Soziologie

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Online ISSN: 1862-2550
Print ISSN: 0340-918X
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Soziologen beschäftigen sich zunehmend mit Fragen, wie z.B. „Wo verlaufen die Grenzen der Perfektionierungsträume, die uns durch die Vision des Neuen, genetisch optimierten Menschen oder von sozialen Utopien in Aussicht gestellt werden?“, „Versagen gegenüber dem Krieg der Ethnien, Clans, der Terrorgruppen unsere Interpretations- und Regelungsmodelle?“, „Was ist die soziale Funktion von Skandalen?“, „Welche Gesellschaftsmodelle werden sich in einem globalen Weltsystem selektieren?“. Vier Schwerpunkten der Soziologie Hondrichs möchte ich nachgehen, den elementaren Prozessen des Sozialen, seiner Analyse des Kriegs, der Funktion der Skandale und seinen letzten Untersuchungen zum Geburtenrückgang.
 
Der Beitrag führt die Theorie-Debatte von Hartmut Esser, Dirk Baecker und Armin Nassehi in den Heften 4/2002, 1/2003, 2/2003 und 4/2003 der SOZIOLOGIE fort. Es wird der Position Essers entgegen getreten, die Soziologie benötige zur Krisenbewältigung eine einzige, umfassende „Grand Unified Theory“. Die Soziologie braucht auch weiterhin die Auseinandersetzung mehrerer fachuniversaler Theorien. Das wird mit einer Kritik des Versuchs von Esser verdeutlicht, die Systemtheorie Luhmanns in sein Modell der soziologischen Erklärung einzubauen. Besonders wird dabei auf jenes Problem eingegangen, das in allen bisherigen Diskussionsbeiträgen im Mittelpunkt stand: die Stellung „des Menschen“ in der Gesellschaft und in der soziologischen Theorie. Diese Frage wird in der Systemtheorie mit der Unterscheidung von Inklusion und Exklusion tatsächlich nur unvollständig bearbeitet — soweit kann man Essers Kritik entgegen kommen: Hier muss jedoch statt des Einbaus der Systemtheorie in das Modell der soziologischen Erklärung eine Theorie der Sozialisation hinzutreten, die gerade in dieser Frage erstaunlicherweise bei weitem noch nicht genügend Augmerksamkeit findet. Am Beispiel des Verhältnisses von Kommunikation und Interaktion können sowohl die grundlagentheoretischen Differenzen zwischen Esser und Luhmann als auch die Mehrdeutigkeiten markiert werden, die sich die Handlungstheorie Essers mit dem Einbau der Systemtheorie einhandelt.
 
Zusammenfassung Die bisher verwendeten Modelle und Programme (ECTA, NONMET) zur Analyse von qualitativen abhängigen Variablen werden auf verallgemeinerte lineare Modelle zurückgefuhrt. Damit werden auch die Probleme der Einbeziehung von quantitativen unabhängigen Variablen sowie der Berechnung von Freiheitsgraden und der Schätzung von Parametern bei fehlenden Zellen auf einfache Weise gelöst.
 
The current trend towards "scientifically validated medicine", as defined by 'Evidence Based Medicine', is discussed from the point of view of its implications for the medical profession. In a first step, its consequences for the relationships between the medical profession and the spheres of law, science, politics, and industry are considered. EBM provides opportunities for points of contact for different functional systems, allowing them to interact with the medical system in accordance with their own specific logic. In this sense medicine as a system may expect to be affected by intelligent interference from its environment and itself to react more intelligently, i.e. with an increase in complexity. The results of this analysis lead us to assume that EBM does not, in fact, simplify the conditions of medical science and practice as intended, but burdens it with increased complexity. In a second step, the dynamics of the profession are examined from the perspective of interaction theory. The standards expressed in evidence-based guidelines have legal standing and increase the demands placed on each individual physician, who can then respond either by increasing his or her autonomy or by resorting to a technocratic retreat. As shown in a third analytical step, the trend towards EBM can also be understood as a manner of staging knowledge. In this view, the above-mentioned conflicts would be defused, albeit in the long term at the expense of deconstructing the profession's own aspirations to maintain its scientific bases. If the trend towards EBM becomes exaggerated and results in an ideology of rationality, paradoxical effects are to be expected which could even go so far as to include a deprofessionalization and functional dedifferentiation of the medical professions.
 
Selten wurde über in der Öffentlichkeit stehende Personen so hitzig debattiert wie im Jahre 2011 über Karl Theodor zu Guttenberg und einige weitere ähnliche Fälle weniger prominenter Politikerinnen und Politiker. Sie stolperten nicht über eine politische Affäre oder einen peinlichen Fauxpas im Umgang mit Medienvertretern, sondern über folgenschweres wissenschaftliches Fehlverhalten. Im Fall zu Guttenberg stellte sich heraus, dass grosse Teile seiner Dissertation aus Werken anderer Autoren zusammengesetzt waren, es sich also um ein Plagiat handelte. Juristen bezeichnen als Plagiat »die nicht gekennzeichnete Übernahme kompletter Passagen aus dem Werk eines anderen Autors«, die »eine Täuschung über die Eigenständigkeit der erbrachten wissenschaftlichen Leistung« beinhaltet. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Übernahme fremden Gedankenguts »planmässig und nicht nur vereinzelt« erfolgt ist (Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg 2008: 285 ff.).
 
»Wer ›Schau‹ wünscht, gehe ins Lichtspiel…, wer ›Predigt‹ wünscht, gehe ins Konventikel1.« Nachdrücklich und immer wieder hat Max Weber die Indoktrination von Weltbildern, die Deutung des individuellen Schicksals wie des kollektiven Lebenssinns aus der Zuständigkeit des Wissenschaftlers und der in Universitäten institutionalisierten Wissenschaft abgewiesen. So wenig Politik in den Hörsaal gehöre, so wenig gehöre dorthin die Werbung für Deutungssysteme der Welterfahrung. »Andere Mächte als die Katheder der Universitäten haben da das Wort2.« Die Ausgrenzung der Sinngebung aus der Wissenschaft begründet sich mit methodischen Postulaten für das Verfahren empirischer Erkenntnisgewinnung. Für die Erfüllung der Deutungsbedürfnisse rechnet Max Weber mit Propheten und Demagogen, mit Institutionen, die sich auf die Sinngebung der Welt spezialisieren. Der Wissenschaftler wird verwiesen auf seine Fähigkeit, die »ethische Irrationalität der Welt«3 zu ertragen; die Wissenschaft könne ihm nur insoweit helfen, als sie ihn zwinge, stets aufs neue die Grundlagen und Konsequenzen subjektiver letzter Wertentscheidungen zu prüfen, das Bewußtsein seiner prinzipiellen Ungewißheit zu schärfen.
 
Ohne Zusammenfassung
 
Zusammenfassung Wie hat sich das Sozialprofil der Soziologieabsolventen in den letzten 20 Jahren verndert? Welche Tendenzen lassen sich fr die bergnge nach der Ausbildung in die Berufsttigkeit erkennen? Diese Fragen werden auf der Grundlage von drei Absolventenbefragungen an der LMU Mnchen fr die Abschlussjahrgnge 1978 bis 2000 beantwortet. Beim Sozialprofil zeigen sich bis auf die bekannte „Feminisierung“ des Fachs keine aufflligen Veranderungen. Der Vergleich der Abschlusskohorten belegt, dass die bergnge in die Berufsttigkeit fr die jngste Kohorte (1995–2000) am einfachsten ausfallen. Ein Jahr nach Ende des Studiums sind nur noch wenige Absolventen (5%) arbeitslos. Die Nicht-Erwerbsttigkeit ist allerdings in der jngsten Kohorte strker vertreten als zuvor. Ein Blick auf die Verwendung von Studieninhalten im Beruf belegt, dass neben der Methodenausbildung und den soziologischen Vertiefungsgebieten die klassischen Zusatzfcher des Mnchner Diplomstudiengangs (Psychologie, VWL und Statistik) im Beruf gefragt sind.
 
Zusammenfassung blicherweise wird unter europischer Integration der politische Zusammenschluss des EU-Staaten verstanden. In diesem Beitrag wird argumentiert, dass die Soziologie einen eigenen Begrift von europischer Integration braucht, der sich auf die Integration zwischen den neuropischen Gesellschaften in einer transnationalen Perspektive beziehen knnte. Von einem transaktionalistischen Ansatz her denkend werden mit gegenseitiger Relevanz und transnationaler Kohsion zwei Dimensionen der europischen Gesellschaftsintegration benannt und erlutert. Es wird argumentiert, dass genau dadurch, dass sich die Soziologie nicht primr die politische Integration im Rahmen der EU zum Gegenstand nimmt, sondern sich mit transnationaler Vergesellschaftung befasst, sie erstens das Thema Europisierung breiter in der Disziplin verankern kann und zweitens, als Nebeneffekt, anschlussfhig fr die (bislang) auf politische Prozesse spezialisierten Integration Studies wird.
 
Top-cited authors
Jürgen Gerhards
  • Freie Universität Berlin
Werner Vogd
  • Universität Witten/Herdecke
Jan Delhey
  • Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Richard Münch
  • Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Paul Kellermann
  • Alpen-Adria-Universität Klagenfurt