ArticlePDF Available
SCHWERPUNKT
Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis Nr. 1, 17. Jg., Mai 2008 Seite 5
SCHWERPUNKT
Pervasive Computing in der
medizinischen Versorgung
Einführung in den
Schwerpunkt
von Carsten Orwat, ITAS, Asarnusch Rashid,
FZI, Michaela Wölk, IZT, Carsten Holtmann, FZI,
Mandy Scheermesser und Hannah Kosow, IZT1
1 Einleitung
1.1 Zum Konzept des Pervasive Computing
„Pervasive Computing” oder verwandte Kon-
zepte der Informations- und Kommunikations-
technologien (IKT) halten vermehrt Einzug in
den Gesundheitsbereich. Dabei existiert auf-
grund der relativ frühen Entwicklungs- und
Anwendungsphase von Pervasive Computing
keine allgemeingültige Definition (Hansen et
al. 2006), die zudem Pervasive Computing von
verwandten Konzepten wie das „Ubiquitous
Computing“, „Ambient Intelligence“, „Em-
bedded Computing“ oder „Disappearing
Computing“ exakt abgrenzen würde.2 Stattdes-
sen verwenden Autoren in der einschlägigen
Literatur den Begriff Pervasive Computing
mehr oder weniger stringent für die weitere
Verbreitung von miniaturisierter, mobiler oder
eingebetteter IKT, die einen gewissen Grad an
„Intelligenz“, in den meisten Fällen Netzwerk-
verbindung sowie fortschrittliche Nutzer-
schnittstellen aufweisen (Satyanarayanan 2001;
Lyytinen, Yoo 2002; Saha, Mukherjee 2003;
Alcañiz, Rey 2005; Kenny 2006).
Im Folgenden wird Pervasive Computing
als Leitbild der Entwicklung von IKT-Systemen
verstanden, die „ubiquitär“ in dem Sinne sind,
als ihre Nutzung nicht an einen speziellen, dafür
vorgesehenen Ort gebunden ist, wie z. B. an
einen Computerarbeitsplatz. Dadurch lässt sich
Pervasive Computing gegenüber vielen teleme-
dizinischen Anwendungen abgrenzen, die nur
eine lokal eingeschränkte Nutzung zulassen (wie
z. B. bei telemedizinischen Videokonferenzen).
Die „Ubiquität“ wird dabei in der Regel entwe-
der dadurch erreicht, dass IKT in den den Nut-
zer umgebenden Gegenständen, Gebäuden oder
in die sonstige Infrastruktur eingebettet wird,
oder dadurch, dass mobile Geräte mit dem Nut-
zer „mitwandern“ (vgl. z. B. Banavar, Bernstein
2002). Zu den mobilen Geräten können
a) mobile Computer (z. B. Laptops, Personal
Digital Assistants oder Tablet PCs) ein-
schließlich fortschrittlicher Mobiltelefone
(„Smartphones“),
b) sogenannte „Wearables“ wie Textilien,
Accessoires oder medizinische Geräte mit
Rechner- und Kommunikationsleistungen
(Lukowicz et al. 2004; Fleisch, Michahelles
2007) sowie
c) computerisierte Implantate
gezählt werden. Des Weiteren weisen Perva-
sive Computing Systeme in der Regel eine
spezifische Form der „Intelligenz“ auf, indem
sie den Kontext der Anwendung erkennen und
darauf reagieren („context awareness“) (Loke
2006; Bricon-Souf, Newman 2007; Kunze et
al. 2008) oder Leistungen der Entscheidungs-
unterstützung bieten. Dadurch grenzen sich
Pervasive-Computing-Systeme gegenüber Sys-
temen ab, bei denen Daten lediglich übertragen
werden und auf die Verarbeitung des Kontextes
verzichtet wird. Ferner erbringen Pervasive-
Computing-Systeme in der Regel ihre Haupt-
leistungen der Datenverarbeitung und -über-
tragung automatisiert, ohne menschliche Ak-
teure zwingend einzubeziehen.
1.2 Funktionen und Potenziale des
Pervasive Computing in der
medizinischen Versorgung
Durch die ubiquitäre Bereitstellung der analyti-
schen, diagnostischen, informierenden oder
dokumentierenden Funktionen wird Pervasive
Computing als geeignet eingeschätzt, Leistun-
gen der medizinischen Versorgung und Pflege
zu verbessern (Bott et al. 2005; Mattila et al.
2007; Wan, Taveras 2007). Beispielsweise kön-
nen mit den Fähigkeiten der automatisierten
Fern- und Selbstüberwachung sowie -diagnose
für Patienten die Möglichkeiten der häuslichen
Pflege und medizinischen Versorgung verbes-
SCHWERPUNKT
Seite 6 Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis Nr. 1, 17. Jg., Mai 2008
sert werden, ebenso aber auch die der Selbstver-
sorgung oder der unabhängigen Lebensführung
im Alter (z. B. Korhonen et al. 2003).
Ferner kann die Effizienz und Effektivität
der medizinischen Leistungserbringer mit der
automatisierten Dokumentation von Aktivitäten,
der automatisierten Steuerung von Arbeitspro-
zessen sowie durch die adäquate Informations-
versorgung in spezifischen Arbeitssituationen
erhöht werden. Beispielsweise wird mit dem
RFID-Einsatz auf Medikamenten versucht, Me-
dikamentierungsfehler zu vermindern (Bonnabry
2005). In diesem Zusammenhang kann auch
erwartet werden, dass Pervasive Computing zum
Abbau der redundanten Datenerfassung sowohl
in (teils mehreren) elektronischen als auch Pa-
pierversionen beitragen kann (Haux 2006).
Des Weiteren wird dem Einsatz von Perva-
sive-Computing-Systemen in Krankenhäusern
ein hohes Nutzenpotenzial zugeschrieben, da sie
mit den oben genannten Merkmalen die beson-
deren Arbeitsbedingungen des Krankenhausper-
sonals unterstützen können: Zu diesen Arbeits-
bedingungen gehören insbesondere hohe Mobi-
lität und ausgeprägte Kooperation bei der Leis-
tungserbringung, die Nutzung verschiedenster
und räumlich verteilter Geräte sowie ein ständi-
ges Wechseln zwischen verschiedenen Aktivitä-
ten (Bardram et al. 2007). Mit der Einführung
von Pervasive-Computing-Systemen wird nicht
zuletzt eine Veränderung der Art der medizini-
schen Leistungserbringung im Sinne des „any-
where and anytime“ erwartet, wobei die An-
wendung im Gesundheitswesen zunehmend mit
dem Begriff „Pervasive Healthcare“ bezeichnet
wird (Varshney 2003; Korhonen, Bardram
2004; Muras et al. 2006).
Einen Einblick in den aktuellen Stand der
Forschung und Entwicklung sowie möglicher
Anwendungen von Pervasive-Computing-
Systemen in der Medizin und Pflege liefern
auch die beiden Veranstaltungsberichte zur
„Pervasive Health“-Konferenz (Tampere, Finn-
land, 2008) und zum „Ambient Assisted Li-
ving“-Kongress (Berlin, 2008) in der Rubrik
„Tagungsberichte“ dieses Heftes.
1.3 Erforschung und Diskussion von
Technikfolgen
Neben den diversen Anwendungsgebieten
wurden bereits früh die sozialen, ökonomi-
schen, ökologischen oder ethischen Implikatio-
nen von Pervasive Computing diskutiert (Stone
2003; Bohn et al. 2004; Bohn et al. 2005; Brey
2005). Mittlerweile liegt dazu auch eine Reihe
von TA- bzw. TA-ähnlichen Projekten vor, wie
beispielsweise
das Projekt der TA Swiss zu den Umwelt-
und Gesundheitsfolgen (Hilty et al. 2003;
Hilty et al. 2004) bzw.
zu den allgemeinen gesellschaftlichen Aus-
wirkungen (Kenny 2006),
Teile das Stuttgarter NEXUS-Projekts (Hee-
sen et al. 2005),
das BMBF-Projekt TAUCIS (Bizer et al.
2006),
die BSI-Studie PerCEntA zu Sicherheits-
und Datenschutzaspekten (Gabriel et al.
2006),
das EU-Projekt SWAMI (Friedewald et al.
2007; Wright et al. 2008)1 oder
der Schweizer Risikodialog (Meier, Stiftung
Risiko-Dialog 2006).
Vereinzelt und ansatzweise werden die poten-
ziellen Nutzen und Nebenwirkungen von Per-
vasive Computing auch speziell im Gesund-
heitswesen aufgezeigt. In diesem Kontext ist
das im Folgenden beschriebene Projekt Per-
CoMed zu sehen.
2 Das PerCoMed-Projekt
Mit dem Projekt „Pervasive Computing in der
vernetzten medizinischen Versorgung“ (Per-
CoMed) sollten insbesondere die Chancen und
Risiken von Pervasive Computing im Gesund-
heitswesen sowie entsprechende Treiber und
Barrieren für Innovation und Diffusion unter-
sucht werden. Zu den wichtigsten Elementen
des Projekts zählten die Fallstudien „Stroke
Angel“ und „MS Nurses“, Fokusgruppenge-
spräche, Benutzerakzeptanzanalysen, die Analy-
se der internationalen Literatur, Stakeholder-
und Trendanalysen sowie die Analyse von Fi-
nanzierungsformen im deutschen Gesundheits-
wesen. Ferner diente im Projekt ein Experten-
workshop (siehe PerCoMed Projekt 2007) sowie
ein Anwendertag auf der Messe „Medica“ (siehe
PerCoMed Projekt 2008) zur Gewinnung und
zum Austausch von Praxiserfahrungen sowie
zur Vermittlung von Projektergebnissen. Über-
SCHWERPUNKT
Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis Nr. 1, 17. Jg., Mai 2008 Seite 7
greifende Kernergebnisse des Projektes werden
in diesem Schwerpunktheft zusammengeführt –
für detaillierte Darstellungen sei auf die angege-
bene Literatur der Partner auf der Projektweb-
seite (http://www.percomed.de/) verwiesen, auf
der auch die Ansprechpartner für die direkte
Kontaktaufnahme aufgeführt sind.
Das Projekt wurde von Dezember 2005
bis Februar 2008 im Bereich „Innovations- und
Technikanalyse“ (ITA) vom Bundesministeri-
um für Bildung und Forschung finanziell unter-
stützt (BMBF-Förderkennzeichen 16I1546). Zu
den Projektpartnern zählten die nachfolgenden
Forschungseinrichtungen:
Institut für Zukunftsstudien und Technolo-
giebewertung (IZT), Berlin
FZI Forschungszentrum Informatik, Karls-
ruhe
Institut für Technikfolgenabschätzung und
Systemanalyse (ITAS), Forschungszentrum
Karlsruhe
Ferner waren die Praxispartner, die Neurologi-
sche Klinik Bad Neustadt a. d. Saale der Rhön-
Klinikum AG und die n-tier construct GmbH,
dem Projekt assoziiert. An der Neurologischen
Klinik wurden die beiden Fallstudien durchge-
führt. Beide Partner standen auch für Fachge-
spräche zur Verfügung.
3 Die Artikel des Schwerpunktheftes
Der erste Beitrag „Der Umgang mit Barrieren
bei der Einführung von Pervasive Computing.
Ein Literaturüberblick“ im Schwerpunkt gibt
in verkürzter und übersetzter Form die Ergeb-
nisse einer systematischen Analyse der interna-
tionalen Literatur zu Pervasive-Computing-
Systemen in der Gesundheitsversorgung wieder
(Orwat et al. 2008). Neben organisatorischen
und datenschutzrechtlichen Problemen, die in
der Literatur gefunden wurden, kann der Leser
in der Darstellung von Gräfe, Orwat und
Faulwasser einen Überblick über die Einsatz-
felder von Pervasive Computing Systemen
erhalten. Dabei lassen sich die am häufigsten
anzutreffenden Systeme in fünf Typen von
Pervasive Computing Systemen unterteilen:
1. Monitoring von Patienten im Heimbereich
und unterwegs (z. B. mittels ubiquitärer
IKT-Infrastrukturen in „Smart Homes“ oder
mit Hilfe von „Wearables“ wie mobilen,
Alarm gebenden Blutdruckmessgeräten),
2. Monitoring von Patienten im stationären
Bereich (z. B. Erfassung und Auswertung
von Vitalparametern mittels mobiler Geräte
während oder nach Operationen),
3. Monitoring in Pflegeeinrichtungen (z. B.
durch verteilte Sensoren oder Bilderken-
nung zur Erkennung und Alarmierung bei
Stürzen),
4. ubiquitäre Informationssysteme für das
Personal in medizinischen Einrichtungen
(z. B. Tablet-PCs oder Personal Digital As-
sistants für Rettungskräfte, Ärzte oder
Krankenschwestern zur Datenverwaltung
auf den Stationen) oder
5. ubiquitäre Informationssysteme für die Lo-
gistik (z. B. RFID-Systeme für Medikamen-
te, Blutkonserven oder Krankenhausbetten).
Die Literaturanalyse zeigte auch, dass die meis-
ten Systeme in der Experimental- oder Proto-
typstufe beschrieben wurden, was zu Schluss-
folgerungen führte, dass Barrieren für die Imp-
lementierung von Pervasive-Computing-Sys-
temen in den medizinischen Regelbetrieb be-
stehen. Derartige Barrieren standen im Fokus
des Projekts PerCoMed, insbesondere wurden
diese in den beiden Fallstudien untersucht.
In den Fallstudien „Stroke Angel“ und „MS
Nurses“, die Anwendungsfälle aus den obigen
Kategorien (1), (2) und (4) umfassen, wurden
reale Anwendungsfälle mittels geeigneter Tech-
nologien ausgestattet, die Anwendung selbst
wissenschaftlich analysiert und die Akzeptanz
der Lösungen aufseiten einer Vielzahl von Sta-
keholdern (u. a. mittels Fokusgruppen und Be-
nutzerakzeptanzanalyse) untersucht. Ein wesent-
licher Schwerpunkt lag auf der Identifikation der
wichtigsten „Stakeholder“ sowie spezifischer
Interessenkonflikte und Risiken im Themenfeld.
Es wurde untersucht, inwieweit die verschiede-
nen Stakeholder die Einführung und Umsetzung
von pervasiven Technologien in der medizini-
schen Versorgung fördern und / oder hemmen
können. Insbesondere mit der Beobachtung
praktischer Einführungsprozesse und der tägli-
chen Nutzung der Technologien in den Fallstu-
dien wurde die Bewertung von ursprünglich
aufgestellten Thesen im Sinne einer Generalisie-
rung der getroffenen Aussagen versucht. Dabei
haben sich die Thesen auf die Implementierun-
gen des Pervasive Computing in der medizini-
SCHWERPUNKT
Seite 8 Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis Nr. 1, 17. Jg., Mai 2008
schen Versorgung und deren Folgen bezogen.
Es stellte sich bei den Fallstudien als besonders
wertvoll heraus, dass in ihnen nicht nur die di-
rekten Projekt- und Praxispartner einbezogen
wurden, sondern auch weitere Einrichtungen
und Unternehmen, die die Forschungsarbeit
begleiteten oder praktisch unterstützten. Zu die-
sen Einrichtungen gehörten das Bayerische Rote
Kreuz, Bad Neustadt a. d. Saale, die Stiftung
Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Gütersloh, die
Philips Research, Aachen, und die Neurologie
der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf.
Unter anderem war es dadurch möglich, Er-
kenntnisse der Fallstudien im Kontext der be-
troffenen Sektoren zu beurteilen. Teilweise
wurden mit diesen Einrichtungen Ideen, Kon-
zepte und Lösungsszenarien, aber auch Risiken
und Hindernisse gemeinsam diskutiert, evaluiert
und in wissenschaftlichen Beiträgen publiziert.
Im Rahmen der PerCoMed-Fallstudie
„Stroke Angel“ wurde der Einsatz von Pervasi-
ve-Computing-Technologien zur Verbesserung
des Informationsmanagements an der präkli-
nisch-klinischen Schnittstelle in der Schlagan-
fallversorgung evaluiert. Im Beitrag „Sekto-
renübergreifendes Informationsmanagement im
Gesundheitswesen – Neue Wege durch Perva-
sive Computing“ von Holtmann, Rashid, Mül-
ler-Gorchs, Ziegler, Griewing und Kögerl wer-
den die Ergebnisse vorgestellt und die Bedeu-
tung von Pervasive Computing für ein sekto-
renübergreifendes Informationsmanagement
diskutiert. Dabei wird vor allem auf das Prob-
lem schwer integrierbarer Leistungsketten ein-
gegangen. Während in anderen Branchen die
Leistungs- bzw. Prozessoptimierungen über die
gesamte Wertschöpfungskette ein viel beachte-
tes Thema sind, scheitern – so die Autoren –
integrierte Betrachtungen im Gesundheitswe-
sen häufig noch an institutionellen, regulatori-
schen und mithin auch regionalen Grenzen. Die
Fallstudie „Stroke Angel“ zeigte unter ande-
rem, dass sektorenübergreifende Lösungen
zwar ein hohes medizinisches Potenzial haben
können, dass die herrschenden Rahmenbedin-
gungen das Zustandekommen derartiger Lö-
sungen aber sowohl für die Technologieanbie-
ter als auch die Nutzer nicht erleichtern. Ob-
wohl gezeigt werden konnte, dass die bessere
Verfügbarkeit entscheidungsrelevanter Daten
durch den Einsatz pervasiver Technologien zu
einer qualitativen Verbesserung der medizini-
schen Versorgung führt, legt der Beitrag jedoch
auch dar, dass die Schaffung von Informations-
transparenz in ihren unterschiedlichsten Facet-
ten und über die verschiedenen Stufen der
Wertschöpfungskette noch eine wesentliche
Forderung an Politik, Technologielieferanten,
Gesundheitsdienstleister und Patienten ist.
In der zweiten Fallstudie „MS Nurses“
wurde untersucht, inwieweit Pervasive Com-
puting bei der Behandlung und Therapie von
Patienten mit Multipler Sklerose unterstützend
wirken kann. Hierfür wurde eine medizinische
Studie initiiert, bei der ein mit Sensoren aus-
gestatteter Gürtel, der actibelt®, erprobt wird.
Diese Studie ist gegenwärtig noch nicht abge-
schlossen. Mit seiner Hilfe sollen durch eine
kontinuierliche, alltagstaugliche Bewegungs-
messung Gehstörungen und Aktivitätsbeein-
trächtigungen frühzeitig erkannt werden, um
langfristig die Therapie zu verbessern. In einem
interdisziplinären Ansatz wurde der klinische
Einsatz der actibelt-Technologie im Hinblick
auf medizinische, soziotechnische und ökono-
mische Aspekte evaluiert. Die Ergebnisse die-
ser Studie werden in dem Beitrag „Mobiles
Aktivitätsmonitoring für ambulante Dienstleis-
tungen im Gesundheitswesen. Analyse auf Ba-
sis der klinischen Fallstudie ‚MS Nurses’“ von
Rashid und Holtmann vorgestellt. Die Ergeb-
nisse sollen auch als Ausgangsbasis für den
breiten Einsatz innovativer Technologien in der
medizinischen Aktivitätsanalyse dienen und
dazu beitragen, neue Erkenntnisse über die
Anwendung des Pervasive Computing in der
Medizin zu gewinnen.
Technologien des Pervasive Computing
können sich nur dann etablieren, wenn sie auf
Zustimmung und Nachfrage stoßen. Dies gilt
sowohl im Hinblick auf die unmittelbaren Nut-
zer der Technologien als auch für das ökonomi-
sche und gesellschaftliche Umfeld. Nicht selten
werden hohe Beträge fehlinvestiert, weil sich die
Defizite neuer Anwendungen nach deren Ein-
führung als substanziell erweisen. Vor diesem
Hintergrund wurden im PerCoMed-Projekt be-
reits frühzeitig mit Benutzerakzeptanzanalysen,
Fokusgruppen, Interviews sowie Workshops
möglichst viele unmittelbar und mittelbar an den
neuen Anwendungen beteiligte Akteure sowie
ergänzend Experten der unterschiedlichsten
wissenschaftlichen Disziplinen einbezogen.
Durch dieses Vorgehen konnten im Projekt si-
SCHWERPUNKT
Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis Nr. 1, 17. Jg., Mai 2008 Seite 9
cher nicht alle identifizierten Kontroversen auf-
gelöst, dafür aber transparent gemacht werden.
Zudem konnten durch die Befragungen signifi-
kante Verbesserungsvorschläge der erprobten
Technologien sowie Vorschläge für die weitere
Technikentwicklung erarbeitet werden. Der
Beitrag „Pervasive Computing als Zukunftsmo-
dell? Chancen und Risiken aus Sicht von Ärzten
und Patienten“ von Wölk, Scheermesser und
Kosow fasst die wesentlichen Erkenntnisse der
Akzeptanzuntersuchungen zu den beiden Fall-
studien „Stroke Angel“ und „MS Nurses“ zu-
sammen, greift die Frage nach den Gestaltungs-
bedingungen auf und generalisiert, soweit mög-
lich, die Ergebnisse.
Im Verlauf des Projekts wurde deutlich,
dass Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu
Systemen des Pervasive Computing für medi-
zinische Anwendungen oft nicht über den Ex-
perimental- oder Prototypstatus hinauskom-
men. In vielen Fällen wurden dafür fehlende
Finanzierungsmöglichkeiten für die anschlie-
ßende Implementierung und Fortführung im
Regelbetrieb verantwortlich gemacht. Daher
wurde eingehend der regulative Rahmen des
deutschen Gesundheitswesens nach Finanzie-
rungs- und Kostenerstattungsmöglichkeiten für
Pervasive-Computing-Systeme in der gesetzli-
chen Krankenversicherung untersucht und da-
bei möglichen Innovations- und Diffusionsbar-
rieren nachgegangen. Der Artikel „Finanzie-
rungsfragen des Pervasive Computing im Ge-
sundheitswesen“ von Orwat und Panova gibt
die Ergebnisse dieser Untersuchung wieder.
Dabei können die besonderen Eigenschaften
von Pervasive-Computing-Systemen die ohne-
hin bestehenden Innovationsbarrieren durch
das Finanzierungssystem noch verstärken.
Der Beitrag „Weit reichende Folgen für
Patienten und Ärzte – Zur Einführung der
Elektronischen Gesundheitskarte“ von Stach-
witz beleuchtet ein zentrales Projekt der Bundes-
regierung im Bereich der Gesundheitstelematik:
die elektronische Gesundheitskarte (eGK). Die
eGK kann zum einen als ein Infrastrukturbau-
stein für Pervasive-Computing-Anwendungen
angesehen werden, denn die Verarbeitung elekt-
ronisch erfasster Patientendaten ist bei einer
Reihe von Pervasive-Computing-Systemen vor-
gesehen. Zum anderen ist sie auch ein Beispiel
für die sektorübergreifende Durchdringung des
Gesundheitswesens mit Informations- und
Kommunikationstechnologien. Obwohl ihre
Entwicklung und Einführung bereits seit 2002
forciert wird, kommt die eGK nicht so recht
voran; ihre Einführung ist aufgrund zahlreicher
technischer und organisatorischer Probleme in
den Feldtests immer wieder verschoben worden.
So gab es nach Angaben der „gematik“, der
Gesellschaft für Telematikanwendungen der
Gesundheitskarte, beispielsweise Probleme mit
dem Zugriff auf die Karten sowie mit dem Ein-
satz des neuen elektronischen Rezeptes (eRe-
zept), das als eine der Hauptanwendungen der
eGK beworben wird. Eine flächendeckende
Versorgung wird daher nunmehr frühestens
Ende 2008 bis 2009 erwartet. Der Beitrag zeigt
eine durchaus skeptische Sicht auf das technolo-
gische Groß- und Referenzprojekt der Bundes-
regierung. So werden u. a. eine ungleiche Ver-
teilung von Kosten und Nutzen des Projekts
sowie fehlende wissenschaftliche Belege zum
medizinischen Nutzen der eGK kritisiert, wor-
aus der Autor den Bedarf nach Technikfolgen-
abschätzung ableitet.
Bereits bei der frühen Entwicklung des
Ubiquitous-Computing- bzw. Pervasive-Com-
puting-Konzepts wurde auf die potenzielle
Gefährdung des Schutzes privater Daten hin-
gewiesen (z. B. Weiser 1991, S. 75). Seitdem
werden Datenschutzfragen parallel zur techni-
schen Forschung und Entwicklung thematisiert
(siehe insbesondere die unter 1.3 aufgeführten
Studien und nach Lösungen gesucht, die so-
wohl technische und organisatorische Konzepte
als auch rechtliche Ansätze umfassen. Im Bei-
trag „Datenschutz bei Pervasive Computing im
Gesundheitswesen“ geht Čas auf die besondere
Sensibilität des Schutzes persönlicher Daten im
Gesundheitsbereich ein. Um die Gefährdungs-
potenziale des Pervasive Computing abzu-
schätzen, vergleicht er systematisch die poten-
ziellen Fähigkeiten des Pervasive Computing
mit den Prinzipien des Datenschutzes, die ins-
besondere mit der OECD-Richtlinie zum
Schutz der Privatsphäre (OECD 1980) etabliert
wurden und ihren Niederschlag im europäi-
schen und deutschen Datenschutzrecht fanden.
Nicht nur der Schutz der persönlichen Da-
ten ist ein ethisches Problem. Der Beitrag „Ethi-
sche Fragen des Pervasive Computing im Ge-
sundheitswesen“ diskutiert die Bereiche „Si-
cherheit“, „Autonomie“ und „Gerechtigkeit“,
die aus der Sicht von Autor Siep zu den wich-
SCHWERPUNKT
Seite 10 Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis Nr. 1, 17. Jg., Mai 2008
tigsten zählen, in denen ethische Abwägungen
notwendig sind. Einerseits könne die Sicherheit
in der medizinischen Versorgung mit Pervasive-
Computing-Systemen verbessert werden, weil
z. B. Informationsfehler technisch reduziert
werden können. Andererseits könnten neue
technische Defekte, Bedienungsfehler und ein
zu großes Maß an präventiven Einstellungen
auftreten. Im Bereich Autonomie stehe die mög-
liche Verbesserung der autonomen Lebensfüh-
rung bei Krankheit und im Alter einer Gefähr-
dung der informationellen Selbstbestimmung
gegenüber. Im letzten Bereich Gerechtigkeit
muss – so Siep – zwischen den Möglichkeiten
der Leistungssteigerung und des „Enhancement“
auf der einen Seite und der Gefährdungen der
Chancen- und Verteilungsgerechtigkeit auf der
anderen abgewogen werden.
4 Schlussbetrachtung
Rückblickend kann festgehalten werden, dass
Pervasive-Computing-Systeme erhebliche Po-
tenziale für die Verbesserung der medizini-
schen Versorgung haben können, insbesondere
vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeu-
tung von Prävention und Selbstversorgung und
Forderungen nach Effizienzsteigerungen in
medizinischen Einrichtungen. Dabei zeigt sich
derzeit, dass zwar vielfältige Anwendungsmög-
lichkeiten bestehen, dass allerdings die tatsäch-
liche Einführung in die Regelversorgung eher
schleppend verläuft.
Mit der Analyse der Literatur und insbe-
sondere mit den beiden Fallstudien sollte der
sehr abstrakte Charakter des Pervasive-
Computing-Konzepts in der medizinischen
Versorgung veranschaulicht und für detaillierte
Betrachtungen zugänglich gemacht werden.
Das Hauptziel des Projekts war es, die Chancen
und Risiken der Einführung von Pervasive-
Computing-Systemen in der medizinischen
Versorgung sowie die Bedingungen von Inno-
vation und Diffusion zu untersuchen. Dabei
erwies sich insbesondere das interdisziplinäre
Vorgehen im Projekt als hilfreich, die Innova-
tionsbedingungen im komplexen Netz der be-
troffenen Akteure zu verdeutlichen. Sie werden
vor allem in der Akzeptanz durch das medizi-
nische Personal, der adäquaten Einbeziehung
der betroffenen Akteure sowie bei Fragen der
Kostenerstattung gesehen.
Nicht zuletzt taucht das Finanzierungs-
problem auch bei der elektronischen Gesund-
heitskarte auf, die als Basisinfrastruktur für
IKT-Anwendungen einschließlich Pervasive-
Computing-Systemen in der Medizin angese-
hen werden kann. Ferner sind bei neuen An-
wendungen des Pervasive Computing die Fra-
gen des Datenschutzes bei Patienten und Per-
sonal sowie weitere ethische Fragen zu Sicher-
heit, Autonomie oder Chancengleichheit noch
weitgehend ungeklärt und erfordern somit wei-
tere Betrachtungen.
Anmerkungen
1) Wir danken der Neurologischen Klinik Bad
Neustadt a. d. Saale der Rhön-Klinikum AG und
der n-tier construct GmbH an dieser Stelle
nochmals ausdrücklich für die Fachgespräche.
2) Zur Geschichte der Begriffe und zu Abgren-
zungsversuchen siehe beispielsweise Lyytinen
und Yoo (2002) oder Wright et al. (2008).
3) Zu SWAMI siehe auch den Beitrag von Fried-
wald und Lindner in diesem Heft in der Rubrik
„Ergebnisse aus TA-Projekten“
Literatur
Alcañiz, M.; Rey, B., 2005: New Technologies for
Ambient Intelligence. In: Riva, G. et al. (Hg.): Am-
bient Intelligence. The Evolution of Technology,
Communication and Cognition towards the Future
of Human-Computer Interaction. Emerging Com-
munication: Studies on New Technologies and
Practices in Communication 6. Amsterdam, S. 3-15
Banavar, G.; Bernstein, A., 2002: Software infra-
structure and design challenges for ubiquitous com-
puting applications. In: Communications of the
ACM 45/12 (2002), S. 92-96
Bardram, J.E.; Baldus, H.; Favela, J., 2007: Perva-
sive computing in hospitals. In: Bardram, J.E.; Mi-
hailidis, A.; Wan, D. (Hg.): Pervasive Computing in
Healthcare. Boca Raton, FL, S. 49-77
Bizer, J.; Dingel, K.; Fabian, B. et al., 2006: Tech-
nikfolgenabschätzung Ubiquitäres Computing und
Informationelle Selbstbestimmung. Studie im Auf-
trag des Bundesministeriums für Bildung und For-
schung. Kiel, Berlin: Unabhängiges Landeszentrum
für Datenschutz Schleswig-Holstein, Institut für
Wirtschaftsinformatik der Humboldt-Universität zu
Berlin; http://www.taucis.hu-berlin.de/_download/T
AUCIS_Studie.pdf (download 8.5.08)
SCHWERPUNKT
Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis Nr. 1, 17. Jg., Mai 2008 Seite 11
Bohn, J.; Coroama, V.; Langheinrich, M. et al.,
2004: Living in a world of smart everyday objects –
Social, economic, and ethical implications. In: Hu-
man and Ecological Risk Assessment 10/5 (2004),
S. 763-785
Bohn, J.; Coroama, V.; Langheinrich, M. et al.,
2005: Social, Economic, and Ethical Implications of
Ambient Intelligence and Ubiquitous Computing. In:
Weber, W.; Rabaey, J.; Aarts, E. (Hg.): Ambient
Intelligence. Berlin, S. 5-29; http://www.vs.inf.ethz.
ch/publ/papers/socialambient.pdf (download 8.5.08)
Bonnabry, P., 2005: Information technologies for
the prevention of medication errors. In: Chimia 59/6
(2005), S. 359-361
Bott, O.J.; Ammenwerth, E.; Brigl, B. et al., 2005:
The challenge of ubiquitous computing in health
care: Technology, concepts and solutions – Findings
from the IMIA Yearbook of Medical Informatics
2005. In: Methods of Information in Medicine 44/3
(2005), S. 473-479
Brey, P., 2005: Freedom and Privacy in Ambient
Intelligence. In: Ethics and Information Technology
7/3 (2005), S. 157-166
Bricon-Souf, N.; Newman, C.R., 2007: Context
awareness in health care: A review. In: International
Journal of Medical Informatics 76/1 (2007), S. 2-12
Brown, I.; Adams, A.A., 2007: The ethical chal-
lenges of ubiquitous healthcare. In: International
Review of Information Ethics 8/12 (2007), S. 53-60
Fleisch, E.; Michahelles, F., 2007: Messen und
Managen – Bedeutung des Ubiquitous Computing
für die Wirtschaft. In: Mattern, F. (Hg.): Die Infor-
matisierung des Alltags. Leben in smarten Umge-
bungen. Berlin, S. 145-159
Friedewald, M.; Vildjiounaite, E.; Punie, Y. et al.,
2007: Privacy, identity and security in ambient
intelligence: A scenario analysis. In: Telematics and
Informatics 24/1 (2007), S. 15-29
Gabriel, P.; Bovenschulte, M.; Hartmann, E. et al.,
2006: Pervasive Computing: Entwicklungen und
Auswirkungen. Bonn: Bundesamt für Sicherheit in
der Informationstechnik; http://www.bsi.bund.de/
literat/studien/percenta/Percenta_bfd.pdf (download
8.5.08)
Hansen, T.R.; Bardram, J.E.; Soegaard, M., 2006:
Moving Out of the Lab: Deploying Pervasive Tech-
nologies in a Hospital. In: IEEE Pervasive Comput-
ing 5/3 (2006), S. 24-31
Haux, R., 2006: Health information systems – past,
present, future. In: International Journal of Medical
Informatics 75/3-4 (2006), S. 268-281
Heesen, J.; Hubig, Chr.; Siemoneit, O. et al., 2005:
Leben in einer vernetzten und informatisierten Welt.
Context-Awareness im Schnittfeld von Mobile und
Ubiquitous Computing. Nexus-Schriftenreihe, Stutt-
gart: Universität Stuttgart, Sonderforschungsbereich
SFB 627 Nexus; http://www.uni-stuttgart.de/philo/
index.php?id=65&no_cache=1&file=337&uid=761
(download 8.5.08)
Hilty, L.; Behrendt, S.; Binswanger, M. et al., 2003:
Das Vorsorgeprinzip in der Informationsgesell-
schaft. Auswirkungen des Pervasive Computing auf
Gesundheit und Umwelt. Studie des Zentrums für
Technologiefolgen-Abschätzung, Bern: TA-SWISS;
http://www.ta-swiss.ch/a/info_perv/2003_46_
pervasivecomputing_d.pdf (download 8.5.08)
Hilty, L.M.; Som, C.; Kohler, A., 2004: Assessing
the human, social, and environmental risks of per-
vasive computing. In: Human and Ecological Risk
Assessment 10/5 (2004), S. 853-874
Kenny, L., 2006: Exploring the Business and Social
Impacts of Pervasive Computing. Zurich: IBM Zu-
rich Research Laboratory, Swiss Re Centre for
Global Dialogue, TA-SWISS; Published by Swiss
Reinsurance Company; http://www.ta-swiss.ch/a/info
_perv/060506_DIV__Pervasive_computing_brochur
e_e.pdf (download 8.5.08)
Korhonen, I.; Bardram, J.E., 2004: Guest Editorial.
Introduction to the Special Section on Pervasive
Healthcare. In: IEEE Transactions on Information
Technology in Biomedicine 8/3 (2004), S. 229-234
Korhonen, I.; Parkka, J.; Van Gils, M., 2003:
Health monitoring in the home of the future. In:
IEEE Engineering in Medicine and Biology Maga-
zine 22/3 (2003), S. 66-73
Kunze, C.; Holtmann, C.; Schmidt, A. et al., 2008:
Kontextsensitive Technologien und Intelligente Sen-
sorik für Ambient-Assisted-Living-Anwendungen. 1.
Deutscher Kongress „Ambient Assisted Living“
(AAL 08), Berlin
Loke, S.W., 2006: Context-aware artifacts: two
development approaches. In: IEEE Pervasive Com-
puting 5/2 (2006), S. 48-53
Lukowicz, P.; Kirstein, T.; Troster, G., 2004: Wear-
able systems for health care applications. In: Methods
of Information in Medicine 43/3 (2004), S. 232-238
Lyytinen, K.; Yoo, Y.J., 2002: Issues and challenges
in ubiquitous computing. In: Communications of the
ACM 45/12 (2002), S. 62-65
Mattila, E.; Korhonen, I.; Saranummi, N., 2007:
Mobile and personal health and wellness manage-
ment systems. In: Bardram, J.E.; Mihailidis, A.;
Wan, D. (Hg.): Pervasive Computing in Healthcare.
Boca Raton, S. 105-134
Meier, K.; Stiftung Risiko-Dialog, 2006: Stakehol-
der-Dialog II über Pervasive Computing. Aussich-
ten und Einsichten. riskDOK 004. Fakten aus dem
Risiko-Dialog, St. Gallen: Stiftung Risiko-Dialog;
http://www.ictswitzerland.ch/files/webcontent/news
/riskDOK004.pdf (download 8.5.08)
Muras, J.A.; Cahill, V.; Stokes, E.K., 2006: A Tax-
onomy of Pervasive Healthcare Systems. 1st Interna-
SCHWERPUNKT
Seite 12 Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis Nr. 1, 17. Jg., Mai 2008
tional Conference on Pervasive Computing Tech-
nologies for Healthcare 2006, Innsbruck, Austria,
November 2006; http://ieeexplore.ieee.org/iel5/42051
39/4205140/04205171.pdf?tp=&isnumber=&arnumb
er=4205171 (download 8.5.08)
OECD – Organisation for Economic Co-operation
and Development, 1980: OECD Guidelines on the
Protection of Privacy and Transborder Flows of Per-
sonal Data. Paris; http://www.oecd.org/document/18/
0,3343,en_2649_34255_1815186_1_1_1_1,00.html
(download 8.5.08)
Orwat, C.; Graefe, A.; Faulwasser, T., 2008: To-
wards Pervasive Computing in Healh Care – A
Literature Analysis. In: BMC Medical Informatics
and Decision Making (eingereicht)
PerCoMed Projekt, 2007: Bericht zum PerCoMed-
Expertenworkshop. PerCoMed Report (Projekt Per-
CoMed – Pervasive Computing in der medizinischen
Versorgung), Karlsruhe: ITAS im Forschungszent-
rum Karlsruhe; http://www.percomed.de/images/sto
ries/expertenworkshop/percomed_workshopbericht_f
inal.pdf (download 8.5.08)
PerCoMed Projekt, 2008: Intelligent, vernetzt,
mobil, alltagstauglich – Technologien der Zukunft
für die medizinische Versorgung von heute. Kurz-
zusammenfassung des Abschlussworkshop des
Forschungsprojektes „PerCoMed – Pervasive Com-
puting in der vernetzten medizinischen Versorgung“
Medica Media 2007, Düsseldorf, 16.11.2007. Per-
CoMed Report (Projekt PerCoMed – Pervasive
Computing in der medizinischen Versorgung),
Karlsruhe und Berlin: ITAS im Forschungszentrum
Karlsruhe; Forschungszentrum Informatik; Institut
für Zukunftsstudien und Technologiebewertung;
http://www.percomed.de/images/stories/medica200
7/percomed_bericht_zum_medicamedia_workshop.
pdf (download 8.5.08)
Rigby, M., 2006: Ubiquitous technologies in health:
new challenges of opportunity, expectation, and
responsibility. In: Studies in Health Technology and
Informatics 124 (2006), S. 65-70
Rigby, M., 2007: Applying emergent ubiquitous
technologies in health: The need to respond to new
challenges of opportunity, expectation, and respon-
sibility. In: International Journal of Medical Infor-
matics 76/Supp. 3 (2007), S. S349-S352
Saha, D.; Mukherjee, A., 2003: Pervasive comput-
ing: a paradigm for the 21st century. In: IEEE
Computer 36/3 (2003), S. 25-31
Satyanarayanan, M., 2001: Pervasive computing:
vision and challenges. In: IEEE Personal Communi-
cations 8/4 (2001), S. 10-17
Stone, A., 2003: The dark side of pervasive comput-
ing. In: IEEE Pervasive Computing 2/1 (2003), S. 4-8
Varshney, U., 2003: Pervasive healthcare. In: IEEE
Computer 36/12 (2003), S. 138-140
Wan, D.; Taveras, L.E., 2007: The business of per-
vasive healthcare. In: Bardram, J.E.; Mihailidis, A.;
Wan, D. (Hg.): Pervasive Computing in Healthcare.
Boca Raton, FL, S. 275-298
Weiser, M., 1991: The Computer for the 21st Cen-
tury. Specialized elements of hardware and soft-
ware, connected by wires, radio waves and infrared,
will be so ubiquitous that no one will notice their
presence. In: Scientific American (International
Edition) 265/3 (1991), S. 66-75
Wright, D.; Gutwirth, S.; Friedewald, M. et al.
(Hg.), 2008: Safeguards in a World of Ambient
Intelligence. Heidelberg
Kontakt
Dr. Carsten Orwat
Institut für Technikfolgenabschätzung und System-
analyse (ITAS)
Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-
Gemeinschaft
Postfach 36 40, 76021 Karlsruhe
Tel.: +49 (0) 72 47 / 82 - 61 16
E-Mail: orwat@itas.fzk.de
« »
... Ambient Assisted Living (AAL) applications provide an immense potential for enhancing medical homecare, especially in the light of an increased importance of early detection and preventive care [31]. Remote patient monitoring does not only enable effective therapy support and the detection of abnormal conditions in an early state, it also proofed to contribute to a significant reduction of hospitalization and an increased success in long-term therapies [4][5] [49]. ...
... With respect to existing AAL prototypes and research demonstrators, it seems to be helpful to distinguish among the following five types of devices: mobile devices, smart artefacts, wearables, implants, and robots. Similar classification schemes are proposed by Orwat et al. [31] and Muras et al. [29]. The following sections provide a short description as well as exemplary systems for each device category. ...
Conference Paper
Full-text available
Research in the field of Ambient Assisted Living gained considerable momentum over the last decade and the diversity of existing applications is matched by a broad variety of implementation approaches. This paper takes a closer look at existing work in this field and provides a structured overview over state-of-the-art implementation concepts.
... UbiComp-Technologien können in zahlreichen Bereichen des Gesundheitswesens zum Einsatz kommen, um Mediziner, Pflegepersonal und Patienten zu unterstützen und zu begleiten. Bei den Anwendungen von UbiComp im Gesundheitsbereich kann man zwei Typen unterscheiden [4,5] [10,11]. Heutige Systeme zum integrierten Patienten-bzw. ...
Article
The steady progress of microelectronics, communications and information technology will enable the realisation of the vision for "ubiquitous computing" where the Internet extends into the real world embracing everyday objects. The necessary technical basis is already in place. Due to their diminishing size, constantly falling price and declining energy consumption, processors, communications modules and sensors are being increasingly integrated into everyday objects today. This development is opening up huge opportunities for both the economy and individuals. In the present paper we discuss possible applications, but also technical, social and economic barriers to a wide-spread use of ubiquitous computing in the health care sector. .
Chapter
Primär ist die Gesundheit als individuelles Gut zu betrachten, das von einem Individuum nachgefragt wird und einen direkten Nutzen bringen soll. Die Allgemeinheit profitiert von einem guten Gesundheitszustand über die Leistungsfähigkeit des einzelnen Menschen - insbesondere durch dessen Arbeit, Steuern und Beiträge. Im Gegensatz dazu stehen Opportunitätskosten und direkte Kosten, die einem Kranken, aber vor allem der Gesellschaft durch Arbeitsunfähigkeit, Invalidität oder frühzeitigen Tod entstehen (vgl. Oberender et al. 2006:23).
Book
Especially in industrial countries the portion of elderly people is growing in many societies. Their needs are more intensified than the demands of younger people in many aspects. Companies need the right tools (e.g. market research methods for elderly people) to detect these needs, preferences, and demands of elderly people. Samah Abu-Assab verifies two existing research methods and suggests a new one for determining the preferences of elderly people. The new method seems to be promising and adequate for the elderly target group. © 2012 Gabler Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden. All rights are reserved.
Chapter
Full-text available
Erfolgreiche Innovatoren sind in der Lage, neue technische Möglichkeiten richtig einzuschätzen und konsequent zur Schaffung überzeugender Kunden-nutzen anzuwenden. Einer der wichtigsten technologischen Trends derzeit ist das Internet der Dinge, welches die Vernetzung von Alltagsgegenständen mit dem Internet zum Kern hat. Es bietet eine ideale Basis für datenbasierte Dienstleistungen und eine neue Qualität in der Gestaltung von informationsintensiven Beziehungen von zwischen Personen und Organisationen. Damit kann eine deutlich vielseitigere Integration des „externen Faktors“ in den Dienstleistungsprozess erzielt werden. Kernthese dieses Beitrags ist, dass das Internet der Dinge ein wichtiger technologischer Treiber für die Umsetzung von Serviceinnovationen für neuartige Dienstleistungen im Gesundheitswesen ist. Dazu werden wir kurz die Entstehung und den aktuellen Entwicklungsstand des Internet der Dinge erläutern, und daraus die wesentlichen Treiber für Serviceinnovationen ableiten.
Conference Paper
Full-text available
Research in the field of technology-supported personal care gained considerable momentum over the last 10 to 15 years. This paper provides a comprehensive overview over state-of-the-art research activities in this field by illustrating major projects and research initiatives as well as highlighting successful approaches to Ambient Assisted Living.
Article
Futures studies are the scientific study of possible, desirable, and probable future developments and scope for design, as well as the conditions for these in the past and in the present. Modern futures studies assume that the future is not entirely determinable and that different future developments (‘futures’) are possible and there is scope for design. They are based on the realization that there are indeed a great number of possible futures but that these are not arbitrary. The term ‘Future-oriented Technology Analysis’ refers to potent changes and challenges for futures studies at the interface of technological change with increasingly science-based innovation, attention to societal issues and concerns. Futures Studies and Future-oriented Technology analysis are concerned with complex dynamic systems and processes and engage multiple stakeholders in participatory and interdisciplinary processes to assure distributed understanding and sustainable development. The article discusses principles and context of Futures studies and Futures analyses methodology. It puts forward five core research lines to outline Futures studies contribution to addressing issues in the research area of Internet & Society.
Chapter
Die informationstechnisch basierte Umgestaltung moderner Gesellschaften schreitet fort (vgl. für die im Folgenden genannten Trends Orwat/Grunwald 2005:246f). Die Digitalisierung der Informations- und Kommunikations technologien (IKT) stellt eine Basisinnovation dar, die eine Fülle darauf aufbauender technischer Entwicklungen ermöglicht. Sie erlaubt schnellere Übertragungsgeschwindigkeit, verlustfreie Kopierbarkeit, aber vor allem die leichtere, rechnergestützte Weiterverarbeitung oder leichtere Weiternutzung und Mehrfachverwertung einmal erzeugter Information in unterschiedlichen Kontexten.
Article
The steady progress of microelectronics, communications and information technology will enable the realisation of the vision for “ubiquitous computing” where the Internet extends into the real world embracing everyday objects. The necessary technical basis is already in place. Due to their diminishing size, constantly falling price and declining energy consumption, processors, communications modules and sensors are being increasingly integrated into everyday objects today. This development is opening up huge opportunities for both the economy and individuals. In the present paper we discuss possible applications, but also technical, social and economic barriers to a wide-spread use of ubiquitous computing in the health care sector.
Article
Full-text available
interests, confidence in accuracy and reliability of information, vulnerability, and reciprocity, among other
Article
Full-text available
Visions of Pervasive Computing and ambient intelligence involve integrating tiny microelectronic processors and sensors into everyday objects in order to make them“smart.”Smart things can explore their environment, communicate with other smart things, and interact with humans, therefore helping users to cope with their tasks in new, intuitive ways. Although many concepts have already been tested out as prototypes in field trials, the repercussions of such extensive integration of computer technology into our everyday lives are difficult to predict. This article is a first attempt to classify the social, economic, and ethical implications of this development.
Conference Paper
Full-text available
Die Realisierung von AAL-Szenarien ist technologisch sehr aufwändig: Einerseits werden für die Erfassung von physikalischen Signalen eingebettete Sensoren und hardwarenahe Software-Funktionen benötigt, andererseits müssen Kontext-Informationen auf einer viel höheren Abstraktionsebene modelliert und interpretiert und über geeignete Mechanismen verschiedenen Anwendungen zur Verfügung gestellt werden. Für die Realisierung von AAL-Szenarien müssen diese Ergebnisse nun nahtlos integriert und zu nutzbaren Anwendungen umgesetzt wer-den. Im Beitrag wird beschrieben, wie verschiedene Technologien und Ansätze am FZI im interdisziplinären Forschungsfeld "Kontextsensitive Dienste und Intelligente Umgebungen" integriert werden und so neue For-schungsperspektiven für Ambient Assisted Living Anwendungen eröffnen.
Article
Full-text available
The vision of Pervasive Computing is built on the assumption that computers will become part of everyday objects, augmenting them with information services and enhanced functionality. This article reports on the approach we have used to assess potential side effects of this development on human health and the environment, and the major risks we identified. Social risks such as the risk of conflicts between users and non-users of the technology were also included because of their potential indirect adverse health effects. Assessing a technological vision before it has materi-alized makes it necessary to deal with two types of uncertainty: first, the uncertainty of how fast and to what extent the technology will be taken up and how it will be used; second, the uncertainty of causal models connecting technology-related causes with potential health or environmental effects. Due to these uncertainties, quantitative methods to evaluate expected risks are inadequate. Instead, we developed a "risk filter" that makes it possible to rank risks according to a set of qualitative criteria based on the Precautionary Principle. As the overall result, it turned out that Perva-sive Computing bears potential risks to health, society, and/or the environment in the following fields: Non-ionizing radiation, stress imposed on the user, restriction of consumers' and patients' freedom of choice, threats to ecological sustainability, and dissipation of responsibility in computer-controlled environments.
Chapter
Full-text available
In diesem Beitrag interpretieren die Autoren Ubiquitous-Computing-Technologien, insbesondere RFID, als neues Messinstrument in der Betriebswirtschaft. Bisher müssen Informationssysteme manuell mit Informationen über das reale betriebliche Umfeld versorgt werden. Die Dateneingabe, sei es zu Zwecken der Inventur, der Produktionssteuerung, der Qualitätssicherung oder der Abrechnung von Dienstleistungen etc. ist daher langsam, kostenintensiv und teuer. Mit Ubiquitous Computing erhalten Informationssysteme nun erstmals gleichsam „Augen und Ohren“, mit denen sie ihr physisches Umfeld selbständig, ohne Intervention des Menschen, „sehen“ bzw. messen können. Das Abschätzen der Folgen dieses maschinellen Wahrnehmens („machine sensing“) der realen Welt ist nicht trivial. Denn wie in den Naturwissenschaften gilt auch in der Betriebswirtschaft, dass das genauere Ausmessen eines Phänomens ein neues, besseres Verständnis des Phänomens begründen und somit neue Handhabungsperspektiven eröffnen kann.
Article
Full-text available
Visions of ambient intelligence and ubiquitous computing involve integrating tiny microelectronic processors and sensors into everyday objects in order to make them smart. Smart things can explore their environment, communicate with other smart things, and interact with humans, therefore helping users to cope with their tasks in new, intuitive ways. Although many concepts have already been tested out as prototypes in field trials, the repercussions of such extensive integration of computer technology into our everyday lives are difficult to predict. This contribution is a first attempt to classify the social, economic, and ethical implications of this development.
Chapter
In parallel with the technological advances, there exists a need to reduce the costs of healthcare. The traditional care provisioning process, where the patient is a passive object cared for by healthcare professionals, has been challenged. In response, a new, proactive care paradigm is being introduced in health management, including management of risk factors such as being overweight, prevention of diseases and poor health, care for chronic diseases, and support for independent living.1 In this model, the individual takes a more active role in the decision-making and management of his or her own health, while the health professionals step back into coachlike roles. Having individuals take more responsibility for the management of their health or illnesses allows a reduction in the workload of health professionals and provides an efficient opportunity for the prevention and management of diseases. This approach is especially suited for support by mHealth technologies.
Article
A fundamental measure of progress in computing involves rendering it as an inseparable part of our everyday experience while simultaneously making it disappear [2]. Radical improvements in microprocessor cost-performance ratios have pushed this process forward while drastically reducing computing-device form factors, enabling us to embed computers in many parts of our environments. In 40 years this change has transformed the early large "computing machines" into compact devices that enable, mediate, support, and organize our daily activities.
Article
This paper analyzes ethical aspects of the new paradigm of Ambient Intelligence, which is a combination of Ubiquitous Computing and Intelligent User Interfaces (IUI’s). After an introduction to the approach, two key ethical dimensions will be analyzed: freedom and privacy. It is argued that Ambient Intelligence, though often designed to enhance freedom and control, has the potential to limit freedom and autonomy as well. Ambient Intelligence also harbors great privacy risks, and these are explored as well.
Article
The success of ambient intelligence (AmI) will depend on how secure it can be made, how privacy and other rights of individuals can be protected and how individuals can come to trust the intelligent world that surrounds them and through which they move. This article addresses these issues by analysing scenarios for ambient intelligence applications that have been developed over the last few years. It elaborates the assumptions that promotors make about the likely use of the technology and possibly unwanted side effects. It concludes with a number of threats for personal privacy that become evident.