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Schritt für Schritt zur Gesundheitsfördernden Schule. Ein Leitfaden für LehrerInnen und SchulleiterInnen

Authors:
  • Austrian Ministry of Health
SCHRITT FÜR SCHRITT ZUR
GESUNDHEITSFÖRDERNDEN SCHULE
Ein Leitfaden für LehrerInnen und SchulleiterInnen
BUNDESMINISTERIUM
FÜR SOZIALE SICHERHEIT UND GENERATIONEN
SCHRITT FÜR SCHRITT ZUR
GESUNDHEITSFÖRDERNDEN SCHULE
Ein Leitfaden für LehrerInnen und SchulleiterInnen
Christina Dietscher
Impressum:
Text, Redaktion, Lektorat:
Christina Dietscher
Redaktionsteam:
Anna Dietscher, Harald Gsaller, Eva Mitterbauer
Herausgeber:
Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen,
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kunst
Für den Inhalt verantwortlich:
Brigitte Svoboda, Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen, Abteilung VIII/A/20
Grafische Gestaltung:
studio b, Wien
Druck:
Hausdruckerei des BMSG, Stubenring 1; 1010 Wien
Bestellmöglichkeiten im BMSG:
Broschürentelefon: 0800/20 20 74
E-Mail: gisela.kirchler@bmsg.gv.at
Internet: http://www.gesundheit.bmsg.gv.at
Weitere Bestellmöglichkeiten:
Amedia Servicebüro, 1141 Wien, Sturzgasse 1a, Tel.: 01/982 13 22, E-Mail: amedia@cso.co.at
Sekretariat des Österreichischen Netzwerks, „Gesundheitsfördernde Schulen“, Tel.: 03112/385 38
E-Mail: bibiana.falkenberg@bab.at
ISBN: 3-85010-073-6
Diese Broschüre ist kostenlos erhältlich beim Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen, Radetzky-
straße 2, 1030 Wien und beim Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Minoritenplatz 5, 1014 Wien.
© 2001
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung 5
2 Was ist Gesundheit? 6
3 Was ist Gesundheitsförderung? 7
3.1 Gesundheitsförderung – Gesundheitserziehung – was ist der Unterschied? 8
4 Was ist eine Gesundheitsfördernde Schule? 10
4.1 Unter welchen Bedingungen können Gesundheitsfördernde Schulen erfolgreich sein? 11
5 Dauerhafte Veränderungen für die Gesundheit erreichen 12
5.1 Gezieltes Vorgehen für dauerhafte Veränderungen 12
6 Gesundheitsförderung, Schulentwicklung, Qualität:
Gemeinsame Ziele, gemeinsame Methoden 18
7 Praxisbeispiele 20
7.1 Praxisbeispiel 1: Förderung der körperlichen Gesundheit von SchülerInnen –
Einführung von Sitzbällen 20
7.2 Praxisbeispiel 2: Förderung der psychosozialen Gesundheit von SchülerInnen –
Toleranz und Konfliktbewältigung in einer multikulturellen Klasse 23
7.3 Praxisbeispiel 3: Förderung der Gesundheit von LehrerInnen –
Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Arbeitszufriedenheit 26
8 Netzwerke Gesundheitsfördernder Schulen in Österreich und Europa 30
8.1 Mitgliedschaft im Österreichischen Netzwerk „Gesundheitsfördernde Schulen” 31
9 Kontaktadressen, Tipps zum Weiterlesen und zum Surfen 32
9.1 Kontaktadressen zur Gesundheitsfördernden Schule in Österreich 32
9.2 Weitere Adressen zu Gesundheitsförderung, Umwelt und Bildung im Internet 33
9.3 Weiterführende Literatur – eine Auswahl 33
10 Anhang: Material zur Unterstützung 35
10.1 Ist-Analyse „Gesundheitsfördernde Schule“ 35
3
4
1 EINLEITUNG
Wir leben in einer Zeit, in der viel über die krankmachenden Einflüsse diskutiert wird, denen wir zunehmend aus-
gesetzt sind – Umweltgifte, Unfälle, die mangelnde Qualität der Ernährung, Stress und Arbeitsbelastung, der
Zerfall sozialer Beziehungen, Klimaveränderungen und vieles mehr. Immer mehr Menschen ist es daher ein
Anliegen, aktiv dazu beizutragen, möglichst lange möglichst gesund zu bleiben bzw. im Laufe ihres Lebens mög-
lichst wenig Gesundheit zu verlieren. Wie Forschungen zeigen, gibt es zumindest zwei Strategien, die jeder von
uns im täglichen Leben anwenden kann, um dieses Ziel zu erreichen (vgl. z.B. Pelikan/Halbmayer 1999):
Wir können unsere Gesundheit schützen bzw. Krankheiten aktiv vorbeugen – zum Beispiel, indem wir
beim Sonnenbaden ein Sonnenöl mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor verwenden oder in unserer
Lebensführung potenziell gesundheitsschädliche Einflüsse wie ungesunde Ernährung, Bewegungs-
mangel, übermäßigen Stress, übermäßigen Alkhol/ Nikotin/ Drogenkonsum soweit möglich vermeiden.
Und wir können unsere Gesundheitsressourcen weiter entwickeln. Damit sind jene Fähigkeiten gemeint,
die es uns ermöglichen, Gesundheitsrisiken möglichst positiv zu bewältigen. So etwa die Fähigkeit zur
Stressbewältigung, die Fähigkeit zu genießen, die Fähigkeit der Gestaltung befriedigender sozialer
Beziehungen und nicht zuletzt die Fähigkeit, Sinn im Leben zu sehen.
Die besten Gesundheitserfolge können natürlich durch eine Kombination dieser Strategien erzielt werden.
Und wenn wir diese Strategien nicht nur für uns allein, sondern gemeinsam mit anderen Menschen umsetzen,
erhöht dies die Chance auf Erfolg zusätzlich: Gesundheitsförderung wird noch wirksamer, wenn Gruppen von
Menschen in ihrer jeweiligen Umwelt – etwa in einer Schule – gemeinsam Gesundheitsprobleme erkennen und
nach Lösungen suchen. Ein Beispiel: Wenn neue Lehrpläne oder Unterrichtsprinzipien eingeführt werden, kann
dies aufgrund der notwendigen Veränderungen zu Stress bei den betroffenen LehrerInnen führen. Diese Beein-
trächtigung im psychosozialen Bereich kann sich bei längerer Dauer auch auf die körperliche Gesundheit auswir-
ken. Wenn in einer derartigen Situation Gruppen von LehrerInnen gemeinsam neue Routinen erarbeiten und
entwickeln, kann dies zu rascheren und besseren Lösungen führen und somit rascher Stress abbauen als das
Bemühen einzelner Lehrer um individuelle Lösungen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht in diesem Ansatz des gemeinschaftlichen Erkennens und Bear-
beitens von Gesundheitsproblemen einen zentralen Beitrag zur Erhaltung, Verbesserung und Entwicklung von
Gesundheit. Deshalb wurde dieses Konzept 1986 von der WHO in der „Ottawa-Charta für Gesundheitsförderung“
niedergeschrieben und dient heute als Grundlage für Gesundheitsförderungsinitiativen in den unterschiedlichsten
Bereichen: Es gibt inzwischen Netzwerke für Gesundheitsförderung in Betrieben, Gefängnissen, Regionen, Inseln,
Schulen, Städten, Universitäten ...
Alle diese Netzwerke arbeiten nach ähnlichen Prinzipien und benutzen ähnliche Methoden, um in ihrem jeweili-
gen Umfeld Gesundheit zu fördern. Der Gesundheitsfördernden Schule kommt dabei ein besonderer Stellenwert
zu: Denn was Kinder und Jugendliche in der Schule erleben und lernen, kann sich entscheidend auf ihr Erwach-
senenleben auswirken. Und auch für Lehrerinnen und Lehrer kann Gesundheitsförderung einen wesentlichen
Beitrag zu einer gesunden Arbeitssituation leisten – allein in Österreich gibt es ca. 125.000 LehrerInnen an über
6.000 Schulen.
Wie Gesundheitsförderung funktioniert, wie man sie in Schulen umsetzen kann und wie Sie sich am Österreichi-
schen Netzwerk beteiligen können, erfahren Sie in dieser Broschüre. Weiterführende Informationen zur Entwick-
lung Gesundheitsfördernder Schulen können Sie auch dem Handbuch „Schritt für Schritt zur Gesundheitsfördern-
den Schule: Ein Handbuch für Schulen unterwegs” entnehmen, welches über das Netzwerksekretariat erhältlich
ist (Adresse siehe Kapitel 9 dieser Broschüre).
5
2 WAS IST GESUNDHEIT?
Wann fühlen wir uns gesund? Die meisten Menschen würden auf diese Frage antworten: Wenn ich keine
Schmerzen oder anderen Symptome habe. Sie definieren Gesundheit als „frei von Krankheit sein”. Bei weiterem
Nachdenken kommen noch andere Merkmale von Gesundheit hinzu: Wir fühlen uns gesund, wenn wir mit unse-
rem Leben zufrieden sind, wenn wir mit Anforderungen, die an uns gestellt werden, gut zurecht kommen, wenn
wir den Eindruck haben, leistungsfähig zu sein und unsere Ziele verwirklichen zu können, und wenn wir befriedi-
gende Beziehungen zu den Menschen in unserer Umgebung aufbauen und erhalten können. Gesundheit hat
also körperliche, psychische und soziale Anteile. Die folgende Darstellung versucht dies zu veranschaulichen:
Wie wir aus Erfahrung wissen, können die drei Anteile der Gesundheit einander gegenseitig beeinflussen:
So haben die meisten Menschen schon einmal in großen Stresssituationen eine Erkältung oder andere Krank-
heitssymptome bekommen. Umgekehrt haben aber auch viele Menschen die Erfahrung gemacht, dass soziale
Unterstützung oder ein besonderes Erfolgserlebnis sich positiv auf körperliche Symptome auswirken können.
Forschungen haben zum Beispiel ergeben, dass die Überlebenschancen nach Herzinfarkt oder bei bestimmten
Krebserkrankungen besser sind, wenn die Betroffenen ein funktionierendes soziales Umfeld haben und wenn sie
grundsätzlich Sinn in ihrem Leben sehen (vgl. McDermott 1999).
6
Gesundheit: Die Definition der Weltgesundheitsorganisation:
„Gesundheit ist umfassendes körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden, nicht nur das Freisein von Krankheit oder
Behinderung.” (Weltgesundheitsorganisation, 1948)
GESUNDHEIT
Körperliche Gesundheit
bedeutet zum Beispiel:
sich körperlich wohl fühlen
frei von messbaren Symptomen
sein (Übergewicht, Fehlhaltungen,
Blutwerte – z.B. Cholesterin, etc.)
frei von Körperbehinderung sein
frei von Erbkrankheiten sein
körperlich „normal” belastbar
und leistungsfähig sein
Psychische Gesundheit
bedeutet zum Beispiel:
gut mit sich selbst zurecht
kommen – sich mit sich selbst
wohl fühlen
Selbstvertrauen haben
äußere Ereignisse sinnvoll
interpretieren und bewältigen
können
Stress bewältigen können
psychisch in „normalem”
Ausmaß belastbar sein
Soziale Gesundheit
bedeutet zum Beispiel:
über „soziales Kapital” verfügen
(Wissen, Einfluss, Ressourcen, ...)
gut mit anderen zurecht kommen,
befriedigende soziale Beziehungen
aufbauen und leben können
adäquates soziales Verhalten an
den Tag legen können
eigene Ziele und Ideen sozial
verträglich verwirklichen können
3 WAS IST GESUNDHEITSFÖRDERUNG?
Schule beeinflusst die Gesundheit von LehrerInnen, SchülerInnen und nicht unterrichtendem Personal, indirekt
auch die Gesundheit von Eltern und anderen Personen. Sie tut dies einfach, indem es sie gibt: zum Beispiel über
ihr soziales Klima, über die Qualität der Beleuchtung und die Ergonomie der Möbel, über Ernährungsangebote,
über Angebote zur Stressbewältigung und vieles mehr. Schule wirkt sich also – so wie jede andere Umwelt – auf
die körperliche, psychische und soziale Gesundheit der Menschen aus, die sich in ihr aufhalten.
Unter Gesundheitsförderung in der Schule verstehen wir, diese Einflüsse so zu gestalten und zu verändern, dass
sie sich auf die Gesundheit der Personen in der Schule und im schulischen Umfeld möglichst positiv auswirken.
Und da die körperliche, psychische und soziale Gesundheit einander gegenseitig beeinflussen, sollte erfolgreiche
Gesundheitsförderung alle drei „Gesundheiten” berücksichtigen.
Was können wir unter „Förderung der körperlichen Gesundheit” in der Schule verstehen?
Viele Faktoren, die die körperliche Gesundheit ungünstig beeinflussen, können im Rahmen von Schulen bearbei-
tet und verändert werden. Gesunde Buffets, die ergonomische Nutzung von Möbeln (zum Beispiel verschieden
große Tische für verschieden große Schüler), leichte Schultaschen, ausreichende Beleuchtung, Beheizung,
Belüftung und Befeuchtung der Räume, Kurzturnen im Unterricht u.v.m. kann wesentlich zum körperlichen
Wohlbefinden beitragen.
Für LehrerInnen können zusätzlich Kreidehalter oder Spezialkreide, die wenig Staub entwickelt, einen Beitrag
zur Verminderung der Belastung des Sprechapparates und der Haut leisten.
Was können wir unter „Förderung der psychischen Gesundheit” in der Schule verstehen?
Im Bereich der psychischen Gesundheit können wir in der Schule auf die Art und Weise unseres Umgangs mit-
einander achten, können an unserer Konfliktkultur, an der Entwicklung der Stressbewältigungsfähigkeiten von
LehrerInnen und SchülerInnen und natürlich an der Verringerung von Stressfaktoren arbeiten. Unterstützend
dabei kann auch das Hinzuziehen von speziell dafür ausgebildeten Personen wie zum Beispiel Betreuungs-
lehrerInnen oder SchulpsychologInnen sein.
Für LehrerInnen kann Supervision einen wichtigen Beitrag zur Förderung und Erhaltung der psychischen
Gesundheit leisten.
Was können wir unter „Förderung der sozialen Gesundheit” in der Schule verstehen?
Soziale Gesundheit bedeutet im wesentlichen, eigene Ziele durch ausreichendes „soziales Kapital” (Wissen,
Einfluss, Ressourcen) gut und erfolgreich verwirklichen zu können. Soziale Gesundheit zeigt sich zum Beispiel
in sozialer Anerkennung oder in beruflichem Erfolg.
Im Bereich der Förderung sozialer Gesundheit in der Schule ist es daher wichtig, alle Gruppen der Schulpartner-
schaft in die Gestaltung und Entwicklung der Schule mit einzubeziehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr
„soziales Kapitel” in die Entwicklung der Schule einzubringen. Gesundheitsförderung bedeutet damit nicht zuletzt
einen partnerschaftlichen, gleichberechtigten Umgang – es geht auch darum, aus Betroffenen Beteiligte in
Veränderungsprozessen zu machen.
7
Gesundheitsförderung: Die Definition der Weltgesundheitsorganisation:
„Gesundheitsförderung zielt auf den Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu
ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und
soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen,
ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. sie verändern können. In
diesem Sinne ist die Gesundheit als ein wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen und nicht als vorrangi-
ges Lebensziel. ... Die Verantwortung für die Gesundheitsförderung liegt deshalb nicht nur beim Gesundheitssektor, sondern
bei allen Politikbereichen und zielt über die Entwicklung gesünderer Lebensweisen hinaus auf die Förderung von umfassen-
dem Wohlbefinden.” (Ottawa-Charta für Gesundheitsförderung der Weltgesundheitsorganisation, WHO 1986)
Für SchülerInnen kann soziales Lernen, aber zum Beispiel auch Berufsberatung einen wichtigen Beitrag zur
Entwicklung ihrer sozialen Gesundheit leisten, für LehrerInnen und Eltern kann die Mitarbeit an der
Schulentwicklung, aber auch spezifische Fortbildung in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen.
3.1 Gesundheitsförderung – Gesundheitserziehung – was ist der Unterschied?
Gesundheitserziehung hat in den Lehrplänen der meisten österreichischen Schultypen einen wichtigen
Stellenwert. Praktisch umgesetzt wird dieses Unterrichtsprinzip in erster Linie von den Biologie- und
TurnlehrerInnen. Der „Grundsatzerlass Gesundheitserziehung” des Unterrichtsministeriums von 1996 stellt die
Querverbindung zwischen Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung her und zeigt auf, dass
Gesundheitsentwicklung nicht an den Unterricht in bestimmten Fächern gebunden ist und nicht nur mit
Wissensvermittlung zu tun hat. Wodurch unterscheidet sich Gesundheitsförderung nun von der „klassischen”
Gesundheitserziehung, und was haben die beiden Ansätze gemeinsam? Die folgende Tabelle gibt einen
Überblick.
8
Von Gesundheitserziehung ... zu Gesundheitsförderung
Welche Ziele?
Welche Themen?
Hauptziel der Gesundheitserziehung
ist die Wissensentwicklung im Bereich
Gesundheit bei einzelnen Personen
oder Gruppen.
„Klassische” Gesundheitserziehung
behandelt in erster Linie Themen der
körperlichen Gesundheit, z.B.
Ernährung, Bewegung, Haltung.
Hauptziele der Gesundheitsförderung
sind
1.die Kompetenzentwicklung im
Umgang mit Gesundheit und mit
Faktoren, die die Gesundheit beein-
flussen können – das heißt,
Wissensentwicklung und Entwicklung
von persönlicher Handlungskompetenz.
Diese Stärkung der persönlichen
Gesundheitsressourcen bezeichnet
man auch als „Empowerment-Ansatz”
der Gesundheitsförderung.
2.die Veränderung des Umfeldes
schädliche Einwirkungen (z.B. ungün-
stige Beleuchtung, Stress) sollen
reduziert, günstige Einwirkungen (z.B.
gesunde Jause, partizipative Unter-
richtsstile) sollen verstärkt werden.
Gesundheitsförderung konzentriert sich
damit auf Veränderungen bei einzelnen
Personen und Gruppen und auf die
gesundheitsförderliche Gestaltung von
Situationen bzw. Umwelten, in denen
sich diese Personen und Gruppen auf-
halten („Settings-Ansatz” der
Gesundheitsförderung).
Gesundheitsförderung behandelt
Gesundheit aus ganzheitlicher
Perspektive – also körperliche
Gesundheit (z.B. Haltung/Bewegung/
Ernährung) und psychische Gesundheit
(z.B. Stressbewältigung) und soziale
Gesundheit (z.B. Erarbeiten von
Möglichkeiten einer erfüllten
Lebensgestaltung, ...).
9
Wessen Gesundheit?
Welche Methoden?
Verankerung in der
Schule
Schulische Gesundheitserziehung
richtet sich in erster Linie an die
SchülerInnen einer Schule.
Schulische Gesundheitserziehung setzt
alle didaktischen Methoden ein, die sich
zur Vermittlung von gesundheitsrelevan-
tem Wissen eignen, z.B. Referate,
Gruppenarbeit, Exkursionen,
Projektförmiges Lernen etc.
Gesundheitserziehung ist im Rahmen
der Lehrpläne unterschiedlicher öster-
reichischer Schultypen ein allgemeines
Bildungsprinzip. Primär wird Gesund-
heitserziehung dabei als eine Aufgabe
des Biologieunterrichtes beschrieben,
aber auch andere Gegenstände haben
dafür einen Beitrag zu leisten (z.B.
Leibeserziehungen, Religion, Sprachen).
Weiters obliegt die Beratung der Schule
in Angelegenheiten der Gesundheitser-
ziehung auch den SchulärztInnen.
Gesundheitsförderung betrifft alle Per-
sonen in einer bestimmten Umwelt – für
die Schule heißt dies: Förderung der
Gesundheit von SchülerInnen und Lehrer-
Innen und nicht-unterrichtendem Personal
und (in geringerem Ausmaß) Eltern.
Schulische Gesundheitsförderung setzt
Methoden zur Wissensvermittlung und
zum sozialen Lernen und zur Entwicklung
der Schule als Lebenswelt ein. Dazu
gehören auch Methoden der Organisa-
tionsentwicklung, des Projektmanage-
ment und der Qualitätsentwicklung.
Gesundheitsförderung ist ein organisati-
onsumfassender Ansatz und sollte
daher im Auftrag der Schulleitung mög-
lichst fächer- und schulstufenübergrei-
fend durchgeführt werden. Idealerweise
geschieht dies, indem einE Gesund-
heitsförderungskoordinatorIn und ein
Gesundheitsförderungsteam innerhalb
einer Schule gesundheitsfördernde
Maßnahmen entwickeln und umsetzen.
Dazu ist es auch notwendig, dass
Gesundheitsförderung regelmäßig in
den Gremien der Schulgemeinschaft
thematisiert und diskutiert wird.
Im Rahmen der Schulautonomie besteht
auch die Möglichkeit und Chance,
Gesundheitsförderung im Schulpro-
gramm oder Schulprofil zu verankern.
Von Gesundheitserziehung ... zu Gesundheitsförderung
10
4 WAS IST EINE GESUNDHEITSFÖRDERNDE SCHULE?
An fast jeder Schule werden bereits eine Menge Aktivitäten, Initiativen und Projekte durchgeführt, die zur
Förderung von Gesundheit beitragen:
Beispiele für die Förderung der Gesundheit von ...
Eine Gesundheitsfördernde Schule ist eine Schule, die solche Aktivitäten gezielt und koordiniert durchführt.
Ausgehend von bestimmten Zielvorstellungen oder Gesundheitsproblemen an der Schule werden die unter-
schiedlichen Aktivitäten und Projekte aufeinander abgestimmt, sodass sie einander bei der Lösung der Probleme
bzw. bei der Erreichung der Ziele und damit in der Entwicklung der Gesundheitsfördernden Schule gegenseitig
unterstützen und ergänzen – so ergibt das Ganze mehr als die Summe der Teile:
Beispiel:
Wenn an einer Schule vermehrt Haltungsprobleme bei SchülerInnen festgestellt werden, so können diese Problem unter ande-
rem mit spezifischen Übungen im Turnunterricht, mit adäquaten Möbeln und mit Kurzturnen im Unterricht bearbeitet werden.
Wenn eine Schule die Verbesserung von Haltungsproblemen bei SchülerInnen erreichen will, dann sollte sie innerhalb und
außerhalb der Schule die Partner finden und gewinnen, die für die unterschiedlichen Ansätze zur Lösung gebraucht werden (im
Rahmen dieses Beispiels sind mögliche PartnerInnen: TurnlehrerInnen; Sponsoren für Möbel; LehrerInnen, die bereit sind, im
Rahmen ihres Unterrichts Kurzturnen durchzuführen), und es sollte versucht werden, die Lösungsmöglichkeiten in den Alltag
der Schule zu integrieren.
SchülerInnen:
gesunde Schuljause
leichte Schultasche
Kurzturnen
Konfliktbewältigung
Kooperation – Kommunikation –
Konfliktlösung (KOKOKO)
...
LehrerInnen:
Kommunikationstraining
Autogenes Training
Supervision
Schulinterne Lehrerfortbildung
(SCHILF)
...
Eltern:
Elterncafé
Elternschule
Einbeziehung in die
Schulentwicklung
...
Von
Einzelprojekten zum
Gesamtbild
4.1 Unter welchen Bedingungen können Gesundheitsfördernde Schulen erfolgreich sein?
Die Erfahrungen aus mittlerweile sieben Jahren „Gesundheitsfördernde Schule“ in Österreich zeigen, dass
dieses Konzept unter folgenden Voraussetzungen erfolgreich an Schulen umgesetzt werden kann:
Es ist wichtig, dass die Schulleitung und das Kollegium hinter der Idee „Gesundheitsfördernde Schule“
stehen: Nur dann wird sich dieses Konzept verwirklichen lassen.
Es braucht eine Gruppe, die bereit ist, im Auftrag der Schulleitung gemeinschaftlich an der Entwicklung der
„Gesundheitsfördernden Schule” zu arbeiten. Diese Gruppe sollte von ein bis zwei Personen, die Erfahrung
mit Schulentwicklung und Projektarbeit haben und Ansehen im Lehrkörper genießen, koordiniert werden.
An dieser Gruppe sollten sich VertreterInnen aller Schulpartner beteiligen, damit bearbeitete Probleme und
gefundene Lösungsvorschläge nicht nur dem Interesse einer Gruppe entsprechen – dies würde den Erfolg
beeinträchtigen.
SchulärztInnen und externe ExpertInnen für unterschiedliche Bereiche der Gesundheit sollten je nach
Thema in die Gestaltung der Gesundheitsfördernden Schule eingebunden werden.
Es ist wichtig, Gesundheit nicht einfach „allgemein“ zu fördern – das ist ebenso unmöglich wie allgemein
„etwas Gutes zu tun“. Um erfolgreich zu sein, muss man sich auf bestimmte Handlungsbereiche einigen
und realistische Gesundheitsziele entwickeln – zum Beispiel die Erarbeitung konstruktiver Konfliktbewältigung
bei SchülerInnen. An der Verwirklichung der gewählten Ziele ist mit den jeweils geeigneten Mitteln zu arbeiten.
Die Auswahl realistischer Ziele, die im Rahmen des Schulalltags erreicht werden können, setzt voraus,
dass man die eigene Schule gut kennt und weiß, wo „der Hut brennt”. Es gibt unterschiedliche Methoden,
die man einsetzen kann, um Probleme zu erkennen oder Ziele zu definieren – diese können unter dem
Schlagwort „Ist-Analyse” zusammen gefasst werden. Im Anhang der Broschüre finden Sie ein Formular,
das dafür verwendet werden kann.
Ein gewisses Ausmaß an Ressourcen (Zeit, Wissen, Räumlichkeiten, Materialien, Geld) sollte für die
Entwicklung einer Gesundheitsfördernden Schule zur Verfügung stehen (zum Beispiel eine wöchentliche
Teamstunde aus dem Stundenkontingent der Schule; Geld vom Elternverein).
Das Zusammenspiel der beschriebenen Faktoren führt im Idealfall dazu, dass sich eine Gesundheitsfördernde
Schule kontinuierlich und unter Einbeziehung aller Schulpartner immer mehr in Richtung einer gesundheitsförder-
lichen Lebenswelt für die Schulgemeinschaft entwickelt. Sie trägt auf diese Weise zum Wohlbefinden von
LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern und damit zum Ansehen der Schule insgesamt bei.
LehrerInnen aller Fachrichtungen, SchülerInnen und Eltern können aus ihrer jeweiligen Perspektive und in ihrem
jeweiligen Bereich wertvolle Beiträge zu dieser Entwicklung leisten. Gesundheitsförderung ist also nicht an
bestimmte Unterrichtsfächer gebunden, sondern kann als fächerübergreifendes und die ganze Schule umfassen-
des Anliegen verstanden werden (vgl. „Grundsatzerlass Gesundheitserziehung” des Unterrichtsministeriums).
Letztlich bedeutet Gesundheitsförderung in der Schule, die Funktion der Schule selbst –
das heißt, die Prozesse des Lehrens und Lernens – gesundheitsförderlich zu gestalten.
11
Woran man eine Gesundheitsfördernde Schule erkennen könnte:
SchülerInnen werden in ihrer ganzheitlichen Entwicklung unterstützt.
SchülerInnen erlernen Wissen und Fähigkeiten zum Umgang mit ihrer Gesundheit.
SchülerInnen erlernen psychosoziale Kompetenzen.
LehrerInnen verstehen sich als Vermittler und Prozessbegleiter. Nach Möglichkeit wird fächerübergreifend
und mit interaktiven Unterrichtsmethoden gearbeitet.
Das Arbeitsklima ist angenehm und unterstützend.
LehrerInnen erweitern ihre pädagogischen und psychosozialen Kompetenzen.
LehrerInnen engagieren sich in der Schulentwicklung.
Die räumliche Gestaltung der Schule trägt zum Wohlbefinden von SchülerInnen und LehrerInnen bei.
Die Schulpartnerschaft spielt eine wichtige Rolle – LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern werden in die
Schulentwicklung einbezogen.
Gesundheitsförderung ist integrativer Bestandteil des Schulprofils.
...
5 DAUERHAFTE VERÄNDERUNGEN FÜR DIE GESUNDHEIT
ERREICHEN
Wir alle verfügen nur über eine bestimmte Menge an Zeit, Energie, Wissen und materiellen Ressourcen. Es ist
daher sehr wichtig, gründlich zu überlegen, in welche Aktivitäten wir diese begrenzten Mittel investieren wollen.
Die begleitende Forschung zur Gesundheitsfördernden Schule in Österreich hat gezeigt, dass die besten Ergeb-
nisse durch längere, kontinuierliche Projekte oder Maßnahmen erreicht werden können, die auf die Erreichung
eines klar formulierten Zieles hinarbeiten – zum Beispiel Unterrichtsschwerpunkte oder Trainingsblöcke zu
bestimmten Gesundheitsthemen.
Kurze Initiativen wie zum Beispiel Projekttage sind zwar sehr verdienstvoll und als Auftakt für vertiefende
Gesundheitsförderungsaktivitäten an einer Schule durchaus sinnvoll. Da sie aber im Verhältnis zum Ergebnis
sehr aufwändig und für die beteiligten LehrerInnen trotzdem unverhältnismäßig anstrengend sind, können sie
nicht als Hauptaktivitäten einer Gesundheitsfördernden Schule empfohlen werden.
In Ergänzung zu länger andauernden Projekten oder Maßnahmen zur Bearbeitung bestimmter Probleme bzw.
zur Erreichung bestimmter gesundheitsrelevanter Ziele kann auch der Einsatz von Unterrichtstechniken empfoh-
len werden, die die Partizipation und Selbständigkeit der SchülerInnen – und damit ihre soziale und psychische
Gesundheit – fördern. Diese Unterrichtsstile, die das Engagement der Kinder und Jugendlichen unterstützen, wir-
ken sich nachweislich positiv auf die Gesundheit der SchülerInnen aus: Daten aus einer internationalen Studie
legen nahe, dass SchülerInnen, die ihre Schule als mitbestimmbar, demokratisch und gerecht erleben, weniger
zum Konsum von Alkohol und Nikotin tendieren als SchülerInnen, die ihre Schule als vergleichsweise autoritär
erleben (vgl. Dür et. al. 1997).
5.1 Gezieltes Vorgehen für dauerhafte Veränderungen
Will man in längerfristige Maßnahmen oder Projekte zur schulischen Gesundheitsförderung einsteigen, so ist es
wichtig, gezielt vorzugehen und gut zu planen. Die im Folgenden beschriebenen Schritte haben sich dabei viel-
fach bewährt.
Vorbereitung:Entscheidung in der Schulgemeinschaft
Gesundheitsförderung funktioniert umso besser, je mehr Personen einer
Schulgemeinschaft Veränderungen in Richtung Gesundheitsförderung wollen und
unterstützen.
Es hat sich immer wieder gezeigt, dass der Erfolg Gesundheitsfördernder Schulen ins-
besondere von der Unterstützung durch die Schulleitung abhängt. Daher kann emp-
fohlen werden, zunächst eine Entscheidung der Schulgemeinschaft für dieses
12
Was ist ein Projekt?
Ein Projekt hat einen konkreten Anlass, zum Beispiel ein konkretes Problem, das es zu lösen gilt, oder ein konkretes Ziel, das man
erreichen will. Das Projekt versucht neue Wege zur Lösung des Problems bzw. zur Zielerreichung zu gehen.
Die Ziele eines Projektes sind klar – d.h. für alle Beteiligten nachvollziehbar – und realistisch, das heißt, innerhalb
der vorgesehenen Zeit innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen erreichbar.
Ein Projekt ist begrenzt:
Personen: Nur eine bestimmte Anzahl von Personen mit bestimmten Fähigkeiten werden an dem Projekt mit arbeiten.
Wissen: Qualifikationen und Wissen der beteiligten Personen sind begrenzt.
Zeit: Es gibt einen klaren Beginn und ein klares Ende.
materiell: Nur bestimmte Räumlichkeiten, Materialien und finanzielle Ressourcen stehen zur Verfügung.
Das Ziel von Projekten in der Schule ist entweder, Ergebnisse zu erreichen, die sich langfristig auf den Schulalltag auswirken (z.B.
Schulhofbegrünung) oder Herangehensweisen im Schulalltag zu verankern, die sich als Lösung bestimmter Probleme bewährt
haben.
Konzept herbeizuführen, bevor mit der Bearbeitung spezifischer Themen begonnen
wird. Diese Entscheidung kann im Rahmen einer pädagogischen Konferenz, einer
Sitzung des Schulgemeinschaftsausschusses oder des Schulforums erfolgen.
Was ist die Rolle
der Koordinator-
Innen? Weiters ist es wichtig, dass mindestens eine Person (besser wäre ein Team) die
Entwicklung der Gesundheitsfördernden Schule koordiniert. KoordinatorInnen erleich-
tern den gemeinschaftlichen Prozess des Identifizierens und Bearbeitens von
Problemen und Zielen enorm. Für diese verantwortungsvolle Position eignen sich ins-
besondere LehrerInnen, denen die Gesundheitsförderung in der Schule ein persönli-
ches Anliegen ist und die mit KollegInnen, Eltern und SchülerInnen gut auskommen.
Ihre Hauptaufgaben sind:
KollegInnen anregen und unterstützen, gesundheitsrelevante Ziele oder Probleme
zu identifizieren;
Gemeinsam mit KollegInnen Prioritäten hinsichtlich der Bearbeitung von Zielen und
Problemen setzen, da nicht alles gleichzeitig bearbeitet werden kann;
KollegInnen für Gesundheitsförderungsaktivitäten motivieren und sie bei der Pla-
nung, Durchführung und Dokumentation dieser Aktivitäten beraten und unterstützen;
die Entwicklung der Gesundheitsfördernden Schule insgesamt dokumentieren
(Auswahl von Problemen, gewählte Bearbeitungsformen, erreichte Lösungen);
wenn nötig: in Konflikten, die sich durch die Umsetzung von Gesunde-Schule-
Aktivitäten ergeben, vermitteln.
Schritt 1: Gesundheitsprobleme in der Schule erkennen
Wo setzt Gesundheitsförderung am besten an? Manchmal können sich alle Beteiligten
rasch auf ein bestimmtes Problem oder Ziel einigen – etwa eine Schulhofbegrünung,
eine Umstellung des Schulbuffets auf ein gesünderes Angebot.
Oft zeigen sich die „Gesundheitsschwachstellen” aber nicht so deutlich, oder es gibt in
der Schulgemeinschaft viele unterschiedliche Zielvorstellungen. In diesem Fall sollte
man mit Hilfe einer so genannten „Ist-Analyse” (vgl. Formular im Anhang) systemati-
scher vorgehen. Folgende Fragen könnten dabei in einem Team von LehrerInnen,
SchülerInnen und Eltern bearbeitet werden:
Wessen Probleme,
welche Ziele? Wie geht es den SchülerInnen an unserer Schule? Was fällt uns in Bezug auf ihre
körperliche, psychische und soziale Gesundheit auf? Wo besteht Handlungsbedarf,
und was davon ist an unserer Schule bearbeitbar?
ACHTUNG: Die meisten Gesundheitsförderungsprojekte an öster-
reichischen Schulen bearbeiten eher mädchenspezifische Themen
(sicherlich auch deshalb, weil die meisten LehrerInnen weiblich sind).
Dies führt in der Konsequenz dazu, dass positive Veränderungen
durch schulische Gesundheitsförderung bislang hauptsächlich bei
Mädchen festgestellt werden können. Es wird daher empfohlen,
ganz bewusst auch knabenspezifische Themen zu bearbeiten!
Wie geht es den LehrerInnen an unserer Schule? Was fällt uns in bezug auf ihre
körperliche, psychische und soziale Gesundheit auf? Wo besteht Handlungsbedarf,
und was davon ist an unserer Schule bearbeitbar?
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Eltern unserer SchülerInnen?
Wie sind sie in die Schulentwicklung eingebunden? Wo besteht Handlungsbedarf,
und was davon ist an unserer Schule bearbeitbar?
13
Wessen Sichtweise? Wenn an der Sammlung der Probleme und Ziele alle Gruppen der Schulgemeinschaft
beteiligt sind, können alle ihre Sichtweisen einfließen lassen. Dies hat zumindest zwei
große Vorteile: Erstens verbessert sich das Verständnis der Gruppen füreinander.
Zweitens wird die Bearbeitung von erkannten Problemen aller Voraussicht nach von
allen Gruppen akzeptiert und unterstützt werden.
Schritt 2: Gemeinsam mit allen Betroffenen nach Lösungen suchen
Wie werden Probleme gelöst und Ziele erreicht – wie entsteht ein arbeitsfähiges
Team? Vielleicht sind die Personen, die schon an der Problemanalyse beteiligt waren,
auch bereit, an möglichen Lösungen mit zu arbeiten. Vielleicht ist es aber auch not-
wendig, für die Phase der Umsetzung neue MitarbeiterInnen zu gewinnen. Besonders
wichtig dabei ist es, die „Adressaten“ von geplanten Maßnahmen in die Suche nach
einer Problemlösung einzubeziehen: Gesundheitsförderung heißt auch, Betroffene zu
Beteiligten zu machen.
Wer kann Gesund-
heit in der Schule
fördern? Grundsätzlich können alle Mitglieder der Schulgemeinschaft einen Beitrag zur
Entwicklung der Gesundheitsfördernden Schule leisten. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass für unterschiedliche Vorhaben unterschiedliche Fähigkeiten und damit auch
unterschiedliche Personen benötigt werden können. So können bei Haltungsproblemen
der SchülerInnen die TurnlehrerInnen geeignete Ansprechpersonen sein. Geht es um
die Vermittlung von Wissen zu bestimmten Krankheiten, könnte der Schularzt / die
Schulärztin einbezogen werden. Soll die Motivierung der SchülerInnen zu Partizipation
im Unterricht erreicht werden, so ist das Engagement aller LehrerInnen gefragt. Für
manche Themen werden auch schulexterne ExpertInnen gebraucht werden.
Wie können wir die
Personen gewinnen,
die wir brauchen? Für das „Anwerben” von MitarbeiterInnen benötigt man überzeugende Argumente.
Überlegen Sie, wodurch Sie selbst am ehesten motiviert werden könnten, sich für die
Gesundheitsfördernde Schule zu begeistern, bevor Sie an KollegInnen, Eltern oder
SchülerInnen herantreten – hier einige Beispiele:
„Dieses Projekt ermöglicht uns endlich, das uralte Problem ... anzugehen.
„In diesem Projekt können wir unsere Elternarbeit verbessern.
„Mit diesem Projekt können wir das Image unserer Schule verbessern.
Sehr wahrscheinlich brauchen Sie unterschiedliche Argumente für unterschiedliche
Personen. Künftige ProjektmitarbeiterInnen können auch gewonnen werden, indem
man ihnen ihre besondere Bedeutung für ein geplantes Projekt vermittelt:
„Dein Expertenwissen/ deine besonderen Fähigkeiten im Bereich ... /
deine Erfahrungen aus dem xy-Projekt würden den Erfolg unseres Vorhabens sehr begünstigen.
Die Einladung zur Mitarbeit sollte sich – etwa im Rahmen einer Konferenz – an alle
KollegInnen richten (wer sich ausgeschlossen fühlt, könnte den Erfolg von
Maßnahmen unter Umständen durch „Sabotage” gefährden). Je nach Thema können
auch SchülerInnen, Eltern und externe Personen eingeladen werden. Für die
Etablierung von größeren Gruppen, die über längere Zeit zusammen arbeiten wollen,
empfiehlt sich die Inanspruchnahme externer Beratung (zum Beispiel im Rahmen
Schulinterner LehrerInnenfortbilung), da die Erfahrung aus der wissenschaftlichen
Begleitung Gesundheitsfördernder Schulen gezeigt hat, dass Teams, die mit externer
Unterstützung gebildet wurden, nachhaltiger sind und besser funktionieren.
14
„Gemeinsam
arbeiten” –
wie geht das? Je nachdem, wie lang die Gruppe zusammen arbeiten möchte, sind unterschiedliche
Strukturen notwendig:
Für Teams, die über einen längeren Zeitraum (z.B. ein Schuljahr oder länger) an
umfassenden Entwicklungen in Richtung Gesundheitfördernde Schule arbeiten möch-
ten, hat es sich bewährt, einmal in der Woche oder einmal im Monat eine Teamstunde
durch zu führen, in der sich Teammitglieder treffen können. In diesen Teamstunden
werden Fortschritte der Arbeit, aber auch auftretende Probleme, mögliche Lösungen
und neue Ideen besprochen. Für kurzfristigere Teamarbeit zur Erreichung spezifischer
Ziele genügen unter Umständen auch Absprachen in „Fenster”-Stunden oder Pausen.
Wie Sie in der Praxis bemerken werden, besteht in der Projektarbeit aber auf alle
Fälle ein Bedarf an Abstimmungen.
Damit die Arbeit an der Gesundheitsfördernden Schule nicht unbemerkt „versandet”,
sollte die Gesundheitsfördernde Schule darüber hinaus ein regelmäßiger Tagesordnungs-
punkt von pädagogischen Konferenzen, Schulgemeinschaftsausschuss bzw. Schul-
forum und Klassenforum sein. Auf diese Weise wird die Schulgemeinschaft über
Entwicklungen informiert, und neue Ideen können eingebracht werden.
Schritt 3: Lösungsvorschlag planen und in die Praxis umsetzen
Die erste Aufgabe des Teams besteht darin, Pläne zu entwickeln: Welche Lösungen
für das ausgewählte Gesundheitsproblem bieten sich an, und wie können sie an unse-
rer Schule am besten in die Praxis umgesetzt werden? Dabei ist besonders zu beach-
ten, dass der angepeilte Weg zum Ziel mit der Schulleitung, in der Schulgemeinschaft
und insbesondere mit der jeweiligen Zielgruppe (den „Adressaten” der geplanten
Maßnahme) abgestimmt wird.
Worauf achten wir
beim Planen? Die Planung sollte möglichst realistisch sein, das heißt es sollte klar sein, wie viele
Ressourcen zur Verfügung stehen oder beschafft werden können. Dies betrifft sowohl
die Arbeitszeit, die von den Beteiligten aufgebracht werden kann, als auch finanzielle
Mittel, benötigte Räumlichkeiten, Materialien, Wissen und Fähigkeiten der Beteiligten.
Aus dem Plan sollte auch klar hervorgehen, welche Zeitspanne für die Erreichung des
Ziels vorgesehen ist: Es fördert die Motivation, wenn den Beteiligten klar ist, wie lange
und mit welcher Intensität voraussichtlich gearbeitet werden wird.
Weiters legt ein guter Plan klar fest, wer in der Umsetzung von geplanten Maßnahmen
wofür verantwortlich ist (Personenplan). Dabei sollten die Erfahrungen und Kompe-
tenzen der MitarbeiterInnen ebenso berücksichtigt werden wie eine möglichst gerechte
Verteilung des Arbeitsumfangs.
Ein klarer Beginn –
„Kick-OffBevor mit der Umsetzung begonnen wird, sollten alle, die es betrifft, darüber informiert
werden. Wenn zum Beispiel ein Team aus Deutsch-, Religions- und Geographielehrer-
Innen mit den SchülerInnen einer Klasse einen Themenschwerpunkt „Konfliktbewälti-
gung” gestalten will, dann sollten die SchülerInnen über den Umfang des Vorhabens
(Stundenausmaß, Dauer des Projektes, Methoden, Erwartungen der LehrerInnen,
Ziele) rechtzeitig informiert werden. Es ist auch von Vorteil, wenn die SchülerInnen
den Schwerpunkt aktiv mitgestalten können, indem sie zum Beispiel Methoden und
Ziele mitbestimmen.
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Sind wir auf Kurs? Es kann immer wieder passieren, dass Pläne nicht in der ursprünglichen Form umge-
setzt werden können und verändert werden müssen. Es kann sich zum Beispiel her-
ausstellen, dass die SchülerInnen einfach nicht motivierbar sind, ein bestimmtes
Thema zu bearbeiten. Oder die Eltern lehnen ein bestimmtes Projekt ab, oder Geld,
das man über Sponsoren gewinnen wollte, ist nicht hereingekommen. Sicher kennen
Sie aus Ihrer Praxis eine Vielzahl von anderen Möglichkeiten, die eine Veränderung
von Plänen erforderlich machen.
Um als Team in solchen Situationen gut reagieren zu können, ist es im Verlauf eines
längeren Vorhabens notwendig, immer wieder inne zu halten und den Kurs zu über-
prüfen, auf dem man sich befindet. Dazu können die folgenden Fragen hilfreich sein:
Läuft alles nach Plan, und weisen die Zwischenergebnisse in die richtige Richtung?
Sind Probleme aufgetreten – und falls ja, was sind mögliche Lösungen?
Arbeitet das Team gut zusammen bzw. was könnte an der Zusammenarbeit verbes-
sert werden (z.B. Arbeitsaufteilung, Regelmäßigkeit der Absprachen, Definieren von
konkreten Inhaltsschwerpunkten für die jeweiligen Besprechungen, ...)?
Schritt 4: Brauchbarkeit des Lösungsvorschlags überprüfen
Wenn Sie einen Plan in die Tat umgesetzt haben, stellt sich am Ende die Frage:
Haben wir erreicht, was wir wollten? Wie in Schritt 3 („Lösungsvorschlag in die Praxis
umsetzen”) ausgeführt, macht es wenig Sinn, für die Beantwortung dieser Frage bis
zum Ende einer Maßnahme/eines Projektes zu warten – es sollte auch einige
Zwischenreflexionen geben. Dennoch ist am Ende einer Maßnahme / eines Projektes
auch eine abschließende Bilanz notwendig.
Konnten wir unser
Ziel erreichen? Die wichtigste Frage ist sicherlich, ob das gewünschte Ziel überhaupt erreicht werden
konnte. Hier einige Beispiele für Fragen zur Erfolgsprüfung spezifischer Maßnahmen:
Beispiel Gesundes Buffet: Wird unser gesundes Buffet in Anspruch genommen,
und in welchem Ausmaß?
Beispiel Konflikttraining: Hat das Konflikttraining in der 4a zu einem sensibleren
Umgang der SchülerInnen untereinander geführt?
Beispiel Kurzturnen: Sind die SchülerInnen durch das tägliche Kurzturnen im
Unterricht ruhiger geworden?
Wie können wir über-
prüfen, ob ein Ziel
erreicht wurde? Je nach Frage gibt es unterschiedliche Möglichkeiten zur Beantwortung. So könnte
man zum Beispiel zur Beantwortung der ersten Frage (Inanspruchnahme des gesun-
den Buffets) über mehrere Tage hinweg eine Zählung oder Schätzung der Personen
vornehmen, die das Buffet frequentieren.
Zur Beantwortung der Frage nach dem Umgang der SchülerInnen untereinander
könnten LehrerInnen, die in der betreffenden Klasse unterrichten, ihre Beobachtungen
austauschen, und sie könnten die SchülerInnen um ihre Einschätzung bitten. Diese
Methoden können auch für die Beantwortung der dritten Frage angewendet werden.
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Um welchen Preis
konnten wir das Ziel
erreichen? Auch wenn eine Maßnahme zum Ziel geführt hat, heißt das noch nicht, dass die Maß-
nahme unbedingt sinnvoll war. Vielleicht konnte mit dieser Maßnahme das Ziel nur
unter großen Anstrengungen erreicht werden, oder unerwünschte Nebenwirkungen
sind aufgetreten. So können größere Veränderungen im Schulalltag zu Unstimmig-
keiten im Kollegium führen. Oder eine an sich gut gemeinte Maßnahme erregt den
Widerstand der SchülerInnen. Die Frage, die sich hier stellt, ist: Was überwiegt – der
Erfolg oder die Kosten des Erfolgs? Nur wenn die erwünschten Ergebnisse stärker
waren als die Nebenwirkungen, sollte die Maßnahme wiederholt oder ausgeweitet
werden.
Schritt 5: Den Erfolg präsentieren
Gerade Lehrerinnen und Lehrer neigen dazu, ihre Leistungen und ihren Einsatz für die
Schule als selbstverständlich anzusehen. Es ist aber durchaus im Sinne der Gesund-
heitsförderung, auf gute Ergebnisse stolz zu sein, diese zu präsentieren und die ver-
diente Anerkennung auch zu genießen. Zudem leistet die Präsentation von Erfolgen
gute Dienste in der Erzeugung von Motivation und Bereitschaft in der
Schulgemeinschaft, weitere Maßnahmen zur Entwicklung einer
Gesundheitsfördernden Schule zu unterstützen und zu fördern.
Präsentation in
welcher Form und
mit welchen
Methoden? Je nachdem, wie umfassend eine Maßnahme oder ein Projekt war, sollte die
Abschlusspräsentation entweder für ein Klasse, eine Schulstufe oder – zum Beispiel
im Rahmen eines Schulfestes – auch für die ganze Schule und die Eltern erfolgen.
Es gibt viele Methoden, die sich dafür eignen: Referate, Rollenspiele, Sketches,
Lieder, Zeichnungen, Plakate, ...
An besonders guten Erfolgen sind auch (lokale) Medien interessiert. Darstellungen
über schulische Aktivitäten, die an die Öffentlichkeit gelangen, sollten aber unbedingt
mit der Schulleitung gut abgestimmt werden. Eine gute öffentliche Darstellung der
Gesundheitsfördernden Schule kann das Image der ganzen Schule fördern und sehr
hilfreich dabei sein, Sponsoren für weitere Projekte zu finden.
Schritt 6: Erfolgreiche Lösung dauerhaft verankern
Manche Gesundheitsförderungsmaßnahmen führen zu Ergebnissen, die ohnehin dau-
erhaft zu Gesundheit und Wohlbefinden in der Schule beitragen – zum Beispiel eine
Schulhofbegrünung oder das Installieren einer gemütlichen Sitzecke für LehrerInnen.
Andere Maßnahmen wie zum Beispiel ein Suchtpräventionsprojekt müssen immer
wieder wiederholt werden, um für SchülerInnen aus mehreren Jahrgängen wirksam zu
sein. Dabei wäre es natürlich wünschenswert, dass Maßnahmen und Ansätze, die sich
einmal bewährt haben, wiederholt, ausgeweitet und weiter entwickelt werden können.
Erfolgreiche Lösun-
gen für andere zu-
gänglich machen Als Voraussetzung dafür ist es notwendig, die Durchführung von Maßnahmen oder
Projekten in gewissem Umfang zu dokumentieren – nur so kann sicher gestellt
17
werden, dass andere die gewonnenen Erfahrungen verwenden und nutzen können.
Um nützlich zu sein, sollte eine Dokumentation zumindest die folgenden Informationen
beinhalten:
Ziele einer Maßnahme / eines Projektes;
Maßnahmenplanung (Zeitplan, Personenplan, Ressourcenplan);
Beschreibung der Durchführung (wo gab es Probleme, wie konnten
diese gelöst werden);
Die wichtigsten Ergebnisse.
Ressourcen zur
Verfügung stellen Die Entscheidung über Weiterführung, Ausweitung oder Abbruch von Maßnahmen/
Projekten sollte in den Gremien der Schulpartnerschaft getroffen werden – insbesonde-
re dann, wenn die Weiterführung an das Bereitstellen von Ressourcen (Arbeitszeit,
Geld, Unterrichtseinheiten) gebunden ist.
6 GESUNDHEITSFÖRDERUNG, SCHULENTWICKLUNG, QUALITÄT:
GEMEINSAME ZIELE, GEMEINSAME METHODEN
Nachhaltig wirksame Gesundheitsförderung kann – und soll – die ganze Schule umfassen. Gesundheitsförde-
rung ist daher eine Möglichkeit der schulischen Schwerpunktsetzung und eignet sich auch zur Entwicklung von
Schulprofilen und Schulprogrammen. Die Ansätze und Ziele dieses Konzeptes haben viel mit anderen Ansätzen
der Schulentwicklung gemeinsam und können daher optimal mit diesen kombiniert werden – insbesondere mit
Qualität in der Schule.
Die folgende Tabelle versucht, einen Überblick über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Ansätze zu
geben:
18
Welche Ziele?
Welches Vorgehen?
Gesundheitsförderung zielt ab auf die
Förderung körperlicher, psychischer und
sozialer Gesundheit bei einzelnen
Personen und Gruppen und auf die
gesundheitsförderliche Gestaltung der
Umwelt, in der sich diese Personen und
Gruppen aufhalten („Settings-Ansatz”
der Gesundheitsförderung).
Idealer Beginn für die Entwicklung einer
Gesundheitsfördernden Schule ist die
Entscheidung der Schulpartnerschaft
für dieses Konzept. Auf Basis einer Ist-
Analyse und der Einigung auf konkrete
Ziele sollte dann eine Maßnahmen-
planung erfolgen. Während der Umset-
zung und nach Beendigung einer Maß-
nahme sollten Erfolgsprüfungen durch-
Qualitätsarbeit zielt auf Organisations-
entwicklung ab. „Qualität in der Schule”
zielt insbesondere auf Entwicklungen
in den folgenden fünf Bereichen ab
(vgl. dazu Website www.qis.at des
BMBWK):
Lehren und Lernen
Lebensraum Klasse und Schule
Schulpartnerschaft und Außenbe-
ziehungen
Schulmanagement
Professionalität und
Personalentwicklung
Im Zentrum schulischer Qualitätsarbeit
steht die Qualitätskonferenz. Sie bildet
die Grundlage für Bestandsaufnahmen,
die Umsetzung konkreter Maßnahmen,
deren Überprüfung und Reflexion und
die Entwicklung von Schulprogrammen.
Dieses Vorgehen vollzieht sich als konti-
nuierlicher Entwicklungsprozess.
(vgl. Website www.qis.at des BMBWK)
Gesundheitsförderung Qualität in der Schule
Damit ergeben sich folgende Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Konzept der
Gesundheitsfördernden Schule und schulischer Qualitätsentwicklung:
Ziele Gesundheitsförderung und Qualität können einander in der Schulentwicklung ideal
ergänzen – die Qualität liefert das Werkzeug, die Gesundheitsförderung die Inhalte.
Gesundheitsförderung kann als zusätzliches Qualitätskriterium in die fünf Bereiche
schulischer Qualitätsentwicklung integriert werden: gesundheitsförderliches Lehrern
und Lernen; gesunder Lebensraum Schule; gesunde Schulpartnerschaft; Berücksich-
tigung der Gesundheitsauswirkungen von Entscheidungen im Schulmanagement;
Professionalität und Personalentwicklung im Bereich Gesundheitsförderung.
Vorgangsweisen Gesundheitsförderung wie Qualität basieren auf Diskussionen und Entscheidungen in
der Schulgemeinschaft. Beide Konzepte beinhalten die Entwicklung von Maßnahmen
bzw. Schulprogrammen sowie die regelmäßige Überprüfung von Ergebnissen als not-
wendige Voraussetzung für weitere Entwicklungen. Die Vorgangsweisen sind damit
nahezu ident – nur die Inhalte können sich unterscheiden: Gesundheitsfördernde
Schulen treffen schulische Entscheidungen auch vor dem Hintergrund ihrer gesund-
heitlichen Auswirkungen.
Verankerung
in der Schule Sowohl die Gesundheitsfördernde Schule als auch Qualität in der Schule zielen auf
die kontinuierliche Entwicklung von Schule in Kooperation mit den Schulpartnern ab.
Gesundheitsförderung kann schulischer Qualitätsarbeit dabei inhaltliche Orientierung
bieten.
19
Verankerung in
der Schule
geführt werden. Im Idealfall werden
erfolgreiche Maßnahmen/Projekte
immer wieder wiederholt (Verankerung
im Schulalltag).
Gesundheitsförderung wird idealer Weise
ins Schulprofil/Schulprogramm einer
Schule integriert. In die Entwicklung der
Gesundheitsfördernden Schule sollten
alle Schulpartner einbezogen werden.
Qualität in der Schule zielt auf die Ent-
wicklung von Schulprogrammen ab, die
in Kooperation mit den Schulpartnern
entwickelt werden sollen.
Gesundheitsförderung Qualität in der Schule
7 PRAXISBEISPIELE
In diesem Kapitel wird das Konzept der Gesundheitsfördernden Schule anhand von drei Praxisbeispielen
anschaulich dargestellt. Beispiel 1 beschreibt ein Projekt zur Förderung der körperlichen Gesundheit von
SchülerInnen. Beispiel 2 widmet sich der psychosozialen Gesundheit der SchülerInnen, und in Beispiel 3
werden Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von LehrerInnen beschrieben.
7.1 Praxisbeispiel 1: Förderung der körperlichen Gesundheit von SchülerInnen –
Einführung von Sitzbällen
Beispiel 1 | Schritt 1: Körperliche Probleme bei SchülerInnen identifizieren
Die LehrerInnen einer Volksschule bemerken, dass viele SchülerInnen im Unterricht
unruhig sind. Aufgrund von Gesprächen mit den Kindern vermuten sie, dass viele in
ihrer Freizeit zu wenig Bewegung machen. Dies bestätigt sich durch die Befragung
der Eltern im Rahmen eines Elternsprechtags. Im Turnunterricht fällt auf, dass der
Anteil von SchülerInnen mit mangelnder Bewegungskoordination zunimmt. Zudem
konstatiert der Schularzt bei vielen SchülerInnen eine schwache Rückenmuskulatur
und Haltungsprobleme.
Welche Ziele? Diese Befunde werden im Rahmen einer Konferenz diskutiert. Als Ergebnis der
Diskussion formulieren die LehrerInnen das Ziel, Maßnahmen zur Verbesserung der
Haltungsprobleme der SchülerInnen durch zu führen.
Wer übernimmt
die Initiative? Zwei besonderes interessierte LehrerInnen bilden ein Beratungsteam mit dem
Schularzt. Ebenfalls eingebunden wird der Vater eines Kindes, der Orthopäde ist.
Beispiel 1 | Schritt 2: Gemeinsam mit ExpertInnen nach Lösungen suchen
Das Beratungsteam verabredet ein erstes Treffen. Mehrere Lösungsvorschläge wer-
den diskutiert:
Lösungsvorschlag „Neigungsgruppe Haltungsturnen”: dieser Vorschlag kann
zunächst nicht umgesetzt werden, weil die Schule ihr Stundenkontingent schon
ausgeschöpft hat.
Lösungsvorschlag „Pausenspiele zur Förderung von Motorik und Konzentration”:
Dieser Vorschlag soll im nächsten Schuljahr umgesetzt werden. Lehrerin A plant, in
den Sommerferien an einer entsprechenden Fortbildung teilzunehmen und will ihr
Wissen dann an andere KollegInnen weiter geben.
Lösungsvorschlag „Sitzbälle”: Dieser Vorschlag findet große Akzeptanz und soll
weiter ausgearbeitet werden. Vater X, der Orthopäde, kennt eine Reihe von Studien
über die positive Wirkung von Sitzbällen bei sachgemäßer Anwendung. Er wäre
gerne bereit, ein Programm mit einfachen Übungen auszuarbeiten, das täglich als
Kurzturnen im Unterricht durchgeführt werden kann. Doch zunächst muss entschie-
den werden, wie viele und welche Klassen teilnehmen sollen und wie die Sitzbälle
für die Schule finanziert werden können.
20
Wie können wir die
Personen gewinnen,
die wir brauchen? Vater X wird von der Schulleitung in die nächste Konferenz eingeladen, um über
Sitzbälle zu referieren. Dann wird diskutiert, welche Klassen gerne an einem
Sitzballprojekt teilnehmen würden und wie die Bälle finanziert werden könnten.
Das größte Interesse zeigen die LehrerInnen der ersten und zweiten Klassen, da bei
den SchülerInnen dieser Schulstufen die Entwicklung der Rückenmuskulatur beson-
ders sensibel ist. Zunächst soll versucht werden, für jeweils eine der beiden
Parallelklassen in diesen Jahrgängen Sitzbälle anzukaufen, die dann von den Klassen
alternierend genutzt werden können. Die KlassenlehrerInnen der ersten und zweiten
Klassen werden sich von Herrn X in die Sitzball-Übungen einschulen lassen. Als
Finanzierungsquelle will die Schule entweder einen Sponsor (eine Bank oder
Versicherung) gewinnen oder den Elternverein um Unterstützung bitten.
„Gemeinsam
arbeiten” –
wie geht das? Die beiden Lehrerinnnen, die das Projekt in die Wege geleitet haben, bitten nun auch
die Klassenlehrerinnen der ersten und zweiten Klassen um ihre Mitarbeit. Ein Termin
zur Planung der weiteren Schritte wird vereinbart.
Beispiel 1 | Schritt 3: Lösungsvorschlag planen und in die Praxis umsetzen
Das Team einigt sich auf folgende notwendige Maßnahmen für die Anschaffung von
Sitzbällen und die Sicherstellung einer sachgemäßen Anwendung:
Kostenvoranschläge mehrerer Anbieter einholen;
Finanzierungsansuchen an Sponsoren und Elternverein schreiben;
Trainingstermin mit Herrn X vereinbaren;
„Sitzballordnung“ entwickeln, die mit den SchülerInnen abgestimmt werden muss:
Was dürfen Kinder mit den Sitzbällen tun, was nicht? Und wie wird vorgegangen,
wenn Kinder gegen die Regeln verstoßen? Wann wird welche Klasse die Bälle
verwenden?
Eine Möglichkeit zum Aufbewahren der Sitzbälle finden;
Maßnahmen für den Notfall: Es muss überlegt werden, wie kaputt gegangene
Sitzbälle ersetzt werden können.
Worauf achten wir
beim Planen? Die am Team beteiligten LehrerInnen teilen die Arbeiten untereinander auf. Dabei ach-
ten sie auf eine möglichst gerechte Aufgabenverteilung. Und sie achten darauf, sich
für die Vorbereitung genügend Zeit zu geben, um Stress zu vermeiden.
Sind wir auf Kurs? Drei Wochen nach der ersten Sitzung treffen sich die LehrerInnen in einer Pause und
besprechen die Fortschritte ihrer Arbeit: Lehrerin A, die das Einholen der Kostenvor-
anschläge übernommen hat, berichtet, dass eine Versicherung bereit ist, die Kosten
für sechzig Sitzbälle zu übernehmen – diese können in nächster Zeit angeschafft wer-
den.
Lehrer B und C legen einen ersten Entwurf der „Sitzballordnung” vor. Der Entwurf wird
von den anderen kommentiert und ergänzt.
21
Ein klarer Beginn –
Kick-Off Rechtzeitig bevor die Sitzbälle eintreffen, werden die Kinder darauf vorbereitet: Die
Sitzballordnung wird mit ihnen besprochen, und die Durchführung von Übungen wird
angekündigt.
Beispiel 1 | Schritt 4: Brauchbarkeit der Sitzbälle überprüfen
Nachdem die Sitzbälle drei Monate lang erprobt worden sind, bittet der Direktor das
Team, im Rahmen der nächsten Konferenz über Erfahrungen und Zwischenergebnis-
se aus dem Sitzball-Projekt zu berichten.
Konnten wir unser Ziel
erreichen – und woran
erkennen wir das? Vorbereitend nehmen sich die LehrerInnen noch einmal die Liste der Probleme vor,
deretwegen das Sitzball-Projekt gestartet worden ist, und überlegen, was sich in der
Zwischenzeit geändert hat:
Unruhe im Unterricht: Zwar hat die Einführung der Sitzbälle die Unruhe kurzfristig
etwas erhöht, aber nach etwa zwei Wochen hat sich ein guter Umgang mit den
Bällen etabliert, und die Kinder sind nach Einschätzung der LehrerInnen insgesamt
ruhiger geworden.
Mangelnde Bewegungkoordination: Einer Werklehrerin ist aufgefallen, dass ein eher
ungeschickter Schüler eine feinere Motorik zu entwickeln scheint. Der Lehrerin des
Schülers ist eine positive Veränderung des Schriftbildes aufgefallen.
Schwache Rückenmuskulatur und Haltungsprobleme: Diesbezüglich meinen die
LehrerInnen im Rahmen des Turnunterrichts zwar Verbesserungen bei einzelnen
SchülerInnen bemerkt zu haben; eine genauere Aussage wird sich aber erst
machen lassen, wenn zu Anfang des nächsten Schuljahres wieder eine schulärztli-
che Untersuchung stattfindet.
Um welchen Preis
konnten wir das Ziel
erreichen? Die beteiligten LehrerInnen sind mit dem Ergebnis zufrieden: Der zeitliche Einsatz für
die Anschaffung der Sitzbälle und die Einschulung in deren Gebrauch hat sich für sie
gelohnt. Das Projekt kann also eine positive Bilanz ziehen: Mit vergleichsweise wenig
Aufwand konnte eine gute Wirkung erzielt werden.
Beispiel 1 | Schritt 5: Erfolgreiches Übungsprogramm präsentieren
Im Rahmen des jährlichen „Tags der Offenen Tür” wird auch eine Station „Sitzbälle”
organisiert. Die SchülerInnen der ersten und zweiten Klassen bereiten gemeinsam mit
den LehrerInnen ein kurzes Präsentationsprogramm mit Übungen vor. Auch Eltern
haben – unter der Anleitung der SchülerInnen, die dabei von ihren LehrerInnen unter-
stützt werden – die Möglichkeit, die Übungen auszuprobieren.
22
Beispiel 1 | Schritt 6: Sitzbälle auch für andere Schulstufen
Nachdem am Anfang des nächsten Schuljahres auch der Schularzt eine Verbesserung
der Rückenmuskulatur bei jenen Schülern feststellen kann, die am Sitzballprojekt
beteiligt waren, sind die LehrerInnen endgültig überzeugt, dass die Bälle bei geringem
Aufwand zur Verbesserung von Haltungsproblemen und Motorik der SchülerInnen bei-
tragen können. Eine Anschaffung von weiteren Sitzbällen auch für die dritten und vier-
ten Klassen der Schule wird daher erwogen.
Erfolgreiche Lösun-
gen für andere zu-
gänglich machen Die LehrerInnen der ersten und zweiten Klassen stellen ihre Dokumentation und ihre
Unterlagen den KollegInnen dieser Klassen zur Verfügung. Sie übernehmen auch
deren Einschulung in die Sitzballübungen.
Ressourcen zur
Verfügung stellen Da die Versicherung ein weiteres Kontingent von Sitzbällen nicht mehr finanzieren
wird, beschließt die Schule, die Einnahmen aus einem Schulfest in den Ankauf der
neuen Sitzbälle zu investieren. Zusätzlich erklärt sich der Elternverein bereit, kaputte
Sitzbälle im Ausmaß von maximal fünfzehn Stück pro Jahr zu ersetzen.
Weitere Möglichkeiten zur Förderung der körperlichen Gesundheit von SchülerInnen:
Kurzturnen im Unterricht
Pausenturnen, Pausenspiele, Bewegte Pause
Haltungsturnen
Ergonomische Sitzmöbel
Leichte Schultasche
Gesunde Schuljause – Gesunde Ernährung
Bewegtes Lernen
...
7.2 Praxisbeispiel 2: Förderung der psychosozialen Gesundheit von SchülerInnen –
Toleranz und Konfliktbewältigung in einer multikulturellen Klasse
Beispiel 2 | Schritt 1: Psychosoziale Probleme an der Schule erkennen
Dreißig Prozent der SchülerInnen einer Hauptschule haben eine andere Mutterspra-
che als Deutsch. Sie stammen aus den verschiedensten Ländern, so auch aus ver-
schiedenen Regionen Ex-Jugoslawiens. Konflikte mit ethnischem Hintergrund sind in
der Schule an der Tagesordnung, es gab bei Raufereien auch schon leicht Verletzte.
Wessen Sichtweise? Die Anfrage einer Mutter, deren Sohn wegen seiner ethnischen Herkunft von Mit-
schülerInnen bedroht wurde, ist der Anlass für eine Konferenz zum Thema, an der
die LehrerInnen der Schule teilnehmen. Der Großteil von ihnen ortet dringenden
Handlungsbedarf.
23
Welche Ziele? Das Hauptproblem sehen die LehrerInnen darin, dass in erster Linie die Knaben
Spannungen in Form körperlicher Auseinandersetzungen austragen. Die Schule hat
deshalb einen schlechten Ruf. Als Ziel formulieren die LehrerInnen daher, die hinter
den ethnischen Konflikten stehenden Inhalte gemeinsam mit den SchülerInnen zu
erarbeiten und den SchülerInnen alternative Formen der Konfliktbewältigung zu ver-
mitteln.
Wer übernimmt
die Initiative? Die Klassenvorstände der dritten und vierten Klassen erklären sich bereit, die Initiative
für ein Projekt „Konfliktbewältigung” an der Schule zu übernehmen.
Was ist der Beitrag
der Schulleitung? Der Direktor unterstützt das Projekt und fordert alle KollegInnen auf, sich daran zu beteilen.
Beispiel 2 | Schritt 2: Im Team nach Lösungen suchen
Erstes Ziel der vier Lehrer, die nun die Projektkerngruppe bilden, ist es, Überlegungen
anzustellen, wie ein Konfliktbewältigungsprojekt an der Schule aussehen könnte. Im
Rahmen einer ersten Sitzung sammeln sie Ideen:
im Geschichtsunterricht die Entstehung der Konflikte in Ex-Jugoslawien projekt-
förmig thematisieren;
in die Schulordnung einen Passus hinsichtlich Sanktionen bei körperlichen
Konflikten aufnehmen;
Beratungslehrer in die Arbeit mit besonders schwierigen Schülern einbinden;
Workshops zum Thema Konfliktbewältigung mit externen Trainern organisieren.
Wer kann in diesem
Gesundheitsförde-
rungsprojekt welche
Rolle spielen? Die Lehrer aus der Kerngruppe laden nun weitere Personen ein, die für das Projekt
gebraucht werden: Die Geschichtslehrer und die Beratungslehrerin, die zweimal pro
Woche an die Schule kommt. Alle sind bereit, mitzumachen.
Beispiel 2 | Schritt 3: Konfliktbewältigung in die Praxis umsetzen
In der vergrößerten Gruppe wird die Projektidee nochmals durchbesprochen, eine
Feinplanung wird durchgeführt, und Verantwortungen werden aufgeteilt:
Die Geschichtelehrer werden ein Konzept für einen vierwöchigen inhaltlichen
Schwerpunkt „Konflikte in Ex-Jugoslawien“ erarbeiten. Die SchülerInnen sollen
selbstständig unter Nutzung des Internet und der Schulbibliothek Unterschiede und
Gemeinsamkeiten zwischen Serben, Kroaten und Bosniern hinsichtlich Geschichte,
Kultur und Religion erarbeiten. Die Ergebnisse sollen dann im Unterricht gemeinsam
diskutiert werden.
24
Die Klassenvorstände der dritten und vierten Klassen werden einen Entwurf für
eine neue Schulordnung erarbeiten und diesen mit der Projektgruppe, Schüler-
Innenvertretern, der Schulleitung und Elternvertretern abstimmen.
Da kein Geld für externe Trainer bereit gestellt werden kann, wird die Betreuungs-
lehrerin in den dritten und vierten Klassen zunächst je einen zweistündigen Work-
shop zum Thema „Konfliktbewältigung” gestalten.
Ein klarer Beginn –
Kick-Off Zum Auftakt der Aktionsphase werden alle SchülerInnen der dritten und vierten
Klassen im Festsaal der Schule versammelt und über Hintergründe, Ziele und geplan-
te Schritte des Projektes informiert. Das Treffen wird auch dazu genutzt, klassenüber-
greifende Arbeitsgruppen für die nächsten vier Wochen zu bilden. Dabei wird auf eine
ausgewogene Mischung zwischen Knaben und Mädchen und ethnischen Gruppen
geachtet.
Sind wir auf Kurs? Während der zweiten Projektwoche trifft sich das Team zu einer Zwischenreflexion.
Fazit:
Unterrichtsschwerpunkt „Konflikte in Ex-Jugoslawien“: Trotz anfänglicher Widerstän-
de der SchülerInnen hinsichtlich Thema und multikultureller Arbeitsgruppen ent-
wickelt sich das Projekt erstaunlich gut: Viele SchülerInnen zeigen nicht nur reges
Interesse am Stoff, sondern es gestaltet sich auch die Teamarbeit nach den anfäng-
lichen Schwierigkeiten in den meisten Fällen erstaunlich konfliktfrei. Nur in zwei
Teams musste die Zusammensetzung verändert werden. Der inhaltliche Schwer-
punkt soll daher in geplanter Weise fort geführt werden.
Konfliktbewältigungsworkshops: Die bisher durchgeführten Workshops, in denen die
Betreuungslehrerin mit Rollenspielen und gestalttherapeutischen Elementen arbeitet,
waren für die Betreuungslehrerin zum Teil sehr anstrengend, weil eine Reihe von
Konflikten virulent geworden sind. Insgesamt zieht sie aber eine positive Bilanz und
will, abgesehen von kleinen Designveränderungen, weitermachen wie bisher.
Schulordnung: Ein Entwurf wird vorgelegt, diskutiert und kommentiert. Der nächste
Schritt ist jetzt, den Entwurf auch mit der Schulleitung und Elternvertretern abzustim-
men.
Beispiel 2 | Schritt 4: Erfolge der Konfliktbewältigung überprüfen
Nach Beendigung des intensiven vierwöchigen Projektes treffen sich die LehrerInnen
zu einer abschließenden Auswertungssitzung und reflektieren gemeinsam, welche
Erfolge und Probleme in bezug auf die einzelnen Teilprojekte verbucht werden können:
Konnten wir unser
Ziel erreichen –
und woran erkennen
wir das? Die Geschichtelehrer sind begeistert darüber, mit welchem Engagement sich die
SchülerInnen ins Zeug gelegt haben. Sie berichten über hervorragende Teamarbeit
mit sehr guten Ergebnissen (Plakate, Präsentationen in den Klassen) und sind
einhellig der Meinung, dass sich durch das Projekt die Gesprächsbasis zwischen
den SchülerInnen verbessert hat.
Die Betreuungslehrerin hat mit den Konfliktbewältigungs-Workshops unterschiedli-
che Erfahrungen gemacht. Die Mädchen scheinen stärker darauf angesprochen zu
haben als die Burschen. Sie vermutet daher, dass es sinnvoll wäre, weitere Work-
shops für die Burschen allein zu organisieren.
25
Der Entwurf für die neue Schulordnung ist fertig und soll demnächst mit Schul-
leitung, KollegInnen und ElternvertreterInnen abgestimmt werden. Der Entwurf sieht
vor, dass SchülerInnen, die einen Konflikt körperlich austragen, zunächst zu einem
Gespräch mit dem Klassenvorstand gebeten werden. Kommt es erneut zu Gewalt,
wird die Betreuungslehrerin hinzu gezogen, dann werden die Eltern verständigt.
Wenn alle Interventionen ergebnislos bleiben, kann ein Verweis von der Schule
erwogen werden.
Beispiel 2 | Schritt 5: Erfolgreiche Lösung dauerhaft verankern
Nach Rücksprache mit der Schulleitung berichtet das Team im Rahmen der nächsten
Konferenz über die Ergebnisse. Mit besonderem Interesse wird der Entwurf der neuen
Schulordnung aufgenommen. Der Großteil der LehrerInnen ist der Meinung, dass die-
ser Vorschlag eine Verbesserung gegenüber der alten Schulordnung darstellt.
Erfolgreiche Lösun-
gen absichern Um das Vorhaben abzusichern, wird daher einhellig beschlossen, die neue Schul-
ordnung im Schulforum zu diskutieren und auch die Elternvertreter damit vertraut zu
machen.
Weitere Möglichkeiten zur Förderung der psychischen Gesundheit von SchülerInnen:
Kommunikationstraining
Selbsterfahrungsübungen
Selbstmanagement-Techniken
Stressbewältigungstraining
...
7.3 Praxisbeispiel 3: Förderung der Gesundheit von LehrerInnen –
Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Arbeitszufriedenheit
Beispiel 3 | Schritt 1: Gesundheitsprobleme der LehrerInnen erkennen
Eine allgemein bildende höhere Schule mit 70 LehrerInnen hat trotz denkbar schlech-
ter Arbeitsmarktsituation eine vergleichsweise hohe Personalfluktuation – vor allem
jüngere KollegInnen bemühen sich häufig um Versetzung. Darunter leidet die Lehr-
qualität an der Schule, vor allem bei SchülerInnen der Unterstufe kommt es durch
das Wechseln von Bezugspersonen auch zu emotionalen Belastungen.
Welche Ziele? Die Schulleitung thematisiert das Problem im Rahmen einer Konferenz und lädt die
LehrerInnen zu einer Reflexion über Ursachen und Verbesserungsmöglichkeiten ein.
Wessen Sichtweise? Da es nur wenige Wortmeldungen gibt, schlägt die Personalvertretung eine schrift-
liche Befragung der LehrerInnen zu Arbeitszufriedenheit und Problemen als Basis
26
für konkrete Veränderungsvorschläge vor. Nicht erhoben werden sollen Probleme,
deren Ursachen außerhalb der Schule liegen (gesetzliche Grundlagen,
Gehaltsschema, ...), da diese in der Schule ohnehin nicht bearbeitet werden können.
Wer übernimmt
die Initiative? Die Personalvertreter erklären sich bereit, auf Basis bestehender Fragebögen zur
Arbeitszufriedenheit von LehrerInnen einen für die Schule passenden Fragebogen
zusammen zu stellen.
Was ist der Beitrag
der Schulleitung? Der Direktor ersucht die LehrerInnen, sich an der Befragung, die anonym durchgeführt
werden soll, möglichst zahlreich zu beteiligen und sichert zu, sich für die Umsetzung
der auf Basis der Auswertung entwickelten Veränderungsvorschläge einzusetzen,
sofern diese realistisch und möglich scheinen.
Beispiel 3 | Schritt 2: Gemeinsam die Ursachen für Probleme finden
Die Auswertung der Fragebögen ergibt eine Reihe von Problemen bezüglich der
Arbeitssituation an der Schule:
Ein Mangel an Austausch und Kooperation im Kollegium wird konstatiert.
Vor allem jüngere LehrerInnen haben aufgrund des Schülerrückgangs in der
AHS den Eindruck, dass ihr Arbeitsplatz an der Schule gefährdet ist.
Es gibt im Konferenzzimmer zu wenig Platz für persönliche Utensilien – immer
wieder gehen Dinge verloren.
Das Konferenzzimmer ist zu klein – beim Arbeiten wird man häufig durch andere
LehrerInnen und SchülerInnen gestört.
Ein Teil der LehrerInnen klagt über ungünstige Stundenpläne.
Weder in der Schule noch in der näheren Umgebung gibt es zufrieden stellende
Verpflegungsangebote.
Die Schule liegt verkehrsungünstig, und es gibt zu wenig Parkplätze – die Anfahrt
mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist umständlich und langwierig.
Wer kann in diesem
Gesundheitsförde-
rungsprojekt welche
Rolle spielen? In der nächsten Konferenz werden die Ergebnisse von den Personalvertretern präsen-
tiert. Es wird beschlossen, eine Arbeitsgruppe zu gründen, an der sich LehrerInnen
verschiedener Fachrichtungen, die Personalvertretung und die Direktion beteiligen
werden. Die Schulleitung ersucht interessierte KollegInnen, sich zu melden.
Dafür wird im Sekretariat eine entsprechende Liste aufgelegt.
27
Beispiel 3 | Schritt 3: Verbesserungen für LehrerInnen in die Praxis umsetzen
Elf Personen haben sich in die Liste eingetragen und treffen sich zu einer ersten
Teamsitzung. Unter Leitung der Personalvertretung werden zunächst jene Probleme
identifiziert, die am dringendsten erscheinen. Dies sind:
Mangel an Kooperation im Lehrkörper;
Unsicherer Arbeitsplatz;
Ungünstige Verpflegung.
Nun wird überlegt, ob und in welcher Form diese Probleme bearbeitet werden können:
Die Kooperation im Lehrkörper könnte Thema eines Pädagogischen Tages werden.
Ebenfalls in diesem Rahmen könnte das Problem „Schülerschwund” diskutiert
werden: Einige Lehrer möchten als Reaktion darauf ein attraktiveres Schulprofil
entwickeln, das Eltern besser motiviert, ihre Kinder in dieser AHS einzuschulen.
Sie schlagen einen Schwerpunkt „Förderung von Soft Skills” vor und wollen damit
Werbung machen, dass die AHS durch die Förderung von Vielseitigkeit, Kreativität,
Flexibilität und Teamfähigkeit SchülerInnen gut auf die wechselnden Anforderungen
des modernden Berufslebens vorbereiten kann.
Zum Thema „Verpflegung”, das LehrerInnen und SchülerInnen gleichermaßen
betrifft, wird vorgeschlagen, Möglichkeiten für ein regelmäßiges gesundes Buffet
an der Schule zu prüfen.
Worauf achten wir
beim Planen? Bevor die Projektgruppe zu arbeiten beginnt, werden die Vorschläge der Schulleitung
vorgelegt. Der Direktor begrüßt die Initiativen und gibt der Gruppe „Grünes Licht”.
An der Entwicklung des neuen Schulprofils will er selbst mit arbeiten. Er beteiligt sich
auch an der Auswahl einer externen Moderatorin für den Pädagogischen Tag. Das
Team wird diesen Tag gemeinsam mit der Moderatorin vorbereiten (Tagesordnung,
Zeitplan, Methoden).
Unabhängig davon soll eine kleinere Gruppe von LehrerInnen mit potenziellen An-
bietern von Schulbuffets verhandeln. Alle weiteren Veränderungsvorschläge werden
zunächst zurück gestellt. Sobald die dringendsten Probleme gelöst sind, kann darauf
wieder zurück gegriffen werden.
Ein klarer Beginn –
Kick-Off Der Pädagogische Tag ist das „Kick-Off” zur Planung weiterer Maßnahmen zur Ver-
besserung der Kooperation und für die Weiterentwicklung des Schulprofils. Zu beiden
Themen werden im Lauf des Tages Arbeitsgruppen gegründet, die den jeweiligen
Bereich weiter entwickeln und regelmäßig mit der Schulleitung und im Kollegium
abstimmen sollen.
Sind wir auf Kurs? Jede Arbeitsgruppe organisiert einmal im Monat ein Treffen aller Mitglieder. Ziel der
Treffen ist es, sich gegenseitig über den Stand der Arbeit zu informieren und das
weitere Vorgehen gemeinsam zu planen.
28
Beispiel 3 | Schritt 4: Brauchbarkeit der Verbesserungsmöglichkeiten überprüfen
Am Ende des Schuljahrs ersucht der Direktor die einzelnen Projektgruppen um
Berichterstattung über den Entwicklungsstand. Eine ganze Menge ist passiert, aber
konkrete Erfolge lassen sich momentan noch schwer abschätzen:
Konnten wir unser
Ziel erreichen – und
woran erkennen wir
das? Die Gruppe „Schulprofil“ hat einen Text erarbeitet, der nach längeren Diskussionen
im Kollegium approbiert wurde. Ein Zwischenziel wurde also erreicht. Mit der
Umsetzung von Maßnahmen im Rahmen des Schulprofils (spezifische Angebote für
SchülerInnen) soll im nächsten Schuljahr begonnen werden, Auswirkungen auf die
Schülerzahlen können voraussichtlich frühestens im übernächsten Schuljahr beob-
achtet werden.
Die Gruppe „Kooperation im Kollegium“ hat ebenfalls ein Zwischenziel erreicht:
Das Team, an dem ursprünglich nur jüngere KollegInnen beteiligt waren, hat sich
vergrößert, es arbeiten jetzt LehrerInnen verschiedener Altersgruppen zusammen.
Als erste Maßnahme wurde ein monatlicher Stammtisch eingerichtet, der bereits
dreimal stattfand – mit steigender Beteiligung. Zumindest die am Team beteiligten
LehrerInnen sind der Meinung, dass sich ihre Arbeitszufriedenheit erhöht hat.
Weitere Maßnahmen wie z.B. gemeinsame Projekte sind geplant.
Zwischen der Gruppe „Schulprofil“ und der Gruppe „Kooperation im Kollegium“ hat
sich ein Synergieeffekt ergeben. Beide Gruppen wollen ab dem nächsten Schuljahr
gemeinsam an Projekten im Rahmen des Schulprofils arbeiten.
Einzig abgeschlossene Maßnahme ist die Einführung des gesunden Buffets:
Es findet bei LehrerInnen und SchülerInnen großen Zuspruch. Der vom Betreiber
auf zwei Monate anberaumte Probebetrieb wurde verlängert.
Um welchen Preis
konnten wir das Ziel
erreichen? Insgesamt ist der Großteil der LehrerInnen der Meinung, dass die Aktivitäten im
Verlauf des Schuljahrs das Klima an der Schule positiv verändert haben. Die
LehrerInnen begrüßen es, dass ihre Einschätzung der Schule zur Basis für
Schulentwicklung geworden ist.
Beispiel 3 | Schritt 5: Brauchbare Lösungen für LehrerInnen dauerhaft verankern
Die Zwischenergebnisse erscheinen vielversprechend – am Schulprofil und der
Kooperation im Kollegium soll im nächsten Jahr intensiv weiter gearbeitet werden.
Nach Möglichkeit sollen auch noch weitere Maßnahmen zur Lösung der anderen in
der Fragebogenerhebung genannten Probleme erarbeitet und umgesetzt werden.
Erfolgreiche Lösun-
gen absichern Da es sich sehr bewährt hat, die Situation an der Schule im Rahmen eines
Pädagogischen Tages gemeinsam zu reflektieren, sollen derartige Reflexionen
in Zukunft regelmäßiger Bestandteil der Tagesordnung Pädagogischer Tage sein.
29
Weitere Möglichkeiten zur Förderung der Gesundheit von LehrerInnen:
Supervision
Freundliche Konferenzzimmer
Spezifische Fortbildungen
...
8 NETZWERKE GESUNDHEITSFÖRDERNDER SCHULEN
IN ÖSTERREICH UND EUROPA
Das Österreichische Netzwerk „Gesundheitsfördernde Schulen“ besteht seit 1993 als
gemeinsame Initiative des Gesundheits- und des Unterrichtsministeriums. Es ist Teil eines im
Jahr 1992 gegründeten europäischen Netzwerks, das von der Weltgesundheitsorganisation,
der Europäischen Kommission, dem Europarat und zahlreichen nationalen Organisationen
gemeinsam getragen wird.
Mehr als 500 Schulen aus ca. 40 europäischen Staaten beteiligen sich derzeit an diesem Netzwerk, davon ca.
60 aus Österreich (Stand 2000). Gesundheitsfördernde Schulen gibt es aber auch in Nord- und Südamerika,
Asien, Australien und Tasmanien.
30
8.1 Mitgliedschaft im Österreichischen Netzwerk „Gesundheitsfördernde Schulen”
Schulen, die sich intensiver mit Gesundheitsförderung befassen möchten, haben die Möglichkeit einer
Mitgliedschaft im Österreichischen Netzwerk „Gesundheitsfördernde Schulen“.
Teilnehmen können alle Schulen, die an Entwicklungs- und Veränderungsprozessen interessiert und bereit sind,
sich auf einen längeren Prozess einzulassen. Welche Schwerpunkte dabei gesetzt werden, hängt erfahrungs-
gemäß vom Schultyp, von der Größe, Lage und Ausstattung der Schule ab. Begonnen werden sollte mit kleine-
ren Maßnahmen und Projekten, die bei Erfolg dauerhaft in den Schulalltag integriert werden können. Denn das
Ziel der Gesundheitsfördernden Schule sind bleibende Veränderungen.
Zur Sicherstellung dieses Ziels verpflichten sich Gesundheitsfördernde Schulen zur Einhaltung folgender
Rahmenkriterien:
Der umfassende Gesundheitsförderungsbegriff der Weltgesundheitsorganisation, wonach Gesundheit als
körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden definiert wird, ist die Basis für die Arbeit der
Gesundheitsfördernden Schule.
Ein bis zwei KoordinatorInnen für die Gesundheitsfördernde Schule werden gewählt.
Ein Team zur Planung und Durchführung von Maßnahmen wird gebildet. Dieses umfasst nach Möglichkeit
Angehörige verschiedener Gruppen der Schulgemeinschaft.
Nach Maßgabe der Möglichkeiten der Schule werden Maßnahmen/Projekte für SchülerInnen, LehrerInnen
und Eltern durchgeführt.
Nach Maßgabe der Möglichkeiten der Schule werden Maßnahmen/Projekte zur Förderung der
körperlichen, psychischen und sozialen Gesundheit der Mitglieder der Schulgemeinschaft durchgeführt.
Nach Maßgabe der Möglichkeiten der Schule wird eine langfristige, an bleibenden Veränderungen
orientierte Planung erstellt. Ziel dieser Planung ist es vor allem, die unterschiedlichen durchgeführten
Aktivitäten zueinander in Beziehung zu setzen und aufeinander abzustimmen.
Die Schule beteiligt sich am Erfahrungsaustausch im Österreichischen Netzwerk durch die Teilnahme
an den jährlichen Netzwerkveranstaltungen und durch halbjährliche Projektberichte.
In der Umsetzung ihrer Aktivitäten werden die Schulen vom Österreichischen Netzwerk durch ein Netzwerkse-
kretariat unterstützt. Sie erhalten Materialien und Unterlagen zur Gesundheitsfördernden Schule und haben die
Möglichkeit, das Logo des österreichischen und des internationalen Netzwerks Gesundheitsfördernder Schulen
auf ihrem Briefpapier zu nutzen.
Schulen im Raum Wien können auch dem Wiener Regionalnetzwerk beitreten, das 1997 gegründet wurde
(Kontaktadresse siehe Kapitel 9).
31
9 KONTAKTADRESSEN, TIPPS ZUM WEITERLESEN UND SURFEN
Wenn Sie mehr über Gesundheitsfördernde Schulen erfahren möchten, können Sie eine der folgenden Adressen
kontaktieren, sich über Internet informieren oder weiterführende Literatur zu Rate ziehen.
9.1 Kontaktadressen zur Gesundheitsfördernden Schule in Österreich
Sekretariat des Österreichischen Netzwerks „Gesundheitsfördernde Schulen”:
Mag. Bibiana Falkenberg
Franz-Joseph-Straße 1 – 7
8200 Gleisdorf
Tel: +43/3112/38538
Fax: +43/3112/38538-10
E-Mail: bibiana.falkenberg@bab.at
www.gesunde-schule.at
Hier können Sie das Handbuch
„Schritt für Schritt zur Gesundheits-
fördernden Schule” bestellen!
Koordinationsstelle Wiener Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen:
GesundheitsFörderungsInstitut am
Pädagogischen Institut des Bundes
Mag. Eva Mitterbauer
Grenzackerstraße 18
1100 Wien
Tel: 01/60 118-4332
Fax: 01/60118-4500
E-Mail: gfz@pib-wien.ac.at
Bürozeiten: Mittwochs 09:00 – 15:00
GIVE – Servicestelle für Gesundheitsbildung:
Mag. Andrea Lehner
Waaggasse 11/4
1040 Wien
Tel.: +43/1/58900-371
E-Mail: lehner@redcross.or.at
www.give.or.at
32
9.2 Weitere Adressen zu Gesundheitsförderung, Umwelt und Bildung im Internet
Qualität in der Schule
www.qis.at
Unter dieser Homepage finden Sie vielseitige Informationen zur Qualität in der Schule
und eine Menge Instrumente zur Qualitätsbestimmung Ihrer Schule zum Downloaden.
Schule.at
www.schule.at
Unter dieser Homepage finden Sie nähere Informationen zu verschiedenen Schwer-
punktprogrammen des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
Fonds Gesundes Österreich
www.fgoe.org
Unter der Web-Adresse des Fonds Gesundes Österreich finden Sie interessante
Angebote zur Weiterbildung im Gesundheitsförderungsbereich. Beim Fonds können
auch Gesundheitsförderungsprojekte eingereicht werden – Einreichkritierien sind
ebenfalls unter dieser Web-Adresse erhältlich.
9.3 Weiterführende Literatur – eine Auswahl
Brunner I., Keppelmüller J. (1999): Schulentwicklung in der Praxis. Ein Leitfaden für LehrerInnen,
LeiterInnen und Eltern. Linz: Veritas
Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (1999): Schritt für Schritt zur Gesundheitsfördernden
Schule. Ein Handbuch für Schulen unterwegs. Verfasst von Christina Dietscher. Wien
Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten (1997): Grundsatzerlass Gesundheitserziehung
Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten (1999): Schulautonomiehandbuch.
Verfasst von Erwin Rauscher. Wien
Dür W., Huter D., Kernbeiß G., Pelikan J.M. (1997): Das Gesundheitsverhalten von 11-, 13- und 15-jährigen
SchülerInnen und das Setting Schule. Erschienen in der Reihe „Originalarbeiten, Studien, Forschungsberichte”
3/97, Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen, Wien.
Frey K. (1995): Die Projektmethode. Weinheim und Basel: Beltz
33
Friedrich Verlag (Hg.) (1998): Arbeitsplatz Schule. Ansprüche, Widersprüche, Herausforderungen.
Jahresheft 1998. Friedrich Verlag, Postfach 10 01 50, D-30917 Seelze
Grossmann R., Scala K. (1994): Gesundheit durch Projekte fördern. Weinheim und München: Juventa
McDermott I, O’Connor J. (1992): NLP und Gesundheit. Die offenen Geheimnisse der Gesunden.
Kirchzarten bei Freiburg: VAK Verlags GmbH
Pelikan J. M., Halbmayer E. (1999): Gesundheitswissenschaftliche Grundlagen zur Strategie des
Gesundheitsfördernden Krankenhauses. In: Pelikan J.M., Das gesundheitsfördernde Krankenhaus.
Konzepte und Beispiele zur Entwicklung einer lernenden Organisation. Weinheim und München: Juventa, 13-36
Thanhoffer M., Reichel R., Rabensteiner R. (1992): Kreativ unterrichten. Möglichkeiten ganzheitlichen Lernens.
Ein Handbuch mit Gedanken und Methoden. AGB (Arbeitsgemeinschaft für Gruppenberatung).
Münster: Ökotopia
World Health Organization (1986): The Ottawa Charter of Health Promotion. Kopenhagen: World Health
Organization
34
35
10 ANHANG: MATERIAL ZUR UNTERSTÜTZUNG
10.1 Ist-Analyse „Gesundheitsfördernde Schule”
Die Ist-Analyse „Gesundheitsfördernde Schule“ hilft Ihnen, die spezifischen Möglichkeiten zur Förderung der
Gesundheit von LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern Ihrer Schule fest zu stellen. Damit die Analyse möglichst
vollständig ist, sollten VertreterInnen unterschiedlicher Schulpartner in die Durchführung einbezogen werden.
a) Ist-Analyse im Bereich der Angebote zur Förderung der körperlichen, psychischen und
sozialen Gesundheit der LehrerInnen an unserer Schule:
A.1) FÖRDERUNG DER KÖRPERLICHEN GESUNDHEIT DER LEHRERINNEN
MASSNAHMEN HABEN WIR BEREITS MÖCHTEN WIR ENTWICKELN
LehrerInnengymnastik-,Fußballgruppe o.ä. ❏❏
Staubfreie Spezialkreide/Kreidehalter ❏❏
Raumbefeuchter ❏❏
Gesunde Verpflegung ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
A.2) FÖRDERUNG DER PSYCHISCHEN GESUNDHEIT DER LEHRERINNEN
MASSNAHMEN HABEN WIR BEREITS MÖCHTEN WIR ENTWICKELN
Autogenes Training ❏❏
Trainings zur Stressbewältigung ❏❏
Freundlicher Konferenzraum (genug Platz, ...) ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
A.3) FÖRDERUNG DER SOZIALEN GESUNDHEIT DER LEHRERINNEN
MASSNAHMEN HABEN WIR BEREITS MÖCHTEN WIR ENTWICKELN
Supervision ❏❏
Schulinterne LehrerInnenfortbildung ❏❏
Förderung der Inanspruchnahme
von Fortbildungen ❏❏
Pädagogische Tage ❏❏
Berücksichtigung der LehrerInnen-
gesundheit in der Schulentwicklung
(z.B. soziale Supplierregelung,
Regelung der Gangaufsicht, ...) ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
36
b) Ist-Analyse im Bereich der Angebote zur Förderung der körperlichen, psychischen und
sozialen Gesundheit der SchülerInnen an unserer Schule:
B.1) FÖRDERUNG DER KÖRPERLICHEN GESUNDHEIT DER SCHÜLERINNEN
MASSNAHMEN HABEN WIR BEREITS MÖCHTEN WIR ENTWICKELN
Gesunde Jause/Gesundes Buffet ❏❏
Kurzturnen im Unterricht ❏❏
Bewegte Pausen ❏❏
Neigungsgruppen o.ä. für bestimmte
Themen im Bereich der körperlichen
Gesundheit (z.B. Haltungsturnen) ❏❏
Projekte zu spezifischen Themen
der körperlichen Gesundheit
(z.B. Ernährung, Haltung,
spezifische Krankheiten, ...) ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
B.2) FÖRDERUNG DER PSYCHISCHEN GESUNDHEIT DER SCHÜLERINNEN
MASSNAHMEN HABEN WIR BEREITS MÖCHTEN WIR ENTWICKELN
KoKoKo-Stunden ❏❏
Teamteaching ❏❏
Ansprechperson für Probleme
der SchülerInnen
(Vertrauenslehrer/Vertrauensschüler) ❏❏
Neigungsgruppen o.ä. für bestimmte
Themen im Bereich der psychischen
Gesundheit (z.B. Haltungsturnen) ❏❏
Projekte zu spezifischen Themen der
psychischen Gesundheit (z.B. Stress-
oder Konfliktbewältigung, Gewalt,
Drogen/Sucht, Toleranz, ...) ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
B.3) FÖRDERUNG DER SOZIALEN GESUNDHEIT DER SCHÜLERINNEN
MASSNAHMEN HABEN WIR BEREITS MÖCHTEN WIR ENTWICKELN
Abstimmung von Maßnahmen
der Schulentwicklung mit SchülerInnen
(z.B. Abstimmen der Schulordnung) ❏❏
Berufsberatung ❏❏
SchülerInnen arbeiten im Team der
Gesundheitsfördernden Schule mit ❏❏
Neigungsgruppen o.ä. für bestimmte The-
men im Bereich der sozialen Gesundheit ❏❏
Projekte zu spezifischen Themen der
sozialen Gesundheit (z.B. Soziales Lernen,
Einfluss auf Umwelt/Ökologie) ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
37
c) Ist-Analyse im Bereich der Angebote zur Förderung der körperlichen, psychischen und
sozialen Gesundheit der Eltern der SchülerInnen unserer Schule:
C.1) FÖRDERUNG DER KÖRPERLICHEN GESUNDHEIT DER ELTERN
MASSNAHMEN HABEN WIR BEREITS MÖCHTEN WIR ENTWICKELN
Fortbildungsangebote zu
spezifischen Themen der
körperlichen Gesundheit ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
C.2) FÖRDERUNG DER PSYCHISCHEN GESUNDHEIT DER ELTERN
MASSNAHMEN HABEN WIR BEREITS MÖCHTEN WIR ENTWICKELN
Fortbildungsangebote zu
spezifischen Themen der
psychischen Gesundheit (z.B. Umgang
mit pubertierenden Kindern, ...) ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
C.3) FÖRDERUNG DER SOZIALEN GESUNDHEIT DER ELTERN
MASSNAHMEN HABEN WIR BEREITS MÖCHTEN WIR ENTWICKELN
Regelmäßige schriftliche Information
der Eltern über Schulaktivitäten
(z.B. Elternbrief) ❏❏
Elterncafé ❏❏
Kooperation mit den Eltern
in der Schulentwicklung ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
Sonstiges: ❏❏
38
NOTIZEN
39
NOTIZEN
40
NOTIZEN
Was ist Gesundheitsförderung, was ist eine Gesundheitsfördernde Schule?
Warum macht es Sinn, in der Schule Gesundheit zu fördern, und wie kann
sich eine Schule in Richtung Gesundheitsförderung entwickeln? Der vorlie-
gende Leitfaden bietet übersichtlich und gut nachvollziehbar Antworten auf
diese Fragen. Beispiele aus dem Schulalltag veranschaulichen, wie das
Konzept der Gesundheitsfördernden Schule in die Praxis umgesetzt werden
kann. Für alle, die tiefer ins Thema einsteigen möchten, hält die Broschüre
zahlreiche weiterführende Kontakt- und Informationsadressen bereit.
Chapter
„Gesundheit“ scheint in der österreichischen Öffentlichkeit zunehmend als relevantes Bildungsthema wahrgenommen zu werden. Wenn von gesundheitlichen Problemen von Kindern und Jugendlichen die Rede ist, wird häufig auf die Schule und deren Potential zur Gesundheitsförderung verwiesen. In den letzten Jahren haben sich zahlreiche Aktivitäten und Programme zur schulischen Gesundheitsförderung etabliert, die seit 2011 durch eine umfassende „Kinder- und Jugendgesundheitsstrategie“ der Bundesregierung untermauert werden. Im Themenfeld 3 – „gesunde Entwicklung“ – findet sich das explizite Ziel: „Bildung als zentralen Einflussfaktor auf Gesundheit positiv nutzen“ (Ziel 6; BMG 2013: 30ff.).
Schulentwicklung in der Praxis
  • I Brunner
  • J Keppelmüller
Brunner I., Keppelmüller J. (1999): Schulentwicklung in der Praxis. Ein Leitfaden für LehrerInnen, LeiterInnen und Eltern. Linz: Veritas
Das Gesundheitsverhalten von 11-, 13-und 15-jährigen SchülerInnen und das Setting Schule. Erschienen in der Reihe
  • W Dür
  • D Huter
  • G Kernbeiß
  • J M Pelikan
Dür W., Huter D., Kernbeiß G., Pelikan J.M. (1997): Das Gesundheitsverhalten von 11-, 13-und 15-jährigen SchülerInnen und das Setting Schule. Erschienen in der Reihe "Originalarbeiten, Studien, Forschungsberichte" 3/97, Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen, Wien.
Gesundheitswissenschaftliche Grundlagen zur Strategie des Gesundheitsfördernden Krankenhauses
  • J M Pelikan
  • E Halbmayer
Pelikan J. M., Halbmayer E. (1999): Gesundheitswissenschaftliche Grundlagen zur Strategie des Gesundheitsfördernden Krankenhauses. In: Pelikan J.M., Das gesundheitsfördernde Krankenhaus.
The Ottawa Charter of Health Promotion
Münster: Ökotopia World Health Organization (1986): The Ottawa Charter of Health Promotion. Kopenhagen: World Health Organization
  • I Mcdermott
  • O Connor
McDermott I, O'Connor J. (1992): NLP und Gesundheit. Die offenen Geheimnisse der Gesunden. Kirchzarten bei Freiburg: VAK Verlags GmbH
Schritt für Schritt zur Gesundheitsfördernden Schule Ein Handbuch für Schulen unterwegs
  • Arbeit Bundesministerium Für
Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (1999): Schritt für Schritt zur Gesundheitsfördernden Schule. Ein Handbuch für Schulen unterwegs. Verfasst von Christina Dietscher. Wien Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten (1997): Grundsatzerlass Gesundheitserziehung Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten (1999): Schulautonomiehandbuch. Verfasst von Erwin Rauscher. Wien
Schritt für Schritt zur Gesundheitsfördernden Schule. Ein Handbuch für Schulen unterwegs. Verfasst von Christina Dietscher
  • I Brunner
  • J Keppelmüller
Brunner I., Keppelmüller J. (1999): Schulentwicklung in der Praxis. Ein Leitfaden für LehrerInnen, LeiterInnen und Eltern. Linz: Veritas Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (1999): Schritt für Schritt zur Gesundheitsfördernden Schule. Ein Handbuch für Schulen unterwegs. Verfasst von Christina Dietscher. Wien Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten (1997): Grundsatzerlass Gesundheitserziehung Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten (1999): Schulautonomiehandbuch. Verfasst von Erwin Rauscher. Wien
Gesundheit durch Projekte fördern
  • R Grossmann
  • K Scala
  • I Mcdermott
  • J O'connor
Grossmann R., Scala K. (1994): Gesundheit durch Projekte fördern. Weinheim und München: Juventa McDermott I, O'Connor J. (1992): NLP und Gesundheit. Die offenen Geheimnisse der Gesunden. Kirchzarten bei Freiburg: VAK Verlags GmbH
Münster: Ökotopia World Health Organization (1986): The Ottawa Charter of Health Promotion
  • M Thanhoffer
  • R Reichel
  • R Rabensteiner
Thanhoffer M., Reichel R., Rabensteiner R. (1992): Kreativ unterrichten. Möglichkeiten ganzheitlichen Lernens. Ein Handbuch mit Gedanken und Methoden. AGB (Arbeitsgemeinschaft für Gruppenberatung). Münster: Ökotopia World Health Organization (1986): The Ottawa Charter of Health Promotion. Kopenhagen: World Health Organization