Publizistik

Published by Springer Verlag
Online ISSN: 1862-2569
Print ISSN: 0033-4006
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The emigration of newspaper scientists (a literal rendering of the then-used German term Zeitungswissenschaftler) is a largely unstudied subject. The author argues that emigration contributed immensely to a loss of social science perspectives in newspaper science. Simultaneously after 1933, the politicization of the academic field of newspaper science and its widespread adaption to the propaganda teachings of the national socialists impeded the handing down of approaches with a social science perspective. This fading out of social science perspectives also spread into the period after 1945; for now the disgraced academic field looked at the United States rather than at the approaches of the times of the Weimar republic. This article summarizes important approaches of Weimar period newspaper science and sociology, for instance by Gerhard Münzner or Karl Mannheim. The latter taught the sociology of the press and of public opinion in Heidelberg after 1928. It becomes clear that the academic milieu that combined newspaper science and sociology gradually abandoned stimulus-response perspectives from the late twenties on.
 
Non-far-right actors' attitudes towards the far right (in percentages)
Percentage of coverage containing debate on howto deal with the far right
In diesem Beitrag untersuchen wir, wie deutsche Tageszeitungen in den letzten zwanzig Jahren über Rechtsradikalismus berichtet haben. Dies geschieht mit einer systematisch-quantitativen Inhaltsanalyse der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung und der Bild-Zeitung. Insgesamt wurden 1621 Berichte aus neun Perioden zwischen 1986 und 2004 analysiert. Die Analyse zeigt, dass die Berichterstattung über Rechtsradikalismus in deutschen Zeitungen relativ einheitlich war. Die Zeitungen beschränkten sich hauptsächlich auf abweichende Aspekte des Rechtsradikalismus: die fremdenfeindlichen Standpunkte, die rechtsradikalen Akteure in juristischen Konflikten, die fremdenfeindliche Gewalt und die schlechten Beziehungen der Rechtsradikalen zu anderen Parteien. In den Jahren 1989, 1994 und 2004 war dies deutlicher zu sehen als in den anderen Jahren. Im Gegensatz zu niederländischen Zeitungen ist in deutschen Zeitungen keine Entwicklung hin zu einer offenen und vielfältigen Berichterstattung über diese Themen erkennbar. SZ und FAZ berichteten ausführlicher als die Bild-Zeitung. Erwartet wurde, dass die Bild-Zeitung mehr sensationell aufgemachte Berichte veröffentlichte, zum Beispiel über fremdenfeindliche Gewalt. Dies wurde allerdings nur teilweise bestätigt. This contribution aims to give a detailed description and analysis of the variations in newspaper coverage of the far right in Germany over a period of almost twenty years. The analysis is based on a systematic quantitative content analysis on three German newspapers that each serve a different audience, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung and Bild. A total of 1621 articles divided over nine time slots between 1986 and 2004 was analysed. The analysis showed that German newspapers’ portrayal was relatively unambiguous. The three newspapers had a limited focus on the deviating aspects of the far right: their xenophobic and exclusionist standpoints, their role as actors in legal conflict, their racist violence, and the bad relationships with other parties. This was very clear in 1989, 1994 and 2004. Contrary to the Dutch press, the German press did not show a trend towards a more open and diverse portrayal. The most significant difference between the newspapers is the amount of attention to the far right, which is much bigger in the quality press, and the visibility, which is bigger in Bild. A more sensational depiction expected in Bild was found in the data to a limited extent only.
 
Sowohl wahlsoziologische als auch politikwissenschaftliche und politökonomische Modelle und Analysen legen einen Einfluss der Wirtschaftslage auf die Wahlpräferenzen der Bevölkerung nahe, kommen aber im Einzelnen zu sehr verschiedenen Einschätzungen hinsichtlich der Stärke und Richtung dieses Einflusses. Dieser Beitrag unterzieht die Annahme, dass die Darstellung der Arbeitslosigkeit in den Fernsehnachrichten eine entscheidende intervenierende Variable zwischen realer Entwicklung und den Wahlpräferenzen darstellt, einer eingehenderen Analyse. Anhand einer Zeitreihenanalyse (August 1994 bis September 1998) wird gezeigt, dass die Berichterstattung der Fernsehnachrichten stark von den negativen Aspekten der Arbeitslosigkeit geprägt war. Obwohl sich keine direkten Effekte der Berichterstattung auf die Wahlpräferenzen für Volks- und Protestparteien feststellen lassen, übt die Darstellung des Arbeitsmarktes in den Medien indirekte, über weitere wahlrelevante Vorstellungen der Bevölkerung vermittelte Einflüsse auf die Wahlpräferenzen aus. There is a considerable amount of evidence suggesting that voters’ political preferences are influenced by domestic economic conditions. This paper examines the assumption that the connection between a specific economic development — unemployment — and the public’s voting preferences are mediated by the way in which television news cover unemployment. Using a time series analysis approach (August 1994–September 1998), it is shown that the media follow negative conditions in the labor market more closely than they follow positive conditions. Although television coverage fails to exert a direct effect on voting preferences for mainstream and radical parties, it does affect voting intentions independently and indirectly through its impact on the public’s perceptions of candidates, party competences and the perceived importance of unemployment as a national problem.
 
Die Kommunikationswissenschaft ist wie andere breit ausgerichtete Medienfächer durch starkes Wachstum und zunehmende Ausdifferenzierung und damit Unübersichtlichkeit gekennzeichnet. Davon betroffen sind auch die wissenschaftlichen Fachorganisationen. Die Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), die größte deutschsprachige Fachgesellschaft in diesem Bereich, hat daher Anfang 2003 eine Befragung ihrer Mitglieder durchgeführt. Im diesem Aufsatz wird über die Anlage und die Ergebnisse der Erhebung berichtet. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf der Wahrnehmung und Bewertung der Fachgesellschaft und den wissenschaftlichen Standpunkten ihrer Mitglieder. Bei verschiedenen Gruppierungen innerhalb der DGPuK sind abweichende Positionen und Meinungen festzustellen. Dies gilt vor allem für die weniger stark vertretenen wissenschaftlichen Richtungen (im Vergleich zum sozialwissenschaftlich-empirischen Mainstream), von denen die DGPuK häufig als einseitig wahrgenommen wird. Abweichungen zeigen sich auch bei den Mitgliedern aus der Kommunikationspraxis (im Vergleich zu den in Hochschulen tätigen Wissenschaftlern) sowei teilweise bei älteren Mitgliedern und Frauen. Die Befunde liefern damit nicht nur ein aktuelles Bild vom Zustand der DGPuK, sondern sie beleuchten auch die Lage und Entwicklung des Faches insgesamt.
 
Das kulturelle Hörfunkangebot in Deutschland hat in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends einen tief greifenden Wandel durchlaufen. An der Diskussion über die Kulturwellen beteiligen sich verschiedene gesellschaftliche Akteure und Interessengruppen. In diesem Text soll der Versuch unternommen werden, die verschiedenen Ebenen des Wandels zu rekonstruieren und in Zusammenhang zu bringen. Im Mittelpunkt stehen dabei das Legitimationsdilemma der öffentlich-rechtlichen Kulturwellen zwischen Quotendruck und Bildungsauftrag sowie der symbolische Kampf um die Deutungshoheit über Kultur zwischen Ökonomie und kulturellen Autoritäten. Zuvor werden jedoch die Stellung des Radios im Medienrepertoire, das allgemeine Radioangebot sowie das öffentlich-rechtliche und das privat-kommerzielle Angebot im kulturellen Sektor skizziert. Als Faktoren des Wandels werden schließlich (a) der medienspezifische Funktionswandel des Radios, (b) das Mediensystem als Rahmenbedingung, (c) die herrschende Legitimationsinstanz, (d) der Kulturbegriff, (e) der technologische Wandel und letztlich (f) das Programmangebot selbst identifiziert.
 
Der Beitrag geht der Frage nach, wie das Publikum massenmedialer Angebote aus Sicht der Rezipienten, die selbst einen Teil des Publikums darstellen, im Rezeptionsprozess abgebildet wird. Zur Beantwortung dieser Frage wird aus der Perspektive der empirisch-sozialwissenschaftlichen Kommunikationsforschung ein auf anonyme, nicht-erfahrbare Massenpublika bezogenes theoretisches Modell rezeptionssituativer Publikumsvorstellungen formuliert. Dem Modell zufolge machen sich Rezipienten, aufbauend auf ihren subjektivenMedientheorien und unter Berücksichtigung medialer Faktoren, in bestimmten Rezeptionssituationen ein Bild von ihrem anonymen Mit-Publikum. Diese Vorstellungen dürften Annahmen über die Größe, die Simultanität, die soziale Zusammensetzung und das Erleben der anderen Rezipienten umfassen. Es steht zu vermuten, dass formulierte Vorstellungen über das Mit-Publikum vor allem kognitive und affektive Phänomene des Rezeptionserlebens beeinflussen. Der Einfluss der Publikumsvorstellungen ist dem Modell zufolge umso größer, je stärker sie im Rezeptionsprozess vergegenwärtigt werden. Um fruchtbare Anwendungsbereiche und die integrative Kraft des Modells zu erläutern, diskutieren wir denkbare Auswirkungen auf Rezeptionsphänomene wie soziale Vergleichsprozesse oder Peinlichkeitsgefühle. Abschließend wird das Konzept der Publikumsvorstellungen modellhaft visualisiert und in bestehende Forschungskontexte eingeordnet.
 
Der Reliabilitätskoeffizient ist das einzige Gütemaß der Inhaltsanalyse. Er wird ermittelt durch Reliabilitätstests, deren Design für die Bewertung der ermittelten Koeffizienten und für den Schluss auf die Reliabilität der Inhaltsanalyse insgesamt von zentraler Bedeutung ist. Die vorliegende Studie zu Inhaltsanalysen in deutschen, europäischen und amerikanischen kommunikationswissenschaftlichen Fachzeitschriften der letzten zehn Jahre untersucht, ob und wie Reliabilitätstests dargestellt werden. Die Ergebnisse offenbaren ein erhebliches Dokumentationsdefizit: In deutschen und europäischen Fachzeitschriften werden Reliabilitäten überwiegend nicht erwähnt. Wenn Reliabilitätskoeffizienten genannt werden, dann fehlen häufig Angaben zum Sample und zu den getesteten Codierern. Nicht selten werden Reliabilitäten als unverständlicher Mittelwert für alle oder ausgesuchte Variablen angegeben. Der Beitrag schließt mit der Forderung, in Zukunft nicht nur die Angaben zur Reliabilität der analysierten Variablen mitzuteilen, sondern auch das Design eines Reliabilitätstests zu dokumentieren.
 
Unter dem Einfluss der Systemtheorie hat die Kommunikationswissenschaft weitgehend darauf verzichtet, individuellen journalistischen Leistungen nachzuspüren. Sie begibt sich damit der Möglichkeit, Textformen zu erkennen und zu deuten, die von Funktionsnormen abweichen und dennoch (oder gerade deshalb) publizistisch wirken. Vor allem in unfreien Gesellschaften erlaubt zum Beispied das Genre Feuilleton eigenwilligen und spöttischen Einspruch gegenMachthaber und Systeme. Beispielhaft stehen dafür Prosaminiaturen, die Heinz Knobloch über Jahrzehnte in der 〉Wochenpost〈 veröffentlichte. Unter DDR-Lesern außerordentlich beliebt, ermöglichten sie Woche für Woche Ausflüge in den Freiraum zwischen den Zeilen. Der Aufsatz zeigt mit einer Inhaltsanalyse von vier Feuilletons exemplarisch auf, wie der Autor den Alltag in der DDR in seiner Doppelbödigkeit eingefangen und ironisch pointiert hat. So wird eine Facette der DDR-Publizistik erkennbar, von der die Forschung bislang nur wenig Notiz genommen hat. Under the influence of systems theory, communication research has largely neglected to investigate individual journalistic performances. It thus abandons the possibility of recognizing and interpreting text forms that deviate from functional norms and still (or therefore) have effects. Primarily in illiberal societies, feature texts allow for original and mocking objections to those who wield power, and to the systems. An example of this are the prose miniatures that Heinz Knobloch published in 〉Wochenpost〈 over several decades. Extraordinarily well-liked among readers in the German Democratic Republic (GDR), they enabled their public to make trips into the space between the lines. In a content analysis of four features, the article demonstrates how the author captured, and ironically pointed at, the everyday reality of the GDR in its ambiguity. In this way, a facet of GDR mass communication so far hardly noticed by research becomes recognizable.
 
Abb. 2: theoriebezug  
Abb. 3: Art der Daten  
Abb. 4: Erhebungsmethoden (nur empirische Arbeiten mit erkennbarer Methode)  
Transfer ist ein E-Journal der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), das seit 1999 mit „sehr gut“ und „gut“ bewertete kommunikationswissenschaftliche Abschlussarbeiten aus dem deutsprachigen Raum in Form von Abstracts veröffentlicht und mittlerweile weit über tausend Arbeiten umfasst. Der Beitrag präsentiert eine Inhaltsanalyse aller Abstracts, die zwischen 1999 und 2008 erschienen sind (n = 1.056). Das Ziel besteht darin, mit der Analyse wissenschaftlicher Abschlussarbeiten einen Beitrag zum Fachverständnis der deutschsprachigen Kommunikationswissenschaft in Ergänzung zu bisherigen Publikations- und Befragungsstudien zu leisten. Die Inhaltsanalyse untersucht die behandelten Themen und Mediengattungen, die theoretische und empirische Orientierung der Arbeiten, die eingesetzte Methode sowie den Stellenwert der öffentlichen Kommunikation. Es zeigt sich unter anderem, dass sich die thematischen Schwerpunkte und die verwendeten Methoden in den vergangenen Jahren kaum verändert haben. Diskussionswürdig ist der geringe Anteil von Arbeiten, die sich explizit auf kommunikationswissenschaftliche Theorien oder Ansätze anderer Disziplinen beziehen. Das wirft die Frage auf, wo die Unterschiede zwischen einer universitären Ausbildung und Medienstudiengängen an Fachhochschulen liegen.
 
In der Kommunikationswissenschaft sind Befragungen der Absolventinnen und Absolventen eine verbreitete, aber wenig reflektierteMethode der Lehrevaluation. Angesichts des Bedeutungszuwachses der Evaluation an Hochschulen und wegen der großen Konkurrenz auf dem Ausbildungsmarkt scheint es angeraten, sich mit diesem Instrument intensiver zu beschäftigen. Befragungen der Absolventinnen und Absolventen haben den Vorteil, dass diese einen direkten Vergleich zwischen dem Studium und den in der Berufspraxis gestellten Anforderungen ziehen können. In einer Meta-Analyse wurden 19 Absolventenbefragungen ausgewertet, die in den Jahren 1995 bis 2004 im deutschsprachigen Raum durchgeführt worden sind. Die mangelnde Parallelisierung der Studien erschwert einen solchen Ex-post-Vergleich. Die Ergebnisse zeigen: Der Übergang in den Beruf findet an den Journalistik-Vollstudiengängen besonders rasch statt. Generell ist die Berufserfahrung das wichtigste Einstellungskriterium. Der überwiegende Teil der Befragten würde in den meisten Fällen das Fach wieder wählen. Künftige Absolventenbefragungen sollten koordiniert werden, um Vergleichbarkeit herzustellen und um für das Fach repräsentative Daten zu gewinnen.
 
Die Terror-Anschläge vom 11. September 2001 bildeten den Ausgangspunkt für den «war against terror» der USA, der am 7. Oktober 2001 mit den Kampfhandlungen in Afghanistan startete. Nach anfänglich breiter Unterstützung in der Weltöffentlichkeit schwand die Zustimmung nach einigen Wochen ohne nennenswerte Erfolge im Kampf gegen Al Kaida rasch. Um diesem wachsenden Unmut in der Weltöffentlichkeit entgegenzuwirken, schuf die US-Regierung im November 2001 das «Office for Strategic Influence» (OSI). Erklärtes Ziel des Büros: Werben um Verständnis und Zustimmung für den Krieg. Trotz schwieriger Quellenlage lässt sich die Arbeit des Büros nachzeichnen. In Afghanistan koordinierte das OSI bereits angelaufene «Information Operations», auf dem Meinungsmarkt im In- und Ausland war das Büro mit der Gründung des «Coalition Information Center» und der Zusammenarbeit mit Werbefachfrau Charlotte Beers sowie der Werbeagentur «Rendom Group» aktiv. Nach einer intensiven Skandalierung in der 〉New York Times〈 wurde das Büro am 25. Februar 2002 aufgelöst. Die Diskussion um das OSI konkretisierte dabei die vage Grenze zwischen öffentlich geduldeter, notwendiger Agitation und verwerflicher, für die Öffentlichkeit inakzeptabler Propaganda.
 
Aside from information, sense, etc., issues are a structuring element of human individual communication, of societal and of media communication. To date media science has been studying issues and their topical formations in context with agenda setting or news value research. What issues are, and how they evolve, remains unclear. The discussion of sociological models — such as the arenas modell — does not help either. Communication research is called upon to analyze issues in their factual, temporal, and social dimensions on the various layers of communication. Issues prove to be structured items of knowledge which are relatively stable but partly modified by social change. Their topical formation always connects with the stock of meaning and sense, with experiences and memories, which may vary more or less among the partners in communication and which are mostly inherited in socialization processes. Mass communication, i.e. primarily journalism, has generated sections for categorizing issues. With the future in view, however, their functionality may be questioned.
 
Im Februar 1999 wurde die These des Kriminologen und Sozialwissenschaftlers Christian Pfeiffer zu einem möglichen Zusammenhang von in den neuen Bundesländern gehäuft auftretenden fremdenfeindlichen Gewalttaten und der DDR-spezifischen Erziehung in Kinderkrippen,-gärten und -horten zum Auslöser für eine längere und heftige Diskussion in den Massenmedien und anderen Foren der Öffentlichkeit. In diesem Artikel geht es nicht um die Validität der These, der Argumentation und zugehörigen Arbeiten von Christian Pfeiffer, vielmehr interessieren Rezipientenbriefe als Reaktion der breiteren Öffentlichkeit auf eine massenmedial vermittelte These des Wissenschaftssystems. Ein Sample von n=283 Briefen — gerichtet an Zeitungen, aber auch an Fernseh- oder Hörfunkanstalten sowie an Christian Pfeiffer direkt adressiert — ist hierfür inhaltsanalytisch ausgewertet worden. Was enthalten diese Briefe? Wer fühlt sich zu einer Intervention animiert, ergeben sich Veränderungen über Zeit? Überwiegen die Briefe mit »festem Standpunkt« und voller »Selbstgewissheit« (Elisabeth Müller-Luckmann 1998)? Gibt es Chancen zur »Organisation von Sachlichkeit« (Friedhelm Neidhardt 1990)? Fragen wie diese werden zu beantworten versucht — und im Kontext einer systemtheoretischen Perspektive diskutiert.
 
The diffusion of HIV and AIDS as an issue in the discourse of the mass media is an important example of the formation of public opinion in our time. Drawing on various models of public opinion formation, this comprehensive genealogic case study of the presentation of HIV and AIDS in Danish mass media documents that strategies for the solving of conflicts around HIV and AIDS, on the one hand, originated from narrative patterns known from the discourse on other diseases, and were, on the other hand, increasingly affected by news factors crucial for public crisis management, irregularity and personalization. On the basis of this case study, a balance is drawn of research and theory about the models of public opinion formation, of the methods available for its study, and of the metatheoretical explanatory approaches by Habermas, Foucault and Luhmann. This leads the authors to posit that any study of public opinion formation that heeds the totality of the phenomena needs a combination of various theoretical and methodological elements in order to account for the historical context, the actors’ behavior and the systemic structures of public opinion formation.
 
Based on the intereffication model, the relationship between public relations and journalists was investigated, using the example of the press releases of the parties in the Saxonian State Parliament and the press coverage on these parties in Saxonian daily newspapers. The research is based on 486 press releases and 823 newspaper articles from the period of February to July 2000. They were coded both independently and comparatively. In this way both the adaption of journalism to PR and, vice versa, of PR to journalism can be ascertained. Merely 28 percent of the releases had a chance to be noticed in at least one of the papers, and merely a fourth of the total coverage of parties in parliament was occasioned by their press releases. When press releases were used, then mostly they were heavily edited by journalists, the more so the higher their news value was, and thus the alleged importance of their subjects. Political PR can, in certain degrees, affect its own success, most strongly by the frequency with which it appears and by using journalistic style. A paper’s editorial leanings, however, noticeably interact with the chances for success of a party’s PR. The intereffication model all in all proved to be a useful heuristic for grasping the relationship between PR and journalism.
 
The article analyses media use and media effects in the Wilhelmine empire. Based on secret police reports covering conversations in pubs, it tackles the question if and how the working and lower middle classes talked about newspaper stories. An analysis of conversations about selected scandals complements this focus, which is also discussed in relation to various theories of media effects. The study highlights the strong influence of the media in the decades around 1900. People in pubs quickly and extensively picked up topics covered in the press and used them in political conversations. All of the selected scandals were also debated in pubs. Newspaper readers had an astonishingly detailed knowledge even of events unrelated to their everyday life. Workers in particular often adopted the arguments presented in the Social Democratic press. However, they appropriated news quite often in a self-willed and unconventional way. News reports were connected with personal experiences, twisted in a playful and humorous way, or loaded with emotional exaggerations.
 
No doubt, newest technologies penetrate human communication in a way unheard of. We owe the knowledge about this and other happenings around the world to everyday public communication (Alltagspublizistik). Knowledge about the world (Bescheidwissen) is formed by medialized and technicalized circular societal processes as its own re-production and re-reception. In his »Zeitungs Lust und Nutz« of 1695, Kaspar Stieler was certain: »We honest people / living presently in the world / got to know this present world« — by reading newspapers. Some 300 years later, Niklas Luhmann certified in »Die Realität der Massenmedien« of 1996: »Whatever we know about our society, even about the world we live in, we know through the mass media.« Both authors’ ideas of a cultured semantics of newspapers or media, we acknowledge, to redescribe everyday public communication in relation to world society — before the horizon of a communicational culture. We start with a comparison of public communication and mass communication theories, both German and North American and we criticize traditional epistemological obstacles handed down in communications. Than, we discuss the concepts of communication, commonplace, and public(s) in historical perspectives, refering to the »knowledge about« (Bescheidwissen), »sensemaking« (Sinnmachen) and »comprehension for use« (Gebrauchsverstehen) — »homework« to be done as future research in everyday public communication.
 
»Nur auf dem Boden ganz harter Arbeit bereitet sich normalerweise der Einfall vor. Gewiß: nicht immer.« (Weber 1968: 590) Mit diesen Worten beschreibt Max Weber 1917 in seinem viel zitierten Vortrag »Wissenschaft als Beruf« ein neues Berufsverständnis. Nicht die göttliche Gnade des Charismas, nicht die intuitive Inspiration oder die ererbte Intelligenz werden als konstitutiv für eine erfolgreiche Tätigkeit in der Wissenschaft erkannt, sondern intellektuelle Varianten von Blut, Schweiß und Tränen, also: Fleiß, Ausdauer und Hartnäckigkeit. Webers Charakteristik bedeutet einen grundlegenden Wandel gegenüber professoralen Selbstbeschreibungen des 19. Jahrhunderts. Damit öffnet er prinzipiell das Berufsfeld für Neuzugänge: Durch »harte Arbeit« können auch Männer sozial niederer Stände in die Wissenschaft aufsteigen. Und – zumindest theoretisch – steht damit auch Frauen der Weg an die Universitäten offen. Davon jedoch war Weber noch ein weites Stück entfernt, für ihn bleibt der Hochschullehrer männlichen Geschlechts (vgl. Engler 2000: 122). Doch die Anerkennung von Leistungskriterien macht langfristig den Ausschluss von Frauen aus der Wissenschaft fragwürdig. »Man muß nun entweder behaupten, daß Frauen weniger arbeiten und leisten als Männer und deshalb seltener Professorinnen werden. Oder man muß eine Blickrichtung wählen, die berücksichtigt, daß neben den Zauberworten ‚Arbeit‘, ‚Leistung‘, ‚Qualifikation‘ etc. immer auch noch andere Dinge zählen – wie jeder weiß, der jemals Einblicke in Berufungsverfahren und Stellenbesetzungen im wissenschaftlichen Feld erhalten hat.« (Engler 2000: 123) Um nachzuvollziehen, warum die Rekrutierung an der Spitze der Universitäten nach wie vor hochgradig geschlechtshierarchisch verläuft, erscheint es sinnvoll, die unteren
 
Der Beitrag stellt eine neue empirische Methode zur Messung der öffentlichen Meinung im Internet vor: Mit einer Suchmaschine lassen sich im ersten Schritt alle Webseiten mit inhaltlich und öffentlich relevanten Aussagen zu einem bestimmten Thema finden und im zweiten Schritt inhaltlich analysieren. Um die Frage zu klären, welche Art von öffentlicher Meinung man mit dieser Methode erfasst, werden zunächst die zwei wesentlichen Paradigmen öffentlicher Meinung gegenübergestellt, die bisher kaum verbunden nebeneinanderstehen – diskursive und demoskopische öffentliche Meinung. Mit dem beschriebenen Verfahren ist erstmals ein eingeschränkter empirischer Vergleich zwischen beiden Ansätzen möglich. Für das politische Thema „Rauchverbot in Gaststätten“ wurde ein solcher Vergleich zwischen Internet-Inhaltsanalyse und Befragung durchgeführt. Er zeigt teilweise erstaunliche Parallelen zwischen diskursiver und demoskopischer öffentlicher Meinung, verdeutlicht aber auch die Unterschiede. Einige Überlegungen zum theoretischen und empirischen Potenzial des neuen Ansatzes beschließen den Beitrag. The paper introduces a new empirical approach for measuring public opinion in the Internet: In a first step, all web pages containing relevant messages dealing with a specific issue are retrieved with a search engine. The pages are then content-analyzed in a second step. To answer the theoretical question of which kind of public opinion is registered by applying this method, the two basic paradigms of public opinion, which have hardly ever been connected so far, are discussed: public opinion as discourse and public opinion as measured by surveys. For the first time, both paradigms can be empirically compared by using a survey on the one hand, and the search engine based content analysis of web pages on the other. We conducted such a comparison for the issue of a smoking ban in restaurants, which was heavily discussed in Germany in 2007. The results reveal some fascinating parallels between both data sets and some differences, which are quite well in line with the theoretical assumptions. The paper finishes with some considerations on the theoretical and empirical capabilities of the approach.
 
The suppliers of new television services welcome the digitalization of television in Germany because it may boost the establishing of interactive television and open up new business options. So far research into the potential of such services has yielded mixed results. However, most studies so far have only investigated the general intention to adopt new services and did not regard real adoption. Moreover all German studies follow a strict cross-sectional design and are therefore unable to detect the dynamics of the process of diffusion. We combine data on the adoption of new services from a longitudinal study with data from a quasi-experimental design in order to dig deeper into the dynamics of the diffusion of innovations in the television sector. We identify key events – besides other well-known influences – as crucial factors in the process of the diffusion of media innovations. Key events alter the process by activating the communication about innovations.
 
The orders for the press issued by the national-socialist regime before World War II have for some years been available to research. So far, they have mostly been used exemplarily as a source for centemporary history. This article now presents results of a systematic analysis from a cultural studies perspective. An artificially constructed month with material from the years 1933, 1935 and 1937 was analyzed with issues from the field of communication history in mind. Results: (1) Rather than imposing Nazi ideology on the German population, the orders for the press aimed at the regime’s international reputation and at avoiding international conflict. (2) Even if today’s standards are applied, a considerable part of national-socialist control of the press was in accordance with journalistis’ standards and practices. (3) This is even more true when the German tradition of opinion journalism is taken into account. The Nazi regime did away with the plurality of political positions in journalism, but related to the journalists’ self-conception of the time as political voices side by side with government and state. This conception made press control and censorship plausible. Whether the affinity between press orders and journalists’ mentality are evidence of the cleverness of national-socialist press policies or of the lack of autonomy of German journalism of the time is an issue that has to be left to future research.
 
Im vergangenen Jahr kandidierte für die amerikanische Präsidentschaft ein Bewerber, der sich in früheren Jahren als Medientheoretiker versucht hatte. Albert A. Gore beschloss sein Studium an der Harvard University 1969 mit einer Untersuchung über die Einwirkung des Fernsehens auf die Amtsführung des Staats- und Regierungschefs. Von Truman bis Nixon haben die Präsidenten, jeder auf seine Weise, sich darum bemüht, den richtigen Umgang mit den Medien zu finden. Die Präsidentschaft konnte nicht umhin, sich den Bedürfnissen der elektronischen Information und Meinungsbildung anzupassen. Gore führt den Begriff der »visuellen Rhetorik« ein und sieht voraus, dass die Präsidenten das Fernsehen als eines der wichtigsten Instrumente des Regierens benutzen werden. Die Entwicklung hat seine Vorhersage bestätigt. Albert A. Gore jr., former vice president of the Unites States and last year’s Democratic presidential candidate, has a remote history as a media theorist. In his senior thesis at Harvard (1969) he examined the impact of television on the conduct of the presidency. Gore points out that from Truman to Nixon presidential communication techniques and skills show different levels of ability in dealing with the media. The executive branch gradually is forced to keep up with the exigencies of electronic information and opinion shaping. Gore introduces the concept of »visual rhetoric« and predicts that the use of television will become one of the principal tools of presidential governance. His forecast proved true.
 
In times of information and advertising overload, cross-media campaigns seem to be a helpful strategy in mass-media advertising. The cross-media concept is based on three pillars: First, ads are circulated applying different media outlets (media mix). Second, all advertising material is following a integrated communication strategy. Third, ads contain references or pointers to other ads or communication channels (website, e-mail, telephone, etc.), adverting recipients to other media and motivating them to visit or use these media (so-called ‘appeal to use’). The paper reports on a content analysis of n = 4.066 German TV commercials, newspaper, magazine and billboard ads and focuses on the amount and composition of such cross-media references. Besides a cross-section analysis of all four media channels in the year 2007, a longitudinal section analysis of TV commercials from 1997 to 2007 was conducted. The study reveals that cross-media references are broadly diffused in all media channels, especially in advertising with a rational and argumentative appeal (as opposed to mere emotional appeal and imagery) and in advertising of high-involvement products. Nonetheless more than half of all cross-media references do not communicate any appeal to use. Thus, we suppose that a large portion of cross-media references are not applied within truly integrated advertising strategies. As the paper finally discusses, real cross-media strategies are only suited to specific advertising tasks and will, therefore, remain one advertising strategy among others in the future.
 
As new media technologies develop and become established, the supply of media services expands. Along with this development, the question arises of how this affects traditional media. As other new media have, the Internet, too, has triggered debates about the future of the «old» media. This paper discusses whether the proliferation of the World Wide Web can have effects on television use. To do this, both relevant theoretical approaches and the state of empirical research are introduced and discussed. Present research results do not consider the systematic difference between cognitive schemata concerning media use as they are reproduced in face-to-face interviews on the one hand, and actual media use on the other. An innovative research concept is developed that takes this critique into account and differentiates between gratification expectations and situational gratifications sought and obtained. As regards gratification expectations, television is superior to the World Wide Web. It is more powerful on all gratification dimensions. Considering actual use, though, the World Wide Web has already outstripped television on some of the dimensions. It is used more often to satisfy specific needs. Thus, cognitive schemata of media use lag behind the actual changes in every day life.
 
Dieser Beitrag untersucht mit Hilfe des Impliziten-Assoziations-Tests (IAT) stereotypes Denken, das Rezipienten den medialen Darstellungen von Athleten mit Behinderung entgegenbringen. In drei Vorstudien wurden zunächst relevante Eigenschaftsbegriffe zu den Bereichen „Sport“ und „Behinderung“ ermittelt (n = 143) und hinsichtlich ihrer Valenz sowie sozialen Bedeutsamkeit getestet (n = 102). Die ermittelten Begrifflichkeiten dienten der Bildbeurteilung von Athleten mit und ohne Behinderung (n = 85). Die Hauptuntersuchung des daraufhin konzipierten IAT ergab bei einer Stichprobe von Studierenden (n = 41) systematisch geringere Latenzzeiten bei stereotypkonformen Kategorisierungen (Behinderung – schlecht) als bei nonkonformen (Behinderung – gut) sowie eine systematisch geringere Fehlerzahl unter der konformen Bedingung. Werden die Ergebnisse hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Implikationen betrachtet, stellt die angemessene massenmediale (Sport-)Kommunikation über Menschen mit Behinderung eine wichtige Notwendigkeit zur Reformierung negativer Assoziationen dar, die Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft entgegengebracht werden.
 
In view of the many military and warlike conflicts, the term »propaganda« is often used in both press coverage and in scientific analysis. It is widely ambiguous though what exactly is meant by propaganda, and to what extent it can be distinguished from similar forms of communication, such as public relations and advertising. Reviewing previous approaches concerning propaganda and using the totalitarism approach, this article argues that propaganda can only be defined as a process of communication that puts forward extensive claims which are to be enforced by the use of an ideological system. In contrast, public relations and advertising merely put forward particular resp. singular claims which are to be bolstered by the use of images and positive pictures. With regard to propaganda, the structural links between the political and the public system are so tight that the autonomy of the public system is partly or completely annihilated. As a communication process tied to the formation of power, propaganda works with the symbolically generalized communication medium of power and, owing to its ideological foundation, also with the medium of truth.
 
Abb. 2: Gewohnheit, Zeit, Anpassung und Alterung als Einfl üsse auf die Sehzeiten des öffentlich-rechtlichen und des privaten Rundfunks in Geburtskohorten
Untersucht wird die Nutzung öffentlich-rechtlicher, privater und aller Fernsehsender in der Freizeit von 18 bis 23 Uhr nach der Einführung des Dualen Systems von 1987 bis 1996. Unabhängige Variablen sind der soziale Status, soziale Bindungen sowie Übergangsmotivationen: die Empfangsmöglichkeit privater Sender, die Kohortenzugehörigkeit und die Zeit. Datengrundlage bilden die Media-Analysen 1987–1996. Regressionsanalysen zeigen, dass die Kohorten zwar als Indikator von Gewohnheiten genommen werden können, aber der Übergang durch Gewohnheiten nur zu einem Teil erklärt wird und zum größeren Teil der Residualgröße Zeit zugerechnet werden muss. The use of public, private, and all television broadcasting channels in the leisure time between 6 and 11 p.m. after the establishment of the dual broadcasting system in Germany is analyzed for the period between 1987 and 1996. The independent variables are social status, social relationships, as well as transition motivations: the capacity to receive private stations, cohort membership, and time. Data bases are the Media-Analysen 1987–1996. Regression analyses show that the transition can only partly be explained by transition motivations and must be more strongly accounted for by time.
 
Trotz des zunehmenden Anteils älterer Menschen an unserer Gesellschaft beschäftigt sich die Medienwissenschaft selten mit dieser Nutzergruppe. Bestehende Studien beschränken sich vielfach nur auf die Betrachtung des kalendarischen Alters und versäumen zudem einen theoretischen Zugang. Vorliegende Untersuchung greift theoretische Hinweise aus der Alter(n)sforschung auf, die »Altern« als mehrdimensionalen Prozess beschreibt, und verknüpft sie mit nutzerorientierten Perspektiven der Publikumsforschung. Die theoretischen Überlegungen werden anhand qualitativer Daten nachgezeichnet, die aus Leitfadeninterviews mit älteren Menschen gewonnen wurden. Dabei gelingt es, Erwartungen, Bewertungen und Ressourcen, die das Medienhandeln in der spezifischen sozialen Lage »Alter« determinieren, differenziert zu erklären. Although the share of older people in our society increases, the media sciences rarely examine this group of media users. Existing studies often limit themselves to chronological age and neglect a more theoretical approach. This study includes theoretical references from gerontological research, which describes aging as a multidimensional process, and links them to user-oriented perspectives of mass communication research. Referring to qualitative data from interviews with elderly people, the study achieves to identify prospects, appraisals and resources, which influence media use of people in the process of aging.
 
The importance of the internet has increased significantly in recent years. The easy access of this »new« medium sparked many hopes for a democratization of the public sphere and of public debate: Many authors argued that the internet will make actors and interpretations of topics visible to those parts of the broader public who are usually marginalized in »old« mass media. In an empirical analysis, we compared print media coverage and internet communication to assess these claims. For the case of human genome research — i.e. a bioscientific topic that reseived extensive media attention in Germany —, we analyzed which actors were given public standing and which frames came to the fore. In contrast to the claims mentioned above, our findings indicate that the debate in the internet does not differ to a significant extent from the offline debate in print media. We could not find a more egalitarian, democratic communication in the internet.
 
This article mainly concentrates on two questions: 1. What functions does an internal corporate communication perform in a learning organization, and in relation to knowledge management? 2. Under which conditions or circumstances can internal corporate communication fulfill these functions? In the concepts of organizational learning and knowledge management, internal communication gains an important productive function in generating, processing and saving knowledge. Instruments and tools such as face-to-face communication, internal magazines, information boards and the use of an intranet are discussed. As far as the generation, production and saving of knowledge are concerned, the instrument of face-to-face communication and the intranet are gaining special importance. In order to cope with these functional challenges, the internal corporate communication has to institutionalize selective incentives and motivating factors. For generating and saving knowledge, the actors’ reception of these media of communication seems of great importance also: Only a unified «community of practice» is able to transform information into knowledge.
 
Mehr als 20 Jahre nach Erscheinen der beiden Grundlagenartikel zum DTA ergibt eine systematische Recherche der Fachliteratur, dass die Resonanz erstaunlich stark gewesen ist. Der DTA wurde in Lehrbüchern, Theorie- und Forschungsüberblicken beschrieben und diskutiert. Meist geschah dies als eher selbstverständliche Erwähnung, oft aber auch mit positiver oder negativer Wertung. Die hartnäckigsten Einwände, wie Überkomplexität und fehlende empirische Überprüfbarkeit, werden noch einmal aufgegriffen und entkräftet. Insgesamt zeigt sich, dass der DTA nicht nur theoretische Impulse setzte, sondern auch als forschungsleitendes Konzept zu neuen und originellen Erkenntnissen führte. More than 20 years after the two basic articles on the dynamic-transactional approach (DTA) appeared, a systematic look into the scholarly literature shows that the resonance to the approach was astonishingly strong. The DTA was described and discussed in textbooks and in overviews of theory and research. Mostly, this happened more in form of casual mentions, but often also along with positive or negative evaluations. This article takes up again, and refutes, the most resistant objections against DTA, such as overcomplexity and a lacking propensity for empirical testing. As a bottom line, it is shown that DTA not only gave new momentum to theory, but also led, as a concept for guiding research, to new and original insights.
 
Mediennutzerinnen und Mediennutzer lesen neben klassischen journalistischen Erzeugnissen zunehmend von Usern publizierte Texte im Internet wie zum Beispiel in Weblogs. Wie orientieren sich Rezipienten in diesem Angebot, wie beurteilen sie die Qualität und welche medienethischen Standards legen sie bei der Lektüre von Weblogs im Gegensatz zu Zeitungsartikeln an? Diesen Fragen widmen sich zwei empirische Studien. In einer Befragung beurteilten 702 Internetnutzerinnen und -nutzer ihre Erwartungen an die journalistische Qualität und an die Einhaltung medienethischer Standards bei Blogs im Gegensatz zu Tageszeitungen zunächst rein theoretisch. In einem darauf aufbauenden Experiment (2 × 2-Design) bewerteten 120 Probandinnen und Probanden einen journalistischen Text mit variierenden Quelleninformationen (Blog/Tageszeitung) und von unterschiedlicher ethischer Brisanz (ethisch fragwürdig/neutral) nach der Lektüre im Hinblick auf dessen Qualität und ethische Standards. Die Ergebnisse zeigen, dass bei Tageszeitungen zwar eher journalistische Qualität erwartet wird als bei Blogs, bei der Lektüre werden die Texte jedoch anhand der gelesenen Inhalte und nicht anhand der Quelleninformation bewertet. Ethisch fragwürdige Texte, die in einer Tageszeitung erscheinen, werden ebenso abgelehnt wie ethisch fragwürdige Blogbeiträge. Besides classical journalistic products, media users increasingly tend to read texts on the internet published by other users, as in weblogs. How do users navigate among these offers, how do they evaluate the quality, and which standards in terms of media ethics do they apply when reading weblogs compared to newspaper articles? Two empirical studies address these questions. In a survey, 702 internet users rated their theoretical expectations in terms of journalistic quality and compliance with ethical standards, comparing weblogs and daily newspapers. In a consecutive 2 × 2 experimental design, 120 participants read a journalistic text with varying source information (weblog/daily newspaper) and varying degree of adherence to ethical standards (ethically questionable/neutral). Participants then rated the quality of the text and its ethical standards. Results indicate that daily newspapers more than blogs are expected to deliver journalistic quality. But when read, texts are evaluated according to their content rather than their source. Ethically questionable texts in newspapers are disapproved as much as ethically questionable blog postings.
 
This article serves as an introduction to the tow following articles on media ethics by Thomas Hausmanninger and Horst Pöttker, which grew out of presentations at the most recent annual meeting of the communication and media ethics section of the DGPuK and the »Netzwerk Medienethik«. It sketches the problem of institutionally establishing media ethics as a form of applied ethics in university teaching. It further argues that steps must also be taken on the level of media organizations to create the preconditions for responsible behavior in the media: Ethical values specific to the profession must be internalized by individuals as norms that guide action, and anchored as guiding principles in media organizations. In addition to this orientational function of applied ethics, media ethics also has a reflective function. This encompasses the moral philosophical task of reflecting on media actions and the media system from an ethical perspective and of justifying norms and values in media ethics. It would be highly beneficial if media ethics gained greater recognition and became more strongly institutionalized within the university as a subdiscipline of communication studies.
 
In der Publizistikwissenschaft lebt ein altes Thema wieder auf: Die Kritik an einem Einfluss der Werbekunden auf den redaktionellen Teil von Printmedien. Begründet wird die Annahme — die sich erstmals in Aufsätzen von Karl Bücher aus den Zwanzigerjahren findet — vor allem mit den Erlösstrukturen der Printverlage, d.h. mit der klaren Dominanz der Anzeigen-über die Vertriebseinnahmen, und dem immer schärferen Kostenwettbewerb. Hieraus wird eine Anfälligkeit der Verlage abgeleitet, den Wünschen der Anzeigenkunden auch dann nachzugeben, wenn sie nicht mehr nur die auf dem Anzeigenmarkt gehandelten Leistungen, sondern auch die Gestaltung des redaktionellen Teils betreffen. Da in der Folge das Produkt des Lesermarktes von den Nachfragerpräferenzen auf dem Anzeigenmarkt mitbestimmt würde, werden negative Konsequenzen für die publizistische Qualität vorausgesagt. Der vorliegende Beitrag untersucht zunächst die Qualitätskriterien auf dem Anzeigenmarkt sowie dessen Interdependenzen mit dem Lesermarkt, um anschließend zu einer Einschätzung über die (potenziellen) Folgen eines Einflusses der Werbeseite auf das journalistische Produkt zu gelangen und zu einem Erklärungsmodell über die relevanten Mechanismen anzusetzen.
 
The present paper deals with the forms of de-differentiation between print media, TV and online media. These forms are are promoted and supported by cross media strategies. The empirical analysis is based upon an inter- and intra-media comparison of the products of the print edition, the TV magazine and the online edition of the journalistic brands 〉Spiegel〈, 〉Stern〈 and 〉Focus〈. Media products are analysed via content analysis; the conditions and circumstances under which media content is produced are examined via face-to-face interviews. The central question is: How does the (economic) process of de-differentiation affect the composition of the media product and the conditions under which journalistic work takes place. The results indicate a complementary structure of different media types, which all fulfil a (more or less) unique journalistic function. Even if forms of de-differentiation between the media types of print, TV and online are more than ever technically possible and economically intended, there are relatively few — but manifest — indicators of processes of adaptation. Nevertheless, these few indicators are significant on the level of the communicators and tend to be less definitive on the (observable) level of the media output.
 
Der Artikel dokumentiert eine Sekundäranalyse von Daten, die im Rahmen des DFG-Projektes »Wählerwanderung und Politikverdrossenheit« 1994 erhoben wurden. Diese Daten ermöglichen es, zeitreihenanalytische Verfahren auf Tagesbasis anzuwenden. Im Fokus steht dabei ein Baustein der Agenda-Setting-Forschung, der an Überlegungen von Marcus Maurer in dieser Zeitschrift anknüpft: das Paradox der Medienwirkung auf Nichtnutzer. Allerdings steht hier nicht das messtheoretische, sondern das theoretische Paradox im Vordergrund: Kann es Medienwirkungen auf Nichtnutzer geben? Dabei wird der vermutete Effekt der Medienwirkungsforschung anhand eines Vergleichs zwischen Täglichnutzern und Seltenernutzern von Fernsehnachrichten ermittelt. Alle Modellierungen bestätigen die Agenda-Setting-Hypothese, da es zeitversetzt signifikante Effekte der Medienagenda auf die Publikumsagenden gibt, aber keine zeitversetzten Effekte der Publikumsagenden auf die Medienagenda. Zudem findet sich ein indirekter Effekt auf die Seltenernutzer. Weil sie nicht täglich Fernsehnachrichten nutzen, erfahren sie keinen direkten, zeitnahen Bewusstseinsimpuls durch den Medieninput. Stattdessen zeigt sich ein signifikanter Effekt nach drei Tagen, den wir als Gesprächseffekt interpretieren, mit dem der Medieneffekt auf die Täglichnutzer an die anderen weitergegeben wird.
 
The media are becoming more and more media-referential. This thesis has become quite common among communication scholars. When reviewing the relevant literature, however, it becomes clear that terms such as self-referentiality or media-orientation are used to decribe a great variety of different phenomena. In addition, there is a lack of empirical evidence to support the notion of a growing frequency of media references in the media. Moreover, the discussion about media reliance and its changes is based on different theoretical approaches, some of which do not make any reference to other such approaches. Against that backdrop, this article first identifies different dimensions of self-or media-referentiality. Second, empirical evidence is presented that speaks for or against an increase of self-or media-referentiality. Third, the usual theoretical approaches used in explanations of self-or media-referentiality are discussed. Fourth, it is explained how an integrative social theory — the structural-individualistic approach — can be used as a basis for the explanation of changes in self-or media-referentiality. Finally, possible effects of such a development are discussed.
 
Die Ziele von Strafprozessen bestehen in der Feststellung der Tatsachen und ihrer Beurteilung anhand des geltenden Rechts. Untersucht wird, wie Medienberichte den Ablauf und das Ergebnis von Strafprozessen beeinflussen. Grundlage ist eine Online-Befragung von 447 Richtern und 271 Staatsanwälten. Ermittelt wurden die Nutzung der Berichte über eigene Verfahren; die wahrgenommenen Fehler der Berichterstattung; die Intensität der erlebten medialen Kritik; die emotionalen Reaktionen auf mediale Kritik; der wahrgenommene Einfluss der Berichte auf Laien und Experten im Gerichtssaal; die Orientierung des eigenen Verhaltens an der Öffentlichkeit sowie der wahrgenommene Einfluss der Berichte auf das Strafmaß. Das darauf beruhende Strukturgleichungsmodell weist einen signifikanten Einfluss der Nutzung von Medienberichten auf das Strafmaß aus. Ein schwächerer Pfad verläuft direkt von der Nutzung zum Strafmaß, ein stärkerer Pfad vermittelt über Emotionen, die die Berichterstattung hervorgerufen hat. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der Theorien der Generalprävention und der ihnen zugrunde liegenden Annahmen über die Bedeutung der Öffentlichkeit für Strafprozesse diskutiert.
 
Das Verhältnis von Journalismus und Public Relations (PR) wurde bislang kaum historisch beleuchtet. In der Literatur wird jedoch darauf hingewiesen, dass es notwendig sei, die Ko-Evolution, d. h. die aufeinander bezogene Entwicklung beider Systeme, systematisch zu untersuchen. Der vorliegende Aufsatz leistet hierzu einen ersten Beitrag und konzentriert sich dabei auf die Entstehung von PR. Dazu wird Literatur zur PR-Geschichte analysiert, die bislang nicht systematisch unter dieser Perspektive aufgearbeitet wurde. Die Analyse ergibt, dass die Entstehung von PR in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Gegenreaktion auf die Dominanz des Meinungsjournalismus darstellt, welche die Zugangsbarrieren zur massenmedialen Öffentlichkeit verstärkte. Daneben bestätigt sich, dass die gewachsene Bedeutung der massenmedialen Öffentlichkeit sowie der gestiegene Legitimationsdruck gesellschaftlicher Akteure bzw. Organisationen in einer sich verändernden Gesellschaft eine wichtige Rolle für die Herausbildung von PR spielten. Diese Erkenntnisse lassen sich in das Konzept der Rationalisierung gesellschaftlicher Kommunikation einordnen, das auch den Anschluss an die Systemtheorie ermöglicht. There are many research findings and some theoretical models in regard of the interaction between journalism and public relations (PR). But hardly any research has so far looked at this relationship from an historical perspective, an endeavor also called the ‘co-evolution’ of PR and journalism. The aim of this article is to make a first step into the analysis of this co-evolution with a focus on the emergence of PR and based on literature about the history of PR. The analysis shows that the rise of PR in the second half of the 19th century was a reaction to the development of journalism, which had become increasingly polemic. Thus for many social protagonists and organizations the barriers to enter the public arena were raised. At the same time the importance of the mass media and furthermore the pressure on social protagonists and organizations to legitimize their interests in a changing society were growing. These results support a theoretical concept that describes the development of mass communication as processes of rationalization of societal communication, which can be linked with theories of social systems.
 
The television documentary series »Holokaust« (person in charge: Guido Knopp), which was broadcast at the end of 2000, was subject to varied public response. In general, the producers’ formal strategy was criticised. In particular it was held that an emotional presentation of the events impeded cognitive effects. Therefore the empirical study focuses on the affective presentation of events in the documentary »Holokaust«. It examines the effects the affective presentation of burdening contents has on anti-Semitic attitudes of the viewers. The results of the study are based on an experiment with 282 persons (12 high school classes). One episode of the documentary was shown in different versions, each with a different degree of emotional content. The effects on the viewers were measured immediately after the version was shown, and then again two weeks later. Contrary to the criticism, the results show that the version with the most emotional and burdening contents brings about the largest change of attitudes. The study also shows a decline in anti-Semitic attitudes after the viewing, but in the course of time the earlier attitudes are resumed.
 
Die Entwicklung im Mediensektor scheint für eine zunehmende Dominanz wirtschaftlicher Kriterien zu sprechen. Im vorliegenden Aufsatz werden auf der Basis systemtheoretischer Überlegungen grundlegende Aussagen über die Interdependenz zwischen Publizistik und Wirtschaft entworfen. Die konsequente analytische Trennung eines publizistischen Marktes, auf dem die knappe Ressource Aufmerksamkeit getauscht wird, von einem Wirtschaftsmarkt, für den die Ressource Geld maßgebend ist, führt zu einer veränderten Konzeption des Interdependenzverhältnisses der beiden Funktionssysteme und zu spezifischen Anforderungen an eine publizistisch orientierte Medienökonomie, welche nicht nur die traditionellen Massenmedien einschließt, sondern in der Lage ist, auch neue Kommunikationsformen wie z.B. das Internet zu berücksichtigen. In recent years economic influences seem to have grown stronger in the media system. This general impression, however, is not supported by general systems theory. Analytically it is possible to distinguish a market trading attention from a market trading money. The interplay of both markets shows a different kind of interdependence between the media system and the economic system. The eminent importance of the market of attention and the far-reaching consequences for media economics are revealed. The latter is a promising area which should incorporate traditional mass media as well as new communication technologies such as the internet.
 
Top-cited authors
Hans Mathias Kepplinger
  • Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Hartmut Wessler
  • Universität Mannheim
Sabine Trepte
  • University of Hohenheim
Karin Knop
Thorsten Quandt
  • University of Münster