Project

On the Malleability of "nations".

Goal: In our Research Project "Fremde im eigenen Land?
Eine Studie über die Veränderbarkeit nationaler Narrative mithilfe Politischer Laboratorien" (2018-2021, funded by the Federal Ministry of Education and Research) we are asking which notions of "the nation" are involved in articulating affects regarding migration.
Here's the official summary (in German):

"Fremde im eigenen Land? Eine Studie über die Veränderbarkeit nationaler Narrative mithilfe Politischer Laboratorien“ (kurz: PoliLab) untersucht, wie sich die Vorstellungen kollektiver gesellschaftlicher Identität in Zeiten des Zuzugs von diversen Migrationsgruppen verändern und neu formen. Im Rahmen mehrerer politischer Laboratorien, die mit Bürgern in ganz Deutschland durchgeführt werden, werden Narrative und Aspekte einer gemeinsamen gesellschaftlichen Identität verhandelt und darauf aufbauend über verschiedene Herkunftskulturen hinweg gestaltet. Im Zentrum steht dabei wie der gesellschaftliche Zusammenhalt im Zeichen der Zuwanderung und dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher kultureller Codes möglich ist – auch angesichts ablehnender Reaktionen.
Die Fragen, mit denen sich seit der Ankunft von (temporären) Neuankömmlingen öffentlich auseinandergesetzt wird, sind grundlegend für unser Verständnis von demokratischer Teilhabe, Zugehörigkeit und Bürgerschaft. Das Projekt zielt darauf ab, den kulturellen Wandel vor dem Hintergrund von Migrationsprozessen zu analysieren und die Forschungstraditionen im Bereich Migration und Integration unter dem Vorzeichen gesellschaftlicher Pluralität zu überdenken und weiter zu entwickeln. Das Format der Politischen Laboratorien stellt dabei eine neue Forschungsmethode mit politischen, d. h. aktivierenden Implikationen dar.

Projektleitung: Prof. Dr. Rebecca Pates

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Rebecca Pates
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In order to embrace the complexities and ambivalences that constitute the global and multifaceted phenomenon of populism, this contribution proposes a), a shift of scholarly attention to the particularities of framing political issues in populist practice, and b), the facilitation of micropolitical approaches in researching these framing practices and their responses. Using the Alternative for Germany’s framing of the ‘returning wolves’ debate in Eastern Germany as an example, this contribution offers a situated approach to understanding right-wing populism, and provides insights into framing techniques that serve to cause affective resonance with people who, supposedly, feel left behind.
Julia Leser
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Die Erforschung rechter Kontexte bestimmt seit Langem ein distanzierender Blick auf ‚rechte Emotionalität‘: Feindselige Rhetorik treffe auf verführbare Bevölkerungsgruppen. Der Beitrag schlägt vor, sich auf die affektive Komplexität vor Ort einzulassen, um die gegenwärtige Anziehungskraft rechter Politik zu analysieren. Ausgehend von affektsensiblen Beobachtungen bei AfD-Wahlkampfveranstaltungen bietet der Beitrag methodologische Anregungen aus Ethnografie und Affekttheorie für die zukünftige Forschung. ------------------ Research in right-wing contexts has long been characterized by a distancing gaze on ‘right-wing emotionality’, linking hostile rhetorics with a seducible population. This article suggests embracing the affective complexity on site to analyze the current attraction of right-wing politics. Based on affect-sensitive observations at AfD campaign events, the article offers methodological inspirations from ethnography and affect theory for future research.
Rebecca Pates
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Rechte Orientierungen und Diskurse haben eine räumliche Dynamik. Das Problem lediglich in strukturschwachen Regionen, im ländlichen Raum oder in benachteiligten Wohngebieten zu verorten, ist jedoch verkürzt, reproduziert Stereotype und liefert kaum Erklärungen. Denn soziale und räumliche Kontexte bedingen nicht nur Verhalten und Einstellungen, sondern werden gleichermaßen durch individuelle und kollektive Handlungen hervorgebracht und verändert. Die Beitragenden verschiedener Fachdisziplinen untersuchen diese komplexen Zusammenhänge, diskutieren sie mit Expert*innen aus der Praxis und eröffnen dabei neue Handlungsräume.
Julia Leser
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Emotionen und Affekte haben in der öffentlichen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit nationalistischer und neurechter Politik Konjunktur. Während Forschung ‚aus der Distanz’ jedoch häufig dabei stehen bleibt, ‚negative’ Emotionen zu problematisieren, nimmt ethnografische Forschung die Komplexität affektiver Dynamiken nuancierter in den Blick. Darüber hinaus ist Feldforschung selbst derart affektiv geprägt, dass sie eine erhöhte Sensibilität für affektive Wissensproduktion aufweist: Die situativ auftretenden ‚Bauchgefühle’ der Forschenden können so zum Gegenstand der Analyse werden. Unser Beitrag widmet sich der affektiven Dimension des Forschungsprozesses anhand eigener ethnografischer Forschung mit neurechten Akteur/-innen in Deutschland. Wir zeigen, wie affekttheoretische Einsichten dazu beitragen können, emotional herausfordernde Begleiterscheinungen wie Unwohlsein, Abstoßung oder Hin- und Hergerissenheit in der Forschung mit neurechten Gruppen in ihren politischen und normativen Dimensionen zu interpretieren. Der Beitrag entfaltet dafür einen zweifachen methodischen Übersetzungsschritt: ‚Bauchgefühle‘ und die eigene Emotionsarbeit werden in ‚affective fieldnotes‘ übersetzt, um dann in einem zweiten Schritt affekttheoretisch gedeutet zu werden. Was als individuelle Bauchgefühle im Forschungsprozess erscheint, lässt sich so als affektiv vermittelte Normativität untersuchen: Politische und forschungsethische Debatten über rechte Gruppen materialisieren sich im Feld als inkorporierte politische Affekte. -------------------------------- Open Access: https://publikationen.soziologie.de/index.php/kongressband_2020/article/view/1336
Julia Leser
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Zum Ende unseres Forschungsprojekts PoliLab haben wir die wichtigsten Ergebnisse auf unserer Website zusammengefasst – in Form von Texten, Videos und multimedialem Scrollitelling:
Das digitale Format „Die Nation als Exklusionsmaschine“ zeigt auf, wie unterschiedlich nationale Ein- und Ausschlüsse in Deutschland funktionieren. Dafür kombiniert es pointiert wissenschaftliche Erkenntnisse mit dem Videoprojekt „Stimmen zur Nation“. Im Ergebnis entsteht eine multimediale Erzählung, die durch die Konflikte und Widersprüche um nationale Zugehörigkeit in Deutschland führt.
 
Rebecca Pates
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Across Eastern Germany, where political allegiances are shifting to the right, the wolf is increasingly seen as a trespasser and threat to the local way of life. Styled by populist right-wing actors as an 'invasive species', the wolf evokes and resonates with anti-immigration sentiments and widespread fears of demographic catastrophe. To many people in Eastern Germany, the immigrant and the wolf are an indistinguishable problem that nobody in power is doing anything about. In this account of Eastern German agitation of wolves and migrants, Eastern German hunters, farmers, rioters and self-appointed 'saviours of the nation', Pates and Leser move beyond stereotypic representations of 'the East' and shine a light on the complexities of post-socialist life and losses. As nationalist parties are on the rise across Europe, The wolves are coming back offers an insight into the rise of the far right in Germany. The nationalist Alternative for Germany represents the third-largest party in the German federal parliament, with representation in the vast majority of German states. They draw much of their support from the 'post-traumatic places' in Eastern Germany, regions structured by realities of disownment, disenfranchisement and a lack of democratic infrastructure. Pates and Leser provide an account of the societal roots of a new group of radical right parties, whose existence and success we always assumed to be impossible.
Rebecca Pates
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Am 11. und 12.2.2021 findet unser digitale Abschluss-Konferenz zu diesem Projekt statt.
Diskurse über die gespaltene Gesellschaft oder den bedrohten gesellschaftlichen Zusammenhalt sind zu alarmierenden Zeitdiagnosen geworden. Polarisiert scheint die Gesellschaft, was Themen wie Migration, Integration oder Klimawandel angeht – oft entsteht der Eindruck, es gäbe lediglich zwei gesellschaftliche Gruppen, die sich in einer verhärteten Diskussion gegenüberstehen und sich jeweils selbst im Recht fühlen, die einzige Wahrheit zu vertreten.
Die gesellschaftliche Realität in Deutschland ist jedoch komplexer: Vielfalt, (Super-)Diversität, Pluralität und Multiplizität sind einige der Konzepte, die zur Beschreibung gegenwärtiger Gesellschaften Konjunktur haben. Eindimensionale Vorstellungen über homogene Gruppen führen im Kontrast zur tatsächlichen gesellschaftlichen Pluralität jedoch unweigerlich zu Widersprüchen und Konflikten. Zudem haben populäre Diagnosen gesellschaftlicher Spaltungen und Polarisierungen reale Auswirkungen auf die politische Bildung und fordern diese in besonderer Weise heraus. Wie kann politische Bildung gestaltet werden, wenn sie vermeiden will, als normative ‚Belehrung‘ aufzutreten und damit selbst zur gesellschaftlichen Polarisierung beizutragen? Oder lässt sich vielmehr umgekehrt argumentieren, dass politische Bildung zwingend polarisieren muss, wenn sie bestimmte normative Ansprüche verteidigen will? Welche Rolle kann die Bürgerbeteiligung in einer diversen Stadtgesellschaft spielen? Und wie geht die Bürgerbeteiligung mit Spannungen und Konflikten innerhalb der Stadtgesellschaft um?
Für die Abschlusskonferenz des BMBF-Forschungsprojektes “Fremde im eigenen Land? Eine Studie über die Veränderbarkeit nationaler Narrative mithilfe Politischer Laboratorien (PoliLab)” (2018–2021) am 11. und 12. Februar 2021 laden wir sowohl Wissenschaftler/-innen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen als auch Praktiker/-innen aus den Bereichen der Politischen Bildung und der Bürgerbeteiligung dazu ein, sich an der digitalen Tagung zu beteiligen.
 
Rebecca Pates
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Rechte Orientierungen und Diskurse haben eine räumliche Dynamik. Das Problem lediglich in strukturschwachen Regionen, im ländlichen Raum oder in benachteiligten Wohngebieten zu verorten, ist jedoch verkürzt, reproduziert Stereotype und liefert kaum Erklärungen. Denn soziale und räumliche Kontexte bedingen nicht nur Verhalten und Einstellungen, sondern werden gleichermaßen durch individuelle und kollektive Handlungen hervorgebracht und verändert. Die Beitragenden verschiedener Fachdisziplinen untersuchen diese komplexen Zusammenhänge, diskutieren sie mit Expert*innen aus der Praxis und eröffnen dabei neue Handlungsräume.
Julia Leser
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Für die Abschlusskonferenz des BMBF-Forschungsprojektes “Fremde im eigenen Land? Eine Studie über die Veränderbarkeit nationaler Narrative mithilfe Politischer Laboratorien (PoliLab)” (2018–2021) am 11. und 12. Februar 2021 laden wir sowohl Wissenschaftler/-innen aus unter- schiedlichen Fachdisziplinen als auch Praktiker/-innen aus den Bereichen der Politischen Bildung und der Bürgerbeteiligung dazu ein, sich an der digitalen Tagung "Gespaltene Gesellschaft? Herausforderungen für die Politische Bildung in diversen Gesellschaften" zu beteiligen.
Den vollständigen Call finden Sie im angehängten Pdf-Dokument, das gerne an Interessierte weitergeleitet werden kann.
Wir freuen uns auf Ihre Einreichungen.
 
Julia Leser
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Open Access: https://www.ingentaconnect.com/content/bup/gd/2020/00000010/00000002/art00016;jsessionid=engymwkshrp.x-ic-live-03 Abstract: By focusing on negative affects, such as anger, fear and hate, a normative critique of affective politics tends to overlook the ambiguity and situated nature of affective politics. This paper suggests embracing the ambivalences that characterise the emotional dynamics in political arenas; therefore, it emphasises the functionality of affects. The study adopts a post-dualistic understanding of political affects based on the conceptual devices of Sara Ahmed and Kathleen Stewart to analyse the affective practices and performances of the German political party Alternative für Deutschland (AfD). An ethnographic lens and analytical focus on the affective politics of far-right agents beyond negativity can permit more subtle nuances and highlight potentially overlooked facets of enactment and performance that have contributed to the successes of far-right political organisations in Europe and the US. The paper ultimately argues that the use of ‘ordinary’ affects produces legitimacy, renders far-right politics appealing and contributes to the normalisation of far-right discourse.
Julia Leser
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This paper draws on ethnographic fieldwork to analyse the ‘master narrative of resistance’ that is governing the activities of the German far right. The ‘resistance narrative’ came into effect during the 2018 Chemnitz riots. Yet the topos is being appropriated by a variety of actors on the far right. The paper exemplifies the significance of far-right political narratives and affects on current developments and tendencies of German far-right groups, among them far-right initiatives such as Pro Chemnitz, far-right protest movements such as PEGIDA, and the German spin-off of the French yellow vests’ movement. When analysing these groups’ uses of narrative and affective elements in terms of the ‘resistance topos,’ the paper elaborates the semantics, performances, and functions of a narrative that seems to constitute a common denominator of distinct groups and agents of the far right. In 2018 and 2019, we followed in particular the developments in the wake of the Chemnitz racist riots using ethnographic methods and conducted participant observations and conversations with various agents of the far right that share the ideological aspects of nationalism, xenophobia, authoritarianism, and welfare chauvinism. A constant practising, performing, and narrating of the ‘resistance topos’ enables activists on the far right to frame their cause, collective actions, and their (individual and group) identities in a particular manner. We argue that the ‘resistance narrative’ has to be understood as a part of the far right’s politics of affective attachment, attunement, and belonging that aims at furthering their social acceptability.
Rebecca Pates
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Download and Abstract here: http://publikationen.soziologie.de/index.php/kongressband_2018/article/view/1036
Rebecca Pates
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New Publication
Leser, J., Pates, R. und Spissinger, F. 2019. Befindlichkeiten des Demos. Nicole Burzan (Hg.) 2019: Komplexe Dynamiken globaler und lokaler Entwicklungen. Verhandlungen des 39. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Göttingen 2018. . 39, (Aug. 2019).
Download here:
 
Julia Leser
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Beginn: Freitag 04.10.2019 um 12.00 Uhr Ende: Samstag 05.10.2019 um 18.00 Uhr
Organisationsteam: Felix Anderl (University of Cambridge), Eva Johais (Universität Bremen), Tobias Neidel, Julia Leser, Florian Spissinger (alle Universität Leipzig)
Politikwissenschaftler*innen, die darüber nachdenken, einen ethnographischen Ansatz in ihrer Forschung zu verfolgen sind häufig einer doppelten Unsicherheit ausgesetzt. Auf der einen Seite steht die Befürchtung, ethnographische Methoden nicht „richtig“ anzuwenden. Denn die Lehrpläne der Politikwissenschaft decken ethnographische Methoden bisher selten ab. Andererseits sorgen sich gerade junge Kolleg*innen darum sich für ethnographische Methoden in der Politikwissenschaft rechtfertigen zu müssen. In diesem Workshop setzen wir daher auf Austausch: Wir bringen Forscher*innen in allen Phasen ihrer Karriere zusammen, um praxisnah zu diskutieren, wie Ethnographie "funktioniert" und worin der politikwissenschaftliche Beitrag besteht.
Dieser Workshop konzentriert sich auf die „Feldforschung“ als wesentlichem Bestandteil der ethnographischen Politikwissenschaft. Als theoretischen Hintergrund wollen wir daher das Konzept des Feldes diskutieren. Es ist ein entscheidender Ausgangspunkt für die Gestaltung ethnographischer Forschungsprojekte, da diese typischerweise nicht mit einer konkreten Forschungsfrage oder Hypothese beginnen, sondern mit dem Eintauchen „ins Feld“. Der Hauptteil des Workshops konzentriert sich dann auf den Erfahrungsaustausch über Praktiken der Feldforschung. Der Workshop wird daher nicht in einem klassischen Konferenzformat abgehalten, sondern als eine Mischung aus theoretischen Diskussionen auf der Grundlage von Texten, Inputs aus der Feldforschung und kritischer Reflektionen darüber, was es bedeutet, „ins Feld zu gehen“ und welche praktischen und ethischen Fragen dies aufwirft.
Der Workshop lädt Politikwissenschaftler*innen ein, die bereits ethnographisch arbeiten und jene, die darüber nachdenken, das in Zukunft zu tun. Da es nicht um die Präsentation von Forschungsergebnissen geht, werden keine Abstracts zur Anmeldung benötigt. Wir bitten aber diejenigen mit praktischen Erfahrungen in der Feldforschung, uns in der Anmeldung mitzuteilen, ob sie bereit wären diese in Form eines kleinen Inputs mit der Gruppe zu teilen. Über die Details werden wir uns dann nach der Anmeldung mit euch verständigen.
Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt (first come first serve). Die Anmeldung kann bis zum 31.07.2019 mit einer e-Mail an folgende Adresse erfolgen: ffa22@cam.ac.uk
 
Julia Leser
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Wir freuen uns über Beiträge zu einem Sammelband über die „Funktionen der deutschen Nation“. Vor dem Hintergrund der weltweiten Persistenz und Re-Emergenz des Nationalen suchen wir Beiträge, die den bundesdeutschen Kontext in den Blick nehmen. Der Sammelband soll aus historischen und gegenwärtigen Forschungsperspektiven Praktiken und Diskurse der deutschen Nation untersuchen. Als Mitarbeitende des BMBF-geförderten Forschungsprojekts „Fremde im eigenen Land? Eine Studie über die Veränderbarkeit nationaler Narrative mithilfe Politischer Laboratorien“ übernehmen Mario Futh, Jamela Homeyer und Florian Spissinger die Betreuung und Herausgabe.
Im angehängten PDF finden Sie den Call for Papers mit weiteren Informationen. Leiten Sie diesen gerne weiter.
 
Julia Leser
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Our project's homepage is online (in German):
 
Julia Leser
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„Rechtspopulismus”, so argumentiert Ruth Wodak (2016, 5), macht „erfolgreich Angst […] vor verschiedenen realen oder fantasierten Gefahren“. Das Schüren bestimmter Emotionen ist nicht nur ein wesentliches Merkmal von Politik, sondern verweist auch auf die Funktionalität von Affekten in demokratischen Prozessen. Affekte, so hat es u. a. Hochschild (2016) gezeigt, spielen eine zentrale Rolle in Verhandlungsprozessen von (nationaler) Zugehörigkeit und kollektiven Identitäten. Aus demokratietheoretischer Perspektive wird dabei auf ein Paradox verwiesen: Deliberative Demokratietheorien beruhen auf der Annahme, dass Bürger/-innen ihre Repräsentant/-innen interessengeleitet wählen und dass die politische Öffentlichkeit ein Bereich der rationalen Debatte sei (Mouffe 2002, Weber 2007). Und doch wird eine Legitimationskrise dieser deliberativen Demokratie beobachtet, wobei das Erstarken populistischer Parteien auf die „instrumentelle Mobilisierung von Gefühlen für politische Identitätsbildung und zur Etablierung von Angstregimen“ zurückgeführt wird (Penz & Sauer 2016, 117). Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Gefühle – der nationalen Zugehörigkeit etwa – mit dem Wunsch nach Exklusion von Migrant/-innen korrelieren (Fetzer 2000, Hainmueller & Hopkins 2014). In dem Forschungsprojekt Fremde im eigenen Land? (Universität Leipzig, 2018–2021) nähern wir uns ethnografisch dieser affektiven Dimension nationaler Selbstverständnisse und deren politischen Niederschlägen hinsichtlich der Vorstellungen kollektiver Identitäten und politischer Teilhabe, um herauszufinden, mit welchen Ängsten und Hoffnungen die Bürger/-innen den Dynamiken einer pluralistischen Gesellschaft begegnen, insbesondere vor der Folie einer ‚Flüchtlingskrise’ und dem Erstarken populistischer Parteien. Wir dokumentieren die Vorstellungen in der autochtonen, vielfältig zusammengesetzten Bevölkerung darüber, wer „wir“ sind und was „uns“ ausmacht. Liegen die positiven Errungenschaften etwa in der Vergangenheit, in den Mythen und Erzählungen mit jeglichen legitimatorischen Problemen, die das für Deutschland mit sich bringt (Menasse 2016, König 2015) – oder sind es die gegenwärtigen Institutionen, der Wohlfahrtsstaat, die repräsentative Demokratie, die Rechte für Minderheiten (Lepsius 1997)? Welche Rolle spielen die (imaginierten) Zukünfte oder Verlustnarrative (Hölscher 2016, Streeck 2014)? Ist die Verbundenheit mit der Nation als Bekundung kollektiver Interessen zu verstehen – oder handelt es sich zuvorderst um eine emotionale Zugehörigkeit (Patzelt 2013)?
Rebecca Pates
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In our Research Project "Fremde im eigenen Land?
Eine Studie über die Veränderbarkeit nationaler Narrative mithilfe Politischer Laboratorien" (2018-2021, funded by the Federal Ministry of Education and Research) we are asking which notions of "the nation" are involved in articulating affects regarding migration.
Here's the official summary (in German):
"Fremde im eigenen Land? Eine Studie über die Veränderbarkeit nationaler Narrative mithilfe Politischer Laboratorien“ (kurz: PoliLab) untersucht, wie sich die Vorstellungen kollektiver gesellschaftlicher Identität in Zeiten des Zuzugs von diversen Migrationsgruppen verändern und neu formen. Im Rahmen mehrerer politischer Laboratorien, die mit Bürgern in ganz Deutschland durchgeführt werden, werden Narrative und Aspekte einer gemeinsamen gesellschaftlichen Identität verhandelt und darauf aufbauend über verschiedene Herkunftskulturen hinweg gestaltet. Im Zentrum steht dabei wie der gesellschaftliche Zusammenhalt im Zeichen der Zuwanderung und dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher kultureller Codes möglich ist – auch angesichts ablehnender Reaktionen.
Die Fragen, mit denen sich seit der Ankunft von (temporären) Neuankömmlingen öffentlich auseinandergesetzt wird, sind grundlegend für unser Verständnis von demokratischer Teilhabe, Zugehörigkeit und Bürgerschaft. Das Projekt zielt darauf ab, den kulturellen Wandel vor dem Hintergrund von Migrationsprozessen zu analysieren und die Forschungstraditionen im Bereich Migration und Integration unter dem Vorzeichen gesellschaftlicher Pluralität zu überdenken und weiter zu entwickeln. Das Format der Politischen Laboratorien stellt dabei eine neue Forschungsmethode mit politischen, d. h. aktivierenden Implikationen dar.
Projektleitung: Prof. Dr. Rebecca Pates