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Unterstützung überfachlicher Kompetenzentwicklung in Projekten mit E-Portfolio-Arbeit: ein „Reality-Check“ aus Studierendenperspektive

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Abstract

Im Augsburger Begleitstudium können Studierende der Universität Augsburg an Projekten außerhalb des eigenen Fachstudiums teilnehmen. Die in der Regel meh-rere Semester umspannende Projektarbeit der Studierenden wird dabei durch Port-folioarbeit ergänzt. In den E-Portfolios dokumentieren die Studierenden ihre Ar-beit. Sie reflektieren ihre Erfahrungen in den Projektgruppen sowie ihre persönliche Kompetenzentwicklung. Gleichzeitig dienen die Portfolios dazu, die extracurricu-calur erbrachte Projektarbeit als Studienleistungen formal anzuerkennen. Die Aner-kennung erfolgt durch ein prozessbegleitendes E-Portfolio sowie eine mündliche Abschlussprüfung in Form einer Präsentation mit anschließender Diskussion. In diesem Beitrag erörtern Projektmentorin Sandra Hofhues und Projektkoordinator Thomas Sporer mit den Studentinnen Ina Ertner, Eva Opitz, Verena Ott und Sarah Rohrer das für Für und Wider des Einsatzes von E-Portfolios im Begleitstudium. In Form eines Dialogs mit den Teilnehmerinnen am Begleitstudium werden die Chan-cen und Grenzen von E-Portfolios für die überfachliche Kompetenzentwicklung aus Studierendenperspektive beleuchtet.
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Ina Ertner, Eva Opitz, Verena Ott, Sarah Rohrer, Sandra Hofhues & Thomas
Sporer
Unterstützung überfachlicher Kompetenzentwicklung in Pro-
jekten mit E-Portfolio-Arbeit: ein „Reality-Check“ aus Stu-
dierendenperspektive
Zusammenfassung
Im Augsburger Begleitstudium1 können Studierende der Universität Augsburg an
Projekten außerhalb des eigenen Fachstudiums teilnehmen. Die in der Regel meh-
rere Semester umspannende Projektarbeit der Studierenden wird dabei durch Port-
folioarbeit ergänzt. In den E-Portfolios dokumentieren die Studierenden ihre Ar-
beit. Sie reflektieren ihre Erfahrungen in den Projektgruppen sowie ihre persönliche
Kompetenzentwicklung. Gleichzeitig dienen die Portfolios dazu, die extracurricu-
calur erbrachte Projektarbeit als Studienleistungen formal anzuerkennen. Die Aner-
kennung erfolgt durch ein prozessbegleitendes E-Portfolio sowie eine mündliche
Abschlussprüfung in Form einer Präsentation mit anschließender Diskussion.
In diesem Beitrag erörtern Projektmentorin Sandra Hofhues und Projektkoordinator
Thomas Sporer mit den Studentinnen Ina Ertner, Eva Opitz, Verena Ott und Sarah
Rohrer das für Für und Wider des Einsatzes von E-Portfolios im Begleitstudium. In
Form eines Dialogs mit den Teilnehmerinnen am Begleitstudium werden die Chan-
cen und Grenzen von E-Portfolios für die überfachliche Kompetenzentwicklung
aus Studierendenperspektive beleuchtet.
Sandra Hofhues: An der Universität Augsburg kommen E-Portfolios im Begleit-
studium Problemlösekompetenz zum Einsatz. Bevor wir genauer über die Portfo-
lioarbeit sprechen können, interessiert mich, an welchen Projekten ihr eigentlich im
Begleitstudium teilgenommen habt. Um was geht es in den Projekten und was habt
ihr dort gemacht?
Sarah Rohrer: Mein Begleitstudium habe ich bei „Blickpunkt Campus“ absolviert.
Blickpunkt Campus das ist Fernsehen von Studenten für Studenten. Jedes Seme-
ster wird von dieser Projektgruppe eine halbstündige Fernsehsendung mit Themen
rund um das Thema „Studieren in Augsburg“ produziert. Schon seit dem dritten
Semester bin ich festes Redaktionsmitglied bei Blickpunkt Campus und übernehme
seither fernsehjournalistische Tätigkeiten, d.h. die Konzipierung und Umsetzung
1 www.begleitstudium-problemloesekompetenz.de
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eines eigenen Beitrags zu einem interessanten Thema, sowie die aktive Teilnahme
an den Redaktionssitzungen. So habe ich jedes Semester zusammen mit meinem
Team einen eigenen Beitrag produziert. Von der Recherche zur Konzipierung bis
hin zur technischen Umsetzung und Postproduktion alles wird von den Studie-
renden alleine bewerkstelligt. Eine besondere Erfahrung war auch die Moderation
der Sendung, die ich zusammen mit einem Kommilitonen übernehmen durfte.
Ina Ertner: Ich habe mein Begleitstudium bei Kanal C, dem Augsburger Campus-
radio absolviert. Kanal C ist ein durch die Bayerische Landesmedienzentrale
(BLM) gefördertes Aus- und Fortbildungsprogramm mit drei Stunden Sendung pro
Woche. Die Sendung wird auf der Frequenz von Radio Fantasy, einem bekannten
Lokalsender, ausgestrahlt. Hauptzielgruppe sind Studierende, aber auch universi-
tätsferne Augsburger verfolgen die Sendung regelmäßig. Zunächst war ich als Re-
dakteurin in den Ressorts Kultur und Hochschulpolitik tätig, erlernte die Bedienung
der Produktions- und Aufnahmetechnik sowie den Umgang mit Interviewpartnern.
Mit der Zeit verinnerlichte ich somit die wichtigsten Prozesse des Mediums Radio.
Während meiner anschließenden einjährigen Amtszeit als Chefredakteurin war ich
hauptsächlich mit der Leitung der Redaktionssitzungen und Erstellung der Sende-
planungen beschäftigt. Zusätzlich übernahm ich die Moderation der Sendung und
Betreuung der Redakteure. Bei öffentlichen Veranstaltungen vertrat ich Kanal C
und war verantwortlich für die Kontaktpflege mit externen Partnern. Heute bin ich
als Vereinsvorsitzende zuständig für die Sicherung der Finanzierung durch die
BLM und fungiere als rechtliche Vertreterin des Vereins. Somit bin ich Sprachrohr
zwischen Kanal C und der BLM, dem Stadtjugendring und Ämtern wie dem Nota-
riat, Amtsgericht und unserer Steuerkanzlei.
Eva Opitz: Ich habe sechs Semester bei den studentischen Mediatoren mitgearbei-
tet, davon drei Semester als Koordinatorin des Projekts. Die Mediatoren sind eine
Gruppe Studierender aus verschiedenen Fachrichtungen der Universität Augsburg,
die Kommilitonen unabhängig und neutral bei Konflikten oder Problemen in stu-
dentischen Lern- und Arbeitsgruppen oder bei Absprachen mit Dozenten unter-
stützt. Dabei geht es nicht nur um Streitschlichten in bereits eskalierten Situationen.
Ziel ist es vielmehr, Studierende der Uni Augsburg darin zu unterstützen, Gruppen-
arbeiten und die dabei natürlicherweise auftretenden Spannungen konstruktiv zu
bewältigen. Neben der Beratung in akuten Fällen spielt deswegen auch die Kon-
fliktprävention eine wichtige Rolle: Jeweils zu Semesterbeginn bieten die Mediato-
ren daher einen Workshop zur „Kommunikations- und Konfliktlösekompetenz“ an.
Im Rahmen dieses Angebots sensibilisieren die Mediatoren die Workshop-
Teilnehmer für Konflikte in studentischen Arbeitsgruppen und geben ihnen Werk-
zeuge an die Hand, die es ermöglichen, Konflikte bereits in den Anfängen beizule-
gen. Als Projektkoordinatorin hab ich zudem eine ganze Reihe organisatorischer,
repräsentativer und tutorieller Tätigkeiten übernommen sowie sichergestellt, dass
das Projekt bestehen bleibt. Ich habe mich beispielsweise um eine gruppeninterne
Schulung zum Thema „Mediation in der Praxis“ sowie die Beschaffung der Gelder
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dafür gekümmert, eine universitätsweite Bedarfsanalyse unseres Angebots eingelei-
tet, einen Lehrauftrag im Studiengang „Medien und Kommunikation“ übernommen
und einen aufbauenden Workshop konzipiert.
Verena Ott: Meine ersten Erfahrungen im Bereich der Projektarbeit habe ich eben-
falls bei Kanal C, dem Studentenradio, sammeln können. In diesem Semester habe
ich konkret erfahren, was Projektarbeit in Realität bedeutet. Nach meinen ersten
Eindrücken in der Projektarbeit habe ich mich entschlossen, diese individuell da-
hingehend zu vertiefen, dass ich einen Projektwechsel vornehme. Seit dem WS
2010/11 habe ich mich dann in der Projektarbeit von JMS Augsburg e.V., einer
studentischen Unternehmensberatungsgruppe der Uni Augsburg, engagiert. Im Ge-
gensatz zu meinem vorherigen Projekt hat der Verein JMS e.V. eine fest definierte
Qualifizierungsphase. Diese wird Juniorphase“ genannt, dauert ein ganzes Seme-
ster an und bildet die Voraussetzung für die endgültige Aufnahme in den Verein.
Aus meiner vorherigen Projektarbeit war ich es gewohnt, dass dem Projekt keine
personellen Grenzen gesetzt sind und dass individuelles Engagement die Mitarbeit
am Projekt garantiert. Die Aufnahmephase war äußerst zeitaufwendig, da zum Se-
lektionsprozess auch die Bearbeitung eines ersten fiktiven Probeprojektes und eines
anschließenden Juniorprojektes inklusive Ergebnisvorstellung vor dem Verein zähl-
te. Meine persönliche Motivation das Projekt zu wechseln, war nicht darin begrün-
det, dass mir Kanal C nicht gefallen hat. Vielmehr habe ich den Wechsel aus inhalt-
lichen Gründen vorgenommen. Ich wollte mir gezielt, neben meinem Studium der
„Medien und Kommunikation“, grundlegendes BWL-Wissen aneignen. Zusätzlich
konnte ich gezielt Engagement im Ressort „Marketing & Kommunikation“ zeigen
und habe innerhalb meines Juniorprojektes bei der Erarbeitung einer Anfänger-
sowie Fortgeschrittenenstudie über das Thema „eEPK“ (erweiterte ereignisgesteu-
erte Prozesskette) aktiv mitgewirkt. Rückblickend kann ich sagen, dass ich den Pro-
jektwechsel nicht bereue. Bei Kanal C konnte ich mich bestens in die studentische
Projektarbeit einarbeiten und gezielte Inhalte meines Studiums in der Praxis an-
wenden. Bei der studentischen Unternehmensberatungsgruppe JMS Augsburg e.V.
habe ich das Ziel, speziell meine rhetorischen Fähigkeiten auszubauen und be-
triebswirtschaftliches Know-how neben dem Studium zu erlernen, auch im Hin-
blick auf meinen späteren Masterstudienwunsch. Ich schätze am Begleitstudium
besonders, dass es das Kennenlernen und das Mitwirken in verschiedensten Projek-
ten ermöglicht.
Sandra Hofhues: Vielen Dank für diesen ersten Einblick in eure Tätigkeiten in den
Projekten. Könnt ihr vielleicht für den Leser deutlich machen, was ihr durch eure
Teilnahme an den Projekten gelernt habt?
Sarah Rohrer: Während meiner Zeit bei Blickpunkt Campus habe ich vor allem
Kompetenzen im Bereich des Fernsehjournalismus erworben. Im Journalismus ist
es wichtig, recherchieren zu können und der journalistischen Sorgfaltspflicht nach-
zugehen. Bei Blickpunkt Campus habe ich gelernt, auf zuverlässige Quellen zu-
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rückzugreifen und die gewonnenen Informationen wahrheitsgemäß in meiner Be-
richterstattung wiederzugeben. Besonders wertvoll sind auch die Kompetenzen im
Bereich der Medientechnik, die ich während meiner Tätigkeit als Redaktionsmit-
glied bei Blickpunkt Campus gewonnen habe. Einen eigenen Beitrag zu produzie-
ren d.h. nicht nur den Beitrag zu konzipieren, sondern diesen auch medientech-
nisch umzusetzen. So habe ich gelernt, eine Kamera zu bedienen und mit dieser
manuell zu filmen (sprich manueller Fokus, manuelle Blende und manueller Weiß-
abgleich). Außerdem habe ich gelernt, welches Kameraequipment ich für welche
Filmsituationen brauche und wie ich dieses einsetze. Im Rahmen der Postprodukti-
on habe ich Grundlagen einer Schnittsoftware erworben. So weiß ich jetzt, wie ich
das aufgenommene Rohmaterial digitalisiere und dieses mit einer Sprecherstimme
und Musik zu einem stimmigen und sendefähigen Film kombiniere.
Ina Ertner: Ähnlich wie Sarah habe ich bei Kanal C zunächst die redaktionellen
und technischen Fähigkeiten der Radioproduktion erlernt: den Umgang mit Auf-
nahmegeräten, Studio- und Schnitttechnik, der Moderationstechnik bei Radio Fan-
tasy, die Recherche und Texterstellung für Beiträge und Interviews. In meiner Tä-
tigkeit als Chefredakteurin erfüllte ich anschließend mehr organisatorische und
strategische Aufgaben: Neben der fixen Sendung fallen über das Jahr verteilt viele
Termine und Veranstaltungen, z.B. Schulungshütten, an, die frühzeitig geplant und
organisiert werden müssen. Die Erstellung der wöchentlichen Sendeplanung erfor-
dert Flexibilität und ein Gespür für das Interesse der Hörer: Hier muss entschieden
werden, wann und in welcher Reihenfolge die Beiträge gesendet werden, wer Auf-
gaben wie die Studiobetreuung und Moderation übernimmt, welche Studiogäste
eingeladen werden und welche Reservebeiträge eingesetzt werden, sollte in der
Sendung etwas schief laufen. Durch die wöchentliche Sendung hat sich vor allem
mein Zeitmanagement verbessert: Die strikten Ausschlussfristen sowohl innerhalb
der Redaktion als auch in der Zusammenarbeit mit externen Partnern und Förderern
wie der BLM erfordern frühzeitige Vorbereitung. Während ich anfangs einige
schlaflose Nächte mit sich anstauenden Aufgaben verbracht habe, teile ich mir die
Aufgaben mittlerweile gut ein und vermeide somit die Gefahr, in Stress zu geraten
oder Fristen zu verpassen. Auf zwischenmenschlicher Ebene verbesserte sich durch
die Tätigkeit bei Kanal C vor allem mein Konfliktmanagement. Bei einer Redakti-
on mit der Größe und Intensität von Kanal C kommt es öfter zu Unstimmigkeiten
oder Missverständnissen. Um die Stimmung innerhalb der Redaktion und die Qua-
lität der Sendung nicht zu beeinträchtigen, ist es enorm wichtig, Konflikte in der
Wurzel zu erkennen und zu lösen. Anstatt die ganze Redaktion teilhaben zu lassen,
baten mein Chefredaktionspartner und ich die betroffenen Redakteure zum privaten
Gespräch und konnten in den meisten Fällen eine Eskalation vermeiden. Im Laufe
der Zeit wurde mir dadurch bewusster, wie wichtig eine offene ständige Kommuni-
kation innerhalb der Gruppe und besonders zwischen Chefredaktion, Geschäftsfüh-
rung und Redaktion für die Zusammenarbeit und Produktivität im Team ist.
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Verena Ott: Die Kompetenzen, die ich innerhalb meiner Projektarbeit bei Kanal C
erworben habe, gleichen sich mit den zuvor von Ina beschriebenen redaktionellen
Fähigkeiten. Daher werde ich nun mehr auf meinen Kompetenzerwerb im zweiten
Projekt eingehen: Durch meinen Wechsel wurden besonders meine persönlichen
und sozialen Fähigkeiten gefördert. Innerhalb der Aufnahmephase bei JMS e.V.
wurde sehr stark ausgesiebt. Deshalb musste ich mir meine individuellen Stärken
und Vorteile für den Verein bewusst machen, um diese auch artikulieren zu kön-
nen. Des Weiteren fordert ein Projektwechsel immer eine gewisse Offenheit für
Neues und eine Neugier für unterschiedliche Charaktere. Ich bin als Nicht-BWLer
in einen Verein von überwiegend BWLern eingetreten und musste mein Wissen,
welches ich durch mein teilweise „exotisches“ Studium erlernt habe, hervorheben.
Hierbei hat mir die Reflexion im Begleitstudium sehr geholfen, da man dazu aufge-
fordert wird, sich seiner Kompetenzen bewusst zu werden. Der Vorstand und auch
die Mitglieder des Vereins sollten ja erkennen, welche Vorteile sie durch eine Auf-
nahme meiner Person haben würden. Da ich die mir gestellten Aufgaben mit Enga-
gement und Arbeitswillen erledigen konnte und immer mehr in den Verein hinein-
gewachsen bin, wurde ich schließlich aufgenommen. Zusammenfassend kann ich
sagen: Ich habe erneut gelernt, wie wichtig es ist, sich immer wieder für Neues zu
begeistern und schätze das interdisziplinäre Lernen, das durch meinen Wechsel
vermehrt gefördert wurde, sehr. Gerade diese Erfahrungen der stetigen Neuintegra-
tion werden aus meiner Sicht im Berufsleben nützlich sein. Auch wenn ich noch
nicht allzu lange fest im Verein bin, habe ich bereits in der Juniorphase neben so-
zialen Kompetenzen auch ökonomische Fachkompetenzen erwerben können.
Eva Opitz: Das selbstorganisierte Arbeiten, das die Projekte der Mediatoren aus-
zeichnet, funktioniert erst durch ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft, Initiative
und Verantwortung, das man mit- und aufbringen muss. Ich habe gelernt, mit einer
großen Portion Optimismus und Beharrlichkeit an eigene Ziele heranzugehen. Mit
der Organisation und Durchführung des Workshops und des Seminars und meiner
Rolle als Koordinatorin konnte ich erste Lehrerfahrungen und eine Reihe Manage-
mentkompetenzen mitnehmen, wie sie Ina schon beschrieben hat. Darüber hinaus
widmet sich das Mediatorenprojekt speziell der Förderung sozio-kommunikativer
Kompetenzen wie Dialog-, Team- und Konfliktlösefähigkeit und Verständnisbe-
reitschaft bei den Projektmitgliedern wie auch bei denen, die das Angebot von
Beratungen und Workshops annehmen. Ich merke, dass ich in Konfliktsituationen
sensibler und handlungsfähiger geworden bin und gehe nun bestimmter und um-
sichtiger an (Gruppen-)Kommunikation heran. Durch die Projektmitarbeit habe ich
das Verfahren der Mediation als ein Teilgebiet der außergerichtlichen konstrukti-
ven Konfliktschlichtung kennen und anwenden gelernt. Gerade diese zusätzlich
erworbenen Handlungskompetenzen haben mein Studium lebendiger gemacht und
bereichert. Damit einhergehend ist auch das Fach- und Methodenwissen um Kom-
munikationsmodelle und -techniken wie Gewaltfreie Kommunikation, Empathie
oder Aktives Zuhören sowie um Gruppenrollen und -entwicklung gewachsen.
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Thomas Sporer: Ich greife den Punkt mit dem Studienbezug auf. Man kann an den
Projekten ja einfach so mitmachen ohne sich die Mitarbeit in den Projekten im
Studium anrechnen zu lassen. Durch das Begleitstudium ist es aber möglich, sich
die Mitarbeit in den Projekten im regulären Studium anrechnen zu lassen. Wie än-
dert sich aus eurer Sicht die Projektarbeit dadurch, dass man am Begleitstudium
teilnimmt?
Eva Opitz: Die Arbeit für das Projekt bleibt mit und ohne Begleitstudium die glei-
che. Wenn man an den Projekten im Rahmen des Begleitstudiums teilnimmt, muss
man ergänzend die Projektmitarbeit dokumentieren und reflektieren. Dafür erhält
man dann ein Zertifikat, das einem die Tätigkeiten in den Projekten formal bestä-
tigt. In einigen Studiengängen kann man außerdem ECTS-Punkte im Fachstudium
einbringen, dann sind die Aufgaben und zu erbringenden Leistungen etwas um-
fangreicher. Der Aufbau und Ablauf des Begleitstudiums hat sich während meiner
Teilnahme stark verändert. Es ist mit den steigenden Teilnehmerzahlen und der
Ausweitung auf weitere Studiengänge immer strukturierter, organisierter und „de-
zentraler“ geworden. Das ist einerseits gut so, weil die Teilnahme dadurch greifba-
rer und verlässlicher wird. Die Koordinatoren der einzelnen Projekte haben aber
auch mehr Aufgaben bekommen. Dadurch entstehen hierarchische Strukturen, die
wir bei den Mediatoren immer vermieden haben. Die Teilnehmer erwarten eine Art
Programm, ein Angebot an Aufgaben, damit sie ihr Begleitstudiums-Soll erfüllen
können. Ich habe erlebt, dass gerade bei solch ergebnisoffenen Projekten wie den
Mediatoren die Eigeninitiative, auf der das Begleitstudium eigentlich basiert, etwas
leidet. Zudem besteht grundsätzlich die Gefahr, dass die Leute in erster Linie der
Punkte oder des Zertifikats wegen mitarbeiten und gar nicht so sehr hinter dem Pro-
jekt stehen. Andererseits kommen den Projekten die Vorgaben des Begleitstudiums
auch zugute: Die Studierenden haben einen Anlass, sich die Bandbreite an Projek-
ten genauer anzusehen. So werden auch kleinere Projekte bekannter und kommen
zu mehr Teilnehmern. Die Bausteinstruktur aus drei Modulen steckt einen groben
Rahmen ab, wie die Mitarbeit am Projekt aussehen könnte und lenkt das Engage-
ment in Richtungen, die sonst vielleicht nicht so intensiv bearbeitet worden wären,
von denen das Projekt aber profitiert. Generell besteht das Begleitstudium aus drei
Bausteinen. In der Regel startet es mit dem praktischen Baustein, in dem die hand-
werklichen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Projektgruppe erlernt werden. Bei-
spielsweise indem man – wie bei Sarah, Ina und Verena – über ein ganzes Semester
hinweg Radio- oder Fernsehbeiträge produziert und beim Sendebetrieb hilft. Beim
wissenschaftlichen Baustein geht es darum, das im Studium erworbene theoretische
und methodische Wissen in die Projektpraxis anzuwenden. Bei den Mediatoren ha-
ben wir dazu eine Bedarfserhebung durchgeführt und mit einer Umfrage erhoben,
welche Hilfestellungen sich die Studierenden der Universität Augsburg wünschen.
Im so genannten sozialen Baustein gestalten die Studierenden Workshops oder ge-
ben ihr Wissen als Tutoren oder Mentoren an Projekteinsteiger weiter. Es geht dar-
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um, Verantwortung innerhalb einer Projektgruppe zu übernehmen. Dies kann darin
bestehen, dass neue Mitglieder in das Projekt eingeführt werden oder indem Füh-
rungsverantwortung innerhalb der Projektgruppe übernommen wird.
Ina Ertner: Ich empfand es als sehr sinnvoll, dass die Bausteine zwar vorgegeben
sind, inhaltlich aber von Projekt zu Projekt und von Teilnehmer zu Teilnehmer in-
dividuell gestaltet werden können. So ergibt sich unter Berücksichtigung der gro-
ben Anforderungen ein möglichst großer Nutzen für das Projekt sowie Praxisnähe
für die durchführenden Studierenden. Mein wissenschaftlicher Baustein entwickel-
te sich beispielsweise aus dem Verlauf meiner Tätigkeit bei Kanal C: Statt ein l-
lig neues Aufgabengebiet zu bearbeiten (z.B. eine Hörerumfrage), konnte ich meine
Aufgaben als Vereinsvorsitzende optimal in den wissenschaftlichen Baustein inte-
grieren. Ziel meines wissenschaftlichen Bausteins war es, das Wissensmanagement
des Vereinsvorsitzes zu optimieren, sodass der jährliche Amtswechsel ohne großen
Wissensverlust vonstatten gehen konnte und die Einarbeitung in den Vereinsvorsitz
den Neugewählten leichter fällt. Ich nahm mir vor, eine geeignete Form der Archi-
vierung sämtlicher Unterlagen und Dokumente der Vereinsarbeit zu finden. Im
Laufe des Semesters erfolgte die konkrete Umsetzung: Ich sammelte Informatio-
nen, Vorlagen und Dokumente der letzten Jahre und bündelte sie thematisch. An-
schließend recherchierte ich weitere nützliche Zusatzinformationen und klärte Un-
klarheiten mit Kooperationspartnern wie der BLM oder dem Stadtjugendring. Un-
ter Berücksichtigung der gesammelten Unterlagen entschied ich mich für die Ar-
chivierung in einem Online-Wiki, das von meinen Nachfolgern verbessert, ergänzt
und bearbeitet werden kann. Ich erstellte Leitfäden und Info-Sheets, speiste diese in
das Vereins-Wiki ein und holte mir von verschiedenen Redakteuren Feedback und
Ratschläge, mithilfe derer ich das Wiki nochmals überarbeitete und für meine
Nachfolger zugänglich machte. Durch das Wiki profitierte ich sowohl persönlich
als auch in meiner Tätigkeit als Vereinsvorsitzende: Ich erlernte einerseits die Er-
stellung einer Website und eine strukturierte Vorgehensweise, andererseits wurden
mir meine Aufgaben und Pflichten noch einmal verdeutlicht und die Arbeit erleich-
tert. Ein Mehrwert für das Projekt entsteht durch die gesicherte Archivierung und
Wissensweitergabe an nachfolgende Generationen.
Verena Ott: Natürlich kann man Projektarbeit auch unabhängig vom Begleitstudi-
um absolvieren und so überfachliche Kompetenzen erwerben. Dennoch schätze ich
persönlich solch ein Studienangebot, wie es das Begleitstudium ist, sehr. Wenn
man sich dazu entschieden hat, das Begleitstudium als Teil des Studiums zu absol-
vieren, muss man sich natürlich auch im Klaren darüber sein, dass eine Form von
Prüfung abgelegt werden muss, um die Punkte dafür zu erhalten. Schließlich zählt
das Begleitstudium im Studiengang „Medien und Kommunikation“ von den Punk-
ten her soviel wie zwei ganze Nebenfächer. Doch hat das Begleitstudium den Vor-
teil, dass die Note nicht von einer einzigen Klausur bestimmt wird.
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Sandra Hofhues: Das Assessment im Begleitstudium basiert also nicht auf Klau-
suren und anderen klassischen Prüfungsformen, sondern auf projektbegleitender
Portfolioarbeit. Könnt ihr das Begleitstudiumsassessment für den Leser, der das
Begleitstudium nicht näher kennt, vielleicht kurz beschreiben?
Verena Ott: Konkret sieht der Punkteerwerb folgende „Arbeitsschritte“ vor: Inner-
halb eines Semesters muss in einer Zielvereinbarung zunächst festgehalten werden,
worum es im jeweiligen Projekt geht, warum man gerade an diesem Projekt teil-
nimmt, welche Tätigkeiten im Rahmen dieses Projekts auf einen zukommen und
welche persönlichen Ziele für dieses Projekt gesetzt sind. Zusätzlich werden so ge-
nannte „Tagebucheinträge“ verfasst. Diese sollen das Gelernte dokumentieren. Un-
terteilt wird ein solcher Tagebucheintrag in Situationsbeschreibungen oder Projekt-
ereignisse sowie subjektive Eindrücke, die man über die Projektarbeit festhalten
möchte. Dies bedeutet zusätzliche Arbeit, aber der Vorteil hierbei ist eindeutig:
Man ist dazu verpflichtet, sich die Projektarbeit und den eigenen Lernprozess be-
wusst zu machen, persönliche Erfahrungen sowie die Zusammenarbeit innerhalb
der Gruppe zu reflektieren und auch seine eigenen Gedanken und Gefühle in Bezug
auf das Projekt zu deuten. An diese Tagebucheinträge, welche spätestens am Ende
des Semesters in Form eines Portfolios abgegeben werden müssen, können auch
Arbeitsergebnisse angehängt werden. Während meiner Tätigkeit bei Kanal C waren
das beispielsweise fertige Radiobeiträge oder auch Sendemitschnitte. Bei JMS
Augsburg e.V. können das erstellte Kundenpräsentationen, Vereinsleitfäden oder
Schulungsunterlagen sein. Wichtig hierbei ist, dass man seine Projektarbeit konti-
nuierlich und sauber dokumentiert. Zusätzlich zu den Tagebucheinträgen, schreibt
man einen Projektbericht, der das komplette Engagement im vergangenen Projekt-
semester zusammenfasst. So verfasst man nach dem ersten Baustein einen Probe-
projektbericht, der noch nicht bewertet wird. Hierfür kann man im Idealfall die zu-
vor verfassten Tagebucheinträge verwenden. Denn am Ende des dritten und letzten
Bausteins wird ein abschließender Projektbericht verfasst, der die größten Meilen-
steine in der Projektarbeit darlegen soll und für die Benotung zählt. Ist dieser Pro-
jektbericht verfasst, absolviert man eine Abschlussprüfung, in der man vor einer
Art Komitee (Projektmentoren, Begleitstudiumskoordinatoren etc.) eine etwa 20-
minütige Präsentation der im Projekt gesammelten Erfahrungen und des gelernten
Wissens ablegt. Der Punkteerwerb setzt sich also aus der kontinuierlichen Projekt-
dokumentation und der Abschlussprüfung zusammen. Ich persönlich stehe nun vor
dem letzten, dem „wissenschaftlicher Baustein“ und werde versuchen, das zuvor
eingeholte Feedback umzusetzen.
Sarah Rohrer: Da eine Teilnahme an Blickpunkt Campus ziemlich arbeitsaufwän-
dig und dementsprechend sehr zeitintensiv ist, bietet das Begleitstudium die perfek-
te Lösung, diese erbrachten Leistungen auch „anrechenbar“ zu machen. So konnte
ich beispielsweise meine Tätigkeit als Redaktionsmitglied bei Blickpunkt Campus
im Rahmen des praktischen Bausteins im Studium anrechnen lassen. Dieser Bau-
stein ließ sich sehr gut in meine Arbeit bei Blickpunkt Campus integrieren Vor-
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aussetzung für die Teilnahme an dieser Projektgruppe ist nämlich das Produzieren
eines eigenen Fernsehbeitrags. In einer Zielvereinbarung musste ich zuerst festhal-
ten, worum es in meinem Projekt geht, warum ich gerade an diesem Projekt teil-
nehme, welche Tätigkeiten im Rahmen dieses Projekts auf mich zukommen und
welche persönlichen Ziele ich mir für dieses Projekt setze. Den Arbeitsprozess
musste ich in Form von Tagebucheinträgen festhalten. Diese Einträge sind unter-
teilt in eine objektive Schilderung des Arbeitsprozesses und in eine subjektive Ein-
schätzung der einzelnen Arbeitsschritte. Auf Basis dieser Einträge galt es zum
Schluss einen Projektbericht zu verfassen, der auch als Bewertungsgrundlage dien-
te. Das eigentliche Arbeitsergebnis, sprich mein Film, wurde nicht in die Bewer-
tung miteinbezogen.
Thomas Sporer: Mich würde im Kontext der Assessment-Gestaltung im Begleit-
studium sehr interessieren, wie ihr die Dokumentation der Projektarbeit und Refle-
xion eurer Erfahrungen in den Projekten beurteilt? Inwiefern hilft die Reflexion eu-
rer Erfahrungen in den Projekten für euren Kompetenzerwerb? Oder handelt es sich
eher um eine „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“, die als notwendiges Übel für den
Erwerb von ECTS-Punkten in Kauf genommen wird?
Ina Ertner: Rückblickend ist für mich vor allem der Projektbericht ein wertvoller
Bestandteil des Begleitstudiums, für den sich der Aufwand in jedem Fall lohnt. Er
ermöglicht eine tiefergehende Reflexion und Evaluation der eigenen Entwicklung
im Projekt. Durch einen Perspektivenwechsel von der aktuellen Situation im Pro-
jekt hin zu einer zusammenfassenden Rückschau auf den Projektverlauf im Ab-
schlussbericht konnte ich Strukturen und Zusammenhänge erkennen, die ich ohne
die Reflexion der Projektarbeit wahrscheinlich nicht erfasst hätte. Je nach Projekt
kann die vorgegebene Struktur des Assessments, bestehend aus Projekttagebuch,
Projektbericht und Arbeitsergebnissen, jedoch mehr oder weniger Aufwand und
Nutzen bedeuten. In einigen Projekten ist es z.B. schwer, konkrete Arbeitsergebnis-
se nachzuweisen und im elektronischen Portfolio hochzuladen. Das Verfassen von
Tagebucheinträgen hingegen stellte für mich keinen Mehrwert dar. Ich empfand es
als unnötigen, zusätzlichen Arbeitsaufwand. Viele Prozesse meiner Tätigkeit bei
Kanal C waren sprachlich schwer zu erfassen und gingen zudem bereits aus den
Arbeitsergebnissen und dem Projektbericht hervor. Da ich außerdem einen privaten
umfassenden Kalender führe, in dem ohnehin alle Eckpunkte meiner Tätigkeit bei
Kanal C erfasst sind, wäre es für mich eine Erleichterung gewesen, meinen Pro-
jektbericht anhand dessen zu erstellen und nur einzelne, wichtige Ereignisse auf-
zugreifen und näher auszuführen.
Sarah Rohrer: Gerade die Pflege des Tagebuchs ist sehr mühsam und nimmt viel
Zeit in Anspruch. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass es gerade wäh-
rend der Prüfungsphase zeitlich einfach schwierig ist, jeden Tag festzuhalten, was
man im Rahmen des entsprechenden Projekts gemacht hat. Oft war es so, dass ich
am Anfang des Semesters alles fein säuberlich festgehalten habe und gegen Seme-
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sterende nachlässiger wurde. Dementsprechend hatte ich bei der Erstellung des Pro-
jektberichts Probleme, die einzelnen Arbeitsschritte wiederzugeben. Was beim
Schreiben des Projektberichts nervenaufreibend ist, ist die Tatsache, dass im Mit-
telteil im Prinzip noch einmal der Inhalt des Tagebuchs wiederholt wird. Ich per-
sönlich habe den Mehrwert von Tagebuch und Projektbericht erst erkannt, als ich
den Projektbericht fertig eingereicht habe. Durch das Niederschreiben der einzel-
nen Arbeitsschritte hatte ich einen zusammenfassenden Rückblick auf das Projekt
und konnte so viel besser erkennen, was gut und was vielleicht nicht so gut gelau-
fen ist. Was sonst während dem ganzen Arbeitsstress untergegangen wäre, habe ich
mir so noch einmal ins Gedächtnis gerufen. In einer ähnlichen Problemsituation in
der Zukunft kann ich nun viel besser auf dieses Wissen zurückgegriffen und ent-
sprechend dieser Erfahrung handeln. Als sehr hilfreich bewerte ich die Reflexion
der Kompetenzen, die im Rahmen des Projekts erworben werden. Das, was gelernt
wurde, ist nach dem Erwerb meist nur implizit vorhanden. Durch das Explizit-
Machen der eigenen Lernerfahrungen wird gelernt, diese Kompetenzen zu artiku-
lieren. Dieser Prozess hat mir schon in einer Praxissituation weitergeholfen. In ei-
nem Bewerbungsgespräch um eine Praktikumsstelle bei einer Fernsehproduktions-
firma wurde ich gefragt, welche Erfahrungen ich schon im Bereich Fernsehjourna-
lismus gemacht habe. Ich konnte wie aus der Pistole geschossen meine Kompeten-
zen in diesem Bereich aufzählen und letztendlich habe ich eine Zusage bekommen.
Eva Opitz: Ich empfand die Erarbeitung von Projekttagebuch und Projektbericht
ebenfalls als sehr mühsam. Auch, weil man das Reflektieren über die Projektarbeit
erst lernen muss. Am Ende hilft die Reflexion aber, sich implizites Wissen und ei-
gene Kompetenzen bewusst zu machen und verbalisieren zu können - gerade me-
thodische, persönliche und sozio-kommunikative Kompetenzen, die informell und
erfahrungsbezogen entstehen. Bei den Mediatoren, die kein Produkt erstellen, son-
dern eine Dienstleistung anbieten und bei denen die Arbeitsergebnisse oft nicht so
leicht greifbar sind, ist das Explizit-Machen der Projektarbeit unabdingbar für den
Leistungsnachweis. So wird die Arbeit „sichtbar“, die dahinter steckt.
Verena Ott: Schon bei Kanal C hat mir die Dokumentation der einzelnen Schritte
meiner Projektarbeit geholfen, auch wenn diese teilweise sehr mühsam und zeit-
aufwendig ist. Es fällt einem doch immer wieder schwer, direkt nach einem abge-
schlossenen Projektschritt, die Dokumentation niederzuschreiben und im Portfolio
einzustellen. Dennoch hab ich persönlich durch meine derzeitige Berufserfahrung
gelernt, wie hilfreich es ist, sich seiner eigenen Stärken, Schwächen sowie Kompe-
tenzlücken bewusst zu machen und dass Dokumentation an dieser Stelle äußerst
hilfreich ist. Die Dokumentation der eigenen Projektarbeit im Allgemeinen, bedeu-
tet auch immer einen Vorteil für das gesamte Projekt und seine Mitglieder. Auf die
eigene Portfolioplattform, die für den Leistungsnachweis ausschlaggebend ist, hat
zwar keiner der anderen Projektmitglieder Einsicht, aber dennoch fällt es einem
selbst leichter, niedergeschriebenes Wissen zu verinnerlichen und im Nachhinein
an Andere weiterzugeben um so einen Erhalt des Wissens im Projekt zu sichern.
ungerader Kopfzeilentext
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Für mich sehe ich den Vorteil darin, dass ich es durch die verpflichtende Dokumen-
tation im Begleitstudium einfacher habe, absolvierte Projekte zu verinnerlichen und
detailliert und ausreichend verständlich darzulegen.
Sandra Hofhues: Ihr habt bereits mehrfach erwähnt, dass ihr euer Lerntagebuch
elektronisch führt und Lernergebnisse auf einer Plattform hochgeladen habt. Wenn
wir also über Portfolios reden, ist zum einen die Portfoliomethode gemeint und
zum anderen erfolgt die Abwicklung über E-Portfolios, die selbstorganisiert im In-
ternet genutzt werden und uns letztlich in der Bewertung eurer Lernprozesse bzw.
Lernergebnisse unterstützen. Welche Chancen und Grenzen hat denn das „E“ bei
der Portfolioarbeit aus eurer Sicht?
Verena Ott: Das elektronische Portfolio eignet sich meiner Meinung nach, als zen-
trale Sammelstelle für die Projektarbeitsergebnisse. Ein individuelles Portfolio bie-
tet einen idealen Raum, um seinen Arbeitsprozess dokumentieren und kritisch re-
flektieren zu können. Dennoch werden auch durch die Erweiterung der Methode
um den elektronischen Aspekt, auftretende Probleme nicht unbedingt beseitigt.
Vielmehr treten neue Schwierigkeiten auf. So ist beispielsweise das „e3-Portfolio“
des Begleitstudiums, was die Usability betrifft, nicht auf dem neuesten Stand der
elektronischen Angebote. Ich hatte mehrere Male das Problem, dass sich mein zu-
vor in einem Word-Dokument verfasster Text beim Einstellen umformatiert hat.
Solche Hindernisse, die durch die Technik auftreten, können demotivierend für die
Dokumentation wirken. Wenn versucht wird, solche Angebote „up-to-date“ zu hal-
ten, dann sehe ich in ihnen große Potenziale.
Eva Opitz: Aufgrund solcher technischen Schwierigkeiten waren wir alle lange
skeptisch, was die Sicherheit unserer Tagebucheinträge betraf. Wir hatten erlebt,
dass manche Überlegungen plötzlich für alle Projektmitglieder sichtbar waren.
Aber ich kenne auch noch die Vorform des Assessments ohne Onlineplattform, bei
der wir schriftlich Word-Dokumente ausfüllen, ausdrucken und abgeben mussten.
Da ist die jetzige Variante, bei der man alles online verfügbar hat und dort sam-
meln, verwalten und einreichen kann, schon komfortabler.
Sarah Rohrer: Vor kurzem habe ich bei Blickpunkt Campus die Position des CvD,
Chef vom Dienst, übernommen und habe währenddessen den sozialen Baustein
meines Begleitstudiums absolviert. Als CvD habe ich in meinem Tagebuch vor al-
lem viel über meine Gedanken zum Blickpunkt Campus Team geschrieben, unter
anderem auch wie ich die Mitglieder am Anfang eingeschätzt habe und wie ich ihre
Arbeit beurteile. Was in der derzeitigen Organisation des Begleitstudiums nicht
gewünscht ist, ist die gemeinsame Portfolioarbeit. Denn ein E-Portfolio könnte
auch ein kollaboratives Bearbeiten der Tagebucheinträge ermöglichen diese Op-
tion stand zur Diskussion, wurde aber von den meisten Studierenden vehement ab-
gelehnt. Auch ich bin absolut gegen ein kollaboratives E-Portfolio, weil es die Be-
arbeiter in ihren Gedanken einschränken und insbesondere die Reflexionen verfäl-
schen könnte. Hätte ich gewusst, dass meine Teamkollegen meine Tagebucheinträ-
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ge hätten lesen können, hätte ich mit Sicherheit nicht so offen meine Sorgen und
Gedanken über das Team preisgegeben. Meine Reflexion wäre dann verfälscht ge-
wesen.
Ina Ertner: Ich stimme Sarah zu, Teile des Portfolios sollten nur für den Autor
selbst einsehbar sein. Darin sehe ich den Sinn eines Tagebuchs, egal ob auf Papier
oder online. Dennoch könnte ich mir eine Mischform gut vorstellen: ein individuel-
ler Teil, der einem selbst und dem Betreuuer vorenthalten ist, und ein Gruppenteil,
der von allen Teilnehmern eines Projekts innerhalb eines Bausteins bearbeitet wer-
den kann. So kann man die Gefahr der sozialen Erwünschtheit weitgehend aus-
schließen, hat aber doch die Möglichkeit zur Diskussion und zum Peer-Feedback
sowie eine Kontrolle von Arbeitsprozessen durch die anderen Redaktionsmitglie-
der. Meine Erfahrung bei Kanal C hat gezeigt, dass die selbstständige des Portfoli-
os die Gefahr birgt, dass teilweise sehr intensiv „ausgeschmückt“ wird. Das grenzt
teilweise an Unwahrheit und könnte durch einen kollaborativen Teil vermieden
werden. Zudem würde die gemeinsame Reflexion weitere Perspektiven aufzeigen,
die die eigene Reflexion bestenfalls ergänzen und vertiefen.
Thomas Sporer: Da sprecht ihr einen kritischen Punkt des portfoliobasierten As-
sessments an. Wenn ich euch richtig verstehe, wäre eine mögliche Lösung für die-
ses Problem eine weniger individuelle, sondern stärker kollaborativ ausgerichtete
Nutzung des Portfolios. In den vergangenen Begleitstudiumsjahren stellte sich aber
heraus, dass genau dieser Aspekt auf wenig Akzeptanz bei den Projekten stieß, da
die Projekte in der Regel bereits digitale Werkzeuge für die Zusammenarbeit nutz-
ten. Welche digitalen Werkzeuge setzt ihr denn für die Zusammenarbeit in euren
Projekten ein, die über die Funktionalitäten der E-Portfolio-Plattform hinausgehen?
Sarah Rohrer: Neben dem Digicampus, dem zentralen Lehr-Lernsystem der Uni-
versität Augsburg, ist das wichtigste digitale Werkzeug für Blickpunkt Campus Fa-
cebook. Dort wurde von dem verantwortlichen Blickpunkt-Campus-Projektmentor
vor einem Jahr eine nicht öffentliche Gruppe gegründet, die nur für Blickpunkt-
Mitglieder zugänglich ist. Die Einsicht, dass sich unsere Generation eher auf Face-
book aufhält, als dass sie regelmäßig ihr E-Mail-Postfach checkt, hat zu dieser Ent-
scheidung geführt. Über die geschlossene Gruppe erfolgen Terminabsprachen und
Diskussionen über inhaltliche Themen, wenn es beispielsweise um den Aufbau der
Sendung geht. Außerdem bietet das Gruppentool bei Facebook einen idealen Sup-
portkanal: Fragen und Probleme, die vor allem Blickpunkt Neulinge haben, werden
in erster Linie dort gepostet und beantwortet. Gleichzeitig hat Blickpunkt Campus
eine öffentliche Facebook-Fanpage gegründet. Über diese Seite bekommen Fans
Neuigkeiten, Informationen und lustige Backstage-Einblicke in Form von Making-
Off-Fotos und -Videos. Die Seite dient auch als zusätzlicher „Vertriebskanal“ unse-
rer Sendung. Nach der Ausstrahlung auf Augsburg TV werden die einzelnen Bei-
träge auf Facebook hochgeladen und digital distribuiert.
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Ina Ertner: Für Terminabsprachen verwenden wir bei Kanal C Doodle-Umfragen.
Der web.de-Smartdrive dient zur Archivierung sendefertiger Beiträge. Zudem gibt
es seit diesem Semester ein Wiki mit wichtigen Infos und Leitfäden für Redakteure
sowie das von mir entwickelte Wiki für den Vereinsvorsitz. Dadurch ist nach zehn
Jahren das technische und inhaltliche Basiswissen für Kanal C-Redakteure jederzeit
zugänglich und abrufbar. Den Redakteuren wird dadurch die Radioproduktion er-
leichtert, bei Unsicherheiten können sie sich an Leitfäden orientieren und somit
Fehler vermeiden. Durch den gemeinsamen Wissensstand steigert sich die Qualität
der Sendung langfristig. Beide Wikis sind dabei so konzipiert, dass sie jederzeit
angepasst und ergänzt werden können und somit auch zukünftigen Kanal-C-
Generationen dienen.
Verena Ott: Im Gegensatz zu Kanal C, bei dem die Kommunikation der Projekt-
mitglieder untereinander ebenfalls über E-Mail-Verkehr verlief, aber sonst weitest-
gehend auf andere Medien „ausgelagert“ ist, nutzen wir bei JMS e.V. den E-Mail-
Verteiler des Vereins alltäglich. Jedes Mitglied ist dazu verpflichtet, mindestens
einmal am Tag die eigenen Mails zu checken. Ist man ohne Absprache mit dem
Vorsitz längere Zeit nicht erreichbar oder kommt nicht zu den Sitzungen, kann dies
zur Ermahnung oder im extremsten Fall zum Ausschluss führen, da die Kommuni-
kation für das Bearbeiten der Projekte essentiell ist. Neben dem allgemeinen Ver-
einsverteiler gibt es auch für jedes Ressort einen eigenen Mailverteiler, mit dessen
Hilfe die Ressortmitglieder untereinander kommunizieren können. In meiner Pro-
jektgruppe, mit der ich eine Schulung erarbeitet habe, nutzten wir zudem noch
Werkzeuge wie Doodle-Umfragen oder auch die internetbasierte Datenbank Drop-
box.
Eva Opitz: Bei uns haben Präsenztreffen nach wie vor hohen Stellenwert. So las-
sen sich Dinge am schnellsten besprechen und abstimmen. Bei unserer kleinen
Gruppe ist das organisatorisch gut machbar. Ein wichtiges und häufig genutztes
Werkzeug ist Dropbox. Wir haben so alle Projektmaterialien über die Mediatoren-
generationen hinweg digital an einem Ort gesammelt und können sie schnell für
neue Projektmitglieder zugänglich machen. Jeder, der autorisiert wurde, kann be-
quem vom eigenen Rechner darauf zugreifen.
Thomas Sporer: Das, was ihr über die Mediennutzung in den Projekten berichtet,
passt gut in das Bild, dass ich im Laufe des Projekts gewonnen habe. Die Portfolio-
arbeit sollte möglichst nahtlos an die Projektarbeit anknüpfen. Um dieses Ziel zu
erreichen, könnten künftig Schnittstellen des E-Portfolios zu gängigen digitalen
Werkzeugen im Sinne der Mashup-Idee eine Lösung darstellen.
Unabhängig von der technischen Realisierung würde ich abschließend gerne von
euch erfahren, welche Rolle zukünftig E-Portfolios aus eurer Sicht in Lehre und
Studium einer Universität spielen werden?
Eva Opitz: Im Studiums- und Lehralltag geht es heute nicht mehr nur um die Ver-
mittlung von Fachwissen. Der Arbeitsmarkt fordert verstärkt überfachliche Kompe-
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tenzen, mithilfe derer der Mitarbeiter in den vielfältigen, sich immer wieder än-
dernden, komplexen Kontexten und Herausforderungen handlungsfähig bleibt.
Durch die (Reflexion in) E-Portfolios wird die individuelle Entwicklung der Stu-
dierenden für Lehrende, die Studierenden selbst und eventuell spätere Arbeitgeber
greifbarer, nachvollziehbarer und nachweisbarer.
Ina Ertner: Es kommt sehr auf Organisation und Inhalt der Veranstaltung an. Ich
habe schon mit E-Portfolios gearbeitet, deren Inhalt und Aufbereitung zu komplex
waren – was zu Verständnisproblemen und Motivationsverlust seitens der Teil-
nehmer führte. Aus eigener Erfahrung klappt die Verwendung von E-Portfolios in
kleineren Gruppen mit Seminargröße besser als in großen Veranstaltungen und
kann dort einen Mehrwert bringen, was das Verständnis, Erinnerungsvermögen und
die Reflexion von Inhalten angeht. E-Portfolios sind aufwändig für den Betreiber
und müssen regelmäßig angepasst und optimiert werden, um einen Lernerfolg zu
erzielen.
Verena Ott: Wenn die Portfolio-Struktur stimmig ist, sehe ich einen enormen Vor-
teil darin, dass man das erlernte Wissen, die erworbenen Fähigkeiten und das emo-
tional Erlebte auf einer definierten Plattform dokumentieren kann. Des Weiteren
bietet eine solche Plattform die Möglichkeit, von überall und zu jeder Zeit auf seine
dokumentierten Inhalte zurückzugreifen. Ich sehe für mich als Studentin den Vor-
teil, mit solch einem E-Portfolio flexibel arbeiten zu können und durch die stetige
Selbstreflexion, eine Art Datenbank der Selbstvermarktung nutzen zu können. Aus
meinen Erfahrungen kann ich sagen, dass es heutzutage enorm wichtig ist, die ei-
genen Kompetenzen einschätzen und artikulieren zu können und diese auch an be-
legten Beispielen zu verdeutlichen. Gerade aus dieser Sicht bietet die Portfolioar-
beit besonders für Studierende enorme Chancen.
Sarah Rohrer: Ich persönlich bin der Meinung, dass viele Studierende den Mehr-
wert eines E-Portfolios im ersten Moment gar nicht erkennen und denken, dass das
neben dem Lern- bzw. Arbeitsaufwand einen zusätzlichen Stress für sie bedeutet.
E-Portfolios sind tatsächlich sehr aufwändig ich dokumentiere jeden einzelnen
Arbeitsschritt nicht nur, sondern reflektiere diesen auch. Erkennen die Studierenden
den Mehrwert nun nicht, könnte ein e-Portfolio eher kontraproduktiv sein und de-
motivierend wirken. Auch ich habe den Nutzen erst nach längerer Zeit erkannt und
habe die Arbeit am Tagebuch anfänglich als „nervtötend“ empfunden.
Sandra Hofhues: Der E-Portfolio-Einsatz hat sich also inhaltlich für offene Lehr-
Lernkontexte bewährt, zeigt aber in der Praxis seine Tücken. So bestehen immer
wieder technische Mängel, die euch daran hindern, euer E-Portfolio auch gerne zu
führen. Sobald E-Portfolios bewertet werden, müssen zudem transparente Bewer-
tungsmodelle geschaffen werden, die den Lernerfolg des Einzelnen ausreichend
anerkennen. Neue Herausforderungen stellen sich beim E-Portfolio-Einsatz, wenn
sich Medienkompetenzen der Studierenden deutlich unterscheiden und auch der
Wille zur „digitalen Teilhabe“ ein anderer ist. Letzterer ist unter Studierenden der
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Medien und Kommunikation, wie ihr alle sehr deutlich gemacht habt, stark ausge-
prägt. Ihr seid routiniert im Umgang mit digitalen Werkzeugen, von denen eure E-
Portfolios eines sind, um eure Lernprozesse und Lernergebnisse zu dokumentieren,
zu reflektieren und (später) mit euren Dozenten zu teilen. Habt vielen Dank für die
Einblicke in eure Projektarbeit und in damit verbundene projektinterne Abläufe!
Thomas Sporer: Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview, dessen Kernbot-
schaften wir gerne zur Weiterentwicklung des Begleitstudiums und des dortigen E-
Portfolio-Einsatzes einsetzen werden.
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Ihr seid routiniert im Umgang mit digitalen Werkzeugen, von denen eure E- Portfolios eines sind, um eure Lernprozesse und Lernergebnisse zu dokumentieren, zu reflektieren und (später) mit euren Dozenten zu teilen
  • Medien Und Kommunikation
Medien und Kommunikation, wie ihr alle sehr deutlich gemacht habt, stark ausgeprägt. Ihr seid routiniert im Umgang mit digitalen Werkzeugen, von denen eure E- Portfolios eines sind, um eure Lernprozesse und Lernergebnisse zu dokumentieren, zu reflektieren und (später) mit euren Dozenten zu teilen. Habt vielen Dank für die Einblicke in eure Projektarbeit und in damit verbundene projektinterne Abläufe! Thomas Sporer: Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview, dessen Kernbotschaften wir gerne zur Weiterentwicklung des Begleitstudiums und des dortigen E- Portfolio-Einsatzes einsetzen werden.