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Wieviele Postdocs gibt es in Deutschland?

Goal: In den letzten Jahren hat die Postdoc-Phase in der Wissenschaftspolitik und in der Forschung eine deutlich höhere Aufmerksamkeit erfahren als in früheren Zeiten (vgl. z.B. Bundesbericht zur Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses - BuWiN 2013, 2008). Dies hat auch mit einer seit dem Jahr 2008 deutlich über 25.000 gestiegenen Anzahl jährlich abgeschlossener Promotionen zu tun (vgl. Statistisches Bundesamt - StBA 2015), welche u.a. auf die Förderung von Graduiertenschulen im Rahmen der Exzellenzinitiative seit dem Jahr 2006 zurückzuführen ist. Steigerungstendenzen in der Anzahl der Promotionen gibt es aber bereits länger (vgl. BuWiN 2008). Zu einer höheren Aufmerksamkeit für das Thema beigetragen hat außerdem die Diskussion um die Beschäftigungsbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs seit der Evaluation des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (Jongmanns 2011) und dessen Anfang 2016 erfolgte Novellierung, sowie die Mitte 2016 beschlossene Förderung von 1.000 Tenure-Track-Professuren im Rahmen des sognannten Nachwuchs-Paktes der Bundesregierung in Höhe von insgesamt einer Mrd. Euro.
Angesichts dessen mag es zunächst erstaunen, dass derzeit kaum Informationen darüber existieren, wieviele Postdocs es in Deutschland gibt. Allerdings ist die grundsätzliche Problematik für den wissenschaftlichen Nachwuchs nicht neu; sie wurde für die lange Zeit unbekannte Anzahl der Doktoranden zuvor in ähnlicher Weise beschrieben (vgl. Burkhardt u.a. 2008). Zwar gab es für Doktoranden bereits 2008 erste Schätzungen zu deren Anzahl in Deutschland (vgl. Krempkow 2008, Burkhardt 2008) sowie in den Folgejahren mehrere Berechnungen mit unterschiedlichen Ansätzen und Ergebnissen (vgl. Wolters/Schmiedel 2012; Krempkow 2012; Hähnel/Schmiedel 2016). Für Postdocs steht dies allerdings noch aus. Dieser Beitrag versucht sich daher mit drei unterschiedlichen Berechnungsansätzen einer Beantwortung der Frage zu nähern: Wieviele Postdocs gibt es in Deutschland?

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Rene Krempkow
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Der Beitrag gibt einen Überblick über Karriereperspektiven für Nachwuchsforschende in der Wissenschaft in Deutschland. Er stellt hierfür ausgewählte empirische Ergebnisse des dritten BuWiN (2017) sowie Vorläuferberichten zum Thema vor, ordnet zeitliche Entwicklungen ein und ergänzt sie um aktuelle Ergebnisse - die sich so z.T. inzwischen auch im 4. BuWiN (2021) wiederfinden. Schwerpunkte bilden hierbei die Planbarkeit, Berechenbarkeit und Transparenz der Karriereperspektiven in der Wissenschaft auf dem Weg zur Professur, die Leistungsselektivität und Chancengerechtigkeit, sowie die Entwicklung der befristeten bzw. unbefristeten Stellen und damit der Chancen auf eine unbefristete Stelle neben der Professur. Darüber hinaus diskutiert der Beitrag einige gängige Erklärungen für die Entwicklungen in den letzten Jahren anhand empirischer Daten, wie den Zusammenhang von Drittmittelfinanzierung und Befristung sowie wissenschaftlicher Qualifizierung und Befristung. Schließlich werden im Ausblick Gestaltungsmöglichkeiten für Politik und Hochschulen zur Weiterentwicklung der Karriereperspektiven für Nachwuchsforschende aufgezeigt.
Rene Krempkow
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Obwohl die Karriereperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland ein thematischer Dauerbrenner an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen sind (vgl. Krempkow/Winde 2016, Briedis u.a. 2013, Winde 2006), gibt es dennoch hierzu bislang wenig beleuchtete Aspekte und neuere Studien, die nachfolgend überblicksartig vorgestellt, in frühere Forschungsergebnisse eingeordnet und bzgl. ihrer Relevanz diskutiert werden sollen. Diese Studien legen eine besondere Dringlichkeit des Themas Leistungsselektion vs. soziale Herkunft nahe, denn ein solcher in den letzten Jahren in der Berichterstattung zum wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland (vgl. BuWiN 2017, 2013) weniger beleuchteter Aspekt (vgl. auch Graf 2016, S. 25) ist die Frage: Inwieweit erfolgt eine berechenbare Leistungsselektion bei der Berufung auf eine "Lebenszeitprofessur", und welche Rolle spielen persönliche Kontakte und Selektivität nach sozialer Herkunft bei der Berufung? Dabei böte es sich angesichts jüngerer, nachfolgend kurz vorgestellter Studienergebnisse an, zusammen mit dem Thema Berechenbarkeit und Leistungsselektion versus persönliche Kontakte bei Karrierewegen in der Wissenschaft auch das Thema soziale Selektivität intensiver anzusprechen als bisher (vgl. auch Zimmer 2018, S. 44; Möller 2018, S. 262; Gerhards/Sawert 2018, S. 527f.). Für Karrierewege in der Wissenschaft könnte das 1.000 Tenure-Track-Professuren-Programm des Bundes und der Länder (kurz: die TT-Professuren) ein wichtiges positives Zeichen für mehr Berechenbarkeit und Leistungsselektion sein, wie kürzlich auch Vertreter der Jungen Akademie einschätzten (vgl. Specht/Kretschmer 2018). Wenngleich es auch kritische Einschätzungen gibt, dass es rein zahlenmäßig - auf die Anzahl der Hochschulen und die Anzahl potentiell in Frage kommender Nachwuchsforschender gerechnet (vgl. Krempkow 2016, 2017a) - nur ein Tropfen auf den heißen Stein sei (vgl. z.B. Scacioc 2016), ist die Signalwirkung nicht zu unterschätzen. Eine positive Wirkung kann aber nur entstehen, wenn die Signale anders sind als sie sich aus einer im letzten Jahr veröffentlichten Studie zu Juniorprofessuren von Zimmer (2018) ergeben, bzw. nötige Schlüsse gezogen werden. Anderenfalls könnte es auch sehr ernüchternd wirken. English abstract: How much counts meritocracy by appointments of tenured professors, and how much social selectivity? Career perspectives for younger scientists are an often-discussed topic at universities and scientific institutions in Germany. Nevertheless, seldom-lighted aspects exist and recent studies, to which in this article I will give an overview, to arrange it in former studies and discuss its relevance. The newer studies suggest an utmost urgency of the topic meritocracy vs. social selectivity, because such a seldom-lighted aspect is the question: How much do we have a calculable meritocracy by the appointment of tenured professors and what a role plays private contacts and social selectivity? For career paths in Science the 1000-Tenure-Track-Professors-Programm of the Federal Government and the federal states of Germany could be a very important sign for more calculability and meritocracy. However, the positive effect only can arise, if the signals in the future will differ from the results in recent studies. Otherwise, it could be very disillusioning.
Rene Krempkow
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Die Diversität des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland und ihre Zusammenhänge mit wissenschaftlicher Performanz wurden bisher in der Hochschulforschung eher selten thematisiert. Hierzu soll daher anhand von Daten eines Impulsreferates diskutiert werden, wie divers bzw. homogen der wissenschaftliche Nachwuchs in Deutschland eingeschätzt wird, welche Informationen derzeit dazu verfügbar sind und welche noch nötig wären. Hiebei wird neben der Internationalität auch ein besonderer Fokus auf die bisher eher selten beleuchteten Dimensionen von Diversität (regionale und soziale) Herkunft und Elternschaft gelegt, und wie diese z.B. im Rahmen von Personalentwicklung noch stärker gefördert werden könnten. Außerdem sollen verschiedene Thesen zu Zusammenhängen der Ausprägungen von Diversität mit wissenschaftlicher Performanz, mit Rekrutierungs- und Karrieremöglichkeiten diskutiert werden.
Rene Krempkow
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Voraussetzung für eine "Bestenauswahl" bei Berufungen auf Professuren ist, dass für das jeweilige Wissenschaftssystem in seinen fachlichen Untergliederungen genug Berufungsqualifizierte zur Verfügung stehen. Dies gilt nicht nur angesichts des anlaufenden Tenure-Track-Professuren-Programmes von Bund und Ländern, sondern auch für die Realisierbarkeit der vom Wissenschaftsrat (2014) vorgeschlagenen 7.500 zusätzlichen Professuren und erst recht für das von der Jungen Akademie (2017, 2013) vorgeschlagene Department-Modell anstelle von Lehrstühlen mit einer im Vergleich zum derzeitigen Stand mehrfach höheren Anzahl an neuen unbefristeten Professuren (zulasten befristeter Mittelbaustellen). Diese Realisierbarkeit wurde – wenngleich indirekt – ausgerechnet von Karl Ulrich Mayer als Konsortialvorsitzendem zum Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (2017) in Frage gestellt, indem er Zahlen veröffentlichte, wo ihm zufolge nur ca. 1300 Berufungsqualifizierte auf ca. 900 freiwerdende Professuren kämen. Daraufhin hatte sich eine intensive Diskussion zu den von ihm genannten Berufungschancen entzündet, an der sich auch mehrere Hochschul- und Wissenschaftsforscher beteiligten. Im Ergebnis kamen verschiedene Beitragende übereinstimmend auf eine mehrfach höhere Relation von Berufungsqualifizierten zu freiwerdenden Professuren als Mayer. Dieser Beitrag ist eine die Diskussion zusammenfassende Replik auf den einschlägigen Beitrag von Mayer in der vorangegangen Ausgabe der Forschung (1/2017).
Rene Krempkow
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Für Bildungsforscher gehören Analysen zur Chancengerechtigkeit im Schulsystem zum Standard. Für das Hochschulsystem in Deutschland gilt dies bislang nicht. Dabei gäbe es durchaus Anlass, die Bildungschancen insbesondere von Nichtakademiker-Kindern auch im Hochschulsystem zu beleuchten, wie die inzwischen zahlreicheren Initiativen dazu an den Hochschulen zeigen. In diesem Beitrag werden zentrale Ergebnisse einer Analyse berichtet, die ich mit Kollegen in den letzten Monaten erarbeitete und die im Herbst ausführlicher im Rahmen des jährlichen Hochschul-Bildungs-Report von Stifterverband und McKinsey veröffentlicht werden.
In diesem Beitrag wird das Thema Rekrutierung des wissenschaftlichen Nachwuchses einerseits aus institutioneller Perspektive anhand der Strategien von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen beleuchtet, auch im Vergleich zu FuE-Abteilungen der Wirtschaft. Andererseits geht es um die individuelle Perspektive der Nachwuchsforschenden anhand von (Selbst-)Selektionen. Denn nur aus dem Pool der eine (weitere) Tätigkeit in der Wissenschaft anstrebenden Personen können die Wissenschaftseinrichtungen letztlich rekrutieren. Schließlich gehe es „im Kern darum, qualifizierte Wissenschaftler auf allen Stufen der wissenschaftlichen Laufbahn zu attrahieren“ (Peus u.a. 2015, S. 4). Darüber hinaus soll untersucht werden, welche Anteile des wissenschaftlichen Nachwuchses bereits in der vorangegangenen Qualifikationsphase Mitglied der jeweiligen Einrichtung waren und welche extern rekrutiert wurden. Anhand von Ergebnissen empirischer Analysen soll letztlich der Frage nachgegangen werden, inwieweit es derzeit gelingt bzw. gelingen kann, „die Besten für die Wissenschaft zu gewinnen“, wie es u.a. der Wissenschaftsrat forderte.
Die Diversität des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland wurde bisher eher selten thematisiert, erst recht gilt dies für ihre Zusammenhänge mit wissenschaftlicher Performanz. Hierzu wird daher anhand von Daten dieses Impulsreferates diskutiert, wie divers bzw. homogen der wissenschaftliche Nachwuchs in Deutschland eingeschätzt wird, welche Informationen derzeit dazu verfügbar sind und welche nötig wären. Hiebei wird ein besonderer Fokus auf die bisher eher selten beleuchteten Dimensionen (regionale und soziale) Herkunft und Elternschaft gelegt. Außerdem wurden verschiedene Thesen zu Zusammenhängen der Ausprägungen von Diversität mit wissenschaftlicher Performanz, mit Rekrutierungs- und Karrieremöglichkeiten sowie Personalentwicklung diskutiert.
Rene Krempkow
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In the past years the Postdoc-Phasis became more and more relevant in higher education policy and research in Germany. This is caused by an increase in the number of completed doctoral studies, and a more intensive discussion about the working conditions for early stage researchers. Surprisingly, from this background, we have little information about the number of Postdocs in Germany. By using three calculation approaches this article wants to give an answer to the question: How many postdocs we do have in Germany? In den letzten Jahren hat die Postdoc-Phase in der Wissenschaftspolitik und in der Forschung eine deutlich höhere Aufmerksamkeit erfahren als in früheren Zeiten (vgl. z.B. Bundesbericht zur Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses - BuWiN 2013, 2008). Dies hat auch mit einer seit dem Jahr 2008 deutlich über 25.000 gestiegenen Anzahl jährlich abgeschlossener Promotionen zu tun (vgl. Statistisches Bundesamt - StBA 2015), welche u.a. auf die Förderung von Graduiertenschulen im Rahmen der Exzellenzinitiative seit dem Jahr 2006 sowie gestiegene Drittmittelanteile in der Hochschulfinanzierung zurückzuführen ist. Steigerungstendenzen in der Anzahl der Promotionen gibt es aber bereits länger (vgl. BuWiN 2008). Zu einer höheren Aufmerksamkeit für das Thema beigetragen hat außerdem die Diskussion um die Beschäftigungsbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs seit der Evaluation des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (Jongmanns 2011) und dessen Anfang 2016 erfolgte Novellierung sowie die Mitte 2016 beschlossene Förderung von 1.000 Tenure-Track-Professuren im Rahmen des sognannten Nachwuchs-Paktes des Bundes und der Länder Deutschlands in Höhe von insgesamt einer Mrd. Euro. Angesichts dessen mag es zunächst erstaunen, dass derzeit kaum Informationen darüber existieren, wie viele Postdocs es in Deutschland gibt. Allerdings ist die grundsätzliche Problematik für den wissenschaftlichen Nachwuchs nicht neu; sie wurde für die lange Zeit unbekannte Anzahl der Promovierenden zuvor in ähnlicher Weise beschrieben (vgl. Burkhardt u.a. 2008). Zwar gab es für Doktorand/inn/en bereits 2008 erste Schätzungen zu deren Anzahl in Deutschland (vgl. Krempkow 2008, Burkhardt 2008) sowie in den Folgejahren mehrere Berechnungen mit unterschiedlichen Ansätzen und Ergebnissen (vgl. Wolters/Schmiedel 2012; Krempkow 2012; Hähnel/Schmiedel 2016). Für Postdocs sieht dies allerdings noch anders aus. Dieser Beitrag versucht daher, sich mit drei unterschiedlichen Berechnungsansätzen einer Beantwortung der Frage zu nähern: Wie viele Postdocs gibt es in Deutschland?
Rene Krempkow
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In den letzten Jahren hat die Postdoc-Phase in der Wissenschaftspolitik und in der Forschung eine deutlich höhere Aufmerksamkeit erfahren als in früheren Zeiten (vgl. z.B. Bundesbericht zur Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses - BuWiN 2013, 2008). Dies hat auch mit einer seit dem Jahr 2008 deutlich über 25.000 gestiegenen Anzahl jährlich abgeschlossener Promotionen zu tun (vgl. Statistisches Bundesamt - StBA 2015), welche u.a. auf die Förderung von Graduiertenschulen im Rahmen der Exzellenzinitiative seit dem Jahr 2006 zurückzuführen ist. Steigerungstendenzen in der Anzahl der Promotionen gibt es aber bereits länger (vgl. BuWiN 2008). Zu einer höheren Aufmerksamkeit für das Thema beigetragen hat außerdem die Diskussion um die Beschäftigungsbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs seit der Evaluation des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (Jongmanns 2011) und dessen Anfang 2016 erfolgte Novellierung, sowie die Mitte 2016 beschlossene Förderung von 1.000 Tenure-Track-Professuren im Rahmen des sognannten Nachwuchs-Paktes der Bundesregierung in Höhe von insgesamt einer Mrd. Euro.
Angesichts dessen mag es zunächst erstaunen, dass derzeit kaum Informationen darüber existieren, wieviele Postdocs es in Deutschland gibt. Allerdings ist die grundsätzliche Problematik für den wissenschaftlichen Nachwuchs nicht neu; sie wurde für die lange Zeit unbekannte Anzahl der Doktoranden zuvor in ähnlicher Weise beschrieben (vgl. Burkhardt u.a. 2008). Zwar gab es für Doktoranden bereits 2008 erste Schätzungen zu deren Anzahl in Deutschland (vgl. Krempkow 2008, Burkhardt 2008) sowie in den Folgejahren mehrere Berechnungen mit unterschiedlichen Ansätzen und Ergebnissen (vgl. Wolters/Schmiedel 2012; Krempkow 2012; Hähnel/Schmiedel 2016). Für Postdocs steht dies allerdings noch aus. Dieser Beitrag versucht sich daher mit drei unterschiedlichen Berechnungsansätzen einer Beantwortung der Frage zu nähern: Wieviele Postdocs gibt es in Deutschland?