Zeitschrift für Orthomolekulare Medizin

Published by Georg Thieme Verlag KG
Print ISSN: 1611-5562
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Zusammenfassung Ein Mangel an den ω-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure betrifft weltweit über 1 Mrd. Menschen. EPA und DHA besitzen endothel-, epithel-, kardio- sowie neuroprotektive Eigenschaften und entfalten auf mehreren Ebenen positive Wirkungen im Infektionsgeschehen. Neben der Steigerung der Immunität u. a. durch erhöhte Bildung von Neutrophilen greifen sie in die Inflammation ein. Die Hemmung des NLRP3-Inflammosoms verhindert einen Zytokinsturm, der zu schwersten systemischen Entzündungen mit tödlichem Ausgang führen kann. Besonders aus DHA werden entzündungsauflösende Lipidmediatoren gebildet, die für die Beendigung von Entzündungen wichtig sind. Eine aktuelle Pilotstudie zeigt ein erhöhtes COVID-19-Sterberisiko bei niedrigem ω-3-Index.
 
Zusammenfassung Aktuelle Studien zeigen einen deutlichen Benefit von Vitamin C bei COVID-19. Signifikante Verbesserungen gab es bei Sauerstoffversorgung, Reduktion des Zytokinsturms, Mortalitätsrisko, Heilungsrate und Verweildauer im Krankenhaus. Bei der supportiven Therapie mit Vitamin C erzielen Infusionen höhere Wirkspiegel im Blut als die orale Gabe, bei der u. a. genetisch bedingte Resorptionsunterschiede die Wirkung beeinflussen.
 
Zusammenfassung Ende 2019 nahm eine Coronavirus-Pandemie in der chinesischen Stadt Wuhan in der Provinz Hubei ihren Lauf. Der klinische Verlauf der durch SARS-CoV-2 ausgelösten Lungenerkrankung COVID-19 ist unterschiedlich: Einige Infizierte entwickeln nur leichte oder überhaupt keine Symptome. Bei anderen kommt es rasch zu einem akuten Lungenversagen und zum Tod. COVID-19-Erkrankungen treten v. a. bei älteren Menschen mit Grunderkrankungen auf. Neben entsprechenden Hygienemaßnahmen und dem individuellen Sozialverhalten erfolgt derzeit seitens des Gesundheitsministeriums, der Medien und Laienpresse seit Anfang der Pandemie im März 2020 kein Hinweis auf die physiologische Bedeutung immunrelevanter Mikronährstoffe, mit denen das Immunsystem gegen virale Atemwegserkrankungen unterstützt und Begleitkomplikationen verringert werden könnten. Deshalb sollte bei COVID-19-Patienten (v. a. Senioren) grundsätzlich nicht nur der Makronährstoff-, sondern auch der Mikronährstoff-Status labordiagnostisch objektiviert (z. B. 25(OH)D, Selen) und ggf. gezielt kompensiert werden.
 
Zusammenfassung Der westliche Lebensstil mit hyperkalorischer, nährstoffarmer Ernährung und körperlicher Inaktivität begünstigt weltweit Übergewicht, Diabetes und Hypertonie. Mit Diabetes und Adipositas verbundenen ist ein erhöhtes Risiko für schweren COVID-19-Krankheitsverlauf und höhere Mortalität als Folge von gestörter Immunantwort, erhöhter Thromboseneigung, vermehrter Bildung von AGEs und RAGE-Aktivierung, von Entzündung und oxidativem Stress. Dies begünstigt eine überschießende und unkontrollierte Zytokinantwort, die verantwortlich ist für das Acute Respiratory Distress Syndrome und Multiorganversagen. Eine Infektion löst Entzündung und Gewebeschädigung aus und führt zu erhöhter Stoffwechselaktivität, um geschädigtes Gewebe und Fremdmaterial zu entfernen. Bei Adipositas und Diabetes sind die Mechanismen zur Aufnahme von Fremdmaterial und Viren in die Zelle deutlich hochreguliert, sodass eine verstärkte Virusinfektion resultieren kann.
 
Bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielt Magnesiummangel häufig eine Rolle. Dieser führt zur Reduktion der Energieproduktion, wobei der Kalzium/Magnesium-Antagonismus mit gestörter Zellfunktion von wesentlicher pathogenetischer Bedeutung ist. Eine bedarfsgerechte Substitution von Magnesium kann bei Hypertonie, Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz aber auch bei Diabetes mellitus eine deutliche klinische Besserung bewirken.
 
Vitamin C wird seit Langem in der komplementären Onkologie eingesetzt. In- vitro-Studien und Tierversuche zeigen eine zytotoxische Wirkung des Vitamins auf Tumorzellen. Kleinere Studien und internationale Fallberichte deuten darauf hin, dass Krebspatienten von einer Vitamin-C-Hochdosisinfusionstherapie im Hinblick auf die Nebenwirkungen und Effektivität einer tumordestruktiven Therapie profitieren können.
 
Abb. 2 Magnesiummangel und Diabetes.  
Magnesium erfüllt im Körper zahlreiche Funktionen und hat u. a. protektive Bedeutung für das kardiovaskuläre System. Neuere Studien zeigen, dass Magnesium das Diabetesrisiko senken und den Krankheitsverlauf bei manifestem Diabetes Typ 2 positiv beeinflussen kann. Da der Magnesiumstatus von Diabetikern häufig schlecht ist, sollte ein Defizit ausgeglichen werden.
 
Zusammenfassung Magnesium muss als essenzieller Mineralstoff in ausreichenden Mengen zugeführt werden. Die klinische Bedeutung der Magnesiumüberladung bzw. -intoxikation ist eher gering. Ein Magnesiummangel mit reduzierten Enzymaktivitäten tritt beim Menschen häufig auf, er lässt sich jedoch schwer nachweisen. Eine kausale Therapie der Hypomagnesiämie ist durch Sicherstellung des normalen Tagesbedarfs sowie durch Beseitigung hormonaler und medikamentöser Ursachen möglich.
 
Zusammenfassung Vitamin D hat eine überragende Bedeutung für die menschliche Gesundheit, bei Fertilität und Schwangerschaft, Vorbeugung von akuten Erkrankungen wie Atemwegsinfekten und insb. in der Prävention zahlreicher chronischer Erkrankungen. Große Teile der deutschen Bevölkerung leiden an einem Vitamin-D-Mangel. Gerade Kinder sind oft unzureichend versorgt, während sich die Situation bei Menschen in der 2. Lebenshälfte in den letzten Jahren durch Supplementation verbessert hat. Vitamin D sollte zur Kompensation eines Mangels täglich eingenommen werden, da freies Cholecalciferol in den ersten 24 Stunden nach Einnahme bes. gut verfügbar ist.
 
Zusammenfassung Hormonmangel bei Frauen in der Postmenopause beschleunigt Alterungsprozesse und ist damit neben der biologischen Alterung ein Risikofaktor für die häufigsten tödlichen Krankheiten. Eine Hormonersatztherapie mit Östrogenen schützt jüngere, gefäßgesunde Frauen vor späteren kardiovaskulären Erkrankungen und nach neueren Studien auch vor Demenz. Die Häufigkeit von Oberschenkelhalsfrakturen kann ebenfalls durch Hormongaben reduziert werden. Daneben beeinflussen auch Lebensstil und Ernährung Morbidität und Mortalität. Normalgewicht und eine ausreichende Zufuhr von ω-3-Fettsäuren sowie antioxidativen und antiinflammatorischen Substanzen aus Obst und Gemüse haben protektive Wirkungen. Kalzium, Vitamin D und Muskeltraining schützen vor Osteoporose.
 
Bis heute konnte nicht bewiesen werden, dass ein hoher Cholesterinspiegel verantwortlich ist für Arteriosklerose und Herzinfarkt. Demgegenüber haben Studien zufolge Ernährung und sportliche Aktivität einen größeren Einfluss auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dennoch ist die medikamentöse Cholesterinsenkung durch Statine seit Jahren gängige medizinische Praxis, obwohl diese vielfältige Nebenwirkungen haben bis hin zu erhöhten Tumorraten.
 
Zusammenfassung Durch die Spaltung von Disulfidbrücken wirkt N-Acetyl-Cystein (NAC) mukolytisch bei Atemwegs-/Lungenerkrankungen und greift die Hülle von SARS-CoV-2 an, wodurch die Infektiosität des neuen Coronavirus abgeschwächt wird. Als Gluthation-Prodrug hat die Substanz zentrale Bedeutung für Immunfunktion, Regulation der Stickstoffbilanz und Erhalt immunkompetenter Zellmasse. In einer Studie konnte eine Verbesserung der Überlebenszeitprognose von AIDS-Patienten unter NAC-Therapie belegt werden. Kardioprotektive Wirkung zeigt N-Acetyl-Cystein bei endothelialer Dysfunktion und Homocyst(e)inämie. Zudem konnte die Gabe von NAC in einer Studie kontrastmittelinduzierte Nierenschäden reduzieren.
 
Bei allen T-Zellen folgt die Thymusreifung und Aktivierung durch Antigeninteraktion und ein kostimulatorisches Signal oder über Zytokine einem identischen, hier vorgestellten Muster. Die aktivierten Zellen unterscheiden sich jedoch in ihren Effektorfunktionen, wobei die Helferzellen die größte Zellgruppe bilden. In den letzten Jahren wurden mehrere neue Th-Zellpopulationen gefunden, z. B. follikuläre T-Helferzellen und Th17-Zellen. Die einzelnen Th-Zelltypen haben unterschiedlichste Bedeutung für die Immunabwehr sowie bei Allergien und Autoimmunreaktionen.
 
Die Multiple Chemikaliensensitivität (MCS) ist häufig mit Nahrungsmittelintoleranz kombiniert. Trotz dadurch bedingter Einschränkung der Nahrungszufuhr entwickeln MCS-Kranke z. T. eine Adipositas, die durch Reduktion der Energieaufnahme wenig beeinflussbar ist. Eine Studie an 29 adipösen MCS-Patienten wies eine pathologische Erhöhung der Leptinspiegel nach. Die Bedeutung entzündlicher Reaktionen und der Störung funktioneller Regelkreise im Zusammenhang mit MCS wird diskutiert.
 
Heutige Jäger und Sammler mit gleicher Ernährung und Lebensstil wie im Spätpaleolithikum sind gesünder als die Bevölkerung der „zivilisierten Welt“. Die in der Steinzeit überlebenswichtige metabolische Anpassung an den Wechsel von Überfluss und Mangel sowie von Aktivität und Ruhe ist bis heute in den Genen verankert und bestimmt den Stoffwechsel. Ständiger Überfluss von Nahrungsenergie und geringe körperliche Aktivität führen zu Vergrößerung der Fettspeicher und Insulinresistenz. Die unterschiedliche Ausprägung von Übergewicht und Adipositas in verschiedenen ethnischen Gruppen ist genetisch determiniert, wobei der ererbten Thermoregulationsfähigkeit eine wichtige Rolle zugeschrieben wird.
 
An der Entstehung von Adipositas sind zahlreiche Faktoren beteiligt. Dazu gehören auch epigenetische Veränderungen, ausgelöst durch pränatale Einflüsse wie die Ernährung der Mutter in der Schwangerschaft oder Endocrine disruptors. Neben dem Mikrobiom sowie der durch extrinsische und intrinsische Faktoren beeinflussten Regulation von Appetit und Sättigung spielt die Zusammensetzung der Ernährung eine wichtige Rolle.
 
Zur Adipositasprävention sollte Übergewicht vor und hohe Gewichtszunahme während der Schwangerschaft vermieden sowie der Konsum von Fett, Milch und v.a. Zucker durch die Schwangere reduziert werden. Grundpfeiler der Therapie sind körperliche Aktivität und Ernährungsumstellung, wobei die Mikronährstoffversorgung und Auswirkungen der Nahrung auf die Appetit- und Sättigungsregulation zu berücksichtigen sind. Das auf diesen Kenntnissen beruhende GESUMED-Konzept zur Gewichtsregulation und Prävention basiert auf Anamnese, Laboranalyse und BIA.
 
Zusammenfassung ω-3-Fettsäuren sind für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen von großer Bedeutung. Supplementieren Schwangere Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure, treten im Kleinkindalter deutlich weniger IgE-vermittelte Krankheiten wie Nahrungsmittelallergien und Neurodermitis auf. Eine Schutzwirkung vor Asthma ist auch im späteren Leben zu beobachten. Die Gabe von ω-3-Fettsäuren während der Schwangerschaft unterstützt Gehirnentwicklung und Kognition. Bei Kindern mit ADHS zeigten sich unter ω-3 hochsignifikant weniger Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen, bei Kindern mit Leseschwäche verbesserte sich die Lesefähigkeit signifikant. Die Therapie mit maritimen Fettsäuren reduziert bei Kindern mit Herzrhythmusstörungen die Häufigkeit von Extrasystolen und bei Morbus Crohn die Anzahl der Schübe. Für die Wirkung ist eine ausreichende Dosis EPA/DHA entscheidend, idealerweise spiegelgesteuert.
 
Zusammenfassung Die Versorgung mit essenziellen Mikronährstoffen, also Vitaminen und Mineralstoffen, ist für ein gesundes Leben und Altern von großer Bedeutung. Der Nutzen eines optimalen Nährstoffstatus für ein gesundes Leben und Altern zeigt sich bei der Mobilität im Alter aufgrund von guter Muskelstärke und Knochendichte, der Augengesundheit durch eine gute optische Makulapigmentdichte, der Aufrechterhaltung der kognitiven Funktion, gute Herzgesundheit durch Blutdruck- und Triglyceridmanagement und der Stärkung des Immunsystems.
 
Zusammenfassung Magnesium ist an ca. 600 enzymatischen Reaktionen und Stoffwechselprozessen beteiligt. Ein Mangel beeinträchtigt die Energieproduktion mit Auswirkungen auf Organfunktionen sowie die Reaktion des Körpers auf Stress. Magnesium hat sich bewährt in der Therapie und Prävention insbes. von kardiovaskulären Erkrankungen wie Hypertonie. In einer Studie an 45 älteren Hypertoniker*innen konnte gezeigt werden, dass die Bestimmung der ionisierten Magnesiumkonzentrationen als Laborparameter aussagekräftiger ist als die herkömmliche Messung der Konzentration im Serum. Magnesiummangel betrifft bes. häufig ältere Menschen und Hypertoniker. Ein Mangel an Vitamin D verschlechtert den Magnesiumstatus. Bei Hypertonie wird die orale Supplementierung von 300–500 mg Mg/d empfohlen.
 
Zusammenfassung Veränderungen im Kalzium-Magnesium-Haushalt sind von pathogenetischer Bedeutung bei der Entstehung von essenzieller Hypertonie und Arteriosklerose. Ursache sind gestörte Transportsysteme für die Elektrolyte. In einer Studie mit älteren Hypertoniker*innen wurde mittels Messung von ionisiertem Kalzium und Magnesium sowie Berechnung der Ratio eine neue Methode angewendet. Die Ergebnisse zeigen, dass die ionisierte Kalzium/Magnesium-Ratio bei ca. 40% der älteren Hypertoniker*innen statistisch signifikant erhöht ist. Da erhöhte Kalzium- und erniedrigte Magnesiumkonzentrationen bei essenziellen Hypertoniker*innen die Arteriosklerose-Entstehung begünstigen, ist eine ausgeglichene Magnesiumbilanz bei diesen Personen bes. wichtig. Insb. Senior*innen sind eine Risikogruppe für einen Magnesiummangel wg. unzureichender Aufnahme mit der Nahrung und renaler Magnesiumverluste als Nebenwirkung zahlreicher Medikamente.
 
Zusammenfassung Magnesiummangel verursacht neben zahlreichen weiteren Symptomen über die Steigerung von Gefäßtonus und Gefäßreaktivität einen Blutdruckanstieg. Eine optimale Magnesiumversorgung kann zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen beitragen. In einer Untersuchung an älteren Hypertonikern bewirkte eine Therapie mit täglich 400 mg Magnesiumcitrat neben der Blutdrucksenkung eine signifikante Verbesserung des Vitamin-D-Status.
 
Ältere Menschen sind aufgrund von Fehlernährung, Resorptionsstörungen, Erkrankungen und Medikamenteneinnahme gefährdet für Mikronährstoffmängel. Entsprechende Diagnostik und Supplementierung orthomolekularer Substanzen erscheint zur Prophylaxe chronischer und neurodegenerativer Erkrankungen sowie von Osteoporose, Sturzneigung und Infekten notwendig für ein „rüstiges“ Altern mit hoher Lebensqualität.
 
Zusammenfassung Die Vitamine D und K2 interagieren auf vielen Stoffwechselwegen, v. a. im Kalzium- und Knochenstoffwechsel und haben günstige Effekte für die Knochendichte. Vitamin-K-abhängige Proteine sind an der Blutgerinnung beteiligt und schützen Arterien vor arteriosklerotischer Mikrokalzifizierung. Ein Mangel an Vitamin B12 und/oder Folsäure resultiert in Hyperhomocysteinämie. Diese ist im fortgeschrittenen Alter mit einer Abnahme von kognitiver Leistungsfähigkeit und Hirngröße assoziiert und gilt als Risikofaktor für eine Alzheimer-Demenz. Coenzym Q10 (Ubiquinon) spielt eine essenzielle Rolle bei der zellulären Energieproduktion. Das Vitaminoid ist Zellregulator, Antioxidanz und beeinflusst die Aktivität zahlreicher Gene. So beugt es Zellläsionen sowie Inflammaging vor. Das Verhältnis der reduzierten Form Ubiquinol zu Ubiquinon im Blut ist ein Marker für oxidativen Stress. Eine unzureichende Versorgung führt zu Störungen u. a. im Herz-Kreislauf- und Immunsystem.
 
Zusammenfassung Die ernsthafte, evidenzbasierte Auseinandersetzung mit dem Prozess des Alterns und dem Bemühen, zielgerichtet auf pathophysiologische Verläufe therapeutisch einzuwirken, wird heute vielfach mit der Veröffentlichung von López-Otín et al. aus dem Jahr 2013 3 in Zusammenhang gebracht. Bei den dort beschriebenen 9 Kennzeichen des Alterns spielt Selen eine bes. wichtige Rolle. Das essenzielle Spurenelement kann z. B. auf die Telomerlänge, die mitochondriale Dysfunktion und die Immunseneszenz einwirken. Von besonderer Bedeutung ist eine ausreichend hohe Versorgung mit Selen in der geeigneten chemischen Form für die Bekämpfung des „Inflammaging“, das wichtig für Alterungsprozesse ist. Selen erfüllt somit die Anforderungen an eine rationale Anti-Aging-Medizin sowohl in Bezug auf seine biochemischen Wirkmechanismen als auch im Hinblick auf die Arzneimittelsicherheit.
 
Zusammenfassung Unsere Lebenserwartung ist zu ca. 30 % genetisch determiniert, die restlichen 70 % bestimmen Ernährung, körperliche Aktivität und soziale Kontakte. Wesentliche Faktoren des Alterungsprozesses sind Immunoseneszenz und Inflammaging, die mit zunehmendem Mobilitäts- und Funktionsverlust assoziiert sind. Die ausreichende Zufuhr von Mikro- und Makronährstoffen spielt bei der Modulation des Immunsystems und der Verringerung des Inflammaging eine wichtige Rolle. Neben einer erhöhten Proteinzufuhr zum Erhalt der Muskelmasse spielen im Alter v. a. die ω-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) eine wichtige Rolle. Diese maritimen Fettsäuren wirken durch verschiedene Mechanismen antientzündlich und können so dazu beitragen, das Altern zu verlangsamen und der Entstehung von Alterskrankheiten vorzubeugen.
 
Zusammenfassung Die Bevölkerung in Deutschland ist mit einigen Mikronährstoffen, wie Vitamin D und E sowie einigen B-Vitaminen und Selen, nicht ausreichend versorgt. Doch gerade diese Nährstoffe sowie ω-3-Fettsäuren tragen dazu bei, im Alter Krankheiten vorzubeugen. ω-3-Fettsäuren bilden bspw. eine tragende Säule in der Anti-Aging-Medizin. Auch Ubichinol und Magnesium sind daran beteiligt, Alterungsprozesse zu verlangsamen, im Alter die Vitalität zu verbessern und der Entwicklung von Alterskrankheiten entgegenzuwirken.
 
Zusammenfassung Die Alterung von Körper und Gehirn wird durch mediterrane Ernährung und bedarfsgerechte Substitution von EPA und DHA in Form von Fisch-/Algenöl verlangsamt. Studien belegen die positive Wirkung einer ausreichenden Versorgung mit ω-3-Fettsäuren auf Alterungsprozesse u. a. durch antiinflammatorische Effekte und geringere Verkürzung der Telomere. Ein guter ω-3-Index reduziert deutlich das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Vitamin D beeinflusst ebenfalls Inflammaging und Telomerlänge. Das Prohormon trägt zum Schutz vor neurodegenerativen sowie psychischen Erkrankungen bei, reduziert die allgemeine Mortalität sowie das Sterberisiko bei Darmkrebs und Metabolischem Syndrom. Positive Wirkungen auf Knochendichte und signifikante Reduktion des Sturzrisikos unterstreichen die Bedeutung des Nährstoffs für den alternden Menschen. Da insb. Ältere unzureichend mit Vitamin D versorgt sind, ist die Supplementierung eine wichtige präventivmedizinische und die Lebensqualität erhöhende Strategie.
 
Zusammenfassung In den letzten Jahrzehnten wurden viele Substanzen als Anti-Aging-Wundermittel gehypt. Selten gab es jedoch belastbare Belege dafür, dass die vollmundigen Versprechungen erfüllt werden konnte. Bei ω-3-Fettsäuren (im Folgenden nur ω-3 genannt) scheint dies anders zu sein, da mittlerweile eine Reihe von Studien und sogar Metaanalysen existieren, die das Postulat einer lebensverlängernden und jungerhaltenden Wirkung von ω-3 stützen.
 
Zusammenfassung Mit zunehmendem Lebensalter steigen die Homocysteinwerte im Blutplasma, unter anderem bedingt durch einen Mangel an B-Vitaminen wie Folat und den Vitaminen B6 und B12. In jüngeren Studien erwies sich die Hyperhomocystämie als ein modifizierbarer Risikofaktor für Demenz. Eine Senkung des Plasma-Homocysteins bei Patienten mit leichter kognitiver Dysfunktion und mehr als 14µmol / l Gesamthomocystein könnte eventuell den kognitiven Leistungsabbau bremsen.
 
Zusammenfassung Ein Defizit an Vitamin C kann das Infektionsrisiko erhöhen. Begleitend bei einem grippalen Infekt eingesetzt, kann Vitamin C die Symptome bei ausreichend hoher Dosierung signifikant abmildern. Auch bei SARS-CoV-2-Infektionen zeigen Studien, dass supportives Vitamin C positive Wirkungen hat. Hochdosiertes intravenöses Vitamin C kann zudem Fatigue, kognitive Störungen und Schmerzen bei Erkrankungen, die mit oxidativem Stress einhergehen, reduzieren. Dass diese Effekte auch bei der Behandlung von Long-COVID-Betroffenen erzielt werden könnten, scheint plausibel.
 
Bei der Entstehung von Autoimmunität und Allergien sind v. a. genetisch disponierende Faktoren sowie Infektionen von Bedeutung. Die Diagnostik erfolgt über die Bestimmung der im Blut zirkulierenden T-Zellen und der spezifischen Zytokine. Für die orthomolekulare Therapie steht eine Reihe von Wirkstoffen mit unterschiedlichen immunologischen Effekten zur Verfügung.
 
Die Dyskalkulie ist ein multikausales Krankheitsbild und bedarf einer ganzheitlichen Betrachtung, um psychische Folgeerkrankungen zu vermeiden. Gezielte Mikronährstofftherapie und Traditionelle Chinesische Medizin mit Phytotherapie und Laserakupunktur können im Rahmen eines integrativen Therapiekonzepts zu anhaltenden Verbesserungen führen.
 
Zusammenfassung Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten belegen einen Zusammenhang zwischen Schwermetallbelastungen und neurodegenerativen Erkrankungen wie ALS. Immer wieder in der Diskussion sind Zahnfüllungen aus Amalgam, die in Deutschland trotz vielzähliger gegenteiliger Belege noch immer als unschädlich eingestuft werden. Die WHO hat diese bereits 1991 als Hauptquelle für Quecksilberbelastungen eingestuft. Für ALS gibt es bislang keine kurative Therapie, die Prognose ist in den meisten Fällen sehr ungünstig. Eine Ausleitungstherapie mit Chelatbildnern hat sich als nicht schädlich, sondern vielmehr lebensrettend und ursächlich gezeigt, was internationale wissenschaftliche Arbeiten bestätigen.
 
Die vermehrte Aufnahme von Glutamin in Krebszellen ist eine tumorspezifische Eigenschaft, die neue therapeutische Strategien in der Onkologie ermöglicht. Krebszellen ­reagieren im Gegensatz zu normalen Zellen empfindlich auf den Glutaminentzug. ­Dieser könnte die Erfolgsrate der Chemotherapie bei soliden Tumoren verbessern.
 
Zusammenfassung Pestizide, Schwermetalle, Weichmacher, Schadstoffe aus dem Tabakrauch und andere Substanzen wirken als Endokrine Disruptoren und können chronische Erkankungen und Tumorwachstum fördern sowie Alterungsprozesse von Geweben beschleunigen. Aminosäuren sind in der Lage, neoplastischen Prozessen entgegenzuwirken, beeinflussen neurochemische Resilienzfaktoren und ZNS-Faktoren positiv, beugen Insulinresistenz und damit Diabetes vor. Auch für die Detoxifikation eliminationspflichtiger lipophiler Substrate ist die ausreichende Versorgung mit Aminosäuren notwendig. Endokrine Disruptoren können immunologische und neurologische Regelkreise stören, den Aminosäurestoffwechsel empfindlich beeinträchtigen und zu einem deutlich erhöhten Bedarf an Aminosäuren führen. Eine gezielte individuelle laborkontrollierte Aminosäurezufuhr kann ein effektives therapeutisches Element in der angewandten Präventivmedizin sein.
 
Die Haut spielt als endokrines Organ eine wichtige Rolle, insbesondere durch die grose Bedeutung der kutanen Vitamin-D-Synthese unter Sonnenlichteinwirkung. Das Vitamin ist bedeutend fur den Kalzium- und Knochenstoffwechsel sowie fur die Pravention von Krebs und anderen Erkrankungen. Gleichzeitig ist intensive Sonnenlichtexposition der wesentliche Faktor bei der Entstehung von Hautkrebs. Nach heutigem Kenntnisstand uberwiegen bei einer masvollen UV-Exposition die protektiven gegenuber den mutagenen Effekten.
 
Chronischer psychosozialer und physischer Stress erhöht das Risiko für die Entwicklung einer Demenz, da er die Vulneration von neuronalen Netzwerken und Gliazellen verstärkt. Funktionelle Störungen bis hin zum Zelluntergang betreffen dabei auf der Grundlage verschiedener pathologischer Prozesse unterschiedliche Kompartimente und Zellsysteme.
 
Kognitionseinschränkungen im Alter sind auf nachlassende Neurogenese zurückzuführen und stehen unter epigenetischer Kontrolle. In Prävention und Therapie stellt neben Maßnahmen der Lebensführung insbesondere das Neurosteroid-Replacement eine erfolgversprechende Option dar.
 
Zusammenfassung Gesunde Ernährung und optimale Versorgung mit Mikronährstoffen sind aus Sicht der orthomolekularen Medizin die wichtigsten Säulen der Prävention. Der Verzehr industriell hergestellter und verarbeiteter Nahrungsmittel, von Transfettsäuren, Fleisch aus Massentierhaltung sowie verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren sollte aufgrund negativer Auswirkungen auf die Gesundheit gemieden werden. Einen hohen Stellenwert haben kaltgepresste Öle, naturbelassenes und biologisch erzeugtes Fleisch, frischer Seefisch sowie Obst und Gemüse aus biologischem Anbau. Kuhmilch ist in Maßen zu genießen, da sie in größeren Mengen Gewichtszunahme und Insulinresistenz begünstigt. Die Einnahme von Medikamenten kann den Bedarf an Mikronährstoffen erhöhen. Ein Mikronährstoffmangel schwächt das Immunsystem und begünstigt Krankheiten. Die Supplementierung von Folsäure, B-Vitaminen, Magnesium, Selen und Vitamin D trägt zur Erhaltung der Gesundheit bei.
 
Die Ernährung hat entscheidenden Einfluss auf Vitalität und Gesundheit im Alter. Hoher Zucker- und v. a. Fruktosekonsum wirken sich negativ aus, mediterrane und asiatische Küche mit viel Gemüse und Obst, hochwertigen Fetten und ausreichend Eiweiß positiv. Wird der im Alter erhöhte Bedarf an einzelnen Mikronährstoffen nicht gedeckt, resultieren Störungen bei Zellfunktion und -erneuerung und damit Gesundheitsstörungen.
 
Im Alter reduziert sich die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, Funktionsstörungen und Erkrankungen nehmen zu. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Neben genetischen Faktoren spielen eine nachlassende Hormonwirkung, Energiemangel, oxidativer-nitrosativer Stress und Silent Inflammation eine Rolle. Auch ein Mangel an Substraten wie Aminosäuren, Fettsäuren und Cholesterin sowie ein Defizit an Kofaktoren wie Mineralstoffe und Vitamine können ursächlich beteiligt sein.
 
Epigenetische Veränderungen, oxidativer Stress, chronisch inflammatorische Prozesse, mitochondriale Dysfunktion, Schadstoffbelastung und andere Einflüsse determinieren sowohl den Alterungsprozess als auch die Gesundheit im Alter. Nährstoffe haben in allen Bereichen als Protektoren und Regulatoren eine wesentliche Bedeutung.
 
Veränderungen im ZNS und im Herz-Kreislauf-System führen im Alter zur Leistungsminderung. Durch gezielte Substitution von Nähr- und Wirkstoffen können Alterungsprozesse und neurodegenerative Erkrankungen beeinflusst werden.
 
Zusammenfassung Viele ältere Menschen benötigen täglich Arzneimittel, manche mehrere verschiedene. Bei regelmäßiger Einnahme kann eine Vielzahl von Arzneimitteln die Aufnahme und Verwertung von Vitaminen und Mineralstoffen im Körper stören. Dadurch steigt das Risiko für Nebenwirkungen. Im Hinblick auf Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Mikronährstoffen sind ältere Menschen besonders gefährdet.
 
Top-cited authors
Alexander Dr Roemmler
  • german society of anti-aging medicine, Munich
Clemens von Schacky
  • Ludwig-Maximilians-University of Munich
Guenther Stoll
  • biosyn Arzneimittel GmbH, Germany, Fellbach
Jürgen Vormann
  • Institute for Prevention and Nutrition, Ismaning/Munich, Germany
Michael F Holick
  • Boston University