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Bevölkerungsdichte und Landnutzung in den germanischen Provinzen des Römischen Reiches im 2. Jahrhundert A.D. Ein Beitrag zur Landschaftsarchäologie

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Schätzungen zur Bevölkerungsdichte und Landnutzung in den germanischen Provinzen des Römischen Reiches im 2. Jahrhundert A.D. auf der Basis von GIS gestützen Analysen.
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Bevölkerungsdichte und Landnutzung
GERMANIA 86, 2008
MF 1
Bevölkerungsdichte und Landnutzung
in den germanischen Provinzen des Römischen Reiches
im 2.ªJahrhundert A.ªD.
Ein Beitrag zur Landschaftsarchäologie
Von Karl Peter Wendt und Andreas Zimmermann
Einleitung
Die Bevölkerungsdichte ist für historische Betrachtungen eine Schlüsselvariable, weil
sowohl wirtschaftliches als auch soziales Verhalten von dieser Größe abhängig ist.
Die Nutzung der Umwelt wird ebenfalls wesentlich von der Anzahl der jeweils leben-
den Menschen mitbestimmt. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unter-
stützte Projektgruppe „Rhein-LUCIFS“ beschäftigt sich seitens der Geographie mit
Erosion, Transport und Akkumulation von Sedimenten durch das Gewässersystem
des Rheins. Dieses System wird einerseits vom Klima und andererseits von der Land-
nutzung des Menschen zumindest seit dem Neolithikum beeinflusst (z.ªB. Dik au
u.ªa. 2005, 177–183; Dix u.ªa. 2005, 276–293; Thiemeyer u.ªa. 2005, 184–198). Ein
archäologisch-historisch-geographisches Teilprojekt erarbeitet deshalb Schätzungen
zur Bevölkerungsdichte für verschiedene Zeitabschnitte, und ein archäobotanisches
Teilprojekt beschäftigt sich mit der Intensität menschlicher Umweltbeeinflussung, wie
sie in Pollendiagrammen sichtbar wird.
Die Schätzungen zur Bevölkerungsdichte werden in enger Kooperation mit Exper-
ten für die verschiedenen Zeitabschnitte vorgenommen, deren Datenkenntnis mit in
das Schätzverfahren integriert werden muss.1
In dieser Aufgabenstellung kommt der Beschäftigung mit der römischen Kaiser-
zeit eine besondere Bedeutung zu. Sie markiert eine Phase intensiver Landnutzung,
deren Voraussetzungen bedingt durch die militärischen, infrastrukturellen und po-
litischen Eigenarten vollkommen anders waren als in den davor liegenden Zeiten.
Konnte mit der Schätzung der bandkeramischen Bevölkerungsdichte eine Unter-
grenze für das Waldª/ªOffenland-Verhältnis in der Urgeschichte bestimmt werden
1 Wir danken Th. Fischer (Universität zu Köln), W. Gaitzsch (RAB-Außenstelle Titz), H.-M. von
Kaenel (Universität Frankfurt a.ªM.), J. Kunow (RAB) und F. Siegmund (Universität Basel) r ihre
kritischen und konstruktiven Kommentare zum hier verfolgten Ansatz zur Schätzung der römischen
Bevölkerungsdichte. W. Gaitzsch sei an dieser Stelle zusätzlich für die Daten aus Hambach und seine
Diskussionsbereitschaft besonders herzlich gedankt.
Schlagwörter:
Keywords:
Mots-clés:
RömischeªªKaiserzeitª/ªGermaniaª/ªLandschaftsarchäologieª/ªDemographieª/ªInterpolations-
verfahren
Roman Empireª/ªGermaniaª/ªlandscape archaeologyª/ªpopulation, demographyª/ªinterpolation
Epoque romaineª/ªGermaniaª/ªarchéologie du paysageª/ªpopulation, demographieª/ªinterpo-
lation
Karl Peter Wendtªª/ªAndreas Zimmermann
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(Zimmermann
u.ªa. 2004, 68–73), so ist das im Folgenden vorgestellte Ergebnis für
die Römerzeit als ein Zeitabschnitt besonders großer Bevölkerungsdichte zu werten,
die nach der Völkerwanderungszeit erst im Mittelalter wieder erreicht wird2.
Quellen und Methodik
Die römische Kaiserzeit in den germanischen Provinzen gilt als eine relativ gut be-
kannte archäologische Periode. Ihre Quellensituation unterscheidet sich grundlegend
von der prähistorischer Zeiten. Das hat zum einen forschungsgeschichtliche Ursachen,
die sich u.ªa. in der Gründung der Reichs-Limes-Kommission niedergeschlagen haben,
zum anderen sind aber auch praktische Gründe wie die gute Auffindbarkeit römi-
scher Siedlungsstellen im Gelände und die gute Erkennbarkeit römischer Artefakte
zu nennen. Ein weiterer begünstigender Umstand liegt in den zwar nicht reichlich,
aber doch vorhandenen schriftlichen Quellen zu dieser Zeit.
Bei einer Schätzung von Bevölkerungsdichte ist zu beachten, dass es sich in römi-
scher Zeit nicht mehr um eine Subsistenzwirtschaft handelt (Bechert 2003, 137–139).
Die Siedlungsstrukturen waren sowohl durch die großen coloniae wie Köln und Xan-
ten, aber auch durch die militärischen Anlagen am Limes und die Lage der Fernstra-
ßen beeinflusst.
Die villa rustica stellt in diesem System die landwirtschaftliche Produktionseinheit
dar, die nicht nur für die Eigenversorgung zuständig war, sondern auch die militäri-
schen und urbanen Bereiche zu beliefern hatte (von Schnurbein 1992, 79). Für die
Schätzungen zur Bevölkerungsdichte und Größe der Wirtschaftsflächen ist es dabei
unerheblich, ob die Villen in Eigenverantwortung, als Pacht- oder als Staatsunterneh-
men betrieben wurden.
Oft sind Villenfundplätze nur durch oberflächliche Artefaktstreuungen belegt,
aber auch ohne konkreteres Detailwissen über die innere Struktur einer Villa kann
davon ausgegangen werden, dass für die meisten Anlagen die Produktion von Getrei-
de im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Aktivitäten gestanden hat (u.ªa. Czysz 2002,
280; Kreuz 1995, Kunow 1994, 167; Meurers-Balke u.ªa. 1999, 44). Dies gilt auch
für Landschaften, in denen Villen nur als Ausnahme auftreten, dagegen agrarisch
geprägte Siedlungen einheimischer Tradition typisch sind, z.ªB. im Schlüsselgebiet
Kromme Rijn (Kooistra 1996, 54–55). Für eine Minderheit der Fundstellen mögen
auch andere Funktionen in Frage kommen (von Schnurbein 1992, 7982), einen
nennenswerten Einfluss auf die Höhe der geschätzten Bevölkerungsdichte oder auf
den Umfang der gesamten landwirtschaftlichen Erträge besaßen sie für den hier be-
trachteten Zeitraum vermutlich nicht (pers. Mitt. W. Gaitzsch und Th. Fischer).
Als chronologischer Zielhorizont für die Schätzung wurde die Mitte bis zweite
Hälfte des 2. Jahrhunderts n.ªChr. ausgewählt. Zu dieser Zeit hatte die römische Land-
nahme in den germanischen Provinzen ihren Höhepunkt erreicht und bis auf wenige
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Kurzformen dieses Beitrages mit stärkerer Gewichtung auf der Methodik wurden bereits an an-
derer Stelle in englischer und deutscher Sprache vorgestellt (Wendtª/ªZimmermann im Druck a u. b).
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Ausnahmen waren alle römischen Siedlungsgebiete aufgesiedelt. Dies gilt insbesonde-
re für die Verbreitung der villae rusticae (Kunow 1994, 160; Polfer 2005, 10, Struck
1992, 250), aber auch r die auf einheimischen Siedlungstraditionen fußenden Regio-
nen, z.ªB. die Kempener Lehmplatte (Bridger 1994, 85 Tab.ª4, 86 Tab.ª5 u. 92–96). An-
ders verhält es sich in Teilen Rätiens und im Umfeld von Trier, das ab konstantinischer
Zeit zu einem Siedlungsschwerpunkt wurde. Für die anderen Gebiete bedeutet dies,
dass nahezu alle archäologisch bekannten villae rusticae in der Mitte und zweiten
Hälfte des 2.ªJahrhunderts in Betrieb waren. In den Krisenzeiten des 3. Jahrhunderts
fanden dagegen kaum Neugründungen statt. Zudem wurden ältere Villen zwar be-
reits ab der Mitte des 1.ªJahrhunderts, aber regelhaft erst ab dem letzten Viertel des
1.ªJahrhunderts n.ªChr. durch Steinbauten abgelöst, die in der Regel noch bis zum Ende
des zweiten und Anfang des dritten Jahrhunderts bewirtschaftet wurden.
Das methodische Vorgehen folgt dem bereits früher beschriebenen mehrskaligen
Ansatz (Zimmermann u.ªa. 2004, Abb.ª1 u. 49–55). Die auf der kleinräumigsten Maß-
stabsebene – den Ausgrabungen – gewonnen Informationen zur Haushaltsdichte und
Datierung werden auf die nächst größere Skale, dem Niveau der Schlüsselgebiete, in
die Fläche übertragen. Dies erfolgt mit Hilfe von Thiessenpolygonen, da es sich in
fast allen Fällen nicht um naturräumlich abgeschlossene Siedlungskammern im Sinne
Jankuhns handelt (Abb.ª1). Drei Schlüsselgebiete, Hambach (Gaitzsch im Druck),
die Aldenhovener Platte (Lenz 1999) und der Kromme Rijn (Kooistra 1996) liefern
die aus archäologischen Daten abgeleitete regional und chronologisch differenzierte
Villendichte (Anzahl villae in geschlossenen Thiessenpolygonen geteilt durch die ent-
sprechenden Polygonflächen) sowie die maximale Wirtschaftsfläche, die einer villa
rustica zur Verfügung stand. Unterstützt werden diese Untersuchungen durch regio-
nale Studien aus der Wetterau (Saile 1998) und dem Neckargebiet (Hüssen 2000).
Dort werden nicht alle Villen so wie in den Schlüsselgebieten bekannt sein, aber die
Hinzunahme dieser Regionen bietet den Vorteil, die Schätzungen auf eine regional
breitere Basis zu stellen.
Der als Aufwärtsskalieren bezeichnete Transfer überträgt die so gewonnenen Da-
ten auf die nächsthöhere Skale, dem 1985 von H. Cüppers und Ch.ªB. Rüger publizier-
ten Kartenblatt III.1 „Römische Siedlungen 1.– 5. Jh.“ des Geschichtlichen Atlas der
Rheinlande (Abb.ª1,6). Die dort als räumliche Ziele für das Aufwärtsskalieren defi-
nierten Siedlungsgebiete werden über die Fundstellendichte rechnerisch ermittelt und
durch Isolinien visualisiert (Zimmermann u.ªa. 2004, 51–55, Hilpert u.ªa. 2007; zur
Zeit wird geprüft, ob mit Hilfe der Kerndichteschätzung ein eindeutiger Lösungs-
weg gefunden werden kann, der in den Randbereichen der Fundstellenverteilungen
weniger empfindlich ist). Die Messung der Fundstellendichte erfolgt über den Radius
des sog. „Größten Leeren Kreises“, der den freien Raum zwischen je drei zueinander
benachbart liegenden Fundstellen misst. Diese Werte werden mittels eines Interpo-
lationsalgorithmus (Kriging) in die Fläche übertragen und mit Isolinien visualisiert
(zur Methode Zimmermann u.ªa. 2004, 51–55; Hilpert u.ªa. 2007). In diesem Fall
zeigt sich, dass die Villendichte in den Regionalstudien von Saile und Hüssen bereits
recht gut der Villendichte innerhalb der auf Grund des Flächenzuwachses als opti-
mal erkannten 2ªkm-Isolinie entspricht (Tab.ª1 und 3; zur Bestimmung der optimalen
Karl Peter Wendtªª/ªAndreas Zimmermann
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Begrenzung der Siedlungsgebiete wurden die Isolinien zwischen 0,5ªkm und 8,0ªkm
im Abstand von je 500ªm untersucht). In ökologisch besonders nstigen Bereichen
lassen sich innerhalb der 1ªkm-Isolinie Zonen erkennen, in denen die Villendichte
sehr gut derjenigen in den Schlüsselgebieten entspricht (ebenso Tab.ª1 und 3). Hier
scheint ein explizites Aufwärtsskalieren gar nicht nötig zu sein (zu quellenkritischen
Einschränkungen s.ªu.).
Auf der großräumigeren Maßstabsebene existiert das 1997 von H. Bender erstell-
te Kartenwerk Karten zur ländlichen Besiedelung Deutschlands in der römischen
Kaiserzeit“ (Abb.ª1,7). Die maßstabsbedingten Verzerrungen in der Lokalisation der
Fundstellen machen auf dieser Ebene eine Regressionsanalyse als Kalibrationsverfahren
nötig.
Erst nach diesem Rechenschritt können die Transferwerte Villendichte und
Abb.ª1. Lage der Untersuchungsgebiete des archäologischen Teilprojekts in der Rhein-LUCIFS Projekt-
gruppe für die römische Kaiserzeit: 1 Kromme Rijn; 2 östliche Aldenhovener Platte; 3 Tagebau Ham-
bach; 4 Wetterau; 5 Neckargebiet; 6 Kartenausschnitt Geschichtlicher Atlas der Rheinlande; 7 Karten
zur ländlichen Besiedlung Deutschlands in der römischen Kaiserzeit (Quellenangaben im Text).
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Wirtschaftsfläche aus den Schlüsselgebieten auf die römischen Siedlungsgebiete dieses
Kartenwerks übertragen werden.
Neben den Villen gibt es andere Siedlungsformen der römischen Kaiserzeit, die bei
einer Schätzung zu beachten sind. Dazu gehören die städtischen Ansiedlungen und
Verwaltungsorte (coloniae und municipiae), die Marktorte, Dörfer und Kleinstädte
verschiedenster Größenordnungen und Funktionen (vici) sowie die Militärstandorte
der Legionen und Auxiliartruppen samt der zugehörigen Zivilsiedlungen. Für das mi-
litärische Personal existieren schriftliche Quellen, welche die Anwesenheit bestimmter
Truppenteile belegen. Zahlreiche Ausgrabungen haben in den Kastellen am Limes statt-
gefunden und Informationen zur Art und Größe der stationierten Truppen geliefert,
so dass eine Schätzung des militärischen Personals wohl am einfachsten vorzunehmen
ist. Zu den coloniae existieren dagegen allgemeine Schätzungen, allerdings nur in Aus-
nahmefällen auch solche, die auf großflächigen Ausgrabungen beruhen. Die große For-
men- und Funktionsvielfalt der vici kann für eine Schätzung noch nicht berücksichtigt
werden, die bisher üblichen Annahmen lassen sich aber beim Aufwärtsskalieren auf
der Grundlage der bekannten Flächengröße einiger vici recht gut reproduzieren.
Villendichte, Wirtschaftsflächen und Bevölkerungsdichte
im ländlichen Raum
Die kontinuierlich fortgeführten Forschungen im östlich des Rurtals gelegenen Ta-
gebau Hambach haben zu einer Vervielfachung der bis 1996 bekannten römischen
villae rusticae geführt (Kooistra 1996, 92–96). Zurzeit sind in einem Gebiet von
etwa 53,7ªkm² 38 durch Baubefunde oder Brunnen als villae bestimmte Fundstellen
bekannt. Drei weitere liegen in etwas größerer Entfernung vor der jetzigen Abbau-
kante. Sie stellen den Minimalwert der ehemals vorhandenen villae im Tagebaugebiet
Hambach dar. Weitere villae sind unter den nur durch Oberflächefunde bekannten
Fundstellen der römischen Kaiserzeit zu vermuten. Geplante Untersuchungen in Teil-
regionen des Tagebaugebiets Hambach werden zukünftig eine genauere Einschätzung
über den prozentualen Anteil der bisher nicht entdeckten Villen im Tagebau Ham-
bach liefern (persönliche Mitt. W. Gaitzsch).
Region Beobachtungen in den
Ableitung Villenª/ªkm2 Schätzung pro villa
innen liegenden
Thiessenpolygonen
Anz. villae km2 Anz. Bewohner Km2² Land
Ald. Pl. 40 23,4 1,7 10ª–ª20 (30) 0,5
Hambach 21 25,7 0,8
„Kromme Rijn“ (NL) 86 70,9 1,2
Wetterau 61 235,6 0,3 25 (40ª–ª50) 1
Neckar 173 744,8 0,2
Tab.ª1. Tabelle zur Villendichte, mittleren Einwohnerzahl und verfügbarem Land pro Villa (in Klam-
mern: Maximalwerte). Oben Schlüsselgebiete, unten Regionalstudien.
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Für die Ermittlung der maximal zur Verfügung stehenden Wirtschaftsflächen wer-
den die Thiessenpolygone nicht nur um die Siedlungsstellen im untersuchten Tage-
baubereich gezogen, sondern auch um solche, die in einem Abstand von weniger als
500 Metern zum Tagebaurand liegen. Das so erzeugte Diagramm umfasst etwa 26ªkm²
und zeigt 21 geschlossene Polygone, auf denen die Berechnung der Villendichte von
0,8 Villenª/ªkm² basiert (Abb.ª2 u. Tab.ª1).
Die 1999 von K.-H. Lenz veröffentlichte Dissertation zum Siedlungswesen der
römischen Kaiserzeit bearbeitet die östliche Aldenhovener Platte. Anders als in Ham-
bach werden hier auch Oberflächenfundplätze ohne nachgewiesene Baubefunde oder
Brunnen als mutmaßliche villae rusticae angesprochen.
61 Fundstellen können zur Analyse herangezogen werden (Lenz 1999, 72 Tab.ª17).
Davon weisen 44 eine Belegung in der Mitte und zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts
auf. Die restlichen 17 Fundstellen werden nur allgemein als römisch angesprochen.
Eine Bewirtschaftung dieser Villen für den gefragten Zeitraum kann als sehr wahr-
scheinlich angenommen werden, da sie sich nicht mit den datierten Villen räumlich
ausschließen.
Abb.ª2. Thiessenpolygone der römischen villae im Tagebau Hambach (nach Gaitzsch im Druck). Die
nicht zur Berechnung der Villendichte herangezogenen, außen liegenden Thiessenpolygone sind gera-
stert, die Zahlen geben die Flächengröße der einzelnen Polygone in Quadratkilometern an.
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Die auf dieser Basis berechneten Thiessenpolygone zeigen ein besonders regelmä-
ßiges Villennetz entlang des Merzbachtales (Abb.ª3), das ebenfalls als Argument r
die Einbeziehung der allgemein als römisch datierten Fundstellen genannt werden
kann. Im Vergleich zum Tagebau Hambach repräsentiert der Wert von 1,7 Villenª/ªkm²
auf der Aldenhovener Platte einen Maximalwert (Tab.ª1), da die Kriterien des Bearbei-
ters bei der Ansprache eines Fundplatzes als villa rustica weniger streng waren. Nur
bei insgesamt 18 Fundstellen (29,5ª%) sind Brunnen oder Baubefunde nachgewiesen.
Das nordwestlichste Schlüsselgebiet umfasst 156,3ªkm² und liegt südöstlich von
Utrecht zwischen Lek und dem Namen gebenden Kromme Rijn in den Niederlanden
(Abb.ª4). Bei den Fundstellen handelt sich nicht um klassische villae rusticae, son-
dern um Siedlungsstellen, die in einheimischer Tradition stehen (Kooistra 1996,
54). Trotzdem zeigen sich gleichartige Strukturen im Siedlungsbild, die schon Ko-
oistra zum Vergleich dieses Gebietes mit dem Schlüsselgebiet Hambach veranlas-
ste. In Houten und Wijk bei Duurstede wurden entsprechende Siedlungen gegraben.
Die Ausgrabungen belegen ein bis maximal zwei Hofstellen mit Nebengebäuden
Region Geschätzte Wirtschaftsfläche Quelle
Min. Mittelw. max.
NL-Limburg 150 200 Gaitzsch 2002, 269
NL-Voerendaal 225 250 Willems 1988, 11
Jülicher Börde 50 50 Gaitzsch 2002, 269
Kr. Bergheim 100 100 Hinz 1969, 57
Hambacher Forst 50 Horn 1987, 148
Link. Erftufer 100 100 Horn 1987, 148
Eifelvorland (Nideggen) 90 90 Horn 1987, 148
Nordeifel 90 90 v.ªPetrikovits 1956, 99ªff.
Gallia Belgica 50 100 Rothenhöfer 2005, 40
Wetterau 100 100 Wolff 1913, 9ªf
Wetterau 60 100 Baatz 2002, 93
Wetterau 65 80 Gaitzsch 2002, 269
Pfalz 50 260 Bernhard 2003, 21–32
Pfalz 100 120 Gaitzsch 2002, 269
Saarland 100 120 Gaitzsch 2002, 269
Neckar 50 100 Hüssen 2000, 130
Neckar 50 60 Gaitzsch 2002, 269
Umland Rottenburg 120 120 Gaubatz-Sattler 1994, 204ªff.
Umland Heilbronn 50 60 Spitzing 1988, 145ªff
Kocher-Jagst 50 150 Hüssen 2000, 130
Ballungsräume 50 60 Hüssen 2000, 130
Oberrät. Limes 60 150 Moosbauer 1997, 160
Raetien 65 80 Gaitzsch 2002, 269
Raetien 130 Gaitzsch 2002, 269
Baden-Württemberg 50 100 Sommer 1988, 300
Isartal 100 100 300 Struck 1992, 243
Isartal 40 50 Gaitzsch 2002, 269
Tab.ª2. Größe geschätzter Wirtschaftsflächen pro villa rustica aus unterschiedlichen Regionen
Deutschlands.
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(u.ªa. Getreide
speicher)
pro Fundplatz. Es handelt sich hier nicht um eine Enklave
einheimischer Bau- und Wirtschaftstradition innerhalb eines römisch geprägten
Umfelds, sondern das Schlüsselgebiet steht stellvertretend für die Landschaften des
nördlichen Teils der Germania inferior und folgt der bereits in der Eisenzeit exi-
stierenden Trennung zwischen einer „nordischen“ Bautradition mit mehrschiffigen
Wohnstallhäusern und sog. Mehrhaus- oder Kleinhausgehöften in den Lößbörden
(Heimberg 2005, 59).
Die 86 geschlossenen Thiessenpolygone zeigen ein gegliedertes Siedlungsbild, das
weitestgehend der Verbreitung von Uferwällen folgt, deren erhöhte Lage während der
Römerzeit einen trockenen Baugrund garantierte (Kooistra 1996, 43 Abb.ª12a; 51
Abb.ª13a u. 54). Der berechnete Dichtewert liegt mit 1,2 Siedlungenª/ªkm² zwischen
den Werten aus Hambach und der Aldenhovener Platte.
Das 1998 von Th. Saile vorgestellte römische Siedlungsbild in der Wetterau (Abb.ª5)
zeigt laut Katalog 83 römische villae rusticae innerhalb der Limesgrenze, die in diesem
Fall als Außenbegrenzung des Voronoidiagramms benutzt wird. Auch hier werden
nur die Flächeninhalte der innen liegenden Polygone zur Berechnung der Villendichte
herangezogen, obwohl mit der Limesgrenze eine von der Fundstellenkartierung unab-
hängige Grenze besteht. Dies erhöht zwar den Dichtewert, kommt aber dem Umstand
Abb.
ª
3. Thiessenpolygone der römischen villae auf der östlichen Aldenhovener Platte (nach Lenz 1999, 72
Tab. 17). Die nicht zur Berechnung der Villendichte herangezogenen, außen liegenden Thiessenpolygone
sind gerastert, die Zahlen geben die Flächengröße der einzelnen Polygone in Quadratkilometern an.
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entgegen, dass durch neuere Forschungen höhere Dichten in der nordwestlichen Wet-
terau zu erwarten sind (persönliche Mitt. H.-M. von Kaenel).
Eventuell existierte auch ein möglicherweise anders genutzter Streifen entlang der
inneren Limesgrenze, ein Umstand der ebenfalls gegen eine Einbeziehung der äuße-
ren Polygone in die Berechnung der Villendichte spricht. Die relativ hohen Distanz-
werte zwischen den Grenzkastellen und den nächstgelegenen Villen (4,4ªkm im Mittel
gegenüber einem Mittelwert von 1,2ªkm für die Entfernungen zwischen den übrigen
Villen) weisen ebenfalls darauf hin, dass es zwischen Limes und der inneren Wetterau
einen Bereich gab, der für die übrigen Gebiete in Obergermanien nicht typisch ist.
Unter Berücksichtigung der vorgestellten Besonderheiten beträgt die Villendichte in
der Wetterau 0,3 Villenª/ªkm² (Tab.ª1) und ist somit deutlich geringer als in den bereits
vorgestellten Gebieten.
Das Neckargebiet ist das größte hier vorgestellte Arbeitsgebiet auf der Skalenebene
der regionalen Untersuchungen (Abb.ª6). Das drückt sich nicht nur in der Gesamtzahl
Abb.ª4. Thiessenpolygone der römerzeitlichen Fundstellen am „Kromme Rijn“ (nach Kooistra 1996,
51 Abb. 13a). Die nicht zur Berechnung der Fundstellendichte herangezogenen, außen liegenden Thies-
senpolygone sind gerastert. Das schraffierte Thiessenpolygon um den vicus bzw. das Kastell Fectio
(blauer Punkt) wird bei der Dichteberechnung nicht berücksichtigt.
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der von C.-M. Hüssen publizierten ländlichen Siedlungsstellen aus, sondern auch in
der Möglichkeit, deutliche regionale Unterschiede in der Besiedlungsintensität aus-
zumachen. Bei kleinräumigeren Untersuchungen ist dies nur in begrenztem Umfang
möglich (z.ªB. Aldenhovener Platte u. Kromme Rijn). Ausgehend von einer Nord-Süd
verlaufenden Siedlungsachse entlang des Neckars zweigen West-Ost orientierte, strei-
fige Konzentrationen ab, die sich an den Nebenflüssen des Neckars ausrichten. 205
Fundstellen verteilen sich auf 70 (34,1ª%) als villae rusticae angesprochene Fundplätze
und 135 „Siedlungsstellen“, r die eine Funktion als römischer Gutshof vermutet
wird (Hüssen 2000, 131 Abb.ª57). Für die Berechnung der Thiessenpolygone wurden
alle Fundstellen herangezogen und der aus den innen liegenden, geschlossenen Poly-
gonen berechnete Wert für die Villendichte beträgt 0,2 Villenª/ªkm² (Tab.ª1).
Die Dichtewerte der Schlüsselgebiete und Kleinregionen können mit anderen für
das 2.ªJahrhundert n. Chr. kalkulierten Fundstellendichten verglichen werden. Sie
stammen aus dem südlichen Teil der Provinz Germania inferior (Gechterª/ªKunow
1986, 377–396). Mit 0,9 Villenª/ªkist dort die Rheinbacher Lößplatte mit den un-
tersuchten Gebieten am besten vergleichbar (Gechterª/ªKunow 1986, 382). In den
anderen Gebieten der Germania inferior streuen die Fundstellendichten zwischen 0,1
und 0,5 Villenª/ªkm².
Weitere Belege für das Auftreten geringerer Dichtewerte finden
sich im Schweizer Mittelland. Dort wurden die benachbarten Regionen um Olten und
Solothurn gut untersucht (Schucany 1999, 88–95). Die dort ermittelte Siedlungsdich-
Abb.ª5. Thiessenpolygone der römischen villae in der Wetterau (Daten nach Sa ile 1998, 240 –377 u.
elektronischer Katalog). Die nicht zur Berechnung der Villendichte herangezogenen, außen liegenden
Thiessenpolygone sind gerastert.
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te liegt in beiden Gebieten um 0,1 Villenª/ªkm² (Schucany 1999, 93, Tab.ª1 u. Tab.ª2).
Für das gesamte Schweizer Mittelland wurde an anderer Stelle die besiedelbare Fläche
auf 10ª000 km² angesetzt und die Anzahl der Villen auf 3ª300 geschätzt, was
zu einer
etwas höheren Villendichte von 0,33 Villenª/ªkm² führt (Martin-Kilcher 1981, Ab-
satz 11.6).
Über die im Durchschnitt pro Villa lebende Bevölkerung existieren verschiedene
Überlegungen. Nur in einigen wenigen Fällen ist die Anzahl der einer Villa zugehöri-
gen Gräber bekannt (Gaitzsch 2002, 270). Die Gräber dienen daher eher als Basis für
spezielle demografische Fragen oder als punktuelle Bestätigungen denn als Grund-
lage für breitere Untersuchungen zur ländlichen Bevölkerungszahl in den germani-
schen Provinzen des römischen Reiches. Aber die von der Villendichte abhängige
Größe der Wirtschaftsflächen scheint einen regelhaften Einfluss auf die veranschlagte
Einwohnerzahl pro Villa zu haben. Auch dazu kann eine ganze Reihe von regionalen
Schätzungen herangezogen werden (Tab.ª2). Hüssen nimmt für das Umfeld von Heil-
bronn zwischen 50ªha and 100ªha an (2000, 133). Die topografische Situation der villa
rustica von Hardthausen a.ªªK.-Lampoldshausen scheint eine Fläche von 50ªha bis zu
70ªha zu bestätigen. In diesem und in anderen Fällen konnte die Lage der Felder über
erhaltene Flurgräben identifiziert werden, sogar eine Trennung zwischen Feld- und
Weideflächen scheint hier möglich zu sein (Hüssen 2000, Abb.ª57, 59, 60). In Tab.ª2
Abb.ª6. Thiessenpolygone der römischen villae im Neckargebiet (Daten nach Hüssen 2000, 121 Abb.
49, 131 Abb.ª57 u. 150–301). Die nicht zur Berechnung der Villendichte herangezogenen, außen liegen-
den Thiessenpolygone sind gerastert.
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deuten sich ebenfalls zwei Größenklassen bei 50 und 100ªha an. Deutlich höhere Zah-
len werden nur in Ausnahmefällen bzw. regelhaft nur in Limburg (NL) und Vorendaal
(NL) erreicht. Sie werden für den vorliegenden Schätzversuch nicht herangezogen.
Als minimale Bewohnerzahl werden zehn bis 15 Personen ohne Saisonarbeiter
diskutiert (Gaitzsch 2002, 269; Schucany 1999, 93). Wenn man die für die intensi-
ven Arbeitsmonate im Frühjahr und Herbst zusätzlich angestellten Feldarbeiter mit-
rechnet, so erscheint eine Zahl von 20 Personen bei einer Villa mit etwa 50ªha Wirt-
schaftsfläche realistisch (30 Personen nach Bender 1997, 330). Ein Schätzversuch auf
dieser Datengrundlage wird für die Gebiete mit hoher Fundstellendichte vorgestellt
(Gaitzsch 2002, 269).
Für eine Villa mit 100ªha Wirtschaftsfläche wird im Mittel eine Einwohnerzahl von
ungefähr 25 bis ca. 50 Personen (inkl. Arbeitern) angenommen (Gaitzsch 2002, 270;
Sommer 1988, 302, Struck 1992, 243 u. Anm.ª5 und bereits Wolf 1913; nach Mar-
tin-Kilcher unter Bezugnahme auf die Schweizer Gräberfelder Courroux [Kt. Jura]
und Allschwil [Kt. Baselland] 50 Personen mit Kindern, ohne die Besitzer der villa).
Für Gebiete mit hoher Villendichte, wie auf der Aldenhovener Platte, können Wirt-
schaftsflächen von 100ªha im Mittel ausgeschlossen werden, da die vorhandene Fläche
nicht ausreicht (Tab.ª1). Deshalb sind Wirtschaftsflächen dieser Größenordnung nur
in Regionen mit geringer Siedlungsdichte zu erwarten.
Festzuhalten bleibt, dass zwei regional unterschiedliche Betriebsgrößen bei den
Villen in den Schlüsselgebieten und Regionalstudien zu beobachten sind. Villen mit
einer Wirtschaftsfläche um die 50ªha scheinen von 10 bis 20 und Villen mit etwa 100ªha
von vielleicht 25 bis 50 Personen bewirtschaftet worden zu sein.
Die Karte der Villendichte auf der Basis der Daten des Geschichtlichen Atlas der
Rheinlande und der von E.ªM. Spiegel veröffentlichten Daten über das Stadtgebiet
von Köln ist die über den Schlüsselgebieten angeordnete Skalenebene, auf welche die
ermittelten Daten zur Größe der Wirtschaftsflächen und der Personenzahl pro Vil-
la übertragen werden (Abb.ª7). Die Karte wurde bereits an anderer Stelle vorgestellt
(Zimmermann u.ªa. 2004, 77–79 und Abb.ª16; geringfügige Abweichungen der Flä-
chengröße sind auf Angleichung der Kartenausschnitte verschiedener Perioden zu-
rückzuführen). Deshalb kann hier auf eine detaillierte Beschreibung der Isolinien der
Villen- oder Fundstellendichte verzichtet werden.
Die Auswertung der Villendichten lässt den Schluss zu, dass im Kartenausschnitt
zwei Bereiche unterschiedlicher Siedlungsdichte anzutreffen sind (Abb.ª7). Die 1ªkm-
Isolinie lokalisiert Bereiche, in denen der Radius des „Größten Leeren Kreises“ den
Wert von einem Kilometer nicht überschreitet. Dementsprechend liegen die einge-
schlossenen Villen nicht weiter als zwei Kilometer voneinander entfernt (2ª¥ªr von
„Größtem Leeren Kreis“). Entsprechend bedeutet die Position einer Villa innerhalb
der 2ªkm-Isolinie, dass die Entfernung zur nächsten benachbarten Villa vier Kilo-
meter nicht überschreitet. Geringere Distanzen sind innerhalb der Isolinien aber
möglich. Besonders auffällig ist die Konzentration der Siedlungsstellen in der rheini-
schen Bucht, wo die 1ªkm-Isolinie ihre flächenmäßig größte Ausdehnung erlangt. Die
Villendichte stimmt in der rheinischen Bucht, trotz älterer Berechnungsgrundlage,
besonders gut mit den aktuellen Auswertungen der dortigen Schlüsselgebiete Ham-
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Bevölkerungsdichte und Landnutzung
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Abb.ª7. Isolinien der Fundstellendichte im Kartenausschnitt des Geschichtlichen Atlas der Rheinlande
(Daten nach ppersª/ªRüger 1985, Karte III. 1; Spiegel 2002, 721 Abb.ª16).
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bach und Aldenhovener Platte überein (Tab.ª1 und Tab.ª3). Sehr wahrscheinlich hängt
dieser Umstand mit der hohen Auffindungswahrscheinlichkeit der in Steinbauweise
ausgeführten Villen zusammen.
Für die Gebiete am Niederrhein haben intensive Forschungen der Bodendenk-
malpflege die Fundstellenzahl gegenüber dem Geschichtlichen Atlas der Rheinlande
nahezu verdoppelt (Bridgerª/ªKraus 2006, 108ªf.). Bedeutsame qualitative Verände-
rungen ergeben sich im rechtsrheinischen Gebiet südlich von Emmerich. Das Areal
weist um die 30 Fundstellen auf, die im Geschichtlichen Atlas der Rheinlande noch
keine Berücksichtigung fanden.rden sie in die Analyse nachträglich aufgenom-
men, dürfte sich das römische Siedlungsgebiet um 50 bis 100ªkvergrößern. Das
entspräche einem Zuwachs von 0,7ª% bis 1,3ª% an Fläche innerhalb der 2ªkm-Isolinie
(7ª505,7ªkm² plus 50 od. 100ªkm²).
Die linksrheinischen Fundstellen erzeugen keine größeren Siedlungsgebiete. Ihre
Verbreitung deckt sich anhernd mit der bei ppersª/Rüger 1985 publizierten
Fundstellenverteilung.
Einige Gebiete mit geringerer Siedlungsdichte liegen in ökologisch unvorteil-
haften Zonen (Abb.ª7, z.ªB. in den Mittelgebirgszonen). Verbunden mit der Annah-
me, dass die Villen zu einem Großteil bekannt sind, führt dies zu der Einschätzung,
dass in Gebieten mit geringer Villendichte mit einer größeren Bewirtschaftungs-
fläche und einer entsprechend höheren Bevölkerungszahl pro Villa gerechnet wer-
den muss.
Dass in einigen Regionen innerhalb der 2ªkm-Isolinie eine höhere Siedlungsdichte
existierte, wird durch neuere Untersuchungen in Teilen der Wetterau belegt. Ob die
rechnerischen Auswirkungen lokalen oder regionalen Charakter haben, werden zu-
künftige Analysen ergeben. Eine Einbindung über die bestehende Rechentechnik ist
jedenfalls ohne weiteres möglich.
Für die Übertragung der Daten zu Wirtschaftsfläche und Einwohner pro Villa
muss wegen der guten Übereinstimmung der Villendichte zwischen den Schlüssel-
gebieten und dem Geschichtlichen Atlas der Rheinlande kein eigener Rechenschritt
zum Aufwärtsskalieren angewendet werden. Die Anzahl der erfassten Villen kann
getrennt nach Dichteklassen mit den jeweiligen Werten für Einwohnerzahl und Wirt-
schaftsfläche multipliziert werden (Tab.ª3).
Dichteklassen Anz. Villen Fläche in km2² villa / km2² Bewohnerª/ªvilla Anz. villae
x Bewohner
1 km-Isolinie 1ª756 1ª797,8 1,0 10ª–ª20 17ª560ª–ª35ª120
2 km-Isolinie 1ª654 7ª505,7 0,2 25ª–ª50 41ª350ª–ª82ª700
Außerhalb Isolinien 508 25ª–ª50 12ª700ª–ª25ª400
Spanne 71ª610ª–143ª220
Mittelwert 107ª415
Tab.ª3. Römische Villendichte und geschätzte Bevölkerung im Kartenausschnitt des Geschichtlichen
Atlas der Rheinlande. Vgl. die sehr ähnliche Villendichte in den Schlüsselgebieten und kleineren Re-
gionalstudien (Tab.ª1).
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Bevölkerungsdichte und Landnutzung
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Für weitere 508 villae rusticae, die außerhalb der für den Atlas berechneten Isoli-
nien liegen, werden die gleichen Werte eingesetzt, die für die Villen in den Gebieten
mit geringerer Dichte (2ªkm-Isolinie) angenommen werden. Als Ergebnis ist für den
Kartenausschnitt des Geschichtlichen Atlas der Rheinlande eine ndliche Bevölke-
rung von 71ª610 bis 143ª220 Personen festzuhalten (Tab.ª3).
Die Bevölkerungsdichte in den Städten, Dörfern und Militärlagern
In römischer Zeit existierte eine arbeitsteilige Gesellschaft, in der eine größere Gruppe
von Menschen nicht an der Produktion von Nahrungsmitteln beteiligt war (indirekte
Beteiligungen durch Handel mit und Veredelung von Nahrungsmitteln sind davon
ausgenommen). Eine bedeutende Anzahl der provinzialrömischen Menschen lebte in
kleineren und größeren Städten. Die Schätzungen zur Bevölkerungsgröße in diesen ur-
banen Ansiedlungen beruht mit wenigen Ausnahmen (z.ªB. Xanten und Augusta Rau-
rica) vor allem auf generalisierten Annahmen. Die Anzahl von Wohnhäusern, ihren
Stockwerken und ihrer Bewohnerzahl innerhalb eventueller insulae in einer römischen
Stadt, die Größe der öffentlichen Plätze und Bauten sowie der Anteil der Gewerbe-
flächen an der Überbauung sind Parameter, deren Kenntnis eine Einwohnerschätzung
zu präzisieren hilft. Feldforschungen zu diesem Thema werden zukünftig akkuratere
Schätzungen erlauben, als sie nach heutigem Kenntnisstand möglich sind.
Für 36 bis 37 rätische Siedlungen, die als Kastellvici zu den entsprechenden militä-
rischen Anlagen entlang des Limes fungierten, wurde die Bevölkerungszahl analog zur
Größe der entsprechenden Kastellbesatzung geschätzt (500 bis 1ª000 Personen; Czysz
2005, 209). Im Rheinland ist es nicht unüblich für gleichartige vici die Anzahl der Sol-
daten mit 1,5 zu multiplizieren (750–1ª500, Mittelwert: 1ª125 Personenª/ªvicus) und 500
Personen als Mittelwert für zivile vici anzunehmen. (persönliche Mitt. Th. Fischer).
Die Größe der überbauten Fläche ist ein anderes Kriterium, das für eine Schätzung
der Bevölkerungsgröße herangezogen werden kann. Zumindest für zwei Ansiedlun-
gen, die Colonia Ulpia Traiana und Augusta Raurica, sind Zahlen zur inneren Auf-
teilung der Siedlungen publiziert worden (Tab.ª4). Das Beispiel könnte als Modell für
größere Ansiedlungen mit insulae dienen (Bossart u.ªa. 2006, 95 u. 96, insbes. Tab.ª7).
Demnach weisen römische Städte dieser Größenordnung 50ª% bis 60ª% Wohn- und
Gewerbebebauung auf. In anderen Städten wie Ostia kann das Verhältnis leicht (5ª:ª3)
oder wie in Aosta (4ª:ª1) deutlich zugunsten der Wohn- und Geschäftsbebauung ver-
schoben sein (Bossart u.ªa. 2006, 86 u. 88).
Xanten Augst
ha % ha %
Straßenª/ªStadtmauer 23 31,5 13,3 22,3
öffentl. Plätze u. Gebäude 10 13,7 9,7 16,2
Privat-(Wohn-)bauten 40 54,8 36,3 60,9
Varia 0,3 0,6
R 73 59,6
Tab.ª4. Aufteilung der überbauten Flächen der Colonia Ulpia Traiana (Xanten) und in Augusta Raurica
(Augst; nach Bossart u.ªa. 2006, 95 Tab.ª7 [Daten für Xanten aus Heimbergª/ªRieche 1998]).
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Es wäre in Zukunft zu prüfen, ob ein Übertragen dieser Angaben auf die größten
typischen Siedlungen gemäß der von Kunow aufgestellten Rangfolge zentraler Orte
in der Germania inferior (Kunow 1988, 61 Abb.ª4) zu einer besseren Beurteilung ihrer
Bewohnerzahl verhelfen könnte.
In diesem Aufsatz wird ebenfalls die bekannte Fläche der vici als Grundlage für
eine Überprüfung der bisherigen Schätzungen verwendet, ohne Kenntnisse der in-
neren Struktur dieser Siedlungen vorauszusetzen. Dies kommt zurzeit dem aktuellen
Forschungsstand entgegen, denn für die meisten urbanen und dörflichen Strukturen
in den nordwestlichen Provinzen fehlen bisher die notwendigen Angaben zur in-
neren Gliederung der Überbauung. Stattdessen wird durch Aufwärtsskalieren die
Anzahl von Streifenhäusern für einen vicus anhand seiner Fläche abgeleitet. Der Mit-
telwert aus der Summe der Ableitungen dient wiederum als Parameter für vici ohne
Flächenangabe.
Ein typisches Beispiel ist der vicus von Güglingen-Steinäckern in Baden-Württem-
berg, wo auf einer Fläche von 1,3ªha 18 Streifenhäuser mit den dazu gehörenden Gru-
ben aufgedeckt wurden. Die einem Haus mit Wirtschaftsareal zugehörige Fläche
betrug demnach ca.ª722ªm² bei 180,9ªm² (25ª%) reiner Hausfläche (Abb.ª8, Kortümª/
Neth 2004, 165–168). Häuser mit Grundflächen um 200ªm² finden sich ebenfalls in
Augusta Raurica (Kaiseraugst, Bossart u.ªa. 2006, 96–100, Abb.ª21 u. 22), Lopo-
dunum (Ladenburg, Sommerª/ªKaiser 1988, 24 Abb.ª21) und Nida (Frankfurt a.M.
Heddernheim, Baatz 2002, 284). Trotz unterschiedlicher Bebauungsstruktur (in-
sulae in Augusta Raurica und Streifenhäuser in Güglingen-Steinäckern), scheint sich
der Platzbedarf pro Haushalt im rechnerischen Mittel nicht grundsätzlich zwischen
großen und kleinen vici unterschieden zu haben. Größere Bauten mit Grundflächen
zwischen 500 und 800ªm² sind allerdings aus Arae Flaviae (Rottweil, sch 1981,
47, 10ª¥ª50ªm), aus Grinario (Köngen, Unz 1982, 63, 17ª¥ª40ªm), aus Abusina (Eining,
Fischerª/ªSpindler 1984,51 Abb.ª51, 16ª¥ªª50ªm) und aus Wahlheim bekannt (Planck
1991, 38 u. 39 sowie Abb.ª41, 13,6ªª/ª14,7ª¥ª48ªm, eine Übersicht über Streifenhäuser in
Thiel 2001, 89).
Dass diese Beispiele Maximalwerte darstellen, wird auch durch die Ansprache des
Hauses in Wahlheim als „Handelshaus“ erhärtet. Grundflächen bis zu 800ªm² aus
Cambodunum (Kempten, Weber 2000, Abb.ª93–95 zitiert in Bossart u.ªa. 2006, 96
Anm.ª225), sind ebenfalls als Ausnahmen zu werten. Von C.ªSchucany werden zur
Berechnung der Bevölkerungsdichte in den schweizerischen vici Salodurum (Solo-
thurn) und Olten Parzellengrößen von 400ªm² in Anlehnung an C.ªS. Sommer 1988
angeführt (Schucany 1999, 93 u. Anm.ª26).
Eine Parzellengröße von etwas über 700ªm² liegt somit am oberen Rand des Be-
darfs in einem römischen vicus. Der Einsatz eines solch großen Wertes hat r die
vorliegende Analyse aber den Vorteil, den Flächenanteil der öffentlichen Räume (öf-
fentliche Freiflächen und Gebäude, Straßen, etc.) an der Gesamtfläche eines vicus,
wenn nicht ganz, so doch zum Teil auszugleichen.
Werden die Werte aus Güglingen-Steinäcker als Basis r die Ermittlung einer
Hausdichte genutzt, so ist das Ergebnis eine mittlere Dichte von 14 (13,8) Häusern pro
Hektar. Für Augusta Raurica (Kaiseraugst) kann ein vergleichbares Ergebnis ange-
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führt werden, wenn nicht nur der eng überbaute, sondern der als Siedlungsperimeter
bezeichnete komplette Stadtbereich von 106ªha und mit 1ª800 Wohnhäusern à 200ªm²
berücksichtigt werden (Bossart u.ªa. 2006, 92 u. 96). Die Hausdichte beträgt dann
aufgerundet 17 Hauseinheitenª/ªha.
Die Bewohnerzahl eines Streifenhauses wurde bereits für die vici Grinario (Kön-
gen, Sommer 1988, 302) und Lopodunum (Ladenburg, Sommer 1998, 116, 158) ge-
schätzt. Demnach lebte eine Familie mit fünf bis zehn Personen in einem solchen Haus,
aber auch acht Personen werden als Obergrenze diskutiert (Bossart u.ªa. 2006, 100).
Hier wird der Einfachheit halber die höhere Zahl als ein Maximum benutzt und die
niedrigere als Minimalwert. Das Ergebnis aus der Kombination von Hausdichte pro
Hektar und geschätzter Personenzahl ergibt eine mittlere Spanne von 70–140 Personen
pro Hektar (Pª/ªha). Dieses Ergebnis liegt unter der von F. Vercauteren (1934, 362)
Abb.ª8. Güglingen „Steinäcker“. Dichte der Streifenhäuser im römischen vicus. Violettes Polygon = zur
Berechnung herangezogenes Areal (1,3ªha), violette Dreiecke und Zahlen = berücksichtigte Hausflä-
chen (nach Kortümª/ªNet h 2004, 165 Abb.ª149).
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Vicus ha Haushalte (HH) 5 Pª/ªHH 10 Pª/ªHH
NL-Heerlen 15 210 1ª050 2ª100
NL-Maastricht 15 210 1ª050 2ª100
Aachenª/ªAquae Granni 24 336 1ª680 3ª360
Aachen-Schönforst 4 56 280 560
Bad Neuenahr-Ahrw. 1 14 70 140
Billig 10 140 700 1ª400
Bonn, canabae legionis 40 560 2ª800 5ª600
Bonn, Rheinaue 60 840 4ª200 8ª400
Dormagen 8 112 560 1ª120
Elfgen 10 140 700 1ª400
Düren-Hoven 3 42 210 420
Jülich 15 210 1ª050 2ª100
Kornelimünster 4 56 280 560
Mariaweiler 15 210 1ª050 2ª100
MG-Mülfort 22 308 1ª540 3ª080
Neuss, Altstadt 10 140 700 1ª400
Neuss-Rosellen 24 336 1ª680 3ª360
Rheinb.-Flerzheim 6 84 420 840
Tüddern 9 126 630 1ª260
Wesseling 5 70 350 700
Zülpich 13 182 910 1ª820
R 21 vici 313 4ª382 21ª910 43ª820
Mittelwerte 1ª043.3 2ª086.7
Tab.ª5. Größe und geschätzte Einwohnerzahl römischer vici im südlichen Teil der Provinz Germania
inferior hrend des 2. Jahrhunderts n.ªChr. (Hektar pro vicus nach Rot henhöfer 2005, 266–267,
Haushalte nach Kortümª/ªNeth 2004, 165 Abb.ª149): 18 Streifenhäuser in 1,3ªha ausgegrabener Fläche
= 13,8 Haushalte/ha (aufgerundet 14), vgl. Abb.ª12)], Anzahl der Hausbewohner nach Som mer 1988,
302 (5–10 Personen pro Haushalt = 70 –140 Pª/ªha).
publizierten Spanne von 150–200 Pª/ªha, die er allerdings für Städte der Provinz
Belgica
im 3.ªJahrhundert n.ªChr. nennt. Der Dichtewert von 70–140 Pª/ªha kann nun benutzt
werden, um die Einwohnerzahl der vici zu schätzen, von denen die überbaute Fläche
über Ausgrabung, geomagnetische Prospektion, Artefaktstreuungen, Phosphatanaly-
sen oder über die Lage von Gräberfeldern, Öfen und anderen begrenzenden Struktu-
ren ermittelt worden ist (Heimberg 2000, 216).
Einige Zusammenstellungen über die flächige Ausdehnung von römischen vici lie-
gen für die germanischen Provinzen vor (Kunow 1988, 60, Tab.ª1; Heimberg 2000,
216 und Anm.ª49 und 50; Rothenhöfer 2005, 266 Anhang 5). Es wäre zu disku-
tieren, ob die Schätzungen von J. Kunow oder die jüngeren Arbeiten heranzuziehen
sind. Die von Heimberg und Rothenhöfer publizierten Zahlen ähneln sich sehr und
stimmen nur in einem Fall, dem vicus Bonn Rheinaue (Heimberg 3040ªha, Rothen-
höfer 60ªha auf der Basis der oberflächlichen Artefaktstreuung), nicht überein. Als ein
mögliches Beispiel wird in diesem Beitrag die von Rothenhöfer publizierte Zusam-
menstellung herangezogen (Tab.ª5).
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Die Ergebnisse decken sich sehr gut mit Kalkulationen für Lopodunum (Laden-
burg, 100 Pªª/ªha, Sommer 1988, 302), Billig (Heimberg 2000, 216, 80 Pª/ªha) und – be-
sonders wichtig für den Kartenausschnitt des Geschichtlichen Atlas der Rheinlande
einer generellen Schätzung für die vici im dlichen Teil der Provinz Germania
inferior (Rothenhöfer 2005, 26; 80–100 Pª/ªha).
Ob Beispiele mit höheren Bevölkerungsdichten ebenfalls für eine Übertragung auf
das Gebiet des Geschichtlichen Atlas berücksichtigt werden sollten, bleibt zu disku-
tieren. Aber Bevölkerungsdichten von über 200 Pª/ªha, wie sie z.ªB. für die rätischen
vici Cambodunum (Kempten, 228,6 Pª/ªha) und Augusta Vindelicum (Augsburg 153,8–
220,8 Pª/ªha) angenommen werden (Tab.ª6) scheinen nach bisheriger Datenlage nicht
typisch r die Gebiete am Mittel- und Niederrhein. Die untere Grenze von 1ª043
Pª/ªvicus r die vici im Kartenausschnitt des Geschichtlichen Atlas der Rheinlande
(Tab.ª5) korrespondiert gut mit der oben vorgestellten generellen Schätzung von 1ª125
Pª/ªvicus, bei der Flächenangaben von vici keinen Einfluss auf das Ergebnis haben.
Bender benutzt einen anderen, in sich schlüssigen Weg, um die Einwohnerzahlen
der wichtigsten vici und coloniae zu schätzen (Tab.ª7). Die von ihm angeführten Flä-
chenzahlen sind deutlich größer als bei anderen Autoren, aber er kombiniert sie mit
geringeren Bevölkerungsdichten (11,1–66,7 Pª/ªha). Im Fall von Bonna (Bonn), wo er
zwei vici zusammen veranschlagt, errechnet er eine Einwohnerzahl von über 15ª000
Personen. Die von uns vorgestellte, auf Flächengröße basierende Schätzung kommt
auf eine Bevölkerungsgröße zwischen 7ª000 und 14ª000 Personen (Tab.ª5).
Nach der vorgeschlagenen Berechnung für die vici und der Addition der von Ben-
der vorgeschlagenen Einwohnerzahlen für die Städte Köln, Xanten und Trier (Tab.ª8),
Vicus ha Anz. Häuser Hausª/ªha Pª/ªHH Pª/ªha Pª/ªVicus Quelle
Köngen 150ª–170 5ª–10 750ª–1ª700 Sommer 1988, 302
Ladenburg 45 750ª–900 16,7–20 5ª–ª6 100 4ª500 Sommer 1998, 158
Augsburg 65 153,8ª–v230,8 10ª000ª–15ª000 Czysz 2005, 213
Kempten 35 228,6 8ª000 Czysz 2005, 213
Regensburg 7ª000ª–ª9ª000 Czysz 2005, 213
Kaiseraugst 106 18ª000 17,0 5ªª8 84,9ª–135,8 9ª000ª–14ª400 Bossart u.ªa.
Tab.ª6. Größe römischer vici und Einwohnerzahlen (fette Zahlen = Daten aus Literatur, normale Zah-
len = aus der Fläche der vici abgeleiteter Wert).
Coloniaª/ªvicus Ausdehnung Hektar Personen min. Personen max. Pª/ªha
CUT (Xanten) 6ª¥ª3ªkm 1ª800 20ª000 11,1
Mogontiacum (Mainz) 6,5ª¥ª2ªkm 1ª300 15ª000 11,5
CCAA (Köln) 3ª¥ª2ªkm 600 25ª000 40ª000 66,7
CAT (Trier) 3ª¥ª1,5 km 450 15ª000 33,3
Bonna (2 vici) 4ª¥ªª0,6ªª0,7ªkm 260 15ª000 57,7
Novaesium (Neuss) 3,5ª¥ª1ªkm 350 15ª000 42,9
Tab.ª7. Vici und coloniae nach Bender 1997, 287–288 (Werte in der Spalte Personen pro Hektar [Pª/ªha]
sind aus den Angaben bei Bender 1997 abgeleitet).
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kann für die dörflichen und städtischen Orte im Kartenausschnitt des Geschichtli-
chen Atlas der Rheinlande eine Spanne von ca.ª150ª000 bis 240ª000 Einwohnern an-
gesetzt werden.
Über die Stärke der im gleichen Kartenausschnitt stationierten römischen Ein-
heiten existieren sehr gute Informationen (Tab.ª9). Für die Legionen wurde die ver-
mutlich nie erreichte Sollstärke eingesetzt (hier 6ª300 Mann, aber es existieren auch
Zahlen zwischen 5ª240 und 6ª525 Mann inklusive einer Reitertruppe [Fischer 2001,
105; Goldsworthy 2004, 51–55]). Die schwer bis gar nicht zu bestimmende Größe
von Spezialtruppen (numeri, Milizen, Flottenverbände etc.) und der Besatzungen von
Straßenstationen sollte dadurch zum großen Teil aufgefangen werden. Die geschätzte
Mannschaftsstärke von 26ª100 Mann liegt nahe bei dem von Klee r die gesam-
te Provinz Niedergermanien vorgeschlagenen Wert von 21ª000 Mann am Ende des
2.ªJahrhunderts (2006, 36).
Demografisch besonders wichtig ist der Umstand, dass zwei Legionen in diesem
Gebiet stationiert waren und zusätzlich zwei der größten römischen Städte in den ger-
manischen Provinzen (Köln, Colonia Claudia Ara Agrippinensium und Trier, Colonia
Augusta Treverorum) ebenfalls innerhalb des Kartenausschnitts des Geschichtlichen
Atlas der Rheinlande liegen. Die zu erwartende Bevölkerungszahl dürfte also im Ver-
hältnis etwas höher ausfallen als in anderen römisch besetzten Gebieten Deutschlands.
Die Spanne der errechneten Gesamtbevölkerung in der Mitte und zweiten lfte
des 2. Jahrhunderts A.ªD. beträgt für diesen Kartenausschnitt zwischen 250ª000 und
410ª000 Einwohnern (Tab.ª10).
Stadtª/ªAnzahl vici Typ Einwohner Quelle
Xanten Stadt mind. 20ª000 Bender 1997
Köln Stadt mind. 25ª000 Bender 1997
Trier Stadt 15ª000 Bender 1997
21 vici mit ha-Angabe 21ª910–43ª820 Abb.ª14
65 vici ohne ha-Angabe 67ª816,7–135ª633,3 Abb.ª14
Spanne: 149ª726,7–239ª453,3 Mittelwert: 194ª580,0
Tab.ª8. Städtische Siedlungen und Dörfer in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts AD im Karten-
ausschnitt des Geschichtlichen Atlas der Rheinlande (nach Bender 1997, 287–288; Rothenhöfer
2005, 25; Sommer 1988, 302). Mittelwerte von minimal 1ª043,3 Personen und maximal 2ª086,7 Personen
[Tab. 5] werden zur Schätzung der Bevölkerungszahl in den 65 vici ohne bekannte Flächenausdehnung
eingesetzt.
Anzahl Typ Belegungsstärke (gemittelt) Summe
2 (1 in Bonn, 1 in Xanten) Legionslager 6ª300 12ª600
18 Auxiliarkastelle 750 13ª500
Summe 26ª100
Tab.ª9. Belegungsstärken für das römische Militär im Kartenausschnitt des Geschichtlichen Atlas der
Rheinlande um die Mitte des 2. Jahrhunderts n.ªChr.
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Überprüfung der Schätzung
(Verhältnis Bevölkerungszahl zu Wirtschaftsfläche)
Für die römische Kaiserzeit kann die Plausibilität einer Bevölkerungsschätzung über
die Anzahl der Gräber und über die Nahrungsmittelproduktion kontrolliert werden.
Hier wird die mögliche Produktionsrate von Getreide der geschätzten Bevölkerungs-
dichte und der aus der Anzahl der bekannten Villen abgeleiteten Größe der Wirt-
schaftsflächen gegenübergestellt.
Insgesamt 304ª000ªha maximaler Wirtschaftsfläche (Tab.ª11) müssen gegen den Ver-
sorgungsbedarf von ca.ª330ª000 Personen (Mittelwert der geschätzten Bevölkerungs-
größe, Tab.ª10) bilanziert werden. Um die Kalkulation möglichst einfach zu gestalten,
nehmen wir an, dass Nahrungsmittel weder importiert noch exportiert wurden. Das
entspricht zwar nicht ganz den Gegebenheiten in der römischen Kaiserzeit, in der
bedingt durch die gute Infrastruktur Waren per Schiff und Straße nach und durch
Germanien transportiert werden konnten.
Anz. Personen in villae rusticae (Abb.ª11) 71ª610–143ª220
Anz. Personen in Städten und Dörfern (Abb.ª16) 149ª726,7–239ª453,3
Römisches Militär (Abb.ª18) 26ª100
Spanne 247ª436,7–ª408ª773,3
Mittelwert 328ª105
Getreidenachfrage pro Jahr in t (1ªkgª/ªPersonª/ªTag; nach Kreuz 1995) 90ª314,4ª–149ª202,3
Tab.ª10. Geschätzte Bevölkerungszahlen und Getreidebedarf für den Kartenausschnitt des Geschicht-
lichen Atlas der Rheinlande.
Fläche in Isolinien (ha) Anz. Villae Fläche pro villa (ha) max. Wirtschaftsfläche (ha)
1 km-Isolinie 179ª780 1756 50 (49ª%) 87ª800
2 km-Isolinie 750ª570 1654 100 (22ª%) 165ª400
Außerhalb der Isolinien 508 100 50ª800
Summe 304ª000
Tab.ª11. Kartenausschnitt Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, Mitte und zweite Hälfte 2.ªªJahrhundert
n.ªChr. Größe der Wirtschaftsflächen. Prozentwerte in Klammern – Verhältnis Offenland zu Gesamt-
fläche in Isolinie.
Feigen, Mandeln, Reis, Oliven und sogar Austern sind als Importware in den ger-
manischen Provinzen nachgewiesen (Knörzerª/ªGerlach 1999, 93). Und r die
spätrömische Zeit berichten schriftliche Quellen über Getreideimporte von Großbri-
tannien an den Niederrhein (Ammianus 18,2,34). Auchr das Gebiet am Kromme
Rijn wird zeitweise zumindest eine Versorgung der Bevölkerung in den vici und Mi-
litärlagern von außen vermutet (Kooistra 1996, 72). Tatsächlich wurden zeitweise
begrenzte Getreidemengen im- und exportiert, aber im Prinzip rfte in den Pro-
vinzen Germania inferior und superior insgesamt eine stabile ökonomische Situation
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vorgelegen haben, und eine unabhängige Versorgung mit Nahrungsmitteln war wohl
die meiste Zeit über möglich. Th. Fischer führt z.ªB. zur Versorgung des Militärs aus,
„daß spätestens am Ende des 1.ªJhs. n.ªChr. die Truppen an Rhein und Donau weit-
gehend ihre Grundversorgung aus den Provinzen bezogen, wo sie stationiert waren“
(Fischer 1999, 46).
Eine weitere Vereinfachung in unserer Plausibilitätsrechnung ist die Annahme,
dass die Wirtschaftsflächen nur für den Getreidefeldbau genutzt wurden. Es existier-
ten Gärten im archäobotanischen Sinne mit Gemüse, Früchten und Kräutern, eben-
so wie Weiden für Pferde, Kühe und andere Tiere (dazu u.ªa. Bender 1997, 304–311,
Hechtª/ªTauber 1998, 434–435, Kreuz 1995, 71–74). Das Ziel die Wirtschaftsflächen
(unter der Annahme eines dominanten Getreideanbaus) gegen das Nachfragepotenzial
der im Kartenausschnitt des Geschichtlichen Atlas der Rheinlande lebenden provin-
zialrömischen Bevölkerung zu bilanzieren, versteht sich an dieser Stelle ausschließlich
als Überschlagsrechnung zur Kontrolle der Bevölkerungsschätzung.
Als Nebenprodukt dieser Untersuchung ist ein Offenlandanteil von 49ª% für die
dicht mit villae rusticae belegten Gebiete und von 22ª% in den Gebieten geringerer
Villendichte festzuhalten (Tab.ª11). Für die Aufteilung der Wirtschaftsflächen in Bra-
che, Feldanteil für die Produktion von Saatgut und für den direkten Getreidekonsum
verwenden wir die von A.ªKreuz vorgeschlagenen Verhältnisse (1995, 79–81). Die
Spannweiten für die Erträge pro Hektar folgen den von Rothenhöfer vorgeschlage-
nen Werten (Tab.ª12). Die Szenarien „Mangel“ und „Überschuss“ deuten mögliche
Extremsituationen an, die womöglich auch aufgetreten sind, aber das ausgewogene
Szenario 3 mit einer leichten Überschussproduktion scheint im Alltag der römischen
Provinzen die Regel gewesen zu sein (Tab.ª13).
Die römische Bevölkerungsdichte der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts im Kartenaus-
schnitt des Geschichtlichen Atlas der Rheinlande
Relativ neue Schätzungen zur Bevölkerungsdichte im südlichen Teil der Provinz
Germania inferior, in einer von Löss (2ª000ªkm²) dominierten Fläche von ca.ª7ª000ªkm²,
kommen auf 140ª000–180ª000 Personen (ohne Militär). Das entspricht einer Bevöl-
kerungsdichte von 20–25,7 Pª/ªkm² (Rothenhöfer 2005, 26). Eine andere, nur auf
Gräbern basierende Schätzung für die Jülicher Börde (50ªkm²), gelangt zu einer Be-
völkerungsdichte von nur 4 Pª/ªkm² (Gaitzsch 2002, 270). Die Anzahl der Gräber
ist allerdings nicht vollständig erfasst worden, und es wird mit einer Erhaltung von
weniger als einem Drittel der ursprünglich vorhandenen Bestattungen gerechnet. Das
Fehlen weiterer Gräber könnte einmal durch den Umstand erklärt werden, dass Sai-
sonarbeiter nur ausnahmsweise bei den villae rusticae begraben wurden und einige
Gräber bisher noch gar nicht aufgefunden worden sind.
Unsere Schätzung auf der Basis der Transferdaten aus den Schlüsselgebieten
Hambach, Aldenhovener Platte und Kromme Rijn, den Regionalstudien aus dem
Neckargebiet und der Wetterau sowie der regional differenzierten Villendichte im
Kartenausschnitt des Geschichtlichen Atlas der Rheinlande führt zu einer Bevölke-
rungsgröße von 247ª436,7 bis 408ª773,3 Personen (Tab.ª10). Der römisch besetzte Teil
in diesem Gebiet, in dem die geschätzte Bevölkerung ansässig war, umfasst eine Flä-
che von 22ª848ªkm². Daraus wird ein Dichtewert von 10,8 bis 17,9 Pª/ªkm² berechnet.
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Dies erscheint angesichts der Schätzung von Rothenhöfer für das sicher besonders
dicht besiedelte Lößgebiet und der Schätzung alleine auf Grund von Gräbern aus dem
ländlichen Gebiet eine realistische Bandbreite zu sein. Verglichen mit der Bevölke-
rungsdichte der Bandkeramik ist der Wert für die römische Kaiserzeit um den Fak-
tor 30 größer (Zimmermann u.ªa. 2004, 73). Im Gegensatz zu den frühneolithischen
Verhältnissen war nun auch das gesamte potenziell agrarisch gut nutzbare Land bis
über seine Grenzen hinaus belegt (Zimmermannª/ªWendt im Druck). Eine Inter-
pretation dieser speziellen Landnutzungssituation könnte auf eine Optimierung der
Lebensverhältnisse in der staatlich organisierten römischen Gesellschaft hindeuten.
Aber die intensive Nutzung, wie sie in den Siedlungszentren der Lößzone (Rheini-
sche Bucht) überwiegend mit Getreideanbau stattfand, scheint zum Ende des zweiten
Jahrhunderts n.ªChr. zu einer beträchtlichen Entwaldung dieser und der benachbarten
Regionen geführt zu haben, so dass zumindest die Einfuhr von Bauholz aus dem
Schwarzwald diskutiert wird (Gechter 1992, 159 u. Anm.ª15).
Größe der Wirtschaftsflächen (Abb.ª19) 304ª000ªha
Brache (50ª%) 152ª000ªha
Feldfläche 152ª000ªha
10ª% für Samenproduktion (nächstjährige Aussaat) 15ª200ªha
Flächenanteil für Konsumproduktion 136ª800ªha
Jährliche Erträge 0,8ªtª/ªha (Kreuz 1995) 109ª440ªt
Weizen 0,4–1,8ªtª/ªha (Rothenhöfer 2005) 54ª720–246ª240ªt
Dinkel 0,9–3,6ªtª/ªha (Rothenhöfer 2005) 123ª120–492ª480ªt
Gerste 0,4–2,0ªtª/ªha (Rothenhöfer 2005) 54ª720–273ª600ªt
Jährlicher Ertrag 54ª720,0–492ª480,0ªt
Jährlicher Versorgungsbedarf 90ª314,4–149ª202,3ªt
Szenario 1 „Mangel“ (404ª373,3 Personen, 0,4ªtª/ªha) - 94ª482,3ªt
Szenario 2 „Überschuss“ (243ª036,7 Personen, 3,6ªtª/ªha) + 402ª165,6ªt
Szenario 3 „Balance“ (325ª000 Personen, 1,0ªtª/ªha) +16ª350ªt
Tab.ª12. Kartenausschnitt Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, Mitte und zweite Hälfte 2.ªJahrhundert
n.ªChr. Aufteilung der maximal zur Verfügung stehenden Agrarflächen (für Brache, Saatgut und Kon-
sum) sowie mögliche Getreideerträge.
Tab.ª13. Kartenausschnitt Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, Mitte und zweite Hälfte 2.ªJahrhundert
n.ªChr. Bilanzierung der zum Konsum bereit stehenden Getreideerträge gegen den von der Bevölke-
rungsgröße abhängigen Bedarf.
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Die römische Bevölkerungsdichte der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts in den
germanischen Provinzen des römischen Reiches
Die Karten zur ländlichen römischen Besiedlung Deutschlands wurden von Bender
in neun Teilkarten r das Ende des 2.ªJahrhunderts vorgelegt (1997, 364–374). Sie
entspricht also in etwa der Zeitscheibe, die schon bei den Untersuchungen anhand der
Schlüsselgebiete und Regionalstudien vorlag. Die Analyse der Karten (Abb.ª9) bestä-
tigt im Großen die am Kartenausschnitt des Geschichtlichen Atlas der Rheinlande
auf mittlerer (Abb.ª7) und in den Schlüsselgebieten auf kleiner Skale gewonnenen Er-
kenntnisse (Tab.ª1).
Die Berechnung der Fundstellendichte erfolgt analog zum Beispiel des Geschicht-
lichen Atlas der Rheinlande. Die 1ªkm-Isolinie beschreibt wiederum die Gebiete mit
hoher Villendichte, die zwei größere Zentren im Rheinland und im Neckarraum
bilden (Abb.9). Die hier als optimal bestimmte 2,5ªkm-Isolinie beschreibt das wei-
tere römische Siedlungsgebiet, das 80,2ª% (5ª648 von 7ª039) der kartierten Villen ein-
schließt.
Mit den gleichen Ausgangsdaten aus den Schlüsselgebieten und nahezu gleichen
Arbeitsschritten kann eine Übertragung der kleinräumigen archäologischen Beob-
achtungen auf die Skale von Deutschland und den angrenzenden Gebieten erfolgen.
Über die auf dieser Skale üblichen Verzerrungen bei der Lokalisation einzelner Fund-
stellen wurde bereits am Beispiel der Bandkeramik in Mitteleuropa berichtet (Zim-
mermann u.ªa. 2004, 8085). Auch hier wird ein Regressionsansatz zur Kalibration
der Siedlungsgebiete angewendet (Abb.ª10). Im Ergebnis erhöht sich die Fläche der
Siedlungsgebiete in den dichter mit Villen belegten Regionen Deutschlands, während
für die etwas lockerer besetzten Gebiete der 2,5ªkm-Isolinie die Flächengröße etwas
zurückgenommen wird (Tab.ª14).
Dichteklassen Anz. Villen Fläche in km2² Fläche nach villaª/ªkm2² Bewohner/ Anz. villae
Regression villa x Bewohner
1 km-Isolinie 1ª209 1ª621,0 2ª041,8 0,6 10ª–ª20 12ª090ª–ª24ª180
2,5 km-Isolinie 4ª439 25ª765,1 20ª573,4 0,2 25ª–ª50 110ª975ª–ª221ª950
außerhalb Isolinien 1ª391 25ª–ª50 34ª775ª–ª69ª550
Spanne 157ª840ª–ª315ª680
Mittelwert 236ª760
Tab.ª14. Karten zur ländlichen Besiedlung Deutschlands in der römischen Kaiserzeit. Villendichte in
Deutschland und benachbarten Gebieten (Abb.ª8 nach Bender 1997) und die abgeleitete Schätzung der
ländlichen Bevölkerung.
Die errechnete Villendichte in den dichter belegten Gebieten der 1ªkm-Isolinie
ist deutlich kleiner als in den Schlüsselgebieten oder den vergleichbaren Gebieten
im Kartenausschnitt des Geschichtlichen Atlas der Rheinlande, und so scheint es
hier notwendig, von den Schlüsselgebieten aufwärts zu skalieren (die Villendichte
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beträgt 0,75 Villenª/ªkm²). Im Bereich geringerer Villendichte wird bei den Daten
von Bender der gleiche Dichtewert von 0,2 Villenª/ªkm² erreicht wie bei den Regio-
nalstudien.
Für die Berechnung der Einwohnerzahlen in den urbanen und kleinstädtischen
Zentren können vici mit und ohne Flächenangabe herangezogen und die entsprechen-
de Einwohnerzahl in der bereits vorgestellten Weise berechnet werden. Zu den bereits
Abb.ª9. Isolinien der Fundstellendichte von ländlichen römischen Siedlungen in Deutschland und den
angrenzenden Gebieten (Daten nach Bender 1997, 366–374 Teilkarten 1–9). [Colonia Ulpia Traiana
– Xanten, Colonia Claudia Ara Agrippinensiumª–ªKöln, Augusta Treverorumª–ªTrier, Mongontiacumª–
Mainz, Dividorumª–ªMetz (F), Argentorateª–ªStraßburg (F), Augusta Rauricaª–ªBasel (CH), Arae Flaviae
ª–ªRottweil, Augusta Vindelicorumª–ªAugsburg, Castra Reginaª–ªRegensburg, Iuvavumª–ªSalzburg (A)].
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bekannten vici mit Flächenangabe treten 22 weitere, die in den von Bender vorgestell-
ten Karten zu verorten sind (Tab.ª15). Die Anzahl der dort genannten vici und muni-
cipiae muss nun so kalibriert werden, dass die Zahlen mit denen des Geschichtlichen
Atlas korrespondieren. In diesem wurden 86 vici gezählt. Bender (1997) berücksich-
tigte für die gleiche Region nur 28 der größeren vici.
Als ein Lösungsversuch wird hier das aus dem Rheinland bekannte Verhältnis
zwischen großen und kleinen vici übertragen. Folgt man diesem Vorschlag, dann
müssten die bei Bender aufgeführten vici und municipiae aus allen römisch besetzten
Regionen Deutschlands um weitere 170 kleinere vici ergänzt werden. Der r diese
vici ermittelte Durchschnittswert ihrer Einwohnerzahl liegt über dem für das Rhein-
land errechneten (Tab.ª6 und 15).
Um der größeren Unsicherheit der Schätzung für diesen Skalenbereich Rechnung
zu tragen, wird die maximale Spanne von 1ª043,3–2ª976,9 Einwohnern für die 237 vici
ohne Flächenangabe eingesetzt (Tab.ª16; ermittelt aus Tab.ª5 und 15).
Für das Militär muss die Mannschaftsstärke von drei zusätzlichen Legionen und
der Mittelwert von 70 Auxiliareinheiten eingesetzt werden (Tab.ª17).
Als Ergebnis gelangt man zu einer Spannweite zwischen ca.ª640 000 bis 1,3 Millio-
nen Personen auf einer Fläche von knapp 131ª850ªkm² (Bevölkerungsdichte = 4,8–10
Einwohnerª/ªkm²). Eine auf diesen Daten berechnete Kalkulation der Bevölkerungs-
Abb.ª10. Karten zur ndlichen Besiedlung Deutschlands in der römischen Kaiserzeit. Ergebnis der
Regressionsanalyse römischer Siedlungsgebiete. Regionalstudien (ppersª/ªRüger 1985, Hüssen
2000, Saile 1998) verglichen mit entsprechenden Flächen der großräumigen Verbreitungskarte (Ben-
der 1997: 2,5ªkm-Isolinie), graue Symbole 2 km-Isolinie, Wetterau 1,5ªkm-Isolinie und Neckargebiet
2 km-Isolinie.
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dichte halten wir zur Zeit für weniger sicher als die für den Kartenausschnitt des Ge-
schichtlichen Atlas der Rheinlande berechnete Größe. Ein systematischer Vergleich
solcher Schätzwerte für unterschiedliche Kartenausschnitte wird zu einem späteren
Zeitpunkt vorgelegt werden.
Während der Anteil des Militärs an der Gesamtbevölkerung auf beiden Skalene-
benen bei etwa acht Prozent liegt (zugrunde liegen die Mittelwerte der geschätzten
Bevölkerung, getrennt nach ndlichem, urban-dörflichem und militärischem Sek-
tor), so sind deutliche Unterschiede zwischen den Skalen im Verhältnis der Land- zur
Stadtbevölkerung inklusive den Einwohnern von vici zu beobachten. Während ein
Drittel der r den Geschichtlichen Atlas geschätzten Bevölkerung in Villen oder
vergleichbaren ndlichen Siedlungen wohnten (32,7ª%), sind es deutschlandweit
nur ein Viertel (24,2ª%). Entsprechend haben auf der obersten Skale die Anteile r
Stadt- und Dorfbewohner zugenommen (von 59,3ª% auf 67,2ª%). Die Dichte der vici
in der Kartierung des Geschichtlichen Atlas der Rheinlande ist dreimal so groß wie
auf Benders Deutschlandkarte, und so wäre auf dieser größeren Maßstabsebene eine
Vicus ha Haushalte (HH) 5 Pª/ªHH 10 Pª/ªHH Quelle
NL-Fectio 10 140 700 1400 Kooistra 1996, 54
NL-Traiectum 1 1,6 22,4 112 224 Kooistra 1996, 54
NL-Traiectum 2 2,2 30,8 154 308 Kooistra 1996, 54
Noviomagus 25 350 1ª750 3ª500 Bernhard 2003, 21–32
Tabernae 32 448 2ª240 4ª480 Bernhard 2003, 21–32
Eisenberg 8 112 560 1ª120 Bernhard 2003, 21–32
Nida 54 756 3ª780 7ª560 Baatz 2002, 291
Ladenburg 40 560 2ª800 5v600 M. Zimmermann 2000, 19
Rottenburg 28 392 1ª960 3v920 Gaubatz-Sattler 2000, 107
Heilbr.-Böckingen 30 420 2ª100 4ª200 Hüssen 2000, cat.ªno.ª31b
Bad Friedrichshall 5 70 350 700 „ cat.ªno.ª119b
Bad Wimpfen 19 266 1ª330 2v660 „ cat.ªno.ª148b
Jagsthausen 20 280 1ª400 2ª800 „ cat.ªno.ª262b
Neuenstadt a.ªK. 15 210 1ª050 2ª100 „ cat.no.ª383
Offenau 20 280 1ª400 2ª800 „ cat.ªno.ª403
Öhringen-West 26 364 1ª820 3ª640 Hüssen 2000
Öhringen-Ost 9 126 630 1ª260 Hüssen 2000
Weißenburg 30 420 2ª100 4ª200 Csyzs 2005, 211
Faimingen 40 560 2ª800 5ª600 Csyzs 2005, 211
Pocking 8 112 560 1ª120 Csyzs 2005, 211
Nassenfels 5 70 350 700 Csyzs 2005, 211
Straubing 40 560 2ª800 5.600 M. Zimmermann 2000, 19
Summe 22 vici 467,8 6ª549,2 32ª746 65ª492 1ª488,5–ªª2ª976,9 Pª/ªvicus
Tab.ª15. Größe und geschätzte Einwohnerzahl römischer vic i im nördlichen Teil der Provinz Ger-
mania inferior und in den Provinzen Germania superior sowie Raetia während des 2.ªJahrhunderts
n.ªChr. Hektar pro vicus nach Rothenhöfer 2005, 266–267, Haushalte nach Güglingen-Steinäckern
(Kortü mª/ªNeth 2004, 165 Abb.ª149): 18 Streifenhäuser in 1,3ªha ausgegrabener Fläche = 13,8 Haus-
halteª/ªha (aufgerundet 14), vgl. Tab.ª6, Anzahl der Hausbewohner nach Sommer 1988, 302 (5–10 Perso-
nen pro Haushalt = 70–140 Pª/ªha).
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beträchtliche Verzerrung zu erwarten. Tatsächlich unterscheidet sich der Anteil der
Land- gegenüber der Dorf- und Stadtbevölkerung auf beiden Skalen um nicht mehr
als zehn Prozent.
Für die generelle Verminderung von Schätzfehlern zur römischen Bevölkerungs-
dichte wären weitere Gebietsvorlagen wünschenswert, die das gesamte naturräumlich
genutzte Potential repräsentieren; dies wäre z.ªB. für den Mittelgebirgsraum nötig. Ob
die Untersuchungen aus dem Regensburger Raum (Fischer 1990 und 1994b) sowie
Nameª/ªAnzahl Typ Mittelwert Einwohnerzahl
Xanten Colonia 20ª000
Köln Colonia Mind. 25ª000
Trier Colonia Mind. 15ª000
Mainz Provinzhauptstadt 15ª000
Kaiseraugst Colonia 9ª000ª–14ª400
Rottweil Municipium 10ª000ª–15ª000ª?
21 (Abb.ª14) vici mit Flächenangabe 21ª910ª–43ª820
22 (Abb.ª25) vici mit Flächenangabe 32ª746ª–ª65ª492
237 (170 geschätzt) viciª/ªcivitates 1ª043,3ª–2ª976,9 247ª262,1–705ª525.3
Spanne 395ª918,1–919ª237,3
Mittelwert 657ª577,7
Tab.ª16. Karten zurndlichen Besiedlung Deutschlands in der römischen Kaiserzeit (nach Bender
1997, 287ªf.). Geschätzte Einwohnerzahlen aus römischen coloniae, civitates, municipiae und vici in den
römischen Provinzen Deutschlands. Mittelwerte der Einwohner für die vici aus Tab.ª15.
Anzahl Typ Belegungsstärke (gemittelt) Summe
5 Legionslager 6ª300 31ª500
70 Auxiliarkastelle 750 52ª500
Summe 84ª000
Tab.ª17. Karten zur ländlichen Besiedlung Deutschlands in der römischen Kaiserzeit (nach Bender
1997). Belegungsstärken für das römische Militär für die Mitte bis Ende des 2.ªªJahrhunderts n.ªChr.
Anz. Personen in villae rusticae (Abb.ª24) 157ª840–315ª680,0
Anz. Personen in Städten und Dörfern (Abb.ª26) 395ª918,1–919ª237,3
Römisches Militär (Abb.ª27) 84ª000,0
Spanne 637ª758,1–1.318ª917,3
Mittelwert 978ª337,7
Tab.ª18. Karten zur ndlichen Besiedlung Deutschlands in der römischen Kaiserzeit (nach Bender
1997). Zusammenstellung der Bevölkerungszahlen für die Mitte bis Ende des 2.ªJahrhunderts n.ªChr.
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aus dem Nördlinger Ries verwendet werden können (Fischer 1994a), muss diskutiert
werden, weil der dort dokumentierte Besiedlungsschwerpunkt nach dem hier gewähl-
ten chronologischen Zielhorizont liegt. Die in dieser Arbeit vorgestellten Bezugsgrö-
ßen stammen vor allem aus Gebieten entlang des Rheins.
Ein anderes Problemfeld scheinen regional unterschiedliche Übergangsformen bzw.
Zwischenformen zwischen vici und landwirtschaftlichen Betrieben zu sein. Dies ist
vor allem für das niederländische und niederrheinische Gebiet der Fall (Bridger 1996,
298–300). Die beim Beispiel Vorst über das Gräberfeld erschlossene Größenordnung
der Siedlung beträgt ein bis 32 Haushalte und reicht von einigen wenigen Personen
bis zu 200 gleichzeitigen Einwohnern. Es wäre zu diskutieren, ob die Berücksichti-
gung zusätzlicher Untergliederungen zwischen vici und Gutshöfen überhaupt oder
nur regional begrenzte Auswirkungen auf das Schätzergebnis hätte. Speziell für die
größten Siedlungen wird man aber in Zukunft durch die systematische Unterschei-
dung der Freiflächen und öffentlichen Bauten von den Wohngebieten mit oder ohne
Insula-Struktur unsere Kenntnisse wesentlich verbessern können.
Ausblick
Das hier vorgestellte Methodenbündel wurde entwickelt, um den Parameter Bevöl-
kerungsdichte für verschiedene Zeitperioden zu schätzen. Es ist nicht an bestimmte
mathematische Verfahren gebunden, sondern an die Einhaltung der logischen Schritte
des Aufwärtsskalierens. Die vorgeführte Logik des Übertragens von archäologischen
Informationen über verschiedene Skalenebenen hinweg, ist für die im Rhein-LUCIFS
Projekt angestrebten diachronen und regional differenzierten Analysen nicht nur be-
sonders wichtig, sondern unerlässlich.
Jede neue Information, die zu einer Verringerung der in diesem Beitrag angeführ-
ten Schätzfehler führt (z.ªB. die unterschiedliche Ansprache von villae rusticae), wird
die vorgestellten Ergebnisse zwar im Detail verändern, jedoch zeigen die bisherigen
Analysen, dass die in Verbindung mit den Isolinien der Fundstellendichte (hier Vil-
lendichte) erzielten Resultate sehr stabil sind (Zimmermann u.ªa. 2004, 73).
Der Schätzvorgang, der für die Subsistenzwirtschaft betreibende bandkeramische
Kultur entwickelt wurde, kann auf die vielfältigeren Strukturen der mittleren römi-
schen Kaiserzeit übertragen werden. Demzufolge sind die Ergebnisse beider Schät-
zungen direkt miteinander vergleichbar. Der um ein Vielfaches höhere Wert für die
Bevölkerungsdichte der römischen Kaiserzeit deutet auf eine intensive Nutzung der
Landschaft hin. Vor allem, da die Nutzung der Wälder (Brennholz für Kochen, Hei-
zen, Keramik- und Glasherstellung sowie Metallgewinnung und -verarbeitung) hier
noch nicht eingerechnet wurde.
Der aufgezeigte Weg, Daten zur Bevölkerungsdichte und Landnutzung aus Schlüs-
selgebieten mit gutem bis vollständigem archäologischen Kenntnisstand auf höhere
Skalenniveaus mit geringerer Datenqualität zu übertragen, ist eine Methode, um zu
demografisch und wirtschaftshistorisch relevanten Aussagen für die entsprechenden
Epochen zu gelangen.
Karl Peter Wendtªª/ªAndreas Zimmermann
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Bevölkerungsdichte und Landnutzung
GERMANIA 86, 2008
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Zusammenfassung: Bevölkerungsdichte und Landnutzung in den germanischen Provinzen
des Römischen Reiches im 2.ªªJahrhundert A.ªD. Ein Beitrag zur Landschaftsarchäologie
Der vorliegende Vorschlag zur Schätzung der Bevölkerungsdichte für die zweite Hälfte des
2.ªJh. n.ªChr. beruht für die Nutzung des Landes auf der Methode des Aufwärtsskalierens. Die
Villendichte in besonders gut untersuchten Schlüsselgebieten wird auf Areale übertragen, die
in regionalen und überregionalen Verbreitungskarten eine gleichmäßige Fundstellendichte
aufweisen. Neben der Einwohnerzahl von Villen werden vici, Städte und Militärstandorte in
einer Weise berücksichtigt, die es ermöglicht, zukünftige Erkenntnisfortschritte leicht zu inte-
grieren. Der im Rhein-LUCIFS Projekt entwickelte, GIS-gestützte und standardisierte Vorgang
des Übertragens von Daten zwischen verschiedenen Maßstabsebenen ermöglicht diachrone
und regionale Vergleiche der demographischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen
ur- und frühgeschichtlicher Perioden.
Abstract: Population density and land usage in the Germanic provinces of the Roman
empire in the 2nd century AD: An article on landscape archaeology
The present suggestion for estimating population density in the second half of the 2nd century
AD is based on the method of upward scaling for assessing land usage. The villa density in
particularly well-investigated key regions is transferred to areas that, on regional and suprare-
gional distribution maps, demonstrate a comparable concentration of sites. In addition to the
number of inhabitants of villas, vici, towns and military bases are taken into account in a way
that makes possible the easy integration of future findings. The standardized, GIS-supported
process for transferring data among differing levels of scale, developed by the Rhein-LUCIFS
Project, makes possible diachronic and regional comparisons of demographic, economic and
social developments of prehistoric and early historic periods.
C. M.-S.
Resumé: Densité de population et gestion des terres dans les provinces germaniques de
l’Empire romain au IIème siècle après J.-C. Contribution à une archéologie du paysage
La présente proposition pour l’estimation de la densité de population au cours de la seconde
moitié du IIème siècle de notre ère repose, pour la gestion des terres, sur la méthode du passage
à l’échelle supérieure (Aufwärtsskalieren). La densité des villae à l’intérieur de territoires clés
particulièrement bien étudiés est reportée à des zones qui attestent, à partir des cartes de ré-
partition régionale et extra-régionale, d’une densité de découvertes comparable. Parallèlement
au nombre d’habitants des villae, les vici, villes et implantations militaires sont pris en considé-
ration de manière à pouvoir facilement intégrer les données nouvelles que des progrès à venir
permettront d’obtenir. Le projet Rhein-LUCIFS s’appuie sur un SIG et un procédé standardisé
de report des données à différentes échelles. Cette méthode autorise les comparaisons diachro-
niques et régionales des évolutions démographiques, économiques et sociales, de la Préhistoire
au haut Moyen Âge.
S. B.
Karl Peter Wendtªª/ªAndreas Zimmermann
36 MF
Anschrift der Verfasser:
Karl-Peter Wendt
Universität zu Köln
Institut für Ur- und Frühgeschichte
Weyertal 125
D–50923 Köln
E-Mail: pwendt@uni-koeln.de
Andreas Zimmermann
Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln
Albertus-Magnus-Platz
D–150931 Köln
E-Mail: a.zimmermann@uni-koeln.de
Bildnachweis:
Alle Abbildungen und Tabellen vom Autor unter Verwendung der in den Bildunterschriften ange-
gebenen Literatur.
Karl Peter Wendtªª/ªAndreas Zimmermann, Bevölkerungsdichte und Landnutzung
... mit nahezu vierundzwanzigtausend Quadratkilome- tern (23 935,1 km²) decken sie fast den gesamten linksrheinischen flächenanteil im Kartenaus- schnitt des Geschichtlichen atlas der Rheinlande ab. dass das schätzgebiet der vorrömischen eisenzeit nahezu dem der römischen Periode von 22 848 km² entspricht (Wendt 2008), ist für vergleichende betrachtungen hilfreich. den größten anteil besitzt die mittelgebirgszone, ge- folgt von den lössebenen und der voreifel (Tabelle 1). . ...
... summary in this and two previous articles we have produced regionally differentiated figures for the population density of the Rhineland for an area of some 30,000 km 2 stretching approximately from mainz to the dutch border. the following periods were considered: the linear Pottery culture (Zimmermann u. a. 2004), the iron age (in this article), the Roman em- pire (Wendt 2008), the merovingian period and the years around ad 1800 (both in this article). ...
Article
Full-text available
Bevölkerungsschätzungen zur vorrömischen Eisenzeit, der Merowingerzeit und späten vorindustriellen Neuzeit im Rheinland auf der Basis GIS-gestützter Analysen; diachroner Vergleich der Ergebnisse; Untersuchungen zu methodisch verursachten Spannbreiten in den Schätzungen.
Chapter
The Roman Empire had a significant and sustained impact on the landscapes of northern Europe from the time of conquest to the end of the imperial period. A repeated process of deforestation and land clearance for agricultural exploitation led to a rapid onset of environmental change evident in a number of different archaeological, historical, and geomorphological datasets. This paper investigates how Rome caused environmental changes in the provinces of Germany and Britain and how these changes, in turn, affected patterns of settlement, economy, and frontier defence over the first five centuries CE.
Article
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In many theories on the social and cultural evolution of human societies, the number and density of people living together in a given time and region is a crucial factor. Because direct data on past demographic developments are lacking, and reliability and validity of demographic proxies require careful evaluation, the topic has been approached from several different directions. This paper provides an introduction to a geostatistical approach for estimating prehistoric population size and density, the so-called Cologne Protocol and discusses underlying theoretical assumptions and upscaling transfer-functions between different spatial scale levels. We describe and compare the specifics for farming and for foraging societies and, using examples, discuss a diachronic series of estimates, covering the population dynamics of roughly 40 kyr of European prehistory. Ethnohistoric accounts, results from other approaches—including absolute (ethno-environmental models) and relative estimates (site-numbers, dates as data, etc.) allow a first positioning of the estimates within this field of research. Future enhancements, applications and testing of the Cologne Protocol are outlined and positioned within the general theoretical and methodological avenues of palaeodemographic research. In addition, we provide manuals for modelling Core Areas in M ap I nfo , A rc GIS, QGIS/S aga and R. This article is part of the theme issue ‘Cross-disciplinary approaches to prehistoric demography’.
Article
Full-text available
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den dendrochronologisch untersuchten Holzproben von 52 datierten Brunnen aus 34 villae rusticae (430 Holzproben) aus den drei rheinischen Braunkohlenrevieren Frimmersdorf/Garzweiler, Hambach und Weisweiler/Inden. Sie liefern die Basis für quantitative Auswertungen von Merkmalen wie das radiale Holzwachstum einer Probe (Jahrringbreite und Anzahl der Jahrringe), der räumlichen Verteilung (Brunnen in den drei Braunkohlenrevieren) und der Fällungsdaten. Dazu tritt eine kursorische Beschreibung der im Datenbestand vorhandenen Brunnentypen. Die Analyse der Jahrringanzahl zeigt eine Gruppe von Proben aus Frimmersdorf/Garzweiler, die sich von den restlichen Proben durch besonders hohe Anzahlen abhebt. Ohne zusätzliche Informationen kann für dieses Phänomen aber keine befriedigende Begründung angegeben werden. Die Fällungsdaten der Proben lassen für drei Zeitabschnitte ein erhöhtes Aufkommen an Brunnenhölzern erkennen, die sich mit Phasen abwechseln, aus denen nur wenige Hölzer überliefert sind. Die datierten Brunnen können drei Bauhorizonten zugeordnet werden, die den Phasen mit hohem Probenaufkommen weitgehend entsprechen. Damit verknüpft ist eine Diskussion über die Berechnung der Nutzungszeiten römischer Brunnen, für die hier ein durchschnittlicher Wert vorgeschlagen wird. Betrachtet man Bauhorizonte und Phasen mit hohem Probenaufkommen im Zusammenhang mit archäologischen Ergebnissen zur römischen Besiedlungsgeschichte und Erkenntnissen zur allgemeinen Wirtschafts- und Politikgeschichte der Provinz Niedergermanien, so lassen sie sich erkennbar mit Zeiten von Wachstum und Prosperität korrelieren. Damit bieten sich die dendrochronologischen in Verknüpfung mit archäologischen und archäobiologischen Daten als aussagekräftige Quelle für landschaftsarchäologische Forschungen an.
Article
Reccopolis revealed: the first geomagnetic mapping of the early medieval Visigothic royal town - Volume 93 Issue 369 - Joachim Henning, Michael McCormick, Lauro Olmo Enciso, Knut Rassmann, Eyub Fikrit Eyub
Article
Full-text available
Estimations of population density, which consider regional variability, are an important key variable in archaeology as they have consequences not only for the environmental but also for the economical and social domains. In this paper, a ten-step procedure of a consistent group of methods is described which deals with the data required for estimations of population density at different scale levels (from excavation to large-scale distribution maps). For distribution maps, a method is presented by which densities of sites are displayed using optimal isolines. These demarcate so called ‘settlement areas’ at scales of between 1:25,000 and 1:2.5 million. Our knowledge of the density of households from key areas with the most complete archaeological records is upscaled for the regions within these isolines. The results of this procedure are estimations of population density for the early Neolithic (Bandkeramik, 51st century BC) and the Roman period (2nd century AD) for regions with some 10,000 km ² . A simple statistical/graphical method is developed to analyse the relationship between settlement areas, soils, and precipitation. Taking into account the aspects of preservation of sites and the intensity of archaeological observations, an analysis of patterns of land use shows that in prehistory not all areas suitable for use were in fact incorporated into settlement areas. For prehistory, the idea of a most optimised use of land up to its carrying capacity (as it has been proposed for at least 50 years) can be falsified for specific areas. A large number of empty regions with good ecological conditions but lacking in settlement activity can be discussed as resulting from culture historical processes. As an example, the separation of areas inhabited by groups of different identities is discussed. The amount of used space (in terms of ‘settlement area’) however, increases from the early Neolithic to the 4th century BC from 5% to more than 40%. The increase between the Neolithic and the Iron Age is understood in terms of technological developments in farming systems. The percentage of areas with suitable conditions actually utilised between the Bandkeramik and Iron Age increases from 31.1% to 67.5% in the area covered by the Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, and is much higher still in the Roman period (84.3%). State societies seem to use the land more efficiently compared to non-state systems. This is becoming even clearer on consideration of the intensity of human impact. Large-scale distribution maps dividing the Neolithic in five periods were analysed. In each of the periods large settlement areas seem to be characterised either by the development of specific cultural innovations or by exchange of a specific raw material. In the course of time, the size of settlement areas in a specific region fluctuates markedly. It is most plausible to assume that this is due to a remarkable mobility of seemingly sedentary populations. Individual families recombine to new socio-cultural units every few hundred years. The relationship between size of settlement areas and the number of households can be used to develop ideas relating to the flow of exchange goods. An example for the Bandkeramik considering the Rijckholt-Flint is presented. The combination of the number of households and the percentage of this raw material in the specific settlement areas visualises the amount needed and the amount transferred to other settlement areas in the neighbourhood. A future economical archaeology could use this information to develop ideas relating to the importance of the economic sector, ie, ‘procurement of flint’ in relation to the ‘production of foodstuffs’ according to the time required for each group of activities. In the last section, the relationship between settlement areas and human impact is discussed. For the periods of subsistence economy, it is argued that the size of the population and its farming system are the two most important factors. For example, in Bandkeramik settlement areas, approximately 2% of the forest covering the landscape was cut down; in Roman times, and depending on the intensity of farming, this reaches magnitudes of between 20% and 50%. Although some of the methods and arguments used in this paper may be exchanged for better ones in the future, it is already apparent that a consistent system of methods is essential to transfer results of analyses on a lower scale level as input on a higher level and vice versa.
Isolinien der Fundstellendichte im Kartenausschnitt des Geschichtlichen Atlas der Rheinlande (Daten nach Cüppersª
  • Abb
Abb.ª7. Isolinien der Fundstellendichte im Kartenausschnitt des Geschichtlichen Atlas der Rheinlande (Daten nach Cüppersª/ªRüger 985, Karte III. ; Spiegel 2002, 72 Abb.ª6).
Grinario-Das römische Kastell und Dorf in Köngen
  • Ch
  • Unz
Ch. Unz, Grinario-Das römische Kastell und Dorf in Köngen. Mit einem Beitrag von U. Klein. Führer arch. Denkmäler Baden-Württemberg 8 (Stuttgart 982).
An Hinkes Weißhof " Tönisvorst-Vorst, Kreis Viersen
  • Ders
  • Das Römerzeitliche Gräberfeld
Ders., Das römerzeitliche Gräberfeld " An Hinkes Weißhof " Tönisvorst-Vorst, Kreis Viersen. Rheinische Ausgr. 40 (Köln, Bonn 996).
In: W.ªCzyszª/ªK. Dietzª/ªTh. Fischerª/ªH
  • Ders
  • Das Zivile Leben In Der Provinz
Ders., Das zivile Leben in der Provinz. In: W.ªCzyszª/ªK. Dietzª/ªTh. Fischerª/ªH.-J. Kellner, Die Römer in Bayern (Hamburg 2005) 77–308.
Römische Siedlungsgrabungen im Rheinischen Braunkohlenrevier Forschungsschwerpunkte und Ergebnisse
  • Druck Gaitzsch Im
  • Ders
Gaitzsch im Druck Ders., Römische Siedlungsgrabungen im Rheinischen Braunkohlenrevier. Forschungsschwerpunkte und Ergebnisse. Kolloquium in der Abtei Brauweiler: Entwicklung von Kultur, Umwelt und Landschaft als Thema der Braunkohlenarchäologie (im Druck).
Römische Villen in Nordgallien gewähren Einblick in die Agrarwirtschaft
  • M Polfer
M. Polfer, Leben in der "villa rustica". Römische Villen in Nordgallien gewähren Einblick in die Agrarwirtschaft. Antike Welt 36, 4, 2005, 9-4. Planck 99