Wissenschaft und Social Network Sites. Steckbrief 5 im Rahmen des Projekts Interactive Science.

Nentwich, René König

Journal Article: ITA-Reports 01/2011; a52-5.

Comments on this publication

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  • Researcher
    Die Namen sind irgendwie ein wenig durcheinander...

  • Researcher
    Korrekt... weiss gar nicht mehr, dass ich das hochgeladen haben soll... keine Ahnung, wie ich das ausbessern kann. Weisst Du das? Finde nur Add, Download und Remove... werde wohl in der Feedback-Section nachfragen.

  • Researcher
    Sonst lösche es doch. Ist ja offenbar eh zwei Mal drin.

  • Researcher
    2x? Aha... jetzt ist es oben auf dieser Seite offenbar richtig,,,, eigenartig.

  • Researcher
    Ja, schau mal auf mein Profil. Aber ok, wenn´s jetzt passt, auch gut.

  • Researcher
    Ncoh nicht ganz ausgereift hier.... aber das haben wir hoffe ich auch geschrieben ;-)

  • Researcher
    Das hoffe ich auch :)

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INSTITUT FÜR
TECHNIKFOLGEN-
ABSCHÄTZUNG
WISSENSCHAFT UND
SOCIAL NETWORK SITES
STECKBRIEF 5 IM RAHMEN DES
PROJEKTS INTERACTIVE SCIENCE
ITA-PROJEKTBERICHT NR. A-52-5
ISSN: 1819-1320
ISSN-ONLINE: 1818-6556
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INSTITUT FÜR TECHNIKFOLGEN-ABSCHÄTZUNG
DER ÖSTERREICHISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
Projektleitung: Michael Nentwich
Autoren: Michael Nentwich
René König


BEITRAG ZU TEILPROJEKT I „KOLLABORATIVES WISSENSMANAGEMENT UND
DEMOKRATISIERUNG VON WISSENSCHAFT“ DES VERBUNDPROJEKTS „INTERACTIVE
SCIENCE – INTERNE WISSENSCHAFTSKOMMUNIKATION ÜBER DIGITALE MEDIEN“,
GEFÖRDERT DURCH DIE VW-STIFTUNG

WIEN, JÄNNER 2011
WISSENSCHAFT UND
SOCIAL NETWORK SITES

STECKBRIEF 5 IM RAHMEN DES
PROJEKTS INTERACTIVE SCIENCE
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IMPRESSUM

Medieninhaber:
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Juristische Person öffentlichen Rechts (BGBl 569/1921 idF BGBl I 130/2003)
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, A-1010 Wien

Herausgeber:
Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA)
Strohgasse 45/5, A-1030 Wien
http://www.oeaw.ac.at/ita

Die ITA-Projektberichte erscheinen unregelmäßig und dienen der Veröffentlichung der
Forschungsergebnisse des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung.
Die Berichte erscheinen in geringer Auflage im Druck und werden über das Internetportal
„epub.oeaw“ der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt:
http://epub.oeaw.ac.at/ita/ita-projektberichte

ITA-Projektbericht Nr.: A-52-5
ISSN: 1819-1320
ISSN-online: 1818-6556
http://epub.oeaw.ac.at/ita/ita-projektberichte/d2-2a52-5.pdf
©2011 ITA – Alle Rechte vorbehalten
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Inhalt
Zusammenfassung ................................................................................................................................................. I
Summary................................................................................................................................................................II
1 Einführung ............................................................................................................................................................. 1
1.1 Definitionen und Typen.................................................................................................................................. 1
1.2 Übersicht und Zeitleiste.................................................................................................................................. 4
1.3 Finanzierungsmodelle..................................................................................................................................... 7
1.4 Übliche Funktionen und Kommunikationsformen ......................................................................................... 8
1.4.1 Profile..........................................................................................................................................................9
1.4.2 Kommunikation..........................................................................................................................................9
1.4.3 Vernetzung................................................................................................................................................10
1.4.4 Aufmerksamkeitslenkung.........................................................................................................................12
1.4.5 Gruppen ....................................................................................................................................................12
1.4.6 Kalender....................................................................................................................................................13
1.4.7 Literatur-bezogene Funktionen ................................................................................................................13
1.4.8 Weitere Dienste ........................................................................................................................................15
2 Nutzung von SNS in der Wissenschaft ........................................................................................................... 17
2.1 Potenzielle Funktionalität von SNS für die Wissenschaft ............................................................................ 17
2.2 Verbreitung und Nutzungsintensität ............................................................................................................. 20
2.3 Nutzungspraxen............................................................................................................................................ 22
2.3.1 Wissenschaftliche Nutzungspraxen in allgemeinen SNS........................................................................22
2.3.2 Nutzungspraxen in wissenschaftsspezifischen SNS................................................................................27
3 Potenzialabschätzung ......................................................................................................................................... 31
3.1 Herausforderung Multikanalität.................................................................................................................... 31
3.2 Netzwerkeffekte und informelle Kommunikation ........................................................................................ 32
3.3 Trend zur Multifunktionalität/One-Stop-Service.......................................................................................... 34
3.4 Identität, Pseudonymität und Anonymität .................................................................................................... 34
3.5 Privatsphäre und wissenschaftsspezifische SNS-Nutzung............................................................................ 36
4 Bewertung und Ausblick ................................................................................................................................... 39
5 Literatur................................................................................................................................................................ 43


Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1.1-1: Profilausschnitt bei ResearchGATE .........................................................................................................3
Abbildung 1.2-1: Beispiele von SNS-Gründungen 1997-2010 ............................................................................................6
Abbildung 1.4-1: Netzwerkvisualisierung mit „Social Graph“ in Facebook .....................................................................11
Abbildung 1.4-2: „Co-Author Network“ bei Vivo..............................................................................................................14
Abbildung 2.1-1: Typen wissenschaftlicher Aktivitäten und Rahmenbedingungen ..........................................................19
Abbildung 2.1-2: Typische Funktionalitäten von SNS .......................................................................................................19
Abbildung 2.3-1: Gruppensuche in der Kategorie Wissenschaft bei Xing (Ausschnitt)....................................................25
Abbildung 2.3-2: Auftritt von academics.de bei Facebook.................................................................................................25


Tabellenverzeichnis
Tabelle 1.2-1: Überblick über SNS.......................................................................................................................................5
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Zusammenfassung
Dieser Bericht widmet sich den zahlreichen Social Network Sites (SNS), die
sich in den letzten Jahren erfolgreich im Internet verbreitet haben und leuch-
tet ihr Potenzial für die Wissenschaftskommunikation und -kooperation aus.
SNS wie etwa das bekannte Facebook sind spezielle Internet-Plattformen, die
darauf ausgerichtet sind, soziale Netzwerke abzubilden, zu erhalten und neue
aufzubauen. Diese Aktivitäten werden durch eine entsprechende, meist Web-
basierte Infrastruktur unterstützt.
Zunächst wird auf den uneindeutigen Begriff der SNS und seine variierenden
Definitionen eingegangen und es werden verschiedene Typen von SNS vor-
gestellt. Anschließend werden übliche Finanzierungsmodelle dieser Dienste
erläutert und eine kurze chronologische Übersicht über die Entstehung der zahl-
reichen Plattformen gegeben. Dabei wird deutlich, dass neben allgemeinen
SNS, wie dem erwähnten Facebook, seit 2004 auch spezifisch auf die Wissen-
schaft ausgerichtete Spezialplattformen entwickelt wurden. Als Basis für die
nachfolgende Potenzialabschätzung werden die diversen technischen Funktio-
nen und Instrumente, die von den verschiedenen SNS mit unterschiedlichem
Abdeckungsgrad angeboten werden, detailliert beschrieben und systematisiert.
In einem nächsten Schritt werden SNS im Kontext der Wissenschaft betrach-
tet. Basierend auf einer Gegenüberstellung der typischen wissenschaftlichen
Aktivitäten und der zuvor dargelegten Funktionen der Dienste wird ihr hohes
theoretisches Potenzial bestimmt. Ergänzend werden die empirisch beobacht-
bare Verbreitung und die Nutzungspraxen in allgemeinen und wissenschafts-
spezifischen SNS dargestellt. Empirische Grundlage sind einerseits bestehende
Studien, andererseits eigene qualitative Beobachtungen. Zentrales Ergebnis ist,
dass bereits viele WissenschafterInnen begonnen haben, SNS zu nutzen, dass
aber von einer flächendeckenden Erfassung großer Teile der Fachcommuni-
ties bei weitem noch nicht zu sprechen ist. Auch decken die Nutzungspraxen
bislang noch nicht das potenziell weite Spektrum der Möglichkeiten ab.
Vor dem Hintergrund der theoretisch denkbaren und empirisch beobachtba-
ren Nutzung werden abschließend einige Überlegungen angestellt, um Poten-
zial und mögliche Konsequenzen für das Wissenschaftssystem bei verstärktem
oder gar umfassendem Einsatz von SNS abzuschätzen. Dabei werden mögliche
Netzwerkeffekte, die Rolle von informeller Kommunikation, von Anonymität
und Schutz der Privatsphäre ebenso angesprochen wie die Herausforderung,
die sich aus der Vervielfachung der Kommunikationskanäle für den wissen-
schaftlichen Arbeitsalltag stellen.
Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass eine Bewertung aufgrund der
aktuell besonders dynamischen Entwicklung nur sehr begrenzt vorgenommen
werden kann. Die konkreten Nutzungspraxen wären für die Einschätzung des
Potenzials sehr wichtig, sind aber noch zu wenig erforscht. Dennoch lässt sich
feststellen, dass auch die akademische Nutzung zunimmt, aber bislang trotz
teilweise beeindruckend hoher Nutzungszahlen eher experimentell und noch
wenig institutionalisiert ist; ohne Mobilisierung der NutzerInnen ist jedoch das
theoretische Potenzial kaum zu realisieren (wegen fehlender Netzwerkeffek-
te). Der akademischen Verwendung von SNS steht eine Reihe von Hinder-
nissen entgegen, insbesondere der zusätzliche Zeitbedarf, der einem für das
Individuum noch nicht sofort erkennbarem Nutzen gegenübersteht. Anderer-
seits ist zu betonen, dass SNS durchaus prinzipiell funktional für die wissen-
schaftliche Kommunikation und Kooperation sein können.
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II ______________________________________________________________________________________________ Summary
Summary
This report deals with the numerous social network sites (SNS) that have
spread successfully in the Internet over recent years and sheds light on their
potential for scholarly communication and cooperation. SNS like the well-
known Facebook are special Internet platforms designed for representing and
maintaining existing social networks and building up new ones. These activi-
ties are supported by a specialised, mostly web-based infrastructure.
To begin with, we address the issue of the vague term SNS and its various
definitions and the present different types of SNS. We then present an over-
view of the common business models of these services and a timeline of the
development of the numerous platforms. This shows that alongside the gen-
eral SNS such as the above-mentioned Facebook, platforms specializing in
academic uses have also been established since 2004. With a view to the fol-
lowing assessment, we provide a detailed description and systematization of
the various technical functions and instruments provided by the different SNS
with varying coverage.
In a next step we focus on SNS in the scholarly context. Based on a compari-
son of typical academic activities and the services’ functions previously de-
scribed, we identify their high theoretical potential. In addition, we map the
empirically observable coverage and user practices within general and schol-
arly SNS. The empirical basis for this assessment is previous studies and our
own qualitative observations. One key result is that many academics have al-
ready begun to use SNS – but we are far from being able to speak of a com-
prehensive coverage of the scholarly communities. Furthermore, scholars do
not exploit all potential usage opportunities.
Against the background of the theoretically conceivable and empirically ob-
servable usage, we finally assess the potential and possible impact of an in-
creased or even comprehensive use of SNS in academia. We analyse possible
network effects, the role of informal communication, of anonymity and the
protection of privacy as well as the challenge that results from the multiplica-
tion of communication channels in every day office life of scientists and re-
searchers.
We come to the conclusion that only a limited assessment is possible given
the particularly dynamic development of the field. While the concrete usage
practices would be very important for such an assessment, they are still un-
der-researched. Nevertheless, academics are also increasingly using SNS and
the figures are partly impressive, but usage seems still rather experimental and
scarcely institutionalised; without mobilisation, however, the theoretical po-
tential is hardly likely to be realised (lack of network effects). A number of
obstacles impede academic use of SNS, in particular the need for additional
time, which is accompanied by benefits that are not immediately visible for
the individual. In contrast we stress that SNS may indeed be functional for
academic communication and cooperation.
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1 Einführung
Social Network Site(s) (SNS) sind in den letzten Jahren zu einem fundamen-
talen Bestandteil des Webs geworden. Das populärste allgemeine Netzwerk
Facebook zählt über 500 Millionen Mitglieder und gehört zu den meist fre-
quentierten Webseiten der Welt. SNS bieten neuartige kommunikative Mög-
lichkeiten, allen voran die Vernetzung ihrer Mitglieder bzw. die Abbildung
ihrer offline bereits bestehenden Netzwerke. Auch und gerade für die Wissen-
schaftskommunikation ergibt sich hier ein interessantes Potenzial, weshalb
diese Untersuchung sich SNS aus dieser Perspektive nähert.
Diese Studie basiert auf einer umfassenden Internet- und Literaturrecherche
sowie auf teilnehmender und Selbstbeobachtung der beiden Autoren. Wir sind
zum Zwecke dieser Untersuchung in etlichen allgemeinen und speziell auf
die Wissenschaft ausgerichteten SNS selbst Mitglied geworden, da es weit-
gehend nur als Mitglied möglich ist, die Funktionen zu testen und insbeson-
dere die Netzwerkaktivitäten zu beobachten. Wir haben darüber hinaus einige
Aktivitäten, die in unseren sonstigen Arbeitsbereich fallen, selbst gesetzt,
d. h. versucht, über das jeweilige SNS abzuwickeln; dabei konnten wir Erfah-
rungen sammeln, wie SNS in der Praxis funktionieren und wie KollegInnen
damit umgehen. Diese Erfahrungen und Beobachtungen sind eine wesentliche
Quelle für diese Studie, da es noch recht wenig einschlägige qualitative Un-
tersuchungen und kaum quantitative empirische Erhebungen gibt.
Das erste Kapitel ist eine Einführung in den Gegenstand, wobei verschiedene
Definitionen und Typen der SNS vorgestellt (1.1), ein Überblick über die Ent-
stehungsgeschichte von SNS (1.2) sowie ihrer unterschiedlichen Finanzie-
rungsformen (1.3) gegeben wird und anschließend ihre wesentlichen kom-
munikativen Funktionen erläutert werden (1.4). In Kapitel 2 werden die Nut-
zungspraxen von SNS in der Wissenschaft näher erörtert und in Kapitel 3
werden das Potenzial und mögliche Konsequenzen für das Wissenschaftssys-
tem analysiert. Auf dieser Basis nehmen wir abschließend eine Bewertung von
SNS im Kontext der Wissenschaftskommunikation vor und geben einen Aus-
blick zum Thema (Kapitel 4).


1.1 Definitionen und Typen
Während unstrittig ist, dass es sich bei den bekannten Beispielen wie Face-
book oder Xing um SNS handelt, ist die genaue Definition des Begriffs we-
niger klar und eindeutig. Dies beginnt schon bei der Abkürzung selbst, für die
sich diverse Schreibweisen finden lassen: „Social Network Services“ oder
„Sites“, oder auch „Social Networking“. Hinzu kommen verschiedene Schreib-
weisen auf Deutsch, etwa „Soziale Netzwerkseiten“ oder „Soziale-Netzwerk-
Seiten“ und Begriffe abseits der Abkürzung wie „Social-Networking-Dienste“
(Richter/Koch 2008), „Netzwerkplattformen“ (Schmidt 2009, S. 23) oder „So-
cial Network Communities“ (Mack et al. 2007). Meist werden die Schreib-
weisen synonym gebraucht, d. h. sie bezeichnen mehr oder weniger dasselbe
Phänomen und unterscheiden sich nicht grundsätzlich. Einige AutorInnen re-
flektieren allerdings auch über gewisse begriffliche Differenzen:

Methode
Überblick
verschiedene
Schreibweisen und
Begriffe
Page 10
2 __________________________________________________________________________________________ 1 Einführung
„We chose not to employ the term ‘networking’ for two reasons: emphasis
and scope. ‘Networking’ emphasizes relationship initiation, often between
strangers. While networking is possible on these sites, it is not the primary
practice on many of them, nor is it what differentiates them from other
forms of computer-mediated communication (CMC).” (Boyd/Ellison 2007)
Ob nun Boyd und Ellison mit ihrer Annahme, SNS würden weniger der Be-
ziehungsinitiation dienen, zuzustimmen ist, ist im Rahmen dieses Berichts
nicht weiter zu erörtern (dazu auch: Beer 2008; Fuchs 2009, S. 4 ff.). Wir
schließen uns aus pragmatischen Gründen der Terminologie dieser Autorin-
nen an und übernehmen den Begriff Social Network Site(s), da er in der Lite-
ratur am ehesten noch etabliert ist und hier kein umfangreicher begrifflicher
Diskurs geführt werden soll. Gleichzeitig verweisen wir jedoch auf die un-
einheitliche Begriffslage, die offenbar aus der technischen Komplexität der
Plattformen resultiert. Entsprechend weicht die in diesem Bericht verwendete
Literatur teilweise von unserem Begriffsverständnis (siehe unten) ab.
Da SNS eine Vielzahl von Funktionen aufweisen, gestaltet sich eine trenn-
scharfe Definition nicht leicht. Entsprechend hängt es von der genauen Defi-
nition ab, welche Plattformen zu SNS gezählt werden. Schmidt betont hier
etwa
„(…) die Möglichkeit, innerhalb eines durch Registrierung geschlossenen
Raums ein persönliches Profil anzulegen, davon ausgehend soziale Bezie-
hungen zu anderen Nutzern explizit zu machen und mit Hilfe des so arti-
kulierten Freundes- oder Kontakt-Netzwerks auf der Plattform zu navigie-
ren bzw. zu interagieren.“ (Schmidt 2009, S. 23)
Die Fokussierung auf die zentrale Funktion von Profilen erscheint notwendig,
um eine Abgrenzung von anderen Diensten vornehmen zu können. Denn für
eine bloße Vernetzung kommen hier eine ganze Reihe in Frage, die jedoch
typischerweise nicht zu SNS gezählt werden, etwa auch der Voice-over-IP-
Dienst Skype oder der Microblogging-Dienst Twitter. Bei letzterem sind die
„Profile“ sehr reduziert und es steht die aus den Meldungen zusammenge-
setzte „Timeline“ im Zentrum. Dennoch ist zu beobachten, dass auch bei die-
sen Diensten immer mehr SNS-ähnliche Funktionen angeboten werden (etwa
bei Twitter Vorschläge für andere Profile usw.), so dass diese – je nach ver-
wendeter Definition – durchaus auch zu SNS gezählt werden könnten. Die in
dieser Untersuchung beleuchteten SNS zeichnen sich dadurch aus, dass die
dortigen Profile der NutzerInnen einen zentralen Netzwerkknoten darstellen,
der über verschiedene Kanäle adressiert werden kann.
Differenzen bestehen zwischen den SNS, wie genau die Profile angelegt wer-
den können (etwa ihr Grad der Privatsphäre und die Organisation der darüber
verfügbaren Informationen) und welche Kommunikationsmodi zwischen ih-
nen angeboten werden (vgl. Boyd/Ellison 2007). Die gemeinsamen Kern-
funktionen von SNS sind dabei Identitätsmanagement und Kontaktverwaltung
(vgl. Richter/Koch 2008). Die Profile bilden innerhalb der Plattformen – mehr
oder weniger öffentlich – die vorhandenen Kontakte ab und es werden über
verschiedene Wege Zugänge zu weiteren Mitgliedern, also Networking, er-
möglicht. Abbildung 1.1-1 zeigt beispielhaft den Ausschnitt eines Profils bei
ResearchGATE, einem SNS speziell für Wissenschaften (dazu auch Kapitel
2.3.1).
trennscharfe Definition
schwierig
Zentralität von Profilen
Kernfunktionen:
Identitätsmanagement,
Kontaktverwaltung,
Networking
Page 11
1.1 Definitionen und Typen ________________________________________________________________________________ 3

Abbildung 1.1-1: Profilausschnitt bei ResearchGATE
Je nach Breite bzw. Fokus der jeweiligen Definition, lassen sich auch ver-
schiedene historische Ursprünge für SNS ausmachen. Viele Dienste starteten
auch gar nicht als typische SNS, sondern wurden erst nachträglich durch ent-
sprechende Zusatzfunktionen in diese Richtung entwickelt, etwa das in China
populäre QQ, das zunächst als Instant Messaging Service1 gegründet wurde
(Boyd/Ellison 2007).
Die konkrete technische Ausgestaltung der jeweiligen Kommunikationsmög-
lichkeiten variiert u. a. auch deshalb, weil teilweise verschiedene Zielgruppen
mit unterschiedlichen Bedürfnissen angesprochen werden. So lassen sich ver-
schiedene Typen von SNS unterscheiden.
Zunächst finden sich Variationen hinsichtlich der intendierten Nutzungsformen.
Während bei einigen SNS typischerweise die private Nutzung überwiegt (z. B.
StudiVZ/SchülerVZ/MeinVZ, MySpace), dominieren bei anderen berufliche
Einsatzgebiete (z. B. Xing, LinkedIn, ResearchGATE). Weitere weisen häufig
Überlappungen beider Bereiche auf (z. B. Facebook).

1 Ein Instant Messaging Service ist ein System zur Nachrichtenübermittlung in mehr
oder weniger Echtzeit (umgangssprachlich auch: „Chatten“).
verschiedene Typen
Nutzungsformen:
• privat
• beruflich
• gemischt
Page 12
4 __________________________________________________________________________________________ 1 Einführung
Den unterschiedlichen Einsatzgebieten entsprechend, gibt es auch Abwei-
chungen bei den Zugangsvoraussetzungen. Diese können grundsätzlich offen
sein, d. h. nur eine rudimentäre Zugangskontrolle via Registrierung erfordern,
die jedoch von allen WWW-NutzerInnen prinzipiell durchführbar ist (vgl.
Richter/Koch 2008). Dies ist bei vielen populären SNS der Fall (z. B. Face-
book, StudiVZ/SchülerVZ/MeinVZ, MySpace). Daneben gibt es jedoch auch
(teilweise) kostenpflichtige Angebote (z. B. Xing), die eine volle Zugänglich-
keit nur bei entsprechenden Beitragszahlungen erlauben. Schließlich gibt es
spezielle Netzwerke, die nur einer bestimmten Community offen stehen, etwa
einer Firma oder Forschergruppe (bei Ning lassen sich etwa solche speziellen
und meist kleinen SNS aufbauen).
Auch die technische Gestaltung der verfügbaren Kommunikationsformen
weicht u. a. im Hinblick auf die verschiedenen Bedürfnisse ab. Zur wohl eher
privaten Nutzung werden hier z. B. das „Anstupsen“ bzw. „poking“ (Facebook)
oder ähnlich das „Gruscheln“ (VZ-Gruppe) angeboten, während professionel-
le Netzwerke wie ResearchGATE etwa Möglichkeiten zur Literatursuche lie-
fern (eine detaillierte Beschreibung der verschiedenen Funktionen erfolgt in
1.4).


1.2 Übersicht und Zeitleiste
Eine Übersicht über eine Reihe relevanter SNS mit dem oben beschriebenen
Fokus auf Profilen und unter besonderer Berücksichtigung von wissenschafts-
spezifischen SNS gibt Tabelle 1.2-1. Sie erhebt keinerlei Anspruch auf Voll-
ständigkeit und repräsentiert lediglich eine Auswahl von SNS, die für unseren
Fokus besonders interessant erschien, sowie einige wichtige größere Dienste.2
Im Wesentlichen unterscheiden wir zwischen allgemeinen SNS, die sich durch
ihren nicht näher definierten oder recht breit angelegten Nutzungszweck aus-
zeichnen und wissenschaftsspezifischen SNS, die besonders für akademische
Zwecke entwickelt wurden.
Tabelle 1.2-1 gibt – obwohl hier nur ein kleiner Ausschnitt wiedergegeben ist
– einen Eindruck über die Quantität und Heterogenität des beobachteten Phä-
nomens: Unter den vielen Diensten gibt es sehr große mit vielen Millionen
Mitgliedern und sehr kleine, die weniger als 100 Profile enthalten.


2 Siehe auch die Kategorie „Social Network Sites“ der Cyberlinks-Sammlung, in der
eine größere Auswahl an SNS mit Kurzbeschreibungen und Internetadressen gelistet
ist: www.oeaw.ac.at/cgi-usr/ita/cyber.pl?cmd=get&cat=64. Eine umfangreiche Liste
von allgemeinen SNS findet sich z. B. unter
en.wikipedia.org/wiki/List_of_social_networking_websites (zuletzt aufgerufen am
20.12.10); vgl. auch die Liste „149 Social Networks aus Deutschland“ (15.04.08),
netzwertig.com/2008/04/15/zn-aktuelles-ranking-149-social-networks-aus-deutschland
(zuletzt aufgerufen am 20.01.11).
Zugangsvoraussetzungen:
• offen
• kostenpflichtig
• geschlossene Gruppe
Kommunikationsformen
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1.2 Übersicht und Zeitleiste ________________________________________________________________________________ 5
Tabelle 1.2-1: Überblick über SNS
Name Anzahl der Mitglieder* Gründungsjahr Zugang URL
Allgemeine SNS
Facebook 500.000.000 2004 frei facebook.com
MySpace 100.000.000 2004 frei myspace.com
LinkedIn 80.000.000 2003 premium linkedin.com
VZ-Gruppe 17.000.000 2005 frei www.studivz.net
Xing 10.000.000 2003 premium xing.com
Wissenschaftsspezifische SNS
ResearchGATE 700.000 2008 frei researchgate.net
Mendeley 676.000 2009 frei mendeley.com
Sciencestage 270.000 2008 frei sciencestage.com
Academia.edu 211.000 2008 frei academia.edu
Vivo 40.841 2004/2010 frei vivo.ufl.edu
Nature Network 25.000 2007 frei network.nature.com
Epernicus 20.000 2008 frei epernicus.com
research.iversity 9.400 2008 frei research.iversity.org
LabRoots 4.000 2008 frei labroots.com
myExperiment 3.500 2007 frei myexperiment.org
arts-humanities.net 1.500 2008 frei arts-humanities.net
ScholarZ.net 393 2008 frei scholarz.net
Science 3.0 230 2010 frei science3point0.com
AtmosPeer 125 2010 frei atmospeer.net
iAMscientist >100 2010 geschlossen iamscientist.com
edumeres.net 100 2009 frei edumeres.net
EPTA Ning 83 2008 Einladung eptanetwork.ning.com
Research Cooperative 3.186 2008 frei researchcooperative.org
ScienXe.org NA 2005 premium scienxe.org
SciSpace NA 2007 frei scispace.com
Labmeeting NA 2008 kostenpflichtig labmeeting.com
Ways.org NA 2004 frei ways.org
* In dieser Sammelfußnote sind alle Quellen zur Erhebung des aktuellen Standes der
Mitgliederzahlen Ende 2010 aufgeführt (alle URLs zuletzt aufgerufen am 14.12.10):
Facebook: facebook.com/press/info.php?statistics;
MySpace: myspace.com/pressroom/fact-sheet; LinkedIn: press.linkedin.com/about_de;
VZ-Gruppe: meinvz.net/l/about_us/1/ (Stand Juli 2010); Xing: xing.com/help/guided-tour-4;
ResearchGATE: researchgate.net; Mendeley: mendeley.com;
Sciencestage: geozon.info/2010/04/15/comparison-chart-of-scientific-networks
(erstellt Februar 2010); Academia.edu: academia.edu;
Vivo: vivo.slis.indiana.edu/images/gallery/activity_poster.pdf (erstellt Juli 2010);
Nature Network: network.nature.com; Epernicus: epernicus.com/about/public_site;
Research.iversity: www.iversity.org/profiles; LabRoots und myExperiment:
wie Sciencestage; arts-humanities.net: Procter et al. (2010, S. 41; Stand: Juni 2010);
ScholarZ: scholarz.net/community_others/search (Suche nach allen Mitgliedern
innerhalb der SNS); Science 3.0: www.science3point0.com/members;
AtmosPeer: wie Sciencestage; iAMscientist: www.iamscientist.com/people;
Edumeres: Angabe von Andreas L. Fuchs auf der Tagung DigiWiss 2010 in Köln,
21.9.2010, www.scivee.tv/node/25099;
EPTA Ning: eptanetwork.ning.com/profiles/members (nur mit Anmeldung sichtbar);
Research Cooperative: researchcooperative.org/profiles/members.
Page 14
6 __________________________________________________________________________________________ 1 Einführung

Abbildung 1.2-1: Beispiele von SNS-Gründungen 1997-2010
Quelle: Basierend auf Heidemann (2010); wissenschaftsspezifische SNS kursiv und in
grün; Ergänzungen ab 2008 hier nur für wissenschaftsspezifische SNS. Anmerkung: Die
von Heidemann verwendete Definition von SNS deckt sich nicht vollständig mit unserer.
AsianAvenue Six Degrees.com
Care2 Xanga
BlackPlanet
LiveJournal
Cyworld
LunarStorm
Habbo
Trombi.com
MiGente
Jappy
Kwick
Ryze
Last.FM
Reunion.com
Friendster
StayFriends
Fotolog
Skyblog
Couchsurfing
Open BC/Xing
MySpace
Nexopia
Zorpia
CafeMom
Itsmy
MyChurch
Wer kennt wen
Catster
Netlog
Flickr
Tagged.com
Vivo
Orkut
Piczo
Ways.org
Hyves
Multiply
LinkedIn
WAYN
Tribe.net
Hi5
Dogster
Bebo
Flixster
Yahoo!360
Buzznet
Xiaonei
Mixi
Ning
YouTube
Qype
Lokalisten
ScienXe.org
myYearbook
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Vkontakte.ru
Geni.com
Windows Live Spaces
Sonico.com
SciSpace
Bahu
myExperiment
Ravelry
Livemocha
Wis.dm
Nature Network
Epernicus
ResearchGATE
MeinVZ
Academia.edu
research.iversity
Sciencestage
LabRoots
ScholarZ.net
EPTA Ning
arts-humanities.net
Labmeeting
Research Cooperative
Mendeley edumeres.net
Science 3.0
AtmosPeer
iAMscientist
Facebook

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1.3 Finanzierungsmodelle _________________________________________________________________________________ 7
Abbildung 1.2-1 macht deutlich, dass die ersten SNS bereits Ende der 1990er
Jahre auftauchten und dass die große Gründungswelle um 2002/2003 einsetz-
te. Bemerkenswerterweise ist die heute größte Plattform, Facebook, erst 2004
ans Netz gegangen. In dieses Jahr fällt auch die Gründung der ersten beiden
wissenschaftsspezifischen SNS (Vivo, Ways.org), wobei diese damals noch
eher in der Entwicklungsphase waren. Im Fall von Vivo erfolgte die Imple-
mentierung auch zunächst lediglich lokal, während der überregionale Start
erst 2010 erfolgte. So lässt sich feststellen, dass die meisten wissenschafts-
spezifischen SNS erst ab 2007 gegründet wurden, es sich also in der Breite um
ein relativ junges Phänomen handelt.


1.3 Finanzierungsmodelle
Blickt man auf die Finanzierungsgrundlage von SNS, fällt deren Uneinheit-
lichkeit auf. Grob lassen sich hier folgende Finanzierungsmodelle empirisch
beobachten und unterscheiden:
• NutzerInnen-spezifische Werbung: Die mitunter umfangreichen Daten, die
NutzerInnen in die Dienste eingeben, geben nicht selten ein umfassendes
Bild der Interessen von Personen und Gruppen. Dies macht sie privatwirt-
schaftlich attraktiv, da durch Auswertung der Nutzerdaten insbesondere
gezielte personalisierte Werbung geschaltet werden kann. Um möglichst
viele Personen für das Netzwerk zu gewinnen, bleibt es in der Regel kos-
tenfrei, wobei der Auswertung der Daten zugestimmt werden muss. Man
folgt demnach einem „Dienst-gegen-Profil-Modell“ (Elmer 2004; Rogers
2009), wie es z. B. die VZ-Netzwerke und Facebook anwenden.
• Streuwerbung: Neben der personalisierten Werbung, wie sie in obigem
Modell geschaltet wird, kann auch breiter gestreute Werbung eingespeist
werden, etwa auf Startseiten (z. B. VZ-Gruppe).
• Gebühren: Einige SNS erheben für die Nutzung bestimmter Premium-
Funktionen (z. B. Xing, ScienXe) Gebühren. Dazu gehören auch gewisse
Anwendungen oder spezielle Seiten wie „Edelprofile“ in der VZ-Gruppe
für kommerzielle Anbieter. Bei manchen dieser Jobbörsen ist der Dienst
für die Mitglieder gratis, nicht aber für die Anbietenden (z. B. Xing).
• Fördergelder: Manche SNS werden durch projektgebundene (öffentliche)
Fördergelder finanziert (z. B. Vivo, research.iversity, ScholarZ.net).
• Spenden: Da die kommerziellen Modelle vielfach kritisiert werden (insbe-
sondere Datenschutzprobleme im Kontext des Modells „NutzerInnen-spe-
zifische Werbung“ sorgen hier für Diskussion), zahlen einige NutzerInnen
bereitwillig Spenden für alternative Angebote. Vorreiter ist hier Diaspora,
eine im Aufbau befindliche SNS, die vor allem als Gegenmodell zu Face-
book entwickelt wurde. Zur Werbung von Spendengeldern wird besonders
auf das Internet gesetzt (durch sogenanntes „Crowd Funding“).
• „Start-Up“: Häufig wird zunächst in die Infrastruktur und Mitgliederakk-
reditierung investiert, ohne dass die SNS unmittelbar Gewinne generiert.
Hintergründiger Gedanke ist dabei in der Regel, zunächst eine möglichst
große Mitgliederzahl zu erreichen, da dies das wesentliche Kapital einer
jeden SNS ist.
Selbstverständlich schließen sich diese Finanzierungsmodelle nicht gegensei-
tig aus. Tatsächlich treten sie meist kombiniert bzw. zeitlich variierend auf.
Die VZ-Gruppe startete etwa mit StudiVZ als Start-Up, das zunächst von den
Gründern finanziert wurde, bis es schließlich an den Holtzbrinck-Verlag ver-



Dienst-gegen-Profil-
Modell
Finanzierungsmodelle
im Wandel
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