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Blogging Light für Job-Nomaden

Authors:

Abstract

Web 2.0 glänzt durch Benutzbarkeit und Nutzerbeteiligung - täglich etablieren sich neue Anwendungen. Abseits der klassischen Weblogs steht bereits eine völlig neue Generation in den Startlöchern: Microblogs und Tumblelogs.
Marketing meet the community dialogmarketing
24 e-commerce-magazin 04/09 www.e-commerce-magazin.de
Microblogs und Tumblelogs gelten als
neue Generation klassischer Weblogs.
Doch wo liegen die praxisnahen Einsatz-
möglichkeiten – insbesondere vor dem
Hintergrund eines Einsatzes in Unterneh-
men, die die Herausforderungen einer
modernen Informationsverteilung nach-
haltig zu bewältigen haben?
> WEB 2.0 (G)REIFT IN
UNTERNEHMEN
Sowohl Akquisition als auch Verbreitung
von Informationen über neue Medien,
allen voran über das Web, sind in den
letzten Jahren sehr viel komfortabler ge-
worden. Die Technologie selbst wurde
reifer und wird auch von wenig technolo-
gieaffinen Personen als einfach hand-
habbar empfunden. Durch die fortschrei-
tende technologische Entwicklung wurde
ein Wandel der Nutzer und ihrer Interak-
tionen am Web, vielfach bezeichnet als
Web 2.0, ausgelöst, der dem Web zu ei-
nem gewaltigen Akzeptanzschub über
breite Bevölkerungsschichten hinweg
verhalf. So ist das Web heute nicht mehr
nur Informations-, sondern vielmehr
auch Kommunikations- und sogar Ko-
operationsraum. In der Zwischenzeit ist
nutzergenerierter Inhalt am Web weitest-
gehend salonfähig geworden. Mittlerwei-
le gehen Wissenschaftler davon aus,
dass bereits ein Drittel der Web-Inhalte
insgesamt auf sozialen Plattformen
durch ihre Nutzer in Selbstorganisation
und Freiwilligkeit entstanden ist. Ausge-
hend von Beobachtungen wollen sich
Unternehmen das Potenzial aktueller
Web-Technologien zunutze machen. Ins-
besondere das Bloggen, am Web bereits
stark etabliert, findet in den Unterneh-
men sowohl intern, zur Unterstützung
den Wissensaustauschs, aber auch ex-
tern, zur Optimierung der Kommunikati-
on zu wichtigen Stakeholdern wie Kun-
den beziehungsweise Lieferanten nicht
mehr nur in technologieaffinen Bran-
chen Anklang.
Kurz erklärt stellen Weblogs eine
spezielle Software dar, die die Veröffent-
lichung von Inhalten in umgekehrt chro-
nologischer Reihenfolge unterstützt und
Kommentare erlaubt. Die b esonderen
technischen Eigenschaften von Weblogs
ermöglichen zudem eine Vernetzung
zwischen den Autoren. Gerade diese
Kombination aus Kommunikation und
Vernetzung, verbunden mit der Handha-
bung von Weblogs als leichtgewichtige
und zum Teil kostenlos erhältliche Con-
tent-Management-Systeme, hat Weblogs
für Unternehmen besonders interessant
gemacht, vor allem vor dem Hintergrund
einer Optimierung der internen und ex-
ternen Unternehmenskommunikation.
> DIE NÄCHSTE GENERATION
WARTET BEREITS
Während Unternehmen weitestgehend
noch versuchen, die den klassischen
Weblogs zugrunde liegenden sozio-tech-
nischen Phänomene zu verstehen, um
ihr Potenzial in einer von Strukturen und
Blogging light
für Job-Nomaden
WEB 2.0 GLÄNZT DURCH BENUTZBARKEIT UND NUTZERBETEILIGUNG – TÄGLICH ETABLIEREN
SICH NEUE ANWENDUNGEN. ABSEITS DER KLASSISCHEN WEBLOGS STEHT BEREITS EINE VÖL-
LIG NEUE GENERATION IN DEN STARTLÖCHERN: MICROBLOGS UND TUMBLELOGS.
von Johannes Müller, Alexander Stocker & Klaus Tochtermann
Microblogs und Tumblelogs sind neue leichtgewichtige
Werkzeuge, die das Potenzial haben, die Wissensarbeit in und
um Unternehmen nachhaltig zu revolutionieren.
(Quelle: aboutpixel.de / JimSMSa © Sven Schneider)
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Hierarchien geprägten Unternehmens-
umwelt zu heben, etabliert sich im Web
langsam, aber kontinuierlich die nächs-
te Generation des Bloggens. Die das
Web 2.0 besonders nachhaltig prägen-
den Trends „Benutzbarkeit“, „Miniaturi-
sierung“ und „Simplifizierung“ haben
zum Aufkommen völlig neuer Anwen-
dungen und Praktiken der Informations-
verteilung geführt: Entstanden sind Mi-
croblogs und Tumblelogs.
Im Unterschied zu klassischen
Weblogs veröffentlichen Nutzer in Micro-
blogs vergleichbar einer SMS besonders
kurze Textnachrichten, beispielsweise
persönliche Statusmeldungen wie etwa
Al ex ander Stoc ker g ßt von der
I-KNOW aus Graz“. Vorreiter der Micro-
blogging-Technologie und zugleich be-
kannteste einschlägige Web-Plattform
ist Twitter (www.twitter.com). Twitter-
Nutzer vernetzen sich lediglich über die
Beantwortung einer einzigen Frage:
„Was tust Du gerade?“. Quasi on the fly,
aus einer bestimmten Aktivität heraus,
bevorzugt über mobile Endgeräte oder
Smartphones, veröffentlichen Micro-
blogger Inhalte, die für ihre „Followers“,
also Freunde, Arbeitskollegen oder
Gleichgesinnte, hinreichend interessant
sind und somit von diesen über News-
Feeds abonniert werden.
> MICROBLOGS:
WISSENSTRANSFER 2.0
Durch Microblogging entsteht ein voll-
kommen neues, komplexes und dabei
äußerst dynamisches Kommunikations-
geflecht, das in der Lage ist, Nutzer ver-
stärkt an Plattformen zu binden. Das ha-
ben auch schon prominente soziale Netz-
werkplattformen wie Facebook.com oder
XING.com erkannt und in der Zwischen-
zeit versucht, Microblogging als Funktio-
nalität zu integrieren. Auch die klassi-
schen PR- und Marketingabteilungen in
Unternehmen wollen schon auf diesen
Zug aufspringen und ihrerseits versu-
chen, Stakeholder über diesen neuen
Kanal zu bedienen. Wissen gilt im Unter-
nehmen als wertlos, wenn es nicht effek-
tiv eingesetzt wird. Daher muss es stets
an alle Mitarbeitende im Unternehmen
transferierbar sein. Gerade für die Unter-
stützung eines Wissenstransfers inner-
halb von Unternehmen besitzt die Micro-
blogging-Technologie ein unglaubliches
Potenzial: Wird das miniaturisierte und
einfach handhabbare Twitter-Konzept auf
die Unternehmenslandschaft umgelegt,
kann die zu beantwortende Frage lauten:
„Woran arbeitest Du gerade?“ Gemäß
der Wissensmanagement-Devise, das
Rad nicht zwei Mal zu erfinden, hilft die
periodische Beantwortung einer solchen
Frage dabei, Wissensträger einfach zu
identifizieren und miteinander zu vernet-
zen. Hier kann die speziell auf die Bedürf-
nisse von Unternehmen ausgerichtete
Microblogging-Software Yammer (www.
yammer.com) gute Dienste tun. Obwohl
die Identifikation über die Technologie
erfolgt, kann der eigentliche Wissens-
transfer über klassische Instrumente wie
Alexander Stocker
ist Betriebswirt und
seit 2004 am Know-
Center, Österreichs
Kompetenzzentrum für
Wissensmanagement
und seit 2008 bei
Joanneum Research
am Institut für Vernetz-
te Medien tätig.
Dr. Johannes Müller
ist seit 2000 im opera-
tiven Umfeld von IT-ge-
stütztem Wissensma-
nagement tätig. Als Se-
nior Manager
Knowledge Manage-
ment arbeitet er seit
2005 bei der Siemens
Schweiz AG.
Prof. Dr.
Klaus Tochtermann
arbeitet an Forschungs-
einrichtungen im Raum
DACH und den USA zum
Thema Wissensma-
nagement und ist Ge-
schäftsführer und wis-
senschaftlicher Leiter
des Know-Center.
Marketing meet the community dialogmarketing
26 e-commerce-magazin 04/09 www.e-commerce-magazin.de
Es gab in der Vergangenheit schon viele
Stimmen, die über ein Ende des E-Mail-
Marketings spekuliert haben, beispiels-
weise durch das Aufkommen von RSS-
Feeds. Dem war aber nicht so. Nun den-
ken viele, dass Social Networks das
E-Mail-Marketing verdrängen könnte. Ich
sehe eine Entwicklung vielmehr in Rich-
tung der Verknüpfung von E-Mail-Marke-
ting und Social Networks, zum Beispiel, in-
dem Abonnenten Inhalte aus Newslettern
direkt in ihre Profile aufnehmen können.
So könnten auch virale Effekte entstehen,
indem Informationen im jeweiligen Netz-
werk verbreitet werden. Außerdem lässt
sich anhand der E-Mail-Adresse feststel-
len, wie viele Freunde ein Empfänger in
welchen Communities hat. Unternehmen
sollten die Möglichkeiten nutzen, diese In-
formationen in ihre E-Mail-Marketing-Stra-
tegie zu integrieren. Ich denke, dass künf-
tig viele verschiedene Marketing-Kanäle
parallel existieren werden, die teilweise
gleichzeitig von ein und demselben An-
wender genutzt werden. Die Herausforde-
rung für die Marketingverantwortlichen ist
dabei, diese Kanäle adäquat zu koordinie-
ren, um sicherzustellen, dass der Empfän-
ger nur über einen Kanal angesprochen
wird und sich nicht durch zu viele Nach-
richten mit gleichem Inhalt belästigt fühlt.
zem wurde die bei der Siemens-Division
Building Technologies (37.500 Mitarbeiten-
de) im Einsatz befindliche Wissensaus-
tausch-Plattform References@BT um ein
Microblog erweitert. Damit sollte der Wis-
sensaustausch spontaner und einfacher
gestaltet werden, als es die bereits im Sys-
tem vorhandenen Wissensreferenzen und
Diskussionsforen erlauben. Im Gegensatz
zu Diskussionsforen ist ein Microblog nicht
von vorneherein themenspezifisch. Im Sin-
ne von „was tust du gerade“ kann dort also
alles eingegeben und der Community mit-
geteilt werden, was mit dem beruflichen
oder privaten Alltag eines Autors im Zu-
sammenhang steht.
Durch das gezielte „Folgen“ von Kol-
legen und die konsequente, aber frei
wählbare Verschlagwortung aller Post-
ings (im Sinne einer so genannten „Folk-
sonomy“) können diese schnell nach
relevanten Inhalten klassifiziert und ge-
filtert werden. Jede Auswahl lässt sich
per RSS-Feed oder E-Mail-Benachrichti-
gung abonnieren, so dass nur relevante
Information im Pull-Verfahren zu den in-
teressierten Nutzern gelangt.
> TUMBLELOGS:
KREATIVE UNTER SICH
Das neue Microblog fügt sich nahtlos in
die bestehende Applikation Refe-
rences@BT ein, wobei die Blog-Postings
neben den Wissensreferenzen und Fo-
ren-Beiträgen auf der Homepage ange-
zeigt werden. Zusätzlich werden alle
Blog-Postings eines Autors auch auf des-
sen persönlicher Profil-Seite verlinkt, so
dass ein persönlicher Microblog ange-
zeigt und via RSS oder E-Mail abonniert
werden kann.
Da das Microblog in References@BT
erst seit kurzer Zeit im produktiven Einsatz
exis tiert, können noch keine quantitativen
Aussagen gemacht werden. Die bislang
erhaltenen Nutzer-Feedbacks, die zumeist
direkt als Blog-Posting verfasst wurden,
Telefon oder Face-to-Face-Meetings statt-
finden. Abseits von Microblogging hat das
Web eine weitere Kategorie hervorge-
bracht: Ein Tumblelog (beispielsweise
www.tumblr.com) ist eineVariation, die für
spontanes und gemischtmediales Publi-
zieren von Nachrichten optimiert wurde.
Tumblelogs sind weniger inhaltlich oder
grafisch strukturiert als klassische
Weblogs. Neben kurzen textlastigen Ein-
trägen finden sich in Tumblelogs bevor-
zugt Bilder, Videos, Zitate oder Links im
chronologisch absteigend sortierten und
unstrukturierten Strom der Beiträge.
Dienten Weblogs seit jeher der Dissemi-
nation spontaner Geistesblitze und dem
Zeigen von Emotionen, trifft all das auf die
kreativen Tumblelogs weitaus stärker zu.
So ist es für Nutzer spannend, dem Strom
der Beiträge ihrer Freunde zu folgen und
zu erschließen, mit welchen Themen sich
diese derzeit auseinandersetzen.
> OPTIMIERUNG DER
WISSENSARBEIT
Im Gegensatz zu den Erfolgen bei der
Optimierung von manueller Arbeit er-
fuhr die Wissensarbeit in Unternehmen
keine vergleichbare Produktivitäts-
steigerung. Die beiden Technologien
können in Unternehmen zur Optimie-
rung von Wissensarbeit eingesetzt wer-
den. Sie vermindern als einfach zu be-
dienende leichtgewichtige Werkzeuge
die Informationsflut, indem sie (RSS-)
Abonnements von Meldungen bevor-
zugter Personen forcieren und somit
zu einer modernen Vernetzung von
Wissensträgern führen. Allerdings be-
dürfen sie, um zu wirken, auch einer
Abkehr von gewohnten Kommunikati-
onspraktiken auf Seiten der Mitarbei-
tenden. Eine moderne Art der internen
Kommunikation muss bevorzugt von
einem Umstieg von Push- auf Pull-Tech-
nologien geprägt sein, soll Wissen
nachhaltig vermittelt werden. Vor kur-
Microblogs und Tumblelogs können die Informationsut in Unter
nehmen vermindern, indem sie Abonnements bevorzugter Personen
forcieren und so zu einer Vernetzung der Wissensträger führen.
waren sehr positiv. Diese Rückmeldungen
zeigen die Notwendigkeit von Microblogs
im Unternehmensumfeld.
> FAZIT
Microblogs und Tumblelogs sind neue
leichtgewichtige Werkzeuge, die das Po-
tenzial haben, die Wissensarbeit in und
um Unternehmen nachhaltig zu revolu-
tionieren. Es liegt nun an den Unterneh-
men, sich dieses Potenzial zunutze zu
machen, um die Produktivität der Wis-
sensarbeit nachhaltig zu steigern.
> Kennziffer: ecm17364
Marketing-Blogging?
Swen Krups,
Country Director
Germany bei Epsilon
International, einem
Anbieter für E-Mail-
Marketing-Technolo-
gien.
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