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Biofeedback bei chronischem Tinnitus: Behandlungsleitfaden und vorläufige Ergebnisse zu Wirksamkeit und Akzeptanz [Biofeedback for Chronic Tinnitus: Treatment Guidelines and Preliminary Results Regarding Their Efficacy and Acceptance]

Authors:

Abstract and Figures

Einleitung: Viele Tinnitusbetroffene suchen aufgrund ihres organischen Krankheitsverständnisses eher somatische als psychotherapeutische Behandlungen auf. Durch die Erweiterung verhaltenstherapeutischer Ansätze um Biofeedbackelemente kann der Einstieg in psychotherapeutische Verfahren möglicherweise erleichtert werden. Ziel der vorliegenden randomisierten kontrollierten Studie war es, ein psychophysiologisches Therapiemanual zu entwickeln und seine Akzeptanz bei chronischen Tinnituspatienten zu untersuchen. In der Behandlung werden zum einen kognitiv-behaviorale Techniken zum Einfluss von Stress und Kognitionen auf das Tinnituserleben eingesetzt. Zum anderen werden durch die Rückmeldung körperlicher Parameter psychophysiologische Zusammenhänge demonstriert. Da bei Tinnitusbetroffenen eine erhöhte Muskelanspannung im Kopf- und Schulterbereich angenommen wird, soll mittels Biofeedback die gezielte Entspannung dieser Muskeln trainiert werden. Patienten und Methode: Zur Evaluation des Therapieprogramms wurden 65 Tinnituspatienten randomisiert zur Interventions- oder Wartekontrollgruppe zugewiesen. Das Therapieergebnis wurde mit Skalen zur Zufriedenheit, dem Tinnitusfragebogen und einem Tinnitustagebuch erfasst. Ergebnisse: Die entwickelte Behandlung wurde sehr gut akzeptiert und hatte keine Nebenwirkungen. Zudem wurde eine deutliche Verringerung der Tinnitusbelastung nachgewiesen, was durch mittlere bis hohe Effektstärken unterstützt wird. Schlussfolgerung: Das entwickelte biofeedbackgestützte Behandlungsmanual stellt ein sehr gut akzeptiertes und wirksames Verfahren zur Verringerung der Tinnitusbelastung dar und erleichtert Patienten mit somatischem Krankheitsmodell durch seine Fokussierung auf physiologische Parameter den �bergang zu einer eher psychosomatischen Sichtweise.
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Originalarbeit · Original Article
Verhaltenstherapie 2007;17:220–230
Online publiziert: 27. November 2007
DOI: 10.1159/000111462
Key Words
Tinnitus · Biofeedback · Psychophysiological treatment ·
Treatment protocol · Randomised controlled clinical trial
Summary
Biofeedback for Chronic Tinnitus – Treatment Guidelines
and Preliminary Results Regarding Their Efficacy and
Acceptance
Introduction: Many tinnitus sufferers receive their illness as
somatic and thus search for somatic treatments. Therefore,
complementing well established cognitive-behavioural
strategies by biofeedback techniques may be a promising
approach, because it may increase patients’ readiness for
psychotherapy. The aim of our randomised controlled trial
was to develop a psychophysiological approach and to as-
sess its acceptance in patients with chronic tinnitus. In the
cognitive-behavioural part of the approach patients were in-
formed about the influence of stress and cognitions on the
way they perceived their tinnitus and learned different cop-
ing strategies. Additionally, feedback of bodily parameters
demonstrated psychophysiological relationships. As tinni-
tus patients are assumed to suffer from increased muscle
tension in head and shoulders, biofeedback was also used
to train them to release these muscles. Patients and Meth-
ods: 65 patients with chronic tinnitus were randomly as-
signed to either an intervention or a waiting list group.
Treatment outcome was assessed by scales on treatment
satisfaction, a tinnitus questionnaire and a tinnitus diary. Re-
sults: The treatment was very well accepted and no adverse
effects were reported. Furthermore, strong improvements
in tinnitus distress, annoyance and perceived control of tin-
nitus could be found. These results are supported by mod-
erate to high effect sizes. Conclusion: This treatment ap-
proach is very well accepted and effective in reducing tinni-
tus distress. Through demonstrating psychophysiological
relationships the biofeedback-based intervention helps pa-
tients change their somatic illness perceptions and en-
hances readiness for psychotherapy.
Schlüsselwörter
Tinnitus Biofeedback · Psychophysiologische Behandlung ·
Behandlungsleitfaden · Randomisierte kontrollierte
Interventionsstudie
Zusammenfassung
Einleitung: Viele Tinnitusbetroffene suchen aufgrund ihres
organischen Krankheitsverständnisses eher somatische als
psychotherapeutische Behandlungen auf. Durch die Erwei-
terung verhaltenstherapeutischer Ansätze um Biofeedback-
elemente kann der Einstieg in psychotherapeutische Verfah-
ren möglicherweise erleichtert werden. Ziel der vorliegen-
den randomisierten kontrollierten Studie war es, ein
psychophysiologisches Therapiemanual zu entwickeln und
seine Akzeptanz bei chronischen Tinnituspatienten zu unter-
suchen. In der Behandlung werden zum einen kognitiv-be-
haviorale Techniken zum Einfluss von Stress und Kognitio-
nen auf das Tinnituserleben eingesetzt. Zum anderen wer-
den durch die Rückmeldung körperlicher Parameter psycho-
physiologische Zusammenhänge demonstriert. Da bei
Tinnitusbetroffenen eine erhöhte Muskelanspannung im
Kopf- und Schulterbereich angenommen wird, soll mittels
Biofeedback die gezielte Entspannung dieser Muskeln trai-
niert werden. Patienten und Methode: Zur Evaluation des
Therapieprogramms wurden 65 Tinnituspatienten randomi-
siert zur Interventions- oder Wartekontrollgruppe zugewie-
sen. Das Therapieergebnis wurde mit Skalen zur Zufrieden-
heit, dem Tinnitusfragebogen und einem Tinnitustagebuch
erfasst. Ergebnisse: Die entwickelte Behandlung wurde sehr
gut akzeptiert und hatte keine Nebenwirkungen. Zudem
wurde eine deutliche Verringerung der Tinnitusbelastung
nachgewiesen, was durch mittlere bis hohe Effektstärken
unterstützt wird. Schlussfolgerung: Das entwickelte biofeed-
backgestützte Behandlungsmanual stellt ein sehr gut akzep-
tiertes und wirksames Verfahren zur Verringerung der Tinni-
tusbelastung dar und erleichtert Patienten mit somatischem
Krankheitsmodell durch seine Fokussierung auf physiologi-
sche Parameter den Übergang zu einer eher psychosomati-
schen Sichtweise.
Dipl.-Psych. Cornelia Weise
Gutenbergstraße 18
D-35032 Marburg, Deutschland
Tel. +49 6421 28-25498, Fax+-28904
E-mail weise@staff.uni-marburg.de
Verhaltenstherapie
Biofeedback bei chronischem Tinnitus – Behandlungs-
leitfaden und vorläufige Ergebnisse zu Wirksamkeit und
Akzeptanz
Cornelia Weise Kristin Heinecke Winfried Rief
Klinische Psychologie und Psychotherapie, Philipps-Universität Marburg, Deutschland
© 2007 S. Karger GmbH, Freiburg
Accessible online at:
www.karger.com/ver
Fax +49 761 4 52 07 14
E-mail Information@Karger.de
www.karger.com
Einleitung
Tinnitus bezeichnet Geräuschwahrnehmungen, denen keine
akustischen Signale zugrunde liegen und die keinen Signal-
oder Informationscharakter für den Betroffenen haben [Le-
narz, 1992]. Betroffene beschreiben die physikalisch nicht
messbaren Geräusche, die im Ohr oder auch im Kopf wahrge-
nommen werden, als Pfeifen, Rauschen, Zischen oder Brum-
men. Die dadurch erlebte Beeinträchtigung kann stark variie-
ren. So wird ein kompensierter Tinnitus vom Betroffenen
meist nicht als belastend erlebt. Ein dekompensierter Tinnitus
stellt hingegen eine große Belastung dar und geht meist mit
einer ausgeprägten Sekundärsymptomatik einher. Betroffene
beschreiben Hörbeeinträchtigungen, Konzentrationsproble-
me, Angespanntheit, Schlafstörungen und gedrückte Stim-
mung und leiden unter der fehlenden Kontrolle über den Tin-
nitus [Zenner, 1998]. Meist wird ab einer Dauer von 6 Mona-
ten von chronischem Tinnitus gesprochen; einige Autoren be-
zeichnen die Ohrgeräusche jedoch bereits nach wenigen
Tagen oder Wochen als chronisch [Pilgramm et al., 1999].
Nach einer repräsentativen Untersuchung der Deutschen Tin-
nitus-Liga leiden allein in Deutschland 2,7 Millionen Men-
schen unter chronischem Tinnitus. Davon fühlen sich 1,5 Milli-
onen Menschen durch die Ohrgeräusche mittelschwer bis sehr
stark beeinträchtigt. Jährlich kommen etwa 250 000 chroni-
sche Tinnituspatienten hinzu [Pilgramm et al., 1999].
Therapieansätze
Bis heute existiert kein gesichertes Ätiologiemodell, aus dem
ein klares therapeutisches Herangehen abgeleitet werden
könnte. Beim akuten und subaktiven Tinnitus werden medi-
kamentöse und orthopädische Therapien eingesetzt, die je-
doch bei chronischem Tinnitus wenig erfolgversprechend sind
[Goebel, 1997; Lenarz, 1998]. Bei der Behandlung des chroni-
schen Tinnitus stehen neben akustisch-apparativen vor allem
psychotherapeutische Verfahren im Vordergrund. Diese stre-
ben eine Verbesserung des Umgangs mit dem Ohrgeräusch
sowie die Bewältigung der Krankheitsfolgen an, aber keine
ursächliche Behandlung. Zu den Standardverfahren zählen
heute multimodale verhaltenstherapeutische Ansätze, die im
ambulanten sowie stationären Bereich (dort meist im Grup-
pensetting) angewendet werden und eine umfassende Be-
handlung ermöglichen sollen [Goebel, 2001; Goebel et al.,
2001].
Diesen psychotherapeutischen Ansätzen liegen das Habitua-
tionsmodell von Hallam [1987] und das neurophysiologische
Modell von Jastreboff und Hazell [1993] zugrunde. Das Hal-
lam’sche Modell geht von einer fehlenden Habituation an den
Tinnitus aus, bei der die Aufmerksamkeit auf den Tinnitus fo-
kussiert wird. Durch dysfunktionale Bewertungen und defizi-
täres Coping kommt es in der Folge zu einer Stressreaktion,
die die Beeinträchtigung durch den Tinnitus verstärkt. Das
Modell von Jastreboff und Hazell [1993] beschreibt die Tinni-
tusentstehung als 3-stufigen Prozess. Danach entsteht Tinnitus
zunächst durch eine periphere Schädigung unter Beteiligung
von Gehörschnecke oder Hörnerv und wird im zweiten Schritt
durch Signalentdeckungsprozesse unterhalb der Hirnrinde er-
kannt. Der akustische Reiz wird danach in den Bereichen der
Hirnrinde wahrgenommen und bewertet. Von besonderer Be-
deutung ist die Verknüpfung des Hörprozesses mit dem limbi-
schen System. Es wird davon ausgegangen, dass der sich ent-
wickelnde Tinnitus negative Assoziationen auslöst, was wiede-
rum zu physiologischen Angst- und Anspannungsreaktionen
führen kann. Neuere Ansätze der Arbeitsgruppe um Elbert
beschäftigen sich mit Prozessen der kortikalen Reorganisation
[Mühlnickel et al., 1998], wonach am Beginn eines subjektiven
Tinnitus eine selektive, temporäre kochleäre Deafferenzie-
rung steht. Dadurch kann es zur Veränderung der zentralen
neuronalen Aktivität sowie der neuronalen Netzwerkarchi-
tektur und damit auch zur Tinnituswahrnehmung kommen
[Weisz et al., 2005, 2007].
Aus den dargestellten Modellen wurden Ziele für verhaltens-
therapeutische Interventionen abgeleitet: Psychoedukation,
Aufmerksamkeitsumlenkung, Modifikation dysfunktionaler
Kognitionen, Verbesserung von Copingstrategien und Förde-
rung der Entspannungsfähigkeit. Die Wirksamkeit solcher
verhaltenstherapeutischer Ansätze wurde in mehreren Stu-
dien untersucht [Andersson et al., 2002; Hiller und Haerköt-
ter, 2005; Kröner-Herwig et al., 1995]. Ein wichtiges kognitiv-
verhaltenstherapeutisches Konzept wurde von Kröner-Herwig
und Mitarbeitern entwickelt und evaluiert [Kröner-Herwig,
1997; Schilkowsky et al., 1997]. Beispielsweise wurde die
Wirksamkeit dieses Tinnitusbewältigungstrainings (TBT) im
Rahmen einer randomisierten Studie im Vergleich zu zwei
Minimal-Contact-Interventionen sowie einer Wartekontroll-
gruppe (WKG) untersucht [Kröner-Herwig et al., 2003].
Dabei zeigten sich in der TBT-Gruppe verglichen mit der
WKG signifikante Verbesserungen hinsichtlich Tinnitusbewäl-
tigung, -verarbeitung und -bewertung. Das TBT war den Mi-
nimal-Contact-Bedingungen leicht überlegen, die wiederum
wirksamer als die Wartebedingung waren. Eine aktuelle Stu-
die von Goebel et al. [2006] konnte die Wirksamkeit einer
multimodalen, kognitiv-verhaltenstherapeutischen Interven-
tion gegenüber einer Wartebedingung belegen. Dabei zeigten
sich signifikante, klinisch relevante Verbesserungen hinsicht-
lich Tinnitusbelastung, Tinnituslautstärke, Stress und Tinnitus-
kontrollierbarkeit. Diese Ergebnisse waren 15 Jahre nach
Therapieende stabil. Des Weiteren belegen auch metaanalyti-
sche Befunde die Wirksamkeit verhaltenstherapeutischer An-
sätze. So ermittelten Andersson und Lyttkens [1999] mittlere
bis hohe Effektstärken für die Verbesserung der Tinnitusbe-
lastung. Für die Tinnituslautstärke konnten nur unmittelbar
nach Therapieende Effekte nachgewiesen werden, nicht aber
zum Zeitpunkt des Follow-up. Hinsichtlich negativer Stim-
mung sowie Schlafbeeinträchtigungen zeigten sich nur kleine
Effekte.
Obwohl die Wirksamkeit kognitiv-behavioraler Ansätze ins-
gesamt belegt werden konnte, werden sie nicht von allen Pa-
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tienten angenommen, da viele Tinnituspatienten ein stark
somatisch geprägtes Krankheitsverständnis haben. Dadurch
ist die Bereitschaft für psychotherapeutische Verfahren
oft eingeschränkt. Im Rahmen stationärer multimodaler Be-
handlungsprogramme wird daher der rein kognitiv-verhal-
tenstherapeutische Ansatz oftmals durch Biofeedback er-
weitert. Dazu werden muskuläre und peripherphysiologische
Parameter gemessen und rückgemeldet, um gezielte Entspan-
nung zu trainieren. Dieses Vorgehen beruht auf der Annah-
me, dass bei Tinnituspatienten eine stärkere Anspannung der
Muskulatur im Stirn- und Kiefer- sowie im Hals- und Schul-
terbereich vorliegen kann [Bernhardt et al., 2004; Biesinger,
2001; Folmer und Griest, 2003]. Zudem konnte eine Studie
von Rief et al. [2004] belegen, dass Tinnituspatienten unter
Stress eine stärkere psychophysiologische Aktivierung aufwei-
sen, weshalb gezielte Entspannung indiziert sein kann. Durch
das biofeedbackgestützte Entspannungstraining können Pa-
tienten Bewusstheit für die Muskulatur erlangen, mögliche
Fehlhaltungen erkennen und abbauen und weiteren Verspan-
nungen vorbeugen. Sowohl die erlebte Selbstkontrolle als
auch die verbesserte Entspannungsfähigkeit können sich posi-
tiv auf das Tinnituserleben auswirken. Weiterhin kann mittels
Biofeedback der enge Zusammenhang zwischen körperlichen
und psychischen Aspekten demonstriert werden, wodurch ein
Übergang von einem eher somatischen zu einem mehr
psychosomatischen Krankheitsmodell ermöglicht wird. Eine
biofeedbackgestützte Intervention kann daher nicht nur das
Krankheitsverständnis verbessern, sondern auch die Psycho-
therapiemotivation steigern [Kroymann et al., 2006].
Viele der bisherigen Forschungsergebnisse erlauben aufgrund
methodischer Mängel keine allgemeingültigen Aussagen zur
Wirksamkeit von Biofeedback bei Tinnitus. Es fehlen genaue
Verbesserungskriterien, validierte Messinstrumente, Kontroll-
gruppen oder ausreichend große Stichproben. Zudem ist oft
nicht angegeben, welche Parameter rückgemeldet und welche
zusätzlichen therapeutischen Strategien eingesetzt wurden
[Goebel, 2001; Kroymann et al., 2006]. Erste unkontrollierte
Studien aus den 1970er Jahren zeigten mit bis zu 80% subjekti-
ver Besserung der Tinnitusbelastung vielversprechende Ergeb-
nisse [Grossan, 1976; House et al., 1977]. Auch die ersten kon-
trollierten Studien [Walsh und Gerley, 1985; White et al., 1986]
berichteten eine etwa 65%ige Verbesserung der Symptome,
was jedoch strenger kontrollierte Studien [Haralambous et al.,
1987; Kirsch et al., 1987] nicht replizieren konnten. Zwar zeig-
ten sich teilweise Verbesserungen in den globalen Ratings, je-
doch konnten diese Ergebnisse in den Tinnitustagebüchern
nicht nachgewiesen werden. Die Autoren gehen daher davon
aus, dass der gemessene Therapieerfolg abhängig von der Art
der Outcome-Messung ist. Aus den letzten Jahren liegen nur
wenige Forschungsarbeiten vor. In einer eigenen kontrollierten
Studie [Rief et al., 2005], bei der EMG-Biofeedback mit ver-
haltenstherapeutischen Elementen kombiniert wurde, zeigte
sich eine signifikante Verringerung der Tinnitusbelastung
sowie eine Reduktion der Muskelanspannung.
Bis heute wurde kein Therapiemanual publiziert, das Biofeed-
back mit klassisch verhaltenstherapeutischen Elementen kom-
biniert. Nach den vielversprechenden Ergebnissen der Pilot-
studie kann gerade diese Kombination aufgrund der mögli-
cherweise höheren Akzeptanz bei beispielsweise eher soma-
tisch orientierten Patienten zu guten Erfolgen führen. Mittels
Biofeedback kann die Einsicht in die psychosomatischen Pro-
zesse von Entstehung und Aufrechterhaltung der Tinnitusbe-
lastung gefördert und damit die Psychotherapiemotivation er-
höht werden. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es
daher, das in der Pilotstudie eingesetzte Therapiemanual
weiterzuentwickeln und dessen Akzeptanz und Wirksamkeit
an einer größeren Stichprobe zu evaluieren.
Darstellung des Therapieleitfadens
Therapieformat und Kernelemente
Die vorgestellte Behandlungsmethode wurde speziell für die
ambulante Anwendung im Einzelsetting entwickelt. Sie rich-
tet sich an Patienten, die an chronischem, dekompensiertem
Tinnitus leiden. Nach Goebel und Mitarbeitern [2001] ist die-
ser durch eine mittelstarke bis schwere psychische Beeinträch-
tigung definiert. Die Behandlung erstreckt sich über zirka
3 Monate. In einem diagnostischen Erstgespräch werden Tin-
nituscharakteristika, die Beeinträchtigung durch den Tinnitus
und komorbide Störungen erfasst. Bei der anschließenden
psychophysiologischen Messung werden die Muskelanspan-
nung, die Entspannungsfähigkeit und die Stressreaktivität ge-
messen, um anhand der Ausgangswerte erste Hinweise für das
Biofeedbacktraining zu erhalten. Danach folgen 12 50-minüti-
ge Therapiesitzungen, die in den ersten 2 Wochen zweimal
wöchentlich, später einmal wöchentlich stattfinden. Nach
Ende der Therapie wird erneut die psychophysiologische Mes-
sung zur Verlaufsbeurteilung durchgeführt. Die Patienten
haben 1–2 sowie 6 Monate nach Therapieende die Möglich-
keit, an einer Auffrischungssitzung teilzunehmen. Dabei wird
überprüft, ob die Entspannungsfähigkeit aufrechterhalten
werden konnte und die Strategien zur Tinnitusbewältigung im
Alltag erfolgreich eingesetzt werden können. Zudem werden
die Patienten zur kontinuierlichen Übung und Umsetzung der
Strategien motiviert, um die Konsolidierung der Erfolge zu
fördern.
Die Behandlung setzt sich aus Biofeedback und verhaltens-
therapeutischen Elementen zusammen. Beide Vorgehenswei-
sen sollen sich gegenseitig unterstützen, indem psychothera-
peutisch vermittelte Informationen durch die Rückmeldung
individueller physiologischer Reaktionen veranschaulicht
werden. Zum einen wird mit Hilfe des Biofeedbacks die Ent-
spannungsfähigkeit der Stirn-, Kiefer-, Schulter- und Halsmus-
kulatur trainiert. Dabei werden insbesondere jene Muskelbe-
reiche berücksichtigt, in denen die Betroffenen erhöhte An-
spannungswerte aufweisen. Zum anderen werden bei der bio-
feedbackgestützten Behandlung die psychischen Korrelate des
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Weise/Heinecke/Rief
chronischen Tinnitus berücksichtigt. Dazu werden mittels ver-
haltenstherapeutischer Techniken mögliche Strategien für
einen funktionaleren Umgang mit dem Tinnitus entwickelt.
Die theoretisch erarbeiteten Zusammenhänge zwischen psy-
chischen und physischen Faktoren werden anhand biofeed-
backgestützter Verhaltensexperimente praktisch verdeutlicht
und damit für den Betroffenen plausibel und leichter nach-
vollziehbar. Die Sitzungsinhalte werden zudem durch Infor-
mations- und Arbeitsblätter vertieft. Alle Sitzungen haben
eine ähnliche Struktur: Baselinemessung zur Erfassung der
Grundanspannung – Anfangsentspannung zur Messung der ta-
gesaktuellen Entspannungsfähigkeit – psychotherapeutisches
Element zur Erarbeitung relevanter psychischer Prozesse –
Biofeedbacktraining zur gezielten Muskelentspannung sowie
zur Demonstration psychophysiologischer Korrelate – End-
entspannung zur Messung der Entspannungsfähigkeit nach
dem Biofeedbacktraining. Die Gewichtung der einzelnen Ele-
mente hängt vom Zeitpunkt der Sitzung sowie von den indivi-
duellen Patientenanforderungen ab. Im Folgenden wird der
Ablauf der einzelnen Sitzungen detailliert dargestellt (Tab. 1).
1. Sitzung: Psychoedukation Tinnitus und Einführung
ins Biofeedback
Zu Beginn der Sitzung werden dem Patienten Informationen
zum Hörsystem, zum Tinnitus sowie zu Störungsmodellen ver-
mittelt. Danach werden am Gerät die Funktionsweise des
Biofeedbackverfahrens und erste psychophysiologische
Zusammenhänge erarbeitet. Der Patient kann sich spielerisch
mit dem Gerät vertraut machen, um eine für ihn wirksame
Entspannungsstrategie herauszufinden. Dabei wird die Akti-
vität aller Muskelgruppen gemessen und rückgemeldet, um
stark angespannte Muskelbereiche zu erkennen. Am Ende
der Sitzung wird die Gesamtaufzeichnung mit dem Patienten
besprochen. Als Therapieaufgabe wird der Patient gebeten,
seine Ziele und Veränderungswünsche für die Therapie aufzu-
schreiben. Die Nachbesprechung der individuellen Ziele ist
wichtig, um überhöhte Erwartungen relativieren zu können.
2. und 3. Sitzung: Die Wirkung von Stress
Die Sitzung beginnt mit einer allgemeinen Erläuterung der
körperlichen Stressreaktion, die anschließend am individuel-
len Beispiel verdeutlicht wird. Dabei wird erarbeitet, warum
der Tinnitus je nach psychischer Verfassung stärker wahrge-
nommen werden kann. Die theoretisch erarbeiteten Inhalte
werden veranschaulicht, indem mittels biofeedbackgestützter
Stresstests (Leistungs- und soziale Stressoren) der Zu-
sammenhang zwischen mentaler Belastung und körperlicher
Reaktion dargestellt wird. Hierzu wird neben den EMG-Para-
metern auch die elektrodermale Aktivität aufgrund ihrer
hohen Veränderungssensitivität rückgemeldet, bei der oft be-
reits nach Ankündigung des Stressors ein Aktivitätsanstieg
beobachtbar ist. Dadurch wird deutlich, wie automatisiert die
körperliche Stressreaktion abläuft und wie schwer es ist, be-
wusst Einfluss darauf zu nehmen. In diesen Sitzungen wird
weiterhin geübt, nach einer belastenden Situation zu entspan-
nen. Der Patient wird aufgefordert, die bisher entwickelten
Entspannungsstrategien im Alltag ohne das Gerät einzuset-
zen und Erfahrungen zu notieren.
4. Sitzung: Der Tinnitus-Teufelskreis
Durch diese Sitzung soll der Patient die eigene Symptomatik
besser verstehen können. Dazu wird – ausgehend von einer
Situation des Patienten, in der er den Tinnitus als besonders
störend wahrnimmt – ein individueller «Tinnitus-Teufelskreis»
erarbeitet. Es wird vermittelt, wie es durch die Aufmerksam-
keitsfokussierung auf den Tinnitus zuerst zu einer negativen
gedanklichen und gefühlsmäßigen Bewertung und daraufhin
zu einer verstärkten Tinnituswahrnehmung kommt. Mit einer
Übung, in der die Patienten unter Lärmschutzkopfhörern auf
ihren eigenen Tinnitus hören sollen, können typische Gefühle
und Gedanken aktiviert werden. Die psychophysiologischen
Parameter zeigen, ob während der Stressphase auch eine kör-
perliche Aktivierung stattfindet. Parallel zu den kognitiven
Therapieelementen werden Entspannungsstrategien trainiert.
Durch spezielle Übungen wie z.B. das Über- oder Unter-
schreiten einer Schwelle, soll der Patient zunehmend Kontrol-
le über seine Muskulatur aufbauen.
5.–7. Sitzung: Dysfunktionale Gedanken – funktionale
Gedanken
Zur Einführung der kognitiven Therapieelemente werden mit
dem Patienten eigene belastende Situationen analysiert.
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Biofeedback bei chronischem Tinnitus 223
Sitzung Verhaltenstherapeutisches Element Biofeedback
1 Psychoedukation Tinnitus und Einführung ins Biofeedback Spielerische Entspannungsübungen
2–3 Die Wirkung von Stress Stresstest, Entspannung nach Belastung
4 Der Tinnitus-Teufelskreis Schwellentraining
5–7 Dysfunktionale Gedanken – funktionale Gedanken Einschätzung der An- und Entspannung;
Ausschleichen der Rückmeldung
8Aufmerksamkeit Übungen zur Körperhaltung
9 Alternative Entspannungstechnik PMR-Übung
10 Konzentration auf den Tinnitus Biofeedbackgestützte Imagination
11 Rückzug und Vermeidung Entspannung unter Stress/Lärm
12 Rückfallprophylaxe Wiederholung schwieriger Übungen
Tab. 1.
Übersicht der
Sitzungsinhalte
Dabei werden typische dysfunktionale Gedanken und die dar-
aus für die jeweilige Situation resultierenden kurz- bzw. lang-
fristigen Konsequenzen im Rahmen eines ABC-Schemas
[Ellis, 1997] erarbeitet. Der Patient soll zwischen den Sitzun-
gen dieses Schema selbständig auf weitere belastende Situa-
tionen anwenden. In der Folge werden die dysfunktionalen
Gedanken bezüglich ihrer Wirksamkeit und ihres Nutzens
hinterfragt und funktionalere Gedanken entwickelt. Diese
wendet der Patient in einer biofeedbackgestützten Imagina-
tionsübung an und vergleicht sie mit den bisherigen dysfunk-
tionalen Gedanken. Danach findet gegebenenfalls eine weite-
re Modifikation der Gedanken statt. Bei den Biofeedback-
übungen wird begonnen, die Rückmeldung auszuschleichen,
um die Übertragung in den Alltag zu erleichtern. Dazu wird
bei einzelnen Übungen die Rückmeldung erst nachträglich ge-
geben und die Patienten schätzen selbst ein, wann ein be-
stimmter An- oder Entspannungsgrad erreicht ist, und trainie-
ren, eine erreichte Entspannung auch ohne Rückmeldung län-
gere Zeit zu halten. Zudem wird an möglichen Asymmetrien
in der Körperhaltung gearbeitet, da dies Grundlage für eine
dauerhaft gute Entspannungsfähigkeit ist.
8. Sitzung: Aufmerksamkeit
Eines der wichtigsten Elemente der Tinnitusbehandlung ist
die Aufmerksamkeitsumlenkung, da starke Aufmerksamkeit
auf den Tinnitus zu einer Verstärkung der Tinnituswahrneh-
mung und -belastung führen kann. Um dies zu veranschau-
lichen, wird mit einer Übung demonstriert, dass es nicht mög-
lich ist, alle Informationen aus der Umwelt gleichermaßen
genau wahrzunehmen. Dazu wird die Aufmerksamkeit gezielt
von einer Sinneswahrnehmung auf andere Wahrnehmungen
gelenkt. Dem Patienten wird dadurch vermittelt, dass der Tin-
nitus zwar prinzipiell wahrgenommen wird, jedoch auch be-
wusst in den Hintergrund gerückt werden kann. Zusätzlich
werden spezielle Biofeedbackübungen zur Körperhaltung
durchgeführt. Der Patient kann typische Haltungen aus sei-
nem Alltag (z.B. Bildschirmarbeit) nachstellen und die Mus-
kelentspannung üben. Die Übertragung der Entspannungs-
strategien in reale Alltagssituationen ist ein wichtiges Erfolgs-
kriterium, weshalb diese Übung in den folgenden Sitzungen
wiederholt wird.
9. Sitzung: Alternative Entspannungstechnik
Als weitere Strategie in der Tinnitusbewältigung wird dem Pa-
tienten die Progressive Muskelrelaxation (PMR) nach Jacob-
son vermittelt. Dazu wird nach einer Edukation eine Kurzent-
spannung durchgeführt. Anhand der nachträglichen Rückmel-
dung der Muskelaktivität kann die Wirkungsweise der PMR
sehr gut veranschaulicht werden. Die Rückmeldung der
physiologischen Parameter dient dem Patienten als objektiver
Beleg für die Entspannungsfähigkeit und motiviert zum weite-
ren Üben. Im weiteren Verlauf der Sitzung wird der Wechsel
aus An- und Entspannung trainiert, da mit solchen Übungen
im Alltag eine schnelle Entspannung erreicht werden kann.
10. Sitzung: Konzentration auf den Tinnitus
In der 10. Sitzung soll durch die Fokussierung auf Emotionen
eine weitere Veränderung der Tinnitusbewertung erreicht
werden. Dabei soll sich der Patient auf den Tinnitus konzen-
trieren und lernen, negative Reaktionen auf die Ohrgeräusche
zu reduzieren oder besser zu kontrollieren. Dazu wird vorab
die Verknüpfung von Gehör und limbischem System erläutert,
wodurch jedes Geräusch eine emotionale Bedeutung und per-
sönliche Relevanz erhält. Fordert man die Patienten auf, Ge-
fühle zu nennen, die sie mit ihrem Tinnitus verknüpft haben,
geben sie meist negative Begriffe wie «Störung» oder «Ärger»
an. Mit Hilfe des «geleiteten Entdeckens» werden mögliche
neutrale oder positive Emotionen erarbeitet, die stattdessen
mit dem Tinnitus verknüpft werden können, z.B. «Warnzei-
chen» oder «Helfer». Bei gleichzeitiger Messung der physiolo-
gischen Parameter übt der Patient, auf das Ohrgeräusch zu
hören, auftretende negative Gefühle zu reduzieren und neue
positive Gefühle mit dem Geräusch zu verknüpfen. Auf diese
Weise kann der Tinnitus langfristig seine stark negative Be-
deutung verlieren und eine Gewöhnung wird möglich. In den
weiteren Biofeedbackübungen wird trainiert, die Muskelakti-
vität unter schwierigen Bedingungen wie beispielsweise bei
der Konfrontation mit Lärm mit und ohne Rückmeldung zu
beeinflussen.
11. Sitzung: Rückzug und Vermeidung
Viele Patienten berichten einen verstärkten sozialen Rückzug,
der unterschiedliche Ursachen haben kann. Beispielsweise
vermeiden die Patienten Gespräche und Treffen mit vielen
Menschen aufgrund von Hörbeeinträchtigung und Hyperaku-
sis, aber auch aufgrund der häufig komorbid vorliegenden de-
pressiven Verstimmung. Der Tinnitus wird oft auch instru-
mentalisiert, um schwierige oder unangenehme Situationen zu
vermeiden. Daher ist ein wichtiger Baustein in der Therapie,
die Funktionalität des Tinnitus, die Ursachen von Rückzug
und Vermeidung und die daraus resultierenden Konsequen-
zen zu erarbeiten. Dazu werden dysfunktionale Kognitionen,
die spezifisch in sozialen Situationen auftreten, hinterfragt
und alternative Bewertungsmöglichkeiten mit Hilfe eines Rol-
lenspiels erarbeitet. Im weiteren Verlauf der Sitzung wird der
Stressor «auf den eigenen Tinnitus hören» wiederholt, da der
Tinnitus und die damit einhergehende Angst vor Verschlech-
terung oft der Auslöser für Vermeidungsverhalten sind.
12. Sitzung: Rückfallprophylaxe
Die letzte Sitzung soll den Patienten auf mögliche Phasen der
Verschlechterung vorbereiten. Dazu werden die erlernten
Strategien zum Umgang mit dem Tinnitus zusammengetragen
und notiert, so dass der Patient einen «Notfallkoffer» mit
Strategien für unterschiedliche Situationen erhält. Der Patient
ergänzt eigene Hinweise, die ihm die praktische Anwendung
erleichtern. Dabei ist wichtig, dass der Patient auch für per-
sönlich schwierige Situationen Strategien notiert, damit er
diese aktiv aufsuchen kann. Neben der klassischen Rückfall-
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Weise/Heinecke/Rief
prophylaxe werden auch im Biofeedbacktraining die wichtigs-
ten Elemente erneut hervorgehoben, und der Patient kann
Übungen, die ihm schwergefallen sind, wiederholen. Das Bio-
feedback soll dem Patienten in dieser letzten Sitzung vor
allem die Absicherung geben, dass er gezielt, selbstkontrol-
liert und unter verschiedenen Bedingungen entspannen kann.
Das Erleben von Selbstkontrolle kann sich auf die Bewertung
und damit das Erleben des Tinnitus auswirken und ist daher
eines der wichtigsten Elemente des biofeedbackgestützten
Bewältigungstrainings.
Methodik der empirischen Evaluation
Zur Überprüfung der Verträglichkeit, Akzeptanz und Effektivität des Be-
handlungsleitfadens wurde eine randomisierte kontrollierte Therapiestu-
die durchgeführt, die nach den Merkmalen der «good clinical practice»
vorgeht. Die Studie wurde als 2-armige Interventionsstudie konzipiert,
bei der eine als wirksam angenommene Behandlung mit einer Kontroll-
bedingung verglichen wurde. Die Patienten wurden nach Aufklärung über
den Studienablauf randomisiert der Interventions- oder Wartekontroll-
gruppe zugeordnet. Patienten der WKG erhielten nach Ablauf der War-
tezeit ebenfalls die dargestellte Behandlung. Die Erhebung der psycholo-
gischen Parameter erfolgte zu den Zeitpunkten Behandlungsbeginn/Be-
ginn der Wartezeit und Behandlungsende/Ende der Wartezeit. Die Erhe-
bung der physiologischen Parameter fand ebenfalls vor und nach der
Therapie bzw. der Wartezeit sowie in jeder einzelnen Sitzung statt. Die
Erhebung der langfristigen Effektivität wird 6 Monate nach Behandlungs-
ende durchgeführt und ist noch nicht abgeschlossen.
Stichprobe
Ziel ist es, insgesamt 100 Patienten in die Studie aufzunehmen, die folgen-
de Eingangskriterien erfüllen:
–Vorliegen eines seit mindestens 6 Monaten bestehenden Tinnitus,
mittlere bis schwere Tinnitusbelastung (Schweregrad III oder IV im
Tinnitusfragebogen [TF; Goebel und Hiller, 1998]),
–Alter zwischen 16 und 75 Jahren.
Nicht aufgenommen wurden Patienten, die eine geringe Tinnitusbeein-
trächtigung angaben, bereits an der Vorgängerstudie teilgenommen hat-
ten oder psychotische bzw. schwere hirnorganische Störungen aufwiesen.
Die Patienten wurden über Inhalt und Ablauf der Studie informiert und
erklärten sich mit einer Teilnahme einverstanden. Für die dargestellte
Analyse lagen Daten von 65 Patienten vor, von denen 33 Patienten der
Interventionsgruppe und 32 Patienten der WKG zugelost waren.
In Tabelle 2 sind weitere Stichprobencharakteristika dargestellt, die zei-
gen, dass sich beide Gruppen in grundlegenden Merkmalen nicht unter-
scheiden, so dass von einer gelungenen Randomisierung ausgegangen
werden kann. In beiden Gruppen findet sich ein leicht erhöhter Anteil
männlicher Patienten. Die Patienten leiden seit durchschnittlich 7,5 bzw.
7,9 Jahren an Tinnitus und beschreiben die Stärke ihres Tinnitus in einer
visuellen Analogskala (VAS) von 0–10 mit durchschnittlich 7,2. Die mitt-
lere Tinnitusbelastung (Gesamtscore TF) liegt bei 56,9 bzw. 55,6, was dem
Schweregrad III (schwerer, dekompensierter Tinnitus) entspricht. Damit
liegt bei den Patienten im Mittel eine lang andauernde und starke Tinni-
tusbelastung vor.
Therapeuten
Die biofeedbackgestützte Therapie wurde von vier Diplom-Psychologin-
nen in fortgeschrittener psychotherapeutischer Weiterbildung und mit
mehrjähriger Biofeedbackerfahrung durchgeführt. Alle Therapeuten er-
hielten eine ausführliche Manual- und Biofeedbackschulung und hospi-
tierten bei mindestens zwei Therapien. Sie wurden engmaschig supervi-
diert, um eine manualgetreue Therapiedurchführung zu gewährleisten.
Messinstrumente
Zur Erfassung detaillierter Informationen zum Tinnitus wurde vor Thera-
piebeginn das Strukturierte Tinnitus Interview (STI) von Goebel und Hil-
ler [2001] eingesetzt. Das STI erfasst neben Lokalisation, Klangqualität,
Dauer und Verlauf des Tinnitus auch das Vorliegen einer Hörminderung
oder einer Geräuschüberempfindlichkeit sowie tinnitusassoziierte psycho-
logische Aspekte. Die allgemeine Tinnitusbelastung wurde vor und nach
der Therapie bzw. der Wartezeit mit Hilfe des TF [Goebel und Hiller,
1998], der deutschen Form des englischen «Tinnitus Questionnaire» [Hal-
lam, 1996] erfasst. Dabei werden die einzelnen Unterskalen (emotionale
und kognitive Belastung, Penetranz des Tinnitus, Hörprobleme, Schlaf-
störungen und somatische Beschwerden) ebenso wie der Gesamtscore
(0–84 Punkte) ausgewertet. Dieser ermöglicht die Unterteilung in vier
Schweregrade (leicht, mittelgradig [kompensiert], schwer, sehr schwer
[dekompensiert]). Neben der Erfassung der globalen Tinnitusbelastung
wurde auch die tägliche Tinnitusbelastung erhoben, da es in Abhängigkeit
von der jeweiligen Erhebungsmethode zur Überschätzung des Therapie-
erfolgs kommen kann [Kirsch et al., 1987]. Dazu bearbeiteten die Pa-
tienten jeweils 1 Woche vor und nach Therapiebeginn ein Tinnitustage-
buch [modifiziert nach Kröner-Herwig, 1997]. Darin wird dreimal täglich
die subjektive Tinnituslautstärke (VAS 0–10) und die Dauer der Tinnitus-
wahrnehmung eingeschätzt. Mit weiteren 8 Items werden die Beeinträch-
tigung durch den Tinnitus und das Gefühl der Kontrollierbarkeit des Tin-
nitus erfragt (VAS 0–10). Das Vorliegen komorbider Störungen wurde zu
den verschiedenen Messzeitpunkten mit den Internationalen Diagnose
Checklisten [Hiller et al., 1995] geprüft. Zudem bewerteten die Patienten
nach Therapieende auf frei zusammengestellten Skalen ihre Zufrieden-
heit mit der Therapie (17 Items) sowie die Auswirkungen der Therapie
auf die Lebensbereiche Arbeit, Partnerschaft, Familie und Freizeit
(4 Items). Die Zustimmung zu den insgesamt 21 Items wurde zwischen
1 («stimmt überhaupt nicht») und 6 («stimmt voll und ganz») ein-
geschätzt.
Die Messung und Rückmeldung physiologischer Daten erfolgte mit dem
Biofeedbacksystem FlexComp Infiniti
TM
Thought Technology (Medi-
TECH Electronic GmbH, Wedemark, Deutschland). Dabei wurden die
Verhaltenstherapie 2007;17:220–230
Biofeedback bei chronischem Tinnitus 225
Variable Interventionsgruppe Wartekontrollgruppe Signifikanz
Anzahl Patienten, n 33 32
Alter, Jahre, M (SD) 51,1 (10,7) 53,2 (10,9) T = –0,80; df = 63; n.s.
Geschlecht männlich, % 60,6 59,4 Chi
2
= 0,01; df = 1; n.s.
Familienstand verheiratet, % 69,7 87,5 Chi
2
= 3,05; df = 1; n.s.
Tinnitusdauer, Jahre, M (SD) 7,9 (6,8) 7,5 (6,7) T = 0,25; df = 63; n.s.
Tinnitusstärke (0–10), M (SD) 7,15 (1,6) 7,16 (1,4) T = –0,01; df = 63; n.s.
Komorbide depressive Störung, % 51,5 43,8 Chi
2
= 0,39; df = 1; n.s.
Tinnitusbelastung (TF-Score) 56,85 (10,0) 55,63 (10,2) T = 0,49; df = 63; n.s.
Tab. 2.
Stichproben-
charakteristika
Muskelbereiche M. frontalis, M. masseter, M. trapezius und M. sternoclei-
domastoideus und die peripherphysiologischen Parameter Hauttempera-
tur und elektrodermale Aktivität gemessen und visuell rückgemeldet.
Statistische Analysen
Nach Prüfung der Voraussetzungen (Gruppengleichheit vor Therapiebe-
ginn, Normalverteilung und Varianzhomogenität) wurden zur Messung
der Wirksamkeit der Behandlung mehrfaktorielle Varianzanalysen mit
Messwiederholung (2-stufiger Faktor «Gruppe», 2-stufiger Faktor «Zeit»)
berechnet. Zur Erfassung der Zufriedenheit wurden deskriptive Analysen
durchgeführt. Einzelne Skalen können aufgrund von Missingwerten klei-
nere Stichprobengrößen aufweisen.
Ergebnisse
Wirksamkeit der Behandlung
Für die Hauptvariable «Tinnitusbelastung» konnte eine signi-
fikante Wechselwirkung (Zeit × Gruppe) für den Gesamt-
score des TF nachgewiesen werden (F = 6,73; df = 6,54;
p < 0,001). Patienten der Interventionsgruppe zeigten nach
Ende der Therapie eine deutlich geringere Tinnitusbelastung,
während sich bei Patienten der WKG nach Ablauf der Warte-
zeit keine Veränderung zeigte (Abb. 1). Ein ähnliches Muster
zeigt sich auch für die Unterskalen des TF. Für alle Unterska-
len wurde eine signifikante Wechselwirkung auf dem 1%-
oder 5%-Niveau in erwarteter Richtung nachgewiesen
(Tab. 3). Patienten der Interventionsgruppe zeigten damit
nach Ende der Therapie eine deutlich geringere Tinnitusbe-
lastung als vor der Therapie sowie als die unbehandelten
Kontrollpatienten.
Eine Besserung der Tinnitussymptomatik zeigte sich nicht nur
im globalen Maß des TF, sondern konnte ebenfalls bei den
Variablen des Tinnitustagebuchs nachgewiesen werden. Pa-
tienten der Interventionsgruppe schätzten nach der Therapie
die subjektive Lautstärke des Tinnitus (VAS) geringer ein als
vor der Therapie und als die Patienten der WKG (F = 7,56;
df = 1,46; p < 0,01). Verbesserungen zeigten sich auch hin-
sichtlich der Störung und Beeinträchtigung durch den Tinni-
tus. Eine besonders deutliche Veränderung aufgrund der Be-
handlung zeigte sich beim subjektiven Gefühl der Kontrollier-
barkeit des Tinnitus. Patienten der Interventionsgruppe
berichteten eine deutlich bessere Kontrollierbarkeit des Tinni-
tus, während sich in der WKG keine Veränderungen zeigten
(F = 8,82; df = 1,46; p < 0,01). Bei der wahrgenommenen
Dauer des Tinnitus und der Störung des Schlafs durch den
Tinnitus zeigten sich zwar leichte Verbesserungen in der Inter-
ventionsgruppe, eine signifikante Wechselwirkung konnte
jedoch nicht nachgewiesen werden (Tab. 4).
Akzeptanz und Zufriedenheit mit der Therapie
Im Folgenden werden nur Daten der bereits behandelten
Interventionsgruppe dargestellt, um die Akzeptanz und Zu-
friedenheit mit der Therapie bewerten zu können. Die Aus-
wertung der Skala «Auswirkungen auf verschiedene Lebens-
bereiche» findet deskriptiv auf Itemebene statt. Eine Zu-
sammenfassung der Items findet aufgrund der Anzahl nur für
die Skala «Zufriedenheit» statt. Diese Skalenbildung ist
wegen der bisher noch geringen Stichprobengröße vorläufig.
Die interne Konsistenz der Skala weist mit Cronbachs alpha =
0,92 auf Eindimensionalität der Skala hin.
Für die Skala «Zufriedenheit» zeigt sich bei einem Skalen-
range von 1–6 insgesamt ein Skalenmittelwert von 5,07 (SD =
0,50), d.h. die Patienten gaben eine hohe bis sehr hohe Zu-
friedenheit mit der Therapie an. In Abbildung 2 sind neben
einem Boxplot für Mittelwerte und Standardabweichungen
über alle Items auch die Mittelwerte von ausgewählten Items
dargestellt, bei denen sich ebenfalls eine hohe Zufriedenheit
der Patienten mit der Therapie abzeichnet.
Bezüglich der Auswirkungen der Therapie auf verschiedene
Lebensbereiche gaben die behandelten Patienten Ratings im
mittleren Bereich ab (Abb. 3). So wird der Bereich «Beruf/
Arbeit» im Mittel mit 4,04 bewertet. Für die Bereiche «Part-
nerschaft» bzw. «Familie» zeigen sich Itemmittelwerte von
3,62 bzw. 3,58, für den Bereich «Freizeit» wurde ein Mittel-
wert von 3,73 nachgewiesen. Damit hatte die Therapie auf alle
erfragten Lebensbereiche eine leichte bis mittlere positive
Auswirkung.
Entsprechend den neueren Forderungen an Psychotherapie-
studien [Bootzin und Bailey, 2005; Jacobi, 2001] wurden auch
in dieser Studie mögliche Nebenwirkungen und Verschlechte-
rungen der Symptomatik erfasst. 90% der behandelten Pa-
tienten beantworteten das Item «Die Ohrgeräusche sind
durch die Therapie noch schlimmer und belastender gewor-
den» mit «stimmt überhaupt nicht» oder «stimmt nicht». Zwei
Tinnitusbetroffene schätzten dieses Item mit «stimmt eher»
ein. Auf die Frage nach Nebenwirkungen der Therapie
(«Durch die Behandlung habe ich jetzt mehr Beschwerden,
als ich vorher hatte.») antworteten 96% der Befragten mit
«stimmt überhaupt nicht» oder «stimmt nicht» und 4% mit
226
Verhaltenstherapie 2007;17:220–230
Weise/Heinecke/Rief
0
10
20
30
40
50
60
prä post
Interventionsgruppe
Wartekontrol lgruppe
Abb. 1.
Gesamtscore Tinnitusfragebogen.
«stimmt eher nicht». Es kann also insgesamt davon ausgegan-
gen werden, dass die Behandlung keine negativen Neben-
effekte aufweist.
Diskussion und Ausblick
Im Rahmen des Projektes wurde ein Manual zur biofeedback-
gestützten Behandlung von chronischem Tinnitus entwickelt
und evaluiert. In der vorliegenden Arbeit wurden das Thera-
pieprogramm sowie erste Daten zur Effektivität und Akzep-
tanz der Behandlung vorgestellt. Das Programm orientiert
sich an gut evaluierten verhaltenstherapeutischen Ansätzen
zur Tinnitusbewältigung [z.B. Kröner-Herwig, 1997] und
wurde um Elemente der Biofeedbackbehandlung erweitert.
Bereits am vorläufigen Datensatz konnte eine sehr hohe
Wirksamkeit der Behandlung bei Patienten mit chronischem
Tinnitus nachgewiesen werden. Sowohl in globalen Messun-
gen wie dem TF als auch in täglichen Einschätzungen der Tin-
nitusbelastung zeigte sich eine deutliche Reduktion der Tinni-
tusbelastung bei Patienten der Therapiegruppe, nicht aber bei
Patienten der WKG. Ein reiner Zeiteffekt bzw. Spontanremis-
sionen können somit ausgeschlossen werden. Zudem konnte
eine signifikante Verringerung der subjektiv wahrgenomme-
nen Tinnituslautstärke und eine deutliche Steigerung des Ge-
fühls von Kontrollierbarkeit des Tinnitus bei den behandelten
Verhaltenstherapie 2007;17:220–230
Biofeedback bei chronischem Tinnitus 227
Skala/Unterskala Zeitpunkt Interventions- Wartekontroll- Signifikanz
1
gruppe gruppe
Tinnitusbelastung (Gesamtscore) prä 56,39 (10,12) 55,50 (10,41) F
1,59
= 40,38; p < 0,001
post 33,16 (15,64) 50,57 (13,90)
Emotionale Beeinträchtigung (0–24) prä 16,74 (4,09) 15,70 (3,21) F
1,59
= 36,16; p < 0,001
post 8,35 (4,96) 13,50 (4,61)
Kognitive Beeinträchtigung (0–16) prä 10,10 (2,76) 10,53 (2,70) F
1,59
= 22,94; p < 0,001
post 5,39 (3,44) 9,20 (3,53)
Penetranz des Tinnitus (0–16) prä 13,52 (2,10) 13,30 (1,86) F
1,59
= 22,38; p < 0,001
post 8,94 (3,62) 12,03 (2,34)
Hörprobleme (0–14) prä 7,87 (2,64) 8,30 (2,94) F
1,59
= 14,67; p < 0,001
post 5,03 (3,31) 8,30 (3,28)
Schlafstörung (0–8) prä 5,29 (2,67) 4,43 (2,51) F
1,59
= 5,01; p < 0,05
post 3,68 (2,51) 4,17 (2,63)
Somatische Beschwerden (0–6) prä 2,87 (1,52) 3,23 (1,94) F
1,59
= 9,19; p < 0,001
post 1,77 (1,67) 3,37 (1,90)
1
Wechselwirkung MANOVAs Gruppe × Zeit.
Tab. 3.
Tinnitusfra-
gebogen: Vergleich
der Mittelwerte (SD)
vor und nach Thera-
pie bzw. Wartezeit
Skala/Unterskala Zeitpunkt Interventions- Wartekontroll- Signifikanz
1
gruppe gruppe
Lautstärke des Tinnitus (VAS 0–10) prä 5,63 (1,16) 5,95 (1,68) F
1,46
= 7,56; p < 0,01
post 4,21 (1,87) 5,72 (1,45)
Wahrnehmung des Tinnitus (Stunden) prä 11,2 (4,96) 12,7 (3,89) F
1,46
= 2,66; n.s.
post 8,3 (5,3) 11,4 (3,87)
«Wie lästig war der Tinnitus?» prä 5,55 (1,42) 6,19 (1,95) F
1,46
= 6,40; p < 0,05
(VAS 0–10) post 4,13 (1,90) 5,88 (1,30)
Störung des Schlafes (VAS 0–10) prä 4,55 (2,13) 4,75 (2,80) F
1,46
= 1,18; n.s.
post 3,34 (2,32) 4,20 (2,42)
Beeinträchtigung durch Tinnitus prä 4,93 (1,46) 5,37 (2,03) F
1,46
= 8,65; p < 0,01
(VAS 0–10) post 3,66 (2,06) 5,40 (1,49)
Kontrollierbarkeit des Tinnitus prä 4,55 (2,20) 3,62 (1,88) F
1,46
= 8,82; p < 0,01
(VAS 0–10) post 6,54 (1,70) 3,54 (2,10)
1
Wechselwirkung MANOVAs Gruppe × Zeit.
Tab. 4.
Tinnitustage-
buch: Vergleich der
Mittelwerte (SD) vor
und nach Therapie
bzw. Wartezeit
Patienten belegt werden. Neben der hohen Effektivität konn-
te auch eine hohe Akzeptanz der Behandlung und das Fehlen
von Nebenwirkungen nachgewiesen werden. Die Zufrieden-
heit mit der Therapie bestätigte sich auch durch eine Drop-
out-Rate von 13%, die für ambulante Psychotherapie als
niedrig gilt. Es gibt in der Tinnitusforschung nur wenige ver-
gleichbare Studien aus dem ambulanten Bereich, jedoch wei-
sen diese oft deutlich höhere Dropout-Raten auf. Beispiels-
weise zeigte sich in der Studie von Jakes et al. [1992] eine mitt-
lere Dropout-Rate von 34%. Bei Davies et al. [1995] lag die
mittlere Dropout-Rate bei 33%, in einzelnen Untergruppen
sogar bei bis zu 50%.
Die nur moderaten Auswirkungen der Therapie auf verschie-
dene Lebensbereiche können eventuell darauf zurückgeführt
werden, dass bei einer starken Chronifizierung und der eher
kurzen Therapiedauer keine gravierenden Veränderungen in
fest strukturierten Lebensbereichen erreichbar sind. Interes-
sant wird sein, ob die Auswertung der Nachuntersuchungsda-
ten eine Veränderung innerhalb des längeren Zeitraums nach
Therapieende ergibt. Zudem handelte es sich um eine Stich-
probe mit höherem Altersmittelwert. Viele Patienten befan-
den sich zu Beginn der Therapie bereits im Ruhestand oder
waren aufgrund ihres stark beeinträchtigenden Tinnitus er-
werbsunfähig. Auswirkungen auf das Berufsleben waren
daher nicht bzw. nicht mehr relevant.
Beim Vergleich der Ergebnisse mit denen anderer Studien
zeigen sich bereits bei der aktuellen Stichprobe von 65 Patien-
ten sehr gute Ergebnisse. In einer Metaanalyse zur Wirksam-
keit psychologischer Behandlungen bei Tinnitus [Olderog,
1999] wurde eine mittlere globale Effektstärke von 0,58 er-
rechnet, die jedoch die Effektivität der Tinnitusbehandlung
möglicherweise noch überschätzt. In einer neueren Studie von
Kröner-Herwig und Mitarbeitern [2003] wurde ein verhaltens-
therapeutisches Tinnitusbewältigungstraining mit einer Mini-
mal-Contact-Intervention verglichen. Hierbei zeigten sich
deutliche Verbesserungen im Gesamtscore des TF mit einer
Prä-Post-Effektstärke von 0,87 sowie Verbesserungen im Tin-
nitustagebuch mit Effektstärken von 0,54 (Tinnituswahrneh-
mung) bis 0,70 (Kontrollierbarkeit). In der vorliegenden Stu-
die konnten für die verschiedenen Erfolgsvariablen ähnlich
hohe bzw. höhere Effektstärken nachgewiesen werden. So
zeigte sich für die globale Tinnitusbelastung (TF) ein Effekt
von Hedges g = 1,18, für die Tinnituslautstärke ein Effekt von
g = 0,91, für die Tinnituswahrnehmung ein Effekt von g = 0,67
und für die Kontrollierbarkeit des Tinnitus ein Effekt von g =
1,56. Es kann daher eine sehr gute und verglichen mit dem
etablierten und gut evaluierten Manual von Kröner-Herwig
mindestens gleichwertige Wirksamkeit der entwickelten Be-
handlung angenommen werden.
Auch in der praktischen Anwendung des Behandlungspro-
gramms zeigten sich viele Vorteile. Neben der hohen Akzep-
tanz und Effektivität ist die ökonomische Anwendbarkeit im
ambulanten Einzelsetting eine große Stärke des Leitfadens.
Gerade im ambulanten Bereich finden sich in Deutschland
wenig Angebote für Tinnitusbetroffene. Jedoch sind viele Pa-
tienten nicht zu einer psychosomatischen stationären Behand-
lung und dem damit einhergehenden mehrwöchigen Ausfall
am Arbeitsplatz bereit oder haben keinen Erfolg bei der Be-
antragung einer Kurmaßnahme. Mit dem vorliegenden The-
rapieprogramm können innerhalb von zirka 3 Monaten nach-
weislich gute Erfolge erzielt werden. Ein weiterer wesent-
licher Vorteil des Therapieprogramms ist das manualgeleitete
und gleichzeitig flexible Vorgehen, was leicht vermittelt wer-
den kann und aufgrund klassischer Therapieelemente für ver-
228
Verhaltenstherapie 2007;17:220–230
Weise/Heinecke/Rief
1
2
3
4
5
6
Zufriedenheit
12345
Abb. 2.
Zufriedenheit mit der Therapie (Rating 1–6, Mittelwerte und
Standardabweichungen). (1: Ich bin mit der Therapie sehr zufrieden.
2: Einer Freundin/einem Freund mit ähnlichen Beschwerden würde ich
diese Behandlung empfehlen. 3: Ich war in der Behandlung mit der
Berücksichtigung der psychischen Aspekte meines Tinnitus zufrieden.
4: Ich war in der Behandlung mit der Berücksichtigung der körperlichen
Aspekte meines Tinnitus zufrieden. 5: Ich war in der Behandlung mit der
Veranschaulichung der Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche zu-
frieden.)
1
2
3
4
5
6
Beruf/Arbeit Partnerschaft Familie Freizeit
Abb. 3.
Auswirkungen der Therapie auf verschiedene Lebensbereiche.
haltenstherapeutisch vorgebildete Therapeuten einfach er-
lern- und anwendbar ist.
Aufgrund des hohen Biofeedbackanteils am dargestellten Ma-
nual ist von einer etwas kostenintensiveren Behandlung aus-
zugehen als bei einem Tinnitusbewältigungstraining ohne Bio-
feedback. Jedoch erwies sich gerade diese Kombination von
klassisch verhaltenstherapeutischen Strategien mit Biofeed-
back als sehr sinnvoll. Eine mögliche Erklärung hierfür kann
das bei vielen Tinnituspatienten vor Beginn der Therapie vor-
liegende stark somatisch geprägte Krankheitsverständnis sein.
Der Tinnitus wird als körperliches und nicht als psychisches
Symptom angesehen, weshalb eine Motivation zur Psychothe-
rapie oft nur eingeschränkt oder gar nicht vorhanden ist. Der
Einsatz von Biofeedback kann helfen, Einsicht in die mit dem
Tinnitus assoziierten psychischen Vorgänge zu erlangen und
psychophysiologische Zusammenhänge zu erkennen. Des
Weiteren können Elemente der verhaltenstherapeutischen
Tinnitusbewältigungstherapie mit Hilfe der Rückmeldung
körperlicher Prozesse am individuellen Beispiel eindrucksvoll
veranschaulicht werden. Durch die biofeedbackgestützte Be-
handlung wird den Patienten daher der Übergang von einem
rein somatischen Krankheitsverständnis zu einem mehr
psychosomatischen Krankheitsmodell erleichtert. Diese An-
nahmen zur Bedeutung von Biofeedback wurden bisher zwar
nicht in der Tinnitusforschung, jedoch im Bereich der Somati-
sierung untersucht. Wickramasekera [1989] geht beispiels-
weise davon aus, dass für Rückenschmerzpatienten eine rein
psychologische Intervention keinerlei Augenscheinvalidität
hat. Um diese zu erhöhen schlägt er ergänzende Therapien
wie Biofeedback vor, bei denen psychophysiologische Zu-
sammenhänge demonstriert werden und damit beispielsweise
der Einfluss von Stress auf muskuläre Anspannung deutlich
wird. Zwei Studien von Nanke und Rief [2000, 2003] konnten
diese Annahme in einer randomisierten kontrollierten Studie
bei Patienten mit somatoformen Störungen bestätigen. Es
zeigte sich, dass durch den zusätzlichen Einsatz von Biofeed-
back katastrophisierende Bewertungen der Symptome abnah-
men und die Symptome verstärkt auch auf psychosoziale Fak-
toren attribuiert wurden.
Die hohe Akzeptanz des vorgestellten Ansatzes spiegelt sich
indirekt auch in der hohen Männerquote der Stichprobe
(60%) wider. Verschiedene Studien zeigten konsistent, dass
Männer bei gleicher Prävalenzverteilung auf die Geschlech-
ter weniger häufig psychotherapeutische Hilfe aufsuchen als
Frauen [Addis und Mahalik, 2003; Vessey und Howard, 1993].
Auch bei Tinnitus ist von einer nahezu gleichen Häufigkeits-
verteilung auszugehen, wobei einige Studien höhere Präva-
lenzraten für Frauen [MRC, 1987], andere für Männer [Pil-
gramm et al., 1999] angeben. Männliche Studienteilnehmer
berichteten, sehr gut mit dem auf somatische Grundlagen ge-
stützten Verfahren umgehen zu können. Es zeigte sich im Ver-
lauf der Therapie, dass sich die Patienten nach Erkennen
psychophysiologischer Zusammenhänge gut mit den auslösen-
den und aufrechterhaltenden psychischen Faktoren des Tinni-
tus auseinandersetzen konnten.
Kritisch an der vorliegenden Studie ist anzumerken, dass der
additive Effekt von Biofeedback nicht konkret überprüfbar
ist. Zukünftige Studien sollten daher statt einer Wartekon-
trollbedingung eine aktive Kontrollgruppe mit verhaltensthe-
rapeutischer Behandlung ohne Biofeedback wählen, um die
hier angenommenen Vorteile des Biofeedbacks überprüfen zu
können.
Die bisherigen Analysen basieren auf Untergruppengrößen
von maximal 33 Patienten. Inwieweit die ersten vielverspre-
chenden Ergebnisse bestätigt werden können, kann erst nach
Vorliegen des Gesamtdatensatzes von zirka 100 Patienten
festgestellt werden. Aufgrund der bisherigen Ergebnisse stellt
sich die entwickelte biofeedbackgestützte Therapie aber als
ein leicht anwendbares, ökonomisches, effektives und bei den
Patienten sehr gut akzeptiertes Verfahren zur Verringerung
der Tinnitusbelastung dar.
Dank
Dieses Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geför-
dert (Projektleiter Prof. Dr. W. Rief, RI 574/12–2). Ein besonderer Dank
geht an Anne Raudschus und Kristin Schwarz, ohne die eine Realisierung
des Projektes nicht möglich gewesen wäre.
Verhaltenstherapie 2007;17:220–230
Biofeedback bei chronischem Tinnitus 229
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... For the present purpose, the data of this waitlist group served as a control condition of repeated assessment without intervention. The treatment protocol for the training sessions is described in detail by Weise et al. (2007). Every session lasted approximately 50–60 min and included biofeedback training as well as cognitive-behavioural interventions. ...
... Depending on the most tense muscle regions of the patient, different durations of training are necessary. As shown earlier, the biofeedback treatment combined with CBT elements was highly effective with regard to psychological treatment effects (Weise et al., 2007; Weise et al., 2008b). The effect sizes of our treatment approach regarding tinnitus annoyance (Weise et al., 2008b) were larger than the mean results of previous CBT trials (Martinez Devesa et al., 2007; Hiller & Haerkötter, 2005; Kröner-Herwig et al., 2003; Andersson, 2002). ...
... Moreover, even subjective loudness was proven to be Copyright © The British Psychological Society Reproduction in any form (including the internet) is prohibited without prior permission from the Society markedly reduced – results that could not be demonstrated in 'pure' CBT studies (Martinez Devesa et al., 2007). Additionally, clients were highly satisfied with treatment (Weise et al., 2007), which is reflected in the low drop-out rate compared to other tinnitus studies (12% in our study compared to more than 30% in other studies, Jakes et al., 1992; Davis et al., 1995). Correlations concerning changes between physiological measures and tinnitus annoyance or other psychological variables, however, failed to reach significance. ...
Article
Psychophysiological factors in maintaining tinnitus-related distress have been emphasized in current tinnitus models. Hyperreactivity in the autonomous nervous system is supposed to hinder habituation processes and might contribute to maladjustment to tinnitus symptoms in the long run. Accordingly, biofeedback treatment targeting physiological activity ought to reduce tinnitus annoyance and facilitate habituation. One hundred and thirty patients completed a manual-based psychological treatment especially developed for chronic tinnitus sufferers. A subsample consisting of 67 participants were randomly assigned to a waiting list (3 months) and served as a control group. The programme consisted of 15 sessions of cognitive-behavioural therapy combined with a psychophysiological treatment using a biofeedback approach. Different muscle regions of the head and neck and skin conductance level were assessed with biofeedback equipment. Physiological treatment effects were analysed using the pre-post effect sizes in comparison to the wait list group. Correlations for physiological changes and psychological treatment effects were computed. Moderate to large effect sizes for physiological changes were demonstrated. Physiological and psychological treatment effects were found to be unrelated. Our treatment approach, which combined biofeedback therapy with CBT elements, was found to be highly effective in reducing psychophysiological activation. Psychological and physiological variables seem to represent independent response systems.
... At the first appearance, the session performance rated by participants did not seem to change significantly over time. This result was unexpected because treatment credibility, acceptance, and perceived success in biofeedback and neurofeedback treatments is mostly very well rated (Graef et al. 2016;Plotkin and Rice 1981;Rice et al. 1993;Shedden;Mora et al. 2010;Weise et al. 2007). In these studies, participants were patients trying to influence their health status by extensive treatment including biofeedback, or they were students with elevated emotional states. ...
Article
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Blood volume pulse biofeedback represents an effective non-pharmacological treatment for migraine. However, the underlying mechanisms of blood volume pulse biofeedback are still unclear. This study investigated the influence of vividness of imagination, private body consciousness, perfectionism, and general self-efficacy on physiological (blood volume pulse amplitude) and psychological (session performance rated by participants and by trainers) success. Changes in skin conductance and skin temperature indicating habituation to training context were examined. Forty-five healthy male participants were randomized to four sessions of vasoconstriction training or vasodilatation training. Hierarchical linear models were estimated. Results showed significant changes of session performance rated by participants (UC = 0.62, p < .05), by trainers (UC = 0.52, p < .001), and skin temperature (UC = 0.01, p < .001) over time. A change of blood volume pulse amplitude could not be observed (UC = −0.01, p = .65). Vividness of imagination was highly important for both psychological achievement ratings (UCparticipants = 1.3, p < .001; UCtrainers = 0.29, p < .01). Relations between skin temperature and general self-efficacy or personal standards were small (UCself-efficacy = 0.002, p < .10; UCpersonal standards = 0.002, p < .05). A time × group interaction regarding trainers’ achievement ratings indicated a specific judgement effect. In conclusion, biofeedback trainers should pay attention to their beliefs and participants’ vividness of imagination.
... In general, reported TQ changes in response to different therapeutic approaches differ widely: between 5.2 points (Rief et al., 2005), 7.8 points (Goebel, 1995), 13 points (Haerkötter, 2001), 18.6 points (Weise, 2008), and up to 23.2 points (Weise et al., 2007). Most often the changes at follow-up are smaller compared to the end of treatment, but still significantly larger compared to the onset of treatment (Jakes et al., 1992). ...
Article
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Objective: Considering the heterogeneity of the symptoms shown by patients suffering from chronic tinnitus, there are surprisingly few interdisciplinary treatments available, and mostly available only for inpatients. In order to provide an interdisciplinary treatment, we developed a day care concept in which each patient was treated by an ENT doctor, a cognitive behavioral therapist, a specialist for medical rehabilitation and an audiologist (Jena Interdisciplinary Treatment for Tinnitus, JITT). The aim of this study was to observe the changes of tinnitus related distress due to interdisciplinary day care treatment and to determine which factors mediate this change. Subjects and Methods: Tinnitus annoyance was measured using the Tinnitus Questionnaire on 308 patients with chronic tinnitus. They were treated in the day care unit over five consecutive days between July 2013 and December 2014. Data were collected before treatment when screened (T0), at the beginning (T1) and at the end of the 5 day treatment (T2), as well as 20 days (T3) and 6 months after treatment (T4). Results: Overall, tinnitus annoyance improved significantly from the screening day to the beginning of treatment, and to a much larger degree from the beginning to the end of treatment. The treatment outcome remained stable 6 months after treatment. Patients with the following symptoms displayed higher tinnitus annoyance at T0: dizziness at tinnitus onset, tinnitus sound could not be masked with background noise, tinnitus worsening during physical stress, comorbid psychiatric diagnosis, higher age and higher hearing loss. Loudness of tinnitus perceived in the right ear correlated with tinnitus annoyance significantly. Demographic, tinnitus and strain variables could only explain 12.8% of the variance of the change in tinnitus annoyance from T0 to T4. Out of 39 predictors, the only significant ones were “sick leave 6 months before treatment” and “tinnitus annoyance at T0.” Conclusion: The newly developed JITT represents a valuable treatment for chronic tinnitus patients with improvement remaining stable for at least 6 months after treatment. Using a large number of variables did not allow predicting treatment outcome which underlines the heterogeneity of tinnitus.
... To the knowledge of the authors of this study, no review on the efficacy of selfhelp interventions in tinnitus exists. Selfhelp approaches might be of vital importance to tinnitus subjects because they are sometimes unwilling to take part in ambulatory psychotherapeutic interventions as they attribute the ear noises to somatic causes (Weise et al., 2007). Self-help interventions promise a lower threshold for tinnitus subjects. ...
Article
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This study is a review and meta-analysis on the efficacy of cognitive-behavioural therapy (CBT) self-help interventions for tinnitus. Randomized controlled trials were identified by searching in databases (e.g. ISI Web of Knowledge, PubMed, Cochrane Library, and PSYNDEX) and by manual search. Ten studies with 1188 participants in total were included in the meta-analysis. Participants were 49.2 years old and had tinnitus for 5.2 years. Self-help interventions significantly reduced tinnitus distress (d = 0.48) and depressiveness (d = 0.25) when compared with a passive control (e.g. information only and discussion forums) at post-assessment. There was no difference to the face-to-face controls (group treatment). The presence of therapists and the methodological quality of the studies did not influence the results. Sensitivity analysis revealed that there might be a publication bias regarding the comparison to the face-to-face control. However, the results suggest that CBT self-help interventions are an effective treatment for tinnitus distress. Since few studies were identified, this conclusion must be supported by future meta-analyses.
... Acceptability seems to be particularly important in research on tinnitus treatment. Tinnitus participants are sometimes unwilling to take part in psychotherapeutic interventions since they attribute the ear noises to somatic complaints (Weise, Heinecke, & Rief, 2007). To the author's knowledge, there is no study on the acceptability of cognitiveq 2013 Swedish Association for Behaviour Therapy Cognitive Behaviour Therapy, 2013Vol. ...
Article
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Objectives: Recent studies on tinnitus have focused on the efficacy of Internet-based interventions. Other core features of the quality of service, e.g. acceptance and attrition, have often been overlooked. This study analyses Internet-based training regarding acceptance and attrition in a trial on minimal-contact interventions for acute tinnitus. Whenever possible, we give information on other forms of training for comparison. Methods: In a randomised controlled trial with 337 participants, 87 persons took part in the Internet training. Results: The participants were as satisfied with the Internet-based training as with a face-to-face group training. There was a 34.48% dropout from the Internet-based training (dropout attrition). The training attrition from the Internet-based training was even higher at 64.4%. Conclusions: Two out of three indicators for acceptance-satisfaction and dropout attrition-provide comparable results between the Internet-based training and a face-to-face group training. The third indicator, training attrition, shows a better result for the group training. Future research should focus on attrition in order to enhance the overall effectiveness of training.
Article
Hintergrund: Die Wirksamkeit psychotherapeutischer Verfahren bei der Bewältigung chronischer dekompensierter Tinnitussymptome ist gut belegt. Mit dieser Studie wurde geprüft, welche Patienten- und Symptomcharakteristika mit einem hohen Therapieerfolg zusammenhingen. Patienten und Methoden: 95 Patienten mit chronischem dekompensierten Tinnitus wurden mit kognitiv-verhaltenstherapeutischen Einzelsitzungen behandelt, in die Übungen zur biofeedbackgestützten Muskelrelaxation integriert waren. Mittels Regressionsanalysen wurden Prädiktoren für verschiedene Outcome-Maße wie die tinnitusspezifische Belastung, Dauer oder die Intensität der Ohrgeräusche, sowie für Responderanalysen und den Funktionsstatus zu Therapieabschluss ermittelt. Ergebnisse: Über 80% der Patienten profitierten von der Behandlung. Als positive Prädiktoren erwiesen sich eine aktive und wenig skeptische Therapieerwartung. Schwächer war der Erfolg, wenn initial ausgeprägte depressive Symptome vorlagen. Schlussfolgerung: Für die überwiegende Zahl der Patienten war eine ambulante Kurzzeit-Psychotherapie erfolgsversprechend. Die Studie konnte an einer großen Stichprobe zeigen, dass im Vorfeld der Behandlung positive Therapieerwartungen gefördert und einer hohen Skepsis entgegengewirkt sollte, um ein gutes Therapieergebnis zu ermöglichen. Liegen ausgeprägte depressive Symptome vor, sollten zusätzliche Therapieverfahren einbezogen werden.
Article
ZusammenfassungEinleitung: Durch die Vermittlung von Informationen über seine Krankheit soll ein Patient zur Behandlung motiviert und sein subjektives Krankheitskonzept erweitert werden. Sowohl die Psychotherapiemotivation als auch medizinische und psychosoziale Kausal- und Kontrollattributionen sind zentral für die Vorhersage des Therapie prozesses und den zukünftigen Krankheitsverlauf. Frage stellung: Es wurde überprüft, inwiefern sich die Vermittlung biopsychosozialer Informationen zu Beginn einer kognitiven Verhaltenstherapie günstig auf die Psychotherapiemotivation und die medizinischen und psychosozialen Kausal-und Kontrollattributionen auswirkt. Des Weiteren wurde der Zusatzeffekt von Biofeedback im Rahmen der Informationsvermittlung untersucht. Methode: 100 Rückenschmerzpatienten wurden zu Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung im Rahmen einer Doppel sitzung (2 × 50 min) biopsychosoziale Informationen zu Schmerzstörungen vermittelt. Im Rahmen eines randomisierten kontrollierten Designs erhielt die Hälfte der Patienten zusätzlich Informationen über Biofeedback. Die Effekte dieser Intervention wurden mit einer Wartegruppe (n = 46) verglichen. Ergebnisse: Die Informationsvermittlung hatte positive Effekte auf die medizinische Kausal- und die psychosoziale Kontrollattribution sowie die Psychotherapiemotivation der Patienten. Es zeigte sich kein Einfluss auf die psychosoziale Kausal- und die medizinische Kontrollattribution. Diskussion: Die Vermittlung biopsychosozialer Informationen zu Schmerzstörungen zu Beginn einer kognitiven Verhaltenstherapie beeinflusst die Kausal-und Kontrollattributionen sowie die Psychotherapiemotivation positiv und legt somit den Grundstein für eine Behandlung. Um die Behandlung zu optimieren und eine differentielle Therapieindikation zu stellen, bleibt zu untersuchen, welche Patienten von zusätzlichem Biofeedback profitieren.
Article
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Psychosomatic findings from 287 patients with tinnitus are presented in this article, who were seen by medical psychotherapists specialized in ENT for a period of 15 months. They were assigned to all of the therapeutic methods being offered. As relevant proved to be the neurootological professional competence, especially for recognizing and treating auditory limitations (in 41% of the patients) as well as noticing and treating the psychological comorbidity (in 45.3% of the patients). While neurophysiological and psychophysiological models interpret the subjective tinnitus stress as the failing of habituation, dysfunctional attention processes and assessments, from a psychodynamic view a symptom having pathological significance, such as the suffering from tinnitus (not the tinnitus itself) may develop if the defensive mechanisms are exhausted, a conflict cannot be resolved on the conscious level or traumatic experiences were made. It is recommended that an approach specifically matched with the disturbance is made taking into account both possible psychodynamic causes and sustaining factors in the cognitive behavioral sense, all on an audiologic background.
Article
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Basic requirements and results of tinnitus retraining therapy (TRT) as well as other habituation therapies with psychotherapeutic approaches in the treatment of tinnitus are examined closely in this literature review. In German-speaking countries experts generally aim for involvement of psychotherapists beyond the classic TRT developed by Jastreboff and Hazell. On the basis of a validated diagnostic test such as the Tinnitus Questionnaire according to Hiller and Goebel (1998), such a therapy regime is more effective than the "classic" procedure. Under different treatment approaches, cognitive behavioural therapy elements have been proven to be effective-even as a component of the TRT-as well as integrated variants in psychodynamic therapies. We have to give consideration to the fact that in all studies about the selection and inclusion criteria selective test conditions were established which suggest that in each case diverse patient groups were studied. In the overall picture it becomes apparent that depending on the severity of the tinnitus and accompanying hearing problems a dysfunction-oriented and staged approach makes sense.
Article
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Patients distressed by tinnitus were randomly allocated to one of five treatments: aural masker, placebo masker, waiting list, group cognitive therapy (GCT), or GCT plus masker. At followup, only patients receiving GCT (with or without a masker) were significantly improved over baseline on a tinnitus distress questionnaire. Irrational beliefs about tinnitus were modified in the baseline period only in patients receiving an explanatory booklet about cognitive therapy. These beliefs continued to change from baseline to followup only in GCT. Measures of general affective state changed little and not to a significantly greater extent in GCT than in other conditions. Overall results indicate a specific effect of GCT on tinnitus distress, not observed in alternative treatments.
Article
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Three forms of cognitive-behavioural therapy were compared for their efficacy in relieving the effects of chronic tinnitus. Self-reports of loudness, annoyance and other distressing effects were monitored from pretreatment to four months follow-up. The hypothesis that applied relaxation and individual cognitive therapy would have differential treatment effects was partially confirmed but the greater effect on annoyance of the former was not predicted. In general, effects were short-lived and absent at final follow-up. A 'passive relaxation' treatment appeared to be no less effective than the more active treatments. The ratings of an independent assessor gave some credence to the conclusion that clinically worthwhile results had been achieved in some subjects.
Article
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Examines problems that make somatizing patients (SMPs) poor candidates for psychotherapy and analyzes the conspiracy of silence that exists between SMPs, medical doctors, and the health insurance industry regarding psychosocial factors contributing to somatization. Alternatives are sought to repeated biomedical tests and therapies that are clinically unproductive and iatrogenic. Behavioral and psychological factors are included as components in the etiology and therapy of some modern physical diseases. Psychological and psychophysiological treatment technologies (e.g., biofeedback) offer promising alternatives to drugs and surgery in treating both psychophysiological and physical disorders. (PsycINFO Database Record (c) 2012 APA, all rights reserved)
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Zusammenfassung. Theoretischer Hintergrund: Gangige Erklarungsmodelle fur die Entstehung und Chronifizierung von Tinnitus betonen die Bedeutung von Aufmerksamkeitsprozessen. Fragestellung: Deshalb wird mit der vorliegenden Untersuchung uberpruft, ob die Lenkung der Aufmerksamkeit die Wahrnehmung und Unannehmlichkeit eines chronischen Tinnitus beeinflussen kann. Methode: 33 Personen mit chronischem Tinnitus nahmen an einem Experiment teil, bei dem sie fur jeweils 10 Minuten folgende Bedingungen erfullen sollten: (a) auf den eigenen Tinnitus konzentrieren; (b) sich entspannen; (c) Ablenkung durch Musik; (d) Konzentration auf ein uber Tongenerator dargebotenes Imitat des Tinnitusgerausches. Ergebnisse: Die Tinnitus-Belastung ist am hochsten unter der Bedingung “auf den eigenen Tinnitus konzentrieren“ und am geringsten unter der “Musik horen“-Bedingung. Die allgemeine Befindlichkeit ist sowohl unter der “auf den Tinnitus horen“ als auch unter der “externe Prasentation des Tinnitusgerausches“-Bedingung reduzie...
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Summary Biofeedback in the Treatment of Somatoform DisordersUsing a controlled clinical trial we evaluated the effect of a 6-session biofeedback treatment for somatoform disorders. The intervention included the demonstration of psychophysiological mechanisms to change patients’ catastrophizing cognitions of bodily symptoms. In addition, the control of physiological processes by biofeedback should enhance self-control strategies in the management of symptoms. The patients of the comparison group received a relaxation-based treatment. In total, 50 patients with somatization syndrome (at least 8 somatoform symptoms) were randomized to the 2 treatment groups. The biofeedback group showed a reduction of catastrophizing cognitions (assessed by the questionaire ‘body and health’), whereas patients of the control group did not. All patients evaluated each therapy session separately. Patients of the biofeedback group rated ‘confidence and credibility’ as well as ‘perceived success and coping strategies’ better than patients of the control group. They did not differ in the ratings of ‘quality of therapeutical relation’.
Article
Objective: Using a randomized group design, the efficacy of an outpatient cognitive–behavioral Tinnitus Coping Training (TCT) was compared to two minimal-contact (MC) interventions. Methods: TCT was conducted in a group format with 11 sessions (total n=43). One MC [MC-E (education), n=16] consisted of two group sessions in which education on tinnitus was presented and self-help strategies were introduced. The second MC [MC-R (relaxation), n=16] comprised four sessions. Besides education, music-supported relaxation was suggested as self-help strategy and audiotapes with relaxing music were provided. Furthermore, a waiting-list control group was installed (WC, n=20). Data were assessed at baseline (pretherapy) and at posttherapy period. Only TCT was additionally evaluated at a 6-month and a 12-month follow-up. Several outcome variables (e.g., awareness of tinnitus) were recorded in a tinnitus diary. Tinnitus coping and disability due to tinnitus were assessed by questionnaires. Subjective ratings of improvement were also requested from the patients. Furthermore, inventories of psychopathology were given to the patients. Results: Findings reveal highly significant improvements in TCT in comparison to the control group (WC). MC interventions do not differ significantly from each other, but are superior to WC in a few domains of outcome. Outcome in TCT is somewhat superior to combined MC interventions in two domains of data, but not regarding disability reduction. Effect sizes, nevertheless, indicate distinct differences in degree of improvement, with TCT achieving the best results. Conclusions: A sequential scheme for the treatment of chronic tinnitus is discussed on the basis of cost-effectiveness considerations.