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Die Inanspruchnahme formeller Hilfen durch Menschen mit problematischem oder pathologischem Glücksspielverhalten

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Abstract

Menschen mit problematischem oder pathologischem Glücksspielverhalten werden bislang durch das professionelle Hilfesystem nur marginal erreicht. Mittels einer Medline- und WISO-Datenbankrecherche wurden die vorliegenden Primärstudien, die Aussagen über die Faktoren treffen, welche den Inanspruchnahmeprozess steuern, identifiziert und im Rahmen eines entscheidungstheoretischen Modells ausgewertet. Es zeigt sich, dass Menschen mit problematischem oder pathologischem Glücksspielverhalten im Vergleich zu anderen Suchtkranken spezifische Barrieren zu überwinden haben. Entscheidende Determinanten, die einen Hilfesuchprozess fördern oder blockieren können, liegen dabei vor allem auf der Ebene der Person. Eine besondere Bedeutung kommt hier dem Ausprägungsgrad der Glücksspielsucht und den damit in der Regel assoziierten negativen finanziellen und psychosozialen Folgen zu, die die Inanspruchnahme formeller Hilfen begünstigen. Strukturelle Voraussetzungen der Einrichtungen treten demgegenüber in den Hintergrund. Daraus lassen sich abschließend verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Erreichbarkeit ableiten.

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... Die Versorgungssituation von Menschen mit glücksspielsuchtspezifischen Problemen wird in der Schweiz als ausreichend eingeschätzt (Häfeli & Schneider 2003;Künzi, Fritschi, Oesch, Gehring & Julien, 2009). Ein zentrales Problem bei der Beratung und Behandlung von Personen mit einem problematischen oder pathologischen Spielverhalten ist jedoch, dass sich nur ein kleiner Teil von ihnen an eine spezialisierte Beratungsstelle wendet (Bischof et al., 2012;Meyer et al., 2011;Laging, 2009). Wie die Eidgençssische Spielbankenkommission (ESBK) in ihrer auf der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) 2007 basierenden Prävalenzstudie festhält (ESBK, 2009), gaben in der SGB weniger als 0.1 % der Befragten an, im Zusammenhang mit Spielproblemen Hilfe gesucht zu haben. ...
... In etwa einem Drittel der Fälle wurden die Fachpersonen von der betroffenen Person selber auf die glücksspielsuchtspezifischen Probleme aufmerksam gemacht und in 30 % wurden die Fachpersonen durch Dritte in Kenntnis gesetzt. Dieses Ergebnis ist vor dem Hintergrund der empirischen Evidenz, wonach sich Spielsüchtige kaum an suchtspezifische Beratungsstellen wenden(Bischof et al., 2012;Meyer et al., 2011;Laging, 2009), von grosser Bedeutung. Denn dieser Befund bestätigt die eingangs erwähnte Annahme, dass sich Personen mit glücksspielsuchtbezogenen Problemen zwar nicht an spezialisierte Beratungsstellen wenden, ihre mit der Glücksspielsucht zusammenhängenden Probleme aber mit Fachpersonen aus dem externen Versorgungssystem besprechen, sodass die Fachpersonen aus diesen Institutionen die Glücksspielsucht frühzeitig erkennen kçnnten.Mit wenigen Ausnahmen sprachen die Fachpersonen die betroffenen Personen nach entsprechenden Hinweisen auf mçgliche glücksspielsuchtspezifischen Probleme an. ...
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Fragestellung: Nur ein kleiner Teil der Personen mit einem problematischen Glücksspielverhalten wendet sich an eine spezialisierte Beratungsstelle. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass ein Teil der betroffenen Personen Unterstützung von Fachpersonen ausserhalb der Suchthilfe in Anspruch nimmt. Voraussetzung, dass die Fachpersonen eine Glücksspielsucht frühzeitig erkennen, ist jedoch, dass sie in Bezug auf die Glücksspielproblematik sensibilisiert sind. Deshalb interessiert, inwieweit Fachpersonen des externen Versorgungssystems für die Thematik der Glücksspielsucht sensibilisiert sind. Methodik: Es wurde eine Online-Befragung mit Personen des externen Versorgungssystems durchgeführt. Ergebnisse: Das Phänomen der glücksspielsuchtspezifischen Problematik nimmt im beruflichen Alltag der Fachpersonen aus dem externen Versorgungssystem eine kleine Rolle ein. Es besteht jedoch der Bedarf nach Sensibilisierungsmassnahmen. Schlussfolgerungen: Das externe Versorgungssystem ist eine wichtige Ressource in der Versorgungslandschaft von Personen mit glücksspielsuchtspezifischen Problemen. Um dieses Potential nutzen zu können, braucht es Schulungsmassnahmen mit Fokus auf die Früherkennung von glücksspielsuchtbezogenen Problemen sowie ein Schnittstellenmanagement zu den Suchtfachstellen.
... Focusing on GPs' understandings of what characterises problem gambling can therefore improve the identification of gambling-related issues in primary health care (e.g. Laging, 2009), as well as offer a pragmatic but medically informed conceptualisation of problem gambling. Indeed, while GPs have first-hand contact with problem gamblers, they have little professional qualification to offer treatment (Christensen et al., 2001). ...
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Aims Problem gambling is normally identified by fixed criteria of harm adapted from those of substance abuse and by focusing on the individual gambler. However, rigid definitions neglect institutional variations of gambling practices within different legislative configurations. This study proposes analysing the line between recreational and problem gambling by focusing on gambling behaviour and looking at the corruption of the defining factors of play (Caillois, 1958) in three different institutional contexts. Design A stimulated focus-group method (Reception Analytical Group Interview) was applied to seven groups of Finnish and French general practitioners each and three groups of German ones to study the variations of conceptualising the defining factors of play as introduced by Caillois. Results Corruption of play was distinguished by participants from all three countries as the dividing line between recreational and problem gambling, but cultural variations were found: the French and German GPs emphasised the loss of the exceptionality of gambling, whereas the Finnish GPs highlighted the invasion of the home by online gambling. Furthermore, the Finnish and German participants were more concerned about the use of gambling as an emotional regulator, while French GPs echoed the French medical model in discussing the adrenaline rush of problem gamblers. Conclusions Caillois' defining factors of play can be used to distinguish recreational from problem gambling and to offer a more encompassing definition of problem gambling. The perception of the line between recreational and problem gambling also seems to depend on the institutional and cultural context.
... Diese Befunde stimmen mit vorangegangenen Bevçlkerungsstudien anderer Länder überein (Slutske, 2006;Slutske et al., 2009). Darüber hinausgehend zeigen die Analysen, dass es deutliche Unterschiede zwischen Personen gibt, die formelle Hilfen in Anspruch nehmen, und Nicht-Inanspruchnehmern bezüglich der erfüllten DSM-IV Kri- (Hingson, Mangione, Meyers & Scotch, 1982;Hingson, Scotch, Day & Culbert, 1980 (Hodgins & El-Guebaly, 2000;Laging, 2009;Rockloff & Schofield, 2004;Suurvali, Cordingley, Hodgins & Cunningham, 2009). Die Befunde der PAGE-Studie belegen die Notwendigkeit, Barrieren der Inanspruchnahme des Suchthilfesystems intensiver zu erforschen und das Angebot entsprechend anzupassen. ...
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Ziel: Die vorliegende Studie berichtet über die Inanspruchnahme von suchtspezifischen Hilfen bei Pathologischen Glücksspielern. Methode: Die Bevölkerungsstichprobe basiert auf 15 023 Probanden, deren Telefonnummern zufällig gezogen wurden. Zusätzlich wurden in 39 Glücksspielstätten 303 Spieler befragt. Mit einem computergestützten telefonischen Interview wurden Spielverhalten und Spielprobleme bezogen auf die Lebenszeit erfragt. In beiden Stichproben zusammen wurden 232 Probanden erfasst, die im Verlauf ihres Lebens pathologisch gespielt hatten. Von ihnen erhielten 105 Personen ein vertiefendes klinisches Interview. Ergebnisse: Von den Befragten berichteten 20 % Kontakt zum Hilfesystem im Verlauf ihres Lebens. Weitergehenden Kontakt berichteten 10,5 %, am häufigsten wurden Suchtberatungsstellen (5,7 %), Selbsthilfegruppen (4,8 %) und ambulante Psychotherapie (3,8 %) genannt. Inanspruchnahme formeller Hilfen war mit der Problemschwere assoziiert (p = .022). Außerdem zeigte sich ein Zusammenhang zwischen bestimmten DSM-IV Kriterien und dem Kontakt zum Hilfesystem. Schlussfolgerungen: Es ist von einer gravierenden Unterversorgung Pathologischer Glücksspieler auszugehen. Glücksspielspezifische Hilfeangebote scheinen die Betroffenen bislang nicht in ausreichendem Maße zu erreichen.
... Focusing on GPs' understandings of what characterises problem gambling can therefore improve the identification of gambling-related issues in primary health care (e.g. Laging, 2009), as well as offer a pragmatic but medically informed conceptualisation of problem gambling. Indeed, while GPs have first-hand contact with problem gamblers, they have little professional qualification to offer treatment (Christensen et al., 2001). ...
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AIMS - Problem gambling is normally identified by fixed criteria of harm adapted from those of substance abuse and by focusing on the individual gambler. However, rigid definitions neglect institutional variations of gambling practices within different legislative configurations. This study proposes analysing the line between recreational and problem gambling by focusing on gambling behaviour and looking at the corruption of the defining factors of play (Caillois, 1958) in three different institutional contexts. DESIGN - A stimulated focus-group method (Reception Analytical Group Interview) was applied to seven groups of Finnish and French general practitioners each and three groups of German ones to study the variations of conceptualising the defining factors of play as introduced by Caillois. RESULTS - Corruption of play was distinguished by participants from all three countries as the dividing line between recreational and problem gambling, but cultural variations were found: the French and German GPs emphasised the loss of the exceptionality of gambling, whereas the Finnish GPs highlighted the invasion of the home by online gambling. Furthermore, the Finnish and German participants were more concerned about the use of gambling as an emotional regulator, while French GPs echoed the French medical model in discussing the adrenaline rush of problem gamblers. CONCLUSIONS - Caillois' defining factors of play can be used to distinguish recreational from problem gambling and to offer a more encompassing definition of problem gambling. The perception of the line between recreational and problem gambling also seems to depend on the institutional and cultural context.
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Nach einer Übersicht über personenbezogene Korrelate und Risikofaktoren für pathologisches Glücksspielen (PG) werden universelle, selektive und indizierte verhaltenspräventive Maßnahmen anhand aktueller Überblicksarbeiten vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Frage nach der Verbesserung der derzeit geringen Erreichbarkeit von Glücksspielern, die erste Anzeichen einer beginnenden Störung zeigen. Weiterhin erfolgt eine Darstellung der in der Literatur empfohlenen Leitlinien für Präventionsstrategien. Aufgrund des hohen Anteils von Glücksspielern (etwa 45 %) und des geringen Anteils von Personen mit PG (etwa 0,3 %) in der Bevölkerung werden als Schwerpunkt selektive und indizierte Präventionsmaßnahmen empfohlen. Abschließend wird u. a. diskutiert, wie und in welcher Abfolge verhaltens- und verhältnispräventive Maßnahmen sinnvoll kombiniert werden könnten.
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