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Kommentare zur Biologie, Verbreitung und Gefährdung der Pflanzenwespen Deutschlands (Hymenoptera, Symphyta)

Authors:
  • Senckenberg German Entomological Institute, Müncheberg
  • Ewald Altenhofer, 3920 Etzen 39, Austria

Abstract

Zusammenfassung Es wurden zu den in Deutschland nachgewiesenen Pflanzenwespenarten Angaben zu den Futterpflanzen zusammen-gestellt. Weiterhin erfolgt eine Einschätzung der Gefährdungssituation der Arten in Deutschland. Abstract Host plant data are compiled for the recorded German sawflies. The Situation of endangered species is evaluated.
Kommentare zur Biologie, Verbreitung und Gefährdung der
Pflanzenwespen Deutschlands
(Hymenoptera, Symphyta)
Andreas TAEGER, Ewald ALTENHOFER, Stephan M. BLANK, Ewald JANSEN, Manfred KRAUS,
Hubert PSCHORN-WALCHER, Carsten RITZAU
Zusammenfassung
Es wurden zu den in Deutschland nachgewiesenen Pflanzenwespenarten Angaben zu den Futterpflanzen zusammen-
gestellt. Weiterhin erfolgt eine Einschätzung der Gefährdungssituation der Arten in Deutschland.
Abstract
Host plant data are compiled for the recorded German sawflies. The Situation of endangered species is evaluated.
Einleitung
Im Zusammenhang mit der Erstellung der Roten Liste der Pflanzenwespen Deutschlands wurde
deutlich, daß eine derartige Liste nur dann als Entscheidungshilfer Naturschutzfragen dienen
kann, wenn zum einen die Ursachen der Gefährdung bekannt sind, und zum anderen die
Möglichkeiten zur Beseitigung dieser Gefährdungsursachen offengelegt werden. Im Rahmen
der Bearbeitung der Roten Liste Deutschlands war
es
aus Platzgründen nicht möglich, auf diese
Problematik artbezogen einzugehen. Mit der hier vorgelegten Liste wird versucht, die Futter-
pflanzenangabenr alle deutschen Arten aus der umfangreichen Literatur kritisch zu sichten.
Weiterhin werden Erfahrungen der Autoren zusammengefaßt, die bislang zumindest teilweise
unpubliziert waren.
Die vergleichweise geringe Zahl von Spezialisten, die sich mit den Pflanzenwespen beschäftigt,
birgt die Gefahr, daß die Einschätzung der Gefährdungssituation einzelner Taxa aufgrund des
mangelnden Wissensstandes genaueren Überprüfungen nicht standhalten wird. Es wird trotz-
dem nicht darauf verzichtet, diese Bemerkungen den Arten beizufügen, um zumindest zur
Diskussion herauszufordern. Zahlreiche Arten blieben ohne ergänzende Bemerkungen. Hierbei
handelt es sich um sehr seltene bzw. taxonomisch problematische Taxa, von denen definitiv
nichts bekannt ist.r die häufigen Arten wurde oft auf eine Kommentierung verzichtet. Die
bekannten Futterpflanzen sind jedoch auch bei diesen aufgelistet.
Die Rote Liste Deutschlands unterscheidet sich wesentlich von älteren Roten Listen
der Symphyta (RÜHL, 1982; KRAUS, 1992;
TAEGER,
1992;
JÄNICKE,
1993;
JANSEN, 1995)1. Im
Vergleich zur ersten Roten Liste Deutschlands (RÜHL, 1982) hat sich die Datenbasis zur
Einschätzung der Bestandessituation aufgrund der zeitgleich erstellten Checkliste deutlich
verbessert. Das führte im Extremfall dazu, daß Pachyprotasis simulans, der 1982 noch als
verschollen galt, heute als ungefährdet eingeschätzt
wird.
Die offensichtlichsten Änderungen in
den Kategorien resultieren daraus, daß in früheren Listen, bewußt oder unbewußt, Seltenheit als
ein wesentliches Argumentr die Einstufung herangezogen wurde. In vielen Fällen gibt
es
nur
einzelne, oft mehr oder weniger alte Nachweiser die Arten. Teilweise ist dies sicherlich ein
Die folgenden Abschnitte wurden teilweise in leicht veränderter Form aus der Einleitung zur Roten Liste
Deutschlands
(TAEGER
et al., 1998) übernommen, um die praktische Arbeit mit der hier folgenden Liste
unabhängig von der Roten Liste zu ermöglichen.
Auszug aus:
Taeger, A.; Blank, S. M. 1998 (Hrsg.): Pflanzenwespen Deutschlands (Hymenoptera,
Symphyta). Kommentierte Bestandsaufnahme. - Goecke & Evers, Keltern, 364 + 3 S.,
8 Farbtafeln (© A. Taeger & S. M. Blank, 1998)
50 A.
TAEGER
et al.: Kommentare zur Biologie, Verbreitung und Gefährdung
Resultat der geringen Anzahl der Bearbeiter, manchmal wohl auch eine Folge unspezifischer
Sammelmethodik. Seltenheit an sich findet im Rahmen der neuen Roten Liste höchstens als
unterstützendes Kriterium Berücksichtigung. Die Kategorie 0 wurde besonders kritisch be-
wertet. Ein formal fehlender Nachweis über einen bestimmten Zeitraum (20 Jahre) wurde nicht
als alleiniges Kriterium akzeptiert. Vielmehr wurde auch die Frage der praktischen Nach-
weisbarkeit mit berücksichtigt. In die Kategorie 0 wurden nur Arten gestellt, die früher in
Deutschland nachgewiesen worden sind,
heute
jedoch fehlen, obwohl sie aktuell im angrenzen-
den Ausland gefunden werden. Da somit das Verhalten dieser Arten und Methoden zu ihrem
Nachweis bekannt sind, kann davon ausgegangen werden, daß sie in Deutschland auch später
noch gesucht, aber nicht mehr gefunden wurden. Extrem seltene Arten wie
z.
B. der aus Mittel-
und Südosteuropa bekannte, auffällige
Pamphilius norimbergensis
wurden nicht in die Katego-
rie 0 gestellt, da die wenigen Nachweise eher zufälligen Charakter haben. In derartigen Fällen
wurde die Kategorie D gewählt, da mit (ebenfalls zufälligen) Neufunden gerechnet werden
kann.
Viele der Arten, die in den älteren Listen in den Kategorien 1-4 eingeordnet sind, finden sich in
der aktuellen Fassung der Roten Liste unter
„D"
wieder. Es handelt sich hierbei meist um Taxa,
die nur relativ selten gefunden werden. Die Kenntnis der ökologischen Ansprüche dieser Taxa
ist jedoch oft derartig lückenhaft (in manchen Fällen sind nicht einmal die Futterpflanzen der
Larven bekannt), daß eine reale Einschätzung der Gefährdungssituation nicht möglich ist. Die
Kategorie D beinhaltet dadurch die größte Artenzahl. Es könnte so der falsche Eindruck
entstehen, daß sich die Gefährdungssituation der Symphyta deutlich entspannt hätte. Dies ist
sicher nicht der Fall, eine Gefährdung dieser Arten ist oft anzunehmen. Die Feststellung von
Arten der Kategorie D sollte zum Anlaß genommen werden, die entsprechenden Lebensräume
genauer zu untersuchen und möglichst zu erhalten,
da bis
zum Beweis des Gegenteils prinzipiell
davon ausgegangen werden muß, daß es sich bei diesen Arten um gefährdete Taxa handelt.
Etwa 220 Pflanzenwespenarten werden mit
dem
jetzigen Wissen als nicht gefährdet angesehen,
darunter auch zahlreiche seltenere Arten. Etwa 60 Arten sind allgemein verbreitet und häufig
und gelten als definitiv ungefährdet.
Die Umweltanforderungen der Pflanzenwespenarten sind bisher nurr wenige Arten
(meist Pflanzenschädlinge) detailliert untersucht worden. Die Wirtspflanzen stellen nur einen,
wenn auch wesentlichen, Faktorr
das
Vorkommen der Arten dar. Das Wirtspflanzenspektrum
umfaßt neben den Blütenpflanzen auch Koniferen, Farne, Moose und Schachtelhalme. Die
meisten Arten sind mono- bzw. oligophag, d. h. auf eine Wirtspflanzenart bzw. -gattung
beschränkt. Ausgesprochen polyphage Arten sind eher die Ausnahme. Nur selten ist
es
möglich,
den Rückgang bzw. die Gefährdung von Pflanzenwespen unmittelbar mit dem Rückgang der
Wirtspflanzen in Zusammenhang zu bringen. Das Vorkommen einer Pflanzenart läßt keines-
wegs den automatischen Rückschluß auf
das
Vorkommen der daran gebundenen Symphyta zu.
Häufig scheinen das Mikroklima, der physiologische Zustand der Futterpflanzen und weitere,
oft nicht klar erkennbare, komplexe Bedingungenr die An- oder Abwesenheit der Arten
entscheidend zu sein. Aus diesem Bewußtsein heraus ist es oft notwendig, sich auf empirisches
Wissen zu stützen.
Die allgemeine Erkenntnis, daß sich der Schutz der Arten nur über den Schutz der Lebensräume
verwirklichen läßt, mußr die Pflanzenwespen unterstrichen werden. Wegen der Flugaktivität
der Imagines ist von deren Aufenthaltsort nicht unbedingt auch auf
den
Lebensraum der Larven
zu schließen. Vielmehr ist bei vielen Arten eine deutliche Trennung dieser Lebensräume zu
beobachten. Die Imagines solcher Gattungen wie
Tenthredo,
Macrophya
oder Arge finden sich
oft auf Blüten (meist Doldenblüten), während sich die Larven meist an völlig anderen Pflanzen
entwickeln. Hier ist die Notwendigkeit mosaikartiger Strukturen (unterschiedliche Habitate auf
Pflanzenwespen Deutschlands - Biologie 51
relativ engem Raum) sehr wahrscheinlich eine Voraussetzungr das Vorkommen der Arten,
ihr Lebensraum ist insofern nicht einfach auf einen bestimmten Typ zu reduzieren. Wenn
trotzdem der Versuch gemacht werden soll,r die Lebensräume der Symphyta bestimmte
Schwerpunkte anzugeben, ergibt sich folgendes:
Die meisten Pflanzenwespen finden sich in vegetationsreichen Feuchthabitaten. Die ent-
sprechenden Arten sind oft weit im nördlichen Bereich der Paläarktis verbreitet
(z.
B. „boreale"
Arten).
Deutlich weniger Arten, wahrscheinlich unter 20% der heimischen Symphyta, bevor-
zugen Xerothermstandorte. Diese Taxa sind häufig in Süd- bzw. Südosteuropa weiter verbreitet
und erreichen in Deutschland ihre nördliche Verbreitungsgrenze oder bilden hier nur kleinere
Inselvorkommen (z. B. „ponto-mediterrane" Arten). Die meisten Pflanzenwespenarten, die als
mehr oder weniger bedroht angesehen werden, leben auf Feuchtflächen oder Trockenrasen.r
einige Arten ist die großflächige landwirtschaftliche Intensivierung als unmittelbare Gefähr-
dungsursache zu nennen. Mittlerweile müssen unter Umständen einige Arten als gefährdet
gelten, die einst in der Literatur als Obstbauschädlinge genannt wurden (z. B. Hoplocampa
testudinea
* S. 89,
Neurotoma
saltuum,
* S. 100; vgl. PSCHORN-WALCHER 1982).
Viele Pflanzenwespen sind an Feldgehölzen und Gebüschsäumen zu finden. Die Bedeutung
dieser Strukturenr die Artenvielfalt scheint sehr groß zu sein, doch wurde sie noch nicht
genauer untersucht. Eventuell haben eigentlich silvicole Arten hier Refugien gefunden. Die
Kenntnisse über die in Wäldern lebenden Arten sind jedenfalls noch mangelhaft, da das Ange-
bot an relativ ursprünglichen Wäldern in Deutschland sehr gering ist. Die meist artenarmen
Forste können hier nur bedingt zu Erkenntnissen über die silvicole Pflanzenwespenfauna
beitragen.
Oft auftretende kurz- bis langfristige Abundanzschwankungen von Pflan-
zenwespenpopulationen erschweren oft die Einstufung in eine Kategorie der Roten Liste
wesentlich. Derartige Schwankungen wurden etwa bei Orussus abietinus beobachtet, der
jahrzehntelang in Deutschland nicht nachgewiesen wurde, 1993-1994 jedoch gleichzeitig an
verschiedenen Stellen, in teilweise individuenstarken Populationen beobachtet
wurde.
Seit 1995
wurde
O.
abietinus
nur 1998 in Hessen noch einmal gefunden
(S.
SCHULMEISTER, pers. Mitt.),
ist jedoch mit Sicherheit in einem „eisernen Bestand" auch an weiteren Orten vorhanden. Die
Ursachenr das scheinbar spontane Auftauchen und Verschwinden sind unklar. In den
vergangenen Jahren wurden einige Arten häufiger nachgewiesen, die vorwiegend trocken-
warme Habitate besiedeln
(z.
B.
Elinora
flaveola,
Elinora
dominiquei,
Macrophya
teutona).
Im
Gegenzug befinden sich wenigstens in niederen Lagen Arten auf dem Rückzug, die kühl-
feuchte Habitate bevorzugen (z. B.
Tenthredo
olivacea,
Tenthredopsis
tarsata).
Diese Häufig-
keitsschwankungen hängen wahrscheinlich wesentlich von der Witterung ab, weshalb sie bei
der Bewertung gegenüber längerfristigen Tendenzen in den Hintergrund treten. Im Fall der
genannten Elinora-Arten ist es zusätzlich denkbar, daß diese in Ostdeutschland durch die
großflächigen landwirtschaftlichen Brachen gefördert werden, die dort nach 1990 entstanden.
Nach eigenen Beobachtungen (HP, MK) sind viele Blattwespenarten seit den 50er Jahren
deutlich seltener geworden, ohne daß hier gesicherte quantitative Angaben gemacht werden
können. Qualitative Aussagen sind jedoch möglich: An vielen Orten in Nordbayern, wo man
vor 40 Jahren mühelos weit über 100 Larven diverser Arten sammeln konnte, trifft man heute
nur noch wenige Arten an. Hervorzuheben sind besonders die kaum zu übersehenden, gregär
lebenden Arten aus den Gattungen
Craesus,
Pristiphora und
Nematus,
deren Dichte offenbar
stark zurückging.
Ein wesentlicher Grundr den Artenrückgang liegt in den komplexen, nachhaltigen
Veränderungen der Umwelt in diesem Zeitraum. Es handelt sich um einen schleichenden
Prozeß, klare Einschnitte sind meist nicht erkennbar. Die wesentlichsten Eingriffe sind wahr-
52 A.
TAEGER
et al.: Kommentare zur Biologie, Verbreitung und Gefährdung
scheinlich Bach- und Flußregulation, Meliorierung von Feuchtwiesen, Trockenlegung von
Mooren, Rodung von Gebüschen und Hecken, Waldrandbegradigungen, Aufforstung von
Grenzertragsböden, Düngung von Magerwiesen, Nutzung von wertvollen Landschaftselemen-
ten durch Verbauung sowie die Intensivierung der Landwirtschaft. Die Summe dieser Eingriffe,
die durch das Pflanzen einiger, oft nicht einmal einheimischer bzw. autochthoner Bäume,
dünner Hecken oder sogenannter „Bodendecker" kaschiert werden soll, istr den Rückgang
der Arten verantwortlich zu machen. Die strukturelle Verarmung der Kulturlandschaft und
deren Auswirkung auf die Pflanzenwespenfauna ist, wenn auch regional unterschiedlich stark,
klar festzustellen. Die Zahl günstiger Lebensräume ist hierdurch gravierend eingeschränkt
worden. Das spiegelt sich nicht oder nur bedingt in den Sammlungen wider, da die Bearbeiter
der Gruppen (das gilt nicht nurr
die
Pflanzenwespen) verstärkt in den übriggebliebenen, mehr
oder weniger intakten Lebensräumen suchen. Hierdurch kann leicht ein verfälschtes Bild der
gesamten Bestandesentwicklung entstehen, das kritisch bewertet werden muß. Es ist mit
Sicherheit nicht möglich, die Artenvielfalt lediglich durch ein Netz von Landschafts- und
Naturschutzgebieten zu erhalten, zumal es über die Ansprüche der Insekten an vernetzte
Komplexe von Teillebensräumen und erforderliche Arealgrößen kaum anwendbare Kenntnisse
gibt.
Aufbau der Liste
Neben den Artnamen (Gattung und Art in alphabetischer Folge) wird eine Einschätzung der
Häufigkeit und der eventuellen Gefährdung des Taxons (Einstufungen in die Roten Listen)
gegeben:
Gattung
Art
AUTOR,
Jahr Häufigkeit RLD Br St Sa Th By
Im
Kleindruck
folgen Angaben zu den Futterpflanzen. Danach werden oft ergänzende Bemerkun-
gen zu den Arten angefügt.
Es wurde versucht, die Futterpflanzenangaben zu sichten und zusammen-
zufassen. Bei diesem Vorhaben wurden zahlreiche Probleme deutlich, die kurz aufgelistet
werden sollen:
Schon die Definition der „Futterpflanze" stößt auf verschiedene Schwierigkeiten: Problemlos
ist sie, wenn sich sowohl Eiablage als auch Larvalentwicklung an der gleichen Pflanze voll-
ziehen. Es gibt allerdings durchaus Beispiele, wo dies nicht der Fall ist. So kommt es vor, daß
Larven unter Zuchtbedingungen dazu gebracht werden können, Pflanzen anzunehmen, die sie
unter Normalbedingungen nicht fressen würden. Ähnliche Situationen können im Freiland
auftreten, wenn Larven von ihren Futterpflanzen (z. B. Bäumen) fallen, und notgedrungen
andere Pflanzen fressen, da die ursprüngliche Pflanze nicht mehr erreichbar ist (vgl. auch
«•*
S.
68).
In älteren Sammlungen liegen zum Beispiel gelegentlich abnorm kleine (dann oft auch
farblich und morphologisch mehr oder weniger abweichende) Imagines verschiedener
Cimbex-
Arten vor, die an ungewöhnlichen Futterpflanzen gezogen wurden
(<*
S. 201). Allerdings sind
den Imagines suboptimale Zuchtbedingungen nicht zwangsläufig anzusehen. Pflanzen, die
gewissermaßen nur als Notbehelf
dienten,
sollten möglichst keinen Eingang in das Verzeichnis
der Futterpflanzen des entsprechenden Taxons finden.
Es sind auch Fälle bekannt, in denen die Imagines die Eier in Pflanzen legen, die von den
Larven nicht gefressen werden. Bei
Dulophanes
morio (=
Nesoselandria
morio) etwa erfolgt
die Eiablage an zahlreiche höhere Pflanzen und Moose, während die Larven nur die Moose
fressen (vgl.
VIKBERG &
NUORTEVA, 1997).
Pflanzenwespen Deutschlands - Biologie 53
Gelegentlich gibt
es
Futterpflanzenangaben aus Quellen, die als verläßlich gelten, und trotzdem
einer Überprüfung nicht standhalten. Hier ist es am wahrscheinlichsten, daß den Züchtern
verschiedene Arten vorlagen. Fehlbestimmungen der Imagines oder bislang nicht unterschiede-
ne Taxa sind hierfür Erklärungsmöglichkeiten. Mit Fehlbestimmungen ist besonders innerhalb
der Nematinae zu rechnen, die vielen falschen Angaben innerhalb von
Pontania
und
Phyllocol-
pa mögen hierfür
als
Beleg dienen. Falsch bestimmte Futterpflanzen können eine weitere, wenn
meist auch weniger wahrscheinliche, Ursache sein.
Weitere Probleme sind nomenklatorischer Natur. Sowohl Pflanzen als auch Insekten sind von
sich ändernden Namen betroffen. Nicht selten findet in der Originalqueller beide ein heute
veralteter
Name
Anwendung. Futterpflanzenangaben können auch von ehemaligen Synonymen
herrühren, die im aktuellen System gar nicht mehr zur entsprechenden Art gehören, also
gewissermaßen „vergessen" wurden (z. B. Abies, Malus, Prunus).
In der Annahme, daß die Larven in der Regel auf den meisten Arten einer Pflanzengattung
vorkommen (z. B.
ENSLIN
1918), wurden in der Vergangenheit häufig nur die Gattungsnamen
angegeben. Oft ist nicht nachvollziehbar, ob der Gattungsnamer zahlreiche Vertreter der
Gattung oder nurr eine nicht näher bezeichnete Art der Gattung steht. Es gibt Fälle, in denen
sich der Gattungsumfang im Laufe der Zeit au