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In Rheinland-Pfalz ist entlang von Straßen
eine schnelle Ausbreitung von Ambrosia
artemisiifoliazu beobachten. Große Bestän-
de sind aus dem Raum Mannheim-Ludwigs-
hafen und der dort verlaufenden B 9
bekannt, wobei zu vermuten ist, dass sich
Bestände von Ambrosia artemisiifolia auch
an zahlreichen weiteren Orten in Rheinland-
Pfalz befinden.
Die Naturschutzverbände POLLICHIA,
NABU und BUND haben es sich nun gemein-
sam mit dem Ministerium für Umwelt, Land-
wirtschaft, Ernährung, Weinbau und Fors-
ten zur Aufgabe gemacht, den noch unzu-
reichenden Kenntnisstand zur Verbreitung
der Art in Rheinland-Pfalz zu verbessern.
Das Projekt wird von der Stiftung Natur und
Umwelt Rheinland-Pfalz gefördert.
Zur Erfassung der Ambrosia-Bestände wird
das Online-Artenerfassungssystem Arten-
Finder RLP (www.artenfinder.rlp.de)
genutzt, welches es ermöglicht, punktge-
naue Ambrosia-Fundorte zu melden. Hier-
bei werden Bürgerinnen und Bürger betei-
ligt, indem sie ihre Fundmeldungen mit
Fundort und -datum sowie mit einem Foto
der Pflanze übermitteln und somit einen Bei-
trag zur Erforschung der Ambrosia-Vor-
kommen leisten können. Erste aktuelle
Fundorte (z.B. im Raum Geinsheim und
Speyer) wurden bereits gemeldet und bestä-
tigt. Da neben Ambrosia artemisiifolia auch
eine zweite Art, Ambrosia coronopifolia, in
Rheinland Pfalz vorkommt (MAZOMEIT 2006)
und da sich die Wuchsform der Pflanzen
durch Mahd verändern kann, ist eine sichere
Artbestimmung oft schwierig. Unterstützt
wird das Melde-Projekt daher durch den
Pflanzen-Experten Johannes Mazomeit aus
Ludwigshafen, der sich schon seit vielen Jah-
ren mit der Ausbreitung von Neophyten,
also Neubürgern im Pflanzenreich, in Rhein-
land-Pfalz beschäftigt.
Während die Vorkommen des Beifußblättri-
gen Traubenkrautes an Straßenrändern ver-
gleichsweise gut untersucht sind, können
Bürgerinnen und Bürger vor allem im Sied-
lungsbereich wertvolle Hinweise auf
Ambrosia-Vorkommen liefern. Brachen in
Wohn- und Gewerbegebieten, Grünflä-
chen an Bahnhöfen, Parkplätze und öffent-
liche Grünflächen bieten der Art vielerorts
geeignete Wuchsbedingungen. Aber auch
in Hausgärten kann die Art vorkommen.
Idealerweise erfolgt die Meldung mit einem
Foto der Pflanze sowie mit Angaben zur
Anzahl der gesichteten Exemplare. Ein
Artenportrait mit Fotos von Ambrosia arte-
misiifoliasowie der leicht mit ihr zu verwech-
selnden Ambrosia coronopifoliafinden sich
unter www.flora-rlp.de (Artenportraits).
Auf dieser Seite wird auch ein direkter Link
zum ArtenFinder bereitgestellt.
Meldungen können entweder über die Inter-
net-Meldeseite www.arten finder.-rlp.de
übermittelt werden oder auch per
E-Mail an am brosia@flora-rlp.de.
Über die Entwicklung dieses Projekts zur
Ambrosia-Erfassung in Rheinland-Pfalz
werden wir in den nächsten Ausgaben des
POLLICHIA-Kuriers berichten!
Für den kommenden Winter ist es wichtig zu
beachten, dass bei der Winterfütterung von
Vögeln nur Futter verwendet wird, das keine
Ambrosia-Samen enthält. Etliche Anbieter
garantieren dies auf den Verpackungen.
Vogelfutter ohne solche Hinweise sollte
nicht verwendet werden. Hat sich Ambrosia
erst einmal etabliert, ist sie nur noch sehr
schwer zu beseitigen, da die Samen bis zu 40
Jahre lang keimfähig bleiben und abgemäh-
te Pflanzen regenerieren; binnen weniger
Wochen können sie bereits wieder zur Blüte
gelangen. Wer Ambrosia-Pflanzen durch
Ausreißen bekämpfen will, sollte dies vor-
zugsweise bei Regen tun; dann streuen die
Pflanzen keine Pollen und das Risiko, sich
eine Allergie einzuhandeln, ist vergleichs-
weise gering. Die ausgerissenen Pflanzen
gehören nicht in den Kompost oder den
Grünabfall, weil die Samen möglicherweise
ihre Keimfähigkeit beim Kompostieren
nicht verlieren. Die Restmülltonne ist der
richtige Platz für Ambrosien.
Literatur
MAZOMEIT, J. (2006): Zur aktuellen Ausbrei-
tung von Ambrosia artemisiifolia in der
Pfalz. POLLICHIA-Kurier 22/4: 2-8.
Annalena Schotthöfer, Landau
Oliver Röller, Haßloch
AK Entomologie
Wiederfund der Bunten
Kuckucks-Wegwespe
Ceropales variegata
(Fabricius, 1798) in
Rheinland-Pfalz nach
92 Jahren (Hymenoptera:
Pompilidae)
Wegwespen aus der Familie Pompilidae sind
einzeln lebende Wespen, die gelähmte
Spinnen als Nahrung für ihre Larven nutzen.
Die Wespen selbst leben nicht räuberisch,
sondern trinken Nektar und besuchen dazu
gerne offen liegende Blüten von Dolden-
blütlern wie der Wilden Möhre. In Deutsch-
land kommen rund 100 Arten von Wegwes-
pen vor; sie sind zwischen 3 mm und 17 mm
groß. Fast alle heimischen Wegwespen-
Arten fangen selbst Spinnen und lähmen
diese, nur die Arten der Gattung Evagetes
und Ceropales tun das nicht: Während die
parasitoiden Arten der Gattung Evagetes
sich zu der bereits verschlossenen Brutzelle
anderer Wegwespen-Arten vorgraben, um
dort ihr Ei an die gelähmte Spinne abzule-
gen, haben die Kuckucks-Wegwespen aus
der Gattung Ceropales eine andere Strate-
gie entwickelt: Sie schmuggeln ihre Eier in
bereits gelähmte Beute-Spinnen anderer
Wegwespen.
Dafür warten sie den Moment ab, in dem die
gelähmte Spinne von der rechtmäßigen
Besitzerin in ihr Versteck getragen wird, und
legen während einer Balgerei mit dieser
blitzschnell ein eigenes Ei an die Spinne.
Normalerweise legen Wegwespen ihre
Brutzellen erst nach dem Fang der Beute-
spinne an und schleppen die gelähmte
Beute-Spinne auf der Suche nach einem
passenden Versteck mit. Beim Graben eines
Ganges in den Erdboden oder dem Stöbern
in Mauerritzen wird die Spinne etwas abseits
deponiert. Das Ei der Kuckucks-Wegwes-
pen wird aber nicht an eine solche liegende,
gelähmte Spinne gelegt, sondern nur an
Berichte aus den Arbeitskreisen
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Abb. 3: Karte der Ambrosia-Fundmeldun-
gen. Der Ausschnitt zeigt den Bereich der
pfälzischen Rheinebene, weitere Fundmel-
dungen liegen z.B. aus den Bereichen Trier,
Bad Kreuznach und Mainz vor.
eine solche, die gerade von der rechtmäßi-
gen Besitzerin in die Brutzelle eingetragen
wird. Das Risiko, eine „vergessene“, liegen-
gebliebene Spinne mit einem Ei zu belegen,
wäre zu groß – diese ist ja wertlos für die wei-
tere Entwicklung der Larve, da sie unge-
schützt liegt und schnell von Ameisen
davongetragen wird!
Das Ei muss während eines Ablenkungs-
kampfes mit der rechtmäßigen Besitzerin
schnell und präzise abgelegt werden; dafür
haben die Ceropales-Weibchen ein speziell
geformtes (abgeplattetes) Hinterleibs-Ende
(Abb. 2), das es ihnen ermöglicht, das Ei in
die Tracheenlunge der Spinne zu legen, so
dass es von der rechtmäßigen Wegwespe
nicht erkannt und nicht entfernt werden
kann.
So kommt es, dass diese die Spinne in die
Brutzelle einlagert und ebenfalls mit einem
Ei belegt. Die Kuckucks-Wegwespen-Larve
schlüpft jedoch früher aus dem Ei und macht
sich über den Spinnenvorrat her. Die Larve
der Wirtswespe wird dabei getötet.
Bei uns sind drei Arten der Gattung Ceropa-
lesheimisch: Die recht häufige Art Ceropales
maculata schmarotzt bei verschiedenen
Wegwespen-Gattungen, während die
Wirte der seltenen Ceropales albicincta und
der noch selteneren Ceropales variagata
unbekannt sind.
Wiederfund in Rheinland-Pfalz
Am 2. Juli 2013 wurde an der Böschung
eines Regenversickerungsbeckens süd-
westlich von Maikammer ein Weibchen der
in Deutschland sehr seltenen Ceropales
variegata auf den Dolden von Wilder Möhre
gekeschert; am 14.8.2013 wurde an einem
Feldweg bei der großen Lößwand südlich
von Kirrweiler ebenfalls ein Weibchen auf
Wilder Möhre gekeschert.
Ceropales variegata ist von den beiden
anderen heimischen Ceropales-Arten leicht
an der roten Färbung der beiden ersten Hin-
terleibsringe zu unterscheiden – die anderen
Arten sind nur schwarz gefärbt mit weißen
Flecken.
Während WOLF (1972) die Größe der Weib-
chen mit 5 bis 7mm, angibt, nennt WIS-
NIOWSKI (2009) 5 bis 8mm, was sich mit der
Größe der Belegtiere aus Maikammer und
Kirrweiler deckt, welche 8mm groß sind.
Die Wegwespe kommt in Südwesteuropa
und dem südlichen Mitteleuropa bis Mittel-
asien vor; in Deutschland soll sie vor allem in
Gebieten, die unter atlantischem Einfluss
stehen, zu finden sein, also eine „atlanto-
mediterrane“ Verbreitung haben (WOLF &
SCHMID-EGGER 1992). In den östlichen Bun-
desländern kommt sie mit Ausnahme Thü-
ringens nicht vor.
Die Fundorte in Deutschland sind stets für
ihr besonders trockenwarmes Klima und
besondere Arten bekannt: In Baden-Würt-
temberg liegen die wenigen Funde v.a. am
Kaiserstuhl und einer bei Karlsruhe in der
Vorhügelzone der Oberrheinebene. In Bay-
ern liegen alte Nachweise vor 1960 am Main
(Karlstadt) bei Aschaffenburg sowie bei
Bamberg (MANDEREY 2001) vor, in Hessen
sind alte Nachweise von einer Düne bei
Frankfurt-Schwanheim bekannt. Aus Thü-
ringen liegen durch den Altmeister der Ento-
mologie Otto Schmiedeknecht (1847-
1936) Meldungen aus Bad Blankenburg aus
der Zeit um 1900 vor, wo die Wespe in einem
Jahr „häufiger“ gewesen sein soll (SCHMIEDE-
KNECHT 1930).
Aktuelle Funde in Deutschland gibt es aus
Baden-Württemberg vom Kaiserstuhl aus
dem Jahr 2008 (SCHMID-EGGER et al. 2012)
und mehrere Nachweise aus Thüringen von
xerothermen Sonderstandorten durch
Frank BURGER (Mitteilung per Mail).
Berichte aus den Arbeitskreisen
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Abb.1: Weibchen von Ceropales variegata aus Maikammer in der Südpfalz.
Abb. 2: Hinterleibsende eines Weibchen von Ceropales variegata mit dem abgeplatteten
letzten Segment.
Entsprechend wird Ceropales variegata in
der Roten Liste der Wegwespen Deutsch-
lands mit dem Status „1“, „vom Aussterben
bedroht“ eingestuft (SCHMID-EGGER et al.
2011).
Aus Rheinland-Pfalz liegen eine handvoll
alte Funde vor: Mehrere Männchen und 2
Weibchen aus Mainz-Mombach am Main-
zer Sand und Worms, die um 1850 bis 1884
bzw. zwischen 1900 und 1921 gelangen.
Die Belege befinden sich bis auf jene aus
Mainz-Mombach alle im Senckenberg-
Museum in Frankfurt am Main (WOLF et al.
2009, Mitteilung P. Peters, Senckenberg).
Die historischen Belege sind aber in der Aus-
wertung der Karteikarten von Heinrich
WOLF, der die Funde im Jahr 1973 überprüf-
te, ungenau wiedergegeben: „9M aus
Mainz, Worms und Frankfurt-Schwan-
heim“ (WOLF et al. 2009).
Die Nachweise vom Mainzer Sand beziehen
sich auf Literaturzitate von KIRSCHBAUM
(1853) und V.D. HEYDEN (1884). Sie sind in der
Arbeit von SCHMID & WESTRICH (1987) zu den
Stechimmen des Mainzer Sandes erwähnt
und als glaubwürdig angenommen wor-
den. Während die Belege von Kischbaum
wohl in der Naturhistorischen Sammlung
des Museum in Wiesbaden liegen, ist jener
von v.d. Heyden verschollen.
In der Roten Liste der Wegwesen von Rhein-
land-Pfalz (SCHMID-EGGER et al. 1995) wer-
den die historischen Funde ungenau ange-
geben: Die Nachweise vom Mainzer Sand
werden mit der Jahreszahl 1884, dem Publi-
kationsdatum der Arbeit von v.d. Heyden
angegeben. Nachweise, die dem Entomolo-
gen KIRSCHBAUM gelangen, müssen aber um
das Jahr 1853 liegen. Ganz übersehen wur-
den die späten Nachweise von Heinrich
HABERMEHL bei Worms, die bis in das Jahr
1921 reichen und damit viel später gelan-
gen, als in der Roten Liste mitgeteilt wird.
Dort wird „1900“ als letztes Nachweisjahr
bei Worms angegeben. Dem Sammler Hein-
rich HABERMEHL gelangen um die Wende des
20. Jahrhunderts eine Reihe außergewöhn-
licher Wespen- und Bienen-Funde um sei-
nen Wohnort Worms. Einer seiner Fundorte,
„Worms-Rosengarten“, gehört heute aller-
dings zu Hessen, was in Auflistungen zum
Artenbestand Hessens oder von Rheinland-
Pfalz manchmal übersehen wird.
Funde von Ceropales variegata
Rheinland-Pfalz:
(unbekannte Anzahl Tiere) Mainz-Mom-
bach um 1850-1884 vermutlich in der
Sammlung des Landesmuseums Wiesba-
den (SCHMID & WESTRICH 1987)
1W „Worms (10)“ leg. & det. HABERMEHL vid.
Wolf 1973 coll. Senckenberg Museum
Frankfurt (SMF)
1M Worms 26.8.1921 leg. & det Habermehl
vid. Wolf 1973 coll. SMF
1M Worms (8) leg.& det. Habermehl vid.
Wolf 1973 coll. SMF
1M „Hrh“ [Hernsheim bei Worms?)
1.9.[18]91 leg. „Hbm“ (=Habermehl) coll.
SMF
Aktuelle Funde:
1W Maikammer, Versickerungsbecken
800m südl. d. Ortes, 2.7.2013, leg. & coll.
R.BURGER
1W Venningen, Löwand südlich Kirrweiler
an Wegrand, 14.8.2013, leg. & coll. R.BUR-
GER
Hessen
(bisher übersehen)
1M 30.9.1931 Worms-Roseng[arten] (=
Hessen!) leg. & det. HABERMEHL vid Wolf
1973 coll. SMF
1M [ohne Datum] Roseng[arten], leg.
Habermehl, det Wolf 1973, coll. SMF
Lebensraumanspruch und Wirte
Der Lebensraum von Ceropales variegatus
wird in der Literatur als trockenheiße, step-
penartige Flächen beschrieben: „Bevorzugt
Sandböden in steppenartigen Gelände,
kommt auch auf zu Sand verwittertem som-
merheißen Felsen vor“ (WOLF 1971) oder
„xerotherme Biotope wie Trockenrasen auf
Sand oder vegetationsarmen Gesteinsbö-
den“ (OEHLKE & WOLF 1987). „In Polen auf
trockenwarmen Grasland der Federgräser
Stipetum capillatae.“ (WISNIOWSKI, 2009).
Die Funde in Baden-Württemberg sollen am
Badberg von Halbtrockenrasen und bei
Karlsruhe „vermutlich aus historischen
Weinbergen mit Kalkschotterpartien“
stammen (SCHMID-EGGER & WOLF 1992).
Auch die anderen bekannten Fundorte –
Mainzer Sand, Worms, Schwanheimer
Düne bei Frankfurt, Trockengebiete am
Main und bei Bamberg sowie die wärmebe-
günstigten Fundorte in Thüringen bei Bad
Blankenburg (Schenkenberg) und Schwei-
niz (Sandgrube) – sprechen für einen beson-
deren Anspruch der Wespe an den Lebens-
raum.
Entgegen der Seltenheit der Art kommt sie
jedoch an den Fundorten anscheinend in
größerer Zahl vor, so dass HABERMEHL um
Worms gleich mehrmals fündig wurde,
allerdings in verschiedenen Jahren. Auch die
aktuellen Nachweise aus Thüringen gelan-
gen an Fundorten, wo Ceropales variegata
häufig zu sehen war, so dass auch 20 Belege
dort möglich gewesen wären (Frank Burger,
Mitteilung per Mail). In der Südpfalz liegen
die beiden Fundorte nur 1800 m voneinan-
der entfernt; eine Verbindung der Tiere zu
einer Population ist sehr wahrscheinlich.
Möglicherweise sind die Lößwände bei
Berichte aus den Arbeitskreisen
POLLICHIA-Kurier 29 (4) – 2013
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Abb.3.: Funde von Ceropales variegata in Deutschland. Die aktuellen Nachweise in der Süd-
pfalz liegen nur 1800 m voneinander entfernt. (Quelle: Hautflügler-Kataster Rheinland-
Pfalz und www.aculeata.eu).
Kleinfischlingen ein Zentrum des Vorkom-
mens. Auch der Altmeister der Hymenopte-
rologie, Otto Schmiedeknecht (1847-
1936), fing die Art ebenfalls einmal häufig,
dann nur einzeln, so dass sie wohl erhebli-
che Populations-Schwankungen durch-
macht, was für ein Grenzvorkommen bei
uns spricht.
Ceropales variegata kann natürlich nur dort
vorkommen, wo auch die Wirtswespen nis-
ten; man kann versuchen, mögliche Wirte
anhand der begleitenden Wegwespen-
Arten zu identifizieren. Die häufige Schwes-
ter-Art Ceropales maculataist nicht auf eine
Wirtsart beschränkt, sondern ein Opportu-
nist, der eine große Zahl an Wegwespen-
Arten als Wirte nutzen kann. Ähnliches gilt
wohl für C.variegata, allerdings mit der
Besonderheit, dass Ceropales variegata auf
eine oder eher mehrere Wegwespen-Arten
spezialisiert ist, die deutschlandweit sehr
selten sind und nur an den Fundorten in grö-
ßerer Zahl vorkommen. Da die Bunte
Kuckucks-Wegwespe bei uns eine eher
westliche Verbreitung haben soll, kämen als
Wirte auch ähnlich verbreitete Arten in
Betracht.
Bei Maikammer und Kirrweiler wurden die
beiden Tiere nicht am Boden, sondern auf
Blütenständen der Wilden Möhre gefun-
den. Leider lassen sich deshalb keine direk-
ten Beobachtungen zu den bisher unbe-
kannten Wirtswespen machen. Die Aus-
wertung der an den Fundorten ebenfalls
nachgewiesenen Wegwespen-Arten, die
als Wirte in Frage kommen, bleibt weiteren
Untersuchungen vorbehalten.
Nicht unerwähnt bleiben sollen die Hinwei-
se, dass gänzlich abweichende Wirte in
Frage kämen: Grabwespen der Gattung
Miscophus, die ebenfalls Spinnen als Lar-
venahrung eintragen, sind nach der Litera-
tur angeblich die Wirte (DAY 1988, LELEJ
1995, WISNIOWSKI 2009). Hier liegt aber
wohl eine fehlgedeutete Beobachtung vor,
die sich durch regelmäßiges Zitieren in der
Literatur hält. Miscophus-Arten nisten zwar
in sandigen und gut grabbaren Böden und
würden daher zu den bekannten Fundorten
der Bunten Kuckucks-Wegwespe passen.
Die Grabwespen der Gattung Miscophus
sind aber einerseits mit 5-6 mm recht klein,
während Ceropales variegata-Weibchen
eher 7-8mm Größe haben. Bei parasitoiden
Arten kommen jedoch häufig beträchtliche
Größenunterschiede innerhalb der Art vor,
da die Menge des Nahrungsvorrats
schwankt; man findet „Zwergformen“
unter ihnen. Zusätzlich sind aber alle Misco-
phus-Arten bei uns häufiger und weiter ver-
breitet als die Bunte Kuckucks-Wegwespe
Ceropales variegata. Außerdem tragen
Wegwespen nur eine Beutespinne als Lar-
vennahrung ein, während es bei Misco-
phus-Arten mehrere sind, vorwiegend
Kugelspinnen (Theridiidae). Das erschwert
eine (mögliche) parasitoide Bindung zwi-
schen den Arten und diese ist nicht zuletzt
auch deshalb abwegig, da beide überhaupt
nicht nah verwandt sind, sondern zwei
unterschiedlichen Wespen-Familien ange-
hören – Wegwespen (Pompilidae) und
Grabwespen (Crabronidae).
Dank
Mein besonderer Dank gilt Frank Burger
(Auroville, Indien) für die Hinweise zu den
Funden und Fundorten in Thüringen, Gerd
Reder (Flörsheim-Dalsheim) und Patricia
Peters (Senckenberg Museum Frankfurt)
für die Recherche der Funddaten der histo-
rischen rheinland-pfälzischen Belege. Den
Mitarbeitern der Arbeitskreise von aculea-
Berichte aus den Arbeitskreisen
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Abb.4 :Der Fundort bei Maikammer – die Böschung eines Regenversickerungsbecken inmit-
ten von Reben südlich von Maikammer.
Abb.5: Die Lößwände südlich von Kirrweiler – der Fundort des zweiten Nachweises.
ta.eu in den jeweiligen Bundesländern
danke ich für die Verwendung der Fundkar-
te, zu denen sie durch ihre Daten beigetra-
gen haben.
Literatur
BURGER, F. & F. CREUTZBURG: (2004): Checklis-
te der Wegwespen Thüringens (Hymenop-
tera, Pompilidae) Checklisten Thüringer
Insekten und Spinnentiere 12: 25-32.
MANDERY, K. (2001): Die Bienen und Wes-
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OEHLKE,J. & H. WOLF (1987) Beiträge zur
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SCHMID-EGGER, C. (2012): Rote Liste der
Wespen Deutschlands, Hymenoptera, Acu-
leata:
Grabwespen (Ampulicidae, Crabronidae,
Sphecidae), Wegwespen (Pompilidae),
Goldwespen (Chrysididae), Falten wes pen
(Vespidae), Spinnenameisen (Mutillidae),
Dolchwespen (Scoliidae), Rollwespen
(Tiphiidae) und Keulenwespen (Sapygidae).
Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3),
2012 (2011), S. 419–465. Bundesamt für
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SCHMIDT, K. & P. WESTRICH (1987): Die Ste-
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407; Mainz.
SCHMID-EGGER C. & H.WOLF (1992): Die Weg-
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tera, Pompilidae); in: Veröff. Für Natur-
schutz und Landschaftspflege in Baden-
Württemberg 67, (1991), 267-370, LfU,
Karlsruhe.
SCHMID-EGGER, C., S. RISCH & O. NIEHUIS
(1995) Die Wildbienen und Wespen in
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tuation. Fauna Flora Rheinland-Pfalz Bei-
heft 16: 1-296.
SCHMIEDEKNECHT, O. (1930): Die Hymenopte-
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WOLF, H., SORG, M., STENMANNS, W. & H.
SCHWAN (2009): Wegwespen (Hymenopte-
ra, Pompilidae) der westlichen Paläarktis,
bearbeitet von Heinrich Wolf 1948-2008.
Mitteil. aus dem Entom. Verein Krefeld, Vol
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WINIOWSKI, B. (2009): Spider-hunting wasps
(Hymenoptera: Pompilidae) of Poland.
Ojców National Park, Ojców.
www.aculeata.eu (deutschlandweite Haut-
flügler-Datenbank)
www.hautfluegler-rlp.de (Hautflügler-
Kataster Rheinland-Pfalz bei der POLLICHIA)
Ronald Burger, Haßloch
(Fotos: R. Burger)
Aufarbeitung der
Insekten-Sammlung von
Prof. Dr. Günter Preuß –
weitere Teile der Sammlung
zur POLLICHIA gekommen
Die Insekten-Sammlung des Ehrenpräsiden-
ten und langjährigen Präsidenten der POLLI-
CHIA, Prof. Dr. Günter Preuß, wurde Anfang
des Jahres 2012 von der Familie Preuß der
POLLICHIA übergeben. Seitdem erfolgte die
Durchsicht der Sammlungs-Kästen und Sor-
tierung der Belege in der POLLICHIA-
Geschäftsstelle in Neustadt. Die Insekten-
Sammlung von Herrn Preuß war zu ungefähr
3/4 bereits sortiert nach Familien, Gattungen
und Arten; ein Teil steckte aber unsortiert und
noch seit dem Fangtag in einem Kasten. Diese
Belege hatten kein ausreichendes Fundort-
etikett.
Die Hauptaufgabe war es, zuerst die unge-
ordneten Belege in der Sammlung Preuß
ordentlich zu etikettieren und sie nach Grup-
pen, Ordnungen und Familien (Heuschre-
cken, Bienen, Libellen usw.) zu sortieren,
damit später die Art-Bestimmung durch den
jeweiligen Experten erfolgen kann. Da dabei
die bisherige Anordung in den Kästen verlo-
ren geht, musste vorher sorgfältig der Fund-
ort recherchiert werden und mindestens eine
Messtischblatt-Nummer dazu angegeben
werden.
Die Zuordnung zu einem Fundort und Fund-
datum war in den meisten Fällen noch mög-
lich, da die Kästen nach Jahren geordnet sind
(z.B. „1983“) und – was noch wichtiger ist –
durch die Anordnung der Belege im Kasten
selbst, wo ein gut etikettiertes Exemplar oder
ein Zettel mit den wichtigen Angaben zum
Fundort für die gesammte Reihe an Belegen,
die daneben eingesteckt waren, beigefügt
wurde. Ohne die Angaben „Fundort“ und
„Funddatum“ wären die Belege wissen-
schaftlich kaum von Bedeutung und hätten
wohl nur einen ästhetischen Wert.
Trotzdem ließen sich nicht alle Belege einem
Fundort zuordnen. Ungefähr 25 % der
unsortierten Belege blieben übrig, teils weil
die handschriftliche Aufzeichnung auf dem
beigefügten Zettel nicht lesbar ist, oder weil
nur ein Kürzel wie „113/11 - März 1984“
vorhanden war. Es ist nicht auszuschließen,
dass sich in den Unterlagen von Günter
Preuß eine Liste mit den Fundorten und den
Abkürzungen befindet. Solche Belege wur-
den deshalb nicht aus ihrem Kasten ent-
nommen, um eine spätere Zuordnung zu
einem Fundort nicht noch zusätzlich zu
erschweren.
Anfang Februar 2013 erhielt die POLLICHIA
von der Universität Landau 65 Sammlungs-
Kästen mit Insekten-Belegen.
Der Fachbereich Biologie an der Universität
Koblenz-Landau sieht für einen Teil ihrer
wissenschaftlichen Sammlungen in Landau
keinen Bedarf mehr, da diese Sammlungen
kaum noch zu Bestimmungsübungen von
Studenten genutzt werden. Da zudem eine
ständige Pflege und Durchsicht der Kästen
notwendig ist, um durch regelmäßige Kon-
trolle den Schädlingsbefall an den Belegen
zu verhindern, stand der Erhaltungsauf-
wand in keiner Relation mehr zum Nutzen
für die Universität. Die teilweise landes-
kundlich wichtigen Belege sollten deshalb
an ein Naturkundemuseum abgeben wer-
den.
Neben der POLLICHIA zeigten auch das
Mainzer Naturhistorische Museum und das
Naturkundemuseum Karlsruhe Interesse an
den Belegen - alle bekamen auch Samm-
lungsteile.
Die POLLICHIA entschied sich, vor allem jene
Teile der Sammlungen zu übernehmen, die
von ihrem Ehrenpräsidenten und langjähri-
gem Präsidenten Prof. Dr. Günter Preuß
gesammelt wurden. Das sind 35 Kästen.
Preuß sammelte während seiner Zeit als
Lehrbeauftrager an der Landauer Universi-
tät nicht zuletzt mit dem Ziel, möglichst
umfassend Belege zu allen Arten zu erhal-
ten, um sie in Bestimmungsübungen und als
Anschauungsmaterial zu benutzen. Bei
einer ersten Durchsicht zeigte es sich, dass
gerade jene Insekten-Familien in der Samm-
lung an der Universität Landau überwiegen,
die in der bereits im Januar 2012 zur POLLI-
CHIA gelangten Sammlung Preuß eher
unterrepräsentiert sind (z.B. Heuschrecken,
Libellen). Genauso verhält es sich mit den
Bienen, bei denen die bisher fehlenden Bie-
nen-Gattungen in den sortierten Kästen
(z.B. Blutbienen: Sphecodes) nun in der
Sammlung aus Landau aufgetaucht sind.
Berichte aus den Arbeitskreisen
POLLICHIA-Kurier 29 (4) – 2013
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