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Medizinisches Körperwissen als zirkulierende Referenzen zwischen Körper und Technik

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Abstract

Medizinisches Wissen ist Körperwissen. In diesem Beitrag folge ich den unterschiedlichen Instanzen und Relationen des Körperwissens in der medizinischen Praxis. Im Zentrum stehen die Passungsverhältnisse zwischen objektivierten und subjektiven medizinischen Wissensbestandteilen. Dazu gehören die in den Fachbüchern enthaltenen biologischen Wirkbeziehungen, aber auch die sinnlich vermittelten Behandlungspraktiken und die technischen Instrumente. Ich gehe von der These aus, dass der biomedizinische Zugriff auf den Körper immer als ein technisch vermittelter Zugriff verstanden werden muss. Das Verhältnis von Technik, Körper und Wissen allein als ein unaufhaltsames Vordringen von Zweckrationalität und Objektivierung zu verstehen, greift jedoch zu kurz. Interessanter scheint die Frage, in welcher Weise Technik zwischen den Körpern von Arzt und Patient vermittelt und welche Auswirkung dies auf objektive und subjektive Wissensbestandteile in der Medizin hat.
Cornelius Schubert
Medizinisches Körperwissen als zirkulierende Referenzen
zwischen Körper und Technik
Technical University Technology Studies
Working Papers
TUTS-WP-2-2009
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Medizinisches Körperwissen als zirkulierende Referenzen
zwischen Körper und Technik
Cornelius Schubert
1. Einleitung
Medizinisches Wissen ist Körperwissen. In diesem Beitrag folge ich den unterschiedlichen
Instanzen des Körperwissens in der medizinischen Praxis und betrachte die Passungsverhält-
nisse zwischen den objektivierten und den subjektiven medizinischen Wissensbeständen. Da-
zu gehören die in den Fachbüchern enthaltenen biologischen Wirkbeziehungen, aber auch die
sinnlich vermittelten Behandlungspraktiken und die technischen Instrumente. Ich gehe von
der These aus, dass der biomedizinische Zugriff auf den Körper immer als ein technisch ver-
mittelter Zugriff verstanden werden muss. Das Verhältnis von Technik, Körper und Wissen
allein als ein unaufhaltsames Vordringen von Zweckrationalität und Objektivierung zu ver-
stehen, greift jedoch zu kurz. Interessanter scheint die Frage, in welcher Weise Technik zwi-
schen den Körpern von Arzt und Patient vermittelt und welche Auswirkung dies auf objektive
und subjektive Wissensbestände in der Medizin hat.
Ausgehend von den vielfältigen Verschränkungen von Körpern, Technik und Wissen in
der Medizin werden unterschiedliche Instanzen des Körperwissens in ihrer Bedeutung für die
Behandlungspraxis untersucht. Es finden sich körpergebundene Wissensbestände, man denke
etwa an das nötige Fingerspitzengefühl und die ruhige Hand eines guten Chirurgen beim Füh-
ren von Skalpell und Nadel. Auch das Abhören und Abtasten des Patientenkörpers gehört
zum verkörperten Körperwissen. Hinzu kommt das erlernte Fachwissen. Medizinisches Kör-
perwissen ist nicht nur in Ärzten inkorporiert, es ist auch in technischen Artefakten inskri-
biert. In Technik eingeschriebene Wissensbestände finden sich etwa in medizinischen Über-
wachungsgeräten oder therapeutischen Artefakten wie programmierbaren Insulinpumpen oder
Herzschrittmachern. Darüber hinaus ist medizinisches Körperwissen auch in den Fachbü-
chern, Behandlungsleitfäden und der Patientenakte enthalten. Als Speicher wissenschaftlichen
und administrativen Körperwissens haben auch diese Artefakte an der Durchführung der Be-
handlung teil. Nicht zuletzt findet sich auch im Patienten Körperwissen, darauf werde ich im
Der Beitrag basiert auf einem Vortrag zur Tagung „Körperwissen“ am 5./6. März 2009 an der Universität Kob-
lenz-Landau.
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Folgenden aber nur am Rande eingehen. Die Behandlung entfaltet sich demnach nicht allein
zwischen Arzt und Patient, sondern in einem vielschichtigen sozio-technischen Ensemble aus
Körpern, Technik und Wissen.
Wenn Technik zwischen Körper und Wissen vermittelt, so tut sie dies in Form unterschied-
licher Artefakte. Als diagnostisches Artefakt reduziert sie Unsicherheit in der ärztlichen Di-
agnose, indem sie einen direkten Zugang zur Physiologie des Patientenkörpers ermöglicht.
Als therapeutisches Artefakt soll sie – ebenso physiologisch – auf den Körper des Patienten
einwirken und die Heilung herbeiführen. Als administratives Artefakt ermöglicht sie schließ-
lich die Behandlung im Kontext eines arbeitsteilig organisierten Gesundheitssystems. Die
Wirkung dieser unterschiedlichen Instanzen des Körperwissens entfaltet sich in komplexen
Wechselbeziehungen. Insbesondere die Beziehung von körperlichen Zuständen und techni-
schen Repräsentationen und Manipulationen sind in der Praxis teilweise undurchsichtig und
verschlungen. Um diese Verflechtungen zu untersuchen, werde ich die diagnostischen und
therapeutischen und letztlich auch die administrativen Praktiken als aufeinander bezogene
Ketten von Repräsentation und Realität rekonstruieren, wie sie in der Wissenschaftsforschung
als zirkulierende Referenzen beschrieben wurden.
Zuerst skizziere ich soziologische Konzepte medizinischer Wissensbestände im Rahmen
praxis- und wissenschaftstheoretischer Überlegungen und diskutiere das Konzept der zirkulie-
renden Referenzen in seiner Anwendung auf die praktizierte Medizin. Anschließend zeichne
ich die Grundkonstellation von Körper, Technik und Wissen bei der Einführung diagnosti-
scher Technik, genauer gesagt des Stethoskops, historisch nach. Auf Basis ethnografischer
Beobachtungen skizziere ich in einem dritten Schritt gegenwärtige Verhältnisse von Körper,
Technik und Wissen und untersuche, wie sich die zirkulierenden Referenzen im sozio-
technischen Ensemble auf zunehmend mehr Instanzen des Körperwissens verteilen.
2. Körperwissen als zirkulierende Referenzen in der praktizierten Medizin
Lange Zeit galt das medizinische Wissen über den menschlichen Körper als fachwissenschaft-
licher Sonderbestand und erschien für soziologische Forschung bis auf einige Ausnahmen
(etwa Fleck 1980 [1935]) nicht weiter interessant. In der Medizinsoziologie markiert die er-
folgreich eingeführte Unterscheidung zwischen disease und illness/sickness die Trennung
zwischen naturwissenschaftlichen und sozialen Wissensbeständen über Erkrankungen und
steckt gleichzeitig die disziplinären Deutungshoheiten ab (Atkinson 1995: 22-25). Mit dem
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Ausdruck disease benennt diese Unterscheidung die biologischen Pathologien und definiert
sie als primären Gegenstand der Medizin. Der Begriff illness bezieht sich hingegen auf die
individuelle Krankheitserfahrung, während unter sickness die gesellschaftlichen Auswirkun-
gen und die soziale Wahrnehmung von Krankheit verstanden und somit den Sozialwissen-
schaften zugeordnet werden.
Soziologische Betrachtungen des medizinischen Fachwissen wurden entlang der Trennung
von disease und illness in der Regel im Rahmen professionellen Herrschaftswissens themati-
siert (vgl. Freidson 1970), ohne einen Blick auf das Innenleben medizinischer Wissensbestän-
de zu werfen. Seit einigen Jahren überschreiten sozialwissenschaftliche Studien der medizini-
schen Praxis die Grenze zwischen disease und illness und rekonstruieren nunmehr auch fach-
wissenschaftliche Wissensbestände und ärztliche Praktiken als soziale Praxis. Die Impulse für
diese Studien kamen aus verschiedenen Feldern, unter anderem aus der Ethnomethodologie
und der Wissenschaftsforschung. Sie eint die detaillierte Analyse der medizinischen Praxis,
die als Set von lokal situierten, materiell vermittelten und interaktiven Praktiken verstanden
wird. Derartige Rekonstruktionen der Medizin als sozialer Praxis versuchen, die biologischen,
technischen und die sozialen Bedingungen der Behandlung gleichzeitig in den Blick zu neh-
men und so die Genese moderner Behandlungsarrangements aus den Beziehungen der ver-
schiedenen Instanzen untereinander abzuleiten.
Mit Blick auf das Verhältnis von Körper, Technik und Wissen lassen sich drei, sich teil-
weise überlappende Forschungsfelder identifizieren, die für ein Verständnis des medizini-
schen Körperwissens als zirkulierende Referenzen bedeutsam sind:
Studien medizinischer Kommunikation: Hier rückt die sprachliche Vermittlung klini-
scher Arbeit zwischen Ärzten ins Zentrum der Analyse medizinischen Wissens
(Montgomery Hunter 1991; Atkinson 1995). Weiterhin geben konversationsanalyti-
sche Untersuchungen von Arzt-Patient-Gesprächen Einblicke in die Mikrostrukturen
klinischer Interaktionen (Maynard 2003; Heritage/Maynard 2006).
Studien materialer Praktiken: Die Körperlichkeit ärztlicher Praktiken wurde insbeson-
dere bei chirurgischen Operationen (Hirschauer 1991; Pinch et al. 1997) untersucht.
Ebenso werden die materiellen Bedingungen der alltäglichen medizinischen Entschei-
dungsfindung (Cicourel 1990; Berg 1992) analysiert und die Verteilung des medizini-
schen Wissens auf verschiedene Instanzen aufgezeigt.
Studien epistemischer Instrumente: Gerade die Einführung neuer Diagnosetechniken,
speziell bildgebender Verfahren, wurde in ihrer Bedeutung für das medizinische Wis-
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sen sowohl historisch (Yoxen 1987; Lachmund 1992) als auch ethnografisch (Barley
1986; Burri 2008) untersucht. Technische Repräsentationen werden demnach aktiv
und teils konfliktbeladen in die bestehenden Arrangements eingepasst.
Die Studien stimmen in einer Kritik des medizinischen Wissens als rein abstrakt objektivier-
tem Universalwissen überein und betonen die vielfache Gebundenheit medizinischer Wis-
sensbestände. Medizinisches Körperwissen kann folglich nur bedingt aus Fachbüchern abge-
leitet werden, es muss vielmehr in der situationalen Konfiguration verschiedener Instanzen
des Körperwissens erhoben werden. Der Rekonstruktion des medizinischen Körperwissens
und der ärztlichen Praktiken in der Anästhesie in diesem Beitrag seien zwei kurze Anmerkun-
gen zum konzeptionellen Zugriff und zur Besonderheit des Gegenstands vorangestellt.
Will man das Körperwissen in der praktizierten Medizin untersuchen, muss man ein Ver-
ständnis entwickeln, das die biologischen, technischen und sozialen Aspekte als konstitutiv
für Diagnose und Therapie versteht. Hierfür erscheinen mir einige Annahmen fruchtbar, die
im Rahmen soziologischer Praxistheorien formuliert wurden. Erstens ist der systematische
Einbezug der Materialität für die Analyse medizinischer Praxis unverzichtbar (s. Reckwitz
2003: 289ff.), da Körper und Technik elementare Bausteine sozialer Praktiken darstellen.
Zumal der Umstand, dass im Zentrum der modernen Medizin die gezielte Beeinflussung der
Materialität des Körpers durch die Materialität der Dinge steht (Lindemann 2009: 178f.), ei-
ner solchen Perspektive Nachdruck verleiht. Die praktizierte Medizin muss demnach über die
Instanzen des Körpers und der Technik rekonstruiert werden. Zweitens gehen praxistheoreti-
sche Überlegungen von einer impliziten Logik der Praxis aus (Reckwitz 2003: 291f.), die ins-
besondere für wissensbasierte Praktiken die wechselseitige Durchdringung von Technik, Kör-
per und Wissen postuliert. Fasst man medizinische Arbeit ähnlich wie technisierte Industrie-
arbeit als körperlich-sinnliche Aktivität auf (Böhle 2002), so findet sich die implizite Logik
der Praxis in den subjektiven, körper- und situationsgebundenen Wissensbeständen.
Aus dieser Perspektive werden die geläufigen Dichotomien zwischen Technik und Sozia-
lem brüchig. Bekannte Kritiken, dass die „technische Logik“ im Krankenhaus über die „sub-
jektive Wahrnehmung“ dominiere (vgl. etwa von Grote-Janz/Weingarten 1983) und letztend-
lich die klinische Arbeit der Beschäftigten entwerte und den Patienten entmenschliche, tragen
nur bedingt. Gerade im Bereich der hochtechnisierten Medizin kann das Gegenteil der Fall
sein. Nur durch die technische Vermittlung der Apparate können bewusstlose Patienten den
Status eines sozialen Akteurs erhalten (Lindemann 2002). Begreift man Körper und Technik
als konstitutive Elemente der praktizierten Medizin, so bleibt die Betrachtung schließlich auch
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nicht beim Körper des Patienten stehen, sondern es ist zu schauen, wie der Körper des Arztes
selbst transformiert wird. Diesen Punkt werde ich ins Zentrum meiner Betrachtung rücken.
Als Besonderheit der medizinischen Praxis, gerade auch in Bezug auf medizinisches Wis-
sen, bleibt trotz des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und gestiegener ärztlicher Mög-
lichkeiten immer ein Rest an Unsicherheit (Parsons 1951: 449ff.). Moderne Diagnosetechnik
etwa verschiebt das Verhältnis von Bekanntem und Unbekanntem, indem sie am epistemi-
schen Grundproblem der Medizin ansetzt: von Symptomen auf Krankheiten zu schließen, d.
h. mittels technischer Repräsentationen eindeutige Zeichen für einen bestimmten körperlichen
Zustand zu finden. Mit Hilfe technischer Instrumente verlagert sich der „ärztliche Blick“
(Foucault 1988 [1963]: 121ff.) als Wissensordnung nicht nur auf abstrakte Symptomkonstel-
lationen, gleichzeitig dringt er in die Körper der Patienten ein. Aber auch moderne Diagnostik
kann nicht alle Ungewissheiten auflösen. Neben den kaum bestreitbaren Erfolgen der Biome-
dizin lassen sich zahllose Beispiele finden, in denen die scheinbar festen Kopplungen zwi-
schen Körper, Technik und medizinischem Fachwissen auf der Ebene der biologischen, che-
mischen und mechanischen Wirksamkeiten brüchig werden (Collins/Pinch 2005). Entweder,
da die Komplexität der Krankheitsbilder kaum überschaubar ist oder, weil die Heterogenität
der Patienten eine Behandlung nach Schema F wenig erfolgversprechend erscheinen lässt
oder auch weil zwischen den Körpern von Ärzten und Patienten, den technischen Artefakten
und den unterschiedlichen Wissensbeständen unvorhergesehene oder unvorhersehbare Wech-
selwirkungen entstehen.
Ausgehend vom eben genannten epistemischen Grundproblem der Medizin zielt mein
Gebrauch des Begriffs der zirkulierenden Referenzen auf die Vermittlungen zwischen Reprä-
sentation und Realität (Latour 2000 [1999]: 36ff.): Durch zirkulierende Referenzen werden
Worte und Welt schrittweise in einen wechselseitigen Verweisungszusammenhang gebracht,
der zunehmend dauerhaft und eindeutig wird. In der Latour’schen Argumentation stehen die
zirkulierenden Referenzen einfachen Korrespondenzvorstellung von Welt und Worten entge-
gen. Am Beispiel von pedologischer Feldforschung im Amazonas beobachtet Latour, wie
Wissenschaftler Bodenstichproben nehmen und die Ergebnisse in Form von Abbildungen,
Tabellen und Texten festhalten. Die nötigen Transformationen, um die Welt in Worte zu fas-
sen, versteht Latour als Kette von wechselseitigen Bezügen zwischen Zeichen und Dingen,
kurz als zirkulierende Referenzen. In dieser Kette befindet sich an einem Ende die „unberühr-
te“ Natur und am anderen Ende der wissenschaftliche Artikel, dazwischen liegen eine Viel-
zahl von technischen Artefakten und wissenschaftlichen Methoden, mit denen die Welt und
die Worte aufeinander bezogen werden. Die Aussagekraft der Worte über die Welt steigt in
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dem Maß, in dem alle Referenzen in der Kette eindeutig aufeinander verweisen, die Trans-
formationen von der Welt in Worte also stabil und wiederholbar werden. Die epistemischen
Gemeinsamkeiten zwischen naturwissenschaftlicher Forschung und der praktizierten Medizin
erlauben meiner Ansicht nach die Rekonstruktion der medizinischen Praxis mit Begriffen der
Wissenschaftsforschung, zumal die Referenzen in beiden Fällen durch eine Vielzahl von
epistemischen Artefakten fließen, die als Medium der Erkenntnis das Wissen über die Welt
mitprägen.
Versteht man auch den Bezug von Erkrankung, Symptom, Diagnose und Therapie als zir-
kulierende Referenz, so lassen sich einige Grundannahmen für die Analyse der medizinischen
Praxis festhalten. Erstens sollte untersucht werden, auf welche Art und Weise die Referenzen
durch die verschiedenen Glieder der Kette zirkulieren und welche Auswirkung dies auf die
Verknüpfung von Welt (Erkrankung) und Worten (Diagnose) hat. Zweitens schärft sich der
Blick für die Zusammensetzung der Kette, d. h. welche Instanzen (Ärzte, Patienten, Medika-
mente, Akten und Apparate) am Behandlungsprozess beteiligt sind. Drittens bleibt zwischen
allen zirkulierenden Referenzen ein Spielraum der Interpretation und der Ungewissheit. Je
mehr Referenzen zirkulieren, desto größer werden die Spielräume und umso mehr müssen die
Glieder der Kette aufeinander eingestellt werden, um einen erwartbaren Behandlungsverlauf
zu gewährleisten.
Was Latour für die wissenschaftliche Untersuchung von Bodenstichproben im Amazonas
beschrieben hat, muss jedoch auch in zwei Punkten für die praktizierte Medizin angepasst
werden:
Einerseits sind die Glieder in der Kette im Fall der Pedologie unidirektional aufeinan-
der ausgerichtet, denn sie verweisen vom Ursprung her auf die Materie des Urwalds
und zielen auf die Form des wissenschaftlichen Textes (ebd.: 70). Mag dies für die Di-
agnose noch zutreffen, so wechseln die Bezüge der Referenzen in der Therapie die
Richtung. Durch die medizinische Intervention werden aus Zeichen wiederum Dinge
gemacht, wodurch der wechselseitige Verweisungszusammenhang zu einem wechsel-
seitigen Herstellungszusammenhang wird. Dann zirkulieren die Referenzen nicht mehr
linear zwischen Welt und Worten, sondern vielmehr in sich überlagernden Schleifen,
in denen aus Dingen Zeichen und aus Zeichen Dinge gemacht werden. An diesem
Punkt setzt die empirische Untersuchung der medizinischen Praxis an, um die wech-
selseitigen Transformationen von Realität und Repräsentation zu erfassen.
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Andererseits verschränken sich in der praktizierten Medizin die von Latour getrennt
angeführten Wissenschaftsbereiche der Experimental- und der Feldforschung (ebd.:
43). In der Feldforschung, so Latour, verbindet die Kette der zirkulierenden Referen-
zen die Welt der Dinge schrittweise mit der Welt der Zeichen und verwandelt eins
ums andere die konkrete Materie in abstrakte Formen. In der experimentellen For-
schung sei dies kaum möglich, da in wissenschaftlichen Laboren keine unberührte Na-
tur vorzufinden sei, sondern eine durch Experimentalapparaturen präformierte, dem
wissenschaftlichen Zugriff angepasste Welt. Somit würden Zeichen (die Experimen-
taldaten) hauptsächlich auf andere Zeichen (die in den Apparaturen eingeschriebenen
Theorien) verweisen. Was Latour für die Laborforschung beschreibt, gilt ebenso für
die praktizierte Medizin: Durch die Verknüpfung von Repräsentation und Intervention
wird die Medizin selbstreferenziell (vgl. für die Naturwissenschaften: Hacking 1983,
1992).
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Ein Patient, bzw. die Erkrankung des Patienten, hat fast immer schon eine me-
dizinische Vorgeschichte, insbesondere wenn es sich um eine Behandlung innerhalb
eines organisierten Behandlungsverlaufs, einer „illness trajectoy“ (s. Strauss et al.
1997 [1985]: 8ff.), handelt.
Ich folge den Vermittlungsketten in den ärztlichen Praktiken, durch die Gewissheit über den
körperlichen Zustand des Patienten erlangt werden soll. Schritt für Schritt wird empirisch
nachvollzogen, welche Wechselbeziehungen zwischen Körper, Technik und Wissen in der
medizinischen Praxis bestehen und wie sich die Instanzen des medizinischen Körperwissens
verändern. Dazu werde ich in den nächsten Abschnitten verschiedene Konstellationen von
Patienten, Ärzten und Technik und die in ihnen zirkulierenden Referenzen skizzieren. Zuerst
wird die Veränderung der Arzt-Patient-Dyade durch die Einführung epistemischer Instrumen-
te, speziell des Stethoskops, historisch rekonstruiert. Danach werde ich anhand eigener ethno-
grafischer Studien die länger werdenden Ketten der zirkulierenden Referenzen in der Inten-
sivmedizin, speziell am Beispiel der Narkose, diskutieren und schließlich die Zirkulation der
Referenzen über Zeit und Raum mittels administrativer Techniken betrachten.
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Wobei die Stabilität der Selbstreferenzialität nach Hacking größtenteils aus dem technischen Zugriff auf die
Welt anhand der von Laborapparaten und -instrumenten erzeugten Phänomene entsteht. Der Erfolg der Biomedi-
zin ist demnach aus der wechselseitigen Anpassung von Körper, Technik und Wissen zu erklären, die eine dau-
erhafte gegenseitige Reproduktion der Realität und der Repräsentationen beinhaltet.
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3. Enge Körper-Technik-Kopplungen der stethoskopischen Untersuchung
Versteht man unter Technik nicht nur Instrumente, Maschinen oder synthetisch hergestellte
Medikamente, sondern vielmehr eine Art zu Handeln, dann fallen auch Gebetstechniken,
Denktechniken oder erotische Techniken (s. Weber 1972 [1922]: 32f.) als mehr oder weniger
rationale Mittel zum Zweck unter einen weiten Technikbegriff (Rammert 1993: 11). Man
muss sich ärztliches Handeln daher grundsätzlich als technisch vermitteltes Handeln vorstel-
len. Im Folgenden werde ich jedoch die Vermittlung durch technische Artefakte, d. h. die
Vielzahl medizinischer Gerätschaften, in den Vordergrund stellen.
Die Einführung des Stethoskops gilt gemeinhin als historischer Wendepunkt hin zur mo-
dernen Biomedizin (Reiser 1978: 23ff.; Lachmund 1997). Auch lassen sich an diesem Bei-
spiel eindrücklich die Veränderungen im Behandlungsarrangement zeigen. Vor der Einfüh-
rung des Stethoskops war das sogenannte Krankenexamen die etablierte Diagnosepraxis. Im
Verlauf eines längeren Gesprächs am Krankenbett im Hause des in der Regel wohlhabenden
Patienten stellte der meist ambulant tätige Privatarzt die Diagnose. Über das Gespräch hinaus
konnte der Arzt die körperliche Erscheinung des Patienten beurteilen. Üblich waren auch
Auskultation und Perkussion, d. h. das Abhorchen und Abklopfen des Körpers. In diesem
Ensemble zirkuliert das Körperwissen mehr oder weniger unmittelbar zwischen Arzt und Pa-
tient. Zwischen der Erzählung des Patienten und dem äußerlichen Betrachten, Abhören und
Abklopfen des Körpers wurde der Schilderung des Patienten gegenüber den oft unspezifi-
schen körperlichen Zeichen von den Ärzten Vorrang eingeräumt (s. Lachmund 1992). Die
Kette der Referenzen ist in diesem Fall nicht sonderlich lang und das für die Behandlung rele-
vante Körperwissen entstammt größtenteils subjektiven Schilderungen, die vom Arzt interpre-
tiert werden. Als vermittelnde Instanz tritt der Patient selbst hervor, der verbal über sein kör-
perliches Befinden Auskunft gibt. Auf diese Weise geschieht die Transformation der Erkran-
kung in Symptomschilderungen und deren Interpretation ohne weitere technisch-materielle
Instanzen.
Das ändert sich, nachdem der Pariser Arzt René Laennec im Jahr 1816 erstmals ein Hör-
rohr zur Auskultation nutzte. In der Medizingeschichte ist die Geburtsstunde des Stethoskops
als Verlegenheitshandlung bekannt, bei der der junge Arzt eine zusammengerollte Zeitung
nutze, um sein Ohr nicht direkt auf die Brust einer jungen Patientin legen zu müssen. Mittels
der Zeitung konnte er die unschickliche Berührung zweier nicht verheirateter Körper des je-
weils anderen Geschlechts umgehen und stellte dabei fest, dass er die Töne aus dem Brust-
raum sogar besser hörte. An dieser Begebenheit zeigt sich, dass in der „medialen Auskultati-
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on“ (Laennec 1819) das Stethoskop nicht allein technisches Medium der Schallverstärkung
war, sondern auch die soziale Beziehung der Körper von Arzt und Patient neu vermittelte. Für
die epistemische Praxis der Mediziner bedeutete die Einführung des neuen Instruments, eine
neue Instanz in den zirkulierenden Referenzen der Diagnose aufzunehmen.
Um die veränderten zirkulierenden Referenzen zwischen Technik und Körper in den Blick zu
bekommen, muss das Stethoskop als Instrument in seiner doppelten Orientierung auf Subjekt
und Objekt gesehen werden. Dewey (1958 [1925]: 122f.) hat auf die zweiseitige Ausrichtung
von Werkzeugen hingewiesen. Der Speer beispielsweise, sage gleichzeitig etwas über den
Jäger wie auch seine Beute und die Art zu Jagen aus, ebenso wie man anhand des Pfluges
etwas über die Beschaffenheiten des Bodens, des Bauers und der Landwirtschaft lernen kön-
ne. Mit der Etablierung und Verbreitung des Stethoskops veränderten sich die Beziehungen
von Körpern, Technik und Wissen grundsätzlich. Zuerst einmal mussten die Ärzte lernen, die
akustisch verstärkten Töne aus dem Körperinneren richtig zu deuten, etwa ein trockenes von
einem feuchten Rasseln zu unterscheiden.
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Dabei mussten auch Widerstände innerhalb der
Ärzteschaft überwunden werden, die die neuen Untersuchungsmethoden als unzuverlässig
und ungenau empfanden und das empfindliche Arzt-Patient-Verhältnis gestört sahen
(Lachmund 1992). Aus der Sicht der Praxis des Krankenexamens bringt das Stethoskop viel
eher Ungewissheit in die Diagnose hinein, als dass es der Entscheidungsfindung diene (für
eine Diskussion anderer Beispiele s. Stern 1927). Nur vor dem Hintergrund eines biomedizi-
nischen Krankheitsverständnisses erscheint die mediale Auskultation sinnvoll. An diesem
Punkt zeigen sich die wechselseitige Transformation von Realität und Repräsentation in den
zirkulierenden Referenzen und die praktischen Umgestaltungen, die damit einher gehen. Die
stethoskopische Untersuchung macht den Körper des Patienten und die Erkrankung für den
Arzt in einer spezifischen Weise verfügbar und verändert das Wissen über die Krankheit. In
der Konstellation von Patient, Stethoskop und Arzt entsteht die von Foucault (1988 [1963]:
121ff.) beschriebene Wissensordnung des ärztlichen Blicks, die sich im Fall des Stethoskops
auch auf das Gehör ausweitet.
Setzt man direkt an den Körpern und Instrumenten an, so erschließt das Stethoskop neue
diagnostische Möglichkeiten, die auf der Seite der Ärzte eine gestiegene Hörkompetenz vor-
aussetzen. Es entsteht eine spezifische Körper-Technik-Körper-Kopplung, in der der Körper
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Wiederum kann dieser Prozess nicht isoliert betrachtet werden. Der Erfolg der medialen Auskultation ist eng
verknüpft mit den gesellschaftlichen Umwälzungen, in denen das moderne Gesundheitssystem selbst entsteht
(Schubert/Vogd 2009). Technik ist somit Medium sozialer Prozesse (Rammert 2007) und wirkt weit über einzel-
ne Situationen hinaus (wie es etwa Marx 1968 [1867]: 391ff. für die Maschinerie und große Industrie be-
schreibt). Ich will aber an dieser Stelle den Mikrobeziehungen zwischen den Körpern, Technik und Wissen in
der konkreten Behandlungssituation nachgehen.
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des Arztes, genauer sein Hörvermögen, durch das akustische Instrument an den Körper des
Patienten anschließbar wird und andersherum. Das Gehör wiederum muss in der praktischen
Anwendung und durch wiederholte Untersuchungen geschult werden, damit der Arzt das nö-
tige Wissen zur Interpretation der Töne erlernt. Insofern verbindet das Stethoskop die Körper
von Ärzten und Patienten auf direkte (physikalische) Weise. Das neu erlernte Hörvermögen
erweitert das im Arzt verkörperte Körperwissen. Genauer betrachtet, befindet sich das Stetho-
skop als vermittelnde Instanz nicht zwischen Arzt und Patienten, vielmehr gehen Arzt und
Stethoskop in der medialen Auskultation eine quasi-symbiotische Beziehung ein, in der das
Stethoskop auf Seiten der Medizin ein Teil der ärztlichen Wahrnehmungspraktiken wird (vgl.
Ihde 1990: 72ff.). Auf der anderen Seite gerät der Patient in eine passivere Rolle, in der er
„den Oberkörper freimacht“, um dem Arzt und seinem Stethoskop ungehinderten Zugang
zum eigenen Körper zu gewähren, dann auf Kommando zu atmen und sich während der rest-
lichen Prozedur ruhig zu verhalten (vgl. Burri 2006).
Zirkulieren die Referenzen durch das Stethoskop, so verschieben sich die Verhältnisse von
Körper, Technik und Wissen. Das medizinische Wissen wird zunehmend objektiviert, auch
wenn das subjektiv verkörperte Körperwissen der Ärzte an Bedeutung gewinnt. Die Unge-
wissheit weicht in dem Maße, in dem Arzt und Patient in die neue Wissensordnung eingepasst
werden, das Gehör der Ärzte geschult ist und die Patienten folgsam bleiben, sich also eine
beiderseitige Disziplin ausformt. Das Stethoskop ist einerseits das Medium des Schalls, an-
derseits auch das Medium des medizinischen Zugriffs auf den Körper. In der Körper-Technik-
Welt-Konfiguration der stethoskopischen Untersuchung keimt schließlich die epistemische
Grundform moderner Repräsentationspraktiken, von den Erzählungen des Patienten unabhän-
gige Repräsentationsebenen zu erschaffen.
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Wie sich diese Repräsentationsebenen zu den
körperlichen Zuständen unter der Bedingung zunehmender Technisierung verhalten, ist The-
ma des nächsten Abschnitts.
4. Lange Ketten zirkulierender Referenzen zwischen Körper und Technik
Biomedizinische Verfahren sind per se auf eine enge Kopplung von Körper und Technik an-
gelegt.
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Heutzutage verfügen Ärzte durch die apparative Diagnostik über eine Vielzahl objek-
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Ob dieser Keim aufgeht, liegt dabei nicht an der Technik selbst, sondern am gesellschaftlichen Arrangement, in
das sie eingebettet ist.
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Die enge Technik-Körper Kopplung kann paradigmatisch am Königsweg der medizinischen Forschung, der
randomisiert kontrollierten Studie, nachvollzogen werden. Alle nicht-physiologischen Wirkungen sollen durch
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tivierter Repräsentationen, ohne dass sich die Ungewissheit aus dem ärztlichen Handeln ganz
verflüchtigt hätte. Der Grund hierfür liegt in den länger werdenden und dabei nicht immer
stabil bleibenden Ketten zirkulierender Referenzen. Die Ketten werden länger, weil mehr und
mehr diagnostische Apparaturen erfunden und eingesetzt werden, aber auch, weil sich die
Behandlung auf verscheiden Bereiche (ambulant und stationär bzw. Allgemein- und Fachärz-
te) verteilt. Die Ketten werden weniger stabil, weil einerseits die komplexen Wechselwirkun-
gen in der biomedizinischen Behandlung kaum zu durchschauen sind und weil andererseits
die arbeitsteilige Form der Leistungserbringung zu einer Desintegration der Behandlungsab-
läufe geführt hat (vgl. Badura/Feuerstein 1994: 211ff.). Der Körper des Patienten ist heute
kein natürlicher Ort pathologischer Veränderung, er verweist oftmals auf vorherige medizini-
sche Eingriffe. Am Ende einer Behandlungskette mag es dem behandelnden Arzt in der Tat
schwerfallen, im Körper des Patienten zwischen den natürlichen Pathologien und den Eingrif-
fen seiner Kollegen zu unterscheiden.
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Vielfältig zirkulierende Referenzen erschweren im
Verlauf einer längerfristigen Behandlung eine klare Zurechung der Zeichen. Auch für kom-
plexe Therapiepläne besteht dieses Problem, wenn beispielsweise Medikamente zur Behand-
lung der unerwünschten Wirkungen anderer Medikamente eingesetzt werden, diese aber wie-
derum selbst unerwünschte Wirkungen haben. In der Intensivmedizin findet sich notwendi-
gerweise eine Vielzahl technischer Artefakte und ich werde nun am Beispiel eigener ethno-
grafischer Studien (Schubert 2006) die Problematik der zirkulierenden Referenzen in der
Anästhesie aufzeigen.
Beginnen wir mit der Kopplung von Körper und Technik durch intensivmedizinische Me-
dikamente und Überwachungsgeräte. In der Intensivmedizin werden hochwirksame Medika-
mente eingesetzt, deren Verabreichung eine sofortige körperliche Reaktion folgt. Während
einer Operation werden beispielsweise Katecholamine (z. B. Adrenalin) verabreicht, um das
Herz-Kreislaufsystems zu unterstützen. Wegen ihrer potenten Wirkung auf den Körper wer-
den Katecholamine und andere intensivmedizinische Medikamente gewöhnlich durch techni-
sche Apparaturen, sogenannten Spritzenpumpen appliziert. Diese elektronisch gesteuerten
Pumpen ermöglichen eine kontinuierliche und fein dosierte Medikamentengabe. Es kann bei
älteren Pumpen jedoch vorkommen, dass der mechanische Antrieb des Geräts ungleichmäßig
arbeitet und das Medikament dadurch schwallartig in den Körper gelangt. Dann kommt es zu
Schwankungen im Blutdruck des Patienten, die wiederum durch die sensiblen Überwa-
chungsgeräte aufgezeichnet werden. In der langen Kette der zirkulierenden Referenzen ver-
dieses Design ausgeschlossen werden, um eindeutige Kausalaussagen zur Wirksamkeit einer Substanz auf den
Körper zu ermöglichen.
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Solch „reflexive Unsicherheiten“ hat Wagner am Beispiel der Intensivmedizin aufgezeigt (Wagner 1995).
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weist die schwankende Kurve auf dem Monitor dann nicht auf einen pathologischen Zustand
des Patienten, sondern auf eine materielle Ermüdung in der Mechanik der Pumpe.
Je länger die Kette der wechselseitigen Verweisungen wird und je enger Technik und Kör-
per miteinander gekoppelt werden, desto größer wird auch die Gefahr versteckter Interferen-
zen wenn sich technische Eingriffe und körperliche Symptome vermischen. Kenntnisse der
Pharmakokinetik sind dann nur ein Bestandteil des medizinischen Körperwissens, ebenso
wichtig ist es, die Wirkung von Medikamenten in der Konstellation von Patient und apparati-
ver Ausstattung einschätzen zu können. Auf die nicht intendierten Wechselwirkungen von
Körper und Technik angesprochen, erwiderte ein erfahrener Anästhesist im Interview: „Man
sollte sich auch der Technik bedienen, das ist wichtig; und wenn aber die Technik ausfällt,
dann sollte man eben auch den Handbetrieb können. [...] Und wenn dort (in der Technik, CS)
ein Fehler ist, dass ich nicht blind den Monitor behandle, sondern den Patienten“.
Erfahrene Ärzte pflegen einen reflektierten Umgang mit technisch vermittelten Repräsentati-
onen, die sie durch verschiedene Triangulationspraktiken kontinuierlich mit sinnlichen wahr-
nehmbaren Zeichen abgleichen. So kann neben den technischen Monitoringsystemen über die
Lippenfarbe auf die Sauerstoffsättigung des Blutes geschlossen werden, kleine Pupillen sind
ein Anzeichen für genügend Narkosemedikamente und eine trockene Stirn für Schmerzfrei-
heit. Ein anderer erfahrener Anästhesist beschreibt seine Arbeitspraxis wie folgt: „Du musst ja
ganz viel gleichzeitig machen, letztendlich. Und du musst so’n bisschen ein Screening entwi-
ckeln dafür, stimmt hier alles oder ist was nicht im Lot? […] Nämlich bestimmte Sachen im-
mer zu kontrollieren, immer wieder Rundgänge um den Tisch zu machen, um zu sehen blutet
es wirklich nicht?“.
Aus den Interviewausschnitten wird deutlich, dass sich sinnliche Erfahrung und technische
Repräsentation nicht wechselseitig ausschließen, sondern einander in den epistemischen Prak-
tiken ergänzen und gegeneinander abgewogen werden. Medizinisches Handeln, besonders im
Krankenhaus, geschieht in sozio-technischen Ensembles (Schubert 2006: 113ff.), in denen die
apparative Ausstattung, die Erfahrung der Ärzte und auch die Zusammensetzung des Teams
die Infrastruktur der zirkulierenden Referenzen bilden.
Für die Intensivmedizin lässt sich das Verhältnis von Körper, Technik und Wissen in drei
Punkten zusammenfassen:
Der Körper des Patienten wird mit Schläuchen und Sensoren an die Medizintechnik
anschlussfähig gemacht. Die technisch vermittelten Parameter repräsentieren die Vi-
talwerte des Patienten, gleichzeitig können die Ärzte mit Medikamenten in körperliche
13
Funktionen eingreifen. Die Referenzen zirkulieren zwischen Körper und Technik, was
im Falle avancierter Technik bis zur Automation von Eingriffen reichen kann. Ein im-
plantierter Defibrillator beispielsweise überwacht die Herzfunktion und kann Herz-
rhythmusstörungen durch gezielte Stromstöße automatisch beenden. Die wechselseiti-
ge Übersetzung von Dingen und Zeichen geschieht in der programmierten Abfolge
von elektrischer Sensorik, festgelegten Grenzwerten und gezielter Intervention.
Zwischen dem Körper des Arztes und dem des Patienten vermittelt eine Vielzahl e-
pistemischer und therapeutischer Artefakte. Die subjektive Erfahrung des Arztes wird
durch die numerische Objektivierung von Vitalparametern allerdings nicht ersetzt,
sondern ergänzt und verlagert. So gibt das anästhesistische Monitoring die Messwerte
von Puls und Blutdruck auch als akustische Signale (als Variationen in Frequenz und
Höhe von Pieptönen) aus. Ähnlich wie bei der stethoskopischen Untersuchung entwi-
ckeln Ärzte ein feines Gehör, um die Töne zu deuten. Im sozio-technischen Ensemble
einer chirurgischen Operation wird der Zustand des Patienten subjektiv und objektiv
erfahrbar, das Körperwissen verteilt sich auf das verkörperte Körperwissen der Ärzte,
die in technische Artefakte eingeschriebenen Wissensbestände und nicht zuletzt auch
auf die zwischen Ärzten zirkulierenden „war stories“ (Orr 1996: 125ff.) mit denen
praxisbezogene Wissensbestände anekdotisch weiter gegeben werden.
Die zirkulierenden Referenzen sind Teil der medizinischen Praxis. Aus Sicht sozialer
Praktiken verknüpfen sie routinierte Handlungen mit situativen Anpassungen und bil-
den eine Kette von Verweisen, die sich durch die Materialität von Körper und Technik
ziehen. Je mehr Instanzen in der Kette zwischen Realität und Repräsentation vermit-
teln, umso mehr Glieder der Kette müssen aufeinander ausgerichtet werden, um er-
wartbare Transformationen zu gewährleisten. Ungewissheit entsteht innerhalb der zir-
kulierenden Referenzen in dem Maße, in dem in den einzelnen Transformationsschrit-
ten Mehrdeutigkeiten oder undurchsichtige Verweisungsrelationen entstehen. Ärzte
wissen um die prinzipielle Uneindeutigkeit von Repräsentationen und wägen sie zwi-
schen technischer Vermittlung und dem direkten körperlichen Kontakt ab, um dadurch
höhere Gewissheit über den Zustand des Patienten zu erlangen.
Listen wir an dieser Stelle noch einmal die verschiedenen Instanzen des Körperwissens im
sozio-technischen Ensemble der Anästhesie auf. Da Patienten in der Intensivmedizin oft be-
wusstlos sind, können sie selbst kaum Auskunft über ihren Zustand geben. Daher werden am
Körper des Patienten sowohl direkt sichtbare und fühlbare als auch technisch vermittelte Zei-
14
chen abgelesen. Im Arzt findet sich verkörpertes Körperwissen, das im direkten körperlichen
Kontakt von Arzt und Patient erlernt wird. Technisch vermittelte Repräsentationen fügen dem
verkörperten Körperwissen eine neue Dimension hinzu, wenn etwa bei akustischen Signalen
ein geschultes Gehör zur Deutung der Töne benötigt wird. Zur Repräsentation physiologi-
scher Parameter in numerisch objektivierten Daten wird Körperwissen darüber hinaus in die
technischen Apparaturen eingeschrieben. Der Arzt deutet die Messwerte schließlich im Kon-
text biomedizinischer Wissensbestände. Die Referenzen zirkulieren dabei gleichzeitig durch
verschiedene Instanzen des Körperwissens, durch die der Arzt die individuelle Behandlung
eines Patienten mit der apparativen Ausstattung und den medizinischen Fachwissensbestän-
den verknüpft.
Wir haben bis hier nur Situationen in den Blick genommen, in denen die Akteure unmittel-
bar anwesend waren. Eine weitere Instanz des Körperwissens kommt in Form von Dokumen-
tationstechniken hinzu. Dann erweitert sich die Kette aus Repräsentationen auf vorherige Da-
ten und Befunde Dritter. In der Krankenakte versammeln sich Repräsentationen verschiedener
Abstraktionsgrade, von der einfachen Messung der Temperatur und Blutdruckkurve, über
Röntgenbilder bis zu komplizierten Laborwerten und den Befunden aufwendiger bildgebender
Verfahren. Das derart aufbereitete Körperwissen ermöglicht dem Arzt, eine Diagnose zu stel-
len und Behandlungspläne zu entwickeln, ohne den Patienten selbst untersuchen zu müssen.
Sowohl das subjektive Krankheitsempfinden des Patienten als auch die körperlichen Diagno-
sefähigkeiten des Arztes sind allein als Spuren in den Protokollen früherer Behandlung zu
finden. In diesem Sinne kann die Akte als vorläufiger Endpunkt in der Transformation von
Dingen in Zeichen gesehen werden, sie ist die zentrale Instanz des abstrahierten und objekti-
vierten biomedizinischen Körperwissens. Das wortwörtliche Einschreiben von Patientendaten
in Formulare und Arztbriefe, das Sammeln von Untersuchungsergebnissen und Befunden er-
schafft, wie es Foucault allgemein für Dokumentationstechniken beschreibt, aus dem Indivi-
duum durch Beschreiben, Vermessen und Vergleichen den „Fall“ (Foucault 1977 [1975]:
246f.), der administrativ bearbeitet werden kann (s. Berg 1996). Die Akte verkörpert in der
Kette der zirkulierenden Referenzen aber auch den Wendepunkt in der Schleife von den Zei-
chen hin zu den Dingen.
Vorbereitung und Durchführung einer Narkose bieten ein gutes Beispiel, um die kontinu-
ierliche Verkettung und Transformation von Zeichen und Dingen zu verfolgen. Am Tag vor
der Operation besucht der Anästhesist den Patienten am Krankenbett und klärt ihn über die
Narkose auf. Dabei überprüft der Arzt noch einmal die Angaben in der Akte und füllt ein
Formular zum Patientenaufklärungsgespräch aus. Die Daten aus dem Aufklärungsformular
15
werden wiederum in die Akte übernommen. An dieser Stelle werden Akte und Körper vom
Arzt mit den Schilderungen des Patienten abgeglichen, um dann als objektivierte Repräsenta-
tion in die Akte einzugehen. Der Narkosearzt bezieht sich am nächsten Tag auf die Informati-
onen in der Akte. Je nach Schichtrotation begegnen sich Arzt und Patient im Operationssaal
eventuell zum ersten Mal. In dieses Fällen ist die Patientenakte für den Arzt die zentrale In-
formationsquelle über den Zustand des Patienten. Auf Basis der Informationen in der Akte
wählt der Arzt die Narkosemedikamente und deren Dosierung. Anschließend stellt er die Pa-
rameter der Narkosegeräte ein, beispielweise der Spritzenpumpe und des Beatmungsgeräts.
Die Daten in der Akte werden in die Narkosegeräte eingeschrieben und wirken medikamentös
oder mechanisch auf den Körper des Patienten ein, dessen Zustand wiederum direkt und über
das Monitoring vom Anästhesisten überwacht wird. Während der Narkose erstellt der Arzt
das Narkoseprotokoll, indem er die Medikamentengabe und wichtige Vitalwerte in der Akte
dokumentiert. Wie im Fall der direkten Überwachung werden auch die Informationen der
Akte durch kontinuierliche Triangulationspraktiken überprüft. Ist der Patient vor der Operati-
on noch ansprechbar, so vergleichen die Ärzte (und auch das Pflegepersonal) die Informatio-
nen in der Akte mit den Aussagen des Patienten. Insbesondere mit Bezug auf Vorerkrankun-
gen und Allergien, aber auch auf den Eingriff selbst werden auf diese Weise Realität und
Repräsentation abgeglichen.
Betrachtet man die Akte als ein weiteres Glied in der Kette zirkulierender Referenzen, las-
sen sich für das Verhältnis von Körper, Technik und Wissen drei Aspekte zusammenfassen:
Erstens verknüpft die Akte den Körper des Patienten mit dem medizinischen Fachwis-
sen. Dadurch verweist die Akte sowohl auf den individuellen Körper als auch auf ge-
neralisierte biomedizinische Wissensbestände. Dokumentationstechniken gehen über
einfache Repräsentationen hinaus, sie erschaffen ebenso den zu repräsentierenden Ge-
genstand, da nur durch die Akten der bearbeitbare Fall aus den Mehrdeutigkeiten des
Alltags herauspräpariert werden kann.
Zweitens zeigt sich, dass im Schreiben der Akte ein gewisser Spielraum besteht, bei-
spielsweise wenn die Behandlung neben der medizinischen auch mit einer administra-
tiven Logik verknüpft wird. Betrachtet man die Repräsentationen in der Akte aus die-
ser Perspektive, verlieren sie an Eindeutigkeit, da die Verweisungszusammenhänge
zwischen Körper und Zeichen vielschichtiger und verzweigter werden. Gleichzeitig
16
weitet sich der Bereich der zirkulierenden Referenzen vom medizinischen auf den ad-
ministrativen Bereich aus.
6
Drittens müssen Akte und Körper in jeder Behandlungssituation erneut in ein Pas-
sungsverhältnis gebracht werden. Hierin zeigt sich die enge Verwobenheit von Körper
und Akte, die trotz der in die Akte eingeschriebenen Abstraktionen und uneindeutigen
Verweise weiter besteht. Das Verhältnis von Körper und Akte stellt sich somit aus
Perspektive der zirkulierenden Referenzen eher als ein Prozess des wechselseitigen
Herstellens von Dingen und Zeichen, als ein Abbild des Körpers in der Akte dar.
Verfolgt man die zirkulierenden Referenzen in der praktizierten Medizin, so zeigt sich vor
allem, wie sich Verweisungsketten in organisierten Behandlungsprozessen ausbreiten und
über eine zunehmende Anzahl von diagnostischen, therapeutischen und administrativen Arte-
fakten verteilen. Versteht man das Körperwissen ebenso als zirkulierende Referenzen, so zeigt
sich, dass die Kopplungen zwischen Körper und Technik in zweifacher Hinsicht bedeutsam
sind. Einerseits in der Frage der Beziehung der Körper von Arzt und Patient untereinander,
anderseits in Relation zu den technischen Artefakten selbst.
4. Zusammenfassung
Ziel des Beitrags war es, die Zusammenhänge von Körper, Technik und Wissen in der prakti-
zierten Medizin als Beziehung von Zeichen und Dingen aus Sicht zirkulierender Referenzen
zu rekonstruieren. Im Zentrum standen die epistemischen Praktiken, mit denen sich Ärzte
Gewissheit über den körperlichen Zustand des Patienten verschaffen. Auf den Anteil der Pati-
enten an der Behandlung bin ich nicht weiter eingegangen. Die epistemischen Praktiken wur-
den in ihrem Bezug zur Materialität von Körper und Technik beschrieben. Insbesondere wur-
de auf die Koppelung von Körper und Technik in der Biomedizin. Das Konzept der zirkulie-
6
Ein Beispiel liefert Rohde (1974 [1962]: 451f.), der die gemeinsame Indikationsmodifikation von Haus- und
Stationsarzt beschreibt. In einem informellen Bündnis stellt der Hausarzt eine Diagnose, die einen längeren
Krankenhausaufenthalt indiziert, als eigentlich zur Behandlung nötig wäre. Der Stationsarzt muss sich darauf
einlassen und seinerseits die Diagnose mittragen. Ein solches Geheimbündnis wird nicht in der Patientenakte
dokumentiert, sondern wird verbal zwischen den Ärzten ausgehandelt. Der in der Akte festgehaltene Befund
zielt auf die Abrechnungsfähigkeit der Diagnose bei der Krankenkasse und Rohde hält fest, „dass das Verhältnis
zwischen Freier Praxis und Krankenhaus vor allem dann „stimmt“, wenn das, was man der Krankenkasse berich-
tet, nicht stimmt“ (ebd., vgl. auch Garfinkel 1967: 186ff.). Zugleich hat Freidson (1975: 167ff.) auf das Kon-
trollpotential der Akte hingewiesen, wenn die niedergeschriebenen Befunde innerhalb der Ärzteschaft zirkulie-
ren, vom Hausarzt zum Facharzt, von der ambulanten Praxis ins Krankenhaus. Während sich Ärzte gegen die
Krankenkassen verbünden können, wird ihre Arbeit innerhalb der Ärzteschaft durch die Akte transparent.
17
renden Referenzen erlaubt es, verschiedene Mischformen technischer und körperlicher Ver-
mittlungen empirisch miteinander zu vergleichen und die jeweiligen Verhältnisse mit Blick
auf das Körperwissen zu analysieren.
Blickt man derart auf die medizinische Praxis, so zeigt sich, dass der Erfolg einer Behandlung
von der Ausrichtung der einzelnen Instanzen in der Kette der wechselseitigen Verweise ab-
hängt und eine erfolgreiche Behandlung nur solange möglich ist, wie die Kette der Referen-
zen nicht unterbrochen wird. Damit geht einher, dass durch die Ausweitung der Referenzen
auf diagnostische, therapeutische und dokumentarische Techniken sich die Kette der beteili-
gen Instanzen verlängert und damit die Zahl der möglichen Schwachstellen und der ungewoll-
ten Interferenzen steigt. Die inhärente Unsicherheit in Diagnose und Therapie verschwindet
demnach nicht, sie verteilt sich viel mehr aus dem Dunkel des ehemals uneinsehbaren Kör-
pers in die manchmal undurchsichtigen Relationen von Körper und Technik.
Zudem finden sich auch innerhalb der Medizin konkurrierende Wissensbestände. Empiri-
sche Beobachtungen können die Differenzen, beispielsweise zwischen chirurgischen und psy-
chiatrischen oder zwischen ambulanten und stationären Behandlungen, sowie deren Gemein-
samkeiten aufzeigen. Die Anteile epistemischer, therapeutischer und administrativer Techni-
ken werden in jedem Feld variieren, ebenso wie die Körperwahrnehmung der Patienten und
das verkörperte Körperwissen der Ärzte, wie es von Freidson mit Blick auf das medizinische
Fachwissen zugespitzt wurde: „Selbst bei einer derartig wissenschaftlich fundierten Professi-
on wie der der Medizin und des Arztberufs findet man bloß einen Kernbestand an soliden
Fähigkeiten, welche von einer ausgedehnten Fettschicht ungeprüfter Praktiken umgeben ist,
die unkritischerweise wegen ihrer Verbindung mit den zentralen Fähigkeiten anerkannt wer-
den“ (1975 [1970]: 128f.).
Obwohl technisch vermitteltes Körperwissen nur eine Instanz medizinischer Wissensbe-
stände ausmacht, so kann mit dem Konzept der zirkulierenden Referenzen eine allgemeine
Form der Wort-Welt-Beziehung identifiziert werden. Das ist hilfreich, da die Ketten solcher
Referenzen sich zunehmend vom wissenschaftlichen Kontext, zu dem auch die praktizierte
Medizin zählt, auf andere Gesellschaftsteile verlagern. In dem Maße, in dem technisch ver-
mittelte Erkenntnispraktiken genutzt werden, vermehren sich auch die Referenzen. Haben wir
es schließlich in der gesellschaftlichen Praxis nicht allein mit Repräsentationen, sondern auch
mit Interventionen zu tun, so zirkulieren die Referenzen in Schleifen und die Frage bleibt
nicht allein, wie aus den Dingen Zeichen werden, sondern auch wie der umgekehrte Weg
funktioniert und welche Rolle die vermittelnden Instanzen dabei spielen.
18
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In der Reihe „Working Papers“ sind bisher erschienen:
2/2009 Cornelius Schubert Medizinisches Körperwissen als zirkulierende Referenzen
zwischen Körper und Technik
Bestell-Nr.: TUTS-WP-2-2009
1/2009 Werner Rammert Die Pragmatik des technischen Wissens oder: „How to do
Words with things“
Bestell-Nr.: TUTS-WP-1-2009
5/2008 Michael Hahne
Corinna Jung
Über die Entstehungsbedingungen von technisch unter-
stützten Gemeinschaften
Bestell-Nr.: TUTS-WP-5-2008
4/2008 Werner Rammert Where the action is. Distributed agency between humans,
machines, and programs
Bestell-Nr.: TUTS-WP-4-2008
3/2008 Ingo Schulz-Schaeffer Technik als Gegenstand der Soziologie
Bestell-Nr.: TUTS-WP-3-2008
2/2008 Holger Braun-
Thürmann
Die Ökonomie der Wissenschaften und ihre Spin-offs
Bestell-Nr.: TUTS-WP-2-2008
1/2008 Werner Rammert Technik und Innovation
Bestell-Nr.: TUTS-WP-1-2008
8/2007 Jörg Potthast Die Bodenhaftung der Flugsicherung
Bestell-Nr.: TUTS-WP-8-2007
7/2007 Kirstin Lenzen Die innovationsbiographische Rekonstruktion technischer
Identitäten am Beispiel der Augmented Reality-
Technologie.
Bestell-Nr.: TUTS-WP-7-2007
6/2007 Michael Hahne
Martin Meister
Renate Lieb
Peter Biniok
Sequenzen-Routinen-Positionen – Von der Interaktion zur
Struktur. Anlage und Ergebnisse des zweiten Interaktivi-
tätsexperimentes des INKA-Projektes.
Bestell-Nr.: TUTS-WP-6-2007
5/2007 Nico Lüdtke Lässt sich das Problem der Intersubjektivität mit Mead
lösen? – Zu aktuellen Fragen der Sozialtheorie
Bestell-Nr. TUTS-WP-5-2007
4/2007 Werner Rammert Die Techniken der Gesellschaft: in Aktion, in Interaktivität
und hybriden Konstellationen.
Bestell-Nr. TUTS-WP-4-2007
22
3/2007 Ingo Schulz-Schaeffer
Technik als sozialer Akteur und als soziale Institution.
Sozialität von Technik statt Postsozialität
Bestell-Nr. TUTS-WP-3-2007
2/2007 Cornelius Schubert Technology Roadmapping in der Halbleiterindustrie
Bestell-Nr. TUTS-WP-2-2007
1/2007 Werner Rammert Technografie trifft Theorie: Forschungsperspektiven einer
Soziologie der Technik
Bestell-Nr. TUTS-WP-1-2007
4/2006 Esther Ruiz Ben Timing Expertise in Software Development Environments
Bestell-Nr. TUTS-WP-4-2006
3/2006
Werner Rammert Technik, Handeln und Sozialstruktur: Eine Einführung in
die Soziologie der Technik
Bestell-Nr. TUTS-WP-3-2006
2/2006 Alexander Peine Technological Paradigms Revisited – How They Contrib-
ute to the Understanding of Open Systems of Technology
Bestell-Nr. TUTS-WP-2-2006
1/2006 Michael Hahne Identität durch Technik: Wie soziale Identität und Grup-
penidentität im soziotechnischen Ensemble von Ego-
Shooterclans entstehen
Bestell-Nr. TUTS-WP-1-2006
7/2005 Peter Biniok Kooperationsnetz Nanotechnologie – Verkörperung eines
neuen Innovationsregimes?
Bestell-Nr. TUTS-WP-7-2005
6/2005 Uli Meyer
Cornelius Schubert
Die Konstitution technologischer Pfade.
Überlegungen jenseits der Dichotomie von Pfadabhängig-
keit und Pfadkreation
Bestell-Nr. TUTS-WP-6-2005
5/2005 Gesa Lindemann Beobachtung der Hirnforschung
Bestell-Nr. TUTS-WP-5-2005
4/2005 Gesa Lindemann Verstehen und Erklären bei Helmuth Plessner
Bestell-Nr. TUTS-WP-4-2005
3/2005 Daniela Manger Entstehung und Funktionsweise eines regionalen Innovati-
onsnetzwerks – Eine Fallstudienanalyse
Bestell-Nr. TUTS-WP-3-2005
2/2005 Estrid Sørensen
Fluid design as technology in practice – Spatial description
of online 3D virtual environment in primary school
Bestell-Nr. TUTS-WP-2-2005
23
1/2005 Uli Meyer
Ingo Schulz-Schaeffer
Drei Formen interpretativer Flexibilität
Bestell-Nr. TUTS-WP-1-2005
3/2004 Werner Rammert Two Styles of Knowing and Knowledge Regimes: Be-
tween ‘Explicitation’ and ‘Exploration’ under Conditions
of ‘Functional Specialization’ or ‘Fragmental Distribution
Bestell-Nr. TUTS-WP-3-2004
2/2004 Jörg Sydow
Arnold Windeler
Guido Möllering
Path-Creating Networks in the Field of Text Generation
Lithography: Outline of a Research Project
Bestell-Nr. TUTS-WP-2-2004
1/2004 Corinna Jung Die Erweiterung der Mensch-Prothesen-Konstellation.
Eine technografische Analyse zur ‚intelligenten’ Beinpro-
these
Bestell-Nr. TUTS-WP-1-2004
10/2003 Cornelius Schubert Patient safety and the practice of anaesthesia: how hybrid
networks of cooperation live and breathe
Bestell-Nr. TUTS-WP-10-2003
9/2003 Holger Braun-
Thürmann
Christin Leube,
Katharina Fichtenau
Steffen Motzkus,
Saskia Wessäly
Wissen in (Inter-)Aktion - eine technografische Studie
Bestell-Nr. TUTS-WP-9-2003
8/2003 Eric Lettkemann
Martin Meister
Vom Flugabwehrgeschütz zum niedlichen Roboter. Zum
Wandel des Kooperation stiftenden Universalismus der
Kybernetik
Bestell-Nr. TUTS-WP-8-2003
7/2003 Klaus Scheuermann
Renate Gerstl
Das Zusammenspiel von Multiagentensystem und Mensch
bei der Terminkoordination im Krankenhaus: Ergebnisse
der Simulationsstudie ChariTime
Bestell-Nr. TUTS-WP-7-2003
6/2003 Martin Meister,
Diemo Urbig,
Kay Schröter,
Renate Gerstl
Agents Enacting Social Roles. Balancing Formal Structure
and Practical Rationality in MAS Design
Bestell-Nr. TUTS-WP-6-2003
5/2003 Roger Häußling Perspektiven und Grenzen der empirischen
Netzwerkanalyse für die Innovationsforschung am Fallbei-
spiel der Konsumgüterindustrie
Bestell-Nr. TUTS-WP-5-2003
24
4/2003 Werner Rammert Die Zukunft der künstlichen Intelligenz:
verkörpert – verteilt – hybrid
Bestell-Nr. TUTS-WP-4-2003
3/2003 Regula Burri Digitalisieren, disziplinieren. Soziotechnische Anatomie
und die Konstitution des Körpers in medizinischen Bildge-
bungsverfahren
Bestell-Nr. TUTS-WP-3-2003
2/2003 Werner Rammert Technik in Aktion:
Verteiltes Handeln in soziotechnischen Konstellationen
Bestell-Nr. TUTS-WP-2-2003
1/2003 Renate Gerstl,
Alexander Hanft,
Sebastian Müller,
Michael Hahne,
Martin Meister,
Dagmar Monett Diaz
Modellierung der praktischen Rolle in Verhandlungen
mit einem erweiterten Verfahren des fallbasierten
Schließens
Bestell-Nr. TUTS-WP-1-2003
9/2002 Werner Rammert Gestörter Blickwechsel durch Videoüberwachung?
Ambivalenzen und Asymmetrien soziotechnischer Beo-
bachtungsordnungen
Bestell-Nr. TUTS-WP-9-2002
8/2002 Werner Rammert Zwei Paradoxien einer Wissenspolitik: Die Verknüpfung
heterogenen und die Verwertung impliziten Wissens
Bestell-Nr. TUTS-WP-8-2002
6/2002 Martin Meister,
Diemo Urbig,
Renate Gerstl,
Eric Lettkemann,
Alexander Ostherenko,
Kay Schröter
Die Modellierung praktischer Rollen für
Verhandlungssysteme in Organisationen. Wie die Komple-
xität von Multiagentensystemen durch Rollenkonzeptionen
erhöht werden kann
Bestell-Nr. TUTS-WP-6-2002
5/2002 Cornelius Schubert Making interaction and interactivity visible.
On the practical and analytical uses of audiovisual
recordings in high-tech and high-risk work situations
Bestell-Nr. TUTS-WP-5-2002
4/2002 Werner Rammert
Ingo Schulz-Schaeffer
Technik und Handeln - Wenn soziales Handeln sich auf
menschliches Verhalten und technische Artefakte ver-teilt.
Bestell-Nr. TUTS-WP-4-2002
3/2002 Werner Rammert
Technik als verteilte Aktion. Wie technisches Wirken als
Agentur in hybriden Aktionszusammenhängen gedeutet
werden kann.
Bestell-Nr.: TUTS-WP-3-2002
25
2/2002 Werner Rammert Die technische Konstruktion als Teil der gesellschaftlichen
Konstruktion der Wirklichkeit
Bestell-Nr. TUTS-WP-2-2002
1/2002 Werner Rammert The Governance of Knowledge Limited: The rising rele-
vance of non-explicit knowledge under a new regime of
distributed knowledge production
Bestell-Nr. TUTS-WP-1-2002
2/2001 Ingo Schulz-Schaeffer Technikbezogene Konzeptübertragungen und das Problem
der Problemähnlichkeit. Der Rekurs der
Multiagentensystem-Forschung auf Mechanismen
sozialer Koordination
Bestell-Nr. TUTS-WP-2-2001
1/2001 Werner Rammert The Cultural Shaping of Technologies and the Politics
of Technodiversity
Bestell-Nr. TUTS-WP-1-2001
10/2000 Frank Janning
Klaus Scheuermann
Cornelius Schubert
Multiagentensysteme im Krankenhaus. Sozionische
Gestaltung hybrider Zusammenhänge
Bestell-Nr. TUTS-WP-10-2000
9/2000 Holger Braun Formen und Verfahren der Interaktivität – Soziologische
Analysen einer Technik im Entwicklungsstadium.
Bestell-Nr. TUTS-WP-9-2000
8/2000 Werner Rammert Nichtexplizites Wissen in Soziologie und Sozionik. Ein
kursorischer Überblick
Bestell-Nr. TUTS-WP-8-2000
7/2000 Werner Rammert Ritardando and Accelerando in Reflexive Innovation, or
How Networks Synchronise the Tempi of
Technological Innovation
Bestell-Nr. TUTS-WP-7-2000
5/2000 Jerold Hage
Roger Hollingsworth
Werner Rammert
A Strategy for Analysis of Idea Innovation, Networks and
Institutions National Systems of Innovation, Idea Innova-
tion Networks, and Comparative Innovation Biographies
Bestell-Nr. TUTS-WP-5-2000
4/2000 Holger Braun Soziologie der Hybriden. Über die Handlungsfähigkeit
von technischen Agenten
Bestell-Nr. TUTS-WP-4-2000
3/2000 Ingo Schulz-Schaeffer Enrolling Software Agents in Human Organizations.
The Exploration of Hybrid Organizations within the So-
cionics Research Program
Bestell-Nr. TUTS-WP-3-2000
26
2/2000 Klaus Scheuermann Menschliche und technische ‚Agency‘: Soziologische
Einschätzungen der Möglichkeiten und Grenzen künstli-
cher Intelligenz im Bereich der Multi-agentensysteme
Bestell-Nr. TUTS-WP-2-2000
1/2000 Hans-Dieter Burkhard
Werner Rammert
Integration kooperationsfähiger Agenten in komplexen
Organisationen. Möglichkeiten und Grenzen der Gestal-
tung hybrider offener Systeme
Bestell-Nr. TUTS-WP-1-2000
1/1999 Werner Rammert Technik Stichwort für eine Enzyklopädie
Bestell-Nr. TUTS-WP-1-1999
... Die eigentliche Leistung in der Begutachtung liegt aber in den Verbindungen, also in den Schlussfolgerungen, die zwischen Verdachtsanzeichen und Diagnosen gezogen werden. Die Herausforderung für medizinische Fachkräfte besteht jedoch darin, in ‚zirkulären Diagnoseprozessen' (Schubert 2011) den Gefährdungsverdacht aufrechtzuerhalten, d. h. Körperspuren und weitere Abklärungsmaßnahmen konsequent aufeinander abzustimmen, aber auch gedanklich zusammenzuhalten. ...
Article
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Zusammenfassung Im ersten Teil des Beitrags geht es um die Beschreibung der Thüringer Kinderschutz Ambulanz (TAKS) auf Grundlage von Fallzahlen und Merkmalen zu Kinderschutzfällen. Im zweiten Teil wird auf zentrale Prinzipien der Fallarbeit bei der Aufklärung von Gefährdungen eingegangen. Es wird davon ausgegangen, dass sich spezialisierte Einrichtungen wie die TAKS vor dem Hintergrund eines öffentlichen Interesses am Kinderschutz herausbilden und mit ihrem Angebotsprofil zur Aufklärung von Kindeswohlgefährdungen beitragen.
... So werden gegenständliche Technik und menschlicher Körper einerseits als praktisch bedeutsam für hoch technisierte Settings wie diejenigen in der Medizin erachtet, andererseits werden Technik und Körper aus ihrer jeweiligen Zentralität herausgelöst und analytisch de-zentriert. Weder Technik noch Körper besitzen ein Primat bei der Erklärung techno-korporaler Konstellationen in der Medizin; beide können nur in ihren wechselseitigen Verschränkungen adäquat erfasst werden (Schubert 2011). ...
Chapter
Seit dem „practice turn“ und dem „material turn“ rücken menschliche Körper und technische Artefakte vermehrt in den Fokus soziologischer Aufmerksamkeit. Diese (Wieder-)Entdeckung von Körper und Technik kann einerseits auf etablierte Theorieangebote und eine Anzahl klassischer Studien zurückgreifen, andererseits sind die Verhältnisse von Körpern und Technik soziologisch noch nicht hinreichend geklärt. Wir suchen daher nach theoretischen und empirischen Verschränkungen von Körpern und Techniken und ihrer Relevanz für ein Verständnis sozio-technischer Konstellationen in modernen Gesellschaften. Damit wollen wir einen systematischen Beitrag zu den Verhältnissen von Körpern und Technik aus soziologischer Perspektive leisten. Insbesondere beziehen wir uns auf Ansätze aus der Techniksoziologie, um den Stand der Forschung sowie mögliche Entwicklungsperspektiven zu skizzieren. Unsere Ausgangsthese dabei ist, dass sowohl menschliche Körper als auch gegenständliche Technik als spezifische Verkörperungen des Sozialen gedacht werden können, die jedoch nicht als passive Träger, sondern als eigenständige Agenturen und konstitutive Elemente gesellschaftlicher Dynamiken und Strukturen gelten.
... Aus techniksoziologischer Sicht stehen sich instrumentelle Technik und sinnliche Körper in der Medizin nicht unvereinbar gegenüber. Vielmehr richtet sich das Interesse darauf, die komplexen Vermittlungen und Transformationen von Körper, Technik und Wissen in bestimmten Konstellationen empirisch zu beobachten und analytisch zu durchdringen, etwa in der Transplantations-(Manzei 2002) oder Intensivmedizin (Manzei 2011; Schubert 2011). Auch und gerade die " Fabrikation instrumenteller Körper " (Burri 2006) in der modernen Medizin gilt es in ihren sozio-technischen Verschränkungen und jeweiligen Verkörperungen zusammen zu untersuchen. ...
... 1917 ließ er für seine Kollegen ein Modell des Ringlebschen Zystoskops versuchsweise von einem japanischen Instrumentenbauer herstellen und berichtete auf dem sechsten Kongress der Japanischen Gesellschaft für Urologie darüber, um zu zeigen, dass auch Japaner selbst die neuesten Instrumente produzieren können [47]. Hintergrund dieser Entwicklungen war sowohl Patriotismus, als auch die Anpassung medizinisch-technischer Verfahren an spezifisch japanisches Körperwissen [51]. Bereits 1903 veröffentlich-Abb. ...
Article
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This paper analyzes the importance of the German language and German culture and institutional development of urology in Japan in the early 20th century, starting from the development of the medical school for Japanese in Germany and their function in the process of modernization of the Meiji period (1868-1912). Examples of bi-directional German-Japanese relations in medicine, which also included an integrated knowledge transfer, are shown. The study is based mainly on Japanese and German sources about Japanese physicians in Germany as well as contemporary publications in German and international medical journals. Methodologically, the article combines quantitative analysis with individual biographical aspects.
Chapter
Over the past decades, there has been an increase in technological innovation in clinical workplaces, influencing medical practices and regulatory requirements alike. The meaning of medical devices changes not only with their professional, disciplinary or organisational context, but also with the specific locale. This chapter therefore elucidates how the relationship between humans and devices can be specified in medical contexts when the sociocultural dimension of a particular locale is included. Accordingly, this chapter gives a brief introduction to several approaches by referring particularly to theoretical thoughts proposed by Hogle (2008), who identified relevant aspects of socio–technical settings in medical contexts, and the approach proposed by Rammert (2002), which addresses the semantic, pragmatic and institutional variations of a particular locale. It includes the sociocultural perspective through a brief introduction to theoretical approaches by specifying the Japanese locale (genba) as an example when examining socio–technical settings in medical contexts. Specifically, this chapter casts light on aspects such as technological complexity and clinical workplaces, subjectivity and standardisation, the situations of patients, nurses and physicians, user needs and device development, clinical trials, approval, and evidence-based judgement, manufacturing and diffusion, as well as hospitals and the public health system in Japan.
Chapter
Bereits in der Antike wird dem vermeintlich trivialen „Schreiben über sich selbst“ Bedeutung zugeschrieben. So beinhalteten Briefwechsel wie beispielsweise jener zwischen dem römischen Kaiser Mark Aurel und seinem Lehrer Marcus Cornelius Fronto narrative Berichte „über den banalen Alltag, über richtiges und falsches Handeln, über eingehaltene Diät“ (Foucault 2012: 64).
Article
Der Beitrag analysiert, ausgehend von der Entwicklung des Medizinstudiums von Japanern in Deutschland und ihrer Funktionen im Modernisierungsprozess der Meiji-Zeit (1868-1912), die Bedeutung der deutschen Sprache und der deutschen Fachkultur sowie die institutionelle Entwicklung der Urologie in Japan im frühen 20. Jahrhundert. Es können zahlreiche Beispiele für bidirektionale deutsch-japanische Wissenschaftsbeziehungen aufgezeigt werden, die auch einen integrativen Wissenstransfer beinhalteten. Grundlage der Untersuchung sind v. a. japanische und deutsche Quellen zum Studium von japanischen Medizinern in Deutschland sowie zeitgenössische Publikationen in deutschen und internationalen medizinischen Fachzeitschriften. Methodisch verbindet der Beitrag die quantitativ prosopographische Analyse mit individualbiographischen Aspekten.
Book
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Die Einführung der körperlichen Untersuchung, insbesondere des Abhorchens mit dem Stethoskop, gehört zu den bahnbrechenden medizinischen Innovationen des 19. Jahrhunderts. Anhand dieses Beispiels werden in dem Buch die historischen Grundlagen diagnostischer Deutungskompetenz in der modernen Medizin analysiert. Ausgehend von einem wissenssoziologischen Konzept der Medizin als kultureller Praxis werden detailliert die verschiedenen Schritte beschrieben, in denen sich die körperliche Untersuchung als privilegiertes medizinisches Erkenntnisverfahren etablierte. Die Konstitutionsgeschichte medizinischen Wissens wird dabei ebenso behandelt wie die Entstehung des Krankenhauses, die Professionalisierung der Ärzteschaft oder die sich wandelnden Interaktionsformen von Ärzten und Patienten.
Book
Dieser Band ist die erste deutschsprachige Ethnografie zu bildgebenden Verfahren in der Medizin. Im Zentrum steht die Frage nach der Herstellung, Interpretation und Verwendung medizinischer Bilder sowie nach der Bedeutung, die ihnen in der medizinischen Praxis zukommt. Die theoretisch anspruchsvolle Studie greift auf Konzepte der Wissenschafts- und Technikforschung und der Kultursoziologie sowie auf Ergebnisse von Feldforschungen in der Schweiz, in Deutschland und in den USA zurück. Sie zielt darauf ab, einen reflexiven Umgang mit medizinischen (und allgemein wissenschaftlichen) Bildern zu fördern und das analytische Instrumentarium in der Soziologie zu erweitern.
Chapter
Es ist weitgehend üblich, Technik als Masse der materiellen Artefakte, als Menge der zweckmäßigen Mittel, als Sammlung des Wissens über herstellbare Wirkungen oder als Ausdruck des Wunschs zur Bemächtigung der Welt anzusehen. Alle diese Ansichten beinhalten jeweils einen wichtigen Aspekt, der notwendig zum Gesamtbild der Technik beiträgt.
Article
Vom Objekt zum gespaltenen Subjekt. - In: Subjektivierung von Arbeit / Manfred Moldaschl ... (Hg.). - München ; Mering : Hampp, 2002. - S. 101-133. - (Arbeit, Innovation und Nachhaltigkeit ; 2)
Book
Technology - From a Sociological Perspective This book presents "state of the art"- reports on social, historical , cutlural, and economical studies of technologies (I), develops a comprehensive theoretical approach (II), and demonstrates its explanative power by historical and empirical case studies (III): PART I: (1) The emergence of a sociology of technology, (2) Research on the generation and design of new technologies (see Article "Technikgenese" in RESEARCH GATE), (3) A plead for a shift int technology studies: from the analysis of effects of technics to the dynamics of technological developments. The book pushes a new theoretical approach that explains long term technological changes refering to a social evolutionary approach on the macro level and mid term changes refering to collective actors' stategies: PART II: (4) Technological change between governance and evolution, autonomous process and industrial strategy, (5) Collective actors and technological develeopment, (6) New technologies on the firm level, (7) Does the study of new information technologies require different concepts than the machine and mechanization appproaches that were applied in the sociology of work and industry? (8) Who or what governs the technological development? And the book expands the scope of views to media and cultural approaches and demonstrates their power of explanation by historical and empirical examples, PART III: (9,10,11) mechanization in houshold and everyday life, (12,13) Comparison of the development, diffusion and communication cultures in 4 countries, (14) Paradoxes of informatization and crisis of social integration, (15) Material - immaterial - medial: The intertwined connections between technology and everyday life.
Article
Zusammenfassung Ausgehend von der jüngsten Diagnose eines ‚Practice Turn‘ in der Sozialtheorie und empirischen Forschungspraxis arbeitet der Artikel Strukturmerkmale einer ‚Praxistheorie‘ oder ‚Theorie sozialer Praktiken‘ im Vergleich zu alternativen Sozial- und Kulturtheorien heraus. Von besonderer Bedeutung erweisen sich dabei drei Grundannahmen: eine ‚implizite‘, ‚informelle‘ Logik der Praxis und Verankerung des Sozialen im praktischen Wissen und ‚Können‘; eine ‚Materialität‘ sozialer Praktiken in ihrer Abhängigkeit von Körpern und Artefakten; schließlich ein Spannungsfeld von Routinisiertheit und systematisch begründbarer Unberechenbarkeit von Praktiken.