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_grundschrift
Juli 2010
Ausgabe 34
Fr. 4.50
Grünzeit
Zeitschrift für den Lebensraum Zürich
Der Chinagarten am Zürichhorn:
Eine der ranghöchsten Anlagen ausserhalb Chinas
Biodiversität im Fokus der Forschung:
Ernährung, Kleidung und technische Innovation
Sehenswürdigkeit oder Forschungsinstitut?
Anforderungen an die Sukkulenten-Sammlung
Grünzeit ist offi zielles Organ des Verbunds
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Grün Stadt Zürich .............................. Beatenplatz 2
....................................... 8001 Zürich, 044 412 27 68
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Dekoration und Innenbegrünung .....044 491 84 55
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Wiedikon, Aussersihl ............................044 461 21 17
Wipkingen, Fluntern,
Unterstrass, Oberstrass .......................044 361 63 18
Witikon ................................................044 381 01 00
Wollishofen, Leimbach .........................044 482 10 03
Gutsbetrieb Juchhof .........................044 432 34 88
..................................... www.stadt-zuerich.ch/juchhof
Naturschulen ......www.stadt-zuerich.ch/naturschulen
Adlisberg Waldschule ...........................044 252 23 59
Allmendschule ......................................044 480 13 80
Hönggerberg Waldschule .....................044 372 17 78
Sihlwaldschule .....................................044 720 78 70
Wildparkschule Langenberg .................044 713 46 46
Stadtgärtnerei ...................................044 492 14 23
......................... www.stadt-zuerich.ch/stadtgaertnerei
Sukkulenten-Sammlung ...................043 344 34 80
.............................. www.stadt-zuerich.ch/sukkulenten
Veranstaltungsbewilligungen ...........044 412 27 69
..................... www.stadt-zuerich.ch/gsz-bewilligungen
Waldreviere .....................www.stadt-zuerich.ch/wald
Zürich Nord..........................................044 251 89 47
Uetliberg ..............................................044 463 14 04
Werkstätten und Logistik .................044 492 30 06
Wildschonreviere (Wildhüter)
Hönggerberg, Käferberg, Seebach .......079 219 91 03
Zürichberg ...........................................079 219 91 04
Uetliberg, Altstetten..............................079 219 91 05
Vögel ................................................... 079 219 91 02
Verbund Lebensraum Zürich ............. Beatenplatz 2
....................................... 8001 Zürich, 044 412 27 68
Mitgliedervereine:
Bioterra Regionalgruppe
Zürich und Umgebung......................044 450 73 28
..........................................................www.bioterra.ch
Blumenschmuck in Zürich ................044 251 94 62
Eltern- und Freizeitclub Rütihof /
Bauspielplatz Rütihütten..................044 341 05 89
..................info@ruetihuetten.ch, www.ruetihuetten.ch
Familiengartenvereine
der Stadt Zürich ................................044 422 77 85
......................................... hanspeter.naef@bluewin.ch
....................................... www.familiengartenverein.ch
Förderverein der
Sukkulenten-Sammlung Zürich ........043 344 34 80
Förderverein Tierpark Waidberg ......044 341 69 25
Gesellschaft zur Förderung
des Wildparks Langenberg...............044 492 45 70
Holzkorporation Altstetten ...............044 432 04 40
Holzkorporation Hürst ......................044 371 04 09
Holzkorporation Schwamendingen..044 325 26 26
.....................................................h.r.gut@guttrans.ch
Igelzentrum Zürich ............................044 362 02 03
.............................................. info@izz.ch, www.izz.ch
Pro Natura Zürich .............................044 463 07 74
...... pronatura-zh@pronatura.ch, www.pronatura.ch/zh
Quartierhof Weinegg .........................044 383 47 86
.......................................www.quartierhof-weinegg.ch
Stiftung Fledermausschutz ..............044 254 26 80
...........fl edermaus@zoo.ch, www.fl edermausschutz.ch
Uetlibergverein ..................................044 463 99 84
Verein Aquarium Zürich ....................079 297 60 37
............................................info@vaz.ch, www.vaz.ch
Verein für Pilzkunde Zürich ..............044 371 27 28
........................................... www.pilzverein-zuerich.ch
Verein Voliere Zürich 11 ....................044 381 50 52
Verein Zürcher Bienenfreunde .........044 361 75 72
.................................www.zuercher-bienenfreunde.ch
Verschönerungsverein Höngg ..........044 341 77 92
Verschönerungsverein Zürich ..........044 322 97 94
.............................................................. www.vvzh.ch
Waldweggenossenschaft
Zürich Witikon ..................................044 980 20 44
Wildnispark Zürich ............................ 044 722 55 22
.................... info@wildnispark.ch, www.wildnispark.ch
ZVS/Bird Life Zürich
Regionalgruppe Stadt Zürich ...........044 362 11 23
.......................................susanne.ruppen@bluewin.ch
............................................... www.birdlife-zuerich.ch
Impressum
Grünzeit, Juli 2010, Ausgabe 34
Aufl age: 18 000 Exemplare
Grünzeit erscheint viermal jährlich.
Eine Einzelausgabe im Ausland kostet 4,50.
Herausgeber
Verbund Lebensraum Zürich (VLZ)
Grün Stadt Zürich (GSZ)
Redaktion
Lukas Handschin, Grün Stadt Zürich
Grünagenda
Iris Garot, Grün Stadt Zürich
Redaktionskommission
Ernst Tschannen, Direktor Grün Stadt Zürich
Lukas Handschin, Grün Stadt Zürich
Brigitte Biedermann, Grün Stadt Zürich
Ernst Hiestand + Partner
Redaktionsadresse
Redaktion Grünzeit, Beatenplatz 2, 8001 Zürich,
044 412 27 68, gruenzeit @zuerich.ch
www.stadt-zuerich.ch/gruenzeit
Gestaltung
Ernst Hiestand + Partner,
Studio für Design-Beratung, Visuelle Gestaltung,
Zollikerberg
Produktion
prp mathys prepress & print, Zollikerberg
Klimaneutral gedruckt auf «RecyStar», 100 % Recyclingpapier
_grundschrift
April 2010
Ausgabe 33
Fr. 4.50
Grünzeit
Zeitschrift für den Lebensraum Zürich
Stadtfauna – Zürichs tierische Vielfalt:
Ein Reiseführer zu 600 Tierarten in der Stadt
Goldfische und Schildkröten unerwünscht:
Was ausgesetzte Tiere alles anrichten können
Kleine Gärten – grosse Wirkung:
Wettbewerb um den artenreichsten Garten
Kontakte
Titelbild
Der «Pavillon des Erquickens und der Düfte»
im Chinagarten.
Bild: Michael Reinhard
Inhalt
Christine Baumanns Bericht über
das Tessiner Maiensäss Campo Cortoi
oberhalb des Verzascatals.
Seite 12
Nach fünfzehn Jahren «Zwischennutzung»
wieder zugänglich: Rangerinnen entfernen
die Bautafeln am Eingangstor zur Allmend I.
Seite 4
Wohin hoppelt Meister Lampe? Die neue
Feldhasenanlage im Langenberg
bietet bessere Beobachtungsmöglichkeiten.
Seite 6
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Drei Freunde, nicht nur im Winter
Eintauchen in fernöstliche Welten: Der Chinagarten am Zürichhorn
Nach fünfzehn Jahren «Zwischennutzung» wieder frei
Die Allmend I ist seit Anfang Mai wieder ein Naherholungsgebiet
Platz für grüne Daumen
Dem Schütze-Areal wird neues Leben eingehaucht
Wohin hoppelt Meister Lampe?
Die neue Feldhasen-Anlage im Langenberg
Sport und Plausch auf zwei Rädern
Grün Stadt Zürich baut für Biker
Wildtierschutz bei Bauprojekten
Wie Igel auf Baustellen in Sicherheit gebracht werden
Fundmeldungen von Ambrosia stark rückläufig
Trotz des Rückgangs heisst es, wachsam zu bleiben
Tessiner Maiensäss mit Zürcher Wurzeln
Auf Campo Cortoi finden Kinder ihr Paradies
Mehr als trockenes Steine-Schichten
Ausbildung und Lebensschule für Lernende
Biodiversität im Fokus der Forschung
Ernährung, Kleidung und medizinische Versorgung
Warum soll der Erlen-Springrüssler nicht aussterben?
Gedanken zur Erhaltung der biologischen Vielfalt
Abfallentsorgung mit Witz und Engagement
Gemeinsam im Einsatz für Sauberkeit und gegen Littering
Kulinarische Offensive gegen Neophyten
Problempflanzen essen und ausrotten
Sehenswürdigkeit oder Forschungsinstitut?
Pflanzen zwischen Unterhaltung, Bildung, Naturschutz und Forschung
Biodiversität vergleichen und ordnen
Eine neue Pflanzenfamilie: die Liebesröschen-Gewächse
In Witikon wird Imkerwissen weitergegeben
Anschauungsunterricht für Bienenfreunde im Lehrbienenstand
Bücherbord
Publikationen zu grünen Themen
Grüne Dienstleistungen auf dem Prüfstand
Nehmen Sie die Arbeit von Grün Stadt Zürich unter die Lupe
Mein grünes Zürich
Xinglai Yang, Kalligraph und Maler
Mit dem Überschreiten der hohen Türschwelle
des Haupttors, betreten die Besucherinnen und
Besucher eine komplett andere Welt – ein Ge-
samtkunstwerk, das Natur, Kunst, Philosophie
und Dichtung vereint.
Weil böse Geister schlurfen und lärmempnd-
lich sind, werden sie durch die hohe Schwelle
und die knarrenden Türangeln abgeschreckt.
Sollten sie dennoch in das Innere des Gartens
gelangen, stossen sie auf ein weiteres Hinder-
nis. Den bösen Geistern, die bekanntlich nur
geradeaus laufen können, stellt sich eine Fels-
wand entgegen, an der sie sich eine blutige
Nase holen. Doch auch gewöhnliche Sterbliche
zwingt der künstliche Berg zu einer Richtungs-
änderung und macht sie neugierig, auf das, was
es dahinter zu sehen gibt.
Landschaft aus Berg und Wasser
Die chinesische Bezeichnung für Landschaft
(Shan Shui) setzt sich zusammen aus den Be-
griffen für «Berg» und «Wasser», wobei der Berg
nach der Lehre von Yin und Yang die rauen und
schroffen männlichen Eigenschaften verkör-
pert, während das Wasser für die feuchten, ies-
senden weiblichen Charakteristika steht.
Nach dem Verlassen der schmalen Höhle in der
Felsformation, die einer bizarren Karstland-
schaft in der Provinz Yunnan nachgebildet ist,
öffnet sich der Blick zur Insel im Teich, einem
unverzichtbaren Gestaltungselement ostasiati-
scher Gartenanlagen.
Drei Freunde im Winter
Sobald man den Rundpavillon auf der Insel be-
tritt und zum Wasserpalais mit der vorgelager-
ten Terrasse hinüberschaut, verdoppelt die
Wasserspiegelung die Gebäude, die Vegetation
und die Felsen. Neben diesem «Pavillon des
Erquickens und der Düfte», der mit seiner run-
den Form die fünfte chinesische Himmelsrich-
tung, die Mitte, und damit die Verbindung zum
Der Zürcher Chinagarten, ein Geschenk der südwestchinesischen Partnerstadt
Kunming, Hauptstadt der Provinz Yunnan, an die Bevölkerung der Stadt Zürich
für die Hilfe beim Ausbau der Trinkwasserversorgung, gilt als ranghöchster Garten
ausserhalb der Volksrepublik China.
Himmel verkörpert, stehen die «Drei Freunde im
Winter», das Hauptmotiv des Zürcher China-
gartens. Gemeint sind damit drei Gehölze, die
gemeinsam der kalten Jahreszeit trotzen: Die
knorrige Kiefer, vom Lebenskampf zerzaust, er-
scheint als Symbol der siegreichen Tugend; der
Bambus beugt sich dem Wind, zerbricht aber
nicht daran und versinnbildlicht damit den Cha-
rakter des wahren konfuzianischen Edelman-
nes; die Winterkirsche blüht, kaum ist der letzte
Schnee vergangen und steht für das jährliche
Wunder des neu aufkeimenden Lebens im
Frühling.
Chinesische Gärten sind stets von einer Mauer
umfasst, die sie von der äusseren, profanen
Welt trennt. Mauern sind nebst Felsen und
Wasser ein wichtiges Element des chinesischen
Gartenbaus. Oft wird etwa Bambus vor eine
weiss getünchte Wand platziert, denn sein
Schattenbild hat vielfach eine grössere Bedeu-
tung als die Panze selbst.
Die zahlreichen Inschriften und Malereien ver-
weisen auf die reiche Kultur der Provinz Yunn-
an, in der mannigfaltige Einüsse verschiedener
ethnischer Minderheiten mit der traditionellen
Han-Kultur verschmelzen.
Drei Freunde, nicht nur im Winter
Eintauchen in fernöstliche Welten: Der Chinagarten am Zürichhorn
2 Grünzeit Juli 2010
Jeweils zur Saisoneröffnung Ende März blüht die Winterkirsche. Bambus macht den Wind hörbar.
Beim Verlassen des Chinagartens begleitet die
Besucherinnen und Besucher einer der vielen
Sinnsprüche zurück in den Alltag: Yunqi kai-
cheng yinse jie – «Hinter schwebenden Wolken
öffnet sich die silberfarbene Welt», die Welt der
schneebedeckten Alpengipfel, die sich in der
Ferne über dem Zürichsee erheben.
Text und Bilder: Lukas Handschin
Kalligraphie: Xinglai Yang
Siehe auch das Portrait von Xinglai Yang
in «Mein grünes Zürich» auf Seite 33.
Grünzeit Juli 2010 3
CHINA MITTEN IN ZÜRICH
Der Chinagarten Zürich liegt zwischen Bellerive-
strasse und Blatterwiese beim Zürichhorn am
rechten Seeufer. Den Bau ermöglicht hat die Was-
serversorgung Zürich 1993 zur Feier ihres
125-jährigen Bestehens. Erbaut als Geschenk der
chinesischen Partnerstadt Kunming an die Zür-
cher Bevölkerung wurde er 1994 eröffnet und wird
An der Kasse ist eine ausführliche, erläuternde
Broschüre in deutscher, französischer und eng-
lischer Sprache erhältlich.
www.chinagarten.ch
Eigens für die Grünzeit hat der Künstler
und Kalligraph Xinglai Yang die neben-
stehende Kalligraphie geschaffen.
Zhongguo Yuan «Chinesischer Garten»
steht auch in goldenen Schriftzeichen
über dem Haupttor der Anlage.
Zhong bedeutet «Mitte», dargestellt
mit einem senkrechten Strich durch
die Mitte des Zeichens.
Guo bedeutet «Land». Das Zeichen
setzt sich zusammen aus einem
Rahmen, einem «ummauerten Ort»,
der das Zeichen für «Jade»
umschliesst.
Zusammengeschrieben ergibt
Zhongguo «das Reich der Mitte»,
wie China auch genannt wird.
Yuan bedeutet «Garten». Das
Zeichen wird ebenfalls mit einem
Rahmen gebildet, quasi die
Umfassungsmauer des Gartens.
Das innere Zeichen «Yuan», hier
lediglich phonetisch verwendet,
bedeutet «anfänglich».
Bambus macht den Wind hörbar. Die Föhre verkörpert das männliche Prinzip unter den Bäumen.
Mit der Allmend I hat Zürich auf einen Schlag eine Freifl äche von 16 Hektar
zurückbekommen. Die Fläche, die knapp einem Drittel der ganzen Allmend Brunau
entspricht, wurde zur hundefreien Zone erklärt.
Seit 1995 konnte die Allmend I nicht betreten
werden, weil sie als Bauinstallationsplatz belegt
war. Zuerst für den Eisenbahntunnel des Dop-
pelspurausbaus Zürich –Thalwil der SBB und
anschliessend für den Bau der Westumfahrung
und des Autobahntunnels durch den Uetliberg.
Der Kanton Zürich hat die Fläche 2009 wieder
in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt
und entlang des Lärmschutzwalls gegen die
Autobahn ökologisch wertvolle Trockenstand-
orte geschaffen. Nun liegen Nutzung und Un-
terhalt der Allmend I wieder bei der Stadt.
Knapp ein Drittel der 60 Hektar grossen All-
mend Brunau wurde der Bevölkerung zurück-
gegeben.
Im Winterhalbjahr hat Grün Stadt Zürich die All-
mend I nach den Plänen der Landschaftsarchi-
tekten raderschallpartner ag neu gestaltet. In
die Ebene der von der Sihl geformten Fluss-
auenlandschaft wurden Baumgruppen mit für
diesen Lebensraum typischen Baumarten ge-
p anzt: Silberpappeln und Zitterpappeln,
Silberweiden, Ulmen und Erlen. Dazwischen
platzierten Forstmitarbeitende aus dem Wald-
revier Uetliberg Sitzbänke und Tische aus roh
behauenem Eichenholz zum Picknicken und
Rasten. Ein Steg beim Feuchtbiotop erlaubt es,
das Leben in den Tümpeln zu beobachten.
Hundefreie Zone mit Aufsichtsdienst
Die naturnah angelegten Wiesen dienen als
Spiel ächen, die vor allem von Familien genutzt
werden können. Aus diesem Grund wurde die
Allmend I zur hundefreien Zone erklärt und mit
Die Allmend I ist seit Anfang Mai wieder ein Naherholungebiet
Was gilt wo?
Allmend I
Die weitläugen Wiesen stehen
für Spiel und Freizeit zur
Verfügung.
Hunde haben keinen Zutritt zur
hundefreien Zone.
Allmend II und III
Raum für organisierten und
freien Sport. Die Allmend III
ist Hunde-Freilaufzone, auf der
Sportanlage gilt Leinenpicht.
Allmend IV
Raum für Erholung an den
Flussufern. Der Bereich ist
Hunde-Freilaufzone.
Naturschutzzone
Die Natur hat Vorrang.
Betreten verboten, auch
Hunde haben keinen Zugang.
Wer darf was?
Naturschutzzone
Panzen dürfen weder gepückt noch aus-
gebracht werden. Auch Naturbeobachtungen
haben ausschliesslich von den Wegen aus zu
erfolgen. Es gilt ein generelles Betretungsver-
bot, auch Hunde haben keinen Zugang.
Hundefreie Zone Allmend I
In der hundefreien Zone dürfen Hunde weder
frei herumlaufen, hineingetragen noch an der
Leine spazieren geführt werden. Auch bei den
Picknick-Plätzen sind Hunde nicht erlaubt,
auch wenn sie angeleint sind oder angebun-
den werden.
Hunde-Freilauf Zone
Hunde können sich frei bewegen. Es gilt je-
doch auch in diesen Gebieten die allgemeine
Sorgfaltspicht (Hundegesetz Art. 9 ff). Velo-
fahrende, joggende, spazierende oder ander-
weitig Erholungssuchende sollen unbelästigt
bleiben. Andererseits gilt für nicht Hundehal-
tende eine allgemeine Toleranz gegenüber frei-
laufenden Hunden. Provokatives Verhalten soll
allseitig vermieden werden. Bei Bedarf sollen
Hundehaltende ihre Tiere zu sich rufen.
Hundekot aufnehmen
In der ganzen Allmend Brunau gilt Aufnah-
mepicht für Hundekot. Das Wegwerfen und
Liegenlassen der Kot-Säcklein ist überall ver-
boten (Hundegesetz Art 13). Sie können in den
normalen Abfallbehältern entsorgt werden
Der Informations- und Aufsichtsdienst ist verpichtet,
zuwiderlaufende Handlungen zu ahnden. Obige Re-
geln stützen sich auf das Kantonale Hundegesetz, das
seit 1.Januar 2010 in Kraft ist.
III
II
IV
I
< Allmend I = Spiel und Freizeit
Allmend II und III = Sport
Allmend IV = Erholung
Naturschutzzone = Bitte nicht betreten!
4 Grünzeit Juli 2010
Nach fünfzehn Jahren «Zwischennutzung» wieder zugänglich
Karte: © Amtliche Vermessung: Bewilligung Stadt Zürich, Geomatik + Vermessung, 9. Juni 2010.
Es war einmal ein Stück Land zwischen Lim-
matstrasse und Heinrichstrasse, auf dem die
Firma Schütze & Co. AG von 1893 bis 1976 eine
Färberei und Bleicherei betrieben hatte. Nach-
dem die Stadt Zürich das Land erwarb und die
Produktionsgebäude 1978 abbrechen liess,
sollte darauf eine Berufsschule, ein andermal
ein Primarschulhaus gebaut werden, und dann
ein Quartierpark entstehen – nichts davon wur-
de bis heute Wirklichkeit.
Weil es im Kreis 5 an Grün ächen mangelt, wur-
de aus dem Quartier und von der Politik wieder-
holt das Bedürfnis geäussert, das Areal aufzu-
werten. Auf dem lange vernachlässigten
«weissen Fleck» entstehen nun mit der Aktion
«Grüner Daumen» neue Aktivitäten. Ähnlich wie
letztes Jahr in der Kalkbreite und bei der künst-
lerischen Intervention im Erismannhof wird in
temporären Gartenbeeten Gemüse gep anzt
und geerntet. Das von Kindern gestaltete Spiel-
feld und der mit groben Steinen, Sand und
Holzschnitzeln belegte Sinneswandelpfad la-
den zum Entdecken und Erkunden ein. Ange-
stammte Nutzungen nden weiterhin statt.
Auch dieses Jahr versammeln sich Fahrende
auf dem Schütze-Areal und geben den Sess-
haften einen Einblick in die Kultur der Jeni-
schen, Roma und Sinti.
Die «Zwischennutzung Schütze-Areal», unter-
stützt vom Quartierverein Zürich 5 Industrie-
quartier, ist ein Gemeinschaftsprojekt von Grün
Stadt Zürich, der Quartierkoordination und
Spielanimation der Kreise 3, 4 und 5 sowie der
Kinder- und Jugendpartizipation Mega!phon.
Text: Annina Keller, Katharina Merkel
Bild: Katharina Merkel
Siehe auch: Internationale Lust am Gärtnern,
in: Grünzeit Nr. 30, Juli 2009, S. 6 – 11.
Platz für grüne Daumen
Das Schütze-Areal beim Escher-Wyss-Platz liegt seit Jahrzehnten brach und
war bis anhin für die Quartierbevölkerung nur begrenzt nutzbar. Jetzt wird ihm
neues Leben eingehaucht.
einem Zaun umfasst. Auf der übrigen Allmend
können sich Hunde weiterhin frei bewegen; die
Auslaufmöglichkeiten bleiben im bisherigen
Umfang erhalten.
Die Rangers des «Aufsichts- und Informations-
diensts Allmend» (AIDA) achten darauf, dass
die Naturschutzgebiete und das Hundeverbot
in der Allmend I respektiert werden. Die AIDA-
Rangers kennen sich aus im Wesen und Verhal-
ten von Hunden. Sie geben auch bereitwillig
Tipps, wie den Vierbeinern am besten begegnet
wird, ebenso wie Informationen zur Naturförde-
rung und Auskunft über die Geschichte der All-
mend Brunau, die sich über die Jahrhunderte
vom Weideland über einen militärischen Exerzier-
platz zum Erholungsraum für alle gewandelt hat.
Text und Bild: Lukas Handschin
Wasserinsekten und Amphibien lassen sich am
besten in einem mitgebrachten, durchsichtigen
Plastiksack beobachten. Anschliessend müssen
die Tiere aber wieder ins Wasser zurückgesetzt
werden. Auf keinen Fall dürfen Kaulquappen,
Frösche oder andere Amphibien mitgenommen
werden.
Grünzeit Juli 2010 5
Nach fünfzehn Jahren «Zwischennutzung» wieder zugänglich
Rund ein Dutzend Jäger versammelten sich an
einem Dezembermorgen 1950 auf dem Höng-
gerberg zur Hasenjagd. Ein überraschender
Anblick im städtischen Wildschonrevier, in dem
die Jagd seit 1929 ruht und der Schongedanke
konsequent umsetzt wird. Aussergewöhnliche
Umstände hatten zu dieser Treibjagd geführt.
Die Hasen hatten in den schneereichen Wintern
an den Obstbäumen einen derart grossen
Schaden angerichtet, dass man sich zu drasti-
schen Mitteln gezwungen sah. Schliesslich la-
gen 54 Feldhasen auf der Strecke – ein klarer
Hinweis darauf, wie stark die Feldhasen damals
auf Stadtgebiet verbreitet waren.
In den folgenden Jahrzehnten sank der Hasen-
bestand rund um Zürich, wie auch in der ge-
samten Schweiz, kontinuierlich und teilweise
dramatisch. Zahlreiche Lebensräume gingen
durch die Intensivierung der Landwirtschaft
und durch die Bautätigkeit verloren. So ver-
schwanden im ehemals guten Hasengebiet
Hönggerberg durch den Ausbau der ETH die
Tiere fast vollständig. Auch am Uetliberg, dem
besten Hasengebiet der 1990er-Jahre, ging der
Bestand drastisch zurück. Hingegen haben
sich die Feldhasen auf dem Adlisberg zu Be-
ginn des neuen Jahrtausends plötzlich wieder
vermehrt. Dieser gegenläuge lokale Trend
lässt sich durch die Dauerbeweidung erklären.
Dabei können Junghasen überleben, wogegen
sie bei intensiv bewirtschafteten Wiesen regel-
mässig durch Mähmaschinen getötet werden.
Meister Lampes verstecktes Leben
Ursprünglich stammt der Feldhase aus den
Steppengebieten Asiens mit offenen Land-
schaften und geringer Bewaldung. Der hiesige
Ackerbau bietet ideale Hasengebiete, voraus-
gesetzt die Feldhasen nden genug Deckung in
Hecken und Feldgehölzen sowie ein vielfältiges
Der Feldhase ist in der Schweiz zwar noch weit verbreitet, der Bestand befindet
sich aber in fast allen Regionen auf einem kritisch tiefen Niveau. Ursachen dafür
sind die intensive Landwirtschaft und die Zerschneidung der Lebensräume.
Nahrungsangebot in Form von Wildkräutern auf
Brachächen. Der Wald dient dem dämme-
rungs- und nachtaktiven Nagetier lediglich als
Rückzugsgebiet während des Tages.
Bei Gefahr drücken sich Feldhasen bewe-
gungslos an den Boden, von dem sie mit ihrem
graubraunen Fell kaum zu unterscheiden sind.
Erst im allerletzten Moment ergreifen sie die
Flucht. Dabei erreichen sie über kurze Distan-
zen Geschwindigkeiten bis zu 70 Kilometer pro
Stunde und springen bis zu zwei Meter hoch.
Starke Bestandesschwankungen
Der Feldhase ist nachtaktiv, was die Ermittlung
seiner Bestandesgrösse nicht einfach macht.
Auf festgelegten Routen werden mit Schein-
werfern die Felder abgeleuchtet und die Anzahl
der Tiere ermittelt, sodass verlässliche Zählun-
gen in gut erschlossenen und überblickbaren
Gebieten möglich sind. Charakteristisch für
Feldhasenbestände sind zudem die starken pe-
riodischen Schwankungen zwischen hoher und
geringer Tierdichte. Der Rhythmus dieses
«Massenwechsels» umfasst sieben bis zehn
Jahre – bedingt durch Witterung, Nahrungsan-
Wohin hoppelt Meister Lampe?
Die neue Feldhasen-Anlage im Langenberg bietet bessere Beobachtungsmöglichkeiten
Feldhasen beobachten ohne Feldstecher
in der neu gestalteten Feldhasen-Anlage im Langenberg.
6 Grünzeit Juli 2010
gebot, Raubfeinde und menschliche Beein-
trächtigungen. Die über Jahrzehnte abnehmen-
de Bestandesentwicklung lässt jedoch weitere
Ein ussfaktoren vermuten.
Im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt über-
wacht die Schweizerische Vogelwarte Sem-
pach seit 1991 die Entwicklung der Feldhasen-
bestände in der Schweiz. Heute werden
durchschnittlich nur noch drei Hasen pro 100
Hektar gezählt, was von den Experten als sehr
geringe Dichte angesehen wird. In Ackerbauge-
bieten liegt die Zahl mit vier bis fünf Hasen pro
100 Hektar leicht höher.
Die Erhaltung geeigneter Feldhecken sowie die
Schaffung von Magerwiesen und Brach ächen
könnten Meister Lampe das Leben insbeson-
dere auch in Ackerbaugebieten erleichtern, so-
dass er sich wieder verbreiten kann.
Feldhasen im Langenberg
Seit 1995 können Besucherinnen und Besucher
die Feldhasen im Wildnispark Zürich Langen-
berg in einer traditionellen Kulturlandschaft er-
leben. Die Anlage besteht aus Wiesen und
klein ächigen Feldern mit verschiedenen Feld-
früchten, Getreiden und Wiesenkräutern, ein
Waldrand bietet Deckung. Die Hasen nden da-
mit ihre wesentlichen Lebensraumelemente vor
und p anzen sich teilweise fort.
Erfolgreicher war die Nachzucht in einem an-
grenzenden, eingezäunten Wäldchen. Dort ver-
mehrten sich die Feldhasen so zahlreich, dass
einzelne Tiere in die Schauanlage umplatziert
wurden. Im Laufe der Zeit wurde deren alter
Zaun jedoch löchrig, und es rissen immer wie-
der Hasen aus, worauf die Zucht eingestellt
wurde. Dieser Teil der Feldhasenanlage wurde
im letzten Winter vollständig neu gestaltet. Be-
sucher können nun auch die Feldhasen im hin-
teren Anlageteil beobachten. Zurzeit leben ein
Rammler und fünf Häsinnen im Langenberg.
Aufbauend auf den Erfahrungen des Instituts
für Zoo- und Wildtiere in Berlin entstanden neue
Zuchtställe, der Wald wurde ausgelichtet und
neu eingezäunt. Künftig werden unter mög-
lichst naturnahen Bedingungen wieder zahlrei-
che Feldhasen im Langenberg leben.
Text: Regina Kurschat, Christian Stauffer
Bilder: Wildnispark Zürich, Albertina Wien
FELDHASEN-HOCHZEIT
Jedes Frühjahr finden sich Dutzende Hasen auf
dem Hochzeitsplatz ein. In wilden Paarungsritu-
alen finden Rammler und die Häsinnen durch Dro-
hen, Kämpfen und eifriges Umwerben zusammen.
Nach 42 Tagen werden die voll entwickelten Jun-
gen geboren und verlassen ihre Kinderstube
schon nach wenigen Tagen. Eine Häsin kann be-
reits während sie noch mit Jungen trächtig ist, er-
neut befruchtet werden. Die Zweiteilung der Ge-
bärmutter macht diese sogenannte Superfötation
möglich. Dieses «Naturwunder» führt dazu, dass
eine Häsin bis zu vier Mal jährlich trächtig werden
und etwa zehn Junge gebären kann.
Gut getarnt drückt sich ein Feldhase mit angelegten Ohren
tief in eine Bodenmulde. Das in der Wiener Albertina aufbewahrte Aquarell «Junger Feldhase» aus
dem Jahr 1502 ist die wohl berühmteste Naturstudie Albrecht Dürers.
Oft kopiert und abgewandelt markiert es den Beginn einer neuen Kunst-
gattung, des Tierstücks, der Tierdarstellung als Stillleben.
Als früher weitverbreitetes heimisches Tier fand der Feldhase mit seiner
sprichwörtlichen Scheu, Schnelligkeit und Wendigkeit und seinen langen
Ohren auch Eingang in Märchen (Der Hase und der Igel) und Rede-
wendungen (Hasenfuss, schweizerdeutsch: Schisshaas, Meister Lampe).
Grünzeit Juli 2010 7
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Vom 27.– 29. Juni 2011 findet in Zürich der 48. Weltkon-
gress der Landschaftsarchitektinnen und Landschafts-
architekten sowie verwandter Berufe statt. Erwartet
werden über 600 Berufsleute sowie Studentinnen und
Studenten aus aller Welt.
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27– 29 June 2011 in Zurich. More than 600 professionals
and students from all over the world are expected.
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Beatenplatz 2, 8001 Zürich
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Sich mit dem Mountainbike im Wald zu bewe-
gen, ist attraktiv und wird immer beliebter. Das
dichte Netz von Waldstrassen und die gut aus-
gebauten Bikestrecken bieten für jeden Ge-
schmack und jedes Können das Richtige. Ei-
gens angelegte Trails und Parcours für
Anfänger, Fortgeschrittene, Plauschfahrer und
Pro s verhindern, dass der Spass auf dem Bike
nicht zum Ärger für Wanderer und Jogger wird,
Wildtiere aufgeschreckt werden oder der Wald
Schaden nimmt.
Der Zürcher Stadtwald ist für alle da. Respekt
vor der Natur und Rücksicht auf andere Erho-
lungssuchende oder Sporttreibende sind
selbstverständlich auch auf dem Bike. Das
gesamte Gemeindegebiet der Stadt Zürich ist
ein Wildschonrevier. Deshalb ist das Biken nur
auf den dafür vorgesehenen Waldstrassen,
Tracks und Trails erlaubt. Quer durch den Wald
zu fahren sowie Downhill-Rennen abseits der
Pisten sind rücksichtslos und werden nicht ge-
duldet.
Neu im Angebot: Pumptrack Zürichberg
Auf Anregung und nach Plänen von Exponen-
ten aus der Schweizer Bike-Szene haben Forst-
mitarbeitende des Waldreviers Nord von Grün
Stadt Zürich dieses Frühjahr den in die Jahre
gekommenen Bikeparcours beim Schlachten-
denkmal am Zürichberg (im Gebiet Hanslinweg-
Moosholzstrasse-Batteriestrasse) zu einem
Pumptrack umgebaut. Anstelle des Geschick-
lichkeitsparcours ist ein Rundkurs getreten,
dessen Wellen und Steilwandkurven, ohne in
die Pedale zu treten, allein durch rhythmische,
«pumpende» Arm- und Beinbewegungen und
Gewichtsverlagerung des Oberkörpers befah-
ren werden können.
Biketrails Uetliberg und Höckler
Die beiden Mountainbike-Singletrails sind stel-
lenweise sehr steil. Sowohl derjenige am Uetli-
berg mit 3,5 km Länge und einem durchschnitt-
lichen Gefälle von 10 Prozent, als auch der
500-Meter-Trail am Höckler erfordern Mut, Ge-
schicklichkeit und eine gute Beherrschung des
Bikes.
Bikeparcours Murmeliwiese
Der Bikeparcours im Friesenberg-Quartier an
der Bachtobelstrasse kam auf Initiative zweier
Jugendlicher zustande. Die im Jahr 2009 eröff-
nete Bikestrecke besteht aus Pumptrackele-
menten mit Steilwandkurven und Tables, über
die auch gesprungen werden kann.
Bald im Angebot: Bikepark Sihlcity
Auf einem schmalen Spickel zwischen Allmend-
strasse und Sihl, gleich neben dem Parkhaus
des Einkaufszentrums Sihlcity, ist ein Bikepark
in Planung, der voraussichtlich Ende 2011 fer-
tiggestellt sein wird. Das weitläu ge Übungsge-
lände bietet vielfältige Möglichkeiten, seine Fä-
higkeiten auf dem Bike zu trainieren und seinen
Fahrstil zu verbessern. Der vielseitig kombinier-
PUMPTRACK-EINMALEINS
Die ersten Pumptracks wurden 2003 in Aust-
ralien von Pro -Downhillern gebaut. Weltweit
bekannt wurde die neue Trendsportart 2005
durch den Mountainbike-Film «Earthed 2».
In einem Video auf der Website von Grün
Stadt Zürich erklärt der 4X-Weltklassefahrer
Roger Rinderknecht aus Winterthur, Anwärter
auf einen erneuten Podiumsplatz an den Welt-
meisterschaften und eine Quali kation für die
Olympischen Spiele 2012 in der Kategorie
BMX Race, die richtige Pumptrack-Technik.
Weitere Videos auf youtube.com.
www.stadt-zuerich.ch/sport-im-gruenen
Sport und Plausch auf zwei Rädern
Grün Stadt Zürich baut für Biker
Biken hat sich zu einer etablierten Sport-
art entwickelt. Um diesem Freizeit- und
Sportbedürfnis zu entsprechen, investiert
Grün Stadt Zürich in Bikeparcours,
Pumptracks und Freestyleanlagen.
bare Parcours mit untereinander verbundenen
Wellen, Steilwandkurven, Tables, einer BMX-
Bahn, Dirtjumps und Pumptracks erlaubt immer
wieder neue, ganz unterschiedliche Fahrlinien
verschiedenster Schwierigkeitsgrade.
Text: Annina Keller
Bild: Iris Garot
Siehe auch: Mit dem Bike auf Kieswellen surfen, in:
Grünzeit Nr. 21, Okt. 2009, S. 12 – 13.
Grünzeit Juli 2010 9
Draussen ist es kalt und garstig. Spätwinter.
Gar keine Ausgehzeit für Igel. Im Gegenteil: In
diesen Zeiten halten Igel ihren Winterschlaf ab
und träumen vielleicht – wer weiss das so ge-
nau? – von gut genährten Raupen … Doch das
garstige Wetter ist kein Grund für Jay, den
Mischlingsrüden von Ann Bachmann, Tiertrai-
nerin und Hundespezialistin, sich nicht einmal
mehr als Igelspürhund zu bewähren.
Wildtierfreundliche Genossenschaften
Dass Jay zum Winterdienst aufgerufen wurde,
ist der wildtierfreundlichen Haltung zweier
Genossenschaften in der Stadt Zürich zu ver-
danken. Zum einen der Baugenossenschaft
Linth-Escher, die sich direkt, und der Familien-
heim-Genossenschaft Zürich, die sich via Grün
Stadt Zürich mit Ann Bachmann in Verbindung
setzte. Beide Genossenschaften haben im Rah-
men geplanter Neubauten einen Teil ihrer Alt-
bauten abgebrochen.
In der Regel kümmert sich kaum jemand dar-
um, ob bei einem Abriss allenfalls Wildtiere zu
Schaden kommen. Dabei steckt keine böse Ab-
sicht dahinter, vielmehr Unkenntnis darüber,
Der Mischlingsrüde Jay, der einzige und erste Igelspürhund in der Schweiz,
stöberte auf der Baustelle zweier Abbruchobjekte insgesamt vier Igel auf,
die dank der Suchaktion ihren Winterschlaf in Sicherheit fortsetzen konnten.
was rund um eine Wohnsiedlung alles so kreu-
chen und  euchen kann. Igel zum Beispiel.
Doch in diesem Fall waren sich die beiden
Wohngenossenschaften ihrer Verantwortung
bewusst.
Lohnender Einsatz
So kam Jay zu seinen Wintereinsätzen. In Oer-
likon bei der Baugenossenschaft Linth-Escher
wurde Jay innert kürzester Zeit fündig und stö-
berte drei Igel auf. Am Friesenberg dauerte die
Suche länger, aber auch da wurde die Hartnä-
ckigkeit des Hundes mit einem Igel belohnt.
Alle aufgefundenen Igel ver elen nach der kur-
zen Störung rasch wieder in den Winterschlaf,
den sie an einem geschützten Ort in einem Ge-
hege verbrachten. Für die Igel, die alle nicht an
ihre Fundorte zurückkehren konnten, weil die
Bauarbeiten viel zu lange andauern, wurden im
Frühling gute Auswilderungsplätze gefunden:
Gärten mit einem breiten Nahrungsangebot an
Käfern und Würmern.
Text: Brigitta Javurek; Bild: Marlen Tinner Greber
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift
«Igel & Umwelt» Nr. 1, 2010.
Wildtierschutz bei Bauprojekten
Dank Spürhund Jay können Igel auf Baustellen in Sicherheit gebracht werden
SPÜRHUND AUF ABRUF
Immer wieder erhält das Igelzentrum Anrufe von
besorgten Igelfreunden, die melden, dass in ihrer
Nähe eine Siedlung abgerissen oder eine über-
wachsene Baubrache gerodet wird. Weil auf sol-
chen Arealen oft Igel gesichtet werden, sorgen sie
sich um das Wohlergehen der Tiere während der
Abbruch- und Bauarbeiten. Ann Bachmann und
ihr Igelspürhund Jay können in dieser Situation
helfen.
Anfragen für Suchaufträge nimmt das Igelzen-
trum Zürich entgegen: info@izz.ch,
oder Tel. 044 362 02 03 (Mo – Fr, 16 – 18 Uhr).
www.izz.ch/igelaufspuerhund
www.dog-school.ch
Aufspüren von Igeln auf der Baustelle der Familienheim-Genossenschaft Zürich an der Baumhaldenstrasse. Nachgestellte Szene bei schönem Wetter.
10 Grünzeit Juli 2010
Fundmeldungen von Ambrosia stark rückläufi g
Trotz des Rückgangs heisst es, wachsam zu bleiben
Die Bestände des für Allergiker problematischen Aufrechten Traubenkrauts
(Ambrosia artemisiifolia), auch Wilder Hanf genannt, gehen in der ganzen
Schweiz deutlich zurück.
Die allermeisten Ambrosia-Funde wurden in
Haus- und Familiengärten gemacht. Diese Be-
stände mit in der Regel weniger als zehn P an-
zen gingen am deutlichsten zurück. Im Kanton
Zürich von 397 (2006) auf 12 (2009), in der Stadt
von 33 (2006) auf 6 (2009). Grund dafür sind vor
allem die verstärkten Kontrollen des Vogelfut-
ters. Die meisten Posten enthalten laut Meldun-
gen der amtlichen Futtermittelkontrollen keine
Ambrosia-Samen mehr, auch wenn immer noch
10 Samen pro Kilogramm erlaubt sind.
In den kommenden Jahren geht es darum, eine
neuerliche Einschleppung und Ausbreitung zu
verhindern. Grössere Fundstellen aus den Vor-
jahren sollten weiterhin sehr sorgfältig kontrol-
liert werden, auch wenn letztes Jahr nichts
mehr gefunden wurde.
Als Ruderalp anze gedeiht Ambrosia vor allem
auf gestörten Flächen mit dünnem Bewuchs.
Oft wird sie durch Fahrzeuge eingeschleppt
und weiterverbreitet. Kiesgruben, Ödland, In-
dustrieareale, Humus- und Schuttdeponien,
INFORMATION ZU PROBLEMPFLANZEN
Ein Schaukasten in der Stadtgärtnerei mit Muster-
pflanzen von Ambrosia und Riesenbärenklau in-
formiert über deren Bekämpfung und Entsorgung.
Ausführliche, aktuelle Informationen zu Ambrosia
und weiteren Problempflanzen sowie Fundmelde-
blätter zum Ausdrucken finden sich auf
www.stadt-zuerich.ch/gsz > Suche: Problem-
pflanzen
Kontakt: bettina.tschander@zuerich.ch,
Tel. 044 412 27 15
Die Blütenpollen von Ambrosia artemisiifolia können schwere Allergien auslösen.
länger andauernde Baustellen sowie Ränder
neu gebauter Wege, Strassen und Geleise soll-
ten ebenfalls gezielt weiter kontrolliert werden.
Im Ackerland gibt es vermutlich immer noch
einige grosse Bestände, die nicht entdeckt wur-
den (in Getreide und Mais fallen Ambrosia nicht
auf). Um diese zu  nden, müssen die Ackerbau-
stellen der Gemeinden insbesondere alle Son-
nenblumenfelder vom Rand her kontrollieren.
Grosse Bestände entwickeln sich vor allem,
wenn in der Fruchtfolge Sonnenblumen ange-
baut werden.
Grosses Schadenpotenzial
Eine einzige Ambrosia-P anze bildet 3000 bis
6000 Samen pro Jahr, die bis zu 40 Jahre keim-
fähig bleiben. Die Pollen, von denen jede P an-
ze Milliarden freisetzt, enthalten ein äusserst
starkes Allergen, das Heuschnupfen, schweres
Asthma oder andere Allergien auslösen kann,
auch bei Personen, die sonst keine Allergien
kennen. Weil die Ambrosia von Mitte Juli bis
Oktober und somit später als andere Allergie-
p anzen blüht, verlängert sie die Pollensaison
um mehrere Wochen. Gemäss dem Bundesamt
für Gesundheit sind 14 Prozent der Bevölke-
rung stark und weitere 26 Prozent schwach an-
fällig auf Ambrosia-Allergien. Bei durchschnitt-
lichen jährlichen Behandlungskosten von 100
Franken pro Allergiker und 1000 Franken pro
Asthmatiker wird deutlich, dass abgesehen von
der persönlichen Belastung für die Betroffenen,
der Ambrosia-Bekämpfung auch eine hohe
volkswirtschaftliche Bedeutung zukommt.
Text: Lukas Handschin
Bild: Grün Stadt Zürich
Grünzeit Juli 2010 11
Mergoscia, Posta. Endstation. Eine Kinder-
schar drängt hinaus aus dem Bus, auf die Piaz-
za. Darunter Sarah und Max (alle Namen geän-
dert). Sie schultern ihre Rucksäcke. Der Aufstieg
beginnt. Die Sonne brennt. Sarah und Max neh-
men zum vierten Mal an der Spektakelwoche,
einem Theaterworkshop für Kinder und Jugend-
liche teil. Sie freuen sich schon auf die Auffüh-
rung am Freitagabend, auf die vielen Gäste aus
Mergoscia und auf die Eltern, die von Zürich
anreisen werden. Aber zunächst wartet noch
viel Arbeit auf sie: Eine Geschichte erfi nden,
Szenen üben, Kunststücke proben und musika-
lische Einlagen einstudieren. Nach dem steilen
Aufstieg öffnet Sarah das letzte Holzgatter.
Von der Piazza aus hat man eine wunderbare
Sicht über den Verzasca-Stausee auf den Lago
Maggiore, auf den Monte Tamaro und den Mon-
te Gambarogno. Das ehemalige Maiensäss
Monti di Cortoi kann nur zu Fuss erreicht wer-
den.
Die gemeinnützige Genossenschaft Campo Cortoi vermietet auf dem ehemaligen
Maiensäss Monti di Cortoi fünf ausgebaute Rustici an Schulklassen und andere
Gäste. Sie organisiert Kinder- und Familienlager und führt Arbeitseinsätze durch.
Auch Max hat die letzte Treppenstufe ge-
schafft. Er legt den Rucksack ab und trinkt ei-
nen Schluck Wasser. Herrlich, das Wasser auf
Cortoi!
In den 1960er-Jahren wurde die Genossen-
schaft Campo Cortoi im Rahmen der Lager-
und Freizeitaktivitäten des damaligen Jugend-
hauses Drahtschmidli gegründet. Sie kaufte die
zum Teil zerfallenen und verlassenen Ställe und
setzte sich zum Ziel, das Maiensäss wieder auf-
zubauen und neu zu beleben. Bei vielen Reno-
vationsarbeiten sind Jugendliche beteiligt. So
bauten Zimmermannslehrlinge der Berufsschu-
le Wetzikon im November 2009 einen neuen
Holzunterstand. Für Lager und Ferienvermie-
tungen stehen fünf ausgebaute Rustici zur Ver-
fügung. Sie bieten Platz für 26 Personen. Im
Gemeinschaftshaus können die Gäste spielen
und essen. Die Lagerküche bietet genügend
Kapazität, selbst für grosse Veranstaltungen.
Warmwasser wird in Sonnenkollektoren aufbe-
reitet, der elektrische Strom stammt aus den
Photovoltaikanlagen. Licht gibt es nur in den
Küchen, Toiletten, Duschen und den Gemein-
schaftsräumen. Das Abwasser durchläuft eine
von der Genossenschaft betriebene, mehrstu -
ge Kläranlage. Gekocht und geheizt wird mit
Holz aus der Umgebung. Die einfache und
überschaubare Infrastruktur ermöglicht den
Kindern und Jugendlichen einen Einblick in die
Kreisläufe von Energie, Wasser und Entsorgung
und macht ökologische Zusammenhänge ver-
ständlich.
BILDUNG UND NATURERFAHRUNG
Campo Cortoi ist ein Bildungs- und Erfahrungs-
raum für Handwerk, Natur, Zusammenleben, Frei-
zeit, Kultur, Sport und Ökologie. Das Maiensäss,
das die gemeinnützige Genossenschaft wieder in
Stand gestellt hat, steht Gruppen, Schulen und
privaten Gästen zur Verfügung.
Eine wichtige Aufgabe ist die Erhaltung und Pfle-
ge der Kulturlandschaft der Gemeinde Mergoscia.
Die Zusammenarbeit mit dem 2003 gegründeten
Verein Pro Mergoscia verstärkt den Kontakt mit
der einheimischen Bevölkerung und bietet neue
Möglichkeiten, Jugendliche in sinnvollen und inte-
ressanten Arbeitseinsätzen zu beschäftigen.
Campo Cortoi erhält vom Sozialdepartement der
Stadt Zürich Beiträge für Übernachtungen von
Kindern und Jugendlichen aus der Stadt Zürich.
Für alle anderen Aktivitäten ist sie auf Spenden-
gelder angewiesen.
Die Rustici auf der Alp Monti di Cortoi sind nur zu Fuss erreichbar.
Tessiner Maiensäss mit Zürcher Wurzeln
Auf Campo Cortoi fi nden Kinder ihr Paradies und Jugendliche den Zugang zur Natur
ANGEBOTE VON CAMPO CORTOI
Kinder-, Jugend- und Familienlager
Handholzerei-Kurse
Kulturelle Anlässe wie Filmnacht, Konzert,
Castagnata
Arbeitseinsätze für Schulklassen und Lehrlings-
gruppen: Wiederaufbau von Trockenmauern,
Rekultivierung von vergandeten Weiden
Wegsanierungen und Räumungsarbeiten in der
Kastanienselve
Vermietung für Familienferien, Kinder- und Klas-
senlager, Firmenretraiten, Studienwochen usw.
Genossenschaft Campo Cortoi, 6647 Mergoscia
Tel. 091 745 26 08, 079 354 32 32
campocortoi@email.ch, www.campocortoi.ch
Kontonummer: PC 87-435615-0
www.mergoscia.ch
12 Grünzeit Juli 2010
Im November und Februar führt die Genossen-
schaft Handholzereikurse durch. Damit wird der
Holzvorrat für den Winter gesichert und gleich-
zeitig die Umgebung von Cortoi vor Verwaldung
geschützt.
Die Kinder haben bereits drei Nächte auf
Cortoi verbracht. Max läuft soeben im Hand-
stand über die grosse Wiese. Sein Freund übt
den Salto. Sarah malt ein Plakat. In der Küche
brutzelt ein Braten. Die Premiere von Freitag-
abend nimmt Formen an; die Gäste sind einge-
laden.
Seit gut fünfzehn Jahren organisiert die Genos-
senschaft Kinder-, Jugend- und Familienlager.
Immer wieder kommt es vor, dass Kinder über
mehrere Jahre regelmässig nach Campo Cortoi
kommen. Abseits des Rummels  nden sie Zeit
für sich und ihre Freunde. Holz spalten, am
Holzherd kochen, Brot backen. Die Umgebung
lädt zum Entdecken ein. Auf der grossen Wiese
wird gespielt. Schöne Dörfer und wilde Wasser-
fälle wollen entdeckt werden.
Neben den eigenen Lagern vermietet die Ge-
nossenschaft die Häuser an Schulklassen, an
Organisationen wie WWF oder Pro Natura, die
ihrerseits Kinderlager durchführen, sowie an
private Gäste.
Legendär sind die Feste und kulturellen Anlässe
wie die Filmnacht, das Sommerkonzert und die
Castagnata, an denen auch viele Einwohner
aus Mergoscia teilnehmen. Die intensive Bezie-
hung zum Dorf zeigt sich auch im Projekt, «Kul-
tur- und Naturweg» zur Erhaltung der Kultur-
und Naturlandschaft von Mergoscia.
Eine grosse Bedeutung haben auch die Arbeits-
einsätze von Schulklassen und Lehrlingsgrup-
pen. Dabei werden die zum Teil jahrhunderte-
alten Kastanienselven und deren typische
Trockenmauern wieder hergerichtet, vergande-
te Weiden gerodet und Wege saniert.
Freitagabend: Die jugendlichen Schauspie-
lerinnen und Schauspieler haben Lampenfi eber.
Unter die Gäste aus dem Dorf mischen sich El-
Filmnacht (17./18. Juli )
Filmnacht (17./18. Juli )
Eine Nacht, zwei Filme und tausend Sterne.
Das besondere Filmvergnügen auf 1000 Meter
über Meer.
Kinderlager (15. bis 21. August )
Kinderlager (15. bis 21. August )
Eine Woche voller Zirkus, Zauber und Spektakel.
Familienlager (10. bis 16. Oktober )
Familienlager (10. bis 16. Oktober )
Steinmannli und Wichtelhütte.
Castagnata (23./24. Oktober )
Castagnata (23./24. Oktober )
Das Kastanienfest für Gross und Klein, mit Spiel
und Musik.
Details und Anmeldung: www.campocortoi.ch
KRÄFTIGE HÄNDE GESUCHT
Die Holzereiwoche für Anfänger und Fortgeschrit-
tene bietet eine Einführung in die Handholzerei.
Gleichzeitig wird dabei der Holzvorrat für den
Winter gesichert. Die Teilnahme ist kostenlos,
inkl. Kost und Logis (auch tageweise möglich).
31.Oktober bis 7. November 2010
Bei schönem Wetter wird draussen auf der Piazza gegessen. Theaterproben machen hungrig!
tern, die extra von Zürich angereist sind. Sie
kommen in den Genuss eines wunderbaren
Spektakels, einer Geschichte mit zirzensischen
Momenten und viel Musik. Am Tag danach
heisst es für die Kinder Abschied nehmen – um
eine Erfahrung reicher, mit neu geknüpften oder
vertieften Freundschaften. Wer einmal eine Wo-
che in den Monti di Cortoi verbrachte, wird die
Stimmung dort nicht so schnell vergessen und
bald wiederkommen.
Text: Christine Baumann
Bilder: Andres Butz, Campo Cortoi
Grünzeit Juli 2010 13
Im Verzascatal werden seit Jahrhunderten die
steilen Hänge terrassiert, um das Kultivieren
von Edelkastanien zu ermöglichen. Unzählige
Stützmauern schützen die steilen Hänge vor
Erosion und bieten zudem vielfältige Lebens-
räume für unterschiedlichste Arten der örtlichen
Fauna und Flora. Nach der Aufgabe der traditi-
onellen Landwirtschaft stürzten grosse Teile
dieser Trockensteinmauern ein.
Die Genossenschaft Campo Cortoi hat sich
zum Ziel gesetzt, die alte Kulturlandschaft der
Region zu erhalten und neu zu beleben. Dazu
gehört in erster Linie die Wiederherstellung der
alten Kastanienselven. Dabei werden unter an-
derem die Trockensteinmauern nach alter Kunst
saniert und wieder aufgebaut.
Erfahrungen fürs Leben
Auf dem Maiensäss oberhalb von Mergoscia
auf 1000 Meter über Meer leben und arbeiten
die Lernenden von Grün Stadt Zürich in der
Gruppe. Es gibt weder Strom noch warmes
Wasser. Gekocht wird mit Holz, das laufend be-
schafft und aufbereitet werden muss. Die einfa-
chen Verhältnisse stehen in starkem Kontrast
zum gewohnten Leben in Zürich. Durch die har-
te Arbeit lernen die Jugendlichen, Verantwor-
tung gegenüber der Gruppe zu übernehmen.
Der gemeinsame Einsatz für ein ökologisch
wertvolles Projekt stärkt den Zusammenhalt in
der Gruppe und wirkt sich nachhaltig auf das
Verhalten am Arbeitsplatz aus.
Traditionelles Wissen weitergeben
Beim Bau von Trockensteinmauern muss dar-
auf geachtet werden, dass die Mauer auf einem
guten Fundament gründet. Dieses muss zum
Teil im Boden vergraben werden. Bei grösseren
Mauern sollte eine Schnur gespannt werden,
um die Flucht und den Anzug (Mauerneigung
gegen den Hang) der Mauer einhalten zu kön-
nen. Die vorderste Reihe der Mauer wird mit
relativ grossen Steinen gebaut, die eine mög-
lichst gerade und optisch ansprechende Stirn-
seite ergeben. Nach hinten werden die Steine
kleiner, und die Mauerrückseite wird mit Schot-
ter aufgefüllt. Dadurch kann das vom Hang ab-
iessende Wasser durchsickern, und es bildet
sich keine Staunässe. Beim Aufeinanderschich-
ten der Steine muss darauf geachtet werden,
dass die Fugen möglichst klein gehalten wer-
den. Einzelne lange «Bindersteine» verbinden
Das Bauen von Trockensteinmauern gehört zum Ausbildungsprogramm der
Lernenden bei Grün Stadt Zürich. Nirgends lässt sich dies besser durchführen
als auf Campo Cortoi.
die Mauer mit der dahinterliegenden Schotter-
packung. Wackelnde Steine werden mit Bruch-
stücken verkeilt.
Sabrina Häusermann, Lernende Fachfrau
Hauswirtschaft, war anfänglich sehr skeptisch,
ob ihr das «Arbeitslager» gefallen werde: «An-
fangs wollte ich nicht ins Lager, doch jetzt, wo
ich hier bin, nde ich es trotz der Anstrengung
cool, da wir uns gegenseitig kennenlernen kön-
nen. Es ist ein schöner Ort, und wir machen
etwas Sinnvolles für die Natur
Simon Peier, Lernender Forstwart, sah der Ab-
wechslung zum Alltag positiv entgegen: «Als
ich vom Lager erfuhr, habe ich mich darauf ge-
freut. Hier bereiten mir vor allem die Arbeit, das
Zusammensein mit anderen Lernenden und die
schöne Gegend Freude. Auch lernt man neue
Sachen, und die Lernenden aus dem Büro erfah-
ren auch mal, was körperliche Arbeit bedeutet.»
Die Arbeit der Jugendlichen aus Zürich wird im
Tessin sehr geschätzt. Dazu Urs Nüesch, Leiter
des Projekts: «Dank der motivierten Freizeit-
maurer von Grün Stadt Zürich konnten wir in
den letzten Jahren zahlreiche Trockenstein-
mauern wieder herrichten. Das Resultat spricht
für sich.»
Text: Jennifer Peterlein, Doris Zundel
Bilder: Grün Stadt Zürich
Mehr als trockenes Steine-Schichten
Gemeinnütziger Arbeitseinsatz, Ausbildung und Lebensschule für Lernende
14 Grünzeit Juli 2010
Die enorme Vielfalt unterschiedlicher Panzen
und Tiere in vielen Tropenländern hat die For-
scher schon früh fasziniert. Alexander von
Humboldt vermerkte 1808 in seinen Ansichten
der Natur: «Wollte man all die Orchideen, die
Pfeffer- und Pothosarten, die auf einem einzi-
gen Heuschreckenbaum oder amerikanischen
Feigenbaum wachsen, sorgsam verpanzen, so
würde ein ganzes Stück Land damit bedeckt.
Durch diese wunderliche Aufeinanderfolge er-
weitern die Wälder, wie die Fels- und Gebirgs-
wände, das Bereich [sic!] der organischen Na-
tur.» Auf der Basis von Gustav Heynholds
Nomenclator Botanicus Hortensis schätzte
Humboldt 1846 die Gesamtzahl der Panzen
ziemlich präzise auf 213 000 Arten; eine für die
damalige Zeit geniale Leistung!
15 Millionen Tiere, 300 000 Pflanzen
Diese immense Vielfalt ist aber bis heute nur
unvollständig erforscht. Anhand von Hochrech-
nungen vermutet man mehr als zehn, vielleicht
zwanzig Millionen Arten von Lebewesen auf un-
serem Planeten; wissenschaftlich beschrieben
sind davon jedoch bisher nur ca. 1,7 Millionen.
Davon machen alle Panzen zusammen nur ca.
300 000 Arten aus. Der grosse Rest entfällt auf
Tiere, wobei die Arthropoden (wirbellose Tiere
mit einem Hautpanzer, Körpersegmenten und
Gliedmassen wie Insekten, Spinnen und Scha-
lentiere) mit über 15 Millionen die Mehrheit dar-
stellen. Während die Tiere mit ihrer grossen
Anzahl etwa 80 Prozent der Biodiversität aus-
machen, bilden die Panzen das Kraftwerk un-
serer Erde, indem sie etwa 80 Prozent der Bio-
masse bereitstellen. Sie sind die wichtigsten
Strukturelemente aller terrestrischen Lebens-
gemeinschaften. Praktisch die gesamte Ernäh-
rung, Kleidung und medizinische Versorgung
der Menschheit stützen sich auf Panzen.
Ungleiche Verteilung der Vielfalt
Die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten
ist aufgrund der ungleichen Verteilung der
abiotischen Faktoren der Lebensräume (Klima,
Gesteinsuntergrund, Böden, Wasserverfügbar-
keit: zusammen Geodiversität) extrem ungleich
verteilt. Bedingt durch die zunehmende Gunst
der hygrothermischen Parameter nimmt die
Artenvielfalt von den Polen in Richtung der
Die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten ist höchst ungleichmässig verteilt
und bis heute nur unvollständig erforscht.
Äquatorialgebiete zu. Es gibt aber auch grosse
Teile im Kongo-Becken Afrikas, in denen die
Diversität nicht grösser ist als in den Gebirgsre-
gionen Mitteleuropas. Andererseits beherber-
gen die tropischen Anden Südamerikas fast vier
Mal so viele Panzenarten wie der gesamte
europäische Kontinent. Dies unterstreicht die
Rolle der Gebirge als Gebiete hoher Geodiver-
sität und damit extrem hoher Habitatvielfalt als
Grundlage für eine ebenso hohe Biodiversität.
Interdisziplinäre Biodiversitätsforschung
Noch lange werden Wissenschaftler vor allem
in den Regen- und Bergwäldern der Tropen
Neues entdecken. Allein auf Madagaskar wur-
den in den letzten Jahren mehr als hundert
neue Springkraut-Arten (Impatiens) entdeckt. In
Mitteleuropa ist nur eine einzige Art, das Grosse
Springkraut oder Rührmichnichtan (Impatiens
noli-tangere), ursprünglich heimisch, mehrere
weitere Arten sind jedoch als Neophyten fest
eingebürgert.
Die biologische Vielfalt wird aber auch zuneh-
mend im Labor oder am Computer erforscht.
Dabei suchen Forschende nach neuen medizi-
nisch nutzbaren Inhaltsstoffen. Oder sie schlies-
sen mit Hilfe von Informationssystemen Lücken
im Netzwerk von Naturschutzgebieten. Durch
Biodiversität im Fokus der Forschung
Ernährung, Kleidung und medizinische Versorgung der Menschheit stützen sich auf Pflanzen
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Barthlott, Kier, Kreft, Küper, Rafiqpoor, Mutke 2005, 2007
©Barthlott
Arten pro
10.000 km2
Biodiversität: Globale Artenzahlen der Panzen
Globale Artenzahlen der Panzen. Karte: Barthlott, Kier, Kreft, Küper, Rafiqpoor, Mutke 2005
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Barthlott, Kier, Kreft, Küper, Rafiqpoor, Mutke 2005, 2007
©Barthlott
Arten pro
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Biodiversität: Globale Artenzahlen der Panzen
Grünzeit Juli 2010 15
moderne Methoden der molekularen Systema-
tik werden viele Arten in den Stammbaum des
Lebens neu eingeordnet.
Die wichtigste Veränderung der letzten Jahr-
zehnte ist aber, dass die Forscher aus westli-
chen Ländern zunehmend mit ihren Kolleginnen
und Kollegen in Entwicklungsländern zusam-
menarbeiten und vor Ort Forschungskapazitä-
ten aufbauen. Ein Beispiel ist das interdiszipli-
näre Projekt des deutschen Bundesministeriums
für Bildung und Forschung mit Partnern aus
Äthiopien, das die genetische Diversität von
Coffea arabica untersucht. Die heutige globale
Produktion von Kaffee im Wert von jährlich etwa
13 Milliarden US-Dollar, an der etwas über
sechzig Länder beteiligt sind, basiert auf einem
einzigen Typ von Coffea arabica. In den Bergre-
genwäldern Äthiopiens wachsen jedoch dreis-
sig wilde endemische Typen des Kaffee-
strauchs. Die Vielfalt dieses wertvollen
Wildkaffees ist heute durch den Ein uss des
Menschen stark bedroht. Das Projekt will dieser
Gefahr begegnen und die biologische Vielfalt
der Coffea arabica schützen.
«Grünes Gold» bewahren
Über 20 000 P anzenarten werden vom Men-
schen direkt genutzt. Dennoch hängt die Er-
nährung von mehr als sechs Milliarden Men-
schen zu über 50 Prozent von nur vier Grasarten
ab: Weizen, Reis, Mais und Hirse. Doch nur eine
Die Ernährung von mehr als sechs Milliarden Menschen hängt zu über
50 Prozent von nur vier Grasarten ab: Mais, Hirse, Reis und Weizen.
Beispiel für die Bedrohung der endemischen Bio-
diversität auf einer Insel: Ein fossiles Ei des Ele-
fantenvogels, der bis vor wenigen hundert Jahren
auf Madagaskar heimisch war. Die bis zu 3 Meter
grossen und 400 Kilogramm schweren Elefanten-
vögel wurden nach der Besiedlung Madagaskars
durch den Menschen ausgerottet und überlebten
nur als Vogel Roc in «Tausendundeiner Nacht»
und vielen anderen arabischen Märchen.
einzige von über 6200 untersuchten Reissorten
war gegen ein Virus resistent, das in den
1970er-Jahren die gesamte Reisernte Südost-
asiens bedrohte.
Jedes Jahr werden neue medizinische Wirk-
stoffe in P anzen und Tieren entdeckt. So wer-
den aus dem Madagaskar-Immergrün (Catha-
ranthus roseus) Medikamente gegen Leukämie
und Hodenkrebs gewonnen. Auch bei den heu-
te neu eingeführten antibakteriellen Wirkstoffen
handelt es sich zu fast 80 Prozent um Naturpro-
dukte oder von diesen abgeleiteten Inhaltsstof-
fen. Das Gleiche gilt auch für etwa 60 Prozent
der Krebstherapeutika.
Bionik – Natur als Vorbild
Die Natur dient neben ihrer Rolle als Quelle des
menschlichen Lebens auch mit ihren über die
Jahrmillionen optimierten Lösungen als Vorbild
für technische Anwendungen, der sogenannten
Bionik. Die Heilige Lotosblume gilt in den asia-
tischen Religionen als Symbol der Reinheit:
Makellos sauber entfalten sich die Blätter aus
dem Schlamm der Gewässer. Das Phänomen
16 Grünzeit Juli 2010
Natur als Vorbild für technische Anwendungen: Übertragen auf technische Oberächen führen die
schmutzabweisenden Eigenschaften der Lotosblume dazu, dass sich fast alle im Freiland bendlichen
Materialien durch Regen selbst reinigen können.
der schmutzabweisenden Selbstreinigung wur-
de von Wilhelm Barthlott im Bonner Nees-Ins-
titut entdeckt und detailliert untersucht. Durch
die Übertragung dieser Eigenschaft auf techni-
sche Oberächen können fast alle im Freiland
bendlichen Materialien durch Regen gereinigt
werden.
Ein weiteres Beispiel: Eine Wasserspinne aus
Venezuela bleibt bei ihren Jagdausügen unter
Wasser vollständig trocken, weil mikroskopisch
feine Borsten auf ihrem Körper ein Luftpolster
bilden.
Die Übertragung dieses Effekts von «Schwim-
men, ohne nass zu werden» ist als Prototyp auf
Badebekleidung bereits gelungen. Ein weiterer,
bisher ungenutzter wirtschaftlicher Effekt: Weil
solche Luftschichten die Oberächenreibung
drastisch herabsetzen, könnten Schiffe bis zu
20 Prozent Treibstoff sparen.
Vielfalt durch Klimawandel bedroht
Ziel des von den Vereinten Nationen ausgerufe-
nen Internationalen Jahrs der Biodiversität ist
die Bewusstseinsbildung: Die unzähligen Insti-
tutionen, die im Bereich der Biodiversität for-
schen, sollen Informationen zum Schutz und
zur nachhaltigen Nutzung der Biodiversität ver-
breiten. Es sollen darüber hinaus möglichst vie-
le Organisationen, Institutionen, Firmen und
Einzelpersonen dafür sensibilisiert werden,
dem anhaltenden Verlust der globalen Biodiver-
sität entgegenzuwirken.
Beispiele für den Artenverlust sind zahlreich:
Allein in Afrika sind durch den Klimawandel
25 bis 42 Prozent der Panzenarten in den
nächsten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht.
Es werden immer mehr natürliche Lebensräu-
me zerstört, Ökosysteme übernutzt und ver-
schmutzt. Und wenn die Menschen gebiets-
fremde Arten in eine Region einbringen, ist
das gefährlich für das dortige Leben, da die
meisten invasiven Arten gegenüber den einhei-
mischen leider konkurrenzfähiger sind.
Auch der aktuelle Trend zum grossächigen An-
bau von Panzen zur Energiegewinnung als
Bio-Treibstoffe ist nicht unproblematisch. Neu-
ere Studien lassen erhebliche Zweifel an der
tatsächlichen Energiebilanz dieser Produkte
aufkommen. Wenn immer mehr Flächen für Öl-
panzen gebraucht werden, droht dem Regen-
wald eine neue Gefahr.
Text: Wilhelm Barthlott, M. Daud Rafiqpoor, Jens
Mutke, Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen,
Universität Bonn
Bilder: Wilhelm Barthlott (2), fotolia.de (4),
Grün Stadt Zürich (1)
www.nees.uni-bonn.de
Barthlott, W., Lauer, W. & Placke, A. (1996):
Global distribution of species diversity in vascular plants:
towards a world map of phytodiversity.
Erdkunde 50: 317– 328.
Barthlott, W. & Cerman, Z. (2006): Biologische
Oberflächen und ihr technisches Potenzial.
In: Blüchel, K.G. & Malik, F. (Hrsg.): Faszination Bionik.
Die Intelligenz der Schöpfung. Bionik Media GmbH,
München: 380 391.
Barthlott, W., Hostert, A., Kier, G., Küper, W., Kreft, H.,
Mutke, J., Rafiqpoor, M.D., & Sommer, J.H. (2007):
Geographic patterns of vascular plant diversity at
continental to global scales. Erdkunde 61(4): 305 315.
Fischer, E. & Rahelivololona, E. (2007): New taxa of
Impatiens from Madagascar IV. Adansonia 29: 269 315.
Zusammenfassung der Matinée-Veranstaltung
des Fördervereins der Sukkulenten-Sammlung
vom 17. Januar 2010.
Grünzeit Juli 2010 17
Nur wenige Spezialisten kennen den Rüsselkä-
fer Rhynchaenus testaceus, einen Winzling aus
der grossen Welt der kleinen Käfer, der wie ein
Floh springt. Das Tun seiner wenige Millimeter
langen Larven fällt eher auf. Sie verursachen
braune Flecken auf den Blättern von Erlen.
Meistens gibt es nur einen oder zwei davon pro
Blatt und das auch nicht allzu häug. Die
Bäume schädigt das nicht. Betrachte ich den
Springrüssler unter starker Vergrösserung, be-
wundere ich seine Sprungbeine, seinen kleinen,
langen Rüssel und die feinen, goldbraunen
Haare, die er auf seinem ganzen Körper trägt.
Wie frisch frisiert sieht er aus. Mich reizt es, sei-
ne Lebensweise zu ergründen. Doch wozu soll-
te ich solche Forschungen machen? Dass sie
mich interessieren, ist sehr persönlich. Wozu
der Erlen-Springrüssler gut ist, kann ich daraus
nicht ableiten. Warum soll er der Nachwelt er-
halten bleiben? Weil es ihn gibt und weil er zur
Lebensvielfalt der Erde, zur Biodiversität, ge-
hört, ist kein starkes Argument.
Vernichtung artenreicher Tropenwälder
Mit dem vom Umweltprogramm der Vereinten
Nationen (UNEP) ausgerufenen Internationalen
Jahr der Biodiversität soll der Schutz der Le-
bensvielfalt auf der Erde bis 2012 endlich kon-
kret vorangetrieben werden, nachdem in den
zwanzig Jahren seit dem «Umweltgipfel von
Rio» 1992, global gesehen, so gut wie nichts
geschehen ist. In den Tropen und Subtropen
werden Wälder in einem für uns in Europa kaum
vorstellbaren Ausmass gerodet. Die jährlichen
13 Millionen Hektar entsprechen einer Fläche
dreimal so gross wie die Schweiz. Seit «Rio»
macht das über 2,5 Millionen Quadratkilometer;
ein Viertel der Fläche von ganz Europa. Unab-
sehbare Verluste an Biodiversität sind damit
verbunden und ein Fünftel der weltweiten Zu-
nahme des CO2-Gehaltes der Atmosphäre.
Dass in Europa die Waldäche ein wenig zu-
nimmt, gleicht die globalen Schäden in keiner
Weise aus. Unser Wald ist weit weniger arten-
reich als die Tropenwälder. Zudem nimmt bei
Die Vernichtung von Tropenwäldern zur Produktion von Futtermitteln und Biokraft-
stoffen und das globalisierte Agrarsystem mit der damit verbundenen
Überdüngung der Böden gefährden die Biodiversität mit Abstand am meisten.
uns die Biodiversität stark ab. Für Deutschland
ergab die letzte Erfassung, dass 35 Prozent der
Tierarten und 26 Prozent der frei wachsenden
Panzenarten bestandsgefährdet sind. Bei vie-
len weiteren Arten, wie bei den Feldlerchen und
sogar beim Haussperling, nehmen die Bestän-
de zwar stark ab, aber sie sind noch nicht in
den kritischen Bereich akuter Gefährdung ab-
gesunken.
Unauffällige Tiere und Pflanzen
am meisten betroffen
Hauptgrund für den Schwund der Artenvielfalt
ist der Verlust natürlicher und naturnaher Le-
bensräume, im Fachjargon Biotope genannt. In
Deutschland sind drei Viertel aller Biotope ge-
fährdet. Und das trotz jahrzehntelanger An-
strengungen des staatlichen wie des privaten
Naturschutzes. Die genauere Untersuchung für
Bayern ergab, dass die stärksten Rückgänge
nicht etwa die Vögel oder die Säugetiere betref-
fen, sondern Tiere wie Ameisen und Libellen,
Kleinschmetterlinge und Käfer sowie Muscheln
und anderes Getier der Gewässer. Von 16 000
untersuchten Tierarten musste die Hälfte in eine
der Gefährdungskategorien eingereiht werden.
Bei den Panzen verhält es sich genauso.
Warum soll der Erlen-Springrüssler
nicht aussterben?
Gedanken zur Erhaltung der biologischen Vielfalt
Der Energiehunger unserer modernen Gesellschaft ist der grösste Feind der natürlichen Vielfalt. Bild: Kzenon, fotolia.de
18 Grünzeit Juli 2010
Direkte Verfolgung und Vernichtung der Arten
waren nicht der Grund. Für früher bejagte Vögel
und Säugetiere haben sich sogar dank des
Schutzes die besten Erfolge eingestellt. Wan-
derfalke und Steinadler, Seeadler und Kranich
breiten sich aus. Sogar mehrere Rudel Wölfe
leben wieder frei in Deutschland. Vielleicht
klappt später die Rückkehr des Braunbären,
auch wenn sie gewiss nicht annähernd so spek-
takulär verlaufen wird wie das Comeback der
Biber.
Landwirtschaft auf der Anklagebank
Die Erfolge für den Schutz der Vögel und der
Säugetiere zeigen, dass sich die Anstrengun-
gen lohnen. Viel schlechter steht es hingegen
um die unauffälligen Tierarten und auch um vie-
le Panzen. Die Inschutznahme hielt ihren Nie-
dergang nicht auf. Denn Hauptverursacher des
Artenschwundes wie der Biotopverluste ist die
moderne Hochleistungs-Landwirtschaft. Sie
hat das Land grossächig maschinengerecht
gestaltet, vereinheitlicht und überdüngt. Die
Überdüngung mit Stickstoffverbindungen stellt
die grösste Bedrohung für die Biodiversität dar.
Im Übermass verwendet, wurde der Stickstoff
zum «Erstick-Stoff» für die Artenvielfalt.
In den 1970er- und 1980er-Jahren kam es sehr
schnell zu einer allgemeinen Überversorgung
der Fluren mit Stickstoffverbindungen. Schon
seit etwa 1990 erhält in Deutschland jeder Hek-
tar pro Jahr zwischen 50 und 200 Kilogramm
Stickstoff zu viel. 30 bis 60 Kilogramm davon
stammen aus dem Autoverkehr und aus Hei-
zungen mit hohem Wirkungsgrad, weil Luft-
stickstoff mit verbrannt wird.
Stallvieh frisst Biodiversität
Dieses Übermass begünstigt einige wenige
Panzenarten. Die Panzendecke wächst nun
im Frühjahr viel schneller und viel dichter auf als
in früheren Zeiten. Dadurch werden die boden-
nahen Lebensbereiche zu kalt und zu nass für
Kleintiere und für das Niederwild. Ganz Mittel-
europa müsste wieder viel «magerer» werden,
um dem Trend abnehmender Artenvielfalt
grossächig begegnen zu können. Doch solan-
ge Futtermittel in Massen aus Südamerika nach
Europa transportiert werden, wird der Abbau
der Überdüngung ein Wunschbild bleiben.
Das Stallvieh frisst weiterhin tropische Biodi-
versität. Denn ein Grossteil der entwaldeten
Flächen dient nicht der Ernährung der Men-
schen in den Tropen, sondern dem Anbau von
Futtermitteln für den Export nach Europa und
China. Daraus entstehen die viel zu grossen
Mengen Gülle, die das Land überdüngen und
die Luft belasten. Gleich zweimal wird durch die
Futtermittel Biodiversität vernichtet, bei ihrer
Erzeugung in Übersee und bei der Entsorgung
der Reste hierzulande.
Naturbegeisterung schützt Vielfalt
Das globalisierte Agrarsystem, das durch die
Erzeugung von Biokraftstoffen verstärkt wird,
läuft fern jeder vernünftigen Kreislaufwirtschaft
ab. Es ist der global wie regional in Europa mit
Abstand bedeutendste Verursacher von Ge-
fährdung und Vernichtung der Biodiversität.
Bau- und Siedlungstätigkeit, Industrie und Ver-
kehr sind längst nachrangig geworden.
Kleinächige Landwirtschaft in landschaftlich
reich strukturierten Gebieten kann dagegen-
halten: Die Natur der Schweiz ist der beste Ver-
bündete für die Erhaltung eben dieser Natur. In
Deutschland und anderen EU-Ländern stehen
die Chancen auf Verbesserungen schlecht, weil
ein viel zu komplexes System von Subventio-
nen aufgebaut worden ist. Zu wenig kommt
davon bei den Landwirten an. Für gute Lebens-
mittel, die sie produzieren, sollten sie weit mehr
Die Höchstleistungslandwirtschaft verbunden mit der grossächigen Rodung von Tropenwäldern sowie der Produktion von Bioethanol aus Raps, Weizen und
Mais zerstört die Biodiversität weiter Landstriche und verschärft das weltweite Hungerproblem. Bild: Guenter Manaus, fotolia.de
Grünzeit Juli 2010 19
20 Grünzeit April 2010
Erstarrung und bedeuteten das Ende allen Lebens.
Mit seiner Publikation «Eine kurze Naturgeschichte
des letzten Jahrtausends» löste er eine heftige
Kontroverse über die Folgen des Klimawandels aus
und überwarf sich u. a. mit dem Klimaforscher
Stefan Rahmstorf, dem Gastreferenten am letztjäh-
rigen GrünForum. Die Deutsche Akademie für
Sprache und Dichtung verlieh Josef H. Reichholf
2007 den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaft-
liche Prosa und lobte den «heiteren Geschichts-
schreiber der Natur» als skeptischen Ökologen, der
uns vor Alarmismus und Nachlässigkeit gleicher-
massen warne, und als einen Schriftsteller, der
dank seiner Liebe zu allen Arten des Lebens eine
frische wie lebhafte Sprache gefunden habe.
Die Liste seiner populärwissenschaftlichen
Publikationen ist lang, darunter u. a.
Rabenschwarze Intelligenz: Was wir von Krähen
lernen können,
München: Herbig, 2009.
Ende der Artenvielfalt? Gefährdung und Vernich-
tung der Biodiversität,
Frankfurt / M., Fischer 2008.
Stabile Ungleichgewichte: Die Ökologie der
Zukunft,
Frankfurt/M., Suhrkamp, 2008.
ÜBER DEN AUTOR
Der Zoologe, Evolutionsbiologe, Ökologe und ehe-
maliges Präsidiumsmitglied des WWF Deutschland
Josef Helmut Reichholf leitet die Abteilung Wirbel-
tiere der Zoologischen Staatssammlung München
und lehrt als Professor an beiden Münchner Univer-
sitäten Biologie und Naturschutz.
Als «enfant terrible» seiner Zunft vertritt Reichholf
die These, dass in einer sich wandelnden Welt Zu-
kunftsziele nicht auf Zustände von gestern oder
vorgestern bezogen werden könnten, und plädiert
vehement für neue Wege im Naturschutz. Ungleich-
gewichte seien die Triebkräfte der natürlichen Evo-
lution und der wirtschaftlichen und sozialen Ent-
wicklungen. Gleichgewichte dagegen führten zu
Der Bär ist los: Ein kritischer Lagebericht zu
den Überlebenschancen unserer Grosstiere,
München, Herbig, 2007.
Eine kurze Naturgeschichte des letzten
Jahrtausends,
Frankfurt / M. Fischer, 2007.
Stadtnatur,
München, oekom verlag, 2007.
Die Zukunft der Arten,
München, C. H. Beck, 2005.
Der Tanz um das goldene Kalb: Der Ökokolonia-
lismus Europas,
Berlin, Wagenbach, 2004.
Aussterben als ökologisches Phänomen,
Bayerische Akademie für Naturschutz und
Landschaftspflege, 2000.
Der blaue Planet: Einführung in die Ökologie,
München, dtv, 1998.
Der Tropische Regenwald: Die Ökobiologie des
artenreichsten Naturraums der Erde,
München,
dtv, 1990.
Im Juli 2010 erscheint sein neuestes Buch:
Der Ursprung der Schönheit: Die biologischen
Grundlagen des Ästhetischen,
München: C. H. Beck, 2010
bekommen. Dann wäre eine auf die natürliche
Leistung der Flächen bezogene Produktion
möglich. Sie würde zwar die Lebensmittel ver-
teuern, aber anderes, wie das Trinkwasser, ver-
billigen.
Die Subventionen könnten, von der Steuer ab-
gezogen, in einer Nullsummenbilanz die Mehr-
kosten und die Sozialleistungen für nanziell
Schwache ausgleichen. In der Schweiz könnte
ein derartiger Wandel gelingen und zum Vorbild
werden. Die EU ist zu gross und zu kompliziert
dafür.
Gewaltige Energieausgaben für die Massen-
transporte aus Übersee liessen sich einsparen.
Die Lebensqualität würde steigen, die Umwelt-
belastungen abnehmen, und ganz nebenbei
würde auch die Biodiversität gewinnen. Mein
Erlen-Springrüssler wird wohl keine gute Hilfe
sein, das Anliegen der Biodiversität in die Be-
völkerung zu tragen. Die Natur hat andere, bes-
ser geeignete Sympathieträger.
Mit Skepsis verfolge ich allerdings die derzeiti-
gen Versuche einer Inwertsetzung der Natur.
Die vage Ökosystemleistung der Biodiversität
eines Berghanges wird gegen den Ertrag der
Erschliessung für den Skibetrieb genauso we-
nig bestehen können wie die Bachforellen und
Muscheln gegen die Stromerzeugung eines
Kleinkraftwerks. Vielmehr sollten wir den Men-
schen die Schönheit der Natur wieder näher
bringen und sie nicht unnötig durch Verbote da-
von fernhalten. Gut gemeinter Schutz kann sehr
wohl zur Entfremdung von der Natur führen.
Wälder und Bäche, Schmetterlinge und Vogel-
gesang werden uns bleiben, wenn wir sie als
Teil unseres Lebens emp nden. Der Begeiste-
rung für die Natur und ihre Lebensvielfalt gebe
ich mehr Zukunft als allen Erwägungen ihrer
Nützlichkeit.
Text: Josef H. Reichholf
Mit der Aktion «Gemeinsam im Einsatz für ein
sauberes Zürich» will ERZ Entsorgung + Recy-
cling Zürich die eigenen Massnahmen für mehr
Sauberkeit im öffentlichen Raum verbessern
und mit den Verkaufsstellen abstimmen. Der
erste Anlass dieser Art fand im Rahmen des na-
tionalen Tages «Wahre Werte» statt, an dem in
der ganzen Schweiz Aktionen zu einem sorgsa-
men Umgang mit Abfall und Wertstoffen aufge-
rufen wird.
Auch Abfall ist wertvoll
Längst nicht alles, was im Abfall landet, ist tat-
sächlich für den Kübel. Auf einer Fläche von
240 000 Quadratmeter – was rund 33 Fussball-
feldern entspricht – sammelten die Teilnehmen-
den an der Aktion rund 400 Kilogramm Abfall.
Das Sammelgut wurde anschliessend auf dem
Hirschenplatz fachgerecht sortiert. Dabei zeigte
sich, dass knapp die Hälfte des eingesammel-
ten Abfalls wertvolle Wertstoffe waren.
So konnten rund 12 kg PET, 20 kg Aluminium,
114 kg Papier / Karton, 20 kg Glas sowie 9 kg
Sonderabfall in ihre Wertstoffkreisläufe zurück-
geführt werden.
Das interessierte Publikum nahm die Gelegen-
heit wahr, an Wettbewerben und Geschicklich-
keitsspielen rund um die drei aus Sicht der
Strassenreinigung Hauptverschmutzungsarten
«Hundekot», «Zigarettenkippen» und «Kaugum-
Rund hundert Mitarbeitende von McDonald’s und ERZ haben am 5. Mai das Zürcher
Niederdorf bis in die letzten Winkel geputzt: 400 kg Abfall kamen dabei
zusammen, 60 Abfallbehälter wurden geleert und wieder auf Hochglanz poliert.
Abfallentsorgung mit Witz und Engagement
Gemeinsam im Einsatz für Sauberkeit und gegen Littering
FÜR ZÜRICHS SAUBERE ZUKUNFT
Zur Verbesserung der Sauberkeit haben ERZ und
McDonald’s eine Vereinbarung geschlossen.
Diese basiert auf dem freiwilligen Engagement
von McDonald’s. ERZ sucht weitere Unternehmen
für eine Zusammenarbeit. Das können Take-
away-Verkaufsstellen, Organisatoren von Gross-
veranstaltungen oder engagierte Privatpersonen
sein, die sich für mehr Sauberkeit im öffentlichen
Raum engagieren wollen.
Kontakt: niels.michel@zuerich.ch, 044 645 78 70
Beim Hundekot-Slalom ging es darum, auf einem Dreirad die tierischen Tretminen geschickt zu umfahren. Eine neuartige Idee  ndet Anklang:
Kaugummi-Entsorgen auf witzig gestalteten Plakatwänden.
mi» teilzunehmen. Speziell Anklang fanden da-
bei die witzig aufgemachten Klebestellen – eine
neuartige Idee zur Entsorgung von Kaugummi.
Text: Niels Michel
Bilder: Pascal Häusermann
Grünzeit Juli 2010 21
16. bis 26. September 2010
ZÜRCHER GENUSSWOCHE
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Im September fi ndet in der ganzen Schweiz die Genusswoche statt. In der Region Zürich wird sie
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auf die Teller, die ganz im Zeichen der Biodiversität und der Pfl ege bedrohter Gemüse-, Obst-
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Der Schweizer Gastroführer mit Hintergrund
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Der Japanische Staudenknöterich
(Fallopia japonica) gilt in den meisten
Ländern der nördlichen Hemisphäre als
biologische Katastrophe. Von Philipp
Franz von Siebold 1825 als Zier- und
Futterpfl anze nach Europa gebracht,
sollte er als Nahrung für Rotwild und als
Deckungspfl anze für Fasane dienen.
Doch die schnellwüchsige Pfl anze über-
wuchert Feuchtbiotope und beschädigt
Dämme, Deiche und Bahnanlagen.
Anstatt die unerwünschte, invasive
Pfl anze auf konventionelle Weise mit
Herbiziden oder durch Ausreissen
zu vernichten, schlägt der Koch und
Spezialist für Wildkräutergerichte Peter
Becker aus Wiesbaden vor, den Knöte-
rich als Delikatesse zu verspeisen und
damit unschädlich zu machen. «Die
kulinarische Offensive, indem man sie
sich einverleibt, ist die beste Methode,
Neophyten zu bekämpfen.»
www.newtritionink.de
SEEBRACHENFEST
Peter Becker wird am Seebrachenfest seine
Art der bionischen Kontrolle vorstellen:
Neophyten essen und vernichten.
Samstag, 10. Juli, 14 bis 21.30 Uhr
Biodiversität, Kunst und Zwischennutzung
Glattalstrasse 5, Tram 14 bis Seebach
www.seebrache.ch
Kulinarische Offensive gegen Neophyten
Japanischer Knöterich mit Erdmandelfüllung im Knuspermantel
Die Sprossen des Japanischen Knöte-
richs schmecken wegen des hohen
Oxalsäuregehalts je nach Zubereitung wie
Rhabarber oder Sauerkraut. Zum Kochen
eignet sich jedes Rhabarber-Rezept. Es
braucht dazu jedoch die doppelte Menge
Knöterich, weil dessen Stängel hohl sind.
Rezept
8 Stangen Japanischer Knöterich
Erdmandelfüllung
40 g Butter
40 g Puderzucker
2 Eigelb
20 g Maizena
50 g Erdmandeln (Tigernuts, Chufas)
25 g Apfel- oder Birnendicksaft
1 Esslöffel Rum
1 Messerspitze Salz
Knuspermantel
4 Blätter Strudel- oder Brickteig
20 g flüssige Butter
20 g Puderzucker
1 Teelöffel Mehl mit etwas Wasser verquirlt
Zubereitung
50 g gemahlene Erdmandeln mit 25 g Dicksaft
zu marzipanartiger Masse glattrühren. Die But-
ter und den Zucker schaumig schlagen. Die
beiden Eigelb und das Maizena nach und nach
darunterrühren. Marzipan, Rum und Salz dazu-
geben und sorgfältig mischen.
Knöterich-Sprossen waschen und längs auf-
schneiden. Mandelfüllung mit einem Spritzbeu-
tel in die Stängel spritzen. Die Teigblätter mit
einem scharfen Messer halbieren, mit  üssiger
Butter bestreichen und leicht mit Puderzucker
bestäuben. Knöterich-Stängel mit Teig einrol-
len, sodass die Spitzen noch herausschauen.
Den Rand mit etwas Mehl-Wasser-Mischung
bestreichen und festdrücken. Mit dem restli-
chen Puderzucker bestäuben und im vorge-
heizten Ofen bei 180 Grad etwa 12 Minuten
goldgelb backen.
Dazu passt ein Neophyten-Kompott aus
Mahoniasaft, saisonalen Wildbeeren, Indischen
Scheinbeeren und Bocksdornbeeren.
Zum Servieren den Knöterich im Knusper-
mantel halbieren und stehend aufs Mahonia-
Kompott setzen. Eine Kugel Springkraut-Par-
fait beigeben und mit Kudzu-Blüten garnieren.
Anstatt Mandeln wie im Originalrezept von
Jean-Marie Dumaine werden für die Füllung
Erdmandeln (Cyperus esculentus) verwendet,
weil sich diese ebenfalls als invasive Neophy-
ten breitmachen und nicht in ausreichendem
Mass als Lebensmittel genutzt werden.
Text: Lukas Handschin
Rezept und Bild: Peter G. Becker
Grünzeit Juli 2010 23
24 Grünzeit April 2010
Sehenswürdigkeit oder Forschungsinstitut?
Pflanzen zwischen Unterhaltung, Bildung, Naturschutz und Forschung
Was sind die heutigen Anforderungen, mit denen sich Museen und öffentliche
Sammlungen präsentieren, und wie positioniert sich die Sukkulenten-Sammlung
Zürich?
Seit 79 Jahren steht die Sukkulenten-Samm-
lung am Mythenquai der Zürcher Bevölkerung
und Besucherinnen und Besuchern aus aller
Welt bei freiem Eintritt täglich zur Verfügung. Im
Laufe der Zeit haben sich nicht nur das Gesicht
der Sammlung und ihre Grösse geändert, son-
dern auch die Anforderungen an eine öffentli-
che Panzensammlung. Die grösste Herausfor-
derung für die Sukkulenten-Sammlung ist die
Sicherung und Weiterentwicklung der Lebend-
sammlung. Soll dabei auf Panzen gesetzt wer-
den, die sich besonders gut für die Wissensver-
mittlung eignen? Oder auf bedrohte Arten?
Oder auf Panzen, für die sich die akademische
Forschung interessiert?
Konkurrierende Ansprüche
Ein grosser Teil des Publikums sieht in einer öf-
fentlichen Panzensammlung in erster Linie ei-
nen Ort der Unterhaltung. Die Vielfalt der For-
men und Farben von Panzen hat per se eine
unterhaltende Komponente. Sammlungen tro-
pischer Panzen vermitteln zudem Ferienatmo-
sphäre und laden zu einer Erholungspause im
Alltag ein.
Andere möchten sich über Panzen, deren Her-
kunft und Nutzung informieren und verstehen
die Sammlung als Ort der Bildung.
In der Regel sind Naturschutz und Forschung
keine unmittelbaren Anliegen der Bevölkerung,
sondern auf einen spezialisierten Nutzerkreis
beschränkt.
Auf den ersten Blick am einfachsten zu erfüllen
sind die Ansprüche an die Unterhaltung. Dieser
Aspekt verlangt nach Panzen mit einem
«Wow»-Effekt: Grosse und abwechslungsrei-
che Exemplare, die einen zum Staunen bringen.
Die «Sehenswürdigkeit» steht ohne Zweifel seit
den Anfängen im Zentrum des Interesses der
Sukkulenten-Sammlung. Die engen Platzver-
hältnisse schränken jedoch die Gestaltung und
Präsentation einer eindrucksvollen Panzen-
landschaft stark ein. Der Mangel an Raum und
Weite kann durch die Vielfalt der Sammlung
(rund 25 000 Einzelpanzen, über 6000 ver-
schiedene Arten) nur bis zu einem gewissen
Grad kompensiert werden.
«Erzieherisch wertvoll und volksbildend»
Die private Kakteensammlung von Jakob Gas-
ser, die vom Warenhausbesitzer Julius Brann
übernommen und 1930 geschenkweise in den
Besitz der Stadt gelangte, wurde schon damals
als «erzieherisch wertvoll, volksbildend und di-
daktisch … höchst erhaltenswürdig» bezeich-
net. Während langer Zeit begnügte man sich
mit der blossen Existenz der Sammlung, kom-
biniert mit Führungen und gelegentlichen Ver-
anstaltungen. Seit 1998 wird der Informations-
vermittlung und damit der Bildung als
Kernkompetenz ein wesentlich höherer Stellen-
wert eingeräumt: 1998 fand die erste grössere
Sonderschau statt, und seither stand jährlich
ein anderes Thema im Vordergrund, begleitet
von einem Heft der Zeitschrift «Sukkulenten-
welt», die vom Förderverein der Sukkulenten-
Sammlung herausgegeben wird. Auf gut 500
Heftseiten wurden so in den letzten vierzehn
Jahren unterschiedliche Themen fundiert dar-
gestellt und vermittelt.
Zur Bildung gehört auch Ausbildung. Dabei
werden die Panzen im Rahmen von Führungen
von der beruichen bis zur universitären Ausbil-
dung eingesetzt.
Keine Erhaltungszucht im grossen Stil
Im Bereich Naturschutz sind der Sukkulenten-
Sammlung enge Grenzen gesetzt. Sie be-
schränkt sich auf die Öffentlichkeitsarbeit über
die Bedeutung des Schutzes von Lebensräu-
men. Beim Artenschutz hingegen können die
Fachleute der Sukkulenten-Sammlung einige
ihrer Kernkompetenzen einbringen – zum Bei-
spiel durch Gutachten im Rahmen des Vollzugs
der Artenschutz-Gesetzgebung. Aus Platzgrün-
Viele sehen in einer öffentlichen Panzensammlung
in erster Linie einen Ort der Unterhaltung: Publikums-
aufmarsch zur Blüte der Königin der Nacht (Selenice-
reus grandiflorus).
Schulzimmer und Labor für Jungforscher:
Wo und wie können sukkulente Panzen
Wasser speichern?
Der Wasserspeicher der Madagaskarpalme
(Pachypodium lamerei) bendet sich im imposant
verdickten, dornigen Stamm.
< Sukkulente mit «Wow»-Effekt: Diese spezielle
Wuchsform von Myrtillocactus geometrizans,
einer Art aus Mexiko, wird «Hahnenkammform»
genannt. Wie die Abnormität entsteht, ist unklar.
Grünzeit Juli 2010 25
KAKTEEN UND IHRE VERWANDTEN
Lange Zeit glaubte man, dass die Kakteen ein
sehr eigenständiger Ast im Stammbaum der Sa-
menpflanzen seien. Warum dem nicht so ist, und
warum wir heute wissen, dass die Portulak-Ge-
wächse und andere Familien nahe Verwandte der
Kakteen sind, erklärt Dr. Urs Eggli, wissenschaft-
licher Mitarbeiter der Sukkulenten-Sammlung an
einer Abendführung mit Demonstrationen.
Freitag, 25. Juni, 19.30 Uhr, Mythenquai 88
den ist es allerdings kaum möglich, direkt bei
Arterhaltungsprogrammen mitzuwirken. Erhal-
tungszuchten im grossen Stil zu betreiben,
wäre mit Blick auf den Energiebedarf auch nicht
besonders nachhaltig. Solche Projekte werden
besser in wärmeren Klimazonen durchgeführt.
Dort, wo die bedrohten Arten heimisch sind und
wo Aussicht auf eine erfolgreiche Auswilderung
besteht. Viele Arten sind in erster Linie durch
die Zerstörung ihres Lebensraums bedroht, und
ohne einigermassen intakte Habitate ist eine
Auswilderung wenig erfolgversprechend.
Pfl anzenmaterial für die Forschung
In den letzten Jahrzehnten hat die Sukkulenten-
Sammlung zahlreiche Projekte der akademi-
schen Forschung mit P anzenmaterial versorgt.
Dank der eigenen, unvergleichlich vielfältigen
Sammlung werden auch am Mythenquai immer
wieder selbst Entdeckungen gemacht, die neu-
es Wissen generieren.
Von entscheidender Bedeutung sind die seit
1975 akribisch genau geführten Zugangslisten.
Dank der Herkunftsdaten erhalten die P anzen
erst den Mehrwert, der sie für Artenschutz und
Forschung interessant macht.
Ausserdem unternimmt die Sammlung seit
Jahrzehnten grosse Anstrengungen, Informati-
onen über Sukkulenten zu erfassen und zu er-
schliessen. Davon zeugen die Bibliothek und
die via Internet zugängliche bibliogra sche
Datenbank SPIC (Succulent Plant Information
Centre), ein Gemeinschaftsprojekt der Sukku-
lenten-Sammlung und des Instituts für syste-
matische Botanik der Universität Zürich, sowie
das ebenfalls elektronisch zugängliche Herbar.
Es enthält über 25 000 konservierte Belege,
hauptsächlich aus den Trockengebieten Afri-
kas, Madagaskars und Amerikas.
Ausgleichszahlungen zum Schutz
der Biodiversität?
Seit über hundert Jahren p egen botanische
Gärten enge Beziehungen, bei denen vor allem
der gegenseitige freie Samenaustausch eine
wichtige Rolle spielt. Ironischerweise führt die
Der Ausstellungsbetrieb und die
Forschungstätigkeit der Sammlung
werden von einer Verschärfung der
Biodiversitätskonvention betroffen
sein.
Staunen, Vergleichen und Forschen:
Verschiedene Arten der Gattung
Mammillaria (Warzenkakteen) im
Frühbeetkasten.
Anhand der Brighamia insignis, eines stammsukkulenten Glockenblumengewächses
aus Hawaii lässt sich aufzeigen, dass Stammsukkulenz in ganz verschiedenen
Familien vorkommen kann. Die P anze ist aber auch für den Artenschutz wichtig,
denn in ihrer Heimat ist sie gefährdet. Deshalb wird sie in vielen Botanischen
Gärten kultiviert und auch aus Samen vermehrt.
Biodiversitätskonvention nun zu einer Moneta-
risierung der Naturwerte. Der Reichtum natürli-
cher Vielfalt «gehört» ausschliesslich dem Ur-
sprungsland, das nach eigenem Gutdünken
über dessen Verwendung bestimmen kann. Im
Zentrum der Konvention stand ursprünglich die
Kontrolle der kommerziellen Nutzung biologi-
scher Ressourcen, etwa für die Züchtung neuer
Nutz- oder Heilp anzen, oder für die industriel-
le pharmazeutische Forschung. Im Sinne einer
allgemeinen Aussage wurde bereits 1992 in Rio
de Janeiro ein fairer Vorteilsausgleich zwischen
Herkunftsland und «Nutzer» festgelegt.
Was aber fällt in den Bereich der ausgleichs-
p ichtigen Nutzung von Biodiversität? Gehört
dazu lediglich die gewinnorientierte wirtschaft-
liche Ausbeutung, oder ist auch die ideelle Nut-
zung betroffen – für die akademische For-
schung zum Beispiel oder selbst als Objekt
des Staunens in einer öffentlichen Sammlung?
Bisher gibt es dafür keine verbindlichen Vorga-
ben. Das wird sich voraussichtlich bald ändern:
An der «Conference of the Parties» der Bio-
diversitätskonvention, die im Herbst 2010 in
Japan statt nden wird, stehen genau diese Fra-
gen des Zugangs und möglicher Abgeltungen
auf der Traktandenliste. Es ist damit zu rechnen,
dass strenge Regeln für jede Form des Zu-
gangs und jede Form der Nutzung von Biodi-
26 Grünzeit Juli 2010
Zusammen mit Reto Nyffeler, Botaniker des Instituts für
Systematische Botanik der Universität Zürich, hat Urs Eggli,
wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sukkulenten-Sammlung
Zürich, eine neue Pflanzenfamilie beschrieben:
die Liebesröschen-Gewächse (Anacampserotaceae).
Die Forschungsergebnisse der beiden Botaniker bilden den Höhepunkt
mehrjähriger Untersuchungen. Schliesslich kommt es nicht alle Tage vor,
dass eine neue Panzenfamilie deniert und formell beschrieben wird.
Dabei interessierten sich die beiden nicht in erster Linie für die Liebes-
röschen (d.h. Arten der Gattung Anacampseros und ihre Verwandten),
sondern für die Familie der Kakteen und ihre korrekte Einordnung inner-
halb der Systematik der Blütenpanzen.
Dass die Kakteen in die weitere Verwandtschaft der nelkenartigen Blü-
tenpanzen (d.h. in die Ordnung der Caryophyllales) gehören, war unter
anderem dank Forschungen in den 1950er- und 1960er-Jahren an der
ETH Zürich schon seit längerem geklärt (siehe auch: Sukkulentenwelt
Nr. 11 (2007), S. 14 17).
Die genauen Verhältnisse innerhalb dieser grossen Gruppe von Familien
blieben hingegen bisher weitgehend unklar. Durch genaues Vergleichen
der Panzen und ihrer Blüten, Früchte und Samen sowie durch die ver-
gleichende Analyse ihrer Erbsubstanz wurde festgestellt, dass die Kak-
teen nahe Verwandte der Portulak-Gewächse sein müssen. Im Rahmen
dieser Arbeiten wurde aber auch klar, dass die Familie der Portulak-Ge-
wächse (hier wurden auch die Liebesröschen bis vor kurzem klassiziert)
keine Einheit bildet, sondern verschiedene, zwar miteinander verwandte,
aber doch unabhängige Entwicklungsäste aufweist.
Als Resultat der Forschungsarbeit besteht die Familie der Portulak-Ge-
wächse heute nur noch aus der einzigen Gattung Portulaca, und die
übrigen bisher dazu gestellten Gattungen werden zu anderen Familien
gezählt. Um die Erkenntnisse in eine logisch korrekte Klassikation zu
«übersetzen», wurde deshalb die neue Familie der Liebesröschen-Ge-
wächse (Anacampserotaceae, nach der Gattung Anacampseros) de-
niert und in einem wissenschaftlichen Zeitschriftenartikel formell nach
den Regeln der botanischen Nomenklatur beschrieben (egu.).
Bild: Sukkulenten-Sammlung Zürich
Nyffeler, R. & Eggli, U. 2010. Disintegrating Portulacaceae: A new familial classification
of the suborder Portulacineae (Caryophyllales) based on molecular and morphological
data. Taxon 59(1): 227– 240.
Biodiversität vergleichen und ordnen
Zu den Liebesröschen-Gewächsen
gehören neben der Gattung
Anacampseros (34 Arten), hier
abgebildet Anacampseros
lanceolata aus Südafrika, auch die
beiden kleinen Gattungen Grahamia
und Talinopsis (mit je einer Art).
Zusammen mit der Gattung
Portulaca sind die Liebesröschen-
Gewächse nach heutigen Erkennt-
nissen die nächsten Verwandten
der Kakteen.
Aeonium inmitten von Euphorbia avasmontana im
Afrikahaus der Sukkulenten-Sammlung Zürich:
Ein schönes Anschauungsbeispiel für vergleichende
Panzenkunde. Aeonium ist eine Blattsukkulente,
Euphorbia avasmontana eine Stammsukkulente.
versität angenommen werden. Diese müssen
dann in den Folgejahren von den Vertragsstaa-
ten der Konvention in nationales Recht über-
führt werden.
Was dies für öffentliche Panzensammlungen
im Allgemeinen, und für die Zukunft der Sukku-
lenten-Sammlung im Besonderen bedeuten
könnte, wird sich in den nächsten Monaten ab-
zeichnen. Vermutlich wird der Zugang zu suk-
kulenten Panzen in Zukunft nur noch mittels
Vereinbarungen mit einzelnen Herkunftsländern
möglich sein – für die Sukkulenten-Sammlung
Zürich mit Panzen aus der ganzen Welt eine
enorme Herausforderung. Als Institution, die
Biodiversität zum Bildungsthema macht, wird
die Sukkulenten-Sammlung Zürich ihren Anlie-
gen auch in der nationalen Diskussion Gehör
verschaffen müssen.
Text: Urs Eggli, Gabriela S. Wyss
Bilder: Sukkulenten-Sammlung Zürich
Zusammenfassung der Matinée-Veranstaltung
des Fördervereins der Sukkulenten-Sammlung
vom 18. April 2010.
www.stadt-zuerich.ch/sukkulenten
www.zuerich-herbarien.uzh.ch
Grünzeit Juli 2010 27
«Seit die Bienen nach Witikon gekommen sind,
gedeihen Obst und Beeren im Quartier präch-
tig, und auch die Bäume am Kirchenhügel tra-
gen mehr und rundere Äpfel und Birnen.» In
einer launigen Rede zur Eröffnung des Lehrbie-
nenstands schilderte der Präsident des Quar-
tiervereins, Dr. Balz Bürgisser, seinen Traum
von Witikon im Jahr 2020. Dank des Honigs und
der vielen guten Früchte erreichten die Witike-
rinnen und Witiker ein signikant höheres Alter
als die übrigen Stadtbewohner, was 2018 eine
Forschergruppe auf den Plan rufen sollte, um
dieses Phänomen zu untersuchen … Klar, dass
dieser Blick in die nahe Zukunft Lachen und Ap-
plaus erntete. Die Hauptverantwortlichen für
das bevorstehende Wunder, die Bienen, waren
jedoch nicht unter den Anwesenden. Sie sollten
erst eine Woche später, beim ersten Kurs im
neuen Lokal, von den Teilnehmenden einquar-
tiert werden.
Freiwilligenarbeit mit klammen Fingern
Die Einweihung des Lehrbienenstands war für
Rosmarie Füchslin die erste Amtshandlung als
neue Präsidentin des Vereins Zürcher Bienen-
freunde. In ihrem Dank an die Gönnerinnen,
Sponsoren und an Grün Stadt Zürich unter-
strich sie den grossen Einsatz der Vereinsmit-
glieder: 670 Stunden Freiwilligenarbeit waren
beim Innenausbau geleistet worden, meist mit
klammen Fingern bei Minustemperaturen. Da-
von zeugten die eindrücklichen Schnappschüs-
se vom Umbauteam in Aktion, die Jean-Daniel
Süsstrunk in seiner Präsentation vorführte. Er
selber hatte die Bienenfreunde sechzehn Jahre
präsidiert; in seiner Familie hat das Imkern nicht
nur Tradition, sie führt sogar Bienen im Wap-
pen. Süsstrunk schilderte die Anfänge des
1881 gegründeten Vereins und kam auch auf
die längere Geschichte des Projekts Lehrbie-
nenstand zu sprechen.
Beim Segetenhaus in Witikon wurde im Frühjahr ein Lehrbienenstand eingeweiht.
Das Gemeinschaftsprojekt des Vereins Zürcher Bienenfreunde, des Quartiers Witikon
sowie von Grün Stadt Zürich ist ein Glücksfall für alle Beteiligten.
«Gut Ding will Weile haben», meinte auch Hans
Balmer von Grün Stadt Zürich in seinem Gruss-
wort. Zahlreiche Standorte waren geprüft wor-
den, ehe man sich entschloss, eine Hälfte des
alten Ökonomiegebäudes in einen schmucken
Bienenstand samt Unterrichtslokal zu verwan-
deln. Grün Stadt Zürich stellte das Areal zur
Verfügung und übernahm die Aussenarbeiten.
Der Ort sei auch deshalb gut gewählt, so Bal-
mer, weil das Segetenhaus oft von Schulklas-
sen frequentiert werde; nun könnten sie gleich
noch etwas über Bienen und die Imkertätigkeit
erfahren.
Imkern ist eine Passion
Das Interesse am Imkern und der Arbeit mit Ho-
nigbienen, den wichtigsten Bestäubern welt-
weit, nimmt zu. Die Kurse, die der Verein Zürcher
Bienenfreunde anbietet, sind begehrt. Auch
viele Jüngere melden sich an, und Jahr für Jahr
wächst der Anteil der Frauen.
«Ich hatte jahrelang Bienen auf meiner Dachter-
rasse im Kreis 4», erzählt eine der Teilnehmerin-
nen im neuen Lehrbienenstand, «aber jetzt will
ich es endlich von Grund auf lernen.» Eine Frau,
In Witikon wird Imkerwissen weitergegeben
Anschauungsunterricht für Bienenfreunde im Lehrbienenstand
Der neue Lehrbienenstand des Vereins Zürcher Bienenfreunde beim Segetenhaus (rechts im Bild) in Zürich Witikon.
28 Grünzeit Juli 2010
die beim Waidspital wohnt, möchte dort Bienen
halten, ein junger Mann hat von einem Imker
zwei Völker übernommen und möchte sich nun
schleunigst das nötige Wissen aneignen.
Carlos Guillén, der Kursleiter, bereitet die Grup-
pe in einem theoretischen Teil auf die anstehen-
de Arbeit vor: das Einquartieren von zwei Bie-
nenvölkern. Dann steigen die sechzehn Männer
und Frauen, darunter auch die Primarschülerin
Fiona, in ihre Schutzanzüge. Die praktische Ar-
beit beginnt. Imkern, so wird von Bienenfreun-
den bezeugt, lasse einen ein Leben lang nicht
mehr los. Damit dürfte es auch weiterhin Zür-
cher Honig geben. Die Ausbeute der rund sech-
zig städtischen Imkerinnen und Imker ist jeweils
rasch ausverkauft. Auf die erste Witiker Ernte
ist man gespannt.
Text: Liz Sutter
Bilder: Liz Sutter, Urs Calibran
www.zuercher-bienenfreunde.ch
www.segetenhaus.ch
Zur Arbeit des Vereins Zürcher Bienenfreunde siehe
auch: Grünzeit, Nr. 23, Oktober 2007, S. 18 19.
Am Einweihungstag
war der Bienen-
stand noch nicht
bevölkert. Die Farbe
des An ugbretts ist
für die Orientierung
der Bienen weniger
wichtig als der Duft,
mit dem die Königin
ihr Volk markiert.
An der Wabe
sieht man, ob im
Bienenstock
alles in Ordnung
ist.
Eine grün markierte
Bienenkönigin des
Jahres 2009. Die
Jahresfarben sind
international geregelt.
Königinnenfarbe
für 2010 ist Blau.
Erste Lektion im
neuen Kurslokal mit
Kursleiter Carlos
Guillén. Im Hinter-
grund: Kunstvoll
gezeichnete Schul-
wandbilder von
unschönen Krank-
heiten.
EIN HAUS MIT BEWEGTER GESCHICHTE
Das Segetenhaus am Wehrenbachtobel hat eine
bewegte Geschichte – von der illegal erstellten Un-
terkunft zum denkmalgeschützten Gebäude: Zwi-
schen 1914 und 1918 errichtete der Württemberger
Zimmermann und Bauschreiner Friedrich Karl
Strähle für seine neunköpfige Familie ein Haus mit
einer Werkstatt und einem kleinen Stall. Zwar ge-
hörte ihm das Land, eine Baubewilligung hingegen
hatte er nicht. Doch die Behörden liessen Gnade
vor Recht ergehen und sprachen lediglich eine
symbolische Geldstrafe aus. Das Leben am idyl-
lischen Ort war hart genug. Die Kinder mussten das
Wasser am Chellebrünneli beim Wehrenbach holen,
erst später wurde nahe beim Haus eine Quelle ge-
fasst. Elektrizität gab es keine. 1969 verkaufte die
Familie die Liegenschaft der Stadt Zürich. Als 1990
das Haus vom Abbruch bedroht war, setzten sich
aktive Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers
für dessen Erhalt ein. Sie gründeten den Verein
Suchtprävention Witikon und handelten mit der
Stadt Zürich einen Baurechtsvertrag auf sechzig
Jahre aus. 1996 unter Denkmalschutz gestellt,
wurde das Gebäude ein Jahr später vom Witiker
Architekten Bruno Müller-Hiestand sanft renoviert.
Es bekam Strom- und Wasseranschluss, eine zen-
trale Holzheizung sowie Sonnenkollektoren. Das
Regenwasser wird gesammelt und für Waschma-
schine, Toilettenspülung und Gartenbewässerung
genutzt.
Die Räume können vom Verein Segetenhaus für
Kurse, Spiele und Feste gemietet werden. Anlauf-
stelle ist das Gemeinschaftszentrum Witikon. Grün
Stadt Zürich führt hier spezielle Naturerlebnistage
für Schulklassen zum Thema Wasser durch. Mit
dem neuen Lehrbienenstand und seinen Bewohne-
rinnen ist nun ein weiteres vielfältiges Thema hin-
zugekommen.
Grünzeit Juli 2010 29
ZÜRICH GRÖSSER DENKEN
Die Studie des ETH Studios Basel stellt den Zü-
richsee als symbolische Mitte und prägendes
Landschaftselement ins Zentrum und möchte
die Seeufer zu einem Teil der Grossstadt wer-
den lassen.
Metropolitanregion Zürich:
Der Zürichsee als Projekt
ETH Studio Basel, Institut Stadt der Gegenwart
Zürich: NZZ Libro, 2010
334 Seiten, Bilder und Karten, 38 Franken
WIRTSCHAFTSMOTOR und WOHNSTADT
Industriestandort, Verkehrsknotenpunkt, Unter-
haltungsmetropole, Wohnquartier: die ganze
Vielfalt Oerlikons in Expertenberichten, Port-
raits, Interviews und Reportagen.
Oerlikon
Redaktion: Esther Hürlimann
Zürich: Orell Füssli Verlag, 2010
207 Seiten, reich illustriert, 29 Franken
GESCHICHTEN AUSSERSIHLS
Allein wegen des Beitrags über Hansruedi Jaggi,
der 1967 die Rolling Stones, nanziert mit ei-
nem Vorschuss des Er nders des Haarwuchs-
mittels Par-O-Star, und später Jimi Hendrix und
Muhammad Ali ins Hallenstadion holte, lohnt
sich der Kauf dieses Kultbuchs, zu dem 87 Au-
torinnen und Autoren ihr Hintergrundwissen
beigesteuert haben. Welche Rolle der damalige
Gemeinderat Moritz Leuenberger im Leben
Jaggis spielte, ist auf Seite 253 nachzulesen.
kult zürich ausser sihl
Zürich: Verlag um die Ecke, 2010
640 Seiten zum unschlagbaren Preis von 38 Franken
Bestellung: s.baviera@bluewin.ch
ZÜRCHER GENUSSWANDERUNGEN
Der praktische Wanderführer beschreibt auf je
einer Doppelseite Route, Sehenswürdigkeiten
und Schwierigkeitsgrad.
Zu Fuss die Region Zürich erleben
Armin Büttner
Basel: Coop Presse; Pfäffikon SZ: Fink Medien, 2010
96 Seiten, Bilder und Karten, 15 Franken
DAS BUCH VON DEN FISCHEN
Ein staunenswertes Kompendium über alles Er-
staunliche, was in den Netzen der Fischer und
Meeresforscher hängen bleibt. Alles über die
schillernde Welt der Fische.
Sex & Lachs & Kabeljau
Birgit Pelzer-Reith
Hamburg: marebuchverlag, 2005
298 Seiten, 34.90 Franken (auch als TB erhältlich)
ALLES AUSSER FISCH
Der Pistolenkrebs kann mit einem Wasserstrahl,
den er beim Zusammenschlagen seiner Sche-
ren produziert, die Glasscheibe eines Aquari-
ums zertrümmern. In der Antarktis lebt ein
Schwamm, der über 10 000 Jahre alt ist. Das
erfährt man im Buch der Rekorde über das
wundersame Leben im Meer.
Venus, Schildpatt, Knallgarnele
Birgit Pelzer-Reith
Hamburg: marebuchverlag, 2008
269 Seiten, 34.90 Franken (auch als TB erhältlich)
BEISPIELE HEIMISCHER VIELFALT
Detailreiche Schilderungen von 33 heimischen
Tieren und P anzen, illustriert mit stimmungs-
vollen Bildern. Ein Buch zum Schmökern für die
ganze Familie mit Tipps für bleibende Naturer-
lebnisse.
Schatzkammer Natur
Mit Bildern von Rita Mühlbauer
München: oekom verlag, 2009
221 Seiten, illustriert, ca. 22 Franken
CO2 NÜCHTERN BETRACHTET
Abseits aller medialen Aufregung um den «Kli-
makiller» Kohlendioxid zeigt das Buch, wie das
natürliche Treibgas hilft, unseren Planeten auf
«Betriebstemperatur» zu bringen und wie CO2
als Ausgangsstoff der Photosynthese den An-
fang allen Lebens bildet. Ergänzt durch Vor-
schläge für Experimente am Küchentisch wird
damit das Bild eines berühmt-berüchtigten
Stoffes korrigiert.
CO2 – Lebenselixier und Klimakiller
Hrsg. von Jens Soentgen und Armin Reller
München: oekom verlag, 2009
301 Seiten, zahlr. Abbildungen, 42.80 Franken
NATUR, ERLEBNIS, SPIELE
Forschen, erkunden, selber machen: Natur-
Abenteuer für Kinder gibt es überall. Eine prak-
tische Anleitung für Entdeckungen vor der
Haustür.
Natur entdecken mit Kindern
Karin Blessing, Silvia Langer, Traude Fladt
Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer
3. neu bearb. Aufl., 2008
190 Seiten, zahlr. Abbildungen, 18.50 Franken
Bücherbord – Publikationen zu grünen Themen
30 Grünzeit Juli 2010
CHARAKTERISTIKA VON LEBENSRÄUMEN
Alle in der Schweiz nachgewiesenen rund 150
Typen natürlicher Lebensräume mit je eigenen
Charakterzügen und Kennarten werden in die-
sem umfassenden Nachschlagewerk vorge-
stellt – von Gewässern, Ufern und Feuchtgebie-
ten über Gletscher, Fels, Wiesen und Weiden
bis zu Krautsäumen und Wäldern.
Lebensräume der Schweiz
Raymond Delarze, Yves Gonseth et al.
Bern: Ott Verlag, 2. Aufl., 2008
424 Seiten, zahlr. Abb., Karten, 78 Franken
WOHNEN IN BAUMKRONEN
Nicht nur, wer als Kind ein Baumhaus aus ein
paar wenigen Brettern bastelte, wird staunen
ob der Eleganz und der Ausstattung dieser am-
bitiösen «Luftschlösser». Lebenskunst in und
mit der Natur.
Traumhafte Baumhäuser
Alain Laurens, Daniel Dufour, Ghislain André
Baden: AT Verlag, 2009
192 Seiten, Bilder und Pläne, 68 Franken
DIE MEERE VON OBEN GESEHEN
Zehntausende, speziell aufbereitete Satelliten-
bilder zeigen nach Ozeanen gegliedert die
Schönheit der Küsten, Inseln und Meerengen.
Ein prachtvoller Bildband zwischen Kunst und
Wissenschaft.
Das Gesicht der Meere
Claudius Diener
Hamburg: marebuchverlag, 2009
144 Seiten, überw. illustriert, 98 Franken
GRATIS-NAHRUNG VOM WEGRAND
Von wegen «Unkraut»: Viele wild wachsenden
Panzen sind essbar als Salat, Gemüse und
Gewürz oder haben heilende Kräfte als Tee
oder Tinktur. Sie wachsen fast überall, man
muss sie nur ernten.
Ernte am Wegrand
Wildkräuter, Früchte und Beeren
Christine Recht, Max F. Wetterwald
Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer
4. überarb. Aufl., 2008
124 Seiten, zahlr. Abb., 18.50 Franken
INSEKTEN BENENNEN
Springschwänze, Beintastler, Doppelschwän-
ze, Schaben, Ohrwürmer, Wanzen, Zikaden,
Panzenläuse, Käfer, Flöhe, Schmetterlinge.
Die ganze Fülle all dieser meist unbeachteten
Kleinlebewesen, die jedoch die artenreichste
Tiergruppe der Welt bilden.
Der neue Kosmos Insektenführer
Heiko Bellmann
Stuttgart: Kosmos, 2009
446 Seiten, über 1400 Fotos, 43.90 Franken
GARTENWISSEN KOMPAKT
Das unverzichtbare Nachschlagewerk für alle,
die einen Garten bewirtschaften. Das Wichtigs-
te zu Aussaat, Panzung, Kultur und Pege. Mit
einem Kalender für die anstehenden Arbeiten
im Kleingartenjahr. Und das alles zu einem
Spottpreis!
Wissen für Kleingärtner
Elke Mattheus-Staack et al.
Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer, 2008
447 Seiten, zahlreiche Fotos, 27.50 Franken
SLOW GARDENING
Legen Sie los, machen Sie sich die Hände
schmutzig, und lassen Sie die Natur für sich ar-
beiten. Die Autorin hat in New York bei Gemein-
schaftsgartenprojekten mitgearbeitet. Ihr Spe-
zialgebiet: Beautiful gardens on a low budget.
Alys im Gartenland
Alys Fowler
Stuttgart: Kosmos,2008
192 Seiten, reich illustriert, 34.90 Franken
BLATT FÜR BLATT BÄUME BESTIMMEN
Ein neu entwickelter, einfacher und bebilderter
Bestimmungsschlüssel zur Bestimmung von
Panzen mit 1300 Farbfotos am Naturstandort
und Detailaufnahmen von Blüten und Blättern
machen das Bestimmen zum Kinderspiel.
Bäume und Sträucher bestimmen
und nachschlagen
Jean-Denis Godet
Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer, 2. korr. Aufl., 2008
216 Seiten, überw. illustr., 2007, 27.30 Franken
BEDROHTE ARTEN KARTOGRAPHIERT
Anhand der Entwicklung verschiedener Tier-
und Panzenarten bietet der Atlas einen Über-
blick über den Rückgang der weltweiten Biodi-
versität.
Atlas der bedrohten Arten
Richard Mackay
Bern: Haupt Verlag, 2009
128 Seiten, Abb., Karten, 29 Franken
Grünzeit Juli 2010 31
Grün Stadt Zürich bewirtschaftet mehr als 4220
Hektar Grün ächen, das entspricht fast der
Hälfte des Gemeindegebiets der Stadt Zürich.
Täglich stehen dafür rund 430 Mitarbeitende
aus 35 Berufen im Einsatz, wovon 24 «grüne»
Berufe. Sie planen und bauen Parkanlagen,
produzieren Milch oder Wein, leiten naturkund-
liche Exkursionen, beraten Bauherren bei der
Dachbegrünung, warten Spiel- und Sportplät-
ze, schlagen Holz, p anzen Hecken und Weih-
nachsbäume, um nur einige der vielen Tätigkei-
ten zu nennen.
All dies kostet Geld, das Grün Stadt Zürich vom
Gemeinderat als globales Budget jährlich aus
den Steuergeldern zugesprochen bekommt. Im
Gegenzug muss Grün Stadt Zürich als soge-
nannter Wirkungsorientierter Verwaltungsbe-
trieb (WOV) nicht nur belegen, wie viel und wo-
für genau das Geld ausgegeben wird, sondern
auch wie zufrieden die Kundschaft, d.h. die
Stadtbevölkerung, mit den grünen Dienstleis-
tungen ist.
Nur wer fragt, bekommt Antworten
Antworten auf diese Fragen sind schwierig zu
ermitteln. Sie ergeben sich nicht ohne Weiteres
aus der Interpretation der Finanzdaten. Auch
das Erfassen von Besucherfrequenzen in den
Parkanlagen ist praktisch ein Ding der Unmög-
lichkeit. Deshalb wählt Grün Stadt Zürich einen
direkteren Austausch mit der Bevölkerung. Seit
Anfang dieses Jahres gibt es dafür eine neu
konzipierte Meinungsumfrage, um herauszu n-
den, wie wichtig die einzelnen Angebote für
unsere Kundschaft sind und wie zufrieden sie
damit ist.
Die Ergebnisse der Umfrage werden genutzt,
um das breite Angebot von Grün Stadt Zürich,
wo nötig, noch besser den Bedürfnissen der
Bevölkerung anzupassen. Denn Grün Stadt Zü-
rich hat den politischen Auftrag, mit den ver-
wendeten Steuergeldern eine optimale und von
der Bevölkerung gewünschte Wirkung zu erzie-
len.
Aktuell wird der neue Fragebogen getestet.
Wenn er sich bewährt, wird er auch in den kom-
menden Jahren im Einsatz sei, um damit Trends
aus den Umfrageergebnissen ableiten zu kön-
nen. Die Umfrage richtet sich an jede Person,
die in der Stadt Zürich wohnt oder arbeitet, weil
Grün Stadt Zürich nicht nur die Meinung der
Wohnbevölkerung, sondern auch die der hier
Arbeitenden interessiert.
Der Fragebogen lässt sich sowohl auf Papier
als auch im Internet ausfüllen. Die Papierfrage-
bogen werden an geeigneten Anlässen verteilt,
wie zum Beispiel den Setzlingsmärkten in der
Stadtgärtnerei, an den Zürcher Umwelttagen
oder am Stadt- und Landfest. Im Internet ist der
Fragebogen aufgeschaltet unter www.stadt-
zuerich.ch/gsz-feedback.
Text: Marianne Klug, Katharina Stutz
Bild: Lukas Handschin
Grüne Dienstleistungen auf dem Prüfstand
Nehmen Sie die Arbeit von Grün Stadt Zürich unter die Lupe
IHRE MEINUNG IST GEFRAGT
Teilen Sie uns Ihre Meinung mit. Wir freuen uns über
jeden ausgefüllten Fragebogen. Das Ausfüllen
nimmt rund 15 Minuten in Anspruch.
www.stadt-zuerich.ch/gsz-feedback
Danke, dass Sie sich eine Viertelstunde Zeit
nehmen, uns Ihre Meinung mitzuteilen.
32 Grünzeit Juli 2010
«Wer im Flugzeug auf Zürich herunterschaut, sieht sehr schön das
Gleichgewicht dieser Stadt zwischen Yin und Yang, dem weiblichen und
dem männlichen Element. Die Strassen zum Beispiel sind Yang, sie ver-
körpern Vorwärtsstreben, Aktivität, Kampf. Die Gewässer gehören zum
Yin – dem ruhigen, empfangenden, tiefen Anteil der Stadt. Der schönste
Yin-Ort hier ist für mich der Schanzengraben; als ich zum ersten Mal dort
hinunterstieg, ergriff mich sofort eine grosse Ruhe und Gelassenheit. Das
Wasser, das dort ganz sanft mit wenig Strömung iesst, die Holzplanken,
die Weiden, die sich über das Wasser beugen, die Fische, die man tief
unten schwimmen sieht wunderschön. Unser Philosoph Laotse hat
gesagt: ‹Die grösste Schönheit ist die Stille›; daran denke ich, wenn ich
hier unten bin. Besonders faszinieren mich die alten Mauern, die Über-
bleibsel des Bollwerks zur Katz. Für uns Neuchinesen ist es unglaublich,
dass man in einer Stadt Mauerresten sehen kann, deren Bau 1642 be-
gann – also zu einer Zeit, als in China die Ming-Dynastie gerade unter-
ging. In Kunming sieht man kaum mehr etwas von ihr. Vieles in dieser
schönen Stadt wurde in den letzten dreissig Jahren zerstört, und sogar
die poetischen Strassennamen – Elefantenrüssel-Gasse, Aprikosenduft-
Strasse oder Prsichröte-Platz – hat man einfach ausradiert, genau wie
die alten Häuser.
Wenn befreundete Künstler aus China zu Besuch kommen, zeige ich
ihnen immer als Erstes den Schanzengraben – und sie staunen über die
Sorgfalt, mit der hier ein kleiner ‹Fluss› mitten in der Stadt gehegt und
gepegt wird. Und wie sauber das Wasser ist! Neulich fragte jemand, ob
ich hier schen gehe, aber ich antwortete: ‹Spinnst du? Diese Fische sind
meine Freunde! Soll ich meine Freunde kochen?› Fast täglich komme ich
auf meinem Weg in mein kleines Atelier im Kreis 5 hier vorbei, betrachte
die Fische und Enten, und freue mich auf die Nacht, wenn ich ihnen auf
dem Rückweg wieder begegne. Ich male oft bis um zwei oder drei Uhr
morgens. Wussten Sie, dass Enten nachts nicht schlafen, sondern in
Ufernähe leise schnatternd nach Futter suchen? Und die Fische versam-
meln sich dort, wo das Licht hinscheint. ‹Hallo du, sage ich manchmal zu
einem von ihnen, dich habe ich doch heute Nachmittag schon gesehen,
oder nicht?›
Panzen und Tiere sind in der chinesischen Malerei einerseits Motive, an
denen man bestimmte Maltechniken übt, und andererseits Sinnbilder für
Verhaltensweisen, die wir anstreben sollten. Der Bambus zum Beispiel
steht für Biegsamkeit und Unbeirrbarkeit – er beugt sich dem Wind, lässt
sich aber durch Jahreszeiten nicht beeinussen, sondern bleibt immer
grün und wächst weiter und weiter. Ein wichtiges Motiv ist auch die Win-
terkirsche als Symbol für grosse Willenskraft, denn sie entfaltet ihre
Blüten mitten im Schnee. Die Orchidee wiederum lehrt uns mit ihrem
feinen Duft, nicht aufdringlich zu sein – wie etwa die Lilie, die Kopfweh
verursacht mit ihrem opulenten Geruch. Zu Beginn meiner Lehre beim
grossen Meister Guan Shanyue durfte ich gar nicht malen, sondern nur
mit ihm durch die Natur streifen, um Heilkräuter kennenzulernen, Tiere
und Panzen zu betrachten und herauszunden, was sie uns lehren.
‹Schau dir diese Kiefer an›, meinte er zum Beispiel eines Tages, und ich fand
die Kiefer sehr hässlich, denn sie war ganz krumm und verbogen in alle
Richtungen gewachsen. ‹Und›, fragte Guan, ‹siehst du hier irgendwo eine
gerade gewachsene Kiefer?› Es war keine da. ‹Eben›, sagte er, ‹die wurden
alle abgeholzt. Ihr gerader Wuchs war sehr nützlich – aber nicht für sie›.»
Aufzeichnung: Isabel Baumberger
Bild: Susi Lindig
Xinglai Yang (53) wuchs in Zürichs chinesischer Schwesterstadt
Kunming auf. Als 14-Jähriger begann er dort seine Lehre
in Tuschemalerei, Kalligraphie, Kunstgeschichte, Philosophie
und Literatur beim chinesischen Meister Guan Shanyue,
bei dem er sich heute noch alljährlich weiterbildet. Nach
seinem Studium an der Kunstakademie Yunnan lehrte er an
der Universität Kunming und kam 1989 nach Zürich. Heute
unterrichtet er am Ostasiatischen Seminar der Universität
Zürich und an der Hochschule Luzern Design & Kunst.
Der erklärte Taoist Yang kalligrafiert und malt chinesische
Tuschemalerei. Mit seiner Schweizer Frau und den beiden
Kindern wohnt er beim Bahnhof Selnau.
Mein grünes Zürich
Xinglai Yang
Kalligraph und Maler
«
Hallo Fisch – haben wir uns nicht schon mal gesehen?
»
Grünzeit Juli 2010 33
Ein kulinarisches Gruppenangebot besonderer Art:
Freie Fahrt in sechs Zonen, Begegnung mit wilden Tieren
unter fachkundiger Führung und ein köstliches Grill-
vergnügen im Restaurant Langenberg.
Für Gruppen ab 15 Personen.
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Grün Stadt Zürich
Beatenplatz 2
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15.–/Stück
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Technical Report
Full-text available
Mit einem Kalender für die anstehenden Arbeiten im Kleingartenjahr
  • Zu Aussaat
  • Pflanzung
  • Kultur Und Pflege
te zu Aussaat, Pflanzung, Kultur und Pflege. Mit einem Kalender für die anstehenden Arbeiten im Kleingartenjahr. Und das alles zu einem Spottpreis! Wissen für Kleingärtner
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Hrsg. von Jens Soentgen und Armin Reller München: oekom verlag, 2009
Traude Fladt Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer 3. neu bearb
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Karin Blessing, Silvia Langer, Traude Fladt Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer 3. neu bearb. Aufl., 2008
78 Franken WOHNEN IN BAUMKRONEN Nicht nur, wer als Kind ein Baumhaus aus ein paar wenigen Brettern bastelte, wird staunen ob der Eleganz und der Ausstattung dieser ambitiösen «Luftschlösser»
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Seiten, zahlr. Abb., Karten, 78 Franken WOHNEN IN BAUMKRONEN Nicht nur, wer als Kind ein Baumhaus aus ein paar wenigen Brettern bastelte, wird staunen ob der Eleganz und der Ausstattung dieser ambitiösen «Luftschlösser». Lebenskunst in und mit der Natur.
Die ganze Fülle all dieser meist unbeachteten
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Springschwänze, Beintastler, Doppelschwänze, Schaben, Ohrwürmer, Wanzen, Zikaden, Pflanzenläuse, Käfer, Flöhe, Schmetterlinge. Die ganze Fülle all dieser meist unbeachteten
die jedoch die artenreichste Tiergruppe der Welt bilden
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Kleinlebewesen, die jedoch die artenreichste Tiergruppe der Welt bilden.
Legen Sie los, machen Sie sich die Hände schmutzig, und lassen Sie die Natur für sich arbeiten. Die Autorin hat in New York bei Gemeinschaftsgartenprojekten mitgearbeitet. Ihr Spezialgebiet: Beautiful gardens on a low budget
Legen Sie los, machen Sie sich die Hände schmutzig, und lassen Sie die Natur für sich arbeiten. Die Autorin hat in New York bei Gemeinschaftsgartenprojekten mitgearbeitet. Ihr Spezialgebiet: Beautiful gardens on a low budget. Alys im Gartenland Alys Fowler Stuttgart: Kosmos,2008
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Bäume und Sträucher bestimmen und nachschlagen Jean-Denis Godet Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer, 2. korr. Aufl., 2008