Project

Achievement of Full Human Rights and Appropriate Support for People with Psychiatric Problems

Goal: The project goal of humanistic antipsychiatry is orientated toward the interests of (ex-) users and survivors of psychiatry whose main concerns are self-determination, freedom from bodily harm, and adequate and self-defined support. It has no connection to the pharmaceutical industry and to organizations that are dependent on them, nor to Scientology or other sects and dogmatists of whatever color. Beyond health, nothing is more valuable than freedom and independence. Friends of forced treatment and Big Pharma therefore fight the modern, user-orientated and -defined humanistic antipsychiatry with special vehemence.
Humanistic antipsychiatry is filled with a contrarian spirit and the fundamental conviction that:
- Psychiatry as a medical (and natural scientific) discipline cannot do justice to the expectation of solving mental problems that are largely of a social nature,
- Its propensity and practice to use force constitutes a threat, and
- Its diagnostic methods obstruct the view of the real problems of individuals in society.
For these reasons, my project works towards:
- Developing adequate and effective assistance for people in emotional difficulties,
- Safeguarding their participation in society and their civil rights in treatment on a par with 'normal' patients (patients in physical medicine),
- Joining forces in cooperation with other human rights organisations and self-help groups as well as with supporting experts,
- Support in withdrawing from psychiatric drugs, use of alternative and less toxic psychotropic substances,
- Ostracization of electroshock up to its ban,
- New ways of living with madness and being different—with as much independence from institutions as possible, and
- Tolerance, respect and appreciation of diversity at all levels of life.
Das Projekt "Achievement of Full Human Rights and Appropriate Support for People with Psychiatric Problems" (Erlangung uneingeschränkter Menschenrechte und angemessener Hilfe für Menschen mit psychiatrischen Problemen) ist von Widerspruchsgeist und der grundlegenden Erkenntnis erfüllt, dass
- die Psychiatrie als medizinische (und naturwissenschaftliche) Disziplin dem Anspruch, psychische Probleme überwiegend sozialer Natur zu lösen, nicht gerecht werden kann,
- ihre Gewaltbereitschaft und -anwendung eine Bedrohung darstellt und
- ihre Diagnostik den Blick auf die wirklichen Probleme des einzelnen Menschen in der Gesellschaft verstellt.
Deshalb engagiert sich das Projekt für
- den Aufbau angemessener und wirksamer Hilfe für Menschen in psychosozialer Not,
- die Sicherung ihrer gesellschaftlichen Teilhabe und ihre rechtliche Gleichstellung mit normalen Kranken,
- ihre Organisierung und die Zusammenarbeit mit anderen Menschenrechts- oder Selbsthilfegruppen sowie mit unterstützenden Experten,
- die Unterstützung beim selbstbestimmten Absetzen psychiatrischer Psychopharmaka und die Verwendung alternativer psychotroper, das heißt die Psyche beeinflussender, und weniger giftiger Substanzen,
- die Ächtung des Elektroschocks bis hin zu seinem Verbot,
- neue Formen des Lebens mit Verrücktheit und Andersartigkeit sowie
- Toleranz, Respekt und Wertschätzung von Vielfalt auf allen Ebenen des Lebens.

Date: 1 January 1979

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Peter Lehmann
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International verabreichen Psychiaterinnen und Psychiater zunehmend Elektroschocks: in psychiatrischen Kliniken, insbesondere in Universitätskliniken, gelegentlich auch ambulant in psychiatrischen Praxen. Niedergelassene oder im Krankenhaus tätige »Zuweiser« kümmern sich darum, dass Patientinnen und Patienten in Einrichtungen mit einsatzbereiten Elektroschockapparaten überwiesen werden. Dabei ist der Elektroschock als psychiatrische Behandlungsmaßnahme hoch umstritten. Betroffene, Angehörige, medizinisches Fachpersonal, Journalistinnen und Journalisten, Juristinnen und Juristen, sie alle wollen wissen: Wie wirken Elektroschocks? Wann und wer wird elektrogeschockt? Welche Risiken und Schäden gestehen Hersteller ein? Wie kam der Elektroschock in die Welt? Wie verabreicht man den Elektroschock heute? Ist der Elektroschock alternativlos? Wie informiert man Betroffene, Angehörige und medizinisches Personal über Behandlungsrisiken? Welche Verantwortung für mögliche Schäden übernimmt der Hersteller? Der Autor gibt knappe Antworten auf kurze Fragen. Publiziert in: in: Schattenblick (Stelle-Wittenfurth), Ausgabe 177 (Sonderausgabe 20) vom 1. Oktober 2022, S. 40-47
Peter Lehmann
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Die in der psychiatrischen Akutbehandlung verabreichten Neuroleptika und Antidepressiva bergen für die betroffenen Personen immense gesundheitliche Risiken, insbesondere da große interindividuelle Wirkungsunterschiede bestehen und für Voruntersuchungen zu gesundheitlichen Vorbelastungen keine Zeit vorhanden ist. In der Regel erfolgt keine Aufklärung über Risiken, »Neben«-Wirkungen und Alternativen, die den gesetzlichen Vorschriften genügt. Bei Elektroschocks werden Informationen über die tatsächlichen Risiken unterschlagen. Stattdessen preist man diese Maßnahme als sichere Behandlung mit relativ wenig unerwünschten, meist vorübergehenden Störungen an, obwohl sie laut Herstellerinformation mit verheerenden kognitiven Folgen und anderen Schäden einhergehen kann. Erprobte betroffenenorientierte humanistische stationäre sowie ambulante Angebote werden hierzulande nicht angeboten. Dabei fordern die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die hierzulande seit ihrer Ratifizierung durch die Bundesregierung Rechtskraft besitzt, Hilfsprogramme mit niedrigschwelligen Angeboten und die Abschaffung von Zwangsmaßnahmen in der psychiatrischen Akutbehandlung. Behandlungen ohne informierte Zustimmung, das heißt ohne umfassende Aufklärung über Behandlungsrisiken, stellen ebenso Gesetzesverstöße dar. Dies betrifft auch sogenannte Instruktionsfehler, wenn Pharmafirmen ihre Fachinformationen nicht entsprechend dem wissenschaftlichen Stand über Probleme und Möglichkeiten beim Absetzen und Entzug formulieren - Probleme, die auch von Psychiaterinnen und Psychiatern schon vor Behandlungsbeginn offenzulegen sind. Angesichts der gravierenden medizinischen und juristischen Probleme bei der alltäglichen psychiatrischen Akutbehandlung sind (möglicherweise) betroffene Personen gut beraten, wenn sie ihre Präferenzen und Optionen rechtzeitig in einer Psychosozialen Patientenverfügung dokumentieren.
Peter Lehmann
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Όσοι πιστεύουν ότι το ηλεκτροσόκ ανήκει στην γκρίζα προϊστορία της ψυχιατρικής κάνουν λάθος. Παγκοσμίως, ο αριθμός των αιτήσεων για την αγορά μηχανημάτων ηλεκτροσόκ αυξάνεται. Σύμφωνα με μία εκτίμηση του 2013 από τους λάτρεις του ηλεκτροσόκ, περίπου 2-3 εκατομμύρια άνθρωποι δέχονται ετησίως ηλεκτροσόκ. Θυμίζουμε ότι στις «Νησίδες» έχουν εκδοθεί και άλλα βιβλία του Πέτερ Λέμαν: Βγαίνοντας από τα ψυχοφάρμακα / Αντί της ψυχιατρικής. Εναλλακτικά μοντέλα συνάντησης με τον ψυχικό πόνο.
Peter Lehmann
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Der Psychiater Gerhard Gründer hat – gerichtet vor allem an seine verschreibenden KollegInnen – ein Buch zum Absetzen von Psychopharmaka geschrieben. Das lässt aufhorchen. Darin referiert er die medizinische Literatur zu Absetz- und Entzugssyndromen hauptsächlich bei Antidepressiva und Neuroleptika zu Toleranzbildung, Wirkungsverlust, Behandlungsresistenz und Supersensivitätsstörungen. Das heikle Thema anhaltender Störungen (z.B. Sexualstörungen) nach dem Absetzen von Antidepressiva wird benannt. Absetz- und Entzugssyndrome würden in hoher Prozentzahl und noch Wochen nach dem Absetzen auftreten und könnten jahrelang anhalten. Er anerkennt die Lebensgefahr mancher Entzugssyndrome und die Repräsentativität von Berichten über die Syndrome in Online-Foren und moniert die regelhaft unterbleibende Aufklärung über die Risiken der Psychopharmaka und dieser Syndrome. Auch beim Umstellen von Neuroleptika seien sie außerordentlich häufig, was in der klinischen Praxis kaum bekannt sei. Gründer hat ein mutiges Buch geschrieben. Einer der psychiatrischen Meinungsführer in Deutschland formuliert darin, er habe die Argumentation seiner Kollegen gehört, ihre Patienten würden Psychopharmaka nicht nehmen, wenn sie über alle möglichen unerwünschten Wirkungen, Komplikationen und Spätfolgen aufgeklärt würden. Deshalb ernte er mit seinen Aussagen Kritik. Schon vor Beginn der Behandlung solle aber zumindest über das Absetzen nachgedacht werden, so Gründer. – Nachdenken bei der Ärzteschaft, das wäre in der Tat ein erster Schritt. Der zweite wäre, die BehandlungskandidatInnen entscheidungsoffen aufzuklären. Der dritte, die überkommene Vorstellung der geteilten Entscheidung in der Mülltonne der Psychiatriegeschichte zu versenken und Betroffene mit Rat und Tat zu unterstützen, wenn diese sich selbstbestimmt zum Absetzen entschlossen haben. Erschienen in: SeelenLaute (Saarburg / Saarbrücken), Nr. 54 (Mai 2022), S. 4
"Endlich ohne Antidepressiva - Wie und wann du sie absetzt. Was du stattdessen tun kannst". Mit diesem Titel hat der Psychiater und Psychotherapeut Trautmann ein Buch über Maßnahmen gegen Depressionen geschrieben. Viel Platz nehmen Ausführungen über Depressionen, psychotherapeutische und sonstige Maßnahmen ein (z.B. den "inneren Schweinehund" überwinden, Denkmuster verändern, Johanniskraut). Auch darüber, wer Antidepressiva "wirklich" braucht und was in seinen psychiatrischen Augen sinnvolle Dosierungen sind. Lange anhaltende oder verzögert auftretende Entzugsprobleme? Maßnahmen gegen Entzugsprobleme – außer dem bekannten Vorschlag, zur vorherigen Stufe zurückzukehren und dann etwas langsamer zu reduzieren? Anhaltende Supersensivitätsstörungen im Nervensystem? Alles Fehlanzeige. Ein nicht empfehlenswertes Buch. Erschienen in: Newsletter Seelische Gesundheit (Saarbrücken), Mai 2022
Translation of my lecture “Informal psychiatric human rights violations: psychiatric violence through deliberate misinformation about dependency risks of psychotropic drugs and withholding of support in their discontinuation and withdrawal” to the 5th International Seminar “The Psychiatric Drug Epidemic“ (“Planetary crisis: Pandemic, inequalities, neoliberalism and pathologization“), Oswaldo Cruz Foundation, Rio de Janeiro, from November 4, 2021
Peter Lehmann
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Im Rahmen der DGSP-Jahrestagung 2021 in Bremen organisierten Uwe Gonther und Peter Lehmann ein Symposium, für dessen inhaltliche Ausrichtung sie verantwortlich zeichneten: »Wo bleiben die neuen Wege beim Absetzen von Psychopharmaka?«. Die Podiumsteilnehmenden des Symposiums haben ihre dort gehaltenen jeweiligen Beiträge für »Soziale Psychiatrie« zusammengefasst. Seit über einem halben Jahrhundert weiß man von den immensen Problemen beim Absetzen von Psychopharmaka. Seit drei Jahrzehnten weiß man von der um 20 bis 25 Jahre reduzierten Lebenserwartung von Menschen mit ernsten psychiatrischen Diagnosen (und entsprechender Verabreichung oft gesundheitsschädlicher Psychopharmaka). Immer wieder wird von Betroffenenseite und von engagierten psychiatrisch Tätigen eine kompetente Begleitung beim Absetzen von Psychopharmaka eingefordert, mittlerweile sogar von der »S3-Leitlinie Schizophrenie«. Doch abgesehen von zaghaften Ansätzen ambulanter, teilstationärer und stationärer Unterstützung beim Absetzen bleibt die Masse der Betroffenen ohne jegliche Unterstützung. Dazu desinformiert die Pharmaindustrie die Ärzte- und Patientenschaft. Es gebe keine Abhängigkeit und Entzugsprobleme, man könne die Psychopharmaka meist rasch in 1 bis 2 Wochen absetzen. Wie kann dies zum Wohle der Betroffenen geändert werden? Wo bekommen Betroffene Hilfe? Wie können Angehörige konstruktiv in Reduktionsprozesse einbezogen werden? Wie sähe eine optimale Hilfe beim Absetzen von Psychopharmaka aus? Publiziert in: Soziale Psychiatrie (Köln), 46. Jg. (2022), Nr. 2, S. 24-28 Seit über einem halben Jahrhundert weiß man von den immensen Problemen beim Absetzen von Psychopharmaka. Seit drei Jahrzehnten weiß man von der um 20 bis 25 Jahre reduzierten Lebenserwartung von Menschen mit ernsten psychiatrischen Diagnosen (und entsprechender Verabreichung oft gesundheitsschädlicher Psychopharmaka). Immer wieder wird von Betroffenenseite und von engagierten psychiatrisch Tätigen eine kompetente Begleitung beim Absetzen von Psychopharmaka eingefordert, mittlerweile sogar von der »S3-Leitlinie Schizophrenie«. Doch abgesehen von zaghaften Ansätzen ambulanter, teilstationärer und stationärer Unterstützung beim Absetzen bleibt die Masse der Betroffenen ohne jegliche Unterstützung. Dazu desinformiert die Pharmaindustrie die Ärzte- und Patientenschaft. Es gebe keine Abhängigkeit und Entzugsprobleme, man könne die Psychopharmaka meist rasch in 1 bis 2 Wochen absetzen. Wie kann dies zum Wohle der Betroffenen geändert werden? Wo bekommen Betroffene Hilfe? Wie können Angehörige konstruktiv in Reduktionsprozesse einbezogen werden? Wie sähe eine optimale Hilfe beim Absetzen von Psychopharmaka aus?
Peter Lehmann
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Den Antipsychiatrieverlag, einen Ein-Mann-Verlag, gründete ich 1986, um dem ideologisch geprägten gewöhnlichen Expertenmonolog über psychiatrische Psychopharmaka und Elektroschocks faktenbasierte und für Menschen ohne Medizinkenntnisse verstehbare Informationen über deren Schäden entgegenzusetzen. Dabei orientierte ich mich an den Interessen Psychiatriebetroffener, kritischer Angehöriger und psychosozial Tätiger: Gesundheit, Selbstbestimmungsrecht, angemessene psychosoziale Hilfe in psychischen Notlagen. Dieser Personenkreis stellt nicht nur meinen Kundenstamm dar, sondern hat mit seiner informellen Unterstützung zum Erfolg des Antipsychiatrieverlags beigetragen und dazu, dass all die frühen Warnungen über Psychopharmakaschäden und der Notwendigkeit, sich zu schützen, nach und nach ernster genommen werden. Publiziert in: Sozialpsychiatrische Informationen (Köln)
Peter Lehmann
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Πολλά ανθρώπινα δικαιώματα καταστρατηγούνται στη συνήθη ψυχιατρική πρακτική, όπως, για παράδειγμα, το δικαίωμα στην αξιοπρέπεια, την ισότητα, την αδελφότητα και τη ζωή. Αυτά τα δικαιώματα θα έπρεπε να είναι εγγυημένα για όλους τους ανθρώπους, σύμφωνα με την Παγκόσμια Διακήρυξη για τα Ανθρώπινα Δικαιώματα του Οργανισμού Ηνωμένων Εθνών (Ο.Η.Ε.). Αυτή η διακήρυξη ισχύει για όλους τους πολίτες όλων των κρατών σε ολόκληρο τον κόσμο. Τουλάχιστον, θα έπρεπε να ισχύει. Όμως η νομοθεσία σχετικά με την ψυχιατρική επιμέλεια, την αναγκαστική νοσηλεία ή τη νοσηλεία σε ψυχιατροδικαστικές μονάδες αποτελεί τη βάση της καταστρατήγησης των ανθρώπινων δικαιωμάτων. Σύμφωνα με τον Edmund Schönenberger (1993), και με αναφορά στην Ευρωπαϊκή Διακήρυξη για τα Ανθρώπινα Δικαιώματα από το 1950, η οποία έγινε δεκτή από την Ευρωπαϊκή Επιτροπή, στο πεδίο της ψυχιατρικής η καταστρατήγηση των ανθρώπινων δικαιωμάτων είναι συστηματική. Ο Schönenberger είναι δικηγόρος και ιδρυτής του PSYCHEX, μιας οργάνωσης στην Ελβετία, που στελεχώνεται από δικηγόρους, κριτικούς ψυχιάτρους και επιζήσαντες της ψυχιατρικής, η οποία υποστηρίζει έγκλειστους ψυχιατρικούς ασθενείς στο να ανακτήσουν την ελευθερία τους και να λάβουν αποζημίωση για τις βλάβες που υπέστησαν από την ψυχιατρική αντιμετώπιση. Ο Schönenberger προσδιόρισε τους τομείς καταστρατήγησης των ανθρώπινων δικαιωμάτων στο πεδίο της ψυχιατρικής ως εξής: Απαγόρευση της απάνθρωπης και υποτιμητικής μεταχείρισης (άρθρο 3), δικαίωμα στην ελευθερία και την ασφάλεια (άρθρο 5), σε δίκαιη δίκη (άρθρο 6), στο σεβασμό της ιδιωτικής και της οικογενειακής ζωής, της κατοικίας και της αλληλογραφίας (άρθρο 8), στην ελευθερία της σκέψης (άρθρο 9), στην ελευθερία της έκφρασης, της γνώμης και της ανταλλαγής πληροφοριών και ιδεών (άρθρο 10), αποτελεσματική υπεράσπιση ενώπιον εθνικών αρχών ενάντια σε καταστρατηγήσεις των δικαιωμάτων της Διακήρυξης (άρθρο 13), και απαγόρευση των διακρίσεων που βασίζονται στο φύλο, τη φυλή, το χρώμα, τη γλώσσα, τη θρησκεία, πολιτικές ή άλλες πεποιθήσεις, εθνική ή κοινωνική καταγωγή, σχέση με εθνική μειονότητα, ιδιοκτησία, γέννηση ή άλλη υπόσταση (άρθρο 14). Εδώ θα επικεντρωθώ στο δικαίωμα στη ζωή και τη σωματική ακεραιότητα. Όταν κανείς πεθαίνει, τα ανθρώπινα δικαιώματά του/της χάνουν κάθε νόημα. Αυτό σημαίνει ότι οι τοξικές και επικίνδυνες επιπτώσεις των ψυχιατρικών φαρμάκων θα είναι στο στόχαστρο πολλών από τις επισημάνσεις μου. Δεν πρέπει να αφήσουμε τη συζήτηση αυτού του ζητήματος στους ψυχιάτρους. Η επικέντρωση των κριτικών εναντίον της ψυχιατρικής στη χρήση άμεσης βίας και περιορισμών ενέχει τον κίνδυνο αποπροσανατολισμού από το βαθύτερο πρόβλημα της άρνησης των ψυχιάτρων να παρέχουν επαρκή και αποτελεσματική βοήθεια στους ανθρώπους που βιώνουν συναισθηματικές δυσκολίες, οι οποίες είναι σε μεγάλο βαθμό κοινωνικές. Ψυχιατρικά (ψυχοτρόπα) φάρμακα συνταγογραφούνται από ψυχιάτρους και γενικούς γιατρούς σε παιδιά, εφήβους, ηλικιωμένους, άνδρες και γυναίκες με ποικίλες διαγνώσεις. Οι επιπτώσεις τους συνδέονται με μειωμένη ποιότητα ζωής και μειωμένο προσδόκιμο ζωής. Θεωρώ ότι η εκπαίδευση αναφορικά με τους κινδύνους των ψυχιατρικών φαρμάκων και των προβλημάτων που σχετίζονται με τη μείωση και τη διακοπή τους, όπως επίσης και η παρακολούθηση της υγείας, μπορούν να μειώσουν τη θνησιμότητα των ψυχιατρικών ασθενών. Είναι σημαντική η υποστήριξη πρωτοβουλιών αυτοβοήθειας των ανθρώπων που βιώνουν έντονο ψυχικό πόνο, όπως επίσης και η συνεργασία με μέλη της οικογένειας, πολίτες και επαγγελματίες για την ανάπτυξη ανθρωπιστικά προσανατολισμένων υποστηρικτικών συστημάτων. Η διασφάλιση των δικαιωμάτων των ψυχιατρικά ασθενών θα πρέπει να αποτελεί προτεραιότητα για όλες τις χώρες. Η ανάπτυξη στρατηγικών διασφάλισης αυτών των δικαιωμάτων μπορεί να βοηθήσει τις χώρες να επιτύχουν την ισότητα έναντι του νόμου, όπως αυτή διατυπώνεται στη Διακήρυξη για τα Δικαιώματα των Προσώπων με Αναπηρίες του Ο.Η.Ε. από το 2006. Μπορεί επίσης να βοηθήσει στη συμμόρφωση με τον Στόχο Αειφόρας Ανάπτυξης Αρ. 3 της Διάταξης για την Αειφόρα Ανάπτυξη για το 2030 (SDG3) του Ο.Η.Ε.. Αυτή η Διάταξη τέθηκε επισήμως σε ισχύ στις αρχές του 2016, αφού υιοθετήθηκε από τους παγκόσμιους ηγέτες το Σεπτέμβριο του 2015. Published in: Τετράδια Ψυχιατρικής (Tetradia Psychiatrikis), Athens
Peter Lehmann
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Die Heilpraktiker Wanitschek und Vigl informieren über die Verwendung von Cannabis sowie Cannabis-Bestandteilen wie dem psychoaktiven THC sowie CBD mit äußerst geringem THC-Anteil. Sie erläutern die Geschichte der Heilpflanze Hanf, erklären das Endocannabiniod-System des Körpers, das für die Aufnahme der Cannabis-Bestandteile verantwortlich ist, welche Ernährungsmethoden und Verhaltensweisen es negativ oder positiv beeinflussen, wie man frei erhältliche Cannabis-Produkte verarbeiten und einnehmen kann (Dosierungshinweise inklusive), mit welchen Methoden man ihre Wirkung verstärken kann und welche Risiken bei bestimmten Anwendungen einzukalkulieren sind. Anschließend erklären sie die Wirkungsweise des Hauptwirkstoffs THC sowie des nicht weniger wichtigen CBD, wobei letzteres für Psychiatriebetroffene interessant ist, die gegen psychische Probleme wie Müdigkeit, Ängste, Aufmerksamkeitsprobleme, posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, Medikamentenabhängigkeit, Schlafstörungen, »Schizophrenie« usw. vorgehen wollen. In: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2020, Nr. 1, S. 19
Wenn Journalisten Fach- oder Sachbücher schreiben, kommen dabei häufig oberflächliche, feuilletonartige Publikationen heraus. Auch der Autor von »Natürlich heilen mit Cannabis arbeitet als freier Journalist. Dennoch ist ihm ein sorgfältig recherchiertes und verantwortungsvoll geschriebenes Buch gelungen. (Und das im für seine verschwörungstheroretischen Bücher bekannten Kopp-Verlag.) Übersichtlich und sachlich informiert Meidinger über die Wiederentdeckung von Cannabis als Medizin, seine Inhaltsstoffe und speziell dem nicht psychoaktiven CBD mit seiner antipsychotischen Wirkung. In: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2020, Nr. 1, S. 18-19
Das im Schweizer Nachtschatten-Verlag erschiene Buch befasst sich mit der Anwendung, Wirkung, den Wechselwirkungen und Rezepturen von Cannabidiol (CBD), zudem mit der Verwendung von Cannabis in der Küche. Das Buch beginnt mit knappen Informationen zur Dosierung, fährt fort mit den CBD-Inhaltsstoffen, der Verwendung bei Krankheiten und psychischen Problemen. In: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2020, Nr. 1, S. 18
Peter Lehmann
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Psychiatrische Gewalt hat viele Formen. Direkte Gewalt wird vielfach kritisiert, da offensichtlich. Verdeckter Zwang wie die Verabreichung von Psychopharmaka ohne rechtswirksame informierte Zustimmung dagegen kaum, obwohl allgegenwärtig. Die angestrebte Gleichheit vor dem Gesetz für Menschen mit psychiatrischen Diagnosen setzt jedoch voraus, dass auch ihre Schädiger vor dem Gesetz gleichbehandelt werden – insbesondere vor dem Strafrecht. Aufgrund ihrer fortwährenden rechtlichen Benachteiligung sollten Menschen mit psychiatrischen Diagnosen und Problemen geeignete Schutzmaßnahmen treffen.
Peter Lehmann
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Anyone who wants to stop taking psychotropic drugs is well advised to think through this decision carefully, to take possible withdrawal problems into account and to proceed gradually, especially after a longer period of taking the drugs.
Doctors, including psychiatrists, prescribe antidepressants, neuroleptics (“antipsychotics”), mood stabilizers, tranquilizers and psychostimulants all over the world, and, in most cases, without providing information about the risks of taking them and problems when stopping, for example, adverse effects, tolerance formation, bodily and psychological dependence and withdrawal symptoms. Nor they tell people about ways to avoid or minimize the risks. This volume presents a collaboration of users and survivors of psychiatry (ex-patients), professionals, researchers, lawyers, and academics around the world committed to helping people understand the potential harm (including drug dependence) that prescribed psychotropic drugs can cause and how to safely reduce or stop taking them. The chapters include individual accounts of people who discontinued their prescribed psychotropic drugs, information about withdrawal groups, research data (especially about antidepressants and neuroleptics) and a commitment to safe withdrawal that will offer hope to many people; those who want to help and those who want to withdraw.
In the psychiatric field, there are people who have seen the risk of drug dependence on neuroleptics and antidepressants for decades, but also those who deny this risk. The first group justifies its warnings against drug dependence on antidepressants with sometimes severe, occasionally delayed or persistent withdrawal symptoms, with tolerance formation, substance-related increased susceptibility to depressive episodes, with treatment resistance and a lengthening of depression. In the case of neuroleptics, there are severe withdrawal symptoms, increased susceptibility to psychoses, to supersensitivity and chronic psychoses. Members of the group who deny the risk of drug dependence in prescribed psychotropic drugs, see withdrawal symptoms only as neuroadaptive processes, as they also occur when discontinuing drugs prescribed in physical medicine, and are only due to too rapid discontinuation. In their view, the accusation of drug dependence on antidepressants comes from laypersons, is exaggerated and groundless because there is no craving for these substances, and, moreover, the biological processes of withdrawal symptoms have not yet been researched. These symptoms could be avoided by taking antidepressants again. Since those affected also do not develop a craving for neuroleptics, for those denying the risk, there is also no risk of drug dependence with these substances. On closer examination, it turns out that there are different concepts of drug dependence and that psychiatrists have changed them over the years, by defining the craving for a substance as a sine qua non (indispensable condition) for the existence of drug dependence. This understanding, however, does not coincide with that of jurists and those affected.
Peter Lehmann
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Among psychiatrists and Big Pharma it is well-known that people with the diagnoses "schizophrenia," "bipolar disorder," "serious depression," and "personality disorder"-in other words patients (people) receiving the corresponding drug administration-die much earlier than the general population. Some psychiatrists acknowledge the toxic effects of psychiatric drugs in connection with high premature death rates, others do not mention this connection or deny it and claim the vulnerabilty of the patients resulting from precarious life conditions (e.g. Much alcohol, street drugs, and nicotine, bad nutrition, ABSTRACT: People in severe distress (and corresponding psychiatric treatment) die 20-25 years earlier than the general population. Mainstream psychiatrists and journalists listening to them are hardly mentioning this catastrophe. Over the past two decades, the Journal of Critical Psychology, Counselling and Psychotherapy (JCPCP) has published a large number of my articles dealing with the consequences of a natural scientific understanding and treatment of mental problems that are largely of a social nature and with measures for appropriate, user-oriented and defined support. In other words, JCPCP enables a counter to the positions of biological psychiatry with the positions of humanistic anti-psychiatry. The journal is unique. Published in the Journal of Critical Psychology, Counselling and Psychotherapy
Peter Lehmann
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In ihrer hervorragend verfassten Dissertation, die der Mabuse-Verlag 2020 als Buch publiziert hat, befasste sich die Pharmazeutin Sylvia Wagner mit Neuroleptikaversuchen an Heimkindern in bundesdeutschen staatlichen und konfessionellen Einrichtungen (Fürsorgeerziehung, Kinder- und Jugendheime, heilpädagogische sowie kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtungen). Ihre Ergebnisse ordnete sie in ihren historischen, ethischen, rechtlichen und soziologischen Kontext ein. Dabei kam sie zum Ergebnis, dass es sich in aller Regel um wissenschaftlich dilettantisch angelegte und zudem gesetzeswidrige, allerdings für die Täter juristisch folgenlose Experimente von Medizinern handelte – verübt an wehrlosen verhaltensauffälligen Kindern. Es galt herauszufinden, wie diese am besten mit Neuroleptika gefügig gemacht und ruhig gestellt werden können. Informationen fand die Autorin in medizinischen Zeitschriften, in Datenbanken, in Anstaltsakten, im Archiv der Pharmafirma Merck und bei Betroffenen. Ein paar kritische Worte sollten allerdings gesagt werden. Trotz ihres löblichen Forschungsansatzes, auch nach einer Kontinuität aus der Zeit des Nationalsozialismus zu suchen, überlässt die Autorin das letzte Wort ausgerechnet dem Psychiater Hanfried Helmchen als »Zeitzeugen«. Im Anhang der Arbeit – im Schlusssatz – darf der Mann sagen, er habe »gelernt, wie schwierig oder unmöglich die Beurteilung der Motive von Menschen vergangener Zeiten ist.« Das von Helmchen zu hören, verwundert wenig, ist er doch ein Schüler von Felix von Mikulicz-Radecki, einem exponierten Propagandisten von Massensterilisationen zu NS-Zeiten, und von Helmut Selbach, Oberarzt unter Max de Crinis, einem Protagonisten des psychiatrischen T4-Massenmords. Es soll wohl so sein, dass die Taten seiner Kollegen in der Vergangenheit verschwinden, ohne dass sie als das gebrandmarkt werden, was sie sind, nämlich als schlichte Verbrechen, begangen von rücksichtslosen und machtbesessenen Ärzten. Und ebenso soll es wohl sein, dass wir den Blick dafür verlieren, dass – um es mit Bertolt Brecht zu sagen – der Schoß noch fruchtbar ist, aus dem das kroch. In: Soziale Psychiatrie
Peter Lehmann
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»Niederschwellige ambulante, teilstationäre und stationäre Hilfen für Menschen, die beim Absetzen ihrer Psychopharmaka in eine Krise geraten« lautete das Thema der 5. Runde von »Psychexit – Auf dem Weg zum Kompass ›Kompetente Hilfe beim Absetzen von Antidepressiva und Neuroleptika‹«. Hinter Psychexit verbirgt sich eine Handvoll unabhängiger psychiatriekritischer Aktivistinnen und Aktivisten in Berlin, die die Expertenrunden planen, durchführen und auswerten. Worum geht es bei Psychexit? Ärzte verabreichen gerne Psychopharmaka. Doch wenn sich die Betroffenen entschließen, diese abzusetzen, wissen Ärzte oft nicht, wie das geht, und lassen ihre Patientinnen und Patienten einfach im Stich. Die Psychexit-AG will das fragmentiert vorhandene Wissen zum risikoarmen Absetzen von Psychopharmaka sammeln, zusammenfassen und in einem Online-Kompendium als Orientierungshilfe beim begleiteten Absetzen anbieten. Alle am Reduktions- und Absetzprozess Beteiligten sollen auf Grundlage gesicherten Wissens und in Kenntnis bestehender Unwägbarkeiten in die Lage versetzt werden, Absetzwilligen kompetent zu helfen. In: Psychosoziale Umschau (Köln), 2021
Peter Lehmann
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»Wir wollen eine andere Psychiatrie«, heißt es im Faltblatt des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BPE), »wir fordern die Entwicklung sinnvoller Alternativen zur Pflege- und Betreuungsmentalität der herkömmlichen medizinischen Psychiatrie«. Die Rede ist von »unserer Mitwirkung als gleichberechtigte Partner«, und als eine der Aufgaben des Verbandes ist unter anderem das »Einfordern der Zustimmungspflicht zu ärztlichen Behandlungsmaßnahmen wie bei körperlich erkrankten Menschen« genannt. Im Kapitel »Humanere Lebensbedingungen« werden »weniger Psychopharmaka und mehr Psychotherapien« verlangt, Depressionen und Psychosen seien nicht medikamentös zu unterdrücken, sondern in ihrer Bedeutung wahrzunehmen. Das Zitat: »Der Zugang des Pflegepersonals zum Patienten ist zunächst der Zugang über den Körper«, mit dem ich mein Grußwort überschreibe, ist natürlich völlig aus dem Zusammenhang gerissen. An sich steht dieser Satz bei der Aussage zur häuslichen Pflege für sogenannte psychisch kranke Menschen in Ihrem programmatischen Artikel der Zeitschrift caritas – Beihefte der Zeitschrift für Caritasarbeit und Caritaswissenschaft, Heft 4 [= Unser Standpunkt Nr. 17: »Orientierungshilfen und Empfehlungen des Deutschen Caritasverbandes«], Dezember 1995, S. 33). Doch gerade so völlig aus dem unmittelbaren Zusammenhang gelöst, wird der Blick frei: »Der Zugang des Pflegepersonals zum Patienten ist zunächst der Zugang über den Körper.« Eine zweischneidige Aussage, die das psychiatrische Dilemma offenlegt: Geht es denn um Hilfe bei körperlichen Problemen? Handelt es sich denn nicht um körperlich gesunde Menschen mit psychischen Problemen? Und was ist, wenn diese sich weigern, dass ihnen jemand an die Wäsche geht, um es salopp zu sagen?
Diskussionsvorlage anlässlich der Gründung des Forums Anti-Psychiatrischer Initiativen (FAPI) zu den Themen: Die rechtliche Situation von Psychiatrie-Betroffenen / Allgemeines (Historisches, Schadenersatz, Akteneinsicht, Ombudsmenschen) / Zwangsbehandlung und Psychiatrisches Testament / Behandlungsspezialitäten / Elektroschock / Neuroleptika / Beteiligung an politischen Entscheidungsprozessen / Öffentlichkeitsarbeit / Alternative Einrichtungen / Selbstorganisation / Alternative Hilfsformen / Kritik der Sozialpsychiatrie
Neuroleptika schaden den Betroffenen grundsätzlich, ob kurz- oder langfristig angewandt. Nicht nur die körperlichen, geistigen und psychischen Schäden fallen negativ ins Gewicht, sondern auch die fehlenden psycho- und anderen therapeutischen Möglichkeiten. Berichte verantwortungsvoller Mediziner und Psychiater, die sich an Werten wie Gesundheit, Selbstbestimmung und Kreativität orientieren, decken sich mit der Kritik von Betroffenen. Vortrag zum Thema „Zeit in der Psychiatrie” in der Arbeitsgruppe 16: „Psychopharmaka: Dauermedikation oder befristeter Einsatz” innerhalb des Symposiums „10 Jahre Sozialpsychiatrische Universitätsklinik Bern"
Peter Lehmann
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Der 1956 in Nürnberg geborene Gustl Mollath ist bekannt geworden, weil sich die Medien seiner annahmen, als es unübersehbar wurde, dass er sieben Jahre offenbar als Opfer eines Scheidungskriegs und typisch schludriger psychiatrischer Gutachten in der Gerichtspsychiatrie einsaß. Mit einem solchen Schicksal ist er nicht alleine; was seinen Fall so besonders macht, zeigt das äußerst sorgfältig recherchierte Buch von Uwe Ritzer und Olaf Przybilla, beides Journalisten bei der Süddeutschen Zeitung, anschaulich auf. Ein durch und durch atypischer Fall: nicht wegen der skandalösen Umstände, unter denen er in die Gerichtspsychiatrie verbracht wurde, sondern wegen des öffentlichen Interesses, das er und seine Unterstützer herstellen konnten, und der Sorgfalt, mit der die Autoren das Material zu einer krimiähnlichen Lektüre aufbereitet haben. Empfohlen als schön böses Weihnachtsgeschenk für alle, die noch an Wissenschaftlichkeit und Ethik der Psychiatrie glauben. In: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2013
Herausgegeben ist das Buch von Valentin Aichele vom Deutschen Institut für Men-schenrechte. Dieses wurde 2009 damit betraut, die Funktionen einer unabhängigen Monitoring-Stelle gemäß der UN-Menschenrechtskonvention wahrzunehmen und zu kontrollieren, inwieweit Deutschland der Umsetzung seiner menschenrechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Die Autorinnen und Autoren des Buches schauen also auf diejenigen menschenrechtlich sensiblen Bereiche, in denen die deutsche Rechts-ordnung Menschen mit Behinderungen anders behandelt als nichtbehinderte. Im ersten Kapitel über grundlegende Perspektiven setzen sich Valentin Aichele und Theresia Degener mit der Auslegung des Artikels 12 aus völkerrechtlicher Sicht aus-einander. Klaus Lachwitz befasst sich mit der Unterstützung von Menschen mit geis-tiger Behinderung und prüft, inwieweit dieser Personenkreis rechtlich handlungs-fähig ist und wie die Unterstützungsverschaffenspflicht im Detail ausgestaltet ist, wobei er positive Beispiele aus dem Ausland aufzeigt. Wie sich die UN-Konvention auf die rechtliche Handlungsfähigkeit von Kindern mit ihren sich entwickelnden Fä-higkeiten auswirkt, zeigt Lothar Krappmann auf. In Kapitel 2 geht es um die rechtliche Handlungsfähigkeit von Behinderten in Ver-waltungs-und Gerichtsverfahren, unter anderem auch in Arbeitsgerichts-und Straf-verfahren. Für Psychiatriebetroffene am interessantesten ist sicher Kapitel 3 mit den Beiträgen "Unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft nach Artikel 19 UN-BRK als Ausdruck rechtlicher Handlungsfähigkeit" von Minou Banafsche und insbesonde-re "Menschen in Krisen: Unterbringung und Zwangsbehandlung in der Psychiatrie" von Ralf Marschner, von Beruf Jurist und Di-plom-Sozialpädagoge. Verständlich erläutert er die Auswirkungen von Artikel 12 der UN-Behindertenkonvention auf Unterbringung und Zwangsbehandlung und stellt auch den Zusammenhang mit den jüngsten höchstrichterlichen Entscheidungen her, die erstmals die UN-Behindertenkonvention berücksichtigen und das psychiatrische Recht auf gewaltsame Verabreichung von Psychopharmaka stark einschränken. Trotzdem plädiert er dafür, Psychiatern das Recht auf Zwangsbehandlung zu belassen, da ansonsten nach Polizeirecht mit Menschen in emotionalen Krisen verfahren werde. Gleichzeitig schließt er ein psychiatrisches Recht auf Zwangsbehandlung aus für den Fall, dass die Behandlung nicht mit einem vernachlässigbaren Restrisiko irreversibler Gesundheitsschäden verbunden ist. Dieser Wider-spruch in der Argumentation und auch die Tatsache, dass der Autor den Tatbestand traumatisierender Gewalterfahrungen vollkommen außer Acht lässt, zeigt, wie wichtig es ist, trotz einer wohlmeinenden Haltung auch erfahrungswissenschaftlich orientierten Vertretern von Betroffenenorganisationen die Möglichkeit zur Artikulation zu geben. Die Gefahr, dass sich die jahrhundertealte Bevormundung von Menschen mit psychiatrischen Diagnosen im Gewand moderner Fürsprache fortsetzt, bedarf ständiger Reflexion darüber, ob die erfahrungswissenschaftlich orientierte Argumentation der weltweit gegen das psychiatrische Recht auf gewaltsame Verabreichung von Psychopharmaka und Elektroschocks vereinten repräsentativen Betroffenenverbände, die maßgeblich an der Entstehung der UN-Behin-dertenrechtskonvention beteiligt waren, in angemessener Weise aufgegriffen wurden. Weitere Beiträge innerhalb von Kapitel 3 betreffen fremdnützige Forschung und die Einwilligung Betreuender in die Sterilisation geistig Behinderter als Verstoß gegen die UN-Menschen-rechtskonvention. Im letzten Kapitel versammeln sich Beiträge, die die Frage angehen, ob das deutsche Betreuungsrecht konventions-konform ist und dem Problem, dass Betreuer noch immer das von ihnen definierte "Wohl der betreuten Person" über deren Wünsche stellen und somit gegen die Wunschbindungsverpflichtung stellen können. Im abschließenden Kapitel 4 stellt Robert Northoff ein Erwachsenenhilfegesetz vor, das wegführt von Betreuung und Psychiatrisierung und hin zu einem System von Rechtsansprüchen auf Förderung von Hilfe und unter anderem eine verstärkte Werbung für Vorsorgevoll-machten und-im Endeffekt Geld einsparende-verstärkte soziale Arbeit und Betreuung durch die Kommunen beinhaltet. Fazit: Man merkt den Beiträgen an, dass sich die Autorinnen und Autoren seit langem eingehend mit der Materie auseinandergesetzt haben. Auch wenn man ihre Sichtweise und Argumentation im Einzelnen nicht uneingeschränkt teilen muss, bietet der Sammelband eine fundierte Basis für alle, die sich tiefgreifend mit dem aktuellen Stand der Umsetzung der UN-Behindertenkonvention beschäftigen und versuchen wollen, auch die Stimme von Betroffenen zu Gehör zu bringen, um mitzuhelfen, dem Monolog der Experten ein Ende zu setzen und gemeinsam mit den bereits ernsthaft Engagierten das Undenkbare durchzusetzen: das Menschenrecht auf gleiche Anerkennung vor dem Recht ohne Wenn und Aber. Für Psychiatriebetroffene am interessantesten ist sicher Kapitel 3 mit den Beiträgen »Unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft nach Artikel 19 UN-BRK als Ausdruck rechtlicher Handlungsfähigkeit« von Minou Banafsche und insbesondere »Menschen in Krisen: Unterbringung und Zwangsbehandlung in der Psychiatrie« von Ralf Marschner, von Beruf Jurist und Diplom-Sozialpädagoge. Verständlich erläutert er die Auswirkungen von Artikel 12 der UN-Behindertenkonvention auf Unterbringung und Zwangsbehandlung und stellt auch den Zusammenhang mit den jüngsten höchstrichterlichen Entscheidungen her, die erstmals die UN-Behindertenkonvention berücksichtigen und das psychiatrische Recht auf gewaltsame Verabreichung von Psychopharmaka stark einschränken. Trotzdem plädiert er dafür, Psychiatern das Recht auf Zwangsbehandlung zu belassen, da ansonsten nach Polizeirecht mit Menschen in emotionalen Krisen verfahren werde. Gleichzeitig schließt er ein psychiatrisches Recht auf Zwangsbehandlung aus für den Fall, dass die Behandlung nicht mit einem vernachlässigbaren Restrisiko irreversibler Gesundheitsschäden verbunden ist. Dieser Widerspruch in der Argumentation und auch die Tatsache, dass der Autor den Tatbestand traumatisierender Gewalterfahrungen vollkommen außer Acht lässt, zeigt, wie wichtig es ist, trotz einer wohlmeinenden Haltung auch erfahrungswissenschaftlich orientierten Vertretern von Betroffenenorganisationen die Möglichkeit zur Artikulation zu geben. Die Gefahr, dass sich die jahrhundertealte Bevormundung von Menschen mit psychiatrischen Diagnosen im Gewand moderner Fürsprache fortsetzt, bedarf ständiger Reflexion darüber, ob die erfahrungswissenschaftlich orientierte Argumentation der weltweit gegen das psychiatrische Recht auf gewaltsame Verabreichung von Psychopharmaka und Elektroschocks vereinten repräsentativen Betroffenenverbände, die maßgeblich an der Entstehung der UN-Behindertenrechtskonvention beteiligt waren, in angemessener Weise aufgegriffen wurden. In: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2014
Michael Linden, Psychiater in Berlin und Erfinder der Diagnose "posttraumatische Verbitterungsstörung", und Bernhard Strauß, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie am Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena, haben ein Buch über Risiken und Schäden von Psychotherapie herausgegeben. Es soll helfen, die Unterscheidung zwischen "Nebenwirkungen" als unvermeidlichen Begleiterscheinungen jeder Psychotherapie einerseits und Psychotherapieschäden und sogenannten Kunstfehlern andererseits zu verstehen. Letztere entstünden durch Nichtbeachtung von Grundregeln in Dialog und Beziehungsgestaltung, durch ungeeignete Methodik und Techniken, schlechte Ausbildung und Grenzüberschreitungen. Weiterhin soll man in die Lage versetzt werden, spezifische "Nebenwirkungen" verschiedener Psychotherapieverfahren zu erkennen, um Strategien zur deren Vorbeugung und Verringerung entwickeln zu können. Das Buch ist in 13 Kapitel unterteilt: Definition und Klassifikation von Psychotherapie-Nebenwirkungen / Empirische Befunde zum Spektrum und zur Häufigkeit von unerwünschten Wirkungen, Nebenwirkungen und Risiken von Psychotherapie / Zum dialektischen Verhältnis von Haupt- und Nebenwirkungen in der Psychotherapie: "Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne" / Spezifische Nebenwirkungen von psychodynamischer Psychotherapie / Risiken und Nebenwirkungen von Verhaltenstherapie / Nebenwirkungen und unerwünschte Wirkungen von Gruppentherapien / Patientenbeschwerden über psychotherapeutische Behandlungen / Negativfolgen von Psychotherapie in der sozialmedizinischen Begutachtung / Die rechtlichen Nebenwirkungen von Psychotherapie / Nebenwirkungen von Psychotherapie bei Psychotherapeuten / Erfassung von Nebenwirkungen in der Psychotherapie / Der Therapeut als Ansatzpunkt für die Vermeidung von Psychotherapie-Nebenwirkungen / Die Ausbildung, Weiterbildung und Supervision von Psychotherapeuten unter der Risikovermeidungsperspektive. Das Buchthema wird aus der Perspektive des Therapeuten und laut Ankündigung des Verlags auch aus der Betroffenenperspektive abgehandelt. Doch man sollte sich durch solch Worte nicht täuschen lassen: Mit Betroffenenperspektive ist bloß gemeint, dass Ärzte und Therapeuten über Beschwerden von Betroffenen berichten, diese interpretieren und so letztlich ihren "Experten"-Monolog ungestört fortsetzen. Dies führt auch dazu, dass eine Vielzahl von Psychotherapierisiken tabuisiert bleiben: Therapeuten, die sich zum Büttel der Pharmaindustrie machen, die Verabreichung psychiatrischer Psychopharmaka gutheißen und deren Risiken bagatellisieren. In: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2015
Peter Lehmann
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Alles über den "Fall Gustl Mollath" und die bezeichnenden Praktiken von Psychiatrie und Justiz, mit Esprit, Akribie, Witz und Engagement verfasst von Gustl Mollaths Verteidiger von 2012 bis 2014, der im Wiederaufnahmeverfahren am Landgericht Regensburg für Mollaths Freispruch sorgte. Präzise und in klaren Worten zeigt der berühmte Strafverteidiger auf, wie Mollath mit konstruierten Beweisen psychiatrisiert wurde, welche Schande das Unterbringungsurteil ("Justizmord") des Landgerichts Nürnberg-Fürth 2006 für den Rechtsstaat darstellt – auch und besonders für die forensische Psychiatrie, die, so Strates Worte, "mit einer omnipotenten Weltsicht jede Regung des Andersseins als 'Auffälligkeit' registriert und zu jeder Einflüsterung von Krankheitsbildern in die Ohren vorurteilsstarker Richter bereit ist." In: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD)
Der Autor, geboren 1954, verheiratet, zwei Kinder, Mag. Dr. phil., klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe in Österreich und seit 1997 in der Wohnbetreuung tätig, erlebte von 1974 bis 1983 vier psychotische Episoden. Diese beschreibt er offen, detailliert und ohne jede Wertung. Im zweiten Teil finden sich seine in den Krisenphasen entstandenen Texte und Bilder. Sie geben einen exemplarischen Einblick in Form und Inhalt psychotischen Bewusstseins und dessen Klärungsversuche. Eingebettet in den ganz normalen Wahnsinn von Familie, Schule, Bundesheer und Psychiatrie werden die Innenansichten seines Wahns beklemmend folgerichtig. Das Buch handelt von Mut und Eigensinn und davon, wie Psychiatrie und Psychopharmaka dem im Wege stehen. In: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD)
In ihrer Studie, eigentlich einer sozialarbeiterischen Bachelor-Arbeit (und dafür von beeindruckender Breite), lotet Constanze Wilkes das Spannungsfeld Sozialarbeit in der Psychiatrie aus mit dem Anspruch, die Praxis des Zwangs in der Psychiatrie zu untersuchen und Patientenautonomie zu fördern. Das Ziel ihrer Arbeit, so ihre eigenen Worte, bestehe darin, "... den Umgang mit der Grenze zwischen Selbst- und Fremdbestimmung unter Einbeziehung von sozialarbeiterischen, juristischen, psychologisch-psychiatrischen und ethisch-philosophischen Aspekten multiperspektivisch und interdisziplinär auszuleuchten und insbesondere die subjektive Sicht der Beteiligten zu eruieren." Dazu erörtert sie in übersichtlicher Weise die rechtlichen Bedingungen von Betreuung und Unterbringung nach PsychKG (am Beispiel von Nordrhein-Westfalen) und BGB, von Fixierung, Zwangsbehandlung sowie Schutzmöglichkeiten vor Eingriffen in die Persönlichkeitsrechte. Diese Erörterung macht einen sorgfältigen Eindruck, sieht man davon ab, dass die rechtlichen Bestimmungen ausgeblendet bleiben, die sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention ergeben. Ihre kurze Einführung in die Psychopharmakologie hätte sich die Autorin besser sparen sollen; es handelt sich um eine unkritische Wiedergabe von Informationen der Pharmaindustrie. Der empirische Teil ihrer Arbeit, fast 100 Seiten, ist eine Darstellung von sieben leitfadengestützten, halbstandardisierten qualitativen Einzelinterviews, in denen sich Interviewpartner über vollzogene oder erlittene psychiatrische Zwangsmaßnahmen äußern. Hiernach folgt die Auswertung und Diskussion, die sich unter anderem mit der unterschiedlichen Bewertung von Zwang durch Anwender und Objekte des Zwangs befasst, dem Leiden von Profis, wenn sie wegen rechtlicher Beschränkungen keine Zwangsmaßnahmen vollziehen können, und den Argumenten pro und contra Zwang. Das Buch schließt mit Handlungsempfehlungen für die Forschung, für Betroffene (nutzerkontrollierte Forschung ist für sie offenbar kein Thema) und für psychiatrisch Tätige. In: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2016
Peter Lehmann
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In seinem Buch blickt Thomas Melle, erfolgreicher Buchautor in Berlin, zurück auf 19 Jahre seines Lebens, drei Manien zwischen 1999 und 2010. In starken Worten erzählt er von seinen persönlichen Dramen, von Größenphantasien, was ihm so alles durch den Kopf ging, von wiederholtem Absturz und von Besserung und hofft so, begreifbarer zu machen, was ihm widerfahren ist. Aber all das hat für den Autor offenbar nichts mit ihm zu tun, sondern einzig den Botenstoffen in seinem Gehirn. Weshalb diese aber mehrmals über ihn kamen, weshalb er in seinen Verrücktheitsphasen so wahnsinnig wichtig wurde, dass – wie er wähnte – alle möglichen Prominenten und Schriftsteller mit ihm kommunizierten, scheint Schicksal zu sein, auf das er nur mit Psychopharmaka reagieren kann. Biologische Psychiatrie pur, literarisch aufgemotzt, für den Autor verlockend, sich damit und mit der zugewiesenen Rolle als »Fehlexemplar« zufrieden zu geben und auch nicht entfernt daran zu denken, seinen Schwächen und vielleicht auch Sensibilitäten auf die Spur zu kommen, die ihn zu bestimmten Zeiten in bestimmten Formen derart ausrasten lassen. Dann gibt es auch nichts am eigenen Leben zu ändern – außer Psychopharmaka zu schlucken. Eine verbreitete, trotzdem ärgerliche Haltung. In: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2017, Nr. 2, S. 7
Helmut Späte, bis 1984 Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses für Psychiatrie und Neurologie in Bernburg und dann bis 1993 Inhaber des Lehrstuhls für Psychiatrie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, hat gemeinsam mit seinem Kollegen Klaus-Rüdiger Otto, ab 1975 Chefarzt der Psychiatrischen Klinik im Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Bernburg und seit 1981 niedergelassener Nervenarzt in Potsdam, ein Buch über die Geschichte der DDR-Psychiatrie inklusive Dokumentation von Reformbestrebungen verfasst. Das Buch enthält außerdem Auszüge aus Psychiatrieakten und Beschwerdebriefe und -aktionen Psychiatriebetroffener hinsichtlich menschenverachtender Zustände in den psychiatrischen Kliniken. Das Buch enthält viele Dokumente darüber, wie – parallel zur Psychiatrie-Enquete in der BRD und in Kenntnis kritischer Schriften, beispielsweise »Asyle« von Irving Goffman oder »Irrenhäuser – Kranke klagen an« von Frank Fischer – Psychiater in der DDR versucht haben, das Psychiatriesystem zu reformieren. In: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V., 2017, Nr. 1, S. 16
Zusammen mit seiner Ehefrau Sabine Ansari, einer Heilpraktikerin, hat der Humanbiologie Peter Ansari ein wichtiges Buch über Antidepressiva geschrieben. Zehn Jahre hat er über Depressionen geforscht. In sechs Kapiteln schreiben die Ansaris über die ungehemmte Verbreitung dieser Substanzen, ihre gelegentlich suizidfördernde Wirkung und über die Qualen, die beim Absetzen auftreten können. Im zweiten Kapitel geht es um die nach wie vor unbekannten biochemischen Vorgänge, die mit Depressionen einhergehen, um den Placebo-Effekt von Antidepressiva und die gerne verschwiegenen unerwünschten Wirkungen. Kapitel 3 handelt betrügerische Bewerbung von Antidepressiva und Milliardenstrafen für aufgeflogene Herstellerfirmen ab, Kapitel 4 die Lüge vom niedrigen Serotoninspiegel als Ursache von Depressionen. Im fünften Kapitel betrachten die Ansaris die verquere Geschichte der Antidepressiva seit den 1950er-Jahren, und im Schlusskapitel geht es um wirksame, "alternative" Behandlungsmöglichkeiten. Publiziert in: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2017, Nr. 1, S. 9
Peter Lehmann
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Als Referenten sprechen Dr. Volker Edelmann (Psychiater PIA Vivantes Wenckebach Klinikum, Berlin) zu „Reduktion und Absetzen von Psychopharmaka aus Sicht der Psychiatrischen Institutsambulanz: Chancen und Risiken“, Dr. Dr. Stefan Weinmann (Chefarzt Psychiatrische Klinik Rudolf-Sophien-Stift, Stuttgart) zu „Hilfen beim Absetzen von Psychopharmaka – Wunsch und Realität“ und Dr. Martin Zinkler (Chefarzt Psychiatrie Heidenheim) zu „Wir unterstützen unsere Patienten beim Reduzieren oder Absetzen von Neuroleptika“. Mitsamt den Diskussionen. Die Video-Dokumentation ist seit 21. Januar zu sehen unter https://vimeo.com/501439241. Publiziert in: Newsletter Seelische Gesundheit (Selbsthilfe SeelenLaute Saar, Saarbrücken), Nr. 5/6 vom 1. Februar 2021
Published in: Journal of Critical Psychology, Counselling and Psychotherapy (Lancaster), Vol. 20 (2020), No. 4, pp. 112-114
Peter Lehmann
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Was ist eine Psychosoziale Patientenverfügung? Weshalb ist sie erforderlich? Worüber kann ich verfügen? Wie erstelle ich sie? Was ist zu beachten? Fortbildung im Auftrag vom Kieler Fenster – Verein zur Förderung sozialpädagogischer Initiativen e.V., Kiel
Peter Lehmann
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Powerpoint-Vortrag auf Einladung von F.O.K.U.S. im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Neuroleptika und Antidepressiva reduzieren und absetzen”, Evangelisches Gemeinschaftszentrum Walle, Bremen
Powerpoint-Vortrag im Rahmen des Symposiums »Ein neuer Umgang mit Absetz- und Entzugsproblemen bei Antidepressiva und Neuroleptika«, geleitet von Andreas Heinz und Peter Lehmann
Peter Lehmann
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Powerpoint-Vortrag mit Diskussion auf Einladung des Landesverbands Berlin der Angehörigen psychisch Kranker e.V., Angehörigen-Akademie des ApK LV Berlin, Berlin-Wilmersdorf
Was ist eine Psychosoziale Patientenverfügung? Weshalb ist sie erforderlich? Worüber kann ich verfügen? Wie erstelle ich sie? Was ist zu beachten? Powerpoint-Vortrag mit Diskussion, gemeinsame Veranstaltung des Bayerischen Landesverbands Psychiatrie-Erfahrener BayPE e.V. mit dem Bildungswerk Irsee
Was ist eine Psychosoziale Patientenverfügung? Weshalb ist sie erforderlich? Worüber kann ich verfügen? Wie erstelle ich sie? Was ist zu beachten? Fortbildung im Auftrag des Netzwerks Wolfsburg, Geschäftsstelle
Peter Lehmann
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Advance directives are one possibility to create equal rights before the law. To explain its functioning, I repeat here parts of the lecture »Le testament psychiatrique« given in the name of the European Network of (ex-) Users and Survivors of Psychiatry (ENUSP) to the Conference RESPONSABILITE, DROITS ET PROTECTION DANS LE CHAMP DE LA SANTE MENTALE EN EUROPE, Madrid, October 7-9, 994, organized by the Comité Européen: Droit, Ethique et Psychiatrie (C.E.D.E.P., Seccion espanola). Published in The European Newsletter of (ex-) Users and Survivors of Psychiatry, No. 12 (December 2003), pp. 9-11
Jürgen Neumärker, seit 1981 Inhaber eines Lehrstuhls an der Berliner Humboldt-Universität und bis 2005 Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie an den DRK Kliniken Berlin-Westend, arbeitete sich intensivst durch die Massen an psychiatrischen Akten über Rudolf Ditzen alias Hans Fallada (1893-1947), verfasst von in der Psychiaterschaft hochgeschätzten Männern, und sonstigen Dokumenten über Fallada, so auch Briefe seiner Angehörigen. Unter Einbeziehung der Dokumente über Falladas nichtpsychiatrisches Leben und seiner schriftstellerischen Tätigkeit zeichnet Neumärker ein »anderes« Portrait von Fallada: das eines »haltlosen, konstitutionell psychopathisch agierenden« Mannes. Wer sich für Fallada interessiert, die Sprache der herrschenden Psychiatrie erträgt und die von Neumärker durchaus nicht unreflektiert wiedergegebenen Aktenauszüge mit psychiatriekritischem Blick zu lesen versteht, findet in dem Buch Massen an Informationen darüber, wie das Leben Falladas mitsamt seinen Eskapaden über Jahrzehnte hinweg verlief und zwischendurch immer wieder von Psychiatern dokumentiert wurde. Veröffentlicht in: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2015, Nr. 4, S. 7
Peter Lehmann about his commitment for full human rights and appropriate support for people with psychiatric problems. Recorded on June 6, 2008 in Toronto by Michael A. Susko and edited and amended on April 21, 2020 by Peter Lehmann. Published in the Kindle ebook "Transformational stories: Voices for true healing in mental health", edited by Michael A. Susko, ASIN B083JM8W6X
Peter Lehmann
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There are many reasons for depression and suicidality, including medical and especially pharmacological reasons. Antidepressants can trigger depression and suicidality; both syndromes are also common main effects of neuroleptics. Experiences of epidemiological surveys, placebo studies, firsthand reports and normal test persons confirm this fact and reveal the large numbers and percentages of depression and suicidality produced by psychiatric drugs. Experiences with suicide registers run by psychiatric survivors, psychiatrists and a governmental institution in Europe demonstrate the need for financial and legal structures for independent register systems: to gather and publicize information about the suicide-inducing tendencies of risky treatment methods and to improve suicide prevention programs. Supportive measures like the use of the criminal law, especially to penalize psychiatric recklessness, could fend off psychiatric assault and support prevention programs.
1997 durchlebt der sportlich trainierte 17jährige Christian Discher eine pubertäre Krise. Wenige Monate nach einer überstandenen Tumorerkrankung fängt er an, immer weniger zu essen, es drängt ihn nach körperlicher Perfektion, er leidet unter Schwindelanfällen. Zudem ist er schwul und steckt voller Schuldgefühle. Nun will er auch noch christlich getauft werden. In seiner Not wendet er sich an eine Pfarrerin und sucht bei ihr Hilfe bei der Verarbeitung seiner sexuellen Verunsicherung. Anstelle sich den Nöten des jungen Manns anzunehmen, veranlasst sie die Einweisung in die Psychiatrie – in die "Hölle von Ueckermünde" (in Mecklenburg-Vorpommern), wie sie Ernst Klee in seinem Dokumentarfilm genannt hatte. Dort wird er der ortsüblichen Behandlung unterzogen: fixiert, zusammengespritzt, gedemütigt. Veröffentlicht in: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2017, Nr. 1, S. 20
Seit es die Psychiatrie gibt, wird sie ständig weiterentwickelt und reformiert. Man erhöhe die Qualität der psychiatrischen Ausbildung, entwickle bessere Psychopharmaka und bessere Elektroschocks, präzisiere das Diagnosesystem, schaffe modernere Einrichtungen, optimiere die Planung und die Kooperation der Dienste, wende mehr Geld auf, schaffe mehr Stellen – und alles wird gut. Wohin die Reformen der letzten Jahrzehnte geführt haben, sieht man an der Psychiatrie heute. Die bestehenden Machtverhältnisse lassen kaum die Hoffnung zu, dass echte Alternativen zur Psychiatrie in größerem Umfang entstehen. Die Herrschaft der Psychiatrie scheint ungebrochen. Die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels wird zwar diskutiert, seine Umsetzung ist jedoch weit von der Realität entfernt. Wäre es unter diesen Umständen nicht doch sinnvoller, die Energie in Reformen der Psychiatrie zu investieren, als mühsam und unter schwierigsten Bedingungen, Alternativen zur Psychiatrie zu entwickeln? Ist eine qualitative Reform jedoch möglich ohne Paradigmenwechsel und ohne Aufgabe der Idee, psychische Probleme überwiegend sozialer Natur ließen sich mit bio-medizinischen Methoden lösen? Abgesehen von der Frage, ob sich das Bemühen um wirksame Reformen und der Aufbau von Alternativen ausschließen muss: Wie könnte ein alternatives System psychosozialer Unterstützung überhaupt aussehen?
Peter Lehmann
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Self-help and its facilitation and promotion are of fundamental interest for (ex-) users and survivors of psychiatry. Without the enhancement of self-help resources there will never be any progress in therapy or in recovery or in the ability to live a self-determined life. This is the message of organised (ex-) users and survivors of psychiatry from all over the world. Self-help is also the foundation for self reflection about the so-called symptoms of mental illness. Self-help and professional support do not exclude each other. Often problems cannot be solved with self-help alone. But how can professional support in the mental health system be effective when individual self-help resources are not activated? In our article, we try to answer the question how (ex-) users and survivors of psychiatry are organised and how they cooperate internationally, which includes the resolution of conflicts, with a particular emphasis on the role of the internet in reaching their goals.
Selbsthilfe, Hilfe zur Selbsthilfe und deren Förderung sind für Psychiatriebetroffene von fundamentaler Bedeutung. Ohne Aktivierung des Selbsthilfepotenzials von Betroffenen ist kein Fortschritt denkbar hinsichtlich Therapie, Recovery oder persönlicher Entwicklung hin zu einem selbstbestimmten Leben. So lautet die Botschaft von organisierten Psychiatriebetroffenen weltweit. Selbsthilfe bildet auch die Basis der eigenständigen Reflexion sogenannter psychiatrischer Krankheitssymptome. Selbsthilfe und professionelle Unterstützung schließen sich nicht aus. Oft können Probleme mit Selbsthilfe alleine nicht gelöst werden. Doch wie soll sich professionelle Hilfe im psychosozialen System positiv auswirken, wenn nicht auch das Selbsthilfepotenzial der Betroffenen aktiviert wird? In unserem Beitrag gehen wir der Frage nach, wie es um die internationale Organisierung von Psychiatriebetroffenen und deren Zusammenarbeit auch bei Meinungsverschiedenheiten bestellt ist und welche Rolle das Internet bei der Erreichung ihrer Ziele spielt.
The Soteria treatment model was introduced by the American psychiatrist Loren Mosher (1933-2004) in the early 1970s and named after the Greek goddess of safety and deliverance from harm. As director of the Schizophrenia branch at the National Institute of Mental Health, Mosher developed two federally funded research demonstration projects: Soteria (1971-1983) and Emanon (1974-1980). Their aims were to investigate the effects of a supportive milieu (“being with”) for individuals diagnosed with “schizophrenia,” who were experiencing acute psychotic episodes for the first or second time in their lives. A paper about an alternative and world-wide respected mental health reform movement.
Peter Lehmann
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Am 16. April 2015 ist Klaus Laupichler, langjähriges Vorstandsmitglied im Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE), im Alter von gerade mal 61 Jahren nach einem Herzinfarkt gestorben. Klaus erlitt das Schicksal so vieler psychiatrischer Patienten: ein um durchschnittlich zwei Jahrzehnte verkürztes Leben aufgrund einer prekären Lebensweise und der damit verbundenen besonders schädlichen Psychopharmakawirkungen auf das Herz, andere Organe und den Stoffwechsel. Klaus' statistische Lebenserwartung lag bei 81 Jahren. Nicht gerade ein Spargeltarzan, wusste er um seine Gefährdung. Als wir uns anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie (DGSP) in Bremen im November 2014 das letzte Mal sahen, sprachen wir über die Frage des Absetzens von Psychopharmaka und die enormen Risiken, die insbesondere mit Übergewicht einhergehen. Für Klaus kamen seine Bedenken zu spät. Veröffentlicht in: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2015
Peter Gøtzsche ist ein dänischer Medizinforscher, Autor von "Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität" (2014) sowie "Tödliche Psychopharmaka und organisiertes Leugnen" (2016) und Gründer der nordischen Cochrane Collaboration, einem internationalen Netz von Wissenschaftlern und Ärzten, die systematische Übersichtsarbeiten zur Bewertung von medizinischen Therapien erstellen. Da viele Pharmaunternehmen, insbesondere Hersteller von Psychopharmaka, eine neutrale Bewertung ihrer Produkte fürchten, sorgten sie dafür, dass Gøtzsche im Frühherbst 2018 aus der Cochrane Collaboration ausgeschlossen wurde. Ärgern werden sie sich auch über sein neues Buch; damit schuf er eine Grundlage für Patientinnen und Patienten, damit diese sich ein eigenes Urteil über die vielen und oft widersprüchlichen Informationen zu Vorsorgeuntersuchungen, Diagnosen und Therapien im gesamten medizinischen inkl. psychiatrischen Bereich bilden können. Unvoreingenommen, industrieunabhängig und streng naturwissenschatlich orientiert untersucht Gøtzsche hier den therapeutischen Wirkungsgrad von Medikamenten gegen Infektionen, Schmerzzustände, Herz-Kreislauf-Störungen, Krebserkrankungen und Verdauungsstörungen sowie psychische Probleme und altersbedingte Abbauprozesse. Veröffentlicht in: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2018
Peter Lehmann
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Peter Gøtzsche ist ein dänischer Medizinforscher, Autor von "Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität" (2014) sowie "Tödliche Psychopharmaka und organisiertes Leugnen" (2016) und Gründer der nordischen Cochrane Collaboration, einem internationalen Netz von Wissenschaftlern und Ärzten, die systematische Übersichtsarbeiten zur Bewertung von medizinischen Therapien erstellen. Da viele Pharmaunternehmen, insbesondere Hersteller von Psychopharmaka, eine neutrale Bewertung ihrer Produkte fürchten, sorgten sie dafür, dass Gøtzsche im Frühherbst 2018 aus der Cochrane Collaboration ausgeschlossen wurde. Ärgern werden sie sich auch über sein neues Buch; damit schuf er eine Grundlage für Patientinnen und Patienten, damit diese sich ein eigenes Urteil über die vielen und oft widersprüchlichen Informationen zu Vorsorgeuntersuchungen, Diagnosen und Therapien im gesamten medizinischen inkl. psychiatrischen Bereich bilden können. Veröffentlicht in: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD)
Peter Lehmann
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Beitrag zu den Gefahren des Elektroschocks für »Mad in Germany«, einen Blog von Dirk Schadt
Interview über die Strafbarkeit der Verabreichung von psychiatrischen Psychopharmaka ohne informierte Zustimmung (in aller Regel erfolgt keine umfassende Aufklärung über Risiken, "Neben"-Wirkungen und Alternativen, über Informationsmöglichkeiten zu diesen Themen und über risikoverminderndes Absetzen der Psychopharmaka.
Peter Lehmann
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Der katholische Theologe und Psychiater Manfred Lütz, Chefarzt einer psychiatrischen Klinik in Köln und Bestsellerautor, hat ein neues Buch verfasst. Auf 208 Seiten wollte er "die ganze Psychiatrie und Psychotherapie allgemeinverständlich, humorvoll und auf dem heutigen Stand der Wissenschaft" darstellen. Herausgekommen ist die mal flapsige, mal urteilsfreudige Beschreibung eines Halbgottes in Weiß, der sich als Menschenfreund inszeniert. ... Die Pharmaindustrie darf sich über seine heitere Anpreisung von Psychopharmaka freuen. Veröffentlicht in: Psychosoziale Umschau (Bonn)
lch lebe zwar in Berlin, aber da ich das inzwischen in 3. Auflage erschienene und recht bekannt gewordene Buch ,,Psychopharmaka absetzen - Erfolgreiches Absetzen von Neuroleptika, Antidepressiva, Phasenprophylaktika, Ritalin und Tranquilizern" herausgegeben habe, rufen mich ständig Leute an, auch aus Österreich: ,,Wo ist ein Arzt, der beim Absetzen hilft? Veröffentlicht in: Strada News (Linz)
Recovery ist ein neues Schlagwort des psychosozialen Bereichs, den sowohl psychiatriekritische als auch psychiatrische Kreise vermehrt einsetzen. Ende März 2012 findet zum Thema der "1.Internationale Psychiatriekongress für Recovery und Gesundheit" in Bern statt, bei dem auch Peter Lehmann referiert. Malmoe bat den Autor, Verleger und Vertreter der humanistischen Antipsychiatrie zum Interview. Veröffentlicht in: Malmoe Zeitung (Wien), Heft 58 vom 1. März 2012, S. 19
Peter Lehmann
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Psychiatrische Behandlung sieht sich wachsender Kritik gegenüber. Die Kritik richtet sich gegen die Verletzung wesentlicher Grundrechte (Selbstbestimmung, Persönlichkeitsentfaltung, körperliche Unversehrtheit, Würde der Person), gegen Diagnostizierung, gegen formalrechtliche Verstöße bei der Unterbringung, gegen die Form der Unterbringung, gegen die zwangsweise Anwendung von Behandlungsmitteln, gegen die unzureichende Aufklärung über Behandlungsrisiken und vor allem gegen die (ortsunabhängige) Schädlichkeit der Behandlung selbst. Da der Grund für das Weglaufen vor psychiatrischer Behandlung vor allem in der oftmals zwangsweisen Verabreichung schädlicher Behandlungsmittel und hier speziell der Neuroleptika liegt, sollen diese im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Veröffentlicht in: Soziale Psychiatrie (Walldorf, BRD), 14. Jg. (1990), Heft 50, S. 18-20
Um ausführlich die Wirkungsweise und die schädlichen Auswirkungen der Neuroleptika darzustellen, war es notwendig, mit dem "Chemischen Knebel" ein fast 450-seitiges Buch zu schreiben. Hier will ich in aller Kürze die wesentlichen Aussagen zusammenfassen: Neuroleptika, auf deutsch: Nervendämpfungs- oder -lähmungs-Mittel blockieren wesentlich die Empfangstellen (Rezeptoren) des Nervenimpuls-Überträgerstoffs Dopamin und führen somit gezielt zu einer künstlichen neurologischen Erkrankung, der Schüttellähmung (Parkinsonkrankheit). Mit dieser 'therapeutischen' Zweitkrankheit soll die Erst-'Krankheit', d.h. die störende und unbequeme Lebens- und Sinnesweise überdeckt werden. Neuroleptika stehen damit voll in der psychiatrischen Tradition: Auch die unmittelbaren Vorgänger, Elektroschock und Lobotomie, produzierten 'therapeutisch' erwünschte neurologische Schäden, nämlich epileptische Anfälle bzw. die Verstümmelung frontaler Hirnbereiche. Weltweit litten infolge anhaltender Neuroleptika-Behandlung 1985 bereits schätzungsweise 40 Millionen Menschen unter irreversibler tardiver Dyskinesie, einer nicht-behandelbaren, veitstanzförmigen Muskelstörung (als Symptom der herbeigeführten Hirnstörung); laut medizinischen Untersuchungen geht die tardive Dyskinesie mit der Verkürzung der Lebenserwartung einher. Veröffentlicht in: Kerbe – Magazin für die Begegnung mit Menschen in seelischer Not und Krankheit (Stuttgart), 8. Jg. (1990), Nr. 4, S. 25-26
Abstract. Lecture to the WHO International Conference “Changing Mental Health Care in the Cities of Europe”, Section 5: Participation of the Population, International Congress-Centrum, Amsterdam, April 10-13, 1991; in: W.H.O.: “Changing mental health care in the cities of Europe – Book of abstracts”, Amsterdam: QLT/Congrex, 1991, p. 36
Peter Lehmann
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Betroffene Eltern, Psychiatrie-Erfahrene, Psychiater und Psychopharmaka-Industrie: Wann hat es das schon einmal gegeben, dass sie in einem »Internationalen Gruppenforum der Unterstützung von Patienten« zusammenkamen? Im Sommer 1995 hatte die Einladung der Zeneca GmbH auch den Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. erreicht. Zwei Vorstandsmitglieder äußerten Interesse, der Einladung nach Wien zu folgen, schließlich wurden Flug und Unterbringung bezahlt. Ein Bericht über die Manipulation von Angehörigenorganisationen durch die Pharmafirma Zeneca. In: Psychosoziale Umschau (Bonn), 11. Jg. (1996), Nr. 2, S. V
Die Parteilichkeit der BetroffenenfürsprecherInnen für die Psychiatrie-Betroffenen ist aufgrund deren schwacher Rechtsstellung, verstärkt von der Beeinträchtigung durch mögliche psychische Probleme und psychopharmakabedingte Behinderungen, auf allen Ebenen der Zuständigkeit zu stärken. BetroffenenfürsprecherInnen müssen parteilich arbeiten. Die rechtlose Situation von Psychiatrie-Betroffenen kann erfahrungsgemäß nur durch massive Intervention und durch Androhung von Sanktionen verbessert werden (siehe die Erfahrungen mit dem Psychiatrischen Testament). Es ist gut, wenn BetroffenenfürsprecherInnen beratend, informierend und vermittelnd im wohlverstandenen Interesse der Betroffenen wirken, aber dies wird nicht ausreichen. Es gibt positive Erfahrungen solcher Stellen aus dem Ausland, die die Möglichkeiten haben, selbst zu publizieren und sich direkt an Regierungsstellen zu wenden. Hier ist insbesondere die – wenn auch mit einem scheußlichen Namen versehene – New York State Commission on Quality of Care for the Mentally Disabled (Kommission für Behandlungsqualität der psychisch Behinderten im US-Bundesstaat New York) zu nennen, die eine eigene, kostenlose Zeitschrift ('Quality of Care') herausgibt, in der Formalverstößen gegen festgelegte Versorgungs- und Behandlungsstandards präzise nachgegangen und die Verstöße mitsamt den daraus zu ziehenden Konsequenzen öffentlich gemacht werden (Bestelladresse: New York State Commission on Quality of Care for the Mentally Disabled, 99 Washington Avenue, Suite 1002, Albany, New York 12210-2985). Deshalb ist darauf hinzuwirken, daß BetroffenenfürsprecherInnen von JuristInnen über die Möglichkeiten straf-, zivil- und verwaltungsrechtlicher Maßnahmen informiert werden für den Fall, daß bei Konflikten keine Einigung im Interesse der Psychiatrie-Betroffenen zustande kommt. Haben Mitglieder von Beschwerdeinstanzen Kenntnis von strafrechtlich relevanten oder ärztlich-standeswidrigen psychiatrischen Maßnahmen, müssen sie ihren Anspruch auf Vermittlung aufgeben und sich an zuständige Strafverfolgungsbehörden, Regierungs- und Verwaltungsstellen, Verbraucherverbände oder Ärztekammern und sonstige Kontrollbehörden wenden oder die Psychiatrie-Betroffenen bei der Aufnahme geeigneter Maßnahmen unterstützen. BetroffenenfürsprecherInnen sind deshalb anzuhalten, im Interesse der Wahrheitsfindung und zum Nutzen der sonst alleingelassenen Psychiatrie-Betroffenen, denen in der Regel nie geglaubt wird, als ZeugInnen vor Gericht und sonstigen Stellen aufzutreten.
Bei der Jahresversammlung des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. in Kassel Ende August 1996 kam es zum Zusammentreffen zwischen "Krankheit im Recht" alias "Patientenfront" alias "Sozialistisches Patientenkollektiv", konkret: zwei jungen Männern, die einen Polizeieinsatz provozierten. Ein Bericht über das Geschehen. In: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 1997, Nr. 4, S. 9
Peter Lehmann
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Weshalb man den in der Verlagsvorschau angekündigten Untertitel »Beginn einer Sternstunde der Psychiatrie und Psychologie« verwarf, wird nicht erwähnt. Schade, hatte doch Emil Kraepelin, der laut Steinberg »zu den bedeutendsten historischen Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Psychiatrie« zählt, 1918 in seinem richtungsweisenden Aufsatz »100 Jahre Psychiatrie« den Gipfel der Psychiatrie förmlich herbeigeschrieben: »Ein unumschränkter Herrscher, der geleitet von unserem heutigen Wissen, rücksichtslos in die Lebensgewohnheiten der Menschen einzugreifen vermöchte, würde im Laufe weniger Jahrzehnte bestimmt eine entsprechende Abnahme des Irreseins erreichen können.« Sein Wunsch nach rücksichtslosem Vorgehen und »Abnahme des Irreseins« ging schon 15 Jahre später in Erfüllung. Das zu erleben war dem Psychiater nicht mehr vergönnt. Er starb 1926, also kann sich der Autor – so meint er wohl – um die Konsequenzen der Kraepelianischen Visionen herummogeln. Veröffentlicht in: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2001, Nr. 4, S. 21
Von der Vielzahl psychiatrischer Rechtsverletzungen, die als bekannt vorausgesetzt werden können, soll hier die in der Psychiatrie grundsätzlich unterlassene ausreichende Aufklärung über Behandlungsrisiken und -schäden im Vordergrund stehen. Damit ist psychiatrische Behandlung im Regelfall als strafbare Körperverletzung zu werten. Gegenmaßnahmen zum Schutz der Betroffenen sind notwendig.
Der Autor beschreibt, wie er 1977 in eine psychiatrische Klinik verschleppt und dort mit Neuroleptika-Verabreichungen schwer geschädigt wurde, wie ihm und seiner Familie eingeredet wurde, nach dem Absetzen käme der Rückfall sofort, wie er mit der Zeit eine tardive Dyskinesie und andere behandlungsbedingte Krankheiten und Störungen entwickelte, wie er unter glücklichen Umständen heimlich absetzte, wie seine Eltern immer noch an die ärztliche Prophezeiung vom unausweichlichen sofortigen Rückfall glaubten, obwohl er vor ihren Augen immer mehr dahingesiecht war, und wie er durch das Absetzen der Neuroleptika nach und nach wieder gesundete.
Peter Lehmann
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Im psychiatrischen Bereich Erfahrungen und Kenntnisse gleichberechtigt und auf der selben Augenhöhe auszutauschen setzt Gleichberechtigung der Beteiligten voraus. Dass der gleichberechtigte Umgang kurz bevor steht, ist reines Wunschdenken (Lehmann, 2000). Der "Trialog" stellt lediglich den Gedankenkonstrukt einer Interessensgleichheit und Gleichberechtigung der Beteiligten dar. Jeglicher Beleg einer echten Partnerschaft ist bis heute Mangelware. Wie eine echte Partnerschaft aussehen könnte, veranschaulichen die unten angeführten Beispiele.
Psychiatriebetroffene haben durchschnittIich eine um 25 Jahre geringere Lebenserwartung und seit drei Jahrzehnten steigt ihre Sterberate kontinuierlich an. Die toxische Wfirkung der Psychopharmaka spielt neben der oft prekären ökonomischea Situation eine wesentliche Rolle für diese Katastrophe. Eine Alternative ist nicht in Sicht, der Autor benennt die Gründe. Veröffentlicht in: praxis wissen psychosozial – Zeitschrift für psychosoziale Pflege (Seelze, BRD), Heft 13 (2. Quartal 2013), S. 6-9 in: praxis wissen psychosozial – Zeitschrift für psychosoziale Pflege (Seelze, BRD), Heft 13 (2. Quartal 2013), S. 6-9
Bettina Jahnke: Herr Lehmann, wenn ich als EX-INler daherkomme und behaupte, mit EX-IN habe in Deutschland die Recoverybewegung neuen Aufschwung erhalten, sträuben sich Ihnen da als langjährigem Vertreter einer humanistischen Antipsychiatrie die Nackenhaare? Peter Lehmann: Dass Aktivisten von EX-IN ihren Einfluss hoch einschätzen, ist verständlich. Ich würde allerdings eher zuerst fragen, was Sie unter "Recoverybewegung" verstehen. Ich halte den Aufbau angemessener und wirksamer Hilfen für Menschen in psychosozialer Not für notwendig, ebenso die Unterstützung beim selbstbestimmten Absetzen psychiatrischer Psychopharmaka. Wenn Ihr Verständnis von Recovery diese Aspekte einschließt, gibt es erst mal keinen Grund, dass sich meine Nackenhaare aufstellen. Allerdings haben Psychiater längst versucht, die Deutungshoheit über die Frage zurückzuerobern, wer sich womit und wovon erholt. Sie verwenden den Begriff Recovery meist willkürlich einseitig, um ihre Ideologie aufrechtzuerhalten. ..... Ein Interview zu aktuellen Fragen von Ex-In, Selbsthilfe, Recovery, "Fachpersonen"-Arroganz und fortdauerndem Expertenmonolog
Peter Lehmann
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Johannes Michael Grill war ein 1955 in München geborener Psychiatriebetroffener, der 1998 erstmals psychiatrisiert wurde, eine typische Patienten-»Karriere« mit insgesamt zehn Einweisungen in das BKW.Haar/Isar-Amper-Klinikum und entsprechender Neuroleptikaverabreichung über sich ergehen lassen musste und 2017 tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde, Todesursache offenbar »unbekannt«. Zwischendurch verfasste er unter unterschiedlichen Namen diverse Texte, auch lyrische. Einer Initiative von Gerd Westermayer und seinen Freunden ist es zu verdanken, dass seine Texte nun in der Edition Humanistische Psychologie – gleichsam als Wiedergutmachung für das erlittene Unrecht – als Buch veröffentlicht wurden, und zwar in einem bemerkenswert schön aufgemachten Band – eingeleitet und mit einem editorischen Nachwort versehen von Hans-Jürgen Heinrichs. Veröffentlicht in: Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BRD), 2020, Nr. 1, S. 13
Linda Andre is an electroshock survivor who has spent the past 30 years recovering from her experiences with ECT. Her book is fascinating, essential and unique in many ways. Published more than three decades after Leonard Roy Frank’s "The History of Shock Treatment“, it is the first book in the English language written by a shock survivor to include the voices and perspectives of survivors. It considers shock (also called electroconvulsive treatment, or ECT) from multiple perspectives: medical, scientific, legal, social, moral. It is thoroughly researched, painstakingly documented, and its overall level of scholarship - in particular its reliance on primary rather than secondary sources - is superior to that of any existing book by professionals (who are users and promoters of this practice seen by many as a form of legitimised abuse). Published in: Journal of Critical Psychology, Counselling and Psychotherapy, Vol. 9 (2009), pp. 231-232
Schreiben Psychiatriebetroffene über ihr subjektives Erleben von Psychopharmaka, dann behalten sich Psychiater die objektive, wissenschaftliche Sicht vor. In der Wissenschaft gilt eine Aussage, wenn diese durch Verfahren bestätigt ist, die der subjektiven, vorurteilsbehafteten Erfahrung entkleidet sind. Subjektive Aussagen von Betroffenen stören in der (gesprächslosen) biologischen Psychiatrie, oder man nimmt sie zum Garnieren. Natürlich stimmt es so schwarz-weiß nicht. Psychiater studierten vermutlich Medizin, um in der Lage zu sein, Leidenden zu helfen. Berichte von ihren Psychopharmaka-Selbstversuchen, in denen wir ihr subjektives Leiden und ihren pharmakobedingten Eindruck zu sterben nachlesen können (z.B. bei Cornelia Quarti), sprechen ebenso eine ehrliche Sprache wie Berichte persönlich erlebter Apathisierung, die eine konfliktaufdeckende Therapie unmöglich erscheinen ließen (nachzulesen bei Klaus Ernst). "Zombiehafter" Zustand, "Haldol-Leichen", "künstlicher Winterschlaf", "Styropor-Hintern" (als Ergebnis fortgesetzter Neuroleptika-Einspritzungen) – Psychiater finden aber auch klare Worte im Rahmen der Grenzen ihrer Einfühlung. Veröffentlicht in: Leuchtfeuer – Journal des Landesverband Psychiatrie-Erfahrene Rheinland-Pfalz e.V. (Trier), Ausgabe 12 (2009), S. 7
Peter Lehmann
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Seit Mitte der 1980er-Jahre führt das Ausbleiben der erwünschten Reaktion auf Antidepressiva und Neuroleptika zu einer langsamen, aber kontinuierlichen Wiederbelebung des Elektroschocks. Als Anlässe zur Rechtfertigung gelten unbefriedigende Wirkungen von Antidepressiva, Neuroleptika und Phasenprophylaktika, Versagen einer Behandlung mit atypischen Neuroleptika, insbesondere das »Nichtansprechen« auf Leponex oder gar dessen Ablehnung sowie Kontraindikationen zu Neuroleptika. Psychiaterverbände in Deutschland, Südtirol (Italien), Österreich und der Schweiz riefen 2012 dazu auf, flächendeckend Elektroschock-Apparate anzuschaffen und konsequent, vorbeugend und kontinuierlich Elektroschocks zu verabreichen. Zeitgleich wurde vom Bundesministerium für Gesundheit ein Entgeltsystem für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen initiiert, mit dem Krankenhäuser mit Elektroschocks und deren krankenhausindividueller Abrechnung als Zusatzleistung lukrative Mehreinnahmen erwirtschaften können. Ab Januar 2018 erhält eine psychiatrische Klinik in Deutschland für jeden Tag eines stationären Aufenthalts 300 €, für den ersten Elektroschock kommen 297 € hinzu und für jeden weiteren 220 €. Sollte eine durchgehende 1:1-Betreuung nötig werden, können noch einmal 1000 € pro Tag in Rechnung gestellt werden. Die Befürworter begründen Elektroschocks mit nur geringen Nebenwirkungen und überlegener Ansprechrate. Weitere Argumente sind (1) das Ausbleiben von Muskel- und Knochenschäden durch den Einsatz muskelerschlaffender Substanzen, (2) die Verabreichung des Schocks unter Narkose, (3) angeblich tolerierbare zeitlich nur begrenzte Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit (»sofern diese überhaupt auftreten«), (4) fehlende neuere Berichte über elektroschockbedingte Hirnblutungen sowie (5) die angebliche Anregung zur Neubildung von Nervenzellen. Einzelne lediglich subjektiv belastende autobiographische Gedächtnisstörungen seien zwar zu beachten, bezüglich Häufigkeit und Ursächlichkeit jedoch unklar. Und viele Patienten würden zwangsweise verabreichte Elektroschocks im Nachhinein befürworten. Man ist derzeit dabei, die Ausbildungsrichtlinien zu ändern. Psychiater müssen dann nicht mehr Kenntnisse der Verabreichung von Elektroschocks nachweisen, sondern Praxiserfahrungen. Offenbar sollen sie schon frühzeitig lernen, Skrupel zu überwinden, wenn sie ihren Facharztabschluss machen wollen. Vertreter kritischer Positionen, insbesondere die zwangsweise verabreichte Elektroschocks ablehnen, beschuldigt man einer ignoranten Leidenschaftlichkeit, der Behinderung dringend erforderlicher Behandlungen sowie unethischer Positionen. Publiziert in: in: ThuLPE - Zeitschrift des Thüringer Landesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (Erfurt), Ausgabe 29 (2020), S. 40-44
Ohne Widerstand ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz die als »Elektrokrampftherapie« bezeichnete Auslösung eines Grand-mal-Anfalls ins Standardrepertoire der Psychiatrie zurückgekehrt. Deren Befürworter begründen den vorbeugenden, konsequenten und dauerhaften Einsatz des modernen Elektroschocks mit dessen geringer Rate unerwünschter Wirkungen und überlegenem Ansprechen. Sie befürworten den Einsatz auch bei Schwangeren, Kindern, Alten und Behinderten und sehen keinerlei absolute Kontraindikation. Andererseits berichten Anwender wie auch Kritiker von chronischen Gedächtnisstörungen nach modernen Elektroschocks, spontan wiederkehrenden epileptischen Anfällen, lebensbedrohlichen Folgen für Herz, Kreislauf und Hirngefäße sowie einer erhöhten Rate von Tot- und Frühgeburten. Die psychiatrische Disziplin befasst sich mit abweichenden mikro- oder makropolitischen Denk- und Sinnesweisen, reduziert diese auf Stoffwechselstörungen und bekämpft sie mit medizinisch ummantelten Maßnahmen im Versuch, die Demoralisierten, Leidenden oder Störenden an die herrschende Normalität anzupassen. Wer diese Vorgehensweise als rein medizinisches Problem versteht und sie Psychiatern überlässt, spielt ihrem Herrschaftsanspruch in die Hände und läuft Gefahr, ihren menschenrechtsfeindlichen Charakter erst dann zu verstehen, wenn er oder sie selbst – oder Oma, Opa, Mutter, Vater, Kind, Freundin, Freund, Liebster, Liebste – davon betroffen ist. Dieser Artikel ruft die von den Elektroschockfreunden ausgehende Gefahr ins Bewusstsein und empfiehlt Schutzmaßnahmen. Veröffentlicht in: Rundbrief des Bayerischen Landesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (München), 2020, Nr. 2, S. 12-20
Peter Lehmann
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Wer denkt, der Elektroschock gehöre in die graue Vorzeit der Psychiatriegeschichte, täuscht sich. Psychiaterverbände in Deutschland, Südtirol (Italien), Österreich und der Schweiz riefen 2012 dazu auf, flächendeckend Elektroschockapparate anzuschaffen und konsequent, vorbeugend und kontinuierlich einzusetzen. Nach der jüngsten Statistik, so ein Artikel in der Zeitschrift Stern im März 2019, wurden 2016 in Deutschland 5700 Menschen Elektroschocks verabreicht, siebenmal mehr als vor 40 Jahren (Albrecht, 2019). In der Schweiz verzehnfachte sich die Elektroschockrate von 2007 bis 2010. Von Österreich liegen keine Zahlen jüngeren Datums vor. Eine Liste psychiatrischer Einrichtungen mit betriebsbereiten Elektroschockapparaten in Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie im Internet unter https://t1p.de/schockbereit. Im deutschsprachigen Raum werden derzeit die Elektroschockapparate Thymatron und spECTrum eingesetzt. Produziert werden sie von den US-amerikanischen Firmen Somatics LLC bzw. Mecta Corporation. Sie sind mit einem modernen Design einschließlich LCD/Touchscreen ausgestattet und computergesteuert. Mit der »Stimulation«, das heißt dem Elektroschock, lösen Psychiater den beabsichtigten epileptischen Anfall aus. Dieser soll ernsthafte psychische Probleme lindern oder lösen. Heutige Anwender des Elektroschocks bevorzugen durchweg moderne Begriffe wie »Elektrokrampftherapie (EKT)«, »elektrische Durchflutungstherapie«, »Elektrokonvulsionstherapie« oder »Elektrostimulation«. Hersteller und Vertriebsfirmen benutzen in ihren Produktbeschreibungen und Gebrauchsanleitungen dagegen nach wie vor auch den eingeführten und allgemein bekannten Begriff »Elektroschock«. Eine Internetveröffentlichung von Selbsthilfe SeelenWorte-RLP ( Saarburg) 2020
Peter Lehmann
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Einem Psychiater und ehemaligen Leitenden Krankenhausarzt zum 80. Geburtstag zu gratulieren und alles Gute zu wünschen, gehört nicht unbedingt zu den Gepflogenheiten eines Aktivisten der humanistischen Antipsychiatrie. Aber trotz entgegengesetzter Positionen gab es Berührungspunkte, dann gemeinsame Aktionen, und schließlich entstand Wertschätzung. Artikel in, in: Psychosoziale Umschau (Köln), 35. Jg. (2020), Nr. 2, S. 11-12
Psychiatry as a medical (and natural scientific) discipline cannot do justice to the expectation of solving mental problems that are largely of a social nature. Its diagnostic methods obstruct the view of the real problems of individuals in society. Its propensity and practice to use force constitutes a threat against the human right to bodily integrity. People with physical medical diagnoses have the right to say no; the same right is denied to people with psychiatric diagnoses. So they need to protect themselves by special means - for example, by a Psychosocial Advance Directive, as described in this chapter.
Peter Lehmann
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Mit dem "Dossier Psychopharmaka" ist in der Schweiz eine Nummer der Zeitschrift "Pro Mente Sana Aktuell" erschienen, die in Deutschland seinesgleichen sucht: In ein und demselben Heft kommen sowohl prominente Befürworter/innen als auch Ablehner/innen der psychiatrischen Psychopharmaka, speziell der Neuroleptika, zu Wort. Artikel in: Der Eppendorfer – Zeitschrift für die Psychiatrie (Brunsbüttel), 3. Jg. (1988), Nr. 4, S. 15-16
Peter Lehmann
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Über die Grundbedürfnisse von Verrückten, das heißt Menschen, die sich von der Normalität entfernt haben und Opfer von Psychiatrisierung wurden, in der Selbsthilfe und über Professionelle, die unter der Maske des Altruismus auf bloße Anpassung und die Medizinalisierung psychischer Auffälligkeiten und Probleme hinarbeiten.
Peter Lehmann
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Gemeinsam verfasst mit Tina Stöckle; in: Umbruch – Zeitschrift für Kultur (Frankfurt am Main), 4. Jg. (1985), Nr. 1, S. 33-40
In: Amalie – Galebevægelsens blad (København), Vol. 7 (1985), No. 4, pp. 9-11
In: Tipex – Magazin für Literatur und Kultur (Paderborn), 3. Jg. (1987), Nr. 8, S. 42-43 und S. 82
Peter Lehmann
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De Psychipol-manifestatie is een aangrijpende gebeurtenis geworden door het offensief van de Berlijnse gekken tegen een psychiater-vertegenwoordigster van de italiaanse Demokratiese Psychiatrie. Brullen en schreeuwen als aktiemiddel en tegeljk als weg tot zelfbevrijding. Al krijsen ze soms nog harder tegen elkaar dan tegen de psychiaters. We willen bij de beschrijvingen van alternatieven ook hun verhaal opnemen. Een alternatief in de zin van een dag en nacht draaiend projekt is het niet. Maar het Irrenoffensive is de meest inspirerende aktie-zelfhulpgroep die we kennen. In tegenstelling tot andere aktie-zelfhulpgroepen hebben ze wel degelijk de bedoeling een alternatief te bieden: elkaar door hun gezamenlijke aktiviteiten uit de inrichting te houden. En dat pakken ze grondig aan. Gekken in de aanval! Article published by Peter Lehmann, Tina Stöckle, and Wolfgang X
Peter Lehmann
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In: Der Artikulator – Diskussionsforum zahnmedizinischer Berufe (Bonn), 4. Jg. (1986), Nr. 18, S. 25-26 –
Peter Lehmann
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Es gibt kaum ein Organ, das von Neuroleptika nicht beschädigt wird. Ihre psychischen Auswirkungen sind grauenhaft, die Rückfallquote steigt. Wieviele Missgeburten, Todesfälle, tardive Dyskinesien, Krebserkrankungen und Selbstmorde muss es noch geben, ehe Psychiatrie-Betroffenen ein Recht auf Psychopharmaka-freie Hilfe zugesprochen wird? In: Pro Mente Sana Aktuell (Weinfelden/Schweiz), 1988, Nr. 3 (»Dossier Psychopharmaka«), S. 20-21
Die Entdeckung der Neuroleptika wird von vielen als eine der bedeutendsten Errungenschaften der Psychiatrie des 20. Jahrhunderts angesehen. Man schrieb ihnen die Möglichkeit zu, dass Tausende zuvor eingesperrter Psychiatrie-Betroffener in die Gemeinde zurückkehren konnten. Die Neuroleptika bilden auch in diesem Jahrzehnt den Eckpfeiler der psychiatrischen Technologie und Ideologie. Deshalb ist es für viele schwer nachzuvollziehen, dass diese Psychopharmaka in direkter Weise für eine weltweite Epidemie bleibender Hirnschäden verantwortlich sind, die buchstäblich Millionen von Menschen betreffen. Mit der in den Artikel integrierten Übersetzung des Artikels von David Hill: “The problem with major tranquillisers” [in: Open Mind (U.K.), 1985, No. 13, p. 14] mit David Hill gemeinsam publiziert in: Dr. med. Mabuse – Zeitschrift im Gesundheitswesen (Frankfurt am Main), 14. Jg. (1989), Heft 58, S. 18-21; und in: Mitgliederinfo der Bayerischen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. (München), April 1989, S. 3-7
Peter Lehmann
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Published in: Amalie – Galebevægelsens blad (København), Vol. 12 (1990), No. 6, pp. 22-38
Peter Lehmann
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Neuroleptika-Verabreichung und praktizierte Sozialpsychiatrie sind 1990, im Zeitraum der universellen Anwendung von Chemie in allen Lebensbereichen, untrennbar miteinander verbunden. Ist der gequälte Umgang der DGSP mit der Kritik an Neuroleptika-Schäden zu verstehen: Mit der Langsamkeit, mit der die sozialpsychiatrisch Tätigen Konsequenzen aus den schädlichen Folgen ihres Tuns ziehen, kann ich kein Verständnis finden. Dabei tröstet mich der Gedanke wenig, dass es in anderen Lebensbereichen, in denen Menschen Schäden anrichten, auch nicht besser aussieht, denke ich etwa an FCKW-Produktion, Atomkraft, Zubetonierung der Landschaft, Ausrottung von Tierarten oder Vernichtung des Regenwaldes. Publiziert in: Soziale Psychiatrie (Walldorf, BRD), 14. Jg. (1990), Heft 50, S. 8-9
Neuroleptika führen eine künstliche hirnorganische Erkrankung herbei, die mit irreversiblen Folgeschäden verbunden sein kann: Tardive Dyskinesie, Krebs, Missbildungen, Suizid, "Syndrom der gebrochenen Feder". Verlust des Selbstvertrauens, Blockade psychotherapeutischer Möglichkeiten sowie Vorprogrammierung von Rückfällen in die Psychiatrisierung sind weitere negative Nebenwirkungen. Die Erstbehandlung mit Neuroleptika sollte unbedingt verhindert werden. Um die Psychiatrie- und speziell die Neuroleptika-Frage zu lösen brauchen wir geduldige psychische Unterstützung, verbunden – soweit gewünscht – mit unschädlichen natürlichen Beruhigungsmitteln auf Grundlage eines Rechts auf psychopharmakafreie Hilfe; weiterhin benötigen wir die Einbeziehung ehemaliger Psychiatrie-Inass(inn)en in die Ausbildung von Professionellen, möge dies auch unbequem sein, sowie Personal mit den notwendigen mentalen Fähigkeiten. Menschenrechte für Psychiatrie-Betroffene können nur dann als verwirklicht betrachtet werden, wenn sie diagnosenunabhängig gelten; das Recht auf körperliche Unversehrtheit schließt die Forderung nach Verbot neuroleptischer Zwangsbehandlung ein.
Peter Lehmann
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Der Autor macht deutlich, dass trotz berechtigter Kritik das Thema Ethik in der Psychiatrie immer noch stiefmütterlich behandelt wird. Eine erschreckende Bilanz. Ausgelöst durch den Fall Gustl Mollath (siehe Ritzer & Przybilla, 2013) finden derzeit verstärkt Diskussionen zum Thema „Ethik in der Psychiatrie“ statt. Sie werden meist mit Blick auf die Begutachtung im Bereich Forensik geführt oder – angestoßen durch höchstrichterliche Entscheidungen und die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung – im Hinblick auf die Frage der Zulässigkeit des psychiatrischen Rechts auf gewaltsame Verabreichung von Psychopharmaka und Elektroschocks. Diese Diskussionen haben die Tendenz, bei den genannten Fragen stehen zu bleiben und ins öffentliche Visier gelangte Tatbestände wie den Fall Gustl Mollath als „Fehlentwicklung psychiatrischen Tuns“, als „Ausreißer“, „Missbrauch“ oder „Ausnahmefall“ zu betrachten und damit den Blick auf allgemeine Probleme der Ethik in der Psychiatrie zu verstellen. Ethik kann als philosophische Disziplin verstanden werden, die Kriterien für schlechtes und gutes Handeln und die Bewertung seiner Motive und Folgen aufstellen soll. Da sich Psychiatrie als ärztliche Disziplin versteht, sollten deren wesentliche ethische Grundlagen auch für den psychiatrischen Bereich gelten. Als zentrale ethische Grundlage ärztlicher Praxis gilt (siehe zum Beispiel Steinert, 2013) der Respekt vor der Würde und der Selbstbestimmung der Patienten, die Ausrichtung der Tätigkeit am Wohl der Patienten sowie das Prinzip „Primum nil nocere“ („Zuerst einmal nicht schaden“). Vortrag bei der Bundestagung des Fachverbandes Ethik (»Es ist nicht normal, gesund zu sein« – Umgang mit Krankheit und Gesundheit in unserer und anderen Kulturen), Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg, Ludwigsfelde-Struveshof, 24. November 2013. Publiziert in: praxis wissen psychosozial – Zeitschrift für psychosoziale Pflege (Seelze, BRD), Heft 16 (1. Quartal 2014), S. 36-39
Von Kerstin Kempker und Peter Lehmann verfasster Ergebnisbericht der aus psychiatrisch Tätigen bestehenden Arbeitsgruppe »Zufluchtsort für Psychiatrie-Betroffene« bei der Tagung »Stationäre Alternativen«, veranstaltet von Pro mente sana in Nottwil, 25-26. November 1992. Publiziert in: Pro Mente Sana Aktuell – Informationen aus der Psychiatrischen Schweiz (Weinfelden/Schweiz), 1993, Nr. 1, S. 37-38
Peter Lehmann
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Symposium von Peter Lehmann und Michael Chmela mit Ernst Kostal, Michael Chmela, Monika Blattl & Marc Rufer, veranstaltet von Pro mente Oberösterreich, 15.-17. Juni 2000; publiziert in: Psychiatria danubina – Proceedings from the 19th Danube Symposion of Psychiatry, Vol. 12 (2000), No. 1-2
Peter Lehmann
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Bereits 1990 sollte ein Weglaufhaus in Berlin öffnen, nachdem ein anonymer Spender dem Träger der Einrichtung, dem gemeinnützigen Verein zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt e.V., 1 Million DM zum Kauf eines Hauses angeboten hatte. Die Große Koalition in Beriin ließ jedoch kurz darauf die Finanzierung platzen, welche die rotgrüne Regierung zuvor zugesagt hatte. Nach jahrelangen zähen Verhandlungen mit der Berliner Senatsverwaltung konnte das Weglaufhaus in Berlin-Reinickendorf am 1. Januar 1996 endlich doch seinen Betrieb aufnehmen. 13 obdachlose Psychiatriebetroffene, die das psychiatrische Netz verlassen haben und ihr Leben wieder in die eigene Hand nehmen wollen, finden dort für maximal ein halbes Jahr Unterkunft und Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Probleme. In: Störfaktor – Zeitschrift kritischer Psychologinnen und Psychologen (Wien), 8. Jg. (1995), Heft 32, Nr. 3, S. 87-88
Peter Lehmann
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Am 12.12.1996 war Peter Lehmann zu Gast bei EREPRO und hielt einen Vortrag über das Patiententestament im Rahmen der Weiterbildung zum Psychiatrie-Betreuer (erepro). Wir bringen das Protokoll der Veranstaltung in leicht veränderter Form. Peter Lehmann hat 1986 Das Buch "Der Chemische Knebel" geschrieben und herausgegeben. Es beschreibt deutlich und gründlich schädliche Wirkungen von Neuroleptika und hat – insbesondere bei Praktikern in der Psychiatrie – ziemliches Aufsehen erregt. Peter Lehmann war bereits als kämpferischer Verfechter der Rechte Psychiatrieerfahrener namhaft: Ende der siebziger Jahre führte er einen Grundsatzprozeß durch alle Instanzen über das Recht auf Akteneinsicht für Patienten, der sehr große Beachtung fand. Gemeinsam mit Tina Stöckle – einigen in Augsburg bekannt als Mitarbeiterin in der Arbeitsgemeinschaft für psychische Gesundheit – gründete er in Berlin die Selbsthilfegruppe "Irrenoffensive", die viele schockierte, aber ihren Teil zur größeren gesellschaftlichen Beachtung des Selbstverständnisses Psychiatrieerfahrener beitrug. Der Referent ist beteiligt an dem Projekt "Weglaufhaus" in Berlin, das Anfang des Jahres eröffnet hat und ist im Vorstand des Bundesverbandes Psychiatrieerfahrener. Er hat 1997 zwei neue Bücher über Schäden und Risiken aller Psychopharmaka und von Elektroschocks veröffentlicht, "damit die Betroffenen selber entscheiden können, ob sie diese Mittel nehmen oder nicht." Hintergrund ist", sagt der Autor, "daß Psychiater grundsätzlich nie rechtswirksam aufklären, von daher sämtliche Behandlungen im Prinzip rechtswidrig sind, im Grunde genommen kriminell. Sollten Schäden eingetreten sein, können diese Informationen das Wissen liefern, auch für Juristen, auch für Richter, um möglicherweise Schadensersatzklagen durchzusetzen." Vortrag vom 12. Dezember 1996 im Rahmen der Weiterbildung zum Psychiatrie-Betreuer, in: Hilfe – Blätter der Initiative EREPRO (Augsburg), Nr. 6 (Dezember 1998), S. 5-19
In: Bulletin van de Clientenbond in de GGZ (Utrecht), Jaargang 25 (1997), nr. 4, pp. 8-10
Peter Lehmann
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Kenntnisse helfen beim umsichtigen Absetzen. Vor dem Absetzen – auf Grundlage eines eigenen, klaren Entschlusses – ist es sinnvoll, sich über die Vielfalt der möglichen Absetzprobleme und Entzugserscheinungen zu informieren. Als Entzugserscheinungen gelten Störungen und Probleme, die vor Einnahme der Psychopharmaka nicht oder nicht in einem solchen Ausmass vorhanden waren. Die genaue Kenntnis der möglichen Entzugserscheinungen soll den Betroffenen und den sie unterstützenden Personen Gelegenheit geben, im Falle von Absetzproblemen diese realistisch einzuschätzen. Nur so können sie angemessen reagieren, um den Entzugsprozess zum positiven Ende zu bringen (1). Beim Absetzen aller Psychopharmaka besteht das Risiko, dass ausser den gewöhnlichen Entzugserscheinungen weitere Absetzprobleme wie z.B. vorübergehende Reboundeffekte auftreten: gegenregulatorisch wirkende Anpassungsreaktionen, die zu einem verstärkten Wiederauftreten der ursprünglichen Symptomatik führen. Die gewissermassen spiegelbildlich auftretenden Reboundeffekte machen es besonders schwierig, Entzugserscheinungen als solche zu erkennen und gegen die ursprünglichen Probleme abzugrenzen. Auch dass Supersensitivitätserscheinungen (Delire, Entzugspsychosen usw.) auftreten können, sollte bei der Entscheidung über ein mögliches Absetzen (und – noch besser – schon über einen Beginn der Einnahme) berücksichtigt werden. Aber auch Schlafstörungen, weitere geistig-zentralnervöse Entzugserscheinungen, Muskel- und Bewegungsstörungen sowie lästige, gelegentlich sogar lebensgefährliche vegetative Symptome sind einzukalkulieren, weshalb viele Mediziner einen stufenweisen Entzug befürworten. In: Pro Mente Sana Aktuell (Zürich), 1998, Nr. 1 (»Psychopharmaka – notwendiges Übel?«), S. 20-22 –
Peter Lehmann
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Der psychiatrische Freiheitsentzug ist ein Risiko, mit dem wir leben müssen – noch. Aber wie steht es mit der Zwangsbehandlung? Menschen wie Sie und wir können – in Anlehnung an das Patiententestament und den Letzten Willen – im Zustand der nicht angezweifelten Vernunft und Normalität eine schriftliche Erklärung verfassen, in der sie genau und wohlüberlegt festlegen, wie sie behandelt – oder aber nicht behandelt – werden wollen, sollten Dritte sie als geisteskrank und behandlungsbedürftig diagnostizieren.
Peter Lehmann
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Empowerment, so steht es im neuen Buch des Psychiatrieverlags von Andreas Knuf und Ulrich Seibert, komme aus der Befreiungsbewegung der Schwarzen und Frauen und bedeute Auflehnung gegen Unterdrückung und Machtlosigkeit – eigentlich. Gemäß der Definition von Judi Chamberlin, der »großen alten Dame der Selbsthilfebewegung« und Mitbegründerin des US-amerikanischen National Empowerment Center, heißt Empowerment im psychosozialen Bereich unter anderem: »mit der eigenen Stimme sprechen, die eigene Identität neu definieren, die eigenen Möglichkeiten und das Verhältnis zu institutionalisierter Macht neu definieren« (Chamberlin 1993, S. 317). Diese Definition wurde in Deutschland in vielfältiger Weise bekannt gemacht, z.B. in Artikeln der ›Sozialen Psychiatrie‹ oder im Mitgliederrundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BPE). Ziele von Empowerment sind Gleichberechtigung und Selbstbestimmungsrecht.. Beitrag im Symposium »Von der Entmündigung auf dem Weg zum Empowerment« beim Kongress der Aktion Psychisch Kranke, Bonn, 22.-23. November 2000
Grußwort, gehalten im Namen des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener am 21. November 2000 in Bonn im Wasserwerk (ehemaliger Plenarsaal des Deutschen Bundestages)
Peter Lehmann
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Peter Lehmann im Interview mit Barbara Dribbusch, in: taz – Die Tageszeitung (BRD), 29. Juni 2001, S. 6
Peter Lehmann
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Depression can have many causes: psychosocial and political conditions, neurological diseases, metabolic disorders, aging, toxic substances and drugs. Physicians generally focus on organic or supposed organic depressions, for which they prescribe psychiatric drugs and electroshocks. It is hard for them to accept that many psychiatric drugs can cause or increase depression and suicidality. But in the medical and pharmacological specialist literature there are many reports about the depressive effects of psychiatric drugs. In particular neuroleptics, so-called antipsychotic drugs like haloperidol (one brand name for which is Haldol) and clozapine (one brand name for which is Leponex) often initiate depression and suicide. A suicide-register with special consideration of associated psychiatric drugs, electroshocks, restraint, and other forms of psychiatric compulsion could be effective as a form of prevention and lower the occurrence of depression and suicides. In: Journal of Critical Psychology, Counselling and Psychotherapy (Ross-on-Wye, Wales), Vol. 2 (2002), No. 1, pp. 54-58
Kurzfristigen Erleichterungen durch »atypische« Substanzen steht die mögliche langfristige Verstärkung psychotischer Symptome gegenüber. Die ersten neuen Neuroleptika sind wegen tödlicher vegetativer Zwischenfälle bereits vom Markt genommen. Nichtsdestotrotz macht man »Atypische« den Betroffenen schmackhaft. Und wer hilft ihnen beim Absetzen? In: Pro Mente Sana Aktuell (Zürich), 2003, Nr. 1 (»Biologismus – Stirbt die Seele aus?«), S. 16-18
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στο: Τετράδια Ψυχιατρικής (Tetradia Psychiatrikis – Αθήνα), No 97 (Μαρτς 2007), σ. 27-35
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