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Ästhetische Gemeinschaften als Form der Freiheit

Goal: Das Projekt verfolgt die Bildung ästhetischer Gemeinschaften vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ausgehend von der Annahme, dass sich sozialer Zusammenhalt in der Moderne weit eher der Verschiedenheit beziehungsweise Abgrenzung als der Gemeinsamkeit verdankt (Rudolf Stichweh), werden mit Bohème und Avantgarde jene Momente näher untersucht, in denen (1) das Ineinandergreifen von Sozial- und Kunstformen besonders deutlich hervortritt und (2) das Wissen um den Wert loser Kopplung generiert wird.

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Christine Magerski
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Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes ist der einzigartige historische Moment des Anarchismus in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in Bezug nicht nur auf seine politische, sondern vor allem auf seine kulturelle Bedeutung. Anarchismus wurde zum kreativ-zerstörerischen Prinzip der avantgardistischen Bewegungen, die aus der immer akuteren Krise der europäischen Ordnung und der bürgerlichen Gesellschaft jener Jahre entstanden. Das avantgardistische Moment, getragen von einer europäischen Intelligenz zwischen ästhetischem Protest und politischer Revolte, zielte auf die Überwindung der Grenzen zwischen Kunst, Leben und Politik und entfachte eine Suche sowohl nach neuen Möglichkeiten in der Kunst wie auch nach neuen, antibürgerlichen, gesellschaftliche und sexuelle Befreiung versprechenden Lebensformen, angefangen von Künstlerkolonien bis hin zu politischen Kommunen. Das Ergebnis war ein Ferment von Kreativität und Provokationen, von dem alle späteren anarchistischen Bewegungen – von den Situationisten bis zum Mai 68, von der Beat-Generation bis zur kalifornischen New Age und zur Pop Art – inspiriert wurden.
Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes ist der einzigartige historische Moment des Anarchismus in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in Bezug nicht nur auf seine politische, sondern vor allem auf seine kulturelle Bedeutung. Anarchismus wurde zum kreativ-zerstörerischen Prinzip der avantgardistischen Bewegungen, die aus der immer akuteren Krise der europäischen Ordnung und der bürgerlichen Gesellschaft jener Jahre entstanden. Das avantgardistische Moment, getragen von einer europäischen Intelligenz zwischen ästhetischem Protest und politischer Revolte, zielte auf die Überwindung der Grenzen zwischen Kunst, Leben und Politik und entfachte eine Suche sowohl nach neuen Möglichkeiten in der Kunst wie auch nach neuen, antibürgerlichen, gesellschaftliche und sexuelle Befreiung versprechenden Lebensformen, angefangen von Künstlerkolonien bis hin zu politischen Kommunen. Das Ergebnis war ein Ferment von Kreativität und Provokationen, von dem alle späteren anarchistischen Bewegungen – von den Situationisten bis zum Mai 68, von der Beat-Generation bis zur kalifornischen New Age und zur Pop Art – inspiriert wurden.
Christine Magerski
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Als das Wesen der Mode gilt seit Georg Simmel das antagonistische Prinzip zwischen dem Egalisierung- und dem Individualisierungstrieb, d.h. zwischen der sozialisierenden Verschmelzung mit der Gruppe und der Tendenz zum Besonderen und Einzigartigen. Nähert man sich mit dieser Definition dem Zusammenhang von künstlerischer Selbstinszenierungen und die Mode, so bekommt man es mit einer paradoxen Konstellation zu tun, verkörpert der moderne Künstler doch das kollektive Besondere und mithin eine Sozial- und Symbolfigur, die dem antagonistischen Prinzip der Mode zu widersprechen scheint. Im Folgenden wird versucht, dieses Paradox für ein Verständnis der Wechselwirkung zwischen Mode und Kunst produktiv zu machen und argumentiert, dass beide ihre Dynamik Unterscheidungsproblemen verdanken, welche als Differenz von Kunst und Nichtkunst beziehungsweise Modisch und Unmodisch in dem Moment ineinandergreifen, in dem die Kunst sich der Logik der Mode unterwirft, ganz auf eine Definition des Besonderen als Neuem abstellt und dieses avantgardistische Moment von der Ebene der künstlerischen Formen auf die der Lebensformen ausweitet.
Christine Magerski
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Im Beitrag werden mit den Begriffen Anarchismus, Bohème und Avantgarde drei zentrale Momente der Moderne zusammengeführt: Die Bohème (als Suche nach und Erprobung von neuen Lebensformen), die Avantgarde (als Suche nach und Erprobung von neuen Kunstformen) und der Anarchismus (als Suche nach und Erprobung von neuen Politikformen). Zusammen, so gilt es zu zeigen, bilden sie einen sozio-ästhetischen Raum, dessen Protagonist die Figur des jenseits aller Kontrolle frei herumlaufenden Vagabunden ist; eine Figur, die von der Kultursoziologie zum eigentlichen „Fluch der frühen Moderne“ erklärt und von der gesagt wird, dass sie die Vorhut des posttraditionellen Chaos und der Anarchie bildete und verschwinden musste, solange die Ordnung noch die Regel war (Bauman 2007: 153). Aber, und dies gilt es zu fragen, ist die Ordnung noch die Regel, oder hat die gleichzeitige Entgrenzung von Politik-, Kunst- und Lebensformen die Prämissen des kulturellen Anarchismus auf den Kopf gestellt?
Christine Magerski
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Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes ist der einzigartige historische Moment des Anarchismus in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in Bezug nicht nur auf seine politische, sondern vor allem auf seine kulturelle Bedeutung. Anarchismus wurde zum kreativ-zerstörerischen Prinzip der avantgardistischen Bewegungen, die aus der immer akuteren Krise der europäischen Ordnung und der bürgerlichen Gesellschaft jener Jahre entstanden. Das avantgardistische Moment, getragen von einer europäischen Intelligenz zwischen ästhetischem Protest und politischer Revolte, zielte auf die Überwindung der Grenzen zwischen Kunst, Leben und Politik und entfachte eine Suche sowohl nach neuen Möglichkeiten in der Kunst wie auch nach neuen, antibürgerlichen, gesellschaftliche und sexuelle Befreiung versprechenden Lebensformen, angefangen von Künstlerkolonien bis hin zu politischen Kommunen. Das Ergebnis war ein Ferment von Kreativität und Provokationen, von dem alle späteren anarchistischen Bewegungen – von den Situationisten bis zum Mai 68, von der Beat-Generation bis zur kalifornischen New Age und zur Pop Art – inspiriert wurden. Der Inhalt Anarchismus als sezessionistische Kraft.- Anarchismus als Umwertung aller Werte: Der Fall Nietzsche.- Anarchismus als gelebte Herrschaftsfreiheit I: Genie und Wahnsinn.- Anarchismus als gelebte Herrschaftsfreiheit II: Fiktionen des Selbst.- Anarchismus und Repräsentanz: Sprachpolitik und Sprachen der Politik.- Endspiele: Anarchismus als Fluchtpunkt und Nachspiel.-Ausblicke: Anarchismus als spekulative Fiktion und theoretische Aufgabe Die Zielgruppen Kultur- und Literaturwissenschaftler sowie Kultursoziologen Herausgegeben von Dr. Christine Magerski lehrt als Professorin für neuere deutsche Literatur- und Kulturgeschichte an der Germanistischen Abteilung der Universität Zagreb, Kroatien. Dr. David Roberts ist Emeritus Professor an der School of Languages and Literatures, Monash University Melbourne, Australia und Fellow der Australian Academy of the Humanities.
Christine Magerski
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According to Judith Butler, the actualization of Georg Lukács opens up a perspective that fundamentally challenges the concepts that have circulated in literary-theoretical debates since the 1960s. The publishers of the volume Aesthetics of Form as Social Philosophy share this conviction and focus entirely on the concept of form, understood in the broadest sense as the result of a demarcation that in the first place opens up the framework for communication and social interaction.
Die Aktualisierung von Georg Lukács, so Judith Butler 2010, eröffnet eine Perspektive, welche die seit den 1960er Jahren in den literaturtheoretischen Debatten kursierenden Begriffe nachhaltig durcheinanderbringt. Die Herausgeber des Bandes schließen sich dieser Einschätzung an und fokussieren ganz auf den Begriff der Form, verstanden im weitesten Sinne als Resultat einer Grenzziehung, welche überhaupt erst den Rahmen für Kommunikation und soziale Vermittlung eröffnet.
Christine Magerski
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Die zentrale These der Untersuchung zur Frühgeschichte der Literatursoziologie und Literaturgeschichtsschreibung lautet, daß die Entstehung literatursoziologischer Fragestellungen divergierende und konkurrierende literarische Positionen und mithin die Genese eines literarischen Feldes voraussetzt. Im Anschluß an die genaue Rekonstruktion der Theorie des literarischen Feldes von Pierre Bourdieu wird im Vergleich der französischen und deutschen Verhältnisse in der zweiten Hälfte des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts gezeigt, daß die frühe Literatursoziologie maßgeblich durch die Kultursoziologie Georg Simmels mitbestimmt worden ist und der heute beinahe vergessene Literat Samuel Lublinski eine wichtige Verbindung zwischen Literaturkritik, Literaturwissenschaft und Literatursoziologie hergestellt hat. Besondere Beachtung erfahren dabei die Entwicklungstendenzen zu einem ästhetische und soziale Momente umfassenden Formbegriff. In genauen Einzeluntersuchungen wird dies insbesondere am Beispiel der Verbindung von Georg Simmel und Georg Lukács belegt, über dessen Stilbegriff - verstanden als "historische Kategorie" und als "synthetische Methode" - die Komplementarität zwischen Bourdieu und Lukács herausgearbeitet wird.
Das Konzept der Moderne zählt zu den festen Bestandteilen des humanwissenschaftlichen Kanons. Dabei variiert seine Definition und beschreibt je nach Disziplin eine historische, soziale oder ästhetische Konfiguration. Um zu einem umfassenden Verständnis der Moderne zu gelangen, das auch transdisziplinäre Fragestellungen berücksichtigt, setzen sich renommierte Soziologen, Philosophen, Politologen und Literaturwissenschaftler aus unterschiedlichen Perspektiven mit Analogien und Differenzen der verschiedenen Begriffe der Moderne auseinander. Mit diesem Buch würdigen die Autoren David Roberts anlässlich seines 70. Geburtstags.
Christine Magerski
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Das Projekt verfolgt die Bildung ästhetischer Gemeinschaften vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ausgehend von der Annahme, dass sich sozialer Zusammenhalt in der Moderne weit eher der Verschiedenheit beziehungsweise Abgrenzung als der Gemeinsamkeit verdankt (Rudolf Stichweh), werden mit Bohème und Avantgarde jene Momente näher untersucht, in denen (1) das Ineinandergreifen von Sozial- und Kunstformen besonders deutlich hervortritt und (2) das Wissen um den Wert loser Kopplung generiert wird.