtschaftsinformatik mangelt. Die Konstellation von
Basisentescheidungen auf einer Metabene wird hier als gemäßigter Konstruktivismus
bezeichnet. Es erscheint müßig, alternative Positionen zu bewerten, da ein Vergleich
unterschiedlicher Basispositionen nur aus einer Metaperspektive heraus möglich ist, wie
wiederum eine Metaperspektive usw. erfordern würde. Das Münchhausen-Trilemma
zwingt zu einem dogmatischen Entschluß. Sofern andere denkmögliche Positionen
kritisiert werden, dient dieses ausschließlich dem Zweck, die Motivation für die
eingeschlagene Denkrichtung zu verdeutlichen und gegenüber anderen Positionen
abzugrenzen. Die Vielfalt denkmöglicher Grundpositionen wird dabei nicht als Mangel,
sondern als wünschenswerter Pluralismus verstanden. Es hat in der Philosophie seit
Jahrhunderten Erklärungsversuche für die Vielschichtigkeit der Positionen gegeben,207
die Konkurrenz der Ansätze scheint ein Phänomen der Philosophie zu sein. “Sie [die
philosophischen Positionen, R.S.] zu ‘versöhnen’ hieße, sie zu kastrieren, hieße, sie zu
etwas zu machen, was sie nicht sind. Denn die beruhen auf einer bewußt
konfliktträchtigen Anschauung der Dinge, und es gibt einfach keinen Weg, um ‘alles auf
einmal zu kriegen’. Sie in ihrer Gegensätzlichkeit zu berauben heißt, sie ihrer Substanz
zu berauben omnis affirmatio est negatio.”208 Der Pluralismus bestehender Positionen
und die damit verbundene Erkenntnis, daß eine “definitive und allgemein zwingende
Lösung ihrer Probleme für die Philosphie einfach unangemessen ist, heißt, etwas Tifes
und Bedeutsames an dieser Disziplin zu verstehen etwas, worin sie sich von anderen
Untersuchungsgebieten abhebt.”209
Mitunter wird in der Wirtschaftsinformatik der Nutzen einer wissenschaftstheoretischen
Einordnung in Frage gestellt. Dieser Auffassung wird hier widersprochen. Es sind viele
Annahmen in wissenschaftlichen Arbeiten zu treffen, die wissenschaftstheoretische
Grundpositionen betreffen, deren Explikation für nachvollziehbare Ausführungen unver-
zichtbar sind. Es sind die wesentlichen Positionen offenzulegen,210 damit nicht wie in
fast allen „einzelwissenschaftlichen Problemlösungen metaphysische Annahmen [enthal-
ten sind, R. S.], die durch sorgfältige Interpretationen zutage gefördert werden [müssen,
R. S.]“211. Auf diese Weise werden die auf der Grundposition basierenden Gedanken-
207 Vgl. hierzu u. a. die Ausführungen in Rescher (1997), S. 15-32.
208 Rescher (1997), S. 29.
209 Rescher (1997), S. 32.
210 So sieht auch BALZER eine wesentliche Zielsetzung der Wissenschaftstheorie darin, die „Probleme und
Methoden ihrer Anwendung [der Theorien, R. S.] und Überprüfung zu formulieren“, Balzer (1982), S. 4.
Zu Aufgaben und Zielen der Wissenschaftstheorie vgl. Stegmüller (1973), S. 1-64; Bouillion (1991);
Janich (1997), S. 7-22. Eine Darstellung aktueller Wissenschaftsprogramme in den Wirtschaftswissen-
schaften und der Versuch einer Bewertung, die aus der Perspektive eines kritischen Realismus erfolgt,
gibt beispielsweise Porstmann (1986).
211 Albert (1978), S. 3 f.
Veröffentlicht in: Wirtschaftsinformatik und Wissenschaftstheorie. Bestandsaufnahm und Perspektiven. Hrsg.: Becker, J.; König, W.; Schütte, R.; Wendt, O.; Zelewski, S. Wiesbaden 1999, S. 211-245.
Motivation und thematische Entfaltung 219
gänge kritisierbar. Dem Prinzip der kritischen Prüfung212 wird dabei eine hohe wissen-
schaftliche Relevanz beigemessen.
Sofern die Präsupposition geteilt wird, daß eine hohe Konsistenz der
Aussagensysteme213 ein wesentliches Ziel einer wissenschaftlichen Arbeit sein soll, läßt
sich die These vom geringen “Nutzen der Wissenschaftstheorie” nicht aufrechterhalten.
Insbesondere angesichts des Pluralismus denkmöglicher Positionen ist eine Einordnung
zwingend erforderlich, damit konsistente Aussagensysteme sichergestellt werden
können. “Konsistenz ist die elementarste Forderung philosophische Rationalität [...]”214,
behauptet RESCHER für die Philosophie. Diese Aussage wird hier auch für die
Wirtschaftsinformatik geteilt. Andernfalls wären auch aus zwei Aussagen, die aus
logischer Sicht nicht miteinander verknüpft werden können, als wissenschaftliche
Aussagen zu charakterisieren. Die damit einhergehende Beliebigkeit wissenschaftlicher
Arbeit widerspricht aber dem hier zugrundeliegenden Wissenschaftsverständnis,
demzufolge der Glaube an die Richtigkeit von Sätzen Wissenschaft von Nicht-
Wissenschaft unterscheidet.215 Erst auf diese Weise läßt sich Pseudowissenschaft formal
einfach aufdecken, weil pseudowissenschaftliche Theorien mit ihrem Vokabular alles
möglichen Theorien erklären können.
Wird die skizzierte Präsupposition als Werturteil akzeptiert, so zeigt sich, daß ohne die
Festlegung von Basispositionen die Konsistenzprüfung der jeweiligen Aussagen einer
Arbeit häufig erschwert bzw. unmöglich wird. Anhand von zwei Beispielen aus der
Wirtschaftsinformatik soll dies verdeutlicht werden. Beispielsweise wird von einigen
Autoren als metatheoretischer Rahmen der Modellierung von Informationssystemen
eine an BUNGE angelehnte Ontologie verwendet.216 Sofern diese kritisch-realistische
Perspektive eingenommen wird, darf an andere Stelle nicht die Aktionsforschung als
besondere Forschungsmethode herangezogen werden, weil diese eine Forschung aus der
Teilnehmerperspektive unterstellt, die von grundsätzlich anderen Annahmen ausgeht als
212 Das Prinzip der kritischen Prüfung überprüft den Geltungsanspruch einer Theorie, vgl. Carrier (Prüfung)
(1995), S. 388.
213 Eine Aussage ist zusammen mit seinen Verwendungsregeln ein Behauptungssatz (im Gegensatz bei-
spielsweise zu Frage- oder Befehlssätzen), wenn um die Aussage „gestritten“ werden kann, vgl. Lorenz
(Aussage) (1995), S. 224.
214 Rescher (1997), S. 91.
215 Wissenschaft kann als eigenes soziales System verstanden werden, welches sich weniger durch den Be-
trachtungsgegenstand Wissen, als durch die Form der sozialen Interaktion von anderen Gruppen abgrenzt,
vgl. Balzer (1997), S. 35. In Anlehnung an BALZER kann Wissenschaft anhand unterschiedlicher Glau-
bensgrade an die Richtigkeit von Sätzen gegen doktrinäres Wissen, gegen die Offenbarung und gegen
Pseudowissenschaft abgegrenzt werden, vgl. ausführlich Balzer (1997), S. 34 ff. Wissenschaftliches Wis-
sen ist demnach erstens relativ zu einer Sprache und zweitens ist jeder (jeder inkludiert auch mehrere)
aufgefordert - im Rahmen der Konventionen und Wahrheitswerte, die durch eine Sprache vorgegeben
werden - sich von der Richtigkeit der Aussagen zu überzeugen, vgl. Balzer (1997), S. 36. Die Möglichkeit
der relativen Überzeugung ist bei der Offenbarung und bei doktrinärem Wissen nicht gegeben.
216 Vgl. Wand (1997).
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220 Konstruktivistische Forschung
eine kritisch realistische Position unterstellt. Auch die Kombination eines
abbildungsorientierten Modellverständnisses und der Nutzung der insbesondere im
angelsächsischen Raum beliebten Aktionsforschung weist Inkonsistenzen auf. Es liegen
den jeweils miteinander verbundenen Auffassungen (einerseits Ontologie Bunges oder
ein abbildungsorientiertes Modellverständnis und andererseits die Nutzung eder
Aktionsforschung) miteinander nicht verträgliche Basisannahmen auf der Metaebene
zugrunde, so daß Inkonsistenzen auf der Metabene vorhanden sind. Dieses führt dazu,
daß bei zwei unterschiedlichen Basispositionen Schlußfolgerungen auf Objektebene zu
inkonsistenten Aussagensystemen führen. Die damit verbundene Beliebigkeit von
Aussagen wird hier abgelehnt, da Wissenschaft damit jedes Unterscheidungsmerkmal zu
Arbeiten aus der Unternehmenspraxis fehlt. Selbstkritisch wäre dann die Frage zu
stellen, wie es in Disputationen mitunter der Fall ist, was die Dissertation oder eine
andere wissenschaftliche Arbeit von der eines Unternehmensberaters unterscheidet.
Im folgenden soll zunächst untersucht werden, welche ontologischen und
erkenntnistheoretischen Basispositionen eingenommen werden können (Kapitel 2).
Darauf aufbauend wird im dritten Kapitel 3 skizziert, welche Basisentscheidungen auf
der Metaebene der Verfasser trifft (Kapitel 3.1) und welche Konsequenzen er daraus auf
die Erkenntnismethoden zieht (Kapitel 3.2-3.4). Im abschließenden Kapitel 4 werden
noch einige offene Probleme skizziert.
Veröffentlicht in: Wirtschaftsinformatik und Wissenschaftstheorie. Bestandsaufnahm und Perspektiven. Hrsg.: Becker, J.; König, W.; Schütte, R.; Wendt, O.; Zelewski, S. Wiesbaden 1999, S. 211-245.
Realistische vs. idealistische Positionen 221
2. Realistische vs. idealistische Positionen
Es können Erkenntnisoptimisten und Skeptizisten217 unterschieden werden. Erstere ge-
hen davon aus, daß objektives Wissen über die Realität „an sich“ möglich ist, letztere
bestreiten dieses. Diese Unterteilung ist der Differenzierung zwischen Realisten und Ide-
alisten gewichen, obgleich die beiden Begriffspaare nicht identisch sind. Realistische
und idealistische Positionen können danach voneinander abgegrenzt werden, ob sie sich
auf ontologische218 oder erkenntnistheoretische219 Positionen beziehen.220 Ein ontologi-
scher Realismus geht von der Existenz der Welt an sich aus,221 während ein ontolo-
gischer Idealismus einen solchen Ausgangspunkt verneint. Der erkenntnistheoretische
Realismus geht davon aus, daß objektives Wissen möglich ist, da die Welt erkannt wer-
den kann, wie sie ist. Der erkenntnistheoretische Idealismus sieht den Geist als Quelle
des Wissens und geht davon aus, daß die Erkennbarkeit der Welt „an sich“, d. h. unab-
hängig vom erkennenden Geist, unmöglich ist. Der Unterscheidung zwischen Ontologie
und Erkenntnistheorie folgend sind ohne weiter mögliche Differenzierungen zu be-
trachtendrei denkbare Erkenntnispositionen möglich, die ein Wissenschaftler einneh-
men kann.222 Ein ontologischer Realismus kann mit einem erkenntnistheoretischen Rea-
lismus einhergehen, muß es aber nicht. Ein ontologischer Idealismus kann nur mit einem
epistemologischen Idealismus verbunden sein, da eine nicht vorhandene Realität nicht
objektiv erkennbar ist. Die Kombination von ontologischem Realismus und erkenntnis-
theoretischem Idealismus bildet einen Mittelweg zwischen Realismus und Idealismus.
Im folgenden sollen zunächst ausgewählte realistische (Kapitel 2.1) und idealistische
Konzeptionen (Kapitel 2.2) skizziert werden, bevor eine Begründung für die den nach-
folgenden Ausführungen zugrundeliegende Position gegeben wird.
217 Vgl. Hookway (1995), S. 747 ff. Zur Rolle des Skeptizismus in der Erkenntnistheorie vgl. u. a. Stroud
(1998), S. 360 ff.
218 Die Ontologie ist die Wissenschaft vom Seienden, vgl. Lowe (1995), S. 634 f., sowie die ausführliche
Einführung in die Ontologie von Grossmann (1992). Bezüglich der Positionen einzelner Philosophen zur
Metaphysik und Ontologie vgl. Stegmüller (I) (1989), S. XLIV ff.
219 Die Erkenntnistheorie beschäftigt sich mit Fragen, was, wie, inwieweit, warum, wie sicher erkannt und
begründet werden kann, vgl. Vollmer (1994), S. 2. Zur Abgrenzung von Ontologie und Erkenntnistheorie
vgl. u. a. Searle (1996), S. 32 ff. Zur Abgrenzung von Wissenschafts- und Erkenntnistheorie vgl. Steg-
müller (1973), S. 22-28.
220 Vgl. Musgrave (1994), S. 234; Rescher (Objectivity) (1997), S. 3 ff.; Searle (1997), S. 160 ff.
221 Vgl. Rescher (Idealism I) (1992), S. 255 ff.; Kutschera (1993), S. 166 f. Zum wissenschaftlichen Realis-
mus, der hier auch zum ontologischen Realismus gezählt wird, vgl. insbesondere Rescher (1987), vgl.
auch Feyerabend (1981), S. 15 ff.
222 Eine Auflistung sowohl ontologischer als auch erkenntnistheoretischer Formen des Idealismus finden sich
u. a. bei Rescher (Idealism I) (1992), S. 304 ff.
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222 Konstruktivistische Forschung
2.1 Realistische Konzeptionen
Unter den realistischen Positionen werden jene subsumiert, die nicht nur einen ontologi-
schen sondern auch einen epistemologischen Realismus vertreten. Es gibt diverse Spiel-
arten des Realismus, die unabhängig von ihrer konkreten Ausgestaltung zumindest zwei
Annahmen miteinander teilen: die Existenz der Außenwelt und die ihrer Unabhängigkeit
vom menschlichen Bewußtsein (ontologischer Realismus). Die Annahme eines ontologi-
schen Realismus wird in der Philosophie und Wissenschaftstheorie mehrheitlich vertre-
ten. Ausnahmen stellen hier vor allem Verfechter des radikalen Konstruktivismus dar.223
Es gibt diverse Argumentationen für die Annahme eines ontologischen Realismus,224 die
hier nicht weiter diskutiert werden sollen.
Die unterschiedlichen erkenntnistheoretischen Realismusarten unterscheiden sich vor al-
lem durch den Grad der „Realitätsgläubigkeit“; d.h. wie kritisch die einzelnen Erkennt-
nispositionen der Erkenntnisfähigkeit gegenüber sind.225
Der naive Realismus geht davon aus, daß wir die Welt erkennen, wie sie ist. Es gibt kei-
ne „subjektiven“ Verzerrungen bei der Realitätswahrnehmung, so daß die Wahrnehmung
eine Abbildung der Realität darstellt. Er kann als widerlegt gelten, so daß eine weitere
Auseinandersetzung mit naiv-realistischen Position nicht erfolgen soll.226
Die bedeutendste realistische Position ist der kritische Realismus. Dieser geht von einer
metaphysischen Grundhaltung aus, derzufolge es unabhängig vom Geist- und Erkennt-
nisvermögen eine Wirklichkeit (Welt) mit einer vorgegebenen Struktur gibt (ontologi-
sche Prämisse).227 Nicht die subjektiven Meinungen, sondern die (objektiven) Fakten
sind demnach ausschlaggebend. Wenn nur Fakten wahr oder falsch sein können, so kann
sich der Wahrheitsbegriff auch nur auf deskriptive (indikative Sätze) beziehen, da nur
diese wahr bzw. objektiv sein können.228 Bei der konkreten Ausgestaltung eines kriti-
schen Realismus gibt es diverse Unterschiede. In einer POPPERschen Version werden
drei Ontologieebenen zu Charakterisierung seines Realismus-Verständnisses unterschie-
den:229: „Die Welt 1 ist die physikalische Welt oder die Welt der physikalischen Zustän-
223 Vgl. auch die Anmerkung in Kapitel 2.2 sowie die Ausführungen von Petkoff im nachfolgenden Artikel,
der mit der Kybernetik II. Ordnung bewußt eine radikal konstruktivistische Position vertritt.
224 Zu Argumentationen für einen ontologischen Realismus vgl. u. a. Rescher (1997b), S. 97 ff. und zusam-
menfassend auf S. 114, sowie Vollmer (1994), S. 35 ff.; Popper (Erkenntnis) (1995), S. 38 ff.; Searle
(1997). S. 161 ff.
225 Eine andere Einteilung unterschiedlicher Realismusarten findet sich u.a. bei Horwich (1992), S. 66 ff., der
den metaphysischen, den semantischen und den erkenntnistheoretischen Realismus unterscheidet. Diese
Unterscheidung, die insbesondere zur Auseinandersetzung mit den Auffassungen von PUTNAM und
DUMMETT dient, wird hier aufgrund des einleitenden Charakters der Ausführungen nicht weiter entfaltet.
226 Vgl. Vollmer (1994), S. 35.
227 Vgl. Köhler (1992), S. 7.
228 Vgl. Braun (1978), S. 194.
229 Vgl. auch Popper (Suche) (1995), S. 16 ff.; Popper, Eccles (1997), S. 61-77.
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Realistische vs. idealistische Positionen 223
de; die Welt 2 ist die geistige Welt, die Welt unserer psychischen Erlebnisse (Wünsche,
Hoffnungen, Gedanken...), die Welt 3 ist die Welt der intelligibilia oder der Ideen im ob-
jektiven Sinne; es ist die Welt der möglichen Gegenstände des Denkens: die Welt der
Theorien an sich und ihrer logischen Beziehungen; die Welt der gültigen Argumente an
sich und der ungültigen Argumente an sich; die Welt der Problemsituationen an sich.“230
Erkenntnis im subjektiven Sinn ist der Bewußtseinszustand bzw. eine Verhaltensdisposi-
tion.231 Aufgrund ihrer Subjektgebundenheit kann subjektive Erkenntnis nicht im Er-
gebnis, sondern nur in dem Prozeß ihrer Entstehung bewertet werden. Da es keinen Re-
ferenzpunkt subjektiver Wahrnehmung gibt, d. h. einen Maßstab dafür, ob die Wahr-
nehmung eines Menschen richtig ist oder nicht, ist sie nicht bewertbar. Dem steht die
Erkenntnis im objektiven Sinn gegenüber, unter der Theorien, Probleme oder Argumente
subsumiert werden. „Erkenntnis im objektiven Sinne ist Erkenntnis ohne einen Erken-
nenden: Es ist Erkenntnis ohne erkennendes Subjekt.“232 POPPERs drei-Welten-
Ontologie ist allerdings auch von Realisten heftigen Angriffen ausgesetzt gewesen.233
Die objektive Erkenntnis als Position eines kritischen Realismus stellt einen Eckpfeiler
in der methodologischen Konzeption des kritischen Rationalismus dar.234 ALBERT ver-
steht im Gegensatz zu einem naiven Realismus235 den kritischen Realismus als eine
Grundhaltung, die „unter anderem die Subjektivität der Sinneswahrnehmungen durch-
schaut und danach strebt, unsere Erkenntnis von ihrer subjektiv bedingten Beschränkt-
heit nach Möglichkeit zu befreien“236. Es werden nicht die tatsächlichen Dinge als
wahrgenommen betrachtet, sondern nur deren Bilder im Bewußtsein.237 Da ein Wirk-
lichkeitszugang nur über Bilder erfolgen kann, sind sämtliche Aussagen über die Realität
hypothetischer Natur. Somit folgt der ontologischen Annahme einer objektiven Wirk-
230 Popper (Erkenntnis) (1995), S. 160.
231 Vgl. Popper (Erkenntnis) (1995), S. 112.
232 Popper (1995), S. 112. Zum Verständnis von Realismus vgl. auch Detel (1987), S. 31f.
233 Vgl. beispielsweise die von Feyerabend (1981), S. 327 ff., vorgetragene Kritik, obgelch Feyerabend si-
cherlich nicht als reiner Realist bezeichnet werden kann.
234 Vgl. Albert (1982), S. 9 ff.; Schanz (1988), S. 14f. Zum Realismuskonzept vgl. Albert (1987), S. 43-58.
Vollmer unterscheidet auch zwischen einem kritischen und einem streng kritischen Realismus (keine
Struktur ist so, wie sie uns erscheint) sowie einem hypothetischen Realismus, den er seiner evolutionären
Erkenntnistheorie zugrundelegt, vgl. Vollmer (1994), S. 34 ff.
235 Der naive Realismus geht davon aus, daß die „Gegenstände gerade ebenso, wie sie erfahren werden, auch
sind, so daß die Erkenntnis ein vollständiges oder doch zumindestens isomorphes Abbilden des Erkennt-
nisgegenstandes darstellt, oder [...] es wird die Identität zwischen dem Gegenstand und der Abbildung
behauptet,“ Gethmann (Realismus) (1995), S. 503.
236 Albert (1982), S. 13f. Dem kritischen Rationalismus liegt nicht nur „die Annahme einer subjektunab-
hängigen Wirklichkeit [zugrunde, R. S.], sondern darüber hinaus die ihrer prinzipiellen Erkennbarkeit,
weiter die der Existenz von Gesetzmäßigkeiten, der Möglichkeit von Erklärungen auf ihrer Grundlage
und schließlich die mit allen diesen Hypothesen zusammenhängende Annahme der Möglichkeit mehr o-
der weniger zutreffender Darstellung realer Sachverhalte“, Albert (1978), S. 39. Vgl. auch Albert (1982),
S. 12-19.
237 Vgl. Lorenz (Abbildtheorie) (1995), S. 27.
Veröffentlicht in: Wirtschaftsinformatik und Wissenschaftstheorie. Bestandsaufnahm und Perspektiven. Hrsg.: Becker, J.; König, W.; Schütte, R.; Wendt, O.; Zelewski, S. Wiesbaden 1999, S. 211-245.
224 Konstruktivistische Forschung
lichkeit die epistemologische Überzeugung, daß ein Wirklichkeitszugang nur über einen
Erkennenden möglich ist (erkenntnistheoretische Prämisse). Die Bedeutung des Subjekts
wird allerdings als gering eingeschätzt. Ein kritischer Realismus setzt neben der Existenz
dessen, was unmittelbar beobachtet werden kann, auch die Existenz der naturwissen-
schaftlichen Theorien voraus.238 Ein wissenschaftlicher Realismus unterstellt, daß die
Welt so ist, wie die Wissenschaft sie beschreibt, „that the world actually is as natural
science takes it to be and that ist furnishing indeed are as science envisages them to
be.“239
Im Sinne einer evolutionären Erkenntnistheorie wird ein hypothetischer Realismus ver-
treten, d.h. alle Aussagen über die Realität besitzen ausschließlich Hypothesencharakter.
„Wir nehmen an, daß es eine reale Welt gibt, daß sie gewisse Strukturen hat und daß die-
se Strukturen teilweise erkennbar sind, und prüfen, wie weit wir mit diesen Hypothesen
kommen.“240
2.2 Idealistische Konzeptionen
Es gibt diverse Spielarten idealistischer Positionen, die in ontologische und erkenntnis-
theoretische Versionen unterschieden werden können.241
Ontologische Formen des Idealismus stellen die Existenz der Welt unabhängig von ei-
nem wahrnehmenden Subjekt in Frage. Sie lösen das Subjekt-Objekt-Problem durch
Aufgabe des Objekts. Die bekanntesten Verfechter eines ontologischen Idealismus sind
aktuell die radikalen Konstruktivisten, für die die Welt eine Konstruktion ist. Es wird die
Existenz der Welt an sich in Frage gestellt (dahingehend stimmen sie mit den Skeptizis-
ten überein).
Epistemologische Idealismusarten hingegen unterstellen keinen ontologischen Idealis-
mus, d.h. sie gehen von der Existenz der Welt aus. Sie, jedoch verneinen sie eine men-
schenunabhängige Welt. Sie gehen je nach konkreter Ausgestaltung242 davon aus, daß
die „Realität“ erkenntnisdominiert ist. Im Unterschied zu realistischen Konzeptionen, bei
denen nicht nur die Existenz des Seins sondern auch die Unabhängigkeit dieser Welt
vom menschlichen Bewußtsein annimmt, teilen idealistische Positionen nicht die Unab-
hängigkeitsprämisse. Es wird davon ausgegangen, daß das eigentlich Wirkliche die Bil-
der sind, die wir von der Welt haben. Ein Schluß von den Bildern auf die Wirklichkeit
wird abgelehnt, da nur die Bilder erkenntniszugänglich sind. Es liegt keine Repräsentati-
238 „Theorien sind [...] nicht nur Instrumente, mit denen wir aufgrund vergangener Beobachtungen künftige
voraussagen können, sondern Aussagen über die [...] Welt.“, von Kutschera (1993), S. 121.
239 Rescher (1992), S. 277 f. Vgl. auch Rescher (1987), S. XII.
240 Vollmer (1994), S. 35.
241 Vgl. auch Rescher (1992), S. 304 ff.
242 Zu einer Auflistung unterschiedlicher Idealismusarten vgl. Rescher (1992), S. 305 ff.
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Realistische vs. idealistische Positionen 225
on der Wirklichkeit, sondern eine Konstruktion dieser vor,243 so daß es keine Trennung
von Wahrnehmung und Interpretation gibt. Nach RESCHER können sechs Idealismusarten
unterschieden werden:244
fact idealism
Beim fact idealism wird davon ausgegangen, daß jede Wirklichkeit nur eine in
Sprache formulierbare Wirklichkeit ist.
cognitive idealism
Etwas wahr zu sein heißt, daß etwas eine Eigenschaft des Wissens ist.
strong substantival idealism
Die Existenz eines Dings oder Objekts ist nur dann gegeben, wenn es kognitiv zu-
gänglich ist. Damit wird die Existenz des Seins an die Erkenntnisfähigkeit des Sub-
jekts gekoppelt. Diese Auffassung entspricht der idealistischen Position von Ber-
keley („to be is to be perceived“245).
weak substantival idealism
Diese abgeschwächte Idealismusart zeichnet sich dadurch aus, daß ein Objekt prin-
zipiell der Erkenntnisfähigkeit eines Subjekts zugänglich sein muß.
explanatory idealism
Jede adäquate Erklärung der Existenz einer physikalischen Realität muß durch die
Formulierung von Fragen darstellbar sein. Die Operationen des Geistes müssen
demnach erklärbar sein.
conceptual idealism
Jede vollständig adäquate Charakterisierung der physischen Natur muß auf mentale
Operationen referenzieren.
Es können hier nicht die unterschiedlichen idealistischen Positionen diskutiert werden.
243 Vgl. Roth (1985).
244 Zur Diskussion der unterschiedliche Formen des Idealismus sei auf die Literatur verwiesen, vgl. Rescher
(1992), S. 305 ff. Vgl. auch die Beiträge in Forum für Philosophie Bad Homburg (1992).
245 Vgl. Hamlyn (1995), S. 387.
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226 Konstruktivistische Forschung
3. Zu einer denkmöglichen Basisposition der WI
Es werden im folgenden die für wichtig erachteten Positionen zu ontologischen246 und
erkenntnistheoretischen Fragen, zur Einnahme einer Beobachter- oder Teilnehmerper-
spektive, zur methodenbasierten Erkenntnisgewinnung sowie zum Begründungsanspruch
offengelegt.
3.1 Ontologische und erkenntnistheoretische Grundposition
Die Frage, ob eine Realität objektiv existiert und diese objektiv erkannt werden kann,
läßt sich „objektiv“ nicht beantworten. Jede Entscheidung, wie wir erkennen, ist zwangs-
läufig selbstreflexiv. Es handelt sich um eine metaphysische Annahme, die ein Forscher
seiner Arbeit zugrundelegt, ohne daß er diese Annahme beweisen könnte.247
Die Existenz einer objektiven Welt erscheint zwingend zu sein,248 da selbst der radikale
Konstruktivist eine objektiv existente Realität annehmen muß, auch wenn dies von Kon-
struktivisten abgelehnt wird. Ohne die Annahme einer objektiven Wirklichkeit wäre kein
Regulativ für die Konstruktionen vorhanden, um richtige von falschen Handlungen zu
unterscheiden.
Es wird im folgenden ein erkenntnistheoretischer Idealismus vertreten. Die Wahr-
nehmung der Realität erfordert immer die Erkenntnisleistung eines Subjektes, so daß es
keinen subjektfreien Weltzugang gibt. Jedes Subjekt nimmt Bilder der Realität wahr.
„Man kann lediglich sein Bild mit neuen Bildern oder mit den Bildern anderer Beobach-
ter vergleichen.“249. Aus diesem Grund hat sich WITTGENSTEIN zeitlebens als spezieller
„Solipsist“ verstanden, um die Probleme besser verstehen zu können. „Sein Solipsist
246 Im Informatik-Umfeld wurde der Terminus Ontologie unglücklicherweise als Homonym eingeführt. Dort
wird unter einer Ontologie eine „formal, explicit specification of a shared conceptualisation“, Studer ,
Benjamin, Fensel ((1998), S. 184, verstanden. Aus Sicht des Verfassers zeichnet sich eine Ontologie
durch eine formalisierte Beschreibung von Domänenwissen aus. In dieser Hinsicht bestehen enge Bezie-
hungen zum Terminus des Referenzmodells, vgl. hierzu Schütte (1998), S. 69 ff.
247 Vgl. auch Albert (1987), S. 44.
248 Es soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden, inwieweit der Ontologie Hengstenbergs zu folgen ist, der
Existenz und Sein unterscheidet, „[...] das Sein ist der Ordnung (nicht der Zeit) nach vor der konkreten,
individuellen Existenz mit allen raumzeitlichen Besonderungen“, Hengstenberg (1998), S. 14 ff., S. 18 ff.,
S. 47 ff. Zugleich muß an dieser Stelle auf die Unterscheidung zwischen dem „Sein aus dem Seienden“
und dem „Sein aus dem Verhalten des Seins“ verzichtet werden. Zu einer diesbezüglichen Erörterung vgl.
Hengstenberg (1998), S. 14 ff., S. 20 ff.
249 Segal (1988), S. 32. Trotz dieser Erkenntnis ist SEGAL zuzustimmen, wenn er feststellt „Die meisten
Menschen betrachten die Welt immer noch auf die gleiche Weise, wie die Wissenschaftler des 17. Jahr-
hunderts es taten, und glauben, es sei möglich, objektiv zu sein und die Wirklichkeit zu erkennen.“, Segal
(1988), S. 38.
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Zu einer denkmöglichen Basisposition der WI 227
häufig er selbst ist jemand, der weiß, daß er zum Selbstbezug verurteilt ist, daß er sich
nicht dafür oder dagegen entscheiden kann, daß er die Welt nur als seine Welt, die Spra-
che nur als seine Sprache, die Wirklichkeit nur als seine Wirklichkeit begreifen
kann.“250 Im folgenden soll aufgrund seiner einfachen Verständlichkeit der Terminus
Konstruktivismus synonym zum Idealismus verwendet werden, da er zum Ausdruck
bringt, daß Erkenntnis aufgrund einer konstruktive Leistung eines Subjekts entsteht. Die
unterschiedlichen konstruktivistsichen Auffassungen differieren zum einen anhand der
Bedeutungseinschätzung dieser Erkenntnisleistung (sehr hoch bei den radikalen Kon-
struktivisten mit der Aufgabe der Annahme einer subjektunabhängigen Realität und ge-
ringer bei einer hier vertretenen gemäßigt-konstruktivistischen Position) und der Er-
kenntnismethoden.251 Im Gegensatz zu den Realisten vertreten die Konstruktivisten die
Auffassung, daß es keine objektive Wahrheit gibt, wie sie von Realisten vertreten wird.
Wahrnehmung vollzieht sich nicht in den Sinnesorganen, sondern in Hirnregionen: „So
sehen wir nicht mit dem Auge, sondern mit, oder besser, in den visuellen Zentren des
Gehirns [...]. Wahrnehmung ist demnach Bedeutungszuweisung zu an sich bedeutungs-
freien neuronalen Prozessen, ist Konstruktion und Interpretation.“252
Für die Begründung einer konstruktivistischen, d.h. idealistischen erkenntnistheoreti-
schen Perspektive wird als Demarkationspunkt der Argumentation der kritische Realis-
mus von Albert herangezogen, da er aufgrund der Dominanz des Kritischen Rationalis-
mus in der Betriebswirtschaftslehre am weitesten verbreitet ist.253 Der kritische Realis-
250 Vossenkuhl (1995), S. 176. Dabei ist Wittgenstein nicht als traditionelle Solipsist zu verstehen, da er nicht
davon ausgegangen ist, es gebe nur ihn. Vielmehr diente im das Verständnis des Solipsismus in seiner
frühen Phase dazu, daß der Solipsismus mit dem Realismus zusammenfällt., vgl. Vossenkuhl (1995), S.
177. In einer späten Phase wird aus dem Realismus eine Art Idealismus, da er die Bedeutung von unseren
sprachlichen und begrifflichen Voraussetzungen festmacht und nicht von der Unabhängigkeit der Bedeu-
tung von sprachlichen und begrifflichen Gegebenheiten, wie es der realismus unterstellt, vgl. Vossenkuhl
(1995), S. 195.
251 Sämtliche Spielarten des Konstruktivismus besitzen große Gemeinsamkeiten in ihrer erkennt-
nistheoretischen Auffassung, die sich sämtlich als Gegenpositionen zu realistischen Positionen mit sei-
nem Verständnis von Erkenntnis verstehen, vgl. Lorenzen (1978), S. 14. Der Konstruktivismus geht ins-
besondere auf DINGLER und später auf KAMLAH und LORENZEN zurück, die den Erlanger Konstruktivis-
mus begründeten. Zum methodischen Konstruktivismus vgl. Lorenzen (1987). In neuerer Zeit wird insbe-
sondere ein radikaler Konstruktivismus und ein konstruktiver Realismus propagiert. Zum radikalen Kon-
struktivismus vergleiche insbesondere die Sammelbände von Schmidt (1987); Schmidt (Konstruktivis-
mus) (1996). Zum konstruktiven Realismus vgl. u. a. Wallner et al. (1993). Zur Unterscheidung zwischen
dem methodischen Konstruktivismus (Erlanger Schule) und dem radikalen Konstruktivismus vgl. Janich
(1996), S. 105-122. Zur Unterscheidung zwischen dem methodischen Konstruktivismus und dem kon-
struktiven Realismus vgl. Janich (1993), S. 28 ff., und S. 123-134.
252 Roth (1986) zitiert nach Schmidt (1996), S. 14.
253 Vgl. u. a. Schneider (1987), S. 178, „Den nachhaltigsten Einfluß auf die Diskussion wirtschaftswissen-
schaftlicher Methoden übt die Untersuchung von Karl Popper [...] über die naturwissenschaftliche For-
schung aus.“ Die realistische Auffassung des kritischen Rationalismus soll hier insbesondere in der von
ALBERT vorgetragenen kritisch realistischen Form skizziert werden. An die Stelle der Begründung tritt
die kritische Prüfung, so daß alternative Erklärungsansätze nicht auszuschließen sind. Vgl. Albert (1978),
S. 13-22. Aufgrund der Verbreitung des Kritischen Rationalismus in der Betriebswirtschaftslehre ist da-
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228 Konstruktivistische Forschung
mus wird bereits als eine Form des erkenntnistheoretischen Idealismus begriffen. „Er
sieht die Welt hinter den Phänomen, wie sie die Physik mit ihren theoretischen Aussagen
beschreibt, als die Welt an sich an, während wir es in unseren schlichten Wahrnehmun-
gen nur mit Phänomenen zu tun haben, die lediglich für uns existieren. Wie der Idealis-
mus desavouiert er Erfahrung als Brücke zur Außenwelt, und steht dann vor dem Prob-
lem, wie sich Aussagen über die Welt noch legitimieren lassen.“254 Es wird beim kriti-
schen Realismus ein wissenschaftlicher Realismus vertreten. Damit unterliegt er jedoch
dem Problem, daß er von etwas Wahrem ausgehen muß, von dem wir niemals wissen
können, ob es tatsächlich wahr ist. „Oder vielmehr, wir können dies ironischerweise nur
in einem idealistischen Sinn sein - nämlich in Hinblick auf die ‘idealistische Wissen-
schaft’, die wir niemals tatsächlich zu besitzen beanspruchen können.“255 Die Annahme
einer realistischen Position, die zugleich von einem uns nur durch Theorien bekannten
Seinszustand ausgeht, muß sich in Problemen verfangen.
Die Annahme eines erkenntnistheoretischen Realismus hingegen erscheint bei einer de-
taillierten Analyse realistischer Positionen bereits im Kern verfehlt. Von der Vielzahl an
Gründen, die gegen eine realistische Position sprechen, seien folgende Aspekte hervor-
gehoben:256
von auszugehen, daß er auch in der Wirtschaftsinformatik weitverbreitet ist. Beispielsweise deuten die
Ausführungen von Gadenne (1998) oder von FUCHS-KITTOWSKI, HEINRICH, ROLF in diesem Band an.
Die weite Verbreitung des Kritischen Rationalismus steht allerdings in eklantem Widerspruch zu der tat-
sächlichen Forschungspraxis, wie aus einer Untersuchung von Kretschmann (1989) hervorgeht.
254 Somit gibt es nur die theoriegeleitete Wahrnehmung, wie es Popper ausgedrückt hat. Es stellt sich aber
die Frage wie ein theoretischer Begriff überhaupt an der Realität geprüft werden kann.
255 Rescher (1985), S. 262.
256 Vgl. von Kutschera (1993), S. 271-298, sowie zusammenfassend S. 276. Für die IS-Community lehnen
auch Klein, Lyytinen (1984), S. 147 ff., eine realistische Sichtweise ab. Allerdings argumentieren sie mit
den Erfahrung in der Informationssystementwicklung (Objektebene) als auf einer Metaebene.
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Zu einer denkmöglichen Basisposition der WI 229
n Es kann keine von einem Individuum entkoppelte Sicht der Dinge geben. Es kann
nicht etwas unabhängig vom Beobachtenden beobachtet werden. „Eine objektivis-
tische Konzeption ist von vornherein nur möglich bzgl. der physischen Natur, aber
rein objektivistisch, d. h. ohne Bezugnahme auf den Betrachter durch Indexaus-
drücke, läßt nicht einmal sie sich beschreiben.“257
n Jede Aussage über etwas kann nicht subjektungebunden sein. Inwieweit diese
Umstand es für zulässig erscheinen läßt, Aussagen als Charakterisierungen des
Seins zuzulassen, wäre von den Realisten zu beantworten. Sofern der Schluß von
Theorien auf die Realität vorgenommen wird, bestehen große Gefahren. Es kann
sich herausstellen, daß die Realität in realistischer Sichtweise- überhaupt nicht
die zuvor angenommene Eigenschaft aufweist. Damit ist aber wiederum nichts
über die Realität an sich ausgesagt. Vielmehr wird in der korrespondenztheoreti-
schen Auffassung von Wahrheit die Inkonsistenz des Realismus evident. Es ist
etwas als gesichert anzunehmen, damit der wissenschaftliche Realismus ange-
nommen werden kann. Andernfalls liegen nur Hypothesen vor, die allerdings nur
Annäherungen an die Wirklichkeit darstellen. Somit korrespondieren sie nicht mit
der Realität, sondern stellen nur eine mit dem verfügbaren Meß- und Theorienap-
parat mögliche approximative Darstellung der Realität dar. Inwieweit es aber tat-
sächlich über die Realität aussagt, wird immer unklar bleiben. Daher überzeugt
eine kohärenztheoretische, idealisierende Auffassung der Realität mehr. Es wird
eben nicht einem nicht direkt zugänglichen Gegenstand des Seins eine Eigen-
schaft zugeschrieben, deren Richtigkeit wir nie behaupten können. Wir könnten
dieses nur annehmen, wenn wie es der junge WITTGENSTEIN getan hat, eine
„Pseudo-solipsistische“ Position eingenommen wird, weil erst dieser die Möglich-
keiten eines reinen Realismus darstellt.
n Da die Bedeutung von etwas hier als nicht unabhängig von Denken und Erfah-
rung, insbesondere von Sprache und Begrifflichkeiten, verstanden wird, erscheint
es widersinnig eine realistische Erkenntnisperspektive einzunehmen, da es keine
von unserer Vernunft und Erfahrung unabhängige Erkenntnis geben kann.
n Erfindung statt Entdeckung
n Argumentation für einen Idealismus
Aus dieser Einschätzung heraus wird eine gemäßigt konstruktivistische Erkennt-
nisposition eingenommen. Mit dem Adjektiv gemäßigt soll aufgezeigt werden, daß kein
reiner Konstruktivismus vertreten wird. Der Unterschied zu einem kritischen Realismus
wird vor allem darin gesehen, daß der Konstruktivist vom Schein ausgeht, während jede
Form des Realismus davon ausgeht, daß eine Wahrheit des Seins durch eine „Filterung“
des Scheins im Sinne wissenschaftlicher Bemühungen tendenziell möglich ist. Diese
Auffassung des Realisten drückt sich in einer Korrespondenztheorie aus, die allerdings
nur als metaphysisches Prinzip formuliert werden kann. Ein Wahrheitskriterium besitzt
257 von Kutschera (1993), S. 283.
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230 Konstruktivistische Forschung
auch die moderne Korrespondenztheorie nicht, wie auch die Ausführungen ALBERTS be-
legen. Eine das Wesen von Wahrheit charakterisierende Definition von Wahrheit alleine
wird als nicht ausreichend empfunden, da Wahrheit ohne Kriterium ein metaphysisches
Postulat bleibt.
Hier wird die Auffassung vertreten, daß aus den oben genannten Gründen es logischer
erscheint, sich auf das zu berufen, was man weiß. Dieses ist aufgrund der Subjektivität
der Erkenntnisleistung der „Schein“. Die Vorläufigkeit des Wissens258 als Ausweg aus
der klassischen Begründungsidee des Rationalismus dürfte unstrittig sein. Allerdings
scheint die Annahme, d die Realität an sich eine Struktur besitzt, relativ gewagt zu
sein. Die Vorläufigkeit jeden Wissens und die Theoriegeleitetheit der Wahrnehmung
bringen die Zweifel an einer bestimmbaren Struktur der Realität zum Ausdruck. Hier
wird eine skeptischere Auffassung gegenüber dem menschlichen Erkenntnisvermögen
aufgestellt. Die Möglichkeiten der Erkenntnisfähigkeit sowie die Leistungsfähigkeit wis-
senschaftlicher Theorien wird hier für sehr begrenzt gehalten,259 so daß ein Rückgriff
von menschlicher Erkenntnis auf die Realität als zu gewagt eingeschätzt wird. Als
Wahrheitskonzeption wird den neueren Überlegungen RESCHERs zur Kohärenztheorie
der Wahrheit gefolgt.260 Dabei ist zu unterscheiden zwischen der das Wesensartige von
Wahrheit erfassenden Definition und dem Kriterium der Wahrheit. Beispielsweise kann
die Konsensustheorie der Wahrheit der Erlanger Konstruktivisten nur als Wahrheitskrite-
rium sinnvoll interpretiert werden, als Definition von Wahrheit ist sie unbrauchbar.261
Dieses gilt für sämtliche auf das Kriterium von Wahrheit fokussierenden Theorien, wie
es bei den pragmatischen, intuitionistischen und anderen Alternativen der Korrespon-
denztheorie der Fall ist. Hier werden die Überlegungen Kohärenz unter idealen Bedin-
gungen als Wahrheitsdefinition aufzufassen,262 gefolgt. Demzufolge liegt die Wahrheit
von Tatsachenpropositionen vor, wenn die Bedingung der „idealen Kohärenz“ erfüllt
sind, d. h. optimale Kohärenz mit vollständigen Datenbasis vorliegt. Dabei ist Kohärenz
nicht als Wahrheitskriterium schlechthin, sondern als „’Kohärenz’ mit den Erfah-
rungsdaten“263 zu verstehen. Hinsichtlich der Frage, was Erkenntnis ist, wird eine kor-
respondenztheoretische Wahrheitsauffassung abgelehnt und statt dessen eine pragmati-
sche Wahrheitstheorie264 in Form einer kohärenztheoretischen Konzeption vertreten. Ei-
258 Vgl. den Titel eines Werks von Popper „Conjectures and Refutations“, Popper (Conjectures) (1992), so-
wie den Titel „Konstruktion und Kritik“ von Albert (1972).
259 Anders hingegen die Begründung für „Sicherheit“ von Theorien bei POPPER, vgl. Popper (1994), S. 169.
260 Vgl. im folgenden Rescher (1996), S. 28-77.
261 Vgl. zur Kritik an einer universellen Forderung nach Konsensusorientierung u. a. Rescher (1995), insbe-
sondere S. 44-63.
262 Vgl. Rescher (1996), S. 69 ff.
263 Wüstenhube (1996), S. 10.
264 Neben der Konsensustheorie ist insbesondere noch die Kohärenztheorie der Wahrheit zu nennen, derzu-
folge vereinfacht ausgedrücktetwas wahr ist, wenn sich eine Aussage kohärent in ein bestehendes Aus-
sagensystem einfügen läßt, vgl. Seiffert (1997), S. 182. Kurze Darstellungen einer Kohärenztheorie der
Wahrheit nach RESCHER finden sich bei Puntel (1985), S. 40-47; Rescher (Wahrheit) (1992), S. 337-390;
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Zu einer denkmöglichen Basisposition der WI 231
ne rein konsensustheoretische Konzeption der methodischen Konstruktivisten wird abge-
lehnt,265 da der universelle Geltungsanspruch des Konsensprinzips für die Richtigkeit
von Sätzen für unmöglich erachtet wird. Es wird allerdings die Auffassung vertreten, daß
das Konsensprinzip in diversen Situationen als spezifisches Kohärenzkriterium interpre-
tieren läßt.266
Dabei steht die grundsätzliche Skepsis der Erkenntnisfähigkeit einer Realität nicht im
Widerspruch zum Bemühen um die Objektivierung von Sachverhalten als einem wesent-
lichen Ziel der Forschungsbemühungen. „Eine Objektivierung ist zwar immer auch eine
Thematisierung, eine bloße Thematisierung führt aber allenfalls zu einer Relativierung
unserer individuellen oder kulturellen Perspektive, nicht jedoch zu einer Lösung von der
menschlichen Perspektive überhaupt.“267 Aus einer aufgeklärten Perspektive können
immer nur Aussagen darüber getroffen werden, daß „die Welt-unseres-Wissens [...] eine
Sache unserer Erfindung [ist, R. S.], ein Artefakt, das wir gemäß unseren eigenen Begrif-
fen entwerfen“268.
3.2 Beobachtungs- versus Teilnehmerperspektive
Die Wirtschaftsinformatik ist eine Kulturwissenschaft,269 deren Gegenstand die Kultur
ist, d. h., ein Gegenstand, der selbst handelt.270 Bei einer Wiederholung der Handlung,
Rescher (1996), S. 49-77.
265 Dieses Wahrheitsverständnis wird in sämtlichen Stilrichtungen des Konstruktivismus eingenommen. Aus
diesem Grund werden im folgenden hinsichtlich des Realitätsverständnisses auch Quellen des radikalen
Konstruktivismus herangezogen. Sie haben zwar ihren Anfangspunkt in der Biologie, lassen aber hier-
durch das „subjektive“ Wahrheitsverständnis sämtlicher konstruktivistischer Denkrichtungen besonders
deutlich werden. Für den methodischen Konstruktivismus wird auch von einer dialogorientierten Wahr-
heitskonzeption gesprochen, vgl. Lorenz (Wahrheitstheorien) (1996), S. 599, weil die Regeln des Dialogs
betrachtet werden, die einen Konsens in bestimmten Fällen ermöglichen und in anderen nicht.
266 Eine solche Situation liegt in der Wirtschaftsinformatik bei der Modellierung von Informationssystemen
vor, da dort nur die Beteiligten etwas über die Problemangemessenheit von Aussagensystemen aussagen
können. Vgl. Schütte (1998), S. 112 ff., S 119 ff. Hingegen wäre bei einer logischen Überprüung von
Modellen nicht das Konsensprinzip, sondern die Konsistenz des Modells zur Grammatik einer Sprache
ein Kohärenzkriterium.
267 von Kutschera (1993), S. 282.
268 Rescher (1985), S. 261.
269 Es wird hier die Einteilung von Wissenschaften in Kulturwissenschaft (Geistes- und Sozialwissen-
schaften) und Naturwissenschaften vorgenommen. Vgl. auch Kambartel (1996), S. 721. Die Wirt-
schaftsinformatik ist näher als Sozialwissenschaft, die sich mit Problemen der Wirklichkeit (Real-
wissenschaft) beschäftigt, zu charakterisieren. Vgl. Heinrich (1993), S. 12 ff.
270 Bei Naturwissenschaften ist der Erkenntnisgegenstand der Forschung definitionsgemäß die Natur. Ohne
den Begriff der Natur zu analysieren, handelt es sich um einen Erkenntnisgegenstand, der selbst nicht
handelt. Der Forscher als Subjekt sieht sich somit einem passiven Objekt gegenüber. An dem Objekt wer-
den die Handlungen des Forschers vollzogen. Die Allgemeingültigkeit der Aussagen läßt sich durch die
wiederholten Erfolge bzw. Mißerfolge stützen. Die Möglichkeit der Reproduzierbarkeit sollte bei wissen-
schaftlichen Aussagen i. d. R. für alle Subjekte gegeben sein. Vgl. Scherer (1995), S. 340 ff.
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232 Konstruktivistische Forschung
die für die Ableitung allgemein gültiger Aussagen notwendig ist, muß somit das vom
Forscher analysierte handelnde Subjekt „mitmachen“. Dies ist insbesondere problema-
tisch, wenn die Ziele des Forschers von denen seines „Forschungsgegenstandes“ ab-
weichen. Aus diesem Grund wird im Konstruktivismus die Forderung erhoben, daß die
Ziele eines Forschers nur gemeinsam mit dem „Forschungsgegenstand“ aus der „vor-
wissenschaftlichen Praxis“ abgeleitet werden können.271 Neben der Zielsetzung ist ein
Konsens zwischen Forscher und „Forschungsgegenstand“ darüber zu gewinnen, wie die
Handlung zu interpretieren ist. Probleme für einen Kulturwissenschaftler entstehen da-
durch, daß eine Zustimmung der Beteiligten notwendig ist. Hierbei ist der Begriff des
Handelns in der Handlungstheorie272 umfassender zu verstehen, als dies aus der rein er-
kenntnisbezogenen Sichtweise der Handlung der Fall ist. Es ist zu unterscheiden, ob
Handeln als eine von dem Handelnden (dem Akteur) „gesetzte, gewollte und zumeist
bewußt initiierte zielorientierte Tätigkeit“273 verstanden wird. Dem steht das Sich-
Verhalten als objektiv beobachtbare Bewegung der Subjekte gegenüber. Während das
Handeln als „[...] absichtsgeleitetes (intentionales) Tun verstanden [...]“274 wird, fehlt
dem Verhalten jede Intentionalität. Diese Unterscheidung zwischen Verhalten und Han-
deln ist für Konstruktivisten der Grund, einen methodologischen Unterschied zwischen
Natur- und Sozialwissenschaften zu konstatieren.275
Bei einer konsequenten Handlungsorientierung läßt sich Forschung nicht aus einer Beob-
achtungs-, sondern nur aus einer Teilnehmerperspektive heraus betrachten. Bei einer rei-
nen Beobachtung bleiben die wesentlichen Dinge verborgen, oder wie es LUEKEN for-
muliert: “Die Absichten anderer Personen sind nicht aus der Beobachtungsperspektive
zugänglich, wir müssen sie, die Beobachtungsperspektive verlassend, kommunikativ er-
mitteln, z. B. indem wir Personen fragen, ob ihr Verhalten beabsichtigt war und damit
als Handeln zu verstehen ist.“276
Das Interesse der Wirtschaftsinformatik gilt bei einer das pragmatische Wissenschafts-
ziel fokussierenden Orientierung den Handlungen und nicht nur dem Verhalten. „Ohne
den begründenden Bezug von Planungsvorschlägen auf das Wollen der Betroffenen
bleibt man ein moralistischer Prediger, dessen Vorschläge für seine Adressaten irrele-
271 Vgl. Lorenzen (1989), S. 32. Diese Forderung liegt auch der Aktionsforschung zugrunde, vgl. die in Fuß-
note 41 zitierte Literatur. Die Kritik an der Aktionsforschung könnte auch als Kritik an der hier vertrete-
nen Position erhoben werden. Hier wird jedoch die Auffassung vertreten, daß die Aktionsforschung durch
die Forschungspraxis „unwissenschaftlichen Gefahren“ ausgesetzt ist, d. h. die Gefahren als nicht kon-
zeptimmanent eingeschätzt werden.
272 Zur Handlungstheorie vgl. Seiffert (1992), S. 15 ff.
273 Lenk (1994) (Handlung), S. 120. VON WRIGHT hat bereits den Unterschied zwischen Verhalten und Han-
deln hervorgehoben, vgl. hierzu die Ausführungen von Stegmüller (II) (1987), S. 109-147, insbesondere
S. 109 f.
274 Steinmann (1978), S. 74.
275 Vgl. Steinmann (1978), S. 74 und S. 78.
276 Lueken (1992), S. 192.
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Zu einer denkmöglichen Basisposition der WI 233
vant, weil nicht auf die Probleme bezogen, sind.“277 Durch die Fokussierung von Hand-
lungen ist den Konstruktionsprinzipien der Theoriebildung besondere Bedeutung beizu-
messen.
3.3 Methoden der Erkenntnisgewinnung
Der Terminus Konstruktivismus erscheint vor allem auch wegen seines Anspruchs für
die Wirtschaftsinformatik geeignet zu sein. Er versteht sich als Konstruktivismus, weil er
„die Gegenstände der Wissenschaften als Konstruktionen, d. h. als Produkte zweckge-
richteten menschlichen Handelns versteht“278. Ausgehend von vorgegebenen Geltungs-
ansprüchen wird erst bei häufigen und starken Störungen lebensweltlicher Handlungen
eine wissenschaftliche Auseinandersetzung notwendig, damit die Probleme einer Lösung
zugeführt werden können. Dazu ist die Problembeschreibung von kontextindividuellen
Merkmalen zu befreien, d. h. reduktiv sind die Prämissen und Präsuppositionen des
Problems offenzulegen.279
Für die Erkenntnisgewinnung formuliert der Konstruktivismus zunächst die Transsub-
jektivität280 von Handlungen, damit diese moralisch gerechtfertigt werden. Es wird von
den „Beratenden“ eine Wortgemeinschaft gebildet, d. h. in einem Diskurs erfolgt eine
Einigung auf die für die Formulierung der Basissätze einer Theorie relevanten Begrif-
fe.281 Der traditionelle Begründungsbegriff wird somit auf einen Verständigungsbegriff
reduziert. Die Wortgemeinschaft zwischen dem Wissenschaftler und dem Nachvollzie-
henden ist eine wesentliche Forderung, um Theorien nachvollziehbar zu machen. Es
werden formale Anforderungen an die Sprache definiert. Die Sprache wird im Sinne ei-
ner logischen Propädeutik, der Vorstufe des vernünftigen Redens, rekonstruiert.282 Erst
nach diesem Schritt liegt nach Auffassung der Konstruktivisten eine vernünftige Sprach-
basis vor, die es ermöglicht, eigene Auffassungen lehrbar zu machen, d. h. „mit den vor-
geschlagenen Handlungen zugleich Methoden [anzubieten, R. S.], nach denen die Re-
277 Schwemmer (1978), S. 33.
278 Gethmann (Konstruktivismus) (1996), S. 746.
279 Vgl. Gethmann (Konstruktivismus) (1996), S. 749.
280 Transsubjektivität wird normativ verstanden als „transzendiere Deine Subjektivität“, Lorenzen (1974),
S. 36. Der Begriff der Intersubjektivität wird von den Konstruktivisten abgelehnt, da sich die Intersub-
jektivität auf wissenschaftliche Aussagen bezieht und praktische Orientierungen ausklammert. Die Trans-
subjektivität hingegen zielt auf eine Gemeinsamkeit des Handelns und die diesbezügliche Überwindung
der Subjektivität ab.
281 Aus diesem Grund wird dem Konstruktivismus auch vorgeworfen, daß dieser Pluralismus zu sich wider-
sprechenden ersten Sätzen gelangt, da „Teilnehmer verschiedener faktischer Diskurse [...] unter Berufung
auf den gleichen (konstruktivistischen) Begründungszusammenhang [...] sich widersprechende Theorien
aufbauen [können, R. S.]“, Kirchgässner (1994), S. 167.
282 Zur Logischen Propädeutik vgl. Kamlah, Lorenzen (1976). Eine kurze und leicht verständliche Einfüh-
rung in die Grundzüge der Logischen Propädeutik bietet Seiffert (Einführung I) (1991), S. 27-104.
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234 Konstruktivistische Forschung
geln, denen die Handlungen folgen, auf ihren Zweck überprüft werden nnen“283. Ne-
ben der Wortgemeinschaft wird zudem ein methodisches Prinzip formuliert, um die
Nachvollziehbarkeit von Theorien zu ermöglichen, die im Konstruktivismus aufgrund
seines Handlungsbezugs neben der Überprüfbarkeit als zweites wesentliches Kriterium
für Wissenschaftlichkeit formuliert wird. Es soll durch Rückgriff auf poietische Hand-
lungen284 eine berechtigte Ausgangsbasis hergestellt werden, die im weiteren durch eine
schrittweise und zirkelfrei begründete Konstruktion zu Theorien führen soll. Ein wesent-
liches Ziel dabei ist der Aufbau einer Orthosprache, d. h. einer Sprache, in der jedes
Wort oder Zeichen zirkelfrei aufgebaut ist und in seinem Verwendungsnachweis ange-
geben ist. Als methodisches Prinzip wird auch von Konstruktivisten eine kritische Prü-
fung befürwortet, die allerdings eine andere Ausprägung als im kritischen Rationalismus
besitzt. Dabei entstammen die Maßstäbe nicht nur dem Untersuchungsgegenstand selbst,
sondern auch Begründungsrekonstruktionen.285
Angesichts der betonten Bedeutung der Erkenntnisleistung des Subjekts, die insbesonde-
re bei Artefakten zum Tragen kommt, wird wie beim kritischen Rationalismus auch
beim Konstruktivismus ein methodischen Rationalismus vertreten, der allerdings eine
andere Ausprägung besitzt. Eine relativistische Position wird abgelehnt, bzw. wie es
JANICH treffend formuliert: „Wissenschaften müssen als Wahl und Ergreifung von Mit-
teln für von Menschen gesetzte Zwecke begriffen werden“286. Durch die schrittweise
Einführung neuer wissenschaftlicher Hilfsmittel und Erkenntnismethoden im Konstruk-
tivismus wird die Überzeugung ausgedrückt, daß nur eine rationale Methodenpraxis ei-
nen nachvollziehbaren wissenschaftlichen Erkenntnisgang ermöglicht. Bei einer am Re-
lativismus angelehnten Wissenschaftsposition wird jeder Referenzpunkt hinfällig.287 Er
führt sogar zur Aufgabe der Subjekt-Objekt-Relation, da „die Entwicklung von wissen-
schaftlicher Erkenntnis nicht mehr eindeutig als ein rationaler, intern kontrollierter Lern-
prozeß interpretiert werden kann, [...] hängt auch das Subjekt-Objektmodell als ontologi-
sche Voraussetzung in der Luft. Wenn bei aufeinanderfolgenden Paradigmas keine
zwingende Wahl möglich ist, wie kann dann Wissenschaft garantieren, stets tiefer in die
Strukturen der Wirklichkeit einzudringen?“288
Für die Wirtschaftsinformatik existieren wenige Empfehlungen, wie eine Forschungslo-
gik aussehen kann. Allerdings können für die Wirtschaftsinformatik Prinzipien realwis-
283 Lorenzen (1987), S. 10.
284 Poietische Handlungen dienen der Herstellung von (technischen oder künstlichen) Werken, vgl. Mittel-
straß (Poiesis) (1995), S. 281. Der Terminus geht auf die griechische Philosophie zurück und wird im
Konstruktivismus wieder aufgegriffen.
285 Vgl. Carrier (Prüfung) (1995), S. 388.
286 Janich (1992), S. 38.
287 Vgl. Kaiser (1991), S. 14 ff.
288 Kunnemann (1991), S. 26.
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Zu einer denkmöglichen Basisposition der WI 235
senschaftlicher Forschung genutzt werden, um eine begründete allgemeine Vorgehens-
weise abzuleiten. Diese ist von ihrer Qualität her zwar nicht mit einem Meta-
Vorgehensmodell zu vergleichen, das sich auf Theorien stützen kann, bietet für die vor-
liegende Arbeit aber eine begründete Basis zur Ableitung eines Vorgehensmodells.
Traditionell wird davon ausgegangen, daß Anwendungen in der lebensweltlichen Praxis
theoretisch fundierte Erkenntnisse erfordern. So vertritt SCHWEITZER die Ansicht, daß
sich das pragmatische Wissenschaftsziel in realwissenschaftlichen Bereichen nicht errei-
chen läßt, ohne daß theoretische Erkenntnisse vorliegen.289 Diese Auffassung über das
Forschungsvorgehen geht davon aus, daß zuerst etwas theoretisch erforscht wird und
später eine Realitätsgestaltung mit Hilfe der erforschten Theorien erfolgen kann. Die
Theorie im engeren Sinne geht also der Gestaltung voraus, so daß erst die „Theoretisie-
rung“ von Handlungsinstrumenten ihren Einsatz erlaubt (theoretisch forschen prak-
tisch gestalten).
Die Wirtschaftsinformatik ist handlungswissenschaftlich geprägt. In der Forschungspra-
xis dominiert die Entwicklung von pragmatischen Aussagen über das Erarbeiten von
Theorien. Es werden neue Ideen aus der Praxis aufgegriffen, um die als problematisch
erachteten Sachverhalte als Forschungsobjekte aufzunehmen und die theoretischen Er-
gebnisse in der Praxis anzuwenden.290 Bei der Referenzmodellierung wird für die Wirt-
schaftsinformatik daher eine Umkehrung der traditionellen Forschungsfolge empfoh-
len.291 Es ist zunächst von einem Forscher etwas zu entwickeln und die Realität entspre-
chend zu gestalten. Erst in einem zweiten Schritt sind die Erkenntnisse über die Anwen-
dung der Handlungsanleitungen zu erforschen (Ideen entwickeln praktisch gestalten
theoretisch forschen). Dieses Verständnis kommt auch in den Ausführungen der Wis-
senschaftlichen Kommission Wirtschaftsinformatik (WKWI) zum Ausdruck. „Die Ge-
staltung verlangt nach der ingenieurwissenschaftlichen Erstellung von Ge-
staltungshilfsmitteln (Methoden, Werkzeuge, Anwendungsprototypen) für den ‘Gestal-
ter’ in Wirtschaft und Verwaltung. Die Gestaltungshilfsmittel müssen sich im Sinne ‘im-
plementierter Hypothesen über die Vorteilhaftigkeit von entsprechenden Methoden,
Werkzeugen und Anwendungsprototypen’ praktisch bewähren.“292
Mit der Aussage der WKWI wird insbesondere betont, daß Konstruktionen des For-
schers sinnvoll sein können, die sich nicht unbedingt auf Theorien stützen. Sie sollen
sich in der Praxis bewähren, indem die Forderung erhoben wird, daß sich die Hypothese
in mindestens einem Anwendungsfall bewährt hat. Diese Forschungslogik sollte jedoch
nicht zu der Annahme verleiten, die Entwicklung von Theorien sei überflüssig. Ein bes-
289 Vgl. Schweitzer (1967), S. 280. Vgl. auch Grochla (1978), S. 61f.
290 Vgl. Lehner (1994), S. 4f.; Ortner (1994), S. 16f.
291 Es sei angemerkt, daß die eindeutige Priorisierung einer Forschungslogik nicht möglich ist, da diese vom
Erkenntnisgegenstand abhängig ist. Die Auswahl einer Forschungslogik wird insbesondere von der Ver-
fügbarkeit umfangreicher Theorien determiniert.
292 Vgl. WKWI (1993), S. 81.
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236 Konstruktivistische Forschung
seres Realitätsverständnis wird insbesondere durch Theorien möglich. Erst die Entwick-
lung allgemeiner Aussagensysteme ermöglicht es, einen tiefen Einblick und damit die
Begründung von Wissen zu liefern, d. h. Erkenntnisse zu erarbeiten. Somit dient die hier
vorgeschlagene Forschungslogik insbesondere der Offenlegung von Hypothesen, damit
sie auf ihre Allgemeingültigkeit und Bewährung hin untersucht werden können. Als Er-
gebnis des Forschungsprozesses sollen wie auch bei der traditionellen Forschungslogik
Theorien entwickelt werden.293 Im Gegensatz zur traditionellen Vorgehensweise stehen
theoretische Erklärungen nicht am Anfang, sondern am Ende des Forschungsprozesses.
3.4 Zum Begründungsanspruch und der Letztbegründung
Aus dem Münchhausen-Trilemma resultiert die Unmöglichkeit eines begründungsunab-
hängigen Anfangs der Wissenschaft,294 so daß es strenggenommen nur den dogmati-
schen Entschluß als Ausweg geben kann, der in etwas abweichender Form auch beiden
Wissenschaftsauffassungen zugrundeliegt. Im Konstruktivismus wird zwar behauptet,
daß eine gewisse Basis besteht, von der aus neue Aspekte konstruiert werden. Der Aus-
gangspunkt stellt aber letztlich eine implizite Norm dar, die für einen bestimmten Wis-
senschaftlerkreis Gültigkeit besitzt. Es erscheint zwar sinnvoll, den Aufbau von Theorien
schrittweise vorzunehmen und bei keinem Schritt wissenschaftliche Methoden zu ver-
wenden, die noch nicht eingeführt worden sind. Es ist jedoch zu kritisieren, daß die The-
orien auf gemeinsamen Lebenserfahrungen basieren sollen. Durch diese Annahme ist es
möglich, daß selbst bei Unvoreingenommenheit der Teilnehmer unterschiedliche Theo-
rien entstehen. Die Frage nach dem Anfang der Theorie kann entweder mit ganzen Satz-
systemen beginnen (mit einem „vermeintlich implizit [theorieimplizit, R. S.] konstruier-
baren“295 Modell) oder aus einer schrittweise begründeten Wissenschaftssprache heraus
konstruiert werden, wie es die konstruktive Wissenschaftstheorie vorsieht.296 Die Unter-
schiede zwischen dem methodischen Konstruktivismus und dem kritischen Rationalis-
mus werden bezüglich der Möglichkeit von Letztbegründungen nicht überbewertet.297
Außerdem wird hier bestritten, daß es den Konstruktivisten gelungen ist, einen Ausweg
aus dem Münchhausen-Trilemma aufgezeigt zu haben.298
293 Aus diesem Grunde dürfen die Entwurfsmodelle einzelner IK-Systeme nicht als Erkenntnismodelle miß-
verstanden werden, wie dies manchmal geschieht. Vgl. bspw. Rautenstrauch (1993), S. 3.
294 Es wird nicht die Auffassung, wie beispielsweise bei Janich (1996), 23 f., geteilt, daß ALBERT das
Münchhausen-Trilemma nur auf deduktive Ableitungszusammenhänge bezogen hat. Vgl. Albert (1991),
S. 15 ff. und insbesondere S. 17.
295 Vgl. Mittelstraß (Anfang) (1995), S. 112 f.
296 Zum methodischen Konstruktivismus vgl. Lorenzen (1987); Lorenzen, Schwemmer (1975); Lorenzen
(1974).
297 In ähnlicher Weise äußert sich auch Zelewski (Rationalität) (1993), S. 229.
298 Vgl. auch die Ausführungen von Albert (1991), S. 230 ff.
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238 Konstruktivistische Forschung
4. Ausblick
Die Entscheidung für eine wissenschaftstheoretischen Basisposition sollte in der Wirt-
schaftsinformatik ernster genommen werden, als dies insbesondere in der deutschen
Wirtschaftsinformatik der Fall ist. Während im angelsächsischen Bereich diverse Publi-
kationen zu den wissenschaftstheoretischen Implikationen der „Information Systems
Scene“ zu finden sind, mangelt es an vergleichbaren Arbeiten im deutschsprachigen Um-
feld. Es mag an den Ursprüngen der Informatik liegen, die im logischen Empirismus zu
finden sind, wie Zemaneck aufgedeckt hat.
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... Eine Charakterisierung verschiedener Realismusauffassungen findet sich in[Aren92],[Schü99]. 2 Generelle Einwände gegen einheitswissenschaftliche Methodologien mit Rekurs auf den "linguistic turn" und den "cultural turn" in den Sozialwissenschaften implizieren die grundsätzliche Ablehnung der hier gemachten Bemerkungen bzw. machen sie sinnlos; insofern setzt dieser Text eine "szientistische" Perspektive auf Sozialwissenschaften voraus.3 ...
Chapter
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Computersimulationen — hier wird häufig nur noch von Simulationen gesprochen — haben sich in vielen wissenschaftlichen und technischen Bereichen zu unverzichtbaren Werkzeugen für Forschung und Entwicklung entwickelt. Sie stellen ein mächtiges Werkzeug zur Untersuchung von Abläufen in ganz verschiedenen Disziplinen dar — von der Kosmologie bis zur Ökonomie — und scheinen die Grenzen der Wissenschaft weiter hinauszuschieben. Allerdings muss konstatiert werden, dass die Verwendung von Simulationen im Forschungsprozess häufig unkritisch geschieht und wichtige wissenschaftstheoretische Einwände nicht beachtet werden. Diese sollen zunächst allgemein dargestellt sowie kritisch diskutiert und danach Konsequenzen für die Wirtschaftsinformatik genannt werden*.
Chapter
Die Forschungen zur Integration in der Wirtschaftsinformatik und zur Netz-ökonomie bilden den Rahmen für diese Arbeit. In diesem Kapitel werden die wichtigsten Grundlagen der beiden Forschungsfelder zusammengefasst, das Untersuchungsgebiet elektronische Marktplätze eingeordnet und die Defizite der bisherigen Arbeiten zur Bestimmung der Integration von Informationssystemen auf elektronischen Marktplätzen erörtert.
Chapter
Der Beitrag bietet einen Literaturüberblick über wissenschaftstheoretische Problembereiche empirischer Wirtschafts- und Sozialforschung. Der Stand der Forschung wird dargelegt und kritisch beurteilt. Dabei wird zwischen Forschungsansätzen unterschieden, die einer induktiven bzw. deduktiven Erkenntnislogik folgen; es werden jeweils vier Beispiele neuerer Forschungsbereiche der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung beschrieben. Die aktuellen Strömungen in der wissenschaftstheoretischen Debatte um die Interpretation empirischer Forschungsergebnisse werden skizziert. Hier liegt der Schwerpunkt der Argumentation auf den Extrempositionen des naiven Realismus einerseits und des Instrumentalismus andererseits; unter letzterem werden Modellbildung und Simulation sowie Relativismus und Konstruktivismus subsummiert. Im Schlusskapitel werden Kennzeichen einer Methodologie beschrieben, die ein Weg aus dem Dilemma zwischen naivem Realismus und Instrumentalismus bzw. Relativismus sein könnte. Unvermeidbare praktische Probleme der empirischen Wirtschaftsund Sozialforschung werden aufgezeigt.
Technical Report
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A broad variety of concepts for scientific and technological knowledge, its production and governance is available in the literature of economics, philosophy of science, systems theory, and sociology. However, there is no generally accepted definition and formalisation of the relevant concepts. To guide the modelling work in NEMO, we therefore agreed on common – or at least, interoperable – conceptualisations of knowledge, starting from the observation that its production and diffusion is a localised, collective and complex activity. Hereby, from an epistemological point of view, we adopted a moderately constructivist approach by assuming that an observer produces a 'construction of an object from reality' which can be handed over from the sender to the recipient in such a way that the receiver can 'recognise the features of the object'.
Article
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Um den gezielten Zugang zu dem in Referenzmodellen enthaltenen Wissen zu verbessern, eignen sich Mechanismen, mit deren Hilfe Referenzmodelle an spezifische Anwendungskontexte angepasst werden können. Die Anwendungskontexte werden im Folgenden durch Unternehmensmerkmale und Eigenschaften von Benutzergruppen repräsentiert. Auf diese Parameter wird bei der Separierung und Selektion der inhaltlichen und perspektivenorientierten Varianten der Modelle zurückgegriffen. Ausgehend von einer eingehenden Diskussion der Potenziale der konfigurativen Referenzmodellierung (Abschnitt 1) wird eine auf einem Vorgehensmodell und einer Dokumentenstruktur basierende Methodik zur Erstellung konfigurativer Referenzmodelle entwickelt (Abschnitt 2). Um die Varianten des Referenzmodells geeignet ableiten zu können, werden Konfigurationsmechanismen identifiziert und fachkonzeptionell definiert (Abschnitt 3). Die Spezifikation der Methodik und der Konfigurationsmechanismen bildet eine Grundlage für die Entwicklung einer neuen Generation von Modellierungswerkzeugen, die das Variantenmanagement von Referenzmodellen unterstützen (Abschnitt 4).1
Article
Die ökologische Gestaltung logistischer Beschaffungs- und Distributionssysteme gewinnt aufgrund einer allgemeinen Ressourcenverknappung und von Umweltschutzbemühungen insbesondere im Werksumfeld automobiler Produktionsstandorte zunehmend an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wird im vorliegenden Beitrag ein Bewertungsansatz zur Unterstützung der strategischen Logistikplanung entwickelt, der sowohl klassische Kosten- und Leistungsaspekte als auch umweltrelevante Aspekte berücksichtigt. Hierzu werden zunächst detaillierte Anforderungen aufgrund der Problemstellung formuliert, anschließend geeignete Methoden zur logistischen Kosten- und Leistungsbewertung sowie zur ökologischen Bewertung identifiziert und diese schließlich konzeptionell zu einem integrativen Bewertungsansatz zusammengefügt. Der entwickelte Bewertungsansatz, der eine Simulations- mit einer Ökobilanzierungsmethode kombiniert, wird abschließend einer kritischen Prüfung mit den zuvor formulierten Anforderungen ausgesetzt.
Chapter
Die Wörter konstruktiv, konstruktionsorientiert, konstruktivistisch u. ä. Formen bezeichnen Begriffe, die einerseits über gemeinsame Eigenschaften verfügen, andererseits jedoch grundlegend differierenden Paradigmen angehören zu scheinen respektive diese repräsentieren, sodass deren gleich(artig)e Benennung zu Schwierigkeiten führen kann. Solche Homonyme bergen die Gefahr von kommunikativen Missverständnissen und Verwechslungen sowie ungenügendem (Fach-)Verständnis und mangelnder Differenzierung.
Article
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Simulation in the Social Sciences. Computer simulation—hereafter just called ‘simulation’— more and more is getting an important tool in scientific research and development. Simulations provide powerful means for quite different scientific disciplines, for instance for cosmology as well as for economics, and it seems that they can help to extend the borderline of science. However, from a methodological point of view, besides their benefits one can identify several theoretical problems which can occur in the process of scientific research. Some of these problems shall be discussed and consequences of these problems for the use of simulations shall be outlined.
Article
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Project management information systems have changed considerably in the last decade. Today they go far beyond traditional scheduling as well as resource management. These systems have become comprehensive information systems (IS) that support the entire life cycle of projects, project programmes and project portfolios. In this context, project-oriented organizations face a new challenge: the design, implementation and operation of such information systems has become increasingly complex, since numerous processes have to be considered, diverse stakeholder interests taken into account and corresponding software systems selected. The reference model for project management IS (RefModPM) presented here addresses these challenges and aims to support corresponding implementation projects. This article introduces RefModPM by discussing its construction process and evaluation, as well as providing an overview of its architecture and presenting one part of the reference model in detail. Der Artikel stellt ein konzeptionelles Informationssystem-Referenzmodell für das Projektmanagement vor (RefModPM). Hierzu wird zunächst auf den Konstruktions- und Evaluationsprozess eingegangen, in dessen Rahmen RefModPM entwickelt wurde. Dann erfolgt eine überblicksartige Vorstellung der Referenzmodellarchitektur. Abschließend wird ein Modellausschnitt im Detail diskutiert.
Book
Dieses Buch wurde für diese Neuauflage völlig überarbeitet, es ist sowohl als Einführung als auch im Hauptstudium einsetzbar. Das Lehrbuch ist so gegliedert, dass sich jeder Abschnitt in einer Doppelstunde durcharbeiten lässt. Es führt systematisch in die Wissenschaftstheorie und Methodologie ein, indem es vier zentrale Themen darstellt und eigenständig weiterentwickelt. Die Behandlung dieser Themen ist für Natur-, Sozial- und Informationswissenschaften sowie für statistische Theorien gleichermaßen zutreffend. Die allgemeinen Begriffe werden durch viele detaillierte Beispiele aus den verschiedensten Fachgebieten belegt. Zu jedem Abschnitt wird ergänzende und weiterführende Literatur angegeben, vor allem für die Dimension des Sozialen und der Methoden. In den letzten Jahren wurde der Bereich der Computersimulation besonders wichtig.
Article
The increasingly lively controversy over scientific realism has become one of the principal themes of recent philosophy. 1 In watching this controversy unfold in the rather technical way currently in vogue, it has seemed to me that it would be useful to view these contemporary disputes against the background of such older epistemological issues as fallibilism, scepticism, relativism, and the traditional realism/idealism debate. This, then, is the object of the present book, which will recon­ sider the newer concerns about scientific realism in the context of these older philosophical themes. Historically, realism concerns itself with the real existence of things that do not "meet the eye" - with suprasensible entities that lie beyond the reach of human perception. In medieval times, discussions about realism focused upon universals. Recognizing that there are physical objects such as cats and triangular objects and red tomatoes, the medievels debated whether such "abstract objects" as cathood and triangularity and redness also exist by way of having a reality indepen­ dent of the concretely real things that exhibit them. Three fundamen­ tally different positions were defended: (1) Nominalism. Abstracta have no independent existence as such: they only "exist" in and through the objects that exhibit them. Only particulars (individual substances) exist. Abstract "objects" are existents in name only, mere thought­ fictions by whose means we address concrete particular things. (2) Realism. Abstracta have an independent existence as such.
Article
Der Autor hat mit diesem Lehrbuch ein System von Grundbegriffen für Mathematik, Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften und Geschichte aus der technischen und ethisch-politischen Praxis so begründet, dass die Fachwissenschaften die Arbeit an der theoretischen Fundierung dieser Praxisrichtungen mit der nötigen Differenzierung fortsetzen können. Mit den beiden großen Stichwörtern »Logik« und »Wissenschaftsheorie« bildet das Buch einen praktischen Leitfaden für die tägliche wissenschaftliche Beschäftigung.