MedienPädagogik Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung

Published by Sektion Medienpadagogik der Deutschen Gesellschaft fur Erziehungswissenschaft - DGfE
Online ISSN: 1424-3636
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Der ganzheitliche Blick auf das Kinderfernsehen, der die Kinder und ihren Umgang mit Fernsehen mitbedenkt, ist heute selbstverständlich. So wird beispielsweise Qualität von den Kindern her, von der Funktion der Fernsehangebote in ihrem Alltagsleben bestimmt. Was nun theoretisch ansteht, ist der Blick auf den gemeinsamen kulturellen Rahmen, der Fernsehen ebenso wie Kindheit verändert.
 
Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit der Wirkung eines problemorientierten virtuellen Seminarkonzepts, das integraler Bestandteil des regulären Studienangebots der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Virtuellen Hochschule Bayern ist. Zunächst werden die Gestaltungsprinzipien problemorientierter Lernumgebungen und deren Umsetzungsmöglichkeiten in virtuellen Seminaren erläutert. Zwei nach diesem Konzept gestaltete Seminare aus unterschiedlichen Domänen («Gestaltung und Evaluation problemorientierter Lernumgebungen» und «Einführung in das Wissensmanagement aus pädagogisch-psychologischer Perspektive») sollen vorgestellt werden. Zur Wirkungsanalyse dieser beiden Seminare werden die Akzeptanz, der Lernprozess und der Lernerfolg erhoben. Die Ergebnisse der Analyse weisen darauf hin, dass die Lernenden die virtuellen Seminare in hohem Masse akzeptieren. Ebenfalls positive Befunde können in Hinblick auf den Lernprozess (auf motivationaler, kognitiver und sozialer Ebene) bescheinigt werden. Theoretisches Fakten- und Konzeptwissen sowie Anwendungswissen werden von den Lernenden nachweislich erworben. Letzteres zeigt im Vergleich zu Fakten- und Konzeptwissen jedoch auffallend höhere Scores, was Fragen hinsichtlich der Weiterentwicklung des Seminarkonzepts aufwirft.
 
Die didaktische Ontologie der Webdidaktik ermöglicht die Qualitätssicherung von Prozessen und Ergebnissen bei der Produktion von Online- Lernumgebungen. Die Qualität wird durch die am pädagogischen Prozess beteiligten Menschen bestimmt. Der Qualitätssicherungsprozess kann durch Software unterstützt werden. Für diese Prozesse der Qualitätssicherung bringt der Autor Beispiele aus dem Lerndorf (www.lerndorf.de) und der Lernumgebung des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojekt «Zentrum für Umweltwissen und Bildung» (ZUB).
 
Lernende eignen sich bei der Navigation in OnlineLernumgebungen Wissen an. Studien, die diese Aneignung von Wissen untersuchen, stellen dabei häufig die Frage nach dem Resultat des Aneignungsprozesses in den Mittelpunkt. Dieser Zugang mit der Frage nach Effektivität und Effizienz dominiert die gegenwärtige Perspektive auf E-Learning – gerade auch im Vergleich zu traditionellen Medien wie dem Buch.
 
Mass communication as our familiar mode of a medial organised public is integrated into the current cultural change of society. The article takes a look at one aspect of this change, which comes along with a shift in the function of the recipient with regard to medial texts. Reception takes over essential functions of text production, which until then has been left to the authors and broadcasters. While the distinct, coherent medium is no longer shaping our mass communication as token for granted, new text types like intramedial links gain importance. They give the recipient the possibility to combine media offers into a kind of personalised units, which fit in the recipients' relevance structures.
 
Discussions on the topic of virtual communities are increasing in theory and practice. But the description of the phenomenon virtual communities is still quite diffuse. In this contribution characteristics and design criteria of virtual communities are described. On the basis of the characterization of knowledge management processes in virtual communities three examples of virtual communities are described briefly. Virtuelle Communities sind ein zunehmend intensiv diskutiertes Thema in Wissenschaft und Praxis. Die Beschreibung des Phänomens virtueller Gemeinschaften ist jedoch noch relativ unscharf. Im folgenden Beitrag liegt der Fokus auf der Beschreibung von Kennzeichen und Gestaltungsprinzipien virtueller Communities. Vor dem Hintergrund von Wissensmanagementprozessen in virtuellen Gemeinschaften werden darüber hinaus drei Anwendungskontexte anhand von konkreten Beispielen genauer betrachtet.
 
The cultural relation between media and its users is undergoing transition. One influence comes from the changing quality of the interrelation of media, commodities and events. This essay is an attempt to reveal the quality of this development by using two strands of argumentation. Firstly the cultural form (Raymond Williams 1975) of the relation between media, commodities, and situation for which Popstars is an example. The second strand of the essay will deal with the socialization process resultant from of this transitional cultural form. Differently expressed with a more actual wording of the available theories, a specific socialization process emerges with the complex of multimedia, intertextual cultural products, landscapes and mediated spaces of childhood.
 
In den letzten Jahren wurden an den meisten Hochschulen im In- und Ausland E-Learning-Projekte in die Wege geleitet. Nach den Projekt- und Impulsprogrammen folgen die Konsolidierungsphasen. Schon während der Projektphasen zeigen sich Problemgruppen, die darauf verweisen, dass E-Learning nicht «nur» eine Angelegenheit der Pädagogik und Didaktik ist. Der erste Teil des Aufsatzes benennt einzelne dieser Problemfelder. Der zweite Teil zeigt auf, dass E-Learning die Hochschulen als Ganzes betrifft, und unterbreitet ein Rahmenkonzept, in dem gezeigt wird, wie die benannten Probleme bei der Implementierung von E-Learning vermieden werden können.
 
Ein anderes Ausbildungskonzept im Rahmen einer notwendigen Reform erziehungswissenschaftlicher Studiengänge stellt dieser Autor vor: das "European Programm in Media, Communication and Cultural Studies", das als ein einjähriges Studium im Rahmen eines internationalen Universitätsnetzwerks konzipiert ist und das Basis eines Ausbildungsprofil "Medienpädagogik/Medienwissenschaften" im Rahmen der Lehramtausbildung an der Universität Kassel werden soll. (DIPF/Orig.).
 
Konzeptionell wie empirisch ist Mediensozilisation keines der vorrangigen Arbeitsgebiete der Medienpädagogik oder der Medienwissenschaft. Offensichtlich empfand die deutsche wie die internatinale Scientific Community es hinreichend, Rezeption, also die direkte Mensch-Medien-Beziehung, oder Medienkindheit (z.B. Buckingham: 2000) zu durchschauen. Die Dynamik, wie die eine Kultur bestimmenden Medien auf die Ausprägung spezifischer Persönlichkeitsmuster einwirken und diese Muster ihrerseits Medien und Massenkommunikation beeinflussen, bleibt eher eine Randfrage (vgl. Hoffmann 2006). Der vorliegende Beitrag setzt in diesem wissenschaftlich eher vernachlässigten Feld zwei Schwerpunkte, einen systematischen und einen forschungsmethodischen. Bei der Systematik (1. Schwerpunkt) geht es vor allem darum, Mediensozialisation mit medienwissenschaftlichen und kulturtheoretischen Fragen wie denen nach kulturellen Formen wie Semiotischen Räumen zu verbinden. Ziel ist ein operationelles Modell von Mediensozialisation auf der Basis von Aneignungsprozessen zu umreißen. Im 2. Schwerpunkt geht es um die adäquaten Forschungsmethoden, unter denen der Medien- und Programmanalyse ein hoher Stellenwert zukommt. Medien- und Programmanalyse liefert Möglichkeiten, so eines der Ziele von Mediensozialisationsforschung, Sozialisationsmuster im Kontext dominanter Medien und kultureller Formen zu untersuchen.
 
Abb. 3.: Beispiele von Spielen die von Studierenden gebaut worden sind.
Die Umsetzung des Lehrplans 21, der mit dem Modul «Medien und Informatik» informatische Bildung (IB) in die Schweizer Primarschulen bringen wird, wirft wichtige Fragen auf: Insbesondere fragt sich, wie die Umsetzung gegen die bei vielen Primarlehrpersonen ablehnende Haltung gegenüber Informatische Bildung gelingen kann. Um angehende Primarlehrpersonen mit dem erforderlichen Fachwissen und den didaktischen Kompetenzen auszustatten, führte die PH FHNW im Herbst 2017 das zweiteilige Pflichtmodul «Informatische Bildung» für Studierende des Bachelors Primarstufe ein. Zudem fokussierte das Modul darauf, in den Studierenden eine nachhaltige, positive Haltungsveränderung hinsichtlich Informatische Bildung auszulösen. Die Erstdurchführung wurde durch mehrfache Datenerhebungen wissenschaftlich begleitet. Eine zentrale Fragestellung war, inwiefern der Besuch des Moduls die Haltungen der Studierenden bezüglich ihres Selbstkonzepts hinsichtlich Informatische Bildung und der Relevanz von Informatischer Bildung auf der Primarstufe beeinflusste. Dieser Artikel präsentiert kurz das didaktische Konzept des Moduls und beschreibt eine Auswertung der Daten, die bei der ersten Durchführung der beiden Modulteile erhoben wurden.
 
Das Motiv, andere Jugendliche kennen zu lernen, ist für Jugendliche der am häufigsten genannte Grund für die Chat-Kommunikation. Ein Treffen mit anderen Chatpartnern wird aber nur für wenige Chatter Realität. Auf der Grundlage einer eigenen qualitativen Studie und unter Berücksichtigung weiterer empirischer Ergebnisse versucht der Beitrag einen Erklärungsansatz für dieses Phänomen zu geben. Die zum Teil in einem Spannungsverhältnis stehenden Erwartungen an die Chatkommunikation führen in Kombination mit strukturellen Besonderheiten der besuchten Webchats dazu, dass es unwahrscheinlich wird, dass für Jugendliche aus Kontakten im Chat längerfristige Beziehungen entstehen.
 
Der vorliegende Beitrag beschreibt – nach Klärung der grundlegenden Begriffe des Emergency Remote Teaching (ERT) und des Konzepts der sozialen Präsenz - eine qualitative Studie, die an der KPH Wien/Krems von April bis November 2020 durchgeführt wurde. Lehramtsstudierende wurden befragt, wie sie die Umstellung auf Emergency Remote Teaching (= die Umstellung von Präsenz- auf Online-Lehre aufgrund der CoViD-19 Massnahmen) empfunden haben. Ein Kernstück der online durchgeführten Interviews war die Wahrnehmung sozialer Präsenz, also das Wahrnehmen anderer Personen (Lehrende und Studierende) als Gegenüber. Gezeigt hat sich, dass die Studierenden der Umstellung auf ERT zu Beginn grossteils positiv gegenüberstanden, allerdings unter den mangelnden Möglichkeiten des synchronen Austausches (besonders zu Beginn der Massnahmen) litten. Dies lag vor allem daran, dass die Lehrenden an der KPH Wien/Krems teilweise mit den Anforderungen des ERT überfordert und daher für die Studierenden weniger präsent waren. Eine besondere Rolle spielten auch die asynchron erteilten Studienaufträge sowie das Feedback darauf, das nicht für alle Befragten zur Zufriedenheit ausfiel und daher negative Auswirkungen auf die Motivation der Studierenden zeigte.
 
Im Zuge der Corona-Krise wurde das Lehren und Lernen mit digitalen Medien in unterschiedlichen Bildungsbereichen unvermittelt zum primären – und oft auch einzigen – Mittel der Wahl. Quer durch alle Altersgruppen und gesellschaftlichen Felder sah man sich der vor der Herausforderung, die unterschiedliche Formate sozialer Interaktion in kürzester Zeit durch den Einsatz digitaler Medien kompensieren zu müssen. Nach mittlerweile vier Monaten «Lockdown» und Konsequenzen zeigen die Debatten um Lehren und Lernen mit digitalen Medien deutlich die Heterogenität der Positionen. Das Spektrum reicht von kompletter Ablehnung bis zu Forderungen, die gegenwärtigen digitalen Lehr-Lern-Praxen in unterschiedlichen bildungsinstitutionellen Kontexten als ideale Blaupause heranzuziehen. Wir wollen die Zeit nicht zurückdrehen: trotz der teils dramatischen – und weitgehend noch nicht absehbaren – Auswirkungen der Corona-Krise sind Innovationsimpulse in unterschiedlichen Bildungsbereichen zu erkennen. Insbesondere das System Schule wurde in diesem Zusammenhang in Bewegung gebracht. Ohne jahrzehntelang entwickelte Erkenntnisse und Konzepte durch ad-hoc Improvisationen ersetzen zu wollen und die negativen Auswirkungen zu schmälern, sehen wir in den Entwicklungen der letzten Monate auch Chancen, die Digitalisierung im Bereich der Bildung und Erziehung produktiv gestalten zu können. Deshalb wollen wir auf Basis medienpädagogischer Forschung und Entwicklung folgende drei zukunftsgerichtete Empfehlungen und Forderungen formulieren: In medienpädagogische Aus- und Fortbildung investieren: Die in einer Krisenzeit improvisierten Handlungen ersetzen keine geplanten und wissenschaftlich begründeten Strategien. Der Digitalisierungsimpuls ist über die bereitgestellten Mittel hinaus nachhaltig zu finanzieren. Dies beinhaltet neben Hardware, Software, Content und Support vor allem Aus- und Fortbildung von Lehrpersonen, Pädagoginnen und Pädagogen sowie eine systematische und professionell unterstützte Konzeptentwicklung. Medienpädagogische Studiengänge bzw. medienpädagogische Anteile in pädagogischen Studiengängen sind gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Erfahrungen weiterzuentwickeln (vgl. https://doi.org/10.21240/mpaed/00/2017.12.04.X). Dazu bedarf es u. a. in den erziehungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Studienanteilen die fachwissenschaftliche Auseinandersetzung mit digitalen Medien. Nur so ist eine professionelle Gestaltung einer digitalen Transformation der Bildung zu leisten. Das Potenzial der Vernetzung von Bildungseinrichtungen und ausserschulischer Medienpädagogik stärken: Die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen sind nicht alleine von staatlichen Bildungsinstitutionen wie der Schule zu bewältigen. Sehr gut qualifizierte Medienpädagoginnen und Medienpädagogen in ausserschulischen Institutionen bieten ein reichhaltiges Angebot lebensnaher und generationenübergreifender Bildungsangebote. Diese sind über die bisherigen Kooperationen stärker einzubinden, finanziell zu stärken und inhaltlich weiterzuentwickeln, um nachhaltige Vernetzungsstrukturen zu schaffen. Medienbildung für ein ganzes Leben gestalten: Die Corona-Pandemie hat noch einmal deutlich gemacht, dass nicht nur Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen, sondern auch Eltern oder Grosseltern bzw. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über ein hohes Mass an Medienkompetenz verfügen müssen, um mit veränderten Rahmenbedingungen umzugehen und sich Medien sinnvoll für eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft anzueignen. Medienbildungsangebote sind somit über die gesamte Lebensspanne anzubieten und auszubauen, um soziale Ungleichheiten abzubauen und die medienpädagogischen Potenziale zur Stärkung von Diversität in allen Lebensbereichen fruchtbar zu machen sowie dazu konsequent Spielräume der Gesetzgebung und in der Verwaltung zu nutzen. Medienbildung trägt dazu, neben einer rein anwendungsbezogenen Perspektive (Wie nutze ich das?) und einer technologischen Perspektive (Wie funktioniert das?) eine gesellschaftlich-kulturelle (Wie wirkt das?) sowie eine emanzipatorisch-bildungstheoretische Perspektive (Was will ich?), bei. Schliesslich möchten wir als Vorstand der Sektion Medienpädagogik darauf aufmerksam machen, dass sich gerade wissenschaftliche Qualifikandinnen und Qualifikanden in Anbetracht der gegenwärtigen Krise in einer Lage befinden, die noch weit mehr als bisher schon als prekär bezeichnet werden muss. Insbesondere empirische Forschungsprojekte sind zum Teil schon seit mehreren Monaten nicht mehr durchführbar, oft kulminieren verschiedene Verzögerungen zu Konstellationen, die eine Weiterführung oder einen Abschluss von Qualifikationsarbeiten gefährden. Wir möchten daher zum einen alle Kolleginnen und Kollegen, die Betreuungsaufgaben wahrnehmen, dazu auffordern, den je individuellen Situationen der Qualifikandinnen und Qualifikanden bestmöglich Rechnung zu tragen und Entlastung zu schaffen. Zum anderen appellieren wir aber auch an Universitäten und Drittmittelgebende, zusätzliche Mittel zur Verlängerung von Beschäftigungsverhältnissen oder Stipendien bereitzustellen und Spielräume in Gesetzgebung und Verwaltung konsequent zu nutzen. Die gegenwärtige gesellschaftliche Lage könnte nicht deutlicher vor Augen führen, wie wichtig eine fundierte und differenzierte Auseinandersetzung mit Fragen von Lehren, Lernen, Bildung, Erziehung und Sozialisation im Kontext der digitalen Transformation ist. Die Heterogenität der Situationen und Praxen sollte dabei berücksichtigt werden. Nur wenn medienpädagogische Perspektiven im Bildungsbereich dabei umfassend Berücksichtigung finden und ein unvoreingenommener Diskurs um Chancen und Risiken digitaler Medien zustande kommt, kann Medienbildung gelingen.
 
Der Zweifel an der Evidenz der ontologisch-indexikalischen Referenz des fotografischen Bildes und das ausgerufene Ende des «fotografischen Zeitalters» (Wolf 2002 u. 2003) sind durchaus zeitgleiche, wenn auch nicht gänzlich neue und überraschende Phänomene. Selbst wenn es den Anschein haben mag, dass die Fotografie erst mit Aufkommen der digitalen Bildbearbeitungstechniken ihre indexikalische Verankerung in der Wirklichkeit verloren hat, die vorher ihr Bildprogramm nachdrücklich bestimmt hatte, so erweist sich die gesamte Geschichte der Fotografie als eine der bewussten Bildmanipulation. Sieben knappe Blitzlichter in die Geschichte der Fotografie, die pars pro toto Experimente und Regeln zeigen, mögen dies verdeutlichen (vgl. Fineman 2012). Sie sind programmatische Erkundungen einer Arbeit an der Fotografie, der es darauf ankam, mit dem neuen Medium zu spielen, seine Grenzen auszuloten und seine Möglichkeiten zu erkunden. Dabei sind Fragen einer Praxeologie der Fotografie mindestens ebenso wichtig wie jene nach ihrer Ontologie.
 
Im März 2020 kam es aufgrund der Covid-19-Pandemie zu landesweiten Schulschliessungen. Lehrkräfte, Eltern und deren schulpflichtige Kinder wurden von dieser Situation völlig unvorbereitet getroffen. Der Beitrag beleuchtet diese erste Phase des Distance Schooling mit Blick auf die damit einhergehenden Anforderungen an Familien und veränderte familiale Interaktionsprozesse. Unter Fokussierung auf medienbezogene Aushandlungsprozesse und veränderte Konstellationen von Medienpraktiken werden die Ergebnisse einer qualitativen Erhebung mit sechs Familien eines bestehenden Längsschnitt-Panels vorgestellt. Zum Erhebungszeitpunkt im April/Mai 2020 befanden sich die Kinder in der sechsten Jahrgangsstufe. Die Interaktionsprozesse werden ausgehend von dem Ansatz kommunikativer Figurationen beschrieben, wobei der Fokus auf familiale Aushandlungsprozesse im Spannungsfeld von Autonomie und Heteronomie gelegt wird. Die Ergebnisse veranschaulichen, mit welchen Herausforderungen die (Ausnahme-)Situation des Distance Schooling verbunden ist und wie heterogen Familien mit diesen umgehen. In der familialen Interaktion ergeben sich neue Freiheitsgrade und Anforderungen an ein eigenständiges Handeln der Kinder, die innerhalb der Familie ausgehandelt und bewältigt werden müssen.
 
Ende Mai 2020 wurden die Studierenden der Technischen Universität Graz im Rahmen einer studentischen Qualifizierungsarbeit zu guten Lehrerfahrungen in der der Notfall-Online-Lehre durch die CoViD-19-Pandemie im Sommersemester 2020 befragt. 137 Beispiele für gute Lehre von unterschiedlichen Teilnehmenden werden für den Beitrag ausgewertet. Die Analyse der Antworten zeigen, dass in einem Gros der Lehrveranstaltungen die als gelungen erlebt wurden, (auch) Videotechnik zum Einsatz kommt (90 %), bei mehr als der Hälfte (auch) Videos zur Verfügung gestellt werden und bei der Hälfte Live-, d. h. synchrone Veranstaltungen angeboten werden. Ein wesentliches Merkmal für gute Lehrbeispiele ist, dass Studierende etwas gelernt haben (77 % «trifft voll zu») und bei Beschreibungen der Lehrbeispiele erwähnen rund ein Drittel, dass die Umstellung der Lehrveranstaltung, die sie als gute Lehre erlebten, zügig erfolgte. Methodisch-didaktische Besonderheiten werden damit in der frühen Phase des Distance Learning eher selten (12 %) von den befragten Studierenden benannt.
 
Abb. 2.:
Das SoSe 2020 hat Lehrende vor die Herausforderung gestellt, ihre Lehrveranstaltungen innerhalb kürzester Zeit komplett digital gestützt durchzuführen. Wie Lehrende mit dieser Veränderung umgegangen sind, welche Lehrszenarien sie praktiziert haben, welche Potentiale und Herausforderungen sie in reiner Online-Lehre sehen und wie sie sich Lehre in Zukunft vorstellen, wurde an der Frankfurt University of Applied Sciences mittels eines Mixed-Method-Ansatzes mit Leitfadeninterviews und einem Online-Fragebogen analysiert. In der Gesamtschau lässt sich sagen, dass die Lehrenden trotz der plötzlich auftretenden Corona-Situation die Lehre im SoSe 2020 insgesamt positiv erlebt haben. So berichten sie von einem grossen Kompetenzzuwachs, was etwa die Interaktion und Kommunikation über Videokonferenzsysteme oder das Erstellen von Medienprodukten angeht. Die Grundpfeiler des Lehrkonzepts bildeten bei vielen Lehrenden zu Beginn der Pandemie eine Kombination von Videokonferenzen, vorab aufgezeichneten Lehrvorträgen und Lehrmaterialien, die über Lernplattformen zur Verfügung gestellt wurden. Zentrale Herausforderungen waren dabei die fehlende Beziehungsebene und die sinnvolle Gestaltung von Gruppenarbeiten. Die grösstenteils positiven Erfahrungen des SoSe 2020 haben die Bereitschaft der Lehrenden erhöht, in Zukunft eine Kombination aus Präsenz- und Online-Lehre anzubieten bzw. hybride Lehrszenarien zu entwickeln.
 
Der Artikel behandelt die Erfahrungen Lehrender mit den Bedingungen von Hochschullehre während der Covid-19-Pandemie. Wir berichten über erste Ergebnisse einer zweiphasigen Fokusgruppendiskussion, die wir zu Beginn und am Ende des Sommersemesters 2020 mit Lehrenden deutscher Hochschulen durchgeführt haben. Ziel der Studie ist es, organisationale Veränderungsprozesse in Bezug auf die Digitalisierung der Lehre zu analysieren. Die Covid-19-Pandemie wird dabei als ein Realexperiment verstanden, dass es ermöglicht, die seit vielen Jahren diskutierte digitale Hochschullehre explorativ zu untersuchen. Wir berichten dabei über Ergebnisse in drei unterschiedlichen Dimensionen. Diese betreffen Aspekte der Veränderungsbereitschaft Lehrender, Fragen der Führung sowie der Bereitstellung von Ressourcen seitens der Hochschulen. Aus den Befunden leiten wir Schlussfolgerungen für die (zukünftige) Organisation von Hochschullehre ab. Zentral ist dabei das Prinzip der «Organisierten Freiheit». Dieses Prinzip verweist auf typische Veränderungslogiken auf unterschiedlichen Ebenen der Hochschule. Mit dem Beitrag sollen damit Hinweise für die Hochschulentwicklung gewonnen werden in Bezug auf die nachhaltige Gestaltung digitaler Lehr- und Lehrinnovationen.
 
Der vorliegende Beitrag untersucht die Bedingungen von Lehren und Lernen während der Covid-19-Pandemie. Verantwortliche der Hochschullehre und Studierende waren im Sommersemester 2020 gezwungen, auf digitale Formate des Lehrens bzw. Lernens zurückzugreifen. Im Rahmen der vorliegenden Studie wird auf Grundlage einer Fragebogenstudie mit Bachelorstudierenden des Fachs Erziehungswissenschaften zunächst die derzeitige Situation und das Meinungsbild der Studierenden differenziert erfasst und dargestellt. Anschliessend werden Faktoren herausgearbeitet, die aus Studierendenperspektive zentral für den erfolgreichen Einsatz von digitalen Formaten in der Hochschullehre sind. Aufbauend darauf werden Unterstützungsbedarfe identifiziert und Handlungsempfehlungen für die Gestaltung von digitalem Lehren und Lernen formuliert. Die Untersuchungsergebnisse weisen darauf hin, dass das Sommersemester 2020 eine Herausforderung für alle Beteiligten gewesen ist. Besonders technologische Hürden erschwerten das Studieren. Auch didaktische und organisatorische Gestaltungsaspekte digitaler Lehr- und Lernkonzepte bestimmten das Studierverhalten. Die Untersuchung liefert wichtige Hinweise hinsichtlich digital (bzw. digital angereicherter) Lehre. Diese sind wegweisend, um die Lehre in der gegenwärtigen Situation erfolgreich durchzuführen und um die Qualität der Lehre und des Lernens im Hochschulbereich zu sichern.
 
Die Corona-Pandemie hat die Hochschulen in eine Krisensituation versetzt. Die damalige Entscheidung, das Sommersemester 2020 trotz Kontaktverboten durchzuführen, hat alle Hochschulen mobilisiert eine nahezu vollständige Online-Lösung aufzubauen. Diese ‹Zwangsdigitalisierung› hat Lehrende und Studierende in den folgenden Monaten in einen Experimentiermodus versetzt. Dass sich Lehrende und Lernende in dieser Breite mit digitalen Technologien auseinandersetzen und Erfahrungen machen, konnten bisherige Forderungen und Förderungen nicht erreichen. Es ist jedoch ungewiss, wie diese Dynamik in den Lehralltag einer Post-Pandemie-Zeit übertragen werden kann. Hier sind Hochschulen auf strategischer Ebene gefragt, den Krisenmodus für den Change-Prozess zu nutzen. Anhand einer Gruppendiskussion mit 14 Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten haben wir untersucht, welche langfristigen Veränderungspotenziale der Pandemie wahrgenommen werden. Durch eine strukturierte Inhaltsanalyse der Diskussion erweitern wir in diesem Beitrag die bisherigen zusammenfassenden Ergebnisse. Die Analyse zeigt, dass als entscheidende Variable für den Erfolg beim Krisenmanagement multiple agile Kooperationsformate zwischen den unterschiedlichen Ebenen und Akteuren wahrgenommen werden. Die Aufrechterhaltung und der Ausbau dieser Kooperationen kann die Grundlage für einen langfristigen Change-Prozess darstellen, der unabhängig von der CoViD-19-Pandemie notwendig ist.
 
Im Web 2.0 werden Internetnutzer/innen sowohl zu Konsumenten/-innen als auch zu Produzenten/-innen von urheberrechtlich geschützten Medieninhalten. Das Online-Handeln dieser «Prosumer» (aus «producer» und «consumer») ist Mittelpunkt kontrovers geführter Debatten über das deutsche Urheberrecht: Während unter anderem Rechtswissenschaftler/innen eine Reformierung der Rechtsnormen zugunsten der von Nutzern/-innen erstellten Online-Inhalte («User Generated Content») begrüssen, fordern vor allem die Urheber/innen und die Rechte verwertende Industrie den stärkeren Schutz des geistigen Eigentums und der Verwertungsrechte im Internet. Die Internetnutzer/innen, deren deviante Online-Nutzung im Fokus der Diskurse steht, wurden bislang kaum an diesen beteiligt und die wissenschaftliche Forschung hat sich unzureichend mit ihnen befasst. In einer qualitativen empirischen Studie (Rakebrand 2014) wurde daher gefragt, welches Verständnis junge erwachsene Prosumer vom Urheberrecht im Web 2.0 haben − was sie darüber wissen, welche persönlichen Erfahrungen sie damit gemacht haben, wie sie es bewerten und welche Beweggründe ihr urheberrechtsbezogenes Internethandeln hat. Die Untersuchung offenbart: Junge Erwachsene sehen sich ausserstande, das deutsche Urheberrecht in all seinen Facetten zu begreifen, es zu bewerten und sich an den öffentlichen Debatten darüber zu beteiligen. Um das Urheberrecht besser verstehen und mitgestalten zu können, fehlt ihnen ein «Leitfaden» zur Orientierung. Dieser Artikel fasst die zentralen Untersuchungsergebnisse zusammen und gibt Impulse für eine medienpädagogische Handlungspraxis.
 
Aktuell erhält die Diskussion um die Rolle des Internet in der Politischen Bildung neuen Auftrieb durch die Entwicklung der sogenannten Web-2.0- Technologien, die im Vergleich zum Web 1.0 ein erheblich grösseres Potenzial zur Mitgestaltung politischer Inhalte und Prozesse und bzw. zur Partizipation bieten, aber auch neue Möglichkeiten der Kommunikation und Vernetzung eröffnen. In der vorliegenden Studie wird der Frage nachgegangen, inwieweit das Internet und speziell das Web 2.0 in der Lage sind, die in die Technik gesetzten Hoffnungen zu erfüllen. Dabei wird zunächst ausgelotet, welche Potenziale das Web 2.0 für die Politische Bildung mit Blick auf ihre didaktische Gestaltung bieten könnte. Im Anschluss daran wird auf der Basis einer Analyse des Internet-Angebots der traditionellen Anbieter Politischer Bildung (Bundes- und Landeszentralen für Politische Bildung, politische Stiftungen) sowie von Internetportalen im Bereich Politische Bildung festgestellt, welche Verbreitung Web-2.0-Angebote gegenwärtig besitzen. Schliesslich wird auf der Grundlage einer Nutzerbefragung an knapp 300 Teilnehmern virtueller politischer Bildungsangebote einer politischen Stiftung der Frage nachgegangen, wie Web-2.0-Angebote in der Politischen Bildungsarbeit aus Nutzersicht beurteilt werden.
 
Hatte man in den Neunzigerjahren das Netz vor allem als virtuelle Realität charakterisiert, das dem realen Alltag gegenübersteht, so wird immer stärker deutlich, wie stark die Kultur der alltäglichen Lebenswelt mit dem Kulturraum Internet verflochten ist. So wird das Netz, wo man online einkauft, Freunde im Chat trifft, sich täglich über aktuelle Nachrichten informiert, immer mehr als Erweiterung des alltäglichen Lebens betrachtet. Dies bedeutet daher auch, dass wer am Netz aktiv partizipiert, zugleich über einen Anteil an gesellschaftlicher Macht verfügt. Politische Kampagnen im Internet oder die Präsentation von Politikern/-innen bei Wahlkämpfen im Netz unterstreichen diesen Trend auf eindrückliche Weise. Damit ist das Internet ist in den letzten Jahren zu einem Kulturraum sui generis avanciert. Zuerst war das Netz vor allem ein vom Sender gesteuertes «Push-Medium», von welchem Informationen rezipiert und heruntergeladen wurden. Nicht jede/r konnte die Funktion des Senders einnehmen. Mit der technischen und sozialen Weiterentwicklung des Internets in den letzten Jahren hin zum so genannten Web 2.0 ist jede/r potenziell ein «Prosumer», also Produzent/in und Konsument/in in einem. Jede/r kann sich dank technisch niedrigschwelliger Softwareangebote potenziell am «Mitmachnetz» beteiligen. Inhalte werden von Einzelnen oder kollaborativ im Netz erstellt und publiziert, (ausgewählt) rezipiert und weiterpubliziert. Damit hat sich das neue Netz zu einem «Pull-Medium» weiterentwickelt, das massgeblich von den Beiträgen der Empfänger/innen mitgestaltet wird. Das Internet wird so zu einem wesentlichen Medium der Partizipation. Die These, wonach das Internet immer stärker zu einem partizipativen Medium wird, ist allerdings nicht unumstritten. So wird eingewandt, dass das Pull-Prinzip des Internets sich oft auf private Inhalte bezieht und dass es schwierig ist, in dem unübersichtlichen Netz eine wirksame Gegenöffentlichkeit aufzubauen. Auch im formalem Bildungsbereich steckt das partizipative Lehren und Lernen unter adaptierten Bedingungen des Web 2.0 noch in den Anfängen. Zudem zeigen empirische Untersuchungen, dass Anwendungen des Web 2.0 wie Social Software gerade von der heranwachsenden Generation erst zögerlich und teilweise gar rückläufig für die Artikulation eigener Interessen eingesetzt werden (mpfs 2011, 2010; van Eimeren und Frees 2010). Die These von einer «Netzgeneration», die das Web 2.0 auf eine souveräne Art und Weise benutzt und die sich bietenden Partizipationschancen ausnutzt, um eigene Interessen zu artikulieren, liess sich bisher nicht bestätigen. Deshalb gilt es heute interdisziplinär zu untersuchen, welche Partizipationschancen das Internet zur Zeit tatsächlich eröffnet. Aus medienpädagogischer Sicht stellen sich besonders Fragen nach dem spezifischen Partizipationspotenzial des Internets für unterschiedliche Zielgruppen wie Kinder, Jugendliche, Erwachsene oder Senioren und in welchen informellen und formalen Bildungskontexten eine Beteiligung in welchem Masse ermöglicht wird bzw. ermöglicht werden kann. Dabei sind auch die Motive für die Nutzung, vor allem aber Nicht-Nutzung von eingeräumten Beteiligungsmöglichkeiten in bildungsbezogenen Kontexten von Interesse. Die vorliegende Ausgabe der Online-Zeitschrift «MedienPädagogik» trägt zur Diskussion dieser Fragen bei. Sieben Beiträge setzen sich aus spezifischen Perspektiven in Form empirischer Analysen und konzeptioneller Überlegungen mit den Partizipationschancen im Internet auseinander. Dabei lassen sich zwei vorherrschende Zugänge auf Partizipation im Netz ausmachen: Einerseits eine Perspektive im Feld der politischen Beteiligung und Bildung und andererseits eine Perspektive auf Lehren und Lernen im Web 2.0. Bei den ersten vier Beiträgen handelt es sich um Publikationen, die auf Vorträgen basieren, die im Rahmen des Symposiums «Partizipationschancen im Kulturraum Internet – am Beispiel des Web 2.0» auf dem Kongress «Bildung in der Demokratie» der Deutschen Gesellschaft der Erziehungswissenschaft (DGfE) im März 2010 in Mainz gehalten wurden. Hans Geser diskutiert in seinem Beitrag «Kakophonie und Selbstorganisation in der digitialen Agora» kritisch die Ausweitung niederschwelliger, öffentlicher Partizipationschancen. Dabei unterstreicht er die Bedeutsamkeit informeller politischer Bildungsprozesse, die ein digitales, politisches Engagement mit sich bringt bzw. bringen kann und deren Potenzial als Übungsfeld. Er führt erste Rahmenbedingungen und Basismerkmale einer «neuen politischen Öffentlichkeit» aus und geht auf die Folgen der Loskoppelung politischer Kommunikation vom politischen Handeln ein. Heinz Moser befasst sich in seinem Beitrag «Das politische Internet – Möglichkeiten und Grenzen» mit der Frage, inwieweit sich die Qualität und Kultur der Bürgerpartizipation durch die junge Generation und ihre Mediennutzungsvorlieben verändert. Nach Ausführungen zu Formen von eGouvernment, eParticipation und eVoting mit Bezug zu bestehenden sozialwissenschaftlichen Ansätzen im Kontext von eDemokratie folgt die Zusammenfassung einer empirischen Untersuchung von politischer Partizipation am Beispiel von politischen Gruppen aus der Schweiz, die sich auf Facebook gebildet haben. Heike Schaumburg stellt in ihrem Beitrag «Politische Bildung und das Web 2.0» eine empirische Studie vor, die der Frage nachgeht, inwieweit das Web 2.0 in der Lage ist, die in die Social Software gesetzten Hoffnungen nach mehr Partizipation, Kommunikation und Vernetzung für die politische Bildung zu erfüllen. Der Beitrag erörtert, welche Potenziale das Web 2.0 für die Politische Bildung mit Blick auf ihre didaktische Gestaltung bietet, bevor er auf Basis einer Analyse bildungspolitischer Internet-Angebote Aussagen über die gegenwärtige Verbreitung von Web 2.0 Angeboten in der Politischen Bildung trifft. Schliesslich wird auf der Grundlage einer Nutzerbefragung die Beurteilung von entsprechenden Angeboten aus Nutzersicht thematisiert. Auf dieser Grundlage werden Empfehlungen für die Gestaltung von Internetangeboten der politischen Bildung in Zeiten von Web 2.0 gegeben. Kerstin Mayrberger setzt sich in ihrem Beitrag «Partizipatives Lernen mit dem Social Web in formalen Bildungskontexten gestalten – Zum Widerspruch einer verordneten Partizipation» aus konzeptioneller Sicht mit den Potenzialen und Grenzen des Social Web für ein partizipatives Lernen auseinander. Ausgehend von den Annahmen, dass mit dem Einsatz von Social Software in formalen Bildungskontexten wie Schule und Hochschule ein tatsächliches partizipatives Lernen systembedingt nur begrenzt realisierbar ist und dass es daher in formalen Bildungskontexten immer nur eine «verordnete Partizipation» geben kann, nimmt der Beitrag eine Systematisierung von Begriffen vor und stellt ein Stufenmodell partizipativen Lernens im formalen Bildungskontext vor, das aus mediendidaktischer Sicht bei der Gestaltung von Lernumgebungen einen differenzierten Umgang mit den Grenzen und Möglichkeiten von Social Software beim Lehren und Lernen erlaubt. Petra Grell und Franco Rau diskutieren in ihrem Beitrag «Partizipationslücken: Social Software in der Hochschullehre» verschiedene Probleme, die mit der Umsetzung von Social Software im Bereich der Hochschule einhergehen. Die Basis dafür stellt sowohl die aktuelle Diskussion um die Potenziale zur Einbindung von Angeboten des Web 2.0 in der Hochschullehre dar als auch eine Analyse von 16 publizierten Fallstudien zum Einsatz von Social Software in der Hochschullehre. Der Beitrag benennt abschliessend grundsätzliche Herausforderungen und Spannungsfelder partizipativer Ansätze mit digitalen Medien im Bildungsraum Hochschule. Birgit Gaiser und Stefanie Panke nehmen in ihrem Beitrag «Wenn Edusphäre und Blogosphäre sich treffen: Weblogs an Hochschulen zwischen Zitationskartell und Diskursrevolte» eine Bestandsaufnahme der Nutzung von Weblogs im Bildungsbereich, dem sogenannten «Edublogging» vor. Der Artikel beleuchtet das Phänomen «Edublogosphäre» durch eine umfangreiche Literatursichtung, Web-Recherchen und E-Mail-Befragungen, die in eine Kartografie der vielfältigen Landschaft an Edublogs mündet. Im Ergebnis werden Besonderheiten der Weblog-Strategien von E-Learning-Einrichtungen, bloggenden E-Learning-Wissenschaftlern/-innen, Blogfarmen und weiteren Einsatzformen in Hochschulbereich beschrieben. Anna-Maria Kamin und Dorothee M. Meister thematisieren in ihrem Beitrag «Neu lernen ist leichter als umlernen – Über die Schwierigkeiten einer bildungsgewohnten Gruppe neue (mediale) Partizipationsformen aufzubauen», dass neuartige Möglichkeiten zur Wissensorganisation und -kommunikation von erwachsenen Lernern eher zögerlich angenommen werden. Im Zentrum des Beitrags steht die Diskussion um mögliche Gründe und Bedingungen für diese Widerstände und Problematiken bei der Integration des Partizipationsraums Internet für berufliche Lernprozesse. Grundlage für diese Auseinandersetzung sind Praxiserfahrungen und empirische Ergebnisse einer explorativen Fallstudie mit einem ethisch beratenden Gremium. Es werden erste Folgerungen für die Möglichkeiten der Realisierung digitaler Partizipationsmöglichkeiten bei dieser Zielgruppe vorgestellt und im Kontext habitualisierter Handlungs- und Lernroutinen diskutiert. Das Thema der Partizipation ist neben Mündigkeit und Emanzipation ein genuin pädagogisches Anliegen und wichtige Antriebskraft einer handlungs- und interaktionsorientierten Medienpädagogik. Im Zuge des sich vollziehenden Medienwandels werden veränderte und gänzlich neue (potenzielle) Beteiligungsformen weiter an Bedeutung gewinnen. Entsprechend ist es bei den vorliegenden sieben Beiträgen interessant zu sehen, dass der Partizipation im Netz im Moment aus technischer Sicht relativ wenig Grenzen gesetzt sind. Vielmehr scheinen es die Akteure zu sein, die ihre Beteiligungsmöglichkeiten (noch) nicht wahrnehmen wollen oder können, sich gegenseitig Grenzen setzen oder sich eingrenzen lassen (müssen). So bleibt weiterhin vor allem die Frage zu klären, wie die Akteure selbst mit den Partizipationschancen im Netz umgehen werden, inwiefern beispielsweise deren mehrheitlichen Aktivitäten vor allem auf der Ebene der persönlichen, sozialen Netzwerke und Anliegen beschränkt bleiben werden oder sich ein übergreifendes Interesse an allgemeiner Beteiligung entwickeln wird. Die noch andauernden Diskussionen um die «Plagiatsaffären» der letzten Monate kann hierfür ein Beispiel sein. Aus einer umfassenden medienpädagogischen Perspektive besteht nun die Aufgabe, über die medienpraktischen Erfahrungen mit dem Web 2.0 in der ausserschulischer Jugendarbeit, in der Schule, der politischen Bildung oder im Bereich von E-Learning in der akademischen Lehre hinaus, die konzeptionelle und empirische Fundierung des sich verändernden Medienumgangs voranzutreiben. Die vorliegenden sieben Beiträge dieser Ausgabe der Online-Zeitschrift «MedienPädagogik» geben hierfür wichtige Impulse. Quellen mpfs – Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, Hrsg. 2011. KIM-Studie 2010. Kinder + Medien, Computer + Internet. Basisstudie zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland. Stuttgart: mpfs. www.mpfs.de (10.10.2011) mpfs – Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, Hrsg. 2010. JIM-Studie 2010 - Jugend, Information, (Multi-)Media. Basisstudie zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland. Stuttgart: mpfs. www.mpfs.de (10.10.2011). Eimeren, Birgit van und Beate Frees. 2010. «Fast 50 Millionen Deutsche online – Multimedia für alle? Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010.» Media Perspektiven 7–8: S. 334–349. www.media- perspektiven.de (10.10.2011).
 
Der Beitrag widmet sich der Analyse einer Webseite auf SPIEGEL-Online, die die Terroranschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 im Zuge des Erinnerns zehn Jahre später rekonstruiert. Ausgehend von einer Beschreibung der Diskursfragmente, die sich aus verschiedenen digitalen Archiven speisen, wird der Frage nachgegangen, um welche Art von Erinnerungsort es sich handelt. Vor diesem Hintergrund wird die diskursive Struktur der Webseite einer Analyse unterzogen. Diese Analyse bildet den Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Diskursfragmente, insbesondere der Semantik der visuellen Elemente. Im Zentrum wird zunächst die Frage der inneren Struktur der Webseite stehen, die Anordnung der Bilder, die, so die These, einer narrativen Logik folgt. Im Weiteren wird der Frage nachgegangen, welche Rolle die Ästhetisierung als Bedingung dafür spielt, dass bestimmte Pressefotografien zu politischen Ikonen gerinnen. Ein möglicherweise überraschender Effekt, der aus dem Spannungsfeld «Schlagbild» (Aby Warburg), Ästhetisierung und emotionaler Erinnerung erwachsen kann, vervollständigt den Beitrag.
 
Rezension zu Horst Schäfer Kinder, Krieg und Kino. Filme über Kinder und Jugendliche in Kriegssituationen und Krisengebieten. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH, 2008. 254 Seiten
 
Rezension zu: Hesmondhalgh, David, und Jason Toynbee, Hrsg. 2008. The media and social theory. Culture, Economy and the Social. New York: Routledge.
 
Rezension zu Anne Thillosen Schreiben im Netz. Neue literale Praktiken im Kontext Hochschule. Münster: Waxmann, 2008. 348 Seiten ISBN 978-3-8309-2061-8
 
Rezension zu: Frank, Stephen. 2012. eLearning und Kompetenzentwicklung: ein unterrichtsorientiertes didaktisches Modell. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
 
Rezension zu: Anna Hofmann und Martina Lassacher, Hrsg. Kino erleben und begreifen: Filmanalyse mit Kindern und Jugendlichen. Wien: Facultas, 2013
 
Rezension zu Plenk, Astrid. 2014. Die Perspektive der Kinder auf Qualität im Kinderfernsehen. Hamburg: Verlag Dr. Kovac.
 
Der vorliegende Beitrag stellt ausgewählte Ergebnisse aus dem seit 2015 laufenden Projekt «tabletBS – Einsatz von Tablets an Beruflichen Schulen» vor. Im Rahmen des Projekts «tabletBS» werden ausgewählte Klassen an Beruflichen Gymnasien mit unterschiedlichen Profilen in Baden-Württemberg 1:1 mit Tablets ausgestattet. Evaluiert werden insgesamt rund 144 Klassen aus 40 Schulen in drei Tranchen à ca. 12 Schulen pro Jahr, die wiederum über die dreijährige Zeit der Oberstufe begleitet werden. Das Evaluationsdesign basiert vor allem auf quantitativen Erhebungsmethoden in Form von Online-Fragebögen zur Erfassung aller beteiligten Perspektiven, die nach Bedarf mit qualitativen Erhebungsmethoden für ausgewählte Perspektiven und für vertiefende Fragestellungen ergänzt werden. Es lässt sich nach nunmehr vier Jahren Projektlaufzeit zusammenfassend festhalten, dass Tablets einen tendenziell positiven Einfluss auf die schülerorientierte Entwicklung der Unterrichtsgestaltung haben und dass sie eine gute Beziehungsgestaltung zwischen Lehrenden und Lernenden fördern können. Zudem konnte festgestellt werden, dass eine zunehmende Akzeptanz und Verstetigung der Tabletintegration im Unterricht stattfindet. Wichtig sind hierbei engagierte Lehrende, die das Projektvorhaben in den Schulen wesentlich mitentwickeln, unterstützende Schulleitungen sowie passende Austausch- und Qualifizierungsformate.
 
Rezension zu Strauch, Thomas, und Carsten Engelke. 2016. Filme machen. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag, UTB 4633
 
Das Forum Kommunikationskultur der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) steht im Jahr 2017 unter dem Anspruch, sich mit Fragen der Qualitätsentwicklung medienpädagogischen Handelns in Wissenschaft und Praxis auseinanderzusetzen. Dabei soll besonderes Augenmerk auf Fragen der Professionalisierung und der Entwicklung von Standards gelegt werden. Zu diesen Fragen stellen wir im Folgenden ausgewählte Thesen mit ergänzenden und erweiternden Erläuterungen im Sinne eines programmatischen Textes zur Diskussion. Die mit diesem Papier anzustossende Diskussion soll zunächst einer konstruktiv-weiterführenden internen Klärung wichtiger Fragen medienpädagogischer Praxis und Forschung dienen und dabei auch anzeigen, welche Positionen in der Community konsensfähig sind und welche möglicherweise strittig erscheinen. Zugleich sollen die Thesen und die Diskussion zu einer Positionsbestimmung der GMK bezüglich praktischer und wissenschaftlicher medienpädagogischer Arbeit nach aussen beitragen. Mit der Diskussion ist das Ziel verbunden, künftige Bedarfe für Handlungs- und Forschungsfelder der Medienpädagogik – jedoch ohne Anspruch auf Vollständigkeit – zu identifizieren. Um der Prägnanz und Kürze willen, wird der zu jeder These gehörende Hintergrund nur knapp angedeutet, ohne die damit verbundenen (teils sehr umfassenden) Diskurse im Detail nachzuzeichnen. Angegebene Literaturbezüge sollen jeweils beispielhaft auf differenzierende und tiefergehende Ausführungen verweisen. Die Thesenfolge beginnt mit Überlegungen zum technikinduzierten gesellschaftlichen Wandel («Digitalisierung») und seiner Bedeutung für die Medienbildung. Dies vorausschickend, gehen wir auf Fragen der Qualifizierung und Professionalisierung für praktisches Handeln sowie auf die Rolle der Medienpädagogik als Wissenschaft und schliessend auf den Stellenwert von Standards zur Orientierung und Reflexion ein.
 
Abb. 1.: Distribution of mobile digital devices among students in 2018 and 2020.
The purpose of this study was to compare students’ digital media use during the so-called corona semester in summer of 2020 when universities worldwide moved to online teaching and learning, with data from 2018. Two research questions were at the center of our study: To what extent did students’ media use during the digital summer semester 2020 differ from media use in 2018? In which ways is media use in 2020 related to individual factors (e.g., emotional states, social integration, self-efficacy)? In 2020, 207 students at the University of Tübingen participated in an online survey on their digital media use. This data was compared with an existing data set from the same university from 2018 (N = 808 students). Results show a significant increase in students’ media use across all categories, in particular Learning Management System, online exercises, learning videos, and video conferencing. We also found a significant relation of students’ usage of online tools for learning with their feeling of social integration, as well as connections between students’ digital media self-efficacy and their learning-relevant emotions. The article discusses these results in the light of other studies on students’ media uses and provides first practical implications for lecturers.
 
Unter dem Eindruck der CoViD-19 Pandemie erfolgte im Sommersemester 2020 an deutschen Hochschulen flächendeckende Online-Lehre im Notbetrieb. Die vorliegende längsschnittliche Fragebogenstudie untersucht die akademische Mediennutzung, -kompetenz und -ausstattung Studierender (N = 2.037) an einer deutschen Volluniversität zu Beginn und zur Mitte des betreffenden Semesters. Die Ergebnisse zeigen, dass die akademische Mediennutzung intensiviert wird, wahrgenommene digitale Kompetenzen der Studierenden zunehmen und E-Learning Angebote fakultätsspezifisch eingesetzt und genutzt werden. Sichtbar wird jedoch auch, dass Studierende mit heterogenen Voraussetzungen in das Semester starteten, die sich auch im Semesterverlauf auf die Studiensituation auswirkten. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund bildungspolitischer Bestrebungen hinsichtlich der Digitalisierung der Hochschullehre, mediendidaktischer Fragestellungen und studentischem Eigensinn der Mediennutzung eingeordnet und diskutiert.
 
Top-cited authors
Michael Kerres
  • University of Duisburg-Essen
Benjamin Jörissen
  • Friedrich-Alexander-University of Erlangen-Nürnberg
Ben Bachmair
  • University College London, University of London
Claudia Lampert
  • Leibniz Institute for Media Research | Hans-Bredow-Institut (HBI)
Claudia de Witt
  • FernUniversität in Hagen