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Veronique Zanetti (Fribourg)

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Abstract

Als Studentin in Genf hörte ich Professor Kevin Mulligan erklären, ein Kriterium für eine dieses Namens würdige philosophische Theo-rie bestehe darin, dass sich ihr Programm auf einer Postkarte zusam-menfassen lasse. Was würden wir sagen, wenn wir versuchen müss-ten, Kants theoretische Philosophie in Postkartenformat zu resümie-ren? In Anlehnung an Kants eigene Worte in der zweiten Einleitung zur Kritik der reinen Vernunft könnten wir angeben, das Werk stelle sich als Methodenlehre dar. Sie soll, nach Art der Geometrie und der reinen Physik, den Aufbau eines Systems unserer Erkenntnisse a pri-ori vorführen. In Analogie zur Kopernikanischen Revolution in der Physik soll die Methode Ursprünge und Bedingungen der Möglich-keit von Gegenstanderkenntnis aufzeigen, und zwar so, dass diese sich nach unseren Erkenntnisvermögen richtet, und nicht umgekehrt. Anders gesagt: unsere Vorstellungen von Gegenständen richten sich nicht nach Gegenständen als Dingen an sich. Vielmehr sind es die Gegenstände als Erscheinungen, die sich nach unserer Vorstellungs-art richten und dadurch möglich werden. Diese Methode, auch trans-zendantaler Idealismus genannt, beschäftigt sich weniger mit Gegen-ständen als mit den apriorischen Bedingungen, unter denen Gegenstände uns überhaupt als Objekte der Erkenntnis gegeben wer-den. Würde ich meine Postkarte so beschließen, gäbe ich dem Leser unvermeidlich den Eindruck, ich liefere ihm ein vollkommenes Bei-spiel idealistischer Philosophie. Er hätte übrigens nicht ganz Unrecht, das zu glauben. Dennoch wissen wir, dass sich Kant seit der zweiten Ausgabe der Kritik der reinen Vernunft und während der letzten anderthalb Jahrzehnte seines Lebens leidenschaftlich und immer wie-der gegen eine idealistische Interpretation seines Systems gewehrt hat. Und zwar aus guten Gründen: Es ist nicht schwer zu verstehen, dass Kant nicht nur auf ein System von möglichen Kenntnissen über-* Die Idee zu diesem Thema und auch Hinweise auf einige Sekundärliteratur verdan-ke ich Thomas Grundmann, dem ich bei dieser Gelegenheit herzlich danke.

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