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Strukturbedingungen im Online-Wahlkampf: USA und Deutschland im Vergleich

Authors:
  • GESIS – Leibniz-Institute for the Social Sciences

Abstract and Figures

Die Online-Kommunikation hat sich beiderseits des Atlantiks als fester Bestandteil politischer Kampagnen etabliert. Besonders in den innovationsfreundlichen US-Wahlkämpfen nimmt das E-Campaigning eine integrale Funktionslogik ein. Ursächlich hierfür sind günstige strukturelle Kontextbedingungen, die im komparativen Untersuchungsdesign mit Deutschland herausgearbeitet werden. Das politische Nutzerverhalten im Web, die Struktur des politischen Systems, das Mediensystem und nicht zuletzt die liberale Wahlkampfregulierung sind Ursachen dafür, dass dem Internet in US-Präsidentschaftswahlen eine wahlentscheidende Bedeutung zukommt. Dies sollte in der deutschen Debatte berücksichtigt werden, die zu undifferenzierten Vergleichen des deutschen Internetwahlkampfs mit den Obama-Kampagnen neigt.
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... • (Hersh, 2015), ethnografischen Methoden (Nielsen, 2012) oder Interviews (Anstead, 2017;Kreiss, 2012Kreiss, , 2016 (Falguera et al., 2014;Thompson, 2012). Das hohe Kampagnenbudget (Anstead, 2008;Stier, 2016) geht einher mit einer langfristigen Zusammenarbeit mit Dienstleistern zur Datensammlung, -aufbereitung und -modellierung sowie der Entwicklung kampagnen-und parteiinterner datenbezogener Infrastrukturen und Kompetenzen (Kreiss, 2016 "Ironically, the polls in the primaries were actually pretty good on Donald ...
... Verschiedene Autoren sehen die zentrale Bedeutung digitaler Werkzeuge in Unterstützung dieser Kampagnenfunktionen als entscheidenden Grund für die wachsende Zentralität des damit beauftragten Kampagnenpersonals(Kreiss 2012b). Die vergleichsweise geringere Bedeutung dieser Kampagnenfunktionen in anderen elektoralen Kontexten mag im Umkehrschluss auch dazu geführt haben, dass das Internet international keine den USA vergleichbare Bedeutung für Kampagnenorganisationen entwickelt hat(Anstead 2008;Stier 2016).Abschließend gilt es auch die symbolische Rolle des Internets in Kampagnen nicht zu vernachlässigen. Parteien, Kandidaten und Kampagnen versuchen durch ihre Nutzung digitaler Werkzeuge gezielt Kandidateneigenschaften und Kampagnenmomentum zu symbolisieren. ...
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Das Internet ist zentrales Element moderner politischer Kommunikation. Trotz seiner Bedeutung wurde dieses Phänomen jedoch in den zentralen Debatten der Politikwissenschaft bisher nur oberflächlich thematisiert. Der vorliegende Literaturüberblick skizziert den sozialwissenschaftlichen Diskurs zur Nutzung des Internets in der politischen Kommunikation. Inhaltlich konzentriert sich der Artikel auf die Darstellung verfügbarer Literatur zur Ideengeschichte politischer Erwartungen an das Internet, die Nutzung des Internets durch politische Eliten und Organisationen sowie die Nutzung des Internets durch die Bevölkerung und damit verbundene Effekte. Der Artikel schließt mit der Darstellung systematischer Probleme in der thematisch relevanten Literatur und mit einem kurzen Ausblick auf mögliche Forschungsperspektiven.
... Dieser geringere zu erwartende generelle Nutzen mag eine Erklärung für die mangelnden Investitionen in Dateninfrastrukturen außerhalb der USA liegen. Ein weiterer Grund für die außergewöhnliche Rolle von Daten in US-Kampagnen sind die generell höheren Kampagnenbudgets(Anstead, 2008, Stier, 2016). Die vergleichsweise hohen Budgets amerikanischer Kampagnen erlauben ihnen die langfristige Zusammenarbeit mit auf Datensammlung, -aufarbeitung und Modellierung spezialisierten Dienstleistern und die Entwicklung kampagnen-und parteiinterner technischer Infrastruktur und Kompetenzen (Kreiss, 2016). ...
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Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 wird die Nutzung datengestützter Verfahren in Wahlkämpfen viel diskutiert. Kampagnenmacher, Journalisten und Öffentlichkeit stellt sich die Frage nach dem Potential und möglichen Gefahren der Nutzung großer Datensätze und statistischer Modelle durch politische Organisationen. Auch wenn das Thema viel Aufmerksamkeit erhält, sind konkrete Nutzungsweisen und Wirkungen datengestützter Verfahren im Wahlkampf nur sehr vage umrissen und verstanden. Vor diesem Hintergrund bietet der vorliegende Artikel einen Überblick der Rolle datengestützter Verfahren in Wahlkämpfen. Der Text beginnt mit einer Darstellung der grundsätzlichen Funktion datengestützter Verfahren im Wahlkampf, skizziert unterschiedliche Ansätze zur datengestützten Wähleransprache und diskutiert die Nutzung von Daten zur Evaluation von Kampagnentätigkeit und als rhetorisches Element von Kampagnen. Nach dieser Darstellung grundsätzlicher Nutzungsarten datengestützter Verfahren im Wahlkampf zeigt der Artikel wichtige Rahmenbedingungen auf und diskutiert, wie die Wirkung entsprechender Verfahren zu messen ist. Auf dieser Basis stellt der Artikel die Nutzung datengestützter Verfahren in deutschen Kampagnen dar. Der Artikel schließt mit Leitfragen, mit denen die Nutzung und Wirkung datengestützter Verfahren im Verlauf des Bundestagswahlkampfs 2017 untersucht und diskutiert werden kann.
... Komparative Ergebnisse der Forschung in der OECD-Welt deckten aber durchaus Variationen zwischen Ländern auf Lilleker/Jackson 2011b;Lilleker et al. 2011;Norris 2003). 143 Dabei sind die USA als Vorreiter in der politischen Online-Kommunikation anzusehen, ja sogar als Ausreißer, deren Intensität in Online-Wahlkämpfen in anderen Ländern unerreicht bleibt (Anstead/Chadwick 2008;Jungherr/Schoen 2013;Lilleker/Jackson 2011b;Lilleker et al. 2011;Stier 2012Stier , 2015c. Untersuchungen deutscher Online-Wahlkämpfe zeigten beispielsweise, dass in parteipolitischen Online-Angeboten Top-Down-Strukturen überwiegen und ernsthafte Beteiligungsangebote rar gesät sind (Jungherr/Schoen 2013;Schweitzer 2010: 233;Zittel 2009). ...
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Sebastian Stier führt bislang isolierte Literaturen der politik- und kommunikationswissenschaftlichen Internetforschung zusammen und untersucht empirisch, inwiefern Autokratien in ihrer Netzpolitik und politischen Online-Kommunikation von Demokratien abweichen. Der Autor zeigt in einem makro-quantitativen Ländervergleich, dass es autokratischen Herrschern gelingt, das Internet in ökonomische Performanzstrategien zu integrieren, während die zivilgesellschaftliche Ermächtigung, auch aufgrund der Internetzensur, schwächer ausfällt als es optimistische Stimmen vermuten.
... Komparative Ergebnisse der Forschung in der OECD-Welt deckten aber durchaus Variationen zwischen Ländern auf Lilleker/Jackson 2011b;Lilleker et al. 2011;Norris 2003). 143 Dabei sind die USA als Vorreiter in der politischen Online-Kommunikation anzusehen, ja sogar als Ausreißer, deren Intensität in Online-Wahlkämpfen in anderen Ländern unerreicht bleibt (Anstead/Chadwick 2008;Jungherr/Schoen 2013;Lilleker/Jackson 2011b;Lilleker et al. 2011;Stier 2012Stier , 2015c. Untersuchungen deutscher Online-Wahlkämpfe zeigten beispielsweise, dass in parteipolitischen Online-Angeboten Top-Down-Strukturen überwiegen und ernsthafte Beteiligungsangebote rar gesät sind (Jungherr/Schoen 2013;Schweitzer 2010: 233;Zittel 2009). ...
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In den vergangenen Jahren entfaltete sich eine rege wissenschaftliche und öffentliche Debatte zum Verhältnis zwischen Politik und Internet. Dem Internet wurde einerseits das Potential zugeschrieben, autoritäre Herrscher stürzen zu können. Andererseits wurde angenommen, dass es die autoritäre Herrschaft stütze.
... Also, in Germany, nationwide election campaigns are organized by central parties and not by organizations founded and led by leading candidates, as occurs in the United States. These factors have been identified as potentially influencing the use of digital tools by German parties (Geber and Scherer 2015;Stier 2015;Zittel 2010). My aim here is not to explain the use of digital tools by German parties with reference to contextual, organizational, or individual factors but to assess the value of an interpretative framework developed on U.S.-based findings. ...
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This article presents a case study of the use of digital tools by campaign organizations in Germany’s 2013 federal election. Based on observations and in-depth interviews with key personnel in the campaigns of six of the parties running for Parliament, I examine whether German campaigns’ use of digital tools follows the usage practices that have been identified in studies of campaigns in the United States. I group how campaigns use digital tools into four categories: organizational structures and work routines, presence in information spaces online, support in resource collection and allocation, and symbolic uses. I show that these categories capture how German parties use digital tools. U.S.-based studies can thus provide helpful interpretive frameworks for studying digital campaigning in other countries. However, I also reveal that there are important differences between German and U.S.-based online campaigning. These differences stem from the different levels of intensity with which digital tools are deployed in each country.
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Although considerable research has concentrated on online campaigning, it is still unclear how politicians use different social media platforms in political communication. Focusing on the German federal election campaign 2013, this article investigates whether election candidates address the topics most important to the mass audience and to which extent their communication is shaped by the characteristics of Facebook and Twitter. Based on open-ended responses from a representative survey conducted during the election campaign, we train a human-interpretable Bayesian language model to identify political topics. Applying the model to social media messages of candidates and their direct audiences, we find that both prioritize different topics than the mass audience. The analysis also shows that politicians use Facebook and Twitter for different purposes. We relate the various findings to the mediation of political communication on social media induced by the particular characteristics of audiences and sociotechnical environments.
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Mit dem Erfolg bei den Abgeordnetenhauswahlen in Berlin ist die Piratenpartei in Politik und Öffentlichkeit angekommen. Sind die Piraten nur ein Übergangsphänomen, das von der Schlafmützigkeit des Establishments profitiert, oder gibt es ein Potenzial für nachhaltige Verschiebungen im politischen Koordinatensystem? Bildet ein »digitaler Wertekanon« im Spannungsfeld von Offenheit, Dezentralität und Beteiligung die Basis für eine neue politische Arena? Oder sind Themen wie Urheberrecht, Datenschutz und Netzneutralität lediglich Modeerscheinungen? Werden mit Stilmitteln wie »radikale Transparenz« und »liquid democracy« neue Zugänge für Kooperation und Beteiligung in politischen Organisationen entwickelt? Diesen und weiteren Fragen widmet sich der Band und nimmt damit eine erste Bestandsaufnahme und kulturelle Deutung eines neuen politischen Phänomens vor.
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Politik wird in demokratischen Gesellschaften durch Massenmedien vermittelt. Für die Politik wird Kommunikation in der "Mediengesellschaft" dabei immer voraussetzungsvoller, risikoanfälliger. Verstärkt versuchen politische Akteure, Mediensysteme und Journalisten zur Promotion der eigenen Ziele und Themen zu instrumentalisieren. In diesem Buch wird die Funktion einer Professionalisierung der Politikvermittung analysiert, werden Grundlagen und Tendenzen, Zwänge und Grenzen eines politischen Kommunikationsmanagements aufgezeigt.
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Building on a survey of media institutions in eighteen West European and North American democracies, Hallin and Mancini identify the principal dimensions of variation in media systems and the political variables which have shaped their evolution. They go on to identify three major models of media system development (the Polarized Pluralist, Democratic Corporatist and Liberal models) to explain why the media have played a different role in politics in each of these systems, and to explore the forces of change that are currently transforming them. It provides a key theoretical statement about the relation between media and political systems, a key statement about the methodology of comparative analysis in political communication and a clear overview of the variety of media institutions that have developed in the West, understood within their political and historical context.
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Spätestens seit Barack Obamas erfolgreicher, in Medien und Öffentlichkeit vielbeachteter Onlinekampagne vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl 2008 ist das Internet aus dem Repertoire von Wahlkämpfern kaum mehr wegzudenken, auch in Deutschland.