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Wissenschaftlicher Fortschritt in den Wirtschaftswissenschaften: Einige Bemerkungen

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Wissenschaftlicher Fortschritt in den Wirtschaftswissenschaften: Einige Bemerkungen

Abstract

First, the points of view of economists regarding falsificationism, scientific revolutions and scientific research programmes are discussed. Next, hardly debatable scientific progress regarding empirical economic research in recent decades is described. Then it is asked whether there have been scientific revolutions with respect to economic theory or the basic methodology of the economic approach. Taking this term seriously, there have been at best two revolutions since the time of Adam Smith. Today, economists share a common paradigm, which also builds the hard core of their scientific research programme. But while this hard core is hardly questioned, the safety belt is discussed the more. Nevertheless, most today’s economic research can be considered as being ‘normal science’. Even if this kind of research is not without problems, there is no reason to assess it as being of secondary value.
School of Economics and Political Science,
Department of Economics
University of St. Gallen
Wissenschaftlicher Fortschritt in den
Wirtschaftswissenschaften: Einige
Bemerkungen
Gebhard Kirchgässner
April 2011 Discussion Paper no. 2011-16
Editor:
Martina Flockerzi
University of St. Gallen
School of Economics and Political Science
Department of Economics
Varnbüelstrasse 19
CH-9000 St. Gallen
Phone +41 71 224 23 25
Fax +41 71 224 31 35
Email seps@unisg.ch
Publisher:
Electronic Publication:
School of Economics and Political Science
Department of Economics
University of St. Gallen
Varnbüelstrasse 19
CH-9000 St. Gallen
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Fax +41 71 224 31 35
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Wissenschaftlicher Fortschritt in den Wirtschaftswissenschaften:
Einige Bemerkungen1
Gebhard Kirchgässner2
Author’s address:
Prof. Dr. Gebhard Kirchgässner
SIAW-HSG
Bodanstrasse 8
Phone +41 71 224 23 40
Fax +41 71 224 22 98
Email gebhard.kirchgaessner@unisg.ch
Website www.siaw.unisg.ch
1 Vortrag im Rahmen des Internationalen Symposiums „Philosophie und Wirtschaftswissenschaft“ aus Anlass
des 90. Geburtstags von Prof. Hans Albert, Klagenfurt, 3. 5. Februar 2011. Überarbeitete schriftliche Fassung,
März 2011.
2 University of St. Gallen, Swiss Institute for International Economics and Applied Economic Research,
Leopoldina and CESifo.
Abstract
First, the points of view of economists regarding falsificationism, scientific revolutions and
scientific research programmes are discussed. Next, hardly debatable scientific progress re-
garding empirical economic research in recent decades is described. Then it is asked
whether there have been scientific revolutions with respect to economic theory or the basic
methodology of the economic approach. Taking this term seriously, there have been at best
two revolutions since the time of Adam Smith. Today, economists share a common
paradigm, which also builds the hard core of their scientific research programme. But while
this hard core is hardly questioned, the safety belt is discussed the more. Nevertheless, most
today’s economic research can be considered as being ‘normal science’. Even if this kind of
research is not without problems, there is no reason to assess it as being of secondary value.
Keywords
Paradigm, normal science, methodology of scientific research programmes, empirical
economic research.
JEL Classification
B10; B41
1 Einleitung
[1] In wieweit es in den Wirtschaftswissenschaften Fortschritt gibt, ist ein altes Thema,
welches letztlich im 19. Jahrhundert auch der Diskussion zwischen der Historischen Schule
und den ,Österreichern‘ zugrunde lag. Andererseits wird in der ökonomischen Literatur, so-
weit sie sich mit grundlegenden methodologischen Fragen auseinandersetzt, das Problem des
wissenschaftlichen Fortschritts kaum erörtert; es scheint zu selbstverständlich zu sein, dass
derartiger Fortschritt stattfindet. Man befasst sich dann z.B. mit der Rolle von Theorien oder
der Empirie, gelegentlich wie z.B. in den ,Economics of Economics‘ auch mit den Bedingun-
gen, unter denen sich wissenschaftliche Forschung in den Wirtschaftswissenschaften voll-
zieht.
1)
Dabei geht es in jüngerer Zeit vor allem um die Organisation des Wissenschaftsbe-
triebs und dabei insbesondere um Fragen der Publikationen und ihrer Bedeutung im Wissen-
schaftsprozess.
2)
Dabei wird auch gefragt, wie sich die (akademische) Forschung in den Wirt-
schaftswissenschaften in Zukunft weiterentwickeln wird.
3)
Dort, wo die Frage der Produktivi-
tät der Forscher erörtert wird, geht es fast ausschliesslich um Rankings, die sich aus der Zahl
der Publikationen bzw. Zitierungen ergeben.
4)
Fragen nach den Bedingungen für
wissenschaftlichen Fortschritt werden dagegen eher selten erörtert, wenn z.B. (ökonomische)
Wissenschaft als freier Markt für Ideen verstanden und die Zulassung von Pluralismus bezüg-
lich der Methoden und Ansätze gefordert wird.
5)
[2] In allerjüngster Zeit ist die Frage nach dem Fortschritt in den Wirtschaftswissenschaften
sowie insbesondere der Volkswirtschaftslehre jedoch insofern wieder in die Diskussion ge-
kommen, als im Gefolge der Wirtschaftskrise nicht nur die Theorie der Finanzmärkte, son-
dern insbesondere die makroökonomische Theorie in Misskredit geraten ist.
6)
Während man-
che eine Rückkehr zur (keynesianischen) Theorie der siebziger Jahre verlangten, die in der
praktischen Wirtschaftspolitik durch die massiven Konjunkturstützungsprogramme ja auch
zumindest vorübergehend teilweise vollzogen wurde,
7)
forderten in Deutschland eine ganze
Reihe von Ökonomen in einem öffentlichen Apell eine Abkehr von der modernen, von den
1. Zur Economics of Economics siehe z.B. T.
E
GGERTSSON
(1994), B.S.
F
REY
(2000), T.
C
OUPÉ
(2004) sowie
die Beiträge in German Economic Review 9 (2008, Heft 4).
2. Siehe z.B. T.
C
OUPÉ
(2004, S. 200ff.), B.S.
F
REY
(2005) sowie M.
G
RABER
,
A.
L
AUNOV
und K.
W
ÄLDE
(2008).
3. Siehe z.B. B.S.
F
REY
(2010).
4. Siehe z.B. O.
F
ABEL
,
M.
H
EIN
und R.
H
OFMEISTER
(2008) für die Betriebswirtschaftslehre bzw.
die Defini-
tion der „forschungsstärksten Professoren“ im Handelsblatt Ranking der TOP-Fakultäten für Volkswirt-
schaftslehre, http://www.handelsblatt.com/politik/vwl-ranking/handelsblatt-ranking-vwl-2010-wer-
deutschlands-top-oekonomen-sind;2537793 (11/02/11).
5. Siehe z.B. U.
M
ÄKI
(2000). Eine Ausnahme bildet R.E.
B
ACKHOUSE
(1997), der sich u.a. intensiv damit
auseinandersetzt, wann man in der Wirtschaftswissenschaft von Fortschritt reden kann. (Siehe insbesondere
S. 97ff.) Siehe auch J.
S
HEARMUR
(1991),
6. Siehe hierzu z.B. D.
A
CEMOGLU
(2009) sowie die entsprechenden Beiträge im Economist vom 16. Juni
2009 (http://www.economist.com/node/14031376, http://www.economist.com/node/14030288, http://www.
economist.com/node/14030296 (11/02/11).
7. Siehe z.B. P.
K
RUGMAN
, How Did Economists Get It So Wrong, New York Times vom 6. September 2009.
(http://www.nytimes.com/2009/09/06/magazine/06Economic-t.html (11/02/11).)
– 2 –
angelsächsischen Ländern dominierten empirisch-quantitativen Ausrichtung der Volkswirt-
schaftslehre und eine Rückkehr zur deutschen Ordnungsökonomik, die im Gegensatz zur mo-
dernen Ökonomik weitgehend ohne Mathematik auskam.
8)
In diesem Zusammenhang wurde
zwar nicht grundsätzlich verneint, dass es Fortschritt im Bereich der Wirtschaftswissenschaf-
ten geben kann, aber zumindest wurde die Entwicklung der letzten Jahrzehnte eher als Rück-
denn als Fortschritt betrachtet.
9)
[3] Fragt man die Wissenschaftstheorie, wann man von wissenschaftlichem Fortschritt re-
den kann, wird man zwangsläufig auf die Diskussionen der sechziger und siebziger Jahre
verwiesen, deren Exponenten K
ARL
R.
P
OPPER
, T
HOMAS
K
UHN
, I
MRE
L
AKATOS
und P
AUL
K.
F
EYERABEND
waren.
10)
Diese Diskussion litt u.a. darunter, dass analytische und historisch-
deskriptive Elemente miteinander vermischt wurden. Während es bei K.R.
P
OPPER
im We-
sentlichen darum geht, wann eine Theorie als besser als eine Konkurrentin ausgewiesen wer-
den kann, geht es T
H
.
K
UHN
(1962) vor allem um eine Analyse der Prozesse, in denen eine
Theorie durch eine andere abgelöst wird (wobei es beiden um eine Rückweisung der
,Kübeltheorie‘ wissenschaftlichen Fortschritts geht). Als Ergebnis dieser Diskussionen kann
man u.a. festhalten, dass man nie sicher sein kann, ob die Theorie, die man für die bessere
hält, auch tatsächlich überlegen ist; alle Versuche zu zeigen, dass eine Theorie näher an der
Wahrheit ist als eine Konkurrentin, müssen wohl als gescheitert angesehen werden. Selbst
wenn alle Kriterien erfüllt sind, gemäss denen nach K.R.
P
OPPER
(1963, S. 240ff.) eine Theo-
rie als besser als ihre Konkurrentin ausgewiesen werden soll, kann nicht ausgeschlossen wer-
den, dass neue Tests vorgeschlagen werden, bei denen die ,alte‘ Theorie besser abschneidet.
Nicht umsonst spricht auch K.R.
P
OPPER
(1972, S. 70ff.) zwar von Wahrheitsähnlichkeit als
Ziel der Theoriebildung, aber er betont auch, dass es keine Metrik gibt, mit welcher man die
Wahrheitsähnlichkeit einer Theorie abschätzen könne, und „dass es nie möglich ist, eindeutig
zu beweisen, dass eine empirisch-wissenschaftliche Theorie falsch ist“ (1983, S. XVI).
[4] Wir befinden uns damit bei der Diskussion wissenschaftlichen Fortschritts in einer
ähnlichen Situation wie beim Induktionsproblem: Obwohl das Problem theoretisch nicht ge-
löst ist und aller Voraussicht auch gar nie gelöst werden kann, führen wir nicht nur permanent
praktische Induktionsschlüsse erfolgreich durch, sondern wir sind auch alle davon überzeugt,
dass es wissenschaftlichen Fortschritt gibt, und wir urteilen darüber, welche Theorie wir für
besser halten, auch wenn der Konsens darüber im Allgemeinen in den Sozialwissenschaften
geringer als in den Naturwissenschaften ist. Schliesslich kann man kaum ernsthaft bezweifeln,
dass uns heute dank der Wissenschaft Möglichkeiten offenstehen, die frühere Generationen
8. Diese Debatte wurde vorwiegend in allgemeinen Zeitungen sowie im Internet ausgetragen. Siehe z.B. G.
S
CHWARZ
, Die trostlose Wirtschaftswissenschaft, Neue Zürcher Zeitung Nr. 84 vom 11./12. April 2009, S.
19, V.
V
ANBERG
, Die Ökonomik ist keine zweite Physik, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ-NET) vom
13. April 2009, http://www.faz.net/s/RubB8DFB31915A443D98590B0D538FC0BEC/Doc~EF85E9DC12
CF9465697F08B975B0D79C7~ATpl~Ecommon~Scontent.html (11/02/11), sowie der in eine ähnliche
Richtung zielende Aufruf der 83 Professoren „Rettet die Wirtschaftspolitik an den Universitäten“ vom 5.
Mai 2009 (Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ-NET)) ,http://www.faz.net/s/ RubB8DFB31915A443
D98590B0D538FC0BEC/Doc~EA1E6687105BC44399 168BC77ADE64F8A~ATpl~Ecommon~
Scontent.html (01.02.11).
9. Zu dieser Diskussion siehe G.
K
IRCHGÄSSNER
(2009).
10. Siehe hierzu z.B. die Beiträge in I.
L
AKATOS
und A.
M
USGRAVE
(1974).
– 3 –
nicht zur Verfügung hatten. Aus rein instrumentellen Überlegungen heraus kommen wir zur
Überzeugung, dass der Stand der Wissenschaft heute insgesamt weiter ist, als er früher war,
auch wenn wir im Einzelnen nicht sagen können, ob eine bestimmte Theorie wirklich besser
als eine andere ist.
[5] Diese instrumentelle Sicht der Wissenschaft wurde von M.
F
RIEDMAN
(1953) auf die
Ökonomie übertragen. Diese Arbeit löste eine bis heute andauernde Diskussion aus.
11)
Aber
selbst wenn man diese Perspektive akzeptiert, bringt dies für die Diskussion der letzten Jahre
über die makroökonomische Theorie nichts, da mit dem Verweis darauf, dass man für die
Bewältigung der Krise zur alten, auf der keynesianischen Theorie basierenden Politik zurück-
kehren müsse, ja insbesondere die instrumentelle Eignung der neueren Ansätze in Frage ge-
stellt wurde. Ähnliche Entwicklungen gibt es auch in anderen Bereichen. So wurde in den
letzten Jahrzehnten die Theorie einer strategischen Handelspolitik entwickelt, die jedoch nicht
nur in der Praxis keine Anwendung findet, sondern auch von Ökonomen als mehr oder weni-
ger untauglich für eine praktische Umsetzung betrachtet wird.
12)
Für die Wirtschaftspolitik
vertrauen Wissenschaftler wie Politiker möglicherweise durchaus zu Recht nach wie vor
eher auf die klassische Theorie von D
AVID
R
ICARDO
als auf die Entwicklungen der modernen
Aussenhandelstheorie.
13)
[6] Für die Diskussion über wissenschaftlichen Fortschritt in den Wirtschaftswissenschaf-
ten sind aus der Diskussion der sechziger und siebziger Jahre jedoch vor allem zwei andere
Punkte relevant, die auch entsprechend aufgegriffen wurden: (i) Gibt es in den Wirtschafts-
wissenschaften Paradigmen und wissenschaftliche Revolutionen (im Sinne von T
H
.S.
K
UHN
(1962)) und welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Normalwissenschaft, und (ii)
gibt es (im Sinne von I.
L
AKATOS
(1974)) wissenschaftliche Forschungsprogramme. Gerade
dieses Konzept hat in den Wirtschaftswissenschaften weite Beachtung gefunden. Dies ist
nicht überraschend; es resultiert aber zumindest zum Teil aus einer eher merkwürdigen Auf-
fassung des Popperschen Falsifikationismus (an der er selbst nicht ganz unschuldig ist), die
mit dem tatsächlichen Wissenschaftsbetrieb nicht vereinbar ist, und der ,Absolution‘, welche
die Konzeption von I.
L
AKATOS
(1974) dem Wissenschaftler für sein Verhalten zu erteilen
vorgibt.
[7] Dabei gibt es im empirisch methodischen Bereich seit dem 2. Weltkrieg Fortschritte, die
als solche kaum bestritten werden dürften, auch wenn, wie bereits erwähnt wurde, gelegent-
lich der gesamte empirische Ansatz für die Volkswirtschaftslehre als verfehlt angesehen wird.
Dieser Fortschritt hat mit der Entwicklung leistungsfähiger Rechner, der Erfassung von im-
mer mehr Daten und der Entwicklung darauf besser abgestimmter statistisch-ökonometrischer
Verfahren zu tun. Dies bedeutet freilich nicht notwendigerweise, dass damit auch die ökono-
mischen Theorien, die mit solchen Verfahren getestet werden sollen, ,besser‘ geworden sind.
[8] Im Folgenden soll zunächst auf die Positionen verschiedener Ökonomen im Rahmen der
Debatte um Falsifikationismus, wissenschaftliche Revolutionen und wissenschaftliche For-
11. Siehe hierzu z.B. M.
B
LAUG
(1980, S. 91ff.) sowie die Beiträge in U.
M
ÄKI
(2009).
12. Siehe hierzu R.E.
B
ALDWIN
(1992).
13. Siehe hierzu z.B. P.
K
RUGMAN
(1987).
– 4 –
schungsprogramme eingegangen werden (Abschnitt 2). Danach wird der kaum bestreitbare
Fortschritt dargestellt, der sich in den letzten Jahrzehnen im methodisch-empirischen Bereich
vollzogen hat und der zu einer neuen, wenn auch aller Voraussicht nach nur vorübergehenden
Version des ökonomischen Imperialismus in anderen Sozialwissenschaften geführt hat (Ab-
schnitt 3). Im Anschluss daran wird gefragt, ob es neben diesem Fortschritt, der sich ver-
gleichsweise kontinuierlich vollzieht, auch Revolutionen gegeben hat, die sich insbesondere
im Bereich der Theorie (bzw. der grundlegenden Methodologie) vollzogen haben (Abschnitt
4). Abschnitt 5 befasst sich mit dem Paradigma, welches hinter dem ökonomischen Ansatz
steht, und Abschnitt 6 mit dem auf diesem Paradigma aufbauenden Forschungsprogramm
Wirtschaftswissenschaften und der Kritik daran, die insbesondere in jüngerer Zeit daran geübt
wird. Bei all dem soll es nicht um die Frage gehen, wie die Konzeptionen von T
H
.S.
K
UHN
und I.
L
AKATOS
insgesamt als Erklärungsansätze für die Entwicklung der Wirtschaftswissen-
schaften zu beurteilen (bzw. ob sie zu verwerfen) sind, sondern lediglich darum, inwieweit
einzelne Kernpunkte dieser Ansätze helfen können (oder auch nicht), bestimmte Einwicklun-
gen innerhalb der Wirtschaftswissenschaften zu verstehen.
14)
In Abschnitt 7 diskutieren wir
schliesslich Probleme der Normalwissenschaft in den Wirtschaftswissenschaften, die heute
ohne Zweifel den grössten Raum einnimmt. Auch wenn damit einige Probleme verbunden
sind, besteht kein Anlass, diese Forschung in irgendeiner Weise abzuwerten.
2 Die wissenschaftstheoretische Debatte um den Fortschritt in den Wissenschaften und
die Wirtschaftswissenschaft
[9] Sozialwissenschaftler und insbesondere Ökonomen haben zum Kritischen Rationalis-
mus häufig eine ambivalente Einstellung. Zum einen leuchtet die Asymmetrie bezüglich Veri-
fikation und Falsifikation von All- und Existenzaussagen unmittelbar ein. Zudem ist es heute
zumindest bei den Wissenschaftlern, die empirisch arbeiten, üblich, zunächst ein Modell zu
entwickeln und dieses dann ,empirisch zu überprüfen‘, d.h. die Parameter der entsprechenden
Gleichungen mit Hilfe statistischer Verfahren zu schätzen und anschliessend statistische Tests
durchzuführen.
15)
Dieses Verfahren scheint demjenigen, welches der Kritische Rationalismus
fordert, zumindest in etwa zu entsprechen.
16)
Viele, vielleicht sogar die meisten Ökonomen
bekennen sich zumindest verbal zum Kritischen Rationalismus, auch wenn sie sich eher selten
explizit auf K.R.
P
OPPER
berufen. Dennoch ist er unter Ökonomen ausgesprochen populär.
17)
Viele vertreten dabei allerdings eher einen ,naiven‘ als einen ,raffinierten‘ Falsifikationismus,
um die Terminologie von I.
L
AKATOS
(1974, S. 113ff.) zu verwenden. Dabei gehen sie zu-
meist von der Annahme aus, dass sich Existenzaussagen endgültig verifizieren und Allaussa-
14. In wieweit der Ansatz von T
H
.S.
K
UHN
(1991) sich überhaupt eignet, die Entwicklung der Wissenschaften
zu beschreiben, ist auch für die Naturwissenschaften umstritten. Siehe hierzu die Kritik an diesem Ansatz
durch G.
A
NDERSSON
(1988) sowie die Besprechung dieser Arbeit durch H.
A
LBERT
(1990). Weitere Bei-
träge dazu finden sich z.B. in Social Epistomology 17 (2003), Heft 2/3.
15. Zum Testen ökonomischer Theorien siehe J.
K
IM
(1991) sowie C
H
.L.
G
ILBERT
(1991).
16. Zur Beurteilung der Ökonomie aus der Sicht des Kritischen Rationalismus siehe H.
A
LBERT
(1963), aber
auch H.
A
LBERT
(1978, 1986). Zur Anwendungsproblematik des Kritischen Rationalismus in der Ökono-
mie siehe W.
M
EYER
(1973).
17. Siehe hierzu auch B.J.
C
ALDWELL
(1991, S. 30f.).
– 5 –
gen endgültig falsifizieren lassen, eine Auffassung, die sich bekanntlich nicht aufrecht erhal-
ten lässt und worauf K.R.
P
OPPER
bereits 1935 hingewiesen hat.
18)
[10] Andererseits hat wohl kaum ein Wissenschaftler ein Interesse daran, seine eigenen Hy-
pothesen und Theorien zu widerlegen. Vielmehr versuchen Wissenschaftler üblicherweise
genau das Gegenteil: Sie sammeln alles an Evidenz, was für ihre Theorien spricht, sie negie-
ren häufig gegenteilige Evidenz und versuchen gelegentlich sogar, sie zu unterdrücken. Wenn
es nicht mehr anders geht, ,erweitern‘ sie ihre Theorien, um sie mit zunächst gegen sie spre-
chenden Beobachtungen verträglich zu machen. Dies verringert in aller Regel den empiri-
schen Gehalt. Solche Verhaltensweisen scheinen eher mit dem Ansatz von TH.S.
K
UHN
(1962) vereinbar zu sein als mit den Ideen K.R.
P
OPPERS
.
19)
Daher halten viele das Vorgehen
im empirischen Bereich der ökonomischen Wissenschaften genauso wie die Arbeit in den
anderen Realwissenschaften für unvereinbar mit dessen Ansatz.
20)
Dies wirft die Frage nach
der möglichen Bedeutung dieser Theorie auf: Welcher Stellenwert kann einer Theorie der
Wissenschaft zukommen, die täglich vom tatsächlichen wissenschaftlichen Geschehen ,falsi-
fiziert‘ wird?
[11] Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass (nicht nur) Ökonomen fast dankbar
waren für den Ansatz, den I.
L
AKATOS
(1974) ihnen mit seiner Methodologie wissenschaftli-
cher Forschungsprogramme geliefert hat.
21)
Jetzt war es nicht mehr gefordert, dass sie ihre
eigenen Theorien zu widerlegen versuchen, sondern sie konnten sich auf den Kern des Pro-
gramms zurück ziehen, der zwar nicht notwendigerweise als unwiderlegbar angesehen werden
muss, der aber als solcher zumindest vorläufig akzeptiert werden darf, und Veränderungen
ausserhalb dieses Bereichs sind intellektuell zulässig, da nur durch die Verteidigung einer
Theorie gegen Angriffe ihr Gehalt wirklich voll erfasst werden kann; es kann problematisch
sein, Theorien zu früh fallen zu lassen.
[12] Dies hat dazu geführt, dass beginnend mit S.
L
ATSIS
(1972) verschiedene Ökono-
men begannen, die Methodologie der wissenschaftlichen Forschungsprogramme auf Frage-
18. Siehe hierzu auch K.R.
P
OPPER
(1983, S. XVI). Auf die Unmöglichkeit einer endgültigen Falsifikation
einzelner theoretischer Hypothesen hatten zuvor bereits P
IERRE
D
UHEM
und später auch W
ILLARD VAN
O
RMAN
Q
UINE
hingewiesen, weshalb man diesbezüglich auch von der Duhem bzw. Duhem-Quine These
spricht. Siehe hierzu z.B. D.A.
R
EDMAN
(1991, S. 38f.). M.
B
LAUG
(1976, S. 354) weist darauf hin, dass
sich entsprechende Überlegungen bereits bei H
ENRI
P
OINCARÉ
finden.
19. Siehe hierzu auch D.W.
H
ANDS
(1985, S. 2.): „Unabhängig davon, wie sehr die ökonomische Profession
auch immer den Falsifikationismus predigt, es ist der allgemeine Konsens derjenigen, die in jüngerer Zeit
deren Vorgehensweise kommentiert haben, dass sie diesen kaum jemals praktizieren.“ Und M.
B
LAUG
(1980, S. 111) schreibt: „Moderne Ökonomen predigen häufig der Falsifikationismus, wie wir gesehen ha-
ben, aber sie praktizieren ihn selten, die von ihren verwendete Wissenschaftstheorie kann passend als
,harmloser Falsifikationismus‘ beschrieben werden.“
20. Siehe z.B. D.M.
H
AUSMAN
(1989, S. 121f.) sowie H.
M
ÜLLER
-G
UEFFROY
(1985, S. 146), der die Auffas-
sung vertritt, der Gegenstandsbereich der Nationalökonomie erzwinge „die Formulierung von Theorien ho-
her Allgemeinheit und damit von Theorien mit geringer Falsifizierbarkeit.“
21. Siehe hierzu auch D.W.
H
AND
(1985, S. 2) sowie D.A.
R
EDMAN
(1993, S. 142ff.). M.
B
LAUG
(1976, s. 353)
sieht die Konzeption der wissenschaftlichen Forschungsprogramme als „einen Kompromiss zischen Pop-
pers ,aggressiver Methodologie‘ und Kuhns ,defensiver Methodologie‘“. Auch I.
L
AKATOS
(1974, S. XX)
sieht seinen Ansatz als Kompromiss zwischen den Ansätzen von K.R.
P
OPPER
und T
H
.S.
K
UHN
.
– 6 –
stellungen bzw. Entwicklungen in den Wirtschaftswissenschaften anzuwenden.
22)
Dies voll-
zog sich im Wesentlichen in den achtziger Jahren. Nach einer anfänglichen Euphorie nahm
aber, wie R.E.
B
ACKHOUSE
(2004, S. 191ff.) beschreibt, des Skeptizismus unter den metho-
dologisch interessierten Ökonomen zu, und heute scheint dieses Programm weitgehend dis-
kreditiert zu sein, auch wenn er
(S. 193) davor warnt, es zu schnell zu verabschieden, und da-
für auch einige beachtenswerte Gründe angibt.
23)
Während andere (wie z.B. D.
M
C
C
LOSKEY
(1983)) damit das zugrunde liegende Programm von K.R.
P
OPPER
insgesamt verabschieden
möchten, weist er darauf hin, dass man das Programm von I.
L
AKATOS
(1974) nicht unbedingt
in der Tradition von K.R.
P
OPPER
sehen muss, sondern dass man es auch in eine älteren Tra-
dition, die bis auf G
EORG
W
ILHELM
F
RIEDRICH
H
EGEL
zurückgeht, einordnen sowie vor dem
Hintergrund seiner Wissenschaftstheorie der Mathematik sehen kann, wodurch es in einem
sehr viel positiveren Licht erscheine.
24)
Dessen ungeachtet wird in der ökonomischen Litera-
tur heute nur noch vergleichsweise selten auf I.
L
AKATOS
Bezug genommen.
25)
[13] Die Zurückweisung des Kritischen Rationalismus durch viele Wissenschaftstheoretiker
und methodologisch orientierte Ökonomen lässt zum einen die Frage aufkommen, weshalb
K.R.
P
OPPER
, wie oben bereits ausgeführt wurde, unter den Ökonomen dennoch so populär
ist, obwohl sie seinen Anweisungen nicht folgen bzw. dessen Konzeption durch die tägliche
Wissenschaftspraxis widerlegt scheint.
26)
Wichtiger aber dürfte die Frage sein, ob diese
Konzeption durch diese Praxis tatsächlich widerlegt wird. Dieser Behauptung liegt meines
Erachtens zumindest ein doppeltes Missverständnis zugrunde, wobei freilich K.R.
P
OPPER
an beiden selbst nicht ganz unschuldig ist. Zum einen geht es bei ihm zunächst nicht um eine
Beschreibung des tatsächlichen Wissenschaftsprozesses, sondern um eine Logik der For-
schung“, d.h. um die Frage nach den theoretischen Grundlagen der Möglichkeit wissenschaft-
licher Erkenntnis. Dazu kann die alltägliche Wissenschaftspraxis, wie auch immer sie sich
vollzieht, nicht als Gegenargument vorgebracht werden.
27)
Hier werden die Ebenen methodi-
scher Regeln und die deskriptive Perspektive nicht genügend scharf voneinander getrennt.
[14] Dies gilt für weite Teile der Debatte über den wissenschaftlichen Fortschritt in den
sechziger und siebziger Jahren. So will auch T
H
.S.
K
UHN
(1962) sein wissenschaftshistori-
sches Werk gelegentlich ins Normative wenden und Ratschläge zur Förderung des wissen-
schaftlichen Fortschritts geben. Dabei sind die Differenzen in wissenschaftslogischen Fragen
zwischen T
H
.S.
K
UHN
und K.R.
P
OPPER
eher gering.
28)
Andererseits aber hat K.R.
P
OPPER
22. Siehe hierzu die Übersicht bei N.
DE
M
ARCH
und
M.
B
LAUG
(1991, S. 29ff).
23. Siehe hierzu auch D.W.
H
AND
(1985), der ausführt, dass die Anwendung des Ansatzes von I.
L
AKATOS
auf
die Entwicklung der Wirtschaftswissenschaften eine Reihe uns wichtiger Einsichten vermittelt hat, darunter
insbesondere, dass sie uns gelehrt hat „die richtigen Fragen zu stellen.“ (S. 14).
24. Er verweist dabei auf seine eigene Arbeit R.E.
B
ACKHOUSE
(1997, Kapitel 10). – Zur Wissenschaftstheorie
der Mathematik siehe I.
L
AKATOS
(1976).
25. Siehe (als Ausnahmen) z.B. S.T.
S
ILVA
(2009) oder T.
G
OSPODAREK
(2009).
26. Zu einigen Antwortversuchen darauf siehe
B.J.
C
ALDWELL
(1991, S. 30f.).
27. Siehe hierzu auch B.J.
C
ALDWELL
(1991, S. 4).
28. Siehe hierzu die Bemerkung von T
H
.S.
K
UHN
(1974, S. 1): „Beinahe immer, wenn wir uns denselben
Problemen zuwenden, sind Sir Karls und meine Ansichten über Wissenschaft so gut wie identisch.“ Und
K.R.
P
OPPER
(1983, S. XXVII) schreibt: „Und ausserdem stimmen Kuhns und meine Ansichten in der
– 7 –
(1983, S. XXIff.) durch die Aufzählung von insgesamt 20 ,gelungenen Widerlegungen‘ klar
gemacht, dass er auch etwas über den tatsächlichen Wissenschaftsprozess aussagen will. So-
weit er seine Aussagen auch als empirisch-gehaltvolle Theorien verstanden wissen will, die
an der Wirklichkeit scheitern können, muss er sich daher den Einwand gefallen lassen, dass
der tatsächliche Wissenschaftsprozess, so wie wir ihn erleben, mit seiner Konzeption zu-
mindest prima facie nicht vereinbar ist.
[15] Dieser vermuteten Unvereinbarkeit liegt jedoch ein zweites Missverständnis zugrunde,
welches schwerer wiegt: Die Verwechslung der individuellen Motivation der Forscher mit der
gesellschaftlichen Organisation der Wissenschaft. Für den Prozess einer rationalen Wissen-
schaft ist es nicht erforderlich, dass die einzelnen Forscher versuchen, ihre eigenen Hypothe-
sen und Theorien zu widerlegen. Wichtig ist vielmehr, dass der wissenschaftliche (gesell-
schaftliche) Diskussionsprozess so ausgestaltet ist, dass solche Widerlegungen möglich sind,
und dass Anreize gegeben werden, dass entsprechende Diskussionen stattfinden. Dazu bedarf
es eines ,Theorienpluralismus‘. Es mag sogar durchaus von Vorteil sein, wenn einzelne For-
scher ihre Theorien ,mit Zähnen und Klauen‘ verteidigen, weil nur so die Leistungsfähigkeit
dieser Theorien voll erkannt werden kann. So hat z.B. I.
L
AKATOS
(1974) darauf hingewiesen,
dass es dem wissenschaftlichen Fortschritt durchaus abträglich sein kann, wenn Theorien ,zu
schnell‘ fallen gelassen werden, nachdem empirische Evidenz gegen sie vorgebracht wurde.
Wenn man die Konzeption des Kritischen Rationalismus als empirische Theorie auffassen
will, dann lässt sich daraus die Hypothese ableiten, dass wissenschaftlicher Fortschritt sich am
ehesten dort vollzieht, wo die freie Diskussion Verteidigung und Zurückweisung theoretischer
Entwürfe erlaubt. Diese Hypothese dürfte empirisch bewährt sein.
[16] Selbstverständlich versuchen Wissenschaftler auch, ihre eigenen Theorien und
Hypothesen zu überprüfen, aber nicht um sie zu widerlegen, sondern um sie ,abzusichern‘.
Sie tun dies üblicherweise, bevor sie mit einer Hypothese an die (wissenschaftliche) Öffent-
lichkeit treten. Sie versuchen selbst Gründe zu erwägen, die gegen ihren Ansatz sprechen
könnten. Sie werden u.a. Experimente durchführen, statistische Analysen erstellen oder wei-
tere Beobachtungen sammeln. Gerade weil sie ihre Ideen verteidigen wollen, sind sie ge-
zwungen, sie zunächst strengen Tests zu unterwerfen, um dann im öffentlichen Disput nicht
widerlegt zu werden. Damit aber hierzu die Motivation vorhanden ist, ist wiederum notwen-
dig, dass der Wissenschaftsbetrieb entsprechend organisiert ist.
[17] Zwischen den Vorstellungen von K.R.
P
OPPER
und der alltäglichen Wissenschaftspraxis
besteht daher in dieser Hinsicht nicht notwendigerweise ein Widerspruch. K.R.
P
OPPER
hat
selbst darauf hingewiesen, dass es im Wissenschaftsprozess weniger darum geht, dass die
einzelnen Forscher versuchen, ihre Hypothesen und Theorien zu widerlegen, sondern darum,
dass dieser Prozess so organisiert wird, dass entsprechende Widerlegungen möglich und sogar
wahrscheinlich sind. „Es ist gänzlich verfehlt anzunehmen, dass die Objektivität der Wissen-
schaft von der Objektivität des Wissenschaftlers abhängt.“ „Die Objektivität der Wissen-
schaft ist nicht eine individuelle Angelegenheit der verschiedenen Wissenschaftler, sondern
Frage der Bedeutung der Falsifikation für die Wissenschaftsgeschichte fast völlig überein.“ Er listet an die-
ser Stelle freilich auch die Unterschiede auf, die zwischen seinen Ansichten und denjenigen von T
H
.S.
K
UHN
bestehen.
– 8 –
eine soziale Angelegenheit ihrer gegenseitigen Kritik.“ (1962, S. 112.)
29)
So betrachtet ergibt
sich aus der Realität des heutigen Wissenschaftsprozesses nicht notwendigerweise ein Argu-
ment gegen die Konzeption von K.R.
P
OPPER
und damit auch nicht notwendigerweise dafür,
dass die Konzeption wissenschaftlicher Forschungsprogramme ,besser‘ ist.
3 Unstrittige Fortschritte im empirisch-methodischen Bereich
[18] Sieht man einmal von jenen ab. die den empirischen Ansatz generell ablehnen und z.B.
in Anlehnung an die Praxeologie des L.
V
.
M
ISES
(1949) auch heute noch glauben, man könne
unbestreitbare Aussagen über das Funktionieren des Wirtschaftsprozesses rein logisch ablei-
ten,
30)
dürfte kaum jemand bestreiten, dass die empirische Ökonomie im Bereich der Metho-
den in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht hat. Sie haben dazu geführt,
dass es heute in den Sozialwissenschaften neben dem ,theoretischen Imperialismus‘ des öko-
nomischen Verhaltensmodells auch insofern einen Imperialismus der Ökonomen gibt, als sie
mit ihren hoch entwickelten empirischen Methoden Fragestellungen aus ganz anderen Sozi-
alwissenschaften bearbeiten, teilweise ohne besondere Kenntnisse der theoretischen Grundla-
gen dieser Wissenschaften.
[19] Als mit dem Aufkommen (relativ) leistungsfähiger Rechner in den siebziger Jahren des
vergangenen Jahrhunderts und der Entwicklung der entsprechenden Software umfangreichere
empirische Untersuchungen überhaupt erst möglich wurden, gab es beim empirischen Arbei-
ten eine relativ klare Arbeitsteilung zwischen Ökonomen einerseits und anderen Sozialwis-
senschaftlern, insbesondere Soziologen und Psychologen andererseits: Ökonomen verwende-
ten Zeitreihendaten, die im Wesentlichen aus der amtlichen Statistik kamen, während die an-
deren Sozialwissenschaftler vor allem Querschnittsdaten verwendeten, welche sie mit Umfra-
gen oder Experimenten erhoben hatten.
31)
Damit hatten die Ökonomen praktisch ausschliess-
lich Aggregatdaten zur Verfügung, während die übrigen Sozialwissenschaftler sich vorwie-
gend mit Individualdaten befassten. In diese Richtungen wurden auch die Methoden weiter-
entwickelt, was sich in den entsprechenden Lehrbüchern niederschlug.
32)
[20] Dies änderte sich, als Wirtschaftsforschungsinstitute begannen, Unternehmensdaten
(und somit ebenfalls Individualdaten) zu erheben. In Deutschland spielte hier insbesondere
das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München mit seinem Konjunkturtest eine heraus-
ragende Rolle, während in der Schweiz vor allem die Konjunkturforschungsstelle an der ETH
Zürich (KOF), die analoge Daten für die Schweiz erhob, bedeutsam war. Damit aber wurde es
erforderlich, dass sich auch Ökonometriker mit den Problemen der Analyse von Individual-
29. Siehe hierzu auch B.J:
C
ALDWELL
(1991, S. 25ff.).
30. Siehe T
H
.
P
OLLEIT
(2009), der argumentiert: „Aufbauend auf Anerkennung von absolut wahrem Wissen ist
wissenschaftlicher Fortschritt möglich.“ Er präsentiert fünf ökonomische Aussagen, für die er – ohne Ein-
schränkung – Wahrheit reklamiert.
31. Gelegentlich wurden beim gleichen Personenkreis auch mehrere Umfragen hintereinander durchgeführt,
womit die ersten Panels entstanden. Diese blieben jedoch auf zunächst wenige Zeitpunkte beschränkt.
32. Siehe z.B. H.
T
HEIL
(1971) als prominentes Ökonometriebuch der damaligen Zeit oder H.M.
B
LALOCK
(1971), in welchem sich wesentliche Verfahren finden, die damals in den anderen Sozialwissenschaften an-
gewendet wurden.
– 9 –
daten beschäftigten, was zur Entwicklung der Mikroökonometrie führte.
33)
Dabei rückten ne-
ben reinen Querschnittsanalysen immer mehr auch Panelanalysen ins Zentrum der Aufmerk-
samkeit, wobei die zeitliche Dimension gegenüber früher deutlich an Bedeutung gewann.
Dies war u.a. auch dann unvermeidbar, wenn (z.B. im Bereich der Arbeitsmarktforschung)
individuelle ,Karrieren‘ zu verfolgen waren.
[21] Seit den achtziger Jahren erlebte die Mikroökonometrie einen ungeheuren Aufschwung,
dem die Statistiker aus den anderen Sozialwissenschaften kaum folgten. Ihre verbreitete An-
wendung wurde auch dadurch gefördert, dass (in Zusammenarbeit mit anderen Sozialwissen-
schaftlern) grosse Datensätze zur Erfassung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situa-
tion der Bevölkerung erhoben wurden, welche die Untersuchung ganz neuer Fragestellungen
ermöglichten. In Deutschland ist dies das sozioökonomische Panel (SOEP), in dessen Rah-
men seit 1984 jährlich eine repräsentative Stichprobe der deutschen Bevölkerung befragt
wird, die heute jedes Jahr mehr als 11'000 Haushalte mit mehr als 20'000 Personen umfasst.
In der Schweiz startete die entsprechende Unternehmung, das Swiss Household Panel (SHP),
mit gebührender Verspätung erst 1999, im Jahr 2005 umfasste es 6'800 Haushalte mit beinahe
17'000 Personen.
34)
Auf internationaler Ebene gibt es heute u.a. das International Social Sur-
vey Programme (ISSP), das World Value Survey (WVS),
35)
(mit speziellem Focus auf die
schulische Ausbildung) das OECD Programm für International Student Assessment (PISA)
36)
sowie (für Europa mit einem speziellen Focus auf Probleme des Alters und der Gesundheit)
SHARE.
37)
Mit Ausnahme von SHARE waren die Ökonomen bei der Erhebung dieser Daten
meist nicht federführend, wohl aber häufig bei den mit diesen Daten durchgeführten empiri-
schen Untersuchungen sowie insbesondere bei der Entwicklung der hierzu notwendigen sta-
tistisch-ökonometrischen Verfahren. Dies wurde u.a. auch dadurch dokumentiert, dass J
AMES
J.
H
ECKMANN
und D
ANIEL
L
EIGH
M
C
F
ADDEN
im Jahr 2000 für ihre entsprechenden Arbeiten
den Nobelpreis für Ökonomie erhielten.
[22] Diese Verfahren können prinzipiell auf alle Fragestellungen angewendet werden, die
mit Hilfe von Mikrodaten untersucht werden können, unabhängig vom Bereich, welchem das
zu untersuchende Problem inhaltlich zugeordnet ist. Dass sie im Bereich der Arbeitsmarkt-
ökonomik Anwendung finden, mag wenig erstaunen, schliesslich ist dies ein traditioneller Be-
reich der Wirtschaftswissenschaften, und ausserdem gibt es hier ein umfangreiches, durch die
Arbeitsämter offiziell erhobenes Datenmaterial. Insofern kann man hier auch nicht von Impe-
rialismus sprechen. Anders sieht es dagegen z.B. bei der ‚Economics of Education‘ aus,
einem neu aufstrebenden Gebiet, in welchem Ökonomen heute Fragestellungen untersuchen,
33. Das erste Lehrbuch hierzu im deutschsprachigen Raum dürfte G.
R
ONNING
(1991) sein.
34. Zum SOEP siehe http://www.diw.de/de/diw_02.c.221178.de/ueber_uns.html, zum SHP http://www.
swisspanel.ch/?lang=de (12/02/11).
35. Zum ISSP siehe http://www.issp.org/ (09/03/11), zum WVS http://www.worldvaluessurvey.org/ (09/03/11)
sowie R. I
NGLEHART
et al. (2004).
36. Siehe hierzu http://www.pisa.oecd.org/document/58/0,2340,en_32252351_32236159_33688954_1_1_1_
1,00.html (09(03/11).
37. Survey on Health, Ageing and Retirement in Europe; siehe hierzu A.
B
ÖRSCH
S
UPAN
und H.
J
ÜRGES
(2005), A.
B
ÖRSCH
S
UPAN
et al. (2005) sowie http://www.share-project.org/ (11/11/10).
– 10 –
die früher praktisch ausschliesslich von Erziehungswissenschaftlern behandelt wurden. So
untersucht A. L
EON
(2004) z.B. den Einfluss der Erziehung auf die Fertilität, M. Z
AVODNY
(2006) fragt, in wieweit der Fernsehkonsum die schulischen Leistungen von Kindern beein-
flusst. F. H
OFFMANN
und P. O
REPOULOS
(2009) befassen sich damit, welchen Einfluss die
Qualität der Professoren auf die Examensergebnisse ihrer Studierenden hat. Und während
M.R.
W
EST
und L.
W
OESSMANN
(2010) anhand der PISA-Daten untersuchen, welchen Ein-
fluss der Anteil privater Schulen in einem Land auf die Ergebnisse in Lesen, Mathematik und
Naturwissenschaften hat, befassen sich B.
M
UELLER
und S
T
.C.
W
OLTER
(2011) mit den Aus-
wirkungen der statistischen Diskriminierung beim Übergang von der Schule ins Berufsleben
Selbstverständlich sind Antworten auf solche Fragen auch für Ökonomen interessant. Den-
noch bleibt festzustellen, dass sich noch vor nicht all zu langer Zeit Ökonomen kaum an die
wissenschaftliche Untersuchung solcher Fragen herangewagt hätten. Hier hat sich ein drama-
tischer Wandel vollzogen.
[23] Dies ist nicht auf eine irgendwie geartete (oder auch nur behauptete) theoretische
Überlegenheit des ökonomischen Ansatzes zurückzuführen; schliesslich spielen theoretische
Überlegungen in vielen dieser Arbeiten bestenfalls eine untergeordnete Rolle. Das Erstaunli-
che ist vielmehr, dass die anderen Sozialwissenschaften, die hier einen erheblichen theoreti-
schen Vorsprung haben sollten, diesen anscheinend nicht ausnützen können. Der methodische
Vorsprung der Ökonomen dominiert hier offensichtlich den theoretischen Vorsprung der an-
deren Sozialwissenschaftler.
[24] Die derzeitige Situation mag freilich nur von kurzer Dauer sein. Zwar ist nicht davon
auszugehen, dass sich die Ökonomen aus diesem Untersuchungsfeld wieder gänzlich zurück-
ziehen werden; sie werden im Gegenteil in Zukunft möglicherweise noch stärker in dieses
und andere ähnliche Felder hineingehen. Hierfür sorgen schon der Zwang zur Publikation,
dem junge Wissenschaftler heute sehr viel stärker als früher ausgesetzt sind, und die sich dar-
aus ergebende Suche nach immer neuen Fragestellungen. Andererseits sollte es möglich sein,
innerhalb weniger Jahre auch in den anderen Sozialwissenschaften genügend Forscher so weit
in den modernen mikroökonometrischen Verfahren auszubilden, dass der methodische Vor-
sprung der Ökonomen schwindet oder vielleicht ganz verloren geht. Schliesslich ist an diesen
Verfahren nichts spezifisch ,ökonomisch‘.
38)
Und wenn die anderen Sozialwissenschaftler mit
den Ökonomen methodisch gleich gezogen haben, sollten sie ihren theoretischen Vorsprung
sowie ihre besseren institutionellen Kenntnisse ausnutzen können. Dies setzt freilich voraus,
dass der Ausbildung mit statistischen Verfahren in diesen Wissenschaften in Zukunft ein
deutlich höheres Gewicht beigemessen wird als heute. Während dies im angelsächsischen
Raum mit ziemlicher Sicherheit geschehen wird, bleibt abzuwarten, ob es auch im deutsch-
sprachigen Raum der Fall sein wird. Die Aversion gegen die ,Quantifizierung‘, die viele Ver-
treter dieser Wissenschaften hegen, dürfte dieser Entwicklung eher hinderlich sein.
39)
Damit
ist in diesem Bereich noch für längere Zeit die Möglichkeit einer Hegemonie der Ökonomen
gegeben.
38. Soweit diese Arbeiten auf einer expliziten theoretischen Grundlage aufbauen, sind sie freilich in dem Sinn
,ökonomisch‘, als sie das ökonomische Verhaltensmodell zugrunde legen.
39. Siehe z.B. das Manifest der SAGW (2010).
– 11 –
4 Wissenschaftliche Revolutionen in den Wirtschaftswissenschaften
[25] Folgt man der Terminologie von T
H
.S.
K
UHN
(1962), dann sollte man diese Entwick-
lung wohl in die Kategorie ,Normalwissenschaft‘ einordnen, auch wenn dabei ausgesprochen
interessante und auch politisch relevante Ergebnisse erzielt werden. Die Frage ist jedoch, ob
es daneben auch Entwicklungen gab, die man als ,wissenschaftliche Revolutionen‘ bezeich-
nen könnte. Als Ökonomen begannen, diese Frage zu diskutieren, stand (entsprechend der
damaligen Zeit) die keynesianische Revolution im Vordergrund.
40)
Die Entwicklung der
davor nicht existierenden makroökonomischen Theorie konnte man im Vergleich zum da-
vor existierenden Theoriegebäude durchaus als Revolution begreifen. Schliesslich hat sie zur
,Neoklassischen Synthese‘ geführt, welche die Lehrbücher nach dem Zweiten Weltkrieg do-
miniert hat. Dementsprechend sprach man auch von der monetaristischen Gegenrevolution in
Zusammenhang damit, dass sich in Geldtheorie und Geldpolitik in den siebziger Jahren weit-
gehend die Iden der Monetaristen durchsetzten, die später in Verbindung mit der Theorie rati-
onaler Erwartungen zur ,Neuen klassischen Makroökonomik‘ führte. Worin aber bestanden
diese Revolutionen eigentlich, und inwieweit kann man aus heutiger Perspektive hier von
Revolutionen sprechen?
41)
[26] Interessant ist in diesem Zusammenhang die Position von M.
B
RONFENBRENNER
(1971,
S. 138).
42)
Er sieht drei Revolutionen in der Entwicklung der ökonomischen Theorie: eine
Laisser-faire Revolution, die üblicherweise mit A.
S
MITH
(1776) in Beziehung gesetzt wird,
seiner Meinung nach aber auf D.
H
UME
(1752) zurückgeht, die marginalistische Revolution in
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die er auf das Jahr 1870 datiert, und die keynesiani-
sche Revolution, ausgelöst durch J.M.
K
EYNES
(1936).
43)
Interessant ist, wie sich in diesen
,Revolutionen‘ politische Ideologien, welche die Rolle des Staates betreffen, und methodische
Fortschritte verbinden. Die Laissez-Faire Revolution war in erster Linie eine Veränderung des
politischen Standpunkts; der Staat sollte aus dem Wirtschaftsleben weitgehend zurückge-
drängt werden. Die marginalistische Revolution war zweifellos in erster Linie eine methodi-
sche Angelegenheit. Dennoch sind auch hier politische Positionen im Spiel, gegen welche die
neue Theorie aufgebaut wurde. Dies gilt nicht nur für den Marxismus, sondern z.B. auch für
die Deutsche Historische Schule.
44)
Auch bei Keynes finden wir wieder beide Elemente:
Während die wissenschaftliche Innovation vor allem darin bestand, dass man Aggregate und
nicht mehr einzelne Individuen betrachtete (und damit die moderne makroökonomische Theo-
40. Siehe z.B. M.
B
LAUG
(1976, S. 34; 1990, S. 88) sowie die dort angegebenen Hinweise.
41. Auch wenn sie nie in diesem Zusammenhang diskutiert wurde, könnte man die institutionelle Wende in der
Ökonomik, die eine zumindest partielle Abkehr von dem bereits von H.
A
LBERT
(1963) kritisierten ,Mo-
dellplatonismus‘ der neoklassischen Theorie brachte, mindestens mit gleichem Recht als wissenschaftliche
Revolution betrachten. Zu dieser ,Wende‘ siehe H.
A
LBERT
(2006, S. 113ff.).
42. Die gegenwärtige Situation, d.h. die Situation zu Beginn der siebziger Jahre, sieht er als „vorrevolutionär“
an. – Zu ,Revolutionen‘ in den Wirtschaftswissenschaften siehe auch J.
H
ICKS
(1976).
43. Er merkt freilich auch an, dass sich keine dieser Revolutionen mit den grossen Revolutionen in den
Naturwissenschaften, der Kopernikanischen, der Newtonschen oder der Darwinschen Revolution verglei-
chen kann. (S. 139.)
44. Zur Deutsche Historischen Schule siehe z.B. P.R.
S
ENN
(2006).
– 12 –
rie überhaupt erst begründete), war der zentrale (wirtschafts-)politische Streitpunkt, inwiefern
der Staat in den Wirtschaftsablauf sinnvoll eingreifen kann bzw., falls er das kann, ob er das
auch soll. Auch die jüngeren ,Revolutionen‘, die monetaristische Gegenrevolution oder die
Revolution der rationalen Erwartungen, drehen sich letztlich immer auch (und gelegentlich
sogar vorwiegend) um diese Frage. Dies gilt selbst dann, wenn methodische Fragen im Vor-
dergrund der Diskussion stehen. Ein Indikator dafür, welche wirtschaftspolitische Position
eingenommen wird, ist, inwieweit die Modelle neben klassischer, d.h. freiwilliger, auch un-
freiwillige Arbeitslosigkeit kennen.
[27] Dass man nicht nur Einzelpersonen betrachtet, sondern Aggregate in das Zentrum der
Analyse stellt, war sicher neu und ist ein kaum bestrittenes Verdienst des keynesianischen
Ansatzes. Dabei wird zwar mit mikroökonomischen Plausibilitätsargumenten gearbeitet, aber
es gibt (noch) keine mikroökonomische Fundierung, d.h. die Aussagen der Theorie basierten
zumindest nicht explizit auf der Annahme individuell rationalen Verhaltens der Wirtschaftssubjekte.
Dies wird auch von M.
B
LAUG
(1976) betont.
45)
Tatsächlich gab es noch in den siebziger Jah-
ren eine Diskussion darüber, inwieweit die makroökonomische Theorie überhaupt einer Mik-
rofundierung bedarf.
46)
Rein logisch gesehen bedarf es einer solchen ,Mikrobasis‘, d.h. einer
durch mikroökonomische Entscheidungskalküle gelegten Grundlage der makroökonomischen
Relationen, nicht, um eine aussagekräftige makroökonomische Theorie zu entwickeln. Empi-
risch gehaltvolle Theorien, die dem deduktiv-nomologischen Erklärungsmodell folgen, lassen
sich auch ohne sie konstruieren. So wurden noch vor wenigen Jahrzehnten auf Plausibilitäts-
argumenten beruhende Makrorelationen akzeptiert, solange sie mit Hilfe ökonometrischer
Methoden statistisch abgesichert schienen. Dies dürfte sich im Bereich der Theorie inzwi-
schen weitgehend erledigt haben: Unabhängig von ideologischen Gegensätzen verwenden
heute sowohl die (eher links orientierte) ‚Neue (keynesianische) Makroökonomik‘ als auch
die (eher konservativ orientierte) ‚Neue klassische Makroökonomik‘
47
(bzw. die entsprechen-
den ,Neo-Neo-…-Ansätze‘) heute eine solche ‚Mikrobasis‘.
[28] Im Vertrauen auf die Existenz und Stabilität solcher Beziehungen wurden auch wirt-
schaftspolitische Maßnahmen getroffen. Das berühmteste Beispiel für eine solche Beziehung
dürfte die modifizierte Phillips-Beziehung sein, jene (behauptete) langfristige Beziehung zwi-
schen Inflation und Arbeitslosigkeit, die zudem (zumindest) implizit in fast allen großen mak-
roökonometrischen Modellen der siebziger Jahre enthalten war.
48)
Sie wurde zuerst von A.W.
P
HILLIPS
(1958) als Beziehung zwischen Arbeitslosigkeit und Nominallohnentwicklung ‚ent-
deckt‘ und später zu einer Beziehung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit erweitert. Im
Jahr 1960 wurde sie von P.A.
S
AMUELSON
und R.M.
S
OLOW
als „Speisekarte der Wirtschafts-
politik“ bezeichnet. Solche nach ihrem ‚Entdecker‘ benannten ‚Phillips-Kurven‘ wurden
für eine ganze Reihe von Ländern ökonometrisch geschätzt, und gestützt auf diese empirische
45. Zur rudimentären Mikrofundierung der keynesianischen Theorie siehe auch z.B. A.
L
EJONHUFVUD
(1976,
S. 105).
46. Siehe hierzu z.B. H.J.
R
AMSER
(1987, S. 8ff.) sowie F. M
ACHLUP
(1960) und E.
S
CHLICHT
(1977).
47. Zur Einführung in die neue keynesianische (Makro-)Ökonomik siehe R.J.
G
ORDON
(1990) oder D.
R
OMER
(1993). Zur Gegenüberstellung beider Ansätze siehe H.J.
R
AMSER
(1987) sowie N.J.
M
ANKIW
(1990).
48. Siehe hierzu G.C.
C
HOW
und
S.B.
M
EGDAL
(1978).
– 13 –
Evidenz glaubte man, durch eine einmalige Erhöhung der Inflationsrate die Arbeitslosenquote
dauerhaft senken zu können. Die in den siebziger und achtziger Jahren darauf aufbauende
Politik muss jedoch als gescheitert betrachtet werden: Die Erhöhung der Inflationsrate mag
zwar kurzfristig zu einer Erhöhung der Beschäftigung beigetragen haben, aber bereits mittel-
fristig liess sich die Arbeitslosigkeit dadurch nicht senken, sondern es trat Stagflation ein, wie
es der von M.
F
RIEDMAN
(1968) vorgestellten Hypothese der natürlichen Rate der Arbeitslo-
sigkeit entspricht. Wie J.
R
OBINSON
bereits 1972 schrieb: „Die experimentelle Demonstration
der Phillipskurve hat ... versagt.“ (S. 47) Nicht zuletzt dieses praktische Scheitern der Makro-
ökonomik hat – zusammen mit der schlechten Prognoseleistung geschätzter makroökono-
metrischer Grossmodelle
49)
dazu geführt, dass die Notwendigkeit einer Mikrofundierung
heute kaum mehr bestritten wird.
[29] Betrachtet man vor diesem Hintergrund die methodischen Aspekte der keynesianischen
Revolution, kann man feststellen, dass sich das Argumentieren in Aggregaten durchgesetzt
hat, der Verzicht auf eine Mikrobasis dagegen nicht. Insofern war diese Revolution nur zur
Hälfte erfolgreich. Dies ist anders bei der marginalistischen Revolution. Der Übergang von
der Durchschnittsbetrachtung, wie sie noch von K
ARL
M
ARX
insbesondere auch im Kapital
angestellt wurde, zur Durchschnittsbetrachtung, die mit den Namen L
EON
W
ALRAS
, A
LFRED
M
ARSHALL
und C
ARL
M
ENGER
verbunden ist, hat die ökonomischen Argumentationen
grundlegend verändert und wird auch nirgends bestritten. Betrachtet man den methodischen
Aspekt in der Theoriebildung, dann war dies die wohl mit Abstand bedeutendste (und mögli-
cherweise sogar die einzig wirkliche) wissenschaftliche Revolution in den modernen Wirt-
schaftswissenschaften. Daneben kann nur noch die keynesianische Revolution einen wenn
auch vermutlich weniger bedeutsamen grundlegenden Beitrag zur Methodik der ökonomi-
schen Theoriebildung für sich beanspruchen.
[30] Bei allen übrigen ,Revolutionen‘ ging es vor allem um empirische Fragen, die freilich
zumeist wirtschaftspolitisch und/oder ideologisch erhebliche Implikationen hatten. Dies gilt
z.B. für die monetaristische Gegenrevolution, in der es zunächst darum ging, ob die Fiskal-
oder die Geldpolitik ein wirksameres Mittel staatlicher Wirtschaftspolitik sein kann, inwie-
weit sie überhaupt sinnvoll eingesetzt werden können und wie man der damaligen Inflation
wirksam begegnen kann. Die Antwort von M.
F
RIEDMAN
(1948, 1968) war eindeutig:
50)
(i)
Inflation ist im Wesentlichen ein monetäres Phänomen; sie kann und soll über die Geldmenge
gesteuert werden. (ii) Die Geldpolitik ist zwar wirksamer, aber kaum steuerbar, und deshalb
sollte sich die staatliche Wirtschaftspolitik darauf beschränken, die Geldmenge mit einer fes-
ten Rate wachsen zu lassen und in der Finanzpolitik ein ausgeglichenes Budget (mit mög-
lichst geringen Steuern) vorzulegen. Dies war zwar inhaltlich ein völlig konträres Rezept zum
keynesianischen Ansatz, aber die methodischen Unterschiede waren, soweit sie überhaupt
vorhanden waren, eher gering.
49. So haben C.W.J.
G
RANGER
und P.
N
EWBOLD
(1975) gezeigt, dass mit (‚untheoretischen‘) einfachen Model-
len der univariaten Zeitreihenanalyse erstellte Prognosen über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung
häufig besser abschnitten als Prognosen, die mit Hilfe großer makroökonometrischer Modelle erstellt wur-
den und die für sich in Anspruch nahmen, auf der ökonomischen Theorie zu basieren.
50. Siehe hierzu auch M.
F
RIEDMAN
und A.
S
CHWARZ
(1965).
– 14 –
[31] Sie bezogen sich bestenfalls auf die Frage, inwieweit sich die Individuen rational
verhalten. Dies wurde aufbauend auf der Theorie Rationaler Erwartungen im Sinne von J.
M
UTH
(1961) in der zweiten Welle der monetaristischen Revolution thematisiert, die zur
Neuen Klassischen Makroökonomik bzw. zur „Ökonomie des Dr. Pangloss“ führte, wie sie
(aus eher keynesianischer Perspektive) von W.H.
B
UITER
(1980) bezeichnet wurde. Danach
sind die Möglichkeiten staatlicher Eingriffe in den Wirtschaftsablauf noch begrenzter, als M.
F
RIEDMAN
(1968) zuvor angenommen hatte. Tatsächlich wurde hier ein Problem der keynesi-
anischen Ansätze aufgedeckt: Sie waren (bis zu diesem Zeitpunkt) damit vereinbar, dass sich
die Bürgerinnen und Bürger durch die staatliche Wirtschaftspolitik längerfristig systematisch
täuschen lassen. Die Tatsache, dass die Annahme rationaler Erwartungen bald auch in die
Modelle der neuen keynesianischen Makroökonomik eingebaut werden konnte, ohne dass
dies zu den gleichen wirtschaftspolitischen Abstinenzempfehlungen führte, zeigt freilich, dass
es sich hier zwar um ein zentrales wirtschaftspolitisches, aber nicht um ein grösseres methodi-
sches Problem handelt.
[32] Insgesamt betrachtet ergibt sich daraus, dass das Konzept der wissenschaftlichen
Revolution für die Erklärung der Entwicklung der wirtschaftswissenschaftlichen Theorien nur
wenig hergibt. Fragt man nach den grösseren methodischen Umwälzungen, kann man besten-
falls zwei Beispiele finden. Dazu kommt, dass die Inkommensurabilitätsthese in diesen bei-
den Beispielen nicht gilt: So wurde z.B. für die auf dem klassischen Ansatz basierende Theo-
rie von K.
M
ARX
gezeigt, wie sie im neoklassischen Modell als ein Spezialfall dargestellt
werden kann, der unter bestimmten Annahmen gilt.
51)
Man dürfte daher nicht ganz falsch lie-
gen, wenn man vermutet, dass der Begriff der Revolution in den Wirtschaftswissenschaften
eher anderen Intentionen dient, seien diese z.B. rhetorischer, ideologischer oder allgemeinpo-
litischer Natur, als dem Aufzeigen massgeblicher Fortschritte in der ökonomischen Theorie-
bildung. Dies gilt auch für den Wechsel im Paradigma, der damit verbunden sein soll: Er be-
zog sich jeweils weniger auf die theoretische Perspektive als vielmehr auf die Einschätzung
der wirtschaftspolitischen Handlungsmöglichkeiten, auch wenn selbstverständlich wissen-
schaftliche Argumente als Begründung herangezogen wurden.
52)
5 Das Paradigma der Wirtschaftswissenschaften
[33] Damit stellt sich die Frage, inwieweit es überhaupt Paradigmen in den Wirtschafts-
wissenschaften gibt und wo diese allenfalls angesiedelt sein könnten. Entsprechend den obi-
gen Ausführungen über die Entwicklung der makroökonomischen Theorie dürfte es sehr
problematisch sein, dort von Paradigmen zu sprechen, zumindest solange man den hohen An-
spruch damit verknüpfen will, den T
H
.S.
K
UHN
(1962) damit verbindet und an seinen Bei-
spielen aus den Naturwissenschaften aufzeigt. Wenn man in den Wirtschaftswissenschaften
überhaupt sinnvoll von einem Paradigma reden will, dürfte dies im Bereich der mikroökono-
51. Siehe hierzu z.B. N.
O
KISHIO
(1963) sowie die Verweise in J.
K
ORNAI
(1971, S. 359).
52. Entgegen den Vermutungen von T
H
.S.
K
UHN
(1962) und P.K.
F
EYERABEND
(1976) dürfte die Inkommen-
surabilitätsthese freilich auch in den Naturwissenschaften nicht haltbar sein. Siehe hierzu G.
A
NDERSSON
(1988, S. 110ff.).
– 15 –
mischen Theorie angesiedelt sein. Dort findet sich tatsächlich eine weitestgehend geteilte
methodische Basis, die man als solche betrachten kann.
[34] Es handelt sich um den Kern des ökonomischen Verhaltensmodells: den methodologi-
schen Individualismus und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Erklärung mak-
roökomischer Phänomene. Gesellschaftliche Phänomene werden als (in aller Regel nicht in-
tendierte) Ergebnisse individueller Handlungen begriffen: Die Individuen entscheiden sich bei
aller Begrenztheit der ihnen zur Verfügung stehenden Informationen in ihrem Handeln
,rational‘ zwischen denen ihnen bekannten Handlungsalternativen; sie schätzen deren Vor-
und Nachteile und entscheiden sich gemäss ihrem relativen Vorteil. Dabei wird zumindest
im Prinzip zwischen den Intentionen bzw. Präferenzen der Individuen und ihren Hand-
lungsmöglichkeiten strikt unterschieden.
53)
[35] Rationalität bedeutet hier nicht, dass das Individuum in jedem Augenblick optimal han-
delt, sondern lediglich, dass es prinzipiell in der Lage ist, gemäß seinem relativen Vorteil zu
handeln, d.h. seinen Handlungsraum abzuschätzen und zu bewerten, um dann entsprechend zu
handeln. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Individuum sich immer unter unvollständiger
Information entscheiden muss und dass die Beschaffung zusätzlicher Information Kosten ver-
ursacht. Auch muss es häufig unter Zeitdruck entscheiden. Kosten zur Informationsbeschaf-
fung wird das Individuum vor allem dann auf sich nehmen, wenn es eine relevante Verände-
rung seines Handlungsraumes (und/oder seiner Präferenzordnung) registriert und daher eine
neue Abschätzung und Bewertung seiner Handlungsmöglichkeiten vornehmen muss. Auf eine
solche Veränderung reagiert ein rationales Individuum ‚systematisch‘, d.h. nicht zufällig oder
willkürlich, aber auch nicht dadurch, dass es sich unabhängig von diesen Veränderungen
streng an vorgegebene Regeln hält. Damit kann dieses Verhalten durch Setzung von Anreizen
systematisch beeinflusst werden, wobei sich solche Anreize im Wesentlichen aus Verände-
rungen des Handlungsraums der Individuen (der Restriktionen) ergeben. Damit sind auch
Prognosen von Verhaltensänderungen als Reaktion auf Veränderungen des Handlungsspiel-
raumes möglich.
[36] Das hier unterstellte ‚schwache Rationalitätsprinzip‘ hat für die Sozialwissenschaften
einen bedeutenden Stellenwert.
54)
,Verstehen‘ menschlichen Handelns ist erst möglich, wenn
man die im ökonomischen Verhaltensmodell angelegte Unterscheidung zwischen Präferenzen
und Restriktionen (Zielen und Mitteln) akzeptiert und außerdem davon ausgeht, dass die Indi-
viduen die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel (rational) zur Erreichung ihrer Ziele einset-
zen, wobei natürlich die subjektiven Perzeptionen eine wichtige Rolle spielen. Diese Rationa-
litätsannahme ist in diesem Sinne keine empirische Annahme, sondern eine Voraussetzung
dafür, dass ich menschliches Handeln in einer bestimmten Weise analysieren kann.
55)
Begreift
53. Zur ausführlichen Darstellung dieses Ansatzes siehe G.
K
IRCHGÄSSNER
(1991).
54. Siehe hierzu G.
K
IRCHGÄSSNER
(2004).
55. Man kann die Rationalitätsannahme und – darauf aufbauend – das ökonomische Verhaltensmodell freilich
auch als eine prinzipiell empirisch überprüfbare Hypothese auffassen; wegen der großen Allgemeinheit die-
ser Hypothese dürfte die Überprüfung im Allgemeinen aber recht schwer fallen. Überprüfungen sind jedoch
grundsätzlich (und oft auch recht leicht) bei genauerer Spezifikation der Restriktionen oder der Präferen-
zen, d.h. bei Hinzufügen zusätzlicher Hypothesen möglich. Dann aber werden ‚verbundene Hypothesen‘
getestet, so dass nicht ohne weiteres ausgemacht werden kann, ob im Falle einer Ablehnung die Rationali-
– 16 –
man dieses Verhaltensmodell in der hier vorgeschlagenen Weise als Voraussetzung zum Ver-
stehen menschlichen Handelns, so verschwindet auch der Unterschied zwischen ‚Verstehen‘
und ‚Erklären‘: Ich kann menschliches Handeln nur verstehen, wenn ich es mit Hilfe eines
solchen Modells rationalen Verhaltens erklären kann.
56)
[37] Dabei interessiert jedoch weniger das Verhalten einzelner Individuen als vielmehr das
Verhalten größerer Gruppen von Individuen, der ‚Aggregate‘: Nicht das Verhalten eines be-
stimmten einzelnen Individuums ist interessant, sondern das ‚typische‘ Verhalten, d.h. Re-
gelmäßigkeiten im Verhalten aller oder zumindest einer Mehrheit der betrachteten Individuen
in der jeweils untersuchten Gruppe. Die Mikrotheorie bietet hier (nur) die Basis, um Makro-
phänomene erklären zu können. Werden nämlich durch eine Veränderung einer bestimmten
Makrovariablen die Rahmenbedingungen für das Handeln aller Individuen bzw. einer be-
stimmten Gruppe in ähnlicher Weise beeinflusst, so kann man davon ausgehen, dass deren
Reaktion zwar nicht unbedingt in jedem Einzelfall, aber im Durchschnitt jene Regelmäßigkeit
aufweist, welche aus dem individuellen Entscheidungskalkül heraus erklärt werden kann.
[38] Die Betrachtung von Aggregaten ist noch aus einem anderen Grund zentral für die
Sozialwissenschaften: Nur so können von den einzelnen Individuen nicht intendierte soziale
Folgen individueller Handlungen erfasst werden, welche zu einer spontanen Ordnung führen.
Dies aber ist eine zentrale Aufgabe der Sozialwissenschaften, nach Ansicht vieler Autoren
sogar die zentrale Aufgabe. Für die Ökonomie ist dies fast trivial und seit A
DAM
S
MITH
(1776) eigentlich selbstverständlich: Üblicherweise hat keines der Individuen, die auf einem
Markt tätig sind, die Absicht, dadurch den Marktmechanismus als einen gesellschaftlichen
Koordinationsmechanismus in Gang zu setzen, und doch tragen alle, bewusst oder unbewusst,
mit oder gegen ihre Absicht, dazu bei. Aber nicht nur das Funktionieren des Marktmechanis-
mus ergibt sich als nicht intendierte Nebenfolge von Handlungen vieler Individuen, gleiches
gilt auch für politische Mechanismen. Und auch viele andere Institutionen ergeben sich dar-
aus.
[39] Dass dies das zentrale Paradigma der Wirtschaftswissenschaften ist, dürfte heute inner-
halb der Wirtschaftswissenschaften kaum bestritten werden. Mit dem Aufkommen der mak-
roökonomischen Theorie war es, wie oben ausgeführt wurde, jedoch zeitweise bestritten.
Spätestens seit auch die neue keynesianische Makroökonomik mit einer Mikrofundierung
arbeitet, hat sich dies jedoch erledigt. Dies heisst freilich nicht, dass dieser Ansatz in den So-
zialwissenschaften unbestritten wäre; es gibt als Alternative z.B. die Möglichkeit einer Sozi-
alwissenschaft in der Tradition von E.
D
URKHEIM
(1895, S. 193), der forderte, Soziales nur
durch Soziales zu erklären. Insbesondere im Bereich der Soziologie gibt es nach wie vor theo-
retische Ansätze, die ausschliesslich auf der Aggregatsebene argumentieren und für sich be-
haupten, einer Mikrobasis nicht zu bedürfen. Zwar hat H.
E
SSER
(1993) am Beispiel der Phä-
nomenologie gezeigt, dass eine Rekonstruktion dieses Ansatzes im Rahmen des ökonomi-
tätsannahme und damit das zugrunde liegende Verhaltensmodell oder ob die zusätzlichen speziellen An-
nahmen verworfen werden müssen.
56. Genau betrachtet handelt es sich hier um das allgemeine Grundmodell einer verstehenden Sozialwissen-
schaft im Sinn von M
AX
W
EBER
. Siehe hierzu z.B. die Beschreibung dieses Ansatzes in M.
W
EBER
(1913,
S. 429).
– 17 –
schen Verhaltensmodells möglich ist, aber dies muss nicht allgemein gelten, und es ist disku-
tabel, in welchen Bereichen dieser Ansatz fruchtbar ist.
[40] Andererseits kann man festhalten, dass der ökonomische Ansatz heute auch in den
anderen Sozialwissenschaften verwendet wird, auch wenn er dort wesentlich umstrittener als
in den Wirtschaftswissenschaften ist. Dies gilt insbesondere für die Politikwissenschaft, aber
auch für die Soziologie. Der ,ökonomische Imperialismus‘ hat dort viele Unterstützer, aber
auch nicht wenige Gegner gefunden.
57)
Im Sinne eines den Fortschritt in den Wissenschaften
fördernden Theorienpluralismus kann dies sinnvoll sein; das Problem im Wettbewerb der
Ideen ist hier jedoch, dass die Gruppe jener, die eine Anwendung des ökonomischen Ansatzes
in ihrem Bereich nicht als sinnvoll erachten, stark fragmentiert ist, so dass es sehr viel schwie-
riger als im Bereich der Wirtschaftswissenschaften ist, zu eruieren, welches ihr Paradigma ist.
Von einem gemeinsamen Paradigma kann in diesem Bereich kaum die Rede sein.
[41] Damit bleibe die Frage der von T
H
.S.
K
UHN
(1962) und P.K.
F
EYERABEND
(1976) im-
mer wieder behaupteten Inkommensurabilität zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen
Ansätzen. Ist sie in den Wirtschaftswissenschaften (oder allgemeiner in den Sozialwissen-
schaften) zu beobachten? Es ist nicht zu übersehen, dass zum einen Wissenschaftler verschie-
dener Disziplinen (in den Sozialwissenschaften) gelegentlich (oder vielleicht auch häufig)
aneinander vorbei reden, und dass sie zweitens auch gegenüber dem gleichen Gegenstand
gelegentlich sehr unterschiedliche Perspektiven einnehmen. Beides aber hat nichts mit In-
kommensurabilität zu tun. Selbst dort, wo es Inkommensurabilität ex ante geben sollte, dürfte
sie kaum jemals ex post gegeben sein: Wenn zwei Theorien aufgrund ihrer unterschiedlichen
Perspektiven zu unterschiedlichen, möglicherweise auch gegenteiligen Aussagen kommen,
besteht grundsätzlich die Möglichkeit nachzuvollziehen, welches die entscheidenden Annah-
men sind, die dies bewirken. Man wird sich vielleicht nicht darüber einigen können, welches
die sinnvolleren Annahmen bzw. welches das besser geeignete Modell ist, um ein bestimmtes
Phänomen zu erklären, aber gerade die Auseinandersetzung zwischen Keynesianern und Mo-
netaristen in den sechziger und siebziger Jahren hat gezeigt, dass man sehr wohl eine gemein-
same Sprache zur Verfügung hatte, in der man die Kontroversen austragen konnte. Dies zeigt
genauso wie auch z.B. jene Vexierbilder, die P.K.
F
EYERABEND
(1976, S. 314; 1978, S. 193)
zur Demonstration der Inkommensurabilität anführt, dass durch Kommunikation aufgezeigt
werden kann, dass beide Perspektiven möglich sind und weshalb ich aus der einen zum Er-
gebnis A und aus der anderen zum Ergebnis B komme.
58)
6 Das wissenschaftliche Forschungsprogramm der Ökonomie
[42] Das oben gezeichnete Bild des Paradigmas der Wirtschaftswissenschaften mag aus zwei
Gründen kritisiert werden: Zum einen gibt es bereits seit einiger Zeit auch innerhalb der Dis-
ziplin erhebliche Kritik am ökonomischen Verhaltensmodell, insbesondere im Rahmen der
57. Zum ökonomischen Imperialismus siehe z.B. G.
K
IRCHGÄSSNER
(2009a).
58. Siehe hierzu auch G.
A
NDERSSON
(1988, S. 1121f.). Dies schliesst nicht aus, dass bestimmte Personen (aus
welchen Gründen auch immer) nicht in der Lage sind, beide Perspektiven einzunehmen, aber es zeigt, dass
man beide Perspektiven einnehmen kann, was die Behauptung der Inkommensurabilität widerlegt.
– 18 –
,Behavioural Economics‘.
59)
Andererseits wird dieses Modell häufig erheblich ,reicher‘ darge-
stellt, indem z.B. die Rationalitätsannahme sehr viel strenger ist und daneben die ebenfalls
relativ starke Annahme der Eigeninteressiertheit menschlichen Handeln gesetzt wird. Im Ex-
tremfall haben wir das (häufig kritisierte) Modell des mikroökonomischen Einführungslehr-
buchs, in welchem vollständig informierte Individuen ihren Nutzen dadurch maximieren, dass
sie aus einem vorgegebenen Güterangebot zu festen Preisen das für sie ideale Güterbündel
wählen.
[43] Beide Argumente sind richtig, aber sie treffen nicht den Kern des Ansatzes, der oben
bewusst ,sparsam‘ dargestellt ist. Zur Beschreibung des Kerns bietet sich hier eher als der An-
satz T
H
.S.
K
UHN
(1962) jener von I.
L
AKATOS
(1974) an: In seiner Terminologie handelt es
sich hier um die negative Heuristik, den harten Kern des Programms. Tatsächlich wird in der
weit überwiegenden Anzahl ökonomischer Analysen sehr viel mehr unterstellt, und zwar so-
wohl bezüglich der Motivations- wie auch der Rationalitätsannahme, womit wir uns im
Schutzgürtel des Programms befinden, um wiederum die Terminologie von I.
L
AKATOS
(1974) zu verwenden. Dabei sind zwei Dinge offensichtlich, die auch niemanden überraschen
sollten: Zum einen kann dieses Modell auch mit starken Annahmen in bestimmten Bereichen
sehr viel erklären, zum anderen begibt man sich damit aber auch in ein Meer von Anomalien.
[44] All dies ist seit langem bekannt. Probleme mit der Rationalitätsannahme wurden zuerst
zu Beginn der fünfziger Jahre im Rahmen der Diskussion des Allais-Paradoxes
60)
und später
vor allem im Rahmen der auf H.A.
S
IMON
(1955) zurückgehenden Theorie eingeschränkter
Rationalität thematisiert, Probleme der Eigennutzannahme wohl zuerst bei der Übertragung
dieses Ansatzes auf den Bereich der Politik, als A.
D
OWNS
(1957) und insbesondere W.H.
R
IKER
und P.C.
O
RDESHOOK
(1968) feststellten, dass ein Modell, welches das Verhalten von
Wähler als rationale, ihrem eigenen Interesse dienende Handlung erklären soll, scheitert: Es
kommt zum Paradox des Nicht-Wählens: Würde man sich im eigenen Interesse und rational
verhalten, dürfte sich kaum jemand an einer Wahl oder Abstimmung beteiligen. In diesem
Fall hat man nicht von der Rationalitäts-, sondern von der Eigennutzannahme Abstand ge-
nommen.
[45] Es ist das Verdienst der Behavioural Economics, in den letzten Jahrzehnten diese Prob-
leme näher untersucht und hier erhebliche Fortschritte erzielt zu haben. Im Schutzgürtel des
ökonomischen Forschungsprogramms waren dabei erhebliche Änderungen erforderlich. Der
Kern wurde dadurch jedoch zumindest bisher nicht angetastet: Auch die Behavioural Econo-
mics gehen von Individuen mit Intentionen aus, die unter beschränkter Information im Sinne
des schwachen Rationalitätsprinzips handeln. Die gelegentlich auftretende (eher terminologi-
sche) Verwirrung ergibt sich vor allem dadurch, dass die Vertreter dieses Ansatzes das öko-
nomische Verhaltensmodell recht umfassend definieren, womit es dann im Widerspruch zu
59. Zur Übersicht über die Behavioural Economics siehe z.B. C.F.
C
AMERER
und G.
L
OEWENSTEIN
(2004) oder
A.C.
S
ANTOS
(2009).
60. Siehe hierzu M.
A
LLAIS
(1953).
– 19 –
den Ergebnissen ihrer (zumeist experimentellen) Forschung steht und sich damit plakative
Aussagen wie ,dass der Homo Oeconomicus tot sei, rechtfertigen lassen.
61)
[46] Inwieweit die Ergebnisse der Behavioural Economics dazu führen, dass die Wirtschafts-
wissenschaften und insbesondere die Volkswirtschaftslehre (wieder) stärker politikrelevant
werden, muss vorerst offen bleiben. Es gibt einige Ansätze im Rahmen des ,sanften Paterna-
lismus‘, die in Zusammenhang mit meritorischen Gütern neue Möglichkeiten für bewusste
politische Entscheide eröffnen.
62)
In der Krise des Jahres 2009, die u.a. durch Modelle der
Risikoabschätzung hervorgerufen wurde, die auf den extrem starken Rationalitätsannahmen
von J.
VON
N
EUMANN
und O.
M
ORGENSTERN
(1948) basieren, wurde gelegentlich auf die Er-
gebnisse der Behavioural Economics als mögliche Alternative zu den traditionellen Verfahren
der Risikoabschätzung verwiesen.
63)
Konkrete Vorschläge in dieser Richtung wurden freilich
bisher keine gemacht, ganz abgesehen davon, dass diese sich auch in der Praxis zu bewähren
hätten. Insofern haben wir bisher im Wesentlichen Ergebnisse, die im Labor für die Mikro-
ebene abgeleitet wurden und die zeigen, dass bestimmt strenge Annahmen, die üblicherweise
bei ökonomischen Analysen gemacht werden, in bestimmten Situationen nicht gelten. Inwie-
weit dies auf die Makroebene zu übertragen ist bzw. welche wirtschaftspolitische Relevanz
dies hat, ist bisher weitgehend offen. Dies gilt insbesondere dann, wenn in derartigen Experi-
menten Phänomene wie die Geldillusion oder Suchtverhalten simuliert werden sollen.
[47] Eine Infragestellung des Kerns der ökonomischen Verhaltensmodells könnte sich allen-
falls durch die Neuroökonomik ergeben.
64)
Inwieweit dies tatsächlich geschehen wird, ist der-
zeit freilich reichlich spekulativ. Man kann sich auch eine zusätzliche Bewährung des traditi-
onellen Modells des Homo Oeconomicus vorstellen. In Experimenten wurde gezeigt, dass
Individuen selbst dann bereit sind, andere zu bestrafen, die sich nicht an bestimmte Normen
halten, auch wenn dies für den Bestrafenden Kosten verursacht. Dies wurde als Widerlegung
der Eigennutzannahme interpretiert. Wenn heute von der Neuro-Ökonomik gezeigt werden
kann, dass durch diese Bestrafung die gleichen Gegenden im Gehirn aktiviert werden wie bei
anderen Nutzen stiftenden Aktivitäten, sind wir zumindest wieder nahe an der Annahme, dass
die Menschen genau dies tun, was ihnen Nutzen stiftet. Aber während dies bisher eine (na-
hezu) tautologische Aussage war, hätten wir jetzt eine experimentelle Unterlegung. Die Er-
gebnisse der Experimente könnten dann mit der Eigennutzannahme vereinbar sein.
61. Wenn z.B. A
XEL
O
KENFELS
, einer der prominenten jüngeren Vertreter der Behavioural Economics im
deutschsprachigen Raum, den „Abschied vom Homo Oeconomicus“ einläuten will, geht es auch ihm ledig-
lich um eine Modifikation der in ökonomischen Analysen üblicherweise gemachten Annahme der Verfol-
gung des Eigeninteresses, nicht um eine grundsätzliche Ablehnung des gesamten Ansatzes.
62. Zum sanften Paternalismus siehe z.B. G.
K
IRCHGÄSSNER
(1991, S. 261ff.)
63. Siehe z.B. R.
T
HALER
, Die Finanzkrise ist kein Unfall, Institutional Money 1/2009, http://www. institutio-
nal-money.com/cms/magazin/theorie-praxis/artikel/die-finanzkrise-ist-kein-unfall/?tx_ttnews%5Bpointer%
5D=6&tx_ttnews%5BbackPid%5D=18&cHash=202b428285 (12/02/11).
64. Zur Neuroökonomik siehe z.B. G.
B
ONANO
,
C.
L
IST
,
B.
T
UNGODDEN
und P.
V
ALENTYNE
(2088), K.A.
M
C
C
ABE
(2008), G.,W.
H
ARRISON
(2088) sowie die (übrigen) Beiträge in Economics and Philosophy 24
(2008), Heft 3 und die Beiträge in Analyse und Kritik 29 (2007, Heft 1).
– 20 –
7 Ökonomische Normalwissenschaft und die Lösung von Rätseln
[48] Soweit Ökonomen die Ideen von T
H
.
K
UHN
(1962) aufgenommen haben, sei es, dass sie
seine Konzepte auf die Entwicklung der ökonomischen Theorie angewendet haben, sei es,
dass sie grundsätzliche Kritik geübt und die Anwendbarkeit seiner Konzeption in Frage ge-
stellt haben, bezogen sie sich fast ausschliesslich auf seine Konzeptionen des Paradigmas und
der wissenschaftlichen Revolutionen, aber kaum jemals auf seine Konzeption der Normalwis-
senschaft.
65)
Diese scheint nicht nur bei Philosophen und Wissenschaftstheoretikern wenig
Kredit zu geniessen, wie die Diskussionen der sechziger und siebziger Jahre zeigen, sondern
auch bei den Ökonomen. Dabei scheint gerade das Konzept der Normalwissenschaft auf
grosse Teile der heutigen wirtschaftswissenschaftlichen Forschung zu passen,
66)
und genauso
wie in den Naturwissenschaften ist dies zumindest teilweise ein notwendinger Bestandteil
wissenschaftlicher Forschung, der bei Weitem nicht immer nur negativ zu bewerten ist. Man
denke (im Bereich der Naturwissenschaften) nur an die vielen Wissenschaftler, die an den
Grossexperimenten am CERN oder am DESY beteiligt sind.
[49] Einer der wenigen, die darauf aufmerksam gemacht haben, dass sich wirtschaftswissen-
schaftliche Forschung in aller Regel als Normalwissenschaft im Sinne von T
H
.
K
UHN
(1962)
vollzieht, ist J.
W
EIMANN
(1984), wobei auch er dies als negativ ansieht. Nach ihm dürften
jedem Ökonomen „die typischen Symptome einer solchen Strategie bekannt sein: das beharr-
liche Festhalten an Theorien, deren Gültigkeit nur für eine idealtypische Modellwelt nachzu-
weisen ist; die Immunisierung von Theorien, entweder a priori durch explizite Bezugnahme
auf einen rein theoretischen Begründungszusammenhang oder ad hoc durch die nachträgliche
Einführung von Prämissen und Annahmen, die die ,wenn‘-Komponente der theoretischen
Aussage so aufblähen, dass die ,dann‘-Komponente zum irrealen Spezialfall wird.“ (S. 284.)
Er sieht den Grund dafür darin, dass die sozialwissenschaftliche (und damit auch die wirt-
schaftswissenschaftliche) Forschung im Wesentlichen von aussen bestimmt ist, „ihre Ratio-
nalität weitgehend aus ihrer Fremdbestimmung bezieht“ und sieht als Voraussetzung einer
„Überwindung“ dieser Normalwissenschaft eine „Anerkennung der Wertigkeit sozialwissen-
schaftlicher Theorien“, sodass die „Zwecksetzung der Forschung, so sie unvermeidlich ist, zu
einem demokratischen Prozess gedeihen kann, indem der Sozialwissenschaftler selbst eine
bewusste, eine wichtige Rolle spielt.“ (S. 297.) Auch wenn man seine Analyse bezüglich der
von ihm angeführten Gründe nicht teilt, wird man kaum umhinkommen, zugeben zu müssen,
dass seine Beschreibung der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung die Realität dieser For-
schung zumindest nicht vollständig verfehlt.
[50] Will man der heutigen Situation der Normalwissenschaft in den Wirtschaftswissen-
schaften gerecht werden, sollte man zwischen der rein theoretischen und der empirischen For-
schung unterscheiden. In der empirischen Forschung, auf die oben bereits eingegangen wurde,
haben wir sowohl bei der Feld- wie bei der experimentellen Forschung heute die Situation,
65. Siehe hierzu die Übersicht in S.A.
D
RAKOPOULOS
und A.
K
ARAYANNIS
(2005).
66. Siehe hierzu auch V.J.
T
ARASCIO
(1997, S. 16): „Vieles, woraus heute Forschung und Publikationen in
ökonomischen Zeitschriften besteht, kann als ,Normalwissenschaft‘ im Kuhn’schen Sinne dieses Begriffs
charakterisiert werden: die Verfeinerung, sorgfältige Ausarbeitung und Anwendung von Theorien innerhalb
eines bestehenden Paradigmas.“
– 21 –
dass im Rahmen grösserer Forschungsprojekte ähnlich wie in den Naturwissenschaften be-
stimmte Fragestellungen aufgeteilt und von einer Vielzahl von Doktorierenden bearbeitet
werden. Als Beispiel mag die moderne mikroökonometrische Arbeitsmarktforschung dienen.
Wie oben bereits ausgeführt wurde, wurden im Bereich der Mikroökonometrie durch und im
Anschluss an Arbeiten von J
AMES
J.
H
ECKMANN
Methoden entwickelt, die im Vergleich zu
den früher angewendeten Verfahren z.B. sehr viel zuverlässigere Aussagen darüber erlauben,
ob bestimmte Massnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik tatsächlich dazu führen, dass die
Teilnehmerinnen und Teilnehmen an diesen Massnahmen schneller wieder einen Arbeitsplatz
finden.
67)
Diese Methoden wurden und werden allein im deutschsprachigen Raum heute an
verschiedenen Universitäten und in mehreren Wirtschaftsforschungsinstituten auf unter-
schiedliche Perioden und Länder angewendet, wobei sie teilweise auch an die dortigen Situa-
tionen angepasst werden müssen, woraus z.B. eine ganze Reihe von Dissertationen entstanden
ist bzw. noch entsteht.
68)
Dies ist ohne Frage Normalwissenschaft; der methodologische Rah-
men ist sowohl von der theoretischen als auch von der statistischen Seite her vorgegeben und
wird nicht in Frage gestellt. Die Wissenschaftler lösen ,Puzzles‘ im Sinne von T
H
.S.
K
UHN
(1962). Freilich ist diese Forschung alles andere als trivial, und sie ist zudem gesellschaftlich
ausserordentlich wichtig: Es geht um viele Milliarden Euro (bzw. CHF), die, wie die Ergeb-
nisse dieser Forschung zeigen, häufig sinnlos ausgegeben werden, d.h. ohne dass sie die er-
hofften positiven Auswirkungen auf die Beschäftigung auslösen.
69)
[51] In einer ähnlichen Situation befinden sich grosse Teile (wenn nicht sogar der weitaus
grösste Teil) der empirischen Wirtschaftswissenschaften (wie auch anderer empirischer Sozi-
alwissenschaften): Es geht zwar um die Überprüfung einzelner Hypothesen und damit um die
Aufarbeitung von Fakten, aber kaum um die Überprüfung bzw. Verwerfung ganzer Theorien.
Dabei können solche Untersuchungen nicht nur einen erheblichen Schwierigkeitsgrad aufwei-
sen, sondern auch diese Ergebnisse sind immer nur ,vorläufig‘, da dahinter Messtheorien ste-
hen, die selbst fehlerhaft sein können, so dass sie zu falschen Ergebnissen führen. Schliesslich
hat bereits K.
R.
P
OPPER
(1935, S. 60ff.) darauf hingewiesen, dass es keine theoriefreie Beo-
bachtung gibt, und I.
L
AKATOS
(1974) sowie P.K.
F
EYERABEND
(1976) haben viele ihrer Ar-
gumente in der Diskussion Anfang der siebziger Jahre darauf aufgebaut. Zudem hat diese
Forschung trotz aller ihrer gesellschaftlichen Relevanz den Nachteil, dass sie oft schon nach
wenigen Jahren bestenfalls Wirtschaftshistoriker (und vielleicht noch jene, die sich mit Dog-
mengeschichte befassen,) interessiert: Die korrekte Spezifikation einer Geldnachfragefunktion
für Deutschland in den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts interessiert
heute bestenfalls noch im Vergleich mit der heutigen Geldnachfragefunktion im Euro-Raum,
so wichtig sie damals für die Politik der Deutschen Bundesbank auch war.
67. Siehe hierzu z.B. M.
L
ECHNER
und F.
P
FEIFFER
(2001).
68. Allein in Deutschland haben neben dem Institut für die Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn z.B. das Zentrum
für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim sowie das Rheinisch-Westfälische Institut für
Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen einen Schwerpunkt im Bereich der mikroökonometrischen Arbeits-
marktforschung.
69. Siehe hierzu z.B. M.
L
ECHNER
und C.
W
UNSCH
(2008).
– 22 –
[52] Bei vielen besteht die Hoffnung, dass dies im Bereich der theoretischen, heute in aller
Regel stark mathematisch ausgerichteten Forschung zumindest partiell anders ist. Aber auch
dort kann es geschehen, dass das Problem, welches analysiert wird, in der praktischen Wirt-
schaftspolitik zwar heute relevant ist, aber in zehn oder zwanzig Jahren, aus welchen Gründen
auch immer, irrelevant sein wird. Dennoch besteht die Hoffnung, dass ein theoretisches Er-
gebnis, wenn es einmal erzielt ist, auf Dauer gültig sein wird. Davon kann man auch deshalb
ausgehen, weil eine mathematische Ableitung bzw. ein Beweis, wenn diese bzw. dieser ge-
lungen ist, allein durch den Zeitablauf nicht falsch oder irrelevant wird; schlimmstenfalls wird
ein Beweis gefunden, der (noch) einfacher bzw. eleganter ist und den alten Beweis dadurch
überflüssig macht. Wie das Beispiel des Allgemeinen Unmöglichkeitsthorems von K.J.
A
RROW
(1951) zeigt, muss jedoch weder ein kleiner Fehler in der Beweisführung noch die
Tatsache, dass später einfachere Beweise gefunden wurden, dazu führen, dass die ursprüngli-
che Leistung in Vergessenheit gerät; sie kann sogar mit einem Nobelpreis belohnt werden.
[53] Diese Arbeit ist jedoch ein (extremer) Ausnahmefall und in keiner Weise repräsentativ
für den Grossteil der heute produzierten Ergebnisse in der rein mathematisch-theoretischen
Forschung. Zum einen geht es gelegentlich nur darum, mathematisch-elegante Formulierun-
gen für eher triviale Ergebnisse zu finden, wie z.B. für die Tatsache, dass Menschen umso
eher ihrem eigenen Leben ein Ende setzen, je weniger sie für sich von der Zukunft erwar-
ten.
70)
Entscheidender ist, dass viele dieser Ergebnisse ausser den Autoren (und möglicher-
weise noch einer kleinen Gruppe von Forschern) kaum jemanden interessieren; sie werden
kaum gelesen und dementsprechend auch nicht zitiert. Es gab vor einigen Jahren in Deutsch-
land ein Experiment, welches aus rechtlichen Gründen jedoch (leider) abgebrochen werden
musste, bevor die endgültigen Ergebnisse vorlagen. Bei verschiedenen wirtschaftswissen-
schaftlichen Fachzeitschriften wurden Aufsätze zum zweiten Mal eingereicht, die dort bereits
publiziert worden waren. Verändert wurden (neben dem Datum) nur der Autor und der Titel
der Arbeit. Als das Experiment abgebrochen werden musste, waren einige Aufsätze bereits in
der gleichen Zeitschrift zum zweiten Mal akzeptiert. Diese Arbeiten waren insofern qualitativ
gut, als sie zum zweiten Mal den Begutachtungsprozess überstanden haben, aber ihre Ergeb-
nisse waren so irrelevant, dass weder die Herausgeber noch die Gutachter, die ja eigentlich
Spezialisten auf dem jeweiligen Gebiet sein sollten, wussten bzw. bemerkten, dass diese Ar-
beiten bereits in dieser Zeitschrift publiziert waren.
71)
[54] Damit stellt sich die Frage, was der Sinn solcher Arbeiten ist. Selbstverständlich kann
nie ausgeschlossen werden, dass in einer solchen Arbeit gelegentlich ein bahnbrechendes Er-
gebnis erzielt wird, welches nicht nur der Karriere des Forschers zuträglich ist, sondern auch
die Wissenschaft voranbringt. Derartige Ausnahmefälle können freilich kaum das ganze Un-
ternehmen rechtfertigen; schliesslich werden hier in erheblichem Masse gesellschaftliche Res-
sourcen eingesetzt, für die es auch alternative Verwendungen gäbe. Auch wenn man der Wis-
70. Zur ökonomischen Theorie des Selbstmords siehe D.S.
H
AMERMESH
und N.M.
S
OSS
(1974), zur Kritik
daran z.B. M.
P
RISCHING
(1983).
71. In die gleiche Richtung gehen aufgedeckte Betrugsfälle, in denen Arbeiten anderer Autoren unter Abände-
rung des Namens von einem anderen Autor bei einer anderen Zeitschrift eingereicht und dort auch akzep-
tiert wurden.
– 23 –
senschaft mit guten Gründen weitestgehend die Freiheit lassen will, über ihre Fragestel-
lungen und Methoden selbst zu entscheiden, ist das Ausmass, in welchem Umfang gesell-
schaftliche Ressourcen dazu eingesetzt werden sollen, ein politischer Entscheid, der auch po-
litisch gerechtfertigt werden muss. Dabei ist der Hinweis auf die gesellschaftlichen Vorteile
der Wissenschaftsfreiheit und der Förderung der Wissenschaft für sich allein betrachtet nicht
ausreichend.
72)
[55] Die wesentliche Funktion, welche diese kaum gelesenen Beiträge haben, ist, dass die
Autoren damit ihre Fähigkeit zeigen, derartige Rätsel zu lösen, was immer sie letztlich auch
seien. Es geht somit weniger um wissenschaftlichen Fortschritt, als vielmehr um den Ausweis
bestimmter Qualifikationen.
73)
Was früher die Funktion der Habilitation war, ist heute gleich-
sam an Peer Groups delegiert, die über die Erlaubnis zur Veröffentlichung in wissenschaftli-
chen Zeitschriften entscheiden. Dies ist nicht notwendigerweise schlecht, aber man muss die
Frage stellen, inwieweit der mit diesen Verfahren ursprünglich intendierte Nebeneffekt, dass
dadurch relevante Forschungsergebnisse erzielt werden, im Bereich der Wirtschaftswissen-
schaften heute (noch) gegeben ist.
74)
[56] Dies war vermutlich einer der rationalen Hintergründe, die hinter dem oben erwähnten,
im Jahr 2009 von 83 (meist älteren) Professoren der Volkswirtschaftslehre unterschriebenen
Aufruf „Rettet die Wirtschaftspolitik an den Universitäten“ lag.
75)
Dass in diesem Zusammen-
hang gegen die mathematische Ausrichtung weiter Teile der heutigen Wirtschaftswissen-
schaften polemisiert wurde, mag mit dieser Funktion erheblicher Teile dieser Wissenschaft
(und damit dem Funktionsverlust bezüglich der Generierung gesellschaftlich relevanter wis-
senschaftlich abgesicherter Aussagen) zusammenhängen. Auch wenn man über die Rolle der
Mathematik in den Wirtschaftswissenschaften sowie insbesondere im Rahmen der wirt-
schaftswissenschaftlichen Grundausbildung diskutieren und dabei unterschiedlicher Meinung
sein kann, greift man zu kurz, wenn man die Mathematisierung für die Entwicklung in der
modernen, theoretisch ausgerichteten Volkswirtschaftslehre verantwortlich machen will und
deshalb deren Zurückdrängung verlangt, da damit dieser grundlegende Funktionswandel die-
ser Art von Wissenschaft nicht beeinflusst wird.
8 Zusammenfassung und abschliessende Bemerkungen
[57] Ob wir dies schätzen oder nicht: Die meisten Forschungsaktivitäten in den
Wirtschaftswissenschaften fallen in Kuhn-scher Terminologie heute in den Bereich der Nor-
malwissenschaft. Wissenschaftliche Revolutionen sind, wenn man diesen Terminus ernst
nimmt, ausgesprochen selten; sie haben in den vergangenen Jahrhunderten vielleicht zweimal
72. Siehe hierzu auch G.
K
IRCHGÄSSNER
(2007).
73. In diesem Zusammenhang dürfte es nicht rein zufällig sein, dass sich W.
T
HOMSON
(1999) in der im Jour-
nal of Economic Literature und damit an sehr prominenter Stelle veröffentlichten Anweisung, wie junge
Ökonomen Arbeiten im Bereich der ökonomischen Theorie Papiere verfassen sollten, auf rein formale
Hinweise beschränkt; die gesellschaftliche und/oder wirtschaftspolitische Relevanz ist dabei kein Thema.
74. Zu dieser Selektionsfunktion siehe auch B.S.
F
REY
(2000, S. 26).
75. Siehe http://www.faz.net/s/RubB8DFB31915A443D98590B0D538FC0BEC/Doc~EA1E6687105BC44399
168BC77ADE64F8A~ATpl~Ecommon~Scontent.html (01.02.11).
– 24 –
stattgefunden. Das grundlegende Paradigma der Wirtschaftswissenschaften bzw. der harte
Kern ihres Forschungsprogramms ist weitgehend unbestritten, auch wenn über den Schutz-
gürtel heftig gestritten wird und hier gerade aus der interdisziplinären Zusammenarbeit mit
den Psychologen Fortschritte erzielt wurden.
[58] Kaum bestreitbare Fortschritte gab es auch im Bereich der empirischen Verfahren sowie
ihrer Anwendung auf wirtschaftliche Fragstellungen. Aber auch hier befinden wir uns im Be-
reich der Normalwissenschaft, auch wenn die dort erzielten Ergebnisse teilweise nicht nur
wissenschaftlich interessant, sondern auch für die praktische Wirtschaftspolitik von hoher
Relevanz sind. Behauptungen, der derzeitige Weg einer empirisch-quantitativen Forschung
sei ein Irrweg, man müsse sich von dieser von den Angelsachsen dominierten Entwicklung
(weitgehend) abkoppeln und zurück zur (deutschen) Ordnungstheorie finden, wie sie in
Deutschland in der Debatte des Jahres 2009 zu hören waren, sind eigentlich nur vor dem
Hintergrund bestimmter (enttäuschter) politischer Vorstellungen verständlich, ganz abgesehen
davon, dass die Intentionen der Ordnungsökonomik, nicht nur die wirtschaftlichen Prozesse
selbst zu analysieren, sondern auch deren institutionelle Rahmenbedingen in die Analyse ein-
zubeziehen, gerade auch durch die moderne Institutionenökonomik aufgegriffen wurden, wo-
bei kein Anlass bestand und besteht, dabei auf das moderne Instrumentarium der Ökonomik
zu verzichten.
[59] Dass sich andererseits im Bereich der Wirtschaftswissenschaften eine Kultur der
Rätsellösung entwickelt hat, wobei die Rätsel häufig wenig Bezug zu wirtschaftspolitischen
Fragestellungen haben, lässt sich kaum bestreiten. Dies bedeutet jedoch weder, dass es in der
wirtschaftswissenschaftlichen Forschung keinen Fortschritt gäbe, noch dass diese Forschung
insgesamt keine wirtschaftspolitische Relevanz mehr besässe. Was den Fortschritt anbetrifft,
sind wir freilich in keiner prinzipiell anderen Situation als andere Wissenschaften: Auch dort
ist nicht a priori klar, dass neue theoretische Ansätze wirklich erklärungskräftiger sind als die
bereits bekannten. Dies kann jedoch kein Grund dafür sein, nicht nach neuen Ansätzen zu
suchen. Die (zumindest teilweise) in die gegenteilige Richtung zielende Aufforderung, sich
eher auf die Vermittlung grosser Botschaften als auf sorgfältige theoretische Arbeit zu kon-
zentrieren, wie sie von H.
S
IEBERT
(1998) ergangen ist, kann man zumindest aus kritisch-rati-
onaler Perspektive nicht unterstützen.
76)
76. „Das Fach muss stärker daran denken, dass es Verantwortung in der Gesellschaft hat und dass auch diejeni-
gen von der großen Konzeption der Ökonomie zu überzeugen sind, die außerhalb des Fachs stehen, die in
den Medien vermitteln müssen und die in der Politik zu entscheiden haben. ... Vielleicht sollten wir doch
nicht jeden einzelnen Stein in der Wüste von Kakutania umdrehen, um danach zu suchen, wo der Wettbe-
werb nicht funktioniert, ... Und vielleicht, sollten wir alle einen Tick stärker berücksichtigen, was die Volk-
swirtschaftslehre insgesamt an verlässlichen Erkenntnissen zu bieten hat: Lassen Sie mich deshalb doch
lieber mit einem Klassiker beschliessen, mit John Stuart Mill: ,If competition hat its evils, it prevents
greater evils ... ‘ “ H.
S
IEBERT
(1998, S. 62f.).
– 25 –
Zusammenfassung
Zuerst wird auf die Positionen verschiedener Ökonomen zu Falsifikationismus, wissenschaft-
liche Revolutionen und wissenschaftliche Forschungsprogramme eingegangen. Danach wird
der kaum bestreitbare Fortschritt dargestellt, der sich in den letzten Jahrzehnen im metho-
disch-empirischen Bereich vollzogen hat. Im Anschluss daran wird gefragt, ob es neben
diesem Fortschritt, der sich vergleichsweise kontinuierlich vollzieht, auch Revolutionen ge-
geben hat, die sich insbesondere im Bereich der Theorie (bzw. der grundlegenden Methodo-
logie) vollzogen haben. Anschliessend beschäftigen wir uns mit dem Paradigma, welches
hinter dem ökonomischen Ansatz steht, sowie mit dem entsprechenden Forschungsprogramm
und der Kritik daran. Im Anschluss daran werden Probleme der Normalwissenschaft in den
Wirtschaftswissenschaften diskutiert, die heute ohne Zweifel den grössten Raum im Rahmen
der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung einnimmt. Auch wenn damit einige Probleme
verbunden sind, besteht kein Anlass, diese Forschung in irgendeiner Weise abzuwerten.
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Article
Opponents of mainstream economics have not yet called attention to the lack of in-depth examination of the general scientific conception of modern economics. However, economic science cannot consistently fulfil the epistemological and ontological requirements of the scientific standards underlying this conception. What can be scientifically recognized as true cannot be answered, neither through the actual ontological structure of the object of observation nor through a methodological demarcation. These limitations necessarily lead to the claim for both a pragmatic and a radical methodological pluralism.
Article
Full-text available
Discussions about the relationship of sports science to each of its disciplines can be tracked back up to the years of establishment of sport science. For the comparably young discipline 'sports economics', these considerations are currently still missing. Historically, besides applying economic approaches to sports, one can also identify non-economic traditions of dealing with economic phenomenons in sports. Within both lines of tradition, different terms for the phenomenons to be examined are used. Reflecting the development of these two lines of tradition of sports economics with respect to the established philosophical positions of Popper’s falsificationism, to Kuhn’s paradigmatic development in consequence of normal science and scientific revolution, as well as to Lakatos’ methodology of scientific Research Programmes, a number of implications arise for the development status of sports economics as economic discipline, both for its position in relation to sports science and economic science, and regarding to further theory developments.
Article
Full-text available
Der vorliegende Beitrag untersucht einen speziellen Arbeitsmarkt, der bislang nicht im Fokus der suchtheoretisch fundierten Arbeitsmarktforschung stand: den Arbeitsmarkt für Diplomsportlehrer. Er analysiert diesen Arbeitsmarkt mittels des suchtheoretischen Modells von McCall und rücken damit den Zeitraum zwischen dem Abschluss des Studiums und dem Eintritt in das erste Arbeitsverhältnis in den Mittelpunkt. Untersucht wird dabei der Einfluss der Dauer des Wartens auf die Höhe des Einstiegsgehalts und der Zusammenhang zwischen der Wartezeit und arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen. Verf.-Referat
Book
Milton Friedman's 1953 essay 'The methodology of positive economics' remains the most cited, influential, and controversial piece of methodological writing in twentieth-century economics. Since its appearance, the essay has shaped the image of economics as a scientific discipline, both within and outside of the academy. At the same time, there has been an ongoing controversy over the proper interpretation and normative evaluation of the essay. Perceptions have been sharply divided, with some viewing economics as a scientific success thanks to its adherence to Friedman's principles, others taking it as a failure for the same reason. In this book, a team of world-renowned experts in the methodology of economics cast new light on Friedman's methodological arguments and practices from a variety of perspectives. It provides the 21st century reader with an invaluable assessment of the impact and contemporary significance of Friedman's seminal work.
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