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Schlafprobleme im Säuglingsalter aus evolutionsbiologischer Sicht

Authors:
Dr. med. Herbert Renz-Polster
Schlafprobleme aus Sicht der Evolution
Es gibt kaum ein Thema das Eltern mehr beschäftigt als der Babyschlaf. Das „Durchschlafen“
wird häufig als ein entscheidender Entwicklungsschritt betrachtet. Kein Wunder, dass der
Schlaf kleiner Kinder gerne als Terrain der Erziehung gesehen wird. So wird das
selbstständige Einschlafen als wichtiger Lernschritt hin zu Unabhängigkeit und
psychoemotionaler Reife gesehen. Entsprechend kritisch wird das gemeinsame Schlafen im
Elternbett gesehen.
Ich verwende in diesem Artikel die Erkenntnisse der Evolutionsbiologie und der
Humanethologie (Verhaltensforschung am Menschen) um diese kulturell verwurzelten
Annahmen zu hinterfragen und zu kommentieren.
„Durchschlafen“ als Entwicklungsschritt?
Wie viel Schlaf ein Kind „braucht“, ist sehr unterschiedlich – und das schon ab der Geburt. So
schlafen die meisten Neugeborenen pro Tag in etwa 14 bis 18 Stunden, manche aber auch 20
Stunden, andere dagegen nur 12 bis 14 Stunden. Die Varianz nimmt nach der
Neugeborenenperiode sogar noch zu: Mit einem Monat schlafen manche Säuglinge fast
doppelt so lang wie ihre Altersgenossen. Erst ab dem sechsten Lebensmonat werden die
Unterschiede zwischen den einzelnen Kindern geringer: Säuglinge schlafen jetzt zwischen
zehn und 13 Stunden pro Tag. Aber selbst in der Schulzeit schwankt der tägliche Schlafbedarf
von Kind zu Kind noch immerhin um etwa zwei Stunden.((1))
Dieser Schlafbedarf wird je nach Alter in unterschiedlich großen Portionen „abgearbeitet“: Im
Mutterleib ist der Schlaf gleichmäßig auf Tag und Nacht verteilt, und auch in den ersten
Lebenswochen richtet sich das Baby nur wenig nach Tag und Nacht – seine fünf bis acht
Schlafphasen sind recht chaotisch über 24 Stunden verteilt. Nach etwa drei bis vier Monaten
aber hat das Kind einen individuellen Schlaf-Wach-Rhythmus gefunden. Es schläft jetzt in
der Regel in drei „Paketen“, und die liegen typischerweise jeden Tag in etwa um die gleiche
Uhrzeit.
Wann sich Babys auf die Nacht als bevorzugte Schlafzeit einstellen, ist extrem variabel.
Einige wenige Säuglinge schaffen das schon im ersten Monat, die meisten Säuglinge stellen
sich erst im dritten Monat auf einen deutlich längeren Nachtschlaf ein.
Das heisst aber nicht, dass Babys in diesem Alter dann auch wirklich „durch“ schlafen.
Zeichnet man den Säuglingsschlaf mit der Videokamera auf, so werden drei Monate alte
Kinder im Schnitt nachts immerhin zwei- bis dreimal wach. Mit neun Monaten wachen die
Kleinen sogar fünfmal pro Nacht auf. Und mit zwölf Monaten sind sie wieder dort, wo sie mit
drei Monaten waren: bei zwei bis drei Mal pro Nacht. ((14)) Selbst im Kleinkindalter ist der
Nachtschlaf noch keineswegs von Dauer: Über ein Drittel der Kinder meldet sich nachts noch
mit zweieinhalb Jahren regelmäßig.((2))
Das nächtliche Aufwachen scheint also sozusagen zum Kleingedruckten des Schlafs zu
gehören. Die Schlafforschung definiert aus diesem Grund das Durchschlafen anders als viele
Eltern: Durchschlafen heisst nach ihrer Annahme nicht, dass ein Kind die ganze Nacht
schläft. Aus Sicht der Schlafforschung schläft ein Säugling vielmehr dann durch, wenn er
nachts sechs bis acht Stunden lang Ruhe gibt – d.h. wenn es ihm gelingt nach den
Wachphasen wieder von alleine in den Schlaf zu finden.
Der evolutionäre Sinn des leichten Schlafes
Vordergründig betrachtet macht der fragmentierte Schlaf des Säuglings wenig Sinn –
schließlich könnte die Mutter einen erholsamen Schlaf ganz gut gebrauchen, um all die
Belastungen auszuhalten, die das Leben mit einem kleinen Menschen so mit sich bringt!
Betrachtet man jedoch die spezifische Situation
der menschlichen Art aus dem Blickwinkel der
evolutionären Verhaltensbiologie, so ergibt sich
rasch eine Erklärung: Kein Lebewesen wird
unreifer geboren als das Menschenkind – im
Vergleich zu anderen Säugetieren und auch den
anderen Primaten sind Menschenkinder
Frühgeborene. Der im Vergleich zu anderen
Säugetieren ungeheuer große Kopf passt nun
einmal nur in einer Kleinausgabe durch den
engen Geburtskanal einer zweibeinigen Mutter.
Die Arbeit am Gehirn muss beim Mensch also
auf die Zeit nach der Geburt vertagt werden. Tatsächlich wächst das Gehirn – das metabolisch
„teuerste“ Organ des Menschen überhaupt – in den ersten drei Lebensjahren ungeheuer rasant
auf die zwei- bis dreifache Größe an.
Und dieses Wachstum will „finanziert“ sein: wer ein extrem schnell wachsendes Gehirn sein
eigen nennt, darf keine Gelegenheit verpassen um sich mit Energie zu versorgen – und sei es
zur Nachtzeit.
Der Schlaf des kleinen Kindes ist also deshalb so leicht geknüpft, um das Trinken an der
Brust zu ermöglichen. Hierzu passen die Befunde der Schlafforschung:
gestillte Säuglinge, die bei ihrer Mutter schlafen, nehmen immerhin ein Drittel mehr
Kalorien zu sich als die, die im eigenen Bett schlafen!((3))
gestillte Säuglinge haben im Nahbereich der Mutter auch einen leichteren Schlaf als
wenn sie alleine schlafen.((4))
Schläft ein gestillter Säugling bei seiner Mutter, so kommunizieren Mutter und Kind
nachts intuitiv so, dass das Stillen problemlos und möglichst „schlafschonend“
möglich ist: Videoaufnahmen zeigen, dass sich Mutter und Kind im Schlaf die
allermeiste Zeit Gesicht zu Gesicht gegenüber liegen.((5))
Neben der Gehirnaktivität verlaufen auch Herzfrequenz, Muskelspannung und die
Atmung in etwa synchron. Dabei sind die mütterlichen Schlafstadien zu einem großen
Teil mit denen des Kindes synchronisiert – Mutter und Baby schlafen also immer
ähnlich „tief“ oder „leicht“.((6)) Diese unbewusste Abstimmung bedeutet, dass das
Kind immer dann „trinkbereit“ ist, wenn sich die Mutter sowieso in einem
oberflächlichen Schlafstadium befindet.
Da die Schlafphasen zwischen Mutter und Kind zu einem großen Teil aufeinander
abgestimmt sind, werden die stillenden Mütter sehr viel seltener in der Phase des
Tiefschlafs aufgeweckt.((7)) Damit wird ihre Schlafarchitektur durch das Stillen nur
wenig gestört – der Schlaf einer stillenden Mutter, die ihr Kind in ihrem körperlichen
Nahbereich versorgt, ist trotz öfteren Aufwachsens ähnlich erholsam als der alleine
schlafender Mütter.((8))
Diese evolutionär angelegte „Trinkbereitschaft“ lässt sich auch an weiteren Daten zum
Schlafverhalten ablesen:
Gestillte Kinder, die im körperlichen Nahbereich der Mutter schlafen, trinken auf den
24-Stunden-Tag gemittelt insgesamt häufiger – dafür zeichnet vor allem die häufigere
nächtliche Nahrungsaufnahme verantwortlich.((9))
Kinder, die mit einem Schnuller schlafen (denen also sozusagen ein „Brustersatz“
angeboten wird), schlafen weniger tief.((10))
Gestillte Kinder wachen nachts häufiger auf und schlafen in einem späteren Alter
durch.((11)) ((12))
Der von Wachphasen durchbrochene Schlaf bei gestillten Kindern wird in allen
Kulturen beobachtet, d.h. er scheint ein universelles Phänomen zu sein.
Wann schlafen Kinder tatsächlich durch?
In vielen Ratgebern hören Eltern eine frohe Botschaft: Säuglinge erlernten so etwa in der
Mitte des ersten Lebenshalbjahres „durchzuschlafen“. Anna Wahlgren etwa schreibt in ihrem
KinderBuch allen Ernstes: „Nach drei, spätestens vier Monaten kannst du damit rechnen, dass
dein Kind zwölf Stunden pro Nacht schläft.“((13))
Dass schon junge Säuglinge „durchschlafen“ können, wird gerne so begründet: Mit etwa
sechs Monaten sei der Stoffwechsel des Babys so stabil, dass das Kind ohne nächtliche
Nahrungszufuhr auskomme. Der Blutzucker sinke jetzt nicht mehr wie beim ganz jungen
Säugling zwischen den Mahlzeiten ab, das Kind bleibe nun auch ohne regelmäßige
Kalorienzufuhr im „grünen Bereich“.
So einleuchtend die Begründung erscheint: das Einzige, was sie wirklich aussagt, ist, dass
nächtliche Nahrungspausen jetzt keine gesundheitlichen Probleme mehr verursachen. Sie geht
nicht darauf ein, ob es dem Säugling möglicherweise einen (Überlebens)vorteil verschafft,
wenn er nachts zusätzliche Nahrung zu sich nimmt.
Und genau das ist aus evolutionärer Sicht zu vermuten: das Gehirn braucht noch über die
ganzen ersten zwei bis drei Jahre ein erkleckliches Kalorien-Plus, um sein anfängliches
Turbo-Wachstum zu „finanzieren“. Unter den knappen Bedingungen, die in der
Frühgeschichte der Menschheit die Regel waren, war da ein nächtlicher Zuschlag sicherlich
willkommen – auch nach dem ersten Lebenshalbjahr. Kein Wunder, wenn der Schlaf dem
Rechnung trägt, indem er noch eine ganze Weile locker gefügt und damit offen für „günstige
Gelegenheiten“ bleibt.
Tatsächlich zeigt die moderne Schlafforschung, dass bei voll gestillten Säuglingen die
Häufigkeit des nächtlichen Aufwachsens in den ersten sechs Monaten praktisch nicht
abnimmt – obwohl der Blutzucker zwischen den Mahlzeiten immer weniger fluktuiert. Ja, die
Mehrzahl der Säuglinge wacht im ganzen ersten Lebensjahr in praktisch jeder Nacht
mindestens einmal, oft mehrmals auf.((14)) Unabhängig davon, ob dies unter heutigen
Bedingungen noch Sinn macht, scheint sich der Schlaf erst wieder mit etwa drei bis vier
Jahren wirklich fest zu fügen – also in dem Alter, in dem das Hirnwachstum sich deutlich
verlangsamt (übrigens ist dies in etwa auch das Alter, in dem Kinder unter den
Lebensbedingungen einer Jäger- und Sammler-Ökologie von der Brust entwöhnt
wurden)((15)).
Woher die Folklore?
Aus evolutionsbiologischer Sicht ist nächtliches Aufwachen also eine normale, zu erwartende
Reaktion kleiner Kinder. Aus dieser Sicht hat Durchschlafen auch nichts mit dem
Entwicklungsstand der Kinder zu tun. Kinder, die mit sechs Monaten „durchschlafen“,
unterscheiden sich von denen, die es nicht tun, weder in ihrer psychoemotionalen Reife noch
in sonstigen Lebenskompetenzen.
Warum sind dann so viele Eltern davon überzeugt, dass „Durchschlafen“ Teil des normalen
Entwicklungsprogramms eines kleinen Säuglings sei – ebenso überzeugt wie die Generation
ihrer Großeltern, die annahm, dass das „normale“ Kind schon mit zwei Jahren sauber sein
müsse?
Zum einen: Es gibt tatsächlich
Kinder, die schon im frühen
Säuglingsalter verlässlich
durchschlafen, d.h. ihre Eltern
nachts nicht aufwecken - so
nahmen etwa in Kent´s
Beobachtungsstudie ein Drittel der
nach Bedarf gestillten Säuglinge
im ersten Lebenshalbjahr nachts
keine Stillmahlzeit zu sich.((16))
Dies könnte damit zusammenhängen, dass manche Säuglinge tatsächlich weniger hungrig
sind als andere. So zeigen Verzehrdaten eindeutig, dass die für das Gedeihen benötigte
Nahrungsenergie von Kind zu Kind überraschend stark schwankt (schon ab dem ersten
Lebensmonat nehmen manche Kinder bis zu doppelt so viel Nahrung zu sich wie andere
gleichen Alters).((17)) ((11)) Aber auch die „Signalnähe“ dürfte eine Rolle spielen. So sind
die nächtlichen Signale eines wachen und möglicherweise zur Nahrungsaufnahme bereiten
Säuglings deutlich schlechter wahrnehmbar, wenn dieser etwa in einem eigenen Zimmer
schläft. Tatsächlich begegnen dem Kinderarzt immer wieder Fälle, in denen Säuglinge gerade
zwischen der U3 und der U4 kaum an Gewicht zunehmen, und dabei nach Angaben der
Mutter „durchschlafen“. Nachfragen ergeben dabei nicht selten, dass das Kind in einem
eigenen Zimmer schläft.
Ein weiterer Grund für den Mythos vom frühen Durchschlafen ist der selektive
Erfahrungsaustausch. Eltern berichten gerne positive Dinge über ihre Kinder: Lisa, so die
Erfolgsmeldung in der Krabbelgruppe, „schläft seit gestern durch“. Wenn sie am nächsten
Tag schon wieder nachts aufwacht, wird eher von einem anderen Entwicklungstriumph
erzählt („Lisa dreht sich jetzt um!“).
Die wenig entwicklungsgerechte Elternfolklore wird aber auch dadurch gefördert, dass sich
auch bei den „Schlafnormen“ klammheimlich das Flaschenkind als Norm etabliert hat.
Tatsächlich wird Muttermilch schneller verwertet als Formelmilch.((18)) Dazu kommt, dass
gestillte Kinder verglichen mit Flaschenkindern zumindest ab der sechsten Lebenswoche
kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen.((19)) Um ihren Wachstumsbedarf zu decken sind sie
also viel stärker auch auf eine häufigere und damit womöglich auch nächtliche
Kalorienzufuhr angewiesen. Die Annahmen der Ratgeber über das Durchschlafen von
Säuglingen spiegeln deshalb möglicherweise die Erfahrungen in Zeiten wieder, in denen nur
ein kleiner Teil der Säuglinge voll gestillt wurde.
Selbstständiges Einschlafen: die Sicht der Evolution
Das Leben mit Kindern mag tagsüber eine Wonne sein, aber wenn das Kind „ins Bett“ soll, da
geht es für viele Eltern ins Tal der Tränen. Da zweifeln nicht wenige Eltern an sich selbst und
streiten mit ihrem Partner über den besten Weg aus der Patsche. Dass sich Bücher wie „Jedes
Kind kann schlafen lernen“ millionenfach verkaufen, ist kein Wunder.
Müssen Kinder wirklich schlafen lernen? Sollten wir nicht erwarten, dass Kinder so etwas
Elementares und Lebenswichtiges schon von Natur aus können?
Die Antwort aus Sicht der evolutionären Verhaltensforschung heisst: Absolut! Allerdings mit
einer wichtigen Einschränkung – die Schlafbedingungen müssen stimmen:
Erste Bedingung ist Entspannung. Alle Säugetiere schlafen nur, wenn sie sich nicht
bedroht fühlen – adrenerge Stressreaktionen verhindern den Schlaf zuverlässig. Das
gilt auch für Kinder: Um in den Schlaf zu finden muss ein Kind nicht nur müde, satt
und warm, sondern auch frei von Angst sein. Es muss sich geschützt und geborgen
fühlen.
Zweite Bedingung ist Mitbestimmung
. Wenn Kinder müde werden, so tun sie das in
Wellen: Etwa alle 50 Minuten tritt ein kleines Kind tagsüber von einer aktiveren Phase
in eine beruhigte Phase ein. Das Tor zum Einschlafen öffnet sich sozusagen in Wellen.
Bekommt es mit einer Müdigkeitswelle nicht die „Kurve“ in den Schlaf, ist es nach
wenigen Minuten schon wieder munter. Kann das Kind selbst bestimmen, wann es auf
den Schlafzug aufspringen will, so sucht es sich in seiner „Tiefphase“ vielleicht die
Brust oder sonstwie die Nähe einer vertrauten Person.
Das erklärt, warum der Busen als Einschlafhilfe so gut wirkt wie jede moderne Narkose:
Kinder spüren die schützende Nähe der Mutter, ihre Rhythmen sind sinnlich erfahrbar, von
der Atmung bis zum Herzschlag. Außerdem ist das Baby warm und bald auch satt, und es
kann den Zeitpunkt selbst bestimmen, wann es von der Schläfrigkeit in den Schlaf abtaucht.
Schlafbedingungen sind Schutzbedingungen
Das Dilemma ist offensichtlich: Die beschriebenen Zutaten setzen die Anwesenheit eines
vertrauten Erwachsenen voraus.
So unpraktisch dies ist, evolutionsbiologisch betrachtet ist es sinnvoll: Ohne den Schutz von
Erwachsenen einzuschlafen war unter den Bedingungen der menschlichen Frühgeschichte ein
Rezept für den sicheren Tod. Die ungeschützten Winzlinge wären von Hyänen verschleppt,
von Bären gefressen oder durch eine plötzliche Kaltfront unterkühlt worden. Kein Wunder
also, dass nicht die oft besungenen Sternlein am Himmel die Brücke zum Schlaf bilden,
sondern ein vertrauter Mensch und die mit ihm verbundenen Merkmale – vom Hautkontakt
bis zur gewohnten Stimme.
Der ernüchternde Befund der Evolutionsbiologie lautet also, dass kleine Kinder keine
selbstständigen Schläfer sind. Und da Kinder bis weit in das Kleinkindalter hinein schutzlos
aber weiterhin lecker sind, gehört es auch nicht zum natürlichen Lernprogramm eines kleinen
Kindes selbstständig schlafen zu lernen. Kleine Kinder lernen von sich aus laufen und sie
werden von sich aus sauber, aber sie werden nicht aufgrund eines natürlichen Programms zu
selbstständigen Schläfern.
Abkürzungen
Damit sind Konflikte vorprogrammiert. Babys werden heute nicht mehr von Raubtieren
gefressen, egal ob sie im eigenen Bettchen oder am Busen der Mutter einschlafen. Sie
schlafen in einem sicheren Umfeld, über sich einen Feuermelder und neben sich ein
Babyphon. Aber das evolutionäre Erbe, das Kindern in der Menschheitsgeschichte das
Überleben gesichert hat, wirkt auch heute noch. Kleine Kinder nehmen sozusagen weiterhin
an, dass dort draussen vielleicht Hyänen um das Lager streifen oder Unwetter oder
Feuerbrunst droht! Und sie pochen deshalb auch heute noch auf die elterliche Präsenz.
Es wundert deshalb nicht, dass seit der Sesshaftwerdung des Menschen alle möglichen
Abkürzungen ersonnen wurden, die die elterliche Anwesenheit sozusagen simulieren: Die
mütterlichen Rhythmen wurden durch Wiegen ersetzt, durch Babyschaukeln, neuerdings auch
durch automatisch vibrierende Bettchen oder die Fahrt im Auto um den Block. Die Stimme
der Mutter wird vom Spielbären und der Baby-CD gedoubelt, anstelle der Brust wird der
Schnuller oder die mit dem Kissen aufgestellte Flasche gereicht. Geborgenheit vermittelt das
Schmusetuch, der Teddybär und das Nachtlicht. Und für Entspannung sorgen
Einschlafrituale, wie etwa das abendliche Bad, die vorgelesenen Geschichten oder gerne auch
einmal das homöopathische Beruhigungszäpfchen, das die früher von Kinderärzten gerne
ausgeteilten Sedativa ersetzt.
Moderne Einschlafprogramme: unzumutbar?
Leider funktionieren diese Ersatzstrategien nicht immer. Dazu kommt, dass die beste
Einschlafhilfe, die mütterliche Brust, oft nach wenigen Wochen oder Monaten ausser Dienst
gestellt wird – Einschlafprobleme beginnen häufig tatsächlich mit dem Abstillen. Viele Eltern
bauen deshalb auf einen kontrollierten Entzug der körperlichen Anwesenheit, d.h. auf eine
Konditionierung des Babys auf ein von der elterlichen Anwesenheit unabhängiges
Einschlafprogramm.
Hier ist nicht der Raum, um diese Schlafprogramme im Detail zu bewerten, es sei aber so viel
aus evolutionsbiologischer Perspekive gesagt:
Dass die Konditionierung auf Protest trifft, ist zu erwarten. Babys bewerten ihre
Schlafbedingungen ja nicht rational, sondern mit ihrem – evolutionär entwickelten –
„Gefühlskleid“. Solange keine Übergangsobjekte fest etabliert sind, leiten sie ihr
Sicherheitsgefühl ausschliesslich von „Nähesignale“ vertrauter Erwachsener ab.
Babys können beim Übergang zum Einschlafen ohne elterliche Präsenz auf keine
evolvierten Verhaltens- oder Lernprogramme zurückgreifen. Je weiter weg der von
den Eltern favorisierte Einschlafstil von der „Originalversion“ ist, desto größer und
angstbesetzter sind die dem Kind abverlangten Lernschritte – und umso vehementer
möglicherweise der Protest.
Es scheint als ob manche Babys auch beim Einschlafen eine höhere Dosis an „Nähe“
verlangen als andere Kinder. Dies könnte gerade für solche Kinder gelten, die tagsüber
auf eine enge, verlässliche Bindung zu ihren Eltern zurückgreifen können. In einer
Studie liess sich tatsächlich zeigen, dass sicher gebundene Kinder häufiger
Schlafprobleme haben als unsicher-vermeidend gebundene Kinder.((20))
Die Methode des „kontrollierten Schreienlassens“ und Stillen vertragen sich nicht. Die
prototypische Methode des kontrollierten Schreienlassens nach Ferber wurde in den
USA der 1980er Jahre entwickelt, zu einer Zeit, als in dem fraglichen Alter (Ferber
etwa empfiehlt seine Methode ab sechs Monaten) praktisch kein Kind mehr gestillt
wurde. Die meisten gestillten Kinder sind gewohnt, die für den Schlaf nötige
Entspannung an der Brust zu finden. Zudem trösten sie sich in beängstigenden
Situationen vorzugsweise an der Brust. Die Ferbersche Einschlafmethode trifft das
Stillkind somit mit drei Schlägen: Zum Einen wird ihm sein gewohnter Weg zur
Entspannung entzogen, zum Zweiten sein gewohnter Weg zu Trost, und zum Dritten
fehlt ihm die elterliche Präsenz, die es bei dieser Verunsicherung zu Recht erwartet –
und in anderen Situationen auch fraglos bekommt. Bei gestillten Kindern sollte
deshalb die Ferbersche Methode auf keinen Fall zum Einsatz kommen – oder
allenfalls dann, wenn das Baby nach und nach daran gewöhnt wurde, ohne den Busen
(etwa mit einem Übergangsobjekt wie etwa einem Kuscheltuch) einzuschlafen.
Nicht vergessen werden sollte aber auch ein pädagogischer Aspekt: mit vielen
Schlafprogrammen ist ein erzieherischer Zielkonflikt vorprogrammiert. Tagsüber sind
viele Eltern darauf aus, ihren Kindern ein möglichst großes Maß an Selbstvertrauen zu
vermitteln, indem die kindlichen Äußerungen ernst genommen und emotionaler
Rückhalt angeboten wird – und das insbesondere in beängstigenden Situationen. Bei
den Methoden des kontrollierten Schreienlassens wird die sonst selbstverständliche
Vermittlung emotionalen Rückhalts, das Spenden von Trost und das Eingehen auf die
kindlichen Bedürfnisse aber gerade in der angstbesetzten Situation des Einschlafens
ausgesetzt.((21))
Was sich aber aus der evolutionären Sicht sicherlich nicht ableiten lässt, ist, dass die
„Originalfassung“ des Einschlafens nicht verlassen werden darf. Wenn sich Eltern auf die
Suche nach einem mit ihrem sozialen Leben vereinbaren Ersatzprogramm machen, ist das per
se nicht „anti-evolutionär“. „Unnatürliche Zumutungen“ auf die Tagesordnung zu setzen ist
Teil der menschlichen Natur und kein Widerspruch zu unserem evolutionären „Programm“
(auch dies kann an dieser Stelle nur angedeutet werden, Vertiefung bei: ((22))). So „recht“
Kinder haben, wenn sie die Nähe der Eltern beim Zu-Bett-Gehen einfordern, so recht haben
Eltern, wenn sie ihre eigenen Interessen geltend machen und versuchen den Einschlafprozess
zu ihren Gunsten und im Sinne ihrer sozialen Bedürfnisse zu beeinflussen. Allerdings sollen
sich Eltern immer über die Kosten im Klaren sein (und diese sind für die heutigen
Konditionierungsprogramme leider nicht bekannt).
Einschlafen als Erziehungsfeld?
Es ist zu beobachten, dass sich in vielen Fällen die Diskussion ums Einschlafen von
praktischen Erwägungen losgelöst hat und immer stärker einen pädagogischen Unterton
angenommen hat. Kinder, so die Annahme, würden durch das selbstständige Einschlafen zu
selbstständigen Kindern.
Aus Sicht der Evolutionsbiologie sprechen wichtige Argumente dagegen:
Zum einen ist das selbstständige Einschlafen, wie oben ausgeführt, kein von Natur aus
„vorgesehener“ psychoemotionaler Meilenstein der Entwicklung. Es ist deshalb nicht
gerechtfertigt, aus der Beherrschung dieses kulturell konstruierten Entwicklungsziels einen
übergreifenden Reifungseffekt auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes abzulesen.
Zum zweiten ist der Weg, auf dem Kinder selbstständig werden, ein indirekter Weg, zu dem
sowohl die Erfahrung elterlicher Nähe als auch die Erfahrung der „Selbstwirksamkeit“ durch
das Kind gehören. Selbstständigkeit ist das Spiegelbild der sozialen Kompetenz – bei ihrem
Erwerb spielen deshalb Kommunikations-, Rollen- und Anpassungserfahrungen in der
Gemeinschaft, speziell in der gemischtaltrigen Kindergruppe, eine wichtige Rolle (Näheres
bei: ((22))). Anders als vom im Westen vorherrschenden „individualistischen
Erziehungsmodell“ postuliert, kann Selbstständigkeit nicht einfach durch die Eltern
anerzogen werden, und schon gar nicht in der Wiege.
Fassen wir zusammen: Aus evolutionsbiologischer Sicht entpuppen sich mehrere mit dem
Thema „Schlafen“ verbundene Grundannahmen als falsch:
Dass verlässliches „Durchschlafen“ ein vorgesehener Entwicklungsschritt im ersten
Lebenshalbjahr sei
Dass selbstständiges Einschlafen ein Lernschritt sei, der von Natur aus in der frühen
Kindheit anstehe
Dass das selbstständige Einschlafen dem Kind auch in anderen Bereichen zur
Selbstständigkeit verhelfe.
Damit zeigt sich aus Sicht der evolutionären Verhaltensforschung, dass viele der impliziten
oder expliziten kulturellen Annahmen, auf denen der heutige Umgang mit Säuglingen in
westlichen Gesellschaften beruht, nicht entwicklungsgerecht ist.
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22 Renz-Polster H: Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt. Kösel 2009
(Dieser Artikel ist ursprünglich in: Die Hebamme, Heft 6/2010 erschienen)
Der Autor
Dr. med. Herbert Renz-Polster, geb. 1960, ist Kinderarzt und Wissenschaftler am
Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg. Autor des
wissenschaftlichen Sachbuchs „Kinder verstehen. Born to be wild - wie die Evolution unsere
Kinder prägt“ (Kösel Verlag 2009). Es beschreibt die Entwicklung der Kinder aus dem
Blickwinkel der Verhaltensforschung. Mehr auch unter
www.kinder-verstehen.de
... In der heutigen Säuglingspflege wird dies noch immer sichtbar, durch getrennte Schlafplätze, das Einschlafen ohne Körperkontakt, das Weglegen des Kindes oder dem Füttern nach festen Zeiten (Bensel, 2002(Bensel, , 2008Keller et al., 2009 Dagegen wird in nicht-westlichen Bauernfamilien wie den kamerunischen Nso Familien direkter anhaltender Körperkontakt und vor allem Körperstimulation beobachtet (Keller et al., 2005a(Keller et al., , 2009). Auch wenn in westlichen Gesellschaften eine zunehmende Rückbesinnung zu traditionellen Erziehungspraktiken wie Co-Sleeping und Körperkontakt beobachtet wird (Hooker et al., 2001), spiegeln diese Ergebnisse noch immer unsere westlichen und kulturkonstruierten Entwicklungsziele der frühen Selbständigkeit wider (Renz-Polster, 2010;Valentin, 2005). Die ...
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The impact of mother-infant bedsharing on infant sleeping position, orientation, and proximity to the mother was assessed in 12 breast-feeding Latino mother-infant pairs. Six routinely bedsharing and six routinely solitary-sleeping pairs slept 3 nights in the sleep laboratory. The first night matched the routine home condition, followed by 1 bedsharing night and 1 solitary-sleeping night in random order. During bedsharing infants were never placed prone, regardless of their routine sleeping condition. On the bedsharing night, mothers and infants spent most of the night oriented toward each other; seven of 12 infants remained oriented toward their mothers the entire night. While sleeping in a face-to-face orientation, most pairs slept most of the time less than 30 cm apart with appreciable amounts of time at less than 20 cm. This orientation and proximity should facilitate sensory exchanges between mother and infant which, we hypothesize, influence the infant's sleep physiology and nocturnal behavior. We conclude that bedsharing minimizes the use of the prone infant sleeping position, probably in part to facilitate breast feeding. By promoting nonprone positions, bedsharing may protect some infants from sudden infant death syndrome (SIDS), since prone sleeping is a known risk factor for SIDS. The large percentage of the night that mothers spent oriented toward their infants suggests that a higher degree of maternal vigilance may also result from bedsharing.
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Pediatricians provide a major source of knowledge for parents about children's behavior and development, although their advice is largely based on their own cultural values and beliefs in interaction with their personal and clinical experience. This review presents cross-cultural aspects of children's sleep behavior in industrialized and complex modern societies and provides a basis for understanding dimensions and mechanisms of cultural differences. We submit that it is the interaction between culture and biology that establishes behavioral and developmental norms and expectations regarding normal and problematic children's sleep. Pediatricians need to recognize the cultural environment in which children live and be knowledgeable about how cultural beliefs and values of both families and physicians interact with the needs and biological characteristics of individual children.
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Seit Bestehen einer wissenschaftlich begründeten Ernährungslehre hat man immer wieder versucht, den Nahrungs- und Nährstoffbedarf von Kindern fiir die einzelnen Altersstufen zahlenmäßig festzulegen. Die ersten Untersuchungen beschäftigten sich vorwiegend mit der Ermittlung des Energiebedarfs und des Bedarfs an den Hauptnährstoffen. Die an gesunden Kindern gemessene Nahrungsaufnahme wurde dabei meist dem Bedarf gleichgesetzt. Beispiele für diese Untersuchungsform sind in der Kinderheilkunde die Ernährungsbeobachtungen von Camerer und Söldner (9,11), sowie von Feer (35), die an Säuglingen und Kindern schon Ende des letzten Jahrhunderts durchgeführt wurden. Die Untersuchungen von Feer über Trinkmengen an gestillten Säuglingen aus seinem eigenen Familienkreis sind heute noch als Grundlageuntersuchung gültig.
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We hypothesize that maternal sensory exchanges, likely involving a combination of heat, sound, gas, smells, movement, and touch, induce important physiological changes, especially in the healthy infant's arousal patterns, body temperature, and sleep architecture as defined by standard physiological measures. We summarize the results of two preliminary physiological studies, and some early data from a third, in which mothers and infants are monitored using standard polysomnographic techniques as they sleep in the same bed, and then in adjacent rooms. Our data suggest that infant-parent co-sleeping alters the infant's sleep experience as, for example, the characteristics of arousals, the frequency and duration of nursing, infant sleep position and the number of maternal inspections. For example, while sleeping in the same bed, mothers nurse their infants three times more frequently than they do while their infants sleep in an adjacent room. These preliminary data demonstrate significant differences between routine co-sleeping and solitary sleeping environments. This work underscores the importance of studying infant sleep as it unfolds in the co-sleeping environment, the environment within which it evolved over at least 5 million years of human evolution. Should our preliminary findings be confirmed in future studies they will provide a beginning point for considering additional, possibly unconventional ways of helping to reduce SIDS risks.
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Contrary to popular perception, studies show that parent-infant bedsharing is not uncommon in American society. A belief that bedsharing with infants negatively impacts the quality of adult sleep also appears widespread. This has not been substantiated, however, because the few studies that have measured the impact of bed-sharing on adult sleep examined only bedsharing with another adult. In the present study, laboratory polysomnography was performed in 20 routinely bedsharing and 15 routinely solitary-sleeping, breastfeeding, Latino mother-infant pairs comparing the mothers’ sleep when bedsharing to solitary-sleeping nights. Infants were 11-15 weeks old at the time. Irrespective of routine sleeping arrangement, mothers’ total sleep time was not decreased on the bedsharing night compared to the solitary night. Across the two groups, percent Stage 3–4 sleep (of total sleep time) was significantly reduced on the bedsharing night but only by 3.9%, while Stage 1–2 sleep was increased 3.7%. Episodes of both Stages 3-4 and 1-2 were significantly shorter. The amount of rapid eye movement (REM) sleep was unaffected. Overall, arousal frequency was significantly increased by 3.6 hour⁻¹. As the increase in arousal frequency was stage specific, it could account for the pattern of stage changes. Nocturnal wakefulness was not increased, however, because awakenings were of shorter duration. These effects of bedsharing did not habituate with routine bedsharing because they were not diminished in the routinely bedsharing mothers compared to the routinely solitary-sleeping mothers. We find that the impact of bedsharing on maternal sleep is modest and somewhat different from the reported impact of sleeping with another adult. From the infant's standpoint, the effects on maternal sleep are adaptive to the extent that opportunities to monitor the infant's status are enhanced. The mother's caregiver role is likely germane to differential effects on sleep of bedsharing with an infant versus another adult.
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Because breastfeeding is thought to be protective against sudden infant death syndrome (SIDS), environmental or child care factors that promote breastfeeding might reduce infant vulnerability to SIDS. The effect of mother-infant bedsharing on nocturnal breastfeeding behavior was studied in 20 routinely bedsharing and 15 routinely solitary sleeping Latino mother-infant pairs when the infants were 3 to 4 months old. All pairs were healthy and exclusively breastfeeding at night. The videotape portion of all-night laboratory polysomnographic studies was used for the analyses. For each pair, an adaptation night was followed by one night each of bedsharing and solitary sleeping. The most important finding is that when tested in their usual sleeping conditions, routinely bedsharing infants breastfed approximately three times longer during the night than infants who routinely slept separately: this reflected a two-fold increase in the number of breastfeeding episodes and 39% longer episodes. Breastfeeding was also facilitated on the bedsharing night relative to the solitary night within the routinely bedsharing group: the number and total duration of breastfeeding episodes were significantly larger on the bedsharing night. We suggest that, by increasing breastfeeding, bedsharing might be protective against SIDS, at least in some contexts. Furthermore, maternal reproductive physiology could be impacted because nursing frequency affects ovulation. This is the first study to directly measure nocturnal breastfeeding behavior in any cultural group.
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Normative values for infant sleep architecture have been established exclusively in the solitary sleeping environment. However, most of the world's cultures practice some form of parent-infant cosleeping. In addition, no previous polysomnographic studies in infants examined the frequency of electroencephalogram (EEG) arousals. This is the first study to assess (a) EEG arousals in infants and their relationship to sleep stages; (b) the impact on arousals of mother-infant bed sharing; and (c) the temporal overlap of infant with maternal arousals during bed sharing. Three nights of polysomnography were performed in 35 breastfeeding mother-infant pairs when the infants were 11 to 15 weeks old. An adaptation night was followed by one bed sharing night and one solitary sleeping night. Twenty infants had been bed sharing since birth and 15 were routine solitary sleepers. Both epochal awakenings (EWs), based on 30-second epoch scoring of sleep-wake stages, and more transient arousals (TAs) >/=3 seconds were quantified. Stage 3-4 sleep was associated with a striking paucity of EWs and TAs compared with stages 1-2 or rapid eye movement sleep. Bed sharing facilitated EWs and TAs selectively during stage 3-4 sleep. EWs from stage 3-4 sleep were more frequent on the bed sharing night than on the solitary night in both infant groups. Routinely bed sharing infants also exhibited more frequent TAs in stage 3-4 than the routine solitary sleepers in both conditions. In both groups, the number of infant arousals (EWs + TAs) that overlapped the mother's was doubled during bed sharing, with infant arousals leading most often. Mother-infant bed sharing promotes infant arousals. Together with a previous report that bed sharing reduces stage 3-4 sleep, this suggests that normative values for infant sleep must be interpreted within the context of the sleeping environment in which they were established. Given that arousability is diminished in stage 3-4, we speculate that, under otherwise safe conditions, the observed changes in stage 3-4 sleep and arousals associated with bed sharing might be protective to infants at risk for SIDS because of a hypothesized arousal deficit. The responsivity of the mother to infant arousals during bed sharing might also be protective.
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The 13C-octanoic acid breath test, a noninvasive method for measuring gastric emptying, was used to compare the gastric-emptying rate of formula-fed and breast-fed infants. Octanoic acid, a medium-chain fatty acid marked with the stable isotope 13C is immediately absorbed in the duodenum. Because gastric emptying is the rate-limiting step for the absorption of medium-chain fatty acids, the fraction of 13C expired in the breath indicates the rate of gastric emptying. Twenty-nine newborn infants (16 boys, 13 girls) were investigated, with parental consent. The infants had a mean gestational age at birth of 34.5 weeks (range, 27-41 weeks) and a birth weight of 2148 g (range, 960-4100 g). Their mean weight on the day of the test was 2496 g (range, 1998-4140 g), and their mean age was 23 days (range, 7-74 days). Each infant received a test meal after a maximum fasting period of 3 hours. Fourteen infants were fed formula milk (Nutrilon Premium, NV Nutricia, Zoetermeer, The Netherlands) with 13C-octanoic acid and 15 infants received expressed mother's milk mixed with 13C-octanoic acid. After obtaining two basal breath samples and the feeding, breath samples were collected using a nasal prong, every 5 minutes during the first half hour and every 15 minutes during the next 3.5 hours. Analysis of the expired 13C fraction in the breath samples was performed using isotope-ratio mass spectrometry, and the gastric emptying curve and gastric emptying parameters were determined. The mean half-emptying time determined by the 13C-octanoic acid breath test was 65 minutes (range, 27-98 minutes) for the formula fed infants and 47 minutes (range, 16-86 minutes) for the breast-fed infants. The difference between the half-emptying times is significant (t-test, p < 0.05). The results of the 13C-octanoic acid breath test indicated faster gastric emptying of human milk than formula. Our findings are in accordance with those in earlier studies, using the invasive-dilution technique; noninvasive and detailed ultrasonography, which is not easily used because it is operator dependent and the observation time is short; or cineesophago-gastroscintigraphy, which is less suitable for infants (because of the radiation involved). The 13C-octanoic acid breath test is a safe and noninvasive method for measuring gastric emptying in small infants and allows comparison of various feeding methods.
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Few objective data are available regarding infants' night waking behaviors and the development of self-soothing during the first year of life. This cross-sectional study examined 80 infants in one of four age groups (3, 6, 9, or 12 mo) for four nights by using videosomnography to code nighttime awakenings and parent-child interactions. A large degree of variability was observed in parents' putting the infant to bed awake or asleep and in responding to vocalizations after nighttime awakenings. Most infants woke during the night at all ages observed. Younger infants tended to require parental intervention at night to return to sleep, whereas older infants exhibited a greater proportion of self-soothing after nighttime awakenings. However, even in the 12-month-old group, 50% of infants typically required parental intervention to get back to sleep after waking. Results emphasize the individual and contextual factors that effect the development of self-soothing behavior during the first year of life.
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To study age trends, long-term course and secular changes of bed-sharing practices, and sleep problems among Swiss families. A total of 493 children were longitudinally followed between 1974 and 2001 by using structured sleep-related interviews at 1, 3, 6, 9, 12, 18, and 24 months after birth and at annual intervals thereafter until 10 years of age. Parents were queried about bed sharing, night wakings, bedtime resistance, and sleep-onset difficulties during the 3 months before each follow-up interview. Although in the first year of life relatively few children slept with their parents (<10%), bed sharing increased with age and reached a maximum at 4 years (> or =1 times per week: 38%). Bed sharing of at least once per week was noted in 44% of the children between 2 and 7 years old. Nocturnal wakings also increased from 6 months old to a maximum at 4 years, when more than half of all children woke up at least once per week (22% every night at 3 years). Less than 10% of all children demonstrated frequent bedtime resistance and sleep-onset difficulties. Bed sharing and night wakings during early infancy were not predictive for bed sharing or night wakings during childhood, whereas both bed sharing and night wakings during childhood tended to persist over time. In contrast, bedtime resistance and sleep-onset difficulties seemed to be rather transient phenomena across all ages. No consistent cohort trends were found except for bedtime resistance, which decreased significantly between 1974 and 2001. Bed sharing and nocturnal wakings are common during early childhood. Developmental changes in separation-attachment processes, cognitive capabilities to develop self-recognition and nighttime fears, and motor locomotion may contribute to the particular age trend of night wakings and bed sharing during early childhood.