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Chronische Pollakisurie

Authors:

Abstract

Background Persistent unexplained urological complaints and diseases are a common problem in clinical practice. Psychological components can play an important role in urological complaints. Neglect of these facts can lead to an insufficient or incorrect treatment. Therefore, apart from the specific medical diagnostics, a complete examination of mental and psychological functions before an invasive intervention is also required. Psychosomatics in urology Illustrated by the case of a young woman with a request for a cystectomy while suffering from a chronic pollakiuria, this paper explains the importance of good interdisciplinary collaboration for evidence-based, guideline-oriented medical treatment. The patient’s suffering and urge for removing the bladder was contrasted by a lack of medical indication for surgery and the principle of proportionality. The essay gives insight into the discipline of psychosomatic medicine, somotoform disorders found in urology and, especially, the symptoms of pollakiuria and overactive bladder. Conclusion The case illustrates the importance of timely and simultaneous medical and psychosocial diagnostics for the treatment outcome in patients with unspecific physical complaints. Treatment recommendations for patients with somatoform complaints in clinical practice are provided.
Urologe 2014 · [jvn]:[afp]–[alp]
DOI 10.1007/s00120-014-3618-x
Online publiziert:13. September 2014
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014
A. Kuffel1, 2 · K.P. Kapitza2 · B. Löwe2 · E. Eichelberg3 · A. Gumz2, 4
1 Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Krankenhaus Spremberg, Spremberg
2 Institut und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie,
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Schön Klinik Hamburg-Eilbek, Hamburg
3 Klinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg-Eppendorf
4 Psychologische Hochschule Berlin, Berlin
Chronische Pollakisurie
Zystektomie oder Psychotherapie
Hintergrund
Eine gute Zusammenarbeit verschiedener
medizinischer Disziplinen im klinischen
Alltag ist für eine evidenzbasierte, erfolg-
reiche medizinische Behandlung von gro-
ßer Bedeutung. Dies verdeutlicht auch der
hier vorgestellte Fall einer jungen Patien-
tin mit chronischer Pollakisurie, bei dem
die urologische Abteilung den psychoso-
matischen Konsiliardienst zur Beurtei-
lung einbezog. Die Patientin drängte bei
normalkapazitärer Blase mit normaler
Blasenfunktion auf eine operative Sanie-
rung, da bisherige Behandlungsversuche
erfolglos blieben. Dem Leidensdruck und
Drängen der Patientin zur Entfernung der
Blase standen die fehlende medizinische
Indikation sowie die Frage einer Verhält-
nismäßigkeit gegenüber.
Anamnese und klinischer Befund
Mittelpunkt der Konsultation war eine
28-jährige Patientin, die sich wiederholt
bei ihrem ambulanten Urologen vor-
gestellt hatte. Sie litt unter einem anhal-
tenden Harndrang, der alle 30–60 min
am Tag sowie stündlich in der Nacht seit
5 Jahren ohne begleitende Inkontinenz
oder Hämaturie auftrat. Aufgrund wie-
derkehrender Harnwegsinfektionen war
die Sexualfunktion beeinträchtigt und die
Patientin hatte einen ausgeprägten Lei-
densdruck. Es gab keine weiteren Erkran-
kungen und familiären Vorerkrankun-
gen. Nach wiederkehrenden ambulanten
und kurzstationären Voruntersuchungen
mittels Urindiagnostik, Sonographie der
Niere und Harnblase, Uroflow, einer Zys-
toskopie, einer Urodynamik sowie meh-
reren Innervationstests sowie dem Aus-
schluss gynäkologischer und neurologi-
scher Ursachen wurde für die Patientin
die Diagnose einer Pollakisurie bei „over-
active bladder“ (OAB) und kleinkapazi-
tärer Blase gestellt. Es erfolgten mehre-
re ambulante und stationäre Interventio-
nen. Eine orale Medikation mit verschie-
denen Anticholinergika, Instillationsthe-
rapien, Botox-Injektionen, einer Biofeed-
backtherapie, Beckenbodentraining sowie
eine Elektrostimulation des N. pudendus
brachten keinen Erfolg.
Bei anhaltender Symptomatik und stei-
gendem Leidensdruck erfolgte die Ein-
weisung in eine urologische Universitäts-
klinik mit dem Ziel einer operativen The-
rapie durch Zystektomie mit Pouch-Anla-
ge als letzter Behandlungsalternative. Vor
dem geplanten operativen Eingriff fanden
routinemäßig eine weiterführende Urin-
diagnostik mit Urinzytologie und -sedi-
ment, sowie mikrobiologischer Diagnos-
tik, eine körperliche Untersuchung, La-
bor, eine Zystoskopie mit Kapazitätsmes-
sung der Harnblase statt. Zusätzlich wur-
den ein Miktionstagesprotokoll, eine Uro-
dynamik, sowie eine Sonographie und ein
Röntgen des Abdomens mit Berücksich-
tigung der ableitenden Harnwege durch-
geführt. Entgegen der Vorbefunde zeig-
ten sich eine normale Blasengröße und
-funktion. Aufgrund der damit fehlenden
Operationsindikation und der Beschwer-
deprogredienz forderte die Urologie ein
psychosomatisches Konsil zur weiteren
Beurteilung und Therapieempfehlung an.
Übersichten
Tab. 1 Prävalenz somatoformer (autonomer) funktioneller Störungen des Urogenitaltrakts
Krankheitsbilder unter F45.34 (alle außer CPPS)
und F45.40 (CPPS)
Prävalenz
OAB-Syndrom (typischerweise Pollakisurie, imperativer
Harndrang und Dranginkontinenz, s. u.)
10,2% bei Männern und 16,8% bei
Frauen [31]
Reizblase (Harndrang und Pollakisurie, keine Inkontinenz) Ca. 15% aller Männer und Frauen [4]
Vegetatives Urogenitalsyndrom/chronisches Unterbauch-
schmerzsyndrom (CPPS, Schmerz im Genital- und Unter-
bauchbereich)
5–15% der Patienten beim niederge-
lassenen Urologen, CPPS: 4–25% bei
Frauen [10], 6,5–10% der Männer [15]
Psychosomatisches Urethralsyndrom der Frau
(krampfartige, brennende Schmerzen im Bereich Harn-
röhrenausgang und Klitoris)
5–10% der Frauen, die wegen einer
vermeintlichen Urethrozystitis oder
wegen einer Reizblasensymptomatik
erfolglos behandelt werden [30]
Psychogene Harninkontinenz Ca. 5–10% aller Männer und Frauen
[11]
Psychogene Blasenentleerungsstörung und psychogener
Harnverhalt
Ca. 3% aller Männer [19]
CPPS „chronic pelvic pain syndrome“, OAB „overactive bladder“.
1Der Urologe X · 2014
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Das Konsil der Psychosomatik –
Urologie und Psychosomatik
Psychosomatik
Die Ursprünge der Psychosomatik liegen
im antiken Griechenland in der Betrach-
tung der wechselseitigen Beeinflussung
von Körper und Seele [9]. Bedeutung als
ganzheitliche, über Körper und Seele hi-
nausgehende Perspektive auf die indivi-
duelle Krankengeschichte erlangte die
Psychosomatik Anfang des 19. Jahrhun-
derts. Aus dieser wissenschaftlichen Aus-
einandersetzung entstanden verschiede-
ne Modelle, von denen das biopsychoso-
ziale Modell von Uexküll [32] besondere
Bedeutung erlangte. Kern dieses Modells
sind die Wechselwirkungen zwischen bio-
chemischer, physiologischer, immunolo-
gischer, sozialer und kultureller Ebene
[29].
Zu einem bedeutenden psychosoma-
tischen Krankheitsbild im klinischen All-
tag zählen die somatoformen Störungen
(ICD-10-GM 45.-). Sofern diese als Dar-
bietung körperlicher Symptome in Ver-
bindung mit hartnäckigen Forderungen
nach medizinischen Untersuchungen bei
gleichzeitig wiederholten negativen klini-
schen Ergebnissen charakterisiert werden,
betreffen somatoforme Störungen bis zu
25% der Patienten in der Primärversor-
gung [24]. Gegenstand der vorliegenden
Arbeit ist eine Untergruppe dieser Stö-
rungen, die somatoformen (autonomen)
funktionellen Störungen des Urogenital-
trakts (ICD-10-GM 45.34).
Psychosomatik in der Urologie
Als somatoforme (autonome) funktionel-
le Störungen des Urogenitaltrakts werden
multiple Symptome erfasst, die auf eine
organische oder vegetative Erregung oder
Dysfunktion zurückgeführt werden und
mit der Harnproduktion und -ausschei-
dung sowie Reproduktion zusammen-
hängen . Tab. 1. Hierzu zählen Harn-
verhalt oder -inkontinenz [13], die Reiz-
blase und das vegetative Urogenitalsyn-
drom, sowie die chronische Prostatitis
[11]. Letzteres spielt zunehmend in abak-
terieller Form beim chronischen Unter-
bauchschmerzsyndrom („chronic pelvic
pain syndrome“, CPPS) eine Rolle [22].
Diffuse Schmerzen und Missempfindun-
gen im Nieren-, Unterbauch- und Geni-
talbereich, jeweils ohne organisches Kor-
relat, werden ebenso dieser Diagnose-
gruppe zugeordnet [23].
Weitere psychosomatische Störungs-
bilder in der Urologie sind den sexuellen
Funktionsstörungen, anhaltenden soma-
toformen Schmerzstörungen, artifiziellen
Störungen sowie den somatopsychischen
Störungen zugeordnet.
Eine Befragung von über 19.000 Pro-
banden zeigte ein hohes Vorkommen psy-
chosomatischer Beschwerdebilder [16].
Auffällig ist, dass 64,2% der betroffenen
Befragten über vorangegangene Episo-
den urologischer Beschwerden im unte-
ren Urogenitaltrakt berichteten. Schät-
zungen gehen von einem weiteren An-
stieg entsprechender Beschwerdebil-
der insbesondere in Entwicklungsstaa-
ten aus [16]. Angaben zur Prävalenz psy-
chosomatischer Krankheitsbilder in der
urologischen Praxis variieren zwischen
15 und 50% in früheren [29] und 0,7–
2,9% in neueren Untersuchungen ([25],
. Tab. 1). Während für manche spezifi-
sche Beschwerdebilder (wie die psychoge-
ne Reizblase) kaum exakte Zahlen vorlie-
gen [26], beträgt bspw. für das OAB-Syn-
drom die Prävalenz bei über 40-jährigen
Personen 16,6%. Allerdings erhielten nur
27% der Betroffenen, die ärztliche Unter-
stützung suchten, eine entsprechende Be-
handlung [17].
Abb. 1 9 Multiple
Pathophysiologie der OAB:
Gegenstand der Falldarstel-
lung ist die idiopathische
Ursache
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Der Urologe X · 2014
Übersichten
Aufgrund der ausgeprägten Prävalenz
einzelner psychosomatischer Krankheits-
bilder stellen diese ein bedeutendes Auf-
gabenfeld dar [27]. Eine umfassende Ab-
klärung ist insbesondere bei unklaren
Symptomen indiziert [18, 23, 27, 28, 29].
Psychogene Pollakisurie und OAB
Pollakisurie, imperativer Harndrang und
Dranginkontinenz bilden den Komplex
des OAB-Syndroms, sofern sie dabei nicht
auf einer nachgewiesenen Infektion oder
Verursachung durch lokale pathologische
Faktoren beruhen ([27], . Abb. 1).
Für die Vergabe dieser Diagnose müs-
sen nicht zwingend alle Symptome vor-
handen sein. So können Pollakisurie
und Harndrang mit (OAB wet) und oh-
ne (OAB dry) Inkontinenz auftreten. Die
Kombination aus imperativem Harn-
drang und Pollakisurie ist die häufigste
Gruppe im Rahmen der OAB-Diagnosen
([17], . Abb. 2).
Die Diagnose einer Pollakisurie erfor-
dert eine Miktionsfrequenz von mehr als
8-mal/Tag und mindestens 2-mal/Nacht.
Die Dranginkontinenz wird durch den
unwillkürlichen Harnverlust charakteri-
siert, dem der imperative Harndrang vo-
rausgeht oder ihn begleitet [2]. Andere
Ursachen einer Dranginkontinenz, wie
chronische Harnwegsinfekte, infravesi-
kale Obstruktionen, Blasensteine, Bla-
sentumoren, eine neurogene Detrusor-
hyperaktivität oder auch eine kleinkapa-
zitäre Blase müssen ausgeschlossen wer-
den [28]. Daneben bedarf es einer spezi-
fischen Anamneseerhebung unter Ver-
wendung validierter Instrumente (z. B.
des OAB-q [6]).
Die psychogene Pollakisurie kann iso-
liert oder als Teil des Symptomkomple-
xes der OAB auftreten und ist unter Aus-
schluss neurologischer, urologischer und
gynäkologischer Ursachen mit psycholo-
gischen und psychiatrischen Faktoren as-
soziiert [25].
Bereits 1920 beschrieb Adler die Be-
deutung der Unterscheidung zwischen
organisch (kortikalen) und funktionell-
nervösen Blasenstörungen [3]. Dem folg-
te Deussen [8] mit der Darstellung der
Kriegspollakisurie. Demnach erkrank-
ten vorher gesunde Soldaten an häufi-
gem Miktionsdrang und Harnträufeln
ohne erkennbaren organischen Befund.
Nach Rückkehr aus dem Kriegsgebiet wa-
ren 90% der Symptomatik komplett rück-
läufig.
Fallbeschreibung
Von der Befunderhebung
zur Diagnose
Die Patientin erinnerte sich, dass die Sym-
ptome zum ersten Mal in der Grundschu-
le intermittierend aufgetreten seien. Ak-
tuell sei die Symptomatik im Berufsall-
tag besonders ausgeprägt. Sie sei seit ca.
Zusammenfassung · Abstract
Urologe 2014 · [jvn]:[afp]–[alp] DOI 10.1007/s00120-014-3618-x
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014
A. Kuffel · K.P. Kapitza · B. Löwe · E. Eichelberg · A. Gumz
Chronische Pollakisurie. Zystektomie oder Psychotherapie
Zusammenfassung
Hintergrund. Anhaltende unklare urologi-
sche Beschwerde- und Krankheitsbilder stel-
len ein häufiges Problem im klinischen All-
tag dar. Bei urologischen Beschwerdebildern
können auch psychische Komponenten eine
Rolle spielen. Eine Vernachlässigung dieser
Faktoren kann zu einer unvollständigen Be-
handlung führen. Neben der spezifischen
medizinischen Diagnostik ist daher auch eine
umfassende Abklärung kognitiver und psy-
chischer Funktionen vor einer invasiven The-
rapie unerlässlich.
Psychosomatik in der Urologie. Anhand
des Fallbeispiels einer jungen Patientin mit
dem Wunsch nach einer Zystektomie bei
chronischer Pollakisurie schildert der vorlie-
gende Beitrag die Bedeutung der interdiszi-
plinären Zusammenarbeit für eine evidenz-
basierte und leitliniengerechte medizinische
Behandlung. Dem Leidensdruck und Drän-
gen der Patientin zur Entfernung der Blase
standen die fehlende medizinische Indikation
sowie die Frage einer Verhältnismäßigkeit
gegenüber. Der Beitrag gibt einen Einblick in
die Psychosomatik, in somatoforme Krank-
heitsbilder der Urologie und in die Beschwer-
debilder der chronischen Pollakisurie sowie
der überaktiven Blase.
Schlussfolgerung. Die Bedeutung einer zeit-
gerechten somatischen und psychosozialen
Simultandiagnostik für das Behandlungspro-
cedere bei allen unklaren Körperbeschwer-
den wird am Fallbeispiel veranschaulicht.
Handlungsempfehlungen für den Umgang
mit Patienten mit somatoformen Beschwer-
den in der Praxis werden dargelegt.
Schlüsselwörter
Krankheitsbilder, somatoforme ·
Psychosomatik · Blase, überaktive ·
Harnwegsinfektion · Blase, kleinkapazitäre
Chronic pollakiuria. Cystectomy or psychotherapy
Abstract
Background. Persistent unexplained uro-
logical complaints and diseases are a com-
mon problem in clinical practice. Psychologi-
cal components can play an important role in
urological complaints. Neglect of these facts
can lead to an insufficient or incorrect treat-
ment. Therefore, apart from the specific med-
ical diagnostics, a complete examination of
mental and psychological functions before
an invasive intervention is also required.
Psychosomatics in urology. Illustrated by
the case of a young woman with a request for
a cystectomy while suffering from a chron-
ic pollakiuria, this paper explains the impor-
tance of good interdisciplinary collabora-
tion for evidence-based, guideline-orient-
ed medical treatment. The patient’s suffering
and urge for removing the bladder was con-
trasted by a lack of medical indication for sur-
gery and the principle of proportionality. The
essay gives insight into the discipline of psy-
chosomatic medicine, somotoform disorders
found in urology and, especially, the symp-
toms of pollakiuria and overactive bladder.
Conclusion. The case illustrates the impor-
tance of timely and simultaneous medical
and psychosocial diagnostics for the treat-
ment outcome in patients with unspecific
physical complaints. Treatment recommen-
dations for patients with somatoform com-
plaints in clinical practice are provided.
Keywords
Somatoform disorders · Psychosomatic
disorders · Urinary bladder, overactive ·
Urinary tract infections · Polyuria
3
Der Urologe X · 2014
|
10 Jahren als Verkäuferin tätig. Typischer-
weise sei der Harndrang hier so stark aus-
geprägt, dass sie stündlich zur Toilet-
te müsse. Eine Einflussnahme durch ge-
ringere Flüssigkeitszufuhr und diäte-
tische Maßnahmen sei ihr nicht g-
lich. Zudem verstärke Stress durch häu-
fige oder unfreundliche Kundenkontak-
te den Harndrang. Auffällig sei zudem
eine Minderung der Symptome bei Ab-
wesenheit der Vorgesetzten. Im häusli-
chen Umfeld und während sie im Urlaub
sei, zeige sich eine temporäre Beschwer-
deremission. Biografisch berichtet die Pa-
tientin über einen strengen elterlichen Er-
ziehungsstil, welcher damit einhergehen-
de Abgrenzungsprobleme andeutet. Die
Nachfrage bezüglich besonderer Belas-
tungen, Depressionen oder Ängste ver-
neint sie mit dem Verweis, ihre Lebens-
qualität sei allein durch die körperliche
Symptomatik stark eingeschränkt. Da alle
bisherigen Behandlungsversuche erfolglos
gewesen seien, hoffe sie nun auf eine end-
gültige Besserung durch die Operation.
Ein normaler organischer Befund sei ihr
unverständlich, eine psychische Mitursa-
che der Beschwerdesymptomatik habe sie
bisher nicht erwogen.
Somatoforme Störungen
im klinischen Alltag
Dass Patienten weder vollständig in ein
organisches noch in ein psychisches
Krankheitsmodell passen, ist typisch für
somatoforme Störungen. Dabei ist kenn-
zeichnend, dass die Patienten ihre körper-
lichen Symptome wiederholt und hartnä-
ckig darbieten und trotz negativer Be-
funde immer neue oder bereits getätig-
te medizinische Untersuchungen einfor-
dern. In der Regel stehen die Betroffenen
der Möglichkeit einer psychischen Ursa-
che ihrer Erkrankung skeptisch oder ab-
lehnend gegenüber, was bei anhaltendem
Drängen der Patienten zu nicht indizier-
ten operativen Eingriffen führen kann.
Auch im Gespräch mit der Patientin
gelang es dem psychosomatischen Kon-
siliarius nicht, die Patientin von einer
psychischen Mitverursachung ihrer Be-
schwerden zu überzeugen. Auffällig war,
dass sich die Symptomatik gemäß dem
Bericht der Patientin in Situationen bes-
serte, in denen sie die Entscheidung, auf
die Toilette zu gehen, stärker kontrollieren
konnte oder mehr subjektiv empfunde-
nem Stress ausgesetzt war. Damit lässt sich
eine dysfunktionale Stressverarbeitung
vermuten. Die biographischen Erhebun-
gen lassen eine erste psychotherapeuti-
sche Arbeitshypothese zu, dass ihre Sym-
ptomatik in Zusammenhang mit einer
Schwierigkeit steht, sich in Beziehungen
und gegenüber Autoritäten abzugrenzen.
Die Patientin erklärte sich trotz anhalten-
der Skepsis nach Aufklärung über mögli-
che psychosomatische Ursachen am En-
de der Erhebung motiviert, eine stationäre
Psychotherapie durchzuführen. Der Auf-
enthalt auf der urologischen Station wird
unter der Diagnose der psychogenen Pol-
lakisurie beendet.
Insofern sich psychische Spannungs-
zustände dysfunktional auf das Zusam-
menspiel der Blasen- und der Beckenbo-
denmuskulatur auswirken, können sie als
Affektäquivalente aufgefasst werden [23].
Neuere Studien zeigen den Einfluss
von Umweltfaktoren auf die Ausprägung
der Pollakisurie [33] sowie den Effekt von
Placebos auf die Miktionsfrequenz bei
OAB [20]. Dies demonstriert zusätzlich,
dass eine invasive Therapie nur in schwe-
ren Fällen und nur als letzter Schritt nach
einer erfolglosen umfassenden konserva-
tiven Therapie durchgeführt werden soll-
te. Zudem wurden Zusammenhänge zwi-
schen biografischen Traumatisierungen,
Schmerzempfinden und der Entwicklung
entsprechender Symptome nachgewiesen
[21]. Es gibt eine hohe Komorbidität mit
Angsterkrankungen [29]. Neben der me-
dikamentösen Behandlung und Entspan-
nungsverfahren ist die Psychotherapie
dementsprechend ein zentrales Behand-
lungselement [18, 24].
Nachtrag zum Fall
Nach einer stationären psychosomati-
schen Intervallbehandlung (4 und 6 Wo-
chen) stellte sich die Patientin erneut in
der psychosomatischen Ambulanz vor. Sie
berichtete, dass es zu einer deutlichen Re-
duktion der Beschwerden gekommen sei
(Reduktion der Miktionshäufigkeit von
14- auf 7-mal/Tag). Besonders das syste-
matische Führen eines Miktionstagebu-
ches und die psychotherapeutischen Ein-
zelgespräche seien hilfreich gewesen. Sie
erlangte einen ersten Zugang zu den Emo-
tionen, die den Beschwerden zugrunde
liegen und lernte, eine gefüllte Blase von
einer „Stressblase“ zu differenzieren. Eine
weiterführende ambulante Psychothera-
Reizblase
(psychogen)
Infektionen der
ableitenden Harnwege
Verminderung der
Blasenkapazität
Dauerkatheterisierung
Stresssituationen
(kruzfristig)
Schwangerschaft
Pollakisurie
OAB dry
OAB wet
OAB
Imperativer
Harndrang
Drang-
inkontinenz
Abb. 2 8 Symptomkomplex der OAB mit Ursachen der Pollakisurie
4
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Der Urologe X · 2014
Übersichten
pie mit dem Ziel der weiteren Symptom-
besserung war geplant.
Fazit für die Praxis
Bei allen unklaren Körperbeschwerden
sollten eine somatische und psychosozia-
le Diagnostik frühzeitig parallel erfolgen
(Simultandiagnostik). Zu vermeiden sind
redundante Untersuchungen, das vor-
schnelle Mitteilen organischer Verdachts-
diagnosen, das Interpretieren von Baga-
tell- und Zufallsbefunden oder das Ver-
schreiben von Medikamenten trotz zwei-
felhafter Diagnose. Meist können Patien-
ten nur dann ausreichend motiviert wer-
den, sich auf eine mögliche Psychogene-
se ihrer Beschwerden und auf eine Psy-
chotherapie einzulassen, wenn ihnen
glaubhaft gemacht werden kann, dass
organisch umfassend und abschließend
untersucht wurde und sie die Handlun-
gen der beteiligten Ärzte diesbezüglich
als konsistent erleben. Wichtig ist, dass
die psychogenen Beschwerden nicht ba-
gatellisiert oder negativ konnotiert wer-
den, beispielsweise „Sie haben eigentlich
nichts“ oder „Es ist nur psychisch. Dabei
hilft das Wissen, dass es den somatofor-
men Störungen immanent ist, dass be-
troffene Patienten trotz negativer Be-
funde hartnäckig medizinische Untersu-
chungen einfordern und sie einer mög-
lichen Psychogenese skeptisch gegen-
überstehen. Sie haben in der Regel kei-
nen Zugang zu den zugrunde liegenden
psychischen Ursachen.
Eine ärztliche Haltung, bei der es ge-
lingt, den Patienten in seinen körperli-
chen Beschwerden ernst zu nehmen, ihn
in seiner Belastung zu bestätigen, ohne
schnelle Lösungen anzubieten und da-
bei zugleich empathisch souverän psy-
chische Ursachen in Erwägung zu ziehen,
erweist sich meist als nützlich. Von we-
sentlicher Bedeutung ist eine gute Kom-
munikation zwischen den unterschied-
lichen Behandlern. Der gute Verlauf der
beschriebenen Fallstudie ist das Ergebnis
einer dergestalt intensivierte Auseinan-
dersetzung der Urologie mit somatofor-
men Aspekten.
Korrespondenzadresse
Dr. A. Kuffel
Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie,
Krankenhaus Spremberg,
Karl-Marx Straße 80, 03130 Spremberg
Anja.Kuffel@gmx.de
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt. A. Kuffel, K.P. Kapitza, B. Löwe, E.
Eichelberg und A. Gumz geben an, dass kein Interes-
senkonflikt besteht.
Dieser Beitrag beinhaltet keine Studien an Menschen
oder Tieren.
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Der Urologe X · 2014
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... As the therapy for nonmonosymptomatic enuresis incorporates strategies used for daytime incontinence and monosymptomatic enuresis. After excluding underlying medical conditions and undertaking an appropriate evaluation to exclude relevant comorbid conditions, the ICCS recommends a stepwise approach to treating monosymptomatic enuresis [3]. ...
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Nocturnal enuresis is defined as nighttime bedwetting in children five years of age or older in the absence of neurological or structural problems affecting the bladder. A wide variety of interventions are used to treat nocturnal enuresis include simple behavioral intervention, enuresis alarm, and pharmacological treatment—the aim of the study to assess the management of nocturnal enuresis in children. A prospective cross-sectional study included 150 children attend the advanced diagnostic center. Data collected by direct interview questionnaire was tested –coded and analyzed by SPSS version 20 in tables and graph &excel. The result of this study showed that the highest treatment adopted was simple-cognitive behavioral therapy (87%), with the highest (94.7%) of patient surveyed adopted lifting and awaking technique,(38%) of patient surveyed have taken imipramine, (26%) of patient surveyed have taken 75mg dose of imipramine, (37%)of patients surveyed had a full response from imipramine therapy. The study showed that the first-line treatment that is needed is simple-cognitive behavioral therapy with instruction regarding diet and fluids, and it is very useful. The main drug was used in the treatment of nocturnal enuresis is imipramine with a dose of 75mg.
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Objectives: To assess the occurrence of selected lower urinary tract symptoms in the population of patients with neurotic and personality disorders. Methods: This was a retrospective analysis of occurrence, co-existence and severity of two selected lower urinary tract symptoms in 3,929 patients in a day hospital for neurotic disorders. The KO "O" symptom checklist was used to measure the study variables. Results: Although the symptoms associated with micturition are not the most prevalent symptoms of neurotic disorders, neither are they the most typical ones, the prevalence of urinary frequency referring to the last week before psychotherapy evaluated among the patients of a day hospital, was approximately 50%. Involuntary micturition, a symptom with a significant implication on the self-esteem and social functioning was much less common; it was reported by approximately 5% relatively healthy and young group of patients. Major bother from urinary frequency was reported by 9-14% of patients, whereas from involuntary micturition by only 0.6%-1% of the surveyed patients. Conclusions: Selected urological symptoms seem to be prevalent among the patients with neurotic and personality disorders, and are independent of the specific diagnosis or patients' gender. Their co-existence with other symptoms of neurotic disorders reported by the patients indicates their strongest relationship with the somatoform, dissociative, sexual and agoraphobic disorders.
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Background: Nocturnal enuresis, often called bedwetting or sleep wetting, is a common problem in children after the age of five and may lead to symptoms such as infection, incontinence and frequent urination. This problem refers to a state in which children after the age of five have no control of their urine for six continuous months and it cannot be attributed to any organic factors or drug use. Objectives: In this study we aimed to study generalized anxiety disorder as one of the possible causes of primary nocturnal enuresis. Materials and methods: In this case-control study 180 children with primary nocturnal enuresis and same number of healthy children with a mean age of 7 - 17 years old with the same demographic characteristics were selected. The study took place at Amir Kabir hospital of Arak, Iran during year 2014. After collecting the information, diagnosis was verified based on the diagnostic and statistical manual of mental disorders (DSM) IV-TR criteria. Results were analyzed using the SPSS software (IBM Corp. Released 2011. IBM SPSS Statistics for Windows, version 20.0. Armonk, NY: IBM Corp.). Results: Frequency of generalized anxiety disorder, panic disorder, school phobia, social anxiety, separation anxiety, history of anxiety in mother, history of primary nocturnal enuresis in parent's family and body mass index had a significant difference between the two groups (P = 0.005). Conclusions: With the results obtained from this study we could say that there was a clear significant difference between the two control and patient groups for all subgroups of anxiety disorders such as generalized anxiety disorder and their relationship with primary nocturnal enuresis. Given the higher prevalence of generalized anxiety disorder, panic disorder, school phobia, social anxiety, separation anxiety and comparison with healthy children, it is recommended for all children with primary nocturnal enuresis to be investigated and treated for generalized anxiety disorder.
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This paper reviews current concepts of psychogenic urinary dysfunction (PUD) in children and adults from a uro-neurologist’s point of view. Although it is not common in urodynamic practice, PUD is an important category that all urologists have to consider. Regarding urologic aspects, PUD is basically a diagnosis of exclusion, particularly from urologic, gynecologic, and neurologic causes. In our patients, the characteristics of lower urinary tract symptoms in PUD are the situational occurrence of overactive bladder and/or difficult urination and, in some patients, extremely infrequent toileting. The characteristics of urodynamics in PUD are increased bladder sensation during bladder filling and underactive/acontractile detrusor during voiding. Regarding neuropsychiatric aspects, PUD is usually accompanied by more obvious psychologic/psychiatric features. In fact, the majority of our patients had hysterical neurosis/conversion disorder and anxiety disorders. Alteration in both emotion and micturition under such conditions most probably originates from the brain, which may reflect functional alteration in γ-aminobutyric acid (GABA)ergic, serotonergic, and corticotropin-releasing factor (CRF)ergic neuronal circuits. In addition, even in cases suggestive of PUD, a possible non-PUD pathology behind the symptoms should always be explored.
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Die Psychosomatische Medizin beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen körperlichen, seelischen und sozialen Prozessen, die in der Entstehung, im Verlauf und der Bewältigung von Krankheiten eine Rolle spielen. Psychosomatisches Know-how ist deshalb für alle klinischen Fächer von Bedeutung! Der bewährte „Fritzsche/Wirsching“ gibt eine knappe, anschauliche und praxisnahe Einführung in das spannende Fach: Die Autoren beschreiben die psychosomatische Medizin ohne Umschweife, konzentrieren sich auf das Wichtigste. Schwerpunkt bilden die einzelnen Krankheitsbilder und die Praxis der Gesprächsführung. Die zweite Auflage wurde sorgfältig überarbeitet, vollständig aktualisiert und bietet einiges Neues: Neue Kapitel, z.B. „Klassifikation und Diagnostik psychischer Störungen“, „Sexuelle Funktionsstörungen“ und „Schlafstörungen“ ergänzen den Inhalt; wo möglich, wurden Ausblicke auf die kommende ICD-11-Klassifikation angebracht. Realitätsnahe Fallbeispiele helfen, den Bogen in den ärztlichen Arbeitsalltag zu spannen, und neu hinzugekommene Übungsfragen erleichtern den zuverlässigen Wissenscheck! Das Buch folgt dem Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM) und eignet sich zur Vorbereitung auf das Praktikum und die damit verbundenen Prüfungen sowie das Staatsexamen. Aber auch Ärzten in Klinik und Praxis dient es als gut lesbarer Leitfaden. Die Autoren Prof. Dr. med. Kurt Fritzsche, Prof. Dr. med. Michael Wirsching, Zentrum für Psychische Erkrankungen, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Freiburg
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Purpose: We reviewed the current literature on mechanisms involved in the pathogenesis of prostatitis/chronic pelvic pain syndrome (CPPS). Materials and methods: A literature review for the years 1966 to 2003 was performed using the MEDLINE database of the United States National Library of Medicine. Results: National Institutes of Health categories I and II prostatitis result from identifiable prostatic infections, whereas patients with category IV are asymptomatic. The majority of symptomatic cases are category III or chronic prostatitis (CP)/CPPS. The etiology of CP/CPPS is unknown. The traditional marker of inflammation, namely white blood cells in prostatic fluids, does not correlate with the predominant symptom of pelvic pain. An imbalance toward increased proinflammatory and decreased anti-inflammatory cytokines has been implicated and a few studies have shown some correlation of this with pelvic pain. The imbalance in some men may result from polymorphisms at the cytokine loci. An autoimmune process may be involved and experimental evidence indicates that this can be under hormonal influence. Recent findings include possible defects in the androgen receptor. The prostate may not even be the source of the symptoms. Pelvic pain also correlates with the neurotrophin nerve growth factor implicated in neurogenic inflammation and central sensitization. Finally, psychological stress may produce measurable biochemical changes and influence the other processes. The role of normal prostatic bacterial flora in inciting the inflammatory response has also been reconsidered. Conclusions: The symptoms of CP/CPPS appear to result from an interplay between psychological factors and dysfunction in the immune, neurological and endocrine systems.
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Chronic pelvic pain is pain lasting longer than 6 months and is estimated to occur in 15% of women. Causes of pelvic pain include disorders of gynecologic, urologic, gastroenterologic, and musculoskeletal systems. The multidisciplinary nature of chronic pelvic pain may complicate diagnosis and treatment. Treatments vary by cause but may include medicinal, neuroablative, and surgical treatments.
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Psychosomatics is a branch of medical science dealing with biopsychosocial interactions in the origin, course and treatment of human illnesses. In the biopsychosocial model the patient is considered in its entirety. In the practice of urologists the proportion of patients with psychosomatic clinical symptoms varies between 15 and 50%. The main focus is on somatoform autonomous dysfunctions. The main symptom involves the fact that often persisting complaints cannot be explained by suitable physical findings. The anatomical characteristics of the urogenital tract and the resultant three functional levels, production, reproduction and desire, explain the susceptibility to psychological participation. Besides the exclusion of inflammatory, obstructive or malignant illnesses, the diagnostics relies on an anamnesis interview in terms of the basic psychosomatic therapy. The treatment is individual and multimodal in cooperation with physiotherapists and psychotherapists.
Chapter
Die psychotherapeutische Behandlung unterschiedlicher psychischer Störungen gestaltet sich im Hinblick auf die therapeutische Beziehung und Zusammenarbeit sehr verschiedenartig.