Leviathan

Published by Nomos Verlagsgesellschaft
Print ISSN: 0340-0425
Publications
Die dramatische Vertiefung der Einkommensunterschiede in vielen Industriestaaten wirft die Frage auf, welche Rolle die politischen Eliten in diesem Prozess spielen. Der Aufsatz wird dieser Frage am Beispiel der USA nachgehen. Für den Zeitraum ab 1945 wird der Zusammenhang zwischen der Verteilung des Gesamteinkommens, der sozialen Herkunft der politischen Elite des Landes und der Steuergesetzgebung analysiert. Das Resultat lautet: Man kann ganz klar zwei Zeiträume voneinander unterscheiden, den von 1945 bis 1980 und den von 1981 bis heute. Im ersten stammten die Spitzenpolitiker zu knapp zwei Dritteln aus den breiten Mittelschichten und der Arbeiterschaft, lagen die Spitzensteuersätze hoch und war die Einkommensverteilung für US-Verhältnisse ausgeglichen. Im zweiten kamen die Spitzenpolitiker zu fast 70 Prozent aus der Upper oder der Upper Middle Class, lagen die Spitzensteuersätze erheblich niedriger und wuchs die Einkommenskluft sehr schnell. The dramatic increase of the income inequality in many industrial countries raises one question: which part do the political elites play in this process. The article will analyze this on the basis of the income distribution, the social background of the political elite and the tax policy in the United States since 1945. The result is: you can differentiate very clearly between two periods, the first from 1945 till 1980 and the second from 1981 until today. In the first period almost two thirds of the top politicians had a middle or working class background, the maximum tax rates were high and the income distribution was balanced. In the second period nearly 70 percent of the top politicians had an upper or upper middle class background, the maximum tax rates were much lower and the income gap increased very quickly.
 
Nachruf auf den ersten Redakteur des Leviathan, Claus Koch. Obituary for the first editor of this quarterly, Claus Koch. SchlüsselwörterNachruf KeywordObituary
 
In der Gesellschaft und in den Wissenschaften setzt sich zusehends ein optimistisches Altersbild durch, das den Alternsprozess in einseitiger Weise als Potentialaufbau beschreibt und sein Charakteristikum als Verfallsprozess verdrängt. Die Konstruktion des vitalen Alten kontrastiert allerdings scharf mit dem Bild der Älteren in der Arbeitswelt. Der Aufsatz will zeigen, wie sich auf der einen Seite Forschung und Arbeitswelt systematisch verfehlen, wie aber auf der anderen Seite die Forschung einen Paradigmenwechsel hin zur längeren Vernutzung der älteren Arbeitskraft vorbereitet. In society as in science an optimistic image of old age is gaining ground where aging is increasingly considered as a process of building up capabilities denying its associated process of decay. However, the vision of an energetic, vital old age contrasts sharply with the image of seniors in the working environment. This study aims at showing how, while the research and working world systematically miss out on each other, research nevertheless prepares a paradigm shift to a longer utilisation of the senior workforce.
 
Der Beitrag beschäftigt sich mit der Ausgrenzung der Architektur aus den Sozial- und Kulturwissenschaften nach 1945. Im ersten Teil geht es um die Ursachen der Architekturvergessenheit in kritischen und strukturalistischen Theorien. Der zweite und dritte Teil behandelt Peter Sloterdijks Entwurf einer architektonisch orientierten Kulturtheorie der Moderne. Gezeigt wird, dass auch dieser Versuch unzureichend ist, weil die Ausgrenzung sozialer Faktoren aus der Architekturtheorie fortgesetzt wird. The article explores the exclusion of architecture from social sciences and cultural studies after 1945. The first part of the paper deals with the ultimate causes of the ‘oblivion of architecture’ in critical and structuralist theories. The second and third part deals with Peter Sloterdijk’s outline of an architectonic oriented cultural theory of Modernism. It will be shown that even this attempt was inadequate, continuing as it does the previous exclusion of social factors in architectural theory. SchlüsselwörterArchitectonic turn–Kritische Theorie–Jürgen Habermas–Alexander Mitscherlich–Walter Benjamin KeywordsArchitectonic turn–Critical theory–Jürgen Habermas–Alexander Mitscherlich–Walter Benjamin
 
Wann immer sich die Wissenschafts- und Forschungspolitik dem Vorwurf ausgesetzt sieht, öffentlich finanzierte Forschung trage nicht ausreichend zum gesellschaftlichen Nutzen bei, bemühen sich Entscheidungsträger um diskursive Strategien. Spin-offs stellen als Nachweis der Nützlichkeit von Forschungspolitik eine solche Strategie dar. Ihre Realisierung gelingt jedoch nur selten, da sich die Referenzsysteme von Wissenschaft und Wirtschaft diametral voneinander unterscheiden, unternehmerische Aktivitäten vom Wissenschaftssystem nicht honoriert werden und Übergänge zwischen beiden Systemen schwer zu organisieren sind. Whenever science and research policy face the allegation that publically financed research would not be conducive enough to the benefits of society, decision-makers apply themselves to discursive strategies of justification. Spin-offs employed to demonstrate the societal benefits of research illustrate one of those strategies. Implementing spin-offs successfully, however, hardly works out, because the referential systems of science and economics fundamentally dissociate themselves from each other, with entrepreneurial activities being dismissed by the scientific system. Under these premises, transitions between the two systems are hardly feasible. SchlüsselwörterSpin-offs-Technologietransfer-Forschungspolitik in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und USA-Verhältnis von Wissenschaft und Staat-Innovation-Reputation-Wissenschaftsforschung KeywordsSpin-offs-Technology transfer-Research policies in Germany, France, The UK and the US-Relationship between science and the state-Innovation-Reputation-Social studies of science
 
Der Aufsatz analysiert die Ziele staatlicher Akteure in der Sozialpolitik und zeigt, wie diese die Ausgestaltung des deutschen Wohlfahrtsstaates auf den verschiedenen Etappen seiner Geschichte jeweils unterschiedlich beeinflusst haben. Sozialpolitik richtet sich nicht nur an Staatsbürger als Träger von sozialen Rechten, sondern – „fördernd und fordernd“ – auch an ihr Verhalten als Arbeitskräfte, Steuerzahler, potenzielle Soldaten, Mütter, Pflegekräfte und damit als Ressourcenbasis privaten und öffentlichen Wohlstandes. This paper calls attention to the goals of state actors as fruitful perspective in the analysis of welfare state development. This perspective accounts for variation in the timing and kind of social policy-intervention. The paper demonstrates how the social policy goals of state actors have shaped the substantive contents of social policy measures and how this has changed over time. SchlüsselwörterWohlfahrtsstaat–Sozialpolitik Deutschlands–Geschichte der Sozialpolitik–Staatszentrierter Ansatz–Staatliche Akteure KeywordsWelfare state development–German social policy–Welfare policy history–State centered approach–Statism–State actors
 
In dem Artikel wird dargelegt, dass und inwieweit der Einbau des Faktors ‚Zufall‘ mit Hilfe von Losverfahren für heutige Demokratien wieder sinnvoll ist. Losverfahren können im Bereich der Politik potentiell fünf Funktionen erfüllen, die sich jeweils als Bausteine einer aleatorischen Demokratietheorie reformpolitisch ausbuchstabieren lassen. Näher erläutert wird das rationale Potential von Lotterien vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten über die Defizite deliberativer Demokratiekonzeptionen. The article argues for making more use of the the rational potential of decisionmaking by lot in modern democracies. In general, lotteries have the potential to fulfill five different functions in political decision making. The article is focussed on the contribution of lotteries to improve deliberative fora in modern democracies.
 
Open Access wird hier nicht nur als Modell des freien Zugangs zu wissenschaftlichen Texten gesehen, sondern darüber hinaus als eine Möglichkeit, das Allmende-Problem der Bibliotheksetats zu lösen. Open Access als eine spezielle Organisationsform für die Verbreitung wissenschaftlicher Ergebnisse erfordert jedoch nicht, das Urheberrecht als grundsätzlich obsolet zu betrachten. Der Ansatz, Wissen und jegliche Information zu einem öffentlichen oder gar freien Gut zu erklären und Piraterie zur Tugend zu proklamieren, wird nicht geteilt. Open Access is not only a model of free access to scientific texts but also a way, to solve the problem of the commons of the library-budgets. With open access as a special way of organizing the spread of scientific results the copyright is not getting obsolete. The approach, to declare science and any information as a public or free good and piracy a virtue is not shared. SchlüsselwörterOpen Access-Bibliothek-Zeitschriftenkrise-Allmende-Öffentliches Gut-Institutionelles Repositorium KeywordsOpen Access-Library-Increasing journal prices-Commons-Public good-Institutional repository
 
Das 1948 verfasste Hauptwerk Ludwig Dehios ist in der Forschung lange Zeit vor allem als Klassiker der Geschichtswissenschaft rezipiert worden. Der folgende Beitrag hingegen stellt die im Text verstreuten Theorieangebote systematisch heraus. Im Zentrum steht das Zusammenwirken von Raum und Zivilisationsprozess. Als Fluchtpunkt dieser weltgeschichtlichen Dynamik erscheint bereits eine unipolare Weltordnung. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Forschungskontroverse über die Zukunft der amerikanischen Vorherrschaft erhält der Text daher ein besonderes Gewicht. Einerseits eröffnet die Weiterführung der dehioschen Analyse der Debatte eine historische Tiefendimension. Andererseits aber sind die Annahmen eines deterministischen Bewegungsgesetzes der Geschichte zu hinterfragen. Ludwig Dehio’s 1948 magnum opus has been regarded first and foremost as one of the classic texts of historiography. The following analysis, however, emphasizes its suitability for theory building in the social sciences. According to Dehio, the interplay between space and civilizational processes is driving world politics toward a unipolar system. His ideas provide a unique perspective on the current debate about the future of American primacy. On the one hand, the causes of global unipolarity can be understood to pervade modern history. On the other hand, one has to doubt whether Dehio’s deterministic reasoning is still appropriate vis-à-vis contemporary world politics. SchlüsselwörterInternationale Beziehungen-Ludwig Dehio-Raum-Zivilisationsprozess-Gleichgewicht-Hegemonie-Unipolarität KeywordsInternational relations-Ludwig Dehio-Space-Civilizational process-Balance of power-Hegemony-Unipolarity
 
Abb. 3: Brian Knutson and stephanie M. Greer: Anticipatory affect: neural correlates and consequences for choice in: Philosophical Transactions of the Royal Society, series B, 363
Beim Zusammenbruch der Finanzmärkte im Herbst 2008 stellte die „Gier“ ein weit verbreitetes Deutungsschema der Entstehung der Krise dar. Im vorliegenden Aufsatz wird der Rekurs auf Gier nicht ideologiekritisch interpretiert, sondern als soziologische Information verstanden, die Auskunft über den Wandel ökonomischer Handlungsorientierungen im Finanzmarktkapitalismus gibt. In dem Maße, wie Banken sich gegenüber der Steigerungslogik spekulativer Renditen nicht mehr durch konkrete Organisationsziele abgrenzen, wird Gier zum Strukturprinzip des finanzökonomischen Handelns und verliert die zivilisatorisch erwünschte Fähigkeit, durch Bindung an langfristige wirtschaftliche Interessen sich zu einer „ruhigen Leidenschaft“ (David Hume) zu verwandeln. In the aftermath of the financial crisis of 2008, “greed” emerged as a popular interpretation pattern of the meltdown of the global financial markets. This article examines this recourse on greed not in the light of a critique of ideology, but considers it as sociological information on the ongoing change in the orientation patterns of economic action in financial market capitalism. With the banks failing to set their own boundaries against the escalatory logic of speculative gains by setting specific organizational goals, greed becomes the structural principle of economic action. As a result, greed is no longer linked with long-term economic interests and loses the civilizing ability to be transformed into a “calm passion” (David Hume). SchlüsselwörterFinanzkrise–Finanzmarktkapitalismus–Gier–Emotionssoziologie–Finanzsoziologie–Banken KeywordsFinancial crisis–Financial market capitalism–Greed–Sociology of emotions–Sociology of finance–Banks
 
Ausgehend von der Feststellung der Verschiebung der Kontrollmacht zugunsten des globalen Kapitals und zulasten demokratisch legitimierter Politik diagnostizieren wir eine Entleerung der Demokratie und eine Ökonomisierung des Sozialen. Die daraus sich ergebenden Gefährdungen für demokratische Mentalitäten in der Bevölkerung werden im zweiten Teil des Beitrags empirisch beleuchtet. In this paper we try to show that the power to control and shape societal events and development has shifted away from democratically legitimized politics and policymaking in favour of global capital. This process has resulted in an accompanying depletion of democracy and economic-sector domination of the social sphere. Our research indicates that both processes threaten the democratic mentality of citizens. SchlüsselwörterÖkonomisierung–Demokratieentleerung–Rechtspopulismus–Ungleichwertigkeit–Politische Entfremdung–Postdemokratie KeywordsEconomization–Depletion of democracy–Right-wing populism–Inequality–Political alienation–Post-democracy
 
Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) suchte in ihrer Gründungsphase mit der ‚Werturteilsfreiheit‘ eine eigenständige methodologische Rahmensetzung. Jedoch bestand über den damit verbundenen Anspruch bei der Gegenstandswahl und der Organisation wissenschaftlicher Aussagen ausgesprochener Dissens. Gerade der direkte Widerspruch zu einer naturwissenschaftlichen Soziologie bzw. einer ‚Rassensoziologie‘ sollte für die ‚Werturteilsfreiheit‘, verdeutlicht, immer wieder zu einem Kristallisationspunkt werden. Im Fokus dieser Problemstellung werden ausgewählte Begründungszusammenhänge und Wissenschaftlernetzwerke, in denen der Rassenbegriff in der DGS verhandelt wurde, vom späten Kaiserreich bis zum beginnenden Nationalsozialismus nachgezeichnet. When embodying the postulate of value-freedom in its constitutive statutes in 1910 the Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) aimed for its own methodological framework. The members failed, however, to reach an agreement about the explicit epistemological demands of value-freedom (‘object’, ‘structure of scientific propositions’). Notably, the obvious contradiction between value-freedom and a generalising ‘natural scientific’ sociology or to be precise to a ‘race sociology’ – turned out to become a matter of ongoing discussion that showed that the discursive rules of value-freedom were not agreed upon by all sides. Analysing the different ‘contexts of justification’ as well as particular scientific networks this contribution outlines the debates on the concept of ‘race’ within the DGS from the late Kaiserreich to the first years of Nationalsozialismus.
 
Zu den machtigsten Bildern des Alten Testamentes gehoren die beiden Monstra des Leviathan und des Behemoth, die Gott vor dem aufbegehrenden Hiob erscheinen last, um seine Macht zu demonstrieren. Wahrend das Symbol des Leviathan als hobbesches Urbild des modernen Staates immer wieder erforscht worden ist, trifft dies auf den Behemoth weniger zu. Ausgehend von William Blakes Darstellungen der beiden Monstra versucht der Artikel in groben Zugen eine Geschichte des Mit- und Gegeneinanders der beiden Untiere des Buches Hiob zu verfolgen. Beide besasen immer auch eine politische Bedeutung: als Antipoden zum agyptischen Horus, als apotropaische Verkorperungen des Antichristen und des Teufels im Mittelalter und als oppositionelle Bestien des Staatsfriedens und des Burgerkriegs bei Hobbes. Mit Blick auf das zwanzigste Jahrhundert verfolgt der Essay, wie Behemoth und Leviathan gleichsam die Fronten wechselten und wie mit der Schreckensminderung des Leviathan auch der Behemoth zivile Zuge bekam, wie schlieslich aber die Ruckkehr des Staates eine Ruckkehr zur Strenge des alttestamentlichen Textes erwarten last.
 
Using a fair number of documents from the Carl Schmitt legacy, this study shows in great detail the change in Schmitt’s view on Thomas Hobbes and the history of it’s reception in the field of political science. The author distinguishes between the way this symbol is used in a mythological context, the research of the background of the symbol in the field of constitutional history and the way Schmitt’s notion is dealt with in the history of political ideas. With the Schmittian view having been put into a historical perspective, the symbol of the “Leviathan” has gone beyond its former restrictions and can now be used again for a wider range of political views.
 
The separation of a public and a private sphere is essential for the normative self-understanding of liberal democracies. But the question of where to draw the line is a matter of intense public debate. The essay discusses problems of liberal self-containment with regard to private forms of life. It concentrates on the debate about reforms in family policies that is going on in Germany at present and concludes that the principle of neutrality is consistent with and even demands political measures of non-discrimination.
 
Scandinavia is, in spite of a few weaknesses still a socio-economic model for countries that do not want to follow the Anglo-Saxon route of far-reaching liberalization of the labour market and the welfare state. Most striking is the combination of high employment (including high public sector employment), the facilitation of employment for women, relatively low inequality and poverty, solid public finances and top-level competitiveness, particularly in Denmark, Finland and Sweden.
 
The introduction of the “Ich AG” (single person corporation) at the beginning of 2003 has led increasingly to the establishment of an own autonomous corporate model. It combines various concepts of individual freedom as well as independence from prescribed socio-economic structures allowing for personal self-realization on the one hand, with risks and constraints requiring a significant sense of individual responsibility on the other. Given this polarity this new form of entrepreneurship tends to become a continuous process of self-assertion and self-compromise.
 
This essay challenges various myths about the USA: ‘American exceptionalism’, and the assumption that the USA is both predominantly European in character and a general force for good in the world. Using Norbert Elias’s theory of civilising processes, it examines what is distinctive about American manners, violence in the USA, and state formation processes that have been continued in the form of empire formation processes. Overall, it is argued that the central historic experience shaping the ‘national character’ of Americans is of their country constantly becoming more powerful relative to its neighbours. This has had long-term and all-pervasive effects on the way they see themselves, on how they perceive the rest of the world, and how others see them.
 
, S. 8]
Der Markt für wissenschaftliche Publikationen wird von den großen Verlagen dominiert. Ihre elektronischen Zeitschriften verleihen Reputation, an ihren Zitierungen orientieren sich technokratische Ressourcenentscheidungen auf individueller und institutioneller Ebene. Gegenmacht konnte bisher nicht aufgebaut werden: Bibliothekskonsortien konnten Preissteigerungen nicht verhindern. Internet und Open-access-Initiativen haben sich als Alternative noch nicht bewiesen. Das Wissenschaftssystem wird von einer zunehmenden Kommerzialisierung bedroht. The market for scientific publishing is dominated by the big publishing houses. Reputation of scientists is attributed by their electronic journals. Ressources on individual and institutional levels are distributed according to bibliometric citation analysis. A balance of market-power could not be established: Library consortia did not impede journal price increases. Neither Internet nor open-access-initiatives could definitely convince of being alternatives. The science system is threatened by an ever increasing commercialisation. Schlüsselwörterelektronische Zeitschriften-wissenschaftliche Publikationen-Bibliothekskonsortien-Open-access-Bibliometrie-Zeitschriftenkrise-Wissenschaftsverlage KeywordsElectronic journals-Scientific publishing-Library consortia-Open-access-Bibliometrics-Journal crisis-Scientific publishers
 
Die Klimaproblematik ist sehr komplex und auf der internationalen politischen Agenda immer noch relativ neu. Daher ist es nicht sinnvoll, auf den Abschluss eines globalen Abkommens zu warten. Es wäre besser, einen mehrstufigen Lösungsansatz zu verfolgen, der auf der lokalen Ebene ansetzt, Vorteile klimapolitischer Anstrengungen auf mehreren Ebenen maximiert, und ein Prozess des Experimentierens und Lernens über Klimapolitik initiiert. Die konventionelle Theorie kollektiven Handelns sagt uns, dass die effiziente Nutzung von Ressourcen nur durch zwei Maßnahmen möglich ist: Privatisierung oder Verstaatlichung. Diese Ansicht behindert Fortschritte. Um dem Klimawandel langfristig erfolgreich zu begegnen, müssen sich alltägliche Verhaltensmuster von Einzelpersonen, Familien, Firmen, Gemeinden und Regierungen auf verschiedenen Ebenen ändern – insbesondere in den entwickelten Ländern. Climate change is a complex problem and still relatively new on the international agenda. Waiting for effective climate policies to be established at the global level is unreasonable and wastes valuable time. It would be better to adopt a multi-scale approach starting at the local level, maximizing benefits at varying levels and encouraging experimentation and learning from diverse policies. Conventional wisdom tells us that there are only two options for dealing with resource management: either privatization or management by the state. This view is hindering progress. Successfully addressing climate change in the long run requires substantial changes at multiple levels in the day-to-day activities of individuals, families, firms, communities, and governments especially those in the more developed world. SchlüsselwörterKlimapolitik–Öffentliche Güter–Mehrstufiger Ansatz KeywordsClimate policy–Public goods–Multi-scale approach
 
Norbert Elias hat zwischen funktionalen, institutionellen und habituellen Dimensionen sozialer Prozesse unterschieden, in denen sich Veränderungen nicht notwendigerweise synchron vollziehen. Die Unterscheidung dieser drei Ebenen ermöglicht eine differenzierte Analyse der gegenwärtigen Klimakrise: Auf der funktionalen Ebene erfordern wirksame Vermeidungs- und Anpassungsstrategien die Kooperation der internationalen Staatengemeinschaft, doch es mangelt an funktionsfähigen Institutionen, die dem Ausmaß dieser Interdependenzen entsprechen. Auf der mentalen bzw. habituellen Ebene zeigt sich eine gewachsene Aufmerksamkeit für den Klimawandel, und eine entstehende „globale Öffentlichkeit“ kann als Anknüpfungspunkt für internationale Klimaschutzbemühungen dienen. Norbert Elias distinguished between functional, institutional, and habitual dimensions of social processes, in which changes do not necessarily occur simultaneously. The paper draws on this analytical distinction in order to conduct a differentiated analysis of the current climate crisis. On the functional level, it is shown that climate change requires the commitment of the entire international community. On the institutional level, the disappointing outcome of international climate change negotiations illustrates the absence of a functioning global governance architecture, and the lack of capacity to solve one of the world’s most urgent and severe problems. On the habitual level, however, climate change has increasingly become an issue of global concern, of which the emergence of a new “global public” as a peripheral development of the Copenhagen Summit (COP 15) in December 2009 is only one of the most visible signs. SchlüsselwörterKlimawandel–Klimafolgen–Klimapolitik–Globalisierung–Internationale Beziehungen–Weltrisikogesellschaft–Prozesssoziologie KeywordsClimate change–Climate impacts–International climate governance–International Relations–Globalization–World risk society–Process sociology
 
Die Aufhebung nationaler Grenzen durch Europäisierung und Globalisierung schränkt den Handlungsraum gewerkschaftlicher Aktivitäten stark ein. Wie können sie auf diese Herausforderungen reagieren? Es zeigt sich, dass die verschiedenen Gewerkschaftsformationen je nach der Variante des Kapitalismus, in der sie ihre Handlungsmuster entwickelt haben, unterschiedliche Chancen haben. Die Möglichkeiten, auf der europäischen Ebene dem Globalisierungsdruck zu begegnen, sind sehr begrenzt, was nicht heißt, dass nicht Erfolge zu verzeichnen wären. Durch die ständige Kommunikation und Konsultation hat sich eine Kultur der europäischen Gewerkschaftspolitik herausgebildet, die gestärkt werden muss. The deregulation of national borders in the process of globalization and europeanization brings constitutes a number of challenges for trade union activities. Differences in industrial relations systems have translated into several types of trade union activities, each of which differently appropriate to deal with these challenges. The author pleas for a consolidation of European trade union culture and communication. SchlüsselwörterGewerkschaften-Europäisierung-Globalisierung-Arbeitsbeziehungen KeywordsTrade unions-Europeanization-Globalization-Industrial relations
 
There have always been debates on the “lazy unemployed” in the past, and they will probably accompany us in the future. Besides, the debates on laziness used to follow a specific recurrent pattern. At the same time, they mirror two structural problems within the unemployment insurance: undesirable selection and abuse. The article portrays the attempts on the part of the German unemployment insurance system to protect itself from abuse by intensifying the eligibility criteria and sanctions. In comparison to other countries it becomes clear that positive, flexible incentives have much more sustainable effects than negative, rigid sanctions. Therefore, the authors plead for more flexibility in sanction provisions and extended leeways concerning decisions to be made by the unemployed, the employed and also by the public employment services and the enterprises.
 
Bis 2015 soll der Anteil extrem armer Menschen an der Weltbevölkerung halbiert werden. Die Zahl der weltweit extrem Armen wird von der Weltbank anhand der Weniger-als-ein-Dollar-am-Tag-Armutsgrenze berechnet. Allerdings ist die Aussagekraft der Armutsstatistik umstritten. Dieser Artikel stellt deren Berechnungsmethodik kritisch dar und verweist auch auf neuere alternative Erfassungsansätze. Die Zahl der extrem Armen lässt sich in keinem Fall verlässlich bestimmen. Da die Weltbankstatistik aber den politischen Diskurs zur Armutsbekämpfung dominiert, erschwert dies eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema. The proportion of people living in extreme poverty is to be halved by 2015. The number of the extreme poor is calculated by the World Bank applying the less-than-a-dollar-a-day poverty threshold. However, the explanatory power of this data is disputed. This article highlights the methodology used by the Bank and comments on its shortcomings. It also presents alternative measurements. In any case, the statistics of extreme global poverty can not provide credible data. Due to its dominant position, the approach taken by the World Bank actually hinders a more open discussion of global extreme poverty. SchlüsselwörterArmut-Globale Armutsbekämpfung-Statistische Methoden-Weltbank KeywordsPoverty-Global fight against extreme poverty-Statistical methods-World Bank
 
Klimapolitik verteilt das Weltvermögen um: Wenn die internationale Staatengemeinschaft ein ambitioniertes Klimaschutzziel erreichen will, muss sie die Nutzung der Atmosphäre begrenzen und die Rechte an diesem Deponieraum verteilen. Dies hätte zur Folge, dass die Besitzer fossiler Ressourcen einen Großteil ihrer Ressourcenrente verlieren. Darüber hinaus befindet sich die internationale Klimapolitik in einem sozialen Dilemma. Obwohl Klimapolitik für alle Staaten vorteilhaft wäre, haben sie einen Anreiz, sich einem globalen Abkommen zu entziehen. Dennoch gibt es Ansätze, mit denen das Kooperationsproblem möglicherweise überwunden werden könnte. Wirksame Klimapolitik erfordert außerdem glaubhafte institutionelle Selbstverpflichtungen durch Regierungen. Climate policy redistributes global economic wealth. In order to achieve an ambitious climate stabilization goal, the international community needs to agree on a long-term emission budget and its distribution. This would reduce the resource rent of the owners of fossil resources. The international community also faces a social dilemma. While climate policy is beneficial for all countries, each has an incentive to defect from a global agreement. However, there are some approaches that might enable the international community to overcome the cooperation problem. Effective climate policy also requires credible institutional commitment by governments. SchlüsselwörterKlimapolitik–Ressourcenrente–Klimarente–Emissionshandel–Spieltheorie KeywordsClimate policy–Resource rent–Climate rent–Emissions trading–Game theory
 
Zum Flugverkehr als klimapolitischem ‚Ausreißer‘ wird zweierlei gefragt: 1. Nach dem zentralen Grund für die auf Expansion gerichtete Sonderstellung des (Flug-)Verkehrs; 2. Wie im konkreten Falle, bei der Erweiterung der Kapazität des Flughafens München, die klimapolitischen Randbedingungen marginalisiert werden. Aviation is the fastest growing sector, measured in GHG emissions. Subject are two issues: (1) What is the key reason for the extraordinary growth inclination of transport in general and of aviation especially? (2) How is it managed, that the process of arguing for an capacity expansion at Munich airport is biased, that any limitation due to the climate change challenge is systematicly neglected or marginalised? SchlüsselwörterFlugverkehr-Verkehrsinfrastruktur-Raumordnungsrecht-Treibhausgasemissionen-Emissionshandel KeywordsAviation-Transport-infrastructure-Planning law-GHG emissions-EU Emissions Trading System
 
Dieser Artikel stellt das Frontispiz des Leviathan, das Emblem des politischen Körpers, in neue Zusammenhänge: und zwar in jene von Sanität, Souveränität und einer beginnenden Biopolitik. Die Schnabelmasken der in der Forschung kaum beachteten Pestärzte werden dabei zum Schwer- und Drehpunkt der Interpretation. Als Wahrnehmungsfilter verändern sie die Sicht auf den dargestellten Staatskörper. This article presents the frontispiece of the Leviathan, the emblem of the Body Politic, in new contexts. Starting from a detail mostly overlooked in previous analyses, the masks of the plague doctors, the author sketches a new picture of sovereignty, establishing a connection to sanitation and biopolitics. As the crux of his interpretation and as a kind of perceptual filter, the masks of the plague doctors alter the view of the represented body. SchlüsselwörterHobbes– Leviathan –Sanität–Souveränität–Selektion–Denkbilder des Politischen–Biopolitik KeywordsHobbes– Leviathan –Sanitation–Sovereignty–Selection–Body politic–Biopolitics
 
Is the world witnessing “catch-up modernization” in the hegemonic western sense of the model? Or will China take an “alternative Asian path of development”? The scenario of pursuing a radically new automotive technology and building a “post-fossil fuel mobility industry” could be realistic — and desirable from the standpoint of resources and the environment. China would have less existing know-how to unlearn and less fossil-fuel infrastructure to write-off than any other country with an established automotive industry. But analyses also show how many factors indicate the merits of avoiding an alternative path when it comes to modernization as a whole and to China’s motorization.
 
In dem Artikel werden unterschiedliche Konzeptionen von Freiheit diskutiert. Dabei stehen die Spannungen zwischen politischen und individuellen Freiheitsansprüchen im Zentrum. Anhand der Untersuchung unterschiedlicher theoretischer Versuche, individuelle und politische Freiheitsdimensionen begrifflich zu integrieren, wird im Anschluss an Überlegungen Hegels und Leforts vorgeschlagen, das Verhältnis von individueller und politischer Freiheit als eines der dynamischen Vermittlung zu denken. Diese Vermittlung kann als eine fortwährende Befragung der Freiheit verstanden werden. The article discusses different conceptions of liberty. Its main focus is concentrated on the tensions between political and individual claims for liberty. On the basis of an examination of different theoretical attempts to integrate the individual and the political dimensions of liberty, it will be argued that the relationship between individual and political liberty is perceived best as one of a dynamic intermediation. This notion of an intermediation, which follows certain lines in the thought of Hegel and Lefort, can be conceptualized as a continuous interrogation of liberty.
 
Der Beitrag fragt nach der Reichweite des Friedensbegriffs und präsentiert dazu eine Umfrage unter Friedensforscher/inne/n. Die Ergebnisse legen nahe, dass wir nicht den Friedensbegriff brauchen, sondern vielmehr einen „heiteren Anarchismus“ (Feyerabend), der sich der Paradoxien und raum-zeitlich variierenden Konfigurationen von ‚Frieden‘ bewusst ist, einschließlich der potenziellen blinden Flecken darin. This paper makes an inquiry into the scope of the term ‘peace’ and presents a survey among peace researchers on the topic. The results suggest that we should not be looking for a fixed definition of peace, but rather, in keeping with the notion of “epistemological anarchism” (Feyerabend), a description that is aware of and takes into account the paradoxes and varying configurations of ‘peace’ over time and space, including potential blind spots. SchlüsselwörterFriedensbegriff–Gewalt–Krieg–Konflikt–Friedensforschung KeywordsPeace–Violence–Power–War–Conflict–Peace Studies
 
Der strukturelle realismus oder neorealismus ist seit dem ende der 1970er Jahre die einflussreichste Theorie der internationalen Beziehungen. Nach dieser Lehre gehören Kon flikte zum Wesen der internationalen Anarchie. Die Logik des Selbsthilfesystems zwinge Staaten, miteinander auf eine Art und Weise um Macht und Sicherheit zu konkurrieren, die Wettbewerb und Wohlstand fördere. Der Staat sei dazu verdammt, seine Sicherheit und die Chancen für seinen Fortbestand dadurch zu maximieren, dass er entweder die Mittel für Gewaltanwendung akkumuliert oder dass er Bündnisse mit stärkeren Mächten eingeht, welche aus eigennützigen Gründen bereit sind, ihren Sicherheitsschirm über anderen aufzuspannen. Die Optimierung von Strategien stößt an äußere Grenzen, die sich etwa aus der Notwendigkeit ergeben, im Umgang mit Großmächten oder dem Hegemon vorsichtig zu sein, oder sie rühren von den Beschränkungen eines Kräftegleichgewichts her, das den jeweiligen Staat daran hindert, anderen Vorschriften zu machen. Aus strukturrealistischer Sicht rangieren in jeder Erklärung für langfristige Trends und Tendenzen in der Weltpolitik internationale systemische Merkmale an erster Stelle; denjenigen, die die Dinge mit inländischen Kräften – mit der Rolle von Glaubenssystemen oder dem Regimetyp – erklären, wird eine reduktionistische Herangehensweise vorgeworfen. Solche Erklärungen könnten wohl jederzeit dazu dienen, außenpolitische Entscheidungen zu erhellen, brächten aber wenig Nutzen für das Verständnis der strukturellen Beschränkungen, denen alle politischen Entscheidungsträger unterliegen. In seiner Entstehungszeit behauptete der strukturelle Realismus, den Schlüssel für das Verständnis des europäischen Friedens zu besitzen. Eingezwängt zwischen den USA und der UdSSR hatten die westeuropäischen Staaten kaum eine andere Wahl als zusammenzuarbeiten, um sich einen gewissen Grad von Unabhängigkeit zu bewahren, selbst wenn dies Bündelung der Souveränität und Erosion traditioneller nationaler Rechte bedeutete. Auch die Kosten des Zweiten Weltkrieges förderten diesen Impetus; desgleichen die
 
Biopolitics, understood as the area of social conflict over how to deal with human life, the human body and human nature, hitherto is predominantly shaped by bioethics while the social sciences usually are deemed to be of minor importance. Contrasting with the programme of “sociological enlightenment on biopolitics” recently proposed by Wolfgang van den Daele, the article seeks to outline vital research questions and perspectives of a critical sociology of biopolitics which focuses on the analysis and reflection of the dominant problem framings established within bioethical and biopolitical discourse. These more general conceptual considerations are empirically illustrated using the example of the medicalisation of shyness, i.e. its transformation into a supposedly widespread mental disorder. As a conclusion, the concept of “reflexive autonomy” within biopolitics is suggested in order to avoid the shortcomings of both essentialist and empiristically narrowed notions of self-determination.
 
Top-cited authors
Ulrich Bröckling
  • University of Freiburg
Dirk Jörke
  • Technische Universität Darmstadt
Fritz W. Scharpf
  • Max Planck Institute for the Study of Societies
Christoph Deutschmann
  • University of Tuebingen
Sighard Neckel
  • University of Hamburg