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Ernährung und Armut: erste empirische Befunde

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Abstract

In der aktuellen öffentlichen Armutsdiskussion werden die Zusammenhänge von Armut, Ernährung und Gesundheit so gut wie kaum thematisiert. Die für Problemstellungen und Fragen der Ernährung und Gesundheit verantwortlichen Disziplinen der Ernährungswissenschaft und Gesundheitsforschung haben zunächst unabhängig voneinander damit begonnen, sich damit auseinander zu setzen. In der Ernährungsforschung ist es Dank einer von der Arbeitsgemeinschaft für Ernährungsverhalten (AGEV e. V.) durchgeführten Tagungzum Thema „Ernährung in der Armut. Gesundheitliche, soziale und kulturelle Folgen in der Bundesrepublik Deutschland“ gelungen, über die hierzu erarbeiteten Publikationen von Barlösius, Feichtinger und Köhler (1995) eine multidisziplinäre Auseinandersetzung in Gang zu setzen. Ihre bisherigen Ergebnisse und Forschungsdefizite sowie erste Befunde, dieim Rahmen einer eigenen qualitativen Untersuchung erzielt wurden, werden vorgestellt und erörtert. In the recent public discussion about poverty the relationship between poverty, nutrition and health is neglected. The disciplines within the nutritional sciences and public health research, which deal with problems and questions concerning nutrition and health started to concern themselves with this topic each by themselves. Since the congress„ Poverty and Food in welfare societies “organized by the„ Working Association for Nutrition Behaviour (AGEV e. V.) and the following publications by Barlösius, Feichtinger and Kohler, an interdisciplinary discussion within the nutrition research has started. The results till now, research deficits and first findings based on an own qualitative study are presented and discussed.

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... Lieferten Barlösius et al. (1995) sowie Folgepublikationen wie Lehmkühler und Leonhäuser (1998, 2002 zwar einen wichtigen Baustein zur wissenschaftlichen Thematisierung relativer Armut und sozialer Ungleichheit, so münden auf den Erhebungen basierende Handlungsempfehlungen meist in der Forderung nach dem Abbau von Bildungsdefiziten durch zielgruppengerechte Beratungsangebote für Armutshaushalte (Lehmkühler, Leonhäuser 2002 Statt also konkrete Ernährungsrealitäten abzubilden, zielten die durchgeführten Fallstudien darauf ab, kausale Verkettungen offen zu legen, die hinter dem Erzählen über Ernährungsroutinen und die Prekarität stehen. Vielmehr galt es die in der kulturwissenschaftlichen Nahrungsforschung bereits vielfach herausgestellte Ambivalenz zwischen "Sollen und Wollen" und damit zwischen dem Sprechen über das Sich-Ernähren und dem tatsächlichen Ernährungshandeln zum Ausgangspunkt der empirischen Erkundungen zu erheben (Heimerdinger 2005;Hirschfelder 2018 Letztendlich gilt es auch jenes Argument verstärkt zu berücksichtigen, das Silke Meyer 2015 in die Diskussion geworfen hatte: "Die Situiertheit und Anthropogenität von Knappheit in den Blick zu nehmen, bedeutet auch, Akteur/innen nicht auf diese zu reduzieren." ...
... Lieferten Barlösius et al. (1995) sowie Folgepublikationen wie Lehmkühler und Leonhäuser (1998, 2002 zwar einen wichtigen Baustein zur wissenschaftlichen Thematisierung relativer Armut und sozialer Ungleichheit, so münden auf den Erhebungen basierende Handlungsempfehlungen meist in der Forderung nach dem Abbau von Bildungsdefiziten durch zielgruppengerechte Beratungsangebote für Armutshaushalte (Lehmkühler, Leonhäuser 2002 Statt also konkrete Ernährungsrealitäten abzubilden, zielten die durchgeführten Fallstudien darauf ab, kausale Verkettungen offen zu legen, die hinter dem Erzählen über Ernährungsroutinen und die Prekarität stehen. Vielmehr galt es die in der kulturwissenschaftlichen Nahrungsforschung bereits vielfach herausgestellte Ambivalenz zwischen "Sollen und Wollen" und damit zwischen dem Sprechen über das Sich-Ernähren und dem tatsächlichen Ernährungshandeln zum Ausgangspunkt der empirischen Erkundungen zu erheben (Heimerdinger 2005;Hirschfelder 2018 Letztendlich gilt es auch jenes Argument verstärkt zu berücksichtigen, das Silke Meyer 2015 in die Diskussion geworfen hatte: "Die Situiertheit und Anthropogenität von Knappheit in den Blick zu nehmen, bedeutet auch, Akteur/innen nicht auf diese zu reduzieren." ...
Conference Paper
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Beitrag zur Veranstaltung »Prekäre Ernährung. Ein tabuisiertes Phänomen der Wohlstandsgesellschaft« der Sektion Land-, Agrar-und Ernährungssoziologie. Die interdisziplinäre Ernährungsforschung hat sich innerhalb gut einer Generation von einem peripheren zu einem zentralen Gegenstandsfeld des universitären wie auch des gesellschaftlichen Diskurses entwickelt. Dabei wandte und wendet sich die Forschung vor allem jenen zu, die bereit sind, Auskunft zu geben, also an Forschungsprozessen zu partizipieren, oder jenen, die überhaupt im Blickfeld der Forschung liegen. Hinter sprachlichen, räumlichen oder auch sozialen Barrieren liegen jedoch Lebensrealitäten und damit Ernährungspraxen, die mit Bildern einer Nahrungsaufnahme in geordneten Chronologien und im Rahmen von Mahlzeiten oder mit dem Wunsch nach gesunder und nachhaltiger Ernährung, mithin mit den Imperativen der Ernährungspolitik und -beratung, eine eher begrenzte Schnittmenge aufweisen. Die zu Beginn des Jahres 2020 aufgetretene Corona-Pandemie verstärkt diesen Trend, denn sie erhöht das Armutsrisiko, beschleunigt die Öffnung der sozioökonomischen Schere und führt zudem zu psychosozialem Stress (Winterberg 2020). Der vorliegende Beitrag argumentiert aus der spezifischen Perspektive der Kulturwissenschaften für ein Zusammendenken von Prekaritäts- und Nahrungskulturforschung bzw. Ernährungssoziologie. Das Sprechen über alltägliche Ernährungsroutinen und Verzehrkontexte und dessen narrative Einbindung in die Verarbeitung und Deutung prekärer Lebensumstände, so soll im Folgenden dargelegt werden, ermöglichen eine alltagsnahe Tiefensicht auf (arbeits-)biografische Krisenerfahrungen, finanzielle Armut, Planungsunsicherheit und psychische Belastungssituationen. Am Beispiel eines an der Universität Regensburg durchgeführten Forschungsprojekts zu prekären Lebenswelten im Prisma der Ernährung sollen mögliche Zugänge und Perspektiven einer Verschränkung beider Forschungsfelder aufgezeigt werden. Hierzu wird zunächst das dem vorliegenden Beitrag zugrunde liegende Verständnis von Prekarität erläutert und mit Blick auf bestehende Studien zum Verhältnis von Prekarität bzw. Armut und Ernährung verortet. Daran anschließend folgen eine schlaglichtartige Diskussion erster empirischer Ergebnisse und ein Ausblick auf die nahe Zukunft. Die Diskussion stützt sich auf die bereits in Hirschfelder und Thanner (2019) in Form von Fallstudien publizierten Ergebnisse.
... Moreover, the fact that nutrient supplements are used by approximately a quarter of the people at risk of poverty indicates a certain interest and awareness for a balanced diet. This finding confirms the results of Leonhäuser and Lehm-kühLer [25]. In a qualitative study (GESA study) they could demonstrate that poverty households (new poverty) try very hard to feed their family members a healthy diet. ...
... Thus, certain household types seem to be very vulnerable to a decreasing budget. Recent studies have shown that low household income is related to unhealthier food choice [3,4] . It can be expected that households with low income restrict their food expenditures which may influence the variety of food purchases and, consequently, the nutrition behaviour. ...
Article
The second German National Nutrition Survey (NVS II) provides current data for the German population. From this study, data of food purchasing in times of restricted budget will be used for a secondary analysis. In a second step qualitative interviews will be conducted in which indepth information will be gained on consumers’ motives, attitudes, fears and response strategies (to a decreased household budget) regarding food purchases.
Chapter
Der Arbeitsplatz stellt für das Ernährungshandeln der Beschäftigten eine wichtige soziale Rahmenbedingung dar. Im Kontext des Konzepts des alltäglichen Ernährungshandelns am Arbeitsplatz stehen dabei nicht ausschließlich das individuelle Ernährungsverhalten der Beschäftigten im Vordergrund, sondern auch die Arbeitsbedingungen und die Strukturen des Arbeitsplatzes. Diese Doppelstruktur des Ernährungshandelns ist in vielfältiger Weise verflochten mit Fragen sozialer Ungleichheit und Fragen des Geschlechts, nicht nur bei der Ernährung. Anhand des Forschungsstandes und aktueller Studienergebnisse wird die Bedeutung sozialer Ungleichheiten in Verbindung mit Geschlechterverhältnissen in verschiedenen Feldern des Ernährungshandelns im Alltag und am Arbeitsplatz herausgearbeitet. Im Fokus stehen auch die subjektiven Vorstellungen der Beschäftigten von gesunder Ernährung und ihre Bedeutung für die Programmplanungen im Rahmen Betrieblicher Gesundheitsförderung.
Article
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Rubella is a vaccine-preventable, mild rash-inducing viral disease with complications that include a spectrum of birth defects in the developing foetus, especially if the infection is acquired in the early months of pregnancy. Consequently, the primary objective of global rubella control programmes is prevention of congenital rubella infection and associated birth defects. Despite the availability of safe and effective vaccines, and elimination of rubella virus in many developed countries substantial commitment to rubella control has not been demonstrated in the developing countries. This study appraises immunity to rubella, and consequently makes appropriate recommendations aimed at facilitating effective control. A cross-sectional sero-surveillance study was carried out among defined 272 consenting ante-natal clinic attendees in south-western, Nigeria. Prevalence rates of 91.54% and 1.84% were recorded for anti-rubella virus (anti-RV) IgG and IgM respectively. Also, 90.7% and 92.3% of the women aged ≤30 years and ›30 years respectively had detectable anti-RV IgG. No significant association (p=0.94) was recorded between anti-RV IgG detection and age of the women. Previous exposure and susceptibility of significant fraction of the population to rubella infection were confirmed. Considerable political commitment and promotion of free rubella immunization specifically for women with childbearing potential were recommended.
Article
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"Die Frage, wie menschliche Erfahrungen und Handlungen von körperlichen Faktoren bestimmt werden, nimmt im Zusammenhang mit den sogenannten Todesnäheerfahrungen sehr ausgeprägte Züge an. Es handelt sich dabei um besonders außergewöhnliche, visionsartige Erfahrungen, die den Betroffenen den Eindruck vermitteln, tot zu sein. Obwohl sehr gehaltvoll, werden diese Erfahrungen zumeist nicht als ein Sinnphänomen betrachtet, sondern auf eine naturwissenschaftliche Weise erklärt. In jüngerer Zeit werden vor allem Prozesse im Gehirn als Ursache für diese Erfahrungen ausgemacht. Im Vortrag werden die gängigen Erklärungen dieser Art und ihre methodologischen Voraussetzungen skizziert. Vor diesem Hintergrund werden Ergebnisse aus einer eigenen wissenssoziologisch ausgerichteten bundesweiten Befragung vorgestellt, die darauf hinweisen, dass weder die methodologische Annahme einer Konstanz des Erfahrungsgehalts noch die feste Korrelation mit dem biologischen Tod unproblematisch sind. Schließlich wird ein Modell vorgestellt, das die naturwissenschaftlichen und wissenssoziologischen Zugangsweisen zu verbinden erlaubt." (Autorenreferat)
Article
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To examine weather exposure to rubella vaccine during 1-4 wk periconceptional period can cause congenital rubella syndrome (CRS). This prospective study was performed in 60 pregnant women who received rubella vaccine inadvertently 1-4 wk pre or post conception. Time of conception was determined by last menstrual period (LMP) and first trimester sonography. In addition to gathering mother's obstetric and demographic information, all neonates were evaluated for CRS signs by systemic physical examination and anti rubella IgG and IgM antibody titers in cord blood samples. A total of 60 pregnant women with the median gestational age of 38 weeks were studied. The mean maternal age was 22 years and 58.3% of pregnancies were unintended. In 90% of mothers there were no post vaccination side effects (fever, lymphadenopathy, arthritis, arthralgia). None of the mothers had a history of drug abuse, smoking or teratogenic exposures. Mean neonatal weight was 3100grs and 6.7% of them were premature. No signs of CRS were found in the neonates based on systemic physical exam at birth and one month later. Mean value of cord blood anti rubella IgG titere was 148/28+/-67/26 lu/ml. cord blood anti rubella IgM was negative in all of the neonates. In this study inadvertent rubella vaccination 1-4 wk before and after conception did not cause CRS in neonates and according to all reasearches pregnancy termination is not indicated in these cases.
Sozialer Status, Ernährung und Gesundheit
  • K Langnäse
  • M Mast
  • M J Müller
  • K. Langnäse
Untersuchung des Em/ihnmgsverhaltens von aus-gew~ihlten Familien mit vermindertem Einkommen in Giegen (Feld: ,Gummiinsel"). Gie-Ben
  • S Lehmldihler
  • I.-U Leonhguser
Lehmldihler, S./Leonhguser I.-U. (1998). Untersuchung des Em/ihnmgsverhaltens von aus-gew~ihlten Familien mit vermindertem Einkommen in Giegen (Feld:,,Gummiinsel"). Gie-Ben. Magistrat der Universitgtsstadt GieSen.
Emghrtmgsberichterstattung in der Bundesrepublik Deutschland Sozialer Status
  • B M K6hler
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  • G Papastefanou
K6hler, B.M./Oltersdorf, U./Papastefanou, G. (Hrsg.) (2000). Emghrtmgsberichterstattung in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin: sigma Langn~ise, K./Mast, M./Mfiller, M. J. (2000). Sozialer Status, EmNtmng und Gesundheit. Aktuel Emaehr Med, I, 16-20.
Armut und Emahrung Eine qualitative Studie fiber das Em/ihnmgsverhalten von ausgewS.hlten Familien mit niedrigem Einkommen. PrSsi-dent der Justus-Liebig
  • S Lehmldihler
Lehmldihler, S./Leonh/iuser I.-U. (1998). Armut und Emahrung. Eine qualitative Studie fiber das Em/ihnmgsverhalten von ausgewS.hlten Familien mit niedrigem Einkommen. PrSsi-dent der Justus-Liebig-Universitgt Giel3en (Hrsg.), Spiegel der Forschung 2, 74-82.
Armut und Emahrung-Eine Literaturfibersicht
  • E Feichtinger
  • B M K6hler
  • E Feich-Tinger
Feichtinger, E. (1998). Armut und Emahrung-Eine Literaturfibersicht. K6hler, B.M/Feich-tinger, E. (Hrsg.).Annotierte Bibliographie Armut und Em/ihrung. Berlin: sigma, 21-61.
Lebensmittelaufhahme und Vitaminversorgung Erwachsener in Abhängigkeit von Einkommen
  • T Adolf
Das empirische Bild der Armut in der Bundesrepublik Deutschland — ein Überblick. Politik und Zeitgeschichte
  • R Hauser
Armutsprävention durch Stärkung der Haushaltsführungskompetenzen
  • U Meier
  • H Preusse
  • E M Sunnus
  • U. Meier
Haushaltsführung in einem sozialen Brennpunkt
  • S Bödeker
Armut und Ernährung — Eine Literaturübersicht
  • E Feichtinger
  • B M Köhler
  • E Feichtinger
Ernährungsbudgets privater Haushalte - Einfluß von Haushaltseinkommen und Haushaltszusammensetzung
  • G Karg
  • K Gedrich
Was bedeutet es, sich mit wenig Geld gesund zu ernähren? Ergebnisse einer Untersuchung in einem Gießener sozialen Brennpunkt
  • S Lehmkühler
Essen und Ernähren mit Sozialhilfe — ein Bericht aus der Praxis
  • J Kamensky
  • E Barlösius
Expertise fur den ersten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung zur Situation von Familien, Alleinerziehenden und Familien in sozialen Notlagen
  • U Meier
  • U. Meier
Über den Monat am Ende des Geldes
  • R Roth
  • R. Roth
Referenzen für die Nälirstoffzufuhr. Frankfurt am Main
  • Deutsche Gesellschaft
  • Ernahrung
Ernährungsberichterstattung in der Bundesrepublik Deutschland
  • B M Köhler
  • U Papastefanou
Essen und Ernähren mit Sozialhilfe - ein Bericht aus der Praxis
  • J Kamensky
  • J. Kamensky
Ernährung in der Armut. Gesundheitliche, soziale und kulturelle Folgen in der Bundesrepublik Deutschland
  • E Barlösius
  • E Feichtinger
  • B M Köhler
Osterreichische Gesellschaft fur Ernahrung (OGE) /Schweizerische Gesellschaft fur Ernahrungsforschung (SGE) /schweizerische Vereinigung für Ernährung (SVE) (Hrsg
  • Deutsche Gesellschaft Für Ernahrung
Das empirische Bild der Armut in der Bundesrepublik Deutschland - ein Überblick
  • R Hauser
  • R. Hauser
Armut und Ernährung - Eine Literaturübersicht
  • E Feichtinger
  • E. Feichtinger
Untersuchung des Ernährungsverhaltens von ausgewählten Familien mit vermindertem Einkommen in Gießen (Feld: „Gummiinsel“)
  • S Lehmkühler
  • I.-U Leonhäuser
  • S. Lehmkühler