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Entwicklungen Leichtbauwerkstoffe - Technology Push
oder Technology bzw. Market Pull
Ulrich Müller, Alfred Teischinger
Abstract
Increased raw material efficiency is the need of the future, which demands the
development of new low weight materials. On the other hand an image change of
light weight materials is required to increase the application in the furniture
production and interior works. Honeycomb sandwich constructions are the optimal
solution for industrial and bulk production. However, individual and flexible
processing of panels for interior uses and furniture needs additional light weight
material concepts with more homogeneous structure and improved mechanical
properties.
Key words: Expert interview, Light weight panels, Market, Trend
Zusammenfassung
Die Zukunft verlangt eine verbesserte Rohstoffnutzung bei der Herstellung von
Holzwerkstoffen. Die Entwicklung von leichten Plattenwerkstoffen ist ein möglicher
Ansatz dafür. Andererseits ist für eine verstärkte Nutzung von Leichtbauwerkstoffen
ein Imagewandel bei den Verarbeitern und Herstellern von Plattenwerkstoffen
notwendig. Wabenkonstruktionen stellen für industrialisierte Massenprodukte für
viele Anwendungen eine optimale technische Lösung dar. Für die individuelle
Materialverarbeitung sind aber homogene leichte Werkstoffe mit ausreichenden
Festigkeitseigenschaften gefordert.
Schlüsselwörter: Experteninterviews, Leichtbaumaterialien, Markt, Trend
1 Einleitung
In Bezug auf Leichtbau kann von einem Mega-Trend gesprochen werden. Überall wo
Massen bewegt werden müssen (Fördertechnik, Transportwesen, Maschinen, etc.)
bringt der Leichtbau entscheidende Vorteile. Aber auch im Alltagsbereich wie z.B. bei
Textil-, Elektronik- und Sportartikeln können erfolgreiche und konsequente
Umsetzungen dieses Megatrends „Leichtbau“ gefunden werden. Im
Automobilbereich wird vor allem wegen der Treibstoffeinsparung und der Reduktion
von CO2 Emissionen nach Leichtbaulösungen gesucht. Funktionalität, erhöhter
Komfort und verbesserter Sicherheitstechnik stehen dieser Gewichtsreduktion
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allerdings diametral entgegen. So hat das Durchschnittsgewicht eines PKWs in den
letzten 40 Jahren von rund 800 kg auf 1200 kg zugenommen (nkel, 2009) und
deshalb wird nun versucht, wo es möglich ist, gewichtssparende Komponenten
einzusetzen.
Ähnliche Entwicklungen (allerdings über einen größeren Zeitraum) sind auch
bei der Möbelherstellung zu beobachten. Ein Kleiderschrank (Rahmenkonstruktion
überfurniert) mit den Dimensionen 80 x 200 cm und 60 cm Tiefe hatte noch vor 100
Jahren ein Gewicht von ca. 80 kg. Bei den gleichen Dimensionen und Anzahl der
Fächer erreicht heute eine moderne Möbelkonstruktion des Schrankes ein Gewicht
von ca. 115 kg. Das signifikant höhere Gewicht ist dabei auf das höhere
Eigengewicht der verwendeten Werkstoffe (Vollholz vs. Holzwerkstoffe inkl.
Beschichtungssysteme) und auf die Änderung der Baukonstruktion (Rahmenbau vs.
Plattenbau) zurückzuführen. Entgegen der Entwicklungen im Automobilbereich, ging
im Möbelbau die Gewichtszunahme nicht unbedingt mit einer Erhöhung der
Funktionalität (teilweise kann sogar eine Abnahme der Funktionalität beobachtet
werden), sondern mit einer extremen Preisreduktion einher. Die Forderung nach
erhöhter Funktionalität und Komfort im Möbelbau (vorwiegend im Küchen- und
Wohnzimmerbereich) führt, wie in der Automobilherstellung, zu einer zusätzlichen
Gewichtszunahme. Aus verschiedenen Motivationen wird nun dem Leichtbautrend
auch in der Holzwerkstoff- und in der Möbelbranche verstärkt nachgegangen.
2 Der Trend zum Leichtbau
Nach Reinhardt, 2006 werden bei Trends folgende Stufen durchlaufen: Initialisierung,
Trendkreation, Adaption, Trendsetting, Durchdringung, Banalisierung (Abb. 1). In
Bezug auf die Werkstoffentwicklung erfolgte durch Luft- und Raumfahrt die
Initialisierung für Leichtbaulösungen. Erste Trend-Kreationen für Leichtbau sind
sicher im Freizeit- und Sportbereich zu suchen. Durch die Entwicklung der
Faserverbundwerkstoffe konnten so technische und mechanische Verbesserungen
bei gleichzeitiger Gewichtseinsparung erreicht werden.
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Abb. 1 verschiedene Stufen der
Trendentwicklung
2.1 Leichtbau in der Holzwerkstoffindustrie
Aufgrund der positiven Vorbilder wird angenommen, dass der Trend Leichtbau auch
in der Holzwerkstoffindustrie und in den verschiedenen Anwendungsbereichen dieser
Werkstoffe positiv besetzt ist. Die Einstellung von EndkonsumentInnen zu Leichtbau
wurde bereits in früheren Studien untersucht (z.B. Emnid-Befragung in
Leichtbauplatten 2006). Die verstärkte Nutzung von Leichtbau in Möbel- und
Innenausbaukonstruktionen wird allerdings nicht nur von EndkonsumentInnen
beeinflusst, sondern auch von Entwicklern und Technikern entlang der gesamten
Wertschöpfungskette. Aus diesem Grunde interessiert daher auch die persönliche
Einschätzung von Experten zum Thema Leichtbau. Im Zuge eines
Marktforschungsprojektes zu diesem Thema (Eder, 2009, Eder und Schwarzbauer,
2009), wurden Experten aus der Holzwerkstoffbranche (Möbel, Innenausbau und
Türen) in Österreich zur technischen Einschätzung, Potentiale und Risken von
Leichtbau befragt. Insgesamt wurden 40 Experten aus Produktion und Handel zum
Thema Leichtbau in Form eines qualitativen Expertengesprächs (face-to-face)
interviewt. Weiters wurde mit 14 Experten ein eintägiger Workshop zum Thema
Stärken-Schwächenanalyse durchgeführt und insgesamt 30 Fachvorträge von 23
Experten analysiert. Die technische Bewertung und Analyse der gesammelten
Expertenmeinungen und der Fachvorträge erfolgte primär anhand einer qualitativen
Inhaltsanalyse. ufig wiederkehrende Aussagen zu Leichtbau wurden
herausgearbeitet. Die Einschätzung und Einstellung zu Leichtbauprodukten wurde
dem jeweiligen Tätigkeitsfeld der Befragten gegenübergestellt. Damit wurden weiters
Empfehlungen und Anregungen für zukünftige Leichtbauentwicklungen abgeleitet.
Bis auf Experten, die im Mitnahmemöbelbereich tätig sind, wird Leichtbau entgegen
obiger Annahme sehr differenziert betrachtet. Gründe für diese differenzierte,
zurückhaltende bis teilweise sogar negative Beurteilung von Leichtbau sind
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vorwiegend in der angenommenen erschwerten Verarbeitung dieser neuen
Werkstoffe und in der derzeitigen fehlenden Produktsicherheit zu suchen.
2.1.1 Einschätzung Leichtbau Experten aus der Möbelindustrie
Stärken und Potential von Leichtbaukonstruktionen für den Möbelbau werden in der
Schaffung von Hohlräumen für Kabeln und andere Funktionen (neue Funktionen und
Design, inkl. Raumklima) gesehen. Weitere Vorteile liegen in der allgemeinen
Gewichtsreduktion (vereinfachte und effizienter Transport und bei Montage bzw.
vereinfachtes Handling in der Produktion) und in der Materialeffizienz und
Ressourcenschonung (Rohstoff und Klebstoff). Neben dem Massenmöbel für den
Mitnahmebereich werden potentielle Einsatzgebiete bei zerlegbaren Möbeln
(Messebau, Baukastensysteme, Seminarbereich, Trennwänden, großformatige
Elemente, etc.) gesehen. Vorteile ergeben sich auch für dicke Platten (Tischplatten,
Arbeitsplatten, Sonderkonstruktionen). Für die Herstellung von Küchen und
Büromöbel (flexible Fertigung mit geringen Losgrößen) ergeben sich lt. der befragten
Experten eingeschränkte Potentiale, da der Maschinenpark auf konventionelle
Plattenwerkstoffe abgestimmt ist. Die zentralen Kritikpunkte am Leichtbau umfassen
fehlende Stabilität, eingeschränkte Auswahl der Plattendicken (insbesondere
unterhalb von 25 mm), eingeschränkte Auswahl an Dekoren und Oberflächen, zu
hoher Preis, Einsatz neuer Beschlägetechnologie. Die Einschätzung der befragten
Experten von Leichtbau orientiert sich dabei vorrangig an der Wabenplatte. Ein
detailliertes Wissen über neue Entwicklungen im Bereich Leichtbauwerkstoffe ist
meist nicht oder eingeschränkt vorhanden. Aufgrund der technischen Eigenschaften
der rahmenlosen Wabenplatte werden aus Gründen der Stabilität Potentiale für den
Leichtbau vorrangig im Wohn- und Schlafbereich gesehen.
2.1.2 Einschätzung Leichtbau Experten Innenausbau
Potentiale für den Leichtbau im Innenausbau werden vorrangig für Trennwänden,
Wandverkleidungen und Deckenelementen erkannt. Dabei stellt die
Gewichtsreduktion bei gleichzeitigem Erhalt der guten Statik ein zentrales Pro-
Argument dar. Ähnlich wie im Möbelbau liegen die Vorteile von
Leichtbaukonstruktionen neben der Gewichtsersparnis in der Nutzung von
Hohlräumen (Installationen, Aufnahme von Technikelementen, etc.). Durch die
innere Struktur und eine perforierte Gestaltung der Oberfläche werden weiters hohe
Potentiale für eine optimale Schallabsorption gesehen. Analog zu den bereits am
Markt befindlichen Akustikplatten sind ähnliche Konstruktionen auch für weitere
Leichtbauplatten denkbar. Die Möglichkeit der Nutzung der großen Oberfläche im
Inneren einer Leichtbauplatte bietet weiters die Chance an geschützten Flächen
Beschichtungen mit spezifischen Eigenschaften zur Regulierung des Raumklimas
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(Feuchteabsorber, Klimaregelung, Raumhygiene, etc.) anzubringen. Die derzeitig
technischen Schwächen von Leichtbaukonstruktionen entsprechend der
Experteneinschätzung sind wie folgt zusammengefasst: fehlende Stabilität
(insbesondere Kanten, punktuelle Druckbelastung), Inhomogenität, fehlende
Dauerhaftigkeit, derzeit fehlende Befestigungstechnik und Beschläge, fehlende
Normen und Bemessungsgrundlagen.
2.1.3 Einschätzung Leichtbau - Experten Türenindustrie
Leichtbau ist in der Türenherstellung durch die starke Verbreitung der
Papierwabentüren bereits erfolgreich umgesetzt. Auch der Einsatz von
Röhrenspanplatten bzw. die Verwendung von Röhrenstegkonstruktionen kann als
erfolgreiche Umsetzung von Leichtbauprinzipien betrachtet werden.
Papierwabentüren haben sich als kostengünstiges Massenprodukt durchgesetzt.
Derzeit sind alternative Leichtbaulösungen zu der Wabenplatte aufgrund des
Preisdrucks technisch nicht umsetzbar. Aus technischen Gründen und aufgrund der
Marktsituation wird in der Türenindustrie nach alternativen Lösungen zur
Röhrenspanplatte gesucht. Ähnlich wie bei der Papierwabenkonstruktion stellt auch
bei der Röhrenspanplatte der extreme Preisdruck ein Hemmnis für alternative
Entwicklungen dar. Für hochwertige Türenkonstruktionen werden aus
technologischer Sicht keine extrem leichten Materialien (> 300 kg/m²) gesucht, da
angenommen werden kann, dass solche Materialien notwendige Kriterien wie Schall-
und Brandschutz sowie mechanische Widerstandsfähigkeit nicht erfüllen können.
Mögliche Probleme bei sehr niedrig dichten Materialien könnten sich auch bei
fehlender Stabilität für Glasdurchbrüche ergeben.
Der Endkonsument spielt bei der Türenauswahl bei den Massenprodukten
(Objektausstattung) eine untergeordnete Rolle. Im hochpreisigen Fachhandel werden
leichte Wabenplattentüren aber vom Kunden als „billig“ erkannt (Schließverhalten).
Auch aus diesem Grunde sollten alternative Leichtbaulösungen für Türen nicht zu
geringe Dichten aufweisen. Kurzfristig werden daher vorwiegend neue
Leichtbaumaterialien für hochpreisige Funktionstüren erwartet. Bei Erhalt der
technischen Eigenschaften werden Vorteile im Transportwesen und im einfacheren
Handling (Produktion, aber vor allem in der Montage) gesehen. Weitere
Einsparungspotentiale ergeben sich durch vereinfachte Beschlägetechnologie bei
reduziertem Eigengewicht. Entsprechend der befragten Experten könnte die
Entwicklung innovativer Leichtbaumaterialien auch zur Belebung des Marktes durch
neues Design und Formenvielfalt und neue Materialkombinationen führen.
2.1.4 Schlussfolgerung aus der Expertenbefragung
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Zusammenfassend kann aus der Expertenbefragung resümiert werden, dass für
einen verstärkten Einsatz von Leichtbau im Innenausbau, Möbel und Türenbereich
sowohl ein Market Pull als auch ein Technology Push für die Zukunft anzunehmen
ist. Durch Veränderungen der Rahmenbedingungen (VOC-Emission,
Ressourceneinsparung, Energieeinsparung, gesetzliche Bestimmungen, etc.) ist
mittelfristig ein Anhalten des Leichtbautrends aus Sicht der Hersteller von
Plattenwerkstoffen anzunehmen. Bei den derzeit am Markt befindlichen
Leichtbaulösungen handelt es sich mehrheitlich um Sandwichkonstruktionen. Die
Verarbeitung dieser Werkstoffe verursacht beim Anwender eine teilweise
dramatische Veränderung der Produktionsbedingungen und damit vielfach eine
mittelfristige Erhöhung der Produktionskosten (ausgenommen Nischen- und
Speziallösungen). Zusätzlich fehlen teilweise für verschiedene Anwendungen
funktionierende und konkurrenzfähige Leichtbaulösungen. Insbesondere bei der
Verarbeitung von geringen Losgrößen stellen die derzeit verfügbaren
Leichtbaumaterialien eine technische Herausforderung dar, die einerseits ein Wissen
über die Verarbeitung dieser Werkstoffe verlangt, andererseits mehrheitlich mit einer
Kostenerhöhung verbunden ist. Im Gegensatz dazu können im Massenmöbelbereich
Leichtbauelemente sehr kosteneffizient umgesetzt werden (exakte Abstimmung von
Material auf Produktion möglich). Die Verarbeiter von Plattenwerkstoffen sind (bis auf
Verarbeiter, die sich mit ihrer Produktpalette bereits optimal auf
Leichtbaukonstruktionen abgestimmt haben) nicht als Triebfeder für die
Weiterentwicklung von Leichtbaukonstruktionen anzusehen. Der Technologie Push
geht daher vorrangig von Plattenherstellern aus. Von Verarbeitern kann ein
Technology Pull nach Leichtbauwerkstoffen, die wie konventionelle Plattenwerkstoffe
zu verarbeiten sind, erwartet werden.
Mögliche Zusatznutzen und technische Verbesserungspotentiale werden
sowohl für den Möbel-, Innenausbau- und Türenbereich erkannt. Diese Potentiale
könnten für die Zukunft auch einen allgemeinen Innovations-Push für die
holzverarbeitende Industrie darstellen.
Die Bedeutung des Kunden wird allgemein als gering eingestuft. Lediglich im
Türenfachhandel und im Möbel-Mitnahmebereich wird ein Zusammenhang zwischen
Materialgewicht und Produktnachfrage durch den Endkonsumenten gesehen. Die
Experteneinschätzung deckt sich mit der relativ indifferenten Einschätzung der etwa
800 befragten EndkundInnen (Eder und Schwarzbauer, 2009). Die mittels Con Joint
Analyse befragten EndkundInnen lieferten keinen Beleg für eine eindeutige
Materialpräferenz bzw. Ablehnung von Leichtbau im Möbelbau.
Insbesondere der Möbelmarkt im Mitnahmebereich ist durch hohe
Wachstumsraten charakterisiert (Stosch, 2009). Gewichts- und Materialeinsparung
bringt in diesem Bereich einen klar erkennbaren Kundennutzen. Dieser
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Kundennutzen ist einerseits in einem Preisvorteil und andererseits im vereinfachten
Transport und in der erleichterten Montage zu sehen. Durch bereits am Markt
befindliche technisch funktionierende Lösungen ist hier mit einem „Market pull“ nach
Leichtbaulösungen zu rechnen. Eine Verbreiterung der Produktpalette mit
reduziertem Eigengewicht im Marktsegment von Mitnahmemöbeln wird
voraussichtlich dazu führen, dass Verpackungseinheiten und Möbeleinheiten mit
hohem Gewicht in Zukunft vermindert nachgefragt werden. Dieser „Market-Pull“
könnte sich unter Umständen auch auf andere Möbelbereiche bzw. auch auf die
Nachfrage von Holzwerkstoffen im Do-It-Yourself-Bereich sowie in den
Gewerbebereich übertragen.
3 Konsequenzen für die Holzwerkstoffentwicklung
Übliche Möbelplattendicken (16, 19, 25, 28 mm) sind derzeit lt. Expertenmeinung
nicht wirtschaftlich als Leichtbau darstellbar und für Plattendicken stehen derzeit
auch kaum kostengünstige Leichtbaulösungen für Verarbeiter zur Verfügung. Eine
Ausnahme stellt die Massenmöbelfertigung dar. Ikea (Swedwood) hat die
Wabenkonstruktion für die Möbelfertigung weiter perfektioniert. Wurden
Wabenkonstruktionen bis vor kurzem für größere Plattendicken mit der Board-on-
frame Technologie (d.h. Leichtbaurahmenkonstruktion) hergestellt, so werden
neuerdings auch Möbelplatten mit geringen Plattendicken (19, 22, 25 mm) mit der
s.g. Board-on-style Technologie hergestellt. Dabei handelt es sich wie bei der Board-
on-frame Technologie um eine Rahmenkonstruktion, die mit Papierwaben gefüllt ist
und beidseitig mit HDF abgedeckt ist. In der Massenmöbelfertigung besteht eine
exakte Abstimmung der Einzelbauteile auf die jeweilige Möbelkonstruktion (d.h.
Setzen der Verbindungselemente, Beschläge, Verbindung zu Rückwänden, etc.).
Damit können diese Konstruktionen mit hoher Kosteneffizienz hergestellt werden.
Für die flexible Möbelfertigung im Gewerbebereich sowie bei der Herstellung von
individuellen Fertigungsmaßen in der Küchenmöbel- und Büromöbelindustrie mit
geringen Losgrößen, stellt die Wabenkonstruktion derzeit nicht die optimale
technische Lösung dar, da diese mit Mehraufwand in der Arbeitsvorbereitung und in
der Produktion und damit mit Kostennachteilen verbunden sind.
Gefordert sind daher Leichtbaulösungen, die eine signifikante
Gewichtsreduktion für die Verarbeiter von Plattenwerkstoffen darstellen, ohne auf die
gewohnte Verarbeitbarkeit und den homogenen Aufbau zu verzichten. Neben dem
Technology Push von etablierten und neuen Herstellern von Plattenwerkstoffen ist in
Zukunft auch von einem Technology Pull der Verarbeiter nach homogenen und
leichten bzw. gewichtsreduzierten Plattenwerkstoffen auszugehen.
Zielsetzung zukünftiger Forschungsarbeiten ist es daher, möglichst homogene
Plattenwerkstoffe zu entwickeln, ohne den Anteil synthetischer Bindemittel zu
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erhöhen, sondern diesen sogar noch zu reduzieren bzw. andere Werkstoffe durch
natürliche Rohstoffe zu substituieren.
4 Ausblick und Schlussfolgerung
Innovative Firmen, die mit neuen Leichtbauprodukten auf den Markt kommen, gehen
davon aus, dass die neue entwickelte Technologie herkömmliche Werkstoffe in
kurzer Zeit ablösen werden. Hinter dieser Annahme steht die bekannte S-Kurve von
Produktlebenszyklen, die beschreibt, dass bei einer Abnahme der Leistungsfähigkeit
einer Technologie ein sehr hohes Wachstumspotential für innovative Technologien
entsteht. Bei dieser Annahme wird allerdings der s.g. Sailing-Ship-Effekt
vernachlässigt (beim Aufkommen der ersten Dampfschiffe wurde die Technologie der
Segelschiffe sprunghaft angekurbelt). Ähnliche Effekte wurden auch in anderen
Technologiefeldern wie z.B. bei der Glühbirne beobachtet. Durch die Erfindung der
Glühbirne kam das Gaslicht technologisch unter Druck. Aufgrund der Vorteile der
Glühbirne wurde angenommen, dass das Gaslicht von dieser innerhalb kurzer Zeit
verdrängt werden würde. Tatsächlich wurde die Leistungsfähigkeit des Gaslichts
aber in wenigen Jahren auf das 15-fache gesteigert, wodurch die
Marktdurchdringung der Glühbirne für viele Jahre verzögert wurde (Gassmann und
Sutter, 2008). Analoge Entwicklungen sind auch auf dem Leichtbausektor zu
beobachten. Im letzten Jahrzehnt wurden innovative Leichtbau-
Sandwichkonstruktionen entwickelt und auf dem Markt gebracht. Die Reaktion der
Holzwerkstoffindustrie ist z.B. in der Entwicklung der AirMaxx Technologie von BASF
zu beobachten. Eine abgeleitete Form des eigenen Produktportfolios ist bei Egger in
der Eurolight® Leichtbauplatte zu erkennen. Die Decklagen bestehen aus
konventionellen Spanplatten, diese werden als Sandwich-Verbundbauweise mit
einem leichten Wabenkern verklebt.
Abb. 2 Mögliche zukünftige Entwicklung von Leichtbau und optimierten Holzwerkstoffe:
Linien fett: von Herstellern von Leichtbauplatten unterstellte Produktlebenskurve für
konventionelle Holzwerkstoffe (rot) und Leichtbauwerkstoffen (grün); Linien punktiert:
voraussichtliche Produktlebenskurven unter der Annahme der Optimierung und
Weiterentwicklung von konventionellen Holzwerkstoffen (rot-punktiert) und
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Leichtbauwerkstoffen (grün-punktiert).
Die Leichtbautechnologie entspricht daher dem von Utterback und Abernathy,
1975 beobachteten Technologieverlauf. Zu Beginn treiben meist kleine Firmen eine
neue Technologie voran (siehe Abb. 2). In diesem Zusammenhang sind Firmen wie
elka, lightweight solutions®, Econcore, Moralt und DendroLight®, etc. zu nennen.
Diese Phase ist durch eine gewisse Unsicherheit geprägt, die eine radikale Änderung
der Produktionsverfahren, die mit hohen Investitionsvolumina verbunden sind, nur
bedingt erlauben. Daher halten sich große Firmen am Beginn einer neuen
Technologieentwicklung eher zurück, dies ermöglicht ein Ansteigen der
produzierenden Firmen am Markt, wobei es beim Erlangen der technischen Reife
einer neuen Technologie zu einer drastischen Marktbereinigung kommt. Für die
notwendigen Absatzmengen müssen entsprechende Investitionen getätigt werden,
die wiederum nur durch große Firmen realisiert werden können.
Aufgrund der bereits am Markt befindlichen Konstruktionen wird die
Notwendigkeit gesehen, einen Imagewandel von Leichtbau mit Positionierung als
High-Tech in der Holzwerkstoffbranche sowie im Bereich der holzverarbeitenden
Industrie zu vollziehen. Sandwichkonstruktionen mit extremen Dichteunterschieden
sind für verschiedene Anwendungen sicher die optimale Materialoption. Für eine
flexible Fertigung im Möbel- und Innenausbau sowie für verschiedene
Bauanwendungen sind diese Materialien aus verschiedenen Gründen kritisch zu
beurteilen. Für eine erfolgreiche und breite Umsetzung des Leichtbautrends im
Holzwerkstoffbereich ist es daher notwendig, neben bereits etablierten
Leichtbauprodukten, die Entwicklung von homogenen leichten Plattenwerkstoffen
voranzutreiben.
5 Danksagung
Der Beitrag basiert auf Ergebnissen von neun verschiedenen Forschungsprojekten
(gefördert durch die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG in den
Programmen: Basisprogramm, K plus, COMET und Fabrik der Zukunft). Dem
Fördergeber und den daran beteiligten Firmen wird an dieser Stelle pauschal
gedankt. Danke auch an Frau Dr. Asta Eder (Projektleiterin des Projektes
Marktchancen und technische Grenzen von Leichtbauprodukten basierend auf
nachwachsenden Rohstoffen) und allen weiteren hier nicht namentlich erwähnten
MitarbeiterInnen in den einzelnen abgeschlossenen und laufenden Projekten.
6 Literaturverzeichnis
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Eder A, Müller U. und Schwarzbauer P (2009) Marktchancen und technische
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Utterback JM und Abernathy W (1975) A dynamic model of process and product
innovation. In: Omega, the international journal of management science, Pergamon
Press, Vol. 3, No. 6
Autoren:
Priv.-Doz. Dr. Ulrich Müller, Leiter des Fachbereichs „Massivholz und
Holzverbundwerkstoffe“ des Kompetenzzentrums für Holzverbundwerkstoffe und
Holzchemie (Wood K plus) und Privatdozent an der Universität für Bodenkultur,
Wien. Kompetenzzentrum Holz GmbH Wood K plus, St.-Peter-Strasse 25, A-4021
Linz. ulrich.mueller@kplus-wood.at
Prof. Dr. Alfred Teischinger, Universitätsprofessor für Technologie des Holzes an der
Universität für Bodenkultur, Wien, Institut f. Holzforschung, Dept. für
Materialwissenschaften u. Prozesstechnik, Peter Jordan Strasse 82, A-1190 Wien
und wissenschaftlicher Leiter des Kompetenzzentrums Wood K plus.
alfred.teischinger@boku.ac.at
... Currently the wood-based material sector shows rapid developments such as light-weight approaches (MÜLLER et al. 2011) and Engineered Wood Products (EWP) which open the door to new manufacturing systems, and to new product design and architecture ( Figure 11). The development of wood as a building material (e.g. ...
... FIGURE 11. Structure of wood-based sandwich composites according to MÜLLER et al. (2011) Despite the tradition and the natural origin, wood and wood-based materials pass through an enormous innovation process, which includes traditional solid wood, too. ...
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This paper provides a short survey on forest-based industries and reports on the challenges and opportunities for small wood businesses and crafts for a sustainable and regional development. Besides large industrial entities small businesses and crafts can survive not only in niche markets, but in certain areas of carpentry, joinery and cabinet making, and they even fulfi l a key role within the wood manufacturing sector. Modern CNC technology and machining concepts make it possible for small businesses to be very fl exible and cost-competitive in their production. The concept of wood cluster structures supports small businesses to build up a network for production and services to the customer and to large industries in order to become an important part within the whole wood processing chain.
... Currently the wood-based material sector shows rapid developments such as light-weight approaches (MÜLLER et al. 2011) and Engineered Wood Products (EWP) which open the door to new manufacturing systems, and to new product design and architecture ( Figure 11). The development of wood as a building material (e.g. ...
... FIGURE 11. Structure of wood-based sandwich composites according to MÜLLER et al. (2011) Despite the tradition and the natural origin, wood and wood-based materials pass through an enormous innovation process, which includes traditional solid wood, too. ...
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A study of the European Commision to problems of euromanagement of small and medium-sized companies are analyzed and summarized. The questions of "new approach" and "global approach" and the policy of harmonisation and certification for products standards and quality management standards are discussed. The weak points of small and medium sized companies for their access to the single market are described.
Perception of Austrian Furniture Costumers of Lightweight Materials, International Panel Products Symposium
  • A Eder
  • P Schwarzbauer
Eder A und Schwarzbauer P (2009) Perception of Austrian Furniture Costumers of Lightweight Materials, International Panel Products Symposium. In: The BioComposites Centre, Proceeding of the International Panel Products Symposium;
Unternehmen und Produkte brauchen eine Vision
  • F A Reinhardt
Reinhardt, FA (2006) Unternehmen und Produkte brauchen eine Vision. In: Trendforschung -Die Märkte von morgen entdecken. Industrie und Handelskammer in Nordrhein-Westfalen, Bergisches Institut für Produktentwicklung und Innovationsmanagement GmbH, Solingen.
Wie gestalten wir die nächsten 30 Jahre – Herausforderungen bei der Beobachtung von Technologien, Wettbewerbern und Megatrends. Empolis Execution Formum
  • R Sünkel
Sünkel R. (2009) Wie gestalten wir die nächsten 30 Jahre – Herausforderungen bei der Beobachtung von Technologien, Wettbewerbern und Megatrends. Empolis Execution Formum, Berlin, 8-9. Juni 2009.
Ich kaufe Möbel aus Pappe: Was Endkunden von den neuen Leichtbau-Werkstoffen halten
  • S Banse
Banse S (2006) Ich kaufe Möbel aus Pappe: Was Endkunden von den neuen Leichtbau-Werkstoffen halten. Möbel Kultur 6: 44
Building panel or the like, and production and use thereof. PCT Patent WO
  • J Berger
Berger J (2007) Building panel or the like, and production and use thereof. PCT Patent WO/2007/048149;
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Berger J (2006) Building board, building element or the similar. PCT Patent WO/2006/081596;
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In: Omega, the international journal of management science
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Utterback JM und Abernathy W (1975) A dynamic model of process and product innovation. In: Omega, the international journal of management science, Pergamon Press, Vol. 3, No. 6
Neue Entwicklungen in der Fügetechnik von Holzwerkstoffen. 2. Innovationsworkshop -Holzwerkstoffe, 12
  • M Stosch
Stosch M. (2009) Neue Entwicklungen in der Fügetechnik von Holzwerkstoffen. 2. Innovationsworkshop -Holzwerkstoffe, 12. Mai Köln.
Ulrich Müller, Leiter des Fachbereichs Massivholz und Holzverbundwerkstoffe " des Kompetenzzentrums für Holzverbundwerkstoffe und Holzchemie (Wood K plus) und Privatdozent an der
  • Priv.-Doz
  • Dr
Priv.-Doz. Dr. Ulrich Müller, Leiter des Fachbereichs " Massivholz und Holzverbundwerkstoffe " des Kompetenzzentrums für Holzverbundwerkstoffe und Holzchemie (Wood K plus) und Privatdozent an der Universität für Bodenkultur, Wien. Kompetenzzentrum Holz GmbH – Wood K plus, St.-Peter-Strasse 25, A-4021