ChapterPDF Available

Abstract

Rita Süssmuth erweckt mit ihrer Äußerung den Eindruck, die Medien berichteten seit Jahren hauptsächlich über Frisur und äußere Erscheinung von Angela Merkel und debattierten meist darüber, ob sie als Frau für spitzenpolitische Ämter ebenso geeignet sei wie ein Mann. Ob derart pauschale Aussagen nur eine Vermutung der Bundestagspräsidentin a. D. sind, oder ob sie sich auch auf wissenschaftliche Analysen stützen können, soll im Folgenden hinterfragt werden. Dabei ist unstrittig, dass die Medien über Merkels Frisur und Kleidung berichteten. Doch es gab solche Diskussionen auch über Schröders (nicht) gefärbte Haare oder Stoibers Stottern. Unbestreitbar berichteten die Medien darüber, dass Merkel als erste Frau Vorsitzende einer der beiden großen Volksparteien, Kanzlerkandidatin und Bundeskanzlerin wurde. Fraglich ist jedoch, ob die berühmte Aussage „Die kann das nicht!“, die oft als „eine Frau kann das nicht“ interpretiert wurde, tatsächlich von Journalisten oder doch nur von der SPD formuliert wurde, was nicht weiter verwunderlich wäre, da die Genossen kaum mit dem Argument „Die kann das auch“ in den Wahlkampf ziehen konnten. Bewerten Journalisten Angela Merkel — weil sie eine Frau ist — anders bzw. negativer? Wird sie mehr im Zusammenhang mit so genannten „weichen“ Themen dargestellt? Schreiben die Journalisten tatsächlich vorrangig über Merkels Frisur, Kleidung und Aussehen? Und hat sich die Berichterstattung über Merkel im Laufe der Zeit geändert?
Immer nur die Frisur?
Angela Merkel in den Medien
Thomas Koch
1 Einleitung
"…nehmen Sie die Berichterstattung über Angela Merkel. Zum Teil wurde
mehr diskutiert über Frisur, äußere Erscheinung, Gesichtsausdruck, Hände,
etc., als dass inhaltlich debattiert wurde. Und wie oft kam die Frage auf: Kann
das Mädchen das? Fragen, die bei Männern gar nicht gestellt werden. Und in-
sofern erleben wir noch sehr häufig ungleiche Bewertungskriterien" (Süss-
muth, 2005).
Rita Süssmuth erweckt mit ihrer Äußerung den Eindruck, die Medien be-
richteten seit Jahren hauptsächlich über Frisur und äußere Erscheinung von
Angela Merkel und debattierten meist darüber, ob sie als Frau für spitzenpo-
litische Ämter ebenso geeignet sei wie ein Mann. Ob derart pauschale Aus-
sagen nur eine Vermutung der Bundestagspräsidentin a. D. sind, oder ob sie
sich auch auf wissenschaftliche Analysen stützen können, soll im Folgenden
hinterfragt werden. Dabei ist unstrittig, dass die Medien über Merkels Frisur
und Kleidung berichteten. Doch es gab solche Diskussionen auch über
Schröders (nicht) gefärbte Haare oder Stoibers Stottern. Unbestreitbar be-
richteten die Medien darüber, dass Merkel als erste Frau Vorsitzende einer
der beiden großen Volksparteien, Kanzlerkandidatin und Bundeskanzlerin
wurde. Fraglich ist jedoch, ob die berühmte Aussage "Die kann das nicht!",
die oft als "eine Frau kann das nicht" interpretiert wurde, tatsächlich von
Journalisten oder doch nur von der SPD formuliert wurde, was nicht weiter
verwunderlich wäre, da die Genossen kaum mit dem Argument "Die kann
das auch" in den Wahlkampf ziehen konnten. Bewerten Journalisten Angela
Merkel – weil sie eine Frau ist – anders bzw. negativer? Wird sie mehr im
Zusammenhang mit so genannten "weichen" Themen dargestellt? Schreiben
die Journalisten tatsächlich vorrangig über Merkels Frisur, Kleidung und
Aussehen? Und hat sich die Berichterstattung über Merkel im Laufe der Zeit
geändert? Für die Beantwortung dieser Fragen liegt diesem Beitrag keine
Immer nur die Frisur? 147
eigenständige Analyse zu Grunde; vielmehr trägt er verschiedene Ergebnisse
bisheriger Studien zusammen und vergleicht sie miteinander.
Zwei Probleme treten bei einem solchen Vorhaben allerdings auf: Zum
einen sind Untersuchungen, die sich – und sei es nur am Rande – mit Mer-
kel vor ihrer Kanzlerkandidatur beschäftigen, rar. Merkel wurde erst nach
ihrer Wahl zur Kanzlerkandidatin für die Forschung interessant. So gibt es
mittlerweile einige Studien, die sich mit Angela Merkel während des Wahl-
kampfes beschäftigen (vgl. z. B. Boomgaarden & Semetko, 2006; Schulz &
Zeh, 2006; Wagner, 2006); es existieren auch schon erste Analysen, die sich
mit Merkels medialer Darstellung zu Beginn ihrer Amtszeit beschäftigen
(vgl. Journalistinnenbund, 2005; Rettich, 2005). Vor dieser Zeit wurde das
Thema "Merkel in den Medien" jedoch kaum beachtet. Lediglich zwei un-
veröffentlichte Diplomarbeiten (Wille, 2001; Rail, 2003) und eine Bildanaly-
se (Fleissner, 2004) beleuchten diesen Zeitraum. Problematisch ist zudem,
dass die Ergebnisse aufgrund von unterschiedlich langen Analysezeiträu-
men, verschiedenem Analysematerial und jeweils anderen Erhebungsin-
strumenten nur sehr bedingt vergleichbar sind. Auch der jeweils vorherr-
schende thematische Hintergrund variiert bei Vergleichen über Jahre hinweg
stark. So ist zum Beispiel die Berichterstattung während des Wahlkampfes
nur eingeschränkt mit der während der K-Frage in der Union zu verglei-
chen. Auch wenn sich die Fragen – aufgrund der (noch) lückenhaften For-
schung – nicht ganz präzise beantworten lassen, kann man dennoch einen
Überblick über einzelne Ergebnisse geben, diese nebeneinander stellen und
Tendenzen herausarbeiten.
Zunächst werden die Studien, die sich mit Merkel im Wahlkampf befas-
sen anhand verschiedener Schwerpunkte analysiert (Kapitel 2). In Kapitel 3
werden die seit 1999 durchgeführten Untersuchungen in chronologischer
Reihenfolge dargestellt. Der Aufsatz schließt mit einem Fazit, in dem zentra-
le Tendenzen interpretiert und Desiderata diskutiert werden (Kapitel 4).
2 Berichterstattung über Merkel im Wahlkampf 2005
Angela Merkel geriet nach ihrer Wahl zur Kanzlerkandidatin nicht nur in das
Visier der Berichterstattung, sondern auch in den Fokus der Kommunikati-
onswissenschaft. Die Ergebnisse der (bislang veröffentlichten) Studien wer-
den im Folgenden in verschiedenen Aspekten einander gegenübergestellt.
148 Thomas Koch
Zunächst wird die Medienpräsenz von Angela Merkel mit der von Gerhard
Schröder verglichen (2.1); es folgen Ergebnisse über Bewertung (2.2) und
Personalisierung (2.3) der beiden Kandidaten; ob – und wenn ja, in welchem
Ausmaß – es geschlechterspezifische Unterschiede in der Berichterstattung
über die beiden Kandidaten gab, wird in Kapitel 2.4 analysiert. Inwiefern
deren Privatleben Thema der Wahlkampfberichterstattung war, zeigt Kapitel
2.5 auf.
2.1 Präsenz
Boomgaarden und Semetko (2006, S. 15) gelangen in ihrer Analyse der
Hauptnachrichten von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 während der so genann-
ten heißen Phase des Bundestagswahlkampfes zu dem Ergebnis, dass genau-
so häufig über Angela Merkel wie über Gerhard Schröder berichtet wurde.
Und auch Schulz und Zeh (2006, S. 284ff.) können keine gravierenden Un-
terschiede in der Präsenz der beiden Kandidaten in den Fernsehnachrichten
feststellen. In "vier üblicherweise als überregional verbreitete Qualitätsblät-
ter eingestuften Tageszeitungen" (FR, SZ, FAZ & Die Welt) kam Merkel
während des Wahlkampfes sogar häufiger vor und wurde umfangreicher
zitiert als Schröder (Wilke & Reinemann, 2006, S. 326).1
Dass im Wahlkampf über Merkel genauso viel bzw. sogar mehr berich-
tet wurde als über Schröder, ist aus zwei Gründen ein bemerkenswerter
Befund: Zum einen tritt der – insbesondere in amerikanischen Studien (z. B.
Bystrom, 2006; Kahn, 1996) nachgewiesene – Effekt, dass über männliche
Kandidaten generell mehr berichtet wird als über weibliche, nicht ein. Kahn
und Goldenberg (1991) konnten diesen Effekt sogar unabhängig davon, wer
Amtsinhaber und wer Herausforderer ist, nachweisen. Zum zweiten gab es
den so genannten Kanzlerbonus, der besagt, dass über den Amtsinhaber
1 Die Messung der Präsenz der Spitzenkandidaten in der Berichterstattung von BILD wird im Folgenden
nicht analysiert, da zwei Untersuchungen zu konträren Ergebnissen kommen: Während Wagner (2006, S.
23) feststellt, dass über Schröder mehr berichtet wird als über seine Herausforderin, kommen Boom-
gaarden und Semetko (2006: 16) zu dem Ergebnis, dass Merkel sowohl in Bezug auf die Summe der
Länge der Beiträge als auch bei Gesamt- und Durchschnittslänge der direkten Rede präsenter ist als
Schröder und die Kandidaten nur bei der Visualisierung gleichauf liegen. Warum die Ergebnisse hier so
unterschiedlich ausfallen, ist unklar, zumal der Untersuchungszeitraum fast identisch ist – Boomgaarden
und Semetko beginnen ihre Analyse nur zwei Wochen früher (von 8. August bis 17. September). Es kann
hier nicht festgestellt werden, ob diese 14 Tage die Differenz verursacht haben. Die Messung sollte daher
in einer weiteren Studie nochmals überprüft werden.
Immer nur die Frisur? 149
mehr berichtet wird, bei diesem Wahlkampf weder in Fernsehnachrichten
noch in Tageszeitungen. Dies ist erstaunlich, da sich der Präsenzvorsprung
des Amtsinhabers bei früheren Bundestagswahlen meist deutlich hat nach-
weisen lassen. So konnten große Vorsprünge insbesondere bei den Bundes-
tagswahlen 1990 (vgl. Semetko & Schönbach, 1994) und 1994 (vgl. Zeh,
2005) festgestellt werden und ebenso – wenn auch in geringerem Umfang –
bei den Wahlen 1998 (vgl. Zeh, 2005) und 2002 (vgl. Wilke & Reinemann,
2003). Fraglich ist, ob die große Präsenz von Angela Merkel in den Medien
an ihr selbst lag: War sie als Person interessanter, weil die Journalisten glaub-
ten, schon alles über Schröder geschrieben zu haben (vgl. Wilke & Reine-
mann, 2006, S. 335)? Oder ist der Kanzlerbonus "möglicherweise ein histo-
risches Phänomen der 1990er Jahre", das auch in Zukunft nicht mehr auf-
treten wird (Schulz & Zeh, 2006, S. 300)?
Es lässt sich letztendlich (noch) nicht klären, ob das ein Einzelfall blei-
ben wird und welche Faktoren ihn verursacht haben. Richtet man den Blick
auf Studien, welche die Präsenz der Parteien in den Massenmedien erfassen,
zeigt sich interessanterweise, dass gerade in der heißen Wahlkampfphase die
Fernsehnachrichten viel häufiger über die Union berichteten als über die
SPD (vgl. Brettschneider, 2005, S. 22). Nur dadurch, dass Schröder für seine
Partei viel präsenter war (auf ihn entfielen in der Schlussphase des Wahl-
kampfes mehr als zwei Drittel der SPD-bezogenen Aussagen, auf Merkel
hingegen nur ein Viertel der Unions-bezogenen Aussagen der Fernsehnach-
richten) und "fast im Alleingang für die SPD" sprach, war die Berichterstat-
tung über die beiden Spitzenkandidaten in den Medien ausgeglichen (vgl.
Brettschneider, 2005, S. 23). Die hohe Präsenz Merkels könnte demnach
lediglich eine Folge der umfangreichen Darstellung der Union in den Me-
dien sein – weshalb man auch die Gründe hierfür hinterfragen sollte. Brett-
schneider führt die hohe Präsenz der Union auf deren gouvernementalen
Wahlkampf zurück, wodurch deren eigene Regierungspläne stärker in den
Vordergrund gestellt wurden als die Regierungsbilanz von Rot-Grün. Zu-
dem trug wohl auch der Angriffswahlkampf der SPD zu der hohen Präsenz
der CDU in der Berichterstattung bei (vgl. Hilmer & Müller-Hilmer, 2006).
Zusammenfassend kann man sagen, dass über Angela Merkel in den
Medien mindestens genauso viel berichtet wurde wie über Gerhard Schrö-
der. Dass es bei diesem Wahlkampf keinen Kanzlerbonus gab, ist wahr-
scheinlich auf verschiedene Einflüsse, die wohl nur analytisch zu trennen
sind, zurückzuführen. Die Ergebnisse erwecken Interesse, weil sie unerwar-
150 Thomas Koch
tet sind und aus dem Rahmen der bisherigen US-amerikanischen Studien
fallen. Weitergehende Interpretationen können bei einer reinen "Präsenz-
Messung" kaum ausgearbeitet werden, da hierfür auch die Bewertung und
Personalisierung der Kandidaten in den jeweiligen Medien zu beachten sind
– diese wird im Folgenden dargestellt.
2.2 Bewertung
Brettschneider (2005, S. 23) stellt fest, dass es während des Wahlkampfs in
den Fernsehnachrichten keine Unterschiede bezüglich der Bewertung von
Angela Merkel und Gerhard Schröder gab, "mal wurde über die SPD und
Gerhard Schröder im Saldo etwas besser berichtet als über die Union und
Angela Merkel, mal war es umgekehrt". Und auch Schulz und Zeh (2006, S.
296) kommen bei ihrer Analyse der Fernsehnachrichten zu einem ähnlichen
Ergebnis: "Insgesamt ist beim Überblick über die Bewertungsindikatoren,
wie schon bei den übrigen Darstellungsmerkmalen, keine eindeutige Be-
günstigung des Amtsinhabers und dementsprechend auch keine Benachteili-
gung der Herausforderin zu erkennen". Boomgaarden und Semetko (2006)
stellen zwar fest, dass Schröder in den Fernsehnachrichten etwas positiver
beurteilt wurde als Merkel, betonen aber auch, dass die Unterschiede sehr
gering sind.
Bei den überregionalen Qualitäts-Tageszeitungen zeigt sich kein ein-
heitliches Bild: Frankfurter Rundschau und Süddeutsche Zeitung bewerteten Mer-
kel negativer, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und in der Welt wurde
Schröder negativer dargestellt (Wilke & Reinemann, 2006, S. 331ff.). Insge-
samt beobachten Wilke und Reinemann (2006, S. 330ff.) auch in diesem
Wahlkampf den seit 1980 bestehenden Trend einer deutlich negativen Dar-
stellung der Kandidaten in den Printmedien. Im Gegensatz dazu wurde
Merkel in der Bild insgesamt und auch in Bezug auf konkrete Eigenschafts-
dimensionen viel positiver dargestellt als ihr Kontrahent (Wagner, 2006, S.
23). Wagner behauptet, dass die Zeitung unter anderem durch die unter-
schiedliche Bewertung der Kandidaten eine "implizite Wahlempfehlung für
das schwarz-gelbe Lager" abgegeben habe. Auch Boomgaarden und Semet-
ko (2006, S. 17f.) stellen fest, dass Schröder in Bild deutlich mehr negative
Bewertungen erhielt, "während der Mittelwert von Merkel leicht zum Positi-
ven tendierte".
Immer nur die Frisur? 151
"Medienmacht und Medienmanipulation" warf Gerhard Schröder am
Wahlabend pauschal den Journalisten vor – dies ist, bezogen auf die Bewer-
tung der Kandidaten, weder in den Fernsehnachrichten noch in den Quali-
tätszeitungen nachzuweisen. Konken (2005, S. 31) erklärt die Unterstellung
Schröders, dass Journalisten bewusst ihre Macht missbrauchen, dadurch,
dass dieser "fälschlicherweise viele der seiner Ansicht nach 'regierungstreu-
en' Medien auf seiner Seite" vermutete. Dies träfe auf Bild zu, die Merkel,
wie erste Analysen zeigen, tatsächlich positiver bewertete als Schröder. Auf-
grund der Tendenzen in einer Zeitung jedoch von einer allgemeinen Me-
dienmanipulation zu reden, ist – wie Konken (2005, S. 31) folgert – eine
"absurde Spekulation". Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es we-
der in Fernsehnachrichten noch in Qualitäts-Tageszeitungen Unterschiede
in der Bewertung der Kandidaten gab.
2.3 Personalisierung
Dass es in Deutschland einen Trend zur so genannten Amerikanisierung des
Wahlkampfes geben soll, wird seit vielen Jahren diskutiert (vgl. z. B. Schulz,
1997, S. 186f.). Diese These kann zwar nicht pauschal übernommen werden,
doch zumindest im Bereich der "Personalisierung" lässt sich eine solche
Tendenz in Deutschland erkennen (vgl. Schulz, Zeh & Quiring, 2000, S.
426). Insbesondere seit dem Bundestagswahlkampf der SPD 1998, bei dem
der "medienversierte Kanzler(-kandidat) Gerhard Schröder beteiligt war,
wurden Diskussionen über die vermeintliche Personalisierung von Parteien-
kampagnen" in Deutschland angefacht, wobei Personalisierung der Spitzen-
kandidaten auch in Deutschland keineswegs eine neue Strategie ist (Holtz-
Bacha, 2006, S. 13). Politik im Allgemeinen und einzelne Programme und
Themen im Speziellen waren schon immer eng mit Personen verbunden; so
wird im deutschen Parteien-Wahlsystem durch den Zuschnitt mancher
Kampagnen auf Spitzenkandidaten beinahe eine Personenwahl suggeriert
(vgl. Holtz-Bacha, 2006, S. 13). Dieser Trend betrifft nicht nur die Wahl-
kampfführung, sondern auch die Medienberichterstattung: Zwar gab es in
der Wahlkampfberichterstattung bis 1998 insgesamt keinen "generellen
Trend zur Personalisierung" (Wilke & Reinemann, 2000, S. 98). Über die
Wahlkämpfe 1998 und 2002 wurde – bei letzterem auch bedingt durch das
TV-Duell – in den Medien stark personalisiert berichtet (vgl. Wilke & Rei-
152 Thomas Koch
nemann, 2006, S. 319). Und auch die Wahlberichterstattung 2005 war so-
wohl in den Printmedien (vgl. Wilke & Reinemann, 2006, S. 319ff.) als auch
in den Fernsehnachrichten (vgl. Schulz & Zeh, 2006, S. 286ff.) stark perso-
nalisiert.
Bei der Frage, welcher Kandidat in der Wahlkampfberichterstattung
2005 in stärkerem Maße personalisiert wurde, ergibt sich ein widersprüchli-
ches Bild: Schulz und Zeh (2006, S. 286) stellen fest, dass in den Fernseh-
nachrichten "über Merkel deutlich häufiger als über Schröder in hoch per-
sonalisierten Beiträgen berichtet" wurde, wobei sich diese Unterschiede
durchgehend bei allen untersuchten Sendern finden lassen. Für Bild stellt
Wagner (2006, S. 11) hingegen "fehlende Personalisierung und Zurückhal-
tung in der Berichterstattung über Merkel" fest, was Wagner als Vorteil für
die Unionskandidatin interpretiert.
2.4 Geschlechterspezifische Unterschiede
"Merkel spielt die Karte 'Frau' nicht nur nicht aus. Sie bemüht sich, sie zu
kaschieren" konstatiert Gaserow (2005, S. 3). Zumindest steht fest, dass
Merkel ihre Rolle als Frau im Wahlkampf nicht in den Vordergrund rücken
wollte, sie wollte als Politikerin und nicht als Frau bewertet werden (vgl.
Hilmer & Müller-Hilmer, 2006). Es gab zwar Überlegungen seitens der
CDU, die Tatsache, dass Angela Merkel als erste Frau in der Geschichte der
Bundesrepublik für das Amt des Bundeskanzlers kandidierte, im Wahlkampf
zu thematisieren; dies wurde jedoch wieder verworfen, "weil man die Wir-
kung einer solchen Thematisierung nicht wirklich abschätzen konnte" (Nie-
dermayer, 2006, S. 22). Wie die SPD mit diesem Thema im Wahlkampf
umging, ist strittig: Scholz (2006) behauptet in ihrem Diskussionspapier
(entstanden im Rahmen eines Projektseminars an der Humboldt-
Universität), dass die Geschlechterdebatte von Schröder und der SPD be-
wusst in den Fokus gestellt und "Schröder in diesem Wahlkampf explizit als
'Mann' markiert wurde". Holtz-Bacha (2006, S. 18) kommt hingegen zu dem
Schluss, dass die SPD versuchte, das Geschlecht der Kandidaten nicht in
den Wahlkampf einfließen zu lassen: "Alles, was den Eindruck eines Wett-
bewerbs zwischen 'Frau und Mann' erwecken konnte, wurde vermieden,
weil sich dieser für Schröder, der sich bis dahin gerade in der weiblichen
Wählerschaft starker Unterstützung erfreute, negativ ausgewirkt hätte".
Immer nur die Frisur? 153
Nachdem sich die SPD nicht lange vorher für eine Frau an der Spitze des
Staates stark gemacht hatte (vgl. dazu den Beitrag von Drinkmann & Cab-
ballero, in diesem Band), konnte sie nun schlecht gegen eine Kandidatin
Front machen und musste das Thema wohl tief hängen. Wie die Medien im
Bundestagswahlkampf 2005 über die Geschlechter der Kandidaten berichte-
ten, soll im Folgenden aufgezeigt werden.
Bisherige Forschungen zur Darstellung von weiblichen und männlichen
Kandidaten und zum Einfluss des Geschlechts auf den Wahlausgang stam-
men in erster Linie aus den USA (insbesondere Wahlen für den Senat, das
Abgeordnetenhaus oder das Gouverneursamt). Hier wurde in diversen Stu-
dien nachgewiesen, dass weibliche Kandidaten in den Medien weniger prä-
sent sind als ihre männlichen Kontrahenten und häufiger in Verbindung mit
weichen Themen dargestellt und mit weiblichen Merkmalen charakterisiert
werden als Männer (vgl. z. B. Burrell, 1990; Kahn & Goldenberg, 1991; Fox
& Smith 1998; Bystrom & Miller, 1999; dazu auch Holtz-Bacha, Mit den
Waffen..., in diesem Band).
In Deutschland gibt es kaum Untersuchungen, welche die Medienbe-
richterstattung über weibliche und männliche Kandidaten vergleichen. Ein
Grund dafür ist unter anderem, dass in der Bundesrepublik Kandidaturen
von Frauen für höchste politische Ämter eine Rarität sind; Ausnahmen
hiervon waren zum Beispiel die Wahl von Heide Simonis zur Ministerpräsi-
dentin oder die "Wahlkämpfe" von insgesamt sechs für das Amt der Bun-
despräsidentin nominierten Kandidatinnen, die jedoch stets durch diejenige
Fraktion bestimmt wurden, die keine Mehrheit in der Bundesversammlung
hatte (vgl. dazu auch den Beitrag von Drinkmann & Caballero, in diesem
Band). Bis vor fünf Jahren hatten sich lediglich einige Studienabschlussar-
beiten mit dem Thema auseinandergesetzt. Diese Lücke in der deutschen
Genderforschung wird seit der Kandidatur von Angela Merkel für das Amt
der Bundeskanzlerin allmählich geschlossen. Erste Inhaltsanalysen erheben
genderspezifische Aspekte der Berichterstattung während des Wahlkampfes
(vgl. z. B. Boomgaarden & Semetko, 2006; Schulz & Zeh, 2006) oder wäh-
rend der Amtszeit als Bundeskanzlerin (vgl. Journalistinnenbund, 2005).
Zentrales Ergebnis der Studien über die Wahlkampfberichterstattung
ist, dass sich bei den Themenkontexten keine geschlechtertypische Stereoty-
pisierung erkennen ließ: "Weder wird Merkel häufiger als Schröder im Kon-
text von vermeintlich weiblichen oder 'weichen' Themen wie Bildung oder
Kultur dargestellt, noch kommen in Schröder-Bezügen 'harte' Themen wie
154 Thomas Koch
Wirtschaft und Finanzen öfter vor als in Merkel-Bezügen" (Schulz & Zeh,
2006, S. 290). Ähnliches zeigt sich bei Boomgaarden und Semetko (2006, S.
18), die nur äußerst marginal nachweisen können, dass Merkel eher im Kon-
text mit den so genannten "weichen Themen" dargestellt wurde. Die Erwar-
tung, dass eine Frau verstärkt in weichen thematischen Kontexten darge-
stellt werden würde, wie verschiedene Studien aus den USA vermuten lie-
ßen, haben sich somit nicht bestätigt.
Auch bei der Bewertung spielen geschlechtertypische oder klischeehafte
Urteile über Merkel in den Fernsehnachrichten keine nennenswerte Rolle.
Schulz und Zeh vermuten, dass "sich bei der Darstellung von Angela Merkel
die mit ihrer Rolle (als Spitzenkandidatin und mögliche Kanzlerin) verbun-
denen Statusfaktoren vor den 'Nachrichtenfaktor Geschlecht' geschoben"
haben (Schulz & Zeh, 2006, S. 301). Boomgaarden und Semetko stellen
zwar fest, dass Schröder eher anhand von männlichen Charaktereigenschaf-
ten dargestellt wurde und das Geschlecht der Kandidaten nur dann Gegen-
stand der Berichterstattung war, wenn Merkel alleine oder beide Kandidaten
im Bericht vorkamen, nicht jedoch, wenn Schröder alleine thematisiert wur-
de, doch auch hier kommen die Autoren zu dem Schluss, dass das Ge-
schlecht zwar thematisiert wurde, doch "für die Art der Berichterstattung
nicht von Belang war" (2006, S. 21).
Welche Gründe letztlich verantwortlich waren, dass geschlechtertypi-
sche Merkmale in den Fernsehnachrichten während des Wahlkampfes kaum
zum Tragen kamen, ist nicht ganz zu klären. Zum einen lag es wohl an den
Strategien der Parteien und auch an Angela Merkel selbst, die sich nicht 'als
Frau' in den Fokus stellen wollte. Andererseits hatten die Journalisten eben-
falls kein Interesse daran, einen Geschlechterkampf zu inszenieren. Ob die-
ses Ergebnis auch für die Berichterstattung der Presse zutrifft, wäre noch zu
überprüfen. Schulz und Zeh (2006, S. 300) resümieren: "Für die Vermutung,
dass eine Frau, die für das Amt des Bundeskanzlers kandidiert, in den Nach-
richten schlechter wegkommt als ihr männlicher Kontrahent, bietet unsere
Analyse keine Anhaltspunkte".
Ob die Tatsache, dass mit Merkel eine Frau kandidierte, für die Wahl
positiv, negativ oder gleichgültig war, wird kontrovers diskutiert. Boomgaar-
den und Semetko (2006, S. 22) kommen zu dem Ergebnis, dass "die
CDU/CSU weder von dem Novum einer weiblichen Kanzlerkandidatin
profitieren konnte, noch dass es ihr augenscheinlich geschadet hätte". Gell-
ner mutmaßt hingegen, der "Faktor Frau" habe Wählerstimmen gekostet:
Immer nur die Frisur? 155
"Die vier oder fünf Prozent, die Frau Merkel auf wundersame Weise verlo-
ren hat, dürften auf grundsätzliche Ressentiments gegenüber einer Frau an
der Spitze des deutschen Staates zurückzuführen sein" (zitiert nach Köppl,
2005, S. 26). Und auch Holtz-Bacha (im Druck) vermutet, dass Angela Mer-
kel Bundeskanzlerin wurde "nicht weil, sondern obwohl sie eine Frau ist".
Dass sich Merkels Weiblichkeit positiv ausgewirkt haben könnte, nimmt
kein einziger Autor an.
2.5 Privatleben und Performance
Bei der Berichterstattung zum Wahlkampf 2002 stellen Wilke und Reine-
mann (2003) fest, dass das Auftreten, die rhetorischen Fähigkeiten und die
äußeren Merkmale der Kandidaten eine viel zentralere Rolle einnahmen, als
dies in früheren Bundestagswahlkämpfen der Fall war. Dieser Trend der
Berichterstattung, den die Autoren vor allem auf die beiden Fernsehduelle
2002 zurückführen, welche die Medien ausführlich thematisierten, setzt sich
auch im Wahlkampf 2005 fort: Wiederum unterlagen die Performance-
Qualitäten der Kandidaten einer intensiven Bewertung (Wilke & Reine-
mann, 2006, S. 323). Auch wenn es im Wahlkampf 2005 nur ein Fernsehdu-
ell gab, war dieses wiederum wesentlicher Grund für die große Bedeutung
der Performance in der Berichterstattung. In der an das TV-Duell anschlie-
ßenden Printberichterstattung entwickelten sich kaum Diskussionen über
Sach- oder Kompetenzfragen, sondern insbesondere über das Auftreten der
Kandidaten (vgl. Wilke und Reinemann, 2006, S. 323). Die Autoren unter-
suchen allerdings nicht, wessen Performance-Qualitäten in den Printmedien
positivere bzw. negativere Bewertung erfuhren. Dies analysiert Wagner
(2006) für die Berichterstattung von Bild. Sie stellt fest, dass Schröder hin-
sichtlich seiner Performance leicht negativ bewertet wurde, die wenigen
Aussagen über Merkel hingegen eine deutlich positive Tendenz hatten. Ins-
gesamt war in der Boulevardzeitung das Auftreten Schröders ein wesentlich
zentraleres Thema als das Merkels (Wagner, 2006, S. 14). Zu diesem Ergeb-
nis kommen auch Schulz und Zeh (2006, S. 296) für die Berichterstattung
der Fernsehnachrichten: "Anders als man vermuten könnte, wurde das Aus-
sehen und Auftreten von Schröder häufiger beurteilt als das von Merkel."
Während die Performance in der Berichterstattung über Merkel (und
Schröder) eine zentrale Rolle einnahm, wurde das Privatleben (operationali-
156 Thomas Koch
siert durch die Nennung von Alter, Familienstand und Konfession) beider
Kandidaten in den Fernsehnachrichten überhaupt nicht thematisiert (vgl.
Schulz & Zeh, 2006, S. 297). Auch in Bild war das Privatleben von Merkel
kaum ein Thema, und wenn, wurde hauptsächlich darüber berichtet, dass sie
es nicht publik machen möchte und ihr Ehemann nicht gewillt sei, öffent-
lich aufzutreten – dies allerdings in einem etwas negativen Ton (Wagner,
2006, S. 14). Über Schröders Privatleben wurde in Bild leicht positiv und –
bezogen auf die Zahl der Aussagen – doppelt so viel berichtet wie über
Merkel. Wagner (2006, S. 14) erklärt dies auch mit dem "Drängen Schröder-
Köpfs in die Öffentlichkeit". Die Darstellung des Privatlebens in Tageszei-
tungen und Unterhaltungsillustrierten wurde bislang nicht untersucht.
Obwohl zahlreiche US-Studien zeigen, dass Aussehen, Frisur und Klei-
dung von weiblichen Kandidaten viel ausgiebiger kommentiert werden als
bei Männern (vgl. z. B. Bystrom, 2006; Witt, Paget & Matthews, 1995), ist
dies bei Merkel während des Wahlkampfes nicht der Fall. Merkels Auftreten
und Aussehen war weder in den Fernsehnachrichten noch in Bild ein so
zentrales Thema wie bei ihrem Kontrahenten Schröder. Ein Grund dafür
könnte sein, dass Angela Merkel sich bemühte, ihre private Seite weitgehend
aus dem Wahlkampf herauszuhalten (Holtz-Bacha, 2006, S. 17). Auch hier
lassen sich die erwarteten Muster einer genderspezifischen Berichterstattung
nicht finden.
Eine Zusammenfassung aller relevanten Ergebnisse zur Berichterstat-
tung über Merkel im Wahlkampf findet sich unter Punkt 3.3.
3 Darstellung Merkels von 1999 – 2006
Eine Untersuchung darüber, inwiefern sich die Darstellung von Angela
Merkel in den Medien über die Jahre geändert hat, existiert (noch) nicht. Für
eine solche Studie wäre der Zeitraum von Merkels Wahl in den Bundestag
1990 bzw. ab Merkels Vereidigung als Ministerin im Januar 1991 bis zu ih-
rem ersten Jahr als Kanzlerin (derzeitig) interessant. Fragestellungen, die im
Rahmen einer solchen Analyse beantwortet werden könnten, sind: Wie ha-
ben die Medien den Weg "von Kohls Mädchen zur Radikalreformerin"
(Journalistinnenbund, 2005) verfolgt? Wie hat sich die Fotoberichterstattung
in diesem Zeitraum geändert? Welche Unterschiede lassen sich in der Be-
richterstattung über Merkel als Bundesministerin und als Bundeskanzlerin
Immer nur die Frisur? 157
finden? Die Darstellung von Merkels Privatleben und ihrer Performance
sowie Personalisierung und Genderaspekte in der Berichterstattung könnten
in einer solchen Studie über 16 Jahre hinweg verglichen werden. Die frühes-
te Inhaltsanalyse, die sich mit Merkel beschäftigt, setzt jedoch erst 1999 ein;
davor existieren keine Daten. Hier besteht noch reichlich Forschungsbedarf.
Im Folgenden wird zunächst eine Diplomarbeit vorgestellt, welche die
Berichterstattung über Merkel während der Wahl zur Parteivorsitzenden der
Union 1999/2000 untersucht (3.1). Kapitel 3.2 berichtet die Ergebnisse
einer Diplomarbeit und einer Bildanalyse, die beide im Zeitraum der so
genannten K-Frage der Union 2001/2002 entstanden sind. Punkt 3.3 fasst
die zentralen Befunde der Wahlkampfzeit zusammen, und der folgende Teil
stellt die ersten Studien, die sich mit Merkels Kanzlerschaft beschäftigen,
vor (3.4).
3.1 Wahl des Parteivorsitzes der Union (Oktober 1999 – April 2000)
Wille (2001) untersucht die Konstruktion des Images von Angela Merkel in
der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung im Zeitraum
vom 18. Oktober 1999 bis zum 10. April 2000. Schwerpunktthemen der
Berichterstattung sind die bevorstehende Wahl eines Parteivorsitzenden und
die Spendenaffäre der CDU. Um Vergleiche ziehen zu können, wurde auch
die Berichterstattung über Volker Rühe, Konkurrent Merkels um den Par-
teivorsitz, untersucht. Im Fokus der Arbeit stehen Persönlichkeitseigen-
schaften und geschlechterspezifische Unterschiede der beiden Kontrahenten
sowie die Themen der Berichterstattung. Durch eine multivariate Analyse
identifiziert und wertet Wille die verschiedenen Einflussfaktoren auf die
Beurteilung der beiden Kandidaten.
Während die Bewertung Rühes vor allem von der redaktionellen Linie
der jeweiligen Zeitung abhing, zeigte sich, dass bei der Beurteilung Merkels
in beiden Tageszeitungen ihre persönlichen Eigenschaften den größten Ein-
fluss hatten (Wille, 2001, S. 106). "Entscheidendes Konstruktionskriterium
für das Image Merkels waren die individuellen Eigenschaften ihrer Person
und deren Bewertung durch die Journalisten. Mehr oder weniger unabhän-
gig von thematischen Bezügen flossen so Wertungen über die Person Mer-
kels in die Berichterstattung mit ein, die die Darstellung des 'Menschen
Merkel' entscheidend beeinflußten" (Wille, 2001, S. 107). Merkels Charak-
158 Thomas Koch
tereigenschaften wurden von Journalisten eher positiv beurteilt; Glaubwür-
digkeit und Mut Merkels wurden von beiden Zeitungen besonders positiv
hervorgehoben (Wille, 2001, S. 87). Merkels Beurteilung verbesserte sich
über die sechs Monate kontinuierlich, und insbesondere in der letzten Phase
des Zeitraums berichteten beide Zeitungen tendenziell positiv über Merkel.
Rettich (2005, S. 13) mutmaßt: "Ohne die 'Angie-Mania' zur Hochphase der
CDU-Finanzaffäre wäre sie im Frühjahr 2000 vermutlich kaum zur CDU-
Vorsitzenden gewählt worden", und behauptet, Merkel sei von den Medien
bewusst unterstützt worden. Diese Vermutungen basieren jedoch nicht auf
Ergebnissen einer Untersuchung.
Merkel und Rühe wurden im untersuchten Zeitraum beide in stereotyp
männlichen Eigenschaftszuschreibungen dargestellt; stereotyp weibliche
Zuschreibungen betrafen allerdings lediglich Merkel. So wurde zur Bewer-
tung Merkels beispielsweise Attraktivität – als klassisch feminine Eigen-
schaftszuschreibung – herangezogen, was bei Rühe nie der Fall war (Wille,
2001, S. 87). Familienstand bzw. Kinder(-losigkeit) wurden – wenn auch
sehr selten – nur bei Merkel, nicht aber bei Rühe erwähnt. "Eine unmittelba-
re geschlechterspezifische Berichterstattung oder gar eine Benachteiligung"
erkannte Wille (2001, S. 108) nach den von ihr angelegten Maßstäben aller-
dings kaum. Die Journalisten thematisierten und kommentierten zwar die
Tatsache, dass Merkel als erste Frau Vorsitzende einer großen Partei in
Deutschland werden konnte, doch das Geschlecht wurde eher beiläufig
erwähnt und kaum zur Bewertung herangezogen.
3.2 K-Frage der Union (Dezember 2001 – Januar 2002)
Zwei Studien analysieren während der so genannten K-Frage der Union (ob
Merkel oder Stoiber bei der Bundestagswahl gegen Schröder 2002 antreten
soll) die Berichterstattung über Merkel: Rail (2003) untersucht die Images
von Merkel und Stoiber in sechs überregionalen Tageszeitungen (Süddeutsche
Zeitung, Frankfurter Rundschau, Tageszeitung, Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung,
Bild; der Untersuchungszeitraum begann am 1. Dezember 2001 und endete
am 19. Januar 2002). Insbesondere Herkunft und Geschlecht der Kandida-
ten stehen im Fokus der Inhaltsanalyse. Fleissner (2004) untersucht die
Pressebilder von Merkel und Stoiber in vier ausgewählten Printmedien (Süd-
deutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Der Spiegel, Focus) im Zeitraum
Immer nur die Frisur? 159
vom 1. Oktober 2001 bis zum 28. Februar 2002. Auch Fleissner erforscht
schwerpunktmäßig genderspezifische Unterschiede in der Darstellung.
Rail (2003, S. 104) kommt zu dem Ergebnis, dass das Geschlecht Mer-
kels eine wichtige Rolle in der Berichterstattung spielte; dass zum ersten Mal
eine Frau für das Bundeskanzleramt kandidieren könnte, fand Erwähnung,
blieb jedoch ohne Wertung, weshalb "eine geschlechtsspezifische Beurtei-
lung der beiden Kandidaten […] im Rahmen der Berichterstattung zur K-
Frage nicht festgestellt werden" konnte. Bei der Beurteilung Merkels wurde
die Tatsache, dass sie CDU-Politikerin ist, stärker berücksichtigt als ihr Ge-
schlecht oder ihre Herkunft. Stoibers Herkunft aus Bayern wurde sogar
doppelt so häufig erwähnt wie die Weiblichkeit Merkels, so dass Rail (2003,
S. 102) resümiert: "Die Tatsache, dass ein CSU-Politiker aus Bayern gegen
Bundeskanzler Gerhard Schröder antreten könnte, wurde von den Zeitun-
gen damit offensichtlich als bemerkenswerter empfunden, als die Tatsache,
dass eine Frau den Kanzler herausfordern könnte." Auch ergaben sich kaum
genderspezifische Unterschiede zwischen Merkel und Stoiber bei der Analy-
se einzelner geschlechterstereotyper Eigenschaftszuschreibungen: Bewer-
tungen sowohl von Stoiber wie auch von Merkel erfolgten vor allem anhand
stereotyp männlicher Eigenschaften. Interessanterweise wurde Stoiber "fast
doppelt so häufig anhand 'weiblicher' Eigenschaften bewertet" wie Merkel
(Rail, 2003, S. 102). Die Gründe hierfür sieht Rail vor allem in der stereotyp
weiblichen Eigenschaft "politische Vorsicht/Zurückhaltung", die Stoiber oft
zugeschrieben wurde. Merkel wurde auch "nicht häufiger als Stoiber hin-
sichtlich ihrer Ausstrahlung und ihres Auftretens sowie ihres Privatlebens
beurteilt" (Rail, 2003, S. 74).
Fleissner (2004) kann nachweisen, dass vor der Nominierung Edmund
Stoibers zum Kanzlerkandidaten der Union von Merkel mehr Bilder ge-
druckt wurden als von Stoiber (57% zu 43 %); erst nach der Nominierung
dreht sich dieses Verhältnis um. Im Vergleich zu Edmund Stoiber unterlag
Angela Merkel auf Bildern eher einer negativen Darstellung, wobei es sich
hier (insbesondere vor der Nominierung Stoibers) um geringe Unterschiede
handelt; nach der Nominierung Stoibers vergrößert sich dieser Unterschied
noch. Zudem überprüfte Fleissner, ob Merkel femininer dargestellt wurde
als Stoiber, indem sie Aspekte geschlechterspezifischer Körpersprache und
Erkenntnisse der kommunikationswissenschaftlichen Gender-Forschung
zur Analyse der Fotos heranzog. Die Auswertung zeigt, dass sowohl Merkel
als auch Stoiber "häufiger mit ihrem biologischen Geschlecht zugeordneten
160 Thomas Koch
Merkmalen abgebildet" wurden als umgekehrt, zum Beispiel wurde Merkel
häufiger mit Knick in der Hüfte, Stoiber öfter mit aggressiv-dominanten
Gesten dargestellt (S. 144). Allerdings räumt Fleissner ein, dass genderspe-
zifische Unterschiede in der Abbildung der beiden Kontrahenten insgesamt
keine große Rolle spielten und sich ein eher neutrales Bild ergab.
3.3 Bundestagswahlkampf (August – September 2005)
Die Berichterstattung über Angela Merkel im Wahlkampf wurde bereits in
Kapitel 2 ausführlich dargestellt. Daher folgt hier nur eine Zusammenfas-
sung der zentralen Ergebnisse: Mehrere Studien konnten nachweisen, dass
sie in den Medien ebenso präsent war wie der damals amtierende Kanzler
Schröder (vgl. Boomgaarden & Semetko, 2006; Schulz & Zeh, 2006; Wilke
& Reinemann, 2006). Es gab demnach weder den so genannten Kanzlerbo-
nus, noch wurde Merkel, weil sie eine Frau ist, weniger beachtet, wie Studien
aus den USA hätten vermuten lassen. Auch in der Bewertung der Kandida-
ten gab es kaum Unterschiede, Merkel und Schröder wurden sowohl in
Fernsehnachrichten als auch in Tageszeitungen annähernd gleich bewertet –
nur die Berichterstattung von Bild lässt leichte Vorteile für Merkel erkennen.
Der von Schröder geäußerte Vorwurf der Medienmanipulation ließ sich
somit in den bisherigen Studien nicht nachweisen.
Geschlechterspezifische Merkmale spielten in der Berichterstattung der
Fernsehnachrichten während des Wahlkampfes praktisch keine Rolle. Die
Journalisten berichteten zwar, dass Angela Merkel als erste Frau für das
Bundeskanzleramt kandidiert, bewerteten diese Tatsache jedoch nicht. Auch
stand die Darstellung von Angela Merkel nicht häufiger im Zusammenhang
mit so genannten "weichen" Themen. Für die Berichterstattung der Print-
medien liegen zu diesem Aspekt bislang noch keine Daten vor. Das Privat-
leben Angela Merkels spielte in den Fernsehnachrichten fast keine Rolle,
und auch BILD berichtete darüber wesentlich weniger als über das Schrö-
ders. Dies trifft auf das Auftreten und Aussehen der Kandidaten ebenfalls
zu: Auch hier wurde Schröder – wider Erwarten – häufiger beurteilt als
Merkel; insgesamt war die Performance im Wahlkampf ein zentrales Thema
der Berichterstattung.
Immer nur die Frisur? 161
3.4 Kanzlerschaft (ab November 2005)
Der Journalistinnenbund (2005) untersucht die mediale Darstellung Angela
Merkels in ihren ersten Tagen als Kanzlerin. Dazu analysiert er 300 Artikel,
die "nach eigenen Kriterien" ausgewählt wurden. Das Material, das als "be-
sonders aufschlussreich" galt, ging in die Analyse ein. Dass diese eigenwillige
Auswahl nicht den wissenschaftlichen Standards entspricht, räumen die
Autorinnen zwar ein, beanspruchen aber dennoch "allein durch die große
Zahl der vorliegenden Presseartikel" Repräsentativität. Der Begriff wurde
augenscheinlich allzu leichtfertig benutzt. Die Ergebnisse sind daher mit
aller gebotenen Vorsicht zu interpretieren. Zentraler Befund der Journalis-
tinnen ist, Angela Merkel "entspreche nach Meinung vieler nicht den Erwar-
tungen, die an eine Frau gestellt werden – und wird trotzdem in erster Linie
unter dem Gesichtspunkt 'Frau' betrachtet und bewertet". Zu diesem Er-
gebnis kam bislang allerdings keine der anderen Studien.
Raab (2007) untersucht in ihrer Diplomarbeit die Berichterstattung ü-
ber Merkel während der ersten 100 Tage der Kanzlerschaft in zwei Tages-
zeitungen und drei Zeitschriften (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche
Zeitung, Bild, Spiegel und Bunte). Anhand von Vergleichen mit Studien, welche
die Berichterstattung über Merkel während des Wahlkampfes analysieren,
zeigt Raab, dass nach dem Amtsantritt ein Imagewechsel stattfand: Eigen-
schaften wie dynamisch, ehrlich, bescheiden, verantwortungsbewusst und
modern, die ihr vor der Wahl zugesprochen wurden, fanden sich seltener,
stattdessen wurde sie eher mit Eigenschaften wie tatkräftig, kompetent,
sympathisch, charmant, fähig und sachlich charakterisiert. Traditionelle Rol-
lenvorstellungen fanden sich in der Presseberichterstattung jedoch nicht –
Raab mutmaßt, dass Merkel auf Grund ihrer kinderlosen Ehe hier eine Son-
derstellung hat und daher die traditionelle Rolle einer Frau, die neben ihrem
Beruf auch noch eine Familie zu managen hat, hier nicht zum Tragen
kommt. Die Verwendung unangemessener Bezeichnungsformen, wie Frau
Merkel, Frau Bundeskanzlerin oder Angie konnten in der Arbeit hingegen
nachgewiesen werden. Raab stellt abschließend fest, dass die Medien sich
während der ersten 100 Tage "in Zurückhaltung übten und die frauentypi-
sche Berichterstattung [...] nicht in ihrer extremsten Form zum Einsatz
kam".
Rettich (2005, S. 12) analysiert ebenfalls die Berichterstattung über Mer-
kel nach der Bundestagswahl und zeigt, dass sich Merkel nach der Wahl in
162 Thomas Koch
der Bewertung von Tageszeitungen und Fernsehnachrichten "von der
Wahlverliererin zur Kanzlerin mit Startbonus" wandelte. Während direkt
nach der Wahl noch die kritischen Aussagen überwogen, verschob sich
dieses Bild langsam, und knapp zwei Monate nach der Wahl dominierten die
positiven Aussagen über Merkel. Diese Trendwende in der Berichterstattung
belegt Rettich für nahezu alle untersuchten Medien, die nach der Wahl alle
"auf die Pro-Merkel-Linie eingeschwenkt" sind (2005, S. 13). "Besonders
positiv wurde die Bundeskanzlerin bewertet, wenn es um Meinungsumfra-
gen und ihre steigende Beliebtheit, Aussagen zu ihren Führungsqualitäten
und ihrer Persönlichkeit ging. Auch über Außen- und Europapolitik konnte
sie in der Berichterstattung punkten", während die negativen Themen (wie
Wahlkampf, Wahlergebnis oder unklare programmatische Positionen) in der
Berichterstattung weitgehend ausgeklammert wurden (Rettich, 2005, S. 14).
Diese überwiegend "positive und leicht positive Berichterstattung" über
Merkel hielt ungefähr sechs Monate an, dann überwog in den Medien die
Kritik (Rettich, 2006, S. 14). Rettich spricht sogar von einem "Absturz der
Kanzlerin" und weist nach, dass sich beispielsweise im Fokus das Bild Mer-
kels ganz gedreht habe und auch zum Beispiel im Stern und in der Süddeut-
schen Zeitung eine deutlich erkennbare Trendwende stattfand.
4 Resümee
Politische Information wird heute zum größten Teil über die Massenmedien
verbreitet; daher hängt das, was die Bürger über Merkel wissen, welche Per-
sönlichkeitseigenschaften sie ihr zuschreiben, wie sie ihre Performance und
ihre politischen Fähigkeiten beurteilen, ob sie diese positiv oder negativ
bewerten, vor allem von der medialen Darstellung Merkels ab. Wirkt die
Kanzlerin Merkel immer noch wie eine Fehlbesetzung oder "ewiger Wider-
spruch zur Mediendemokratie", wie Kurbjuweit (2005, S. 40) im Wahlkampf
noch behauptete?
Ein Vergleich der Studien im Zeitverlauf ist aufgrund der verschieden
langen Zeiträume, der unterschiedlichen Medienauswahl, Fragestellungen
und Codebücher nur sehr bedingt möglich; eine eindeutige Tendenz zieht
sich jedoch wie ein roter Faden durch alle Untersuchungen (sieht man von
der Studie des Journalistinnenbundes ab, dessen Artikelauswahl "nach eige-
nen Kriterien" erfolgte und daher nicht repräsentativ sein kann): Über das
Immer nur die Frisur? 163
Geschlecht Merkels wurde zwar berichtet, aber eine negative geschlechter-
spezifische Beurteilung oder eine insgesamt negative Darstellung Merkels
ließ sich kaum nachweisen. Merkels Geschlechtszugehörigkeit war zwar in
der Berichterstattung stets ein Thema und die Journalisten berichteten dar-
über, dass eine Frau erstmals Vorsitzende einer großen Volkspartei werden
könnte (Wille, 2001, S. 108), dass es – ein Novum in der Geschichte der
Bundesrepublik – eine Kanzlerkandidatin geben (Rail, 2003, S. 102) oder
dass eine Frau Kanzlerin werden könnte (Boomgaarden & Semetko, 2006,
S. 21); keine der Studien kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass Merkel auf-
grund ihrer Geschlechtszugehörigkeit benachteiligt wurde.
Merkel war "in dreifacher Hinsicht eine klare Ausnahme vom typischen
christlich-demokratischen Spitzenkandidaten", da sie aus dem Osten der
Bundesrepublik kommt, eine Frau und Protestantin ist (Roßteuscher, 2006).
Die Frage, welche Rolle ihre Herkunft aus dem Osten in der Wahlkampfbe-
richterstattung gespielt hat, sollte in weiteren Studien überprüft werden.
Eine Analyse der Bildberichterstattung über Angela Merkel während des
Wahlkampfes wäre interessant, da die Visualisierung bei der Kandidatendar-
stellung in den Printmedien eine immer zentralere Rolle einnimmt; Wilke
und Reinemann (2006, S. 335) sprechen gar von "einer Explosion visueller
Darstellungen der Kandidaten" in den Wahlkämpfen 2002 und 2005. Den-
noch sollte die Forschung Abstand nehmen von der Annahme, dass es poli-
tische Information nur in Wahlkampfzeiten gibt; zukünftige Analysen soll-
ten sich nicht nur speziell mit diesen Perioden beschäftigen, sondern dar-
über hinaus auch die Zeiträume vor und nach Wahlkämpfen analysieren. So
mutmaßt Niedermayer (2006, S. 22), dass "schon einige Zeit vor der Neu-
wahlankündigung auch intensiv an einer behutsamen Modernisierung der
Marke Merkel im Hinblick auf das persönliche Styling (Frisur, Make-up,
Schmuck, Kleidung) gearbeitet" wurde. Den Zeitraum vor der heißen Wahl-
kampfphase müsste man daher in zukünftigen Untersuchungen mit einbe-
ziehen. Ebenso ist es notwendig, die Berichterstattung während Merkels
Weg als Kanzlerin im Auge zu behalten.
Welchen Einfluss hat das Geschlecht auf die Berichterstattung über Po-
litiker(-innen)? Diese Frage birgt nach wie vor große Potenziale in sich (vgl.
Pfannes, 2004, S. 103). Es zeigt sich, dass über Merkel offenbar häufig an-
ders berichtet wird, als man dies gemeinhin bei Frauen erwartet. Die Frage,
ob die Medien schon reif sind für eine Kanzlerin, die Holtz-Bacha (im
Druck) aufwirft, lässt sich nicht generell beantworten. Es scheint, als wären
164 Thomas Koch
die Medien zumindest im Wahlkampf reif für Merkel gewesen. Die Behaup-
tung Süssmuths (2005), dass mehr über Frisur, äußere Erscheinung und
Gesichtsausdruck Merkels diskutiert wurde, als dass es inhaltliche Debatten
gab, lässt sich für die derzeit untersuchten Zeiträume nicht bestätigen – was
nicht bedeutet, dass diese Diskussionen nie geführt wurden. Zukünftige
Inhaltsanalysen sollten längere Zeiträume betrachten und die Bildberichter-
stattung nicht ausschließen, deren Potenzial im Bereich der politischen
Genderforschung bislang viel zu wenig genutzt wurde (vgl. Pfannes, 2004, S.
103). Die Forschung über Politikerinnen in den Medien im Allgemeinen und
über Merkel im Speziellen ist – insbesondere in Deutschland – nach wie vor
sehr lückenhaft.
Literatur
Boomgaarden, H. G., & Semetko, H. A. (2006). Duell Mann gegen Frau?! Geschlechterrollen und
Kanzlerkandidaten in der Wahlkampfberichterstattung. Beitrag zur Tagung "Die Bundestags-
wahl 2005" der DVPW-Arbeitskreise "Wahlen und politische Einstellungen", "Parteien-
forschung" sowie "Politik und Kommunikation", 19.-20.7.2006 am Wissenschaftszent-
rum Berlin.
Brettschneider, F. (2005). Bundestagswahlkampf und Medienberichterstattung. Aus Politik
und Zeitgeschichte, (51-52), 19-26.
Burrell, B. (1990). The presence of women candidates and role of gender in campaigns for
the state legislature in an urban setting: the case of Massachusetts. Women & Politics, 10,
85-102.
Bystrom, D. (2006). Advertising, web sites, and media coverage: Gender and communication
along the campaign trail. In S. Carroll & R. Fox (Hrsg.), Gender and elections: Shaping the
future of American politics. New York: Cambridge University Press.
Bystrom, D., & Miller, J. L. (1999). Gendered communication styles and strategies in cam-
paign 1996: The videostyles of women and men candidates. In L. L. Kaid & D. G. By-
strom (Hrsg.), The electronic election. Perspectives on the 1996 campaign communication (S. 293-
302). Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum.
Fleissner, K. (2004). Vor der Kür ist nach der Kür? Bundestagswahl 2002: Kandidatendebatte
im Spiegel der Pressefotografie. In T. Knieper & M. G. Müller (Hrsg.), Visuelle Wahl-
kampfkommunikation (S. 129-147). Köln: von Halem.
Fox, R. L., & Smith, E. R.. (1998). The role of candidate sex in voter decision-making. Politi-
cal Psychology, 19, 405-419.
Gaserow, V. (2005, 11. August). Geschichte ohne Merkel. Frankfurter Rundschau, S. 3.
Hilmer, R., & Müller-Hilmer, R. (2006). Die Bundestagswahl vom 18. September 2005: Vo-
tum für Wechsel in Kontinuität. Zeitschrift für Parlamentsfragen, 37, 183-218.
Immer nur die Frisur? 165
Holtz-Bacha, C. (2006). Personalisiert und emotional: Strategien des modernen Wahlkamp-
fes. Aus Politik und Zeitgeschichte, (7), 11-19.
Holtz-Bacha, C. (im Druck). Die Darstellung von Politikerinnen in den deutschen Medien. In
J. Dorer., B. Geiger & R. Koepl (Hrsg.), Medien – Politik – Geschlecht. Ansätze, Befunde und
Perspektiven der politischen Kommunikation.
Journalistinnenbund (2005, 22. November). Is' was, Kanzlerin? Das Besondere an weiblicher
Macht oder Wie Männer wieder richtige Männer wurden. Eine Analyse des Journalis-
tinnenbundes zur Darstellung von Angela Merkel in den Medien. Abgerufen am 4.
September 2006 von www.journalistinnen.de/aktuell/pdf/journalistinnenbund_angela-
watch.pdf
Kahn, K. F. (1996). The political consequences of being a woman: How stereotypes influence the conduct
and consequences of political campaigns. New York: Columbia University Press.
Kahn, K. F., & Goldenberg, E. N. (1991). Women candidates in the news: An examination
of gender differente in U.S. Senate campaign coverage. Public Opinion Quarterly, 55, 180-
199.
Konken, M. (2005). Medienmacht und Medienmissbrauch. Aus Politik und Zeitgeschichte, (51-
52), 27-32.
Köppl, C. (2005). Vom Wähler abgestraft. politik & kommunikation, (30), 25-26.
Kurbjuweit, D. (2005, 5. September). Die scheue Kriegerin. Der Spiegel, S. 40.
Niedermayer, O. (2006). Der Wahlkampf zur Bundestagswahl 2005. Beitrag zur Tagung "Die
Bundestagswahl 2005" der DVPW-Arbeitskreise "Wahlen und politische Einstellun-
gen", "Parteienforschung" sowie "Politik und Kommunikation", 19.-20.7.2006 am Wis-
senschaftszentrum Berlin.
Pfannes, P. (2004). Powerfrau, Quotenfrau, Ausnahmefrau…? Die Darstellung von Politikerinnen in der
deutschen Tagespresse. Marburg: Tectum Verlag.
Raab, U. (2007). Analyse der Presseberichterstattung über Angela Merkel in den ersten 100 Tagen nach
Ernennung zur Bundeskanzlerin. Nürnberg: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fa-
kultät, Friedrich-Alexander-Universität (unveröffentl. Diplomarbeit).
Rail, M. (2003). Die K-Frage in der Union. Die Darstellung von Angela Merkel und Edmund Stoiber in
der überregionalen Tagespresse. Nürnberg: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät,
Friedrich-Alexander-Universität (unveröffentl. Diplomarbeit).
Rettich, M. (2005). Medienbonus für die Kanzlerin, nicht für die Koalition: Berichterstattung
über Angela Merkel und ihre Koalition nach der Bundestagswahl. Media-Tenor, 12,
(152), S. 12-25.
Rettich, M. (2006). Keine echte Trendwende, aber eine leichte Verbesserung. Das Medienbild
von Kanzlerin, Regierung und Koalition 12/2005 – 11/2006. Media-Tenor, 13, (156), 10-
15.
Roßteuscher, S. (2006). CDU-Wahl 2005: Katholiken, Kirchgänger und eine protestantische Spitzen-
kandidatin aus dem Osten. Beitrag zur Tagung "Die Bundestagswahl 2005" der DVPW-
Arbeitskreise "Wahlen und politische Einstellungen", "Parteienforschung" sowie "Poli-
tik und Kommunikation", 19.-20.7.2006 am Wissenschaftszentrum Berlin.
166 Thomas Koch
Scholz, S. (2006). Nur einer hat das Zeug zum Kanzler – Der mediale Machtkampf zwischen Angela
Merkel und Gerhard Schröder im Wahlkampf 2005. Diskussionspapier im Rahmen eines
Projektseminars an der Humboldt-Universität Berlin. Abgerufen am 5. September unter
www.ruendal.de/aim/tagung 06/pdfs/scholz.pdf
Schulz, W. (1997). Politische Kommunikation. Theoretische Ansätze und Ergebnisse empirischer For-
schung. Opladen: Westdeutscher Verlag.
Schulz, W., Zeh, R., & Quiring, O. (2000). Wählerverhalten in der Mediendemokratie. In M.
Klein, W. Jagodzinski, E. Mochmann & D. Ohr (Hrsg.), 50 Jahre empirische Wahlforschung
in Deutschland (S. 413-443). Wiesbaden: Westdeutscher Verlag.
Schulz, W., & Zeh, R.. (2006): Die Kampagne im Fernsehen – Agens und Indikator des
Wandels. Ein Vergleich der Kandidatendarstellung. In C. Holtz-Bacha (Hrsg.), Die Mas-
senmedien im Wahlkampf. Die Bundestagswahl 2005 (S. 277-305). Wiesbaden: VS Verlag für
Sozialwissenschaften.
Semetko, H., & Schönbach, K. (1994). Germany's 'Unity Election': Voters and the media. Cresskill,
NJ: Hampton Press.
Süssmuth, R. (2005, 21. November). Frauen dürfen nicht werden wie Männer. tagesschau.de.
Abgerufen am 5. September unter http://wahl.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,11
85,OID4974002_REF377 64_NAV_ BAB,00.html
Wagner, B. (2006). BILD – unabhängig, überparteilich? Die Wahlberichterstattung der erfolgreichsten
Boulevardzeitung Deutschlands. Beitrag zur Tagung "Die Bundestagswahl 2005" der
DVPW-Arbeitskreise "Wahlen und politische Einstellungen", "Parteienforschung" so-
wie "Politik und Kommunikation", 19.-20.7.2006 am Wissenschaftszentrum Berlin.
Wilke, J., & Reinemann, C. (2000). Kanzlerkandidaten in der Wahlkampfberichterstattung. Eine
vergleichende Studie zu den Bundestagswahlen 1949-1998. Köln: Böhlau.
Wilke, J., & Reinemann, C. (2003). Die Bundestagswahlen 2002: Ein Sonderfall? – Die Be-
richterstattung über die Kanzlerkandidaten im Langzeitvergleich. In C. Holtz-Bacha
(Hrsg.), Die Massenmedien im Wahlkampf. Die Bundestagswahl 2002 (S. 29-56). Wiesbaden:
Westdeutscher Verlag.
Wilke, J., & Reinemann, C.. (2006). Die Normalisierung des Sonderfalls? Die Wahlkampfbe-
richterstattung der Presse 2005 im Langzeitvergleich. In C. Holtz-Bacha (Hrsg.), Die
Massenmedien im Wahlkampf. Die Bundestagswahl 2005 (S. 306-337). Wiesbaden: VS Verlag
für Sozialwissenschaften.
Wille, F. (2001). Die Darstellung von Angela Merkel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und in der
Süddeutschen Zeitung. Nürnberg: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Fried-
rich-Alexander-Universität (unveröffentl. Diplomarbeit).
Witt, L., Paget, K., & Matthews, G. (1995). Running as a woman: Gender and power in American
politics. New York: The Free Press.
Zeh, R. (2005). Kanzlerkandidaten im Fernsehen. Eine Analyse der Berichterstattung der Hauptabend-
nachrichten in der heißen Phase der Bundestagswahlkämpfe 1994 und 1998. München: Reinhard
Fischer.
... Some of those projects were qualitative case studies (e.g. Gnändiger, 2007; Pfannes, 2004; Scholz, 2007), others added specific qualitative components to quantitative studies on the election coverage (Koch, 2007; Koch and Holtz-Bacha, 2008; Semetko and Boomgaarden, 2007). These studies came to the conclusion that compared to that of her male competitor (Gerhard Schröder), the election coverage on Merkel was not specifically gendered and that both candidates received equivalent media attention. ...
... Since the 1970s, feminist communication researchers have diagnosed modes of trivialization in the media coverage of women linked to description of their bodies and outfits (Tuchman, 1978 ). In the same vein, the German media reported on Merkel's alleged fashion faux-pas even before she ran for chancellor in 2005; they also rated her hairstyle or physiognomy negatively (e.g. Koch, 2007). However, Merkel's political rise to chancellor was accompanied by a significant reduction of direct references to her appearance (see Eitner, 2007; Koch, 2007 ). ...
... Koch, 2007). However, Merkel's political rise to chancellor was accompanied by a significant reduction of direct references to her appearance (see Eitner, 2007; Koch, 2007 ). It took a unique occasion to generate once more media coverage on her body and dress code: when Angela Merkel wore a low-cut gown to the opening of the national opera in Oslo on 12 April 2008, numerous media in Germany and abroad commented on the unusual appearance of the chancellor who otherwise prefers highnecked clothes. ...
Article
Full-text available
This study interrogates the relationship of gender and power in the journalistic coverage of leading politicians. As an exemplar, we compare the coverage of German chancellor Angela Merkel and her (then) male counterpart, the social-democrat Frank-Walter Steinmeier. In a qualitative textual analysis of news and entertainment print media, we explain how politics is inscribed as a male field while its constitutive Other remains female. Acknowledging the importance of Merkel’s position as chancellor, journalists confer authority to the incumbent as much as to her competitor. However, a closer analysis of personal labels, descriptions of the body, and explanations of political actions reveals that gendering continues to be a constitutive aspect of political reporting, but in other ways than previously explained: the coverage constructs a disconnect between person and action, that is, between the gender of the politician and her or his political maneuvering. For example, the political model of the ‘fighter’ (and related constructions of masculine action) is employed in journalistic reporting for both men and women. At times, it evokes criticism toward hegemonic masculinity even when embodied by a woman. This analysis offers opportunities for deconstructing the gendered system of politics – regardless of whether performed by women or men.
... Some of those projects were qualitative case studies (e.g. Scholz 2007;Gnändiger 2007;Pfannes 2004), others added specific qualitative components to quantitative studies on the election coverage (Koch & Holtz-Bacha 2008;Koch 2007;Semetko & Boomgaarden 2007;Schulz & Zeh 2006;Wilke & Reinemann 2006). These studies came to the conclusion that compared to that of her male competitor (Gerhard Schröder), the election coverage on Merkel was not specifically gendered and that both candidates received equivalent media attention. ...
... In the same vein, the German media reported on Merkel's alleged fashion faux-pas even before she ran for chancellor in 2005; they also rated her hairstyle or physiognomy negatively (e.g. Koch 2007). However, Merkel's political rise to chancellor was accompanied by a significant reduction of direct references to her appearance (see Koch 2007;Eitner 2007). ...
... Koch 2007). However, Merkel's political rise to chancellor was accompanied by a significant reduction of direct references to her appearance (see Koch 2007;Eitner 2007). It took a unique occasion to generate once more media coverage on her body and dress code: When Angela Merkel wore a lowcut gown to the opening of the national opera in Oslo on April 12th 2008, numerous media in Germany and abroad comment on the unusual appearance of the chancellor who otherwise prefers high-necked clothes. ...
... Wie Merkel in den Medien dargestellt wird, ist erst seit ihrer Kanzlerschaft ein Thema für die Forschung geworden (vgl. Koch, 2007). Studien, welche die Darstellung in den Medien während Merkels Zeit als Ministerin untersuchen, existieren noch nicht, und auch Analysen über Merkels Darstellung während der Jahre als CDU-Vorsitzende und Oppositionsführerin sind rarnur eine Bildanalyse (Fleissner, 2004) und wenige Diplomarbeiten (z. ...
... Es lässt sich spekulieren, dass die umfangreiche Präsenz Merkels nur eine Folge der umfangreichen Darstellung der Union in den Medien, insbesondere in den Fernsehnachrichten, war (vgl. Brettschneider, 2005, S. 22;Koch, 2007). Der gouvernementale Wahlkampf der CDU, die ihre eigenen Regierungspläne stärker in den Vordergrund stellte als Negativ-Campaigning zu betreiben und die Regierungsbilanz der rot-grünen Koalition zu kritisieren, könnte ein Grund für die hohe Präsenz der Partei in den Medien gewesen sein (vgl. ...
Chapter
Full-text available
Kanzlerkandidat gegen Kanzlerkandidatin, Amtsinhaber gegen Herausforderin, Mann gegen Frau — das allein reichte schon, um den Bundestagswahlkampf 2005 zu einem besonderen ereignis zu machen. Der um ein Jahr vorgezogene Wahltermin, die Art und Weise, wie die Vorverlegung ermöglicht wurde, taten ein Übriges. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik trat eine Frau für das Amt der Bundeskanzlerin an, die — weiteres Novum — in der DDR aufgewachsen war. Somit war es auch für die Medien etwas Neues, über eine Kandidatin im Bundestagswahlkampf zu berichten. Schließlich bot sich mit dieser Situation auch für die Forschung zum ersten Mal die Gelegenheit zu prüfen, ob die deutschen Medien mit einer Kandidatin anders umgehen als mit einem Kandidaten. Da die Kampagne die Wählerschaft fast ausschließlich über die Medien erreicht, hat die Berichterstattung einen großen Einfluss auf das Image von Kandidaten, deren Popularität und daher auch auf ihre Chance, gewählt zu werden. Verschiedene, allerdings meist aus den USA stammende Studien ließen befürchten, dass über eine Kandidatin nicht nur anders, sondern auch zu deren Nachteil berichtet würde (vgl. z. B. Kahn, 1996; Kahn & Goldenberg, 1991; Pfannes, 2004).
Chapter
Full-text available
In recent decades, Western democracies have witnessed substantial changes in the role played by political leaders. In particular, prime ministers have benefited from increasing decision-making autonomy in both the cabinet and the party, to the detriment of party organizations. In this context, Germany represents a deviant case, when compared to other West European democracies: if, on the one hand, the personalization of politics has provided the chancellor with further visibility in the media, on the other hand strong political parties and a complex system of institutional veto points have remained significant sources of limitation to monocratic government. Nevertheless, the policy autonomy of the head of government has increased in many fields: how has this been possible? This chapter investigates how German chancellors have used domestic and international crises as windows of opportunity to find new room for maneuver and promoting crucial policy turns, often in opposition to their parties. The analysis focuses on two chancellors: Gerard Schröder and Angela Merkel, whose governments are contextualized within the executive history of the Federal Republic of Germany since 1949. Particular attention is paid to Merkel’s management of the Covid-19 crisis and the institutional constraints on her action. Findings show that a relative informal strengthening process of the figure of the chancellor has not been paired by relevant changes in chancellor’s normative powers. From a comparative perspective, this result is interpreted as a signal of continuity in the ability of German political institutions to work as counterweights vis-à-vis more personal forms of leadership.
Chapter
Am 29. Oktober 2018 kündigte sich ein gravierender Einschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland an. Nachdem am Tag zuvor die CDU bei der hessischen Landtagswahl nur noch 27 % der Wählerstimmen, 11 Prozentpunkte punkte weniger als 2013, errungen hatte, erklärte die Bundesvorsitzende dieser Partei und Bundeskanzlerin Angela Merkel, bei deren nächstem Parteitag im Dezember nicht mehr für den Vorsitz zu kandidieren.
Article
International politics is characterized by a lack of women. The few women holding high political positions are more likely to be criticized and judged based upon, what the author calls, 'the construction of masculinity in international relations'. Tracing the origin and logic of this construction, the article critiques the dominant theories of in-ternational relations (namely, realism and liberalism) and argues for the aptness of a radical feminist social constructivist approach to the study of international politics. The article also illuminates the strong focus on men and men's perspectives of these influen-tial mainstream theories on their conception and interpretation of war. An examination of the concept of war reveals how masculinity and femininity are portrayed on matters of war and national security and what side effects this has on women in politics, particu-larly women with political positions.
Chapter
Cristina Fernández de Kirchner war nicht „die Erste“, als sie in den Wahlkampf um das Präsidentenamt ging. Schon 1974 bis 1976 stand eine Frau in Argentinien an der Spitze des Staates. Marìa Estela Martìnez de Perón, bekannt als Isabel oder Isabelita, war damit nicht nur die erste Frau als Präsidentin Argentiniens, sondern eines lateinamerikanischen Landes öberhaupt. Isabel Perón war allerdings nicht durch eine Wahl an die Macht gekommen. Ihr Mann, Juan Perón, war im Oktober 1973 nach langen Jahren im spanischen Exil, zum dritten Mal Präsident von Argentinien geworden. Er machte seine Frau zur Vizepräsidentin, die allerdings im Schatten von Peróns zweiter Frau „Evita“ stand. Diese hatte als „Engel der Armen“ Mitte der vierziger Jahre den Präsidentschaftswahlkampf ihres Mannes erfolgreich unterstötzt und als First Lady erhebliche Popularität in der Bevölkerung erlangt, die ihrem Mann zugute kam.
Chapter
Die Bundestagswahl am 22. September 2002 war die fünfzehnte seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949. Damals hatten die Bürger in den westlichen Landesteilen erstmals nach der nationalsozialistischen Diktatur wieder frei ein zentralstaatliches Parlament wählen können und damit darüber entschieden, wer die Regierung übernehmen sollte. In den seither vergangenen gut fünf Jahrzehnten fanden solche Bundestagswahlen regelmäßig alle vier Jahre statt, von zwei umständehalber kürzeren Wahlperioden zu Anfang der 1970er und 1980er Jahre abgesehen. Auf ihre Art war gewiß jede dieser Bundestagswahlen einzigartig. Es wechselten nicht nur die Themen und Kandidaten, sondern auch der Spannungsgehalt der Wahlen. 1972 beispielsweise ging es vor allem um die sozial-liberale Ostpolitik, und der Wahlausgang war ziemlich knapp. Im Bundestagswahlkampf 1987 fehlte hingegen ein beherrschendes Thema, und das Wahlergebnis entsprach weitgehend den zuvor gehegten Erwartungen. Bei der letzten Bundestagswahl 1998 wurde dann zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eine amtierende Regierung — diejenige der Unionsparteien und der FDP unter Helmut Kohl — abgewählt. Nach 16 Jahren war dies aber nicht so überraschend, schon Wahlkampf und Prognosen deuteten es an.
Chapter
In Wahlanalysen, die den Aspekt der politischen Kommunikation nicht von vornherein ausklammern, hat seit den siebziger Jahren die Medialisierungsthese an Boden gewonnen. Sie besagt, daß Wechselwirkungen zwischen Massenmedien und Politik das Wählerverhalten veränderten und, mehr noch, den Wahlkampf insgesamt, also auch das Verhalten der Kandidaten, der Parteien und deren Kampagnenorganisation. Zugleich, so die Annahme, wandelte sich die Rolle der Massenmedien im Wahlkampf und damit auch die Beziehungen unter den verschiedenen Akteuren, also Parteien bzw. Kandidaten, Medien und Wählern, insbesondere die politische Kommunikation zwischen den Akteuren (vgl. etwa Bürklin/Klein 1998: 177–183; Holtz-Bacha 1999; Jarren 1998; Kaase 1998).
Chapter
The political career of U.S. Senator Dianne Feinstein, one of five women elected to the U.S. Senate in 1992’s so-called Year of the Woman, has been marked by a series of historic firsts. The first female member of the San Francisco Board of Supervisors, Feinstein became the first woman mayor of San Francisco in 1978. In 1992, she won a special election to the U.S. Senate, and she was reelected in 1994, 2000, and 2006. Feinstein was the first woman to serve on the powerful Senate Judiciary Committee and the first woman to chair the Senate Rules Committee and Senate Intelligence Committee. At seventy-six years old in 2009, Feinstein was rumored to be considering a run for governor of the state of California in 2010. As chair of the Senate Rules Committee in the 110th Congress, Feinstein also became the first woman to chair the Joint Congressional Committee on Inaugural Ceremonies for the January 20, 2009, inauguration of Barack Obama as the first African American president of the United States. On perhaps one of the most visible days of her thirty-nine-year political career, she called the ceremony to order, delivered welcoming remarks, and served as emcee for the event. Despite her political success and longevity, Feinstein also illustrates the double bind that women politicians face in their media coverage, television advertising, and Web sites in communicating an image that is tough but caring.
Article
(1) Bei der Bundestagswahl 2005 setzt sich der Trend zu steigender Volatilität fort: Die Wähler entscheiden sich immer später, nehmen immer häufiger die Möglichkeit des Stimmensplittings wahr, wechseln öfter die Parteipräferenz beziehungsweise bleiben der Bundestagswahl häufiger fern — noch nie war die Wahlbeteiligung bei einer Bundestagswahl niedriger als am 18. September 2005.
Article
Die Bundestagswahl 2005 war unter einer Reihe von Gesichtpunkten etwas Besonderes. Nicht nur stellte die Herbeiführung einer Wahl unter diesen Umständen ein Novum dar, auch das unerwartet schlechte Abschneiden der CDU/CSU am Wahltag sowie nicht zuletzt die erste Kandidatur einer Frau für das Amt der Bundeskanzlerin erregten Aufmerksamkeit (Schmitt/Wüst 2006; Niedermayer in diesem Band). Frauen in politischen Führungsämtern sind längst keine Seltenheit mehr. In den letzten Jahren sind Frauen in einer Reihe europäischer Länder, aber auch in Afrika und Südamerika, an die Spitze der Politik vorgedrungen (van Zoonen 2006). Vor allem aus den USA ist bekannt, dass weibliche Kandidaten bei Kongress- und Senatswahlen in den Medien anders dargestellt werden, als ihre männlichen Gegenspieler (Kahn 1994a; Kahn/Goldenberg 1991). Dies bezieht sich sowohl auf die Themenstruktur der Berichterstattung, als auch ganz allgemein auf die Sichtbarkeit der Kandidaten und die Nutzung von frames. Weibliche Kandidaten sind demnach weniger präsent in der Berichterstattung, ihre Wahlaussichten werden negativer dargestellt, sie werden eher mit „Frauenthemen“ in Zusammenhang gebracht und häufiger in Verbindung zu Meinungsumfragen und Wahlprognosen erwähnt.
Article
Die Bundestagswahl am 18. September 2005 war die sechzehnte seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 (und die fünfte seit der Wiedervereinigung 1990). Nach so vielen Wahlen über mehr als ein halbes Jahrhundert hinweg handelte es sich inzwischen längst um einen Vorgang demokratischer Routine. Gleichwohl stellte diese Bundestagswahl einen “Ausnahmefall” dar. Denn sie fand ein Jahr vor Ablauf der regulären Legislaturperiode statt und kam auf verfassungsrechtlich problematische Weise zustande. Nach mehreren für die SPD verloren gegangenen Landtagswahlen, zuletzt am 22. Mai 2005 in Nordhein-Westfalen, strebte Bundeskanzler Gerhard Schröder vorzeitige Neuwahlen noch im gleichen Jahr an. Er wollte — nach eigenen Worten — sich und der rot-grünen Bundesregierung damit ein neues Mandat verschaffen und insbesondere deren Durchsetzungsvermögen gegenüber einem von CDU/CSU (und der FDP) dominierten Bundesrat zurückgewinnen. Die Auflösung des alten Bundestages und die Ansetzung von Neuwahlen waren jedoch umstritten, konnten aber erreicht werden, nachdem die damit befassten Verfassungsorgane — der Bundespräsident und das Bundesverfassungsgericht — den Weg dafür frei gemacht hatten.
Article
Bisher hat noch immer das Fernsehen die größte Bedeutung für die Orientierung der Wähler im Wahlkampf. In Umfragen rangiert das Fernsehen mit Abstand an der Spitze relevanter Informationsquellen der Wähler (Geese, Zubayr & Gerhard, 2005). Es behauptet seine dominierende Stellung trotz vieler neuer Möglichkeiten der Internet-basierten Kampagnenführung. Das liegt nicht zuletzt an der für die Zuschauer attraktiven, durch Personalisierung lebendigen und durch Dramatisierung spannenden Politikvermittlung. Die Fernsehdebatten der Kanzlerkandidaten in den Wahlkämpfen 2002 und 2005 haben das eindrucksvoll unterstrichen. Das Fernsehen ist besonders empfänglich für Inszenierungen und für spektakuläre Aktionen. Es reflektiert in den Nachrichten schlaglichtartig die auffälligsten Ereignisse und Themen des Wahlkampfs und wird dabei gern auch für die “politische Kampagne” der Parteien vereinnahmt (Radunski, 1980).
Book
Der gegenüber der ersten Aufalge vollständig überarbeitete und erweiterte Band gibt einen Überblick über die wichtigsten Ansätze und Ergebnisse empirischer Forschung zum Verhältnis von Politik und Massenmedien. Es geht um die Medialisierung der Politik und deren Folgen für die Qualität der Demokratie: Welchen Einfluss hat der Medienwandel auf die „politischen Funktionen“ von Massenkommunikation? Auf welche Weise vermitteln die Medien die politische Realität und wie stellen sie politische Öffentlichkeit her? Wie begünstigen, behindern oder verändern sie das politische Engagement der Bürger und Entscheidungen der politischen Elite? Prozesse der politischen Beteiligung, der Kommunikation im Wahlkampf und der politischen Public Relations stehen dabei im Mittelpunkt.
Article
Recent studies investigating the role of candidate sex in voter decision-making have not found discrimination against women candidates. Thus, voter bias is often dismissed as part of the explanation for the drastic underrepresentation of women in high elective office. In a dual sample of Wyoming and California college students, bias against women candidates was found to be a factor in the vote choice. Studies that examine only one sample of voters in one region may be prematurely dismissing the possible existence of gender discrimination in some regions or cultures within the United States.