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Das Demokratiedefizit der Europäischen Union und die politische Integration Europas: Eine Analyse der Einstellungen der Bürger in Westeuropa

Authors:

Abstract and Figures

Durch den Vertrag von Maastricht, der im Jahre 1993 in Kraft trat, wurde die Europäische Gemeinschaft (EG) zur Europäischen Union (EU). Dieser Übergang bedeutete einen Wendepunkt im Prozess der europäischen Integration. Spätestens seit diesem Vertrag findet eine Transformation von einem inter-gouvernementalen Regime mit primär ökonomischen Kompetenzen zu einem supranationalen Regime mit weiterreichenden Kompetenzen statt. Diese Transformation hat die Legitimationsgrundlage des europäischen Regimes gravierend verändert (Beetham/Lord 1998; Thomassen/Schmitt 1999).
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Veröffentlichungsreihe der Abteilung Institutionen und sozialer Wandel des
Forschungsschwerpunktes Sozialer Wandel, Institutionen und Vermittlungsprozesse des
Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung
ISSN 1615-7559
FS III 02-204
Das Demokratiedefizit der Europäischen Union
und die politische Integration Europas: Eine Analyse
der Einstellungen der Bürger in Westeuropa
Dieter Fuchs
Berlin, Dezember 2002
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH (WZB)
Reichpietschufer 50, D-10785 Berlin,
Telefon: (030) 25 49 1-0
Zitierweise:
Fuchs, Dieter, 2002:
Das Demokratiedefizit der Europäischen Union und die politische Integration Europas:
Eine Analyse der Einstellungen der Bürger in Westeuropa.
Discussion Paper FS III 02-204.
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).
Zusammenfassung
Nach einer verbreiteten Auffassung hat die Transformation der EU zu einem Regime mit
supranationalem Charakter, die durch den Vertrag von Maastricht eingeleitet wurde,
mehrere legitimationswirksame Konsequenzen. Erstens führt sie zu einer Politisierung der
EU, und in Folge davon wird die EU nicht mehr nur mit ökonomischen Effizienzkriterien,
sondern auch mit demokratischen Standards konfrontiert. Zweitens wird den Bürgern auf
diese Weise das Demokratiedefizit der EU bewusst, und das führt wiederum zu einer
Erosion der Unterstützung der EU. Diese Thesen können durch die empirischen Befunde
der Analyse nicht bestätigt werden. Nach dem Vertrag von Maastricht ist die Zufriedenheit
mit dem Funktionieren der EU keineswegs gesunken, und die Kausalanalyse hat gezeigt,
dass die EU immer noch primär auf der Grundlage instrumenteller Bewertungsstandards
beurteilt wird. Der Bezugspunkt für die demokratischen Standards der Bürger ist offenbar
weiterhin der eigene Nationalstaat, und die Einschätzung der Demokratie der EU kann als
eine Generalisierung der Zufriedenheit mit der Demokratie des eigenen Landes begriffen
werden. Es kann allerdings gefragt werden, ob die EU dauerhaft auf eine Mobilisierung
von Unterstützung auf der Grundlage demokratischer Standards verzichten kann. Diese
Mobilisierung würde allerdings die Institutionalisierung einer europäischen Demokratie
voraussetzen.
Abstract
It is current opinion that the transformation of the EU into a regime with supranational
character initiated by the Maastricht Treaty has effects on the legitimacy of the EU. First,
this process brings about a politicization of the EU confronting it not only with economic
efficiency criteria, but also with democratic standards. Second, citizens become aware of
the EU’s democratic deficit and this leads to an erosion of support for the EU. Both
assumptions are not confirmed by the empirical analyses. Satisfaction with the
performance of the EU hasn’t declined after the Maastricht Treaty and causal analysis
shows that the EU is still evaluated on the basis of instrumental standards. Citizens
continue to see their own nation state as bench mark for democratic standards and the
evaluation of democracy in the EU can be understood as a generalization of satisfaction
with democracy in one’s own country. The question is whether the EU can do without
mobilizing support based on democratic standards in the long run. But such a mobilization
would require an institutionalization of European democracy.
Dieter Fuchs
Das Demokratiedefizit der Europäischen Union und die politische
Integration Europas: Eine Analyse der Einstellungen der Bürger in
Westeuropa1
1. Problemstellung
Durch den Vertrag von Maastricht, der im Jahre 1993 in Kraft trat, wurde die Europäische
Gemeinschaft (EG) zur Europäischen Union (EU). Dieser Übergang bedeutete einen Wen-
depunkt im Prozess der europäischen Integration. Spätestens seit diesem Vertrag findet
eine Transformation von einem intergouvernementalen Regime mit primär ökonomischen
Kompetenzen zu einem supranationalen Regime mit weiterreichenden Kompetenzen statt.
Diese Transformation hat die Legitimationsgrundlage des europäischen Regimes gravie-
rend verändert (Beetham/Lord 1998; Thomassen/Schmitt 1999).
Die EG war weitgehend ein intergouvernementales Regime und ihre Legitimation war
demgemäß eine indirekte, d.h. sie beruhte auf ihren Mitgliedsländern. Alle wesentlichen
Interessen der Bürger im Hinblick auf die ökonomische Funktion der EG wurden durch
nationalstaatliche Institutionen und Verfahren gebildet und repräsentiert (Lepsius 1999)
und die Bürger vertrauten darauf, dass diese Interessen auf der Ebene des europäischen
Regierens durch die eigenen Regierungen wirkungsvoll vertreten wurden. Die darauf
gründende Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft wurde häufig als ein „permissive
consensus“ (Lindberg/Sheingold 1970) bezeichnet.
Mit der EU wurde aber eine ökonomisch-politische Ordnung implementiert, deren
Kompetenzen auch verteilungsrelevante Interessenkonflikte zwischen und innerhalb von
Nationalstaaten berühren, die unmittelbare Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der
Bürger haben. Das führte unter anderem dazu, dass die EU politisiert wurde und seitdem
neben ökonomischen auch mit sozialstaatlichen und demokratischen Werten konfrontiert
wird (Lepsius 1999). Durch die Anwendung demokratischer Werte als ein Beurteilungs-
standard auf die EU wird das auch schon vorher bestehende Demokratiedefizit des europä-
ischen Regimes sichtbar und überhaupt erst bedeutsam. Nach einer verbreiteten Auffas-
sung erzeugt dieses wahrgenommene Demokratiedefizit ein Legitimationsproblem der EU
1 Erscheint in: Frank Brettschneider/Jan van Deth/Edeltraud Roller (Hrsg.): Europäische Integration in der
öffentlichen Meinung. Opladen: Leske + Budrich, 2003.
2
(Kielmansegg 1996; Blondel/ Sinnott/Svensson 1998; Beetham/Lord 1998; Katz/Wessels
1999; Scharpf 1999; Thomassen/Schmitt 1999).
Diese Diagnose besitzt eine unmittelbare Relevanz für die Diskussion der Reform der
EU. Wenn tatsächlich ein gravierendes Legitimationsproblem der EU besteht, das auf das
Demokratiedefizit zurückgeht, dann scheint eine bestimmte Reformoption nahezuliegen:
die Institutionalisierung einer vollständigen europäischen Demokratie. An dieser Stelle soll
die Diskussion darüber ausklammert werden, inwieweit die EU überhaupt demokratiefähig
ist (s. dazu Kielmansegg 1996; Offe 1999; Scharpf 1999; Fuchs 2000). In der folgenden
Analyse steht die Diagnose selbst im Vordergrund und es wird versucht, die in ihr enthal-
tenen Annahmen empirisch zu überprüfen:
1. Nimmt die Unterstützung der EU nach Maastricht ab?
2. Haben demokratische Bewertungsstandards einen maßgeblichen Einfluss auf die Unter-
stützung der EU?
3. Führt die Anwendung demokratischer Bewertungsstandards zu einer Präferenz für eine
europäische Demokratie?
Der Einfluss demokratischer Bewertungsstandards kann nur dann angemessen ermittelt
werden, wenn um die wichtigsten anderen Erklärungsfaktoren kontrolliert wird. Zu diesem
Zweck wird ein Erklärungsmodell der Unterstützung der gegenwärtigen EU und der Präfe-
renz für eine europäische Demokratie vorgeschlagen und getestet.
Unsere Analyse ist folgendermaßen aufgebaut. Sie beginnt mit einem theoretischen
Teil. In diesem wird zunächst ein allgemeines Modell der Unterstützung eines politischen
Regimes dargestellt. Unter Berücksichtigung der Besonderheit der EU als Einstellungsob-
jekt und der Verfügbarkeit von Indikatoren wird dieses allgemeine Modell dann für die EU
spezifiziert. Danach folgt die empirische Analyse, die wiederum aus drei Teilen besteht:
Im ersten Teil erfolgt eine Deskription der Unterstützung der EU von 1985 bis 2001, im
zweiten Teil wird eine dimensionale Analyse der Einstellungen zur EU mittels einer Fakto-
renanalyse durchgeführt und der dritte Teil besteht aus der Schätzung des Analysemodells.
Abschließend diskutieren wir die Frage, welche Schlussfolgerungen sich aus den empiri-
schen Befunden für die Legitimation und die Integration der EU ziehen lassen.
2. Theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Ein allgemeines Modell der Unterstützung eines politischen Regimes
Mit dem Vertrag von Maastricht haben die Mitgliedsländer einen beträchtlichen Teil ihrer
Kompetenzen auf die EU übertragen. Die EU kann seitdem als ein institutionelles Gefüge
3
charakterisiert werden, das befugt ist, in einem weiten Spektrum der Politik Entscheidun-
gen zu treffen, die eine direkte Verbindlichkeit auch für die Mitgliedsländer haben. Sie
erfüllt dem gemäß die wichtigsten Merkmale eines politischen Regimes. Zur Analyse der
Einstellungen der Bürger zur EU kann deshalb das Konzept der Unterstützung eines politi-
schen Regimes herangezogen werden. Die grundlegenden Überlegungen dazu gehen be-
kannterweise auf David Easton (1965, 1975) zurück. Dieses Konzept ist inzwischen in das
Paradigma der politischen Kultur integriert worden (Almond 1980, 1990; Fuchs 2002).
Abbildung 1: Allgemeines Modell der Unterstützung eines politischen Regimes
Bindung an
demokratische Werte
(normativer
Bewertungsstandard)
Demokratische Performanz
(normativer
Bewertungsstandard)
Identifikation mit der
politischen Gemeinschaft
(affektiver
Bewertungsstandard)
Systemische Performanz
(instrumenteller
Bewertungsstandard)
Unterstützung des
politischen Regimes
In der Abbildung 1 ist ein allgemeines Modell der Unterstützung eines politischen Regimes
dargestellt. Es enthält die wichtigsten Determinanten, die in der Forschung über politische
Unterstützung identifiziert werden konnten, und ordnet sie nach einem hierarchischen Mo-
dell des demokratischen Systems (Fuchs 1999). Die hierarchisch höchste Ebene ist die
Systemkultur, die aus den Bindungen der Bürger an demokratische Werte konstituiert
wird. Diese demokratischen Werte stellen normative oder moralische Bewertungsstandards
dar, mit denen das politische Regime konfrontiert wird. In dem Maße, in dem die Bürger
glauben, dass das Regime den von ihnen präferierten Werten entspricht, in dem Maße un-
terstützen sie dieses. Diese Unterstützungsform wird von Easton (1975) als Legitimität
bezeichnet. Im Unterschied zu Easton wird dieser subjektive Glaube einer Kongruenz zwi-
4
schen den eigenen Werteprioritäten und dem politischen Regime nicht zu einer bestimmten
Einstellungsform verschmolzen, sondern als eine kausale Relation begriffen.
Die hierarchisch unterste Ebene wird als die Prozessebene bezeichnet und sie bezieht sich
auf die Wirklichkeit der Demokratie eines Landes. Die demokratische Wirklichkeit wird
vor allem durch die Handlungen der politischen Entscheidungsträger und den Ergebnissen
dieser Handlungen konstituiert. Die Entscheidungsträger werden von den Bürgern in dem
Maße unterstützt, in dem sie mit deren Outputs zufrieden sind. Die Unterstützungsbasis ist
also die Performanz2 der Entscheidungsträger und diese Einstellung bezeichnet Easton
(1975) als spezifische Unterstützung. Der Bezugspunkt des Modells ist aber die Unterstüt-
zung des Regimes und für dieses Objekt ist eine Einstellung relevant, die von den politi-
schen Entscheidungsträgern lediglich ihren Ausgangspunkt nimmt. Easton (1975) postu-
liert eine Unterstützungsform des Regimes, die auf einer Generalisierung der Performanz
einer Reihe von Entscheidungsträgern über einen längeren Zeitraum hinweg gründet.
Durch diese Generalisierung verschiebt sich das Unterstützungsobjekt von den Entschei-
dungsträgern auf das Regime. Diese Unterstützungsform wird bei Easton (1975) Vertrauen
in das politische Regime genannt. Statt des Vertrauensbegriffs wird in dem Modell der der
Performanz verwendet, der sich direkter auf das Kriterium bezieht, nach dem das politische
Regime beurteilt wird.
Es werden zwei Kategorien einer generalisierten Performanz unterschieden, die einen
Einfluss auf die Unterstützung des politischen Regimes haben. Die systemische Perfor-
manz beruht auf einem instrumentellen Bewertungsstandard und dieser bezieht sich vor
allem auf ökonomische Leistungen, die mit einem materiellen Nutzen für die Bürger ver-
bunden sind. Die demokratische Performanz beruht auf einem normativen Bewertungs-
standard und bezieht sich darauf, inwieweit die Wirklichkeit des politischen Regimes den
eigenen normativen Erwartungen entspricht. Welche Erwartungen das sind, hängt von den
Wertebindungen der Bürger ab und dementsprechend wird in dem Modell ein Kausalpfeil
von den Wertebindungen auf die demokratische Performanz spezifiziert. Zu den normati-
ven Erwartungen gehört zum Beispiel die Responsivität des Regimes auf die Ansprüche
der Bürger und das tatsächliche Funktionieren der institutionellen Mechanismen (Fuchs
1998). Auf der Grundlage ihrer andauernden Erfahrungen – und auf der Grundlage von
Sozialisationsprozessen – vertrauen die Bürger im positiven Falle also darauf, dass die
institutionelle Struktur des politischen Regimes die Handlungen der Entscheidungsträger
so wirksam restringieren, dass diese zum einen demokratischen Prinzipien entsprechen
(demokratische Performanz) und zum anderen zur Erzeugung von Outputs führen, die für
die Bürger nützlich sind (systemische Performanz).
2 Performanz wird als die bewerteten Ergebnisse des Handelns von Entscheidungsträgern begriffen
(Roller 2001).
5
In dem Modell ist mit der Identifikation mit der politischen Gemeinschaft eine weitere
Unterstützungsdeterminante aufgeführt, die ebenfalls auf Easton (1975) zurückgeht. Diese
Identifikation bedeutet eine diffuse Gefühlsbindung der einzelnen Bürger an die vorgestell-
te Gemeinschaft und nach Easton geht von einer derartigen Identifikation ein „spill-over“
auf das politische Regime aus. Dieser affektive Transfer dürfte um so stärker sein, je mehr
die politischen Institutionen von den Bürgern als ein authentischer Ausdruck der Gemein-
schaft gesehen werden, der sie sich zurechnen.
2.2 Ein Modell der Unterstützung der Europäischen Union
Dieses allgemeine Modell der Unterstützung eines politischen Regimes kann aus zwei
Gründen nicht unmittelbar als Analysemodell für die Unterstützung der EU herangezogen
werden. Zum einen ist der Bezugspunkt des allgemeinen Modells das politische Regime
der Nationalstaaten. Die EU hat einerseits zwar einige Charakteristiken mit den national-
staatlichen Regimen gemeinsam, weist andererseits aber einige Besonderheiten auf, die
Auswirkungen auf die EU als Einstellungsobjekt der Bürger haben und zu einer Modifika-
tion des allgemeinen Modells nötigen. Zum anderen können nicht alle Konstrukte auf der
Grundlage des von uns verwendeten Eurobarometers 42 operationalisiert werden. Wir ge-
hen zunächst auf die Indikatorenproblematik ein.
Im allgemeinen Modell der Unterstützung eines politischen Regimes sind vier Deter-
minanten enthalten. Mit Ausnahme der Bindung an demokratische Werte können alle mit
den verfügbaren Indikatoren operationalisiert werden. Das Modell der Unterstützung der
EU enthält demzufolge drei direkte Determinanten: systemische Performanz der EU, de-
mokratische Performanz der EU und Selbstbeschreibung als Europäer (vgl. Abbildung 2).
Letzteres wird nicht „Identifikation mit der europäischen Gemeinschaft“ genannt, weil der
entsprechende Indikator danach fragt, inwieweit das Individuum sich in nächster Zeit als
Europäer sieht. Diese Selbstbeschreibung als Europäer stellt aber eine Vorstufe einer affek-
tiven Identifikation dar und kann somit als ein akzeptables Substitut für die Identifikation
mit der europäischen Gemeinschaft gelten.
Dadurch, dass die Bindung an demokratische Werte nicht gemessen wird, ist eine di-
rekte Überprüfung der These eines Legitimationsproblems der EU, das aus deren Demo-
kratiedefizit entspringt, auch nicht möglich. Wenn diese These zutreffen sollte, dann müss-
te sich das empirisch in einem negativen Effekt der Bindung an demokratische Werte auf
die Unterstützung der EU zeigen. Das würde bedeuten, dass viele Bürger keine Entspre-
chung zwischen ihren Werteprioritäten und der institutionellen Struktur der EU sehen wür-
den. Die für unsere Analyse wichtige Frage nach den Auswirkungen des Demokratiedefi-
6
zits der EU auf ihre Unterstützung kann aber auch auf eine andere Weise analysiert wer-
den. Die Existenz eines demokratischen Regimes ist die notwendige Bedingung für eine
demokratische Performanz wie z.B. der Responsivität gegenüber den Präferenzen des De-
mos oder dem Funktionieren der institutionellen Mechanismen. Erst im Rahmen einer de-
mokratischen Institutionenstruktur stellt sich die Frage, inwieweit die politischen Entschei-
dungsträger den normativen Erwartungen, die mit dieser Struktur verbunden sind, auf die
Dauer tatsächlich entsprechen. Wenn ein politisches Regime in seiner institutionellen
Struktur keine Demokratie ist, dann kann es auch keine demokratische Performanz geben.
Diese Annahme kann auf der Einstellungsebene folgendermaßen konkretisiert werden:
Wenn ein Individuum x eine starke Bindung an demokratische Werte aufweist und ein
gravierendes Demokratiedefizit der institutionellen Struktur der EU wahrnimmt, dann
nimmt es eine negative Einschätzung der demokratischen Performanz der EU vor und die-
se resultiert in einem geringen Grad der Unterstützung der EU. Problematische Auswir-
kungen des Demokratiedefizits der EU nach Maastricht müssten sich demnach in zwei
empirischen Befunden zeigen: Erstens in einer zunehmenden Kritik der demokratischen
Performanz der EU und zweitens in einem starken Effekt der demokratischen Performanz
auf die Unterstützung der EU.
Abbildung 2: Modell der Unterstützung der Europäischen Union
Systemische
Performanz
der EU
Massenmedial
vermittelte
Information
Generalisierung
nationalstaatlicher
Einstellungen
Demokratische
Performanz
der EU
Selbstbeschreibung
als Europäer
Unterstützung
der EU
Anmerkungen: empirisch überprüfter Effekt
theoretisch postulierter Effekt
Neben der Verfügbarkeit von Indikatoren führt die schon angesprochene Besonderheit der
EU als ein Einstellungsobjekt der Bürger zu einer Modifikation des allgemeinen Modells
der Unterstützung eines politischen Regimes. Diese Besonderheit und die daraus entsprin-
genden Schlussfolgerungen werden im Folgenden skizziert.
7
Die Einstellung zu einem politischen Regime hängt von den Erwartungen ab, die die
Bürger gegenüber dem Regime haben. Die meisten Studien gehen im Falle des europäi-
schen Regimes davon aus, dass sich diese vor und nach Maastricht erheblich unterschei-
den. Die Vorstellung einer Integration Europas war ursprünglich nicht nur wirtschaftlich
motiviert, sondern auch von den historischen Erfahrungen des Kriegs zwischen den euro-
päischen Nationalstaaten und den aktuellen Erfahrungen der kommunistischen Bedrohung
geprägt. Inwieweit die darauf gründende Idee Europa auch die Durchschnittsbürger er-
reicht hat oder ob sie vor allem eine Angelegenheit der politischen Eliten war, ist fraglich
und empirisch ungeklärt (vgl. Wessels 1995). Faktisch entwickelte sich die Europäische
Gemeinschaft aber als eine Wirtschaftsgemeinschaft mit dem Ziel der ökonomischen In-
tegration der Mitgliedsländer. Die Verträge wurden zwischen den Mitgliedsländern ausge-
handelt und diese waren auch die maßgeblichen politischen Akteure, die die Politik der EG
steuerten. Insofern war die EG ein intergouvernementales Regime, dessen Unterstützung
durch die Bürger auf zwei Quellen beruhte: erstens auf einem Legitimationstransfer von
den Mitgliedsländern auf die EG und zweitens auf der ökonomischen Performanz der EG.
Eine differenzierte Kognition des institutionellen Gefüges der EG und eine darauf grün-
dende Bewertung war nicht notwendig. Die Erwartungen der Bürger gegenüber der EG
bestanden vor allem in Wohlfahrtssteigerungen und solange diese von ihnen unterstellt
wurden, war die Unterstützung der EG auch nicht gefährdet.
Durch den Vertrag von Maastricht erfolgte eine erhebliche Kompetenzverlagerung von
den Nationalstaaten auf die EU und es wurden eine Reihe struktureller Veränderungen an
den Organen der EU vorgenommen. Damit wurde die EU als ein supranationales Regime
implementiert, das sich oberhalb der politischen Regime der Mitgliedsländer etablierte und
seitdem deren politische Steuerungsfähigkeit empfindlich einschränkt. Die für die vorge-
legte Analyse wichtige Frage ist, ob und in welcher Weise sich diese objektive Transfor-
mation auch auf die subjektiven Einstellungen der Bürger niederschlägt: Wird die EU als
ein eigenständiges Regime wahrgenommen und wird sie nicht mehr nur nach instrumentel-
len Nutzenerwägungen, sondern auch nach den normativen Standards demokratischer Per-
formanz bewertet? Bezüglich dieser Frage können zwei konkurrierende Auffassungen
gegenübergestellt werden.
Die meisten Autoren gehen davon aus, dass durch die Politisierung der EU im Gefolge
von Maastricht den Bürgern die EU als ein eigenständiges politisches Regime mit umfas-
senden Kompetenzen auch bewusst wurde und sie als Folge davon ihre Bewertungskrite-
rien veränderten. Nur unter dieser Prämisse kann plausiblerweise angenommen werden,
dass die Bürger ein Demokratiedefizit der EU wahrnehmen, dieses als bedeutsam erachten
und somit ein Legitimationsproblem der EU entsteht.
8
Die Frage ist allerdings, ob mit diesen Vorstellungen die kognitiven und motivationa-
len Ressourcen der Bürger hinreichend in Rechnung gestellt werden. Diese Skepsis lässt
sich in Anlehnung an die Einstellungsforschung genauer formulieren und darauf aufbauend
kann eine konkurrierende Auffassung expliziert werden. Die Entwicklung einer eigenstän-
digen Einstellung zu einem bislang noch wenig vertrauten Objekt erfordert Informationen
und, da die Akquirierung von Informationen kostenreich ist, auch Motivation (Zaller
1992). Die institutionelle Struktur und die Entscheidungsprozesse der EU sind aber derart
komplex und intransparent, dass der Erwerb von Informationen, die das politische Regime
der EU als ein umrissenes und konturiertes Einstellungsobjekt der Bürger erst konstituieren
würde, äußerst aufwändig und somit eher unwahrscheinlich ist. Das trifft um so mehr zu,
als Politik für die Bürger kein zentraler Gegenstandsbereich ist. Im Unterschied zur EU
haben die nationalstaatlichen Regime eine eindeutige Struktur mit einer hierarchischen
Anordnung ihrer Institutionen sowie klaren Verantwortlichkeiten und Zurechenbarkeiten.
Mit diesem Regime sind die Bürger vertraut und in dieses sind sie auf eine nachvollziehba-
re und folgenreiche Weise durch ihre politischen Beteiligungsrechte eingebunden. Bei der
gegenwärtigen institutionellen Ausgestaltung des Verhältnisses des supranationalen Re-
gimes der EU und der nationalstaatlichen Regime der Mitgliedsländer – letztere sind fak-
tisch vor allem aber in der Wahrnehmung der Bürger auch auf der europäischen Ebene
immer noch die dominanten Akteure – und vor dem Hintergrund der geschilderten kogniti-
ven und motivationalen Restriktionen bleiben die nationalstaatlichen Regime bis auf weite-
res vermutlich die primären Bezugspunkte der Herausbildung politischer Einstellungen
und Erwartungen. Diese Annahme machen wir uns für die Spezifikation des Unterstüt-
zungsmodells der EU in einer bestimmten Weise zunutze und knüpfen dabei an eine Ana-
lyse von Gregory A. Caldeira und James L. Gibson (1995) an.
Der Untersuchungsgegenstand ihrer Analyse ist die Unterstützung des europäischen
Gerichtshofs, also einem Organ der EU. Die beiden Autoren gehen davon aus, dass diese
Institution eine geringe Zentralität für die Bürger besitzt und diese dementsprechend auch
über wenig Informationen über sie verfügen. Die Unterstützung von derartigen „obscure
institutions such as the Court of Justice“ (Caldeira/Gibson 1995: 356) basiert nach ihnen
auf der Anwendung grundlegender politischer Werte, die in anderen Kontexten erworben
wurden, auf die kognitiv unscharfen Institutionen. Wenn man diesen Analysebefund etwas
verallgemeinert, dann findet eine Generalisierung von Einstellungen gegenüber bekannten
auf unbekannte Institutionen statt. Was kann das für die Unterstützung der EU bedeuten?
Die Beantwortung dieser Frage hängt davon ab, in welchem Maß man bei den Bürgern
eine Elaboriertheit der kognitiven Repräsentanz und eine umfassende Informationsbasis
über die EU unterstellen kann. Je höher der Elaboriertheitsgrad der kognitiven Repräsen-
tanz und je umfangreicher die Informationsmenge, desto eigenständiger dürfte die Einstel-
9
lung zur EU sein und je geringer diese beiden Ressourcen ausgeprägt sind, desto stärker
dürfte die Unterstützung der EU auf einer Generalisierung von Einstellungen beruhen, die
im nationalstaatlichen Kontext entstanden sind. Im Hinblick auf die beiden konkurrieren-
den Auffassungen über die EU als Einstellungsobjekt wird in dem in Abbildung 2 darge-
stellten Modell von einer „mittleren“ Lösung ausgegangen. Nach unserer Auffassung ist
die EU zwar ein unschärferes Einstellungsobjekt als in vielen theoretischen Analysen an-
genommen wird, aber das bedeutet nicht, dass es als Einstellungsobjekt mit einer mehr
oder weniger großen Eigenständigkeit praktisch nicht existiert, wie das bei dem Europäi-
schen Gerichtshof der Fall ist. In dem Modell werden – der „mittleren“ Lösung entspre-
chend – EU-spezifische Einstellungen als direkte Determinanten der Unterstützung der EU
postuliert. Diese werden wiederum von entsprechenden nationalstaatlichen Einstellungen
beeinflusst. Neben der Generalisierung nationalstaatlicher Einstellungen wird in dem Mo-
dell ein Effekt der massenmedial vermittelten Informationen über die EU auf die Einstel-
lungen zur EU angenommen. Damit wird der Erkenntnis der Einstellungsforschung ge-
folgt, dass bei politischen Objekten, die relativ fern zur Lebenswelt der Individuen liegen,
diese Informationsquelle wesentlich für die Einstellungsbildung ist (Zaller 1992). Dieser
Effekt kann allerdings mit dem verwendeten Datensatz empirisch nicht analysiert werden,
er dient also lediglich der Komplettierung des theoretischen Modells.
Abschließend soll auf die These zurückgekommen werden, dass sich durch die Trans-
formation der EG zur EU die Unterstützungsgrundlage des europäischen Regimes verän-
dert hat und das Demokratiedefizit der EU zu einem Legitimationsproblem führt. Bezogen
auf das Unterstützungsmodell kann diese These in Form von zwei empirisch testbaren Er-
wartungen umformuliert werden: Erstens müsste die demokratische Performanz der EU
auch unter Berücksichtigung der systemischen Performanz einen signifikanten Effekt auf
die Unterstützung der EU haben und zweitens müsste sich die Einschätzung der demokrati-
schen Performanz der EU weitgehend unabhängig von der Einschätzung der demokrati-
schen Performanz des eigenen Nationalstaats bilden.
Vor der empirischen Analyse des Unterstützungsmodells der EU sollen noch kurz die
Verteilungen der Unterstützung der EU im Zeitverlauf analysiert und eine Faktorenanalyse
zur Ermittlung der Struktur der Einstellungen zur EU und zum eigenen Nationalstaat
durchgeführt werden. Diese beiden vorgängigen Analyseschritte geben bereits erste Auf-
schlüsse darüber, inwieweit sich durch und nach Maastricht die Einstellungen zur EU tat-
sächlich geändert haben und inwieweit die EU für die Bürger ein eigenständiges Einstel-
lungsobjekt mit eigenständigen Bewertungskriterien darstellt.
10
3. Empirische Analyse
3.1 Die Unterstützung der EU im Zeitverlauf
In diesem Abschnitt wird die Unterstützung der EU durch die Bürger der Mitgliedsländer
im Zeitverlauf analysiert. Dabei werden drei Indikatoren berücksichtigt. Einer bezieht sich
auf die abhängige Variable des Modells der Unterstützung der EU (vgl. Abbildung 2). Er
fragt danach, ob die Mitgliedschaft des eigenen Landes eine gute oder schlechte Sache sei
(zur genauen Frageformulierung dieser und der anderen verwendeten Indikatoren s. An-
hang). Gut/schlecht ist das allgemeinste Bewertungskriterium eines Objekts und dement-
sprechend wird diese Frage von den meisten Autoren auch als ein Indikator der generali-
sierten Unterstützung der EU angesehen (Niedermayer 1995). Die anderen beiden Indika-
toren sind Messungen der beiden wichtigsten unabhängigen Variablen. Einer fragt nach
dem Nutzen, den das eigene Land durch die Mitgliedschaft in der EU gehabt hat. Nutzen-
erwägungen sind ein instrumenteller Bewertungsstandard und insofern kann dieser Indika-
tor als ein angemessenes Messinstrument zur Erfassung der systemischen Performanz der
EU angesehen werden. Der andere erfasst die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der
Demokratie in der EU. Die EU soll also unter dem Gesichtspunkt beurteilt werden, inwie-
weit sie faktisch – beispielsweise im Operieren ihrer institutionellen Mechanismen oder bei
den Handlungen der Entscheidungsträger – den normativen Erwartungen entspricht, die
mit einer Demokratie verbunden sind. Dieser Indikator kann deshalb als eine angemessen
Operationalisierung der demokratischen Performanz der EU angesehen werden.
In der Abbildung 3 ist die generalisierte Unterstützung der EU und die Einschätzung
des Nutzens des eigenen Landes aus der EU-Mitgliedschaft von 1985 bis 2001 dargestellt.
Die Zeit vor und nach Maastricht ist mit etwa gleich großen Phasen berücksichtigt.3 Da in
der Diskussion über das Demokratiedefizit und das Legitimationsproblem der EU die Be-
hauptungen meistens auf die EU-Bürger insgesamt bezogen werden, vernachlässigen wir
die Länderunterschiede und konzentrieren uns auf die aggregierten Einstellungen der Bür-
ger der Mitgliedsländer zur EU, wobei die Stichproben der einzelnen Länder nach der rela-
tiven Größe ihrer Bevölkerung gewichtet sind. Dadurch soll sich dem Vorstellung eines
europäischen Demos, in dem jeder Bürger gleiches Gewicht hat, möglichst weit angenähert
werden. Bei der Analyse der Trends beschränken wir uns auf die in unserem Analysekon-
text interessierenden Gesichtspunkte. Der wichtigste ist, ob Maastricht tatsächlich das Er-
eignis gewesen ist, das die Einstellungen der Bürger zur EU umstrukturieren konnte und zu
einer Abnahme der generalisierten Unterstützung der EU sowie zu einer kritischen Ein-
schätzung der demokratischen Performanz der EU geführt hat.
3 Zu einer Analyse der Trends auch von 1970 bis 1985 vgl. Niedermayer (1995).
11
Abbildung 3: Unterstützung der Europäischen Union bei den Bürgern der Mitgliedsländer
1985-2001a
0
10
20
30
40
50
60
70
80
1985
1986
1987
1988
1989
1990
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1999
2000
2001
in Prozent
EU-Mitgliedschaft gut, EU 12
Nutzen aus EU-Mitgliedschaft, EU 12
EU-Mitgliedschaft gut, EU 15
Nutzen aus der EU-Mitgliedschaft, EU 15
a Nach der Bevölkerungsgröße gewichtetes Aggregat der Befragten aller Länder.
Quelle: Eurobarometer 24 (1985) - 55.1 (2001).
Von 1985 bis 1991 zeigen die beiden Kurvenverläufe einen relativ kontinuierlichen An-
stieg der Unterstützung der EU – mit einer Unterbrechung im Jahre 1988. Nach 1991 setzte
ein starker Unterstützungsabfall ein, der bis 1996 anhielt. Diese Unterstützungserosion
begann also schon vor Maastricht und bestenfalls kann angenommen werden, dass die
massenmedial vermittelte Diskussion im Vorfeld von Maastricht zu dieser Entwicklung
geführt hat (Niedermayer 1995). Diese Annahme würde aber eine relativ hohe Sensibilität
der Bürger gegenüber einer Elitendiskussion über einen noch zu erstellenden und zu verab-
schiedenden Vertrag voraussetzen.
Nach 1996 erholte sich die Unterstützung der EU bei den Bürgern wieder etwas, auch
wenn das Durchschnittsniveau um ca. 10 Prozentsatzpunkte unter dem der zweiten Hälfte
der achtziger Jahre blieb. Bemerkenswert ist aber die Schere, die sich zwischen der allge-
meinen und der nutzenbezogenen Einstellung zur EU nach 1996 andeutet: Der Anstieg der
Nutzeneinschätzung ist stärker als der der allgemeinen Bewertung. Das könnte man dahin-
gehend interpretieren, dass die allgemeine Einstellung zur EU auch von anderen Faktoren
als den Nutzenerwägungen beeinflusst wird und diese zu einer skeptischeren Einschätzung
führten. Bei einem dieser anderen Faktoren könnte es sich um die demokratische Perfor-
manz der EU handeln.
12
Tabelle 1: Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie in der Europäischen
Union (in Prozent)a
1994 1995 1999 2000
Sehr zufrieden 3,0 3,6 11,7 10,7
Ziemlich zufrieden 41,8 41,1 51,3 50,8
Nicht sehr zufrieden 40,9 39,3 27,4 29,0
Überhaupt nicht zufrieden 14,4 15,9 9,6 9,5
Gesamt 100,0 100,0 100,0 100,0
a Nach der Bevölkerungsgröße gewichtetes Aggregat der Befragten aller Länder.
Quelle: Eurobarometer 42 (1994), 43.1 (1995), 51 (1999), 54.1 (2000).
Die in der Tabelle 1 aufgeführten Prozentsätze können diese Interpretation allerdings nicht
stützen. Die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie der EU ist nach 1994
eher angestiegen als gesunken. Wenn man die beiden positiven Kategorien dieser Demo-
kratiezufriedenheit zusammenfasst und mit dem entsprechenden Prozentsatz einer positi-
ven Nutzeneinschätzung vergleicht, dann ist der Prozentsatz derjenigen, die mit dem Funk-
tionieren der Demokratie der EU zufrieden sind, sogar noch etwas höher als der Prozent-
satz derjenigen, die eine positive Nutzenbewertung der EU vornehmen.
Die präsentierte deskriptive Analyse kann also die Annahme, dass nach Maastricht ei-
ne Erosion der generalisierten Unterstützung der EU begann und sich eine zunehmende
Unzufriedenheit mit der demokratischen Performanz der EU einstellte, nicht bestätigen.
Inwieweit es zwischen der demokratischen Performanz und der generalisierten Unterstüt-
zung der EU einen systematischen Zusammenhang gibt, wird im Anschluss an die dimen-
sionale Analyse untersucht.
3.2 Dimensionen der Einstellungen zur Europäischen Union und zum eigenen National-
staat
Mit einer Faktorenanalyse wird zu klären versucht, ob die Bürger zwischen den im Modell
der Unterstützung der EU (vgl. Abbildung 2) postulierten Einstellungskonstrukten auch
tatsächlich separieren. Die Datenbasis bildet der Eurobarometer 42, der im Jahre 1994 in
den fünfzehn Mitgliedsländern der EU erhoben wurde. Dieser Eurobarometer enthält unter
allen Erhebungen nach Maastricht bei weitem die meisten Indikatoren, die für das Modell
der Unterstützung der EU relevant sind. Das Erhebungsjahr liegt zwar schon einige Jahre
zurück, aber es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Einstellungsstruktur der
Bürger seitdem nicht gravierend geändert hat. Das Ereignis, von dem eine Veränderung
13
ausgegangen sein könnte, der Vertrag von Maastricht, liegt vor dieser Erhebung. Das trifft
sowohl für die Verabschiedung als auch das Inkrafttreten des Vertrags zu.
In die Faktorenanalyse sind alle im Eurobarometer 42 enthaltenen Indikatoren aufge-
nommen worden, von denen plausiblerweise unterstellt werden kann, dass sie eines der
theoretischen Konstrukte des Analysemodells messen (vgl. Tabelle 2).
Tabelle 2: Dimensionen der Einstellung zur Europäischen Union und zur nationalen -
Demokratie (Faktorenanalyse)a
1 2 3 4 5 6
Generalisierte Unterstützung der gegenwärtigen EU
Mitgliedschaft (positiv)
Auflösung Europäische Union
Vereinigung Westeuropas
„Neue“ Europäische Union: nach Maastricht
,822
,781
,735
,543
Befürwortung einer weiteren politischen Integration
Europäische Regierung
Machtzuwachs des EP
Stärkere Rolle des EP
Souveränitätstransfer zur EU
,588
,665
,503
-,459
Systemische Performanz der EU
„Neue“ Europäische Union: einheitlicher Markt
Mitgliedschaft (Nutzen)
,509
,646
Demokratische Performanz der EU
Handeln in Bürgerinteresse: Europ. Kommission
Handeln in Bürgerinteresse: Europ. Parlament
Handeln in Bürgerinteresse: Ministerrat
EP vertritt Bürgerinteressen
Demokratiezufriedenheit: EU
,259
-,794
-,802
-,744
-,465
,502
Demokratische Performanz des eigenen Landes
Handeln in Bürgerinteresse: Nationale Regierung
Handeln in Bürgerinteresse: Nationales Parlament
Demokratiezufriedenheit: Eigenes Land
Demokratiezufriedenheit: Stadt/Dorf
,789
,823
,706
,585
Kollektive Identität
Nationale Identifikation
Selbstbeschreibung als Europäer
-,400
Politisches Interesse
Politisches Interesse allgemein
Interesse an europäischer Politik
,807
,815
Nationale Ökonomie
Ökonomische Situation gegenwärtig
Beschäftigungssituation gegenwärtig
Ökonomische Situation zukünftig
Beschäftigungssituation zukünftig
,641
,622
,713
,784
a Hauptachsenanalyse, Oblimin-Rotation, erklärte Varianz: 51,22 %; nach der Bevölkerungsgröße gewichtetes Aggregat der Befragten
aller Länder.
Quelle: Eurobarometer 42 (1994).
14
Die „Unterstützung der EU“ wird in zwei Einstellungen unterteilt: die eine bezieht sich auf
die „generalisierte Unterstützung der gegenwärtigen EU“ und die andere auf die „Befür-
wortung einer weiteren politischen Integration“. Zwei der vier Indikatoren, die der letztge-
nannten Einstellung zugeordnet sind, erfassen eine Einstellung zu einer stärkeren Rolle des
Europäischen Parlaments und einer fragt nach der Haltung der Bürger zu einer europäi-
schen Regierung, die dem Europäischen Parlament gegenüber verantwortlich ist. Die Be-
fürwortung einer weiteren europäischen Integration, die mit diesen Indikatoren gemessen
wird, bedeutet letztlich also die Institutionalisierung einer europäischen Demokratie als
Form der weiteren europäischen Integration.
Ein für unsere Fragestellung wichtiges Konstrukt ist die „demokratische Performanz
der EU“. Zur Messung dieser Einstellung haben wir dieselben Indikatoren herangezogen,
die schon Robert Rohrschneider (2002) in einer vergleichbaren Analyse verwendet hat.
Drei der fünf Indikatoren beziehen sich auf zentrale Institutionen der EU, und zwar auf die
Kommission, das Europäische Parlament und den Ministerrat. Die Befragten sollten sich
dazu äußern, inwieweit die Entscheidungen, die in diesen Institutionen getroffen werden,
„in the interest of people like yourself“ sind. Ähnlich ist die Frageformulierung des vierten
Indikators „EP vertritt Bürgerinteressen“: „As an European citizen, do you think the Euro-
pean Parliament protects your interest?“ Mit einer wichtigen Einschränkung, auf die noch
eingegangen wird, können diese Indikatoren als eine subjektive Einschätzung begriffen
werden, dass die EU dem grundlegenden demokratischen Kriterium der Responsivität
(Fuchs 1998) entspricht. Direkter auf die demokratische Performanz der EU bezieht sich
der bereits diskutierte Indikator, der nach der Zufriedenheit mit dem Funktionieren der
Demokratie in der EU fragt. Er kann deshalb als der relativ valideste Indikator des Kon-
strukts angesehen werden.
Bei der Faktorenanalyse wurde ein Rotationsverfahren gewählt, das von der realisti-
schen Annahme einer Korrelation der Faktoren und d.h. der latenten Konstrukte ausgeht.
Bei einer orthogonalen Rotation würde sich diese Korrelationen letztlich in Form „schmut-
ziger“ Faktorenladungen ausdrücken und das Ergebnis wäre relativ unübersichtlich und nur
schwierig interpretierbar. Für unseren Analysekontext sind vor allem vier Befunde der
Faktorenanalyse relevant. Erstens differenzieren die Bürger offenbar kaum zwischen der
generalisierten Unterstützung der gegenwärtigen EU und der Befürwortung einer weiteren
politischen Integration. Alle Indikatoren dieser beiden Konstrukte laden auf dem ersten
Faktor. Die gegenwärtige Einschätzung beeinflusst demnach auch die zukünftige Präfe-
renz. Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil die zukünftige Präferenz mit Indikatoren
gemessen wird, die letztlich auf die Einrichtung einer europäischen Demokratie abzielen.
Zweitens zeigt der Sachverhalt, dass die beiden Indikatoren der systemischen Performanz
der EU ebenfalls auf diesem ersten Faktor laden, dass zwischen der generalisierten Unter-
15
stützung der EU und der systemischen Performanz der EU ein starker Zusammenhang be-
steht. Ob dieser Zusammenhang bedeutet, dass die Bürger zwischen den beiden Dimensio-
nen kognitiv und evaluativ überhaupt nicht unterscheiden oder ob er der Ausdruck einer
starken Determination der generalisierten Unterstützung der EU durch die systemischen
Performanz ist, kann mit der Faktorenanalyse nicht beantwortet werden. Drittens kann die
demokratische Performanz der EU als eine eigenständige Einstellung angesehen werden,
da zumindest vier der entsprechenden Indikatoren einen eigenen Faktor konstituieren.
Bei dieser letztgenannten Schlussfolgerung muss allerdings eine Relativierung vorge-
nommen werden. Die Demokratiezufriedenheit mit der EU lädt nicht auf diesem Faktor,
sondern bildet mit der Demokratiezufriedenheit des eigenen Landes und der eigenen Stadt
einen eigenen Faktor, und das ist der vierte wichtige Befund der Faktorenanalyse. Die De-
mokratiezufriedenheit der EU wird demgemäß nicht unabhängig von der Demokratiezu-
friedenheit im nationalstaatlichen Kontext eingeschätzt. Bei dieser Einstellung scheint also
die theoretisch postulierte Generalisierung nationalstaatlicher Einstellungen auf die
Einstellungen zur EU auch tatsächlich stattzufinden. Das gleiche gilt für das politische
Interesse: das allgemeine politische Interesse und das Interesse an europäischer Politik
bilden einen Faktor. Welche Effekte die nationalstaatlich generierten Einstellungen auf die
Einstellungen zur EU tatsächlich haben, wird in dem nachfolgenden Abschnitt analysiert.
3.3 Determinanten der Unterstützung der Europäischen Union
Die Zielsetzung diesen Abschnitts besteht in der Schätzung des Modells der Unterstützung
der EU (vgl. Abbildung 2). Die abhängige Variable des Modells ist das Konstrukt „Unter-
stützung der EU“. Bei der Modellschätzung wird dieses in zwei Teilkonstrukte differen-
ziert (vgl. Tabelle 3). Das eine bezieht sich auf die „generalisierte Unterstützung der EU“
und wird mit der Frage gemessen, ob die Mitgliedschaft in der EU für das eigene Land gut
oder schlecht sei. Das andere bezieht sich auf die „Unterstützung einer europäischen Re-
gierung“. Der Indikator, mit dem diese Einstellung erfasst wird, besteht in der Frage, ob
man die Implementation einer europäischen Regierung, die dem europäischen Parlament
verantwortlich ist, befürwortet oder nicht. Eine derartige Verantwortlichkeit würde auf die
Einrichtung einer europäischen Demokratie hinauslaufen.
Als unabhängige Variablen sind Indikatoren für alle drei der im Modell spezifizierten
direkten Determinanten der Unterstützung der EU verwendet worden. Die Auswahl dieser
Indikatoren erfolgte nach zwei Kriterien: erstens nach der face validity zur Erfassung der
theoretischen Konstrukte und zweitens nach der Höhe der Faktorladung (vgl. Tabelle 2).
Neben den in dem Unterstützungsmodell enthaltenen unabhängigen Variablen haben wir
16
bei der Schätzung noch einen Indikator für die kognitive Mobilisierung – das „Interesse an
europäischer Politik“ – einbezogen. Wir folgen damit den Analysemodellen von Gabel
(1998) und Rohrschneider (2002).
Eine Reihe von empirischen Analysen hat gezeigt, dass die ökonomische Performanz
der EU ein wichtiger Prädiktor der Unterstützung der EU ist (Eichenberg/Dalton 1993;
Gabel/Palmer 1995; Anderson/Reichert 1996; Gabel 1998). Dieses wenig überraschende
Ergebnis kann als gesichertes Ergebnis der empirischen EU-Forschung gelten. Uns interes-
siert aber die Frage, welchen Stellenwert die demokratische Performanz der EU hat, auch
wenn um die ökonomische Performanz kontrolliert wird. Eine solche Analyse hat Rohr-
schneider (2002) durchgeführt, die zudem denselben Datensatz verwendet, auf den sich die
hier durchgeführte Analyse stützt. Die Studie von Rohrschneider bildet deshalb einen
wichtigen Referenzpunkt für unsere Analyse. Diese unterscheidet sich von der Rohr-
schneiders aber in einigen wichtigen Punkten. Erstens erklären wir nicht nur die Unterstüt-
zung einer europäischen Regierung, sondern auch die generalisierte Unterstützung der ge-
genwärtigen EU. Zweitens führen wir die Modellschätzung nicht für die einzelnen Länder
durch, sondern für die Gemeinschaft der europäischen Bürger insgesamt. Wir haben an
anderer Stelle schon festgestellt, dass zu diesem Zweck die Länderstichproben nach der
Bevölkerungsgröße gewichtet werden. Auf diese Weise soll so weit wie möglich der euro-
päische Demos als Grundlage und Bezugspunkt der Analyse dienen. Drittens haben wir die
nationalstaatlichen Einstellungen nicht nur als direkte Prädiktoren der Unterstützung der
EU spezifiziert, sondern auch als Einflussfaktoren auf diejenigen Einstellungen, die die
Unterstützung der EU determinieren. Viertens wird zur Operationalisierung der kollektiven
Identität nicht nur die Identifikation mit der eigenen Nation herangezogen, sondern auch
die Selbstbeschreibung als Europäer.
Ein fünfter Unterschied bezieht sich auf die systemische Performanz der EU, der ein
instrumenteller Bewertungsstandard zugrunde liegt. Dieser Unterschied ist für die Ergeb-
nisse der Modellschätzung der folgenreichste. Das theoretische Konstrukt von Rohrschnei-
der (2002: 465), das sich auf die instrumentelle Bewertung der EU bezieht, wird „evaluati-
ons of EU’s economic performance“ genannt. Dieses Konstrukt wird durch zwei Indikato-
ren repräsentiert. Der eine ist die Einschätzung der nationalen Ökonomie. Dabei handelt es
sich aber um eine sehr indirekte Messung des Konstrukts und unter anderem deshalb hat
diese Variable auch keinen signifikanten Effekt auf die Unterstützung der EU. Das trifft
sowohl für Rohrschneiders als auch für die hier vorgelegte Analyse zu. Der andere fragt
danach, ob der einheitliche europäische Markt, der 1993 entstand, den Befragten hoff-
nungsvoll stimmt. In diesem Falle ist das Stimulusobjekt zwar ein zentrales Merkmal der
EU, aber die ökonomische Performanz wird wiederum relativ indirekt gemessen. Diejenige
Einstellung, von der nach der Forschungslage der relativ stärkste Effekt angenommen wer-
17
den kann, ist mit diesen beiden Indikatoren also nicht optimal operationalisiert. Das führt
dann auch zu einer Überschätzung der Erklärungskraft der demokratischen Performanz der
EU bei Rohrschneider (2002).
Der Indikator aus dem Eurobarometer 42, der unseres Erachtens einen instrumentellen
Bewertungsstandard gegenüber der EU am besten repräsentiert, ist die Frage nach dem
Nutzen der Mitgliedschaft des eigenen Landes in der EU. Indem ganz allgemein nach dem
Nutzen gefragt wird, hat der Befragte die Möglichkeit, sich nicht nur auf die ökonomische
Performanz zu beziehen, sondern auch auf andere Outputs der EU. Diese können bei-
spielsweise Umverteilungen im Rahmen des Agrarhaushaltes sein, Zuwendungen aus dem
Regionalfond und auch gemeinsame sicherheitspolitische Maßnahmen. Unter anderem aus
diesem Grunde ist es sinnvoller, das theoretische Konstrukt nicht als ökonomische, son-
dern als systemische Performanz zu bezeichnen.
Gegenüber diesem Indikator ließe sich aber der Einwand vorbringen, dass die Bürger
zwischen der Nutzeneinschätzung der EU und der generalisierten Unterstützung der EU
nicht differenzieren und somit eine Tautologie vorliegt, wenn man zwischen beiden eine
Kausalbeziehung postuliert. Dieser Einwand könnte zwar mit dem Verweis auf die Fakto-
renanalyse (vgl. Tabelle 2) abgestützt werden, da der Indikator zur Nutzeneinschätzung
und die Indikatoren zur generalisierten Unterstützung einen Faktor bilden. Dieser Einwand
scheint uns dennoch nicht triftig zu sein. Erstens lädt auf diesem Faktor auch die Einstel-
lung zu dem einheitlichen Markt, die Rohrschneider (2002) als einen Indikator der ökono-
mischen Performanz und als eine unabhängige Variable annimmt. Zweitens ist schon fest-
gestellt worden, dass dieser Befund der Faktorenanalyse auch bedeuten kann, dass die sys-
temische Performanz der EU einen starken Effekt auf die generalisierte Unterstützung der
EU hat und aus diesem Grunde die Indikatoren beider Konstrukte einen Faktor bilden. Der
Begriff des Nutzens ist auch ein alltagssprachlicher Begriff und die alltagssprachliche Be-
deutung entspricht durchaus derjenigen aus dem Rational-Choice-Ansatz. Es kann deshalb
angenommen werden, dass mit der Frage nach dem Nutzen eine für die Bürger nachvoll-
ziehbare spezifische Bewertungsperspektive der EU errichtet wird. Diese entspricht ja auch
der Funktion der EU, so wie sie den Bürgern in den Massenmedien und von den politi-
schen Eliten vermittelt wird.
Nach diesen vorbereitenden Erläuterungen können wir uns den Ergebnissen der Mo-
dellschätzung zuwenden, die auf OLS-Analysen beruhen. Zunächst wird auf die generali-
sierte Unterstützung der EU eingegangen. Das Resultat der in der Tabelle 3 dargestellten
Schätzung ist eindeutig. Bei der Interpretation der Befunde beschränken wir uns auf die
Höhe der Regressionskoeffizienten und vernachlässigen das Signifikanzkriterium, das an-
gesichts der großen Fallzahl des gepoolten Datensatzes wenig aussagekräftig ist. Den mit
Abstand stärksten Effekt hat die Nutzeneinschätzung und danach die Bewertung des ein-
18
heitlichen Marktes. Die systemische Performanz der EU besitzt also die weitaus größte
Erklärungskraft. Unter den restlichen Variablen weist lediglich die Beurteilung, ob das
Europäische Parlament im Bürgerinteresse handelt, einen standardisierten Regressionsko-
effizient von knapp über 0,10 auf. Die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokra-
tie in der EU hat fast keinen Einfluss. Auf diesen Tatbestand kommen wir bei der Erörte-
rung der Schätzung für die Unterstützung einer europäischen Regierung noch einmal zu-
rück. Nach dieser Analyse beruht die generalisierte Unterstützung der EU auch nach
Maastricht vor allem auf einem instrumentellen Bewertungsstandard und das heißt, der
Einschätzung der systemischen Performanz der EU.
Tabelle 3: Determinanten der Unterstützung der Europäischen Union
Generalisierte
Unterstützung
der EU
Unterstützung
einer europäischen
Regierung
Systemische Performanz der EU
Mitgliedschaft (Nutzen)
„Neue“ Europäische Union: einheit-
licher Markt
,420
(,620)
,194
(,179)
,196
(,178)
,140
(,080)
Demokratische Performanz der EU
Handeln in Bürgerinteresse: EP
Demokratiezufriedenheit: EU
,113
(,166)
,061
(,058)
,224
(,203)
,079
(,047)
Europäische Identität
Selbstbeschreibung als Europäer
-,098
(-,083)
-,129
(-,067)
Politisches Interesse an der EU
Interesse an europäischer Politik
,052
(,043)
-,032
(-,016)
Adj. R2 ,438 ,255
a Die Koeffizienten sind standardisierte Regressionskoeffizienten; in Klammern die unstandardisierten Koeffizienten; alle Werte sind
signifikant auf dem 1%-Niveau; nach der Bevölkerungsgröße gewichtetes Aggregat der Befragten aller Länder.
Quelle: Eurobarometer 42 (1994).
Die zweite abhängige Variable ist die Unterstützung einer europäischen Regierung, die
dem Europäischen Parlament gegenüber verantwortlich ist. Die Ergebnisse der OLS-
Analyse unterscheiden sich von denjenigen der generalisierten Unterstützung der EU. Der
relativ wichtigste Prädiktor ist die Einstellung zum Europäischen Parlament (Handeln im
Bürgerinteresse: EP), also einem Indikator der demokratischen Performanz der EU. Die
Höhe der standardisierten Regressionskoeffizienten der beiden Indikatoren der systemi-
schen Performanz ist vergleichsweise geringer. Es hat also den Anschein, dass das Demo-
19
kratiedefizit der EU zwar keinen nennenswerten Einfluss auf die generalisierte Unterstüt-
zung der gegenwärtigen EU hat, sehr wohl aber einen auf die Einstellung zur weiteren po-
litischen Integration der EU. Diese Schlussfolgerung scheint aus mehreren Gründen aber
etwas vorschnell zu sein.
Erstens bezieht sich die abhängige Variable auf eine bestimmte Form der politischen
Integration der EU, und zwar auf die Errichtung einer europäischen Demokratie. Diesbe-
züglich liegt ein Einfluss der demokratischen Performanz der EU sicherlich nahe. Zwei-
tens, und das ist das gravierendere Problem, ist es eine offene Frage, inwieweit der Indika-
tor „Handeln im Bürgerinteresse: EP“ tatsächlich demokratische Performanz erfasst, wie
das von Rohrschneider (2002) und bislang auch von uns unterstellt wurde. Es wird gefragt,
ob das Individuum sich darauf verlassen kann, dass das Europäische Parlament im Interes-
se von Leuten wie ihm selbst handelt. Einerseits ist in dem demokratischen Kriterium der
Responsivität die normative Erwartung enthalten, dass die Entscheidungsträger sich nach
den Präferenzen der Bürger richten müssen, und diesen Gesichtspunkt greift der Indikator
auf. Andererseits aber gehört zu dem Responsivitätskriterium auch, dass weniger die ein-
zelnen Bürger der Bezugspunkt sind, sondern die Bürger insgesamt – der Demos also –
und dabei soll die Stimme jeden Bürgers dasselbe Gewicht haben. Dieser Gesichtspunkt ist
in der Frage mit der spezifischen Wendung „people like yourself“ bestenfalls angedeutet.
Es ist also zu vermuten, dass eine mehr oder weniger große Anzahl der Befragten bei ihrer
Antwort auf diese Frage an das eigene Interesse denkt und hier letztlich eine Nutzenabwä-
gung vornimmt. Im Unterschied zur Mitgliedschaftsfrage wird der Nutzen dann nicht auf
das eigene Land bezogen, sondern auf sich selbst als Individuum. Es kann also angenom-
men werden, dass der Indikator teilweise demokratische, teilweise aber auch systemische
Performanz der EU misst. Der eindeutigere Indikator für demokratische Performanz, die
Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie in der EU, hat im Vergleich zu dieser
Einstellung zum Europäischen Parlament eine erheblich geringere Erklärungskraft für die
Unterstützung einer europäischen Regierung. Aufgrund der vorgebrachten Argumente
können zwei Schlussfolgerungen gezogen werden. Der Einfluss der demokratischen Per-
formanz ist für die Unterstützung einer europäischen Regierung größer als bei der generali-
sierten Unterstützung der EU. Aber auch bei der Unterstützung einer europäischen Regie-
rung haben die beiden Indikatoren der systemischen Performanz zusammengenommen
einen stärkeren Effekt als die beiden Indikatoren der demokratischen Performanz.
Bislang wurde noch nicht auf den Stellenwert der Einstellungen zum eigenen National-
staat für die Unterstützung der EU eingegangen. In dem Modell der Unterstützung der EU
(vgl. Abbildung 2) werden zwei Möglichkeiten des Einflusses dieser Einstellungen vorge-
sehen: erstens ein direkter Effekt auf die Unterstützung der EU und zweitens ein Effekt auf
diejenigen Einstellungen, die die Unterstützung der EU unmittelbar determinieren. Die
20
erste Möglichkeit wird durch unsere Analyse eindeutig falsifiziert. Wenn diese Einstellun-
gen zum Nationalstaat zusätzlich zu den in der Tabelle 3 aufgeführten direkten Determi-
nanten der generalisierten Unterstützung der EU und der Unterstützung einer europäischen
Regierung aufgenommen werden, dann haben sie nach einer entsprechenden OLS-Analyse
keine nennenswerte Erklärungskraft (die Ergebnisse werden hier nicht im Einzelnen darge-
stellt).
Anders sieht es bei der zweiten Möglichkeit aus. In der Tabelle 4 sind die bivariaten
Regressionskoeffizienten (identisch mit Pearson’s r) verzeichnet, die den Einfluss der Ein-
stellungen zum eigenen Nationalstaat auf die Einstellungen zur EU hinsichtlich der bedeu-
tungsähnlichen Variablen erfassen. Die Höhe der Regressionskoeffizienten ist in allen Fäl-
len beträchtlich. Der relativ geringste Zusammenhang besteht zwischen der ökonomischen
Situation des eigenen Landes und dem Nutzen der Mitgliedschaft in der EU für das eigene
Land (0,183) und der relativ höchste liegt zwischen dem allgemeinen politischen Interesse
und dem Interesse an europäischer Politik vor (0,660). Die Befunde zeigen, dass die Unter-
stützung der EU zwar auf Perzeptionen und Bewertungen beruht, die direkt auf die EU
bezogen sind, dass diese Perzeptionen und Bewertungen aber ihrerseits von Einstellungen
zum Nationalstaat beeinflusst werden. Somit liegt eine mehr oder weniger ausgeprägte
Generalisierung nationalstaatlicher Einstellungen vor.
Tabelle 4: Effekte der Einstellungen zum Nationalstaat auf die Einstellungen zur Euro-
päischen Union (EU)a
Einstellungen zum Nationalstaat (unabhängige Variablen)
Ökonomische
Situation
gegenwärtig
Handeln in
Bürgerinteresse:
Nationales
Parlament
Demokratie-
zufriedenheit:
eigenes Land
Nationale
Identifikation
Allgemeines
politisches
Interesse
Mitgliedschaft
(Nutzen)
,183
(,090)
Handeln in Bürger-
interesse: EP ,366
(,362)
Demokratie-
zufriedenheit: EU ,423
(,402)
Selbstbeschreibung
als Europäer
,291
(,284)
Einstellungen
zur EU
(abhängige
Variablen)
Interesse an euro-
päischer Politik ,660
(,643)
a Die Koeffizienten sind standardisierte Regressionskoeffizienten; in Klammern die unstandardisierten Koeffizienten; alle Werte sind
signifikant auf dem 1%-Niveau; nach der Bevölkerungsgröße gewichtetes Aggregat der Befragten aller Länder.
Quelle: Eurobarometer 42 (1994).
21
Hinsichtlich der demokratischen Performanz bedeutet das – etwas zugespitzt formuliert –,
dass eine positive Einschätzung der demokratischen Performanz des eigenen Landes zu
einer positiven Einschätzung der demokratischen Performanz der EU führt. Und nach der
durchgeführten Kausalanalyse determiniert die Einschätzung der demokratischen Perfor-
manz der EU wiederum die generalisierte Unterstützung der EU und die Unterstützung
einer europäischen Regierung. Das ist eine erstaunliche Kausalkette, da sie ihren Ausgang
bei einer Einstellung zu einem Regime nimmt, das zweifelsfrei demokratisch ist und diese
auf das europäische Regime generalisiert, dem ein erhebliches Demokratiedefizit zuge-
schrieben wird.
4. Zusammenfassung und Diskussion
In der wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion besteht nahezu ein Konsens darüber,
dass die objektive Transformation der EU von einem intergouvernementalen zu einem sup-
ranationalen Regime auch die subjektiven Einstellungen der Bürger zur EU grundlegend
verändert hat. Diese Transformation führte nach dieser Auffassung zu einer Politisierung
der EU und als Folge davon wird die EU seitdem nicht mehr nur mit ökonomischen Effi-
zienzkriterien, sondern auch mit demokratischen Standards konfrontiert. Auf diese Weise
wird den Bürgern das Demokratiedefizit der EU allererst bewusst und bewirkt eine Erosion
der Unterstützung der EU. Diese Auffassung kann durch die hier präsentierten empirischen
Befunde nicht bestätigt werden.
Die deskriptive Analyse hat gezeigt, dass sich keine Abnahme der Unterstützung der
EU im Zeitverlauf feststellen lässt, die als Konsequenz des Vertrags von Maastricht und
des durch diesen Vertrag implementierten Strukturwandels des europäischen Regimes in-
terpretiert werden kann. Auch nach der Verabschiedung dieses Vertrags in den Mitglieds-
ländern ist die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie der EU nicht gesun-
ken, sondern sogar angestiegen.
Die Kausalanalysen bezogen sich auf zwei abhängige Variablen: zum einen auf die
Unterstützung der gegenwärtigen EU und zum anderen auf die Einführung einer europäi-
schen Demokratie als Zukunftsperspektive. Zur Erfassung eines demokratischen Bewer-
tungsstandards wurde die Einschätzung der demokratischen Performanz der EU herange-
zogen. Diese hat bei der Erklärung der Unterstützung der gegenwärtigen EU nur einen
ganz geringen Stellenwert. Die Einschätzung der demokratischen Performanz der EU
selbst beruht weniger auf der Wahrnehmung des Demokratiedefizits der EU als vielmehr
auf einer Generalisierung der Zufriedenheit mit der Demokratie des eigenen Landes auf die
EU. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die EU auch nach Maastricht vor
22
allem auf der Grundlage eines instrumentellen Standards bewertet wird. Entscheidend für
die Unterstützung der EU ist also nicht die demokratische, sondern die systemische Per-
formanz. Und somit hat das objektive Demokratiedefizit der EU auch nicht die häufig un-
terstellten negativen Auswirkungen auf die Unterstützung der EU durch die Bürger der
Mitgliedsländer.
Etwas anders sieht es im Hinblick auf die Einrichtung einer europäischen Demokratie
aus. Auch bei dieser abhängigen Variablen ist die systemische Performanz der wichtigste
Prädiktor, aber die demokratische Performanz hat zumindest einen nennenswerten Ein-
fluss. Wenn man von dem relativen Gewicht der beiden Determinanten einmal absieht,
dann kann der Analysebefund folgendermaßen zusammengefasst und vereinfacht werden:
Eine weitere politische Integration der EU in Form einer europäischen Demokratie wird
von den Bürgern in dem Maße befürwortet, in dem das Regime der EU als leistungsfähig
angesehen wird, und in dem Maße, in dem sie mit der Demokratie des eigenen Landes zu-
frieden sind. Die Frage des Demokratiedefizits der EU spielt demnach auch bei der Einstel-
lung zu einer weiteren politischen Integration Europas in Form der Implementation einer
euopäischen Demokratie nur eine sekundäre Rolle.
Je nach der Perspektive des Betrachters können diese Ergebnisse ganz unterschiedlich
eingestuft werden. Einerseits sind die Auswirkungen des Demokratiedefizits der EU offen-
bar nicht so gravierend, wie viele befürchtet haben. Andererseits kann die Einrichtung ei-
ner europäischen Demokratie nicht mehr problemlos mit der Notwendigkeit der Behebung
des Demokratiedefizits begründet werden. Mit dem Argument des Demokratiedefizits ist
die Möglichkeit einer Rechtfertigung einer europäischen Demokratie über normative Set-
zungen hinaus aber nicht erschöpft. Eine soll im Folgenden skizziert werden.
Die Generierung von Unterstützung für ein politisches Regime auf der Grundlage von
Leistungen für die Bürger ist grundsätzlich eine fragile Angelegenheit. Bis zum Ende der
achtziger Jahre ist das dem europäischen Regime gut gelungen. In den neunziger Jahren
hat sich die Leistungsbewertung zwar etwas verschlechtert, ist mehrheitlich aber immer
noch positiv. Die Frage ist, ob das so bleiben kann und bleiben wird. Diesbezüglich kön-
nen mehrere skeptische Argumente vorgebracht werden. Erstens werden durch die Kompe-
tenzerweiterung der EU durch Maastricht mehr verteilungsrelevante Entscheidungen auf
der EU-Ebene getroffen als das vorher der Fall war. Die dadurch bewirkte Politisierung der
EU hat bislang zwar nicht zu einem stärkeren Unterstützungsabfall geführt, aber das kann
eine Frage der Zeit sein. Zweitens werden mit der Osterweiterung der EU die Verteilungs-
kämpfe zwischen den Mitgliedsländern vermutlich drastisch zunehmen und spätestens
dann dürfte den Bürgern durchsichtig werden, dass die EU nicht mehr Wohlfahrtssteige-
rungen für alle gewährleisten kann. Drittens verstärkt die Kompetenzerweiterung der EU
die Neigung der Regierungen der Nationalstaaten, Probleme des eigenen Landes zu exter-
23
nalisieren. Wenn man einmal annimmt, dass diese Faktoren längerfristig die Unterstützung
der EU bedrohen, dann stellt sich die Frage, ob diese Unterstützung auf ein andere Grund-
lage gestellt werden muss und werden kann.
Nach der Theorie von Easton (1965) hängt die Persistenz eines politischen Regimes
davon ab, dass sich seine Unterstützung von den Leistungsoutputs der Entscheidungsträger
abkoppelt und es „um seiner selbst willen“ akzeptiert wird. Diese Auffassung ist inzwi-
schen zum Allgemeingut der Demokratieforschung geworden. Die Unterstützung um sei-
ner selbst willen bedeutet aber, dass das Regime aufgrund der Werte unterstützt wird, die
es institutionalisiert hat. Im Falle der demokratischen Regime der europäischen National-
staaten handelt es sich um demokratische Werte. Weil die EU aber kein demokratisches
Regime ist, kann diese Legitimationsquelle auch nicht mobilisiert werden. Für die ver-
schiedenen Varianten einer weiteren politischen Integration der EU können sicherlich ganz
unterschiedliche Argumente vorgebracht werden. Wenn man der EU aber eine Legitimati-
onsbasis geben will, die relativ unabhängig von den konkreten Leistungen ist, die sie für
die Bürger produziert, dann gibt es zu der Einrichtung einer europäischen Demokratie
wohl keine Alternative.
Nach unserer Analyse ist es unwahrscheinlich, dass ein Druck zur Verwirklichung ei-
ner europäischen Demokratie von den Bürgern selbst ausgeht. Die ganz überwiegende
Mehrheit der Bürger der EU weist zwar eine Bindung an demokratische Werte auf, aber
diese werden nicht oder nur kaum als ein Bewertungskriterium für die EU herangezogen.
Die Option der Einrichtung einer europäischen Demokratie müsste deshalb von den Eliten
politisiert werden und für diese Politisierung bilden die Werteprioritäten der Bürger eine
mobilisierbare Ressource. Inwieweit eine solche Politisierung aber realistisch ist, ist eine
andere Frage.
24
Anhang
Benennung der Indikatoren Frageformulierung/Antwortkategorien
Mitgliedschaft (positiv) Generally speaking, do you think that (our country’s) membership of the
European Union is …?
1 A good thing, 2 A bad thing (3), 3 Neither good nor bad (2), 4 DK
Auflösung Europäische
Union
If you were told tomorrow that the European Union had been scrapped, would
you be very sorry about it, indifferent or very relieved?
1 Very sorry, 2 Indifferent, 3 Very relieved, 4 DK
Vereinigung Westeuropas In general, are you for or against efforts being made to unify Western
Europe ? Are you …?
1 For – very much, 2 For – to some extent, 3 Against – to some extent, 4
Against – very much, 5 DK
„Neue“ Europäische Union:
nach Maastricht
The recent past of the European Community has been marked by a number of
significant developments : the “Single Market,” the “Treaty of the European
Union” (or “Maastricht Treaty”), the election of a new European Parliament,
the formation of a new Commission, new countries to become members of the
European Union, … Taking everything into consideration, would you say this
new “European Union,” as it is now called, makes you feel very hopeful,
rather hopeful, rather fearful or very fearful?
1 Very hopeful, 2 Rather hopeful, 3 Rather fearful, 4 Very fearful, 5 DK
Europäische Regierung Are you for or against the formation, for the EU, of a European Government
responsible to the European Parliament?
1 For, 2 Against, 3 DK
Machtzuwachs des EP In fact, the European Parliament has more powers now. Do you think that it is
a good thing, a bad thing or neither a good nor a bad thing?
1 A good thing, 2 A bad thing (3), 3 Neither a good nor a bad thing (2), 4 DK
Stärkere Rolle des EP Would you personally prefer that the European Parliament played a more
important or a less important part than it does now?
1 More important, 2 Less important (3), 3 About the same (2) (spontaneous),
4 DK
Souveränitätstransfer
zur EU
On this list are four descriptions of how Europe might be organised in the
future. Please tell me which one you would prefer.
1. Each country keeps its sovereignty and cares only about its own affairs.
2. The countries work together sometimes, but do not give up their sovereignty
and never have to submit to decisions taken by a majority of countries.
3. The countries regularly work together on certain matters within common
organisations, to which they transfer a part of their sovereignty; that is, they
have to submit to the majority decisions of these common organisations on
these matters.
4. The countries transfer all their sovereignty to a single common European
state.
5. DK
„Neue“ Europäische Union:
einheitlicher Markt
Personally, would you say that the Single European Market which came about
at the beginning of 1993 makes you feel very hopeful, rather hopeful, rather
fearful or very fearful?
1 Very hopeful, 2 Rather hopeful, 3 Rather fearful, 4 Very fearful, 5 DK
Mitgliedschaft (Nutzen) Taken everything into consideration, would you say that (our country) has on
balance benefited or not from being a member of the European Union?
1 Benefited, 2 Not benefited, 3 DK
25
Benennung der Indikatoren Frageformulierung/Antwortkategorien
Handeln in Bürgerinteresse:
a) Europäische Kommission
c) Europäisches Parlament
(EP)
e) Ministerrat
b) Nationale Regierung
d) Nationales Parlament
Many important decisions are made by the European Union. They might be in
the interest of people like yourself, or they might not. To what extent do you
feel you can rely on each of the following institutions to make sure that the
decisions taken by this institution are in the interest of people like yourself?
a) The European Commission
b) The (Nationality) Government
c) The European Parliament
d) The National Parliament (use proper name for lower house)
e) The Council of Ministers of the European Union representing the national
governments
1 Can rely on it, 2 Cannot rely on it, 3 DK
EP vertritt Bürgerinteressen As a European citizen, do you think the European Parliament protects your
interests …?
1 Very well, 2 Fairly well, 3 Not very well, 4 Not at all well, 5 DK
Demokratiezufriedenheit:
b) EU
a) Eigenes Land
c) Stadt/Dorf
a) On the whole, are you very satisfied, fairly satisfied, not very satisfied or
not at all satisfied with the way democracy works in (our country)?
b) And how about the way democracy works in the European Union (European
Community)?
c) And how about the way democracy works in this (town/city/village)? (int.
choose the most appropriate term)
1 Very satisfied, 2 Fairly satisfied, 3 Not very satisfied,
4 Not at all satisfied, 5 DK
Nationale Identifikation Would you say that you are very proud, fairly proud, not very proud or not at
all proud to be (Nationality)?
1 Very proud, 2 Fairly proud, 3 Not very proud, 4 Not at all Proud,
5 Refusal (Spontaneous), 6 DK
Selbstbeschreibung als
Europäer
In the near future do you see yourself as ...?
1 (Nationality) only, 2 (Nationality) and European,
3 European and (Nationality), 4 European only, 5 DK
Politisches Interesse
allgemein
To what extent would you say you are interested in politics?
1 A great deal, 2 To some extent, 3 Not much, 4 Not at all, 5 DK
Interesse an europäischer
Politik
To what extent would you say you are interested in European politics, that is
to say matters related to the European Union (European Community): a great
deal, to some extent, not much or not at all?
1 A great deal, 2 To some extent, 3 Not much, 4 Not at all, 5 DK
Ökonomische Situation
gegenwärtig/
Beschäftigungssituation
gegenwärtig
Compared to 12 months ago, do you think that …
a) The general economic situation in this country … now is…?
c) The employment situation in this country... now is …?
1 A lot better, 2 A little better, 3 Stayed the same, 4 A little worse,
5 A lot worse, 6 DK/Not applicable
Ökonomische Situation
zukünftig/
Beschäftigungssituation
zukünftig
And over the next 12 months, how do you think ...
a) The general economic situation in this country …will be…?
c) The employment situation in this country … will be …?
1 A lot better, 2 A little better, 3 Stayed the same, 4 A little worse,
5 A lot worse, 6 DK/Not applicable
26
Literatur
Almond, Gabriel A.: The Intellectual History of the Civic Culture Concept. In: Almond,
Gabriel A./Verba, Sidney (Hrsg.): The Civic Culture Revisited. Boston: Little, Brown
and Company, 1980, S. 1-36.
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Divided. Schools and Sects in Political Science. Newbury Park: Sage, 1990, S. 138-
169.
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Membership in the European Union: A Cross-National Analysis. In: Journal of Public
Policy 15 (1996), S. 231-249.
Beetham, David/Lord, Christopher: Legitimacy and the European Union. London/New
York: Longman, 1998.
Blondel, Jean/Sinnott, Richard/Svensson, Palle: People and Parliament in the European
Union: Participation, Democracy, and Legitimacy. New York: Oxford University
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European Union: Models of Institutional Support. In: American Political Science
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Dynamics of Public Support for European Integration. In: International Organization
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Michael (Hrsg.): Demokratie – eine Kultur des Westens? 20. Wissenschaftlicher
Kongreß der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft. Opladen: Leske +
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In: Friedrichs, Jürgen/Jagodzinski, Wolfgang (Hrsg.): Soziale Integration, Sonderheft
39 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Opladen:
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Fuchs, Dieter: Demos und Nation in der Europäischen Union. In: Klingemann, Hans-
Dieter/Neidhardt , Friedhelm (Hrsg.): Zur Zukunft der Demokratie. Herausforderungen
im Zeitalter der Globalisierung. Berlin: edition sigma, 2000, S. 215-236.
Fuchs, Dieter: Das Konzept der politischen Kultur: Die Fortsetzung einer Kontroverse in
konstruktiver Absicht. In: Fuchs, Dieter/Roller, Edeltraud/Weßels, Bernhard (Hrsg.):
Bürger und Demokratie in Ost und West. Studien zur politischen Kultur und zum
politischen Prozess. Festschrift für Hans-Dieter Klingemann. Wiesbaden:
Westdeutscher Verlag, 2002, S. 27- 49.
Gabel, Matthew: Public Support for European Integration: An Empirical Test of Five
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Gabel, Matthew/Palmer, Harvey D.: Understanding Variation in Public Support for
European Integration. In: European Journal of Political Research 27 (1995), S. 3-19.
27
Inglehart, Ronald: Cognitive Mobilization and European Identity. In: Comparative Politics
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Katz, Richard S./Wessels, Bernhard (Hrsg.): The European Parliament, the National
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Lepsius, Rainer M.: Die Europäische Union. Ökonomisch-politische Integration und
kulturelle Pluralität. In: Viehoff, Reinhold/Segers, Rien T. (Hrsg.): Kultur, Identität,
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Main: Suhrkamp, 1999, S. 201-222.
Lindberg, Leon N./Scheingold, Stuart A.: Europe’s Would-be Polity. Englewood Cliffs,
NJ: Prentice-Hall, 1970.
Niedermayer, Oskar: Trends and Contrasts. In: Niedermayer, Oskar/Sinnott, Richard
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Offe, Claus: Demokratie und Wohlfahrtsstaat: Eine europäische Regimeform unter dem
Streß der europäischen Integration. In: Streeck, Wolfgang (Hrsg.): Internationale
Wirtschaft, nationale Demokratie. Herausforderungen für die Demokratietheorie.
Frankfurt a. Main/New York: Campus, 1998, S. 99-135.
Rohrschneider, Robert: The Democracy Deficit and Mass Support for an EU-wide
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Roller, Edeltraud: Die Leistungsfähigkeit von Demokratien. Eine Analyse des Einflusses
politischer Institutionen auf die Effektivität von Politiken und Politikmustern in
westlichen Demokratien 1974-1995. Habilitationsschrift. Freie Universität Berlin
2001.
Scharpf, Fritz W.: Demokratieprobleme in der Europäischen Mehrebenenpolitik. In:
Merkel, Wolfgang/Busch, Andreas (Hrsg.): Demokratie in Ost und West. Für Klaus
von Beyme. Frankfurt a. Main: Suhrkamp, 1999, S. 672-694.
Thomassen, Jacques/Schmitt, Hermann: Introduction: Political Legitimacy and
Representation in the European Union. In: Schmitt, Hermann/Thomassen, Jacques
(Hrsg.): Political Representation and Legitimacy in the European Union. Oxford:
Oxford University Press, 1999, S. 3-21.
Wessels, Bernhard: Evaluations of the EC: Elite or Mass-Driven? In: Niedermayer,
Oskar/Sinnott, Richard (Hrsg.): Public Opinion and Internationalized Governance.
Oxford: Oxford University Press, 1995, S. 137-162.
Zaller, John R.: The Nature and Origins of Mass Opinion. Cambridge: Cambridge
University Press, 1992.
Forschungsschwerpunkt III „Sozialer Wandel, Institutionen und Vermittlungsprozesse“
Auswahl der Arbeitspapiere (Stand: Dezember 2002)
Abteilungsübergreifend
FS III 96-301 The Mass Media and Modern Government
Kenneth Newton
FS III 96-302 Das intermediäre System der Politik als Orientierungssystem der Bürger
Dieter Fuchs, Edeltraud Roller, Dieter Rucht und Bernhard Weßels
Abteilung 1 „Öffentlichkeit und soziale Bewegungen“
FS III 90-101 Strukturen und Funktionen moderner Öffentlichkeit. Fragestellungen und Ansätze.
Jürgen Gerhards und Friedhelm Neidhardt
FS III 92-101 Anbieter von öffentlichen politischen Veranstaltungen in West-Berlin.
Barbara Blattert
Nachfrager und wahrgenommenes Angebot von öffentlichen politischen Veranstaltungen
in der Bundesrepublik.
Jürgen Gerhards
FS III 92-103 Dokumentation und Analyse von Protestereignisssen in der Bundesrepublik Deutschland
(Prodat), Codebuch.
Dieter Rucht, Peter Hocke und Thomas Ohlemacher
FS III 93-101 Westeuropäische Integration und die Schwierigkeiten der Entstehung einer europäischen
Öffentlichkeit.
Jürgen Gerhards
FS III 93-102 Selbstkontrolle in den Medien: Der Deutsche Presserat und seine Möglichkeiten.
Jessica Eisermann
FS III 93-103 Prominenz in der Bundesrepublik.
Birgit Peters
FS III 94-101 Von den Oppositionsgruppen der DDR zu den neuen sozialen Bewegungen in Ostdeutsch-
land?
Barbara Blattert, Dieter Rink und Dieter Rucht
FS III 95-101 A Burning Question: Explaining the Rise of Racist and Extreme Right Violence in
Western Europe.
Ruud Koopmans
FS III 95-103 German Unification, Democratization and the Role of Social Movements: A Missed
Opportunity.
Dieter Rucht
FS III 95-105 Diskursanalyse im Zeit- und Ländervergleich. Methodenbericht über eine systematische
Inhaltsanalyse zur Erfassung des öffentlichen Diskurses über Abtreibung in den USA und
der Bundesrepublik in der Zeit von 1970 bis 1994.
Jürgen Gerhards und Monika Lindgens
FS III 97-101 Citizenship, National Identity and the Mobilisation of the Extreme Right. A Comparison of
France, Germany, the Netherlands and Switzerland
Ruud Koopmans and Hanspeter Kriesi
FS III 98-101 Proteststrukturen im Ost-West-Vergleich 1989 - 1992
Susann Burchardt
FS III 98-103 Die Branchenstruktur der Markt- und Meinungsforschung in der Bundesrepublik Deutsch-
land von 1986 bis 1996. Eine deskriptive Analyse
Simone Wack
FS III 98-104 Konjunkturen der NS-Bewegung. Eine Untersuchung der Veranstaltungsaktivitäten der
Münchener NSDAP, 1925-1930
Helmut K. Anheier, Friedhelm Neidhardt und Wolfgang Vortkamp
FS III 98-105 Challenging the Liberal Nation-State? Postnationalism, Multiculturalism, and the
Collective Claims-Making of Migrants and Ethnic Minorities in Britain and Germany
Ruud Koopmans and Paul Statham
FS III 98-106 Die Stimme der Medien im politischen Prozeß – Themen und Meinungen in Presse-
kommentaren
Friedhelm Neidhardt, Christiane Eilders und Barbara Pfetsch
FS III 98-107 Methodenbericht zum Projekt: Die Stimme der Medien im politischen Prozeß – Themen
und Meinungen in Pressekommentaren
Christiane Eilders und Albrecht Lüter
FS III 99-101 Government News Management - Strategic Communication in Comparative Perspective
Barbara Pfetsch
FS III 99-102 (Re)constructing Community in Berlin; Of Jews, Turks and German Responsibility
Jonathan Laurence
FS III 99-103 ”In Russia we were Germans, and now we are Russians.” - Dilemmas of Identity
Formation and Communication among German-Russian Aussiedler
Barbara Pfetsch
Abteilung 2 „Institutionen und sozialer Wandel“
FS III 91-201 Ein analytisches Schema zur Klassifikation von Politikinhalten.
Edeltraud Roller
FS III 93-202 Eine Metatheorie des demokratischen Prozesses.
Dieter Fuchs
FS III 93-203 A Metatheory of the Democratic Process.
Dieter Fuchs
FS III 93-205 Mass Media: Political Independence of Press and Broadcasting Systems.
Katrin Voltmer
FS III 94-201 Democratic Transformation and the Prerequisites of Democratic Opposition in East and
Central Europe.
Bernhard Wessels und Hans-Dieter Klingemann
FS III 94-202 Cultural Conditions of the Transformation to Liberal Democracies in Central and Eastern
Europe.
Dieter Fuchs und Edeltraud Roller
FS III 94-206 The Evolution of Western Foreign Aid Programs.
Thomas R. Cusack und Joyce P. Kaufman
FS III 96-201 Political Science: The Discipline.
Robert E. Goodin und Hans-Dieter Klingemann
FS III 96-202 Contexts of Political Protest in Western Democracies: Political Organization and
Modernity.
Edeltraud Roller und Bernhard Wessels
FS III 96-203 Problemreich und konfliktgeladen: Lokale Demokratie in Deutschland fünf Jahre nach der
Vereinigung.
Thomas R. Cusack und Bernhard Weßels
FS III 96-204 Social Alliances and Coalitions: The Organizational Underpinnings of Democracy in West
Germany.
Bernhard Wessels
FS III 96-205 Abbau des Sozialstaats. Einstellungen der Bundesbürger zu Kürzungen von Sozial-
leistungen in den neunziger Jahren.
Edeltraud Roller
FS III 96-206 System Characteristics Matter: Empirical Evidence from Ten Representation Studies.
Bernhard Wessels
FS III 96-207 Wohin geht der Wandel der demokratischen Institutionen in Deutschland? Die Entwick-
lung der Demokratievorstellungen der Deutschen seit ihrer Vereinigung.
Dieter Fuchs
FS III 96-208 Legislative Recruitment in Germany: Professionalization or Political Class?
Bernhard Wessels
FS III 97-201 Social Capital, Institutional Structures, and Democratic Performance: A Comparative
Study of German Local Governments.
Thomas R. Cusack
FS III 97-202 The Electoral Process in the Unified Germany.
Dieter Fuchs und Robert Rohrschneider
FS III 97-203 Kriterien demokratischer Performanz in Liberalen Demokratien
Dieter Fuchs
FS III 98-201 Vom Konsens zum Dissens? Politische Ordnungspräferenzen von Eliten und Bürgern im
ost-westdeutschen Vergleich.
Christian Welzel
FS III 98-202 Mapping Political Support in the 1990s: A Global Analysis.
Hans-Dieter Klingemann
FS III 98-203 Remembering the Bad Old Days: Human Rights, Economic Conditions, and Democratic
Performance in Transitional Regimes.
Hans-Dieter Klingemann und Richard I. Hofferbert
FS III 98-204 The Political Culture of Unified Germany
Dieter Fuchs
FS III 99-201 Näherung oder Richtung? Der Theorienstreit der Wahlforschung aus der Sicht politischer
Repräsentation.
Christian Welzel und Thomas R. Cusack
FS III 99-202 Analyzing Democratic Change and Stability: A Human Development Theory of
Democracy.
Christian Welzel und Ronald Inglehart
FS III 99-203 Soziale Integration und politische Institutionen in modernen Gesellschaften.
Dieter Fuchs
FS III 99-204 Die demokratische Gemeinschaft in den USA und in Deutschland.
Dieter Fuchs
FS III 99-205 Political Consequences of Germany’s Mixed-Member System: Personalization at the
Grass-Roots?
Hans-Dieter Klingemann und Bernhard Wessels
FS III 00-201 Structures of diversity of press and broadcasting systems: The institutional context of
public communication in Western democracies.
Katrin Voltmer
FS III 00-202 Ideology-Driven Public Opinion Formation in Europe: The Case of Third Sector Attitudes
in Sweden.
Staffan Kumlin
FS III 00-203 Industrielle Beziehungen in Ostdeutschland: Zwischen Eigensinn und Paternalismus.
Wolfgang Schroeder
FS III 00-204 Ministerial Bureaucracies as Stand-In Agenda Setters? A Comparative Description.
Kai-Uwe Schnapp
FS III 00-205 Typen und Indizes demokratischer Regime. Eine Analyse des Präsidentialismus- und des
Veto-Spieler-Ansatzes.
Dieter Fuchs
FS III 00-206 Eastward Enlargement of the European Union and the Identity of Europe.
Dieter Fuchs und Hans-Dieter Klingemann
FS III 00-207 Democracy and Its Discontents in Post-Wall Germany.
Richard I. Hofferbert und Hans-Dieter Klingemann
FS III 01-201 Human Development as a General Theory of Social Change: A Multi-Level and Cross-
Cultural Perspective.
Christian Welzel, Ronald Inglehart und Hans-Dieter Klingemann
FS III 01-202 Human Development and the ”Explosion” of Democracy: Variations of Regime Change
across 60 Societies.
Christian Welzel und Ronald Inglehart
FS III 01-203 Types and Indices of Democratic Regimes.
Dieter Fuchs
FS III 01-204 Regierungsstabilität in Osteuropa. Der Einfluss von Parlamenten und Parteien.
Philipp Harfst
FS III 02-201 Manifesto Coding Instructions (Second Revised Edition).
Andrea Volkens
FS III 02-202 Contextual Effects on the Vote in Germany: A Multilevel Analysis.
Jan Pickery
FS III 02-203 Handbuch zur Inhaltsanalyse programmatischer Dokumente von Parteien und Regierungen
in der Bundesrepublik Deutschland
Andrea Volkens
FS III 02-204 Das Demokratiedefizit der Europäischen Union und die politische Integration Europas:
Eine Analyse der Einstellungen der Bürger in Westeuropa
Dieter Fuchs
Abteilung 3 „Sozialstruktur und Sozialberichterstattung“
FS III 98-401 Inequality and Support for Redistributive Policy: One World of Post-Communism, Two
Worlds of Western Capitalism?
Jan Delhey
FS III 98-402 Über die Möglichkeit einer kontinuierlichen und zügigen Fortsetzung des chinesischen
Modernisierungsprozesses
Li Pengcheng
FS III 98-403 Lebensstile im Zeitvergleich: Typologien für West- und Ostdeutschland 1993 und 1996
Annette Spellerberg und Regina Berger Schmitt
FS III 98-404 Teilzeitbeschäftigte in Europa. Arbeitsbedingungen, Familienkontext, Motive und subjek-
tive Bewertungen
Karin Schulze Buschoff und Jana Rückert
FS III 98-405 Das Erwerbsverhalten von Frauen im europäischen Vergleich. Welche Faktoren beeinflus-
sen Arbeitszeiten und Arbeitszeitwünsche?
Karin Schulze Buschoff, Inge Weller und Jana Rückert
FS III 98-406 Rette sich, wer kann? Die Krise der gesetzlichen Rentenversicherung und die Privatisie-
rung der Altersvorsorge
Thomas Bulmahn
FS III 98-407 Taking Stock: German Unification as Reflected in the Social Sciences
Thomas Bulmahn
FS III 99-401 Wohnsuburbanisierung am Beispiel Berlin. Ein Erklärungsrahmen
Wilhelm Hinrichs
FS III 99-402 Income Dynamics in Three Societies. An investigation of social dynamics using ”old” and
”new” types of social indicators
Zsolt Spéder, Roland Habich
FS III 99-403 Inequality and Attitudes. Postcommunism, Western Capitalism and Beyond
Jan Delhey
FS III 99-404 Social Reporting in the 1970s and 1990s
Wolfgang Zapf
FS III 99-405 New Structures of Inequality. Some Trends of Social Change in Modernized Societies
Heinz-Herbert Noll
FS III 99-406 Teilzeitarbeit in Schweden, Großbritannien und Deutschland. Individuelle Dynamik und
Haushaltskontext im Ländervergleich
Karin Schulze Buschoff unter Mitarbeit von Jana Rückert-John
FS III 99-407 Komparative und nicht-komperative Ansätze zur Analyse der Europäisierung der Sozial-
strukturen
Bernhard Schäfers
FS III 99-408 Lebensstandard und Armut im vereinten Deutschland
Petra Böhnke, Jan Delhey
FS III 99-409 Entwicklung der Wohnverhältnisse in Ost- und Westdeutschland
Wilhelm Hinrichs
FS III 99-410 Demokratieentwicklung und Mitwirkung in Ostdeutschland
Eckhard Priller
FS III 99-411 Attribute einer lebenswerten Gesellschaft: Freiheit, Wohlstand, Sicherheit und Gerechtig-
keit
Thomas Bulmahn
FS III 99-412 Über die materielle zur inneren Einheit? Wohlstandslagen und subjektives Wohlbefinden
in Ost- und Westdeutschland
Jan Delhey, Petra Böhnke
FS III 99-413 Poverty in a Multidimensional Perspective. Great Britain and Germany in Comparison
Petra Böhnke, Jan Delhey
FS III 00-402 Modernity and Happiness. The Case of Germany
Thomas Bulmahn
FS III 00-403 Understanding Regime Support in New Democracies. Does Politics Really Matter More
Than Economics
Jan Delhey, Verena Tobsch
FS III 00-404 How to evaluate German unification?
Wolfgang Zapf
FS III 01-401 The Euromodule. A New Instrument for Comparative Welfare Research
Jan Delhey, Petra Böhnke, Roland Habich, Wolfgang Zapf
FS III 01-402 Nothing Left to Lose? Poverty and Social Exclusion in Comparison.
Empirical Evidence on Germany
Petra Böhnke
FS III 01-403 The Prospects of Catching Up for New EU Members. Lessons for the Accession Countries
to the European Union from Previous Enlargements
Jan Delhey
FS III 01-404 Why Social Policy Needs Subjective Indicators
Ruut Veenhoven
FS III 01-405 Patterns of Popular Support for the Welfare State. A Comparison of the United Kingdom
and Germany
Steffen Mau
FS III 01-406 Social Cleavages and Political Conflicts in the Contemporary Czech Society
Pavel Machonin
FS III 01-407 Reporting on Social Exclusion: Standard of Living and Social Participation in Hungary,
Spain, and Germany
Petra Böhnke
FS III 02-401 Korruption in Bewerberländern zur Europäischen Union. Institutionenqualität und Korrup-
tion in vergleichender Perspektive
Jan Delhey
FS III 02-402 Who Trusts? The Origins of Social Trust in Seven Nations
Jan Delhey, Kenneth Newton
FS III 02-403 Zur Entwicklung der privaten Altersvorsorge. Vorsorgebereitschaft, Vorsorgeniveau und
erwartete Absicherung im Alter
Thomas Bulmahn
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Wir erbitten von allen Bestellern, die Arbeitspapiere vom WZB anfordern, eine
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der auf Postämtern erhältlich ist, beizufügen.
Aus diesem Grund ist es auch nicht mehr möglich, Bestellungen von Arbeitspapier per
Telefon oder Fax an das WZB zu richten. Schicken Sie Ihre Bestellungen nur noch
schriftlich an die WZB-Pressestelle, und legen Sie neben der entsprechenden Anzahl
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auferlegt wurden, machen diese Maßnahme unumgänglich. Wir bitten um Verständnis
und darum, unbedingt wie beschrieben zu verfahren.
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WZB-papers and who live in Germany. These stamps contribute to the shipment costs
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send one “Coupon-Réponse International” (international reply coupon) for each
ordered paper. The coupons can be obtained at your local post office.
The reasons for these measures are the high increase in the number of ordered papers
during the last months as well as the cut in funds imposed on publicly financed
institutions like the WZB. We do ask for your understanding and hope that you will
comply with the above mentioned procedure.
... Hinsichtlich der Einstellungen zur EU zeigt die vorliegende Studie, dass hier, wie in anderen Bereichen der politischen Einstellungsforschung üblich (z. B. Fuchs, 1989Fuchs, & 2003Pickel, 2002), zwischen allgemeinen und spezifischen, performanzbezogenen EU-Einstellungen unterschieden werden sollte. Eine positive Einstellung zur Integration der EU generell zeigt einen förderlichen Effekt sowohl auf das objektive als auch auf das subjektive Wissen zur EU, womit die entsprechenden Forschungshypothesen bestätigt werden. ...
Chapter
Der Brexit sowie die in einigen Mitgliedstaaten erfolgreichen rechtspopulistischen bzw. rechts-radikalen Parteien machten die Wahl zum Europaparlament 2019 zu einer Richtungsentscheidung. Ein Referenzpunkt ist die Beteiligung der Bürger*innen an den Wahlen. Die gestiegene Wahlbeteiligung stärkt das europäische Projekt, gleichzeitig wurde die Polarisierung zwischen national-orientierten EU-Skeptiker*innen und integrativ denkenden EU-Befürworter*innen vertieft. Die Missachtung des Wählervotums bei der Nominierung der neuen Kommissionspräsidentin dürfte negative Folgen haben.
Chapter
This chapter delivers a composition of relevant theoretical models and concepts that serve as the fundament of the empirical analyses of the book. The central concept linking the persistence of the political system of the EU to the citizens’ attitudes is political support. In tradition of research on political culture, the chapter traces the theoretical development of the support concept from its original application to the transfer to supranational regimes such as the EU. The key postulate within this strand of research is that the persistence of a political system depends on the congruence between citizens’ political culture and the regime’s structure. The decision to embed the study of the citizens’ perspective on the Euro crisis into this framework is suitable since an acute crisis resembles a real test for the citizens’ support of a political regime and thereby its ultimate persistence. Ultimately, this chapter delivers a further conceptualization of the idea of a critical event that has the potential to fundamentally change citizens’ political attitudes.
Chapter
Key literature in EU legitimisation research indicates deep-rooted delegitimisation of the EU. While this perception has been validated empirically for elites, no data exists to support this thesis from the citizens’ perspective. The following paper discusses how methodological deficits in survey research could be the cause of such common findings on EU legitimacy. Facing the limitations of pure qualitative or quantitative methods, the article presents the repertory grid, a mixed-methods approach, as an alternative method to measure attitudes and perceptions. By measuring citizens’ understanding of legitimacy and how they perceive the legitimacy of the EU, the paper reveals new results on this topic and introduces the repertory grid method.
Article
Zusammenfassung Im vorliegenden Aufsatz wird der Frage nachgegangen, ob die im Mai 2004 vollzogene EU-Osterweiterung in Deutschland ethnozentrische Einstellungen aktivieren könnte. Es wird davon ausgegangen, dass der mit diesem Schritt ausgelöste beschleunigte soziale Wandel auf der Individualebene zu Bedrohungsgefühlen führt. Die Existenz wahrgenommener Bedrohungen ist entsprechend neuerer Studien aus dem Bereich der Vorurteilsforschung ein starker Prädiktor für die Genese von diskriminierenden Einstellungen. Dennoch neigen nicht alle Menschen in der gleichen Weise dazu, sozialen Wandel als bedrohlich zu interpretieren. In einem theorieintegrierenden Schritt wird deshalb das Bedrohungskonzept mit den Annahmen von Desintegrations- und Autoritarismustheorie verknüpft. Die empirische Prüfung des hypothetischen Modells erfolgt anhand eines deutschlandrepräsentativen Datensatzes von 1008 Personen, die im Frühsommer 2003 befragt wurden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es unter bestimmten Bedingungen tatsächlich zu einer Mobilisierung ethnozentrischer Einstellungen kommen könnte. Eine besondere Anfälligkeit weisen autoritär strukturierte Personen auf. Allerdings zeigt sich in den neuen Bundesländern, dass Ängste um eine weitere Verschlechterung der eigenen ökonomischen Situation ebenfalls mit Fremdgruppenabwertung in Verbindung stehen.
Chapter
Infolge der Erweiterungen der Kompetenzen des Europäischen Parlaments (EP) – und damit der Bürger – insbesondere durch den Vertrag von Lissabon, wäre es zu erwarten gewesen, dass sich bei den Bürgerinnen und Bürgern ein Gefühl des wachsenden Einflusses auf die Politik der EU einstellte und sie die Möglichkeit der Wahl des EP stärker nutzen. Gegenteiliges ist jedoch der Fall. Basierend auf den Annahmen der politischen Kulturforschung untersucht der Beitrag Determinanten, die die Teilnahme an den Wahlen zum EP beeinflussen. Es wird die Annahme formuliert, dass eine positive Wahrnehmung der EU als angemessene politische Handlungseinheit und die Anerkennung ihrer Leistungsfähigkeit die Bereitschaft fördern, die Möglichkeit der Wahl aktiv zu nutzen. Die deskriptive Analyse der Ergebnisse der Europawahl 2014 sowie eine logistische Regression der Daten des Eurobarometers 77.4 ergeben, dass vor allem diejenigen, die über ein positives Image der EU verfügen, viel über ihre Institutionen, Akteure und Prozesse wissen und eher zum älteren Teil der Bevölkerung gehören, an den Wahlen zum EP teilnehmen. Überdies legen sie verstärkt Wert auf eine Mitwirkung an den Personalentscheidungen der EU. Reine Output-Überlegungen (Vorteile der EU-Mitgliedschaft) können ihnen nicht nachgesagt werden.
Chapter
“Europa ” kein Thema“, so lautete das ernüchternde Fazit einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Mai 2000 (Noelle-Neumann, 2000). Deutsche Bundesbürger seien über europapolitische Belange kaum informiert, stünden der Europäischen Union sowie ihrer zukünftigen Erweiterung skeptisch gegenüber und hätten mehrheitlich den Glauben an die Vorzüge der eigenen EU-Mitgliedschaft verloren: „Es fehlt beim Thema Europa einfach jedes positive Element“, resümierte daher Elisabeth Noelle- Neumann (2000, S. 5): „Die Deutschen haben sich auf Resignation eingestellt“.
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Schon als 1979 die ersten Direktwahlen zum Europäischen Parlament stattfanden, war zu erkennen, dass diese unter anderen Vorzeichen stehen als die üblichen Wahlen zu nationalen Parlamenten (wie beispielsweise dem Bundestag). Dafür gibt es mehrere Gründe: die geringe Reputation des EU- Parlaments, dessen begrenzte Macht und Kompetenzen, die mindere Funktion und Bekanntheit seiner Mitglieder. Zwar fiel die Wahlbeteiligung mit EU-weit 63 Prozent gar nicht so schlecht aus. Zumal in der Bundesrepublik Deutschland lag sie mit 65,7 Prozent noch über dem Durchschnitt. Aber dies war vermutlich der Neuheit zuzuschreiben und der Tatsache, dass es offenbar gelang, die Teilnahme an der Wahl mit einer gewissen moralischen Verpflichtung zu versehen. Bei den folgenden Europawahlen schwächte sich das immer mehr ab. 2004 betrug die Wahlbeteiligung in der Europäischen Union noch 45,7 Prozent.
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Sozialwissenschaftler neigen zu Dramatisierungen, um ihre Thesen interessanter zu machen, als die Wirklichkeit zu sein scheint. Von einer Legitimitätskrise der Europäischen Union zu sprechen, wäre eine solche Dramatisierung. Aber daß es Anlaß gibt, Fragen zu stellen, läßt sich kaum bestreiten. Wie stehen die europäischen Völker zum Prozeß der europäischen Integration? Wieviel Europa und welche Art von Europa wollen sie? Welche integrationspolitischen Zielsetzungen können mit ihrer Zustimmung rechnen und welche nicht? Ins Normative und Grundsätzliche gewendet: Mit welchen guten, zustimmungsfähigen Gründen läßt sich rechtfertigen, daß die Europäische Union Rechtssetzungsmacht über mehr als 360 Millionen Bürger ausübt?
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Part 1 Political science as science: separate tales, schools and sects in political science clouds, clocks and the study of politics model fitting in communism studies rational choice theory and the social sciences the study of political culture communism and political culture theory. Part 2 Generations and professional memory: corporatism, pluralism and professional memory the return to the state the development of political development the international-national connection.
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This article suggests that the EU's representation deficit undermines mass support for Europe's political integration, especially when national institutions work well. Combining public opinion surveys from twelve West European publics with ratings of nations' institutional quality, we estimate a multi-level model. The results show that when citizens perceive that they are unrepresented, their support for the EU is reduced independent of economic perceptions; this reduction is especially strong in nations with well-functioning institutions. The study (1) suggests that transition and EU analyses converge on the import of regimes' democratic performance in shaping regime support; (2) proposes guidelines to model mass support for new institutions; (3) contains disquieting implications for Europe's political integration and its eastward enlargement.