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„Unterricht als Sozialform“ aus der Perspektive einer naturalistischen Unterrichtsforschung „in situ“ und soziologischen Professionalisierungstheorie

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https://macau.uni-kiel.de/receive/macau_mods_00000598 Die Praxis des Schulunterrichts ist eine ausgesprochen komplexe Form von Face-to-Face-Interaktion, deren wissenschaftliche Erforschung die Datenerhebung und -auswertung vor besondere Herausforderungen stellt. Die Interaktion der Lehrkräfte mit den Schüler*innen erscheint aus professionalisierungstheoretischer Perspektive als das entscheidende interventionspraktische Geschehen der professionellen Förderung von Bildungsprozessen. Sie findet überwiegend im Rahmen des organisierten Schulunterrichts statt. Seit dem Jahrtausendwechsel besteht mit der mobilen Computertechnologie erstmals die Möglichkeit, sich der hohen Komplexität der Unterrichtsinteraktion und der dementsprechend vielschichtigen Herausforderung ihrer professionellen, interventionspraktischen Gestaltung analytisch-empirisch angemessen zu stellen. Vor diesem Hintergrund wird in diesem Aufsatz ein seit 2003 entwickelndes und erprobtes Datenerhebungskonzept vorgestellt, mit dem die Unterrichtspraxis als Totalität minimal-invasiv und umfassend audiovisuell aufgezeichnet und in umfängliche Partiturtranskripte überführt werden kann, mit denen der Schulunterricht in seiner realen Komplexität empirisch analysierbar wird, um bisherige theoretische Modelle der Professionalität schulpädagogischen Handelns auf eine differenziertere empirisch-naturalistische Grundlage zu stellen.
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"Im Aufsatz wird die Rekonstruktion einer kurzen Sequenz der pädagogischen Interaktion aus dem Unterricht einer großstädtischen Grundschule und in Ergänzung dazu die Rekonstruktion der Sequenz einer Lehrer-Eltern-Interaktion am Rande des gleichen Unterrichts vorgestellt. Diese mit dem Verfahren der Sequenzanalyse der Objektiven Hermeneutik durchgeführten Rekonstruktionen stehen im Kontext der Entwicklung eines theoretischen Modells der Struktur des pädagogischen Handelns. Die Entwicklung eines solchen Modells setzt die Bestimmung der Strukturprobleme dieses Handelns, so wie es derzeit in deutschen Schulen vorzufinden ist, voraus. Die Rekonstruktionen sollen zugleich der Überprüfung der von Ulrich Oevermann im Rahmen seiner Professionalisierungstheorie entwickelten These dienen, dass es sich beim pädagogischen Handeln um den eigentümlichen Fall einer Profession handelt, die bislang nicht professionalisiert ist, obwohl sie angesichts der Struktur der grundlegenden Handlungsprobleme, die in diesem Berufshandeln zu bewältigen sind, als professionalisierungsbedürftig gelten kann."
"Kern des pädagogischen Handelns in der Schule ist der Unterricht, da dort die eigentliche Vermittlung von Wissen, Normen und Kulturtechniken stattfindet. Daher ist die fallrekonstruktive Erschließung von möglichst genau protokolliertem realem Unterrichtsgeschehen besonders geeignet, näheren Aufschluss über diesen Kern der schulischen Praxis, wie sie heute vorzufinden ist, zu geben. Dies soll im Rahmen dieses Vortrages in Gestalt der Rekonstruktion von protokollierten Sequenzen der komplexen Lehrer-Schüler-Interaktion in einer Unterrichtstunde einer ersten Schulklasse aufgezeigt werden. Im Vordergrund wird dabei die Frage nach der Professionalisierungsbedürftigkeit und Nicht-Professionalisiertheit inklusive der damit verbundenen Folgen für das Unterrichtsgeschehen und die Aufgabe der Wissensvermittlung stehen. Es werden auch die damit im Zusammenhang stehenden Fragen nach der Existenz und Verfasstheit der Arbeitsbündnisse zwischen Lehrer und Schüler und zwischen Lehrer und Klasse berührt. Des Weiteren soll es thematisch auch um Lösungen pädagogischer Probleme gehen, die aus der individuellen Berufserfahrung und Berufspraxis des jeweiligen Lehrers resultieren, und deren 'Hebung' für die Pädagogik von Interesse ist. Der Unterricht einer ersten Grundschulklasse ist in mehreren Hinsichten für die Rekonstruktion eines Modells des realen schulpädagogischen Handelns und für die Frage der Professionalisierungsbedürftigkeit und Nicht-Professionalisiertheit des Lehrerhandelns von besonders aufschlussreich: In der Grundschule hat das pädagogische Moment des Lehrerhandelns seine größte Bedeutung, weil die Kinder dort erst in die Schülerrolle einsozialisiert werden. Darüber hinaus werden bereits in der Grundschule entscheidende Weichenstellungen für die Schulkarriere vorgenommen. Dies gilt für eine erste Klasse noch einmal gesteigert. Aus Sicht der Professionalisierungstheorie ist der Lehrer hier besonders gefordert, da sich ein Arbeitsbündnis mit den einzelnen Schülern, der Klasse und den Eltern erst einrichten muss." (Autorenreferat)