Pneumococcal vaccination in adults - Background of the current discussion

Article (PDF Available)inDMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift 138(5):185-7 · February 2013with161 Reads
DOI: 10.1055/s-0032-1327411 · Source: PubMed
185
Infektiologie | Commentary
Pneumokokkenimpfung bei Erwachsenen –
Hintergründe der aktuellen Diskussion
Pneumococcal vaccination in adults – background of the current discussion
Aktueller Stand
Pneumokokken sind der häufigste Erreger von am-
bulant erworbener Pneumonie [18], Otitis media
und Sinusitis sowie ein häufiger Erreger von Me-
ningitis und primärer Bakteriämie. Pneumoko-
kenerkrankungen werden in invasive (Nachweis
aus Blutkultur, Liquor und anderen „sterilen“ Ma-
terialien) und nicht-invasive Erkrankungen unter-
teilt. Die höchste Krankheitslast, definiert als Pro-
dukt aus Inzidenz und Letalität, hat die ambulant
erworbene (Pneumokoken-) Pneumonie, die in ca.
10–15-% der Fälle invasiv (mit Bakteriämie) ver-
läuft [24]. Pneumokokken infizieren v.a. Menschen
mit einem geschwächten Immunsystem. Neben
den klassischen Formen der Immunsuppression
gehören hierzu v.a. Kleinkinder (unreifes Immun-
system) und Ältere (Immunoseneszenz).
Derzeit sind in Deutschland zwei Konjugatimpf-
stoffe und ein Polysaccharidimpfstoff zugelassen.
Die beiden Konjugatimpfstoffe enthalten Kapselpo-
lysaccharidantigene von 13 (Prevenar-13®, PCV13)
bzw. 10 (Synflorix
®
, PCV10) der 94 bekannten
Pneumokokken-Serotypen. Der Polysacchardimpf-
stoff (Pneumovax-23
®
, PPV) umfasst 23 Serotypen.
Der Polysaccharidimpfstoff wird als Indikations-
impfung für Erwachsenen und Kinder ab 5 Jahren
mit Ko-Morbiditäten, primären oder sekundären
Immundefekten sowie als Standardimpfung für
alle Erwachsenen ab dem 60. Lebensjahr empfoh-
len. Er induziert eine B-Zell-Antwort mit Bildung
von IgM und IgG ohne immunologisches Gedächt-
nis. Bei Kleinkindern mit einem noch unreifen Im-
munsystem ist die Impfung mit PPV wirkungslos.
Bei den bislang nur für Kinder empfohlenen Konju-
gatvakzinen sind die Kapselpolysaccharide an
hochimmunogene Trägerproteine kovalent gekop-
pelt bzw. konjugiert (bei PCV13 an das Diphtherie-
toxoid CRM197, bei PCV10 an Protein D von H. in-
fluenzae, Diphtherie- und Tetantustoxoid). Da-
durch wird eine zusätzliche T-Zell-Antwort gene-
riert; diese führt zur Bildung von Gedächtniszellen
und zu einem Antikörperklassenwechsel von IgM
zu IgG, zur Bildung sekretorischer Antikörper, die
einen mukosalen Schutz vermitteln, und zur Avidi-
tätsreifung [10]. Ein Nachteil von PCV10 im Ver-
gleich zu PCV13 ist das Fehlen von Serotyp 19A,
dem inzwischen zweithäufigsten Pneumokokken-
serotyp bei invasiven Infektionen im Erwachse-
nenalter. Auch der Serotyp 3, einer der häufigsten
Serotypen der ambulant erworbenen Pneumonie
beim Erwachsenen, ist in PCV10 nicht enthalten.
PPV23: umstrittene Wirksamkeit und
Hyporesponsiveness
Die Wirksamkeit von PPV23 ist umstritten. In einer
Metaanalyse von Huss et al. [6] ergab sich bei Aus-
wertung der methodisch höherwertigen, also ran-
domisierten und verblindeten Studien keine Evi-
denz für eine klinische Wirksamkeit von PPV23.
Nach Metaanalysen reduziert PPV23 die Pneumo-
kokken-Bakteriämie (OR 0,26); sie schützt offenbar
jedoch nicht vor Pneumonie [12]. Diese Daten
konnten für Deutschland in einer aktuellen Unter-
suchung von CAPNETZ bestätigt werden (OR 0,28)
[19]. Lediglich eine japanische Arbeit konnte in ei-
nem randomisierten, doppelblinden und placabo-
kontrollierten Studiendesign eine gute Wirksam-
keit gegen Pneumokokkenpneumonien (bakteriä-
misch und nicht-bakteriämisch) zeigen [6, 11].
Die Antikörpertiter nach einer einmaligen Impfung
mit PPV23 fallen in den ersten 1 – 2 Jahren nach
Impfung rasch wieder ab, stabilisieren sich dann
aber für 5 – 10 Jahre oberhalb des Ausgangsniveaus.
Weitere Auffrischungsimpfungen mit PPV23 führen
zu einer sukzessiven Abnahme des Ansprechens
(„hyporesponsiveness“) [3, 14]. Die klinische Rele-
vanz dieses Phänomens ist derzeit jedoch unklar.
Der Nutzen und mögliche Risiken von hohen Kumu-
lativdosen durch Mehrfachimpfungen mit PPV23
müssen dennoch sorgfältig abgewogen werden. Die
Was ist neu ?
3PPV23: umstrittene Wirksamkeit und Hypo-
responsiveness: Die Wirksamkeit des 23-valen-
ten Polysaccharidimpfstoff (PPV23) ist umstrit-
ten. Metaanalysen bescheinigen einen gewissen
Schutz vor Bakteriämie, nicht jedoch vor Pneu-
monie. Weitere Auffrischungsimpfungen mit
PPV23 führen zu einer Abnahme des Anspre-
chens („hyporesponsiveness“).
3Diskussion um den Einsatz von PCV13 bei
Erwachsenen: Die 13-valente Konjugatvakzine
(PCV 13) ist nun auch für Erwachsene ab 50
Jahre zugelassen, wird aber bislang nur durch
die Sächsische Impfkommission (SIKO) empfoh-
len. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des
Robert-Koch-Instituts empfiehlt weiterhin die
Polysaccharidvakzine, räumt jedoch ein, dass
bei Patienten mit Immundefizienz oder einer
chronischen Nierenerkrankung, bei denen eine
wiederholte Pneumokokkenimpfung zu erwar-
ten ist, eine Impfung mit PCV13 sinnvoll sein
kann. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-
BA) spricht sich für eine Erstattung aus.
M. W. Pletz
1
M. van der Linden
2
J. P. Fobiwe
1
C. Theilacker
3
Infektiologie | Commentary
Infektiologie, Pneumologie
Schlüsselwörter
q
Pneumokokkenimpfung
q
Konjugatvakzine
Keywords
q
pneumococcal vaccination
q
conjugate vaccine
Institut
1
Universitätszentrum für
Infektionsmedizin und
Krankenhaushygiene,
Universitätsklinikum Jena
2
Nationales Referenzzentrum
für Streptokokken, Institut für
Medizinische Mikrobiologie,
Universitätsklinikum
RWTH Aachen
3
Zentrum für Infektiologie und
Reisemedizin, Universitätsklini-
kum Freiburg
Bibliografie
DOI 10.1055/s-0032-1327411
Dtsch Med Wochenschr
00
2013;
138: 185–187 · © Georg Thieme
Verlag KG · Stuttgart · New York
· ISSN 0012-0472
1439-4413
Korrespondenz
Prof. Dr. med. Mathias Pletz
Universitätszentrum für
Infektionsmedizin und
Krankenhaushygiene,
Universitätsklinikum Jena
Erlanger Allee 101
07740 Jena
Tel. 03641/932 4224
Fax 03641/932 4652
eMail mathias.pletz@
med.uni-jena.de
Heruntergeladen von: Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena. Urheberrechtlich geschützt.
186
Infektiologie | Commentary
Dtsch Med Wochenschr 2013; 138: 185–187 · M. W. Pletz et al., Pneumokokkenimpfung bei Erwachsenen …
STIKO empfiehlt seit einigen Jahren, Wie-
derholungsimpfungen mit PPV23 nur noch
bei Patienten mit hohem Erkrankungsrisiko
für eine Pneumokokkeninfektion. Ein weite-
res Problem von PPV23 ist seine unsichere
Immunogenität bei Patienten mit Komorbi-
dität und Immunsuppression, also genau
bei denjenigen Patientengruppen, die ein
besonders hohes Risiko für Pneumokokken-
infektionen haben [13, 19]
.
Diskussion um den Einsatz von
PCV13 bei Erwachsenen
Bis zu 50% der Kleinkinder, insbesondere in
Kindertagesstätten, sind asymptomatische
Träger von Pneumokokken; sie bilden das
Hauptreservoir für die Transmission [1, 2].
Da PCV13 im Gegensatz zu PPV23 auch eine
mukosale Immunität induziert, führte die
Impfung von Kleinkindern zu einer vermin-
derten Kolonisation des Nasopharynx. Nach
Impfung mit PCV7 (dem Vorläufer von
PCV13) kam es in den USA in Folge zu einer
nahezu vollständigen Eradikation der 7 Vak-
zinserotypen bei den geimpften Kindern,
einhergehend mit einer starken Reduktion
invasiver Infektionen durch diese Vakzin-
serotypen bei Erwachsenen über 50 Jahre
entsprechend einem deutlichen Herdenpro-
tektionseffekt [15]. Da die meisten resisten-
ten Pneumokokkenklone einen Vakzinsero-
typ exprimieren, führte deren Eradikation
auch zu einer Reduktion der Antibiotikare-
sistenzraten. Daten des deutschen Nationa-
len Referenzzentrums zeigten 18 Monate
nach Einführung der Konjugatvakzine eine
Reduktion der Makrolidresistenzrate von
30% auf 15% für invasive pädiatrische Isolate
[4]. Auch amerikanische Daten zeigen einen
Rückgang der Resistenzen nach Einführung
der Konjugatvakzine [17, 22].
Da die Vakzinserotypen eine höhere biolo-
gische Fitness aufweisen als die Nicht-Vak-
zin-Serotypen sind „natürliche“ Schwan-
kungen als Ursache dieser Veränderung un-
wahrscheinlich [21]. Untersuchungen zur
Immunogenität von PCV7 haben ferner ge-
zeigt, dass Pneumokokkenkonjugatimpstof-
fe bei Patienten mit internistischer Komor-
bidität und Immunsuppression ein besseres
Impfansprechen aufweisen als PPV und die
Antikörper länger persistieren [13].
Seit Oktober 2011 ist in Europa ein 13-va-
lenter Pneumokokkenkonjugatimpfstoff für
Erwachsene ab 50 Jahre als einmalige Imp-
fung zur Prävention der invasiven Pneumo-
kokkenerkrankungen zugelassen. Da die
Impfung mit dem Konjugatimpfstoff im Ge-
gensatz zur Polysaccharidvakzine mit der
Bildung von Gedächtniszellen einhergeht
[16], ist bei Erwachsenen bislang nur eine
einmalige Impfung mit der Konjugatvakzine
vorgesehen. Ob eine solche einmalige Imp-
fung ausreicht, ist noch unklar.
In Vergleichsstudien war die Einmalimp-
fung mit PCV13 bei älteren Erwachsenen
hinsichtlich der Induktion von funktionel-
len Antikörpern als dem besten Surrogat-
parameter für klinische Effektivität der PPV
nicht unterlegen und für die Mehrzahl der
enthaltenen Serotypen sogar überlegen
[7, 8]. Ob die Konjugatvakzine nun bei Er-
wachsenen eingesetzt werden soll, ist Ge-
genstand einer wissenschaftlichen Diskus-
sion [20], die durch zwei Umstände er-
schwert wird:
1.) Es gibt bisher kaum Daten zur klini-
schen Effektivität der Konjugatvakzine bei
Erwachsenen. In einer Studie an 496 Er-
wachsenen (88% HIV-infiziert) aus Malawi
konnte für PCV7 eine Effektivität von 74%
(95% Konfidenzintervall 30 – 90%) nachge-
wiesen werden [4].
Studien zur Effektivität
gegenüber nicht-bakteriämischen Infektio-
nen beim Erwachsenen wurden bislang
noch nicht publiziert. Für 2013 werden die
ersten Ergebnisse der „CAPITA-Studie“ er-
wartet. Diese niederländische, doppelblin-
de, randomisierte Studie untersucht PCV13
gegenüber Placebo bei 85000 Erwachsenen
ab 65 Jahren. Hierbei soll erstmals nachge-
wiesen werden, dass ein Impfstoff auch
nicht-bakteriämische Pneumokokkenpneu-
monien verhindern kann [5].
2.) Aufgrund der Kinderimpfung bestehen
Herdenprotektionseffekte mit drastischen
Verschiebungen der zirkulierenden Pneu-
mokokkenserotypen und einem insgesamt
abnehmenden Anteil der Vakzinserotypen
auch bei Erwachsenen. Nach der RKI-Senti-
nel-Studie „PneumoWeb“ würden derzeit
49% der invasiven Pneumokokkenerkran-
kungen bei Erwachsenen durch die Imp-
fung mit PCV13 erfasst (Stand 2011, eigene
Beobachtung, M. van der Linden, Nationa-
les Referenzzentrum für Streptokokken,
Aachen).
Basierend auf diesen Fakten sieht die STIKO
in ihrer Stellungnahme zur Zulassung von
PCV13 bei Erwachsenen derzeit keinen
Grund, die bisherige Empfehlung (PPV23 für
alle Erwachsenen ab dem 60. Lebensjahr) zu
ändern. Sie argumentiert: „Ob und wie sich
die beobachtete bessere Immunogenität
von PCV13 bei gleichzeitig schmalerem
Serotypenspektrum auf die klinische
Schutzwirkung angesichts des in Deutsch-
land zirkulierenden Serotypen-Mix aus-
wirkt, kann aufgrund der bisher vorliegen-
den Daten nicht beurteilt werden“ [23]. Al-
lerdings räumt die STIKO ein, dass bei Pati-
enten mit Immundefizienz oder einer
chronischen Nierenerkrankung, bei denen
eine wiederholte Pneumokokkenimpfung
zu erwarten ist, eine Impfung mit PCV13
sinnvoll sein kann.
Im Gegensatz dazu hat sich die
Sächsische
Impfkommission (SIKO)
in ihrer Empfeh-
lung vom 4.11.2011 der Zulassung der Kon-
jugatvakzine bei Erwachsenen angeschlos-
sen (www.slaek.de): Bei Personen über 50
Jahren soll der Konjugatimpfstoff statt der
Polysaccharidvakzine eingesetzt werden:
3
Indikationsimpfung bei Personen ab
50 Jahre: Konjugat-Impfstoff
(Prevenar 13
®
)
3
Standardimpfung bei Personen ab
60 Jahre: Konjugat-Impfstoff
(Prevenar 13
®
)
3
Die Impfung mit 13-valentem Konjugat-
Impfstoff kann ergänzt werden durch eine
Impfung mit 23-valentem PS-Impfstoff.
Begründung: Schutz vor weiteren Pneu-
mokokken-Kapseltypen (Serotypen), die
nur im PS-Impfstoff, nicht aber im Konju-
gat-Impfstoff enthalten sind (23 versus
13). Mindestabstand nach der letzten
Impfung mit Konjugat-Impfstoff für
Personen ab 50 Jahre: 4 Jahre.
3
Der Konjugat-Impfstoff hat einen „Pri-
ming-Effekt“ auf das Immunsystem und
damit auch auf die nachfolgende Applika-
tion des PS-Impfstoffs. Deshalb sollte,
wenn die Anwendung eines 23-valenten
PS-Impfstoffes vorgesehen ist, zuerst der
Konjugat-Impfstoff gegeben werden. Bei
bereits mit PS-Impfstoff geimpften Perso-
nen ist auch eine Nachimpfung mit Konju-
gat-Impfstoff sinnvoll. Mindestabstand:
5 Jahre
3
Die Notwendigkeit einer Wiederholungs-
impfung mit einer nachfolgenden Dosis
des Konjugat-Impfstoffes wurde (bisher)
nicht nachgewiesen.
Klinische Relevanz
Bis auf Ausnahmen wird keine generel-
le Wiederimpfung mit PPV23 empfoh-
len. Eine vorherige Impfung mit PPV23
kann auch die Antikörperantwort eine
späteren Impfung mit PCV13 abschwä-
chen. Das Phänomen der Hyporespon-
siveness verliert sich 10 Jahre nach
Impfung mit PPV23
[25]
.
Heruntergeladen von: Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena. Urheberrechtlich geschützt.
187
Infektiologie | Commentary
Dtsch Med Wochenschr 2013; 138: 185–187 · M. W. Pletz et al., Pneumokokkenimpfung bei Erwachsenen …
3
Beim Polysaccharidimpfstoff sind Wieder-
holungsimpfungen im Abstand von 5
(Erwachsene) bzw. frühestens 3 Jahren
(Kinder unter 10 Jahren) möglich. Begrün-
dung: weiter bestehende Indikation
(Immundefizienz, chronische Krankheiten),
Personen ü
ber 60 Jahre.
Dabei bewirkt die von der SIKO erwähnte
sequenzielle Impfung (Konjugatimpfstoff
gefolgt vom Polysaccharidimpfstoff) wahr-
scheinlich den derzeit besten erhältlichen
Impfschutz. Eine ähnliche Empfehlung gibt
es seit diesem Jahr auch von der amerikani-
schen Impfkommission (AICP) für alle Er-
wachsenen ab 19 Jahre mit eine Immunde-
fizienz (http://www.cdc.gov/vaccines/recs/
provisional/downloads/pcv13-adults-
ic.pdf). Allerdings wird hier ein Abstand von
mindestens 8 Wochen zwischen PCV13 und
PPV23 gefordert. Eine Studie zur Immuno-
genität der sequenziellen Impfung legt au-
ßerdem nahe, dass die initiale Impfung mit
PCV13 die Antikörperantwort einer folgen-
den Impfung mit PPV23 verstärkt [8].
Ob eine solche Impfempfehlung nur für Pa-
tienten mit deutlich erhöhtem Risiko für in-
vasive Pneumokokkenerkrankungen (Indi-
kationsimpfung bei Immundefizienz) oder
für alle Patienten mit erhöhtem Risiko für
Pneumokokkeninfektionen (Standardimp-
fung bei Patienten über 60 Jahre) gegeben
werden kann, muss letztlich unter ethischen
und wirtschaftlichen Gesichtspunkten ent-
schieden werden [9]. Der Gemeinsame Bun-
desausschuss (G-BA) hat sich jüngst trotz
der STIKO-Empfehlung für die Erstattung
der 13-valenten Konjugatimpfung als Stan-
dardimpfung bei Personen ab dem 60. Le-
bensjahr ausgesprochen (http://www.g-
ba.de/downloads/40-268-2088/2012-10-
18_SI-RL_STIKO-Juli2012_TrG.pdf). Der G-
BA sieht die Immunogenitätsdaten als hin-
reichenden Beleg für eine zumindest gleiche
Wirksamkeit an, möchte andererseits die
Bedenken hinsichtlich des eingeschränkten
Serotypenspektrums nicht als Argument
gegen eine Verwendung des Konjugatimpf-
stoffs gelten lassen.
Autorenerklärung: M.W.P. hat Honorare
für Berater- und Vortragstätigkeit von Pfi-
zer erhalten. M.v.d.L hat Forschungsförde-
rung, Berater- und Vortragshonorar von
GSK, Pfizer, Sanofi Aventis MSD und Merck
erhalten. C.T. und J.P.F. erklären, dass keine
potenziellen Interessenkonflikte bestehen.
– Das Universitätszentrum für Infektions-
medizin und Krankenhaushygiene des
Universitätsklinikum Jena wird durch das
BMBF (01KI1204) gefördert.
Literatur
1
Bogaert D et al.
Colonisation by Streptococcus
pneumoniae and Staphylococcus aureus in
healthy children. Lancet 2004; 363: 1871–
1872
2
Dagan R et al.
Reduction of nasopharyngeal
carriage of pneumococci during the second
year of life by a heptavalent conjugate pneu-
mococcal vaccine. J Infect Dis 1996; 174:
1271–1278
3
de Roux A et al.
Comparison of pneumococcal
conjugate polysaccharide and free polysac-
charide vaccines in elderly adults. Clin Infect
Dis 2008; 46: 1015–1023
4
French N et al.
A trial of a 7-valent pneumo-
coccal conjugate vaccine in HIV-infected
adults. N Engl J Med 2010; 362: 812–822
5
Hak E et al.
Rationale and design of CAPITA: a
RCT of 13-valent conjugated pneumococcal
vaccine efficacy among older adults. Neth J
Med 2008; 66: 378–383
6
Huss A et al.
Efficacy of pneumococcal vacci-
nation in adults. CMAJ 2009; 180: 48–58
7
Jackson L et al.
Immunogenicity and safety of a
13-valent pneumococcal conjugate vaccine in
adults 70 years of age and older previously vac-
cinated with 23-valent pneumococcal polysac-
charide vaccine. London, European Conference
on Clinical Microbiology and Infectious Disea-
ses (ECCMID) 2011
8
Jackson L et al.
13-valent Pneumococcal Con-
jugate Vaccine (PCV13) Enhances the Respon-
se to Subsequent PCV13 and 23-valent Pneu-
mococcal Polysaccharide (PPSV23) Vaccina-
tions in Adults 50 Years and Older. Boston,
Annual Meeting of the Infectious Diseases So-
ciety of America (IDSA) 2011
9
Kuhlmann A et al.
Potential cost-effectiveness
and benefit-cost ratios of adult pneumococcal
vaccination in Germany. Health Economics
Rev 2012; 2: 4
10
Kwetkat A, Hagel S, Pletz MW
. Impfungen im
Alter. Der Pneumologe 2012; 9: 1–7
11
Maruyama T et al.
Efficacy of 23-valent pneu-
mococcal vaccine in preventing pneumonia
and improving survival in nursing home resi-
dents. BMJ 2010; 340: c1004
12
Moberley SA et al.
Vaccines for preventing
pneumococcal infection in adults. Cochrane
Database Syst Rev 2008; CD000422
13
Musher DM, Sampath R, Rodriguez-Barradas
MC
. The potential role for protein-conjugate
pneumococcal vaccine in adults: what is the
supporting evidence? Clin Infect Dis 2011;
52: 633–640
14
O'Brien KL, Hochman M, Goldblatt D
. Com-
bined schedules of pneumococcal conjugate
and polysaccharide vaccines: is hyporespon-
siveness an issue? Lancet Infect Dis 2007; 7:
597–606
15
Pilishvili T et al.
Sustained reductions in inva-
sive pneumococcal disease in the era of con-
jugate vaccine. J Infect Dis 2010; 201: 32–41
16
Pletz MW et al.
Pneumokokkenimpfung: Kon-
jugatimpfstoff induziert Herdenimmunitat
und reduziert Antibiotikaresistenz. Dtsch
Med Wochenschr 2008; 133: 358–362
17
Pletz MW et al.
Levofloxacin-resistant invasive
Streptococcus pneumoniae in the United Sta-
tes. Antimicrob Agents Chemother 2004; 48:
3491–3497
18
Pletz MW et al.
Epidemiologie und Erreger bei
ambulant erworbener Pneumonie (CAP).
Dtsch Med Wochenschr 2011; 136: 775–780
19
Pletz MW et al.
The burden of pneumococcal
pneumonia. Experience of the German Com-
petence Network CAPNETZ. Pneumologie
2012; 66: 470–475
20
Pletz MW et al.
Impfungen. Dtsch Med Wo-
chenschr 2011; 136: 2011–2015
21
Rudolf D et al.
International pneumococcal
clones equal or exceed the fitness of other
strains despite the accumulation of antibiotic
resistance. Antimicrob Agents Chemother
2011; 55: 4915–4917
22
Stephens DS et al.
Incidence of macrolide resis-
tance in Streptococcus pneumoniae after int-
roduction of the pneumococcal conjugate vac-
cine. Lancet 2005; 365: 855–863
23 STIKO. Stellungnahme zur Impfung Erwach-
sener gegen Pneumokokken. Epidemiol Bull
2012; 55–56
24
Welte T
. Die Sterblichkeit invasiver Pneumo-
kokkenerkrankungen ist hoch – Tun wir alles,
um die Letalität zu senken? Pneumologie
2012; 66: 523–525
25
Musher D et al.
Antibody persistence 10 years
after 1st and 2nd doses of 23-valent pneumo-
coccal polysaccharide vaccine, and immuno-
genicity and safety of 2nd and 3rd doses in ol-
der adults
.
Human Vaccines 2011; 7: 1–9
Klinische Relevanz
Eine sequenzielle Impfung von PCV13
gefolgt von der Polysaccharidvakzine
wird von der Sächsischen Impfkom-
mission (SIKO) und der amerikani-
schen Impfkommission (AICP) für Im-
munsupprimierte empfohlen. Hierbei
ist auf die richtige Abfolge zu achten,
da eine Vorimpfung mit dem Polysac-
charidimpfstoff die Impfantwort auf
PCV13 beeinträchtigt. Zwischen
PCV13 und Polysaccharidimpfstoff
sollte ein Abstand von mindestens 8
Wochen gehalten werden.
PD Dr. med. Christian
Theilacker
Zentrumr Infektiologie
und Reisemedizin,
Universitätsklinikum Freiburg
Bitte Foto
achreichen!
anke RED
Dr. med. John P. Fobiwe
Universitätszentrum für
Infektionsmedizin und
Krankenhaushygiene,
Universitätsklinikum Jena
Dr. med. Mark van der Linden
Nationales Referenzzentrum für
Streptokokken, Institut für
Medizinische Mikrobiologie,
Universitätsklinikum
RWTH Aachen
Prof. Dr. med. Mathias Pletz
Universitätszentrum für
Infektionsmedizin und
Krankenhaushygiene,
Universitätsklinikum Jena
Heruntergeladen von: Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena. Urheberrechtlich geschützt.